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und
Dokumentation

•

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28. November 1979

45
INHALT

INFORMATION
Präsident Carter nominiert Philip M. Klutznick als neuen Handelsminister
Neuer US-Vertreter im Europäischen Hauptquartier der UN
Sparen für den Notfall
- Appell Präsident Carters an US-Bundesstaaten DOKUMENTATION
US-Staatssekretär fordert Vereinfachung der NATO-Logistik
- Amerikanisches Gesetz soll Beschaffung erleichtern US-Landwirtschaftsminister ruft zum Kampf gegen den Hunger auf
- Rede vor der FAO in Rom WIRTSCHAFT
Bergsten rechnet mit stärkerer US-Handelsposition und stärkerem Dollar
- Ausführungen des US-Unterstaatssekretärs in Boston WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Computer als Verbündeter bei der Schädlingsbekämpfung
- Simulationsmodelle

sollen Bedeutung von Einzelfaktoren klären helfen

Topfgucker in der Erzküche von Mutter Erde
- Forschungs-U-Boot ALVIN sondiert heiße Quellen im Ostpazifik -

Um Ubcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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10 an m

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28. November 1979

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PRÄSIDENT CARTER NOMINIERT PHILIP M. KLUTZNICK ALS NEUEN HANDELSMINISTER

WASHINGTON - (AD) - Am 16. November 1979 nominierte Präsident Carter zum
Nachfolger der aus privaten Gründen zurückgetretenen Handelsministerin Juanita
Kreps den schon seit den frühen sechziger Jahren im öffentlichen Leben Amerikas
bekannten Philip M. Klutznick.
Klutznick kann in der Tat auf eine erstaunlich vielseitige Karriere zurückblicken:

Doktor der Jurisprudenz, Anwalt für Investmentfragen, Anwalt für

das Justizministerium;

Entwicklung einer Satellitenstadt bei Chicago, Mitar-

beit bei der Planung eines Industriezentrums und Tiefseehafens in Israel; Mitarbeiter von Adlai Stevenson, als dieser Botschafter bei den Vereinten Nationen
war;

Chef einer Investmentgesellschaft, die in der Welt höchster Betonkonstruk-

tion, dem Chicagoer Watertower Place, residiert und die ebenfalls von Klutznick
konzipiert wurde.

Daneben ist Philip Klutznick Präsident des Weltjudenkongresses,

Vorsitzender des amerikanischen Wohnungsbauausschusses für Israel und Mitglied
des Direktoriums der amerikanischen UN-Gesellschaft; außerdem Vertrauensmann
des Komitees für wirtschaftliche Entwicklung, einer überparteilichen Gruppierung
von Geschäftsleuten und Wissenschaftlern, die Vorschläge zur Behandlung wesentlicher Wirtschaftsfragen unterbreitet,sowie Vorstandsmitglied verschiedener
Unternehmen.
Seine

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�Seine Entscheidung, sich als Handelsminister zur Verfügung zu stellen,
geht wohl auch auf die Tatsache zurück, daß eine wesentliche Reorganisation
der Handelspolitik vorgesehen ist, die die Rolle des Handelsministeriums deutlich ausweiten wird.

So wird dem Ministerium künftig etwa die Aufsicht über

die an den amerikanischen Botschaften tätigen Handelsattaches zufallen.
Zwei Problemkreise liegen dem designierten Handelsminister besonders am
Herzen:

Zum einen ist für den überzeugten Anhänger eines Maximums an Frei-

handel klar, daß "wir in der Vergangenheit noch nicht alles getan haben, um
die amerikanische Handelsposition zu stärken" und daß die Vereinigten Staaten
"ihre Muskeln im Bereich des Handels entwickeln müssen". Gleichzeitig aber
soll Handel auch zum Nutzen jener Länder sein, denen bereits in früheren Jahren
sein Mitgefühl galt:

vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen hatte

Klutznick schon 1961 "zu einem neuen Anlauf bei nationalen und internationalen
Anstrengungen gegen Armut, Analphabetentum und Krankheit in den Entwicklungsländern" aufgerufen und als Vertreter Amerikas beim Wirtschafts- und Sozial rat
der Vereinten Nationen auf größere internationale Anstrengungen zur Entwicklung
der Dritten Welt gedrängt.
Klutznick ist am 9. Juli 1907 in Kansas City, Missouri geboren, ist mit
der ehemaligen Ethel Riekes verheiratet und hat fünf Kinder und 12 Enkel.

- 2 -

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28. November 1979

NEUER US-VERTRETER IM EUROPÄISCHEN HAUPTQUARTIER DER UN

WASHINGTON

- (AD) -

Präsident Jimmy Carter hat am 20 November 1979

den bisherigen Stellvertretenden Unterstaatssekretär im amerikanischen
Außenministerium, Gerald B. Helman, zum neuen Vertreter der Vereinigten
Staaten beim europäischen Hauptquartier der Vereinten Nationen in Genf
nominiert.

Helman tritt an die Stelle von William Vanden Heuvel, der

zum Stellvertretenden US-Chefdelegierten bei der Weltorganisation in
New York ernannt worden ist.

Er bekleidet den Rang eines Botschafters.

Helman, am 4. November 1932 in Detroit geboren, hatte seit 1977
den Posten eines Stellvertretenden Unterstaatssekretärs für internationale
Organisationen im State Department inne.

Von Haus aus Jurist praktizierte

er kurze Zeit als Anwalt im Staate Michigan, bevor er 1956 in den Auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten eintrat und bei den diplomatischen
Vertretungen der USA in Mailand, Wien und auf Barbados tätig war.

Von

1968 bis 1973 war Helman Botschaftsrat für politisch-militärische Angelegenheiten bei der amerikanischen NATO-Mission in Brüssel.

Im Jahre

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�Im Jahre 1974 wurde Helman ins State Department berufen, wo er
zunächst zwei Jahre lang mit NATO-Angelegenheiten betraut war, um dann
1976 die Leitung des Büros für politische Angelegenheiten der Vereinten
Nationen im State Department zu übernehmen.

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28. November 1979

SPAREN FÜR DEN NOTFALL
- Appell Präsident Carters an US-Bundesstaaten -

- (AD) - Präsident Carter hat ranghohe Vertreter der einzelnen amerikanischen Bundesstaaten ersucht, sich dafür einzusetzen, daß der allgemeine
Energieverbrauch um fünf Prozent und der Kraftstoffverbrauch um zehn Prozent
gesenkt werde.

Auf diese Weise solle ein gewisser Ausgleich für den Ausfall

von ca. 100 000 Tonnen Iran-Öl pro Tag geschaffen werden.

Auf einer Konferenz

mit Repräsentanten der einzelstaatlichen Verwaltungen im Weißen Haus, unter
ihnen 39 Gouverneure, unterstrich der Präsident, daß Sparen die einzige schnell
wirksame Gegenmaßnahme gegen ölverknappung in den Vereinigten Staaten sei, die
sich in den nächsten 50 Tagen als Folge des Ausfalls des Iran als öllieferant
bemerkbar machen dürfte.

"Die. Amerikaner dürfen die Bedeutung der größtmöglichen Anstrengungen zum
Einsparen keinesfalls unterschätzen", meinte der Präsident.

Zwar seien die Vor-

räte an Heizöl, Benzin und anderen Brennstoffen "verhältnismäßig gut", doch
wäre in der gegenwärtigen Situation eine baldige und anhaltende Verpflichtung
hilfreich, um Energieverschwendung in jeder Form weitestgehend zu reduzieren.

US-Energieminister

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�US-Energieminister Charles W. Duncan, Jr., erklärte gegenüber Pressevertretern, daß der Präsident in Kürze für die einzelnen Bundesstaaten bestimmte
Ziele für das Einsparen von Benzin vorschlagen werde.

Aufgrund des Notstands-

gesetzes zur Energieeinsparung, das Präsident Carter am 5. November 1979 unterzeichnete, ist der Präsident ermächtigt, je nach Bundesstaat unterschiedliche
Einsparungsziele festzusetzen, wenn eine einschneidende Unterbrechung der Versorgung droht oder bereits besteht.

Ein Maximal verbrauch in den einzelnen

Bundesstaaten kann auch dann angeordnet werden, wenn Verpflichtungen der USA
im Rahmen von internationalen Energie-Verträgen zu erfüllen sind.
Ist ein Bundesstaat nicht in der Lage oder nicht gewillt, eigene Einsparungsziele vorzugeben, kann der Präsident einen Einsparungsplan verfügen. Präsident Carter ersuchte die Gouverneure, eine Reihe von sofort wirksam werdenden Energiesparmaßnahmen in Erwägung zu ziehen. Dazu zählen z.B. die Wiedereinführung von Plänen zur Abgabe kleiner Benzinmengen sowie von bestimmten Tanktagen für die, Autofahrer entsprechend der geraden oder ungeraden Endziffer des
Nummernschildes, ferner die strikte Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung
von 89 km/Stunde auf Autobahnen, die Einrichtung von Fahrgemeinschaften im Berufsverkehr, Einhaltung der Vorschriften für die Beheizung und Kühlung von Gebäuden und schließlich eine weitergehende Verwendung des Mischkraftstoffs
GASOHOL, als dies bisher der Fall war. Wie Duncan erklärte, werde die Regierung von ihren Notstandsvollmachten zur gerechten Zuteilung und Abgabe von Rohöl Gebrauch machen, sobald die Auswirkungen des Ausbleibens von Öl aus dem Iran
erkennbar werden.

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28. November 1979

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US-STAATSSEKRETÄR FORDERT VEREINFACHUNG DER NATO-LOGISTIK
- Amerikanisches Gesetz soll Beschaffung erleichtern -

WASHINGTON - (AD) - Der Staatssekretär für politische Angelegenheiten
im amerikanischen Verteidigungsministerium, Botschafter Robert W.Komer, hat
sich für gesetzliche Regelungen ausgesprochen, die die gegenseitige logistische Unterstützung der amerikanischen Streitkräfte in Europa und der Streitkräfte der europäischen Verbündeten vereinfachen und erleichtern.

Eine ent-

sprechende Gesetzesvorlage des Verteidigungsministeriums wird gegenwärtig im
Repräsentantenhaus von den Unterausschüssen für internationale Sicherheit und
wissenschaftliche Angelegenheiten sowie für Europa und den Nahen Osten des
Außenpolitischen Ausschusses und dem Unterausschuß für Beschaffung und militärische Nuklearsysteme des Militärausschusses behandelt.

Auf einer gemein-

samen Sitzung der genannten Unterausschüsse machte Staatssekretär Komer folgende Ausführungen:

Ich möchte diesen Unterausschuß dringend ersuchen, etwas zu tun, was nach
meiner Überzeugung unbedingt in unserem nationalen Interesse liegt, nämlich
eine Gesetzgebung zu billigen, die die gegenseitige logistische Unterstützung
zwischen unseren Streitkräften in Europa und den Streitkräften unserer Verbündeten erleichtert.

Wir suchen Mittel und Wege zur Vereinfachung amerikanischer

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�amerikanischer Verfahren, um die logistische Unterstützung im Bündnis vor
Ort sicherzustellen und zu gewähren, denn die derzeitigen Vereinbarungen funktionieren nicht gut, verursachen große Schwierigkeiten mit unseren Verbündeten
und beeinflussen die Einsatzbereitschaft der NATO negativ.
Als Hauptzeugen habe ich Generalleutnant Arthur Gregg, den Stellvertretenden Chef des Stabes der Armee für Logistik und früheren Direktor für Logistik
des Gemeinsamen Stabes der Streitkräfte und früheren Chef der Logistik der USArmee in Europa mitgebracht, da er mit dem Problem bestens vertraut ist.

Er

wird Ihnen die militärische Seite darlegen, während ich von den Auswirkungen
auf das NATO-Bündnis und einigen anderen wichtigen Punkten sprechen möchte.

Ich

habe ferner mitgebracht Walter Ligon, Direktor für Planung und Programm im Amt
für Sicherheitsverteidigungshilfe; Benjamin Forman vom Beraterstab des Verteidigungsministeriums; Brigadegeneral Wayne Alley, Oberster Militärrichter der
US-Armee in Europa; und James Saylor von der Finanzabteilung des Verteidigungsministeriums.
Das amerikanische Verteidigungsministerium hat bereits 1978 eine korrigierende Gesetzgebung vorgeschlagen. Diese wurde unter der Nummer HR 11607
eingereicht, kam aber nie bis zum Plenum des Hauses. Der neuformulierte Vorschlag, 96-4, wurde im Juni dieses Jahres unter der Nummer HR 4623 von dem Vorsitzenden Zablocki und Ihnen sowie vom Vorsitzenden Price und dem Abgeordneten
Wilson vom Militärausschuß unterbreitet. Wir hatten gehofft, daß dieser neue
Entwurf einige der Einwände zerstreuen würde, die wir gegen die Version des
vorigen Jahres gehört haben, es stellte sich in den letzten Monaten jedoch
heraus, daß unsere Formulierungen noch immer einige rechtliche und verfahrensmäßige Fragen aufwarfen, die in dieser Sitzungsperiode des Kongresses nicht
gelöst werden konnten. Wir unterstützen daher jetzt eine weniger umfassende
Version, die vom Vorsitzenden Daniel des NATO-Unterausschusses des Militärausschusses unter der Nummer HR 5580 eingebracht wurde.
Wie Sie, Herr Vorsitzender.wissen, hat der Daniel-Unterausschuß am 25. Oktober 1979 eine Anhörung über diese Vorlage abgehalten.
Wie
- 2 -

�Wie er damals dem Vorsitzenden Daniel sagte, hat (NATO-Oberbefehlshaber)
General Rogers die Vorlage HR 4623 des Verteidigungsministeriums nachdrücklich
unterstützt.

Erst kürzlich hat er in einem Schreiben an Verteidigungsminister

Brown erneut bekräftigt, daß "die Verabschiedung von HR 4623 entscheidend wichtig ist, wenn wir im Bündnis eine Kapazität für gegenseitige logistische Unterstützung in Krisenzeiten oder im Konfliktfall schaffen wollen.
Die Regierung der Niederlande hat zu erkennen gegeben, daß sie das Manöver
Reforger 80 ohne eine solche Gesetzgebung nicht unterstützen werde. Darüber
hinaus sind alle Vereinbarungen über gegenseitige Unterstützung von der Verabschiedung dieser Gesetzesvorlage abhängig. Nach unserer Auffassung ist ein
starkes gemeinsames Übungsprogramm in großem Rahmen in zunehmendem Maße wichtig, um Entschlossenheit zu demonstrieren und unsere Kapazität zur Verstärkung
Europas zu verbessern. Es ist dringend erforderlich, daß der Kongreß HR 4623
noch in dieser Sitzungsperiode verabschiedet."
General Rogers hat in der Zwischenzeit HR 5580 geprüft und amtlich erklärt, daß diese Vorlage mit einigen wenigen
generell erfüllen würde.

Änderungen seine Erfordernisse

Diese Änderungen wurden in der Ihrem Unterausschuß

jetzt vorliegenden Gesetzesvorlage weitgehend berücksichtigt.
Lassen Sie mich zunächst das Problem darlegen, um das es bei dieser Gesetzgebung geht, und was sie nach meiner Überzeugung in der realen Welt militärischer Operationen der NATO bedeutet. Wir geben den Großteil der bewilligten Mittel für unsere Verteidigung für die allgemeinen Streitkräfte aus, und
die meisten dieser Streitkräfte werden weitgehend für die Verteidigung Europas
ausgebildet und ausgerüstet.
Aber wir können Europa nicht allein verteidigen, und das ist auch gar
nicht unser Plan.

Wir sind vielmehr von einem gemeinsamen Vorgehen abhängig,

einem Vorgehen, das die NATO-Streitkräfte aller NATO-Staaten unter einem gemeinsamen NATO-Befehl integriert. Amerikanische Streitkräfte werden Seite an
Seite mit Deutschen, Briten, Belgiern, Niederländern, Italienern, Norwegern,

- 3 -

�Norwegern, Türken und anderen Truppen des Bündnisses kämpfen (und in Friedenszeiten Seite an Seite ausgebildet werden).

Daraus ergeben sich wichtige Fragen

der gegenseitigen logistischen Unterstützung im Felde. Wir können nicht alle
so tun, als wären wir logistisch unabhängig, wenn wir unter Belastung alle voneinander abhängig sind.

Daher besteht der Hauptzweck der unterbreiteten Vorlage

darin, eine solche gegenseitige Unterstützung zu erleichtern, vor allem bei der
Ausbildung und bei Übungen in Friedenszeiten, und die gemeinsame Bereitschaft
im Kriegsfall zu verbessern.
Zweitens, wir Amerikaner müssen in Europa am Ende einer 3000 Meilen langen
logistischen Versorgungsleitung operieren.

Wir haben zwar mehr Erfahrung in

der Logistik über große Entfernungen als irgendeine

andere Großmacht in der

Geschichte der modernen Kriegführung, aber es gibt immer kurzfristige Anforderungen an die Versorgung amerikanischer Truppen unter Einsatzverhältnissen in
Friedenszeiten.

Wir können nicht damit rechnen, diese mit der Einstellung des

"als wenn nichts wäre" zu erfüllen.

In gleicher Weise brauchen unsere Verbün-

deten, selbst mit ihren viel kürzeren logistischen Versorgungslinien unter
Übungsbedingungen kurzfristig Unterstützung von uns. Wenn wir diese nicht direkt und wirksam leisten können, dann können wir überhaupt nichts leisten.
In dem Zeitraum von September 1979 bis Dezember 1980 werden amerikanische
Streitkräfte voraussichtlich an zehn verschiedenen großen Felddienstübungen
der NATO teilnehmen. Wir werden unter anderem auch die gegenseitige logistische
Unterstützung üben. Ich glaube, jeder von uns hier begreift, daß im Falle einer
Krise oder eines Krieges es um alles geht und wir logistisch so vorgehen werden,
wie wir müssen. Aber der Zweck dieser Übungen besteht eben darin, die Fähigkeit
unserer Streitkräfte und der Streitkräfte unserer Verbündeten zu erproben, unter Kriegsbedingungen zu operieren. Ich möchte daher dringend vorschlagen,
daß unsere Vereinbarungen für die gegenseitige logistische Unterstützung während Übungen so realistisch sein müssen, wie es nur eben geht. Es hat schließlich wenig Sinn, wenn verbündete Einheiten Ellbogen an Ellbogen im Feld operieren und nicht in der Lage sind, sich sofort vor Ort gegenseitig logisitsch
zu unterstützen.
Über

�über die speziellen Erfordernisse von Übungen müssen wir uns mit den
Auswirkungen der ständigen Verlagerung der Schwerpunkte von Schwanz zu Kopf
- vom Tross zur eigentlichen Truppe - befassen.

Der Kongreß hat das Vertei-

digungsministerium bedrängt, mehr aus dem Geld zu machen, das für das Militär
verausgabt wird, und wir waren mehr als bereit, diesem Wunsch zu entsprechen.
In der Tat bin ich seit je einer der nachdrücklichsten Fürsprecher dieser
Neugewichtung unserer Streitkräfte in Europa gewesen, weil - wie ich glaube es durchaus richtig ist, auf das beträchtliche Potential europäischer Ressourcen für die logistische Unterstützung zurückzugreifen.

Wir nennen das Unter-

stützung durch das Gastland }und wir sind energisch darum bemüht, davon mehr zu
bekommen.

Die Europäer - und vor allem die Deutschen - verstehen diese "Schwanz

bis Kopf-Gleichung und wollen die Kampfkapazitat der Vereinigten Staaten so
hoch wie möglich steigern.
Das kann - wenn wir erfolgreich sind - bedeuten:

Unterstützung durch das

Gastland im Frieden wie im Krieg für den Routinebetrieb der militärischen
Stützpunkte und Basen, einschließlich der Geländesicherung, der Lebensmittelbeschaffung, der technischen Wartung und baulichen Unterhaltung, des Transports
und einer ganzen Reihe anderer Dienstleistungen, die jetzt amerikanische Soldaten von den Kampfeinheiten und der direkten Unterstützung der Kampfeinheiten
abziehen.

Aber auch hier brauchen wir flexible amerikanische Verfahren, die

sich besser den realen Gegebenheiten anpassen können.
Zur Zeit sind uns die Hände buchstäblich gebunden, weil die Gesetze und
Verfahren, die für den Erwerb und den Transfer von Gütern und Dienstleistungen
maßgeblich sind, allzu schwerfällig und zu wenig flexibel für solche Situationen sind, wie ich sie soeben beschrieben habe.

Wenn wir von unseren Verbün-

deten logistische Unterstützung kaufen, dann zwingen wir ihnen komplizierte
Kontraktformulare, Verfahren und Klauseln auf, wie sie das Beschaffungsgesetz
der Streitkräfte und ähnliche Statuten erforderlich machen.

Wenn wir Unter-

stützung gewähren, dann müssen wir uns nach den Bestimmungen des Rüstungsexportkontrollgesetzes richten, die für Transaktionen dieser Art völlig unangebracht
sind.

Dieses Gesetz schließt auch die Gewährung von logistischer Unterstützung

auf der Grundlage einer Rückerstattung in Sachleistungen aus.

Ahnp^Phpn

�Abgesehen von der Tatsache, daß die vorhandenen Restriktionen, es für
uns sehr schwierig machen, unsere militärische Aufgabe bei der Verteidigung
Europas zu erfüllen, haben auch unsere Verbündeten sich energisch dem widersetzt, was sie als einen Zwang, ja als einen Eingriff in ihre Souveränitätsrechte ansehen.

Die Niederländer haben uns seit zwei Jahren gewarnt, daß sie

unter unseren restriktiven Bedingungen nicht weiterhin logistische Unterstützung
für die Übungen leisten könnten.

Bei den Manövern "Reforger 78" und 'Reforger 79"

unterstützten sie uns nach schriftlich festgelegten Vereinbarungen, die auf unsere Gesetzesklauseln verwiesen.

Sie haben uns jetzt mitgeteilt, daß sie die-

se außerordentlichen Maßnahmen nicht auf "Reforger 80" ausweiten werden.

Von

der Bundesrepublik Deutschland, Belgien, Italien und Norwegen sind ähnliche
Warnungen gekommen.
Und auf der anderen Seite dieser zweiseitigen logistischen Medaille
wiederum hat es eine ganze Reihe von Fällen gegeben, wo amerikanische Streitkräfte nicht in der Lage waren, verbündeten Einheiten während militärischer
Übungen kurzfristig lokale Unterstützung zu gewähren wegen der FMS-Restriktionen, die erfordern, daß alle Transaktionen Stück für Stück und bei sofortiger
Bezahlung erfolgen.
Die Verabschiedung dieser Gesetzesvorlage würde es uns ermöglichen, gegensetige Abmachungen auszuhandeln, die auf unsere besonderen Erfordernisse
in Europa zugeschnitten sind. Es würde dadurch auch wesentliches getan, um
sicherzustellen, daß die NATO-Streitkräfte die gleichen logistischen Verfahren
bei Übungen in Friedenszeiten anwenden, die sie unter der Belastung kriegerischer
Verhältnisse anzuwenden hätten.
•

Ich glaube, der Unterausschuß sollte auch zur Kenntnis nehmen, daß alle
unsere Verbündeten übereingekommen sind, die vereinfachten Verfahren für die
gegenseitige logistische Unterstützung zu benutzen, Sie haben also einigen
Grund, mit unserem Beharren auf den üblichen Verfahren unzufrieden zu sein.
Ich darf Ihnen versichern, daß wir mit der neuen Vorlage nicht um die
Vollmacht ersuchen, Erstausstattungsmengen an Großgerät oder irgendwelches der

�der Kontrolle unterworfenes Kampfmaterial zu kaufen

oder zu verkaufen.

Das war niemals unsere Absicht, und ich bedaure, daß die allgemeine Fassung,
in der wir unsere ursprügnliche Gesetzesvorlage ausgearbeitet hatten, Anlaß
zu der Besorgnis gegeben haben könnte, daß wir die Vollmacht für diese Zwecke
benutzen könnten.

Ich werde es den Experten überlassen, was genau unter der Rubrik "logistische Unterstützung" aufgezählt werden sollte.

Ich möchte lediglich

feststellen, daß der Nachdruck auf Dienstleistungen liegt, weil das am meisten
Arbeitsaufwand erfordert und das ist, was zu leisten die Gastländer am besten
ausgestattet sind.

Die materiellen Dinge - Bekleidung, Munition usw. - wer-

den hauptsächlich für Übungen und für Situationen benötigt, in denen sich
amerikanische Truppen oder Truppen der Verbündeten zeitweilig von ihren eigenen Versorgungsquellen abgeschnitten finden.

Ich glaube, der Unterausschuß

wird zustimmen, daß das, was wir tun wollen, Sinn und Verstand hat.

Im Hinblick auf die besonderen Interessen des Außenpolitischen Ausschusses an dieser Angelegenheit möchte ich kurz auf die Bereiche des Rüstungsexportkontrollgesetzes eingehen, die durch HR 5580 berührt werden.

Erstens,

wir ersuchen in der unterbreiteten Vorlage um eine völlige Befreiung von dem
genannten Gesetz, was den Transfer von Verbrauchsgütern und überschüssigen
Beständen und die Gewährung von Dienstleistungen angeht.
Flexibilität, um in Ausbildungs- und Manöverlagen

Wir brauchen diese

mit unseren Verbündeten so

verfahren zu können, wie sie es jetzt mit uns können.

Die transferierten

Versorgungsgüter müssen aus Beständen der amerikanischen Streitkräfte in
Europa kommen, und die Bestände dürfen nicht aufgestockt werden, um diese
besonderen Erfordernisse zu erfüllen.

Bei Dienstleistungen kann es sich nur

um solche handeln, die normalerweise von diesen selben amerikanischen Streitkräften zur Verfügung stehen.

Ich kann Ihnen über die im Gesetz enthaltenen

Sicherungen gegen einen Mißbrauch dieser Vollmacht hinaus versichern, daß
HR 5580 absolut keinen Einfluß auf amerikanische Verkäufe von Waffen oder
Großgerät an die NATO haben wird.

Das neue Gesetz wird auch nicht an die

Stelle von Abkommen über die normalen Lieferungen von Verschleiß- und Ersatz-

- 7 -

�Ersatzteilen im Rahmen des Rlistungsexportkontrollgesetzes treten, noch wird
es auf die Ausbildung auf dem Territorium der Vereinigten Staaten im Rahmen
dieses Gesetzes Anwendung finden.
Mein zweiter Punkt, Herr Vorsitzender, ist, daß Abschnitt 8 der Vorlage
Grenzen für die Beträge setzt, die von den Vereinigten Staaten aufgrund dieser Gesetzgebung angewiesen oder angesammelt werden können.

Ohne ins Detail

gehen zu wollen - General Gregg wird das gerne tun - möchte ich einfach feststellen, daß unsere Verpflichtungen, d.h. Erwerbungen, bis zum Haushaltsjahr
1981 diese Grenzen sehr wahrscheinlich erreicht haben werden.

Allein die For-

derungen für die Wartung von am Ort bereitgestelltem Material könnten in dem
Zeitraum der Haushaltsjahre 1982-86 die 100 Millionen Dollar-Grenze erreicht
haben.

Auf der Seite fälliger Gelder, die diesen Ausschuß mehr interessieren

dürfte, sind die Zahlen bescheidener,und wir rechnen nicht damit, daß diese
die derzeitige Grenze vor den Haushaltsjahren 1983 oder 1984 erreichen dürften.
Das ist normal, da wir auf dem Boden unserer Verbündeten operieren und wir
mehr von ihnen brauchen als sie von uns. Wie dieser Unterausschuß sehr wohl
weiß, laufen die großen FMS-Fälligkeiten auf einem anderen Konto an und lassen
diese Zahlen hier unbedeutend erscheinen.
Mein letzter Punkt~bezüglich der Einzelheiten im Zusammenhang mit dem
Rüstungsexportkontrollgesetz betrifft die unausweichliche Frage der Weitergabe
an Dritte. Das ist eine heikle Frage, und ich bin mir darüber im klaren, daß
hier die Position des amerikanischen Verteidigungsministeriums eindeutig sein
muß. Im wesentlichen, Herr Vorsitzender, sind wir überzeugt, daß die Dinge,
die wir mit der Vollmacht im Rahmen dieser Vorlage tun müssen, uns nicht vor
diese Frage stellen werden. Wir sprechen von Dienstleistungen und kleinen
materiellen Gegenständen, wie etwa einem Reservegenerator oder einem Faß Düsentreibstoff. Und selbst wo es sich um kritische Ersatzteile handelt, glauben
wir, daß die Risiken einer Weitergabe an Dritte minimal sind, weil die Mengen,
um die es hier geht, einfach zu gering sind, um ins Gewicht zu fallen.
•

Zusammenfassend

�Zusammenfassend möchte ich sagen, daß das Verteidigungsministerium
während der letzten Sitzungsperiode des Kongresses und während dieser ein
Maß an gesetzgeberischer Erleichterung angestrebt hat, das wir als vernünftig und wirksam betrachten.

HR 5580 wird uns den Sattel einiger grundlegen-

der Erfordernisse geltender Gesetze nicht abnehmen, aber es würde uns sicherlich in die Lage versetzen, einen großen Schritt zur Beseitigung unserer
gegenwärtigen Schwierigkeiten zu tun.

Ich bin ferner der Meinung, daß un-

sere Verbündeten diese Verbesserung als eine positive Entwicklung betrachten würden und bereit wären, die normalen Versorgungsvereinbarungen aufrechtzuerhalten, wenn HR 5580 Gesetz wird.

Lassen Sie mich auch noch einmal wieder-

holen, daß wir mit diesem Gesetz nicht beabsichtigen, es als Mittel für die
Beschaffung oder die Weitergabe von Großgerät zu benutzen.

- 9 -

�Dokumentation

I

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28. November 1979

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US-LANDWIRTSCHAFTSMINISTER RUFT ZUM KAMPF GEGEN DEN HUNGER AUF
- Rede vor der FAO in Rom -

ROM - (AD) - Der amerikanische Landwirtschaftsminister Bob Bergland hat
am 13.November 1979 in einer Rede vor der 20. Jahreskonferenz der Organisation
für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) der Vereinten Nationen alle Länder der
Erde aufgerufen, sich an dem Kampf gegen Armut und Hunger zu beteiligen.
Die Rede Berglands hat folgenden Wortlaut:
Die Botschaft der Vereinigten Staaten an die 20. Konferenz der FAO will
zweierlei: sie ist zum einen Feststellung einer Tatsache, der Tatsache zunehmender weltweiter gegenseitiger Abhängigkeit - Interdependenz. Und sie ist
zum andern eine Forderung, eine dringende Forderung, dieser wachsenden gegenseitigen Abhängigkeit eine stärkere Zustimmung aller Nationen zur gemeinsamen
Verantwortung für die Armen und die Hungrigen dieser unserer Welt entgegenzustellen.
Im Verlauf der zwei Jahre, seit ich die Ehre hatte, vor der 19. FAO-Konferenz zu sprechen, ist auf nationaler und internationaler Ebene viel erreicht

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�erreicht worden, um die weltweite Gefahr des Hungers zu vermindern.
gibt keinen Anlaß zur Selbstzufriedenheit.

Aber es

Noch bleibt viel zu tun übrig.

Nur wenige Länder sind heutzutage bei allen Nahrungsmitteln autark.

Die

Produktion von Nahrungsmitteln hat in vielen Entwicklungsländern nicht mit dem
Bevölkerungswachstum Schritt gehalten.

Obwohl die Nahrungsmittelproduktion in

den Entwicklungsländern pro Jahr zwischen 1970 und 1978 um ungefähr drei Prozent
anstieg, machte der Bevölkerungszuwachs diese Gewinne praktisch zunichte.

Der

durchschnittliche Jahreszuwachs der Nahrungsmittelproduktion pro Kopf betrug
in den Entwicklungsländern lediglich 0,3 Prozent.

In den ärmsten Ländern sank

dieser durchschnittliche Jahreszuwachs an Nahrungsmittel Produktion pro Kopf
sogar.
Die Entwicklungsländer mußten ihre Nahrungsmittelimporte wesentlich erhöhen.

Im Lauf der sechziger Jahre stiegen die Nahrungsmittelimporte der Ent-

wicklungsländer um etwa 2,7 Prozent.
lich um 6,9 Prozent.

In den siebziger Jahren stiegen sie jähr-

Während Länder mit rasch steigenden Einkommen für einen

großen Teil dieses Anstiegs verantwortlich sind, müssen doch auch einige Länder mit niedrigem Einkommen mehr einführen.
Wie das FAO-Sekretariat in seinem umfassenden Bericht "Landwirtschaft
bis zum Jahr 2000" dargelegt hat, ist die Zahl der Menschen, deren Ernährung
unter dem kritischen Mindestmaß liegt, nicht geringer geworden. Noch heute
sind ungefähr eine halbe Milliarde Menschen unterernährt. Derzeitige Vorausschätzungen zeigen, daß diese Zahlen in den kommenden Jahren eher zu- als abnehmen werden, solange keine Änderungen von außen kommen.
Die Nachfrage nach Nahrungsmitteln in den Entwicklungsländern wird wahrscheinlich zwischen heute und dem Jahr 2000 um 3,7 Prozent jährlich ansteigen.
Um diese Nachfrage zu befriedigen, müssen die Entwicklungsländer ihre Nahrungsmittelproduktion in den nächsten 20 Jahren um mindestens 75 Prozent erhöhen .
Dies macht deutlich, daß die Zukunft der Entwicklungsländer, und besonders jener
mit einem geringen Einkommen und einem Defizit an Nahrungsmitteln, für uns
alle ein überaus schwerwiegendes Problem darstellt.
Als
- 2 -

�Als ich 1977 vor der 19. FAO-Sitzung in Rom sprach, empfahl ich eindringlich, Themen, die nur am Rande mit der eigentlichen Entwicklungsarbeit
zu tun haben - wie etwa Lösung der Handels- und Rohstoffprobleme -, in anderen internationalen Körperschaften zu behandeln, die sich speziell mit diesen
Problemkreisen befassen.

Ich drängte die FAO, sich als die eigentliche Welt-

organisation für Ernährung und Landwirtschaft auf wachsende Nahrungsmittelproduktion und verbesserte Ernährung zu konzentrieren - besonders in den Entwicklungsländern.

Natürlich war dies kein Ziel, das sich in den zwei Jahren zwi-

schen zwei Konferenzen erreichen ließe.

Zu diesem Ziel stehe ich auch im Jahr

1979 als der anhaltenden und in der Tat alles überschattenden, immer dringlicher
werdenden Herausforderung unseres Zeitalters.
Es steht außer Zweifel, daß Erhöhungen der Hilfe von außen notwendig sind.
Aber eine solche Hilfe von außen ist nur dann wirkungsvoll, wenn sich die Entwicklungsländer fest dazu verpflichten, dem Ernährungs- und Landwirtschaftssektor bei ihren eigenen Entwicklungsplänen eine höhere Priorität einzuräumen.
Die Entwicklungsländer müssen einen größeren Anteil ihrer eigenen Hilfsquellen
für die landwirtschaftliche Entwicklung bereitstellen und ihren NahrungsmittelProduzenten höhere Anreize bieten. Ihre Politik und ihre Investitionen müssen
eine Steigerung der Beschäftigung im Auge haben, damit die Kleinbauern und die
Armen ohne Landbesitz genug verdienen, um die Nahrungsmittel kaufen zu können,
die sie brauchen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihre Hilfe anzubieten. Aber die Aufgabe erfordert die konzertierte Anstrengung aller Mitglieder der internationalen Gemeinschaft. Wir müssen die Verantwortung dafür teilen, daß der Hunger
im 20. Jahrhundert zugunsten eines gesunden und starken 21. Jahrhunderts überwunden wird.

Maßnahmen

�Maßnahmen zur Erhöhung der Landwirtschaftsproduktion, zur Verminderung der
Unterernährung und zur Stärkung der weltweiten Sicherstellung der NahrungsmittelVersorgung
Eine Anzahl von Maßnahmen zur Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion, zur
Verminderung der Unterernährung und zur Stärkung der weltweiten Sicherstellung
der Nahrungsmittel Versorgung wurde auf der Sitzung des Welternährungsrates im
September vorgeschlagen.

Ich möchte diese Gelegenheit wahrnehmen, sie darzu-

legen und ihre Bedeutung für das Agrarsystem der Welt zu erörtern.
Unsere Energien müssen zuallererst auf eine Beschleunigung der Produktion
von Nahrungsmitteln und die Agrarproduktion gerichtet werden, besonders in Ländern mit geringem Einkommen und einem Defizit an Nahrungsmitteln.
Nahrungsmittel, die auf der Welt produziert werden
den in den Erzeugerländern verbraucht.

Die meisten

- 85 bis 90 Prozent -»wer-

Ohne anhaltende Produktionsanstiege

- besonders in den ärmsten Ländern - kann es keine langfristige Sicherstellung
der Nahrungsmittel Versorgung für den größten Teil der Menschheit geben.
Die Vereinigten Staaten sehen in der Entwicklung von Strategien auf dem
Nahrungsmittelsektor einen ersten wichtigen Schritt zur Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion. Solche Strategien würden den Entwicklungsländern bei der
Koordinierung ihrer Programme zur Nahrungsmittelproduktion helfen und ihre
Hilfsquellen wirkungsvoller nutzen. Die FAO ist bestens dazu geeignet, ihre
Fähigkeiten auf diesem Gebiet anzubieten. Wir empfehlen der FAO dringend, mit
der Weltbank, den regionalen Entwicklungsbanken und dem Welternährungsrat zusammenzuarbeiten, um den Ländern bei der Entwicklung dieser Strategien zu helfen. Die Vereinigten Staaten können auch auf diesem Gebiet technischen Beistand gewähren.
Ein zweiter Schritt zur Verbesserung der Nahrungsmittel Produktion ist die
verstärkte Unterstützung für internationale Forschung im Bereich der Landwirtschaft.

Forschung ist wesentlich für die Art von technischen Erneuerungen,

die die Ernteerträge erhöhen können.

Wir freuen uns, daß die FAO in ihrem Be-

�Bericht über mittelfristige Zielsetzungen die größere Unterstützung nationaler und internationaler Agrarforschung empfiehlt.

Schließlich müssen wir erhöhte Aufmerksamkeit der Erhaltung von Anbauland gegen Erosion, Erschöpfung und Verkarstung schenken.

Dies ist wahrlich ein weltweites Problem.

In den Vereinigten Staaten

wird derzeit der jährliche Verlust an Erde auf unseren Farmen auf neun Tonnen
pro Morgen (etwa 22 Tonnen pro Hektar) geschätzt.

Und bald könnte Wasser das

Land als wichtigste Beschränkung der amerikanischen Nahrungsmittel Produktion
verdrängen:

Wir erschöpfen rasch unsere Grundwasserreserven im Westen, Süd-

westen und den Großen Ebenen.

Der größte Teil derjenigen Landstriche der Erde, die für den Anbau geeignet sind, wird derzeit genutzt.
volle Quelle zu verschwenden.

Wir können es uns nicht leisten, diese wertWir unterstützen die Anstrengungen der FAO und

des Umweltschutzprogramms der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Erschöpfung des Weidelands und ermutigen stärkere nationale und internationale Anstrengungen zu diesem Zweck.

Erhöhte Nahrungsmittel Produktion ist ein Punkt von entscheidender Bedeutung, jedoch nicht der einzige Faktor bei der Verminderung von Hunger und
Unterernährung.

Unterernährung wurzelt zugleich in Armut und ungleicher Verteilung der
Nahrung.

Wir brauchen eine vielseitige Methode zur Beseitigung von Hunger

und Unterernährung.

Die Entwicklungsländer brauchen die Gestaltung einer Po-

litik und eines Programms, die verstärkte Produktion und verbesserte Verteilung in Verbindung miteinander bringen.

Strategien auf dem Nahrungsmittel-

sektor werden dabei helfen, diese Verbindungen zu identifizieren.

Für die

FAO besteht eine Hauptrolle darin, die Nahrungsmittelverteilung und die Konsumkomponenten der Strategien auf dem Nahrungsmittelsektor zu gestalten.

Dies

könnte in angemessenem Rahmen Interventionsprogramme für Nahrungsmittel beinhalten.
Wir
- 5 -

�Wir unterstützen die zunehmende Betonung, die die FAO in den nächsten
zwei Jahren auf Ernährung legt. Wir sind jedoch beunruhigt darüber, daß

das

Arbeitsprogramm und das Budget der FAO für 1980/81 die Sammlung und Bewertung
von Daten betont,und empfehlen der FAO dringend, eine umfassendere und handlungsorientiertere Methode zur Lösung dieses Problems einzuschlagen.

Die Ver-

einigten Staaten haben große Erfahrung in den verschiedensten Programmen zur
Verteilung von Nahrungsmitteln und sind bereit, technische Hilfe anzubieten.
Die Vereinigten Staaten sind der Meinung, daß eine verstärkte Sicherstellung der weltweiten Nahrungsmittel Versorgung von entscheidender Bedeutung
ist.

Wir werden auch weiterhin auf das Ziel einer stabilen Getreideversorgung

und angemessener Reserven hinarbeiten.

Wir bedauern, daß die Verhandlungen

für ein neues internationales Weizenabkommen (IWA) noch zu keinem Erfolg geführt
haben,und hoffen, daß ein neues Abkommen doch noch abgeschlossen wird.
Wir sind mit FAO-Generaldirektor Saouma einer Meinung, daß das Fehlen
eines Abschlusses der Verhandlungen über das IWA den zwischenzeitlichen Fortschritt hin auf eine weltweite Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung
nicht entmutigen sollte. Wir glauben, daß die Zeit reif ist, um weiter auf
zwei Ziele dieser Sicherstellung zuzugehen:

den Abschluß einer neuen Konven-

tion für Nahrungsmittelhilfe und die Errichtung von Systemen zur Sicherstellung
der Nahrungsmittel Versorgung in den Entwicklungsländern.Eine neue Konvention für Nahrungsmittelhilfe (FAC) wird ein wichtiger
Schritt zur Sicherstellung einer ausreichenden Nahrungsmittelhilfe sein. Wir
unterstützen das 10-Millionen-Tonnen-Ziel für jährliche Nahrungsmittelhilfei
und haben uns zu 4,47 Millionen Tonnen Getreide als unseren jährlichen Mindestbeitrag verpflichtet. Wir empfehlen den Regierungen, die noch keinen separaten FAC-Verhandlungen zugestimmt haben, ihre Position noch einmal zu überdenken. Wir empfehlen auch all den Ländern, die sich in der Lage befinden,
e
einen sinnvollen Beitrag zur Konvention zu leisten - egal, ob in bar oder in
Waren -, dies zu tun. Die Wirksamkeit sowie die Quantität der Nahrungsmittel hilfe kann noch durch zusätzliche finanzielle und technische Hilfe weit vergrößert werden.
Nationale
- 6 -

�Nationale Systeme zur Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung in den
Entwicklungsländern können bei der Erhöhung verfügbarer Reserven helfen und
die rasche Verteilung von Nahrungsmitteln in bedürftigen Gebieten erleichtern.
Aber diese Systeme bedürfen der Hilfe beim Aufbau von Lagerungsmöglichkeiten
und beim Entwurf von Systemen zur Unterhaltung und zur Verteilung von Nahrungsmittelreserven.

Wir ermutigen die Weltbank dazu, stärkere Betonung auf Einrich-

tungen zur Nahrungsmittellagerung und auf Verteilungssysteme zu legen.

Wir

empfehlen darüber hinaus der FAO dringend, mit der Weltbank zusammenzuarbeiten,
woimmer

es bei diesem Unternehmen möglich ist.

Die Rolle der FAO angesichts der bevorstehenden Herausforderung
-

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In den über 30 Jahren ihres Bestehens kann die FAO eine hervorragende
Leistungsbilanz vorweisen. Bei der Sammlung und Verbreitung von Statistiken
über Erzeugnisse, bei der Unterstützung von Agrarinvestitionen in Entwicklungsländern und bei anderen Programmen hat die FAO uns allen einen unschätzbaren
Dienst erwiesen. Unser Lob gilt der FAO für ihre gute Arbeit und besonders
für die Unterstützung bei der weltweiten Sicherstellung von Nahrungsmitteln
durch Initiativen wie den Fünf-Punkte-Aktionsplan.
In den Augen der Vereinigten Staaten ist die FAO die wichtigste Organisation der Vereinten Nationen, die sich besonders um Angelegenheiten bemüht,
die mit der Welternährungslage und der Landwirtschaft zu tun haben. Da die
Bekämpfung von Hunger und Unterernährung das Hauptanliegen der FAO sein sollte,
empfehlen wir ihr dringend, einen größeren Anteil ihrer Mittel in die Länder
mit niedrigem Einkommen und mit Nahrungsmitteldefiziten zu leiten.
Unserem Vorschlag gemäß kann die FAO diesen Ländern dabei helfen, Strategien auf dem Nahrungsmittelsektor zu entwickeln, Interventionsprogramme für
Ernährung durchzuführen und Erfordernisse im Bereich der Nahrungsmittellagerung und -Verteilung zu beurteilen.

Wir ermutigen die FAO auch dazu, noch

aktiver die Beschäftigung auf dem Land zu unterstützen - mit besonderer Beach-

- 7 -

�Beachtung der Bedürfnisse der Ärmsten und der am meisten Benachteiligten.
Die FAO hat viele eben dieser Bereiche in ihrem Plan für mittelfristige Zielsetzungen hervorgehoben.
Die FAO kann eine schwerwiegende Informationslücke schließen, indem sie
Daten im Bereich der Agrarinvestitionen in den Entwicklungsländern sammelt
- sowohl intern als auch extern.

Als Teil der Verfolgung der Ziele der Welt-

konferenz über Agrarreform und ländliche Entwicklung (WCARRD), kann die FAO
den Fortschritt der ländlichen Entwicklung überwachen.
Es wird somit deutlich, daß die FAO eine entscheidende Rolle dabei spielen
kann, wie wir uns der Herausforderung im Bereich der Ernährung und der Landwirtschaft in den nächsten 20 Jahren
kämpfen.

stellen.

Aber wir müssen alle zusammen

Die Herausforderung ist zu gewaltig, um von einer einzigen Organi-

sation allein bewältigt zu werden.
In einer Reihe weltweiter Debatten, die gerade beginnen, werden die internationalen Entwicklungsziele für die achtziger Jahre dargelegt. Die FAO kann
die größte Wirksamkeit entfalten, wenn sie ihre Arbeit an diesen Zielen ausrichtet, zusammen mit den anderen multilateralen Organisationen, die sich mit
dem Problem der Welternährung und der Landwirtschaft befassen.
Durch ihre Programme außerhalb des normalen Budgets hat die FAO enge
Bindungen zum Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen. Sie arbeitet auch
eng mit der Weltbank zusammen, indem sie Gutachten für mögliche Investitionen
erstellt und sollte diese Zusammenarbeit auch bei Strategien im Ernährungsbereich und bei der Beurteilung von Nahrungsmittellagerung fortführen. In Verfolgung der WCARRD-Ziele wird die FAO auch mit der Einsatzgruppe der Vereinten
Nationen für ländliche Entwicklung und anderen Organisationen zusammenarbeiten
müssen. Wir erwarten auch, daß die FAO weiterhin ihre Politik und Programme
mit dem Welternährungsrat und dem Internationalen Weizen-Rat in einer gemeinsamen Anstrengung koordiniert, um die weltweite Sicherung auf dem Nahrungsmittel sektor zu verstärken.
Die

�Die Arbeit der FAO kann durch gemeinsame Aktivitäten mit bilateralen
Gremien verbessert werden.

Das gemeinsame Programm der FAO und der amerika-

nischen Hilfe für die Sahel-Länder illustriert die Segnungen gemeinsamer Anstrengungen.

Die FAO könnte auch die Entwicklung einer engeren Zusammenarbeit

mit Organisationen außerhalb des Regierungsbereichs ausloten, von denen viele
über umfangreiche Mittel und Fachwissen bei landwirtschaftlichen Entwicklungsprogrammen verfügen.

Die Rolle der Vereinigten Staaten im internationalen Ernährungssystem
Die Vereinigten Staaten haben auf die weltweiten Erfordernisse reagiert,
indem sie auf angemessene Nahrungsmittel Produktion für den kommerziellen und
konzessionellen Verkauf hinarbeiteten.

Wir haben für das Erntejahr 1980

die Programme zur Rücklage von Weizen und Futtermittel aufgehoben, um unsere
Farmer zur Ausweitung ihrer Produktion zu ermutigen.

In einer Anstrengung zum Schutz unserer Erzeuger gegen zeitweilige Unausgeglichenheiten bei Angebot und Nachfrage und zur Aufrechterhaltung von
Investitionsanreizen haben wir durch Reserven im Besitz der Farmer selbst
Stabilität in die amerikanische Landwirtschaft eingebaut.

In weniger als zwei Jahren lagerten unsere
Weizen und Futtermittel als Reserven ein.

Farmer 33 Millionen Tonnen

Als die Preise in diesem Frühjahr

und Sommer stiegen, zogen die Bauern nahezu 12,6 Millionen Tonnen dieser Reserven ab und bedienten (vom 1. Oktober an) die wachsende Nachfrage.

Indem

sie das Angebot in einer Periode der verstärkten Nachfrage ausweiteten, stabilisierten die Reserven die Welthandels- und die Inlandpreise.
Mittels dieser Reserve waren wir in der Lage, den Umfang der Nahrungsmittelproduktion auch in Perioden relativ niedriger Preise beizubehalten.
Es ist daher für die Vereinigten Staaten wesentlich, ihre Produktionskapazität
zu erhalten.

Als ein Land, das Getreide zu niedrigen Kosten produziert, haben

- 9-

�haben die Vereinigten Staaten in dieser Hinsicht eine besondere Verpflichtung.
Wir stellen fest, daß unsere landwirtschaftliche Erzeugung ein wesentlicher
Faktor ist, um die Sicherstellung der Welternä'hrung zu gewährleisten.

Aber

wir erkennen auch, daß die amerikanischen Farmer ihre Produktion nur dann erhöhen, wenn ihnen nach Abzug ihrer Kosten noch ein vernünftiges Einkommen
bleibt.
Die Vereinigten Staaten sind traditionell ein Hauptlieferant bei der
Nahrungsmittelhilfe.

Gegenwärtig stellen wir nahezu zwei Drittel der globalen

Unterstützung im Nahrungsmittelbereich.

In diesem Jahr beläuft sich unser

Beitrag auf 1,4 Milliarden Dollar oder nahezu 6,5 Millionen Tonnen landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

So lange es notwendig ist, werden wir versuchen,

durch bilaterale und multilaterale Programme kurzfristigen Notlagen und Hungersnöten entgegenzusteuern.
Am 14. August verabschiedeten wir neue Gesetze, um den am schwersten
betroffenen Ländern noch mehr zu helfen. Im Rahmen des Gesetzes für internationale Entwicklung und Zusammenarbeit von 1979 betont die amerikanische
bilaterale Unterstützung diejenigen Programme, die die Nahrungsmittelversorgung in den Entwicklungsländern erhöht und denjenigen Ländern die Nahrungsmittelbeschaffung erleichtert, die besonders arm und im Bereich der Ernährung
verwundbar sind.
Ein Hauptziel der Vereinigten Staaten ist es, den Entwicklungsländern
bei der Verbesserung ihrer eigenen Nahrungsmittel Produktion und -Verteilung
zu helfen.

Langfristig gesehen bedeutet Sicherung im Nahrungsmittelbereich,

daß die Entwicklungsländer ihren Pro-Kopf-Verbrauch an Nahrungsmitteln zumindest beibehalten, wenn möglich sogar erhöhen können.

Nahezu die Hälfte

unserer bilateralen wirtschaftlichen Entwicklungshilfe entfällt auf landwirtschaftliche und ländliche Entwicklung.
In den kommenden Jahren werden wir versuchen, einen noch größeren Anteil
unserer Nahrungsmittel- und Entwicklungshilfe jenen Entwicklungsländern mit
niedrigem Einkommen zufließen zu lassen, die zu erhöhter Inlandsproduktion von
- 10 -

�von Nahrungsmitteln und zu ausgeglichenerer Verteilung von Nahrungsmitteln
und landwirtschaftlichen Erzeugnissen ermutigen.
Internationale Agrarforschung könnte eine treibende Kraft zu erhöhter
Agrarproduktion sein.

Wir haben regelmäßig nahezu 25 Prozent der Mittel der

Konsultativgruppe für internationale Agrarforschung (CGIAR) beigetragen.
In unserer Eröffnungsansprache auf der 24. Vollversammlung der Vereinten Nationen kündigten wir unsere Unterstützung für eine Verdoppelung der Mittel des
internationalen Forschungssystems bis 1985 an.
Im Jahr davor schuf das amerikanische Amt für Internationale Entwicklung
(AID) auch das Unterstützungsprogramm für gemeinsame Forschung (CRSP). Mit
seiner Hilfe soll versucht werden, die Zusammenarbeit zwischen ausgewählten
amerikanischen Universitäten und Institutionen der Entwicklungsländer zu erleichtern. Derzeit laufen unter diesem Programm drei Projekte&gt;und 21 weitere
Projektbereiche wurden abgesteckt.
Im Haushaltsjahr 1978 verteilten die Vereinigten Staaten nahezu 556 Millionen Dollar ihrer bilateralen Hilfsmittel an Landwirtschaft, ländliche
wicklung und Ernährung.

Ent-

Im Haushaltsjahr 1979 brachten wir für diese Ziele

schätzungsweise 610 Millionen Dollar auf und haben für das Haushaltsjahr 1980
715 Millionen Dollar vom Kongreß angefordert.
Eine immer größer werdende Zahl von Entwicklungsländern kann inzwischen
als "Länder mit mittlerem Einkommen" bezeichnet werden. Obwohl viele dieser
Länder aus unseren bilateralen Auslandshilfsprogrammen herausgewachsen sind,
benötigen sie doch immer noch unser technisches Know-how, um ihre Nahrungsmittelproduktion und -Verteilung zu verbessern. Die Vereinigten Staaten haben
ihre technische Kooperationsprogramme beträchtlich ausgeweitet, um die Nachfrage nach fortgeschrittener Technologie zu befriedigen. Im letzten Jahr
haben wir in kooperativen Vereinbarungen mit mehr als 30 solcher Länder gemeinsame Beschlüsse hinsichtlich der Bereiche des wissenschaftlichen und technologischen Austausches gefaßt.
Zum
- 11 -

�Zum Beispiel riefen wir ein gemeinsames Programm mit unserem südlichen
Nachbarn (Mexiko) ins Leben, um die Bebauung von trockenem und halbtrockenem
Land zu verbessern.

Ebenso zielt das Programm auf die Ausweitung von Beschäf-

tigungsmöglichkeiten und Einkommenschancen in dem dortigen landlichen Gebiet.
Die Vereinigten Staaten haben aktiv daran mitgearbeitet, die Anwendung
der neuen Wissenschaft und Technologie im Bereich des Getreideanbaus in den
Entwicklungsländern zu fördern.

Es wurde ein interbehördlicher Mechanismus

geschaffen, speziell um Ländern dabei zu helfen, neue Unternehmen zur Züchtung
und Vermarktung neuer landwirtschaftlicher Produkte in tropischen und trockenen
Gebieten zu errichten.
Schließlich möchte ich betonen, daß die Vereinigten Staaten auch weiterhin Wege suchen werden, um den Handel für Nahrungsmittel und landwirtschaftliche
Produkte mit den Entwicklungsländern auszuweiten. Die Vereinigten Staaten sind
heute der größte Importeur von landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus der Dritten
Welt. Im Haushaltsjahr 1978 beliefen sich die amerikanischen Einfuhren von
Nahrungsmitteln und landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus den Entwicklungsländern auf fast 9,4 Milliarden Dollar - 500 Millionen mehr als unsere Agrarausfuhren in diese Länder. Im Haushaltsjahr 1979 stiegen unsere Rohstoffeinfuhren
aus den Entwicklungsländern auf 10,6 Milliarden Dollar. Die bei den Multilateralen Handelsverhandlungen erreichten Konzessionen sollten sogar zu noch mehr
Handel im Agrarbereich zwischen den Entwicklungsländern und den Vereinigten
Staaten und der übrigen Welt führen.

Schlußfolgerung
Die Vereinigten Staaten sind ein verantwortungsvoller Partner im Weltagrarsystem und werden es bleiben. Wir werden unseren Beistand den unterschiedlichen Ansprüchen der Länder mit geringem und mittlerem Einkommen anpassen.
Wir werden auch weiterhin das Land sein, das die höchsten Beiträge an die multilateralen Behörden zahlt, während wir zugleich unsere bilateralen Programme
auszuweiten suchen. Und wir werden unsere Politik so gestalten, daß sowohl
- 12 -

�sowohl die Versorgung mit Nahrungsmitteln als auch das technische Know-how
bereitgestellt wird, das die Welt benötigt.

Genau wie Sie erkennen wir die

Dringlichkeit der Herausforderung,vor der wir stehen:

die Bekämpfung von

Hunger und Unterernährung in den vor uns liegenden Jahrzehnten.

Wir freuen

uns auf die Zusammenarbeit mit der FAO und mit Ihnen allen bei diesem Unternehmen.

Gehen wir gemeinsam voran.

- 13 -

�I

Uüirt/choft
»

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. November 1979

45

BERGSTEN RECHNET MIT STÄRKERER US-HANDELSPOSITION UND STÄRKEREM DOLLAR
- Ausführungen des US-Unterstaatssekretä'rs in Boston -

BOSTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für internationale Angelegenheiten im amerikanischen Finanzministerium, C. Fred Bergsten, rechnet mit
einem Abbau des Defizits der Leistungsbilanz der Vereinigten Staaten im
Jahre 1979 auf wenige Milliarden Dollar und für 1980 sogar mit einem
Überschuß. Ferner erwartet er eine weitere Stärkung des US-Dollar und
lehnt die Behauptung ab, eine "Dollarschwäche" rechtfertige eine Erhöhung
der ölpreise. Die Ausführungen des Unterstaatssekretärs vor dem World
Affairs Council (Rat für Weltpolitik) in Boston am 13. November 1979 haben
folgenden Wortlaut:
Vor etwas über einem Jahr haben die Vereinigten Staaten in augenfälliger Weise eine Reihe von Maßnahmen zur Stärkung des Dollar auf den
Devisenmärkten durchgeführt.

Im Laufe der letzten vier Wochen haben

wir eine Reihe weiterer Schritte vorgenommen, die diese Anstrengungen
ergänzen und verstärken.
Es ist

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Es ist daher nützlich, noch einmal die Ereignisse auf dem internationalen Währungsgebiet während der letzten zwölf Monate zu betrachten,
und zwar unter dem Gesichtspunkt dreier entscheidend wichtiger Fragen:
-

Ist eine größere Stabilität der Devisenmärkte erreicht worden?

-

Hat eine grundlegende Angleichung der zugrundeliegenden Ungleichheiten stattgefunden?

-

Funktioniert das internationale Währungssystem gut genug, oder
sind weitere Verbesserungen seines Funktionierens notwendig?

Es hat in dem genannten Zeitraum sicherlich Enttäuschungen gegeben,
die unsere Bemühungen zurückgeworfen haben. Die Inflation hat sich
beschleunigt. Die ölsituation hat eine starke Auswirkung auf Preise,
Wachstum und Zahlungsbilanzungleichheiten hier und im Ausland.
Ich meine jedoch, daß auch ein erheblicher Fortschritt erzielt worden
ist, daß man diesem Fortschritt zu wenig Beachtung geschenkt hat:
-

Der Dollar ist stärker geworden und dem Durcheinander auf den
Devisenmärkten ist Einhalt geboten worden.

-

Der Prozeß der Angleichung der Zahlungsbilanzen ist fast lehrbuchmäßig abgelaufen.

-

Die Auswirkung des ölpreises und der Ölversorgungslage hat den
Blick etwas abgewendet von der erfolgreichen Anpassung der großen
Ungleichgewichte der Vereinigten Staaten, der Bundesrepublik
Deutschland und Japans, die in den letzten Jahren die Hauptursachen
für die Instabilität auf den Devisenmärkten waren.
Es liegt
- 2 -

�-

Es liegt also auf der Hand, daß das Wä'hrungssystem wirksam
funktioniert, wobei wir allerdings in diesem Zeitraum auch die
Notwendigkeit für eine Weiterentwicklung erkannt - und uns in
diese Richtung in Marsch gesetzt haben.

Die Entwicklungen auf den Devisenmärkten
Es mag angebracht sein, meine Darlegungen damit zu beginnen, daß
ich an die Lage auf den Devisenmärkten im Herbst vorigen Jahres erinnere.
Obwohl die Vereinigten Staaten begonnen hatten, Fortschritte beim Abbau
ihres Rekordhandels- und Leistungsdefizits zu erzielen, wurde das Vertrauen
in unsere Fähigkeit, eine stabile Position zu erreichen, durch die
steigende Inflation und die Verzögerungen in der Verwirklichung eines
Energieprogramms untergraben. Es traten schwere und anhaltende Unruhen
auf den Devisenmärkten auf, die zu einer übertriebenen Abwertung des
Dollar führten. Im Monat Oktober fiel der Dollar scharf gegen praktisch
alle wichtigen Währungen zurück.
Dieser übertriebene Rückgang des Dollar trug unnötigerweise zur
Inflation in unserer eigenen Wirtschaft bei. Da der Dollar die Schlüsselwährung der Welt bleibt, bedrohte dieser Rückgang auch die Stabilität
des gesamten internationalen Finanzsystems. Dies wiederum bedrohte unsere
eigene Wirtschaft - weil jeder achte Arbeitsplatz in der Produktion in
unserem Lande und jeder dritte Hektar landwirtschaftlich genutzten Landes
für den Export arbeiten, und weil fast ein Dollar von drei Dollar der
amerikanischen Körperschaftsgewinne aus internationalen Tätigkeiten
(Investitionen wie Exporten) amerikanischer Firmen stammt.
Es bedurfte daher kräftiger, direkter Maßnahmen, um die psychologische
Atmosphäre zu überwinden, das Vertrauen wiederherzustellen und eine Grund-

�Grundlage für größere internationale Finanzstabilität zu schaffen.
Unsere Maßnahmen begannen im August 1978 mit einer intensivierten Anstrengung zur Kontrolle der Inflation.

Zu diesen Maßnahmen gehörte

eine Reihe von Schritten in der Währungspolitik und die Einführung von
Lohn-Preis-Richtlinien.

Die einzelnen Schritte wurden jedoch, jeder

für sich allein betrachtet, als unzureichend angesehen und verstärkten
sogar noch die negative Atmosphäre.
Am 1. November 1978 gaben die Vereinigten Staaten ein Paket von
Maßnahmen bekannt, um den Dollar im eigenen Land und im Ausland zu stärken.
Zu dem Paket gehörte eine damals als beispiellos betrachtete Erhöhung
des Diskontsatzes um ein Prozent und andere Maßnahmen für eine straffere
Währungspolitik, erhöhte Goldverkäufe zur Verbesserung der Handelsposition
und die Mobilisierung von bis zu 30 Milliarden Dollar an Devisenmitteln,
um den amerikanischen Anteil an den gemeinsamen Marktinterventionen zusammen mit der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz und Japan zu finanzieren und wieder stabile Verhältnisse herzustellen.
Nach einer kurzen Zeitspanne, in der man die offiziellen Absichtserklärungen testete kamen die Devisenmärkte wieder zur Ruhe und im
ersten Halbjahr ergab sich eine steigende Dollarnachfrage. Abschwächungen
und Steigerungen kehrten wieder zu normalen Werten zurück. Es setzte
ein starker Nettokapitalzufluß nach den Vereinigten Staaten ein, als die
Titel mit kürzeren Laufzeiten aufgegeben wurden.
Trotz dieser Ende 1978 ergriffenen Maßnahmen stieg unsere Inflationsrate ständig weiter an. Dies hatte zur Folge, daß am Markt wieder eine
Baissestimmung gegenüber dem Dollar aufkam. Die Kurve der Besorgnis
stieg - zwar mit Schwankungen, aber im September 1979 mit wachsender
Stärke und in die Wechselkurse kam wieder eine gewisse Bewegung» Die
Aufmerksamkeit konzentrierte sich jedoch nicht allein auf den Dollar.
Die Deutsche Mark zeigte im Europäischen Währungssystem (EWS) wachsende

- 4 -

�wachsende Stärke, was zu Spekulationen über eine Neufestsetzung der
Kurse innerhalb dieses Systems führte, was aber auch den Dollar unter
neuen Druck brachte.
Drei Faktoren halfen diese Episode zu beenden: eine Neuanpassung
der Wechselkurse innerhalb des Europäischen Währungssystems, Maßnahmen,
die die amerikanische Bundesbank am 6. Oktober ergriff und die darauffolgenden Maßnahmen des US-Finanzministeriums. Trotz der Periode, in
denen der Dollar unter Druck geriet, steht der Dollar heute erheblich
über dem Stand vom vergangenen Oktober. Gemessen im handelsgewichteten
Durchschnitt gegenüber den Währungen der anderen großen Industrieländer,
hat der Dollar einen Wertzuwachs von etwa 8 Prozent erfahren, einschließlich
eines 35prozentigen Wertzuwachses gegenüber dem japanischen Yen und
einer dreiprozentigen Steigerung gegenüber der Deutschen Mark.
Der Dollar ist auch um etwa 8-12 Prozent höherbewertet im Vergleich
zu den Hauptwährungen, die zur Bezahlung der Importe für die OPEC benötigt
werden. (Die genaue Zahl hängt von der dabei angewandten Durchschnittsbewertung ab). Entgegen dem weitverbreiteten Eindruck, daß sich der
Dollar seit Jahresmitte wesentlich abgeschwächt habe, hat er sich seit
der OPEC-Konferenz im Juni um zwei Prozent gegenüber dem Durchschnitt
der anderen Hauptwährungen verstärkt. Dieser Punkt ist außerordentlich
wichtig, weil der "schwächere Dollar" manchmal als Rechtfertigung für
erhöhte öl preise angeführt wird. Die Realität steht dazu im Gegensatz.
Die erneute Stärke des Dollar hat eine Reihe von Ursachen. Ganz
eindeutig haben die Maßnahmen vom 1. November 1978 und unsere darauffolgenden Aktionen eindrucksvoll unter Beweis gestellt, daß wir entschlossen
sind, mit den Unruhen an den Devisenmärkten fertigzuwerden. Wir werden
weiterhin aktiv in den ausländischen Devisenmarkt eingreifen, wenn die
Bedingungen dies erfordern und es stehen uns hierzu ausreichende Hilfsmittel zur Verfügung. In diesem Zusammenhang hat das Finanzministerium

- 5 -

�Finanzministerium kürzlich auf Deutsche Mark lautende Wertpapiere im
Gegenwert von 1,1 Milliarden Dollar ausgegeben und

plant ein weiteres

Angebot bis zur Höhe von 2 Milliarden Deutsche Mark im Januar.
Wir haben außerdem beim Verkauf von Gold ein flexibleres Programm
aufgestellt, das mit dazu beitragen soll, die spekulativen Turbulenzen
am Goldmarkt zu verhindern, weil durch sie eine Instabilität auf anderen
Warenmärkten und den Devisenmärkten verursacht wurde.

In Zukunft werden

die amerikanischen Goldverkäufe den verschiedensten Änderungen in bezug
auf Menge und Zeitpunkt des Angebots unterliegen und dadurch die Unsicherheiten und die Risiken, die mit der Goldspekulation verbunden sind,
erhöhen.

Diesem neuen Programm entsprechend wurden am 1. November 1,25

Milliarden Unzen Gold verkauft.

Der Anpassungsprozeß
Interventionen am Devisenmarkt und andere Bemühungen der direkten
Einwirkung auf die Marktkräfte können natürlich nur dann von Erfolg sein,
wenn sie eine solide Grundlage haben. So konnten wir im November 1978
einen kühnen Schritt tun, weil wir zuversichtlich waren, daß die Grundtendenzen in der richtigen Richtung liefen - und im Rückblick zeigt
sich, daß wir recht hatten, insofern sich die amerikanische Außenposition
bereits nach dem ersten Quartal dieses Jahres merklich zu bessern begonnen
hatte.
In der Tat ist inzwischen eine erhebliche Verbesserung in der
Bilanz der laufenden Posten der Vereinigten Staaten zu verzeichnen. Im
vergangenen November hatten wir eine Halbierung des Defizits von 14
Milliarden Dollar im Jahre 1978 auf 6-8 Milliarden Dollar im Jahre 1979
in Aussicht genommen, unter der Voraussetzung keines weiteren Dlpreis-

- 6 -

�öl Preisanstiegs.

Nun sind aber die ölpreise um mehr als 60 Prozent ge-

stiegen - eine Entwicklung, mit der niemand rechnete und die unsere
ölrechnung für 1979 um rund 16 Milliarden Dollar erhöht hat.
Trotzdem betrug das Defizit unseres laufenden Kontos während der
ersten Hälfte dieses Jahres nur 1 Milliarde Dollar. Man rechnet für
das gesamte Jahr mit einem Defizit von höchstens einigen Milliarden Dollar
Für 1980 rechnen wir damit, daß die Vereinigten Staaten einen ganz
erheblichen Überschuß ihres laufenden Kontos verzeichnen können, immer
vorausgesetzt, daß die ölpreise nicht mehr als die Preise für andere
Güter steigen. Ja, wir erwarten, daß die Vereinigten Staaten bei weitem
den höchsten Überschuß in ihrem laufenden Konto außerhalb der OPECStaaten haben werden.
Die Verbesserung der amerikanischen Leistungsbilanz ist auf zwei
entscheidende Entwicklungen zurückzuführen.

Erstens:

unser Handels-

defizit in den ersten drei Quartalen des Jahres 1979 liegt mit einer
Jahresrate von 6 Milliarden Dollar unter dem 34 Milliarden-Dollar-Defizit
im Jahre 1978 - trotz des Anstiegs um 16 Milliarden Dollar bei den ölimporten.

Unsere Handelsbilanz ohne das öl hat sich im Verlauf der

letzten sechs Quartale um die gewaltige Jahresrate von 44 Milliarden
Dollar verbessert.
Bis Ende September dieses Jahres wird das Volumen der nicht-landwirtschaftlichen Exporte um schätzungsweise 20 Prozent höher sein als
im gleichen Zeitraum des Jahres 1978. Gleichzeitig erhöhte sich das
Volumen der Nichtöl-Einfuhren um nur zwei Prozent.

Da der Umfang des

Welthandels insgesamt um fünf bis sechs Prozent angewachsen ist, wird
offenkundig, daß sowohl unsere e&lt;port- als auch importorientierten
Industrien große Fortschritte hinsichtlich ihres Marktanteils gemacht
haben.

Die sich hinziehenden Auswirkungen wettbewerbsmäßiger Gewinne

aus früheren Wechselkursänderungen sowoie die Verlagerungen bei den

- 7 -

�den relativen Wachstumsraten haben zu dieser wesentlichen Verbesserung
der Wettbewerbsposition der Vereinigten Staaten geführt.

Im Jahre J.980

werden diese Faktoren zu einer anhaltenden Verbesserung unserer Gesamthandelsbilanz beitragen, obwohl die Kosten für unsere ölimporte um
weitere 10 Milliarden Dollar in etwa ansteigen werden - sogar auf der
Basis der gegenwärtigen Preise.
Zweitens:
transaktionen

der Überschuß der Vereinigten Staaten an Dienstleistungswächst ebenfalls schnell an.

Er liegt gegenwärtig um

sieben Milliarden Dollar über dem Überschuß von 20 Milliarden Dollar,
der im Jahre 1978 erzielt wurde.

Die Einkünfte aus den amerikanischen

Direktinvestitionen im Ausland waren besonders hoch, was die verbesserten
Ertragschancen aus Auslandstätigkeiten in dem Maße reflektiert, wie das
Wachstum im Ausland zunahm und was auf die Auswirkungen vergangener
Wechselkursbewegungen zurückzuführen ist.

Im Jahre 1980 sollten weitere

Fortschritte auf diesem Gebiet zu einem sogar noch größeren Dienstleistungsüberschuß führen.
Hierbei ist zu beachten, daß die Vereinigten Staaten bei der derzeitigen Höhe unseres Dienstleistungsüberschusses ein Warenhandelsdefizit
von fast 30 Milliarden Dollar hinnehmen können und dabei immer noch
einen Überschuß in ihrem laufenden Konto ausweisen würden - der beste
Einzelindikator für die internationale wirtschaftliche Position eines
Landes. Die Struktur unseres laufenden Kontos ist somit sehr verschieden
von der Japans und der Bundesrepublik Deutschland, die beide ein beträchtliches Dienstleistungsdefizit ausweisen und daher einen beträchtlichen
Überschuß im Warenhandel erzielen müssen, um ihre Gesamtbilanz auszugleichen.
Neben der Verbesserung der amerikanischen Position erleben wir auch
eine sehr bemerkenswerte Anpassung in den Positionen der anderen großen
Industrieländer. Insbesondere hat die Position Japans eine dramatische

�dramatische Wendung erfahren.

Für 1979 wird mit einem beträchtlichen

japanischen Defizit gerechnet - möglicherweise in der Größenordnung von
7-8 Milliarden Dollar, im Gegensatz zu dem im Jahre 1978 erzielten
Überschuß von 16,5 Milliarden Dollar.

Das bedeutet einen Umschwung

in der japanischen Position um 20-25 Milliarden Dollar in nur einem
Jahr.

Außerdem aber dürfte Japan auch 1980 weiterhin im Defizit ver-

bleiben.

Der Überschuß der Bundesrepublik - der sich im Jahre 1978 auf

runde 9 Milliarden Dollar belief - ist in diesem Jahr nahezu aufgehoben
und ein geringes Defizit ist für das nächste Jahr wahrscheinlich.
Diese Entwicklungen zeigen klar und deutlich, daß der internationale
Anpassungsprozeß wirkt. Sicherlich gibt es - wie wir immer gewußt haben eine beträchtliche Verzögerung zwischen den Veränderungen in relativen
Preisen und Wachstumsraten auf der einen Seite und den Handelsflüssen
auf der anderen Seite. Jedoch sind die Ergebnisse jetzt für alle klar
ersichtlich - so wie sie es übrigens nach den Wechselkursanpassungen
Anfang der siebziger Jahre waren.
Diese Anpassungen werden so etwa im Verlauf des nächsten Jahres ein
System von Zahlungsbilanzen zwischen den großen Industriestaaten
entstehen lassen, das ein entscheidender Faktor für eine größere Stabilisierung des Devisenmarktes sein wird.
Gleichzeitig aber ist offenkundig, daß selbst ausgewogene Positionen
im laufenden Konto nicht genügen, um die Devisenmärkte zu stabilisieren,
sofern nicht ein vernünftiges Maß von Vertrauen in die Angemessenheit der
Wirtschaftspolitiken der großen Länder besteht und speziell in die Entschlossenheit der verantwortlichen Stellen in den Vereinigten Staaten,
nicht nachzugeben, bis die Inflation unter Kontrolle gebracht ist.
Preise für Lebensmittel und Energie haben zeitweilig die Kurve
der amerikanischen Preisindizes in den Bereich zweistelliger Zahlen

- 9 -

�Zahlen getrieben.

In den kommenden Monaten wird dieser Druck nachlassen,

wenn die Lebensmittelpreise in der Folge guter Ernten nachgeben und die
Maßnahmen der OPEC von der Wirtschaft voll verkraftet sind - immer vorausgesetzt allerdings, daß es nicht einen neuen Anstieg der ölpreise gibt.
Aber die bestehende Inflationsrate ist immer noch viel zu hoch und
muß unter Kontrolle gebracht werden.

Die Bandbreite von Maßnahmen der

amerikanischen Politik ist auf dieses Ziel gerichtet.

Die jüngsten Maßnahmen

der amerikanischen Bundesbank zur Drosselung eines vermehrten Geldumlaufs
sind eine starke Medizin und werden beibehalten.

Eine disziplinierte

Finanzpolitik wird die von der Bundesbank unternommenen Anstrengungen
ergänzen.

So sind in den letzten beiden Jahren bereits mehr als 30

Milliarden Dollar von dem Hochbeschä'ftigungs-Budget für Spar- und Einschränkungsprojekte übergegangen.

Die zwischen Administration und Gewerk-

schaften erzielte nationale Übereinkunft schaffte eine Basis für ein
wirksameres Programm der Lohn-Prefs-Mäßigung auf dem privaten Sektor.
Doch hat sich die Inflation tief in unsere Wirtschaftsstruktur eingefressen
und es wird eine längere Zeitspanne äußerster Einschränkung notwendig
sein, um sie auszurotten.

Die Entwicklung des internationalen Währungssystems
Die Wirtschaftsprobleme der letzten zehn Jahre haben den Vereinigten
Staaten die Interdependenz der Volkswirtschaften eindringlich und klar
vor Augen geführt. Unsere Fähigkeit, allein und unabhängig mit diesen
Problemen fertigzuwerden, ist weit eingeschränkter als viele wahrhaben
wollen. Unsere tatsächliche wirtschaftliche Souveränität ist weitaus
geringer als unsere Souveränität, die wir dem Namen nach haben. Der
Erfolg unserer Anstrengungen, die Inflation unter Kontrolle zu bringen,
zufriedenstellendes Wachstum zu erzielen und einen starken und stabilen

- 10 -

�stabilen Dollar zu erhalten, wird durch die Handlungsweisen anderer in
entscheidendem Maße beeinflußt.
Die wirtschaftlichen Realitäten der Interdependenz haben jedoch die
institutionellen Mechanismen zu ihrer Bewältigung weit hinter sich gelassen. Trotz des oben erwähnten Fortschrittes bei der Angleichung
nationaler Zahlungsbilanzpositionen sind wir uns alle nur allzu deutlich
der sich wiederholenden Ausbrüche von Instabilität im Währungssystem und
der häufigen Verzögerungen beim Ergreifen wirkungsvoller Anpassungsmaßnahmen bewußt. Wir befinden uns noch immer in den Anfängen eines
Systems der flexiblen Wechselkurse und benötigen weitere Verbesserungen
seiner Funktionstüchtigkeit. Auf der Tagesordnung der achtziger Jahre
muß die Entwicklung eines Rahmens stehen, der sicherstellt, daß die internationalen Dimensionen der Wirtschaftspolitiken sich angemessen in den
nationalen politischen Entscheidungen widerspiegeln.
Die Übereinkünfte des Internationalen Währungsfonds (IWF) stellen
einen nützlichen Ausgangspunkt in den kritischen Bereichen der mulitlateralen
Behandlung der Weltwirtschaft und der internationalen Geldliquidität dar.
Während die neuen Klauseln den Mitgliedern genug Raum bei der Wahl der
Wechselkursarrangements geben, erlegen sie doch die Verpflichtung auf,
wirtschaftliche Stabilität zu fördern und unfaire Wettbewerbspraktiken
bei den Wechselkursen zu vermeiden - was in einer Welt mit hoher Inflation
Anstrengungen einschließen kann, die Wechselkursraten künstlich hoch zu
halten, im gleichen Maß, wie eine Welt, die von übermäßigen Arbeitslosenraten in Anspruch genommen worden war, vor den regelmäßigen nationalen
Anstrengungen stand, die Wechselkurse künstlich niedrig zu halten.
Der IWF wurde mit erweiterter Verantwortung ausgestattet, um die
Funktionen des Systems zu überwachen und um sicherzustellen, daß die
Mitglieder diese Verpflichtungen erfüllen.

Im Bereich der Überwachung

hat der Fonds Prinzipien zur Unterrichtung von Mitgliedern bei der Durch-

- 11 -

�Durchführung ihrer Wechselkurspolitik entwickelt, sowie Verfahren und
Kriterien zur Beurteilung der Politik von Mitgliedern.

Die Richtlinien

und die Verfahren des IWF stellen fest, daß die Überwachung die ganze
Bandbreite der wirtschaftspolitischen Maßnahmen einschließen muß, die
die Zahlungsbilanzen sowie die Wechselkurspraktiken selbst berühren.
Die Überwachungsrolle stellt potentiell eine wesentliche Stärkung
der Möglichkeit des IWF dar, eine gesunde Weltwirtschaft zu fördern.

Denn

in der Vergangenheit beschränkte sich die Möglichkeit des Fonds, Mitglieder
zu beraten und zu einer angemessenen Politik zu ermutigen, hauptsächlich
auf Fälle, bei denen ernste Zahlungsbilanzprobleme Länder dazu nötigten,
sich vom Fonds Kredite geben zu lassen.

Die neuen Bestimmungen erweitern

die Vollmachten des Fonds und finden Anwendung auf Länder, die ihre Mittel
nicht nützen, einschließlich solcher, die eine positive Bilanz aufweisen
oder anderweitige Finanzierungsquellen erschlossen haben.

Diese ausge-

wogenere Betrachtung dürfte die Wirksamkeit des IWF erhöhen.
Verständlicherweise ist der IWF bei der Ausübung dieser Befugnis
sehr zurückhaltend, aber die Zeit ist für ihn gekommen, eine aktivere
Rolle zu spielen. Folglich haben die Vereinigten Staaten mehrere Schritte
vorgeschlagen, um die IWF-Überwachung zu stärken. Dazu gehören Maßnahmen
zur Bewertung der Leistungen eines bestimmten Landes im Vergleich zu
vereinbarten weltweiten Normen; die Aufforderung an Länder mit großen
Überschüssen oder Defiziten in ihrer Bilanz, dem IWF zur Kontrolle eine
Analyse vorzulegen, welche Vorschläge sie zur Überwindung dieser Bilanzunstimmigkeiten machen; eine aktivere Rolle für den Geschäftsführenden
Direktor des IWF bei der Herbeiführung von Konsultationen zwischen den
Mitgliedern; und die Errichtung eines Gouverneursrates mit Entscheidungsbefugnis, der den Beratenden Interimsausschuß ersetzt. Diese Schritte
könnten ein wichtiger Beginn bei der Entwicklung einer wirkungsvollen
Rolle des IWF sein, den Angleichungsprozeß der Zahlungsbilanzen zu
steuern.
Hand

�Hand in Hand mit der größeren Interdependenz zwischen den Ländern
ging ein größeres Gleichgewicht hinsichtlich der wirtschaftlichen Bedeutung.
Während der Dollar die zentrale Währung für internationale Reserven und
Liquidität bleibt, zeigen auch andere Währungen eine gesteigerte Kapazität
für eine internationale Rolle.

Die Entwicklung eines Mehrwährungssystems

würde jedoch ein unerwünschtes Langzeitpotential für Instabilität und
Zerrissenheit beinhalten, da dann die Möglichkeiten, von einer Währung
auf eine andere überzugehen, noch größer wären als heute.

Folglich besteht

erhöhtes Interesse an multilateralen Anstrengungen zur Regulierung der
weltweiten Liquitität.

Das Interesse konzentriert sich auf Anstrengungen zur Stärkung der
Rolle der Sonderziehungsrechte (SDR).

Die Sonderziehungsrechte wurden

1969 geschaffen als zusätzliche Liquiditätsquel1e, die sich nicht auf
Gold oder Zahlungsbilanzdefizite des Landes der Reservewährung stützte.
Die Unsicherheit der siebziger Jahre mit der raschen Ausdehnung einer
währungsgestützten Liquitität verzögerten die umfassende Entwicklung der
SDR.

Dennoch setzen die neuen IWF-Bestimmungen das Ziel fest, die SDR

zum wichtigsten Reserveinstrument im Währungssystem zu machen.

Zur Förderung der SDR wurde eine Reihe bedeutender Schritte unternommen.

Sie haben Gold als die zentrale Werteinheit des IWF ersetzt,

dienen als Maßeinheit für das System, als Rechnungseinheit und als Mittel
vieler IWF-Abschlüsse.

Zuteilungen der Sonderziehungsrechte wurden wieder

aufgenommen, wobei SDR im Umfang von 4 Milliarden jährlich im Zeitraum
von 1979-81 verteilt wurden.

Die Zinssätze der SDR wurden mit den Zins-

sätzen des Marktes stärker in Übereinstimmung gebracht, und die Anzahl
der Abschlüsse, bei denen SDR benutzt werden können, wurde erhöht, wodurch
die Möglichkeit der SDR verbessert wurde, mit anderen Reservewerten zu
konkurrieren.

Der IWF erwägt derzeit die Errichtung eines Substitutionskontos, bei

- 13 -

�bei dem Dollar und möglicherweise andere Währungen gegen auf SDR denominierte
Werte getauscht werden können.

Der Interimsausschuß folgerte auf seinem

jüngsten Treffen in Belgrad, daß ein korrekt entworfenes Konto zur Verbesserung des Systems und zur Förderung der Rolle der SDR beitragen könnte
und beauftragte den Exekutivrat des Fonds für nächsten April mit einem
weiteren Bericht.
Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß die Entwicklung eines
Substitutionskontos der internationalen Gemeinschaft insgesamt eine
Reihe von Vorzügen bietet.

Die SDR sind ein abwechslungsreiches Instrument,

das seiner Natur nach weniger Wechselrisiken beinhaltet als Anteile einer
einzelnen Währung.

Ein Substitutionskonto könnte ein international

anerkanntes, rißfestes Mittel für Länder sein, die gewünschte Zusammensetzung ihres Währungsbestands zu erzielen, ohne eine Reihe von Landeswährungen halten zu müssen.
wichtigen Schritt

Die Errichtung eines Kontos würde einen

zum klügeren Gebrauch der SDR darstellen und

zu ihrer

langfristigen Entwicklung als den wichtigsten Reservewert.
Es gibt jedoch viele schwierige Fraben bei der Errichtung eines
solchen Kontos und bei der Aufteilung der mit seinem Unterhalt verbundenen
Kosten. Zum Beispiel müssen Fragen beantwortet werden, die den Zinssatz
und die durch dieses Konto herausgegebene Liquidität seiner Werte angehen,
die Investition von Dollareinlagen, den Betrag und Verwendung von Zinsgewinnen sowie Maßnahmen, um die Kapital struktur des Kontos aufrechtzuerhalten. Dies sind überaus komplexe Themen und wir können nicht sicher
sein, ob und wann befriedigende Antworten gefunden werden. Dennoch
erachten die Vereinigten Staaten diese Anstrengung als lohnend und nehmen
auf kooperative, konstruktive Weise daran teil.

- 14 -

�Schlußfolgerung
Ich ziehe die folgenden Schlüsse aus der Bewertung der internationalen
Währungsentwicklungen des letzten Jahres und der gegenwärtigen Situation:
-

Erstens:

Eine Hauptquelle des Drucks und der Instabilität auf

den Devisenmärkten der letzten Jahre - das große amerikanische
Defizit und die großen deutschen und japanischen Überschüsse ist verschwunden. Die Struktur der Zahlungsbilanzen der wichtigsten
Staaten gibt eine gesunde Grundlage für die Stabilität der Devisenmärkte ab.
-

Zweitens: Diese Veränderungen zeigen, daß der internationale
Anpassungsprozeß funktioniert. Um das Funktionieren dieses
Prozesses noch zu verbessern, ist es jedoch wesentlich, Korrekturmaßnahmen frühzeitig zu ergreifen, bevor die Probleme sich von
selbst verschärfen und tiefgreifende Schritte erfordern. Der
IWF könnte in dieser Hinsicht eine viel größere Rolle spielen.

-

Drittens: Wir sollten nicht überrascht und auch nicht beunruhigt
sein, wenn die relative Rolle des Dollar im internationalen
Finanzgeschäft im Lauf der Zeit eine Tendenz zur Verkleinerung
aufweisen wird.

Anstelle eines Mehrwährungssystems von ziemlicher

Instabilität könnten wir Zeuge eines allmählichen Auftauchens
der Sonderziehungsrechte als wesentlicher Faktor der internationalen
Geldwirtschaft werden.
Schließlich ist klar, daß alle Lösungen unserer gegenwärtigen Probleme
internationale Antworten benötigen.

Der Mechanismus für kooperatives

Handeln muß verstärkt werden, um eine wirksame weltweite Behandlung des
Anpassungsprozesses bei den Zahlungsbilanzen und die Bestimmung internationaler Liquidität zu ermöglichen.

Wir leben in einer Welt gegenseitiger

- 15 -

�gegenseitiger Abhängigkeit und unsere Politiken und Institutionen müssen
sich auf diese Tatsache gründen.

+ + + + +

•

16

�an
I

Im
CO

31

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. November 1979

45

COMPUTER ALS VERBÜNDETER BEI DER SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG
Simulationsmodelle sollen Bedeutung von Einzelfaktoren klären helfen

- (AD) - Die Gewohnheiten und Lebenszyklen von Pflanzenschädlingen
untersuchen Wissenschaftler vom Institut für Tropenlandwirtschaft der Universität Florida in Gainesville unter Verwendung von Computermodellen.
grund der in Florida gewonnenen

Auf-

Erfahrungen will man Bauern in Entwicklungs-

ländern, insbesondere in tropischen und subtropischen Regionen, sowie landwirtschaftlichen Kleinbetrieben in den Vereinigten Staaten und Europa in Gebieten mit Vielfruchtanbau helfen, Schädlingsprobleme besser zu meistern.
Die Entomologen Dr. Carl Barfield und Dr. Jerry Stimac, dazu der Biologe Dr. Philip Koehler, wählten zwei einheimische Schädlinge für den Aufbau
von Datenmodellen aus:

Den Heerwurm (Raupe der Baumwollmotte) und eine vor

allem auf Leguminosen, Sojabohnen und Erdnüsse "spezialisierte" Raupenart.
Im Südosten der Vereinigten Staaten befallen sie gerne Feldkulturen bis hin
zum Mais.

Den Farmern machemsiie die wirksame Bekämpfung sehr schwer.

Denn

sie haben eine hohe Mobilität und sind bei ihrer Nahrungssuche keineswegs wählerisch.

An wild wachsenden Pflanzen wie Nutzpflanzen richten sie oft ver-

heerende Schäden an.
Für

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel. 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Für die Wissenschaft ist es von großer Bedeutung, mehr und Genaueres
über Entwicklung, Mobilität, Vermehrung und Nahrungsbedarf dieser Schädlinge
herauszufinden.

Nach Dr. Barfield könnten sie aus besonders warmen Gegenden

in Florida, aber auch aus Kuba und Inseln südlich von Kuba, ja sogar aus Südamerika, der Halbinsel Yukatan oder aus Mexiko kommen.

Man habe gelegentlich

beobachtet, daß sie mit Tiefruckgebieten ziehen und auf diese Weise weit in
den Norden, gelegentlich bis nach Kanada gelangen.
Erst wenn die Brutstätten genau bekannt sind, ist eine enge Zusammenarbeit
mit Wissenschaftlern und Behörden der betreffenden Regionen zur gezielten Bekämpfung der Schädlinge möglich.

Wie die Mitarbeiter des Instituts von

Gainesville erklärten, sei auch die bessere Kenntnis ökologischer Zusammenhänge
sehr wichtig.

Man müsse z.B. ihre natürlichen Feinde (Vögel, Insekten) kennen

und wissen, von welchen Krankheiten sie befallen werden können und ob bzw. welche Witterungsbedingungen ihre Entwicklung und ihr Verhalten beeinflussen.
Für einen Teil der vielen offenen Fragen versucht man in den ökokammern des
Schädlingsforschungsinstituts von Gainesville eine Antwort zu finden.

Dort

werden die Insekten unter ganz konstanten klimatischen Bedingungen gehalten und
sehr genau beobachtet.

Dabei zeigte sich z.B., daß ihre Eiablage sehr viel

größer ist, wenn sich die Futterpflanze in einem ganz bestimmten Reifestadium
befindet.

Vor und nach diesem Zeitpunkt sind sie weniger produktiv.

Diese

Beobachtung gab den Wissenschaftlern erste Hinweise auf Faktoren, die für den
Ausbruch regelrechter Epidemien eine Rolle spielen.
In der Anfangsphase des Programms kombiniert man noch herkömmliche mit
neuen Forschungsmethoden: Studenten suchen mit Farmern und deren Helfern die
Felder ab, um den Grad des Schädlingsbefalls zu ermitteln und dabei auch mögliche andere Krankheitsfaktoren bei den Kulturen zu erkennen. Die Ergebnisse
der Feldbegehung werden für das Computerzentrum des Instituts zusammengefaßt.
Vorläufiges Ziel ist es, daß schon eine Stunde nach der Feldbegehung die Datenverarbeitung abgeschlossen ist und die Ausarbeitung in der Form von Tabellen
und Diagrammen über den Schädlingsbefall vorliegt. Ältere Unterlagen von der
Datenbank des Instituts über Befunde früherer Feldbegehungen werden eingeblendet, um die Tendenz deutlicher zu machen und so den Farmern zu helfen, das in
- 2 -

�in der betreffenden Wachstumsphase wirksamste Pestizid in der optimalen Dosierung anzuwenden.
Auf der Basis des gesamten Datenmaterials möchte Dr. Stimac, der sich auch
eingehend mit Systemanalysen befaßt, schließlich Simulationsmodelle entwickeln,
bei denen u.a. Wetterverhältnisse, Bearbeitungs- und Anbauverfahren, Art des
verwendeten Düngers, Bodenbeschaffenheit, Kosten und viele andere Faktoren berücksichtigt sind. Auch die möglichen Auswirkungen verschiedenartigen Vorgehens
unter den jeweiligen Bedingungen und die Absatzmöglichkeiten für den einzelnen
Farmer sollen durchgespielt werden. Angesichts dieser gründlichen Vorarbeit
werden die Farmer, so hoffen die Wissenschaftler, darauf verzichten, bei der
Schädlingsbekämpfung nach eigenem Gutdünken zu handeln und vielleicht nicht mehr
korrigierbare Fehler zu machen.
Die Forscher beabsichtigen nicht, eine Computertechnik zu entwickeln, die
dem Landwirt alle Entscheidungen abnimmt.

Vielmehr soll ihm der Computer Ent-

scheidungshilfen an die Hand geben und so gute und umfassende Informationen liefern, daß er die bestmögliche Entscheidung treffen kann.

- 3 -

�31

M.

3

rji

Wi//en/chcift
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. November 1979

45

TOPFGUCKER IN DER ERZKÜCHE VON MUTTER ERDE
- Forschungs-U-Boot ALVIN sondiert heiße Quellen im Ostpazifik -

- (AD) - Mit dem bewährten amerikanischen Klein-Unterseeboot ALVIN begann unter der Leitung von Dr. John M. Edmond vom Massachusetts Institute of
Technology (MIT) in Boston am 2. November 1979 eine neue Serie von Tauchexperimenten. Sie dienen der Erforschung einer Region mit extrem heißen Quellen
am Grund des Ostpazifik in einem Gebiet, das zum sog. Ostpazifischen Rücken
gehört. Dieser ist ein hauptsächlich unterseeisch verlaufender Gebirgszug,
aus dem nur wenige Inselgruppen, z.B. die Oster- und Galapagos-Inseln, über
die Wasseroberfläche ragen. Es erstreckt sich vom Raum südöstlich von Neuseeland quer durch den östlichen Pazifik bis nach Niederkalifornien.
Im gegenwärtigen Forschungsbereich nahe dem Golf von Kalifornien waren
bei vorangegangenen Untersuchungen erstmals Vorgänge und Bedingungen beobachtet worden, die mit der Entstehung und Anreicherung von Erzen in direktem Zusammenhang stehen. Langfristiges Ziel des Projekts ist es, ein Geheimnis lüften
zu helfen, das die Wissenschaft seit vielen Jahren beschäftigt - die Frage nämlich, wie Mineral vorkommen am Boden der Tiefsee zu den Gebirgen verfrachtet
werden, die den Pazifik umgeben.
Schon

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Schon seit langem wird vermutet, daß gewisse Zusammenhänge zwischen
Schollenbewegungen der Erdkruste und der Existenz wertvoller Erzlager auf dem
Festland bestehen.

Durch Aufquellprozesse von Material aus dem Erdmantel an

den unterseeischen "Nahtstellen" von zwei Schollen, wo die Erdkruste unter
Umständen sehr dünn sein kann, dringen Minerale in oberflächennahen Meeresboden ein.

Dort machen sie, wenn Druck- und Temperaturverhältnisse günstig

sind, Umsetzungen durch, die der Bildung und Anreicherung von Erzen bestimmter
Gruppen von Wertmetallen wie Kupfer, Nickel, Eisen und Silber zugute kommen.
Die unterseeischen Erzanreicherungen im Ostpazifischen Rücken haben große
Ähnlichkeit mit den Kupfervorkommen auf Zypern, die seit Jahrtausenden abgebaut werden.

Ihre Beschaffenheit und ihr Reichtum führten bereits zu Spekula-

tionen, daß diese Erze einst im Meeresboden in einem Gebiet entstanden sein
könnten, wo Schollen der Erdkruste auseinanderdrifteten.
entlang des Ostpazifischen Rückens der Fall.

Genau das ist derzeit

Die "Ausbreitung" des Meeres-

bodens, d.h. die von der Riftzone nach beiden Seiten fort gerichtete Dehnung
("Seafloor Spreading"), beträgt hier ca. 10 cm pro Jahr.

Nach geologischen

Maßstäben ist das eine ungewöhnlich hohe Geschwindigkeit.
Das Anfang November angelaufene Forschungsprojekt, das im Februar 1980
beendet werden soll, bezeichnet Dr. Edmond als "das Aufregendste, was in der
geologischen Forschung zur Zeit im Gange ist". Das Unternehmen wird von der
Nationalen Wissenschaftsstiftung der NASA (National Science Foundation - NSF)
finanziert. Auf amerikanischer Seite sind Wissenschaftler vom MIT, von der
Universität Kalifornien in San Diego und Santa Barbara, vom Lamont-DohertyInstitut für Geologie (Columbia-Universität, New York) und vom Meeresforschungsinstitut Woods Hole (Massachusetts) beteiligt. Eine mexikanische Forschergruppe ist mit von der Partie. Mit dem 7,6 m langen Forschungs-U-Boot ALVIN
geht der Schiffsführer mit jeweils zwei Wissenschaftlern an Bord auf Tiefen
von nahezu 2500 m in einem Wasserbereich, wo Temperaturen um 370 Grad Celsius
und mehr auftreten.
Wegen

- 2 -

�Wegen dieser hohen Temperaturen mußten neuartige Instrumente zur Entnahme von Wasserproben und für Temperaturmessungen entwickelt werden.
die Geräte, die bei der vorangegangenen

Denn

Expedition im Mai 1979 verwendet

wurden, hielten dem heißen Wasser nicht stand.

Manche begannen sogar zu

schmelzen.
Mutterschiff von ALVIN ist LULU, ein 30 m langer Katamaran mit Heimathafen Woods Hole. Die einzelnen Operationen im Mündungsbereichs des Golfes
von Kalifornien erfolgen jeweils von der mexikanischen Hafenstand Mazatlan
aus.
Wie Dr. Edmond erklärt, sei das Projekt geeignet, zum besseren Verständnis von Prozessen beizutragen, die zur Anreicherung von Mineralien mit der
Bildung von Erzschlamm und schließlich auch zur Verfrachtung solcher Erzanreicherungszonen führen. "Je mehr wir darüber wissen, desto besser werden
wir die kostbaren Rohstoffquellen sowohl an Land als auch unter Wasser nutzen
können", meint der Wissenschaftler. Wegen der großen technischen Probleme
sei es allerdings sehr unwahrscheinlich, daß unterseeische Mineral vorkommen
dieser Art schon in absehbarer Zeit kommerziell abbaufähig würden.

- 3 -

�</text>
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