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lO

Information
und
Dokumentation

CO

mSBiBi

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. November 1979

43
INHALT

INFORMATION
Präsident Carter ernennt Juristin zur Leiterin des neuen Bildungsministeriums
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Robert David Hormats: Stellvertreter des amerikanischen Sonderbeauftragten
für Handelsverhandlungen
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Michael Smith:

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-

-

Der neue Leiter der US-Handelsdelegation in Genf

WIRTSCHAFT
Staatssekretär Solomon zu amerikanisch-europäischen Wirtschaftsfragen
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- Vortrag vor der Friedrich-Ebert-Stiftung -

HINTERGRUNDMATERIAL
Folgerungen aus dem Reaktorunfall von Harrisburg
Untersuchungskommission fordert einschneidende Änderungen bei Konstruktion,
Betrieb und Überwachung von Kernkraftwerken
Neue Maßnahmen zur Verbesserung der Weltwetterwacht

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Telex:08-85432

�1

Information

I

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7. November 1979

43

PRÄSIDENT CARTER ERNENNT JURISTIN ZUR LEITERIN DES NEUEN
BILDUNGSMINISTERIUMS

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 30. Oktober 1979 die Bundesrichterin Shirley Mount Hufstedler aus Kalifornien zur Leiterin des erst kürzlich geschaffenen Bundesministeriums für Bildung und Erziehung nominiert.
Bei Bestätigung durch den Senat wird Frau Hufstedler einem Ministerium vorstehen, das über ein Budget von 14,2 Milliarden Dollar verfügt und 17 000 Mitarbeiter beschäftigt.
Nach Juanita Kreps, der ehemaligen Handelsministerin, und Patricia Harris,
der derzeitigen Gesundheitsministerin, wird Frau Hufstedler die dritte Frau
sein, die Präsident Carter auf einen Kabinettsposten berufen hat.
Groß war das Lob, mit dem er die neue Ministerin bedachte: Er nannte
sie "einen der besten Köpfe unseres Landes"und hob hervor, daß Frau Hufstedler,
"eine starke, schöpferische Denkerin, die die Art und Weise, wie wir unsere
Kinder erziehen, aus einem neuen Blickwinkel betrachten könnte", auch "das
vollste Vertrauen und Unterstützung" des Präsidenten genieße.
Frau

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�Frau Hufstedler, die gegenwärtig als Richterin am Kassationsgericht in
Los Angeles tätig ist, wird seit langem als eine der führenden Juristen des
Landes angesehen, öfters wurde sie schon als mögliche erste weibliche Kandidatin für den Obersten Gerichtshof genannt.
In einer Erklärung unmittelbar nach der Ankündigung ihrer Ernennung durch
das Weiße Haus umriß Frau Hufstedler ihre Arbeitsvorhaben im Bildungsministerium:

Einen Großteil ihrer Zeit wolle sie damit verbringen, "Eltern, Lehrern,

Schülern und Studenten und anderen Leuten zuzuhören, die sich Gedanken um
die Erziehung in diesem Land machen".

Auf dem Gebiet der Erziehung sei es am

wichtigsten, "allen Lernenden beim Lernen zu helfen".
türlich auch, die Verpflichtung der Regierung Carter

Ihre Absicht sei es nazu verwirklichen, "die

Aufmerksamkeit auf die echten erzieherischen Erfordernisse unserer Kinder zu
konzentrieren."
Shirley Mount Hufstedler wurde am 24. August 1925 in Denver, Colorado,
geboren, studierte an der Universität von New Mexico und besuchte dann die
Juristische Fakultät der Stanford-Universität in Kalifornien, wo sie auch
ihren jetzigen Ehemann kennenlernte, der heute ein angesehener,Anwalt in
Kalifornien ist; das Ehepaar hat einen 26jährigen Sohn, Steven.
Bis 1961, dem Jahr ihrer Ernennung zur Richterin am Obersten Gericht
von Los Angeles durch den kalifornischen Gouverneur Edmund G. Brown, war sie
als Anwältin tätig und wurde 1968 von Präsident Lyndon B. Johnson als erste
Frau an ein amerikanisches Kassationsgericht berufen.
Frau Hufstedler ist in der Frauenrechtsbewegung tätig und wird als liberalgemäßigte Demokratin bezeichnet. Ihre pädagogischen Interessen kommen auch
darin zum Ausdruck, daß sie Kuratoriumsmitglied
des Occidental College,
des Aspen-Instituts für humanistische Studien und des California Institute
of Technology ist.
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7. November 1979

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ROBERT DAVID HORMATS: STELLVERTRETER DES AMERIKANISCHEN
SONDERBEAUFTRAGTEN FÜR HANDELSVERHANDLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Der bisherige Stellvertretende Unterstaatssekretär
für wirtschaftliche und Handelsangelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Robert David Hormats, ist von Präsident Carter zum Stellvertreter des
Sonderbeauftragten für Handelsverhandlungen, Reubin Askew, ernannt worden.
Hormats verfügt über eine reiche Erfahrung in internationalen Wirtschaftsfragen und gehörte zu den wenigen Mitarbeitern, die die Position Präsident
Carters für seine Wirtschaftsgipfeltreffen mit anderen Staats- und Regierungschefs ausgearbeitet haben. Er wird wesentlich an der Durchsetzung der neuen
amerikanischen Handelspolitik mitwirken, die sich aus den Abkommen im Rahmen
der Multilateralen Handelsverhandlungen (Tokio-Runde) ergeben hat und die gegenwärtig dem amerikanischen Kongreß zur Billigung vorliegt.
Robert David Hormats wurde 1943 in Baltimore im Staate Maryland geboren
und besuchte die Tuft-Universität in Massachusetts. Sein Interesse an internationalen Angelegenheiten wurde schon als Kind durch Briefmarkensammeln und
die Lektüre von Geschichtswerken und Biographien geweckt. Im Jahre 1963 erhielt er von der Tufts-Universität ein Stipendium zum Studium der Wirtschaft-

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�wirtschaftlichen Entwicklung in Kenia, um später an der Universität von
Tanzania seine Studien fortzusetzen.

Im Jahre 1969 promovierte er an der

Fletcher School of Law and Dipiomacy zum Ph. D.

Nach seiner Promotion wurde

er Assistent von C. Fred Bergsten, damals leitender Mitarbeiter im Arbeitsstab für Internationale Wirtschaftsfragen im Nationalen Sicherheitsrat, und
nahm später dessen Platz ein. Anfang der siebziger Jahre machte er sich
als Fachmann für internationale Währungsfragen einen Namen.
Hormats ist Junggeselle und reist gerne, was eine gute Voraussetzung für
seine jetzige Tätigkeit bietet.

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�Information

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7. November 1979

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MICHAEL SMITH: DER NEUE LEITER DER US-HANDELSDELEGATION IN GENF

WASHINGTON - (AD) - Botschafter Michael Smith ist zum neuen Leiter der
amerikanischen Delegation für die Handelsverhandlungen in Genf ernannt worden
und wird gleichzeitig als Stellvertretender Sonderbeauftragter für Handelsverhandlungen die Vereinigten Staaten beim Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) vertreten. Smith ist somit einer der Stellvertreter von Reubin
Askew, dem neuen Sonderbeauftragten Präsident Carters für Handelsverhandlungen. Smith wird ferner mit seinem Stab die Vereinigten Staaten auch bei
der Konferenz der Vereinten Nationen über Handel und Entwicklung (UNCTAD)
vertreten.
Botschafter Smith hat bereits als amerikanischer Unterhändler bei den
schwierigen Textilverhandlungen im Rahmen der Tokio-Runde große Erfahrungen
gesammelt und gilt bei seinen Verhandlungspartnern als pragmatischer, sachlicher Verhandlungsführer.
Michael Brackett Smith wurde 1936 in Marblehead im Staate Massachusetts,
einem der ältesten Häfen Amerikas, geboren und ist seit seiner Jugend mit dem Meer
vertraut.

Er studierte an der Harvard-Universität Staatslehre und Internatio-

nale Beziehungen und trat nach seinem Studienabschluß im Jahre 1958 in den

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�den Auswärtigen Dienst seines Landes ein.
in aller Welt, darunter in

Er bekleidete diplomatische Posten

Teheran, Fort Lamy, Straßburg und Lyon.

Anfang

der siebziger Jahre war er drei Jahre lang im Weißen Haus für die Korrespondenz des Präsidenten verantwortlich.
Er ist seit 1959 mit der früheren Nancy Pickering verheiratet und hat
zwei Kinder, Leslie und Eric.

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�Wirl/choft
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7. November 1979

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STAATSSEKRETÄR S0L0M0N ZU AMERIKANISCH-EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTSFRAGEN
- Vortrag vor der Friedrich-Ebert-Stiftung -

Der Staatssekretär für Währungsangelegenheiten im amerikanischen Finanzministerium,
Anthony M. Solomon, hat am 27. Oktober 1979
in Port ehester im Staate New York zu amerikanisch-europäischen Wirtschaftsfragen Stellung genommen. Seine Ausführungen machte
er auf der vom 26. bis 28. Oktober von der
deutsch-amerikanischen Konferenz zu wirtschafts- und finanzpolitischen Themen.
Das amerikanische Finanzministerium gab dazu
den nachfolgenden in 33 Punkte gegliederten
Text heraus:

1. Diese Konferenz ist europäischen und amerikanischen Perspektiven wirtschaftspolitischer Fragen in den achtziger Jahren gewidmet. Ich möchte zunächst einige spezifische Punkte der Binnen- und Außenwirtschaftspolitik der
Vereinigten Staaten erwähnen und dann im Zusammenhang mit den amerikanischeuropäischen Beziehungen auf ein generelleres Thema zu sprechen kommen.
2. Im eigenen Lande ist die Notwendigkeit, die Inflation unter Kontrolle
zu bekommen, das überragende Ziel der amerikanischen Wirtschaftspolitik. Die

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Telex:08-85432

�Die Regierung ist sich darüber im klaren, daß die Eindämmung der Inflation
die Grundlage für die Wiederherstellung eines gesunden wirtschaftlichen Wachstums
ist.

Ein wesentlicher Teil der ungünstigen Preisentwicklung in den letzten

Monaten ist direkt auf Energie und Nahrungsmittel zurückzuführen.

Diese Quellen

der Inflation werden sich in den kommenden Monaten etwas auflösen, wenn die
jüngsten öl Preiserhöhungen von der Wirtschaft verkraftet sind, und aufgrund der
zu erwartenden guten Ernten.

Aber selbst wenn man all diese besonderen Faktoren

in Rechnung stellt, dann ist die grundlegende Inflationsrate noch immer unerträglich.
3. Alle wichtigen Elemente der amerikanischen Wirtschaftspolitik sind
auf eine Eindämmung der Inflation ausgerichtet.

Es ist der Regierung gelungen,

den Trend zur Erhöhung der Haushaltsdefizite und zur Ausweitung der Bundesansprüche an die Volkswirtschaft umzukehren.

Das Defizit (des Bundeshaushaltes)

ist von drei Prozent des Bruttosozialprodukts im Jahre 1976 in diesem Jahr auf
ein Prozent zurückgegangen.

Im gleichen Zeitraum sind die Ausgaben des Bundes

von 22,6 Prozent des Bruttosozialproduktes auf 21,5 Prozent gesenkt worden.
Wir wollen hier weitere Fortschritte erreichen, mit dem Ziel, im Laufe der
Zeit die Ansprüche der Bundesregierung an die Wirtschaft zu verringern und
wesentliche Mittel für den privaten Sektor freizustellen.
4. Die Bundesbank trifft energische Maßnahmen, um die Wachstumsrate beim
Geld- und Kreditmarkt zu reduzieren. Die von der Bundesbank zu Anfang dieses
Monats angekündigten Maßnahmen sind einschneidend und werden ihre Wirkung haben.
Sie haben sich bereits sehr deutlich auf die Einstellung und die Erwartungen
der Öffentlichkeit ausgewirkt.
5. Unser freiwilliges Lohn-Preis-Programm ist bei der Dämpfung der Preisanstiege und der Lohnabschlüsse in dem vom Programm erfaßten Gebieten weitaus
wirksamer gewesen, als dies allgemein bekannt ist. Wir beabsichtigen, das
Management und die Gewerkschaften bei der Festsetzung der Normen für die Löhne
im Verlauf des zweiten Jahres stärker heranzuziehen, um auf diese Weise unbillige Härten zu vermeiden, die sich sonst im Verlauf der Zeit ergeben könn-

- 2 -

�könnten.

Ein Dreier-Ausschuß für Lohnfragen - unter dem Vorsitz von John

Dunlop - wird geschaffen, dessen erste Aufgabe es sein wird, Lohnnormen für
die nächste Zeitspanne zu empfehlen.

Die Administration hat in diesem Zu-

sammenhang mit der amerikanischen Gewerkschaftsführung einen Kompromiß erreicht, der den Kampf gegen die Inflation unterstützen wird und eine Beteiligung der Gewerkschaften bei dem Lohn-Preis-Programm vorsieht.

Ich persön-

lich bin heute zuversichtlicher als in der Vergangenheit, daß die freiwilligen Leitlinien eine wirksame Ergänzung zu der geforderten Zurückhaltung sein
können.

Die die gesamte Wirtschaft erfassenden destruktiven Auswirkungen

der Inflation sind dem amerikanischen Volk akut zum Bewußtsein gelangt.

Das

Gefühl für die unbedingte Notwendigkeit, die Inflation unter Kontrolle zu
bekommen, ist in der Öffentlichkeit allgemein verbreitet und tiefverwurzelt.
Vor allem angesichts der jetzt herrschenden stärkeren Überzeugung, daß die
Administration entschlossen ist die Inflation in den Griff zu bekommen - und
mit der sich daraus ergebenden Dämpfung der Inflationsaussichten - kann das
freiwillige Programm greifbare und starke Wirkungen haben.

6. Der zehnfache Anstieg der Weltölpreise ist der Hauptfaktor bei der
Beschleunigung der Inflation in diesem Jahrzehnt sowohl in den Vereinigten
Staaten wie in anderen Ländern gewesen.

Das Ziel der Vereinigten Staaten,

in der Energieversorgung unabhängig zu werden, ist fraglos durch Gründe der
nationalen Sicherheit motiviert.

Aber es ist auch ein wichtiges Element in

unserem Bemühen, die Inflation einzudämmen und die amerikanische Außenposition zu stärken.

Präsident Carter hat sich seit zweieinhalb Jahren um Unter-

stützung für ein breitangelegtes und umfassendes Energieprogramm bemüht. Die
Vielfalt der Umstände und Interessen in einem Land von der Größe der Vereinigten
Staaten hat es qualvoll schwierig werden lassen, ein nationales Energieprogramm
auf den Weg zu bringen.
gestellt.

Einige wichtige Teile des Programms sind bereits auf-

Der Präsident hat kürzlich zwei wichtige Maßnahmen - in bezug auf

die Freigabe der Preise für einheimisches Rohöl und die Begrenzung der öleinfuhren - gemäß der ihm zustehenden Machtbefugnisse getroffen.

Weitere ent-

scheidend wichtige Teile des Programms werden weiterhin aktiv im Kongreß beraten.
7. Unser

�7. Unser Programm soll, sobald es voll wirksam ist, die ölimporte um
50 Prozent - das sind vier bis fünf Millionen Barrel pro Tag - gegenüber dem
derzeitigen Volumen senken und um acht bis neun Millionen Barrel pro Tag gegenüber dem Volumen, auf das die Importe ohne ein umfassendes Energieprogramm
angestiegen wären.
8. Die Aufrechterhaltung der Stabilität an den Devisenmärkten ist ein
wichtiger Faktor bei unseren Bemühungen zur Verringerung der Inflation und
zur Erhaltung eines gesunden Wachstums- und Investitionsklimas.

Die von uns

getroffenen innenpolitischen Maßnahmen sind ebenfalls notwendigem den Vereinigten Staaten eine starke Außenposition und einen gesunden und stabilen
Dollar zu sichern.

Die gegenwärtige amerikanische Leistungsbilanz verstärkt

sich rapide. Trotz eines Anstiegs unserer ölimporte um 16 Milliarden Dollar
werden wir in diesem Jahr nur ein Defizit von wenigen Milliarden Dollar haben
und hoffen, im Jahr 1980 zu einem beträchtlichen Überschuß zu gelangen.
9. In Zusammenarbeit mit den monetären Behörden mehrerer, eine Schlüsselposition einnehmender Staaten - die Bundesrepublik Deutschland, Japan und die
Schweiz - greifen wir aktiv und energisch an den Devisenmärkten ein, um die
Aktion im Fundamentalen zu unterstützen.
10. Die beträchtliche positive Wende in der amerikanischen Zahlungsbilanz, die willkommenen Veränderungen in den Zahlungsbilanzpositionen der
Bundesrepublik Deutschland und Japans, unser gemeinsam geführter Kampf gegen
die Inflation und eine wirksame internationale Zusammenarbeit auf monetärem
Gebiet - dies alles wirkt zusammen, um eine feste Basis für die Stabilität
an den Devisenmärkten und die Stärke des Dollar in der kommenden Zeit zu
schaffen. Wir werden diesen Kurs beibehalten.
11. Was die internationale Wirtschaftslage anbetrifft, so wird das Bild
hier erneut von der Auswirkung der OPEC-Öl Preiserhöhungen beherrscht.

Die Po-

sition der OECD wird sich in diesem Jahr wahrscheinlich um rund 38 Milliarden
Dollar verschlechtern, von einem Überschuß von acht Milliarden zu einem Defizit von etwa 30 Milliarden Dollar.

Diese kumulative Verlagerung wirft na-

�natürlich einen Schatten auf die bedeutende Verbesserung, die sich in dem
Verhältnis der Ungleichgewichte zwischen den größeren Ländern abzeichnet.

12. Der laufende Kontostand der nicht über öl verfügenden Länder mit
niedrigem Entwicklungsstand dürfte sich in diesem Jahr um zehn Milliarden
Dollar verschlechtern und im Jahre 1980 um weitere zehn Milliarden Dollar
auf Defizite von 30 Milliarden Dollar 1979 und 40 Milliarden Dollar 1980.
Unsere Schätzungen lassen erkennen, daß sich diese Verschlechterung - glücklicherweise - auf die Positionen einiger weniger relativ fortgeschrittener
Länder mit auskömmlichen Reserven und Zugang zu den privaten Märkten konzentrieren wird.

Für die meisten Länder mit niedrigem Entwicklungsstand wird

die Verschlechterung wahrscheinlich innerhalb des Bereichs der zu erwartenden Erhöhung der amtlichen Entwicklungshilfe liegen.
13. Kurz gesagt, wir rechnen nicht mit einem allgemeinen Finanzierungsproblem.

Es wird wahrscheinlich einige einzelne Problemfälle geben, und wir

müssen mit erhöhten Anforderungen an den IWF um Zahlungsbilanzfinanzierungen
rechnen.

Der Fonds ist in einer sehr starken Position, erhöhten Anforderungen

nachzukommen, und seine Mittel werden durch eine 50prozentige Quotenerhöhung
Ende nächsten Jahres beträchtlich vermehrt werden.

Die Vereinigten Staaten

werden die Gesetzesvorlage für die Erhöhung ihrer Quote in Kürze unterbreiten.

14. Obwohl wir der Überzeugung sind, daß die internationalen Finanzauswirkungen der jüngsten öl Preiserhöhungen ohne ernsthafte Schwierigkeiten in
den Griff zu bekommen sind, bleiben doch die realen Auswirkungen - nachlassendes Wachstum und beschleunigte Inflation.

Der Nachdruck der Vereinigten

Staaten auf die Kontrolle der Inflation und die Stabilisierung der Wirtschaft
ist der wesentlichste Beitrag, den wir zur Wiederherstellung einer gesunden
Weltwirtschaft leisten können.

Aber insbesondere hinsichtlich der zu erwar-

tenden Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den USA ist es umso notwendiger, daß andere wichtige Länder ihre Politik auf anhaltendes wirtschaftliches
Wachstum im Rahmen der Eindämmung der Inflation ausrichten.

- 5 -

Ebenso wichtig

�wichtig ist, daß wir alle den Schwung des k'ürzlichen Abkommens im Rahmen
der Multilateralen Handelsverhandlungen (MTN) aufrechterhalten und uns protektionistischen Maßnahmen widersetzen und daß wir anderen Ländern mit finanziellem Bedarf Zugang zu unseren Kapitalmärkten gewähren.
15. Wir müssen auch weiterhin auf längerfristige Verbesserungen des
internationalen Handels- und Währungssystems drängen.

Diese Bemühungen er-

folgen auf drei Hauptwegen:
- Aufsicht des IWF über den Prozeß des Zahlungsbilanzausgleichs;
- Erörterungen über ein mögliches Substitutionskonto, um die Rolle der
Sonderziehungsrechte im internationalen Währungssystem zu stärken;
- Erörterungen über.eine Überwachung und mögliche Schritte für eine
bessere Handhabung des Eurowährungsmarktes.
16. Die Vereinigten Staaten beteiligen sich aktiv an jeder dieser
drei Bemühungen und werden sich auch weiterhin für einen Fortschritt einsetzen.
17. Das führt mich zu dem meiner Ansicht nach,zentralen politischen
Problem der achtziger Jahre: Ob die Welt nämlich lernen wird, die Prozesse
der Koordinierung der internationalen Wirtschaftspolitik zu stärken - Management der Interdependenz -, oder in einen nationalistischen Weg zur Lösung spezifischer Probleme zurückverfallen wird.
Ich bin der Meinung, daß die Welt durch die Ereignisse zu einer Wahl
dieser Bedeutung und Größenordnung gezwungen wird, und daß es entscheidend
wichtig ist, daß wir die Existenz der größeren Frage erkennen, wenn wir an
die Lösung von Einzelfragen gehen.
18. Die

�18. Die amerikanisch-europäische Beziehung und unsere gemeinsamen Beziehungen zu anderen wichtigen Ländern sind von zentraler Bedeutung, wie
diese Frage beantwortet werden wird.

Wenn wir nicht durch eine gewichtige

Koordinierung der Politik zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa
mit gutem Beispiel vorangehen, dann besteht wenig Hoffnung, einen breiteren
Erfolg zu erwarten.

19. Das Verständnis für die Vorstellungen des anderen ist die Voraussetzung für den Aufbau einer stärkeren Beziehung.
gegenseitig anerkennen und auf ihnen aufbauen.

Wir sollten unsere Erfolge

Die Nachkriegszeit wird von

einer engen amerikanisch-europäischen Zusammenarbeit beherrscht.

Aber es be-

stehen auch Irritationen und Ursachen der Spannung - einige von ihnen klein,
aber auch größere und potentiell wichtige - die behandelt und begriffen werden
müssen.

Ich möchte nur einige aus einer offenen amerikanischen Sicht heraus

erwähnen.

Es ist nicht meine Absicht, eine ausgewogene Darstellung zu geben,

sondern ich möchte die Dinge aus einer besonderen Sicht darstellen - in der
Hoffnung, daß dies zum Verständnis und schließlich zu Lösungen beitragen wird.
Ich erwarte eine in gleicher Weise offene europäische Darstellung der Probleme,
die es mit den Amerikanern gibt.

20. Erstens, ich sehe ein Problem des Tons und der Einstellung in dem
wirtschaftlichen Gesamtverhältnis zwischen den USA und Europa - eine Zwiespältigkeit in den europäischen Auffassungen hinsichtlich der Natur dieses Verhältnisses.

Diese Zwiespältigkeit wird durch ein Zitat aus einem anderen Ge-

biet deutlich.

Raymond Aron erklärte kürzlich in einem Artikel, "Europäer

setzen ihr Vertrauen nicht mehr in die NATO oder in den amerikanischen Nuklearschirm.

Worauf sie heute vertrauen, ist die Vorsicht der Bolschewiken, die

sich, wie sie es müssen, der unberechenbaren Gefahren eines Angriffs auf Westeuropa bewußt sind."

Der Punkt ist natürlich, daß diese Vorsicht eben durch

die Existenz der NATO und des Nuklearschirms diktiert wird, aber der Punkt
geht in dieser spezifischen europäischen Darstellung des amerikanisch-europäischen Verhältnisses verloren.
21. Eine

- 7 -

�21. Eine ähnliche Zwiespältigkeit herrscht bezüglich einiger Fragen der
Initiative und Führung auf wirtschaftlichem Gebiet. Die Vereinigten Staaten
vernehmen ständig europäische Rufe nach stärkerer amerikanischer Führung auf
wirtschaftlichem Gebiet, vor allem auf dem Gebiet der Währung. Und wir hören
immer wieder europäische Kritik an dem Versagen Amerikas, diese Führung auszuüben - dem Versagen Amerikas, seinen Verantwortlichkeiten in der Welt richtig nachzukommen. Wenn die Vereinigten Staaten jedoch versuchen, Führung auszuüben, dann kommt es häufig zu einem Mangel an europäischer Bereitschaft, zu
folgen.
22. Das ist kein neues Phänomen. Es kennzeichnet die Diskussionen Ende
der sechziger Jahre über das Wechselkurssystem, durch die die Vereinigten
Staaten gegen ihren Willen gezwungen wurden, einseitige Maßnahmen zu ergreifen, um einen Wandel herbeizuführen, der schließlich unvermeidbar wurde. Und
es beherrschte die Debatte über die Währungsreform Anfang der siebziger Jahre.
23. Es ist begreiflich, daß es Unterschiede der Auffassung über den sachlichen Inhalt solcher Fragen gibt. Sie sind unausweichlich, über den sachlichen Inhalt kann man sprechen. Aber Europa selbst sollte eine wachsende Verantwortung für die Ausübung von Führung erkennen, nicht nur im Ausdruck seiner
Auffassungen, sondern in der Konzentration auf die Lösung gemeinsamer Probleme.
Verantwortung kann nicht einseitig sein, und Europa zusammen verfügt selbst
über ein großes Führungsprotential. Was nicht konstruktiv ist - und sogar
Gift für das Verhältnis sein und bestimmte Probleme nur noch verschlimmern
kann - ist, wenn Europa seine wesentlichen Meinungsverschiedenheiten überdeckt
und es vermeidet, seine eigenen Verantwortungen zu übernehmen, indem es sich
auf Anschuldigungen des Versagens des amerikanischen Willens und der amerikanischen Führung ausruht.
24. Viele dieser Probleme mögen durchaus in einem Zusammenhang zu der
besonderen Phase der europäischen Anstrengungen stehen, sich im Rahmen der
Gemeinschaft zu einigen. Es ist ein vereintes Europa, in dem eine echte und
konstruktive Führung möglich wird. Aber der heutige EntScheidungsprozeß macht
es schwierig, diese Möglichkeit zu verwirklichen.
c«.
9r

�25. Es gibt eine Vielzahl multilateraler Fragen, die wir mit der Europäischen Gemeinschaft zu koordinieren suchen - beispielsweise Fragen, die in
der UNCTAD und anderen Foren der Vereinten Nationen zur Sprache kommen, Fragen, die im IWF oder in der Weltbank behandelt werden, usw.
zu finden scheinen, ist eines von drei Dingen:

Was wir häufig

In einigen Fällen haben die

EG-Staaten bereits eine interne Entscheidung getroffen, und es gibt keinen
Spielraum mehr für die Aushandlung einer Position, die für die Vereinigten
Staaten und andere Industrieländer akzeptabler wäre.

In anderen Fällen sind

die EG-Länder nicht in der Lage, sich unter sich selbst einig zu werden, und
es gibt praktisch keine EG-Auffassung, mit der man arbeiten könnte.

Und in

wieder anderen Fällen laufen die EG-Bemühungen, zu einer internen Auffassung
zu kommen, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner hinaus - oder in einigen Fällen auf eine Auffassung, die zu weit geht - und führt zu Ergebnissen, die für
die Mehrzahl der EG-Länder selbst nur am Rande akzeptabel und für die Vereinigten Staaten und andere nicht akzeptabel sind.

26. Im wesentlichen herrscht zu Zeiten eine Starrheit im europäischen
Entscheidungsprozeß, mit der nicht nur schwer zu arbeiten ist, sondern die es
auch Europa selbst schwer macht, die Verantwortung und Führung auszuüben,
die seine eigene wirtschaftliche Position rechtfertigt.

Es steht zu hoffen,

daß sich dieses Problem im Zuge der Entwicklung des Einigungsprozesses verflüchtigen wird.

Es wird generell auf dem Gebiet des Handels am wenigsten

evident, wo die EG formelle Kompetenz hat - aber es stellt eine echte Erschwernis für eine wirklich bedeutsame Koordinierung der Politik in globalem Maßstab
dar.

27. Nun zu einigen spezifischen Punkten, auch wenn sie fraglos mit dem
mehr allgemeinen Problem in Zusammenhang stehen:

28. Der Dollar spielt weiterhin eine außerordentlich starke Rolle bei den
offiziellen Reserven und privaten internationalen Transaktionen.

In einem

gewissen Maß mag diese dem Dollar zufallende Rolle ein bei den Problemen des
Devisenmarktes mitwirkenden Faktor sein, und sie ist zweifellos immer wieder

- 9-

�wieder Ziel der europäischen Kritik.

Zur gleichen Zeit aber besteht auf

europäischer Seite die entschiedene Abneigung, eine Veränderung in dieser
dem Dollar zufallenden Rolle in Aussicht zu nehmen oder zu erleichtern, etwa
durch eine größere Bereitwilligkeit, selbst internationale Kredite zu vergeben, eine größere Verwendung der eigenen Währungen als Reserven zuzulassen oder
ernsthaft Schritte in Erwägung zu ziehen, die dazu führen könnten, den Sonderziehungsrechten allmählich eine größere Rolle zuzuerkennen.

Ich erkenne

bereitwillig die für die Vereinigten Staaten bestehende Verantwortung an, eine
vernünftige Ausgewogenheit in ihren Konten aufrechtzuerhalten.

Aber ich kann

die Ideenicht akzeptieren, die meiner Meinung nach der Kritik an der internationalen Rolle des Dollar sehr oft zugrundeliegt, daß die Verfügbarmachung
des internationalen Kredits stark beschnitten werden sollte und daß es den Vereinigten Staaten obliegt, dies zu tun.

Es besteht ein reales Kreditbedürfnis

zur Inganghaltung einer funktionierenden Weltwirtschaft.

Es ist nur vernünftig,

zu erwarten, daß Europa eine größere Rolle bei der Bereitstellung dieses Kredits übernimmt.
29. Zweitens, die Vereinigten Staaten übernehmen auch weiterhin starke
Devisenausgaben - in der Größenordnung von netto 2,5 Milliarden Dollar pro
Jahr - auf dem Gebiet der europäischen Verteidigung.

Ich denke auch nicht

einen Augenblick daran, zu bestreiten, daß dies in unserem gemeinsamen Interesse liegt, und will keineswegs den Vorschlag machen, erneut Verhandlungen
über einen Zahlungsbilanzausgleich zu führen.

Was ich jedoch meine, ist, daß

man daran bei der Formulierung der europäischen Bewertung der amerikanischen
Außenposition und der hierzu erteilten Ratschläge denken sollte.
30. Drittens, auf dem Energiegebiet erkenne, ich ebenfalls die große Verantwortung der Vereinigten Staaten dafür an, ihre eigene Energiesituation unter Kontrolle zu bringen und ihre Ansprüche auf dem Weltölmarkt zu reduzieren.
Wir wollen dieser Verantwortung gerecht werden. Zugleich aber haben die Vereinigten Staaten große Anstrengungen unternommen, um die OPEC zu einer Preismäßigung - und zur Aufrechterhaltung und Erweiterung der Produktionsmengen zu
bewegen. Das ist von lebenswichtiger Bedeutung für alle öl importierenden Länder - und sicherlich in Europas Interesse genau so wie in unserem eigenen. Aber
- 10 -

�Aber in wichtigen Punkten blieben die Vereinigten Staaten in diesem Bemühen
allein.

Wir hoffen, daß Europa den länderspezifischen Zieldaten zustimmen

wird, durch die die ölimporte im Jahre 1980 begrenzt werden, indem es einen
positiven Mechanismus zu diesem Zweck akzeptiert und der Versuchung widersteht, diese Bemühungen zu verwässern.

Wir sind besorgt über Berichte, wonach

einige europäische Regierungen sich um Sonderpräferenzen bei den öl produzierenden Ländern zur Sicherstenung ihrer eigenen öllieferungen bemüht haben und
sich dabei offensichtlich wenig um das globale Problem kümmerten.

Für die OPEC

muß sich das so darstellen, daß sie es mit einer unkoordinierten und schwachen
Gruppe von Abnehmern zu tun hat.

Ein klareres Bild auf Seiten der bedeutenden

Industrieländer aber könnte außerordentlich dazu beitragen, die Schlüsselstaaten der OPEC dahin zu bringen, eine gemäßigte und konstruktive Linie einzuhalten.
31. Viertens, Europa zeigte sich nicht gewillt, auf den Gebieten der
Handelsfinanzierung und der Investitionen das zu tun, was es auf dem Gebiet
des Handels zu tun bereit war - die Subventionen einzuschränken. Ich glaube,
man wird der amerikanischen Auffassung kaum widersprechen, daß eine subventionierte Exportkreditkonkurrenz für uns alle eine unnütze und kostspielige Sache
ist, die letztlich niemandem von uns nützt. Aber die Konsensregel in der EG
hat den Fortschritt im Bemühen um eine Einigung in bezug auf Begrenzung des
Konkurrenzstrebens bei Exportkrediten trotz jahrelanger Anstrengungen vereitelt.
Und in der Frage der Anreize für internationale Investitionen hat Europa
noch nicht einmal die Grundthese akzeptiert - die nach unserer Ansicht ausnahmslos Geltung hat - daß ein Konkurrenzstreben dieser Art genau so schädlich
sein kann wie auf dem Gebiet des Handels.
32. Ich beabsichtige nicht, die Liste endlos fortzusetzen.

Diese Punkte

verdeutlichen die aus der Sicht der Vereinigten Staaten bestehende Notwendigkeit, daß Europa einen größeren Teil von Verantwortung übernimmt, daß stärker
zum Bewußtsein kommt, daß Europas eigene Aktionen sich auf das globale Klima
nicht nur auswirken, sondern es auch gestalten helfen können, und daß das Verhältnis Europa-USA zu einer besseren Ausgewogenheit gelangt.
- 11 -

Wenn ich diese

�diese Perspektive der Probleme vom amerikanischen Gesichtspunkt aus bedenke,
dann fällt es mir nicht schwer, einige Punkte vorwegzunehmen, die in einer
europäischen Perspektive zu Worte kommen würden, und es ist nicht zu leugnen,
daß die USA selbst einen bedeutenden Beitrag zur Stärkung des Verhältnisses
leisten müssen.
33. Den Vereinigten Staaten und Europa kommt eine zentrale Verantwortung
für die Aufrechterhaltung eines kooperativen und glatt funktionierenden globalen Wirtschaftssystem zu. Wir werden dieser Verantwortung in wirkungsvoller
Weise gerecht werden, wenn wir unser eigenes kooperatives Verhältnis vertiefen - was vor allem erfordert,daß einer des anderen Probleme und Perspektiven
versteht.

Konferenzen wie diese können ein nützlicher Schritt in diesem Pro-

zeß sein.

- 12 -

�vO

mm
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

43

7. November 1979

FOLGERUNGEN AUS DEM REAKTORUNFALL VON HARRISBURG
Untersuchungskommission fordert einschneidende Änderungen
bei Konstruktion, Betrieb und Überwachung von
Kernkraftwerken

- (AD) - Die von Präsident Carter eingesetzte Kommission zur Untersuchung
des Reaktorunfalls im Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg (Pennsylvanien)
legte nach sechsmonatiger Arbeit am 30. Oktober 1979 ihren Bericht vor. Aufgrund der Prüfungsergebnisse hält sie einschneidende Änderungen hinsichtlich
der Organisation, der Genehmigungsverfahren, Praktiken und vor allem der Einstellung der Nuklearen Aufsichtskommission der USA (NRC) für dringend erforderlich. Das gelte auch für die Atomindustrie, sofern die von der Untersuchung
erfaßten Einrichtungen für diese Branche als typisch anzusehen seien.
Die aus zwölf Personen bestehende Kommission, in der John G. Kemeny den
Vorsitz führte, unterbreitete Präsident Carter 44 Empfehlungen. Ein sofortiges
Moratorium für den Bau neuer Kernkraftwerke wird jedoch nicht gefordert. In
einer ersten Äußerung verwies der Präsident darauf, daß einige der Empfehlungen
von ihm ausgeführt werden könnten. Andere seien von der Industrie wahrzunehmen,
der Rest verlange gesetzliche Regelungen durch den US-Kongreß. "Ich werde dem
Kongreß und der Nation über weitere Schritte berichten, die notwendig sind, m

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�um die Gesundheit und Sicherheit der Öffentlichkeit hinsichtlich der Kernkraft zu verbessern und zu schützen", sagte Präsident Carter.
Der Ausschußvorsitzende Kemeny hob hervor, daß technisches Versagen zwar
bis zu einem gewissen Grade zu dem Reaktorunfall in der Station Three Mi 1e
Island beigetragen habe, daß aber die schwerwiegendsten Probleme den Faktor
Mensch beträfen.

"Wir sind überzeugt, daß wir heute nicht hier stünden, wenn

technisches Versagen das einzige Problem gewesen wäre", erklärte er.

Zu den

Problemen zählten nicht nur unzureichende Ausbildung des Betriebspersona's und
des leitenden Personals sowie verwirrende Instruktionen, sondern auch die "Einstellung", daß Kernkraft nach jahrelangem sicherem Betrieb eben "sicher" sei.
Diese Mentalität hätten die NRC und die Industrie verführt, notwendige Maßnahmen zu unterlassen, die den Unfall von Three Mi 1e Island hätten verhindern
können.
Die Untersuchungsergebnisse besagen u.a.:
- Die gegenwärtige Organisation, Besetzung und Geisteshaltung machen es
der NRC und der Industrie unmöglich, ein "akzeptables Sicherheitsniveau für
Kernkraft zu schaffen".
- Das Versorgungsunternehmen Metropolitan Edison verfügte weder "über
ausreichendes Wissen und ausreichende Sachkenntnis noch über das Personal, um
das Atomkraftwerk sicher zu betreiben".
- Die Ausbildung war "völlig unzureichend", insbesondere die Vorbereitung
des Personals auf Maßnahmen und Reaktionen im Notfall.
- Für Notfallsituationen war wenig oder gar nicht vorgesorgt worden.
"Niemand war auf einen Nuklearunfall wirklich vorbereitet", sagte Kemeny.
- Es kam zu ernsten Problemen wegen der Art und Weise, wie vom Betreiber
und von der NRC Gesundheitsschutzmaßnahmen durchgeführt wurden.
- Bei
- 2 -

�- Bei der Berichterstattung über den Vorfall haben zwar die Nachrichtenmedien Sensationsmache vermieden, versorgten aber die Öffentlichkeit nicht mit
exakten Informationen - hauptsächlich deshalb, weil die zitierten offiziellen
Quellen "verworrene" Auskunft gaben oder unfähig waren, technisch komplizierte
Vorgänge richtig zu erklären.
Empfohlen wird u.a.:
- Reorganisation der Nuklearen Aufsichtskommission (NRC) unter Abschaffung
der fünfköpfigen Kommission und Einsetzung eines Administrators.
- Schaffung eines 15köpfigen Überwachungsausschusses, um auf hohem Niveau
eine Überprüfung nukleartechnischer Vorschriften und Betriebsdaten außerhalb
der täglichen Betriebspraxis zu gewährleisten.
- Schaffung eines Anhörungsrates innerhalb der neuen NRC, um im Rahmen
der Genehmigungsverfahren bis zur endgültigen Entscheidung auch gegenteiligen
Meinungen entsprechendes Gewicht zu verschaffen. Der Rat würde sich mit den
Vertretern von Bürgerinitiativen in Verbindung setzen und anderweitig helfen,
daß die Repräsentation unterschiedlicher öffentlicher Interessengruppen sichergestellt ist.
- Künftige Atomkraftwerke sollten nicht in der Nähe dichtbesiedelter Gebiete gebaut werden.
- Vor Erteilung neuer Bau- oder Betriebsgenehmigungen soll die NRC "die
Notwendigkeit zur Einführung neuer verbesserter Sicherheitsvorkehrungen gemäß
dem Empfehlungen in diesem Bericht sowie in Studien der NRC und der Industrie
in Erwägung ziehen; sie soll ferner in Anbetracht der in diesem Bericht gegebenen Empfehlungen die Kompetenz des Antragstellers für den Betrieb einer
nukleartechnischen Anlagen überprüfen, ebenso die Qualität seines Ausbildungsprogramms für das Betriebspersonal; auch sind bei der Genehmigung die staatlichen und kommunalen Pläne für Notsituationen mit zu überprüfen und zustimmungspflichtig."

n.p

�Die letztgenannte Empfehlung bezeichneten Kemeny und andere Ausschußmitglieder als "höchst bedeutsam".

Eine Gesamtbewertung der Nuklearindustrie

war vom Untersuchungsausschuß nicht vorgenommen worden.
sich mit den "Risiken" der Kernkraft befaßt.

Ebensowenig hatte er

"Unsere Resultate führen, für

sich betrachtet, nicht zu der Schlußfolgerung, daß Kernkraft ihrer Natur nach
zu gefährlich sei, um sie weiterhin als eine Form der Energieerzeugung zuzulassen und auszubauen, sagte Kemeny.

"Sie besagen ebensowenig, daß Amerika

die Erstellung zusätzlicher kommerzieller Kernkraftwerke forcieren soll.

Sie

stellen einfach fest, daß, sofern sich das Land aus übergeordneten Gründen
den mit der Kernkraft naturgemäß gegebenen Risiken stellen will, grundlegende
Änderungen notwendig sind, wenn diese Risiken in erträglichen Grenzen gehalten
werden sollen."

(Anmerkung:

Inzwischen verfügte die Nukleare Aufsichtskommission - NRC -,

vorläufig keine neue Betriebsgenehmigung für Atomkraftwerke zu erteilen.)

- 4 -

�7. November 1979

43

NEUE MASSNAHMEN ZUR VERBESSERUNG DER WELTWETTERWACHT

- (AD) - Im November 1979 geht ein weltweiter meteorologisches Experiment
(Global Weather Experiment - GWE) zu Ende, das einen wichtigen Beitrag dazu
leisten kann, die exakte kurzfristige Wettervorhersage auf größere Zeiträume,
nämlich auf Fristen bis zu zwei Wochen, auszudehnen.
nur für drei bis fünf Tage möglich.

Gegenwärtig ist diese

Das Experiment galt der Wetterbeobach-

tung rund um den Erdball unter Einbeziehung der Meßdaten von verankerten und
frei driftenden Bojen sowie solcher Werte, die automatisch von Flugzeugen im
Weltluftverkehr über Erdsatelliten an bestimmte Daten- und Auswertungszentralen
weitergegeben werden.

Diese neuen Verfahren des Sammeins von Wetterdaten sollen

routinemäßig in das künftige System der "Weltwetterwacht" (WWW) einbezogen
werden.

Außerdem suchte und sucht man noch immer nach Mitteln und Wegen, die

WWW-Systeme auf die Entwicklungsländer auszudehnen.

Dafür bedarf es natürlich

einer sorgfältigen Auswahl der für diese Länder am besten geeigneten Ausrüstungen.

Als augenblicklich noch wichtiger erweist sich jedoch immer mehr die

sachgerechte Information über die Vorteile, die eine zuverlässige kurzfristige
Wettervorhersage bei der Realisierung von Entwicklungsprogrammen mit sich
bringen kann.

WWW

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Telex:08-85432

�WWW ist ein schon 1960 gestartetes Projekt der Meteorologischen Weltorganisation WMO, somit ein Unternehmen der Vereinten Nationen.

Die nationalen

Wetterdienste der 149 Mitgliedstaaten der WMO arbeiten im Rahmen dieses Projekts eng zusammen und stellen Dienstleistungen aller Art samt modernsten
Ausrüstungen wie Satelliten und Großcomputer zur Verfügung.

Umgekehrt gewähr-

leistet das WWW-Programm, daß alle WMO-Mitglieder jene meteorologischen Informationen erhalten, die sie sowohl für die Tagesaufgaben ihrer Wetterdienste
als auch für die Forschung benötigen.
Zu den wichtigsten Elementen des WWW-Beobachtungssystems gehören:
- mehr als 9200 Stationen für Beobachtungen an der Oberfläche; von dieser
sind 848 außerdem für Höhenbeobachtungen ausgerüstet;
- sechs verankerte Beobachtungsplattformen im Meer;
- ca. 7000 Schiffe im Weltschiffsverkehr, die aus dem Bereich ihrer
Fahrrouten Wetterbeobachtungen melden;
- mehr als 1500 Berichte pro Tag aus Flugzeugen;
- geostationäre Satelliten in ca. 36 000 km Höhe über dem Äquator, die
Wetterfronten und Wolkenfelder beobachten und auf diese Weise Hinweise auf Windrichtungen und Windgeschwindigkeiten geben können;
- Satelliten auf polarer Umlaufbahn mit Infrarot-, Mikrowellen- und anderen Spezialinstrumenten an Bord, deren Meßwerte Informationen über Temperatur
und Wasserdampfgehalt der Atmosphäre, Wolkenverteilung bei Nacht und Oberflächentemperatur der Erde liefern.
An die WWW gekoppelt ist das "Globale Atmosphären-Forschungsprogramm
(GARP)", das die WMO und der Internationale Rat Wissenschaftlicher Gesellschaften (ICSU) gemeinsam fördern. Im GARP-Programm arbeiten Wissenschaftler staat-

- 2 -

�staatlicher Institute sowie von Laboratorien der Industrie und von Universitäten zusammen, um die Kenntnis der globalen atmosphärischen Bewegung zu vertiefen und Einzelvorgänge und Entwicklungen besser zu verstehen.
Nach Abschluß des GEW-Projekts geht jetzt die Meteorologische Weltorganisation daran, die Wettervorhersage-Verfahren im Rahmen der Weltwetterwacht
auf weltweiter Basis zu überprüfen. Sie hofft, dank der Einführung modernster
Nachrichtenübermittelungssysteme mit der Einbeziehung von Satelliten, weiter
verbessertenDatenverarbeitungsgeräten und automatisch arbeitenden Plattformen
für die Wetterbeobachtung die Vorhersagen noch präziser zu gestalten und
schließlich die Präzision für Vorhersagefristen bis zu zwei Wochen halten zu
können.
Den Aufbau der neuen Weltwetterwacht leitet James Neilon, der Chef der
Abteilung Nachrichtenübermittlung beim US-Wetterdienst in Washington und Präsident der WMO-Kommission für Basissysteme. Er machte jetzt erneut darauf
aufmerksam, daß der kurzfristige Bereich der Wetterentwicklung bei der Vorhersage noch sehr viel mehr Informationen benötige, insbesondere dann, wenn es
um dramatische Entwicklungen wie z.B. das Auftreten und die Bahn von Wirbelstürmen gehe. Vorwarnzeiten von 12 bis 24 Stunden mit präzisen Angaben seien
erforderlich. Man könne nicht ganze Küstenstriche (wie kürzlich im Fall des
Hurrikans David in Florida) evakuieren, wenn man nur ungefähr annehme, daß
ein Wirbelsturm kommt. Vielmehr müsse die Bevölkerung mit einem hohen Grad
an Zuverlässigkeit und mit ausreichender Vorwarnzeit informiert werden, damit
die richtigen Schutzmaßnahmen ergriffen werden können.

Sonnenaktivität und Wetter
Nicht das kurzfristige Wettergeschehen, möglicherweise aber längerfristige und großräumige Entwicklungen könnten, wie der Sonnenphysiker Dr. David
M. Rust (Goddard Space Flight Center in Greenbelt, Maryland) vermutet, durch
starke Eruptionen auf der Sonne beeinflußt werden. Bei solchen Eruptionen wer-

- 3 -

�werden riesige Ströme energiereicher subatomarer Partikel ausgestoßen.

Gerät

die Erde in einen solchen Strom, kann dies bedeuten, daß Funkverbindungen empfindlich

gestört und, infolge der emittierten Röntgenstrahlung, Bildqualitäten

beim Fernsehempfang stark beeinträchtigt werden. Aber "solange unsere Erkenntnisse über solare Materie- und Strahlungsausbrüche nicht wesentlich verbessert
werden, gibt es keine zuverlässige Basis dafür, vorauszusagen, wann sich Sonnenaktivität auf die Erde bzw. das irdische Umfeld auswirkt", meint Dr. Rust.
Für das Studium von Sonneneruptionen - "Flares", wie sie im Englischen
heißen - bietet sich derzeit eine gute Gelegenheit.
erneut ein Maximum der Sonnenaktivität bevor.

Im Frühjahr 1980 steht

In den Vereinigten Staaten allein

konzentrieren sich etwa 400 Wissenschaftler 19 Monate lang (vom 1. August 1979
bis 28. Februar 1981) auf besonders intensive Beobachtungen der Sonne.

Die

Untersuchungen werden mit jenen von Forschern aus weiteren 17 Ländern koordiniert.

Sie gelten in erster Linie den Sonnenflecken und deren Magnetfeldern,

Materie- und Strahlungsausbrüchen und anderen Turbulenzen auf der Sonne, die
nach Zahl und Stärke variieren und im Durchschnitt alle 11 Jahre einen Höhepunkt
erreichen.
registriert.

Die stärkste jemals beobachtete Aktivität wurde im September 1957
In jenem Jahr maximaler Sonnenaktivität zählte man (nach der

Züricher Zählmethode) 201 Sonnenflecken.

Jetzt richtet sich die Forschung auf

die zweitgrößte Zahl ein, die seit den ersten Beobachtungen von Sonnenflecken
durch Galilei Anfang des 17. Jahrhunderts ermittelt worden ist.
Die Wissenschaftler suchen vor allem mehr Informationen darüber zu gewinnen, wie "Flares" aufgebaut, wie gewaltige Energiemengen aus ihnen freigesetzt werden und welche Auswirkungen die Sonnenaktivität im interplanetaren
Raum hat. Entdeckungen aus der jüngsten Zeit lassen vermuten, daß der Zyklus
der Sonnenaktivität nicht jenes verläßliche periodische Phänomen ist, als das
es in der Astronomie bisher gegolten hat. Mehrmals in der bekannten Geschichte
war die Sonnenaktivität nahezu verschwunden - mit ernsten Konsequenzen für das
Leben auf der Erde. Die letzte Zeit der "stummen Sonne" fiel mit der kältesten
Periode der "Kleinen Eiszeit" von etwa 1645 bis 1715 zusammen.
+ + + + +
- 4 -

�</text>
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