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                  <text>Information
und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Februar 1980

11

INHALT

DOKUMENTATION
Rüstungskontrolle bleibt Ziel der Vereinigten Staaten
- Rede von Botschafter Fisher vor der Genfer Abrüstungskonferenz HINTERGRUNDMATERIAL
US-Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten nimmt zum
Ost-West-Verhältnis Stellung
- USICA-Interview mit George West USA um gemeinsame Kernbrennstoff-Politik bemüht
- INFCE-Organisation festigte Basis für Eindämmung der KernwaffenProliferation Rasche Erschließung von Alaska-Dlfeldern geplant
- Präsident Carter ersucht Kongreß um Genehmigung -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Kohleveredelung und Gesundheitsschutz
- Biomedizinische Untersuchungen zu Prozeßprodukten Steuerungszentren für die Genfunktion
- Grundlegende Unterschiede zwischen niedrigen und höheren Organismen

Um Übcf/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Tel: 02221-89 32 40
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�9

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11

13. Februar 1980

RÜSTUNGSKONTROLLE BLEIBT ZIEL DER VEREINIGTEN STAATEN
- Rede von Botschafter Fisher vor der Genfer Abrüstungskonferenz

GENF - (AD) - Der amerikanische Delegierte bei der Konferenz
des Abrüstungsausschusses der Vereinten Nationen, Botschafter Adrian
S. Fisher, betonte am 7. Februar 1980 in Genf, daß die Aushandlung
durchsetzbarer Rüstungskontroi labkommen auch weiterhin das Ziel der
amerikanischen Politik sei - trotz der sowjetischen Intervention in
Afghanistan. Nach kurzen Begrüßungsworten machte der Botschafter folgende
Ausführungen:
...Herr Vorsitzender, die sowjetische Aggression in Afghanistan hat
einen Schatten über den Prozeß der Rüstungskontrolle und über die Arbeit
geworfen, die wir heute hier beginnen.

Diese Aggression, die von der

überwältigenden Mehrheit der Staaten in den Vereinten Nationen verurteilt
wurde, hat offensichtlich eine schwierige Lage hervorgebracht, die die
Arbeit dieses Ausschusses unmittelbar beeinflußt.

Sie zeigt, daß Rüstungs-

kontrolle begleitet sein muß von Zurückhaltung in den internationalen
Beziehungen und von strikter Beachtung der Prinzipien und Verpflichtungen

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�Verpflichtungen der Charta der Vereinten Nationen durch alle Staaten.
Ohne eine solche Zurückhaltung werden unsere Anstrengungen hier von
geringem Nutzen sein.

Die Ereignisse in Afghanistan unterstreichen die

Notwendigkeit realistischer Verhandlungen, und sie machen die Gefahren
wohlmeinender Erklärungen deutlich, die sich nur auf Hoffnung oder unangebrachtes Vertrauen gründen.
Trotzdem bleibt die Aushandlung durchsetzbarer Rüstungskontroi 1vereinbarungen, die wirksame und angemessene Verifizierungsmaßnahmen enthalten, auch weiterhin ein gültiges Ziel dieses Ausschusses.
Hinsicht liegen wichtige und dringende Aufgaben vor uns.

In dieser

In den kommenden

Monaten müssen wir unsere Aufmerksamkeit auch weiterhin auf diese Aufgaben
richten.

Wir müssen rasch und wirkungsvoll voranschreiten, wollen wir

einen echten Fortschritt bei der Arbeit erzielen, die schon begonnen hat
oder mit dieser Sitzung anfängt:
-

Vor uns liegt die Aufgabe, den Text der ersten internationalen
Konvention auszuhandeln, über die im Rahmen dieses Gremiums
seit der Vollendung des Vertrags über Umweltveränderung

("En-

vironmental Modifikation Treaty") verhandelt wird - eine Konvention
zum Verbot von Strahlenwaffen.
-

Von besonderer Bedeutung ist für viele Mitglieder die Frage
einer Konvention über chemische Waffen. Wir müssen über die besten
und praktischsten Mittel zur Verbesserung des allgemeinen Verständnisses in der Frage kommender Probleme entscheiden und den
Grundstein legen für ein mögliches Abkommen über einen
wirkungsvollen und verifizierbaren Vertrag im Bereich der
chemischen Waffen.

Die

�-

Die Vollversammlung hat uns darum ersucht, unsere Arbeit auf
der Grundlage fortzuführen, daß Staaten, die über keine Atomwaffen
verfügen, Garantien gegen einen Kernwaffenangriff erhalten - ein
Thema, bei dem es noch immer eine Fülle unterschiedlicher Ansichten
gibt.

-

Die Vollversammlung hat uns auch den Bericht der letztjährigen
Konferenz der Abrüstungskommission der Vereinten Nationen über ein
umfassendes Programm zur Abrüstung zum Zweck der Prüfung vorgelegt.

Natürlich wird es für uns auch andere Themen zu diskutieren geben,
und vielleicht werden sie ausdrücklich auf unsere Tagesordnung gesetzt.
Es wird Meinungsverschiedenheiten darüber geben, wie diese Themen angegangen
werden sollen, aber meine Delegation hegt die Hoffnung, daß das Beispiel
freier Meinungsäußerung, gemildert durch die Bereitschaft, Wege zu einem
Konsens zu suchen, sich von der ersten Sitzungsperiode des Ausschusses im
vorigen Jahr auf die Sitzungsperiode des Jahres 1980 übertragen wird.
Es herrscht kein Mangel an konstruktiver Arbeit, die es zu tun gibt.
Nützen wir unsere Zeit mit Klugheit - zwar nicht uneingedenk der stürmischen
Zeit, in der wir leben, aber doch entschlossen, Fortschritte auf die Ziele
hin zu machen, die den Anlaß für die Errichtung des Abrüstungsausschusses
und seiner Vorgänger bildeten.
Im vorigen Jahr unterstrich ich in meinen Anmerkungen zu Beginn vor
dem Ausschuß die Bedeutung der Ausdauer als entscheidender Qualität zur
Erreichung dieser Ziele.
brachter.

Heute ist diese Ermahnung vielleicht noch ange-

Wir dürfen es uns nicht erlauben, uns der Verzweiflung und der

Ernüchterung hinzugeben, wenn beim Fortschritt Schwierigkeiten auftreten.
Wenn es die Ziele der internationalen Stabilität und der Verminderung
des Kriegsrisikos wert sind, verfolgt zu werden - und die Vereinigten

- 3 -

�Vereinigten Staaten sind dieser Ansicht -, dann sollten Geduld und Ausdauer,
die nötig sind, um sie zu erreichen, in diesem Gremium nicht fehlen.
Das Inkrafttreten des SALT II-Vertrags ist für meine Regierung eine
Angelegenheit des größten Interesses und der ernsthaftesten Bedenken, wie
es dies sicher auch für andere Mitglieder dieses Ausschusses ist.

In

diesem Zusammenhang möchte ich diesem Ausschuß das Schreiben vorlesen,
das Präsident Carter am 3. Januar 1980 an den Fraktionsführer der demokratischen
Mehrheit im Senat der Vereinigten Staaten gerichtet hat und in dem ersucht
wird, die Schlußbetrachtung des Senats über den SALT II-Vertrag zu verschieben.
•

"Sehr geehrter Senator Byrd,
angesichts der sowjetischen Invasion in Afghanistan ersuche ich Sie
darum, die Schlußberatung des SALT II-Vertrags im Senat aufzuschieben.
Der Zweck dieses Ersuchens besteht nicht darin, den Vertrag einer
Prüfung zu entziehen, sondern die Schlußberatung darüber zu verlegen,
so daß der Kongreß und ich als Präsident die sowjetischen Handlungen und
Vorhaben zu beurteilen vermögen und wir außerdem unser Hauptaugenmerk
auf legislative sowie anderweitige Maßnahmen legen können, die als Antwort
auf diese Krise erforderlich sind.
Wie Sie wissen, teile ich auch weiterhin Ihre Ansicht, daß der
SALT II-Vertrag im nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten
und der ganzen Welt liegt und daß er vom Senat behandelt werden solle,
sobald diese dringenderen Themen geprüft worden sind.
gezeichnet:

Jimmy Carter."

�Die Führung des Senats entsprach der Forderung Präsident Carters.
Ich möchte betonen, daß der Vertrag nicht vom Senat fallengelassen wird;
der Fortgang des Verfahrens wurde lediglich bis auf weiteres hinausgeschoben.
In seiner Botschaft über die Lage der Nation vom 23. Januar hat
Präsident Carter erneut seine feste Verpflichtung zum Gesamtprozeß der
Kontrolle von Kernwaffen und besonders zur Ratifizierung des SALT IIVertrags bekräftigt, sobald es die Umstände erlauben. Ich möchte den
entscheidenden Abschnitt zitieren:
"Die Vermeidung eines Atomkrieges ist die oberste
Verantwortung der beiden Supermächte. Aus diesem
Grund handelten wir die Verträge über die Begrenzungen der strategischen Rüstungen aus - SALT I
und SALT II. Gerade jetzt in einer Zeit großer
Spannungen wird die Beachtung der durch die Bedingungen dieser Verträge gegenseitig auferlegten
Beschränkungen im besten Interesse beider Länder
sein - und dabei helfen, den Weltfrieden zu bewahren.
Ich werde eng mit dem Kongreß zusammenarbeiten bei
unserem Bemühen um die Kontrolle von Kernwaffen.
Diese Anstrengung wird nicht aufgegeben."
Ich möchte anmerken, daß auch die Sowjetunion in den letzten Tagen
öffentlich erneut versichert hat, sie wünsche die Ratifizierung von
SALT II. Mit schwebendem Inkrafttreten des Vertrags und unter der Annahme
einer ähnlichen sowjetischen Haltung, wird meine Regierung alles tun,
was sie vermag, um das SALT-Verfahren aufrechtzuerhalten.
An dieser Stelle möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf die Haltung
lenken, die die Vereinigten Staaten hinsichtlich Rüstungskontrol 1 ver-

- 5 -

�RüstungskontrollVerhandlungen im Anschluß an die sowjetische Invasion
Afghanistans und die darauffolgende Beeinträchtigung unserer Beziehungen
zur Sowjetunion eingenommen hat.
In seiner Botschaft über die Lage der Nation sagte Präsident Carter:
.

"Wir bleiben auch weiterhin dem Prozeß gegenseitiger und verifizierbarer Rüstungskontrolle
zutiefst verpflichtet, insbesondere der Anstrengung,
die Verbreitung und weitere Entwicklung der Kernwaffen zu verhindern."
Wir verfolgen auch weiterhin die tri lateralen Verhandlungen mit
Großbritannien und der Sowjetunion über ein umfassendes Verbot von Kernversuchen.

Tatsächlich fing ja hier in Genf am 4. Februar eine neue

Verhandlungsrunde an. Wir hegen die Erwartung, daß diese Gespräche sachlich
verlaufen;

unsere Unterhändler werden wie bisher die schwierigen technischen

und politischen Probleme angehen, die mit der Verifizierbarkeit eines
umfassenden Teststoppabkommens verbunden sind.
Das Problem der Verifizierbarkeit eines umfassenden Teststoppabkommens ist natürlich für diesen Ausschuß von besonderem Interesse, und
wir hoffen auf weitere Fortschritte bei der Arbeit der Experten für
Seismik, die sich von kommendem Montag an erneut unter dem Dach des Abrüstungsausschusses treffen werden.
Bilaterale Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion über eine Konvention über chemische Waffen werden nächste Woche
wieder aufgenommen, und die Vereinigten Staaten werden alle Anstrengungen
darauf verwenden, Fortschritte in Richtung auf die versprochene gemeinsame
Initiative über ein wirkungsvolles Verbot chemischer Waffen zu erzielen.
Die
- 6 -

�Die gemeldete Verwendung chemischer Waffen in Südostasien und noch
kürzlich in Afghanistan unterstreicht die Bedeutung und Dringlichkeit
eines Verbots der Entwicklung, Produktion und Lagerung solcher Waffen.
Bei all diesen Verhandlungen sehen die Vereinigten Staaten den
Abschluß befriedigender Abkommen als Beiträge zur Stärkung der internationalen Sicherheit und des Weltfriedens. Wir werden diese Ziele auch
weiterhin verfolgen.
Natürlich gibt es noch andere Problemkreise, bei denen unsere Beteiligung Teil einer viel umfassenderen internationalen Anstrengung ist.
Die Nichtweiterverbreitung (Nonproliferation) von Kernwaffen ist heute mehr
denn je ein lebenswichtiges internationales Anliegen. Wir warten auf
den Abschlußbericht der Konferenz über die Internationale Bewertung von
Kernbrennstoff-Zyklen (INFCE), der Ende dieses Monats vorgelegt wird.
Seine Empfehlungen werden gewichtigen Einfluß haben auf die zukünftige
Verwendung der Atomenergie in einer Welt, in der die begrenzten Vorräte
an fossilen Brennstoffen und der verständliche Wunsch vieler Länder
nach Erringung größerer Unabhängigkeit im Energiebereich dazu führen,
daß sich immer mehr Staaten für die Kernkraft interessieren.

Viele der hier

in diesem Saal vertretenen Staaten haben an den INFCE-Anstrengungen
teilgenommen, einschließlich jener, die den Nichtweiterverbreitungsvertrag
nicht unterzeichnet haben.
Wir alle müssen an die Folgen der Verwendung von Kernkraft denken und
erkennen, welch ein Interesse wir daran haben, sicherzustellen, daß ein
solches Wachstum nicht von der Weiterverbreitung von Kernwaffen begleitet
wird, da dies ohne Frage die Gefährdung des Weltfriedens in großen Ausmaß
erhöhen würde.
An

- 7 -

�An die zweite Konferenz zur Überprüfung des Nichtweiterverbreitungsvertrages, die planmäßig am 11. August beginnen soll, erinnern wir uns alle,
und sie ist bei der Durchführung unserer Arbeit für manche von uns von
höchstem Belang.

Der Meinung der Vereinigten Staaten nach müssen alle

Staaten - ob Unterzeichner des Vertrages oder nicht - ein entscheidendes
Interesse an dem erfolgreichen Abschluß dieser Konferenz haben.
Ich habe bereits bezug genommen auf eine der wesentlichen Aufgaben
dieses Ausschusses, der Aushandlung einer internationalen Konvention zum
Verbot der Entwicklung, der Produktion und der Lagerung von Strahlenwaffen.
Diese Konvention wird ein sehr reales Problem behandeln und ist der größten
Anstrengungen dieses Ausschusses wert.
Obwohl solche Waffen vielleicht heute noch nicht existieren, wurde
in dem Zeitraum unmittelbar nach dem ersten erfolgreichen Bau von Atombomben die Möglichkeit dafür mit Nachdruck untersucht.
Strahlenwaffen sind möglich. Die Charakteristiken verwendbarer
radiologischer Stoffe sind bekannt und es wäre keine unüberwindliche
Aufgabe, daraus Waffen herzustellen.
Zudem sind weltweit die Vorräte von radioaktivem Material und seine
Verfügbarkeit seit jenen frühen Möglichkeitsberechnungen enorm angewachsen. Jetzt sind wir in der Lage, die Entwicklung einer Waffenkategorie
zur Massenvernichtung zu verhindern, die äußerst schwer zu beherrschen und in
weltweitem Maßstab erhältlich wäre - was schreckliche Gefahren mit sich
bringen könnte.
Die Vereinigten Staaten hoffen, daß alle die hier vertretenen Länder
den wesentlichen Elementen einer Konvention gegen Strahlenwaffen, die
Juli vorigen Jahres gemeinsam von den Vereinigten Staaten und der UdSSR
vorgelegt wurde, ernsthafte und sorgfältige Aufmerksamkeit geschenkt haben

- 8 -

�haben.

Der erfolgreiche Abschluß eines solchen Vertrags wäre ein be-

scheidener, aber nützlicher Beitrag zu einer sichereren Welt.
Herr Vorsitzender, die Tagesordnung der Rüstungskontroilanstrengungen
des Jahres 1980 ist lang und die Herausforderungen, vor denen wir stehen,
sind schrecklich.

Die Delegation der Vereinigten Staaten wird alle

Anstrengungen unternehmen, um diesem Ausschuß bei der Erfüllung der Aufgabe
zu helfen, die die Welt von ihm erwartet.

+ + + + +

- 9 -

�11

13. Februar 1980

US-UNTERSTAATSSEKRETÄR FÜR EUROPÄISCHE ANGELEGENHEITEN
NIMMT ZUM OST-WEST-VERHÄLTNIS STELLUNG
- USICA-Interview mit George Vest -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, George S. Vest, ging am 31. Januar
1980 in einem Interview mit Candis Cunningham, der Korrespondentin des US-Amtes
für Internationale Kommunikation (USICA), auf das NATO-Bündnis und die OstWest-Beziehungen nach der sowjetischen Intervention in Afghanistan ein.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE: Mr. Vest, wie definieren Sie die Ost-West-Entspannung als Möglichkeit einer aktiven Politik im Licht des kürzlichen sowjetischen Einfalls
in Afghanistan?
ANTWORT: Entspannung ist in der Tat ein komplexes Zusammenspiel von Zusammenarbeit und Wettstreit. Unter Zusammenarbeit verstehen wir die Bereiche,
die zum gegenseitigen Nutzen sind und keinem Schaden zufügen. Wir sehen natürlich ein, daß unvermeidlicherweise mit dieser Zusammenarbeit auch der Wett-

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�Wettstreit verbunden ist. Aber wir halten auch fest, daß der Wettbewerb
innerhalb bestimmter Grenzen stattfindet und daß wir uns über einen bestimmten Punkt hinaus nicht gegenseitig auf die Zehen treten.
In der Vergangenheit hatten wir meistens eine klare Vorstellung davon,
daß dieser Bereich der Zusammenarbeit begrenzt und nur bis zu einem bestimmten Punkt nützlich war.

Er würde sicherlich kein Wundermittel für das ganze

Spektrum von

Schwierigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjet-

union sein.

Aber gleichzeitig erwarteten wir etwas innerhalb dieses Bereiches

der Zusammenarbeit - und was die Sowjets in Afghanistan getan haben, geht über
diese Grenzen hinaus.

Daraus ergibt sich, daß dies seine Auswirkung auf den

Entspannungsprozeß hat, der - obgleich wertvoll - sicherlich davon betroffen
ist.
FRAGE: Die Vereinigten Staaten legen großen Wert auf enge Arbeitsbeziehungen zu den NATO-Verbündeten. Könnten Sie bitte vor allem erklären, wie
wir unsere Verbündeten im Anschluß an die Afghanistaninvasion konsultiert haben?
ANTWORT: Es handelt sich um eine so umfassende Konsultation, daß es
schwer für mich ist, auch nur mit einer Aufzählung anzufangen. Natürlich
hatten wir seit vorigem Dezember eine gespanntere Krisenlage,als dies seit
langem der Fall war. Als Folge davon ergaben sich wiederholte Besuche in
Europa - zwei davon durch den Stellvertretenden Außenminister Christopher.
Auch ich und andere waren dort. Es handelte sich um Besuche in mehreren
der bedeutendsten Hauptstädte und wiederholte Besuche beim NATO-Rat selbst.
Mit anderen Worten, eine Krise diesen Ausmaßes erforderte ein Höchstmaß an
Konsultation auf allen Ebenen und in allen Gremien.
FRAGE: Warum sind die Vereinigten Staaten der Auffassung, daß die Solidarität der Verbündeten angesichts der sowjetischen Bedrohung wichtig ist
- besonders was die Interessen des Bündnisses im Mittleren Osten angeht?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Ich glaube, wir müssen die Tatsache anerkennen, daß die Inva-

sion Afghanistans eine weltweite Auswirkung hatte.

Sie verletzt jede Form

des internationalen Anstands, der für uns Teil unseres Lebens ist.

Daher ist

dies zwar insbesondere innerhalb des NATO-Bündnisses von Bedeutung, aber auch
für andere westliche Länder.

Man muß bedenken, daß die neutralen Länder sich

durch einen solchen Schritt sehr gefährdet fühlen.

Das gleiche gilt sicher

für die Staaten der Moslemwelt und die blockfreien Staaten, denn Afghanistan
war ein blockfreies Land.

Aus diesem Grund fühlen wir alle die Wirkung eines

solchen Schrittes.

FRAGE:

Ist die Unterstützung für die amerikanischen Ziele innerhalb des

Bündnisses soweit ausreichend gewesen oder brauchen wir in manchen Bereichen
eine noch größere Einigungsanstrengung?

ANTWORT:

Es gibt im allgemeinen, was unsere Zielsetzungen anbelangt,

kein Problem zwischen uns und unseren Hauptverbündeten.

Ich glaube, wir stim-

men alle völlig über die Unannehmbarkeit dessen überein, was die Sowjets getan haben, und über die Notwendigkeit, den Sowjets ein deutliches Signal darüber zu geben, daß eine Strafe für einen solchen Schritt erfolgen wird und sie
ihn nicht unternehmen können, ohne echte Schwierigkeiten zu schaffen.

Auch

müssen wir sie in Zukunft möglichst vor einem solch rücksichtslosen Verhalten
abschrecken.

Wir müssen in diesem Zusammenhang sehen, daß hier eine Situation herrscht,
die sich rasch ändert.

Verschiedene Länder können verschiedene Dinge tun.

Nicht alle würden dasselbe tun.
ist

Innerhalb dieser Bandbreite der Möglichkeiten

meiner Meinung nach, ein guter Anfang gemacht worden.

Ich glaube, die

Summe unserer Schritte hat bereits eine deutliche Wirkung gehabt - erkennbar
für die ganze Welt und sicherlich als ziemlich unangenehm empfunden, was die
Sowjets angeht.

Es gilt noch mehr Einklang zu erzielen, um sicherzustellen,

daß die Schritte, die wir im Westen unternehmen, sich gegenseitig ergänzen und
wirkungsvoll sind.

FRAGE:
- 3-

�FRAGE:

Was ist die logische Begründung für das amerikanische Fernbleiben

von den Olympischen Spielen in Moskau, und wie hoch schätzen wir die Unterstützung der westeuropäischen Regierungen für unsere Haltung ein?
ANTWORT:
erklärt wird.

Unsere logische Begründung ist etwas, das durch die Sowjets selbst
In einem für die Olympischen Spiele vorbereiteten Dokument

stel-

len die Sowjets die Spiele als eine bedeutsame Veranschaulichung der Kraft des
politischen Systems der Sowjetunion dar; und wenn dies wahr ist - wie sie es
sagen -, dann stellen die Olympischen Spiele einen bedeutenden politischen Faktor in den Augen der Sowjets dar.

Da dies der Fall ist, sind wir der Ansicht,

daß wir im Lichte ihrer Taten ihr politisches System nicht bekräftigen sollten,
das gerade den Einmarsch in ein anderes Land abgeschlossen hat.
FRAGE:

Beziehen Sie sich auf das 'Kleine Buch für Parteiaktivisten" der

Sowjets?
ANTWORT: Das ist richtig; das "Kleine Buch" beschreibt die Olympischen
Spiele unter politischen Gesichtspunkten. Aus diesem Grund sind wir der Meinung, es kann nicht ignoriert werden, daß die Sowjets die Olympischen Spiele
als ein politisches Ereignis betrachten. Und weil sie es so sehen, halten wir
es nicht für richtig, wenn unsere Sportler hingehen. Wir haben dies öffentlich klargemacht und haben unseren Freunden in Europa, Bündnismitgliedem und
auch anderen, gesagt, daß wir hoffen, sie würden das gleiche tun. Wir sehen
auch, daß es in jedem Land besondere Probleme gibt hinsichtlich der Beziehung
zwischen Regierung und Nationalen Olympischen Komitee. Aber wir hoffen, daß
die Triftigkeit dieses Argumentes ankommen wird.
FRAGE:

Wie steht es um die Zielsetzung einer Nichtteilnahme an den

Olympischen Spielen in Moskau als Vergeltungsmaßnahme, um das interne Prestige
der Sowjets zu verletzen sowie ihr Prestige in der Welt?
ANTWORT:

Ich glaube, das ist eine unvermeidliche Folge.

Wenn man der Mei-

nung ist, sie seien ein Staat, der auf illegale, illegitime Weise gehandelt
hat, so ist dies eine Möglichkeit, es zu zeigen.
FRAGE:
- 4 -

�FRAGE:

Die Verbündeten sagen, sie würden die amerikanischen Handels-

sanktionen gegen die UdSSR nicht unterlaufen, aber einige Länder - Frankreich,
die Bundesrepublik Deutschland und Italien - sagen, sie würden mit schon eingeführten Handelspraktiken fortfahren.

Glauben Sie, daß diese Länder - von

den offensichtlichen Wirtschaftsinteressen abgesehen - deshalb zögern, ihre bedingungslose Unterstützung zu gewähren, weil sie befürchten, die Vorteile zu
verlieren, die sie durch die Entspannung erzielt haben?

ANTWORT:

Ich glaube nicht, daß Befürchtungen hierbei überhaupt eine Rolle

spielen, noch bin ich der Meinung, daß die Länder weiterhin ihre Geschäfte wie
üblich betreiben wollen, um es einmal so zu nennen.

Aber es handelt sich um

ein kompliziertes Problem - wie jedes Land seine Aktivitäten, die im Verlauf
des vergangenen Jahrzehnts entwickelt wurden, modifiziert.

Wir führen eine Rei-

he von Gesprächen mit Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft, bei denen wir
die Liste der Güter durchgehen, die nach der Sowjetunion exportiert werden - Produkte einer hochentwickelten Technologie und militärische Technologie und ähnliches.

Auf diese Weise prüfen wir Mittel und Wege zu einer Begrenzung und

Einschränkung des Handels mit der Sowjetunion.

Es wäre voreilig, darüber ein

Urteil zu fällen, was das eine oder andere Land tun könnte oder nicht tun
sollte, aber ich bin zuversichtlich, daß das Gesamtergebnis ein wirksames Signal für die Sowjets sein wird.

FRAGE:

Glauben Sie, daß die Verbündeten hinsichtlich der Entspannung

noch die gleiche Auffassung vertreten wie die Vereinigten Staaten?

Und wenn

ja, warum sind sie dann offensichtlich nicht gewillt, die gleichen Risiken zu
übernehmen wie wir?

ANTWORT:

Alsojch kann der Frage nicht so ganz zustimmen.

uns mit ihrem ersten Teil beginnen.
die gleiche Auffassung wie wir.
das.

Aber lassen Sie

Haben sie, was die Entspannung anbetrifft,

Im großen und ganzen, so glaube ich, haben sie

Ich möchte betonen, daß die Maßnahmen, die der Präsident getroffen hat,

sehr bedacht dem, was man so vage als Entspannung bezeichnet, eine erhebliche
Rolle belassen haben.

Wir haben SALT nicht zurückgezogen, wir haben es ledig-

- 5 -

�lediglich aufgeschoben.

Wir haben erklärt, daß wir eine Reihe von wichtigen

Aktivitäten zur Rüstungskontrolle, die im Gesamtfeld der Entspannung weitergehen, fortzusetzen wünschen - wie beispielsweise MBFR, die Verhandlungen über
ein umfassendes Kernwaffen-Versuchsverbot und Dinge ähnlicher Art.

Vor allem

aber haben wir erklärt, daß wir auch weiterhin die Möglichkeit für eine Nachfolgekonferenz zu den Übereinkommen von Helsinki von 1975 für den Herbst dieses
Jahres in Madrid offenhalten wollen.
Damit haben wir auf jedem dieser Gebiete einen Hinweis gegeben - aber auch
durch unseren Versuch, die Wege zu anderen osteuropäischen Staaten offen zu
halten - daß wir der Ansicht sind, daß Entspannung einen Wert für uns darstellt.
Das tun auch die westlichen Länder.

Wenn ihre Erklärungen den Anschein erwek-

ken, daß sie eine unterschiedliche oder vielleicht auch eine ehrgeizigere Auffassung von Entspannung haben als wir, dann glaube ich, daß das eine Konsequenz
ihrer geographischen Lage ist. Sie sind unmittelbare Nachbarn des Ostens.
Es sind Länder, die Verantwortungen in verschiedenster Weise in bezug auf Berlin
haben, mit Menschen auf beiden Seiten der Grenzlinie, mit eng verknüpfter Regelung des Besucherverkehrs und des Austausches.

Dies sind Dinge, aufgrund

deren es für sie notwendig ist, präziser über das nachzudenken, was wir ändern
wollen.

Aber ich glaube, wir teilen die gleiche Grundauffassung über die Ent-

spannung.
FRAGE: Angesichts des sowjetischen Einfalls in Afghanistan hat Senator
Javits angeregt, daß die NATO ihre Einflußsphäre in den Mittleren Osten ausweiten sollte, einschließlich neuer NATO-Stützpunkte, um unsere Energie- und
anderen Interessen zu schützen. Was halten Sie von diesem Vorschlag?
ANTWORT:

Wie Sie wissen, hat es seit Jahren umfangreiche Debatten darüber

gegeben, was denn nun das eigentliche Hauptanliegen der NATO sei
extensiv es zu fassen sei.

oder wie

Ich glaube die meisten Länder erkennen an, daß es

wichtige Anliegen für einen oder für mehrere von uns, vielleicht für die
meisten von uns, gibt, die sich jetzt außerhalb des Vertragsgebietes abspielen.
Trotzdem ist es unwahrscheinlich, daß die Länder, die diesen Vertrag durch ihre
Parlamente gebracht haben, nunmehr sich bereitfinden werden, die vertragsbe- 6

�vertragsbezogenen Aktivitäten auf Gebiete außerhalb der Vertragsgrenzen zu tragen.
Das heißt jedoch nicht, daß ich die Möglichkeit ausschließe, daß einige
der verbündeten Staaten, individuell, deren Engagement der einen oder anderen
Art in Gebieten außerhalb des Vertragsgebietes größer ist, nicht nach Mitteln
und Wegen suchen, um zu handeln, um die Situation zu festigen und ihre Interessen zu schützen.

Was ich dagegen für unwahrscheinlich halte, ist, daß wir

zu einem allgemeinen Konsens gelangen können, die Gesamtperspektive von etwas
zu verändern, das fünfzehn Parlamente hat passieren müssen.
FRAGE: Glauben Sie, die Sowjets werden versuchen, eine größere Kontrolle
über die osteuropäischen Länder in ihren Beziehungen zum Westen auszuüben, wenn
man bedenkt, wie stark die weltweite Reaktion auf die Invasion Afghanistans
gewesen ist?
ANTWORT:

Ja, ich glaube, das ist fast unvermeidlich.

Vielleicht ist ein

Zeichen dafür bereits in der Tatsache zu sehen, daß es eine Reihe höherer Politiker gibt, die in die osteuropäischen Länder reisen oder von dort kommen
sollten und deren Besuche ohne jede Erklärung oder nur mit sehr höflichen Erklärungen abgesagt wurden.

Das ist zwar ein Symbol, ein Signal, aber ich glaube,

es ist unvermeidlich, daß die Sowjets versuchen werden, die Zügel dort anzuziehen, wo sich in vielen Bereichen ein sehr warmes und herzliches Verhältnis
zwischen Ost und West herausgebildet hat; und solche Überlegungen werden für
die Sowjets sicher nicht sehr attraktiv sein.
FRAGE: Mr. Vest, wie sollten die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
Ihrer Meinung nach ihre Beziehungen mit den osteuropäischen Ländern angesichts
der Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen gestalten?
ANTWORT:

Ich bin der Ansicht, wir sollten die wechselseitig' fruchtbaren

Beziehungen zwischen uns und den osteuropäischen Ländern in einem Höchstmaß
aufrechterhalten, das uns möglich ist.
- 7 -

Diese verbesserten Beziehungen, diese

�diese evolutionäre Serie von Aktivitäten zwischen uns und ihnen ist, so meine
ich, zu unserem Vorteil.

Wir wünschen den osteuropäischen Ländern mehr Zu-

gang, mehr wechselseitige Beziehungen, mehr Bewegungsfreiheit, weniger Verletzungen der Menschenrechte, mehr Reisen - alles Dinge, die sich teilweise
als Ergebnis unserer - von Land zu Land unterschiedlichen - Politiken entwikkelt haben.

In dem Maße, in dem dies Europa zusammenführt und die osteuropäischen

Länder auf Westeuropa hinorientiert und auf den Westen insgesamt, bin ich voll
dafür.
FRAGE:

Wollen Sie damit sagen, daß wir unsere Beziehungen zu den ost-

europäischen Ländern nicht durch den augenblicklichen Stand unserer Beziehungen
mit der Sowjetunion beeinflussen lassen sollen?
ANTWORT:

Das sage ich nicht, denn es ist unvermeidlich insofern, als die

osteuropäischen Länder an einem Strick ziehen, eine Politik übernehmen und uns
gegenüber feindselige Erklärungen abgeben, um dem Drängen der Sowjets nachzugeben.

Dies wird unvermeidlicherweise Auswirkungen auf unser weiteres Verhält-

nis zu ihnen haben.

Aber in dem Maß, in dem wir eine wechselseitig nützliche

Beziehung haben, bin ich fürs Weitermachen.
FRAGE: Welche Auswirkungen werden Ihrer Meinung nach die Afghanistaninvasion und die sowjetischen Schritte gegen Andreij Sacharow auf den Fortgang
der KSZE-Bemühungen haben - zu einem Zeitpunkt, da sich die 35 Signatarstaaten
des Abkommens auf die Folgekonferenz in Madrid in diesem Jahr vorbereiten? Werden die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten mit den Osteuropäern auch
weiterhin bilaterale Gespräche zur Vorbereitung des Treffens führen, wie dies
in der Vergangenheit der Fall war?
ANTWORT:

Im großen und ganzen erwarte ich, daß wir und unsere Verbünde-

ten, die neutralen, die bündnisfreien und die osteuropäischen Länder den Prozeß bilateraler Konsultationen fortsetzen - jetzt wohl mit beträchtlich mehr
Vorsicht.

Wir wissen noch nicht, was sich zwischen heute und, sagen wir, Sep-

tember ereignen wird.

In einem Zeitraum von Februar bis September kann viel

�viel geschehen - denken Sie doch daran, was allein in den letzten drei Wochen
passiert ist.

Ohne also im voraus darüber zu urteilen, was in diesem Zeit-

raum geschehen könnte, würde ich annehmen, daß wir alle auch weiterhin - wenngleich mit mehr Vorsicht - herausfinden wollen, was in Madrid erreicht werden
kann.

FRAGE:

Wie steht es mit den sowjetischen Schritten gegen Andreij Sacharow

im Licht der Übereinkommen von Helsinki?

ANTWORT:

Ich glaube, man könnte sagen, daß dies nur ein weiterer Grund für

uns ist, uns in Madrid zu treffen.

Denn schließlich ist es ja ein wesentlicher

Gesichtspunkt dieses Treffens, daß wir in der Lage sein sollten, die Situation
im Licht des Übereinkommens von Helsinki zu überprüfen.

Unter den zu überprü-

fenden Tatbeständen wäre aber auch das Verhalten des einen oder anderen unserer
Länder, das den Eindruck erweckt, die Prinzipien der Schlußakte von Helsinki
zu verletzen.

Der Fall Sacharow ist genau die Art von Vorkommnissen, die man

nicht vergessen wird.

FRAGE:

Sie glauben also, daß über Menschenrechtsverletzungen gesprochen

werden wird?

ANTWORT:

Ich bin immer davon ausgegangen, daß wir, wenn wir nach Madrid

gehen, alle Körbe - wie wir das nennen - behandeln werden, die in der Schlußakte enthalten sind und wo die Menschenrechtsverletzungen ein Teil des Ganzen
sind.

Aber ich kann Ihnen versichern, daß es eine ganze Reihe von Ländern gibt,

einschließlich der Vereinigten Staaten, die gesagt haben, daß die sowjetische
Behandlung von Dr. Sacharow nur unterstreicht, wie wichtig es ist, nach Madrid
zu gehen.

All dies ist Teil des Langzeitprozesses der KSZE, die einen gesetz-

mäßigen Rahmen abgibt, um sicherzustellen, daß Menschenrechtsverletzungen nicht
übersehen werden.

FRAGE:

Gibt es irgendeine Möglichkeit, daß Güter und Technologie, die

aus dem Westen in die osteuropäischen Länder kommen, schließlich in der Sowjet-

- 9-

�Sowjetunion landen?

Was werden die Vereinigten Staaten unternehmen, um dies

zu verhindern?
ANTWORT:

Man sollte nie sagen, etwas sei unmöglich; aber ich glaube,

die unvermeidliche Konsequenz der Lage, in der wir uns befinden, ist, daß es
eine viel schärfere Überwachung oder Kontrolle darüber geben wird, welche Güter und Exporte von uns in die osteuropäischen Länder gehen.
Wenn man über Nahrungsmittel und Industriegüter spricht, so glaube ich,
daß diese Länder die Grundlage, auf der sie gerade diese Produkte erhalten,
aufs Höchste schätzen, und sie werden sicherlich alles daransetzen, daß diese
Aktivität, dieser Austausch nicht beeinträchtigt wird.

Meiner Meinung nach

werden sie daher ein Weiterleiten in die Sowjetunion auch selbst nicht wollen.
Aber wir werden versuchen, sicherzustellen, daß die osteuropäischen Länder
nicht unter Druck etwas tun müssen, was sie nicht tun wollen.
FRAGE:
nach Tito?

Welche Probleme sehen Sie für Jugoslawiens weitere Unabhängigkeit

ANTWORT: Ich gehe von der Annahme aus, daß Jugoslawien seine Unabhängigkeit auch nach Tito behalten wird. Während der Woche, in der er operiert
wurde, war es höchst interessant zu sehen, daß man nicht den Eindruck gewann,
Jugoslawien gerate in Panik. Das Land war gut organisiert, voll Selbstvertrauen, achtete klug auf seine Eigeninteressen - und ich glaube, dies ist charakteristisch für das Jugoslawien, das sich in letzter Zeit unter Titos Herrschaft herausgebildet hat. (Mit seinem System der rotierenden kollektiven Führung).
Die Jugoslawen sind äußerst zähe, unabhängige Menschen, voller Selbstvertrauen.

Daher ist es nur zu verständlich, daß wir alle großen Respekt vor ih-

nen haben,und ich bin voller Zuversicht, daß sie ihre eigene Unabhängigkeit,
territoriale Integrität und Einheit erhalten werden.
+ + + + +
- 10 -

�11

13-. Februar 1980

USA UM GEMEINSAME KERNBRENNSTOFF-POLITIK BEMÜHT
INFCE-Organisation festigte Basis für Eindämmung der
Kernwaffen-Proliferation

- (AD) - Die Vereinigten Staaten bemühen sich um internationalen Konsens
hinsichtlich der Mittel und Wege, die praktikabel erscheinen, um zur Deckung
des weltweiten Energiebedarfs die Anwendung von Kernenergie auszuweiten, ohne
gleichzeitig das Risiko der Kernwaffen-Proliferation zu erhöhen. Das wichtigste
Forum zur Erörterung war in den letzten zwei Jahren die auf Anregung Präsident
Carters ins Leben gerufene "Internationale Konferenz über die Bewertung von
Kernbrennstoff-Zyklen" (INFCE - International Fuel Cycle Evaluation), die vom
26.- 27. Februar 1980 zu ihrer letzten Plenarsitzung in Wien zusammentritt.
Vertreter von 66 Ländern und verschiedenen internationalen Organisationen werden Bilanz ziehen über die Ergebnisse von Studien und Analysen, die in den letzten 16 Monaten über alternative Kernbrennstoff-Zyklen durchgeführt wurden.
Hauptziel ist nach wie vor, Wege zu finden, die Produktion von waffenfähigen
Materialien wie Plutonium und hochangereichertem Uran auf ein Mindestmaß zu
beschränken.
Offizielle Vertreter der amerikanischen Seite betonen, daß in bezug auf
zwei elementare Faktoren einer breiten internationalen Übereinstimmung "eindeutige und nachweisbare" Fortschritte erzielt wurden, nämlich
...
n u
1) hinsieht-

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�1) hinsichtlich des Grundsatzes, daß das Proliferationsrisiko bei allen
Entscheidungen über Kernbrennstoffzyklen beachtet werden müsse, und
2) hinsichtlich der Forderung, die Produktion von waffenfähigem Material
so weit wie nur irgend möglich auf die unmittelbaren Erfordernisse von Forschung
und Entwicklung für zukunftsträ'chtige Nukleartechnologien zu begrenzen.
Die Carter-Regierung verfolgte von Anfang an das Ziel, ein überwechseln
zum Plutonium-Brennstoffzyklus zu vereiteln, solange es die notwendigen Sicherungen gegen die damit verbundenen zusätzlichen Risiken der Weiterverbreitung
von Kernwaffen nicht gibt.

Plutonium, ein spaltbares Element, das in Kernreak-

toren zur Energieerzeugung genutzt werden kann, wird durch Bestrahlung des
reichlich vorhandenen Uranisotops Uran-238 gewonnen.

Mit Brennstoffzyklen, bei

denen das auf diese Weise erzeugte Plutonium in Brutreaktoren verwendet wird,
kann der Strombedarf eines Landes unter Einsatz wesentlich geringerer Mengen
des Ausgangsbrennstoffes Uran gedeckt werden, als es bei den heute üblichen
Reaktoren der Fall ist.

Diese haben einen Brennstoffzyklus, bei dem der Kern-

brennstoff im einmaligen Durchsatz verwendet wird.
Eine Anzahl von Ländern, die nicht über Uranvorkommen wie z.B. die Vereinigten Staaten verfügen, sind überzeugt, daß künftige Energieverknappung und
zu starke Abhängigkeit von ausländischem Kernbrennstoff durch eine frühzeitige
Umstellung auf eine Kernbrennstoffwirtschaft auf Plutonium-Basis zu vermeiden
wären. Eine solche Politik würde eine stärkere Verwendung von Plutonium in
heute üblichen Kernbrennstoffzyklen für die - in der Mehrzahl - Leichtwasserreaktoren nach sich ziehen und schließlich zum Übergang auf schnelle Brutreaktoren führen, die mehr Plutonium-Brennstoff erzeugen als sie selbst verbrauchen. Beides würde kostspielige Anlagen zur chemischen Aufarbeitung von Abbrandelementen erfordern, aus denen Plutonium und anderes spaltbares Material
gewonnen werden.
Auf amerikanischer Seite räumt man ein, daß die Verwendung von Plutonium
in schnellen Brutreaktoren für gewisse Länder Anfang des nächsten Jahrhunderts

- 2 -

�Jahrhunderts ein brauchbares Verfahren darstellen könnte.

Aber man ist auch

überzeugt, daß die Entwicklung von Brutreaktoren vermutlich zu kostspielig
ist, als daß sich mehr als einige wenige wohlhabende Nationen dies leisten
könnten.

Auch sei die Stationierung von Brutreaktoren nur dort attraktiv,

wo es ein umfangreiches Stromverteilernetz gebe.

Nach amerikanischer Auffas-

sung arbeite ein Atomkraftwerk mit den heute üblichen Reaktoren bei einer
Rückführung von Plutonium in den Brennstoffzyklus günstigstenfalls am Rande
der Wirtschaftlichkeit.

Die Ergebnisse neuer Untersuchungen zeigen z.B.,

daß die kommerzielle Rückgewinnung von Plutonium und Uran aus Abbrandelementen bis zu acht Mal so teuer kommen könne wie die Urangewinnung aus Erz. Die
vorhandenen Uranressourcen reichten jedoch nach amerikanischen Berechnungen
zufolge aus, um zumindest bis zum Ende dieses Jahrhunderts, wahrscheinlich sogar bis ins nächste Jahrhundert hinein, den abschätzbaren Weltbedarf zu dekken.

Sofern zur Ergänzung des verhütteten Urans zusätzliche Wiederaufarbei-

tung und Anreicherung erforderlich sei, sollte die Anzahl solcher Anlagen begrenzt und wirksamer internationaler Kontrolle unterstellt werden.

Im Verlauf der INFCE-Gespräche erklärten Vertreter der USA wiederholt,
daß Abbrandelemente über lange Zeit sicher gelagert werden könnten, und daß
für eine sichere und wirtschaftliche nukleare Entsorgung nicht, wie manche
Länder behaupteten, die Wiederaufarbeitung notwendig sei.

Gleichzeitig ver-

wiesen sie auf die Möglichkeiten für eine merklich bessere Ausnutzung des
Kernbrennstoffs in Leichtwasserreaktoren.

In dem jetzt vom US-Energieministerium fertiggestellten Bericht über alternative Brennstoffzyklen heißt es u.a., daß mit veränderten Brennstoffsätzen, besserem Brennstoff-Management (einschließlich der Extraktion von mehr
verwendungsfähigem Uran aus dem Erz) und Konstruktionsveränderungen bei Atomkraftwerken der Brennstoff-Wirkungsgrad in Leichtwasserreaktoren schätzungsweise bis um 30 Prozent gesteigert werden könnte.

Von besonderer Bedeutung

sei außerdem die Tatsache, daß "kein nuklearer Brennstoffzyklus, der in den
nächsten Jahrzehnten kommerziell einsatzfähig werden könnte, einer Proliferation mehr hinderlich wäre als der des einfachen Brennstoff-Durchsatzes beim

- 3 -

�beim Leichtwasserreaktor - ein Zyklus, bei dem der Reaktorabbrand in Zwischenlagern sicher gelagert und die Anreicherung im Lohnverfahren von den darauf
spezialisierten Lieferanten durchgeführt wird."

Im Brennstoffzyklus eines

Leichtwasserreaktors, der mit niedrig angereichertem Uran arbeitet, kommt es
nicht zur Produktion von kernwaffenfä'higem Material.
Selbstverständlich konnte, wie John M. Deutch, Staatssekretär im USEnergieministerium, kürzlich vor Kongreßmitgliedern erklärte, die INFCE-Konferenz keine technische oder wirtschaftliche Zauberformel finden, um die Nutzbarmachung von Kernenergie risikofrei zu machen.

Das habe man auch nicht er-

wartet, denn "alle Brennstoffzyklen enthalten ein gewisses Proliferationsrisiko.

Aber INFCE half, die Legitimation, ja sogar die Notwendigkeit für einen

Vergleich der Hemmfaktoren für Proliferation bei verschiedenen Alternativtechnologien zu begründen und eine wichtige Basis für Entscheidungen in der Kernbrennstoff-Strategie zu schaffen."

Man habe jedoch mehrere wichtige Vorschlä-

ge erörtert - u.a. die Schaffung internationaler Mechanismen, die allen interessierten Nationen die Versorgung mit Kernbrennstoff gewährleisten, sowie die
Ausweitung internationaler Kontrollen über Abbrand-Zwischenlager -, denen die
beteiligten Ländern wahrscheinlich weiter nachgehen werden.
Mittlerweile sei, so Deutch, die IAEO (Internationale Atomenergie-Organisation) weltweit tätig geworden, um eine Überwachung der Plutonium-Lagerhaltung
und ein internationales Verwaltungssystem für abgebrannten Kernbrennstoff zuwege zu bringen. Deutch verwies auf die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit der nuklearen Liefer- und Verbrauchernationen, um die neuen Nonproliferationsvereinbarungen nach Abschluß der INFCE-Gespräche zu definieren. Fortschritte auf diesem Gebiet werden auch Einfluß auf den amerikanischen Zeitplan
für die erneute Erörterung bilateraler Abkommen über nukleare Zusammenarbeit
mit anderen Ländern sowie darauf haben, welche Position die Vereinigten Staaten
in künftigen internationalen Verhandlungen über die Frage der Proliferation von
Kernwaffen einnehmen.

+ + + + +

�13. Februar 1980

11

RASCHE ERSCHLIESSUNG VON ALASKA-ÖLFELDERN GEPLANT
• Präsident Carter ersucht Kongreß um Genehmigung -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat in seiner Haushaltsbotschaft
vom 28. Januar 1980 den US-Kongreß um dessen Zustimmung zu einer beschleunigten Erschließung der regierungseigenen Erdölfelder in Alaska durch amerikanische Privatfirmen ersucht.

"Ich bin überzeugt", so der Präsident, "daß

die Exploration und Erschließung dieser Ressourcen am raschesten und kostengünstigsten für die Regierung durch ein Pachtprogramm zwischen Bundesbehörden
und Privatfirmen zu erreichen ist."
Wie aus Behördendaten hervorgeht, enthält das Feld der sog. nationalen
Erdölreserve - ein 9,3 Millionen Hektar großes Areal in Nordalaska, etwa
100 km westlich des staatseigenen ölfeldes an der Prudhoe Bay und der Transalaska ölpipeline - schätzungsweise 960 Millionen Tonnen Rohöl und 392 Milliarden cbm Erdgas. Falls der Kongreß in dieser Sitzungsperiode entsprechende
Gesetze verabschiedet, könnten Anfang 1982 die ersten Pachtabkommen abgeschlossen werden. Die Zeit bis dahin ist erforderlich, um die notwendigen Erschließungspläne, ökologischen Gutachten und Pachtbedingungen auszuarbeiten.

Die

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�Die US-Regierung würde, sofern das Areal der nationalen Erdölreserve
der Erschließung durch die Privatwirtschaft zugänglich gemacht wird, für die
ersten zehn Jahre Parzellen in der Größe von 24 280 Hektar anbieten»

Die Ge-

setzesvorlage sieht eine Vielfalt miteinander konkurrierender Angebotsformen
vor, u.a. solche auf der Basis von Barprämien, Nettogewinnen, Tantiemen und
bestimmten Produktionsmengen.

Vom Weißen Haus wurde darauf verwiesen, daß es sich bei den Zahlenangaben
zur ölreserve nur um Schätzungen handle.

Die Rentabilität der Erdöl- und Gas-

förderung hänge außerdem weitgehend davon ab, welche Schwierigkeiten unter den
besonders harten arktischen Verhältnissen zu überwinden seien.

Dennoch er-

scheine .dieses öl- und Gasfeld vorteilhafter als die Offshore-Vorkommen im Raum
Alaska.

Inzwischen veröffentlichte das Wall Street Journal eine Meldung, derzufolge das Geologische Bundesamt der USA seine Schätzungen über Offshore-Felder
an öl und Gas in Alaska erheblich nach oben korrigiert habe.

So werden jetzt

die Ölvorkommen im Navarin-Becken (im Beering-Meer vor der Westküste Alaskas)
auf 528 Millionen Tonnen geschätzt (1975: 50 Millionen Tonnen).

Für Erdgas

wurden die Schätzwerte von ca. 26 Milliarden cbm auf fast 400 Milliarden cbm
angehoben.

Im Beaufort-Becken (in der Beaufort-See an der Nordküste Alaskas)

dürften neuesten Angaben zufolge 580 Millionen Tonnen öl liegen (Schätzzahl
von 1975: 450 Millionen Tonnen).

Und für Erdgasvorkommen werden jetzt 462 Mil-

liarden cbm angenommen (1975: 230 Milliarden cbm).

Verhandlungen über Alaska-Pipeline angelaufen

Mit einer Grundsatzvereinbarung wurden Ende Dezember 1979 Verhandlungen
zwischen dem US-Energieministerium und amerikanischen Privatfirmen eingeleitet,
welche zunächst 500 Millionen Dollar zur Planung und technischen Vorbereitung
des Baues einer Gasleitung von Nordalaska durch Kanada nach den USA beitragen,
Die Pipeline soll bei Calgary im Südwesten Kanadas in zwei Leitungen

- 2 -

aufge-

�aufgeteilt werden, wobei eine bis in den amerikanischen Mittelwesten (Raum
Chicago), die andere zur amerikanischen Westküste durch die Bundesstaaten
Washington, Oregon und Kalifornien bis in die Nähe von San Francisco geführt
wird.

Die Gesamtkosten des Projekts werden auf 23 Milliarden Dollar veranschlagt,
wovon 11 Milliarden auf den durch Alaska verlaufenden Teil von 1176 km Länge
entfallen (die Streckenlänge durch Kanada beträgt 3255 km). Bei der Ausarbeitung der Finanzierungsmodalitäten für die Realisierung des Projekts werden
Energieministerium und Privatwirtschaft eng zusammenarbeiten.

Bei der Bundesenergie-Aufsichtskommission (Federal Energy Regulatory
Commission) sind mittlerweile Vorschläge darüber eingegangen, die westliche
Abzweigung von Calgary (Alberta, Kanada) sofort in Angriff zu nehmen, damit
bereits im Winter 1980/81 Kalifornien mit täglich 6,7 Millionen Kubikmetern Erdgas

- vorläufig aus Kanada importiert - versorgt werden könnte.

Die oberste

kanadische Energiebehörde hat den Gasexport nach dem Westen der USA in der vorgeschlagenen Menge bis 1984 bereits genehmigt.

Nach Fertigstellung der Alaska-

Gas-Pipeline im Jahr 1984 würden täglich mehr als 67 Millionen cbm Erdgas von
der Prudhoe-Bay in Nordalaska nach den kontinentalen Bundesstaaten der USA
fließen.

- 3 -

�I

3

Uli/zen/chofl
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Februar 1980

11

KOHLEVEREDELUNG UND GESUNDHEITSSCHUTZ
Biomedizinische Untersuchungen zu Prozeßprodukten

- (AD) - Eventuelle gesundheitliche Auswirkungen von Stoffen, die beim
SRC-II-Verfahren zur Kohleverflüssigung entstehen, waren Gegenstand von Forschungsaufträ'gen des US-Energieministeriums.

Mit Hilfe dieses Verfahrens

(SRC ist die Abkürzung von "Solvent Refined Coal") werden aus stark schwefelhaltiger Kohle flüssige Brennstoffe destilliert, die sich neben einem sehr
niedrigen Schwefelgehalt auch durch geringen Aschegehalt auszeichnen. Bau
und Betrieb einer Demonstrationsanlage in der Nähe der amerikanischen Stadt
Morgantown im US-Bundesstaat West Virginia mit einem Tagesdurchsatz von 6000
Tonnen Kohle wurden als Gemeinschaftsprojekt zwischen den Vereinigten Staaten
und der Bundesrepublik vereinbart.
Die Ergebnisse der Studien über mögliche gesundheitliche Auswirkungen
sind in einem Bericht zusammengefaßt, der den Titel trägt:

"Biomedical Studies

on Solvent Refined Coal (SRC-II) Liquefaction Materials: A Status Report".
Er wurde im "Pacific Northwest Laboratory" des US- Energieministeriums in
Richland (Washington) ausgearbeitet und basiert auf Untersuchungen in der Pilotanlage von St. Lewis im Bundesstaat Washington.

In dem Bericht werden u.a. die

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�die Betriebsbedingungen erläutert, unter denen die zur Diskussion stehenden
Prozeßprodukte entstanden, und es wird erörtert, welche Bedeutung die durchgeführten Studien für den Betrieb von Demonstrationsanlagen sowie für die kommerzielle Kohleverflüssigung haben.
(Der Bericht, Katalognummer PNL-3189, kann vom amerikanischen "National
Technical Information Service" in Springfield, Virginia, 22151, bezogen werden,
Preis: 5,25 Dollar).

+ + + + +

�I 3

UUi//cn/choft
wui Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Februar 1980

11

STEUERUNGSZENTREN FÜR DIE GENFUNKTION
Grundlegende Unterschiede zwischen niedrigen und
höheren Organismen

- (AD) - Neue Erkenntnisse der molekularbiologischen Forschung
lassen Zweifel daran aufkommen, ob der "genetische Code" tatsächlich als
die fundamentale, allgemein gültige Regel für die Steuerung von Lebensfunktionen und Vererbungsmechanismen bei allen Organismen anzusehen ist.
Zumindest scheint die Verschlüsselung der "Sprache des Lebens" bei höheren
Organismen wesentlich komplizierter zu sein als bisher angenommen und
vielleicht auch Gesetzen zu folgen, die man noch nicht kennt.
Dafür spricht z.B. die jüngste Entdeckung von Biologen der Carnegie
Institution in Washington, daß zwischen dem Funktionsablauf in den Genen
von Bakterien und in jenen höher organisierter Lebewesen wie Lurchtieren
(als Experimentiermaterial wurden Zellen vom Xenopus-Frosch verwendet)
ein grundlegender Unterschied besteht. Wie Prof. Donald Brown Ende
Januar 1980 auf einer Pressekonferenz in Washington berichtete, hatte
man nach langwierigen Untersuchungen am genetischen Material von Bakterien

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�Bakterien herausgefunden, daß sich das Steuerungszentrum für die Genfunktion, von dem z.B. das Kommando zur Synthese einer Aminosäure ausgeht
und die Reaktion auch beendet wird, an den beiden Gen-Enden befindet.
Aber das gilt eben juir_ für Bakterien, Vertreter der sog. Prokaryonten.
Beim Frosch-Gen dagegen liegt es in der Mitte.

Eine besondere

Überraschung für die Wissenschaftler bedeutete ferner die Tatsache, daß
das Gen sogar bei Entfernung zahlreicher Komponenten voll funktionsfähig
bleibt, solange das mittlere Dirttel, das Steuerungszentrum, unversehrt ist.
Verständlich, daß sich nun das Interesse immer stärker auf die Identifizierung
jener Moleküle konzentriert, die in Zellen höherer Organismen die Genaktivität steuern.
Zum Umdenken zwang bereits die Beobachtung, daß in Zellen von
Eukaryonten (vom Hefepilz bis zum Menschen) die genetische Codierung für
den Aufbau eines Proteins im Gegensatz zu dem entsprechenden Vorgang im
Bakterium nicht aus kontinuierlich übersetzten Sequenzen des DNS-Muttermoleküls besteht.

Statt dessen werden die in dieser doppelsträngigen

Spirale enthaltenen Informationen für die Synthese wichtiger Makromoleküle
wie z.B. eines Proteins aus langen Teilen des DNS-Moleküls (Desoxyribonucleinsäure) auf RNS (Ribonucleinsäure) als eine Art Arbeitskopie "umgeschrieben"
und in mehrere, nicht kontinuierliche Segmente gespalten.

Diese Aufteilungen

bewirken Zwischensegmente oder Gen-Insertionen von Nucleotiden (Einheitsbausteine für DNS- und RNS-Moleküle), deren genaue Funktion aber noch
nicht ermittelt werden konnte.

Seltsamerweise werden nur Teile der

kopierten Segmente für den Aufbau der RNS-Matrize zusammengefügt, welche
dann die Proteinsynthese steuert.
Diese Entdeckung, über die die Zeitschrift MOSAIC der Nationalen
Wissenschaftsstiftung der USA (NSF) in der September/Oktober-Ausgabe 1979
berichtet hatte, deutet nach Ansicht zahlreicher Wissenschaftler auf Unterschiede zwischen Zellen niedriger und höherer Organismen hin, die von

- 2 -

�von größerer Bedeutung sein duften als das Hauptunterscheidungsmerkmal die Tatsache nämlich, daß Eukaryonten einen jeweils typischen Zellkern
als wichtigsten Träger der Erbinformationen besitzen, Prokaryonten dagegen
nur ein chromosomenartiges Gebilde in der Form eines DNS-Moleküls im
Zellinnern.

Möglicherweise verkörpern die beiden Gruppen nicht Unterschiede

im Grad der biologischen Evolution, sondern voneinander abweichende Wege
der Evolution.
Sowohl Prof. Brown als auch die Verfasser des MOSAIC-Berichtes
verweisen darauf, daß die neuen Entdeckungen u.a. dazu zwingen, die möglichen
Ursachen verschiedener erheblicher Anomalien neu zu überdenken. Manche
könnten die Folge von Mutationen in den "inaktiven" Gen-Insertionen sein,
die die aktiven Teile eines DNS-Stranges unterteilen, nicht aber von
Mutationen in den aufgestückelten "Minigenen" selbst. Auch die Entstehung
von Krebs und einer Reihe anderer Krankheiten erscheint nun in einem
neuen Licht.
Die neuen Forschungsergebnisse stützen die Vermutung, daß Erkenntnisse
über die molekulare Biologie bei Bakterien nicht ohne weiteres oder eben
nur bedingt auf das Verständnis der molekularen Biologie höherer Organismen
anzuwenden sind, Seit Jahren diente das Darmbakterium Escherichia coli
als Lehrmoden zum Studium des Materials und der Prozesse, die am Vererbungsgeschehen beteiligt sind. Es hat gegenüber vielen anderen Organismen
den Vorzug der raschen Aufeinanderfolge von Generationen (zur Zellteilung
kommt es im Durchschnitt alle 20 Minuten) und der relativen Kleinheit der
genetisch wirksamen Substanz, eines ringförmig gestalteten DNS-Moleküls
im Zellinnern. Die Zell große beträgt etwa 1/500 der Zell große bei höheren
Organismen. Der Großteil der Tausende verschiedener Molekülarten und
ungefähr 30 Prozent der chemischen Reaktionen in der Escherichia coli-Zelle
konnten bereits aufgeklärt werden.
Bakterien

�Bakterien erwiesen sich, ähnlich wie z.B. in der klassischen Genetik
die Fruchtfliege beim Studium der Gesetze von Mutationen, als ideales
Material zur Untersuchung so wichtiger Fragen wie etwa die der Funktion
von Genen (kleinste Funktionseinheiten der Erbsubstanz, die z.B. für den
Aufbau spezifischer Proteine aus Aminosäuren verantwortlich sind, während
andere als "Operatoren" solche Vorgänge steuern und eine dritte Gruppe
die Aktivitäten der Operator-Gene regelt).

An Hand der bei Bakterien

beobachteten Vorgänge konnten die wichtigsten Gesetze der Weitergabe von
Erbinformationen an die nächste Generation, d.h. für die identische
Verdoppelung des genetischen Materials, ausfindig gemacht werden.

Ähnliches

gilt für die Aufklärung der Aufeinanderfolge bzw. Lokalisierung von Genen
bestimmter Funktion und für die Untersuchung vieler anderer mikrobiologischer
Probleme bis hin zur Übertragung und zum Einbau von Genen in die Erbsubstanz
eines artfremden Organismus.

Immer wieder zeigte sich, daß es nur vier

molekulare Nukleotide sind, die, in spezifischer Reihenfolge angeordnet,
als Symbole einer Art Schlüsselsprache den "genetischen Code" für die Bauund Funktionspläne bei jeder lebenden Zelle ergeben - vom niedrigsten
Bakterium über die Zellen höherer Lebewesen bis hin zum Menschen.

Aber in der Benutzung und wohl auch Deutung der Schlüsselsprache
scheinen tiefgreifende Unterschiede in dem so vielfältigen "biologischen
Spektrum" zu bestehen. Sie werden erst jetzt allmählich erkennbar, seitdem
die Biochemie mit ungemein verfeinerten Methoden sich auch an die Analyse
der überaus komplexen DNS-Moleküle von Zellen höherer Organismen wagen und
bestimmte Funktionseinheiten wie beispielsweise jenes Frosch-Gen isolieren
kann. Dank gentechnischer Verfahren wurden damit Milliarden von funktionsfähigen exakten Kopien erzeugt, die man in einen Extrakt von Zellkernen
lebender Froscheier einbrachte. Das Gen nahm die ihm zukommende Funktion
auf, als sei es "zu Hause" im Frosch-Organismus. So wurde es im Verlauf
langwieriger Experimente möglich, im Molekül verband des wohl aus Hunderten
von Nukleotidgruppen bestehenden Gens das aktive Zentrum ausfindig zu
machen. Dieses nach Struktur und detaillierter Funktionsweise zu analysieren
ist eine Aufgabe, die noch viel Zeit und Mühe kosten wird.

+ + + + +
- 4-

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrolle bleibt Ziel der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Botschafter Fisher vor der Genfer Abrüstungskonferenz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten nimmt zum Ost-West-Verhältnis Stellung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USICA-Interview mit George West -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA um gemeinsame Kernbrennstoff-Politik bemüht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- INFCE-Organisation festigte Basis für Eindämmung der Kernwaffen-Proliferation -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rasche Erschließung von Alaska-Ölfeldern geplant&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Carter ersucht Kongress um Genehmigung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kohleveredelung und Gesundheitsschutz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Biomedizinische Untersuchungen zu Prozessprodukten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Steuerungszentren für die Genfunktion&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Grundlegende Unterschiede zwischen niedrigen und höheren Organismen -&lt;/em&gt;</text>
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