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                  <text>Information
und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of Amenci

20. Februar 1980

12

INHALT

INFORMATION
Langfristige nukleare Entsorgung
- Präsident Carter kündigt Sonderprogramme an Pressekonferenz Präsident Carters vom 13. Februar 1980
- Auszüge
DOKUMENTATION
Erklärung des amerikanischen Außenministers vor der Vollversammlung
des IOC
USA würdigen Schlußbericht der Brandt-Kommission
- Presseverlautbarung der IDCA HINTERGRUNDMATERIAL
Sowjetische Beschuldigungen gegen die USA "vollkommen aus der Luft
gegriffen"
Die Bedeutung wissenschaftlicher Ost-West-Kontakte
- USICA-Interview mit Dr. Philip Handler, Präsident der Nationalen
Akademie der Wissenschaften WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Lizenz für akustisches Mikroskop an Fa. Leitz

Um Übcr/cnJung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Information
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20. Februar 1980

12

LANGFRISTIGE NUKLEARE ENTSORGUNG
Präsident Carter kündigt Sonderprogramme an

- (AD) - In einer dem amerikanischen Kongreß am 12. Februar 1980
unterbreiteten Botschaft kündigte Präsident Carter ein umfassendes
Sondierungs- und Forschungsprogramm zur nuklearen Entsorgung für Abfälle
aus Atomkraftwerken und der militärischen Forschung an, das vorläufig auf
fünf Jahre befristet ist. Bundesregierung und Einzelstaaten sollen eng
zusammenarbeiten, um in den Vereinigten Staaten geeignete unterirdische
Lagerstätten zu finden, wo radioaktive Abfälle völlig isoliert von Menschen
und den von ihnen benutzten Dingen und Materialien deponiert werden können.
Präsident Carter hofft, daß bis Mitte der achtziger Jahre mehrere
in Frage kommende Lagerstätten ausfindig gemacht werden und Mitte der neunziger Jahre betriebsbereit sind.

"Mein Hauptziel im Zusammenhang mit der

nuklearen Entsorgung ist es, die Gesundheit und Sicherheit aller Amerikaner
zu schützen - jetzt genauso wie in der Zukunft", erklärte der Präsident.
Die Verantwortung für die Lösung des Problems dürfe nicht künftigen Generationen zugeschoben werden.
Die

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�Die bisherigen Bemühungen der Regierung um die Beseitigung radioaktiver Abfälle und die nukleare Entsorgung waren nach Ansicht Präsident
Carters "vom technischen Standpunkt aus gesehen nicht ausreichend".

Um-

weltschutzverbände und andere öffentliche Interessengruppen bezeichneten
den Plan des Präsidenten als "den ersten Schritt in Richtung auf ein
vernünftiges" nukleares Entsorgungsprogramm.

Nukleare Abfälle wurden

bisher in Zwischenlagern deponiert.
Kernstück des Carter-Planes ist ein umfassendes geologisches Forschungsund Explorationsprogramm, in dessen Verlauf zahlreiche unterirdische
Gesteinsarten und verschiedene Regionen untersucht werden sollen. Gesteinstypen vulkanischen Ursprungs wie Basalt und Tuff würden ebenso einbezogen wie Salzstöcke und andere Salzablagerungen, Granit, Schiefer- und
Tonschichten.

Die Formationen müssen isoliert sein von Quellen für

Grundwasser, frei von Rissen, über die Wasser einsickern könnte, und sie
dürfen sich nicht in erdbebengefährdeten Zonen befinden.
"Von der Idee langfristiger oberirdischer Lagerung halten wir nichts",
meinte Stuart Eizenstat, Berater Präsident Carters, nach der Ankündigung
des Programms. Dem Kongreß liegen z.Zt. mehrere Vorschläge über eine
langfristige oberirdische Lagerung vor, über die noch nicht entschieden
wurde.
Präsident Carter betonte, daß die Suche nach unterirdischen Lagerstätten mit einem Höchstmaß an Gründlichkeit erfolgen müsse, denn die
Eignung eines möglichen Deponieortes kann nur mit Hilfe detaillierter und
zeitraubender standortspezifischer Analysen sowie genauer Untersuchung
des geologischen Umfeldes ermittelt werden. Außerdem müßten Anlage und
Ausbau einer Lagerstätte "sorgfältig Schritt für Schritt" durchgeführt
werden.
Das

�Das bisher einzige Projekt für die unterirdische Lagerung radioaktiver
Abfälle - die Pilotanlage zur Abfall Isolierung bei Carlsbad, New Mexiko wird, wie Präsident Carter ankündigte, nicht weitergeführt.

Jedoch wird

der Standort als Entsorgungszentrum zusammen mit zehn weiteren möglichen
unterirdischen Deponieplätzen in den USA weiterhin geprüft.

Neben der

Durchführung geologischer Untersuchungen wird das amerikanische Energieministerium auch Forschungsprojekte auf dem Gebiet anderer Entsorgungstechniken wie z.B. der chemischen und metallurgischen Behandlung oder
dem absolut lecksicheren "Einpacken" von radioaktivem Material erheblich
ausweiten. "An diesem ergänzenden Forschungs- und Entwicklungsprogramm"
so Präsident Carter, "sollen sich die besten Naturwissenschaftler,
Ingenieure und Spezialisten anderer Gebiete...von den Universitäten,
der Industrie und von staatlichen Instituten beteiligen."

Mittlerweile wurde der Kongreß ersucht, die Genehmigung zum Ankauf,
Bau oder zur Verbesserung von Anlagen zu erteilen, wo verbrauchter Kernbrennstoff amerikanischer Herkunft "und eine begrenzte Menge verbrauchten
Kernbrennstoffs ausländischer Herkunft für den Fall gelagert werden kann,
daß damit den Zielen unserer Nonproh'ferationspol itik gedient wird", solange keine Endlagerstätten dafür vorhanden sind.

Die Vorschläge des

Präsidenten basieren auf den Ergebnissen zweijähriger Untersuchungen
einer Studiengruppe aus Vertretern von öffentlichkeit, Industrie, Bürgerinitiativen, einzelstaatlichen und kommunalen Behörden, Kongreß sowie
von Wissenschaftlern aller Fachgebiete, die die nukleare Entsorgung überprüften .

Angesichts des wachsenden öffentlichen Interesses an der Mitwirkung
bei Entscheidungen über die nukieare Entsorgung schuf der Präsident einen
"Planungsrat der Einzelstaaten", cem d^e Gouverneure der amerikanischen
Bundesstaaten angehören.

Er soll dazu beitragen, "unserer gemeinsamen

Verantwortung für den Schutz der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit
gerecht zu werden".

Außerdem wies Präsident Carter sämtliche Ministerien

- 3 -

�;

•&gt;

i

Ministerien und Behörden an, alle Mechanismen zu verbessern, um die
Beteiligung und Unterrichtung der Öffentlichkeit hinsichtlich aller
Aspekte des nuklearen Entsorgungsprogramms zu gewährleisten.
In einer nach der Ankündigung des Programms einberufenen Pressekonferenz wiesen Stuart Eizenstat, Wissenschaftsberater Dr. Frank Press
und Dr. John Deutch, Leiter der Forschungsabteilung im amerikanischen
Energieministerium,.darauf hin, daß die Atommüll-Frage "ein zähes Problem
sei und man noch einen langen Weg zu gehen habe.

+ + + + +

- 4-

�3

CO

I

Dokumentation
International Communication Agency
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12

20. Februar 1980

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT CARTERS VOM 13. FEBRUAR 1980
- Auszüge -

WASHINGTON

- (AD) - Präsident Jimmy Carter hat auf seiner Presse-

konferenz am 13. Februar 1980 vor allem zu Fragen Stellung genommen, die
sich mit der Lage der amerikanischen Geiseln in Teheran sowie mit der
durch den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan hervorgerufenen weltpolitischen
Situation befaßten.

Ein Teil der Pressekonferenz war auch innenpolitischen

Problemen sowie Wahl kämpfthemen gewidmet.
Nachstehend geben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zu den
außenpolitischen Themen wieder.
Der Präsident eröffnete die Pressekonferenz mit folgender Erklärung:
Seit dem Tage, an dem unsere Botschaft in Teheran besetzt wurde, hatten
wir zwei Ziele: das erste, die Sicherheit und Freilassung der als Geiseln
festgehaltenen Amerikaner und das zweite, den Schutz unseres nationalen
Interesses in diesem kritischen Gebiet der Welt. Seit jenem Tag haben wir

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�wir jede Möglichkeit zur Erreichung dieser Ziele verfolgt.

Nichts ist

bei der Suche nach einer Lösung unversucht geblieben.
Während der letzten Wochen sind unsere Bemühungen und Aktivitäten
außerordentlich

Jelikat und intensiv geworden.

Kürzlich gab es einige

positive Zeichen, aber die Erfahrung hat uns gelehrt, uns vor jedem übermäßigen Optimismus zu hüten.

Seit Mitte November haben wir und Vertreter

des Iran mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, Waldheim, seinen
Vorschlag erörtert, eine Untersuchungskommission nach Teheran zu entsenden.
Wir würden Schritte der Vereinten Nationen unterstützen, die zu der Freilassung der Geiseln führen könnten, wenn diese Schritte mit unseren
eigenen Zielen und unseren wesentlichen internationalen Grundsätzen
vereinbar sind.

Eine geeignete Kommission mit einer sorgfältig fest-

gelegten Zielsetzung wäre ein Schritt zur Lösung dieser Krise.
Ich weiß, daß Sie und das amerikanische Volk verstehen werden, daß
es mir zu diesem kritischen Zeitpunkt nicht möglich ist, über irgendwelche
spezifischen Bemühungen zu sprechen oder ausführlicher zu ihnen Stellung
zu nehmen, die vielleicht im Gange sind oder über Vorschläge, die zur
Beendigung der Krise nützlich sein könnten. Ich danke Ihnen
FRAGE: Herr Präsident, wenn die Krise in Afghanistan eine so reale
und so schwerwiegende ist, wie Sie gesagt haben, daß sie es sei, haben
die Vereinigten Staaten dann überhaupt die militärische Kapazität, um mit
ihr fertig zu werden, ohne Kernwaffen einzusetzen?
ANTWORT:

Es ist eine große Krise, die durch die sowjetische Invasion

in Afghanistan ausgelöst wurde und zwar aus mehreren Gründen.

Vor allem

ist dies ein entscheidend wichtiges Gebiet der Welt, für uns, für unsere
Verbündeten und für andere Länder.

Zweidrittel aller ölexporte in die gesamte

Welt kommen aus dem Gebiet um den Persischen Golf.

Zum anderen ist es ein

außerordentlich unbeständiger, sich rasch wandelnder und instabiler Teil

- 2 -

�Teil der Welt.

Dirttens, haben die Sowjets im Verlauf einer Reihe von

Jahren eine stetige militärische Aufrüstung betrieben, die uns Sorge
bereitet hat, und auf die wir, seitdem ich im Amt bin, reagiert haben.
Und viertens, haben die Sowjets in einer beträchtlichen Abweichung von
allem, was sie seit dem Zweiten Weltkrieg bisher getan haben, nunmehr
gezeigt, daß sie gewillt sind, ihre Streitkräfte über ihre eigenen Grenzen
hinaus zu einer massiven Invasion Afghanistans einzusetzen.
Die von mir ergriffenen Gegenmaßnahmen auf diese Schritte sind zweckmäßig und, wie ich glaube und hoffe, angemessen. Wir müssen die Sowjetunion
durch friedliche Mittel überzeugen, daß sie nicht ungestraft in ein
unschuldiges Land einfallen kann, und die Sowjets müssen die Konsequenzen
aus ihren Aktionen tragen.

zur
von
uns
daß
daß
für

Alles, was wir getan haben, war ein Beitrag zur Stabilität, zur Mäßigung,
klaren Linie, zur Festigkeit und zum Frieden. Wir haben unsere Aktionen
uns aus getroffen und wir haben unsere Verbündeten und andere gebeten, sich
anzuschließen in der Verurteilung der Sowjetunion und in der Forderung,
sich die Sowjets aus Afghanistan zurückziehen, und sie zu überzeugen,
jedesweitere Abenteusr
von ihrer Seite schwerwiegende Konsequenzen
die Sowjetunion haben würde
FRAGE:

akzeptabel?

Nochmal zu Afghanistan, was für eine Regierung wäre für Sie
Die Russen haben gesagt, daß, wenn sie abziehen, sie -

darauf deutet es hin - ein Marionettenregime hinterlassen würden.

Würden

Sie auf einem neutralen Regime bestehen, oder welche Aktion werden Sie unternehmen?
ANTWORT:

Was wir vor allem haben wollen, ist ein sowjetischer Rück-

zug und die Verpflichtung, die verifiziert und durchgeführt werden könnte,
daß die Sowjets nicht in ein anderes Land einfallen werden oder ihre Streitkräfte über ihre eigenen Grenzen hinaus wieder einsetzen, um den Frieden

- 3 -

�Frieden zu erschüttern.

Wir möchten ein neutrales Land.

Wenn es dazu

einer Übergangsphase bedarf, in welcher eine neutrale und verantwortliche
Regierung, die für das afghanische Volk akzeptabel ist, eingesetzt werden
könnte, dann könnte vielleicht eine von den Vereinten Nationen aufgestellte
Friedenstruppe - vielleicht aus moslemischen Truppenteilen oder anderen
gebildet - während dieser Übergangsphase eingesetzt werden, aber meine
Haupterwägung ist, sicherzustellen, daß die Sowjets erkennen, daß ihre
Invasion nicht akzeptabel ist, und so viel Unterstützung wie nur möglich bei
den anderen Ländern der Welt aufzubieten, um eine weitere Bedrohung des
Friedens und einen Anlaß zum Krieg zu verhindern.
•
•

Ich glaube, durch Stärke können wir den Frieden erhalten, aber wir
müssen entschlossen sein, wir müssen konsequent bleiben und unsere Maßnahmen
müssen den Charakter einer langfristigen, vorhersehbaren Aktion haben, die
von der Sowjetunion klar verstanden wird.
FRAGE: Herr Präsident, Sie fordern eine Steigerung der Ausgaben für
die militärische Verteidigung um fünf Prozent. Einige Mitglieder des
Kongresses haben gemeint, daß das angesichts der sowjetischen Invasion in
Afghanistan zu wenig sein könnte. Würden Sie einen Plan des Kongresses
unterstützen, sogar bis zu einer Verdopplung der derzeitigen fünfprozentigen
Steigerung für die militärischen Ausgaben zu gehen?
•

ANTWORT: Seit meinem ersten Amtsjahr als Präsident hat bei uns eine
kräftige und ständige Steigerung der Verteidigungsausgaben stattgefunden,
denn ich erkannte bei meinem Amtsantritt einige Schwächen in unserem
Verteidigungspotential. Um ganz genau zu sein, möchte ich hinzufügen, daß
Präsident Ford mit diesem Ausbau kurz vor Ende seiner Amtszeit begonnen
hat. Ich habe ihn fortgesetzt.
Meiner Meinung nach hat der Militärhaushalt, den wir dem Kongreß in
den letzten Wochen vorgelegt haben, den angemessenen Ausgabenumfang. ^r_

- 4 -

�Er ist sehr sorgfältig angepaßt an das Tempo, mit dem wir Waffen kaufen
und entwickeln können, und genau an die Fernziele der Dislozierung unserer
Truppen, der Mobilität unserer Truppen und der Wechselbeziehung mit unseren
Verbündeten angeglichen.
Ich sage damit nicht, daß ich nicht mit weiterer Feinabstimmung oder
anderen Modifikationen des Haushalts einverstanden wäre. Aber ich würde
mich sehr energisch jeder Anstrengung widersetzen, den Verteidigungshaushalt - wie dies erst kürzlich vorgeschlagen wurde - stärker zu kürzen
als es mein Vorschlag vorsieht.
FRAGE:

Herr Präsident, Sie haben gesagt, die Sowjets müßten dazu

gebracht werden, einen Preis für ihre Invasion Afghanistans zu bezahlen;
und ihr Berater sagte, daß unser Boykott der Olympischen Spiele nicht als
Strafe gedacht sei. Wie erklären Sie den Gegensatz, der zwischen diesen
beiden Standpunkten zu bestehen scheint?
ANTWORT: Wir hegen nicht den Wunsch, die Olympischen Spiele als Mittel
der Strafe zu verwenden, nur legen die Sowjets auf die Abhaltung der
Olympischen Spiele in der Sowjetunion einen so hohen Wert. In ihrem eigenen
Propagandamaterial erheben sie den Anspruch, daß die Bereitschaft des
Internationalen Olympischen Komitees, die Spiele in Moskau stattfinden
zu lassen, eine Bestätigung der Außenpolitik und der friedliebenden Natur
der Sowjetunion sei. Meiner Meinung nach ist es für jede Nation unverantwortlich, Athleten unter dem Schutz der Spiele in die Hauptstadt eines
Landes zu senden, wenn dieses Land, das Gastgeberland, sich aktiv an der
Invasion eines anderen Landes und der Unterdrückung unschuldiger Menschen
beteiligt. Und daher glaube ich aus diesem Grund nicht, daß wir verpflichtet
sind, unsere Athleten nach Moskau zu schicken.
Ich möchte wiederholen:

Falls die Sowjetunion ihre Truppen nicht bis

zum 20. dieses Monats aus Afghanistan zurückzieht, werden weder ich, noch

- 5 -

�noch das amerikanische Volk, noch der Kongreß es unterstützen, daß eine
Olympiamannschaft diesen Sommer nach Moskau geschickt wird.
FRAGE:

Herr Präsident, falls die Sowjets womöglich ihre Truppen

zwischen dem 20. Februar und dem 24. Mai aus Afghanistan abziehen sollten,
wenn die Olympischen Komitees ihre Entscheidungen bekanntgeben:

Besteht dann

die Möglichkeit, daß Sie vielleicht Ihre Meinung ändern und es unterstützen,
daß ein amerikanisches Team nach Moskau geschickt wird?
ANTWORT:
FRAGE:

Ich glaube nicht an die erstere Möglichkeit.
Herr Präsident, wie Sie wissen, haben die Franzosen nicht

zugestimmt, noch in diesem Monat in Rom zu einer Außenministerkonferenz
zusammenzutreffen.

Die Westdeutschen haben dem Olympiaboykott nicht zuge-

stimmt und es gab, glaube ich, einige Unzufriedenheit über die Reaktion
Ihrer Regierung auf die Japaner. Waren Sie völlig mit der japanischen,der
französischen und der westdeutschen Reaktion auf Ihren Appell nach Bestrafung und Sanktionen gegen die Sowjetunion zufrieden?
ANTWORT:

Ja, im allgemeinen war ich sehr damit zufrieden.

Es gibt

zwischen all unseren Hauptverbündeten ein bemerkenswertes Maß an Einmütigkeit über den Ernst der sowjetischen Bedrohung in Afghanistan und
die Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, um dieser Bedrohung zu begegnen
und eine weitere Aggression der Sowjetunion zu verhindern.
Es gibt feine Unterschiede. Die Länder sind unterschiedlich, sie
haben unterschiedliche Perspektiven, sie haben unterschiedliche Regierungsformen. Manche haben Koalitionsregierungen, wo der Regierungschef einen
Außenminister hat, der eine andere Partei vertritt und so weiter. Es
gibt Zeiten, da wir zum Beispiel gereizt und ungehalten über die Franzosen
sind. Und es gibt Zeiten, da die Franzosen gereizt und ungehalten über
uns sind.
Die
6 -

�Die kürzliche Meinungsverschiedenheit über den genauen Zeitpunkt und
die Zusammensetzung sowie die beizubehaltende Verschwiegenheit auf dem
Außenministertreffen war bedauerlich. Meine Haltung dazu ergab sich aus
einem Telefongespräch mit Bundeskanzler Schmidt, nachdem dieser sich
mehrere Tage lang mit Präsident Giscard d'Estaing getroffen hatte. Ich war
der Ansicht, daß Zeitpunkt und Ort von ihnen vereinbart worden waren und
daß ich ihrer Bitte entsprach. Es war jedoch nicht die gleiche Ansicht,
die die Franzosen hatten. Unsere Kommunikation war unzureichend.
Aber diese Meinungsverschiedenheit ist nur geringfügig im Vergleich
zu den großen Übereinstimmungen, auf die wir die gegenwärtige und die
zukünftige Politik zwischen den Verbündeten der Vereinigten Staaten gründen.
FRAGE: Herr Präsident, Sie haben einmal gesagt, es sei für Sie nicht
sicher, ob amerikanische Soldaten jemals für die Verteidigung Jugoslawiens
eingesetzt werden sollten. Marschall Tito ist schwer krank. Ist dies
angesichts Afghanistans immer noch Ihre Meinung?
ANTWORT: Wir haben mit der Führung Jugoslawiens sehr eingehende
Gespräche geführt, unter anderem auch mit Marschall Tito bei seinem Besuch
vor nicht allzu langer Zeit. Nach dem Gesamtbild, das sie uns dabei übermittelten, und das ich als ein genau zutreffendes akzeptiere, ist Jugoslawien
ein auf seine Unabhängigkeit stolzes, mutiges und gut ausgerüstetes Land,
das sich selbst verteidigen kann.
Wenn wir dazu aufgefordert werden, dem jugoslawischen Volke in der
Zukunft irgendwelche Hilfe zu leisten, würden wir dies sehr ernsthaft
in Erwägung ziehen und überlegen, was nach unserer Meinung für sie und für
uns das Beste wäre.
Ich habe in jüngster Zeit mehrfach mit führenden Männern Europas
über die Notwendigkeit gesprochen, unsere Bindungen mit Jugoslawien zu

- 7 -

�zu verstärken und seine Blockfreiheit zu schützen, so daß es von der
Sowjetunion weder beherrscht noch erfolgreich bedroht werden kann.

Wir

werden das, was immer notwendig ist tun, um diese Ziele zu erreichen, aber
den aktuellen Notwendigkeiten und den spezifischen von Jugoslawien selbst
ausgehenden Anforderungen entsprechen.
•

Ich danke Ihnen!

+ + + + +

�V# J

M 1 •1H|
3

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20. Februar 1980

12

ERKLÄRUNG DES AMERIKANISCHEN AUSSENMINISTERS
VOR DER VOLLVERSAMMLUNG DES IOC

LAKE PLACID - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyril Vance
begründete in einer Erklärung vor der Vollversammlung des Internationalen
Olympischen Komitees (IOC) am 9. Februar 1980 in Lake Placid, warum sich
die amerikanische Regierung gegen die Olympischen Sommerspiele in Moskau
ausgesprochen hat. "Wir wollen nicht, daß die olympische Bewegung Schaden
erleidet. Wenn jedoch die Grundprinzipien der Olympischen Spiele ignoriert
werden, dann wird die Zukunft der Spiele selbst aufs Spiel gesetzt." Die
Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"Im Auftrag Präsident Carters und als ehrenamtlicher Vizepräsident
des amerikanischen olympischen Komitees habe ich die Ehre, dieses hochgeschätzte Komitee in den Vereinigten Staaten und in Lake Placid willkommen
zu heißen und die Sportler aus der ganzen Welt zu den Olympischen Winterspielen 1980 zu begrüßen.
Während

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�Während wir heute abend hier zusammentreffen, sieht sich die Welt einer
schweren Bedrohung des Friedens gegenüber, die für die olympische Bewegung
eine Frage von fundamentaler Bedeutung aufwirft.
Seit ihren Anfängen im alten Griechenland symbolisieren die Olympischen
Spiele einige der vornehmsten Prinzipien der Menschheit.

Unter ihnen steht

der Friede an erster Stelle.
Bei den Spielen der Neuzeit spiegelt sich dieses Prinzip in den
Eröffnungsfeiern wider, wenn man Tauben aufsteigen läßt, um den Frieden zu
symbolisieren.
Die Spiele im Altertum wurden im Stadtstaat von Elis abgehalten.
Mit ihnen setzte ein "Götterfrieden" ein.

Während dieser Zeit des Friedens

war ein offener Krieg gegen oder durch den gastgebenden Stadtstaat verboten.
Nach Auffassung meiner Regierung wäre es eine Verletzung dieses
fundamentalen olympischen Prinzips, olympische Spiele in einem Land durchzuführen oder zu besuchen, das zur Zeit in einen aggressiven Krieg
verwickelt ist und das sich geweigert hat, der Forderung der Weltgemeinschaft
nach Beendigung seiner Aggression und Zurückziehung seiner Streitkräfte
zu entsprechen.
Lassen Sie uns über die grundlegende Frage klar sein, vor der wir
stehen.
Es geht hier nicht um die Frage, ob die Mannschaft eines Staates aus
politischen Gründen von den Wettkämpfen ausgeschlossen werden sollte. Wir
heißen jede Mannschaft willkommen, die dieses Komitee zu diesen Winterspielen eingeladen hat.

Die

�Die Frage, vor der wir jetzt stehen, ist gänzlich anderer Art.

Es

geht darum, ob die Spiele in einem Land abgehalten werden sollten, das
selbst einen schwere Bruch des internationalen Friedens begeht.

Dies

zu tun, wäre nach unserer Überzeugung völlig unvereinbar mit dem Sinn
der Olympischen Spiele.

Es ist unmöglich, diese Entscheidung von ihren politischen Konsequenzen
abzutrennen.

Die Olympischen Spiele in einem Land abzuhalten, das gegen

ein anderes Krieg führt, heißt, den olympischen Mantel über die Aktionen
dieses Landes decken.

Wir sehen bereits, wie das Land, das als Gastgeber für die Sommerspiele ausgewählt wurde, seine Wahl als eine Anerkennung der "Richtigkeit
(seiner) Außenpolitik" und seiner "gewaltigen Verdienste...im Kampf für
den Frieden" bezeichnet.
Die unausweichliche Tatsache ist, daß den Kämpfen der Nationen und
Völker um die Erhaltung ihrer Unabhängigkeit - um die Erhaltung des
Friedens jetzt und für die Zukunft - entgegengetreten wird und man sie
herabsetzt, wenn die Olympischen Spiele in einem Land stattfinden, das
wegen fortgesetzter Aggression von der überwältigenden Mehrheit der UNVollversammlung verurteilt wurde.

Die Verantwortung für diese Angelegenheit sollte nicht auf die
Sportler abgewälzt werden.

Damit würde man sie lediglich zwingen, eine

Last zu tragen, die eigentlich den Führern der olympischen Bewegung
zukommt.

Niemand wünscht, daß unsere Sportler darunter leiden. Aber

wir dürfen auch nicht zulassen, daß sie ausgenutzt werden.

Über die Auswirkungen dieser Entscheidungen auf den internationalen
Frieden hinaus sollten wir uns auch Gedanken machen über die sich daraus
ergebenden Konsequenzen für die olympische Bewegung.
Die
- 3 -

�Die Vereinigten Staaten sind tief überzeugt vom Wert der Olympischen
Spiele und den Prinzipien, die sie tragen. Wir sind außerordentlich stolz
auf unsere Sportler und auf die Sportler der anderen Nationen, die lang
und hart trainiert haben. Wir wollen nicht, daß die olympische Bewegung
Schaden leidet.
Wenn jedoch die Grundprinzipien der Olympischen Spiele ignoriert werden,
dann wird die Zukunft der Spiele selbst aufs Spiel gesetzt.
In der ganzen Welt findet sich eine breite und wachsende Opposition
bei den Regierungen und den Menschen, die Spiele durchzuführen - so als
sei nichts geschehen.

Das zu tun, würde das Interesse und die Unterstützung

durch breite Kreise der Öffentlichkeit gefährden, auf denen diese und
künftige Olympiaden beruhen.
Vorzuziehen wäre es, die Spiele in diesem Sommer von Moskau an einen
anderen Ort oder an mehrere zu verlegen. Sicherlich gibt es bei der Durchführung Schwierigkeiten, aber diese könnten überwunden werden. Auch für
ein Absagen der Spiele existieren bereits Präzedenzfälle. Oder aber es
wäre möglich, die Spiele durch eine einfache Änderung der Regeln für ein
oder mehrere Jahre aufzuschieben.
Lassen Sie mich die Position meiner Regierung klarstellen: wir werden
uns der Teilnahme einer amerikanischen Mannschaft an jeglichen olympischen
Spielen in der Hauptstadt eines Landes widersetzen, das gewaltsam in ein
anderes Land einfällt.
Diese Position ist fest.

In ihr finden die tiefen Überzeugungen des

amerikanischen Kongresses und des amerikanischen Volkes ihren Ausdruck.
Um solche Probleme in Zukunft zu vermeiden, treten wir für die
Schaffung einer ständigen Heimstatt für die olympischen Winter- und

�und Sommerspiele ein.
Ich weiß, daß dieses hochgeschätzte Gremium sorgfältig die jetzt vor
ihm '»egenden Fragen abwägen wird.

Indem wir d^e Prinzipien der olympisch

Spiele hochhalten, wenn sie gefährdet sind, wenden wir Sinn und Bedeutung
der Olympischen Spiele für die künftigen Zeiten bewahren,

+ + + + +

�3
I 3

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20. Februar 1980

12

USA WORDIGEN SCHLUSSBERICHT DER BRANDT-KOMMISSION
_ Presseverlautbarung der IDCA -

WASHINGTON - (AD) - Der engste Berater Präsident Carters für
Entwicklungspolitik und Direktor der amerikanischen Behörde für internationale
Zusammenarbeit bei Entwicklungsprojekten (International Development
Cooperation Agency - IDCA), Thomas Ehrlich, hat den am 12. Februar 1980
veröffentlichten Bericht der Brandt-Kommission über die Nord-Süd-Situation
"eine überaus wichtige Darstellung der drängendsten Bedürfnisse der
Entwicklungsländer" genannt, die die "wohlerwogene Aufmerksamkeit" der
ganzen internationalen Gemeinschaft erfordern.
Die Pressemitteilung, die von der IDCA am 13. Februar herausgegeben
wurde, hat folgenden Wortlaut:
Thomas Ehrlich, der Direktor der amerikanischen Behörde für internationale Zusammenarbeit bei Entwicklungsprojekten kündigte heute (13.
Februar) an, daß die Behörde, die vor einiger Zeit geschaffen wurde, um
die Entwicklungspolitik der amerikanischen Regierung darzulegen und die
Aktivitäten in diesem entscheidenden Bereich amerikanischer Außenpolitik

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�Außenpolitik zu koordinieren, die Führung bei den zwischenbehördlichen
Anstrengungen übernehmen wird, den Bericht der Brandt-Kommission zu
analysieren, der gestern (12. Februar) vorgelegt wurde.
Die 18-köpfige Kommission unter Führung des ehemaligen Bundeskanzlers
Willy Brandt wurde vor zwei Jahren eingesetzt, um sich mit Nord-SüdFragen zu beschäftigen.

Sie bestand aus Persönlichkeiten aus Industrie-

und Entwicklungsländern.
Mr. Ehrlich, der engste Berater des Präsidenten für amerikanische
Entwicklungspolitik, stellte fest, daß der Bericht (Bericht der unabhängigen
Kommission über internationale Entwicklungsfragen, "Nord-Süd:

ein Über-

lebensprogramm") "eine überaus wichtige Darstellung der drängendsten
Bedürfnisse der Entwicklungsländer (ist), Bedürfnisse, die die wohlerwogene Aufmerksamkeit der ganzen internationalen Gemeinschaft erfordern.
•

Der Brandt-Bericht enthält eine Fülle von Empfehlungen, und niemand
kann Übereinstimmung bei allen erwarten", stellte er fest. "Aber als ein
Bericht, der von Persönlichkeiten sowohl aus Industrie- als auch aus
Entwicklungsländern erarbeitet wurde, sollte er einen starken Anstoß
für Länder aus Nord und Süd darstellen, um in gemeinsamer Anstrengung
zur Förderung der Entwicklung zusammenzuarbeiten.
Beim ersten Durchlesen war ich erfreut zu sehen, daß der Bericht
besondere Aufmerksamkeit für die am wenigsten entwickelten Länder fordert
und der Beseitigung des Hungers in der Welt bis zum Ende dieses Jahrhunderts sowie den besonderen Problemen der Entwicklungsländer, die durch
den raschen Anstieg der ölpreise entstanden sind Priorität einräumt,"
fügte Ehrlich hinzu.
•

Der Bericht der Brandt-Kommission drängt auf ein Notprogramm in
den nächsten Jahren, das vier grundlegende Elemente enthalten würde:

�i

würde:

erhöhter Transfer von Entwicklungshilfe; eine neue internationale

Energiestrategie; ein weltweites Nahrungsmittel Programm und Beginn einiger
langfristiger Reformen, deren das Weltwirtschaftssystem bedarf.
Der IDCA-Direktor stellte fest, daß man zwar im Kreis der amerikanischen
Regierung bisher noch keine Gelegenheit gehabt habe, den Brandt-Bericht in
seinen Einzelheiten zu analysieren, aber "Anstrengungen unternommen werden,
die Empfehlungen in ihrem ganzen Umfang zu prüfen."
Die IDCA, die der amerikanischen Regierung als Sammelpunkt für
Wirtschaftsfragen dient, die die Entwicklungsländer berühren, wurde am
1. Oktober 1979 gegründet. Sie besteht aus der Behörde für internationale
Entwicklung, der Gesellschaft für Privatinvestitionen in Übersee und einem
geplanten Institut für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit.
Außerdem ist die IDCA verantwortlich für Entwicklungsfragen, die sich bei
der amerikanischen Beteiligung an internationalen Organisationen stellen,
einschließlich der Entwicklungsprogramme der Vereinten Nationen. Mit
dem Finanzministerium teilt es sich in die Verantwortung für die amerikanische
Beteiligung an den Multilateralen Entwicklungsbanken und mit dem Landwirtschaftsministerium die Verantwortung für die Lenkung des amerikanischen
Programms "Lebensmittel für den Frieden". (PL 480).

+ + + + +

- 3 -

�12

20. Februar 1980

SOWJETISCHE BESCHULDIGUNGEN GEGEN DIE USA
"VOLLKOMMEN AUS DER LUFT GEGRIFFEN"

WASHINGTON - (AD) - Die jüngsten sowjetischen Erklärungen, die den Vereinigten Staaten die Schuld für die Invasion Afghanistans durch die Sowjetunion in die Schuhe zu schieben trachten, dienen nur dem Zweck, "die internationale Kritik zu entschärfen", die gegenwärtig allenthalben geübt wird, erklären offizielle amerikanische Regierungsstellen.

Die Sowjets behaupten, daß

"eine Einmischung von außen her" durch die Vereinigten Staaten und andere Länder den Einmarsch der Sowjetunion rechtfertige.
Es wird amerikanischerseits betont, daß die sowjetische "Desinformierungskampagne" voll von "falschen Rechtfertigungsgründen für die sowjetische Aggression und die hieraus resultierende Krise in den Ost-West-Beziehungen sei.
Die russische Propagandakampagne ist nach Auffassung amtlicher Washingtoner
Kreise in Entgegnung der Verurteilung eingeleitet worden, die die Invasion in
Afghanistan weltweit erfahren hat.

Ein

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Telex:08-85432

�Ein Beispiel für die sowjetische Kampagne ist ein Leitartikel, der am
29. Januar in der Prawda erschienen und als bezahlte Anzeige der sowjetischen
Presseagentur Nowosti auch in der Washington*
schen Tageszeitungen veröffentlicht wurde.

Post und in anderen ausländi-

In dem Leitartikel wird unter an-

derem behauptet, die seitens der Sowjetunion geleistete "Hilfe" sei "in Antwort auf ein Ersuchen der legitimen Führung Afghanistans erfolgt" und diene
dem Zweck, das Land vor einer "Bedrohung von außen her" zu schützen.
Amerikanische Regierungsvertreter ziehen die sowjetische Behauptung in
Zweifel, daß sie auf ein Hilfeersuchen einer legitimen afghanischen "Führung"
geantwortet hätten.

Präsident Taraki, so betonen sie, "wurde Mitte September

durch einen Gewaltstreich gestürzt.
dazu auffordern können.

Sein Nachfolger Amin hätte die Sowjets

Aber wenn er dies getan, hätte, hätte er es sicherlich

nicht in der Absicht getan, seine eigene Exekution zu beschleunigen."
Man weist in Washington in diesem Zusammenhang darauf hin, daß Präsident
Babrak Karmal in Afghanistan erst nach dem Coup und dem Beginn der Invasion
eingetroffen ist. "Die erste Ankündigung, daß Babrak Amin ersetzt habe, erfolgte von Sendern in der Sowjetunion, die Frequenzen benutzten, die den Eindruck erwecken sollten, daß es sich um Radio Kabul handelte. Obwohl der Sender Kabul einem Angriff sowjetischer Streitkräfte ausgesetzt war, setzte er
seine normale Sendefolge mindestens eineinhalb Stunden über den Zeitpunkt hinaus fort, an dem die besagten Ankündigungen erstmals zu hören waren," betonte
ein Sprecher in Washington.
Bezugnehmend auf die Behauptung der Prawda, Afghanistan sehe sich einer
"Bedrohung von außen" ausgesetzt, die von Lagern in Anrainerstaaten ausgeht,
wo ausländische Berater afghanische Flüchtlinge militärisch ausbilden, betonen amerikanische Regierungskreise, daß weit über 500 000 Afghanen, darunter
zahlreiche Frauen und Kinder, in Folge politischer Unterdrückung und religiöser Verfolgung aus ihrer Heimat geflohen sind und Zuflucht in Pakistan gesucht haben.
"Wenngleich
- 2 -

�"Wenngleich nicht zu leugnen ist, daß Flüchtlinge aus solchen Lagern nach
Afghanistan zurückgekehrt sein mögen, um dort zu kämpfen," betont man amerikanischerseits, "stellen diese Lager keineswegs militärische Ausbildungsbasen
und auch keine Bedrohung Afghanistans oder der Sicherheit der Sowjetunion dar."

Die Sowjets behaupten auch, die Vereinigten Staaten verstärkten ihre Streitkräfte im Gebiet des Persischen Golfs als ein Teil ihrer Anstrengungen, "eine
amerikanische militärische Überlegenheit herzustellen."

Amerikanischerseits

hält man dem entgegen, den Sowjets müsse aus öffentlichen und vertraulichen
Äußerungen bekannt sein, daß die amerikanischen Streitkräfte im Indischen Ozean
nicht gegen die Sowjetunion aufgeboten wurden und aufgeboten sdhd, und daß
die Vereinigten Staaten niemals die Absicht hatten, sich in Afghanistans innere Angelegenheiten einzumischen.

"Unsere Entscheidung, eine Streitmacht für rasche Reaktionen zu bilden
und uns um den Zugang zu militärischen Anlagen im Nahen Osten für die Verwendung in einem Ernstfalle zu bemühen, wurde vielmehr in Erwiderung

auf die Be-

drohung unternommen, die die Sowjetunion für die leichtverletzlichen Staaten
in diesem Raum darstellt.

Nicht die Sowjetunion zu bedrohen, sondern zu dem

Zweck wurden diese Maßnahmen ergriffen, daß wir eine Position erlangen, unsere
Interessen wie auch die unserer Verbündeten und Freunde gegen den sowjetischen
Expansionismus verteidigen zu können."

In Klarstellung der amerikanischen Haltung unterstrich Präsident Carter,
daß die Vereinigten Staaten als "die andere Supermacht der Erde".eine "Verantwortung tragen", starke Maßnahmen zu ergreifen, um der Sowjetunion die
Kosten ihres Verhaltens wie auch die Entschlossenheit und die Willensstärke
des amerikanischen Volkes klar vor Augen zu führen.

Regierungssprecher in Washington weisen darauf hin, die sowjetischen
Maßnahmen in Afghanistan seien in klarer Verletzung des Völkerrechts wie auch
der Charta der Vereinten Nationen erfolgt, die die Androhung oder die Verwendung von Gewalt gegen die territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit eines jeden Landes verbieten.
- 3 -

In
-~

�In ähnlicher Weise, so wird betont, stellt das sowjetische Vorgehen
eine direkte Verletzung der Bestimmungen des 1978 abgeschlossenen sowjetischafghanischen Vertrages der Freundschaft, guten Nachbarschaft und Zusammenarbeit dar, der von der "Achtung der natioanlen Souveränität" und "der gegenseitigen Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des anderen" spricht.
Der Versuch, die Schuld an der Zunahme der internationalen Spannungen
den Vereinigten Staaten in die Schuhe zu schieben und letztere als Grund der
Rechtfertigung der sowjetischen Invasion in Afghanistan auszugeben, "kann
nur als eine den Eigenihteressen dienende Verdrehung der Wahrheit angesehen
werden, die die Aufmerksamkeit von der wahren Ursache der derzeitigen Spannungen ablenken soll:

die brutale und zynische sowjetische Aggression gegen

ein blockfreies Land," betont man offiziellerseits in USA.
In dem Leitartikel der Prawda wird die Behauptung aufgestellt, die CarterAdministration messe dem Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion über die Begrenzung der strategischen Waffen (SALT II) "geringstmögliche Dringlichkeit" bei.
Dagegen machen amerikanische Regierungskreise deutlich, daß der Präsident
erst kürzlich die Verpflichtung der Vereinigten Staaten gegenüber SALT bekräftigt und dessen zunehmende Bedeutung in einer Zeit der Spannung festgestellt
hat. "Die Vereinigten Staaten haben die Absicht zum Ausdruck gebracht, auch
weiterhin keinerlei Schritte zu unternehmen, die nicht mit der Bestimmung
des SALT I-Zwischenabkommens in Einklang stehen und nichts zu tun, was Ziel
und Zweck des SALT II-Vertrags vereiteln könnte," stellen diese Kreise
fest.
Sie weisen darauf hin, daß es eine allgemein bekannte Tatsache sei, daß
die NATO-Entscheidung über die Modernisierung der nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF) vom 12. Dezember 1979 vor dem Hintergrund der anhaltenden und
bedeutsamen Ausweitung der sowjetischen Mittel Streckenkapazitäten stattfand,
die gegen Europa gerichtet sind. Insbesondere die Dislozierung der SS-20,

- 4 -

�SS-20, einer mobilen Rakete mit Mehrfachgefechtsköpfen, die eine stark verbesserte Zielgenauigkeit hat, stelle eine wesentliche Verstärkung der sowjetischen
Kapazität dar. Gegenwärtig habe die NATO dieser Kapazität nichts Gleichwertiges
entgegenzusetzen.
Gleichzeitig wird betont, daß die NATO-Entscheidung ausdrücklich das Interesse der Verbündeten unterstreicht, Begrenzungen bei Mittel Streckenwaffen in
Europa durch Rüstungskontroll Verhandlungen mit der Sowjetunion zu erzielen.
Das am 12. Dezember 1979 von den Außen- und Verteidigungsministern der NATO
veröffentlichte gemeinsame Kommunique betonte die "große Bedeutung" von Rüstungskontrolle "als Beitrag zu einer stabileren militärischen Beziehung zwischen Ost
und West und zur Förderung des Entspannungsprozesses." Die Minister sprachen
sich für die Einbeziehung bestimmter amerikanischer und sowjetischer weiterreichender TNF-Systeme ("long-range Theater Nuclear Systems") in die laufenden
Rüstungskontroilanstrengungen aus, um ein stabileres Gesamtgleichgewicht bei
geringerem Umfang der Anzahl von Kernwaffen auf beiden Seiten zu erzielen.
Amerikanische Regierungskreise erwähnen besonders, daß die "kollektive
Natur" der NATO-Entscheidung "in sich selbst den sowjetischen Vorwurf widerlegt, sie seien in irgendeiner Weise den NATO-Verbündeten durch die Vereinigten
Staaten aufgezwungen worden."
Unter Hinweis auf die sowjetische Beschuldigung, die Regierung Carter
habe "die berüchtigte China-Karte" ausgespielt, stellen diese Kreise weiter
fest, daß die Reise von Verteidigungsminister Harold Brown vom 6. - 13. Januar
1980 "schon lange vor der sowjetischen Invasion in Afghanistan geplant und eine
ganz natürliche Folge des Prozesses der Normalisierung der amerikanischchinesischen Beziehungen war."
"Dieser Besuch richtete sich nicht gegen die Sowjetunion",so wird erklärt, "sein Zweck war vielmehr die Errichtung einer normalen Beziehung
schen den Verteidigungssystemen beider Länder.

- 5-

zwi-

Dennoch gab die Tatsache, daß

�daß die sowjetische Invasion unmittelbar vor dem Besuch stattfand, diesem
zusätzliche Bedeutung."

Diese Kreise stellen fest, daß die Chinesen, "eben-

so wie die meisten Staaten der internationalen Gemeinschaft" die amerikanischen Bedenken hinsichtlich der Bedrohung des Friedens teilen, den die
sowjetischen Schritte darstellen.

+ + + + +

�31
I a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. Februar 1980

12

DIE BEDEUTUNG WISSENSCHAFTLICHER OST-WEST-KONTAKTE
- USICA-Interview mit Dr. Philip Händler, Präsident
der Nationalen Akademie der Wissenschaften -

- (AD) - Den grundsätzlichen Standpunkt seines Landes zum wissenschaftlichen Austausch zwischen Ost und West angesichts der weltpolitischen
Spannungen hat der Präsident der amerikanischen Nationalen Akademie der
Wissenschaften (NAS), Dr. Philip Handler, in einem Interview mit dem
Korrespondenten des US-Amtes für Internationale Kommunikation (USICA),
Michael Saks, dargelegt. Dr. Handler ist der Leiter der amerikanischen
Delegation auf dem Hamburger Wissenschaftsforum der 35 Staaten, die 1975
die Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa KSZE - unterzeichnet haben, das am 18. Februar 1980 begann und bis zum
2. März dauert. Der Leiter der amerikanischen Delegation machte folgende
Ausführungen:
FRAGE:

Wie beurteilen Sie als Leiter der amerikanischen Delegation

betiWissenschaftsforum der KSZE in Hamburg die Bedeutung dieser Tagung für
die Vereinigten Staaten?
ANTWORT

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�ANTWORT:

Zum einen erfüllen wir mit unserer Teilnahme eine Verpflichtung.

Mit der Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki erklärten wir uns bereit,
an einer Reihe von Sonderkonferenzen teilzunehmen, zu denen das Wissenschaftsforum gehört.

Das ist keine bilaterale Konferenz zwischen den Vereinigten

Staaten und der Sowjetunion, sondern eine Tagung von Delegierten aller
35 Signatarstaaten.

Und was immer vorübergehend unsere Beziehungen zu

irgendeinem der Länder beeinflußt, sollte nicht darüber entscheiden, ob
wir zu einer großen multinationalen Tagung mit alten Freunden oder BeinaheFreunden gehen.
FRAGE:

Ist der eigentliche Wert der Konferenz eher wissenschaftlicher

oder politischer Natur?
ANTWORT:

Wahrscheinlich ist sie mehr von politischer als von wissen-

schaftlicher Bedeutung, aber sicherlich trifft in Wahrheit beides zu
- in dem Sinne nämlich, als das primäre Programm

von Anfang an eine Erörterung

der Mittel und Wege zur Förderung verstärkter Kommunikation und eines
verstärkten Austausches in bezug auf Wissenschaftsfragen unter allen
Signatarmächten, und natürlich ganz besonders über die Ost-West-Grenzen
hinweg war.

Das ist noch immer ein vernünftiges Ziel, auch wenn im

gegenwärtigen Augenblick die Beziehungen zur Sowjetunion vor allem durch
Afghanistan belastet sind.
Es sind Delegierte von all den anderen osteuropäischen Nationen
anwesend, und unter den gegenwärtigen Umständen ist es wichtiger denn je,
daß wir Beziehungen zu den anderen osteuropäischen Nationen unterhalten,
die so herzlich wie nur irgend möglich sind.

Kommunikation und Austausch

in den Wissenschaften sind dafür besonders gut geeignet und erleichtern sie.
FRAGE:

Es gab in den Vereinigten Staaten Stimmen, diese Konferenz

zu boykottieren.

Wie stehen Sie dazu?
ANTWORT

�ANTWORT:

Wenn der Boykott ein Mittel ist, einer der 35 Nationen

unsere Besorgnisse zum Ausdruck zu bringen, so verstehe ich nicht, weshalb
wir nicht gehen sollten, um mit den anderen 34 zu reden. Außerdem halte
ich dies für eine viel zu gute Gelegenheit, als daß sie versäumt werden
dürfte, um unserem Lande eine Chance zu geben, Auge in Auge mit der gesamten
Delegation der Sowjetunion dieser die wahre Tiefe der Sorge der amerikanischen
Wissenschaftlergemeinschaft kundzutun.
ihrer Regierung zur Kenntnis bringen.

Die Russen können dann das Gehörte
Wenn wir jedwede Kommunikation

abschneiden, verlieren wir unser Blickfenster zur Gemeinschaft der sowjetischen
Wissenschaftler.

Wir würden dann die einzigen offenen Kommunikations-

kanä'le verschließen.

Das hätte meines Erachtens katastrophale Folgen.

Reden mag wertlos erscheinen.

Aber wir müssen es weiterhin versuchen,

denn irgendwo in der Zukunft lauert das Gespenst des Atomkrieges; und
diesen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern, ist
gewiß jede Mühe wert.

Deshalb sollten diejenigen von uns, die dank

wissenschaftlicher Austauschprogramme bis zu einem gewissen Grade Zugang
zu sowjetischen Ohren haben, diese Chance nutzen.
Wir sind beunruhigt, daß jene Personen in der Sowjetunion, die
Sektionen von Amnesty International und Organisationen zur Beobachtung der
Einhaltung des Abkommens von Helsinki geschaffen haben, sich nicht mehr
in der Lage sehen, diese lebensfähig zu erhalten. Sie wurden belästigt,
gestoppt, und einige wurden sogar wegen dieser Aktivitäten eingesperrt.
Wir beabsichtigen darüber mit der sowjetischen Delegation ein ernstes Wort
zu reden.
Und wir haben in die Waagschale zu werfen, daß der wissenschaftliche
Austausch des Westens voll und ganz von der freiwilligen Mitarbeit und dem
begeisterten Einsatz seiner Wissenschaftlergemeinschaft abhängt.

Wenn diese

unterbunden werden, kann weder die NAS noch der Kongreß der Vereinigten Staaten
ein Austauschprogramm zuwege bringen.

Und sie sind dabei, unterbunden

- 3 -

^

�zu werden.

Durch die jüngsten Ereignisse im Zusammenhang mit Andrej

Sacharow ist dies sehr, sehr nahe gerückt.
FRAGE:

Wie ist die Reaktion der amerikanischen Wissenschaftler auf

die Verhaftung und Verbannung Dr. Sacharows?
ANTWORT: Sie sind offensichtlich sehr beunruhigt. Sacharow ist eine
überaus ungewöhnliche Persönlichkeit. Man nannte ihn "das Gewissen der
Menschheit". Vielleicht ist er das. Es waren Russen, die ihn mir als
einen "lebenden Heiligen" beschrieben. Er war ein wahrhaft großer
theoretischer Physiker; seine Leistungen sind über jeden Zweifel erhaben.
Es beunruhigt uns sehr, daß ein Mann, dessen Schriften - so unangenehm
sie auch für die regierenden Kreise in der Sowjetunion sein mögen - voll
und ganz dem Wohl der Menschheit gelten, aus eben diesem Grunde eingekerkert
werden soll. Ich bin in der Tat besorgt, daß die gegenwärtige Situation
nicht lange währen wird. Ich kann mir nicht vorstellen, daß er sich in
Gorki nicht äußert und untätig ist. Er wird sicherlich in naher Zukunft
etwas sagen oder tun, was die sowjetische Regierung als Provokation betrachtet,
und ich weiß nicht, was dann geschehen wird.
FRAGE: Welches sind einige der Fragen, die unsere Delegierten wahrscheinlich ihren sowjetischen Kollegen stellen wollen?
ANTWORT: Ich glaube, daß die Fragen, die wir stellen wollen, weniger
wichtig sind als die Sorgen, mit denen wir kommen. Wir haben ein Paket
maßvoller, konstruktiver Vorschläge über erweiterten Austausch in ganz
Europa im Rahmen des wissenschaftlichen Porgramms dabei. Das bedeutet
beispielsweise Austausch im Zusammenhang mit Nahrungsmittel Versorgung,
Verbesserung des öffentlichen Gesundheitswesens, mehr Erkenntnissen über
die Ursachen von Krebs und Herzerkrankungen und Austausch im Zusammenhang
mit neuen Methoden, um der Ausbreitung von Viruskrankheiten Einhalt zu gebieten.
Die

�Die amerikanischen Wissenschaftler sind außerdem über Prozesse einer
Kommunikation sowohl mit Westeuropa als auch Osteuropa ehrlich besorgt.
So haben wir beispielsweise mit Großbritannien, Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland keine offiziellen Austauschprogramme.

Wir verlassen

uns auf freiwillig unternommene Aktionen der Gemeinschaft der Wissenschaftler.
Aber die Mittel, mit denen solche Verfahrensweisen gewöhnlich unterstützt
wurden, sind spärlicher geworden.

Ich muß leider sagen, daß unser Austausch

mit dem Westen abgenommen hat. Wir wissen vielleicht weniger darüber, was
in bestimmten Laboratorien in Frankreich, Deutschland und Schweden geschieht,
als was in der Sowjetunion passiert.
FRAGE: Welche Vorteile ergaben sich nach Ihrer Ansicht für die
Vereinigten Staaten in den letzten 20 Jahren aus deren Austauschprogramm
mit der Sowjetunion?
ANTWORT: Sicherlich ist der politische Vorteil am höchsten zu bewerten. Es gab eine Reihe anderer greifbarer Entwicklungen wie z.B. die
Zusammenarbeit in der nuklearen Fusionsforschung. Auch die Zusammenarbeit
in der Raumfahrt fing gerade an, bei der Planetenforschung konkrete
Ergebnisse zu zeitigen und die landwirtschaftliche Forschung war sehr
erfolgreich.
FRAGE: Wie beurteilen Sie Auswirkungen der sowjetischen Invasion in
Afghanistan und der Verbannung Sacharows auf die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen im Wissenschaftsbereich?
ANTWORT:

Ich glaube, wir müssen hier zwischen dem Verhalten der

amerikanischen Regierung als dem einer Regierung und den amerikanischen
Wissenschaftlerkreisen eine Trennung machen.

Unsere Regierung gibt der

Sowjetunion ihr Mißfallen hinsichtlich Afghanistan deutlich zu erkennen.
Ganz

- 5 -

�Ganz abgesehen von der Einschränkung der Getreideverkäufe hat unsere
Regierung beschlossen, den wissenschaftlichen Austausch auf Einzelbesuche
in beiden Richtungen zu begrenzen.

Alle die großen, bilateralen Konferenzen,

die vorgesehen waren, sind auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der große

Tunnel für die MHD-Maschine, der hier von der Fa. Westinghouse gebaut wurde
und sich auf dem Weg in die Sowjetunion befand, wird jetzt zurückgehalten.
Und alle übrigen offen sichtbaren Aspekte des Austauschprogramms der
amerikanischen Regierung sind blockiert.
In unseren Programmen an der Nationalen Akademie der Wissenschaften
haben wir im wesentlichen die gleiche Entscheidung getroffen.

Wir unter-

halten eine Reihe bilateraler Seminare, obgleich unser Programm vornehmlich
darin besteht, einzelnen Wissenschaftlern Gastaufenthalte zu ermöglichen.
Wir sagten, daß wir im wesentlichen dasselbe wie die Regierung tun
würden.

Wir wären mit Besuchsreisen einzelner Wissenschaftler in beiden

Richtungen einverstanden.

Und ob sich dann der eine oder andere Amerikaner

dafür entscheidet, nicht zu gehen, muß er mit seinem eigenen Gewissen ausmachen.

Wir haben die Abhaltung der großen bilateralen Seminare, für die wir

verantwortlich sind, zunächst verschoben.
FRAGE:

Welchen Umfang wird nach Ihrer Meinung der wissenschaftliche

Austausch zwischen den Vereinigten Staaten und osteuropäischen Ländern
künftig haben?
ANTWORT: Wir erwarten jetzt, daß er planmäßig weitergeht. Wenn die
Dinge so laufen, wie wir es in der Akademie und in der Regierung gerne
sähen, würden diese Austauschvorhaben in keiner Weise von unserem Verhältnis
zur Sowjetunion beeinflußt.
FRAGE:

Mit welchen osteuropäischen Ländern außerhalb der Sowjetunion

haben wir die aktivsten Austauschprogramme?
ANTWORT
- 6 -

�ANTWORT:

Der Austausch über die Nationale Akademie der Wissenschaften

mit der Tschechoslowakei, mit Ungarn und Polen hat etwa die gleichen Größenordnung.

Mit Jugoslawien ist er etwas umfangreicher als mit den erstgenannten

Ländern, mit Rumänien und Bulgarien etwas geringer.
wir ein Austauschprogramm mit Ostdeutschland.

Vor kurzem begannen

Wir nahmen die Gespräche mit

den Ostdeutschen darüber bereits auf, als es noch keine diplomatischen
Beziehungen zwischen unseren Ländern gab.
Das Programm der Akademie mit den Sowjets reicht bis 1958 zurück- es
begann fast zwei Jahrzehnte früher als das Regierungsprogramm.
Wir brachten im Jahr 1972 Gespräche mit den Chinesen und Austauschprogramme in Gang, also weit vor der Änderung in den Beziehungen der beiden
Regierungen. Diese Art von Erörterungen und Aktivitäten haben sicherlich
den Weg geebnet.

+ + + + +

- 7 -

�3
I 3
12

UUi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
20. Februar 1980

LIZENZ FÜR AKUSTISCHES MIKROSKOP AN FA. LEITZ

- (AD) - Die Stanford-Universität (Kalifornien, USA) vergab an die
Fa. Ernst Leitz in Wetzlar die Lizenz zum Bau des sog. akustischen Mikroskops.
Wie Niels J. Reimers, der an der Stanford-Universität für TechnologieLizenzabkommen zuständig ist, dazu erklärte, wurden nunmehr die Voraussetzungen
geschaffen, das in fünfjähriger Gruppenarbeit entwickelte Ultraschallmikroskop auf den Markt zu bringen. Die Entwicklungen standen unter der
Leitung von Prof. Calvin F. Quate vom Department für angewandte Physik und
Elektrotechnik.
Die Arbeitsweise des Instruments beruht auf dem Prinzip, Objekte, die
mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar sind, mit Schallwellen sehr hoher
Frequenz - 500 Millionen bis 1 Milliarde Schwingungen in der Sekunde abzutasten, die am Objekt entstehenden Echosignale mittel eines piezoelektrischen Transducers in elektrische Signale umzuwandeln und auf einem
Bildschirm sichtbar zu machen. (Zum Vergleich: Das menschliche Ohr
vermag "normale" Schallwellen mit etwa 20 bis 20 000 Schwingungen pro
Sekunde zu erfassen.)
Mit

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Tel: 02221-89 32 4 0
Telex:08-85432

�Mit der Stanford-Entwicklung erhielt die Ultraschall-Technik nicht
nur Eingang in einen Bereich der Mikroweit, der bisher dem optischen
Mikroskop vorbehalten war, sondern sie vermochte diesen sogar zu erweitern.
Denn durch die Sondierung mit Ultraschall wellen werden in zahlreichen
Fällen Details erkennbar, die bei der Betrachtung unter dem Lichtmikroskop
überhaupt nicht in Erscheinung treten.

So werden u.a. an biologischen

Präparaten wie Zellen, ja sogar bei Komponenten des Zellkerns innere
Strukturen sichtbar und in mehrtausendfacher Vergrößerung abgebildet.

Man

hofft, mit der Zeit die Technik so zu verbessern, daß auch die lebende Zelle
der mikroskopischen Ultraschall-Untersuchung zugänglich wird.
Wie Prof. Quate erklärte, sind "einige Substanzen durchlässig für
Lichtwellen, nicht aber für akustische Wellen.

Bei anderen Substanzen,

z.B. bei einem metallischen Film, ist es genau umgekehrt.

So lassen sich

mit dem Schallstrahl des akustischen Mikroskops Schichten durchdringen, die
optisch nur schwer oder überhaupt nicht zu untersuchen sind".

Das Ultra-

schallmikroskop erlaubt außerdem die Prüfung bestimmter Eigenschaften
des Objekts, die das optische Bild niemals wiedergeben könnte.

Das kommt

daher, daß z.B. die Dichte, Elastizität und Viskosität des Probenmaterials
die auftreffenden Schallwellen auf typische Weise verändern, was deren
Echos und damit die Wiedergabe des Objekts auf dem Bildschirm beeinflußt.
Dr. Werner A. Noli von der Fa. Leitz rechnet mit der Anwendung des
akustischen Mikroskops vor allem auf dem Gebiet der industriellen Werkstofftechnik, der Elektronik und der biologischen Forschung. In Wetzlar,
am Sitz des Unternehmens mit einer 128jährigen Tradition für den Bau
optischer Geräte, leitet K. Heitmann das gesamte Projekt. Ein Prototyp des
Instruments dürfte nach Meinung Heitmanns in etwa einem Jahr fertiggestellt
sein. Einige Komponenten sollen in den Vereinigten Staaten hergestellt
werden; Verhandlungen mit amerikanischen Elektronik-Firmen über diesen
Plan sind noch im Gange.

+ + + + +

- 2 -

�</text>
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