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                  <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

40

17. Oktober 1979
I N H A L T

DOKUMENTATION
Pressekonferenz Präsident Carters am 9. Oktober 1979
- Auszüge zu Kuba - Verteidigung - Inflation - Kambodscha
Ansprache von Vizepräsident Mondale vor der ATA
- Angebot Breschnews muß im Zusammenhang gesehen werden •
Die NATO im vierten Jahrzehnt:

Verteidigung und Entspannung

- Ansprache Brzezinskis auf der Jahrestagung der ATA in Washington

WIRTSCHAFT
US-Zentral bankrat verschärft Kampf gegen die Inflation
- Bekanntmachung des Federal Reserve Board vom 6. Oktober 1979

HINTERGRUNDMATERIAL
SALT II und die NATO-Verbündeten
- Senator Joseph Biden legt Bericht vor 25 Jahre intensive Forschung in der Antarktis
- US-Wissenschaftler starten zur neuen Saison

Um Über/endung von
Belegexemplaren wirö
gebeten

Postfach 20 03 0 0

Tel: 02221-89 3240

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

40

17. Oktober 1979

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT CARTERS AM 9. OKTOBER 1979
Auszüge zu Kuba - Verteidigung - Inflation - Kambodscha

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat auf einer Pressekonferenz am 9. Oktober
1979 Fragen bezüglich der sowjetischen Truppen
auf Kuba und der Verteiaigung - im Zusammenhang mit dem jüngsten Angebot
Breschnews - sowie zur Inflationsbekämpfung und der Hilfe für Kambodscha
beantwortet. Einen großen Raum nahmen verständlicherweise innenpolitische
Fragen ein. Carter unterstrich in diesem Zusammenhang, daß er es nicht
für gut für die Vereinigten Staaten halte, wenn bereits jetzt über mögliche
Präsidentschaftskandidaten gesprochen und praktisch mit dem Wahlkampf
begonnen werde. Er halte an seinem Entschluß fest, seine Entscheidung
darüber, ob er im kommendan Jahr kandidieren werde, am 4. Dezember bekanntzugeben. Das sei noch früh genug.
Die Fragen und Antworten zu den genannten außenpolitischen Themen
haben folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�FRAGE:

Herr Präsident, glauben Sie, daß Sie das Problem der

sowjetischen Brigade auf Kuba entschärft und jene, die einen höheren
Verteidigungshaushalt wollen, soweit zufriedengestellt haben, daß die
Ratifizierung des SALT-Vertrages noch in diesem Jahr erreicht wird und
wenn ja wie?
ANTWORT:

Ich bin überzeugt, daß SALT noch in diesem Jahr hauptsächlich

um seiner eigenen Meriten willen ratifiziert wird.

Für mich liegt auf

der Hand, daß der SALT-Vertrag im besten Interesse unseres Landes liegt.
Er stärkt die Sicherheit der Vereinigten Staaten, er trägt zum Weltfrieden
bei, er wird unsere Bündnisse stärken und er wird uns unseren Platz als
führende Macht der westlichen Welt erhalten.

Und er wird es uns schließlich

erleichtern, die Ausbreitung nuklearer Sprengköpfe über die ganze Welt unter
Kontrolle zu bringen.
Nach meiner Auffassung haben wir die Frage der sowjetischen Kampfeinheit auf Kuba ausreichend beantwortet. Ich meine, wir haben jede Bedrohung durch diese Einheit isoliert. Wir werden unsere Überwachung dort
verstärken und ich glaube, daß dies eine wichtige Frage war, mit der wir
uns befassen mußten.
Ich glaube, wir haben diese Frage angemessen beantwortet.
Was den Verteidigungshaushalt angeht, so muß darüber noch entschieden
werden. Ich habe mich zu einer realen Steigerung unserer Verteidigung um
drei Prozent verpflichtet. Ich habe diese Position während der letzten
drei Jahre aufrechterhalten. Sie ist für uns, für unsere Verbündeten
und für die Stärke Amerikas wichtig. Wenn ich eine Notwendigkeit für
erhöhte Verteidigungsprogramme sehen sollte, so würde ich nicht zögern,
sie dem Kongreß zu empfehlen.
FRAGE: Herr Präsident, was ist Ihre Reaktion auf die Erklärung Dr.
Kissingers, daß die sowjetischen Truppen auf Kuba die erste organisierte
- 2 -

�organisierte Streitmacht in dieser Hemisphäre seit der Monroe-Doktrin
seien, die wir akzeptiert haben und, Herr Präsident, sind Sie der Auffassung,
daß die sowjetischen Truppen auf Kuba den wachsenden Expansionsdrang der
Russen, der Sowjetunion symbolisieren?
ANTWORT: Die Truppen auf Kuba sind schon seit langer Zeit dort. Ich
habe die Rede Kissingers nicht gelesen. Ich habe Zeitungsberichte darüber
gelesen. Seine wesentlichen Vorstellungen sind mit meinen eigenen vereinbar, daß die Anwesenheit einer sowjetischen Kampfeinheit auf Kuba eine
ernste Angelegenheit ist, auf die wir, wie ich meine, so gut wir konnten,
reagiert haben.
Zweitens, ist dies nicht die wichtigste Frage; vielmehr ist es wichtig,
dies zu erkennen und alles in unserer Macht stehende zu tun, um kubanische
Interventionen oder Abenteuer in der ganzen Welt einzudämmen. Wie Sie
wissen, begann dies alles im wesentlichen mit der Verlegung eines Truppenkörpers von über 10 000 Mann aus Kuba nach Angola im Jahre 1975, also noch
bevor ich Präsident war.
Wir betrachten dies als eine wesentliche Bedrohung.

Ich habe keinerlei

Berichte gelesen, daß Kissinger andere Schritte empfohlen hätte als diejenigen,
die ich am 1. Oktober der Nation dargelegt habe. Wir haben also ein
gemeinsames Anliegen.
war.

Ich glaube, daß unsere Antwort maßvoll und angemessen

Ich bin keineswegs dafür, daß die Sowjets ihren Einfluß auf die

Kubaner oder auf sonst jemand in der Welt ausweiten.
Das ist immer Teil der Geschichte der Sowjetunion gewesen.

Wir haben

immer versucht, ihnen zu begegnen und nach meiner Meinung in ausreichender
Weise auf friedlicher Basis mit ihnen zu wetteifern.

Und wenn wir nach

meiner Ansicht die Militärausgaben kontrollieren können, und Gleichheit
und Rüstungskontrolle erreichen, dann können wir uns mit den Sowjets auf
friedlicher Basis mit ausgezeichneten Aussichten auf einen Sieg messen.

Die
- 3 -

�Die Sowjets stellen ein&lt; totalitäres Land dar.
der Freiheit und der Demokratie verpflichtet.

Wir sind dem Frieden,

Die Sowjets unterdrücken

die Rechte des einzelnen Menschen um der Rechte des Staates willen.
tun genau das Gegenteil.

Wir

Die Sowjets sind eine atheistische Nation.

haben tiefe und grundlegende religiöse Glaubensüberzeugungen.

Wir

Die Sowjets

legen den Hauptnachdruck auf die militärischen Aspekte ihrer Wirtschaft.
Unsere Wirtschaft ist in viel größerem Maße darauf ausgerichtet, die Vorteile
wirtschaftlichen Wachstums dem einzelnen zugute kommen zu lassen.

Ich

glaube, daß'uns außerdem unser Bemühen, die Einhaltung der Menschenrechte
zu verbessern, nationale Hoffnungen und Wünsche zu respektieren und nicht
in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzugreifen, einen zusätzlichen
Vorteil bei einem friedlichen Wettstreit mit den Sowjets gibt.

Ich habe

daher keinerlei Befürchtungen oder Ängste bezüglich eines intensiven
Wettstreits mit den Sowjets auf friedlicher Basis.
Offensichtlich will ich das gleiche, das Präsident Breschnew will:
nämlich die Vermeidung eines Atomkrieges. Wir haben manches gemeinsam, so
die Verhütung eines Krieges und wir haben anderes gemeinsam, nämlich den
Willen zum Wettstreit. Wir sind den Sowjets gegenüber in vielen Dingen
im Vorteil und ich hoffe, daß wir das in Zukunft ebenso ausnützen wie in
der Vergangenheit.
FRAGE: Herr Präsident, in Ihrer Rede zu Kuba dieser Tage sprachen
Sie davon, daß Sie die Kapazität unserer EingreifStreitkräfte erhöhen
wollen. Könnten Sie mir vielleicht sagen, unter welchen Umständen Sie
bereit wären, im Nahen Osten militärisch zu intervenieren?
ANTWORT: Ich sehe derzeit keinen Anlaß für eine militärische Intervention unsererseits irgendwo in der Welt. Das wäre ein Entschluß, den
ich nur treffen würde, wenn nach meiner Auffassung die Sicherheit unseres
Landes direkt bedroht wäre.
FRAGE:

�FRAGE:

Herr Präsident, um auf Ihre Äußerungen bezüglich des Wett-

streits mit der Sowjetunion hinsichtlich der Rüstungen zurückzukommen,
würden Sie die Dislozierung der Pershing-Rakete durch die NATO als Gegengewicht zu der SS-20 befürworten, und wenn ich noch eine weitere Frage
hinzufügen darf, haben Sie irgendeine Reaktion auf Präsident Breschnews
bedingtes Angebot über Rüstungsreduzierung in Mitteleuropa?
ANTWORT: Unsere Verbündeten und wir prüfen sorgfältig die Bedeutung
der Erklärung von Präsident Breschnew. Ich möchte jedoch darauf hinweisen,
daß das, was er in Wirklichkeit anbietet, die Fortsetzung ihrer eigenen
Modernisierungsrate ist, so wie sie bisher war, vorausgesetzt, wir modernisieren überhaupt nicht.
Die Sowjets haben eine natürliche Verringerung der Startanlagen in
den letzten Jahren gehabt. Sie haben die alten SS-4 und SS-5 durch die
SS-20 ersetzt, zwar nicht auf der Basis eins zu eins, aber die SS-20
hat drei Gefechtsköpfe und die alten Raketen hatten nur einen Gefechtskopf. Die SS-20 hat eine viel größere Reichweite. Sie kann die Länder
unserer westlichen Verbündeten als Ziel erreichen, selbst wenn sie im
zentralen Gebiet Rußlands stationiert ist.
Sie ist drei bis sechsmal treffsicherer als die alten Raketen, an
deren Stelle sie trat, und darüber hinaus ist sie beweglich, d.h. sie kann
nicht genau geortet und mit einem Präventivschlag vernichtet werden, wenn
das der Wunsch seitens der Verbündeten werden sollte.
Die Sowjets haben ferner ältere Flugzeuge durch den Backfire-Bomber
ersetzt. Es handelt sich also um einen nicht ganz so konstruktiven Vorschlag wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Ich glaube, es handelt
sich um eine Bemühung, die Bereitschaft oder den Willen unserer Verbündeten
zu schwächen, sich selbst ausreichend zu verteidigen.
Nach

�Nach meiner Beurteilung sollte die Entscheidung getroffen werden, die
militärische Stärke der westlichen Verbündeten zu modernisieren und dann mit
der vollen Verpflichtung und Entschlossenheit zu verhandeln, die Rüstungen
auf beiden Seiten, beim Warschauer Pakt und den NATO-Ländern abzubauen, so daß
wir Gleichwertigkeit der militärischen Stärke, Gleichheit der militärischen
Stärke erhalten und einen niedrigeren Gesamtstand der Rüstungen haben.

Das

ist das, was wir zu erreichen hoffen.
Ich darf darauf hinweisen, daß Bundeskanzler Schmidt, ich glaube gestern,
oder am Tag zuvor, erklärt hat, daß eine Voraussetzung für eine Entscheidung
unserer NATO-Verbündeten ist, daß wir diese Schritte ergreifen, die er als
lebenswichtig für die Sicherheit der NATO hält, nämlich die Verabschiedung
von SALT II.
Wenn wir also bei der Kontrolle der bestehenden strategischen Atomwaffen
der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten durch SALT II erfolgreich sein
können, dann werden wir den nächsten Schritt tun, um die Nuklearwaffen abzubauen, die keine internationale Reichweite haben.

Und damit zusammen werden

wir weiterhin unsere Anstrengung um eine beiderseitige und ausgewogene Verringerung der konventionellen Rüstungen fortsetzen.
Es handelt sich um einen interessanten Vorschlag und es handelt sich um
einen Vorschlag, der aussichtsreich sein könnte. Wir prüfen ihn sorgfältig,
aber es ist kein so großer Schritt wie man auf den ersten Blick meinen möchte.

Kambodscha
FRAGE: Herr Präsident, nach allen Berichten scheint es so zu sein, daß
in den kommenden Monaten eine Million oder mehr Menschen in Kambodscha des
Hungers sterben könnten. Ich weiß, daß Sie darüber gestern mit dem Papst gesprochen haben. Was kann unsere Regierung zusammen mit anderen Gruppen tun?
ANTWORT:

�ANTWORT: Wir sind für die Gewährung humanitärer Hilfe eingetreten,
besonders für Nahrungsmittel für die Bevölkerung von Kambodscha, von denen
Hunderttausende, vielleicht Millionen Hunger leiden. Wir versuchen, mit den
unsicheren Führern dieses Landes zusammenzuarbeiten - unsicher, weil das Land
kriegerisch umstritten ist -, um einen Mechanismus zu finden, so daß vor allem
durch die Vereinten Nationen, das Rote Kreuz und UNICEF Lebensmittel zu diesen Menschen gebracht werden könnten, die innerhalb Kambodschas leben.
Hier besteht ferner ein rechtliches Problem bezüglich der Mittel für
Flüchtlinge, denn es ist rechtlich noch nicht festgelegt, ob eine Person, die
das Land nicht verlassen hat, trotzdem als Flüchtling bezeichnet werden kann.
Die Tatsache, daß das Land durch einen Krieg gespalten ist, bedeutet eine
Komplikation. Wir sind jedoch bereit und willens, zusammen mit anderen Ländern
humanitäre Hilfe für all die Menschen in Kambodscha zu leisten, die Hunger
leiden und wir werden hier ohne weitere Verzögerung zu Werke gehen, sobald es
möglich ist, sich anderen Ländern diesen Bemühungen anzuschließen,

Inflationsbekämpfung
FRAGE: Herr Präsident. Sind Sie bereit, an Ihrer Politik des knappen
Geldes festzuhalten, selbst wenn Ihnen das politisch bei den Vorwahlen schaden könnte?
ANTWORT: Jawohl. Es liegt auf der Hand, daß unsere Regierung aus drei
Einheiten besteht, die entweder durch die Verfassung oder das Gesetz säuberlich
getrennt und unabhängig gemacht worden sind. Eines dieser Elemente ist der
Federal Reserve Board (Präsidium der Bundesbank)»das auf verschiedene Weise
das Recht hat, die Geldversorgung durch Veränderung der Zinssätze und der Geldreserven, die von Banken gehalten werden müssen und nicht ausgeliehen werden
können, usw. festzulegen.
Der Kongreß hat die letzte Entscheidung über die Besteuerung und der Präsident hat die Hauptverantwortung dafür, den Haushalt auszuarbeiten und dem
- 7 -

�dem Kongreß zu unterbreiten.
Nach meiner Auffassung besteht kein Zweifel - und dies ist durch meine
langen Gespräche während der letzten Wochen mit den Gewerkschaften, durch
ein Abkommen mit den Gewerkschaften erhärtet worden -, daß ich und die Gewerkschaften und die Unternehmer und alle Interessierten, einschließlich des
Kongresses darin übereinstimmen, daß die Bedrohung Nummer eins unserer Volkswirtschaft die Inflation ist und ich habe die Absicht, als höchste Priorität
beizubehalten, gegen die Inflation zu arbeiten.
Was immer man also tun muß, um die Inflation in den Griff zu bekommen,
ich werde es tun. Ich bin mir darüber im klaren, daß die Auswirkungen der
Inflation sehr viel schwerer auf jenen lasten, die am wenigsten in der Lage
sind, sich die Grundansprüche des Lebens zu leisten. Und ich bin mir auch
darüber im klaren, daß es einige Elemente der Inflation gibt, die sich unserer Kontrolle entziehen. Der Preis für Energie, der der Welt in den letzten
zehn Monaten von der OPEC aufgebürdet wurde, hat eine Steigerung um 60 Prozent erfahren. Hätte es die Erhöhungen des Energiepreises beispielsweise nicht
gegeben, dann wäre die Inflationsrate während dieses Sommers die gleiche gewesen, wie 1978 und 1977. Ich kann also die Energiepreise, die der Welt durch
die OPEC aufgebürdet werden, nicht kontrollieren. Aber wir werden weiterhin
mit höchstem Vorrang gegen die Inflation kämpfen.
FRAGE: Herr Präsident, um auf die Politik des knappen Geldes der Bundesbank zurückzukommen: die von dem westdeutschen Finanzminister Emminger (gemeint ist offensichtlich der Bundesbankpräsident, Anm. der Redaktion) genannten
Zahlen und die des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Lyndon Larouche
haben letzteren zu der Behauptung veranlaßt, daß diese rasch zu dem Zusammenbruch von 1979 führen würden. Werden Sie etwas tun, um den Dollar und die
Wirtschaft zu stabilisieren, indem Sie bei Ihren Schritten zur Demonetisierung
des Goldes mit Europa zusammenarbeiten, wie Larouche und andere das vorgeschlagen haben?
ANTWORT:
- 8 -

�ANTWORT: Das ist in Aussicht genommen, aber sicherlich nicht mehr dieses
Jahr. Wir arbeiten mit unseren Verbündeten und Freunden und Handelspartnern
zusammen, um das weltweite Währungssystem zu stabilisieren, einschließlich
gelegentlich des Verhältnisses zwischen Währungen eines Landes und eines anderen Landes und gelegentlich der Grundmetalle. Ich sehe keine Bedrohung
des Wohlergehens irgend eines Amerikaners aufgrund eines raschen Ansteigens
des Goldpreises, ausgenommen für jene, die früh verkauft und spät gekauft haben. Aber was den Durchschnittsbürger angeht, so hat der Goldpreis, ob er
bei 200 Dollar pro Unze oder 400 Dollar pro Unze liegt, sehr wenig Bedeutung.
Vor kurzem hat der Federal Reserve Board beschlossen, die Zinssätze zu
erhöhen und andere Schritte bezüglich der Geldreserve zu ergreifen, die von
Banken gehalten werden müssen. Das hat zu einer Stärkung des Dollars geführt,
der bereits angefangen hatte, sich zu stärken und er bewegt sich nach meiner
Auffassung durchaus innerhalb kontrollierbarer Grenzen, er ist stabil. Ich
habe eine Analyse gelesen, die zeigte, daß innerhalb des letzten Jahres der
Preis des Dollars, der Wert des Dollar, im Vergleich zu den Währungen all
unserer Handelspartner wesentlich gestiegen ist. Unter den OPEC-Ländern und
ihren Handelspartnern ist der Wert des Dollar noch bevor wir diesen kürzlichen Schritt getan haben, im letzten Jahr um acht Prozent gestiegen.
Der Dollar also ist nach! meiner Oberzeugung stabil und die Weltwirtschaft
ist nach meiner Meinung stabil und ich sehe keine Notwendigkeit, zu einem starren Goldpreis und einem Goldstandard überzugehen .
FRAGE: Herr Präsident, die Großhandelspreise steigen weiter, was darauf hindeutet, daß eine weitere Inflation auf der Ebene der Einzelhandelspreise für den Rest dieses Jahres und darüber hinaus eintreten wird. Die
meisten der Voraussagen, die Sie und Ihre Wirtschaftsberater bezüglich der
Wirtschaft gemacht haben, haben sich als eher zu niedrig erwiesen und müssen
von allem hinsichtlich der Inflation ständig nach oben revidiert werden. Glauben Sie nicht, daß es an der Zeit ist, für eine Art Neubewertung Ihrer wirtschaftlichen Programme und Politiken? Werden Sie weiterhin einfach den gleichen Kurs verfolgen oder glauben Sie, daß eine gewisse Überprüfung Ihrer

�Ihrer Politik angebracht ist?
ANTWORT:

Ich meine, daß das Programm bisher gut durchdacht war und sehr

gute Ergebnisse gezeitigt hat. Wir sind alle von der Inflationsrate überrascht, die, wie ich bereits sagte, hauptsächlich durch die jährliche Steigerungsrate der Energiepreise während der letzten Monate von über 100 Prozent
auf das Jahr umgerechnet, herbeigeführt wurde.
Man könnte auch, wie ich bereits erwähnt habe, wenn man diese Steigerungen
der Energiepreise außer Acht lassen könnte, sagen, daß die Inflationsrate in
diesem Jahr die gleiche wäre wie in den beiden vorangegangenen Jahren.
Wir haben das Haushaltsdefizit um 36 Milliarden Dollar gesenkt, seit ich
mein Amt angetreten habe.

Wir haben die Gesamtzahl der Bediensteten der Bun-

desregierung verringert.

Wir haben den Prozentsatz des Bruttosozialprodukts,

der von der Regierung ausgegeben wird, um volle zwei Prozent von 23,5 Prozent
auf 21,5 Prozent gesenkt.

Wir haben den Papierkrieg um 15 Prozent verringert.

Wir haben nachhaltig damit begonnen, Preisverordnungen aufzuheben. Das
heißt, wir haben damit begonnen, die Nase der Regierung aus dem Sektor der
Privatunternehmen und dem Privatleben der Menschen herauszunehmen. Wir haben
eine nachhaltige Anstrengung unternommen, ungerechtfertigte Ausgaben abzustellen und wir haben, wenn es notwendig war, Schritte unternommen, um den
Wert des Dollar zu stabilisieren. Wir haben ferner den Kongreß zum ersten Mal
ein Mittel vorgeschlagen, durch das die inflationäre Auswirkung des Imports
von 50 Prozent unseres Erdöls verringert werden könnte. Das ist ein langer,
langsamer und mühsamer Prozeß gewesen, aber ich glaube, wenn der Kongreß
seine Arbeit am Energiepaket in diesem Jahr abschließt, wird dies den einen
wichtigen Faktor beseitigen, der eine überhöhte Inflation verursacht hat.
Ich habe nicht die Absicht, unsere grundlegende Politik zu ändern und ich
bin der Überzeugung, daß wir vielleicht unzureichend beurteilte Ergebnisse
sogar von den Lohn-Preis-Richtlinien erhalten haben.

S£

- 10 -

�So sind die Lohnerhöhungen beispielsweise in diesem Jahr, während der
ersten neun Monate dieses Jahres, niedriger gewesen als 1978. Wir hatten über
eine Million organisierter Arbeiter, die Kontrakte innerhalb der Lohn-PreisRichtlinien unterzeichnet haben.
sam erwiesen.

Und die Preisnormen haben sich als sehr wirk-

So hat sich der Preis der Güter, die unter Preisnormen fallen,

beispielsweise nur halb so stark erhöht wie jene Güter, die nicht kontrolliert
werden können, wie beispielsweise das OPEC-Öl.

Ich meine also, daß im allge-

meinen unsere Politik zureichend und gut ist und ich habe die Absicht, sie
fortzusetzen.

- 11 -

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

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17. Oktober 1979

ANSPRACHE VON VIZEPRÄSIDENT MONDALE VOR DER ATA
- Angebot Breschnews muß im Zusammenhang gesehen werden

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident Walter Mondale
nahm am 10. Oktober 1979 im Rahmen einer Ansprache auf der Jahrestagung der
Vereinigung der Atlantischen Gesellschaften (Atlantic Treaty Association
- ATA) auch zu dem Angebot Breschnews einer Truppenverminderung in Ostdeutschland Stellung und betonte, dieses Angebot müsse im Zusammenhang mit der heutigen Gesamtsituation gesehen werden.
Die ATA, in der die privaten Atlantischen Gesellschaften und Organisationen
aus den 15 Mitgliedsländern des Atlantischen Bündnisses zusammengeschlossen
sind, hielt vom 9. bis 13. Oktober ihre Jahrestagung in Washington ab.
Die Rede des amerikanischen Vizepräsidenten auf der ATA-Tagung hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich über die Gelegenheit und die Ehre, vor dieser Vereinigung
zu sprechen, deren Tätigkeit von so ungemein großer Bedeutung und Wirkung seit
ihrer Gründung vor vielen Jahren ist.
Und

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Und ich möchte Ihnen ein Lob aussprechen für die hervorragende Rolle,
die die ATA bei der Unterstützung der NATO spielt.

Heute würde ich gern

die Stärke und die Beständigkeit der amerikanischen Führung im Rahmen dieser
Vertragsorganisation kritisch betrachten und betonen, in welchem Maß SALT II,
über das derzeit im Senat der Vereinigten Staaten entschieden wird, zur Sicherheit des Bündnisses beiträgt.

Sie wissen:

wenn ich im Namen der amerikanischen Verpflichtung gegen-

über der NATO spreche, so spreche ich nicht nur im Namen des Präsidenten der
Vereinigten Staaten, Jimmy Carter, sondern meiner Ansicht nach hat die Geschichte unseres

Landes gezeigt, daß die Verpflichtung unseres Landes der NATO

gegenüber von Anfang an bis zum heutigen Tag ständig eine überparteiliche amerikanische Verpflichtung darstellt - dauerhaft und umfassend hinsichtlich ihrer
öffentlichen Unterstützung.

In der Tat beinhaltete die erste Mission der neuen Regierung im Verlauf
der ersten Stunden nach der Amtseinführung meine Reise in mehrere Länder,
in deren Verlauf mein erster Aufenthalt im NATO-Hauptquartier in Brüssel sofort die Verpflichtung der neuen Administration unterstrich, die intensivste
Beziehung zur NATO und die intensivste Beziehung zwischen den Vertragspartnern
innerhalb der NATO fortzusetzen.

Im Jahr 1977 sandte mich der Präsident im Verlauf dieser ersten Auslandsmission nach Brüssel, um diese Botschaft zu unterstreichen.

In den über 30

Jahren, die seit der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrags verstrichen sind,
haben wir mit unseren Verbündeten drei Jahrzehnte der Stärke, des Friedens und
des Erfolgs geteilt, wie es sie noch nie vorher gegeben hat.

Die zwölf Länder, die den Nordatlantikvertrag 1949 unterzeichneten, bestätigten erneut ihren Glauben an den Sinn und die Prinzipien der Charta der
Vereinten Nationen.

Sie betonten ihren Wunsch, mit allen Völkern und allen

Regierungen in Frieden zu leben.

Sie haben sich zur Sicherung der Prinzipien

von Demokratie, Freiheit des Einzelmenschen und Herrschaft des Rechts verpflichtet.
Und
- 2 -

�Und vor allem kamen sie darin 'überein, ihre Fähigkeit zum Widerstand
gegen einen bewaffneten Angriff auszubauen.

Ein Angriff gegen einen - das

war die Ansicht aller - sollte als ein Angriff gegen alle angesehen werden.

Es ist schwer, sich in diesen ruhigeren und wohlhabenderen Zeiten vorzustellen, welch ein ehrgeiziger, ja visionärer Schritt dieser Vertrag war.

Wie

ehrgeizig, optimistisch von Frieden zu sprechen, als die Trümmer des Zweiten
Weltkriegs noch nicht einmal ganz weggeräumt waren, und wie weitsichtig, sich
einer kollektiven Anstrengung zum Widerstand gegen Aggression anzuschließen,
als so viele der Unterzeichnerstaaten einzeln verwundbar waren.

Das NATO-Bündnis hat bemerkenswerte Flexibilität und Beweglichkeit gezeigt.

Es hat immer wiederauftretende Probleme im Innern und Herausforderungen

von außen überwunden.

Es wurde strategischen und doktrinären Änderungen unter-

zogen - von einer Ära der massiven Vergeltung zu einer Ära der flexiblen Antwort.

Es hat beidem standgehalten.

Daß das Bündnis so viele Herausforderungen überlebt hat und trotzdem
gedeiht, bietet den Beweis dafür, daß seine Charta - genau wie unsere eigene
Verfassung - in der Tat ein lebendiges Dokument ist, weit genug, universell
genug und erprobt genug, um als eine Grundlage für die Zukunft zu dienen.

Aber heute dürfen wir als Verbündete nicht selbstgefällig werden.

Wenn sich die Herausforderung, vor der das Bündnis steht, in den letzten
Jahren geändert hat, so hat sie sich um nichts verringert.

Wenn die Bedrohung

des Bündnisses in mancher Hinsicht subtiler geworden ist, ist sie dennoch
schrecklich.

Und wenn die Sowjetunion sich mehr der Zusammenarbeit mit dem

Westen öffnet5als dies 1949 der Fall war, so bleiben die schwerwiegenden Meinungsverschiedenheiten und der starke Wettbewerb zwischen Ost und West weiterhin bestehen.

Ich brauche vor dieser Zuhörerschaft nicht die lange Geschichte des

- 3 -

�des militärischen Aufbaus der Streitkräfte des Warschauer Paktes durch die
Sowjets zu beschreiben.
berufliche

Für viele von uns ist diese Geschichte eine tägliche

Herausforderung gewesen.

Es ist eine Herausforderung, der sich Präsident Carter von Beginn seiner
Amtstätigkeit an gestellt hat: durch die Gestaltung der amerikanischen Verteidigungsstreitkräfte und durch seine Entscheidung, die Ausgaben für Verteidigung um jährlich real drei Prozent anzuheben.

Aber hierbei handelt es sich

nicht um eine Anstrengung, die wir allein tragen; jeder unserer Verbündeten
muß dazu beitragen, wenn wir zusammen Vorteil daraus ziehen wollen.
Wie Sie wissen, hat der Präsident dem Kongreß eine Forderung nach Aufstockung des Haushalts für das Haushaltsjahr 1980 um 2,7 Milliarden Dollar
vorgelegt, damit wir trotz der erhöhten Inflation, die uns alle beunruhigt,
die Verpflichtung erfüllen können, die wir der NATO gegenüber in aller Ernsthaftigkeit eingegangen sind.
Erkennbare Stärke dient als Abschreckung vor einem Krieg. Mit unseren
Verbündeten zusammen haben wir den Prozeß der Modernisierung unserer Verteidigungen für die kommenden Jahrzehnte begonnen, um der massiven Aufrüstung der
Sowjetunion und des Ostens zu begegnen.
Wie Sie wissen, hat Präsident Breschnew gerade vor einer Woche in OstBerlin den einseitigen Abzug einer bestimmten Anzahl sowjetischer Truppen und
Panzer sowie von anderem militärischem Gerät aus Osteuropa angeboten. Wir
würden eine solche Verringerung begrüßen, aber es ist absolut notwendig, daß
sie im richtigen Zusammenhang gesehen wird,und zu diesem Zusammenhang gehören
folgende Faktoren:
Erstens übertreffen die sowjetischen Streitkräfte in Europa heute diejenigen des NATO-Bündnisses zahlenmäßig bei weitem. Daher erhöhten wir, wie
ich das im Namen des Präsidenten vor der UN-Sondersitzung über Abrüstung unmittelbar vor Beginn des NATO-Gipfeltreffens 1978 in Washington begründet habe
- 4 -

�habe, in der NATO unsere Verteidigungshaushalte - nicht weil wir gerne wollten, sondern aus der Notwendigkeit heraus, einer Notwendigkeit, die uns zum
Beispiel bei in Europa stationierten Panzern durch das Verhältnis von 3 : 1
zugunsten des Warschauer Pakts aufgenötigt wurde.

Zweitens wurden die sowjetischen Kernwaffen in und für Europa aufgestockt.
Der Backfire-Bomber und jetzt auch ihre neue SS-20, eine ballistische, mobile
Mittelstreckenrakete, erhöht die sowjetische Militärkapazität beträchtlich nicht nur in Europa, sondern auch in Asien, Afrika und im Nahen Osten.

Und drtttens liegt es offensichtlich im sowjetischen Interesse, die NATO
von der entscheidenden Modernisierung der konventionellen und der nuklearen
Waffen in und für Europa abzuhalten.

Während wir die Ankündigung von Präsident Breschnew sorgfältig und in
positiver Einstellung prüfen, müssen wir uns zugleich daran erinnern, daß der
vom NATO-Bündnis im Lauf der letzten 20 Jahre geübten Zurückhaltung bei den
Nuklearstreitkräften in und für Europa (TNF) nicht durch eine entsprechende
Zurückhaltung auf Seiten der Sowjets begegnet wurde.

Aus eben diesem Grund

ist die Arbeit der NATO-Gruppen über die TNF-Modernisierung und die TNFRüstungskontrolle von so entscheidender Bedeutung, ebenso wie die Entscheidung,
die wir als Führungsmacht des Bündnisses in diesem Jahr hinsichtlich der modernisierten TNF treffen müssen, die in der Lage sind, den realen und existierenden sowjetischen TNF zu widerstehen, die gegen unser Bündnis gerichtet sind.

Während die Abschreckung auf TNF-Niveau für alle von uns von großem Belang ist, steht der Wettbewerb zwischen Ost und West auf dem Niveau der strategischen Kernwaffen für unsere Verteidigung und unser Überleben im Mittelpunkt.

Wie wir diesen Wettstreit in den Griff bekommen:

Dies betrifft höchst

unmittelbar das Leben eines jeden Mannes, einer jeden Frau und eines jeden
Kindes überall im Bündnis, ja sogar in der ganzen Welt.

Diese Woche tritt, wie Sie sicher wissen, der Außenpolitische Ausschuß
des Senats in die letzte

Phase seiner Anhörungen zu SALT II ein.
- 5-

Lassen Sie

�Sie uns im Augenblick, da der Senat sich dieser historischen Entscheidung
nähert, auf den Inhalt der Debatte und der Anörungen vor dem Ausschuß blicken.
Jede einzelne Bestimmung von SALt II wurde innerhalb von tagelangen Anhörungen genauestens geprüft.

Das Abkommen setzte sich gegen jede einzelne

Kritik durch, die dagegen vorgebracht wurde.
fel verifizierbar.
nisses.

Der Vertrag ist ohne jeden Zwei-

Er liegt auch ohne jeden Zweifel im Interesse des Bünd-

Er stärkt unsere Sicherheit und ist ein sinnvoller Schritt in Rich-

tung Abrüstung.
SALT II hat parteipolitischen Angriffen standgehalten.

Es ist eine Tat-

sache, daß der Präsident, als er die Verhandlungen über strategische Waffen
übernahm, viele Bestimmungen eines Vertragsentwurfs mitübernahm, die von seinem Vorgänger ausgehandelt worden waren.

Wir haben nicht nur auf diesem Ent-

wurf aufgebaut, wir haben ihn verbessert, indem wir die Bandbreite des Abkommens ausweiteten, die quantitativen und qualitativen Beschränkungen stark
verbesserten und den Grundstein zur Aushandlung weiterer Beschränkungen zugunsten unseres nationalen Interesses im Rahmen von SALT II legten.
SALT II hat auch den entschlossenen Anstrengungen widerstanden, das
Abkommen mit anderen Themen zu verbinden oder es als Faustpfand für Probleme
zu verwenden, die von der Höhe der Verteidigungsausgaben bis zur sowjetischen
Präsenz auf Kuba reichten; Themen also, die zwar in sich wichtig sind, aber
die man nicht mit dem anstehenden SALT-Vertrag verknüpfen darf.
Für die Verteidigungsexperten in dieser Versammlung brauche ich nicht
im einzelnen auf den positiven Trend beim amerikanischen Verteidigungshaushalt
seit 1977 einzugehen.
Trend fortzusetzen.
seren Verbündeten

Es bedarf keiner Verknüpfung zu SALT II, um diesen

Tatsache ist, daß der Präsident in Zusammenarbeit mit undie Militärausgaben um jährlich real drei Prozent angeho-

ben hat und eine Umkehr des Rückgangs bewirkt hat, der seit mehreren Jahren
anhielt.

Wir werden dieses Wachstum fortführen und noch mehr fordern, falls

unsere Verteidigungserfordernisse dies notwendig machen.
Um
- 6 -

�Um mit der sowjetischen Präsenz auf Kuba fertigzuwerden, haben wir eine
Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die sowjetische Rolle zu neutralisieren,
einschließlich erhöhter amerikanischer Überwachung und militärischer Präsenz
in der Karibik.

Wir werden sicherstellen, daß die Sowjets auf Kuba keine Be-

drohung der Vereinigten Staaten oder anderer Länder in diesem Gebiet darstellen.
Als der Präsident diese Maßnahmen vor einer Woche ankündigte, betonte
er - ich zitiere -, daß "die größte Gefahr für die amerikanische Sicherheit...
gewiß nicht die zweiDie größte Gefahr für
meinsamen Anstrengung
durch einen Krieg mit

oder dreitausend sowjetischen Soldaten auf Kuba bilden.
alle Länder der Erde... bildet das Scheitern einer gezur Erhaltung des Friedens und die letztliche Bedrohung
Atomwaffen."

Und schließlich ist SALT II das Kernstück in der vom Bündnis verfolgten
Politik, die sowohl die Verteidigung als auch die Entspannung zum Ziel hat.
Für die Vereinigten Staaten bietet SALT II den Rahmen, um die strategischen
Programme zur Stärkung unserer Sicherheit zu verfolgen und dabei zugleich das
Wettrüsten zu zügeln. In eben dieser Weise gibt SALT dem Bündnis einmal das
Fundament, um zu einem Konsens über das weitere Vorgehen bei der Modernisierung der für die NATO wesentlichen TNF zu gelangen und fordert zum anderen
Rüstungskontroll initiativen, um die sowjetische Bedrohung Europas unter Kontrolle
zu halten.
Wenn daher der Senat für die SALT II-Verträge stimmt - und ich bin überzeugt, daß der Senat den Vertrag ratifizieren wird - dann wird er damit nicht
nur für ein starkes und stabileres Verhältnis zur Sowjetunion stimmen, sondern
auch einen entscheidend wichtigen Anstoß für eine stärkere NATO und zu Anstrengungen für eine' Reduzierung der nuklearen Bedrohung geben, der sich unsere
Verbündeten in der Zukunft gegenübersehen.

Das ist der Grund, warum die Mit-

glieder des Nordatlantischen Bündnisses ohne Ausnahme und mit großer Stärke
für SALT II eingetreten sind.

Das
- 7 -

�Das ist auch der Grund, warum SALT II von so zentraler Bedeutung für die
weitere amerikanische Führungsrolle in diesem großen Bündnis ist.
Vor einiger Zeit, bald nach der Unterzeichnung der SALT II-Abkommen, besuchte ich sieben Einzel Staaten unseres großen Landes, um mit Leuten, die
einen breiten Querschnitt der Bevölkerung unseres Landes repräsentieren, über
SALT zu sprechen.
Ich fand eine überwältigend positive Reaktion.

Das amerikanische Volk

ist sich bewußt, daß die strategische Rüstungsbegrenzung eine Frage von lebenswichtiger Bedeutung für unsere Nation und für die Menschheit ist. Sie wollen,
daß ein jedes Abkommen, das wi r eingehen, fair ist, und sie glauben, daß dieser Vertrag fair ist. Sie wollen einen Vertrag, der unsere Sicherheit schützt
und sie begreifen, daß dieser Vertrag die Sicherheit Amerikas erhöht.

Sie

wollen, daß der Vertrag ratifiziert wird und daß wir in unseren Anstrengungen
zur Verringerung der Gefahr eines nuklearen Kriegs fortfahren.
Sie begreifen, daß SALT unsere Sicherheit nicht untergräbt.

Sie sind sich

darüber im klaren, daß SALT nicht auf blindem Vertrauen, sondern auf Vorsicht
beruht und daß es in angemessener Weise verifiziert werden kann.

Sie glauben

auch, daß wir SALT II brauchen, wenn wir zu SALT III weiterschreiten wollen.
Wenn mir hier eines deutlich wurde, dann die Tatsache, daß das amerikanische Volk ehrlich glaubt - so wie der Präsident und ich es tun - daß das
SALT II-Abkommen in unserem Interesse ist und daß es weitaus besser ist,dieses
Abkommen als gar kein Abkommen zu haben.
Jeder Tag bringt weitere Unterstützung für den Vertrag. Erst in der vorigen Woche erhielt ich einen Brief vom Präsidenten der Nationalen Union der
Farmer, die einen breiten Querschnitt der ländlichen Bevölkerung Amerikas
repräsentiert. In diesem Brief erklärte er - und ich zitiere: "Der gesamte
Vorstand der Union der Farmer ist einstimmig der Meinung, daß die Nation in
der Rüstungskontrolle rasch vorankommen muß. Es wäre tragisch", so heißt es
weiter, "wenn der ganze Prozeß einen Rückschlag durch die Ablehnung des vor- 8 -

�vorliegenden Vertrags erleiden würde.

Daher ist die Billigung des SALT-Ver-

trags noch in dieser Sitzungsperiode von entscheidender Bedeutung, damit die
nächsten Schritte bald in Angriff genommen werden können und hoffentlich zu
einem weiteren Fortschritt für die Menschheit führen."

"Ein Fortschritt für die Menschheit" - das ist es, worum es bei dem
SALT-Prozeß letztlich geht.
Wie Sie alle wissen, konnte Amerika in der vorigen Woche einen ungewöhnlichen Besucher begrüßen.

Zu den fröhlichen Menschenmengen in den Städten

und Landgemeinden, zu den Millionen im ganzen Lande, die ihn auf dem Fernsehschirm sahen, brachte der Heilige Vater eine leuchtende Botschaft an die
Menschheit und an alle Amerikaner, eine Botschaft der Liebe und des Glaubens,
des Optimismus und des Vertrauens und der Gnade.
Diese Botschaft hat tief in uns ruhende Saiten angerührt.
sere besten und edelmütigsten Gefühle frei.
Fenster in unserer Seele.

Sie setzte un-

Sie öffnete der Wahrheit ein

Sie erinnerte uns erneut daran, wofür unsere Zivili-

sation eigentlich steht - und zu wessen Schutz diese Vereinigung hier gegründet wurde und sich in der Geschichte ihres Bestehens so bewährt hat - ;worum
es geht und wofür wir einstehen, das ist der Schutz der und die Liebe zur Demokratie, unser Streben nach sozialer Gerechtigkeit und unsere Hoffnung für
unsere Kinder.

Am Ende sind das auch die Träume, die unser NATO-Bündnis zusammengeführt
haben.

Das ist sein tieferer Sinn.

Ein nuklearer Weltenbrand führt solche Träume ad absurdum.

Heute, mit

der Entscheidung über SALT II, haben wir die einmalige Chance, um einen weiteren Schritt von diesem letztlichen Wahnsinn wegzurücken und einen Schritt
in Richtung auf Sinn und Vernunft hin zu tun - und ich bin überzeugt, wir
werden die richtige Wahl treffen.

Ich danke Ihnen herzlich!

+ + + + +
- 9-

�ITiiwi

11 • 11 "

I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. Oktober 1979

40

DIE NATO IM VIERTEN JAHRZEHNT: VERTEIDIGUNG UND ENTSPANNUNG
Ansprache Brzezinskis auf der Jahrestagung der ATA in Washington

WASHINGTON - (AD) - Der Sicherheitsberater Präsident Carters,
Zbigniew Brzezinski, hat in einer Ansprache auf der Jahrestagung der
Vereinigung der Atlantischen Gesellschaften (Atlantic Treaty Association ATA) am 10. Oktober 1979 zu aktuellen Fragen des westlichen Bündnisses
Stellung genommen. Die Ausführungen Brzezinskis haben folgenden Wortlaut:

I
Ich begrüße diese Gelegenheit, mit Ihnen hier auf Ihrer 25. Jahrestagung zusammenzukommen und in zwangloser Form Ihnen einige Gedanken zum
Thema der Sicherheit des Westens und der Beziehung zwischen Verteidigung
und Entspannung vorzutragen. In dieser Zeit eines beispiellosen globalen
Wandels ist es ein Erfordernis unserer kollektiven Sicherheit, daß die
Vereinigten Staaten ein globales Machtgleichgewi cht erfolgreich erhalten und
dabei an der Gestaltung eines Rahmens für globalen Wandel mithelfen.
Diese

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Diese beiden unbedingten Gebote - ein Machtgleichgewi cht und ein
Rahmen für den Wandel - sind keine Schlagworte. Jedes stellt einen
schwierigen und lebenswichtigen Prozeß dar, von kritischer Bedeutung
für unsere Sicherheit.

Die Aufrechterhaltung eines Machtgleichgewichts

als solches wäre unzureichend, denn es ließe das dringende Gebot unberücksichtigt, sich darüber bewußt zu sein, daß eine erwachte Weltbevölkerung
auf fundamentalen Veränderungen in den menschlichen Lebensbedingungen beharrt.
Die Gestaltung eines Rahmens für einen globalen Wandel unter Außerachtlassung der Realitäten der Macht aber würde zu einer fundamentalen weltpolitischen Instabilität mit beitragen; sie würde die globale Umgestaltung
aus einem potentiell positiven Prozeß in einen Zustand zunehmender
Aufsplitterung und schließlicher Anarchie umwandeln.
Seit 1945 haben die Vereinigten Staaten die zentrale Rolle bei der
Aufrechterhaltung einer globalen Stabilität gespielt.

Anfänglich

konzentrierten sich unsere Benühungen vor allem auf die Verteidigung Westeuropas.

Heute stellen Westeuropa, der Ferne Osten und der Nahe Osten

drei eng miteinander in Beziehung stehende strategische Zonen von zentraler
Bedeutung für das überleben des Westens als Ganzes und für die globale
wirtschaftliche Stabilität dar.

Das ist eine wichtige strategische

Realität und hat politische wie militärische Auswirkungen.

Die Vereinigten

Staaten müssen mit den Ländern in allen drei Zonen zusammenarbeiten,
um die Unabhängigkeit dieser Regionen zu schützen.
Die Entwicklung kooperativerer Beziehungen zu einer Macht wie China
ist ein anderer wichtiger neuer Faktor in der geopolitischen Gleichung,
der zu größerer globaler Stabilität beiträgt.

Was nun

�II
.. Was nun das strategische nukleare Gleichgewicht anbetrifft, so brachte
die letzten dreißig Jahre eine Verschiebung von der Monopol- und Vormachtstellung der USA zu der weitaus komplexeren Situation der gegenseitig
gesicherten Zerstörung.
Darüber hinaus ergibt sich aus dem gewaltigen Impuls, mit dem die
Sowjets ihre Nuklearmacht ausbauen in der Tat die Möglichkeit, daß die
Sowjetunion vielleicht doch eine wahrhaft nukleare Kriegsführungskapazität
zu erlangen sucht. Dementsprechend müssen wir, wenn wir an die achtziger
Jahre denken, acht haben auf die nuancierte psychologisch-politische
Beziehung zwischen Kapazitäten für eine wirksame Abschreckung und
Kapazitäten für eine Kriegsführung. Und daher müssen wir - um eine
wirksame Abschreckung beizubehalten - unsere eigene Kapazität erhöhen, um
einen Konflikt in Ruhe meistern und eine nukleare Eskalation wirksam
unter Kontrolle halten zu können.
Unsere Aufgeschlossenheit gegenüber der wachsenden Komplexität
der Abschreckung ist aber nur ein Element in dem globalen Machtverhältnis.
Rüstungskontrolle - ein neuer Faktor in der globalen Sicherheit - ist
ebenfalls von Bedeutung. Daher leisten solche Schritte wie SALT I und
SALT II, die auf der Einsicht beruhen, daß Sicherheit nicht nur durch
Waffen allein gewonnen werden kann, einen Beitrag zu größerer Stabilität
und Voraussagbarkeit in der stratetischen Gleichung.

III
Das politische Erwachen der Menschheit und die daraus resultierende
weltweite Umverteilung der Macht ist die alles beherrschende Realität

�Realität unserer Zeit.

Gegen Ende dieses Jahrhunderts werden etwa

vier Fünftel der Menschheit in Asien, Lateinamerika und Afrika leben.
Infolgedessen kann der Westen nicht länger in der Weltpolitik dominieren.
Die einzige Alternative zu dieser dominierenden Stellung ist eine weitere
globale Kooperation, die auf der Anerkennung des grundlegenden Wandels
beruht.

Nur so läßt sich sicherstellen, daß der globale Wandel nicht in

wilder, chaotischer Form erfolgt und in immer stärkerem Maße von unseren
Gegnern ausgenutzt wird.
Es ist daher wichtig, daß die unvermeidlichen Spannungen, die mit
einem fundamentalen sozio-politischen Wandel verbunden sind, nicht von
Großmächten, sei es direkt oder indirekt, ausgenutzt werden. Dem Export
der Revolution durch Stellvertreter oder durch direkte militärische Macht
muß Widerstand geleistet werden, denn andernfalls wird der globale Wandel
zu einer globalen Anarchie werden. Aus diesen Überlegungen heraus ergibt
sich die gebieterische Forderung, daß Selbstbeschränkung und Zurückhaltung
das Leitprinzip für das Verhalten der Großmächte in bezug auf lokale
Konflikte in den weniger stabilen Teilen der Welt sein müssen.
Zu den Hauptelementen unserer Bemühungen um die Förderung einer
wahrhaft globalen Kooperation, durch die eine gerechtere Teilhabe an
der globalen politischen und wirtschaftlichen Macht erzielt werden soll,
zählen dementsprechend:
Erstens, die enge Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten,
Westeuropa, und Japan;
zweitens, die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zu einigen
der regional und international einflußreichen aufstrebenden Länder
der dritten Welt, einschließlich der gemäßigten arabischen Staaten,
deren Einfluß wesentlich ist für die Gestaltung eines wirtschaftlichen
und politisch gemäßigten Nahen Ostens;
drittens

�drittens, stärkere Berücksichtigung der multilateralen und regionalen
Organisationen, wie die UN, die OAU und ASEAN, da sie die hervortretenden neuen Realitäten einer im wahrhafteren Sinne pluralistischen
Welt repräsentieren.

IV
Beim gemeinsamen Abstecken dieses Rahmens, der viele dieser Möglichkeiten umfaßt, behält die Rolle der NATO ihre elementare Bedeutung.

Das

Bündnis, ein Garant grundlegender westlicher Sicherheit, hat für uns im
Zusammenhang mit dem weltweiten strategischen Gleichgewicht eine besondere
Bedeutung.

Lassen Sie mich einige Worte zu einem besonders wichtigen Aspekt

dieses Gleichgewichts sagen.
Beim Eintritt ins vierte Jahrzehnt ihres Bestehens steht die NATO
vor einer Herausforderung und einer Entscheidung wie nie zuvor in ihrer
Vergangenheit. Die Herausforderung kommt von einer entschlossenen,
mächtiger werdenden Sowjetunion. Wir haben jedoch die Wahl, ob wir das
sowjetische Übergewicht ruhig hinnehmen oder es wirkungsvoll verhindern
sollen. Lassen Sie mich über beides reden.
Zunächst die Herausforderung. Es ist eine Tatsache, daß die Sowjetunion ihre militärischen Ausgaben im Verlauf der letzten 15 oder sogar
20 Jahre erhöht hat. Die Ausstrahlung der sowjetischen Macht hat bereits
weltweiten Umfang angenommen. Hand in Hand damit fährt die Sowjetunion
fort, wesentliche Mittel für eine regionale Aufrüstung bereitzustellen.
In keinem Bereich ist diese Aufrüstung deutlicher als bei den sowjetischen
Streitkräften gegenüber Westeuropa. Zu dieser Aufrüstung gehören alle
Aspekte der sowjetischen Militärmacht: konventionelle Streitkräfte,
taktische Kernwaffen längerer und kürzerer Reichweite sowie interkontinentale

�interkontinentale Waffen.
Ein Teil dieser Aufrüstung - die taktischen Nuklearwaffen großer
Reichweite - geben besonders zu denken.

Die SS-20-Raketen stellen gegen-

über den vorausgegangenen Generationen des sowjetischen Raketenarsenals
sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht einen ungeheuren
Fortschritt dar.

Im Vergleich zu den älteren SS-4 und SS-5 ist die SS-20

dreimal so treffsicher wie die eine und sechsmal so treffsicher wie die
andere.

Und während eine frühere Generation gegen die europäischen NATO-

Länder gerichteter Raketen nur einen einzigen Gefechtskopf trug, sind
es bei der SS-20 drei.

Zudem vergrößern die Beweglichkeit der SS-20, ihre

größere Reichweite sowie die Tatsache, daß ihre Abschußanlagen nach einem
ersten Abfeuern rasch wieder nachgeladen werden können, sowohl die
Zerstörungskraft der Waffe als auch ihre Überlebensfähigkeit gegenüber
einem Angriff erheblich.
Zusätzlich zur SS-20 Rakete hat die Sowjetunion einen Bomber mittlerer
Reichweite disloziert - den Backfire Bomber -, dessen Reichweite, die jene
von früheren sowjetischen Flugzeugen weit übersteigt, ihn zum direkten
Angriff auf Westeuropa befähigt.
Wir sind uns im klaren darüber, daß die Sowjets ein umfangreiches
und anhaltendes Programm zur Modernisierung, Ausweitung und Dislozierung
ihrer Nuklearstreitkräfte in und für Europa (TNF) betreiben. Was dies
praktisch bedeutet, kann man einfach und zugleich nüchtern so ausdrücken:
Bei der gegenwärtigen Dislozierungsrate der Sowjets wird ungefähr jeden
zweiten Tag ein neuer SS-20 Gefechtskopf disloziert.
•

Einesoich anhaltende Anstrengung geht weit über das hinaus, was man
mit der Befriedigung vernünftiger Verteidigungsnotwendigkeiten erklären
könnte. Und trotzdem hat die NATO im gleichen Zeitraum tatsächlich nichts
getan, um ihre eigenen weitreichenden Nuklearstreitkräfte in und für

�für Europa (TNF) zu verbessern.
Die Herausforderung, vor der wir nun stehen, ist nicht nur eine
militärische. Meiner Meinung nach haben wir weit mehr von der Möglichkeit
politischer Einschüchterung zu befürchten. Wenn die NATO als unwillig
oder als unfähig zur Beantwortung der Drohungen eines auf europäisches
Gebiet begrenzten nuklearen Kriegs angesehen werden sollte - und der
Mangel jeglicher wirksamer Nuklearstreitkräfte in Europa müßte sie nahezu
mit Sicherheit in diesem Licht erscheinen lassen - dann würde sich die
Chance für politische Pressionen von selten der Sowjets entsprechend vergrößern.
Das ist die Herausforderung. Die Entscheidung liegt eindeutig bei uns.
Wir können als ein Bündnis beschließen, nichts zu tun, um die erhebliche
Modernisierung der sowjetischen Nuklearstreitkräfte in und für Europa
(TNF) wettzumachen. Wir können ruhig dasitzen und abwarten und hoffen,
daß wir mit den Konsequenzen der Ungleichheit fertig werden können;
wir können uns auch in Passivität einlullen lassen und das Bündnis in
einer Situation der Ungleichheit und wachsenden Verwundbarkeit belassen.
Oder wir können jetzt wirksame Maßnahmen ergreifen. Das wiederum heißt:
Dislozierung starker in Europa stationierter Systeme, die fähig sind,
sowjetisches Territorium zu erreichen.
Eine solche Entscheidung, NATO-Systeme zu dislozieren, würde nicht
nur die Glaubwürdigkeit unserer Abschreckung intakt erhalten, sondern
auch zu einer Verbesserung der Bedingungen beitragen, unter denen sinnvolle Rüstungskontroll Verhandlungen zwischen Ost und West stattfinden
können. Im Einklang mit unseren beiden Zielen der Abschreckung und
Entspannung hat das Bündnis in Beratungen während des letzten Jahres
in der Tat aktiv die Möglichkeiten einer sinnvollen Politik der Rüstungskontrolle zusammen mit der Notwendigkeit der Modernisierung der für Nuklearwaffen eingerichteten Systeme sondiert. Es ist kein Geheimnis, daß wir

- 7 -

�wir beide Wege - wirksame Rüstungskontrolle und Modernisierung

- als

einander ergänzend ansehen und daß wir erwarten, bis zum Ende dieses
Jahres in überzeugender Weise auf beiden Wegen voranzukommen.

Die wahre

Bewährungsprobe für die Zielsetzung der NATO liegt bei den Parlamenten
und der Öffentlichkeit unserer Verbündeten.

Sind sie bereit, den

politischen Preis zu zahlen, der notwendig ist, um die unendlich viel kostspieligere Alternative zu vermeiden, bei der es bestenfalls auf Einschüchterung und schlimmstenfalls sogar auf Krieg hinausläuft?
Möge kein Zweifel an unserer unbedingten Verpflichtung oder unserer
Entschlossenheit bestehen, Europa mit allen notwendigen Mitteln - nuklearen
und konventionellen - verteidigen zu helfen.

Die Verpflichtung der

Vereinigten Staaten gegenüber der Sicherheit Europas ist unerschütterlich.
Sie ist ein geschlossenes und vollständiges Ganzes.

Wir sehen die Sicherheit

Westeuropas als einen Tai! unserer eigenen Sicherheit.

Wir sind uns

bewußt, daß jede Bedrohung der Sicherheit Westeuropas eine direkte Bedrohung
der Sicherheit der Vereinigten Staaten ist.

Die unbedingte Verpflichtung

Amerikas, Europa nuklear oder konventionell zu verteidigen, ist ein
integraler Bestandteil unserer eigenen Verteidigungsposition.

Es gibt

keine erdenklichen Umstände, unter denen wir nicht auf eine gegen die
Sicherheit unserer Verbündeten in Europa gerichtete Drohung reagieren
würden.
Die Gefahr, der wir uns in den achtziger Jahren gegen'übersehen
könnten, wird nicht die Abkopplung Amerikas von Europa sein, sondern
viel eher wird die Gefahr von einer Fehleinschätzung seitens der Sowjets
herrühren - das heißt von der Meinung, daß sich das Bündnis durch
Versäumnis,mit den sich verändernden strategischen Verhältnissen Schritt
zu halten, von seiner traditionellen Zielsetzung abgekoppelt habe.
Wir müssen jeden nur möglichen Grund für eine solche Fehleinschätzung
beseitigen.

Es ist meine Überzeugung, daß die Entscheidung, die Präsident

- 8 -

�Präsident Carter vor wenigen Wochen in bezug auf die MX-Rakete getroffen
hat, und die Entscheidungen, die die NATO in Kürze über die Nuklearstreitkräfte in und für Europa (TNF) treffen muß, zu den bedeutsamsten zählen,
die das westliche Bündnis je zu treffen hatte. Historisch gesehen stehen
diese Entscheidungen auf der gleichen Stufe mit der Schaffung des
Strategischen Bomberkommandos durch Präsident Truman und der Dislozierung
der Interkontinentalraketen durch Präsident Kennedy.

Eine jetzige

positive Entscheidung wird uns überlebensfähige Systeme auf beiden Seiten
des Atlantik geben. Diese wiederum werden die Verhandlungsfähigkeit des
Westens in Krisensituationen außerordentlich verstärken und damit zu einer
globalen Stabilität beitragen.
Wir nähern uns in unserem Bündnis einer Wasserscheide. Das Problem,
vor dem wir stehen, ist im Grunde ein ganz einfaches: Wir müssen nicht
zwischen Entspannung und Verteidigung wählen. Wir müssen beides haben und mit politischem Willen - können wir dies auch.

+ + + + +

- 9 -

�ffl

mm

3W

Wirt/chcift
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. Oktober 1979

40

US-ZENTRALBANKRAT VERSCHÄRFT KAMPF GEGEN DIE INFLATION
Anhebung des Diskontsatzes - Einführung einer Zusatz-Reservepflicht
Restriktion der Geldmengenausweitung
- Bekanntmachung des Federal Reserve Board vom 6. Oktober 1979 -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Federal Reserve
Board (Direktorium des US-Zentralbankensystems) hat am
6. Oktober eine Reihe einschneidender Maßnahmen zur
Eindämmung der Inflation bekanntgegeben:
Anhebung des Diskontsatzes von 11 auf 12 Prozent,
Einführung einer achtprozentigen Zusatz-Reservepflicht
auf den Zuwachs bestimmter Bankverbindlichkeiten und
striktes Beharren auf den für 1979 gesetzten GelmengenZielspannen.
Der Federal Reserve Board forderte in diesem Zusammenhang
alle in den Vereinigten Staaten tätiqen Banken auf,
künftig keine Kredite mehr zu gewähren, die mit dazu
beitragen könnten, die Gold-, Waren- und Devisenspekulation anzuheizen.
Wie

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Wie Finanzminister G. William Miller am 8. Oktober
unter Hinweis auf die anti-inflationistischen Maßnahmen
des Zentralbankensystems (Federal Reserve System) auf
einer Tagung der Vereinigung der amerikanischen Bankiers
(American Bankers Association) in New Orleans erklärte,
fordere der Kampf gegen die Inflation "Disziplin und
Mäßigung" von allen Amerikanern. Amerika gehe einer
Periode einer fair verteilten Austerität entgegen.
Miller kündigte die Schaffung einer Dreiergruppe aus
Vertretern der Unternehmer, der Gewerkschaften und des
Staates an, deren Hauptaufgabe es sein werde, Normen
für die Lohnentwicklung aufzustellen, um inflationären
Pressionen von Seiten der Lohn- und Preisentwicklung
entgegenzuwirken.
Die Maßnahmen des Federal Reserve Board vom 6. Oktober
werden, den Ausführungen Millers vor der Bankier-Vereinigung zufolge, die Kontrolle über die Expansion der
Geldmenge und der verfügbaren Kreditmittel verbessern
und die Stabilität auf den Devisenmärkten erhöhen.
Der Vorsitzende des Federal Reserve Board, Paul Volker,
nahm in einer Rede vor der Vereinigung amerikanischer
Bankiers am 9. Oktober gleichfalls Stellung zu den
neuen Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation. Er verwies
auf die "dramatische Zunahme der Besorgnis im ganzen
Lande wegen der inflationären Entwicklung - eine
Besorgnis, die über wirtschaftliche, soziale und selbst
politische Interessen hinausgreift" und nannte sie "einen
unmißverständlichen Hinweis" darauf, daß Amerika der
Inflation energisch entgegentreten werde.
Die Bekanntmachung des Federal Reserve System (Zentralbankensystem)
vom 6. Oktober hat folgenden Wortlaut:
Der Federal Reserve Board hat heute eine Reihe von komplementären
Maßnahmen verfügt, die eine bessere Kontrolle über die Expansion der Geldmenge und der Bankkredite sicherstellen und mithelfen dürften,spekulative
Auswüchse auf den Geld-, Devisen- und Warenmärkten zu unterbinden und die
inflationistischen Kräfte einzudämmen.

�Es werden folgende Maßnahmen ergriffen:
1.

Eine einstimmig beschlossene einprozentige Erhöhung des Diskontsatzes von 11 auf 12 Prozent.

2.

Einführung einer achtprozentigen Zusatz-Reservepflicht auf den
Zuwachs an "managed liabilities" (von den Banken zur Refinanzierung
ihres Kreditgeschäftes aufgenommene Mittel der auf Seite 6 beschriebenen Art. Anmerkung der Redaktion) - Verbindlichkeiten,
die aktiv dazu benutzt wurden, die rasche Expansion der Bankkredite zu finanzieren.

Auch diese Maßnahme wurde vom Federal

Reserve Board einstimmig beschlossen.
3.

Eine Änderung der Methode der Führung der Geldpolitik, die auf
das Ziel gerichtet ist, das Wachstum der Geldmenge für den Rest
dieses Jahres innerhalb der zuvor vom Federal Reserve Board
beschlossenen Zielspannen zu halten. Diese Spannen stehen im
Einklang mit einem mäßigen Wachstum der Geldmenge während der
nächsten Monate. Dieser Beschluß bedeutet, daß in den täglichen
Operationen größerer Nachdruck auf die den Banken zur Verfügung
stehenden Reserven und weniger Nachdruck auf die Einengung kurzfristiger Schwankungen des Zinssatzes für Federal Funds (von
Banken aufgenommene kurzfristige Gelder, meist Tagesgelder, aus
den Reserve-Beständen beim Zentralbankensystem. Anmerkung der
Redaktion). Dieser Schritt fand die einmütige Billigung des
Offenmarktausschusses (Federal Open Market Committee - FOMC),
der sich aus den sieben Mitgliedern des Direktoriums den Zentralbankensystems und fünf der Präsidenten der 12 Bundeszentralbanken
zusammensetzt.

Anläßlich der Bekanntgabe dieser Änderungen gab der Federal Reserve
Board folgende Erklärung ab:
Die
- 3 -

�"Die Inflation setzte sich in den letzten Monaten mit
extrem hohen Raten fort.

Zum Teil spiegeln die hohen Inflations-

raten die stark gestiegenen Energiepreise wider;
dürfte in den kommenden Monaten nachlassen.

dieser Druck

Dennoch ist eine

angemessene Begrenzung des Geld- und Kreditangebots ein wesentlicher
Bestandteil eines jeden Programms, das die dringend notwendige
Verringerung des inflationären Drucks und der inflationären
Erwartungen zum Ziel hat.

Eine derartige Begrenzung des Geld-

und Kreditangebots soll mit dazu beitragen, neue Unsicherheiten
bezüglich der künftigen Preisentwicklung und auch Marktverzerrungen
zu vermeiden, die den gegenwärtig in Gang befindlichen wirtschaftlichen Anpassungsprozeß zu erschweren geeignet sind.

Sie

wird mithelfen, eine stabile Basis für die Preisgestaltung auf den
Kapital-, den Devisen- und den Warenmärkten wiederherzustellen.

Gemäß den Bestimmungen des Humphrey-Hawkins-Gesetzes setzt
der Federal Reserve Board jedes Jahr Zielspannen für die Geldmenge und das Volumen des Kreditgeschäftes der Banken fest und
erstattet dem Kongreß hierüber Bericht. Gegen Mitte dieses Jahres
wurden die Zielspannen für 1979, die für den Zeitraum vom 4.
Quartal 1978 bis zum 4. Quartal 1979 gelten, überprüft und auf
Spannen von 1,5 bis 4,5 Prozent für die Geldmenge M-l, 5 bis
8 Prozent für die Geldmenge M-2 und 6 bis 9 Prozent für die Geldmenge M-3 festgesetzt '', Diese Zielspannen, werden unter Berück-

Die Zielspanne für M-l basiert auf der Annahme, daß es zu einer
Verlagerung in der Größenordnung von 3 Prozent von Sichteinlagen auf
(niedrig-verzinsliche) Automatische Umbuchungs-Konten (Automatic Transfer
Service Accounts - ATS Accounts) bzw. Abrufkonten mit schriftlicher
Kündigung (Negotiable Order of Withdrawl Accounts - NOW Accounts) kommen
werde. Inzwischen hat sich gezeigt, daß 1,5 Prozent der Sichteinlagen
solchermaßen verlagert wurden, sodaß sich die berichtigte Zielspanne
für M-l auf 3 bis 6 Prozent beläuft.

- 4 -

�Berücksichtigung der geringer als erwartet ausgefallenen Verlagerung von Sichteinlagen auf ATS- und NOW-Konten generell als
angemessen angesehen.
Die Ausweitung der Geldmengen in den verschiedenen Abgrenzungen und des Bankkreditgeschäfts hat sich in den letzten
Monaten rascher vollzogen als dies mit diesen Zielspannen
vereinbar ist. Sie würde, ließe man den Dingen freien Lauf,
unter dem Gesichtspunkt userer grundlegenden wirtschaftlichen
Zielsetzungen sicherlich exzessiv ausfallen. Die jüngsten
Aktionen des Federal Reserve Board, die den zwangsläufigen
zeitlichen Verzögerungen des Wirksamwerdens Rechnung tragen,
dürften geeignet sein, die Ausweitung der Geld- und Kreditvolumina in den nächsten Monaten in den Grenzen der Zielspannen zu halten. Die heute angekündigten Maßnahmen sollen
eine weitere Gewähr dafür schaffen, daß diese Zielspannen eingehalten werden."
Der Federal Reserve Board betonte, daß die Banken die Gewährung von
Krediten vermeiden sollten, die Spekulationen auf den Gold-, Waren- und
Devisenmärkten Vorschub leisten könnten.

Diskontsatz
Mit der angekündigten Anhebung des Diskontsatzes entsprach der
Federal Reserve Board dem Ersuchen der Direktoren der Zentralbanken in
New York, Philadelphia, Cleveland, Richmond, Minneapolis und San Francisco.
Der Diskont ist der Zinssatz, den Mitgliedbanken auf Gelder bezahlen
müssen, die sie bei der für ihren Distrikt zuständigen Distriktzentralbank aufnehmen. Die verfügten Änderungen tretem am Montag, dem 8. Oktober,

- 5 -

�in Kraft.
Der Federal Reserve Board gab zu verstehen, daß der Diskontsatz
innerhalb des allgemeinen Rahmens der bestehenden Rediskontierungsrichtlinien flexibel gehandhabt werden soll, um vor einer überhöhten Geldaufnahme durch die Mitgliedbanken des Zentralbankensystems abzuschrecken.

Zusatz-Reservepf1icht
Die vom Federal Reserve Board gebilligte Zusatz-Reservepflicht
erstreckt sich auf jeden Zuwachs der Verbindlichkeiten von Mitgliedbanken, der unter dem Edge-Act operierenden Gesellschaften und der
Filialen und Zweigstellen ausländischer Banken.
Das bedeutet, daß diese Institute fortan verpflichtet sein werden,
eine zusätzliche Reserve in Höhe von 8 Prozent der Einlagen zu unterhalten,
um die sich ihre "managed liabilities" über einen Grundbetrag hinaus erhöhen. Diese Verbindlichkeiten schließen ein: hohe Termineinlagen
(Einlagen in Höhe von 100 000 Dollar und darüber mit einer Laufzeit von
weniger als einem Jahr), Eurodollar-Kredite, Pensionsgeschäfte in Wertpapieren des Bundes und der Bundesoberbehörden und von Nicht-Mitgliedbanken
aufgenommenen Federal Funds. (Bei Mitgliedbanken, Edge-Act-Gesel1 Schäften
und amerikanischen Filialen und Zweigstellen ausländischer Banken aufgenommene Federal Funds sind von der Reservepflicht befreit, um eine doppelte
Erfassung durch diese zu vermeiden.)
Die Zusatz-Reservepflicht wird über die bereits bestehenden Mindesreserveverpflichtungen der Mitgliedbanken und Edge-GesellSchäften hinaus
wirksam. Große Termineinlagen unterliegen beispielsweise bereits seit
November vergangenen Jahres einer zweiprozentigen zusätzlichen Reservepflicht, die zu der nach der Laufzeit von 1 bis 6 Prozent gestaffelten

- 6 -

�gestaffelten allgemeine Reservepflicht hinzukommt.
Die derzeitige Reservepflicht auf Eurodollar-Kreditaufnahmen beträgt
null Prozent, während Federal Funds-Transaktionen und Pensionsgeschäfte
in Wertpapieren des Bundes und der Bundesoberbehörden von der Reservepflicht befreit sind.

Die Zusatz-Reservepflicht betrifft jedoch auch

Kredite, die Auslandsfilialen von Mitgliedbanken Gebietsansässigen gewähren und Aktiva, die Mitgliedbanken, Edge-GesellSchäften und amerikanische
Filialen und Zweigstellen ausländischer Banken auf mit ihnen affiliierte
Institute übertragen.
Basis für die Zusatz-Reservepflicht sind 100 Millionen Dollar oder
der Durchschnittsbetrag an "managed liabilities" von Mitgliedbanken,
Edge-GesellSchäften oder den amerikanischen Außenstellen einer ausländischen
Bank in den beiden dem 26. September vorausgehenden Bilanzwochen, wobei
der jeweils größere Betrag maßgebend sein soll. Jeder Zuwachs der "managed
liabilities" über diese Basis hinaus unterliegt der Zusatz-Reservepflicht
in Höhe von 8 Prozent.
Da die Zusatz-Reservepflicht für die Gesamtheit der "managed liabilities"
einer Bank gilt, kann eine Zunahme bei einer Art Verbindlichkeiten - beispielsweise bei den auf hohe Beträge lautenden Depositen-Zertifikaten
(Certificates of Deposits) - gegen eine Abnahme in einer anderen Art von
Verbindlichkeiten aufgerechnet werden, ohne daß sich hieraus eine Erhöhung der Reservepflicht ergibt.
Diese Maßnahme richtet sich gegen die Arten von aufgenommenen Geldern,
die von den Banken in den letzten Monaten aktiv dazu benutzt wurden, die
Ausweitung ihres Kreditvolumens zu finanzieren. Die Mitgliedbanken verfügen gegenwärtig schätzungsweise über derartige "managed liabilities"
in Höhe von mehr als 240 Milliarden Dollar. Der Bestand ist während der
letzten drei Monate um etwa 17 Milliarden Dollar gestiegen. Etwa die Hälfte

- 7 -

�Hälfte der Zunahme der Bankenkredite in diesem Zeitraum wurde aus derartigen "managed liabilities" finanziert.
Die Zusatz-Reservepflicht erstreckt sich auch auf den Nettozuwachs
bei allen Pensionsgeschäften in Wertpapieren des Bundes und der Bundesoberbehörden, die Mitgliedbanken, Edge-GesellSchäften und amerikanische
Filialen und Zweigstellen ausländischer Banken eingeben

mit Ausnahme

solcher Geschäfte, die sie mit anderen Mitgliedbanken, Edge-GesellSchäften
und amerikanischen Filialen und Zweigstellen ausländischer Banken abschließen.

Befreiung von der Zusatz-Reservepflicht ist jedoch im Falle

von Wertpapieren des Bundes und der Bundesoberbehörden zulässig, die
ein Institut in seinen Handelsbeständen hält - bei Titeln also, die
zum Weiterverkauf gehalten werden.

Der Federal Reserve Board erwartet,

daß es die hiervon betroffenen Institute unterlassen, Wertpapiere aus
ihren Anlagebeständen auf ihre Handelsbestände zu übertragen, um auf diese
Weise die Zusatz-Reservepflicht zu umgehen.
Die Zusatz-Reservepflicht wird wirksam für den Zuwachs an "managed
liabilities" in der am 11. Oktober beginnenden Bilanzwoche der während
des am 25. Oktober beginnenden Sieben-Tages-Zeitraums fortbesteht. Da
amerikanische Filialen und Zweigstellen ausländischer Banken erstmals
Reserven beim Zentralbankensystem halten müssen, beginnt für sie die
Pflicht zum Unterhalt von Reserven am 8. November.

Maßnahmen des Offenmarktausschusses
Unter den neuen Verfahrensreneln, die der Offenmarktausschuß für
die Abwicklung von Offenmarktgeschäften - dem wichtigsten Instrument
des Federal Reserve Board für die Durchführung seiner Operationen - einge
führt hat, kann es bei den Zinssätzen für Federal Funds von Tag zu Tag
oder von Woche zu Woche zu größeren Schwankungen kommen. Die Federal

- 8 -

�Federal Funds-Rate ist der Zinssatz, den Geschäftsbanken bei der Aufnahme
kurzfristiger Mittel, gewöhnlich als Tagesgeld zu zahlen haben.
Während der letzten Jahre hat der Offenmarktausschuß für die Federal
Funds-Rate gewöhnlich eine relativ enge Spanne festgesetzt. Um eine
bessere Kontrolle über die Reserve-Basis zu erlangen, wird es fortan
notwendig sein, innerhalb einer breiteren Spanne größere Fluktuationen
der Federal Funds-Rate zuzulassen, soweit sich diese aus dem Marktgeschehen
ergeben.
Im Zuge ihrer Offenmarktgeschäfte kauft und verkauft das Zentralbankensystem Staatspapiere über seine Handelsagentur in der Federal
Reserve Bank of New York auf dem offenen Markt. Kurz gesagt, der Ankauf
von Wertpapieren erhöht den Umfang der Bankreserven während ein Verkauf
solcher diese vermindert.

+ + + + +

- 9-

�International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. Oktober 1979

40

SALT II UND DIE NATO-VERBÜNDETEN
- Senator Joseph Biden legt Bericht vor -

WASHINGTON - (AD) - Der Vorsitzende des Unterausschusses für europäische
Angelegenheiten des Außenpolitischen Ausschusses des Senats, der demokratische
Senator Joseph Biden aus Delaware, legte am 9. Oktober 1979 einen Bericht vor,
der auf die Auswirkungen des Abkommens zur Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT II) auf die Verbündeten der Vereinigten Staaten im Rahmen der NATO
eingeht.
Der Senator gab dazu vor dem Außenpolitischen Ausschuß folgende Erklärung

ab:
Als Vorsitzender des Unterausschusses für europäische Angelegenheiten
ist es heute meine Absicht, einen Bericht der Mitarbeiter dieses Ausschusses
vorzulegen, der den Titel "SALT und die NATO-Verbündeten" trägt. Zugleich will
ich das bedeutsame Thema unterstreichen, das dieser Bericht dokumentiert, nämlich die entscheidende Beziehung zwischen der Ratifizierung des SALT II-Abkommens und&gt; der Stärke des Atlantischen Bündnisses.
Kein

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 08-85432

�Kein Aspekt der amerikanischen Militärmacht - unsere Interkontinentalraketen, unsere strategischen Bomber, unsere Unterseeboote - ist für die
Sicherheit der Vereinigten Staaten von größerer Bedeutung als die Stärke und
Einheit des Bündnisses der westlichen Demokratien.
stein unserer nationalen Verteidigung.

Die NATO ist der Grund-

Daher ist nichts, was sich aus einer

Zustimmung oder einer Ablehnung von SALT II durch den Senat ergibt, von größerer Bedeutung als die Wirkung, die ein solches Ergebnis auf das Bündnis, auf
seine politische Einheit und seine militärische Stärke haben wird.

Aus diesem Grund glaube ich, daß der Bericht, den ich heute vorlege,
verstanden werden sollte als ein Bericht, der sich der grundlegenden Frage
zuwendet, vor der der Senat in der SALT-Debatte steht.

Lassen Sie mich den Bericht zunächst in seinen Kontext stellen.

über mehrere Monate hinweg haben die Kritiker des Vertrages im Verlauf
der sich entwickelnden SALT-Debatte eine Reihe von Taktiken benützt.

Zu Be-

ginn ging die Hauptstoßrichtung dahin, den Vertrag deshalb anzugreifen, weil
er, wie es damals zu sagen Mode war, angeblich "fatale Fehler" hatte. Vor
Beginn der Anhörungen über den SALT-Vertrag sah es so aus, als stellte diese
Propaganda von den "fatalen Fehlern" tatsächlich eine ernsthafte Bedrohung
des Vertrags dar.

Tatsächlich bestand eine der herausragendsten Leistungen

des Prozesses der öffentlichen Anhörungen darin, ziemlich rasch und schlüssig

darzulegen, daß diese Anschuldigungen über die Bedingungen des Vertrags

im wesentlichen haltlos waren.

Besonders bemerkenswert war in dieser Hinsicht

das sogenannte "schwere-Raketen"-Argument, das man nunmehr als den Versuch
einiger Leute ansehen kann, Kapital aus dem Angstwert dessen zu schlagen, was
nicht nur kein Thema, sondern aufgrund der Grenzen der Fraktionierung im Vertrag ein eindeutig positiver Zug des SALT II-Abkommens war.

Eine weitere Frage, die aufgeworden wurde, betraf die Verifizierbarkeit
des Vertrags.

Unter eingehender Prüfung ist auch diese Kritik verblaßt. Als

Mitglied des Ausschusses für Nachrichtendienste habfe ich mich mit diesen Fragen eingehend beschäftigt und glaube, daß die Verifizierbarkeit ein Thema ist,
- 2-

�ist, das man nunmehr zu den Akten legen sollte.

Wieder ein anderes Problem war das des "Junktims".

Unter dieser Über-

schrift haben wir eine große Vielfalt von etwas erlebt, was ich euphemistisch
als "politische Kreativität" bezeichnen möchte.

Einige Senatoren haben mutig

darauf bestanden, wir sollten SALT zu dem Versuch verwenden, jeden Aspekt des
sowjetischen Verhaltens überall in der Welt zu kontrollieren - obgleich sie
nie erklärten, auf welche Weise sie dies tun wollten.

Andere wiederum schienen

bescheidener zu sein und die Zukunft von SALT nur mit einer Brigade sowjetischer
Truppen auf Kuba zu verknüpfen.

Beide Anstrengungen sind natürlich zum Schei-

tern verurteilt, da die eine an Hybris leidet, die andere an einem nahezu humoristischen Verlust der Proportionen.

Es steht zu hoffen, daß die zirkusähn-

liche Atmosphäre der letzten Monate eine ernüchternde Katharsis ermöglicht
und daß die SALT-Debatte nun wieder einmünden kann in die Erkenntnis, daß dieser Vertrag für sich gewertet werden muß als ein Schritt in Richtung auf eine
verifizierbare Rüstungsbegrenzung und nicht als geopolitische Verhaltenskontrolle.

Für ein weiteres Problem sorgte eine Gruppe von "Kraftmeiern", zu deren
Mitgliedern der ehemalige Außenminister Kissinger sowie eine Reihe anderer
gehört, die keine Regierungsverantwortung mehr tragen, die aber auch einige
Senatoren umfaßt.

Die Mitglieder dieser Gruppe versuchen, eine Art innenpoli-

tischem Junktims zu schaffen, indem sie nach folgendem Prinzip vorgehen:
Egal, wieviel die Regierung für Verteidigung ausgeben will - sie wollen zwei
Prozent mehr und werden nicht für SALT stimmen, solange sie diese nicht erhalten.

Man kommt nicht umhin, anzunehmen, daß diese Einstellung weniger mit der

Landesverteidigung zu tun hat als mit einer bestimmten Art des politischen Posierens derjenigen, die als Schiedsrichter der Senatsdebatte betrachtet werden
möchten.

Und dann gibt es da schließlich noch eine Kritik, die die NATO-Verbündeten
Amerikas betrifft, die sich zwar einhellig für den SALT II-Vertrag ausgesprochen haben, dies aber, wie man behauptet, angeblich nur getan haben, weil sie
aus Loyalität dem Seniorpartner der NATO gegenüber dazu gezwungen waren. Pri- 3 -

�Privat haben unsere Verbündeten dieser Behauptung zufolge tiefgreifende Bedenken:

Speziell mögen sie die Bedingungen des Vertrags nicht und ganz all-

gemein sehen sie den Vertrag als ein Zeichen für die Schwäche Amerikas.
Als ich mir bei Beginn der Debatte darüber klar wurde, daß man sich mit
dieser unfundierten Gerüchtemacherei über unsere europäischen Verbündeten werde
zu befassen haben, entschloß ich mich zu drei Schritten:
- Der erste bestand darin, persönlich mit einer Reihe vielfältiger offizieller Vertreter der Verbündeten sowohl im NATO-Kommando als auch in den Regierungen verschiedener wichtiger Verbündeter zusammenzukommen und mit ihnen
über SALT zu sprechen.
Besonders wichtig waren für mich in dieser Hinsicht meine Gespräche mit
Bundeskanzler Helmut Schmidt und vielen Persönlichkeiten aus der militärischen
und politischen Führungsspitze in der Bundesrepublik Deutschland.
- Der zweite Schritt bestand in der Durchführung öffentlicher 'Anhörungen"
über die Frage der Haltung unserer Verbündeten.

Bei diesen Anhörungen wurde

bezüglich der seit langem gültigen Tradition des Ausschusses insofern eine
Ausnahme gemacht, als Zeugnisse aus erster Hand von einer speziellen europäischen Delegation entgegengenommen wurden,die so ausgewählt war, daß sie
die Nordatlantische Versammlung repräsentierte, das interparlamentarische Organ
des NATO-Bündnisses.
- Drittens und am umfassendsten, gab ich den Auftrag für eine gründliche
Studie durch den Stab unseres Außenpolitischen Ausschusses.

Diese Studie

stand unter der Leitung der beiden Spezialisten für europäische Angelegenheiten
des Ausschusses, John Ritch und Alfred Friendly.

Sie stützten sich in ihrer

Analyse - und in diesem Bericht - auf Dutzende von Interviews mit gutunterrichteten Europäern, wobei der Kreis der Befragten Journalisten und Akademiker,
aber auch Bedienstete europäischer Behörden und Regierungsbeamte der höchsten
Ränge in der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich und Großbritannien einschloß.
Aus
- 4 -

�Aus all den drei Initiativen ergab sich eine einzige uneingeschränkte
Wahrheit:

Die Verbündeten wollen SALT - sie wollen, daß der Vertrag ratifi-

ziert wird und daß er bald ratifiziert wird.

Diese Tatsache war mir aus

meinen Gesprächen mit den führenden Vertretern der Verbündeten klar geworden,
sie fand ihren Widerhall in dem Zeugnis der Delegation der Nordatlantischen
Versammlung und kommt in eindeutiger Stärke und Überzeugungskraft in dem Bericht zum Ausdruck, den ich heute vorlege.

Der Wert dieses Berichts liegt, wie ich glaube, darin, daß er dokumentiert und eindringlich erklärt, warum unsere Verbündeten den SALT-Vertrag
wollen und warum im anderen Falle die Auswirkung einer Ablehnung von SALT für
das Bündnis - und damit für die amerikanische Sicherheit - so schädlich sein
würde.

Ganz allgemein gesagt:

Das Bündnis braucht die Ratifizierung von SALT

aus zwei Gründen - aus einem politischen und aus einem militärischen.
Der politische Grund ist die Notwendigkeit zu einer erneuten Bekräftigung
einer starken amerikanischen Führungsrolle im Atlantischen Bündnis.

Man muß

verstehen, daß Ereignisse der letzten Jahre - so die wenig eindrucksvolle Reaktion Amerikas auf die Energiekrise, der starke Verfall des Dollar und ersichtliche SChlappen der amerikanischen Außenpolitik in Gebieten von Vietnam
bis zum Iran - zusammengewirkt haben,um unter den Europäern ernsthafte Zweifel
an der Kompetenz und Stärke Amerikas aufkommen zu lassen.

Zur gleichen Zeit

aber verlassen sich die Verbündeten auch weiterhin auf die Vereinigten Staaten,
das Rückgrat der NATO zu bilden und die Führung des Bündnisses bei der Gestaltung der Ost-West-Beziehungen zu übernehmen.

Würden die Vereinigten Staaten

jetzt einen SALT-Vertrag, der von' drei Administrationen ausgehandelt wurde,
verwerfen - und damit einen Prozeß, der nach Ansicht der Europäer einen wesentlichen Beitrag leistet zu den stabilen Ost-West-Beziehungen, von denen
ihre Sicherheit abhängt -, so würde ganz Europa von den tiefgreifendsten und
weitreichendsten Zweifeln an der Verläßlichkeit der USA als Führer des Westens
ergriffen werden.
Der
- 5-

�Der militärische Grund liegt darin, daß die Anstrengungen der NATO
zur Erzielung eines zufriedenstellenden Gleichgewichts bei den Nuklearstreitkräften in und für Europa (Theater Nuclear Forces - TNF) in hohem
Maß von der Ratifizierung des SALT-Abkommens abhängen.

Diese Anstrengung

der NATO besteht ihrem Entwurf nach im wesentlichen aus zwei Teilen: der
erste ist ein Programm zur Modernisierung der TNF, um die Abschreckung der
NATO in Europa zu stärken.

Der zweite ist eine Initiative zur europabezo-

genen Rüstungskontrolle, die aus dieser Position der Stärke heraus wahrscheinlich im Rahmen von SALT III durchgeführt werden soll, und die einen Versuch
darstellt, zu einem Ost-West-Abkommen zu gelangen, das ein stabiles Gleichgewicht in Europa kodifiziert. Wegen der akuten politischen Empfindlichkeiten, die eine Dislozierung von Kernwaffen in Westeuropa umgeben, besteht
nunmehr innerhalb des Bündnisses Einigkeit darüber, daß jede Entscheidung
hinsichtlich der TNF-Modernisierung von einer gleichzeitigen Anstrengung
des Bündnisses zur Erzielung einer europabezogenen Rüstungskontrolle begleitet
werden muß, ja, wahrscheinlich ohne eine solche politisch unmöglich wäre.
Zur Erzielung eines endgültigen und einstimmigen Übereinkommens hinsichtlich
dieses zweigleisigen Vorgehens hat sich die NATO den Dezember 1979 als Ziel datum gesetzt. Aber eine amerikanische Ablehnung von SALT II könnten wegen
der Verhinderung der Möglichkeit einer Rüstungskontrolle in Europa oder wegen
ihres Verschiebens auf unbestimmte Zeit diese ganze Anstrengung leicht aushöhlen.

Das Ergebnis wäre ein gefährlicher Schereneffekt:

Die TNF-Ver-

besserungen der NATO wären behindert, während die sowjetische TNF-Dislozierung
sich frei entfalten

könnte.

Daher sollten sich jene Senatoren, die echt und ernsthaft um das Atlantische Bündnis besorgt sind, meiner Meinung nach durch die Sachzwänge der
NATO gezwungen fühlen, diesen Vertrag und seine Ratifizierung ohne Verzögerung zu unterstützen.

Umgekehrt müßten unsere sowjetischen Gegner, falls

sie so unaufrichtig sind, wie man oft behauptet, nichts lieber sehen als die
Niederlage dieses Vertrags im Senat. Wie die Erklärung Präsident Breschnews
in der letzten Woche zeigt, haben die Sowjets deutliche Bedenken hinsichtlich der
von der NATO beabsichtigten Schritte.

Und nichts könnte wirkungsvoller die

amerikanische Führung des Bündnisses und die Anstrengungen der NATO zur Ver- 6 -

�Verbesserung ihrer relativen militärischen Stärke schädigen, als eine Niederlage von SALT II im Senat.

Ich hege die Hoffnung, daß diese Wahrheit allmäh-

lich unseren angeblich so harten Vertragsgegnern dämmert.
Während sich die Debatte im Senat nun der Entscheidung nähert, muß der
zentrale Punkt wiederholt und erneut betont werden:

Es liegt im ureigensten

Verteidigungsinteresse der Vereinigten Staaten, diesen Vertrag zu ratifizieren,
damit wir zu einer Stärkung der NATO und der erneuten Bekräftigung der amerikanischen Führung im westlichen Bündnis gelangen können.

Wenn wir durch kurz-

sichtiges gesetzgeberisches Handeln versagen, werden wir nicht nur das amerikanische Ansehen schwächen, sondern auch das Bündnis, von dem unsere Sicherheit
abhängt.

Der Sinn der vor uns liegenden Debatte muß es sein, diese Wahrheit

so laut und deutlich werden zu lassen, daß sie das politische Posieren hinwegfegt, das uns jetzt noch bestürmt - und bedroht.

+ + + + +

- 7 -

�0.[g|H n

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17.Oktober 1979

40

25 JAHRE INTENSIVE FORSCHUNG IN DER ANTARKTIS
- US-Wissenschaftler starten zur neuen Saison •

- (AD) - Mit dem Beginn des Sommers auf der Südhalbkugel kommt auch die
Forschungsarbeit in der Antarktis wieder voll in Gang. Zahlreiche Wissenschaft! ergruppen, häufig in internationaler Zusammensetzung, bereiten sich in
den USA und in einer Anzahl anderer Länder auf die neue Saison vor. Für die
Vereinigten Staaten ist es ein Jubiläumsjahr. Sie können auf nunmehr 25
Jahre kontinuierlicher und intensiver Forschungstätigkeit auf dem Weißen Konti
nent zurückblicken. Am 29. November 1979 jährt sich außerdem zum 50. Mal
der erste Flug über den Südpol, den Richard E. Byrd mit drei Begleitern von
dem neuerrichteten Stützpunkt "Little America" aus unternahm. Er führte
über eine Strecke von 2575 km und dauerte mehr als 18 Stunden.
Byrd, Vizeadmiral der amerikanische Marine, war Ende der zwanziger Jahre
und in der Folgezeit der Motor für die amerikanische Antarktisforschung. Er
leitete damals - fast hundert Jahre nach der letzten Pionierfahrt eines Amerikaners in diese Region - eine private Expedition, die sich von 1928 bis 1930
in der weißen Wildnis aufhielt. Fünf Jahre später harrte Byrd, der erneut
eine private Forschergruppe in die Antarktis geführt hatte, fünf Monate lang
allein auf einem kleinen Stützpunkt in Höhe des 80. Breitengrades aus, um

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�um zum ersten Mal während des Winters regelmäßig meteorologische Beobachtungen
zu machen.

Von 1939 bis 1941 leitete er die erste von staatlicher Seite aus-

gerüstete wissenschaftliche Expedition der USA in die Antarktis. Mit seinen
geologischen und geophysikalischen Beobachtungen und Messungen sowie seinen
Luftaufnahmen erfaßte Byrd nahezu die Hälfte des im wesentlichen noch unbekannten, riesigen Kontinents.

Sie erwiesen sich für spätere Großaktionen wie die

des Internationalen Geophysikalischen Jahres (IGJ) von 1957/58 als eine unschätzbar wertvolle Grundlage, wenn auch inzwischen manche Annahmen und Schlußfolgerungen revidiert werden mußten.

Moderne Technik in der Antarktis
- • • ii i» i . m •

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Flugzeuge, Helikopter und Motorschlitten gehören heute zur Standardausrüstung bei Forschungsexpeditionen in der Antarktis. Dennoch kann in vie~
len Fällen auf Hundeschlitten und Skier noch nicht verzichtet werden. Die
Vereinigten Staaten unterhalten derzeit vier ständig besetzte Stationen - als
größte McMurdo am Rossmeer und am Rande des Ross-Eisschelfs, die gleichzeitig
als Organisations- und Nachschubzentrale dient, ferner die Stationen AmundsenScott (direkt am Südpol) sowie Siple und Palmer am inneren bzw. äußeren Ende
der Palmer-Halbinsel nahe der Südspitze des südamerikanischen Kontinents.
Eine Anzahl von größeren Stützpunkten wie die Byrd-Station (etwa auf halbem
Wege von McMurdo zur Siple-Station) dienen nur noch als Basis für Expeditionen
von Ende November bis Ende Februar, wenn Wetter und Temperaturen erträglich
und die Lichtverhältnisse günstig sind.
Als am 27. August dieses Jahres Marine-Transportflugzeuge vom Typ
LC-130-HERCULES,von Point Mugu in Kalifornien kommend, auf einer Schneepiste vor McMurdo landeten, lag die Antarktis noch in der Winterdämmerung.
Für die überwinternde Besatzung war dies nach harten Monaten wieder der erste
direkte Kontakt mit der Außenwelt. Seit nunmehr 25 Jahren bringt die USMarine die technischen Ausrüstungen und den Hauptteil des Nachschubs für die
Forscher und Betreuungsmannschaften der amerikanischen Stationen heran. Das

- 2-

�Das wissenschaftliche Programm, das von der Geologie, Geographie und Geophysik über Ozeanographie, Hochatmosphären- und Sonnenphysik bis zur Biologie und Medizin praktisch alle naturwissenschaftlichen Bereiche umfaßt,
liegt in Händen der Nationen Wissenschaftsstiftung (NSF) der Vereinigten
Staaten; sie läßt seit 1968 einen Teil der Versorgung und die technische
Betreuung von drei der vier ständigen US-Stationen, ferner die Errichtung
von nur zeitweilig benutzten Stützpunkten und deren Wartung von einem kalifornischen Privatunternehmen wahrnehmen.

Als im Jahr 1959 zwölf Staaten (Argentinien, Australien, Belgien, Chile,
Großbritannien, Frankreich, Japan, Neuseeland, Norwegen, Südafrika, Sowjetunion und USA) den Antarktisvertrag mit dem Ziel abschlössen, die Region von
militärischen, wirtschaftlichen und politischen Interessen frei zu halten,
hielt man eine mögliche Ausbeutung ihrer Boden- und Naturschätze für höchst
unrealistisch.

Die Antarktis sollte als internationale, kernwaffenfreie

Zone vor kommerzieller Ausbeutung geschützt werden und ausschließlich der
Forschung als riesiges Naturlaboratorium dienen.

(Im Jahr 1977 schloß sich

Polen dem Vertragswerk an, dem in Kürze auch die Bundesrepublik Deutschland
beitreten wird.)

Aber schon zwei Jahrzehnte später, nämlich auf der 10. antarktischen
Konsultativkonferenz (17. September bis 5. Oktober 1979 in Washington) sahen sich die Vertragsmächte veranlaßt, die Frage der Exploration und Ausbeutung mineralischer Rohstoffe der Antarktis, insbesondere von Erdöl, offiziell ausgiebig zu behandeln.

Erneut verpflichteten sie sich zu freiwilli-

ger Selbstbeschränkung, wie der amerikanische Delegationsleiter und Konferenzvorsitzende, John Negroponte, auf einer Pressekonferenz am 10. Oktober hervorhob.

Inoffiziell wurde auch die Frage des Schutzes der Tier- und Pflanzen-

welt in den antarktischen Gewässern eingehend besprochen, insbesondere der
als Eiweißquelle begehrten Kri11 krebse.

Die Delegierten einigten sich über Empfehlungen zur Zusammenarbeit auf
dem Gebiet des Nachrichtenwesens in der Antarktis, bei Richtlinien für den

- 3 -

�den Tourismus und der ständigen Beobachtung der Auswirkungen aller Aktivitäten auf die gesamte antarktische Welt und ihr Umfeld.

Während die mögliche

Erschließung der mineralischen Rohstoffe noch nicht als vordringliche Frage
angesehen wurde - die dafür erforderliche Technologie dürfte gut 10 bis 20
Jahre auf sich warten lassen -, gilt die Fischerei seit der Einführung von
Beschränkungen durch zahlreiche Länder in Gewässern innerhalb der 200-MeilenZone zu ihrem Hoheitsgebiet als ein höchst aktuelles Problem.

Inzwischen

fischen, wie Negroponte berichtete, bereits Schiffe aus Japan, der UdSSR,
Polen, Südkorea, Taiwan, der Bundesrepublik Deutschland und der DDR in den
Gewässern rund um die Antarktis.

Ein vor zwei Jahren vorgelegter Entwurf

zur Kontrolle der Fänge konnte wegen französischer Befürchtungen um eigene
Interessen an Gewässern um Inseln, die Frankreich für sich beansprucht, noch
nicht rechtskräftig werden.

Naturschutz
Sogar der Tourismus hat inzwischen in der unwirtlichen Antarktis Fuß
gefaßt, wenn auch in sehr bescheidenem Umfang und nur in einigen ihrer Randgebiete. Angesichts dieses Umstandes und der ständig verstärkten Forschungstätigkeit sahen sich jedenfalls die Vereinigten Staaten veranlaßt, im Sinne
der Zielsetzungen des Antarktisvertrags strikte Schutzbestimmungen für die
Pflanzen- und Tierwelt auf dem Kontinent und in den ihn umgebenden Meeren
zu erlassen. Amerikanischen Staatsbürgern ist es - bei Androhung hoher Geldstrafen - verboten, antarktische Säugetiere oder Vögel zu fangen, an sich zu
nehmen oder zu töten, besonders geschützte Zonen oder Areale, die für die
Forschung von besonderem Interesse sind, zu betreten oder Pflanzen und Tiere
aus anderen Erdteilen ohne Sondergenehmigung in die Antarktis zu verbringen.
Die Strafbestimmungen für unberechtigtes Verbringen von Säugetieren und Vögeln
aus der Antarktis in die USA gelten sowohl für Amerikaner als auch für Ausländer.
Ungeachtet der schwierigen Lebensbedingungen vermögen bestimmte Pflanzenund Tierarten in der Region recht gut zu existieren.
- 4 -

Zwar ist die Artenviel-

�Artenvielfalt nicht gerade groß, aber in den eisigen Gewässern um den Weißen
Kontinent wimmelt es von Leben.

Das heißt jedoch nicht, daß das ökologische

System in diesem Teil der Erde aus dem Gleichgewicht gebracht werden dürfe,
ohne Schaden zu nehmen.

Es reagiert außerordentlich empfindlich auf Störungen

und bedarf wegen der extrem niedrigen Temperaturen sehr langer Zeiträume für
eine Erholung.

Pflanzliche Kuriosa
In der Pflanzenwelt wurden offenbar ganz spezielle Anpassungsmechanismen
an die extremen Lebensbedingungen in der Antarktis entwickelt. So berichtete
kürzlich eine Forschergruppe vom "Virginia Tech" in Blacksburg von der Entdeckung rosa-orangefarbener Algen unter der Eisdecke von Süßwasserseen, die
mit weniger als 0,1 Prozent der Sonnenlichtmenge auskommen, die auf die Oberfläche auftrifft. Normalerweise können Algen nicht mehr existieren, wenn die
Lichtmenge niedriger ist als etwa ein Prozent des Lichts an der Oberfläche.
Die Entdeckung sei besonders bemerkenswert, so die beteiligten Forscher
(Dr. Bruce C. Parker und Dr. George M. Simmons), weil der Fundort - zwei
Seen in den von den sonst üblichen Eismassen freien "Trockentälern" ca. 100 km
westlich der McMurdo-Station - vier Monate lang in völliger Nacht und weitere
vier Monate im Dämmerlicht liegt. Die Algen wachsen in 7,5 bis 10 cm dicken
Matten, wie sie nirgends sonst auf der Erde gefunden werden. "Offenbar eine
bisher unbekannte, neue Organisationsform von Organismen, die sowohl an die
extremen Licht- als auch Temperaturbedingungen angepaßt sind", meint Dr. Parker.
Die Wassertemperatur beträgt fast Null Grad Celsius, bei der die Forscher in
Taucherausrüstung etwa 6 m unter der Oberfläche auf die ersten Matten stießen.
Sie ergeben viele Tonnen lebender Materie in den Seen und wandern im Verlauf
der paar Sommerwochen vom Boden bis in Oberflächennähe. Dabei verändert
sich die flache Algenmatte in ein bis zu einem Meter hohes stalagmitenähnliches Gebilde. Mikroskopisch kleine Organismen, und zwar Rädertierchen,
finden in den Algenverbänden Nahrung und Wohnung.
In
- 5 -

�In den Randmeeren der Antarktis wurde von Wissenschaftlern des BigelowInstituts für Meeresforschung in West Boothbay Harbor (Maine) pflanzliches
Plankton entdeckt, das bis zu 90 Prozent des bei der Photosynthese verwerteten Kohlendioxids für den Aufbau von Fetten nutzt.

Demgegenüber beträgt der

entsprechende Anteil bei Pflanzen in anderen Teilen der Weltmeere weniger als
10 Prozent.

"Die massive Synthese von Fett könnte ein Mittel sein, die lange

Polarnacht zu überstehen", vermutet Dr. Morris, der Forschungsdirektor des
Instituts.

Die Pflanzen zehren es auf, wie Tiere im Winterschlaf ihren Speck,

und das Wachstum ruht in dieser Zeit.

Daß die Bildung von "Winterfett" in

kalten Regionen bis in das Reich einzelliger Pflanzen reichen kann, vermutete
bisber niemand.

Vorschau auf das Forschungsprogramm 1979/80
Bei den Amerikanern stehen in der kommenden Saison 80 Forschungsprojekte
auf dem Programm. Das umfangreichste und aufwendigste sind die z.T. mehrjährigen Untersuchungen von Geologen,- Paläontologen, Gletscherforschern und
Meteorologen im Ellsworth-Gebirge. Gemeinsam mit Kollegen aus vier anderen
Ländern sucht man nach Hinweisen zur Entstehung des ca. 320 km langen und 80 km
breiten Faltengebirges, in dem die höchsten Erhebungen (etwa 5000 m) der Antarktis zu finden sind. Auch seine mögliche Rolle beim Aufbrechen von Gondwanaland, dem "Urkontinent" der Erde, steht zur Debatte. Nach heutigen Erkenntnissen sind Afrika, Australien, Südamerika, die Antarktis und Indien Teile
dieser riesigen Landmasse gewesen.
Das Abbrechen und Auseinanderdriften der Teile des Urkontinents, das vor
ca. 200 Millionen Jahren einsetzte, ist die Grundlage der Theorie zur Plattentektonik.

Sie besagt, daß sich Schollen der Erdkruste als Reaktion auf Ströme

heißer Materie, die aus dem Erdinnern aufwallt, bewegen.

Kollisionen zwischen

den Platten sind der Theorie zufolge die Ursache von Erdbeben, Vulkanausbrüchen und der Bildung von Gebirgen.
Die

�Die Suche nach pflanzlichen und tierischen Fossilien, die erstmals
1962/63/64 in der Antarktis gefunden wurden, wird wieder intensiviert, um
mehr über die Entwicklung von Leben und die Umweltbedingungen in der Region
vor einigen Hundert Millionen Jahren zu erfahren.

Durch frühere Funde weiß

man, daß die Antarktis einst ein gemäßigtes, teilweise sogar tropisches Klima gehabt haben muß.

Untersuchungen zum Wachsen und Schrumpfen der Eismassen (sie haben heute
stellenweise eine Dicke von 4000 m) sollen Hinweise auf die weltweite Klimaentwicklung geben.

In sehr warmen Zwischeneiszeiten, z.B. vor 224 000 Jahren,

verlor der Weiße Kontinent wahrscheinlich sehr große Teile seines Schelfeises.

Vom Hubschrauber aus werden amerikanische und deutsche Wissenschaftler
einen Gebirgszug auf radioaktive Elemente sondieren.

In ihm wurden bereits

Kohleschichten entdeckt - und dort findet sich auch meistens Uran.

Die Suche

nach Meteoriten, die das Alteis nach und nach freigibt, geht weiter.

Im

Ellsworth-Gebirge wurden in den letzten drei Jahren 1300 Exemplare gefunden
- schon fast ebenso viele wie bisher in der ganzen übrigen Welt zusammen.
Einige Antarktismeteoriten sind ganz seltene Typen; zwei enthalten Aminosäuren extraterrestrischen Ursprungs.

+ + + + +

- 7 -

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              <text>Digitalisat</text>
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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
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              <text>Amerikadienst 17.10.1979</text>
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          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Carters am 9. Oktober 1979&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge zu Kuba - Verteidigung - Inflation - Kambodscha -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache von Vizepräsident Mondale vor der ATA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Angebot Breschnews muss im Zusammenhang gesehen werden -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die NATO im vierten Jahrzehnt: Verteidigung und Entspannung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache Brezinskis auf der Jahrestagung der ATA in Washington -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Zentralbankrat verschärft Kampf gegen die Inflation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bekanntmachung des Federal Reserve Board vom 6. Oktober 1979 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;SALT II und die NATO-Verbündeten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Senator Joseph Biden legt Bericht vor -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;25 Jahre intensive Forschung in der Antarktis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Wissenschaftler starten zur neuen Saison -&lt;/em&gt;</text>
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