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                  <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Februar 1980

10

INHALT

WIRTSCHAFT
Der Wirtschaftsbericht Präsident Carters
- Auszüge -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn2

Tel: 02221-89 32 4 0
Telex:08-85432

�1

Wirt/chaft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10

7. Februar 1980

DER WIRTSCHAFTSBERICHT PRÄSIDENT CARTERS
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - In seinem jüngsten Wirtschaftsbericht an den
amerikanischen Kongreß hat Präsident Carter am 30. Januar 1980 erneut
unterstrichen, daß die Inflationsbekämpfung weiterhin oberste Priorität
in der Wirtschaftspolitik der USA haben werde und in diesem Rahmen
verhindert werden müsse, daß die Auswirkungen der öl Preiserhöhungen
eine Lohn-Preis-Spirale in Bewegung setzen.
Wir veröffentlichen nachstehend wesentliche Auszüge aus diesem
Bericht:
Letztes Jahr stiegen die ölpreise um mehr als das Doppelte. Diese
Preiserhöhung wird sich mit ungefähr 200 Milliarden Dollar zu Buche
schlagen, die die Verbraucherländer zusätzlich für importiertes Erdöl
zu zahlen haben. Höhere ölpreise waren der Hauptgrund für eine weltweite
Beschleunigung der Inflation im Jahr 1979 und die sich trübenden Aussichten
auf ein Wachstum im Jahr 1980.
Die

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die Vereinigten Staaten waren wie andere öl importierende

Länder

hart getroffen. Unser Anteil an der zusätzlichen ölrechnung wird sich
in diesem Jahr auf nahezu 45 Milliarden Dollar belaufen. Wenn nicht
allein deshalb, so hat sich die Inflation doch wegen höherer ölpreise
scharf beschleunigt.

Der Verbraucherpreisindex stieg um über 13 Prozent.

Die Produktion des Landes an Gütern und Dienstleistungen - deren Anstieg
um 2,25 Prozent im Lauf der vier Quartale des Jahres 1979 im Wirtschaftsbericht des letzten Jahres vorausgesagt worden war - stieg um weniger als
ein Prozent.
Obgleich sich das Wachstum verlangsamte, bot unsere Wirtschaft
den Rezessionskräften heftigen Widerstand.

Trotz praktisch allseitiger

Voraussagen einer bevorstehenden Rezession stieg der Ausstoß während
der gesamten zweiten Hälfte des letzten Jahres. Der Verkauf und der Bau
von Häusern hielt sich bis weit ins Jahr hinein besser als erwartet.
Durch Verminderung ihrer Spareinlagen hielten die Verbraucher auch angesichts
der Schwächung der Kaufkraft durch höhere ölpreise in einem Umfang von
vielen Milliarden Dollar das Ausgabenniveau.

Da die Lagerbestände der

Wirtschaft bemerkenswert niedrig gehalten wurden, führten Verkaufsrückgänge nicht zu wesentlichen Bestandskorrekturen.

Generell gesehen war die

wirtschaftliche Erholung der letzten Jahre frei von Verzerrungen, die in
der Vergangenheit die Wirtschaft gegenüber rezessiven Kräften anfällig
machten.
Das Beschäftigungswachstum hielt sich sogar noch besser als der
Ausstoß, und die Arbeitslosigkeit blieb das ganze Jahr über unter sechs
Prozent.
Leider spiegeln die starken Gewinne im Bereich der Beschäftigung
einen scharfen Rückgang bei der Produktivität wider - 2 Prozent im Jahr.
Dieser Produktivitätsverlust erhöhte die Kosten und war daher mitverantwortlich für die höhere Inflation.
Obwohl
- 2 -

�Obwohl die Inflation 1979 zunahm, konzentrierte sich ein großer
Teil der Beschleunigung auf einige wenige Bereiche:

Energie, Hausbesitz

und Geldwesen sowie - im Frühjahr - auf landwirtschaftliche und Nahrungsmittel.

Ansonsten war die Verbraucherpreisinflation zurückhaltender:

die Preise stiegen im Lauf des Jahres um 7,5 Prozent.

Lohn- und Gehalts-

erhöhungen waren nicht höher als 1978, trotz der Beschleunigung der
Inflation.

Die freiwilligen Lohn- und Preisrichtwerte der Regierung wurden

großenteils

beachtet und begrenzten scharf ein übergreifen der Inflation

von öl und einigen anderen Problembereichen auf den Rest der Wirtschaft.

Die Bedeutung einer Verminderung der Inflation
Es ist meine innerste Überzeugung, daß die Inflation das wirtschaftliche
Problem Nr. 1 dieses Landes bleibt. Die Preise für Energie und Wohnungsbau
steigen noch immer rasch, tragen unmittelbar zur Inflation bei und bedrohen
die übrige Wirtschaft mit einer neuen Lohn-Preis-Spirale. Sogar abgesehen
von diesen speziellen Problembereichen beläuft sich die Inflation jetzt
auf etwa 8 bis 9 Prozent, verglichen mit 6 oder 6,5 Prozent vor einigen
Jahren - dies teilweise wegen einer enttäuschenden Produktivitätsleistung.
Unser erstes Ziel für 1980 muß es sein, ein übergreifen zweistelliger
Preisanstiege aus dem ölbereich und anderen Problembereichen auf die
übrige Wirtscahft zu verhindern. Mein Haushalt und unsere Wirtschaftspolitik haben dies als ihr oberstes Ziel. Wir teilen dieses gleiche
drängende Ziel mit praktisch allen anderen öl importierenden Ländern.
Der Ausdehnung der Inflation Einhalt zu gebieten, ist jedoch nicht genug.
Wir müssen Schritte zu ihrer Verminderung unternehmen.
Seit den sechziger Jahren brachte jede neue Inflationsrunde unserem
Land einehöhere zugrundeliegende Inflationsrate. Ohne Langzeitpolitiken,

�Langzeitpolitiken, die die gegenwärtige Rate von 8 bis 9 Prozent niederdrücken,wird unser Land gegenüber weiteren Anstiegen verwundbar bleiben.
Ein weiterer starker Anstieg der öl preise oder eine weltweite Mißernte
könnten die Schraube erneut anziehen

Eine Strategie zur Inflationsbekämpfung
Um die Inflation zu bekämpfen, schlage ich Schritte in vier Bereichen
vor;

der erste davon ist eine zurückhaltende Steuer- und Währungspolitik:
-

Unter den Wirtschaftsbedingungen, vor denen wir stehen, müssen
wir uns auf eine Verminderung des Haushaltsdefizits konzentrieren,
indem wir die Bundesausgaben niedrig halten und auf Steuererleichterungen verzichten.

Wir können uns kein permissives

Wirtschaftsumfeld leisten, in dem die durch das öl gesteuerte
Inflation des Jahres 1979 eine weitverbreitete Beschleunigung
der Lohn- und Preissteigerungen in den Jahren 1980 und 1981
zuläßt.
-

Um die Inflation in den folgenden Jahren zu vermindern, muß der
Haushalt angespannt bleiben. Dies bedeutet nicht, daß er nicht
mehr auf die sich ändernden wirtschaftlichen Umstände reagiert
oder daß es überhaupt keine Steuersenkungen mehr geben wird.
Aber im Vergleich zu früheren, weniger inflationären Zeiten
ist der Spielraum für budgetäre Manöver deutlich begrenzt.

-

Die Währungspolitik muß auch weiterhin die gleichen antiinflationistischen Ziele mit Festigkeit unterstützen.
Der

�Der zweite Handlungsbereich ist die Zurückhaltung des Privatsektors
bei seinen Lohn- und Preisentscheidungen. Mit Hilfe der Überlegungen der
im letzten Jahr eingesetzten Beratungsausschlisse bei Lohn- und Preisfragen ("Pay and Price Advisory Committees") konnten wir die freiwilligen
Lohn- und Preisrichtlinien auf einen neueren Stand bringen und verbessern.
Als dritten Handlungsbereich müssen wir Maßnahmen ergreifen, um
zum Produktivitätswachstum anzuregen, unsere Wirtschaft rasch an die
Tatsache geringerer Ölversorgung anzupassen und um unsere Wettbewerbsfähigkeit in der Weltwirtschaft zu verbessern. Indem wir diese grundlegenden Aspekte der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit angehen, versuchen
wir sicherzustellen, daß die langfristigen Währungs- und Steuerbeschränkungen,
die zur Eindämmung der Inflation notwendig sind, mit einem gesunden
Wachstum der Produktion der Beschäftigung und des Lebensstandards Hand
in Hand gehen. Diese Maßnahmen werden uns auch dabei helfen, Inflationsdruck von der Kostenseite her zu vermindern.
Die jüngste Geschichte hat uns die Lektion gelehrt, daß Ereignisse
außerhalb unseres Landes - wie weltweite Mißernten

oder plötzliche

Preisanstiege der OPEC - überaus starke inflationäre Wirkungen auf die
Binnenwirtschaft haben können.

Der vierte Handlungsbereich muß daher das

Ergreifen von Maßnahmen bei Energie und Nahrungsmitteln sein, die unsere
Verwundbarkeit durch äußere inflationäre Schübe herabsetzt.

Der kurzfristige wirtschaftliche Ausblick
Wir stehen in den nächsten zwei Jahren vor einer schwierigen
wirtschaftlichen Übergangszeit. Meinen Wirtschaftsberatern zufolge wird
unsere Wirtschaft in den ersten Monaten dieses Jahres durch eine milde
Rezession hindurchgehen.

Die meisten privaten Voraussagen teilen diese

- 5 -

�diese Ansicht.

Die Kaufkraft der Verbraucher wird durch steigende Energie-

preise abgeschöpft; außerdem dürfte der Wohnungsbau noch weiter zurückgehen aufgrund des begrenzten Angebots an Hypothekendarlehen und der hohen
Darlehenszinssätze.
Da das Wirtschaftswachstum der letzten Jahre gut ausgewogen war,
gibt es keine ernsthaften Verzerrungen in unserer Wirtschaft, um die
Rezessionskrä'fte zu verstärken.

Daher dürfte eine wirtschaftliche

Abschwächung - sollte es zu einer solchen kommen - kurz und mild sein.
Gegen Jahresende dürfte unsere Wirtschaft wieder anziehen und das Expansionstempo 1981 wahrscheinlich zunehmen.
Die Arbeitslosigkeit wird in diesem Jahr wahrscheinlich leicht zunehmen.

Nächstes Jahr wird ein stärkeres Expansionstempo mehr neue Stellen

schaffen, und die Arbeitslosigkeit wird wieder sinken.
Die Inflation entwickelte sich in unserem Land über eineinhalb
Jahrzehnte hinweg, und es wird viele Jahre ständiger Anstrengung bedürfen,
um wieder davon herunterzukommen. In diesem Jahr werden die Energiepreise
weiterhin rascher steigen als die anderen Preise, aber weniger rasch als
1979. Einige der anderen Faktoren, die letztes Jahr zur Inflation beitrugen, dürften dies 1980 nur noch in geringerem Umfang oder überhaupt
nicht mehr tun. Die Verabschiedung des von mir vorgeschlagenen Haushalts
und die fortgesetzt geübte, vernünftige Zurückhaltung von Arbeitgeberund -nehmerseite bei ihren Lohn- und Preisentscheidungen sollten es möglich
machen, die Inflationsrate von den 13 Prozent des Jahres 1979 auf bis zu
10 Prozent im Jahr 1980 herunterzuschrauben und auf eine Höhe von 8 oder
9 Frozent im Jahr 1981. Aber diese Leistung wird die Inflation noch immer
in einem völlig unannehmbaren Tempo davonlaufen lassen. Wir können und
werden nicht ruhen, bis eine vernünftige Preisstabilität erreicht worden

Haushaltspolitik

�Haushaitspoli ti k
Meine Haushaltsvorschläge werden das Haushaltsdefizit des Bundes
im Haushaltsjahr 1981 um mehr als die Hälfte auf 16 Milliarden Dollar
senken.

Um diese Senkung zu erreichen - trotz der Auswirkung langsameren

Wirtschaftswachstums auf die Steuereinnahmen des Bundesäußerster Zurückhaltung bei den Bundesausgaben.

bedurfte es

Die Ausgaben

werden von

564 Milliarden Dollar in diesem Jahr auf 616 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr
1981 steigen.

Obwohl die Verteidigungsausgaben zunehmen werden, werden

die Bundesausgaben inflationsbereinigt praktisch konstant bleiben.

Ich

schlage vor, die Ausgaben - von der Verteidigung abgesehen - nach Angleichung
an die Inflation zu senken.
Mein Haushalt für das Jahr 1981 stützt sich ganz einfach auf die
Prämisse, daß es oberste Priorität der Wirtschaftspolitik bleiben muß,
die Inflation zu beenden. Es werden nicht nur die Haushaltsausgaben auf
einem Mindeststand gehalten, der noch in Einklang mit den drängenden
nationalen Forderungen steht, sondern es wird auch auf Steuersenkungen
verzichtet. Diese karge Haushaltspolitik ist in Verbindung mit unterstützender währungspolitischer Zurückhaltung eine notwendige Bedingung
zur Kontrolle der Inflation.
Bürger im ganzen Land stehen vor wachsenden Steuerlasten wegen zunehmender Steuern für die soziale Sicherheit und weil die Inflation den
einzelnen in die Klammern höherer Einkommensteuern treibt.

Sie fordern

und verdienen Steuererleichterungen, sobald Senkungen in Rahmen einer
umsichtigen Haushaltspolitik gewährt werden können.

Die Wirtschaft braucht

stärkere Anreize, um in neuen und modernen Betriebsanlagen und in Ausrüstung
zu investieren, die für das Anwachsen unserer Produktivitätskapazität und
für die langfristige Verbesserung der Effizienz der Wirtschaft entscheidend
sind.

Wenn wir auch weiterhin das Anwachsen der Bundesausgaben straff

zügeln, wird es Steuersenkungen geben. Aber ich konnte dieses Jahr keine

- 7 -

�keine Steuererleichterungen vorschlagen - und habe es nicht getan....
In dieser ungewissen Zeit kann man die Wirtschaftspolitik nicht
festschreiben und sie dann vergessen.

Sollten sich die Wirtschaftsbedingungen

und Aussichten deutlich verschlechtern, bin ich bereit, dem Kongreß zusätzliche steuerliche Maßnahmen vorzuschlagen, um Produktion und Beschäftigung
in einer Weise und unter Umständen zu unterstützen, die mit dem fortgesetzten Kampf gegen die Inflation in Einklang stehen

- .

Lohn- und Preisrichtlinien
Vor etwa einem Jahr forderte ich Arbeitgeber und -nehmer auf, sich
mir im Kampf gegen die Inflation dadurch anzuschließen, daß freiwillige
Richtlinien für Löhne und Preise befolgt würden. Die Zusammenarbeit auf
meine Bitte hin war groß. Die Beschleunigung der Inflation im letzten
Jahr stellte keinen Zusammenbruch der Lohn- und Preisrichtlinien dar.
Himmel stürmende Energiepreise und steigende Kosten für Hauskauf und
-finanzierung waren die Ursache für die deutliche Verschlechterung der
Inflation. Auch die sinkende Produktivität trug zu Geschäftskosten und
Preisen bei.
Tatsächlich haben die Lohn- und Preisrichtlinien dem Land gutgetan.
Obwohl die Preisrichtlinien bei den Nahrungsmitteln, bei Energie und bei
den Immobilienpreisen nur in geringem Ausmaß anwendbar waren, beschleunigten
sich die Preise in den übrigen Wirtschaftsbereichen, für die die Richtlinien
entworfen waren, im ersten Jahr des Programms nur wenig. Die Lohnerhöhungen
waren nicht größer als im Jahr 1978, obwohl die Lebenshaltungskosten rascher
stiegen. Die Erhöhungen bei den Energiepreisen wirkten sich nicht allzu
stark bei den Löhnen und dem übrigen Spektrum der Industrie- und Dienstleistungspreise aus.
Am

�Am 28. September 1979 erzielten meine Regierung und die Führung
der Gewerkschaften ein landesweites Übereinkommen.

Wir vereinbarten,

daß unsere Antiinflationspolitik wirkungsvoll und ausgeglichen sein müsse
und daß wir trotz des Kampfes gegen die Inflation unsere Anstrengungen
nicht aufgeben würden, die Ziele der Vollbeschäftigung und des ausgeglichenen
Wachstums zu verfolgen.

Als eines der Ergebnisse dieses Übereinkommens setzte ich einen
"Ausschuss für Lohnberatungen" (Pay Advisory Committee) ein, um in Zusammenarbeit mit meiner Regierung die Lohnrichtlinien zu überprüfen und
Vorschläge zu unterbreiten, wie sie durchgesetzt werden könnten.

Ein

"Ausschuß für Preisberatungen" (Price Advisory Committee) wurde eingerichtet, um Empfehlungen hinsichtlich Preisrichtlinien zu unterbreiten.

Das vordringlichste Problem im Jahr 1980 ist es, sicherzustellen,
daß die scharfen Preisanstiege für Energie nicht eine neue Bewegung der
Lohn- und Preisspirale zur Folge haben, die die gegebene Inflationsrate
noch viele Jahre lang verschlimmern würde.

Es ist verständlich, daß

die Arbeiter, die Industriemanager und andere Gruppen einen Ausgleich
für reale Einkommensverluste suchen und dies tun, indem sie höhere
Lohn- und Gehaltszuschläge und andere Einkommensformen fordern.

Solche

Anstrengungen würden nicht die durch steigende Weltölpreise und gesunkene
Produktivität verminderten Realeinkommen zurückbringen, sondern sie
würden nur die Inflation verschärfen.

Verbesserungen unseres Lebens-

standards können nur durch größere Effizienz unserer Wirtschaft und durch
geringere Abhängigkeit von importiertem öl erreicht werden.

Freiwillige Richtlinien für Löhne und Preise sind zusammen mit einer
disziplinierten Steuer- und Währungspolitik die wesentlichen Bestandteile
einer Strategie zur Senkung der Inflation.

Während der nächsten Jahre

wird durch Währungs- und Steuerpolitik versucht, die Inflation langsam
aber ständig zu senken.

Zurückhaltung bei Anleihen und Ausgaben bedeutet

- 9 -

�bedeutet in sich selbst verhältnismäßig langsames Wirtschaftswachstum
und etwas höhere Arbeitslosigkeit mit brachliegender Kapazität.

Wirksame

Richtlinien zur Mäßigung bei Lohn- und Preissteigerungen werden zu Fortschritten bei der Senkung der Inflation führen und dadurch die Last auf
Währungs- und Steuerpolitik mindern sowie Spielraum für rascheres Wirtschaftswachstum und mehr Arbeitsplätze schaffen

;

Maßnahmen zur Verbesserung der Wirtschaftsleistung
Befriedigendes Wirtschaftswachstum zu erreichen, die Arbeitslosigkeit
zu verringern und gleichzeitig steten Fortschritt bei der Inflationsbekämpfung zu machen, stellt eine gewaltige Herausforderung für die
Wirtschaftspolitik dar.
Um die Inflation zu drücken, müssen wir den schmerzlichen Weg
weitergehen, der notwendig ist, um die Nachfrage zu dämpfen. Aber Nachfragedämpfung allein ist nicht genug. Wir müssen daran arbeiten, die
Angebotsseite unserer Wirtschaft zu verbessern, und ihren Anpassungsprozeß in einer Zeit knapper Energie beschleunigen, ihre Effizienz
erhöhen, die Wirkungsweise des Arbeitsmarktes verbessern und ihren
Kapitalsockel verbreitern. Wir müssen Maßnahmen ergreifen, unsere
Verwundbarkeit bei inflationären Ereignissen zu vermindern, die sich
außerhalb unserer eigenen Volkswirtschaft zutragen. Nur eine Methode,
die sich mit Nachfrage und mit Angebot auseinandersetzt, kann das Land
in die Lage versetzen, ein gesundes Wirtschaftswachstum mit Preisstabilität
zu kombinieren.

Langfristige

- 10 -

�Langfristige Energiepolitik
Im Lauf der letzten drei Jahre habe ich einen Großteil meiner
eigenen Anstrengungen und der meiner Regierung darauf verwendet, für
dieses Land eine langfristige Energiepolitik zu entwerfen.

Viel ist

bereits in Zusammenarbeit mit dem Kongreß erreicht worden oder steht kurz
vor seiner Verabschiedung.
Die schrittweise Freigabe der Preise für Erdgas und inländisches
Rohöl wird ein starkes, eindeutiges Signal setzen, zur Energieeinsparung
ermutigen und die Entwicklung inländischer Energieversorgung anregen.
Aber die Freigabe der ölpreise bringt angesichts der sehr hohen OPECPreise unvermeidlicherweise gewaltige Situationsgewinne mit sich. Die
Steuer auf diese Situationsgewinne (Windfall Profit Tax), die ich vorgeschlagen habe, wird einen beträchtlichen Teil dieser Gewinne für den
öffentlichen Gebrauch abschöpfen.
Die zusätzlichen Bundeseinnahmen durch diese Steuer werden es möglich
machen, die Armen vor den Auswirkungen der höheren ölpreise zu schützen,
unsere Investitionen im öffentlichen Verkehrswesen zu erhöhen und Programme
für den beschleunigten Ersatz ölbetriebener Elektrizitätswerke und für
vermehrte private und kommerzielle Energieeinsparung zu unterstützen.
Ich habe auch Anreize für die Entwicklung von Sonnenenergie und Energie
aus Biomasse gegeben und den Kongreß um die Ermächtigung ersucht, eine
Energiesicherungsbehörde (Energy Security Corporation) ins Leben zu rufen,
um auf einer geschäftsmäßigen Grundlage Anreize und Beistand für die
beschleunigte Entwicklung synthetischer Brennstoffe zu gewähren. Weitere
von mir vorgeschlagene Gesetze, die zur Zeit ebenfalls einem Beratungsausschuß des Kongresses vorliegen, würde ein Energiemobilisierungsamt
schaffen, um den Behördenweg zu verkürzen und die Entwicklung wesentlicher
Energieprojekte zu beschleunigen. Ich fordere den Kongreß auf, die letzten
Schritte zu tun, um die für meine Energieinitiativen notwendige Gesetz-

- 11 -

�Gesetzgebung zu verabschieden.
•

Diese Politiken werden die Wirksamkeit wesentlich erhöhen, mit der
unser Land Energie verbraucht, und das Spektrum wirtschaftlich ausnutzbarer
Energiequellen vergrößern.

Auf diese Weise werden sie dabei helfen, unsere

Volkswirtschaft weniger inflationsanfällig zu machen.

Sie werden auch

unsere Abhängigkeit von importiertem öl drastisch reduzieren und die Wahrscheinlichkeit plötzlicher Inflationsschübe dadurch herabsetzen, daß unser
Land durch plötzliche Preisanstiege beim öl auf den Weltmärkten weniger
verwundbar ist.
Gegen Ende dieses Jahrzehntes werden wir uns wahrscheinlich schon
am Ende der Übergangsperiode zu einer neuen Welt der knapperen öl Vorräte
nähern.

In der Zwischenzeit bleibt unser Land jedoch noch immer den

Unberechenbarkeiten der Weltölmärkte auf gefährliche Weise ausgeliefert.
Ich verfolge Maßnahmen, um mit diesen Übergangsproblemen fertigzuwerden. Zusammen mit anderen wichtigen öl Verbraucher!ändern in der Internationalen Energieagentur arbeiten wir daran, verbesserte Möglichkeiten
zu entwickeln, um künftigen Kürzungen bei der Ölversorgung durch gemeinsames
Handeln zur Verminderung der ölnachfrage zu begegnen. Wir können die
Chancen auf weitere starke Preiserhöhungen vermindern, indem wir ein
kompetitives Gedränge nach knappem öl vermeiden.
Letztes Jahr versprach ich, daß unser Land niemals wieder mehr öl
als im Jahr 1977 importieren würde: 8,5 Millionen Barrel pro Tag. in
diesem Jahr setzte ich ein niedrigeres Importziel von 8,2 Millionen
Barrel pro Tag fest. Ich bin bereit, dieses Ziel weiter herabzusetzen,
sollten Diskussionen im Rahmen der Internationalen Energieagentur ein
faires und ausgeglichenes Abkommen erzielen, das noch niedrigere Importe
fordert. Ich werde eine Abgabe für den Kauf von ausländischem Erdöl
einführen, falls dieser die von mir festgesetzten Grenzen zu überschreiten
droht.
Ebenso
- 12 -

�Ebenso wesentlich wie die internationale Zusammenarbeit sind Maßnahmen,
die wir selbst ergreifen können.

In Einklang mit den im letzten Jahr

erlassenen Gesetzen hat die Regierung einen Notplan zur Benzinrationierung
entwickelt, um mit größeren Versorgungsstörungen fertigzuwerden - definiert
als ein Versorgungsdefizit von 20 oder mehr Prozent.

Dieser Plan wird dem

Kongreß im Februar vorgelegt. Aber sogar noch geringere Versorgungsstörungen können schwerwiegende wirtschaftliche Probleme hervorrufen.

Wir

überlegen daher Vorschläge für Notmaßnahmen, die zu ergreifen sind, wenn
geringfügigere, aber noch immer beträchtliche Unterbrechungen auftreten
sollten.

Die Strategische Benzinreserve (SPR) kann die Auswirkung eines

plötzlichen Lieferausfalls abschwächen.

Mein Haushalt sieht Mittel dafür

vor, Käufe im Rahmen dieser Reserve in diesem Jahr wieder aufzunehmen,
wenn es die Umstände erlauben.

Verbesserung des Arbeitsmarktes
Anhaltende hohe Arbeitslosigkeit bei bestimmten Berufsgruppen,
stürmische Nachfrage nach Arbeitskräften andererseits und in manchen
Bereichen nur sehr niedrige Arbeitslosigkeit: das ist nicht nur ein
großes soziales Problem, sondern eine Verschwendung nationaler Ressourcen.
Der Mangel an Fertigkeiten, die Mängel des Arbeitsmarktes und in manchen
Fällen die Diskriminierung, die eine solche Situation entstehen läßt,
vermindern die nationale Produktivität und tragen zur Inflation bei.
Obgleich unser Arbeitsmarkt für die meisten Menschen im Moment
ziemlich gut arbeitet, so tut er dies nicht für die benachteiligten
Jugendlichen und die jungen Angehörigen der Minderheiten.

Angesichts

dieser Tatsache habe ich kürzlich dem Kongreß Vorschläge zugeleitet, die
die Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen sollen
Reform
- 13 -

�Reform gesetzlicher Vorschriften
Der Bereich der gesetzlichen Vorschriften ist neben der Besteuerung,
der Verteidigung und der Bereitstellung der Sozialversorgung eine der
Hauptbeschäftigungen der Regierung.

Unnötige Vorschriften, aber auch

notwendige Vorschriften, die unverhältnismäßige Lasten auferlegen, senken
die Effizienz und erhöhen die Kosten.
In den letzten drei Jahren habe ich mich entschieden für eine grundlegende Methode zur Reform der Vorschriften eingesetzt:

unnötige Vor-

schriften, wie tief auch immer in der Tradition verwurzelt, sollten
abgeschafft und die Rolle des Wettbewerbs sollte verstärkt werden;
notwendige Vorschriften sollten ihre sozialen Zielsetzungn zu minimalen
Kosten erreichen.
In Zusammenarbeit mit dem Kongreß wurde die Luftfahrtindustrie von
einschränkenden Bestimmungen befreit. Nunmehr arbeiten wir mit Kongreßausschüssen zusammen, um die Arbeit für eine faire und wirkungsvolle
Gesetzgebung zu beenden, die die kostspieligen Teile der Vorschriften in
der Lastwagen-, der Eisenbahn-, der Kommunikations- und der Finanzindustrie
beseitigt.
Innerhalb der Exekutive steigern wir die Qualität der Vorschriften
und senken ihre Kosten. Der Rat zur Koordinierung staatlicher Vorschriften
(Regulatory Council), den ich vor einem Jahr eingesetzt habe, fördert
unser Verständnis für das ganze Ausmaß der Bundesaktivitäten im Bereich
der Bestimmungen und die Art und Weise,in der diese Aktivitäten insgesamt
die einzelnen Industrien und Sektoren beeinflussen. Eine Reihe von
weisungsbefugten Behörden experimentiert mit neuen Techniken, die die
Zielsetzungen zu weit niedrigeren Kosten zu erreichen versprechen.

Steigerung

- 14 -

�Steigerung der Investitionen und Ermutigung von Forschung und Entwicklung
Wir kennen nicht alle Ursachen der Verlangsamung des Produktivitätswachstunis, die in den letzten Jahren unsere Volkwirtschaft charakterisiert
hat.

Aber wir wissen, daß Investitionen, Forschung und Entwicklung bei

der Umkehrung dieses Trends eine wesentliche Rolle werden spielen müssen.
Um die kräftig gestiegenen Bedürfnisse des Landes nach Investitionen
im Bereich der Energieproduktion und -einsparung zu befriedigen, um seinen
Auftrag nach sauberer Luft und klarem Wasser sowie verbesserter Gesundheitsfürsorge und Sicherheit am Arbeitsplatz zu erfüllen und um gleichzeitig weitere und bessere Werkzeuge für eine wachsende amerikanische
Arbeitnehmerschaft zur Verfügung zu stellen, muß unser Land im kommenden
Jahrzehnt den Anteil seiner Mittel erhöhen, der für Kapitalinvestitionen
bereitgestellt wird.
Einen Schritt in diese Richtung unternahmen wir mit dem Einkommenssteuergesetz von 1978, das größere Steuererleichterungen für Investitionsmaßnahmen vorsieht.

Die Verabschiedung meiner anhängigen Energiegesetz-

gebung wird umfangreiche neue Anreize und finanziellen Beistand für
Investitionen

bei Produktion und Einaprung von Energie verfügbar machen.

Sobald die Wirtschaftsbedingungen für weitere Steuersenkungen angemessen
sind, werden wir meiner Meinung nach einen wesentlichen Teil jeder Steuerherabsetzung auf die Bereitstellung weiterer Anreize für allgemeine
Kapitalinvestitionen umleiten müssen.
Einer der bedeutsamsten Faktoren zur Sicherstenung eines starken
Produktivitätswachstums ist ein ständiger Fluß neuer Ideen aus dem
Industriebereich. Dieser Fluß hängt in erster Linie von einer soliden
Grundlage wissenschaftlicher Kenntnis ab. Die wichtigste Quelle solchen
Wissens ist die Grundlagenforschung, deren größter Teil aus Bundesmitteln
finanziert wird.
Zwischen
- 15 -

�Zwischen 1968 und 1975 fielen die Bundesausgaben für Grundlagenforschung - in gleichbleibenden Dollar gemessen - sogar. Aber seit 1975
und besonders während meiner Regierungsjahre stieg die Bundeshilfe für
die Grundlagenforschung kräftig.

Trotz der im allgemeinen angespannten

wirtschaftlichen Lage fordert der Haushaltsplan für 1981, den ich dem
Kongreß vorlege, eine weitere erhebliche Zunahme der realen Bundeshilfe
für die Grundlagenforschung.

Gerade in einer Zeit wirtschaftlicher

Schwierigkeiten können wir es uns nicht leisten, die Basis zukünftigen
Wohlstands zu schmälern....

Die Weltwirtschaft
Neben unserem Land erlitten auch andere Staaten im Jahr 1979
beträchtliche Rückschläge durch die dramatischen Preissteigerungen beim
öl. Die Wachstumsaussichten verschlechterten sich, die Inflation nahm
zu und die Zahlungsbilanzdefizite wuchsen. In solch schwierigen Zeiten ist
die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Staaten besonders wichtig.
Gemeinsame Schritte der öl Verbraucherstaaten sind notwendig, um den
Nachfragedruck auf das Angebot zu reduzieren und die Ordnung auf den
Weltölmarkten wiederherzustellen. Zusammenarbeit ist notwendig, um die
internationalen Finanzmärkte gegen potentiell mögliche Unterbrechungen
zu schützen, die aus der Notwendigkeit herrühren, stark erhöhte Zahlungen
für das Erdöl finanzieren zu müssen. Und Zusammenarbeit ist ebenfalls
notwendig, um eine zerstörerische Runde des Protektionismus zu verhindern.

Da der Dollar der wichtigste internationale Wertspeicher und die
sichtigste Valuta ist, ist die Stabilität der internationalen Finanzmärkte eng mit der Stärke des Dollar verbunden. Die im November 1978
von den Vereinigten Staaten und unseren Verbündeten ergriffenen Maßnahmen

�Maßnahmen zur Stärkung und Stabilisierung des Dollar funktionierten im
vergangenen Jahr gut. Die Tatsache, daß der Dollar sich trotz einer
beschleunigten Inlandsinflation gut hielt, ist teilweise auf eine deutliche
Verbesserung unserer gegenwärtigen Zahlungsbilanz im Verlauf des Jahres 1979
zurückzuführen. Unsere Exporte nahmen rasch zu und trugen dadurch dazu
bei, die steigenden Zahlungen für Erdöl auszugleichen. Im Herbst 1979
kam der Dollar jedoch unter rückläufigen Bewegungsdruck. Die Maßnahmen
der Bundesbank vom Oktober zur Änderung der Techniken der Geldpolitik
halfen dabei, die Inflationserwartungen zu dämpfen, die teilweise für den
Druck auf den Dollar verantwortlich gewesen waren. Wir müssen als Staat
die Bedeutung eines stabilen Dollar nicht nur für die Vereinigten Staaten
erkennen, sondern für die Weltwirtschaft als ganzes, und unsere Verantwortung
zur Verfolgung einer Politik übernehmen, die zu dieser Stabilität beiträgt.
Die multilateralen Handeslverhandlungen der Tokio-Runde wurden
erfolgreich abgeschlossen und erlangten im Lauf des Jahres 1979 in den
Vereinigten Staaten Gesetzeskraft. Diese Handelsvereinbarungen sind eine
bedeutsame Leistung für die Weltwirtschaft. Durch Senkung der Zollschranken
in den Vereinigten Staaten und im Ausland werden sie dabei helfen, unsere
Exporte zu erhöhen und uns Amerikanern Zugang zu ausländischen Gütern zu
verschaffen, die weniger kosten. Vielleicht noch wichtiger ist, daß diese
Abkommen restriktive und unfaire Handelspraktiken begrenzen und für
deutliche Heilmittel dort sorgen werden, wo es Mißbrauch gibt. Sie können
zwar nicht allein eine reibungslose Lösung aller Handelsfragen garantieren,
und tatsächlich wird die eigentliche Bewährungsprobe erst kommen, wenn wir
mit ihrer Ausführung beginnen. Dennoch stellen die im letzten Jahr
erreichten Abkommen eine klare Verpflichtung zur Bewahrung und Verbesserung
eines offenen Welthandelssystems dar.

Schlußfolgerung

- 17 -

�•

Schlußfolgerung
Die siebziger Jahre waren ein Jahrzehnt der wirtschaftlichen Unruhe.
Die Weltölpreise stiegen um mehr als das Zehnfache und trugen dazu bei,
zwei große Inflationswellen und die schlimmste Rezession seit vierzig
Jahren auszulösen.

Das internationale Wä'hrungssystem mußte einen schwierigen

Übergang von festen zu floatenden Wechselkursen durchmachen.

In der

Landwirtschaft wechselte eine chronische Überangebotslage in eine Situation
über, in der sich Zeiten des knappen Angebots mit Zeiten des Überangebots
abwechselten.
Es war ein inflationäres Jahrzehnt.

Es brachte in die Pläne der

Geschäftswelt und der Verbraucher für die Zukunft zunehmende Ungewißheit.
Wir unternehmen jetzt Anpassungen an die Realitäten der wirtschaftlichen
Welt, die uns die siebziger Jahre brachten.
eine schwierigere Welt als die vor ihr.

Sie ist in vieler Hinsicht

Dennoch sind die von ihr gestellten

Probleme nicht unüberwindlich.
Es warten keine Wirtschaftswunder auf ihre Verwirklichung. Aber
mit Geduld und Seibstdiziplin in Verbindung mit etwas Erfindungsreichtum
und Sorgfalt können wir uns erfolgreich mit dieser neuen Welt auseinandersetzen. Die achtziger Jahre können ein Jahrzehnt verminderter Inflation
und gesunden Wachstums werden.

+ + + + +

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