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                  <text>Information
und
Dokumentation

{•}

L*3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. Januar 1980

INHALT

DOKUMENTATION

Präsident Carters Botschaft Über die Lage der Nation
- 23. Januar 1980 -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 0 8 - 8 5 4 3 2

�24. Januar 1980

5

PRÄSIDENT CARTERS BOTSCHAFT OBER DIE LAGE DER NATION
- 23. Januar 1980 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 23. Januar 1980
vor beiden Häusern des amerikanischen Kongresses seine in der Verfassung
vorgeschriebene Botschaft über die Lage der Nation (State of the Union
Message) verlesen. Die diesjährige Botschaft hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Mr. Speaker, Mitglieder des 96. Kongresses, meine
Mitbürger.
Die letzten Monate sind nicht leicht gewesen.

Wenn wir heute

abend zusammenkommen, dann ist niemals zuvor deutlicher geworden, daß
die Lage unserer Nation von der Lage der Welt abhängt. Und heute abend
hängen, wie in unserer ganzen Generation, Freiheit und Frieden in der
Welt von der Lage der amerikanischen Nation ab.
Die achtziger Jahre wurden im Umsturz und Wandel geboren. Wir
leben in einer Zeit der Herausforderung unserer Interessen und Werte -

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Werte - einer Zeit, die unsere Klugheit und unseren Willen auf die Probe
stellt.
In diesem Augenblick werden im Iran noch immer 50 Amerikaner,
unschuldige Opfer des Terrorismus und der Anarchie, gefangengehalten.
In diesem Augenblick versuchen massive sowjetische Invasionsstreitkräfte das stolze,unabhängige und tiefreligiöse Volk von Afghanistan zu
unterjochen.
Diese beiden Akte - ein Akt des internationalen Terrorismus und
ein Akt der militärischen Aggression - stellen eine ernste Herausforderung
der Vereinigten Staaten und der anderen Länder der Welt dar.

Zusammen

werden wir diese Bedrohungen des Friedens meistern.
Ich bin entschlossen, daß die Vereinigten Staaten die stärkste aller
Nationen bleiben, aber unsere Macht wird niemals genutzt werden, um eine
Bedrohung der Sicherheit irgendeines Landes oder der Rechte irgendeines
Menschen auszuüben. Wir wollen sicher sein und sicher bleiben - eine
Nation in Frieden in einer stabilen Welt. Aber um sicher zu sein, müssen
wir uns der Welt stellen, so wie sie ist.
Drei grundlegende Entwicklungen haben mitgewirkt, um diese unsere
Herausforderungen Gestalt annehmen zu lassen:
-

Das stetige Anwachsen und die verstärkte Darstellung sowjetischer
Militärmacht über ihre eigenen Grenzen hinweg;

-

die überwältigende Abhängigkeit der demokratischen Industriestaaten von der Ölversorgung aus dem Mittleren Osten; und

-

der Druck sozialen religiösen, wirtschaftlichen und politischen

- 2 -

�i

politischen Wandels in vielen Ländern der Entwicklungswelt,
beispielhaft gezeigt durch die Revolution im Iran.
Jeder dieser Faktoren ist für sich allein von Bedeutung.

Jeder

wirkt sich auf die anderen aus. Alle drei konzentrieren sich jetzt
auf ein Unruhegebiet der Welt.

All diese Faktoren müssen zusammen gemeistert

werden - klar und mutig.
Wir werden uns diesen Herausforderungen stellen.
mit dem Besten meistern, was wir haben.

Wir werden sie

Und wir werden nicht versagen.

Als Antwort auf den abscheulichen Akt im Iran hat sich unsere
Nation erhoben und vereint wie niemals zuvor in Friedenszeiten. Unser
Standpunkt ist klar. Wir werden der Erpressung niemails nachgeben.
Wir verfolgen weiterhin diese spezifischen Ziele:
-

Die gegenwärtigen und künftigen Interessen der Vereinigten
Staaten zu schützen;

-

das Leben der amerikanischen Geiseln zu erhalten und auf jede
mögliche Weise ihre sichere Freilassung zu erreichen;

-

wenn möglich Blutvergießen zu vermeiden, das das Leben unserer
amerikanischen Mitbürger noch mehr gefährden könnte;

-

die Hilfe anderer Länder zu gewinnen, um diese verbrecherische
Verletzung der moralischen und rechtlichen Normen einer zivilisierten
Welt zu beenden;

-

und

die iranischen Führer zu überzeugen, daß die wirkliche Gefahr
für ihr Land im Norden von den sowjetischen Truppen in Afghanistan

3 -

�&gt;

Afghanistan ausgeht und daß der ungerechtfertigte iranische
Streit mit uns ihre Antwort auf diese größere Gefahr behindert.
Wenn die amerikanischen Geiseln Schaden erleiden, dann wird dies
teuer bezahlt werden.
Wir werden nicht ruhen, bis jedes dieser Opfer freigelassen ist.
Aufgrund der kürzlichen militärischen Aktion der Sowjetunion stehen
wir nunmehr einer umfassenderen, grundlegenderen Herausforderung in der
Region gegenüber.
,

'

•

•

•

'

•

•

Wie im Verlauf der letzten dreieinhalb Jahrzehnte stellt die
Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion den wichtigsten
Faktor bei der Entscheidung dar, ob die Welt in Frieden leben oder in einen
weltweiten Konflikt stürzen wird.

&gt;

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist Amerika anderen Staaten
dabei vorangegangen, sich der Herausforderung wachsender sowjetischer
Macht zu stellen.
gewesen.

Dies ist keine einfache oder statische Beziehung

Zwischen uns gab es Zusammenarbeit, es gab Wettstreit, und es

gab Zeiten der Konfrontation.
-

In den vierziger Jahren übernahmen wir die Führung bei der
Schaffung des Atlantischen Bündnisses als Antwort auf die
Unterdrückung und die Konsolidierung des osteuropäischen
Machtbereichs der Sowjetunion und der sich daraus ergebenden
Bedrohung Westeuropas.
- i

-

In den fünfziger Jahren halfen wir dabei, weitere sowjetische
Herausforderungen in Korea und im Nahen Osten einzudämmen, und wir
rüsteten

auf, um diese Eindämmung zu garantieren.

iü
-4-

�.

-

In den sechziger Jahren stellten wir uns den sowjetischen
Herausforderungen in der Berlin- und der kubanischen Raketenkrise; daraufhin versuchten wir, die Sowjetunion an der bedeutenden
Aufgabe zu beteiligen, den Kalten Krieg zu beenden und von der
Konfrontation wegzukommen.

-« Und in den siebziger Jahren verhandelten drei amerikanische
Präsidenten mit der sowjetischen Führung in dem Versuch, dem
zunehmenden nuklearen Wettrüsten Einhalt zu gebieten.

Wir

versuchten, Verhaltensregeln einzuführen, die das Risiko eines
Konflikts vermindern, und wir suchten nach Gebieten der Zusammenarbeit, die unsere Beziehungen reziprok machen könnten - nicht
nur zum Nutzen unserer beiden Länder, sondern auch für die
Sicherheit und den Frieden der Welt.

Bei allen diesen Schritten haben wir zwei Verpflichtungen eingehalten:
bereit zu sein, uns jeder Herausforderung durch die sowjetische Militärmacht zu stellen, und Wege zu bahnen, um Streitigkeiten zu schlichten
und den Frieden zu erhalten.

Die Vermeidung eines Atomkriegs ist die

oberste Verantwortung der beiden Supermächte.

Aus diesem Grund handelten

wir die Verträge über die Begrenzung der strategischen Rüstungen aus SALT I und SALT II. Gerade jetzt in einer Zeit großer Spannung wird
die Beachtung der durch die Bedingungen dieser Verträge gegenseitig auferlegten Beschränkungen im besten Interesse beider Länder sein - und
dabei helfen, den Weltfrieden zu bewahren.

Ich werde eng mit dem Kongreß

zusammenarbeiten bei unserem Bemühen um die Kontrolle der Kernwaffen.
Diese Anstrengung wird nicht aufgegeben.

Wir Supermächte haben auch eine Verantwortung zur Ausübung von
Zurückhaltung beim Einsatz militärischer Macht.

Die Integrität und

die Unabhängigkeit schwächerer Staaten darf nicht bedroht werden.
jetzt hat die Sowjetunion einen radikalen
unternommen.

Aber

und aggressiven neuen Schritt

Sie setzt ihre große militärische Macht gegen ein verhältnis-

- 5-

�I
verhältnismäßig schutzloses Land ein.

Die Implikationen der sowjetischen

Invasion Afghanistans könnten die ernsthafteste Bedrohung des Weltfriedens
seit dem Zweiten Weltkrieg darstellen.
Die große Mehrheit der Staaten dieser Welt hat diesen neuesten
Versuch der Sowjets verurteilt, ihre kolonialistische Beherrschung anderer
auszuweiten und den sofortigen Abzug der Invasionsstreitkräfte gefordert.
Die islamische Welt ist besonders und zurecht über diese Aggression gegen ein
islamisches Volk empört.

Kein Schritt einer Weltmacht wurde jemals so

rasch und so überwältigend verurteilt.
Aber verbale Verurteilung ist nicht genug.

Die Sowjetunion muß

einen konkreten Preis für ihre Aggression bezahlen.

Solange die Invasion

anhält,können wir und andere Länder der Sowjetunion gegenüber nicht so
tun, als sei nichts geschehen.
Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten der Sowjetunion
energische wirtschaftliche Strafmaßnahmen auferlegt. Ich werde
sowjetischen Schiffen keine Fischfangrechte in den Küstengewässern der
Vereinigten Staaten gewähren. Ich habe den sowjetischen Zugang zu hochtechnologischer Ausrüstung und zu Agrarprodukten abgeschnitten. Ich
habe anderen Handel mit der Sowjetunion begrenzt und unsere Verbündeten
und Freunde aufgefordert, sich uns in der Zurückhaltung im Handel mit
der Sowjetunion anzuschließen und unsere eigenen, vom Embargo betroffenen
Produkte nicht zu ersetzen. Ich habe das Olympische Komitee darüber
informiert, daß weder das amerikanische Volk noch ich selbst es unterstützen, ein olympisches Team nach Moskau zu entsenden, solange die
sowjetischen Invasionsstreitkräfte in Afghanistan stehen.
Die Sowjetunion muß einige grundlegenden Fragen beantworten: will
sie dabei helfen, ein stabileres internationales Umfeld zu fördern, in
dem ihre eigenen legitimen, friedlichen Anliegen verfolgt werden können?

�können?

Oder will sie fortfahren, ihre militärische Macht weit über ihre

echten Sicherheitsbedürfnisse hinaus auszudehnen und diese Macht für
koloniale Eroberung auszunützen?
Die Sowjetunion muß einsehen, daß ihre Entscheidung, militärische
Gewalt in Afghanistan zu gebrauchen, jeder von ihr geschätzten politischen
und wirtschaftlichen Beziehung teuer zu stehen kommt.
Die jetzt durch die sowjetischen Truppen in Afghanistan bedrohte
Region ist von großer strategischer Bedeutung: in ihr liegen mehr als
zwei Drittel des exportierbaren Öls der Welt. Die sowjetischen Anstrengungen,Afghanistan zu beherrschen,haben die sowjetischen Streitkräfte
bis auf 300 Meilen vom Indischen Ozean entfernt gebracht und eng an
die Straße von Hormuz - ein Seeweg, durch den ein Großteil des Öls der
freien Welt transportiert werden muß. Die Sowjetunion versucht, eine
strategische Position zu konsolidieren, die eine schwere Bedrohung für
die freie Bewegung des Mittelostöls darstellt.
Diese Situation verlangt sorgfältige Überlegungen, gute Nerven
und entschlossenes Handeln - nicht nur in diesem Jahr, sondern über viele
Jahre hinaus.

Sie erfordert kollektive Anstrengungen, um dieser neuen

Bedrohung der Sicherheit im Persischen Golf und Südwestasien zu begegnen.
Sie verlangt die Beteiligung all jener, die vom öl aus dem Mittleren
Osten abhängig und um den Frieden und die Stabilität in der Welt besorgt
sind.

Und sie erfordert Konsultationen und enge Zusammenarbeit mit Ländern

des Gebietes, die bedroht sein könnten.
Diese Herausforderung zu meistern,wird nationalen Willen, diplomatische
und politische Klugheit, wirtschaftliche Opfer und selbstverständlich
militärische Kapazität erfordern. Wir müssen das Beste in uns fordern,
um die Sicherheit dieser entscheidend wichtigen Region zu erhalten.
Unser

�Unser Standpunkt muß absolut klar sein:
Ein Versuch durch eine Macht von außen, die Kontrolle über die
Region des Persischen Golfes zu erlangen, wird als ein Angriff auf die
lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten betrachtet werden.
Und solch ein Angriff wird durch den Einsatz aller notwendigen Mittel,
einschließlich militärischer Macht, zurückgewiesen werden.
Während der letzten drei Jahre haben wir Maßnahmen ergriffen, um
unsere eigene Sicherheit und die Aussichten auf Frieden zu verbessern nicht nur in den lebenswichtigen ölerzeugenden Gebieten am Persischen
Golf, sondern in der ganzen Welt.
-

Wir haben unsere reale Zusage für die Verteidigung jährlich
erhöht, und wir werden diese verstärkte Anstrengung während
unseres Fünfjahres-Verteidigungsprogramms durchhalten.

Es ist

eine zwingende Notwendigkeit, daß der Kongreß diesen starken
Verteidigungshaushalt für 1981, der einen fünfprozentigen
Real Zuwachs an Bewilligungen vorsieht, ohne jede Kürzung billigt.
-

Wir verbessern unsere Kapazität, amerikanische Streitkräfte
rasch in entfernt gelegene Gebiete zu dislozieren.

-

Wir haben mitgeholfen, die NATO und unsere anderen Bündnisse
zu stärken. Wir und unsere NATO-Verbündeten haben beschlossen,
modernisierte nukleare Mittel Streckensysteme zu entwickeln
und zu dislozieren, um einer ungerechtfertigten und wachsenden
Bedrohung durch die Kernwaffen der Sowjetunion entgegenzutreten.

-

Wir arbeiten mit unseren Verbündeten daran, einen Konflikt im
Nahen Osten zu verhüten.

Der Friedensvertrag zwischen Ägypten

und Israel ist ein bemerkenswerter Erfolg, der einen strategischen
Pluspunkt für Amerika darstellt und der auch die Aussichten auf
- 8 -

�auf einen regionalen und weltweiten Frieden fördert.

Wir sind gegen-

wärtig an weiteren Verhandlungen beteiligt, um für die Bevölkerung des
Westufers (West Bank) sowie des Gaza-Streifens die volle Autonomie zu
erreichen und die Palästinafrage in all ihren Aspekten zu lösen und
den Frieden und die Sicherheit Israels zu bewahren.

Möge niemand an

unserer Verpflichtung zur Sicherheit Israels zweifeln.

In wenigen

Tagen werden wir ein historisches Ereignis erleben, wenn Israel einen
weiteren Rückzug vom Sinai vornimmt und Botschafter zwischen Israel
und Ägypten ausgetauscht werden.

- Wir haben unsere eigene Sphäre der Freundschaft ausgeweitet.
Unsere tiefe Verpflichtung gegenüber den Menschenrechten und
der Erfüllung menschlicher Ansprüche hat unser Verhältnis zu
einem Großteil der Dritten Welt verbessert.

Unsere Entscheidung,

unsere Beziehungen zur Volksrepublik China zu verbessern, wird
dazu beitragen, Frieden und Stabilität in Asien und im westlichen
Pazifik zu erhalten.

- Wir haben unsere Flottenpräsenz im Indischen Ozean erhöht und
verstärkt, und wir treffen gegenwärtig Abmachungen für entscheidend
wichtige Flotten- und Lufteinrichtungen, die von unseren Streitkräften in der Region des nordöstlichen Afrikas und des Persischen
Golfes benutzt werden können.

- Wir haben unser Abkommen von 1959 neu bekräftigt, um Pakistan
bei der Erhaltung seiner Unabhängigkeit und Integrität zu helfen.
Die Vereinigten Staaten werden - in Übereinstimmung mit unseren
eigenen Gesetzen - Maßnahmen ergreifen, um Pakistan bei dem
Widerstand gegen jede Aggression von außen zu unterstützen.
Ich ersuche den Kongreß ausdrücklich, diese Verpflichtung zu
bestätigen.

Ich arbeite ferner, zusammen mit anderen Ländern,

daran, zusätzliche militärische und wirtschaftliche Hilfe für
Pakistan zu leisten.

Dieser Antrag wird Ihnen in einigen Tagen

- 9-

�Tagen zugehen.
-

In den kommenden Wochen werden wir unsere politischen und
militärischen Bindungen mit anderen Ländern in der Region weiter
verstärken.

-

Wir sind der Überzeugung, daß es keine unüberwindlichen Differenzen
zwischen uns und irgendeinem islamischen Volk gibt. Wir achten
den islamischen Glauben, und wir sind bereit, mit allen moslemischen
Ländern zusammenzuarbeiten.

-

Und wir sind schließlich bereit, mit anderen Ländern der Region
zusammenzuarbeiten, um einen kooperativen Sicherheitsrahmen zu
schaffen, der unterschiedliche Werte und politische Überzeugungen
respektiert, jedoch die Unabhängigkeit,die Sicherheit und
Prosperität aller fördert.

All diese Anstrengungen bekräftigen unsere Verpflichtung, die lebenswichtigen Interessen unserer Nation und die unserer Verbündeten zu
verteidigen und zu bewahren - nicht nur in Europa und im Pazifik, sondern
auch in dem Teil der Welt, der für uns eine so große strategische Bedeutung
hat und der sich vom Nahen Osten bis nach Südwestasien erstreckt.
Ich werde diese Anstrengungen mit Kraft und Entschlossenheit
verfolgen und so handeln, wie es nötig ist, um die Sicherheit unserer
Nation zu bewahren.
Die Männer und Frauen der amerikanischen Streitkräfte sind heute
abend in vielen Teilen der Welt im Dienst.

Ich bin stolz auf die Arbeit,

die sie tun, und ich weiß, daß Sie diesen Stolz teilen.

Ich bin über-

zeugt, daß unsere Freiwilligenstreitkräfte unseren gegenwärtigen Verteidigungsbedürfnissen angemessen sind.

Ich hoffe, daß es nicht notwendig sein wird,

�wird, wieder die Wehrpflicht einzuführen. Wir müssen jedoch für diese
Möglichkeit gerüstet sein. Aus diesem Grund habe ich bestimmt, den
selektiven Wehrdienst jetzt wieder ins Leben zu rufen.

Ich werde nächsten

Monat dem Kongreß Gesetzgebung und Budgetvorschiä'ge zusenden, so daß wir
mit der Registrierung beginnen können und den Mobilisierungsanforderungen
im Bedarfsfall rasch entsprechen können.
Wir brauchen darüber hinaus die rasche Verabschiedung einer neuen
Satzung, um die gesetzmäßige Amtsbefugnis und Verantwortlichkeit unserer
Nachrichten- und Aufklärungsdienste klar zu definieren. Während garantiert
wird, daß Mißbräuche sich nicht wiederholen werden, müssen wir unverantwortliche
Behinderungen unserer Fähigkeit beseitigen, Nachrichten zu sammeln und unsere
Kontrollen sensitiver Nachrichteninformationen zu verschärfen. Eine
wirkungsvolle Nachrichten- und Aufklärungskapazität ist für die Sicherheit
unseres Landes lebenswichtig.
Das vor uns liegende Jahrzehnt wird eine Zeit des raschen Wandels
sein, da überall Staaten versuchen werden, mit neuen Problemen und uralten
Spannungen fertigzuwerden. Aber Amerika braucht keine Angst zu haben wir können in einer Welt des Wandels blühen, wenn wir unseren Werten
treu bleiben und weiterhin aktiv an der Förderung des Weltfriedens
arbeiten.
Wir werden auch weiterhin im Nahen Osten und in Südafrika tätig
sein - um regionale Streitigkeiten zu lösen. Wir werden weiterhin unsere
Bande mit den Entwicklungsländern stärken und dabei die nationale Unabhängigkeit respektieren und zu fördern helfen, für deren Erhalt sie gekämpft
haben.

Und wir werden weiterhin die Entwicklung der Demokratie und der

Menschenrechte unterstützen.
In repressiven Regimen hat das Gefühl der Vergeblichkeit im Volk
oft kein anderes Ventil als die Gewalt.

- 11 -

Aber wenn Völker und ihre

�ihre Regierungen ihre Probleme gemeinsam angehen - durch offene, demokratische Methoden -, ist die Grundlage für Stabilität und Frieden viel
solider und haltbarer.
Aus diesem Grund ist unsere Unterstützung der Menschenrechte in
anderen Ländern ebenso in unserem nationalen Interesse wie Teil unseres
National Charakters.
•

Frieden- ein Frieden, der die Freiheit bewahrt - bleibt Amerikas
oberstes Ziel.

In den kommenden Jahren werden wir als mächtiges Land

auch weiterhin den Frieden verfolgen.
Aber um im Ausland stark zu sein, müssen wir daheim stark bleiben.
Um stark zu sein, müssen wir uns auch weiterhin den schwierigen Problemen
stellen, denen wir uns heute als Nation gegen'übersehen.

Die Krisen im

Iran und in Afghanistan haben eine sehr wichtige Lektion unterstrichen:
unsere Abhängigkeit von ausländischem öl ist eine deutliche und gegenwärtige
Gefahr für unsere nationale Sicherheit.
drängender.

Die Notwendigkeit war niemals

Wir müssen endlich ein klares, umfassendes Energieprogramm

für unser Land haben.
Ich habe während der letzten drei Jahre mit dem Kongreß in konzentrierter
und beharrlicher Weise zusammengearbeitet, um dieser dringenden Forderung
nachzukommen.
Wir haben Fortschritte erzielt. Aber der Kongreß muß jetzt rasch
handeln, um dieses lebenswichtige Energiegesetz endgültig zu verabschieden.
Unser Land wird dann eine große Einsparungsanstrengung unternommen
haben,außerdem eine bedeutende Initiative zur Entwicklung der Sonnenenergie,
eine realistische Preisfestsetzung auf der Basis des echten Wertes des
Öls sowie starke Anreize zur Kohleförderung und anderer fossiler Brennstoffe

�Brennstoffe in Amerika und die massivste Investition unserer Nation
zu Friedenszeiten bei der Entwicklung synthetischer Brennstoffe.
Das amerikanische Volk macht Fortschritte bei der Energieeinsparung.
Im letzten Jahr haben wir den Gesamtverbrauch an Rohöl um 8 Prozent
gesenkt und den Benzinverbrauch um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Wir müssen jetzt mehr tun. Nach Beratungen mit den Gouverneuren
werden wir Benzineinsparungsziele für jeden der 50 Einzelstaaten festsetzen, und ich werde sie verordnen, wenn diese Ziele nicht erreicht
werden.
Ich habe für 1980 eine Importhöchstgrenze von 8,2 Millionen Barrel
pro Tag festgelegt - was weit unterhalb des Standes der ölimporte im
Jahre 1977 liegt. Ich erwarte, daß unsere Einfuhren noch sehr viel niedriger
sein werden, aber die Höchstgrenze wird, wenn notwendig, durch eine Importabgabe erzwungen werden. Ich bin bereit, unsere Importe noch weiter zu
senken, wenn andere ölverbrauchenden Länder sich uns in einer fairen und
beiderseitigen Verringerung anschließen werden. Wenn es zu einer ernsten
Verknappung kommt, werde ich nicht zögern, eine zwangsweise Benzinrationierung anzuordnen.
Der größte Einzelfaktor in der Erhöhung der Inflationsrate im
vorigen Jahr kam aus einer Quelle: den ins Unermeßliche steigenden OPECÖl preisen. Wir müssen alle notwendigen Maßnahmen treffen, um unsere
Abhängigkeit vom ausländischen öl zu verringern - um die Inflation
abzubauen. Als Einzelperson und als Familie können nur wenige von uns
selbst Energie produzieren. Aber wir alle können Energie sparen - jeder
von uns jeden Tag.
Ich appelliere heute abend an Sie, an alle Menschen in Amerika,
unserem Land zu helfen, sparen Sie Energie, beseitigen Sie Verschwendung

- 13 -

�Verschwendung, lassen Sie uns 1980 zum Jahr des Energiesparens machen.
Wir müssen weitere Maßnahmen ergreifen, um unsere Volkswirtschaft
zu stärken:
Erstens, wir werden weiterhin das Defizit des Bundeshaushaltes
abbauen und den Haushalt dann ausgleichen.
Zweitens, so wie wir weiterhin mit den Unternehmern zusammenarbeiten,
um die Preise niedrig zu halten, so werden wir auch auf dem historischen
nationalen übereinkommen mit den Gewerkschaften bauen, um in einem fairen
Kampf gegen die Inflation

die Lohnerhöhungen im Rahmen zu halten.

Drittens, wir werden unsere erfolgreichen Anstrengungen fortsetzen, um den Papierkrieg abzuschaffen und unnötige Reglementierungen zu
beseitigen.
Viertens, wir werden in dem Fortschritt nicht nachlassen, Arbeitsplätze für Amerika zu schaffen, und uns auf ein großes neues Programm zur
Beschaffung von Ausbildung und Arbeit für junge Menschen, vor allem Angehörigen der Minderheiten, zu konzentrieren. Es ist gesagt worden, daß
der Geist zu kostbar sei, als daß man ihn verschwende. Wir werden unseren
jungen Menschen in den achtziger Jahren neue Hoffnung auf Arbeitsplätze
und ein besseres Leben geben.
Fünftens, wir müssen das Jahrzehnt der achtziger Jahre nutzen,
um die grundlegenden strukturellen Probleme unserer Wirtschaft durch
Maßnahmen zur Erhöhung der Produktivität, der Rücklagen und der Investitionen
anzupacken« Mit dieser Politik auf den Gebieten der Energie und der Wirtschaft werden wir in diesem Jahrzehnt Amerika im eigenen Lande noch stärker
machen - so wie unsere Außen- und Verteidigungspolitik uns in der ganzen
Welt stärker und sicherer machen werden.
Wir
- 14 -

�Wir werden niemals unseren Kampf um eine gerechte und menschenwürdige Gesellschaft im eigenen Lande aufgeben.

Sie ist das Herz

Amerikas - und sie ist die Quelle unserer Fähigkeit, Menschen in anderen
Ländern zu inspirieren, ihre eigenen Rechte zu verteidigen.
Unsere materiellen Ressourcen sind, so groß sie auch sein mögen,
begrenzt.

Unsere Probleme sind zu komplex für einfache Schlagworte oder

rasche Lösungen.

Wir können sie nicht ohne Anstrengung und Opfer lösen.

Walter Lippman hat uns einmal daran erinnert:
"Ihr habt die guten Dinge als selbstverständlich vorausgesetzt.
Jetzt müßt ihr sie erneut erwerben. Für jedes Recht, auf das ihr euch
beruft, habt ihr eine Pflicht, die ihr erfüllen müßt. Für jede Hoffnung,
die ihr hegt, habt ihr eine Aufgabe, die ihr leisten müßt. Für alles
Gute, das ihr zu erhalten wünscht, werdet ihr euren Komfort und euer
Wohlbehagen opfern müssen. Es gibt heute nichts mehr umsonst".
Unsere Herausforderungen sind gewaltig.

Aber es herrscht ein

neuer Geist der Einigkeit und Entschlossenheit in unserem Lande. Wir
treten in die achtziger Jahre mit Vertrauen und Hoffnung ein - und mit
einer leuchtenden Vision des Amerika, das wir uns wünschen:
Ein starkes und freies Amerika.
Ein Amerika in Frieden.
Ein Amerika mit gleichen Rechten für alle Bürger - und für die
Frauen, wie dies in der Verfassung der Vereinigten Staaten garantiert
ist.
Ein Amerika mit Arbeitsplätzen und einer guten Gesundheitsfürsorge
und Bildung für jeden Bürger.
Ein
- 15 -

�Ein Amerika mit einem sauberen und erfüllten Leben in seinen
Städten und auf seinen Farmen.
Ein Amerika, das die Welt ernähren hilft.
Ein Amerika,das seinen eigenen Energiebedarf sicher deckt.
Ein Amerika der Gerechtigkeit, der Toleranz und des Mitgefühls.
Wenn diese Vision sich erfüllen soll, dann müssen wir Opfer bringen,
aber diese nationale Verpflichtung wird ein erregendes Unterfangen sein,
das unser Volk einigen wird.
Laßt uns zusammen als ein Volk daran arbeiten, unsere Stärke im
eigenen Lande aufzubauen.

Laßt uns zusammen als eine unteilbare Nation

nach Frieden und Sicherheit in der ganzen Welt streben.
Laßt uns zusammen diese Zeit der Herausforderungen und Gefahr zu
einem Jahrzehnt der nationalen Entschlossenheit und des kühnen Erfolges
machen.

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carters Botschaft über die Lage der Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 23. Januar 1980 -&lt;/em&gt;</text>
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