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                  <text>Information
und
7H {l/iiWiiM
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. August 1979

35
INHALT

DOKUMENTATION
Fernsehinterview mit Vizepräsident Mondale vor Beginn seiner China-Reise
- Auszüge Ansprache des amerikanischen Vizepräsidenten Walter F. Mondale in der
Universität von Peking
USA: Technische Kapazität der Entwicklungsländer muß verbessert werden
- Rede des US-Chefdelegierten auf der Wiener Konferenz HINTERGRUNDMATERIAL
Die Nation macht Ernst mit dem Sparen
- Amerika senkt den Energieverbrauch Von unserem Korrespondenten James Füller
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erster Vorstoß einer Forschungssonde zum Planeten Saturn
- Sechs Jahre nach dem Start erreicht PIONIER 11 das zweite Ziel InfraschalIwellen zeigen schwache Erdbeben an

Um Übcf/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Dokumentation
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Embassy of the United States of America

29. August 1979

35

FERNSEHINTERVIEW MIT VIZEPRÄSIDENT MONDALE VOR BEGINN SEINER CHINA-REISE
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Vor Abflug zu seinem einwöchigen Besuch in China
erklärte der amerikanische Vizepräsident Walter F. Mondale am 24. August 1979
in Washington, er hoffe auf Gespräche, die zu Fortschritten in einer ganzen
Reihe von Prob!einkreisen führen werden: neben Themen wirtschaftlicher und
kultureller Art sowie im Bereich von Wissenschaft und Technik sollen vor
allem das SALT II-Abkommen und das Problem der Vietnamflüchtlinge - das er
"eine der grausamsten Erscheinungen in der jüngeren Geschichte" nannte - zur
Sprache kommen.
Die entsprechenden Auszüge aus dem Interview mit der amerikanischen
Fernsehgesellschaft NBC haben folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Es sind Treffen mit den höchsten Vertretern Chinas geplant.

Was wollen Sie - außer freundschaftlichen Gesprächen - vor allem erreichen?
ANTWORT:

Es gibt eine ganze Reihe von Zielen, die wir auf dieser Reise

verfolgen und die die Beziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten
erweitern und vertiefen sollen. Viele davon liegen im wirtschaftlichen Be-

Postfach 20 03 0 0
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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Bereich - wie Handel, Geschäfts- und Kreditprobleme; andere auf kulturellem
Gebiet, wieder andere im wissenschaftlichen und technischen Bereich.

Wir

werden uns mit der ganzen Bandbreite dieser Fragen auseinandersetzen.
FRAGE:

Erwarten Sie die Ankündigung spezieller Vereinbarungen, die viel-

leicht im Verlauf Ihres Besuchs getroffen werden?
ANTWORT:

Ich glaube, wir werden Fortschritte machen, obwohl es schwer

ist, jetzt schon Genaues zu sagen.

Darf ich vielleicht eines anmerken?

Hat

man einmal mit der Normalisierung der Beziehungen zu einem Land begonnen
- was wir auf Präsident Carters Initiative hin in diesem Jahr getan haben -,
dann kann Normalisierung entweder ungeheuer viel oder aber auch so gut wie
gar nichts bedeuten.

Wir sind nunmehr mitten in dem schwierigen, aber sehr

wichtigen Prozeß der echten Normalisierung der Beziehungen, so daß die Beziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten in rechtlicher Hinsicht
sowie hinsichtlich der Struktur denjenigen Beziehungen sehr ähnlich sein werden, die wir mit den anderen Großmächten der Welt unterhalten.

Hierum geht

es im Grund bei meiner Reise.
FRAGE:

Ich habe gehört, daß die Chinesen seit Beginn der Normalisierung

am 1. Januar dieses Jahres recht enttäuscht sind darüber, daß die Dinge auf
unserer Seite in Washington nicht schneller in Bewegung geraten:
abkommen zum Beispiel liegt noch nicht einmal dem Kongreß vor.

das HandelsHören Sie das-

selbe?
ANTWORT: Ich meine, wir haben gute Fortschritte gemacht. Die Normalisierung ist erst neun Monate alt. Wir haben klargestellt, daß wir die Meistbegünstigungsklausel und das Handelsabkommen noch in diesem Jahr dem Kongreß
vorlegen werden; außerdem noch eine ganze Reihe weiterer Punkte, mit denen
ich mich auf dieser Reise beschäftigen werde. Ich glaube, sie werden zufrieden sein.
FRAGE:

�FRAGE:

China hat Angst vor der Sowjetunion und die chinesische Führung

wünscht vielleicht die Zusicherung, daß wir es mit den Sowjets in Asien, rund
um die Welt, aufnehmen werden.

ANTWORT:

Wie werden Sie ihr diese Zusicherung geben?

Es steht außer Frage, daß neben unseren bilateralen Beziehungen

die internationalen Sicherheitsprobleme eines der Themen sind, die wir diskutieren werden.

Wir werden zweifellos SALT diskutieren; zweifellos auch wer-

den wir die strategische und militärische Position der Vereinigten Staaten
besprechen; wir werden die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen diskutieren,
und wir werden ganz einfach die Bilanz ziehen, die gekennzeichnet ist von
Standhaftigkeit, Zurückhaltung und unserer großen Sorge um Stabilität in Frieden auf dieser Welt, und wir werden das Interesse unterstreichen, das wir alle
daran haben.

FRAGE:

Und zweifellos werden wir all dies ausführlich besprechen.

Werden Sie ihnen berichten, daß Sie die Ratifizierung des SALT-

Abkommens durch den Senat erwarten?
ANTWORT:

FRAGE:

Ja - und ich glaube fest daran, daß es ratifiziert werden wird.

Nach Ihrem Besuch in China werden Sie nach Hongkong reisen, wo

eine große Zahl von Flüchtlingen aus Südostasien lebt.

Viele dieser Menschen

wurden zum Teil deshalb zu Flüchtlingen, weil China voriges Jahr Vietnam angriff.

Tut China alles, was es tun sollte, um diesen Menschen zu helfen?

ANTWORT:

Zunächst: obwohl wir die Invasion Chinas in Vietnam ablehnten,

glauben wir nicht daran, daß dies der Grund dafür war, daß diese Flüchtlinge
das Land verließen.

Wenn Menschen in ein Boot steigen und ihr Leben riskieren

- und es gibt Schätzungen, denen zufolge 30, 40, ja 50 Prozent tatsächlich
auf dem Meer sterben -, dann tun sie das aus Verzweiflung.
wegen seiner brutalen Vertreibungspolitik verurteilt.

Wir haben Vietnam

Sie ist eine der grau-

samsten Erscheinungen in der heutigen Welt und in der jüngeren Geschichte;
und so sehr wir auch gegen den Überfall Chinas auf Vietnam protestierten:
dies ist nicht der Grund.
Wir
- 3 -

�Wir reisen nach Hongkong, um zu versuchen, den angelaufenen Prozeß zu
beschleunigen, bei dem unser Land sich nach meinem Dafürhalten an die Spitze
gesetzt hat: meiner Meinung nach hat Präsident Carter dieses Problem klarer
erkannt als die meisten anderen Länder. Wir wollen helfen, sicherzustellen,
daß diese Flüchtlinge in Hongkong - und Hongkong ist nebenbei bemerkt sehr
großzügig bei der Aufnahme und der Versorgung der Flüchtlinge gewesen - durch
unsere Zusammenarbeit mit den dortigen Behörden hierher oder in andere Länder
gebracht werden können und diese kleine Insel dadurch etwas Entlastung erfährt.
FRAGE:

Wir haben normalisierte Beziehungen zu China. Würde es das

Flüchtlingsproblem Ihrer persönlichen Meinung nach entschärfen, wenn wir
unsere Beziehungen auch zu Vietnam normalisierten?
ANTWORT: Ich glaube nicht an einen solchen Zusammenhang. Es gibt keine
Entschuldigung für das, was Vietnam mit dieser grausamen und herzlosen Vertreibung von Tausenden und Abertausenden seiner eigenen Bürger tut. Und es
sind nicht nur die Bootsflüchtlinge, die Vietnam über das Meer verlassen.
Es gibt Tausende und Abertausende Menschen, die aus Kamputschea, wir nannten
es früher Kambodscha, fliehen, weil Vietnam durch die Invasion dieses Landes
den Versuch unternimmt, dieses Volk durch eine Marionettenregierung zu beherrschen.
FRAGE: Sind Sie nach der UN-Konferenz vorigen Monat in Genf, auf der
Sie den Präsidenten vertraten, damit zufrieden, daß die Welt im großen und
ganzen alles, was in ihrer Macht steht, für diese Flüchtlinge tut?
ANTWORT:

Ich kann nicht sagen, ob die Welt alles tut, was sie kann.

Aber ich glaube, sagen zu können, daß die zivilisierte Welt bei diesem Flüchtlingsproblem weit mehr tut

als sie bei vielen anderen Flüchtlingsproblemen

getan hat, von denen ich weiß.

Wir nehmen viele Tausende von Flüchtlingen in

den Vereinigten Staaten auf, und ich glaube, wir sind hier führend.
der ganzen Welt bringen wir Länder dazu, Flüchtlinge aufzunehmen.
- 4 -

Aber in
Gerade

�Gerade die ASEAN-Länder im asiatischen und pazifischen Raum arbeiten hervorragend und errichten jetzt Zwischenlager.
entgegenkommend gewesen.

Die Erstasyllander sind sehr

Ich denke, die Welt hat ziemlich gut auf dieses

Problem geantwortet.

+ + + + +

- 5 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. August 1979

35

ANSPRACHE DES AMERIKANISCHEN VIZEPRÄSIDENTEN WALTER F. MONDALE
IN DER UNIVERSITÄT VON PEKING

PEKING - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident Walter F. Mondale, der
sich zu einem einwöchigen Besuch in der Volkserepublik China aufhält, hat
am 27. August 1979 an der Universität von Peking eine Rede gehalten, die vom
chinesischen Fernsehen im ganzen Land ausgestrahlt wurde. Trotz der "grundlegenden Unterschiede" zwischen den beiden Ländern, so sagte der US-Vizepräsident, gebe es "viele parallele strategische und bilaterale Interessen".
Mondale wandte sich gegen eine Isolierung Chinas und wies darauf hin, daß
die Normalisierung der Beziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten
dabei helfe, diese Isolierung abzubauen, die auch den amerikanischen Interessen zuwiderlaufe.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
"Es ist eine Ehre für mich, zu Ihnen zu sprechen, und ich überbringe
Ihnen die herzlichen Grüße und die Freundschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika und des amerikanischen Volkes.

Für

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
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D5300 Bonn 2

�Für einen Amerikaner meiner Generation bedeutet ein Besuch der Volksrepublik China, den Pulsschlag der modernen politischen Geschichte zu fühlen.
Nahezu drei Jahrzehnte lang waren unsere beiden Länder voneinander isoliert.
Aber der althergebrachte Hunger nach Kommunikation vereint die Menschheit.
Er zwingt uns dazu, gemeinsame Grundlagen zu finden.
Vor tausend Jahren drückte es einer Ihrer Dichter so aus:

"Wir erweitern

unseren Gesichtskreis um dreihundert Meilen, wenn wir nur eine Treppe hinaufsteigen".

Wir steigen diese Treppe nun zusammen hinauf.

Jeden Tag nehmen wir eine andere Stufe.

Heute nachmittag habe ich das

Vorrecht, der erste amerikanische Politiker zu sein, der direkt zu den Bürgern
der Volksrepublik China spricht.
Und keine andere Kulisse hätte für diese Rede und für unsere Beziehung
symbolischer sein können als dieser Ort des Neubeginns.
modernen China kristallisiert sich in der Geschichte

Die Geschichte des

der Universität von

Peking und der anderen hervorragenden Institutionen, die Sie vertreten.

An

so gut wie jedem Wendepunkt im China des 20. Jahrhunderts war Bei-da (die
Universität) der Hebelpunkt.
Vor 60 Jahren begann hier die Bewegung des 4. Mai, die ein Zeitalter von
beispielloser geistiger Gärung einleitete.

Sie unternahm die Anstrengung,

die chinesische Kultur und Gesellschaft zu modernisieren.

Sie schuf eine neue

Grundlage, auf der sich östliche und westliche Kulturen trafen.

Und ihr

System des gegenseitigen Respekts stärkt heute unsere eigene kulturelle Zusammenarbeit.
Vor 44 Jahren war es dieser Ort, an dem die Bewegung vom 9. Dezember
eine ganze Studentengeneration dazu anspornte, äußerer Aggression zu widerstehen.

Und ihre Botschaft der Souveränität und des Nichtangriffs untermauert

heute unsere eigene politische Zusammenarbeit.
Und

�Und während China in die Zukunft blickt, sind es wiederum diese Universität und Ihre anderen Forschungszentren, die beim Vorstoß auf "die vier
Modernisierungen" vorangehen.

Und der enge Zusammenhang zwischen Ihren Ent-

wicklungszielen und unseren eigenen Interessen wird die Grundlage für unsere
fortdauernde wirtschaftliche Zusammenarbeit abgeben.
Heute befinden sich unsere beiden Länder an einem Schlüsselpunkt. Wir
haben unsere Beziehungen normalisiert. Der Vorhang hat sich geöffnet. Das
Dunkel hat sich gelichtet. Wir drängen darauf, mehr voneinander zu erfahren,
gegenseitig Anteil zu nehmen an den Ausformungen unseres täglichen Lebens und
die menschlichen Bande der Freundschaft zu schmieden.
Dies ist ein reicher Anfang.

Aber es ist nur ein Anfang.

Ein modernes China, das seinen Platz in der Völkerfamilie einnimmt, bemüht sich nicht nur um die Suche nach Freundschaft, sondern auch um die Suche
nach Sicherheit und Entwicklung. Und ein Amerika, das seine Beziehungen zu
China vertieft, tut dies nicht nur aus einem echten Gefühl heraus und nicht
nur aus naturgegebener Neugier. Amerika tut es aufgrund der gleichen Kombination von Prinzip und Eigeninteresse, die die Triebkraft ausgereifter Beziehungen zwischen allen modernen Staaten ist.
Unsere Aufgabe heute besteht darin, die Grundlage für eine dauerhafte
Beziehung morgen zu schaffen. Wir könnten diese Aufgabe nicht ohne unsere
Feundschaft bewältigen. Aber wir können sie auch nicht mit Freundschaft allein
vollenden.
Dies ist die Botschaft, die ich im Namen Präsident Carters dem Volk von
China bringe - eine Botschaft über Amerika, seine Absichten in der Welt und
unsere Hoffnungen hinsichtlich unserer Beziehungen zu Ihnen.
Geschichtlich sind die Amerikaner ein zuversichtliches Volk.
litik wurzelt in unseren Werten.

Unsere Po-

Wir pflegen unseren fundamentalen Glauben
- 3 -

�Glauben an die Menschenrechte, an das Mitgefühl und an die soziale Gerechtigkeit.
nalisiert.
lich.

Wir glauben, daß unser demokratisches System diese Werte institutioDie unseren Bürgern offenstehenden Möglichkeiten sind unvergleich-

Unsere Debatten sind lebhaft und offen.

Und die Gegensätze, die wir

unter uns austragen, gleichgültig, ob über strategische Nuklearpolitik oder
über Energie, sind Zeichen der dauerhaften Stärke unserer Gesellschaft.
Mein Land ist mit unübertroffenen natürlichen Ressourcen gesegnet.
dem haben wir ein unvergleichliches Arbeitspotential:
schaftler, Ingenieure, Industrielle und Finanzleute.

Außer-

Arbeiter, Bauern, WissenDurch ihren Einfalls-

reichtum sind wir in der Lage, unsere natürlichen Güter in Überfluß umzuformen - nicht nur für uns selbst, sondern für die Welt.
Natürlich stehen wir ungelösten Problemen gegenüber.

Aber die hohen

Ziele, die wir uns selbst setzen, und unsere Entschlossenheit, sie zu erreichen,
sind ein Maßstab für den Geist unserer Nation.

In diesem Streben, in diesem

ruhelosen Verfolgen eines besseren Lebens fühlen wir eine besondere Wesensverwandtschaft mit dem Volk des modernen China.
In der Weltgemeinschaft suchen die Vereinigten Staaten internationale
Stabilität und Frieden. Aber wir geben uns keinen Illusionen hin, was die
Hindernisse angeht, denen wir gegenüberstehen. Wir wissen, daß wir in einer
gefährlichen Welt leben. Und wir sind entschlossen, auch weiterhin militärisch vorbereitet zu sein. Wir passen unsere Verteidigungsmittel dem fortgeschrittensten technischen Wissen an, das es gibt. Wir haben in Europa und
in Asien Bündnisse geschmiedet, die mit jedem Jahr stärker werden. Gemeinsam mit unseren japanischen und westlichen Verbündeten werden wir sicherstellen, daß unsere Investition in Sicherheit der Aufgabe entspricht, den
Frieden zu sichern - wie wir dies seit 30 Jahren tun.
Aber wir wollen mehr sein als ein starker und zuverlässiger Partner im
Bereich der Weltpolitik.

Wir glauben auch an eine Welt der Vielfalt.

Hin-

sichtlich der chinesisch-amerikanischen Beziehungen bedeutet dies, daß wir

- 4 -

�wir die besonderen Eigenschaften respektieren, die das große chinesische
Volk zu unserer Beziehung beiträgt.

Und trotz der manchmal grundlegenden

Gegensätze zwischen unseren beiden Systemen verpflichten wir uns dazu, gemeinsam mit Ihnen unsere vielen parallelen strategischen und bilateralen
Interessen zu fördern.
Somit nimmt jedes Land, das darauf aus ist, Sie im Bereich der Weltpolitik zu schwächen oder zu isolieren, eine Haltung ein, die den amerikanischen Interessen zuwiderläuft. Aus diesem Grund haben die Vereinigten
Staaten die Beziehungen zu Ihrem Land normalisiert»und aus diesem Grund
müssen wir daran arbeiten, unsere neue Freundschaft zu vertiefen und zu
stärken.
Nunmehr müssen wir darauf drängen, unsere Beziehungen zu erweitern
und ihnen besondere Kennzeichen zu verleihen. Die grundlegenden Aufgaben,
denen wir gegenüberstehen, liegen in dem Aufbau konkreter politischer Bindungen im Kontext der gegenseitigen Sicherheit, in der Errichtung breiter
kultureller Beziehungen in einem Rahmen echter Gleichheit und in dem Schmieden praktischer wirtschaftlicher Bande mit dem Ziel des gemeinsamen Nutzens.
Während wir unsere gemeinsamen Interessen inhaltlich auffüllen, investieren wir in die Zukunft unserer Beziehung. Je wirkungsvoller wir unsere Tagesordnung voranbringen, je mehr Bande wir zwischen uns errichten, umso mehr
können wir darauf vertrauen, daß unsere Beziehung dauern wird.
Und so legt das, was wir heute erreichen, den Grundstein für das kommende Jahrzehnt.

Die achtziger Jahre werden Zeuge unserer Zusammenarbeit

und unserer Zusammenarbeit mit anderen Ländern, um die Weltprobleme anzugehen.

Bereicherung der Weltwirtschaft, Begrenzung internationaler Konflik-

te, Schutz der Unabhängigkeit von Staaten:

diese Ziele müssen auch aus der

Perspektive unserer bilateralen Beziehung heraus verfolgt werden.

Je tiefer

diese Beziehung ist, umso erfolgreicher wird dieses weltweite Streben sein.
Dies

�Dies sind die Themen, die mir Präsident Carter für meinen Besuch in
der Volksrepublik China mitgegeben hat. Dies ist diewesentliche Botschaft,
um deren Übermittlung mich Präsident Carter gebeten hat.

Es ist die Tages-

ordnung, die wir in Zukunft gemeinsam verfolgen.
In den acht Monaten seit der Normalisierung sind wir Zeuge einer raschen
Ausweitung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen geworden.
Wir haben ein Schulden- und Vermögensabkommen erzielt und ein Handelsabkommen unterzeichnet.

Der Handel zwischen unseren Ländern weitet sich aus.

Amerikanische öl gesell Schäften helfen Ihnen bei der Erschließung der ölreserven, die vor der Küste Chinas liegen.
Gemeinsame Kommissionen für chinesich-amerikanische Wirtschaftsbeziehungen sowie für wissenschaftlichen und technischen Austausch sind ins Leben gerufen worden.

Wir haben einen regen Austausch von Delegationen auf

Regierungsebene gehabt, einschließlich der Besuche zahlreicher Leiter unserer
entsprechenden Ministerien und Behörden.

Und der Besucherfluß zwischen un-

seren beiden Ländern erreicht neue Ausmaße.
Wir haben eine starke Antriebskraft zur Zusammenarbeit entwickelt. Gemeinsam sollten wir sie erhalten und stärken.
Denn ein starkes, sicheres und in der Modernisierung begriffenes China
liegt auch im amerikanischen Interesse in den nächsten zehn Jahren.
Auf dem Gebiete der Landwirtschaft bietet Ihre ständige Weiterentwicklung nicht nur ein besseres Leben für das chinesische Volk.

Sie dient auch

unseren Interessen, denn Ihre Fortschritte auf dem Gebiet der Landwirtschaft
werden die begrenzten Nahrungsmittel Vorräte der Welt vergrößern.
Im Bereich des Handels wird unseren Interessen durch Ihre sich erweiternden Exporte an natürlichen Ressourcen und Industriegütern gedient.

- 6 -

Und

�Und gleichzeitig sind die Käufe, die Sie mit Hilfe dieser Exporte finanzieren können, Ihren Interessen dienlich.
Durch Ihre fortschreitende Industrialisierung bieten Sie Ihrer Bevölkerung einen höheren Lebensstandard . Und gleichzeitig wird dadurch auch unseren
Interessen gedient, denn eine solche Entwicklung wird den Handelsfluß stärken,
die Wohlstandslücke zwischen den Industrieländern und den Entwicklungsländern
verengen und dazu beitragen, eine Hauptursache der weltweiten Instabilität
abzuschwächen.
Und was am wichtigsten ist:

Ihren und unseren politischen Interessen

wird durch Ihre wachsende Stärke auf allen Gebieten gedient, denn dies trägt
dazu bei, andere abzuschrecken, die sonst versuchen könnten, sich Ihnen aufzuzwingen.
Die Bemühungen in den zwanziger und dreißiger Jahren, China schwach
zu halten, haben die gesamte Welt destabilisiert. Viele Jahre lang stand
China im Scheinwerferlicht konkurrierender Großmachtpolitik. Ein zuversichtliches China jedoch kann zur Wahrung des Friedens in diesem Raum beitragen.
Heute bescheren die bisher einmaligen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen China, Japan und den Vereinigten Staaten Nordostasien internationale
Stabilität.
Deshalb ist eine Vertiefung unserer wirtschaftlichen, kulturellen und
politischen Beziehungen strategisch so wichtig - nicht nur für Ihre Sicherheit, sondern für den Frieden der gesamten Weltgemeinschaft.
Wir unternehmen gegenwärtig entscheidende Schritte, um unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu vertiefen.
Erstens wird Präsident Carter noch vor Jahresende das mit Ihnen geschlossene Handelsabkommen dem Kongreß zur Billigung zuleiten.
kommen wird die Meistbegünstigung auf China ausdehnen.

- 7 -

Dieses Ab-

Seine Weiter!eitung

�Weiterleitung an den Kongreß ist mit keinerlei anderweitigen Auflagen verknüpft.
Zweitens werde ich ein Abkommen über die Entwicklung des hydroelektrischen Potentials der Volksrepublik China unterzeichnen.

Amerikanische Re-

gierungsstellen sind bereit, an der Erschließung der Wasserkräfte für Zwecke
der Stromerzeugung auf der Basis von Kompensationsgeschäften mitzuwirken.
Drittens sind die Vereinigten Staaten bereit, der Volksrepublik China
bei der Export-Import-Bank auf Fallbasis Kreditlinien in Gesamthöhe von zwei
Milliarden Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg zu eröffnen.
Läßt das Tempo der Entwicklung dies geboten erscheinen, sind wir bereit, weitere Kreditvorkehrungen ins Auge zu fassen.

Diesbezügliche Gespräche sind

bereits im Gange.
Viertens wird die Carter-Administration noch in diesem Jahr den Kongreß
um die Vollmacht ersuchen, amerikanischen Geschäftsleuten einen Anreiz zu
Investitionen in China zu bieten - in Gestalt von Garantien und einer Ausfall Versicherung bei der Staatlichen Gesellschaft für private Auslandsinvestitionen (Overseas Private Investment Corporation).
Wir sind ferner willens, uns gemeinsam mit der chinesischen Regierung
um ein möglichst rasches Zustandekommen eines Textil-, eines Schiffahrtsund eines Zivilluftfahrtabkommens zu bemühen.
Durch den Ausbau unserer kulturellen Beziehungen werden die Universitäten, wie in der Vergangenheit, wieder zu einem wichtigen Ort der Begegnung
zwischen Chinesen und Amerikanern werden.
Heute studieren tüchtige angehende Wissenschaftler aus China in Amerika
und amerikanische Wissenschaftler - von denen ich viele heute hier begrüßen
darf - studieren in China. Dieser Austausch erneuert das Erbe einer hochgeschätzten Tradition. An Universitäten im gesamten Gebiet der Vereinigten
Staaten beflügeln heute zahlreiche Amerikaner das geistige Leben, die in den
- 8 -

�den dreißiger und vierziger Jahren in China gelernt und gelehrt haben - keiner
von ihnen steht wohl in höherem Ansehen als Professor John K. Fairbank, der
uns die Ehre seiner Teilnahme an dieser Chinareise erweist.

Wir sind gleich-

zeitig stolz darauf, daß chinesische Wissenschaftler, die in Amerika Landwirtschaft, Technik und Medizin studiert haben, heute die Kenntnisse, die
sie sich in unserem Lande angeeignet haben, auf den Fortschritt der
chinesischen Gesellschaft verwenden können.

Wir sind dabei, wechselseitige Beziehungen - Beziehungen auf der Basis
echter Reziprozität - zu entwickeln.

Sie werden von uns mit vielen Aspekten

der Wissenschaft und Technologie vertraut gemacht.

Unsere Anthropologen

und Archäologen verfügen über Forschungstechniken, die sie Ihnen zur Erforschung Ihrer eigenen Vergangenheit gerne zur Verfügung stellen werden.
Amerikanische und chinesische Sozial- und Geisteswissenschaftler können sich
gegenseitig viele Einsichten vermitteln und ein besseres Verständnis für unsere jeweiligen Institutionen und Wertvorstellungen wecken.

Und so wollen wir, mit Ihrer Hilfe, unseren Horizont erweitern.
sische Forscher leisten auf vielen Schlüsselgebieten Pionierarbeit:

Chinevon der

Therapie von Hautverbrennungen bis zur Erdbebenvorhersage - und wir sind
willens, hier von Ihnen zu lernen.

Wo der wissenschaftliche Fortschritt eine

weltweite Zusammenarbeit erforderlich macht - auf den Gebieten der Astronomie, der Ozeanographie und der Meteorologie - werden unsere gemeinsamen Anstrengungen der ganzen Welt zugute kommen.

Unsere Sozial- und Geisteswissen-

schaftler haben kaum erst begonnen, sich mit Ihrem Verständnis der Geschichte,
des gesellschaftlichen Wandels und des Potentials des Menschen vertraut zu
machen.

Starke bilaterale Beziehungen dienen auch unseren strategischen Interessen,

über sie können unsere beiden Länder die Entstehung jener Art von

Weltgemeinschaft fördern, die wir anstreben - eine Welt, die Mannigfaltigkeit
respektiert und den konstruktiven Wandel begrüßt.
Es

- 9 -

�Es gibt heute auf der Erde 162 Länder, von denen die meisten arm sind.
80 Prozent der Weltbevölkerung leben in Entwicklungsländern.

Tag für Tag

erheben Menschen in diesen Ländern ihr Haupt, um Unabhängigkeit und Gerechtigkeit zu fordern. Tag für

Tag stoßen Versuche von Machthabern, ihre Völ-

ker zu unterdrücken, auf wachsenden Widerstand.

Die Regierungen beginnen

mehr und mehr nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch die grundlegende
Klugheit und Anständigkeit des Schutzes der Rechte ihres Volkes durch das
Gesetz zu begreifen.
Wenn die politische Macht in den Ländern gerechter verteilt wird, wenn
die Macht von einigen wenigen auf die Mehrzahl der Länder verteilt wird und
wenn ein Zeitalter des Kolonialismus dem einer gerechteren internationalen
Ordnung Platz macht - dann verdienen diese Veränderungen die Unterstützung
der ganzen Welt.
In den letzten Jahren standen die Vereinigten Staaten als die stärkste
Militär- und Wirtschaftsmacht der Erde vor einer grundlegenden Wahl: Sollten
wir uns gegen den Wind des Wandels stemmen und unsere nationale Sicherheit
durch Verteidigung des Status quo zu gewährleisten trachten? Sollten wir uns
mit einigen wenigen anderen Ländern in betrügerische Machenschaften mit dem
Ziel einlassen, die Welt zu beherrschen? Oder sollten wir den Wandel gutheißen, die erforderlichen Anpassungen vornehmen und bei der Gestaltung einer
gerechteren Weltordnung mithelfen?
Es darf keine Zweifel darüber geben, welche Wahl mein Land getroffen hat.
Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß jeder Versuch eines Landes,
ein anderes zu beherrschen, zum Scheitern verurteilt ist. Kein Land, das sich
ausschließlich auf ein wachsendes Waffenarsenal oder auf direkte oder indirekte
Interventionen verläßt, kann hoffen,seine Sicherheit langfristig wahren zu
können. Im Gegenteil: Länder, die diesen Kurs einschlagen, werden auf diese
Weise in eine immer stärkere Isolation geraten und umso anfälliger werden.
Nichts

- 10 -

�Nichts bezeugt unseren Glauben an diese Prinzipien deutlicher als die
Normalisierung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen.

Diese Normalisie-

rung signalisiert unser Bewußtsein, daß die amerikanische Sicherheit in den
vor uns liegenden Jahren nicht durch ein Festhalten am Status quo und nicht
durch betrügerische Machenschaften mit dem Ziel gewahrt werden kann, andere
zu beherrschen, sondern durch Förderung der Entstehung einer Welt aus unabhängigen Ländern, mit denen wir positive Beziehungen aufbauen können.

Das ist die Art von Weltgemeinschaft, die wir anstreben.

Unser Streben

gilt einer Vision der Mannigfaltigkeit, konstruktiverer Bindungen - und allem
voran des Friedens.

In einer Welt, die hofft, neue Energiequellen zu finden, ist der Frieden
von grundlegender Wichtigkeit. In einer Welt, die darauf bedacht ist, den Hunger und die Ungleichheit in der Verteilung des Wohlstands zu beseitigen, ist
ein weltweites Gleichgewicht von entscheidender Bedeutung.

In einer Welt, die

sich anschickt, ansteckende Krankheiten auszurotten und unsere Umwelt zu
schützen, ist die internationale Zusammenarbeit ein grundlegendes Gebot.

Der Idee, diesen Frieden zu erlangen, dieses Gleichgewicht zu wahren und
diese Zusammenarbeit weiterzuentwickeln fühlen sich die Vereinigten Staaten
voll und ganz verpflichtet.

Anläßlich des Besuchs des stellvertretenden Ministerpräsidenten Deng
und von Frau Zhuo in den Vereinigten Staaten im Januar, erklärte Präsident
Carter:

"Wir sind diese neuen Beziehungen nicht um irgendwelcher kurzfristi-

ger Gewinne willen eingegangen.

Wir haben uns langfristig einer Weltgemein-

schaft unterschiedlicher ... und unabhängiger Völker verschrieben.

Wir sind

überzeugt, daß ein starkes und sicheres China eine kooperative Rolle bei der
Entwicklung einer so gearteten Weltgemeinschaft spielen wird."

Lassen Sie mich diesen Punkt unterstreichen.

Jeder, der Amerika zu ver-

stehen sucht, wird zwangsläufig immer wieder auf die Idee der Mannigfaltigkeit

- 11 -

�Mannigfaltigkeit stoßen.

Die Vereinigten Staaten sind eine Nation aus Ein-

wanderern, die sämtliche ihre spezifischen Begabungen und Traditionen in unsere Gesellschaft eingebracht haben.
Das amerikanische Volk findet sein gemeinsames Erbe nicht in einer einzigen blutmäßigen Abstammung, nicht in Tausenden von Jahren einer gemeinsamen
nationalen Geschichte, sondern in der Gemeinsamkeit der Ideale. Wir glauben
zutiefst an die Mannigfaltigkeit, die uns formt.

Wir halten sehr viel von To-

leranz, vom Pluralismus und von gegenseitiger Achtung.
Wir beabsichtigen die gleichen Pinzipien auch in der Führung unserer
Außenpolitik in den achtziger Jahren zu befolgen.

Was die chinesisch-amerika-

nischen Beziehungen angeht, bedeutet das nicht, daß wir immer einer Meinung
sein werden.
In einer Welt aber, die die Vielfalt respektiert, können so unterschiedliche Länder wie die Vereinigten Staaten und China Seite an Seite auf die Erreichung gemeinsamer Ziele hinarbeiten.

Gemeinsam ist es uns möglich, unsere

beiden Kulturen gegenseitig zu befruchten, unsere beiden Volkswirtschaften
zu kräftigen und unseren beiden Völkern ein besseres Leben zu bieten.

Und

gemeinsam können wir mithelfen, die Weltgemeinschaft zu stabilisieren - indem
wir die Achtung vor der Vielfalt mehren und uns entschlossen jedem Versuch der
Intoleranz und Beherrschung anderer entschlossen widersetzen.
Im letzten Monat schlössen sich China und die Vereinigten Staaten vielen
anderen Nationen in Genf an, um sich der Qualen der indochinesischen Flüchtlinge anzunehmen.
jeder Beschreibung.

Die Ungeheuerlichkeit ihrer menschlichen Tragödie spottet
In einer Welt, die dieses Leiden zu mildern sucht - ein

Leiden, das die nationalen Grenzen überschreitet - ist der Weg
der Weg

des Gewissens

der gemeinsamen Sache.

Heute schaut die Welt auf uns. In gewissem Sinn erproben wir, ob ein
Industrieland und ein sich entwickelndes Land - jedes mit unterschiedlichen

- 12 -

�unterschiedlichen Traditionen, jedes mit unterschiedlichen Systemen - eine
breite, dauerhafte und konstruktive Beziehung errichten können.

Sicherlich

werden schwerwiegende Hindernisse zu überwinden sein. Aber wenn wir zusammenarbeiten können, werden es uns die kommenden Generationen danken.

Wenn wir

versagen, werden nicht nur unsere Kinder darunter leiden: die gesamte Welt
wird die Folgen fühlen.
Mannigfaltigkeit und Stabilität sind keine neuen Themen der chinesischamerikanischen Beziehungen. Einst sagte Präsident Roosevelt: "Es ist zum
Vorteil und nicht zum Nachteil der anderen Länder, wenn eine Nation stabil
und wohlhabend wird,; wenn sie in der Lage ist, innerhalb ihrer Grenzen den
Frieden zu bewahren und stark genug ist, zu keiner Aggression von außen zu
ermutigen. Wir hoffen von ganzem Herzen auf den Fortschritt in China. Und
soweit wir mit friedlichen und gesetzlichen Mitteln dazu in der Lage sind,
werden wir unseren Teil beitragen, um diesen Fortschritt zu unterstützen."
Vor drei Generationen war dies eine visionäre Einsicht, und die darauf
folgenden Ereignisse konnten die Erfüllung dieses Versprechens nur verzögern.
Lassen Sie uns mit dem Blick in die Zukunft beschließen, das Licht dieser Einsicht aufs neue zu entzünden.

+ + + + +

- 13 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. August 1979

35

USA:

TECHNISCHE KAPAZITÄT DER ENTWICKLUNGSLÄNDER MUSS VERBESSERT WERDEN
- Rede des US-Chefdelegierten auf der Wiener Konferenz -

WIEN - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation auf der
Konferenz der Vereinten Nationen über Wissenschaft und Technik im Dienst
der Entwicklung, Botschafter Theodore Hesburgh, hat am 20. August 1979
in Wien mit Nachdruck unterstrichen, daß die wissenschaftliche und technische
Kapazität der Entwicklungsländer verbessert werden müsse.
Seine Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Zu Recht wurde diese schöne Stadt an der Donau,Zeugin so vieler bedeutender geschichtlicher Erreignisse, zum Ort für die Gestaltung der
neuen Konturen unserer Zukunft gewählt. Denn über Jahrhunderte hinweg
war Wien ein Mittelpunkt der Kultur und weitreichender diplomatischer
Entscheidungen. Beim Gedanken an das Vergangene, an Schlachten und
Symphonien, an den Genius von Sigmund Freud, von Ignaz Semmelweiss, von
Konrad Lorenz, Ernst Mach und Lise Meitner erinnert Wien an die Wechselfälle der Zeiten und an die Vielseitigkeit des Menschen.
Heute

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Heute ist diese Stadt eine der Hauptstädte des Systems der Vereinten
Nationen, Gastgeber für die Zentrale der Organisation der Vereinten Nationen
flir industrielle Entwicklung und für die Internationale Atomenergiebehörde.
Beide sind Symbole für die Möglichkeiten des Fortschritts, aber beide erinnern
uns zugleich an die Gefahren der Moderne.

Der Anstieg der Industrialisierung,

begleitet von ungewünschter Umweltverschmutzung, die friedliche Nutzung der
Atomenergie, verfolgt von den Gefahren der Kernkraft:

all das enthüllt nicht

nur die Möglichkeiten der Technik, sondern zugleich ihre negative Kehrseite.
Von daher kommt die Unsicherheit der Ergebnisse, der Doppelsinn der Versprechungen, aber auch die Notwendigkeit des hohen moralischen Anspruchs.
Und wieder war es hier in Wien, wo vor nur zwei Monaten mit der Unterzeichnung des SALT II-Abkommens ein neuer Beweis dafür erbracht wurde, daß
der Geist der Zusammenarbeit für den Frieden letztlich vielleicht doch über
das schreckliche Gespenst einer nuklearen Katastrophe die Oberhand behält.
Der Vertrag ist ein beredtes Zeugnis für die zentrale These unserer Zeit,
die den Menschen vor allem durch seine Verantwortung dem Mitmenschen und der
Geschichte gegenüber definiert. Es ist dies der menschlich-soziale
Imperativ des modernen Zeitalters.
Dieser Imperativ ist das einzige leitende Kriterium, mit dessen Hilfe
wir vielleicht die raschen, sich überschlagenden Fortschritte der Technik
beherrschen können, aber es ist auch der humane Imperativ, der diese Fortschritte möglich macht. Wissenschaft und Technik bedeuten Wissen und Macht,
die ihre wahre Bedeutung und Richtung im Leben der ganzen Menschheit finden
müssen.
Technischer Fortschritt ist mehr als eine Chronologie der Erfindungen.
Er muß ein Gesetz der menschlichen Vernunft in der Geschichte sein, eine
Darstellung des Traumbildes vom wahren Leben und die Wahl der wünschenswerten
Mittel, um zu ihm zu gelangen.
Die
- 2 -

�Die moderne Wissenschaft verändert das Bild, das der Mensch von sich
selbst hat.

Wir sehen uns nicht mehr länger als kleines Zahnrad in einer

Newtonschen Welt des Determinismus, in der die Rolle des Menschen reduziert
wird auf die eines Betrachters, im besten Fall eines Hinnehmenden, oft die
eines Opfers.

Wir sehen diese moderne Welt nicht als statisch, sondern

als fortwährend sich ändernd, eine Welt, in der der Mann und die Frau diese
Veränderung als frei und verantwortlich Handelnde beeinflussen.

Wissenschaft

und Technik sind zu einer ausgeprägt menschlichen Erfahrung geworden, zu
einem Abenteuer und einer Herausforderung, um eine bessere Welt zu schaffen.
Vor zehn Jahren flogen wir zum Mond. Der eigentliche Lohn für dieses
Unternehmen bestand nicht in dem, was wir auf der Mondoberfläche fanden,
sondern in dem Bild, das es uns von unserem eigenen Planeten gewährte. Aus
dieser fernen Perspektive konnten wir zum ersten Mal die feine Zerbrechlichkeit und Schönheit dieses Raumschiffs erkennen, das wie ein Edelstein aussieht und das wir Heimat nennen. Tatsächlich wissen wir jetzt, daß die Erde
aus der Ferne schöner ist als aus der Nähe.
Wissenschaft und Technik sind nicht die Garanten der Zivilisation, sie
bürgen nur für die Möglichkeit der Zivilisation.

Schnelle Autos oder Schnelle

Brüter, Synthetik und Kybernetik machen noch keine Zivilisation.

Wenn unsere

Existenz nicht über die Oberflächlichkeiten des Materialismus hinausgeht und
nicht zu einem sinn - und bedeutungsvollen Leben wird, werden Wissenschaft
und Technik keine Kennzeichen des Fortschritts, sondern nur äußerer Pomp
der Moderne sein.

Das Streben nach höchster wissenschaftlicher Leistung

muß auf der Verfolgung menschlicher Ziele gründen.
Aber können wir wirklich Zivilisation nennen, worin wir leben?
-

Wenn ein Viertel der Erdbevölkerung in elender Armut hungernd und
durch Unwissenheit untätig und dumpf dahinlebt?
Wenn

- 3 -

�-

Wenn allein in diesem Jahrhundert über 100 Millionen Menschen den
Kriegen zum Opfer gefallen sind?

-

Wenn heute noch Millionen ihrer elementaren Menschenrechte wegen
ihrer politischen Überzeugung, ihres religiösen Glaubens, ihres
ethnischen Ursprungs oder ihrer wirtschaftlichen Lage beraubt sind?

-

Wenn technischer Fortschritt oft genug in vielen Gesellschaften nur
eine neue Form der Unterdrückung der Frau bedeutet?

Heute steht die Welt an vielen Fronten kritischem Mangel gegenüber.
Wir leben unter der immer wiederkehrenden Drohung der weltweiten Energiekrise,
der Erschöpfung unserer nicht erneuerungsfähigen Energievorräte und der
Plünderung unserer Umwelt.

Unser Ökosystem ist durch ein dramatisches

Bevölkerungswachstum belastet, unsere Sicherheit durch das andauernde Wettrüsten gefährdet und unser Wohlergehen durch Inflation und Währungschaos in
Frage gestellt.
Bedeutet dies, daß wir die Grenzen unseres Wachstums erreicht haben?
Haben wir tatsächlich die Möglichkeiten von Wissenschaft und Technik zum
Wohl der Menschheit erschöpft oder ist nur unser Geist erschöpft? Ich hoffe,
daß diese Konferenz lebendiges Zeugnis davon ablegen wird, daß weder unser
Wissen noch unser Geist erschöpft sind und daß wir unsere kollektive Verwundbarkeit umwandeln können in eine Welt der wechselseitigen Abhängigkeit,
eine Welt der Interdependenz von Nationen und der wechselseitigen Abhängigkeit zwischen dem Menschen und seinem Ökosystem.
Ja, wir leben in einer unvollkommenen Welt, und die Weltwirtschaft
arbeitet nicht so gut, wie sie es sowohl für die armen als auch für die
reichen Länder sollte.

- 4 -

�Das System der weltweiten technischen Erfindungen, ihrer Weitergabe
und ihrer Verwendung läßt in seinen Grundstrukturen den Zusammenhang vermissen, der den Großteil der Weltbevölkerung einschließt und ihm nützt.
Wir haben die rechte Mischung aus höchster wissenschaftlicher Leistung
und benötigten Technologien noch nicht gefunden.

Angesichts des ungeheuren

Potentials der Dritten Welt ist es unsinnig, daß ungefähr 95 Prozent aller
Forschung und Entwicklung in der industrialisierten Welt durchgeführt wird.
Noch tragischer ist, daß nur ein Prozent der weltweiten Forschung und
Entwicklung auf den Gebieten der Gesundheit, der Landwirtschaft, des Wohungsbau und der industriellen Technik für die Bedürfnisse der armen Hälfte der
Bevölkerung dieser Erde verwendet wird. Länder geben sechsmal mehr für die
militärische Forschung als für die Forschung im Energiebereich aus. Sogar
die meisten Entwicklungsländer geben mehr für Waffen als für Gesundheit
und Erziehung aus.
Es ist eine unvollkommene Welt, in der Wissenschaftler und Techniker
der Entwicklungsländer nicht an den letzten und besten, den wirtschaftlichsten
und angemessensten Technologien teilhaben. Es ist eine schreckliche Verschwendung, daß Millionen von Analphabeten und Unausgebildeten nicht an
unserem technischen Fortschritt teilhaben können - sei es als Empfänger oder
als Schöpfer neuer Erfindungen, um ihr Leben zu verbessern.
Es ist eine unzulängliche Weltwirtschaftsordnung, die keinen umfassenden
Nutzen aus der kraftvollen und dynamischen Rolle der internationalen
Geschäftswelt und Industrie zieht und die noch immer nicht das richtige
Gleichgewicht zwischen den Interessen des Privatunternehmens und den
Entwicklungsländern gefunden hat.
Genauso wie die moderne Wissenschaft das Bild des Menschen von sich
selbst ändert, so ändern sich die neuen Beziehungen zwischen den Nationen,

- 5 -

�Nationen, zwischen Nord und Süd, und ändern unsere Vorstellung von globalen
und nationalen Interessen.

Dieser Wandel ist gesund, dieser Wandel ist gut,

und wir brauchen ihn nicht zu fürchten. Wie unser Außenminister, Cyrus Vance,
sagte: "Wir dürfen uns nicht durch den Mythos verleiten lassen, zu glauben,
daß wir nur den Radikalismus ermuntern, wenn wir den Wandel ermutigen oder mit
den Kräften des Wandels verkehren." Wir wollen diesen Wandel ermutigen "mit
einer positiven, langfristigen Strategie gegenüber der Dritten Welt", um noch
einmal den Außenminister zu zitieren. Lassen Sie uns deshalb diesen Dialog
für den Wandel auf dieser Konferenz fortführen.
Erstens müssen wir darauf hinarbeiten, die Industrieländer empfänglicher
zu machen für die Wünsche der Entwicklungsländer, damit die Fortschritte in
Wissenschaft und Technik im Norden dem Süden größeren Nutzen bringen.
Zweitens müssen wir die Beteiligung und den Anteil der Entwicklungsländer
an der Weltwirtschaftsordnung ausweiten, darin eingeschlossen den weltweiten
Technologieumlauf.
Drittens müssen wir eine ausgeglichenere Beziehung

zwischen den Ent-

wicklungsländern und der internationalen Privatwirtschaft schaffen, so daß
beim weltweiten Technologietransfer das Interesse auf beiden Seiten wächst.
Die Aufgabe dieser Konferenz besteht nicht darin, die Irrtümer der Vergangenheit aufzuzählen, sondern Wissenschaft und Technik in das Gewebe der
Zukunft einzuflechten, in das Gewebe der Entwicklung. Wir brauchen Zusammenarbeit, nicht Zusammenstoß.
Die Frage lautet nicht, ob wir etwas tun sollen, sondern wie wir es erreichen sollen.
Wie können wir den Ideenreichtum und die Energien der wissenschaftlichen
Gemeinschaft am besten mobilisieren, um neue große Anstrengungen zur Beseitigung der schlimmsten Aspekte der Armut bis zum Jahr 2000 zu unternehmen?
Welche
- 6 -

�Welche Art der Zusammenarbeit kann die Kapazitäten auf dem Gebiet der
Wissenschaft und Technik in den jeweiligen Entwicklungsländern heranbilden,
ohne die es dort niemals eigenständiges Wachstum und unabhängigen Fortschritt
gibt?
Wie können wir das gegenwärtige Ungleichgewicht auf dem weltweiten Technologiemarkt berichtigen, damit die Entwicklungsländer auswählen können, was
sie brauchen, und ablehnen können, was sie in diesem internationalen Supermarkt der Produkte und Verfahren nicht benötigen?
Wie können wir die wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit am
ehesten stärken, um den weltweiten Druck auf die Wasser- und NahrungsmittelVersorgung, auf Energiequellen und Rohstoffe zu vermindern und um wirksam
mit den Problemen des Bevölkerungswachstums und der Zerstörung der Umwelt
fertigzuwerden?
Keine dieser Herausforderungen kann durch ein einzelnes Land allein angenommen werden. Aber was wir einzeln und gemeinsam für die Entwicklung der
Wissenschaft und der Technik und mit Hilfe von Wissenschaft und Technik für
die Entwicklung getan haben, ist ein guter Anfang.
Während der letzten 30 Jahre haben zum Beispiel die Vereinigten Staaten
mehr als 100 Milliarden Dollar zur Entwicklungshilfe beigetragen.

In diesem

Jahr ist unsere Hilfe auf nahezu sieben Milliarden Dollar angestiegen.

Dabei

enthält unsere Auslandshilfe immer auch in irgendeiner Form unseren Anteil
an wissenschaftlichen Erkenntnissen, technologischen Kenntnissen und technischen Produkten.
Den Kern der amerikanischen Zusammenarbeit bildet auch weiterhin die
Anwendung des technologischen know-how zur Erhöhung der Nahrungsmittel Produktion in den Entwicklungsländern.
Wir
- 7 -

�Wir beabsichtigen, im Verlauf der nächsten fünf Jahre umfangreiche und
echte Erhöhungen unseres Beitrags an die Konsultativgruppe für internationale
Landwirtschaftsforschung vorzunehmen.

Und wir laden andere Länder dazu ein,

sich uns bei dieser Anstrengung anzuschließen.
80 Prozent unserer Entwicklungshilfe gehen in Länder mit einem Pro-KopfEinkommen von unter 300 Dollar pro Jahr, um den Bevölkerungsmassen breiteren
Zugang zu Produktionstechniken, Gesundheitsvorsorge, Familienplanung und
Elementarerziehung zu geben.
Um die wissenschaftliche und technische Infrastruktur in den Entwicklungs
ländern zu stärken, unterstützen wir weit über 100 Universitäten und mehr als
300 Berufsschulen.

Jedes Jahr helfen wir Zehntausenden von Menschen in den

Entwicklungsländern, um in weiterbildenden Schulen in den Vereinigten Staaten
und in Drittländern zu studieren.
Wir teilen jetzt und auch weiterhin mit den Entwicklungsländern die Fortschritte, die wir bei unseren anspruchsvollsten Technologien machen, wie zum
Beispiel:
- Die Vereinigten Staaten beabsichtigen die Investition von 24 Millionen
Dollar in ein neues Sechsjahresprogramm zur Untersuchung der Wirksamkeit von
Satelliten als Mittel für Sendungen über Erziehung und zur verbesserten Kommunikation in abgelegenen, ländlichen Gebieten.
- Die Vereinigten Staaten werden die Initiative ergreifen, um zum Zweck
der Entwicklung einers internationalen Systems die Hersteller und die Abnehmer von Beobachtungssatelliten zusammenzubringen. Wir sind der Meinung, daß
Satelliten auf eine Weise betrieben werden sollten, die allen Interessierten
einen leichten Zugang zu den Daten ermöglicht und die eine Datensammlung ohne
unnötige Wiederholungen und zum höchstmöglichen gegenseitigen Nutzen zuläßt.
Die Absicht dabei ist, sicherzustellen, daß die Entwicklungsländer ihren Zugang zu Informationen über die Verwendung und Bewirtschaftung von Wäldern,
- 8 -

�Wäldern, Weideland, Wasserversorgung, Bodenerhaltung und das Auffinden neuer
Mineralien und Wasserquellen verbessern.

- Die Vereinigten Staaten weiten ihre Hilfe im Bereich der erneuerungsfähigen Energiequellen deutlich aus und arbeiten an kooperativen Methoden zur
Anwendung fortgeschrittener Technologien, einschließlich der Solartechnik,
für die Energiebedürfnisse der Entwicklungsländer.

Bei der Anwendung von Wissenschaft und Technik in der Entwicklung kann
jedoch ausländische Hilfe kein Ersatz für Eigeninitiative sein.

Mangelhaft

ernährte und kranke Menschen ohne Heim und ohne Arbeitsplatz brauchen keine
väterlichen Zusprüche.

Sie brauchen Werkzeug und Handwerk, Kapital und Ge-

legenheit, Hilfe zur Selbsthilfe, um ihre eigenen elementaren Bedürfnisse befriedigen zu können.
Der Ausbau der Kapazitäten und der Infrastruktur im Bereich der Wissenschaft und Technik in den Entwicklungsländern muß der erste entscheidende
Schritt sein, um die schlimmsten Aspekte der Arm,ut zu beseitigen und um die
Entwicklungsländer zu einem echten Partner bei diesem weltweiten wissenschaftlichen und technischen Unternehmen zu machen.

Erziehung auf allen Ebenen steht

im Mittelpunkt der menschlichen Entwicklung und ist der Schlüssel zu höherer
Lebensqualität.

Deshalb haben wir bei der Verstärkung der örtlichen wissenschaftlichen
und technischen Infrastrukturen geholfen, bei Programmen zur unternehmerischen,
technischen und allgemeinbildenden Erziehung, bei Forschungsinstituten, bei
Tätigkeiten im Bereich der Standardisierung, bei der landwirtschaftlichen Beratung und auf dem Informationsgebiet, bei der Laborversorgung, bei Ausrüstungszentren und Ausbildungsaufgaben.

Der technische Beistand und der Export von Sachverständigenwissen muß
sich auf die einheimische Fähigkeit stützen können, um Probleme auszumachen
und um Prioritäten zu setzen.
Um
- 9-

�0

Um auf die Herausforderung der Bildung einer solchen eigenen Kapazität
zu antworten, errichten wir auf die persönliche Initiative Präsident Carters
hin ein neues Institut für wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit.
Die wichtigsten Funktionen des Instituts umfassen:
- Gewinnung des Beistands der Entwicklungsländer bei der Erstellung
einer Dringlichkeitsliste in Forschung und Entwicklung.
- Langzeitforschung und -entwicklung bei schwierigen Entwicklungsproblemen.
- Aufbau internationaler Verbindungen der Zusammenarbeit innerhalb der
wissenschaftlichen und technischen Gemeinschaft.
- Mobilisierung der Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten verschiedener öffentlicher und privater Unternehmen in den Vereinigten Staaten.
- Förderung des Interesses amerikanischer wissenschaftlicher und technischer Institutionen an gemeinsamer Forschung, Ausbildung und anderen kooperativen Tätigkeiten.
- Einbeziehung des Privatsektors der Vereinigten Staaten in die Anstrengungen zur Verbesserung von Wissenschaft und Technik im Dienst der Entwicklung.
Wir können nicht im Ernst über gerechtere und ausgeglichenere Muster
der wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit nachdenken, solange
die Entwicklungsländer nicht die Macht des wissenschaftlichen Wissens und
der wissenschaftlichen Information besitzen. Beträchtliche Mengen an Information, im öffentlichen Bereich angesiedelt, stehen den Entwicklungsländern
bereits zur Verfügung. Zudem steht ein großer Teil des technischen Wissens
privaten Sektoren durch öffentliche Informationssysteme zur Verfügung, die
dieses Wissen beschreiben, oder durch die Quellen, bei denen solches technisches Wissen erhältlich ist.
Aber
- 10 -

�Aber wir sollten nicht so tun, als sei auf dem internationalen Technologiemarkt alles in bester Ordnung.

Technisches Wissen wird oft genug als

ein Produkt verkauft, das sich diejenigen am wenigsten leisten können, die
es am dringendsten benötigen,

übertragene Technologie entspricht häufig nicht

den Bedürfnissen vor Ort, ist unrentabel und unempfindlich gegenüber den Auswirkungen auf die Umwelt.
Eine solche Weitergabe von technischem Wissen ist ein schlechtes Geschäft.
Aber gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, daß die Privatwirtschaft schon
immer eine bedeutende Quelle der Erneuerung gewesen ist, ein wichtiger Partner
bei der Verbreitung von technischem Wissen und ein unabdingbarer Faktor des
Wirtschaftswachstums in den Entwicklungsländern. Deshalb müssen wir unseren
Dialog über eine lange Reihe von Maßnahmen fortsetzen, die die Verhandlungsfähigkeit der Entwicklungsländer bei ihrem Erwerb ausländischer Technologie
vergrößert und ihre Teilnahme am Technologiemarkt nicht nur als Verbraucher,
sondern auch als Anbieter verstärkt.
Durch neue Initiativen und fortgesetzte Programme müssen wir auf dieser
Konferenz und in den kommenden Jahren neue Bereiche und neue Mechanismen der
Zusammenarbeit finden. In seiner Grußadresse an diese Konferenz sprach Präsident Carter von Wissenschaft und Technik im Dienst der Entwicklung als einem
"gemeinsamen Unternehmen". Die erschreckenden Herausforderungen, denen wir
alle, Industrieländer ebenso wie Entwicklungsländer, gegenüberstehen, machen
dieses gemeinsame Unternehmen zu einem weltweiten Gebot. Deshalb begrüßen
die Vereinigten Staaten die Erklärung von Bukarest, in der die Entwicklungsländer erneut ihre Bereitwilligkeit bestätigten, im Wissen um die Dringlichkeit auf die Gewährleistung eines Erfolgs dieser Konferenz hinzuarbeiten.
Wir bewohnen einen Planeten mit begrenzten Vorräten, mit einer einzigen
ükosphäre und mit einem gemeinsamen Schicksal. In dieser Welt der wechselseitigen Abhängigkeit sind wir alle Entwicklungsländer. Die Unterschiede
zwischen dem Norden und dem Süden, zwischen dem Osten und dem Westen sind gering im Vergleich zu der Ungeheuerlichkeit der gemeinsamen Aufgaben, vor
denen die Menschheit steht.
Deshalb
- 11 -

�Deshalb sind wir bereit, bei vernünftigen Unternehmen mitzuarbeiten,
die die weltweite wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit stärken.
Wir glauben fest daran, daß dies eine gemeinsame Anstrengung sein wird, bei
der weltumfassende Werte die Organisationsprinzipien für Forschung und Entwicklung sind, bei der der Wert des Wissens und der technischen Produkte gemessen wird an ihrem Beitrag zu den umfassenderen Sorgen über das menschliche
Wohlergehen.
Wissenschaft und Technik sollten neue Grenzen eröffnen und neue Möglichkeiten um sich an allem zu erfreuen, was die Schönheit und die grenzenlosen
Elemente dieses Planeten Erde bieten.
Unsere Generation muß der Garant dieses neuen Morgen sein.

Es ist unsere

Aufgabe, in dieses neue Zeitalter einzuführen, den Boden zu bereiten und den
Samen zu säen, der reiche Früchte tragen wird.
dreifache sein:

Und unsere Ernte wird eine

ein neues Reich der Vernunft, ein neues Reich der Wirklich-

keit und ein neues Reich der Rechte.
Lassen Sie uns dieses Reich der Vernunft errichten. Denn bei den Anstrengungen, die wir unternehmen, kann es nicht darum gehen, daß die Gewinne
jener, die Gleichheit und Gleichberechtigung suchen, gleichzeitig als Verlust
derjenigen verzeichnet werden, die derzeit mehr besitzen. In diesem Reich
können wir den Lehrsatz vom gegenseitigen Nutzen beweisen, daß nämlich Fortschritte in einem Teil der Welt zum Nutzen aller andern sind.
Lassen Sie uns das Reich der Wirklichkeit anerkennen. Diese Wirklichkeit zwingt uns, uns der kommenden Krisen der Weltgemeinschaft bewußt zu
werden. Mögen auch unsere materiellen Vorräte schwinden, unsere überkommenen
Energiequellen versiegen, es gibt eine unerschöpfliche und stets erneuerungsfähige Quelle: unseren Erfindungsreichtum, unsere Vorstellungskraft, unser
Wissen und unsere Technik - und vor allem unser menschliches Streben, das
all dies in eine neue Welt verwandeln kann.

Und
- 12 -

�Und lassen Sie uns mit Hilfe von Wissenschaft und Technik ein neues
Reich der Menschenrechte erschaffen:
- in dem der internationale Geist der Zusammenarbeit die Grundrechte in
den Mittelpunkt unserer Tagesordnung für das 21. Jahrhundert stellt;
- dessen Merkmal die Freiheit ist, dessen Eckpfeiler die Gleichberechtigung von Mann und Frau und dessen Kennwort die Gerechtigkeit;
- in dem Wohltaten, die aus den Vorratsschätzen dieser Erde kommen, keinen
besonderen Nutznießer kennen und sie nicht durch irgendeine nationale Grenze
eingeschränkt werden, solange noch irgendwo Menschen in Not sind.
Deshalb, Frau Präsident, lassen Sie uns unser Morgen zu einer Welt des
Teilhabens machen, in der die Freiheit des Forschens und des Schaffens sowie
die Möglichkeit, die Früchte unserer Arbeit zu teilen, zu den wirklichen Kennzeichen der Zivilisation werden.

- 13 -

�(Kl-

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29. August 1979

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DIE NATION MACHT ERNST MIT DEM SPAREN
- Amerika senkt den Energieverbrauch Von unserem Korrespondenten James Füller

- (AD) - Die Gewohnheiten des Energieverbrauchs haben sich in den USA
nach dem ülembargo von 1973/74 entscheidend geändert.

Häuser werden heute

anders gebaut und beheizt, neue Automodelle unter dem Gesichtspunkt der
höchstmöglichen Kraftstoff-Wirtschaftlichkeit konstruiert (von Hybrid-Fahrzeugen und Elektroautos einmal ganz abgesehen), und die Industrie wägt unter
dem Gesichtspunkt des Energieverbrauchs sehr genau ab, was und wie sie produziert.
Wie kürzlich Elliot Estes, der Präsident des größten amerikanischen
Automobilkonzerns General Motors bekannte, zwinge die Öffentlichkeit die
Autoindustrie geradezu, ihre Produktion von Benzinschluckern auf wirtschaftliche Autos umzustellen.

Die Industrie habe "eine harte Lektion erhalten"

und werde sie so bald nicht vergessen.
Regierungsstellen gehen auf allen nur erdenklichen Gebieten beim Energiesparen mit gutem Beispiel voran:

In der Zeitspanne 1977/78, in der der Ge-

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�Gesamtenergieverbrauch der USA um 7,4 Prozent anstieg, verringerten sie
- der riesige Militärapparat eingeschlossen - ihren Verbrauch um 3,7 Prozent.
Allein diese Einsparquote würde ausreichen, um "mehr als eine Million Eigenheime ein Jahr lang zu beheizen", wie ein Sprecher des US-Energieministeriums
erklärt.
Mehr Forschung soll die Situation verbessern helfen.

Während 1973 für

Energie-Forschungsprojekte staatliche Mittel in Höhe von 479 Millionen
Dollar bewilligt wurden, erreichte dieser Posten im letzten Finanzjahr 3,5
Milliarden Dollar.

Weitere Erhöhungen sind für das nächste Haushaltjahr

vorgesehen.
Die Verwaltungen einer Reihe von Großstädten zeigen sich sehr aktiv.
Da ist z.B. New York, dessen Stadtrat jetzt Sparmaßnahmen empfahl, die die
jährliche Stromrechnung von 101 000 Dollar auf 75 000 reduziert. Da ist
Boston, wo die Stromrechnungen für den Verbrauch allein im Rathaus seit 1976
um 16 000 Dollar zurückgingen. Und in Seattle (Bundesstaat Washington an
der Westküste) suchen die Versorgungsbetriebe gemeinsam mit mittleren und
kleinen Unternehmen intensiv nach Möglichkeiten, mehr Wasserkraft einzusetzen anstatt die Kapazität der ölheizkraftwerke auszuweiten.
Was Energiesparen finanziell bedeuten kann, zeigt die Entwicklung
der Preise: Sie stiegen seit 1973 für Kleinverbraucher bei Erdgas um mehr
als das Doppelte, bei Strom um zwei Drittel und für Heizöl für das Einfamilienhaus um 65 Prozent an. Eine Studie des Kongreßamtes für TechnologieBewertung (0TA) hebt hervor, daß der Energieverbrauch privater Haushalte,
der in den sechziger Jahren um durchschnittlich 4,6 Prozent im Jahr anstieg,
seit den frühen siebziger Jahren auf 2,6 Prozent Zuwachsrate zurückgegangen
sei.
Die Privatwirtschaft erweist sich als einfallsreich.

Da gewähren

Banken in Colorado beim Neukauf von Wagen, die im Stadtverkehr nicht mehr
als 11 Liter Benzin verbrauchen, auf Kredite zwei Prozent Zinsnachlaß, und

- 2 -

�und bei Maßnahmen zur besseren Isolierung von Häusern und bei anderen energiesparende Aktivitäten sogar 3 bis 4 Prozent "Rabatt".

Konstruktion und Be-

trieb von Geschäftshäusern haben einschneidende Veränderungen durchgemacht.
Wolkenkratzer werden wieder mit Fenstern gebaut, die sich öffnen lassen.
Fenster werden so konstruiert, daß in Bürogebäuden und Hotels das einfallende
Sonnenlicht einen optimalen Anteil für Beleuchtung und Heizung übernimmt.
Mehr und mehr werden Hausdächer mit Sonnenkollektoren bestückt.

In Gebäuden

modernster Konstruktion wird bereits die Abwärme der Beleuchtungskörper,
der elektrischen Schreibmaschinen und selbst die Körperwärme der Menschen, die
dort arbeiten, für die Energieversorgung genutzt.

Der seit ein paar Jahren in den USA vor allem auf dem Lande zu verzeichnende Mehrverbrauch an Holz spart gegenwärtig 500 000 Barrel Erdöl ein. Man
hofft, bis 1985 die allein durch diese Maßnahme eingesparte Menge auf eine
Million Barrel (1 Barrel = 159 Liter) steigern zu können.

Die Regierung

unterstützt finanziell die Verwendung technisch moderner Öfen zur Holzverbrennung.

Wie die Umweltschutzbehörde EPA kürzlich bekanntgab, haben die neuen
Wagen aus Detroit eine um 60 Prozent größere Kilometerleistung als die Modelle
von 1973. Mineralölexperten sagen voraus, daß die neuesten, sehr wirtschaftlichen Modelle Anfang der achtziger Jahre eine bemerkenswerte Reduzierung des
Benzinverbrauchs bewirken werden.

Ein Rückgang des Kraftstoffverbrauchs

landesweit gesehen ist bereits zu verzeichnen:

Die Steigerungsrate, die in

den sechziger und frühen siebziger Jahren bei 5 Prozent lag, beträgt heute
ca. 2 Prozent im Jahr.

Der durch Kongreßgesetz seit 1975 ausgeübte Zwang

zur besseren Wirtschaftlichkeit der Kraftfahrzeuge verfehlt seine Wirkung
nicht.

Kleine Wagen machen heute 55 Prozent des Absatzes aus (gegenüber

35 Prozent im Jahr 1972).

Importierte Fahrzeuge dieser Art, die noch im

vorigen Jahr 17 Prozent des Auto-Absatzes ausmachten, liegen bereits bei
23 Prozent.

Und

- 3 -

�Und jetzt werden Benzinmengen auch zunehmend durch Alkohol Zusätze gestreckt.

Dieser Alkohol, der sich aus den verschiedensten Rohstoffen wie

Getreide- und Holzabfällen, Zuckerrüben, Mais und Weizen oder aus Abfallprodukten bei der Nahrungsmittel Verarbeitung gewinnen läßt, soll helfen,
daß 1982 schon mehr als eine Milliarde Liter und 1985 mindestens 2,3 Milliarden Liter Mischkraftstoffe vom Typ GASOHOL verfügbar sind.

Die Regie-

rung hat Kreditgarantieen in Höhe von 30 Millionen Dollar für den Bau großer
GASOHOL-Produktionsanlagen zugesagt.

Das Landwirtschaftsministerium gibt

weitere vier Millionen Dollar für Forschungen auf dem Gebiet der Vergärung
der Grundstoffe.
Der Präsidialbeirat für Umwelthygiene mißt dem Einsparen von Energie
besonderes Gewicht bei. In einem kürzlich vorgelegten Bericht ("The Good
News About Energy") vertritt er die Ansicht, daß sich der wirtschaftliche
Fortschritt der Vereinigten Staaten keineswegs verlangsame, wenn der Energieverbrauch durch systematische Sparmaßnahmen wesentlich beschnitten würde.
Gemessen an der realen, d.h. preisbereinigten Wachstumsrate für das Bruttosozialprodukt, die in früheren Jahren in etwa auch der Wachstumsrate für
den Energieverbrauch entsprach, sei eine Verringerung der letztgenannten
Größe auf etwa ein Drittel der des Bruttosozialprodukts bis zum Jahr 2000
denkbar. Schon heute sei, wie Dr. James Schlesinger in seiner Rede vom
16. August 1979 vor dem Nationalen Presseclub in Washington erwähnte, der
Energiekoeffizient zur Wachstumsrate des Bruttosozialprodukts bei 0,5 oder
0,6 angelangt.
Wenn Energiesparen überall ernst genommen werde, schwinde auch, so der
Präsidialbeirat für Umwelthygiene, die Abhängigkeit von Kohle und Kernkraft.
Anstatt 500 neuer Kohle- und Kernkraftwerke benötige Amerika dann in den
nächsten Jahrzehnten nur etwa 125, was weniger Umweltbelastungen und Strahlengefahren sowie Schonung der Landschaft bedeute.
In einer Vergleichsstudie zum Verhalten anderer wichtiger Industrieländer, die William Vogely, Leiter des Departments für Mineral öl Wirtschaft

- 4 -

�Mineralölwirtschaft der Universität Pennsylvanien, kürzlich abschloß, werden
mit schlüssigen Beweisen Behauptungen widerlegt, daß die Vereinigten Staaten
riesige Mengen von Energie verschwendeten. Vor allem in den Neuenglandstaaten,
die nach Bevölkerungsdichte, Entfernungen und Klima die meisten Ähnlichkeiten
mit den Ländern Westeuropas aufweisen, werde pro Million des jeweiligen bundesstaatlichen Bruttosozialprodukts weitaus weniger Energie verbraucht als
in Großbritannien, in den Niederlanden und in Schweden. Allerdings ergäbe
sich in den geographisch völlig anders gearteten Bundesstaaten des Westens,
Mittelwestens und Südwestens, wo Energie billiger, der Gebrauch des Autos
infolge der Weite des Landes zwangsläufig sehr viel intensiver sei, ein anderes Bild: Dort wird gegenwärtig pro Million Dollar des bundesstaatlichen
Bruttosozialprodukts mehr Energie verbraucht als in anderen Industrieländern.
Alles in allem gesehen setze sich aber der Trend zu rationellerer Nutzung
von Energie immer stärker durch. Die Vereinigten Staaten lernen, eine gegebene Energiemenge mit immer besserem Nutzeffekt zu gebrauchen.

+ + + + +

- 5 -

�I

Wi//en/chaft
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29. August 1979

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ERSTER VORSTOSS EINER FORSCHUNGSSONDE ZUM PLANETEN SATURN
Sechs Jahre nach dem Start erreicht PIONIER 11 das zweite Ziel

- (AD) - Die amerikanische Raumsonde PIONIER 11 kreuzt am 1. September
1979 die Bahn des Planeten Saturn. Dank der im Dezember 1974 am Planeten
Jupiter gewonnenen Schwerebeschleunigung war sie auf eine Bahn gelenkt worden, die sie in hohem Bogen über die Sonne und die Bahnen der inneren Planeten hinweg zu der dem damaligen "Standort" des Jupiter gegenüberliegenden
Seite des Sonnensystems führte. Und da der Planet Saturn auf seinem Umlauf
um die Sonne sich nunmehr just an diesem Kreuzpunkt befindet, haben die
Wissenschaftler durch PIONIER 11 zum ersten Mal Gelegenheit zur Nahbeobachtung dieses zweitgrößten Satelliten der Sonne. In nur 1900 km Abstand
passiert er die wahrscheinlich aus kleinen Partikeln sowie Eis- und Gesteinsbrocken bestehenden Ringe und in 21 400 km Entfernung die farbenreiche, gebä'nderte Wolkenhülle. Seit ihrem Start im April 1973 in Kap Canaveral hat
die Sonde inzwischen drei Milliarden Kilometer zurückgelegt.
Nahaufnahmen vom Planeten, seinen Ringen und drei seiner zehn Monde
sowie wissenschaftliche Messungen sind die Aufgaben der Sonde, die bereits
Ende 1974 vom Jupiter so viele aufschlußreiche Daten zur Erde gefunkt hatte.
Die bei der größten Annäherung gewonnenen Aufnahmen werden zwanzigmal mehr

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�mehr Details zeigen als die besten Fotos, die mit leistungsstarken Teleskopen
von der Erde aus gemacht werden können.

Die Instrumente des PIONIER re-

gistrieren eventuell vorhandene Magnetfelder, Strahlengürtel oder besonders
energiereiche Partikel, messen Temperaturen, Dichte und Zusammensetzung der
oberen Wolkenschichten sowie jegliche Wärmeabstrahlung aus dem Planeteninnern.
Alle diese Daten werden der Forschung helfen, die Mengen von Wasserstoff und
Helium (den zwei Hauptbestandteilen des Planeten Saturn), die Struktur der
Gashülle mit Schichtung, charakteristischer Bewegung der Wolkenmassen und
horizontaler wie vertikaler Strömung in der Atmosphäre näher zu bestimmen,
"über den Saturn wissen wir heute noch sehr viel weniger als über Jupiter
vor dem Besuch von PIONIER 10 und 11", meint Dr. John H. Wolfe, Projektleiter für das PIONIER-Programm der US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA am
Arnes-Forschungszentrum in Mountainview (Kalifornien).
Gelegentlich wird auf der Erde atmosphärisches Rauschen infolge Radiostrahlung vom Saturn registriert, was darauf hindeuten könnte, daß Saturn
ebenso wie Jupiter, Erde und Merkur ein Magnetfeld besitzt. Wenn dem so ist,
würde dieses Feld wohl auch elektrisch geladene Partikel halten, beschleunigen und Strahlungsgürtel aufbauen, die in gewisser Weise mit den Ringen
des Saturn in Wechselwirkung treten. Von der Erde aus sind drei Ringe sichtbar, die 77 000 km Abstand vom Saturn erreichen. Aber die Forscher vermuten
noch jenseits des äußeren Ringes einen weiteren, unsichtbaren Ring "E". Die
drei optisch wahrnehmbaren Ringe haben eine Gesamtbreite von 64 800 km.
Ein eventuell vorhandener "E"-Ring könnte diesen Wert verdoppeln. PIONIER 11
würde unmittelbar durch ihn hindurchgehen, wenn er zweimal die Äquatorebene
kreuzt. Enthielte der hypothetische "E"-Ring feinen Staub, so könnte dieser
das Ende für die Sonde bzw. deren Funktiqnsfähigkeit bedeuten. Dr. Wolfe
schätzt die Chance, daß PIONIER bei der hohen Fluggeschwindigkeit Kollisionen
mit dichten Staubpartikeln überlebt, auf 50:$0. Der Flugkurs mußte jedoch
so gewählt werden, weil PIONIER 11 gleichzeitig Pfadfinder für die Sonden
V0YAGER 1 und 2 ist, die 1980 und 1981 am Saturn eintreffen werden.

Von

�Von den zehn bisher bekannten Saturn-Monden sollen drei, nämlich Iapetus,
Rhea und Titan von den PIONIER-Instrumenten unter die Lupe genommen werden.
Iapetus, der zweitäußerste im Mondsystem, ist auf der Stirnseite bei seinem
Umlauf um den Planeten Saturn sechsmal heller als auf der Rückseite.

Polari-

sationsmessungen und Messungen der Lichtintensität sollen den Wissenschaftlern
Anhaltspunkte dafür geben, weshalb es zu dieser Helligkeitssteigerung kommt.
Von Rhea, dem Mond Nr. 6, sollen u.a. Masse und Dichte ermittelt werden.
Das Hauptinteresse gilt jedoch dem Mond Nr. 7, Titan. Er ist größer als
der innerste Sonnenplanet, Merkur, und um ein Drittel größer als unser Erdmond. Den Saturn umkreist er im Abstand von 1,5 Millionen km. Seine Atmosphäre
erscheint bei Fernrohrbeobachtungen verschwommen hell und durchsetzt von
orangefarbenen Schwaden. Durch spektroskopische Untersuchungen wurde Methan
in der Atmosphäre festgestellt. Sie könnte ungefähr die Dichte der Erdatmosphäre an der Oberfläche haben. Auf jeden Fall ist sie sehr viel dichter
als die Marsatmosphäre.
Nur ein Zehntel der Menge von Sonnenlicht, das die Erde erreicht, dringt
bis zum Titan vor. Dennoch könnte die Titan-Atmosphäre die Wärme speichern,
falls sie dafür dicht genug ist, was die Temperatur an der Oberfläche erhöhen
würde. Der sog. Gewächshauseffekt der Lufthülle und ihr Gehalt an Methan
(was Ähnlichkeitm11 der Erdatmosphäre vor Beginn der Entwicklung von Leben
besitzt) könnte Umweltbedingungen schaffen, in der organische Moleküle hervorgebracht werden, aus denen sich lebende Materie aufbaut. Titan gilt nach dem
Mars als "die letzte Hoffnung, organisches, lebensähnliches Material in unserem Sonnensystem" zu finden, erklärt Projektleiter Wolfe. PIONIER 11 wird
den Mond Titan in 356 000 km Abstand passieren.
Saturn, der zweitgrößte Planet unseres Sonnensystems, ist nur wenig kleiner als der Jupiter.

Sein Volumen beträgt das 815fache des Erdvolumens, aber

seine Masse ist nur 95 Mal größer, weil er in der Hauptsache aus den Leichtelementen Wasserstoff und Helium besteht.

PIONIER 11 nähert sich von oben

her und kreuzt am 1. September um 17.00 Uhr MEZ die Ringebene außerhalb des
- 3 -

�des äußeren Ringes zum ersten Mal, bei einer Geschwindigkeit von 10 km pro
Sekunde.

Auf ihrem Weiterflug unterhalb der Ringe wird die Sonde bis zur

größten Annäherung an den Saturn um 19.00 Uhr MEZ auf 32 km/sec beschleunigt.

Dann verschwindet PIONIER 11 hinter dem Planeten und steigt wieder

zur Ringebene auf, die er nach 100 Minuten noch einmal kreuzt.

Die Schwere-

beschleunigung, die ihm der Saturn erteilt, bringt ihn auf einen Kurs, der
ihn in der Bewegungsrichtung des Sonnensystems relativ zum Zentrum der Milchstraße hinausführt in den interstellaren Raum.

Diesen erreicht er aber erst

in etwa 40 Jahren, wenn er in etwa 14,9 Milliarden km Abstand zu unserer Sonne
das Sonnensystem verlassen und in die "Heliopause" eintreten wird.

+ + + + +

.

�I

Uliz/cn/chofl
\mö Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
29. August 1979

35

INFRASCHALLWELLEN ZEIGEN SCHWACHE ERDBEBEN AN

- (AD) - Das Hundegebell in der Nacht wurde allmählich lästig. Don
Stierman, Geologe der Universität Kalifornien (Riverside), fand ebensowenig
Schlaf wie seine Kollegen, mit denen er in der Mojavewüste zur Durchführung
von Feldmessungen im Zelt übernachtete. In den Mittagstunden des vorangegangenen Tages waren im Süden Kaliforniens zwei starke Erdstöße registriert
worden. Daraufhin begab sich die Wissenschaftlergruppe auf schnellstem Wege
in die Mojavewüste, um dort mit tragbaren Seismometern Nachbeben aufzunehmen.
Tatsächlich zeigten die Instrumente im Verlauf von 40 Stunden etwa
1000 weitere Erdstöße an. Die meisten waren allerdings sehr schwach.
Stierman wurde ihrer nur durch das Klickgeräusch des Seismometers gewahr,
das neben seinem Schlafsack stand. Aber Hunde in der näheren und weiteren
Umgebung schlugen jedes Mal an. Dies erinnerte an Beschreibungen von ungewöhnlichem Verhalten von Tieren vor einem stärkeren Erdbeben - was aber war
es wirklich, was die Hunde so störte? Empfindliche Schallmeßgeräte, die
auch Signale erfaßten, die das menschliche Ohr nicht wahrzunehmen vermag,
schienen das Rätsel lösen zu helfen: Selbst die schwachen Nachbeben verursachten donnerähnliche Geräusche, aber in der Form von Schallwellen so niedriger Frequenz, daß das menschliche Ohr sie nicht zu hören vermag. Sie
wurden übrigens im Zusammenhang mit sehr schwachen Beben zum ersten Mal beobachtet - vielleicht deshalb, weil die Mojavewüste für solche Messungen be-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�besonders günstige Bedingungen bietet.
gut.

Der Granit leitet Schallwellen sehr

Ein weiterer glücklicher Umstand für die Beobachtungen war auch die

Tatsache, daß es sich um Flachbeben handelte, der Herd also nahe der Erdoberfläche lag.

Selbst schwache Erdstöße, die nicht einmal den Punkt 1 auf der

Richterskala erreichten, erzeugten donnerähnliches Grollen - aber nur im
Infraschallbereich.

Die Hunde mit ihrem besseren Hörvermögen reagierten

darauf völlig normal.

Sie bellten, wie sie es auch bei Gewitterdonner tun.

Nach Meinung Stiermans ist das Auftreten von Infraschall wellen auch bei
leichten Erdstößen, die z.B. einem schweren Beben vorausgehen, eher eine Erklärung für das auffällige Verhalten von Tieren - eine bessere jedenfalls
als die Theorien über Veränderungen des elektrischen Feldes oder aus der Erde
ausdringende Gase.

Man könnte und sollte jedenfalls aufgrund der jetzt ge-

machten Beobachtungen versuchen, auffälliges Verhalten von Hunden in die Auswertung von Seismogrammen einzubeziehen.
es ständig.

Schwache "Hintergrund"-Beben gibt

Sie sind auf den Meßstreifen von Vorläufern schwerer Erdbeben

im Gebiet der jeweiligen Meßstationen nicht zu unterscheiden.

Wird jedoch

gleichzeitig in der betreffenden Region bei Hunden ungewöhnliches Verhalten
beobachtet, könnte dies helfen, die äußerst begrenzten Möglichkeiten für
eine Erdbebenvorhersage auszuweiten.

+ + + + +

�</text>
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