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Information
und
Dokumentation

'•TS

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30. Januar 1980

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Afghanistankrise und ihre Auswirkungen auf das Ost-West-Verhältnis
- Von Helmut Sonnenfei dt -

WIRTSCHAFT
Trends im Produktivitätswachstum in Amerika
- Ausblick auf die achtziger Jahre Von Dr. Mark Perlman

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Fahrzeugbau:

Neue Treibstoffe verlangen andere Motoren

- Rechtzeitige Planung lebenswichtig für die Industrie •
Unwirksame Pestizide
- Resistenzentwicklung bei Insekten nimmt zu -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�30. Januar 1980

7

DIE AFGHANISTANKRISE UND IHRE AUSWIRKUNGEN AUF DAS OST-WEST-VERHÄLTNIS
- Von Helmut Sonnenfeldt

Helmut Sonnenfeldt war von 1974 bis 1977
Berater im amerikanischen Außenministerium
und lehrt gegenwärtig an der Brookings
Institution in Washington.

Ober viele Jahre hinweg hat die Sowjetunion ihre wachsenden militärischen
Möglichkeiten dazu benutzt, ihren Einfluß geltend zu machen und Präsenz rund um
die Welt zu erringen. Von der Unterdrückung von Volksaufständen und Liberalisierungsbestrebungen in Osteuropa unter Militäreinsatz abgesehen, haben es die
Sowjets im allgemeinen vermieden, ihre eigenen regulären Truppen bei regionalen
Konflikten oder Aufruhr im Innern einzusetzen. Stattdessen haben sie es vorgezogen, Waffen und Ausrüstung zu liefern und Berater zu schicken. Das Kämpfen
erledigten andere, vor allem die Kubaner, deren Heimat solange durch die Sowjets
militärisch geschützt wurde.
In gewissem Sinne stellen die Ereignisse in Afghanistan den Höhepunkt dieses Trends dar, da die Sowjets nunmehr ihre eigenen Streitkräfte ganz schamlos
einsetzen.

Sie eröffnen aber auch eine neue Phase, weil die sowjetische Mili-

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�Militärmacht zum erstenmal seit Ende der vierziger Jahre in dem Versuch eingesetzt wird, die sowjetische Herrschaft über ihren bisherigen Machtbereich
auf der eurasischen Landmasse auszudehnen.

Obwohl in den Augen mancher Leute geographisch weit entlegen, hat
Afghanistan in der Tat eine strategische Lage von höchster Bedeutung.

Denn

die Tatsache, daß die stärkste Militärmacht in Eurasien dieses Land zum erstenmal in der Geschichte besetzt hält, bedeutet - sogar wenn der Widerstand andauert - ,daß die UdSSR sich nunmehr gleichzeitig entlang ausgedehnter Landmassen
zweier Länder erstreckt, von denen eines reich an lebenswichtigen ölvorräten
ist und die beide Zugang zu Seewegen bieten, die von entscheidender Bedeutung
für den Welthandel und das geopolitische Gleichgewicht der Welt sind.

Präsident Carter hat wahrscheinlich nicht unrecht, wenn er sagt, daß die
sowjetische Invasion Afghanistans die größte Bedrohung des Friedens seit dem
Zweiten Weltkrieg ist.

Es stimmt, daß die Vereinigten Staaten in Korea und

Vietnam in blutigen Kriegen kämpften, bei denen die Sowjets jedesmal unseren
Feinden Unterstützung gewährten.

Wir erlebten auch eine Reihe hitziger Kon-

frontationen wegen Berlin, dem Nahen Osten und wegen Kuba.

Aber alle diese

Konflikte und Krisen waren begrenzt.

Für einen großen Teil Südwestasiens und den Nahen Osten könnte das von
den Sowjets besetzte Afghanistan eine Bedrohung von unbestimmter Dauer darstellen, die von der Sowjetunion selbst ausgeht und durch die Stützpunkte verstärkt
wird, die bereits auf der Arabischen Halbinsel und in Ostafrika errichtet sind.
Zugleich stellt es einen weiteren Baustein des Einkreisungswalls dar, den die
Sowjets gegen China zu errichten suchen.

Ob die militärischen Optionen, die sich durch die Besetzung des Territoriums von Afghanistan eröffnen, von der sowjetischen Führung auch wahrgenommen werden, kann nicht vorausgesagt werden.

Selbst wenn dies nicht bald

geschieht, so hat sich doch die strategische Landkarte der Welt für all jene
zum Schlechteren hin verändert, die sich über die Ausdehnung des sowjetischen

- 2-

�sowjetischen Einflusses und sowjetischer Macht Sorgen machen.

Bestimmte "defensive" Motivationen mögen bei dem sowjetischen Marschbefehl eine bedeutsame Rolle gespielt haben.

Ganz generell betrachtet haben

die Sowjets schon mehrere Jahre lang besorgt beobachtet, wie ihre Hauptgegner
Kontakt miteinander aufgenommen haben.

Eine feindliche Koalition von Japan

über China bis zur NATO, Europa und den Vereinigten Staaten ist nahezu mit
Sicherheit eine echte sowjetische Angst gewesen.

Umso mehr, als Moskau in

den bewegten fünfziger Jahren das Ende der kapitalistischen Einkreisung ausgerufen hatte.

Gegenmaßnahmen verschiedenster Art - Entspannung mit dem Westen,

Drohungen wie Lockrufe gegenüber Japan, Warnungen, Eröffnungen und Gegeneinkreisung vis-5-vis China - wurden alle mit mehr oder weniger Erfolg ergriffen.

Der marxistische Staatsstreich in Afghanistan im Jahre 1978 - zunächst
zufällig, dann aber kraftvoll von Moskau unterstützt - könnte als eine zusätzliche, konkrete Antwort auf das gesehen werden, was Moskau als feindliches
westlich-chinesisches Manövrieren ansieht.

Als das neue prosowjetische Re-

gime ins Schwanken geriet und vor der wachsenden Bedrohung durch eine Widerstandsbewegung stand, die in mehreren der islamischen Volksgruppen verwurzelt
war, die sich ebenfalls Sympathien von außen erfreuten, sahen sich die Sowjets
offensichtlich gezwungen, dem Verlust ihrer Zugewinne des Jahres 1978 Einhalt
zu gebieten.

Die sowjetische Aktion könnte auch durch die Furcht motiviert sein,daß
die moslemische Bevölkerung der UdSSR selbst von dem angesteckt werden könnte,
was sich sowohl in Afghanistan als auch im Iran zutrug.

Mehr Gewicht muß je-

doch das Urteil gehabt haben, die große und mächtige Sowjetunion sei berechtigt, Ordnung in einem Land zu erzwingen, das nach sowjetischem Dafürhalten
nunmehr in den Wirkungskreis der Breschnew-Doktrin geraten war.

In diesem

Zusammenhang lohnt es sich festzuhalten, daß die Sowjets ihren Vertrag über
Freundschaft und Zusammenarbeit mit Afghanistan als legale Grundlage für ihre
neueste Intervention benützten - genauso wie sie den Warschauer Pakt als legale Rechtfertigung für ihre Intervention in Ungarn und in der Tschechoslowakei
anführten.

Verträge ähnlicher Art gibt es mit Angola, Mozambique, dem S'üd- 3 -

�Südjemen, Äthiopien, dem Irak und Vietnam - obgleich die Entfernung zwischen
diesen Ländern und der UdSSR und andere Umstände sie weniger wahrscheinlich
zu Kandidaten für die massive Art von Intervention machen dürfte, wie sie in
Afghanistan stattgefunden hat, wenn innere Unruhen diese Regime bedrohen sollten.
Letztendlich aber kann eine "defensive" Motivgruppe als machtvolleres
Stimulierungsmittel für solche Aktionen dienen als der Wunsch nach Expansion.
Und natürlich ist es für die Sowjets - nachdem sie erst einmal Blut, militärische Macht und Prestige eingesetzt haben, um die politische Orientierung
Afghanistans aufrechtzuerhalten und Widerstand gegen das dortige Regime zu
unterdrücken - kein an den Haaren herbeigezogener Schritt, über die Grenzen
dieses Landes vorzustoßen, um Afghanistan gegen äußere Angriffe - seien sie
echt oder eingebildet - zu schützen.
Was bedeuten nun diese Entwicklungen für die Entspannung und, noch allgemeiner, für die Ost-West-Beziehungen?
Afghanistan sagt uns weniger darüber, ob die Entspannung gescheitert
ist, als vielmehr, daß Entspannung - begreift man sie als eine Beziehung
gegenseitiger Zurückhaltung bei der Verfolgung von Interessen - nicht automatisch aus guten Absichten oder Kriegsfurcht oder wirtschaftlichen Notwendigkeiten oder nicht einmal aus verstärkten menschlichen Kontakten hervorgeht. Die Sowjets befinden sich in einer expansionistischen - oder imperialen - Phase ihrer Entwicklung. Sie mögen sogar glauben, daß die Zeit gegen
sie arbeitet. Ihre gegenwärtigen Sorgen umfasen das Auftreten Chinas, die zunehmenden Anstrengungen im Westen, das militärische Gleichgewicht zu korrigieren, zunehmende wirtschaftliche und demographische Probleme im Innern der
UdSSR, ein mögliches Defizit in der Energieproduktion der nächsten Jahre und
viele andere Faktoren - einschließlich des fortgeschrittenen Alters vieler
Mitglieder der sowjetischen Führung. Um mit diesen sowjetischen Impulsen und
den von ihnen ausgelösten Politiken fertigzuwerden, bedarf es einer anhaltenden Anstrengung - nicht nur der Vereinigten Staaten, sondern all derjenigen,
die sich um eine geordnetere und weniger gefährliche Welt Sorgen machen.
Daher
- 4 -

�Daher wären kurzfristig die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
sowie all diejenigen Länder, deren Interessen betroffen sind, gut beraten,
sich rasch auf den geordneten Aufbau ihrer Stärke - einschließlich der militärischen - zu konzentrieren, um dadurch die Sowjets der Risiken ihrer Abenteuer über Afghanistan hinaus bewußt zu machen.

Die schwerste Bürde fällt

dabei zweifellos den Vereinigten Staaten zu, aber die NATO-Verbündeten und
auch Japan werden für ihre eigene und die gemeinsame Verteidigung wahrscheinlich mehr tun müssen.

Militärischer und wirtschaftlicher Beistand für Pakistan

und Unterstützung für andere Nahoststaaten sollte wahrscheinlich ebenfalls
nicht ausschließlich von den Vereinigten Staaten kommen.
Rolle spielen.

Auch China muß eine

Es ist klar, daß im Fall Pakistans die Befürchtungen Indiens

n'cht übersehen werden dürfen, aber Indien fühlt sich wahrscheinlich auch
nicht allzu wohl angesichts der umfangreichen neuen Sowjetstreitkräfte in
dieser Weltgegend.
Normale Wirtschaftsbeziehungen mit der UdSSR sind unmittelbar nach der
Afghanistankrise unangemessen.

Die Vereinigten Staaten haben bereits wesent-

liche Wirtschaftsaktivitäten beschnitten.

Westeuropa und Japan zögern offen-

sichtlich mehr, die Bindungen zu zerreißen, die so mühsam mit dem Osten aufgebaut wurden und die für beide Seiten von nicht geringem Nutzen sind.

Dennoch

müssen diese Staaten sich fragen, ob solche Beziehungen tatsächlich vollkommen von den politischen Verhältnissen abgesondert werden können - und werden
sollten.

Es kann die Sowjets nicht völlig kalt lassen, wenn deutlich würde,

daß Industrie- und Technologieprojekte im Wert von Milliarden von Dollar aufs
Spiel gesetzt werden, falls sie weitere Demonstrationen des Expansionismus
durchführen.

Gleichzeitig scheint es nunmehr so, daß sich den Regierungen der demokratischen Industrieländer eine neue Gelegenheit bietet, in Zukunft einen bewußteren Einsatz der Wirtschaftspolitik als integralen Bestandteil der Gesamtanstrengungen zu planen, sich mit der Sowjetunion auseinanderzusetzen.

Vor

allem aber muß die westliche Welt einen besser koordinierten oder zumindest
sich gegenseitig verstärkenden Zugang bei ihren Wirtschaftsbeziehungen mit

- 5 -

�mit der Sowjetunion suchen.

Einer der Gründe dafür, daß die Entspannung

sich als trügerisch erwiesen hat, ist die Tatsache, daß Moskau immer irgendwelche Möglichkeiten hatte, einen Verbündeten gegen einen anderen auszuspielen.

Diese sowjetische Manövrierfähigkeit gilt es einzuschränken - auf wirt-

schaftlichem wie auf anderen Gebieten.
Langfristig ist klar, daß die Vereinigten Staaten anhaltende Anstrengungen unternehmen müssen, um ihre Streitkräfte auszubauen, damit deren Einsatz
in den vielen Teilen der Welt möglich wird, wo die sowjetische Macht sich
fühlbar machen kann.

Die Europäer mögen und müssen sich Fragen stellen, ob

und wie sie zum Schutz derjenigen Interessen außerhalb Europas beitragen können, die für sie mindestens ebenso lebenswichtig sind wie für die Vereinigten
Staaten.

Japan könnte seinerseits gezwungen sein, die Erhöhung seiner An-

strengungen zur Verteidigung des es umgebenden See- und Luftraums ins Auge zu
fassen.

Zunehmende Kontakte mit China bei Verteidigungsangelegenheiten soll-

ten von den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten sorgfältig gepflegt
werden.

Solche Verteidigungsprogramme sollten keine RüstungskontrollVerhand-

lungen ausschließen, aber es ist wichtig festzuhalten, daß daraus hervorgehende Abkommen wahrscheinlich in ihren Auswirkungen marginal sein werden und
nicht als Ersatz für zusätzliche Verteidigungsanstrengungen dienen können.
Als Schlußfolgerung kann gesagt werden, daß man Afghanistan nicht lediglich als einen "Verkehrsunfall" definieren kann, wie man 1968 einmal von der
Tschechoslowakei sagte. Es ist ein ernstes und gefährliches Ereignis. Meiner Ansicht nach hat es die ursprünglichen Prämissen einer zähen, aber flexiblen Politik gegenüber der UdSSR nicht beeinträchtigt. Es sollte jedoch ein
für allemal die Illusion beseitigen, daß die Abkommen der frühen siebziger
Jahre einen unumkehrbaren Trend zu verbesserten Beziehungen garantieren.
Ich glaube nicht, daß es zu spät ist, die wesentliche Beziehungsstruktur aufzubauen, die vor zehn Jahren entworfen wurde - in allen ihren Elementen. Aber
ich glaube auch, daß wir dazu nicht so bald wieder die Möglichkeit haben werden, wenn wir nicht jetzt sofort Schritte unternehmen, um kurzfristig die unmittelbaren Gefahrenbereiche anzugehen und langfristig das Gesamtverhältnis
mit der UdSSR zu gestalten.
+ + + + +

- 6-

�Wirt/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
30. Januar 1980

TRENDS IM PRODUKTIVITÄTSWACHSTUM IN AMERIKA
- Ausblick auf die achtziger Jahre Von Dr. Mark Perlman

Professor Dr. Mark Perlman lehrt Nationalökonomie an der Universität von Pittsburgh
und hatte früher einen Lehrstuhl an der
Johns Hopkins-Universität inne. Er hat zahl
reiche Bücher und Artikel über Wirtschaftsgeschichte, Wirtschaftsanalyse und Arbeitskraft verfaßt und ist Herausgeber des
"Journal of Economic Literature".
Das Produktivitätswachstum in den Vereinigten Staaten ging im vorigen
Jahrzehnt stark zurück und verlangsamte

sich auf etwa die Hälfte des durch-

schnittlichen Wachstums von drei Prozent während der sechziger Jahre.
letzten Jahren war die Verlangsamung sogar noch stärker.

In den

Der Rückgang der Pro-

duktivitätsrate wird als einer der Hauptfaktoren für das Sinken des Dollar,
das langsame Wirtschaftswachstum und die steigende Inflation betrachtet.
Der Zuwachs der Produktivität in der amerikanischen Wirtschaft insgesamt
ging in den Jahren 1973 bis 1977 auf jährlich 1,1 Prozent zurück, nachdem er
in den Jahren 1948 bis 1955 einen Höchststand von jährlich 3,4 Prozent erreicht
hatte.

Vom zweiten zum dritten Quartal 1979 war bei den nicht-landwirtschaft-

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�nicht-landwirtschaftlichen Privatunternehmen ein Produktivitä'tsrückgang mit
einer Jahresrate von 0,7 Prozent zu verzeichnen.

Das Produktivitätswachstum

hat sich in Amerika deutlich ungünstiger entwickelt als in anderen industriellen Volkswirtschaften, wie beispielsweise Japan, Frankreich, die Bundesrepublik
Deutschland und Kanada.
Man kann zwar Produktivität auf verschiedene Weise definieren, aber im
allgemeinen versteht man darunter das Verhältnis zwischen dem Wert der Produktion (Output) eines Betriebes oder Landes in einer bestimmten Zeitspanne zu
dem Aufwand - Eingangswert - (Input) in der gleichen Zeitspanne. Herkömmlicherweise rechnet man zur Produktion auf dem privaten Sektor nur die Güter und
Dienstleistungen, die verkauft oder auf Lager genommen werden.

Was den Ein-

gangswert betrifft, so konzentriert man sich auf den Arbeitsaufwand gemessen
in Arbeitsstunden, obwohl in jüngerer Zeit die Maßstäbe neu definiert werden
und auch Kapital und Material kosten einschließen.
Es ist außerordentlich kompliziert, die unbefriedigende Produktivitätsleistung in den Vereinigten Staaten während der letzten Zeit zu erklären, aber
die jüngste Geschichte Amerikas bietet einige Hinweise. Einigen nationalen
Zielen ist eine höhere Priorität eingeräumt worden als der Produktivität. Darüber hinaus haben andere Entwicklungen und Ereignisse einen Einfluß auf die
Produktivität ausgeübt. Zu den Ursachen für den Rückgang gehören:
Ausweitung der Arbeitsplätze
Seit dem Zweiten Weltkrieg ist eine gewaltige Ausweitung der Beschäftigtenzahl eingetreten. Vor allem die starken Geburtsjahrgänge nach dem Krieg brachteneine Schwemme junger Menschen, die sich in den Arbeitsprozeß einreihten.
Die Zahl der Beschäftigten in Amerika ist von 1960 bis 1979 um 41 Prozent gestiegen. Im Jahre 1960 gehörten 39 Prozent der Beschäftigten in die Altersklasse von 16 bis 35 Jahren; im Jahre 1979 betrug der Anteil bereits 50 Prozent. Der unverhältnismäßig große Anteil an jungen Menschen senkt den Durchschnittsstand an Fähigkeiten und Erfahrungen der Beschäftigten. Ferner trat

- 2 -

�trat ein Rückgang des Durchschnittsalters und der Erfahrung auf allen Ebenen
des Managements ein - was zu einer raschen Erhöhung der Zahl der Manager
wiederum wegen der raschen Zunahme der Beschäftigtenzahl führte.
Frauen und Minderheiten
Im Rahmen des Programms für die Gleichheit der Chancen haben Arbeitgeber
in zunehmendem Maße Frauen und Angehörige von Minderheiten eingestellt. Die
Zahl der weiblichen Beschäftigten erhöhte sich von 1947 bis 1960 um 39 Prozent.
Diese Veränderungen mögen sich zwar auf lange Sicht als vorteilhaft erweisen,
indem sie neue Leistung und Qualität bringen und besser bezahlte Arbeitsplätze
schaffen, aber die unmittelbaren Auswirkungen auf die Produktivität waren negativ. Man hat geschätzt, daß etwa 25 bis 35 Prozent des Rückgangs der Produktivitätszuwachsrate in den Jahren von 1965 bis 1973 auf die Veränderungen
in der Zusammensetzung der Beschäftigten insgesamt und das Anwachsen der Minderheitengruppen zurückzuführen seien.
Staatliche Bestimmungen
Seit Mitte der sechziger und Anfang der siebziger Jahre haben die Vereinigten Staaten eine Umweltschutzpolitik verfolgt. Dieses Programm fordert
seitens der Privatunternehmen eine Anschaffung von Kapitalgütern und hohe Berichtskosten sowie hohe Beobachtungs- und Registrierungskosten seitens der
Regierung. Das Ergebnis trägt zwar zur Verbesserung der Lebensverhältnisse
bei, bringt jedoch keinen wirtschaftlichen Nutzen. Die Kosten für die Bekämpfung von Verschmutzung dürften in den siebziger Jahren die jährliche Wachstumsrate der Produktivität um 0,1 Prozent gesenkt haben. Ferner haben auch die
Bundes- und einzelstaatlichen Behörden ihre Sicherheitsvorschriften am Arbeitsplatz verschärft, was nicht nur zusätzliches Gerät erfordert, sondern auch
wiederum dem privaten Sektor Kosten für die Berichte und dem Staat für die
Überwachung aufbürdet.

Entwicklung

�Entwicklung von Notstandsgebieten
In den Vereinigten Staaten sind große Anstrengungen unternommen worden, in
wirtschaftlichen Notstandsgebieten Arbeitsplätze zu schaffen, ohne daß dabei
immer die Effizienz berücksichtigt wurde. Auf lange Sicht treten die Kosten
einer solchen Entscheidung eben doch zutage.
Forschung und Entwicklung
Aus vielerlei Gründen haben Privatunternehmen und Regierungsstellen weniger
für Forschung und Entwicklung ausgegeben als Ende der fünfziger Jahre und in
den sechziger Jahren. Private Hochschulen hatten und haben mit Finanzproblemen
zu kämpfen, und viele Unternehmen haben entschieden, daß in einer Zeit hoher
Inflation die Erträge aus Forschung und Entwicklung zu unsicher seien.
Die Kapital läge
Es gibt Hinweise, daß amerikanische Fabriken zu alt sind; daß amerikanische Betriebe weniger produktiv sind als neue, und daß das Verhältnis von
neuen und alten Fabriken in Amerika ungünstiger ist als etwa in der Bundesrepublik Deutschland, Japan oder Frankreich. Weder die Ereignisse noch der
Kongreß haben einen Anreiz für eine massive Modernisierung geboten. Obwohl
der Bestand an investiertem Kapital pro Arbeiter - ein wichtiger Faktor für
den Produktivitätszuwachs - nicht zurückgegangen ist, wären die Kapitalanlagen
pro Arbeiter größer gewesen, wenn die Zahl der Arbeitskräfte nicht so rapide
zugenommen hätte.
Inflation
Die Auswirkung der Preisinflation, die den Arbeitnehmer in höhere Einkommensteuerklassen treibt, hat die "reale Steuerlast" wesentlich erhöht - vor
allem was die Facharbeiter angeht.

Das hat dazu geführt,daß der Arbeitsanreiz

sinkt.
Brennstoffkosten

�Brennstoffkosten

Daß die ölpreise im letzten Jahrzehnt sprunghaft angestiegen sind, ist
bekannt.

Damit sind die realen Preise für andere Formen der Energie gestie-

gen und ebenso die Inflationsrate.
ab.

Dies wiederum schreckte vor Investitionen

Die Last der Brennstoffpreise hatte auch tiefgreifende Auswirkungen auf

das Transportgeschäft und die Landwirtschaft - beide stark vom Erdöl abhängig.

Veränderungen der sektoralen Zusammensetzung der Wirtschaft

Die Produktivität in der Landwirtschaft und in der Gütererzeugung der
amerikanischen Volkswirtschaft stieg in den vierziger und fünfziger Jahren stark
an.

Aber mit dem Rückgang der Beschäftigtenzahl in diesen Sektoren in den

sechziger und siebziger Jahren war die Wahrscheinlichkeit gering geworden, die
hohen Zuwachsraten der Produktivität halten zu können.

Da aber im gleichen

Zeitraum die Zahl der Beschäftigten insgesamt gewaltig anstieg, führte das zu
einer Umverteilung des Gros der Arbeitskräfte in den Dienstleistungssektor
und den Regierungsdienst, wo es sehr viel schwieriger, wenn nicht unmöglich
ist, die Produktivität zu messen.

Daraus läßt sich unschwer erkennen, warum

die Prioritäten in den Vereinigten Staaten von heute einen negativen Effekt
auf das Produktivitätswachstum hatten.

An künftigen Trends zeichnet sich folgendes ab:

- Die Steigerung der Zahl der Arbeitsplätze verlangsamt sich.

Die geburten-

starken Jahrgänge nach dem Zweiten Weltkrieg sind fast völlig in den Arbeitsmarkt absorbiert, und die Rate des Anteils der weiblichen Beschäftigten wird
nicht mehr so stark steigen - schon allein weil ein sehr hoher Anteil erreicht ist.

- Die politischen Maßnahmen zur "verstärkten Eingliederung" dürften in
den ersten Jahren einen sehr negativen Einfluß auf die Produktivität gehabt
haben, aber man wird bereit sein, diese Programme zu verlangsamen, um künftige Belastungen der Wirtschaft zu vermeiden.

_M

�- Man übt mehr und mehr Zurückhaltung in der Verabschiedung weiterer
und strengerer Umweltschutzprogramme.

Auch die Programme für den Schutz am

Arbeitsplatz dürften ihre kostspieligste Phase erreicht haben und später nicht
mehr so teuer sein.
•

- Die Steuerpolitik kann stärker auf eine Förderung der Investitionen
in Forschung und Entwicklung in Privatunternehmen ausgerichtet werden.

Auch

Regierungsstellen könnten wieder mehr für die Forschung und Entwicklung tun,
wie etwa Anfang der sechziger Jahre.
- Es werden Steueranreize erwogen, um die Modernisierung von Fabriken
zu fördern.

Große Betriebe sind dazu übergegangen, unwirtschaftliche Betriebe

zu schließen.
- Es ist mit Programmen für die beschleunigte Einführung sicherer Kernkraftwerke und umweltfreundlicherer Kohlekraftwerke zu rechnen, was wiederum
Alternativen zu den erdölbeheizten Kraftwerken bietet.
Die Faktoren, die das Produktivitätswachstum in den - miteinander konkurrierenden - Industriestaaten beeinflussen,sind nicht überall die gleichen.

So

kamen beispielsweise in der Bundesrepublik Deutschland die geburtenstarken
Jahrgänge später als in den Vereinigten Staaten, und die deutsche Bundesregierung steht noch mehr oder weniger vor diesem Problem.
wenige

Und es gibt auch nur

Staaten, die so strenge Umweltschutzbestimmungen eingeführt haben wie

die USA.
Und der kritische

Punkt ist, ob und wann die amerikanische Wählerschaft

sich entscheidet, etwas zur Verbesserung des Produktivitätszuwachses in den
Vereinigten Staaten zu tun.

Wenn dieser Zeitpunkt gekommen ist, dann wird es

ganz schnell gehen, wie es in der Vergangenheit immer schnell gegangen ist.
+ + + + +

�I 3

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30. Januar 1980

FAHRZEUGBAU: NEUE TREIBSTOFFE VERLANGEN ANDERE MOTOREN
Rechtzeitige Planung lebenswichtig für die Industrie

- (AD) - Womit wird man in den nächsten zwanzig Jahren in Amerika
die Tanks der Autos füllen?

Der Energieexperte E. Eugene Ecklund, Chef

der Abteilung "Alternative Brennstoffe" im Bundesenergieministerium, ist
der Ansicht, daß es zunächst Mischkraftstoffe aus Mineralölprodukten und
Alkohol, später Synthesebrennstoffe aus Ölschiefer und Kohle sein werden.
Er setzt sich für eine solche Entwicklung ein - obgleich er sie noch nicht
für gewährleistet hält -, da er eine rechtzeitige Anpassung der Vereinigten
Staaten an die Realität schwindender ölreserven in der Welt für unumgänglich
hält.
Seit dem Jahr 1975 untersucht das US-Energieministerium Möglichkeiten,
Erdöl durch andere Energieträger zu ersetzen. Inzwischen stellten sich
drei brauchbare Alternativen heraus: 1) Synthetische Brennstoffe aus
Ölschiefer und Kohle, 2) Methanol (Methylalkohol) aus Kohle, und schließlich
3) Wasserstoff aus Wasser. Es dürfte jedoch, wie Ecklund vermutet,
15 Jahre dauern, bis Kohle oder Ölschiefer den Energiebedarf für Verkehrs-

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Telex:08-85432

�Verkehrsmittel in den USA decken können. Mittlerweile sollten die USA
versuchen, die vorhandenen Erdölreserven durch Einsparung von Energie,
die Verwendung von Autos mit geringerem Treibstoffverbrauch und die
technische Erschließung sogenannter erneuerungsfähiger Energiequellen wie
Sonnenenergie zu strecken.
GASOHOL, der Mischkraftstoff aus Alkohol (10 Prozent) und Benzin
(90 Prozent), ist bereits recht beliebt.

Die Zahl der Tankstellen, wo

GASOHOL abgegeben wird, erhöhte sich von 200 Ende 1978 auf ca. 2 500 Anfang
1980.

Der Äthylalkohol für den neuen Kraftstoff kann durch Vergären

landwirtschaftlicher Produkte wie Getreide, vor allem Mais, Zuckerrohr
und Rüben gewonnen werden.

Im Energieministerium verlautet, daß die

kommerzielle Anwendung von GASOHOL in den nächsten paar Jahren nur deshalb
noch eingeschränkt sei, weil es vorläufig nicht genügend Destillieranlagen
gebe.

Zur Oberwindung dieses Engpasses hat die Regierung Carter eine Reihe

von Programmen, einschließlich Steuererleichterungen, vorgesehen, für die in
den achtziger Jahren Summen zwischen 8,5 und 13 Milliarden Dollar bereitzustellen wären.

Davon sollen allein drei Milliarden Dollar in der Form

von Krediten und Kreditgarantien für den Bau kleiner und mittelgroßer
Betriebe vergeben werden, die Alkohol und andere Brennstoffe aus Pflanzen
und tierischen Grundstoffen herstellen.
Im Jahr 1979 wurden in den USA etwas mehr als 300 Millionen Liter
Äthanol erzeugt, was jedoch nur für die Versorgung kleiner Absatzmärkte
ausreichte. Nach den Vorstellungen Präsident Carters soll diese Menge
bis Ende 1980 vervierfacht werden. Und im Verlauf des Jahres 1981 "dürften
wir in der Lage sein," so der Präsident, "die Äthanol Produktion auf eine
Jahresmenge von 1,89 Milliarden Liter zu steigern". Damit würden nach
Schätzungen des Energieministeriums alle verfügbaren landwirtschaftlichen
Rohstoffe aufgebraucht.
Mischkraftstoffe

�Mischkraftstoffe wie GASOHOL werden den Übergang von Kraftstoffen
auf Erdölbasis zu solchen auf der Basis synthetischer Rohöle erleichtern.
Jedoch ist man im Energieministerium der Ansicht, daß synthetische Flüssigbrennstoffe, z.B. aus Kohle, vor der Jahrhundertwende kaum in nennenswerten Mengen verfügbar sein dürften.

(Das Energieministerium läßt z.Zt.

von der Industrie in drei ersten Versuchsreihen Flüssigbrennstoffe aus
Kohle zum Betrieb von stationären Dieselaggregaten erproben.

Das Schweröl

ist nach dem SRC-Verfahren in der Pilotanlage Fort Lewis im Bundesstaat
Washington gewonnen; später soll während der 16-monatigen Versuchsphase
auch Kraftstoff aus Ölschiefer verwendet werden.

Zunächst geht es darum,

die Leistung von Dieselmotoren mit niedriger Laufgeschwindigkeit, die z.B.
für bestimmte Zwecke der Industrie oder in Kleinkraftanlagen benutzt werden,
im Betrieb mit dem neuen Treibstoff so weit wie nur irgend möglich zu
verbessern.)

Einer kommerziellen Produktion von flüssigen Brennstoffen aus

Ölschiefer stehen derzeit noch erhebliche Probleme in bezug auf Umweltbeeinträchtigung und der anzuwendenden Technik im Wege.

Und ist dann

erst einmal ein Großprojekt zur Ölschieferverwertung in Angriff genommen,
wird es etwa zehn Jahre dauern, bis ein der Brennstoffgewinnung auf
Kohlebasis vergleichbares Produktionsniveau erreicht werden kann - d.h. die
Erzeugung von 68 000 bis 137 000 Tonnen pro Tag.

Eine offenbar zwingende Notwendigkeit sind nach Meinung Ecklunds
geeignete Motoren, die mit diesen neuen Kraftstoffen betrieben werden können.
Das Interesse konzentriert sich gegenwärtig auf Gasturbinen (kontinuierliche
Verbrennung) und Stirling-Motoren (Verbrennung außerhalb des Arbeitszylinders).
Sie akzeptieren ein breites Spektrum von Kraftstoffen.

Außerdem experimentieren

Energiefachleute mit neuen Gasmotoren ähnlich dem herkömmlichen Benzinmotor,
die jedoch im Gegensatz zu diesem eine weitergestreckte Kraftstofftoleranz
aufweisen.

Man muß sich aber darüber im klaren sein, daß jeder Motor an

Leistung verliert, wenn er mit verschiedenartigen Kraftstoffen betrieben
wi rd.
Später

- 3 -

�Später könnte auch einmal Wasserstoff als Treibstoffkandidat in
Frage kommen. Ob er sich aber durchzusetzen vermag, hängt von vielen
Faktoren ab - u.a. Konkurrenzfähigkeit, allgemeiner Verfügbarkeit und
guter Speichermöglichkeit im Fahrzeug.

Die Entwicklungsarbeiten befinden

sich laut Ecklund noch im "EmbryonalStadium".

In Elektrofahrzeugen und

Fahrzeugen mit neuartigen Motoren sieht der Experte aus dem Energieministerium den Beginn revolutionärer Veränderungen, ebenso in KraftstoffMotor-Kombinationen, die notwendig wären, um z.B. reinen Alkohol, Wasserstoff oder minderwertige synthetische Brennstoffe zu verwenden.

Mischungen

aus Synthesebrennstoffen mit Rohölen aus natürlichen Quellen oder von
geringeren Anteilen Alkohol mit Benzin sind nach Meinung Ecklunds als
Entwicklungen in dieser Richtung anzusehen.

Allerdings bilde das Fest-

halten am Hergebrachten und die Höhe der notwendigen Investitionen noch
erhebliche Barrieren für einen zügigen Ausbau der neuen Techniken.

+ + + + +

�30. Januar 1980

7

UNWIRKSAME PESTIZIDE
Resistenzentwicklung bei Insekten nimmt zu

- (AD) - In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Insektenarten, die gegen mindestens ein Insektenvertilgungsmittel immun sind,
nahezu verdoppelt. Heute sind es etwa 400 Arten, denen die Chemie weitaus
weniger als in den vorangegangenen Jahrzehnten anhaben kann. Und die
Tendenz hält an - ungeachtet der vielfältigen Anstrengungen der Wissenschaftler, diese Entwicklung zu stoppen. So ist es im Labor des Entomologen
George Georghiou in einem Institut der Universität Kalifornien in Riverside
auch nichts Ungewöhnliches mehr, wenn eine DDT-Dosis, die früher 50 000
Fliegen getötet hätte, ein "modernes" Exemplar dieser Gattung nicht im
geringsten stört. "Im gleichen Tempo, in dem wir neue Chemikalien entwickeln, werden Schädlinge gegen Insektizide resistent", meint Professor
Georghiou.

Der Wissenschaftler, der sowohl die Weltgesundheitsorganisation
(WH0) als auch die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FA0)
der Vereinten Nationen berät, hat erlebt, wie sich z.B. die Resistenz

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Telex:08-85432

�Reistenz der Moskitos und als Folge davon das Wiederaufflammen von
Malariaerkrankungen um die ganze Welt ausbreitete.

Allein in den letzten

fünf Jahren haben sich die Fälle von Malariaerkrankungen verdoppelt und
die hohe Zahl von mehr als 200 Millionen erreicht, Malaria ist wieder
zur hartnäckigsten und häufigsten Krankheit geworden, deren Erreger
durch Insekten übertragen wird.

-

Superinsekten -

Zu Resistenz kommt es durch genetische Veränderungen, die bei
Insekten, welche die Anwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln überleben,
auf jeden Fall auftreten. Nach zehn bis 15 Generationen einer Insektenpopulation, gegen die regelmäßig das gleiche Sprühmittel angewandt wurde,
haben sich aus den überlebenden der ersten Behandlung "Superinsekten"
entwickelt, deren Erbgut nunmehr ein Gen enthält, das das ursprünglich
wirksame Gift neutralisiert. Durch solche Insekten sind inzwischen
57 Präparate, in die viele Millionen Dollar investiert worden waren,
nutzlos geworden. Außerdem stellte sich heraus, daß Populationen, die gegen
ältere Chemikalien resistent sind, auch gegen neue Gifte Immunität entwickeln. Das gilt selbst für Insektizide der sog. dritten Generation Substanzen, mit denen Insektenhormone nachgeahmt wurden und die, als Lockstoffe verwendet, die Fortpflanzung sabotieren sollten.
Angesichts solcher Erfahrungen müßten Entomologen, Agrarwissenschaftler und Chemiker lernen, die Zeit der möglichen Anwendung von
Chemikalien maximal zu nutzen, erklärt Georghiou.

"Andernfalls haben wir

bald keine Reserven und Ausweichmöglichkeiten mehr".

Versuche hätten auch

gezeigt, daß sogar Pyrethrine, natürliche Pflanzenprodukte, Resistenzentwicklungen hervorrufen.

Künstliche Imitationen davon sind in manchen

Haushalt-Sprühmitteln enthalten.

"Gewöhnlich ist es nur eine Frage der

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�der Zeit", so Georghiou, "bis Schädlinge wie z.B. Küchenschaben gegen
ein neues Präparat resistent werden - besonders dann, wenn jemand lieber
sprüht als daß er die Küche einwandfrei sauber hält".
Georghiou verzeichnet alle greifbaren Informationen über Insektenresistenz in einem von ihm geführten Katalog.

Im Frühjahr dieses Jahres

soll ein Kompendium über Immunitätsentwicklung bei Schädlingen aus aller
Welt veröffentlicht werden.

Karten und Wandtafeln in seinem Arbeitsraum

zeigen die geographische Verteilung resistent gewordener Insekten und
der immer häufiger werdenden Populationen mit "Kreuzresistenz" - d.h.
jener Insektenstämme, die gegen mehrere Chemikalien immun geworden sind.

- Resistenz-Management Pionierarbeit leistete Georghiou für Untersuchungen, mit denen
herausgefunden werden soll, wie massive Insektenresistenz verzögert
werden kann. Jedoch steckt dieses Forschungsgebiet, wie der Entomologe
erklärt, "noch in den Kinderschuhen". Denn "Resistenz-Management", wie
er es nennt, verlange eingehende Kenntnis der Genetik, Biologie und des
Verhaltens eines Schadinsekts in freier Natur sowie sämtlicher Mechanismen
einer chemischen Einwirkung. Wenn man über dies alles genügend Informationen
habe, könne man daran gehen, ein Computermodell zu erarbeiten, das zeigt,
wie schnell sich im Rahmen einer Vielzahl der verschiedensten Bedingungen
Resistenz entwickelt.
Professor Georghiou sammelt gegenwärtig solche Daten über die
kalifornischen Moskitos, die Träger eines Erregers von Hirnhautentzündung
sind.

Der Wissenschaftler möchte es soweit bringen, daß derartige Modelle

Hilfestellung geben für die Wahl des Zeitpunktes, der Mengen, der Konsistenz
und der Art der zu verwendenden Pestizide.

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Er zeigte bereits Wege zur

�zur Resistenzbekämpfung für den Fall auf, daß man von dem jeweiligen
Schädling nicht allzu viel weiß.

So sollte man z.B. Pestizide verwenden,

die sich im Anwendungsbereich schnell zersetzen, und man sollte "Taschen"
geringeren Befalls unbehandelt lassen - als Brutreservoir für Insekten,
die gegenüber Insektiziden noch anfällig sind.

Die zeitliche Anwendung

eines Pestizids sollte anhand detaillierter Forschungsergebnisse so gewählt
werden, daß die Ausbildung von Kreuzresistenz auf ein Mindestmaß beschränkt
wird.
"Resistenz zu verzögern oder zu verhindern ist ein Umstand, der
immer größere Bedeutung erlangt", erklärt Professor Georghiou, "weil wir
nur sehr wenig neue Chemikalien finden.

Und häufig ist durch Resistenz

bei den Schädlingen ein Präparat schon veraltet, noch ehe es die ursprüngliche
Investitionen - bei landwirtschaftlichen Pestiziden ca. 13 Millionen Dollar hereingebracht hat."
Die Kosten für Resistenz sind hoch - gleichgültig, wie man sie
mißt. Nach vorsichtigen Schätzungen dienen etwa 50 Prozent aller Insektizide,
die jährlich in den Vereinigten Staaten gekauft werden, zur Bekämpfung
resistenter Insektenarten. Diese Präparate verursachen Ausgaben in Höhe
von etwa 100 Millionen Dollar.
Inzwischen wurde am Universitätsdepartment "Nahrungsmittel und
Landwirtschaft" in Riverside aufgrund der Anregungen, die Francis A. Günther,
Professorin für Entomologie und Chemie, und der kanadische Gastforscher
B.B. Berck gaben, eine tragbare Feldausrüstung zur Messung von PestizidRückständen im Boden und auf Blattwerk entwickelt. Das RFM-Verfahren
(RFM ist die Abkürzung für "Rapid Field Method" = Schnellverfahren zur
Feldanalyse)macht es möglich, innerhalb von 30 Minuten den Pestizidspiegel einer Probe zu ermitteln. Allerdings wird es nur zur Messung der
Rückstände von Organophosphat-Pestiziden benutzt, jedoch nicht der Rückstände anderer Pestizide wie z.B. von Carbamaten.
Auch

�Auch für die Resistenzbekämpfung könnte sich die RFM-Methode als
nützlich erweisen.

Denn mit diesem Verfahren ließe sich an Ort und Stelle

die Konzentration von Rückständen eines Pestizids rasch ermitteln.

Ist

diese niedrig genug, könnte man anschließend zur biologischen Bekämpfung
der Schadinsekten übergehen und nun umgehend solche Insekten freisetzen,
die Schädlinge als Wirtskörper benutzen oder die deren natürliche Feinde
sind.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
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