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                  <text>Information
und
Dokumentation

1=1 IM• ^

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. November 1979

44
INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Carters zum Einfuhrstopp für iranisches Dl
- Wortlaut -

HINTERGRUNDMATERIAL
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TNF-Modernisierung:
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Eine Herausforderung für die NATO

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- Von Dr. Leslie H. Gelb -

INFORMATION
Sicherheit von Kernkraftwerken muß verbessert werden
- Empfehlungen der von Präsident Carter eingesetzten Untersuchungskommission -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Ozonschicht stärker gefährdet als zunächst vermutet
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- Studie der NAS Haaranalysen zeigen Umweltverschmutzung auf
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- Neue Versuche in den USA -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Tel: 02221-89 32 40
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I 3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

44

14. November 1979

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS ZUM EINFUHRSTOPP FÜR IRANISCHES ÖL
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter gab am 12. November 1979 über
Rundfunk und Fernsehen eine Erklärung ab, in der er die Einstellung der amerikanischen Erdöl einfuhren aus dem Iran ankündigte.
Die Erklä'rung hat folgenden Wortlaut:
Wir sehen uns im Iran auch weiterhin in einer schwierigen Lage, da unsere Botschaft besetzt und mehr als 60 amerikanische Bürger als Geiseln in
dem Versuch festgehalten werden, unserem Land unannehmbare Forderungen aufzuzwingen. Wir bedienen uns aller verfügbaren Kanäle, um die Sicherheit der
Geiseln zu gewährleisten und um ihre Freilassung sicherzustellen.
Gemeinsam mit den Familien der Geiseln habe ich die Zurückhaltung begrüßt und bewundert, den die Amerikaner im Verlauf dieser Krise zeigen. Wir
müssen auch weiterhin solche Zurückhaltung an den Tag legen - trotz der Macht
unserer Gefühle. Das Leben unserer Mitbürger im Iran steht auf dem Spiel.

Ich

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�•

Ich muß den Ernst der Lage betonen.

Es ist für die Vereinigten Staaten

und jede andere Nation von lebenswichtigem Interesse, daß das Leben des diplomatischen Personals und anderer Bürger im Ausland geschützt wird und daß wir
uns weigern, die Anwendung von Terrorismus und Geiselnahme gutzuheißen, um politische Forderungen durchzusetzen.
Niemand sollte die Entschlossenheit der amerikanischen Regierung und des
amerikanischen Volkes in dieser Sache unterschätzen.

Es ist notwendig, jeden

Gedanken von uns zu weisen, daß wirtschaftlicher Druck unseren Standpunkt hinsichtlich grundlegender Prinzipien schwächen könnte.
sein.

Unsere Haltung muß klar

Ich ordne daher an, den Kauf von öl aus dem Iran zum Vertrieb in dieses

Land einzustellen.
Diese Ereignisse machen hinreichend die Notwendigkeit deutlich, den Ölverbrauch hier in den Vereinigten Staaten einzuschränken. Ich fordere jeden
amerikanischen Bürger und jedes amerikanische Unternehmen dazu auf, ihre Anstrengungen zu verdoppeln, um die Verwendung von ölprodukten herabzusetzen.
Diese Tat stellt eine echte Herausforderung für unser Land dar. Sie wird eine
Bewährungsprobe für unsere Stärke und für unsere Entschlossenheit sein.
Ich habe Energieminister Duncan angewiesen, mit dem Kongreß sowie anderen
bundesstaatlichen, einzelstaatlichen und kommunalen Stellen und mit führenden
Industriellen zusammenzuarbeiten, um zusätzliche Maßnahmen zur öleinsparung
auszuarbeiten und mit dieser neuen Lage fertigzuwerden. Wir werden uns darum
bemühen, eine ausgeglichene und faire Verteilung der ölprodukte sicherzustellen
und eine möglichst geringe Störung der Volkswirtschaft unseres Landes zu garantieren.
Diese amerikanischen Maßnahmen müssen Teil einer wirkungsvollen internationalen Anstrengung sein, und wir werden unsere Verbündeten und andere ölverbraucherlander über weitere Schritte zur Verminderung des Ölverbrauchs und
der öleinfuhren konsultieren.
Amerika

�Amerika steht vor einer schwierige Aufgabe und vor einer Bewährungsprobe.
Mut.

Unsere Antwort wird ein Maßstab sein für unseren Charakter und unseren
Ich weiß, daß wir Amerikaner nich

- 3 -

versagen werden.

�14. November 1979

44

TNF-MODERNISIERUNG: EINE HERAUSFORDERUNG FÜR DIE NATO
- Von Dr. Leslie H. Gelb -

Dr. Gelb ist leitender Mitarbeiter der bekannten Carnegie-Stiftung für Internationalen
Frieden und war früher Direktor der Abteilung
für politisch-militärische Angelegenheiten
im amerikanischen Außenministerium. Den nachfolgenden Artikel hat er im Auftrag des Amtes
für Internationale Kommunikation (USICA) geschrieben.

Nukleare Sicherheit in Europa
In wenigen Wochen werden die NATO-Minister darüber entscheiden, ob sie
die Dislozierung neuer Nuklearraketen in Europa billigen werden oder nicht.
Die Sowjetunion hat einen Hagel von Drohungen und Verlockungen losgelassen, um
die Dislozierung zu verhindern.

Die Vereinigten Staaten bringen ihr ganzes

Prestige zugunsten der Dislozierung ins Spiel.

Einer Reihe von Regierungen und

politischen Parteien in Westeuropa bereitet die anstehende Entscheidung Seelenqualen.

Welcher Kurs auch immer eingeschlagen wird, er wird tiefe Auswirkungen

auf die Zukunft der NATO und der Ost-West-Beziehungen haben.

Es

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�Es scheint mir jedoch, daß die Tatsachen und Zusammenhänge, um die es bei
dem Problem geht, nicht ganz verstanden werden.

Das ist nicht überraschend,

denn gerade weil die Angelegenheit von so großer Bedeutung ist, wird sie durch
Propagandawolken und ideologische Reaktionen vernebelt.
Während des ganzen Prozesses blieben einige grundlegende Fragen unbeantwortet, ja, sie wurden nicht einmal gestellt. Welche Typen von Raketen und wieviel neue Raketen genau möchten die Vereinigten Staaten in Westeuropa stationieren, und welche Vorteile und welche Nachteile würden sich daraus ergeben?
Warum regt sich Moskau über die Möglichkeit der Stationierung dieser Raketen
so sehr auf, und ist die Position der Sowjets überhaupt vernünftig?

Warum unter-

breitet die NATO keinen Rüstungskontrollvorschlag zur Begrenzung der Nuklearraketen in Europa, statt auf eine Dislozierung zu drängen?

Was wären die Folgen,

wenn es der NATO nicht gelänge, die Dislozierung der neuen Raketen zu erreichen?

Worum geht 6S bei der Entscheidung über neue Raketen?
Die Militärexperten und Rüstungskontrollspezialisten der NATO sind zu dem
Schluß gekommen, daß aufgrund der veraltenden Kapazität der Nuklearwaffen der
NATO und der Dislozierung neuer Nuklearwaffen der Sowjetunion eine große Notwendigkeit besteht, daß die Nuklearwaffen der NATO modernisiert werden. Dementsprechend haben sie ihren Regierungen empfohlen, daß etwa 250 Abschußanlagen
für landgestützte Marschflugkörper (Cruise Missiles, d.h. Flupkörper mit einem
ähnlichen Antrieb wie ein Flugzeug ohne Pilot) und weiterreichende ballistische
Raketen vom Typ Pershing (Raketen mit Rückstoßantrieb, deren Flugbahn über die
Erdatmosphäre hinausreicht) so bald wie möglich in Europa stationiert werden
sollten. Wenn man von vier Marschflugkörpern pro Abschußanlage und einem nuklearen Gefechtskopf pro Pershing-Rakete ausgeht, dann würde das etwa 600 zusätzliche Nukleargefechtsköpfe für die NATO bedeuten. Im Rahmen des Modernisierungsprogramms würden die Vereinigten Staaten jedoch mindestens 1000 ihrer älteren
Nukleargefechtsköpfe abziehen, so daß unter dem Strich tatsächlich eine Verringerung der Zahl der Waffen in Westeuropa einträte. Die neuen Raketen werden
nicht vor 1983 einsatzbereit sein.
n.

�Die Marschflugkörper könnten, von westeuropäischen Ländern abgefeuert,
Moskau erreichen.
aber nicht Moskau.
pazität?

Die Pershing-Raketen könnten sowjetisches Gebiet erreichen,
Handelt es sich damit also um eine neue amerikanische Ka-

Ja und nein.

Ja in dem Sinne, daß die Vereinigten Staaten in Europa

keine Raketen stationiert haben, die Ziele in der Sowjetunion erreichen könnten.

Nein in dem Sinne, daß viele der in und um Europa stationierten amerika-

nischen Flugzeuge über diese Kapazität verfügen.

Man kann also fairerweise

sagen, daß die NATO-Regierungen im Grunde aufgefordert werden, ihre Kapazität
zu modernisieren und nicht, ein neues Wettrüsten zu beginnen.

Die Sowjetunion

hat auf jeden Fall bereits über 100 ballistische Raketen vom Typ SS-20 disloziert, die, von sowjetischem Territorium abgefeuert, Ziele in ganz Europa erreichen können, und es werden ständig weitere solche Raketen disloziert.

Warum wird die Modernisierung der TNF-Waffen der NATO als wichtig angesehen?

Die NATO-Strategie der flexiblen Antwort (flexible response) ist darauf
angelegt, auf jeder Ebene einer von der Sowjetunion durchgeführten Aktion die
entsprechende Gegenmaßnahme zu ergreifen.

Es ist natürlich wichtig, daß in

diesem Gewebe der Abschreckung keine Löcher sind.

Wenn die NATO nur über die

Mittel verfügte, eine Vergeltung anzudrohen, die in keinem Verhältnis zu einer
sowjetischen Initiative stünde, dann könnte das Risiko entstehen, daß der
Kreml daran zweifelt, ob wir unsere Drohung überhaupt wahrmachen würden.
Wenn es der NATO an der echten Fähigkeit mangelt, sowjetisches Territorium
mit einem Risiko unterhalb der Schwelle der zentralen strategischen Systeme
Amerikas in Schach zu halten, dann könnten sich die Sowjets Hoffnungen machen,
daß sie Westeuropa mit Systemen in Schach halten könnten, die im Schutze Rußlands disloziert sind.

Die NATO braucht also eine Kapazität, die ihren Mit-

gliedern einen weiten Bereich glaubwürdiger Optionen bietet und ihre konventionellen Waffen, TNF und strategischen Nuklearwaffen miteinander verbindet.

Die meisten Experten sind zwar der Auffassung, daß die Vereinigten Staaten
die Kapazität besitzen und weiterhin besitzen werden, um diese Strategie durchzuführen, aber den sowjetischen Führern könnten Zweifel daran kommen.
- 3 -

Im Laufe

�Laufe der letzten zehn Jahre haben die Sowjets auf dem Gebiet der interkontinentalen Nuklearstreitkräfte eine Parität mit den Vereinigten Staaten erreicht.
Und obwohl diese strategische Parität die strategische Verpflichtung der Vereinigten Staaten gegenüber der NATO nicht schwächt, so erhöht sie doch die Notwendigkeit des Gleichgewichts auf der Ebene der Nuklearstreitkräfte in und für
Europa (TNF), und hier haben die Dislozierungen der Sowjetunion in den letzten
Jahren ein echtes Problem geschaffen.
Moskau hat bereits eine große Zahl von mobilen Raketen des Typs SS-20
disloziert, die Mehrfachgefechtsköpfe mit größerer Reichweite, Treffsicherheit
und Überlebensfähigkeit ins Ziel bringen können als die früheren Generationen
sowjetischer Raketen.

Ferner hat die Sowjetunion eine große Zahl von Backfire-

Bombern disloziert, die sehr viel bessere Kampfeigenschaften besitzen als die
bisher gegen Europa dislozierten sowjetischen Flugzeuge.

Im Gegensatz dazu

sind die weiterreichenden TNF-Systeme der NATO zahlenmäßig schwächer, kleiner,
veraltend und bestehen gänzlich aus Flugzeugen, die dringend für konventionelle
Einsätze gebraucht werden.
Damit besteht die Herausforderung der NATO zur Aufrechterhaltung einer
glaubwürdigen Abschreckung darin, sich vor einer sowjetischen Fehlkalkulation
in folgender Richtung zu schützen: Die Vorstellung, daß die strategische Parität die Vereinigten Staaten daran hindern könnte, ihre Interkontinentalraketen gegen die Sowjetunion einzusetzen, könnte Moskau dazu veranlassen, die
SS-20 gegen Europa einzusetzen, wohl wissend, daß die NATO nicht mit ähnlichen
Waffen von Stützpunkten in Europa aus reagieren könnte.
Solche Vorstellungen der Sowjets könnten, verbunden mit der entsprechenden
Kapazität, auch zu politischen Problemen in der NATO führen. Die Möglichkeit
offerierend, daß bestimmte europäische Länder einen nuklearen Angriff vermeiden
könnten, indem sie die Dislozierung der neuen amerikanischen Flugkörper auf
ihrem Boden verbieten, und die amerikanische Glaubwürdigkeit in Frage stellend,
könnte Moskau darauf spekulieren, unterschiedliche Sicherheitsvorstellungen und
-interessen innerhalb des Bündnisses zu schaffen. Im übrigen könnte allein die

�die Tatsache der sowjetischen TNF-Aufrü'stung und einer Tatenlosigkeit des
Westens im Westen selbst Anlaß zu Zweifeln an dem Zusammenhalt und der Lebenskraft der NATO geben.

Die Entscheidung, die neuen Raketen zu dislozieren, wird daher als der
beste Weg betrachtet, die mögliche Schwächung der Abschreckung und die derzeitigen Bedrohungen des Zusammenhalts im Bündnis zu beheben.

Aber hat dieser Weg nicht auch Nachteile?

Es könnten zwei Probleme entstehen.

Einmal könnte der Aufbau einer

amerikanischen Nuklearkapazität in Europa zu dem Eindruck führen, daß die
strategischen Interkontinental Streitkräfte der Vereinigten Staaten nicht zur
Verteidigung Europas eingesetzt würden und daß damit die amerikanischen Sicherheitsinteressen von den europäischen abgekoppelt würden.

Aber das würde nur

stimmen, wenn die NATO an die Errichtung einer eurostrategischen Streitmacht
dächte, d.h. an eine Kapazität, die den weitreichenden TNF der Sowjets voll
entsprechen und an die Stelle der amerikanischen strategischen Streitkräfte
als letztliche Drohung und Abschreckung treten würde.

Die 600 neuen Waffen,

von denen gesprochen wird - im Zusammenhang mit einer neuerlichen Verringerung
der amerikanischen Kernwaffen in Europa - sollen die Kapazität nur auf einen
neueren Stand bringen und dabei das ganze Spektrum der Abschreckung aufrechterhalten.

Sie sind in keiner Weise als Ersatz für die Grundabschreckung der

Vereinigten Staaten gedacht.

Zweitens, würde nicht ein Land, das der Dislozierung dieser Flugkörper
auf seinem Territorium zustimmt, Ziel eines sowjetischen Nuklearangriffs werden?

Es ist nur schwer zu glauben, daß Moskau in der Praxis einen kämpfenden

NATO-Staat von dem Risiko eines Nuklearangriffs ausnehmen würde.

Es mag Leute

geben, die glauben möchten, daß die Ablehnung der Verantwortung sie vor künftigem Leid bewahren würde, aber welche Beweise gibt es dafür?
Warum

- 5-

�Warum sind die Sowjets über die Aussicht auf die Dislozierung so erregt?
Es überrascht nicht, daß Moskau das derzeitige Kräfteverhältnis als fair
empfindet.

Die Sowjets sehen das Kräfteverhältnis aber auf mehr als eine Weise

anders als wir.

Wir in der NATO betrachten die 600 neuen Gefechtsköpfe als

Teil der Aufrechterhaltung der Abschreckung in Europa.

Die Sowjets betrachten

sie als 600 weitere amerikanische Gefechtsköpfe, die ihr Territorium treffen
können und die nicht unter die Begrenzungen von SALT II fallen.
Moskau stellt diese Dislozierungen als den Beginn eines neuen Wettrüstens
in Europa dar.

Es ist jedoch eine Tatsache, daß Moskau damit begonnen hat, seine

TNF zu modernisieren und zahlenmäßig zu verstärken, nicht die NATO. Als
Breschnew kürzlich erklärte, Moskau habe seine nuklearen Mittel Streckenwaffen
"während der letzten zehn Jahre nicht um eine einzige Rakete, ein einziges
Flugzeug" verstärkt, vergaß er zu erwähnen, daß die UdSSR tatsächlich die Zahl
ihrer Nukleargefechtsköpfe für Mittel Streckenwaffen erhöht hat.
Die NATO erwägt, mit einem maßvollen - und kleineren - Modernisierungsprogramm zu antworten, das darauf abzielt, die Stabilität wieder herzustellen
und die Sowjets davon zu überzeugen, daß es töricht und nutzlos wäre, einen
einseitigen Vorteil anzustreben.

Das Modernisierungsprogramm der NATO braucht

im übrigen, wie ich bereits ausgeführt habe, keineswegs zu einem Aufbau führen, denn in Wirklichkeit findet es im Rahmen einer Verringerung des amerikanischen Nukleararsenals in Europa statt.

Warum versucht die NATO nicht trotzdem, zu einem Rüstungskontrollabkommen mit
Moskau zu gelangen, bevor sie ihre Streitkräfte modernisiert - oder anstelle
des Modernisierungsprogramms?
Die NATO ist entschlossen, in einen ernsthaften Rüstungskontroilprozeß
bezüglich der TNF einzutreten. So wie Washington und Moskau über die Begrenzung strategischer Rüstungen verhandeln, wollen und erwarten die europäischen

�europäischen Führer, daß über Begrenzungen der Kernwaffen in Europa verhandelt
werden kann. Die Frage ist, wie dies am besten geschehen kann.
Breschnew hat angeboten, die sowjetischen Mittelstreckenraketen zu verringern, wenn die NATO alle Pläne aufgibt, die neue Pershing-Raketen und Marschflugkörper zu dislozieren.

Er verband dieses Angebot mit plumpen Drohungen

gegen jene NATO-Länder, die neuen Dislozierungen zustimmen könnten.

Mit anderen

Worten, wenn die NATO nichts täte, so sein Angebot, dann würde die UdSSR ihre
neuen Streitkräfte einschränken, aber keineswegs abschaffen.
Es dürfte niemanden überraschen, daß die NATO-Experten in Brüssel diese
Einstellung zur Rüstungskontrolle als recht einseitig bezeichneten. Man kann
sich nur schwer vorstellen, daß Moskau ein gerechtes Rüstungskontroi labkommen
akzeptieren würde, wenn die Sowjets bereits hunderte von weitreichenden Systemen
disloziert haben und die NATO noch nicht einmal eine Entscheidung über solche
Dislozierungen getroffen hat. Dementsprechend empfehlen NATO-Experten, daß
ihre Minister die neuen Dislozierungen von Flugkörpern billigen und gleichzeitig
einen Rüstungskontrollvorschlag unterbreiten. Nach meinen Erfahrungen in Verhandlungen mit Moskau ist das ein ausgewogener und realistischer Vorschlag.
Beide Seiten müssen grundlegend gleiche Rechte haben. Jede Verewigung
oder rechtliche Sanktion der grundlegenden Ungleichheit wäre für die Sicherheit
der NATO und die Entspannung unannehmbar.

Welche Konsequenzen hätte es, wenn die NATO die Dislozierung neuer Flugkörper
nicht billigen würde?
Für mich ist eine positive Entscheidung der NATO, ihre TNF zu modernisieren, von so zentraler Bedeutung für die Sicherheit des Westens wie die Billigung des SALT II-Vertrages für die Zukunft der Entspannung mit der UdSSR. Wir
brauchen beides, obwohl ich nicht dafür bin, das Schicksal des einen mit dem
des anderen zu verknüpfen.
Ich
- 7 -

�Ich möchte die Dinge nicht unnötig dramatisieren, aber wenn die NATO
die Entscheidung über diese Modernisierung nicht treffen kann, ohne zuvor mit
einem RüstungskontrollVorschlag an Moskau heranzutreten, dann wird ein Präzedenzfall geschaffen.

Man würde Moskau einräumen, eine Vorentscheidung auch

über künftige Waffenentscheidungen der NATO zu treffen.

Und wenn sich die

NATO nicht als Bündnis aufraffen kann, eine vernünftige Entscheidung über die
Modernisierung zu treffen, dann kann man sich nur schwer vorstellen, welche
Entscheidungen die NATO überhaupt zu treffen imstande ist.
In unserer Antwort auf die gegenwärtige Situation muß mit dem Idealismus
der Realismus einhergehen. Unsere europäischen Partner müssen bereit sein, die
Modernisierung weitreichender TNF und ihre Stationierung auf ihrem Territorium
zu akzeptieren. Sie müssen ferner bereit sein, die Lasten einer solchen Dislozierung - fair aufgeteilt - zu tragen und ihre politische Einigkeit zu bekräftigen, bevor wir damit rechnen können, in Verhandlungen mit den Sowjets Erfolge zu erzielen. Hier handelt es sich nicht um eine Herausforderung für die
Sowjets, sondern um eine Herausforderung für das Bündnis, die, wenn wir sie
meistern, die NATO in die Lage versetzen wird, mit einer sicheren Abschreckung
und politischem Zusammenhalt in die Zukunft zu blicken - und mit der Aussicht
auf RüstungskontrollVereinbarungen, die den Weg zu Begrenzungen des nuklearen
Wettrüstens in Europa auf lange Sicht ebnen.
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+ + + + +

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1

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Information
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14. November 1979

44

SICHERHEIT VON KERNKRAFTWERKEN MUSS VERBESSERT WERDEN
- Empfehlungen der von Präsident Carter eingesetzten
Untersuchungskommission -

- (AD) - "Es gibt keinen Weg, Atomkraftwerke hundertprozentig risikofrei zu machen - aber sie können wesentlich sicherer gemacht werden, als sie
heute sind."

Zu diesem Schluß kam die von Präsident Carter eingesetzte Kom-

mission, die den Reaktorunfall der Station Three Mi 1e Island bei Harrisburg
(Pennsylvanien) zu untersuchen hatte.

Aufgrund der Aufeinanderfolge der Ereignisse bei dem Unfall am 28. März
1979 und der Ergebnisse der Untersuchungen hinsichtlich der Ausrüstungen der
Reaktorstation sowie der im Anschluß an den Unfall getroffenen Maßnahmen arbeitete die Kommission für ihren am 30. Oktober 1979 veröffentlichten Bericht
44 Empfehlungen aus.

Diese betreffen neben Vorschlägen zu einer generellen

Reorganisation der Nuklearen Aufsichtskommission (Nuclear Regulatory Commission - NRC), die auch die Stärkung des Wissenschaftlichen Sicherheitsrates
umfassen soll, vor allem die Genehmigungs- und Inspektionspraxis der NRC, die
Ausbildung des Personals von Atomkraftwerken mit ständiger Kontrolle des Ausbildungsniveaus durch die NRC, die Handhabung der nuklearen Technik seitens
der Kraftwerksbetreiber und der Industrie, einschließlich deren Einstellung zur

Postfach 20 03 00 Tel: 02221D5300 Bonn 2
Telex:08-£

�zur Anwendung der Kernenergie, sowie Sicherheitsfragen in medizinischer Sicht.
Die Kommission empfiehlt u.a. eine Verbesserung der Kontrolle durch die
NRC unter folgenden Gesichtspunkten:
- Die NRC muß bei der Erzeugung von Atomkraft der Sicherheit höchste
Priorität einräumen;
- die NRC sollte die Forschung auf dem Gebiet der Reaktorsicherheit ausweiten und intensivieren;
- sobald sich Sicherheitsfragen ergeben, sollten sie innerhalb einer bestimmten Frist gelöst werden;
- die NRC sollte der Inspektion von Anlagen und der Einhaltung von Sicherheitsvorschriften mehr Aufmerksamkeit widmen, sich aber auch darüber klar sein,
daß Vorschriften allein Sicherheit nicht garantieren können;
- die NRC sollte systematisch die Sicherheit der in Betrieb befindlichen
Atomkraftwerke analysieren und sich regelmäßig mit der Frage befassen, ob neue
Sicherheitserfordernisse gegeben sind.

Die in Betrieb befindlichen Atomkraft-

werke wären verpflichtet, den neuen Sicherheitsbestimmungen, die aufgrund dieser periodischen Bewertungen verfügt werden, nachzukommen;
- alle beim Reaktorbetrieb gemachten Erfahrungen, einschließlich der
Beinahe-Unfälle, technischer. Pannen und anderer Sicherheitsproblemen, sollen
systematisch analysiert werden.

Ausbildung
Die Anforderungen an das Ausbildungsniveau und die Voraussetzungen für
die Zulassung des Betriebspersonals und der leitenden Angestellten sind seitens der NRC zu verschärfen;

es müssen Ausbildungseinrichtungen geschaffen
- 2 -

�geschaffen werden, wo das Personal zunächst eine allgemeine Schulung für Kernkraftanlagen erhält und sich dann auf die individuellen Aufgabengebiete spezialisieren kann.
- Für das Betriebspersonal ist Ausbildung, berufliche Zulassung und periodische Fortbildung erforderlich;
- die bei der Ausbildung benutzten Simulatoren sind so zu verbessern,
daß damit die Funktionen und Anzeigewerte der Kontrollräum-Instrumente, der
Betriebsbedingungen, bei denen die Techniker Entscheidungen zu treffen haben,
und Notfall maßnahmen exakter nachgeahmt werden können.

Das Reaktorpersonal

sollte an diesen Simulatoren so ausgebildet werden, daß es bei den verschiedensten Betriebsbedingungen richtig reagiert - und zwar nicht nur bei schwerwiegenden Unfällen, sondern auch bei einer Kette und verschiedenen Kombinationen
kleinerer technischer Pannen, wie diese z.B. dem Unfall von Three Mile Island
vorausgegangen waren.

Kontroll räume
Die Armaturentafeln der Kontroll räume müssen so verbessert werden, daß
jederzeit die kritischsten Elemente in den Betriebsbedingungen leicht wahrgenommen und entsprechende Maßnahmen getroffen werden können.

Betreiber und Lieferindustrie
Die Versorgungsunternehmen, welche Kernkraft nutzen, und die Industrie,
die die Ausrüstungen 1iefert,"müssen (ihre) Einstellung gegenüber Sicherheit
und Vorschriften einschneidend ändern";
- jedes Atomkraftwerk sollte seinen eigenen Sicherheitsausschuß haben,
der fortlaufend die Betriebspraxis überprüft, Qualitätsprüfung gewährleistet,
neue Sicherheitsmaßnahmen entwickelt und der obersten Betriebsleitung direkt
- 3 -

�direkt unterstellt ist;
- Angehörige des Managements, Betriebspersonals und deren Vorgesetzte
müssen "hochqualifiziert" sein und gut bezahlt werden;
- jede Atomkraftanlage muß über eine Organisation verfügen, die für Notfallaufgaben zuständig ist.

Gesundheit und Sicherheit
Forschungsprojekte zur Frage der Auswirkungen von Strahlung auf die Gesundheit sollten besser koordiniert und finanziell unterstütz werden;
- Der Gesundheitsminister sollte alle von der NRC herausgegebenen Erklärungen und Vorschriften, die das Thema Strahlung und Gesundheit berühren,
überprüfen;
- Einzel staatliche oder lokale Behörden sollten Programme für die Ausund Weiterbildung von medizinischem Personal und Katastropheneinsatz-Truppe
in der Nachbarschaft von Atomkraftwerken einrichten bzw. ausweiten;
- die Betreiberunternehmen selbst sollten alle Vorkehrungen für Notfälle
treffen.

Ausrüstungen
Obgleich die Hauptursache für den Unfall in der Station Three Mile Island
menschliches Fehl verhalten war, versagten auch gewisse Komponenten der technischen Ausrüstung; diese sollten überprüft und erforderlichenfalls abgeändert werden - u.a. die Jodfilter, das System für die Wasserstoffrückführung,
das Abgassystem, das Isoliersystem der Sicherheitsschale, das Anzeigesystem für
Wasserhöhen im abgeschirmten Bereich, Strahlenmeßausrüstungen in der Reaktor-

�Reaktorhalle sowie Geräte zur Entnahme von Wasser- und Luftproben;
- alle kritischen Betriebsdaten sollten durch Instrumente fortlaufend
aufgezeichnet und überwacht werden;
- die Unfallwahrscheinlichkeit bei Atomkraftwerken und ihre Konsequenzen,
einschließlich der Folgen eines Niederschmelzens des Reaktorkerns und einer
Vielzahl "kleiner", mit Kühlmittelverlust einhergehenden Störfälle, des Zusammentreffens mehrerer technischer Pannen, erheblicher Störfälle und menschlicher Irrtümer, sollten gründlich untersucht werden.

Weitere Punkte
Im größtmöglichen Umfang sollten neue Kernkraftwerke an Standorten abseits von dichtbesiedelten Gebieten gebaut werden.
- Die NRC sollte von Fall zu Fall und vor Erteilung neuer Bau- und Betriebsgenehmigungen nach folgendem Schema vorgehen:
- Abwägung der Notwendigkeit zur Einführung neuer, verbesserter Sicherheitsmaßnahmen gemäß den Empfehlungen in diesem (Präsidial-)Bericht und gemäß den
Ergebnissen von Studien der NRC und der Industrie; Überprüfung des in Aussicht
genommenen Lizenznehmers als Betreiber der Anlage und der Qualität des von ihm
vorgesehenen Ausbildungsprogramms für das Betriebspersonal im Lichte der in diesem Bericht gegebenen Empfehlungen; und Abstimmung der Lizenzierung mit den
einzelstaatlichen und lokalen Katastrophenschutzmaßnahmen, die gleichzeitig zu
überprüfen und zu genehmigen sind;
- vor Erteilung einer Lizenz müßte der Bundesstaat, in dem die neue Anlage ihren Standort haben soll, einen Katastrophenschutzplan vorlegen, der von
einer Bundesbehörde zu genehmigen ist;
- Journalisten

�- Journalisten sollen sich gründliche Informationen über Kernkraft und
nukleare Technik aneignen, und die NRC soll ein "systematisches Informationsprogramm für die Öffentlichkeit schaffen ..., damit im Fall notstandsbedingter Maßnahmen zum Schutz vor möglicher radioaktiver Strahlung den Medien und
der Öffentlichkeit rechtzeitig und genaue Informationen in verständlicher Form
gegeben werden können."

Der Kongreß wird aktiv
Inzwischen befaßt sich der amerikanische Kongreß mit dem Bericht der von
Präsident Carter eingesetzten Kommission zur Untersuchung des Reaktorunfalls
von Harrisburg. Deren Vorsitzender, Dr. John G. Kemeny, verwies in einem
Hearing darauf, daß die Zukunft der Kernkraft in den Vereinigten Staaten jetzt
davon abhänge, wie die Industrie und die Atombehörde auf die Erfahrungen reagieren, die durch diesen Unfall gemacht worden sind. Bei den notwendigen Veränderungen könne man es nicht mit "technischen Korrektoren" und "neuen Vorschriften" bewenden lassen. Vielmehr müsse das Grundproblem angegangen werden:
der Unsicherheitsfaktor Mensch. "Kernkraftwerke sind verhältnismäßig sicher;
die Menschen, die sie betreiben und leiten, sind es nicht", sagte Kemeny.
Ob Kernkraft sicher gemacht werden könne, hänge von Veränderungen in der Einstellung zu ihr und bei dem mit ihr verbundenen Organisationssystem ab. So
hätte beispielsweise der Unfall in der Station Three Mile Island verhindert
werden können, wenn es innerhalb der NRC und der Industrie Bestrebungen und
Wege zur Auswertung, Überprüfung und entsprechenden Reaktion auf die in allen
72 amerikanischen Atomkraftwerken gesammelten Erfahrungen gegeben hätte.
Beide Häuser des amerikanischen Kongresses, wo die Anhörungen zu dem großen
Fragenkomplex voll in Gang gekommen sind, erwägen jetzt neue Gesetze und ein
Moratorium von mindestens sechs Monaten Dauer für den Bau neuer Atomkraftwerke,
bis, wie der Abgeordnete Morris K. Udall sagte, "sowohl die Industrie als auch
die führenden Leute in den Behörden ihr Haus in Ordnung gebracht haben". Udall
ist der Vorsitzende des Unterausschusses für Energie und Umwelt im amerikanischen
Repräsentantenhaus.
+ + + + +
- 6 -

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14. November 1979

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OZONSCHICHT STÄRKER GEFÄHRDET ALS ZUNÄCHST VERMUTET
- Studie der NAS -

- (AD) - Unter der Einwirkung chemischer Substanzen werde, wie eine neue
Studie der amerikanischen "National Academy of Sciences" (Nationale Wissenschaftsakademie - NAS) besagt, doppelt so viel Ozon in der Erdatmosphäre abgebaut,
wie man noch im Jahr 1976 angenommen und vorhergesagt hatte.

Nach neuesten Mes-

sungen und Berechnungen dürften infolge der fortdauernden Anwendung bestimmter Chemikalien 16,5 Prozent der Ozonschicht zerstört werden.

Davon könnten

acht Prozent bereits in den nächsten 30 Jahren verloren gehen, heißt es in dem
am 8. November 1979 in Washington veröffentlichten Bericht.
Eine solche Entwicklung würde u.a. bedeuten, daß der Schutzschild für
alles Leben auf der Erde gegen den größten Anteil der schädlichen UltraviolettStrahlung von der Sonne eine Schwächung erfährt. Dies hätte beispielsweise zur
Folge, daß die Wahrscheinlichkeit des häufigeren Auftretens von Hautkrebs, aber
auch von genetischen Veränderungen größer wird. Ozon, ein Verband von drei
anstatt der üblichen zwei Sauerstoffatome, ist in der Stratosphäre in Höhe zwischen ca. 12 000 und 60 000 m zu finden. Es hat übrigens auch einen nicht unwesentlichen Einfluß auf das Klima.
Das

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�Das Ozonmolekül wird unter der Einwirkung von Sonnenlicht sowohl aufgebaut als auch zerstört.
wohl ausbalanciert.

In der Natur ist - oder besser war - dieser Prozeß

Denn spätestens seit 1974, als zum ersten Mal amerika-

nische Wissenschaftler auf mögliche negative Auswirkungen bestimmter chemischer
Substanzen auf die atmosphärische Ozonkonzentration aufmerksam machten, weiß
man, daß dieses Gleichgewicht gefährdet ist.
Bei den Chemikalien handelt es sich um reaktionsträge chlorhaltige Verbindungen wie z.B. Fluor-Chlorkohlenwasserstoffe, die unter der Handelsbezeichnung "Freon" bekannt sind.

Weil sie reaktionsträge sind, steigen die Mo-

leküle bis zur Stratosphäre auf, wo sie durch Sonnenlicht aufgebrochen werden.
Chlor und andere Halogene werden freigesetzt.

Und nun kann sich Chlor leicht

mit Ozon verbinden und auf diese Weise das Ozonmolekül zerstören.
Die Vereinigten Staaten haben inzwischen die Verwendung von F-ll und
F-12, die zu den schädlichen Verbindungen gefhören, als Treibgas für Spraydosen verboten. In zahlreichen anderen Ländern werden sie aber nach wie vor
benutzt. Und die Anwendung von Freon für andere Zwecke - z.B. bei Kühlmaschinen, Klimaanlagen, als Aufschäumer für Kunststoffe und als Lösungsmittel - nimmt sogar zu. In dem Bericht heißt es, daß in den letzten zwei
Jahren die Verwendung von Freon-22 für Kühl zwecke um 25 Prozent angestiegen
sei. Die Herstellungsmengen von Methyl Chloroform, ein von der Industrie verwendetes Lösungsmittel, verdoppeln sich alle fünf Jahre.
Seit der Veröffentlichung des NAS-Berichts von 1976 wurden direkte Ozonmessungen in der Stratosphäre fortgesetzt. Gleichzeitig konnten für die Auswertung der Ergebnisse die Berechnungen und Computermodelle für die komplizierten chemischen Umsetzungen in der Atmosphäre ständig weiter verbessert
werden.

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I 3

Wi//en/chcift
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
14. November 1979

44

HAARANALYSEN ZEIGEN UMWELTVERSCHMUTZUNG AUF
- Neue Versuche in den USA -

- (AD) - Der Konzentration und Ausbreitung chemischer Schadstoffe, die
der Mensch beispielsweise mit der Nahrung aufnimmt, sind Wissenschaftler des
Lawrence Berkeley Laboratory (LBL) der Universität Kalifornien durch Haaruntersuchungen auf der Spur.

Die Analyse wird mit einem überaus empfindlichen

Spektrometer durchgeführt, SAXAS genannt.

(SAXAS ist die Abkürzung für

'Scanning Automated X-ray Analysis Spectrometer",

ein Instrument zur automa-

tischen Probenuntersuchung auf der Basis der Fluoreszenzerscheinungen, die
Röntgenstrahlen an den Atomen bestimmer Elemente verursachen.) Das von dem Ingenieur Albert Thompson gemeinsam mit einigen Kollegen entwickelte Instrument
macht es möglich, daß ein einziger technischer Assistent in einer Stunde die
Arbeit auszuführen vermag, für die früher ein ganzes Team eine volle Woche
benötigte.
Vor allem für die Erfassung von Umweltbelastungen durch Schadstoffe sei
das neue Verfahren ein großer Gewinn, berichtet Thompson. "Durch unsere Haaranalysen sind wir bereits einer regelrechten Welle von Vergiftungen auf die
Spur gekommen".
In Haarproben aus dem Irak erfaßte SAXAS hohe Konzentrationen
von Quecksilber. Die Ursache für den überhöhten Quecksilberspiegel war Saat-

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�1

Saatgetreide, das zum Schutz vor Pilzbefall mit einem giftigen Fungizid behandelt und unzulässigerweise für Nahrungsmittel verwendet worden war.

Je

mehr aus dem vergifteten Getreide hergestellte Nahrungsmittel verzehrt wurden,
desto höher war der Quecksilberspiegel in den Haarproben der betreffenden Personen.

Nachdem man der Verwendung des Getreides für Nahrungszwecke jedoch

einen Riegel vorgeschoben hatte, sank die Quecksilberkonzentration in den
Haarproben allmählich wieder ab.
Daß chemische Haaruntersuchungen sehr aufschlußreich sein können, ist
seit langem bekannt.

Haar wächst ziemlich gleichmäßig, durchschnittlich 1 cm

im Verlauf eines Monats.

Es baut dabei alle Elemente ein, die in dieser Zeit

in den Stoffwechsel des betreffenden Organismus gelangt sind.

Ähnlich wie

geologische Schichten zeigt es an, wie sich die Konzentration von Substanzen
innerhalb einer bestimmten Frist verändert.

Allerdings verlangen Haarproben

langwierige und mannigfaltige Tests, bis sie ihre Geheimnisse preisgeben
können.
Die im LBL angewandte Methode der Röntgenstrahlen-Fluoreszenz-Spektroskopie erklärt Albert Thompson folgendermaßen: "Wenn Röntgenstrahlen die Haarprobe durchdringen, regen sie die Atome vorhandener Elemente an, ihrerseits
Röntgenstrahlen von charakteristischer Energie und Intensität zu erzeugen.
Wir erfassen diese sekundäre Strahlung mit einem Scanner. Dies ist ein
Silizium-Detektor, der ein sehr hohes Auflösungsvermögen für die verschiedenen Energiestufen besitzt. SAXAS kann 16 verschiedene Elemente noch bei Mengen
erfassen, die nicht mehr als ein fünf Milliardstel Gramm betragen - und dies
von Proben, die nur zwei Millimeter lang sind."
Der im SAXAS-Instrument eingebaute Computer erfüllt eine ganze Reihe von
Funktionen.

Er bestimmt u.a. die Art der vorhandenen Elemente, berechnet die

Dichte der Haarprobe und setzt die Meßdaten zueinander in Beziehung.
Die Arbeitsgruppe Thompson möchte jedoch sehr viel mehr als nur Haarproben analysieren. "Mit SAXAS müßte es auch möglich sein, ein weites Spektrum
von Proben - von Nervengewebe bis hin zu SchadstoffPartikeln in der Luft - zu
- 2 -

�zu untersuchen", meint der Ingenieur.

"Allein aus dem Haar können wir sehr

viel mehr als nur Giftstoffe im Körper erkennen - beispielsweise auch die Art
und den Grad von Mangelernährung.

SAXAS verändert die Analysenproben nicht.

Deshalb könnte es auch für Untersuchungen an besonders kostbaren Objekten eingesetzt werden, z.B. beim Grabtuch von Turin".
Das Instrument war für das US-Bundesamt für Nahrungsmittel und Pharmazeutische Präparate (FDA) gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität von
Rochester entwickelt worden.

- 3 -

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