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                  <text>22. August 1979

34
INHALT

INFORMATION
Grußadresse Präsident Carters an dieUN-Wissenschaftskonferenz in Wien
Carter entläßt schweres Rohöl aus der Preisüberwachung
- Förderung soll bis 1990 auf 750 000 Barrel pro Tag steigen DOKUMENTATION
Schlesinger vor dem Nationalen Presseclub
- Abschiedsrede des scheidenden Energieministers
WIRTSCHAFT
EG-Einfuhren nach USA bis 1987 zu 70 Prozent zol1 begünstigt
Eine Übersicht über die Auswirkungen der Ergebnisse der Tokio-Runde
auf die amerikanischen Einfuhren
- Von unserem Korrespondenten Jon Schaffer -

HINTERGRUNDMATERIAL
Bessere Kontrollen für Risikochemikalien gefordert
- Studie des Präsidialausschusses für toxische Substanzen WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Bakterien mit Kompaß
Experimentelle Forschung kommt magnetischen Orientierungshilfen in der
Tierwelt auf der Spur
- Von G. Weiss -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Information
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34

22. August 1979

GRUSSADRESSE PRÄSIDENT CARTERS AN DIE UN-WISSENSCHAFTSKONFERENZ IN WIEN

WIEN - (AD) - Auf der Eröffnungssitzung der Konferenz der Vereinten
Nationen über Wissenschaft und Technik im Dienst der Entwicklung (UNCSTD)
am 20. August 1979 in Wien verlas der Leiter der amerikanischen Delegation,
Theodore Hesburgh, die folgende Grußadresse Präsident Carters:
Diese Konferenz ist eine neue Reise in Richtung Fortschritt.
Ihr Bestreben belebt aufs neue den Geist für Abenteuer in uns allen.
Es fordert die Menschheit heraus, eine bessere Zukunft zu gestalten.

Nach

Jahrhunderten des Fortschritts erforschen wir vielleicht jetzt nicht nur
die Grenzen des Wissens, sondern auch die Grenzen der Gerechtigkeit.
Diesmal dürfen wir nicht dabei scheitern, auf die dringenden Bedürfnisse der Entwicklungsländer mit mehr als nur mit leeren Worten zu antworten. Denn umgekehrt können wir alle aus ihrer Teilnahme an einem neuen und
stärkeren Weltwirtschaftssystem Nutzen ziehen.
Wagen wir es, im starken Geist der Vorstellungskraft, der Erfindungsgabe und des Einfallsreichtums die Welt neu zu gestalten und bis zum Jahr

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�Jahr 2000 die schlimmsten Auswüchse der Armut zu beseitigen.

Gebrauchen

wir unser Wissen, um die Mittel für die grundlegenden Bedürfnisse aller
Menschen bereitzustellen.

Erfinden wir gemeinsam eine dynamischere Partner-

schaft zwischen Regierungen und Privatinstitutionen, um dem gemeinsamen
Interesse aller Länder zu dienen.
Wir müssen uns schrecklichen Herausforderungen stellen.

Ihre Lösung

fordert ein gemeinsames Wagnis aller Länder.
Dieses Wagnis wird unvermeidlich die Freiheit vergrößern, denn zum
Erfolg sind ungehinderter' Informationsfluß, freier Zugang zum Marktplatz
der Ideen und weitester Spielraum für wissenschaftliche Erfindung und Initiative notwendig.
Breite Beteiligung sollte unser Unternehmen kennzeichnen, denn nichtverbreitetes Wissen ist verschwendetes Wissen.

Die weltweite Verbreitung

technischen Wissens muß ein befreiendes Wagnis sein, an dem alle teilnehmen
und aus dem alle Gewinn ziehen.
Unsere vordringlichste Aufgabe muß darin bestehen, bei der Bildung
wissenschaftlicher und technologischer Potentiale in den Entwicklungsländern
zu helfen. Ihre eigenen Fähigkeiten zur Erfindung und Erneuerung, zur wissentlichen Auswahl der richtigen Technologien und zum Handel auf der Grundlage von Tatsachen und nicht von Träumereien sind der einzig sichere Weg,
um durch die weltweite Verbreitung von Technologie nicht zu einem neuen
System der Abhängigkeit zu gelangen.
Die Vereinigten Staaten ihrerseits hoffen, durch ein "Institut für
wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit" zu diesem gemeinsamen
Unternehmen beitragen zu können, dessen Einrichtung wir für diesen Herbst geplant haben. Dieses Institut ist eine unserer wichtigsten Neuerungen, um
den Entwicklungsländern zu helfen, die den Wunsch hegen, Technologien zu
schaffen und anzuwenden, die ihren Bedürfnissen am besten entsprechen. Seine

�Seine Arbeit wird meine ganze persönliche Unterstützung haben.

Ich werde

sicherstellen, daß es eng mit ähnlichen Programmen und Institutionen in anderen Teilen der Welt zusammenarbeitet.
Ich bin überzeugt, daß unsere wissenschaftliche Gemeinschaft, unsere
Regierungsbehörden und unsere Privatinstitutionen ihre Beteiligung an Forschungs- und Entwicklungsprogrammen verstärken werden, um die endemischen
Probleme wie Nahrungsmangel, Energiekrise, Bevölkerungsexplosion und Mangel
an angemessener Gesundheitsfürsorge anzupacken - Probleme, die uns alle angehen.
Ich gelobe unsere Bereitwilligkeit, alle praktischen Bemühungen zu
unterstützen, die uns dabei helfen können, diese Probleme zu überwinden
- eine Welt zu schaffen, in der Erziehung jedermann erreichbar ist, die
Hungrigen sich selbst ernähren können, Millionen von tropischen Krankheiten
befreit sind, Volkswirtschaften sich entwickeln, um Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, und weltweiter Handel den Fortschritt eines jeden Landes
garantiert.
Diese Konferenz stellt unsere Verpflichtung auf die Probe, die Früchte
des wissenschaftlichen Fortschritts weltweit zu teilen und die Kräfte der
Technik zum Wohl der ganzen Menschheit zu meistern. Ihnen, Frau Präsident,
und allen Delegierten, die diese Hoffnung und dieses Ziel vertreten, übermittle ich meine aufrichtigsten Wünsche für ein erfolgreiches Bemühen.

- 3 -

�mJiJ

1
I

77ÜJ

Infoimcilion
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22. August 1979

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CARTER ENTLÄSST SCHWERES ROHÖL AUS DER PREISÜBERWACHUNG
Förderung soll bis 1990 auf 750 000 Barrel pro Tag steigen

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 17. August 1979 durch Präsidialerlaß die Preiskontrolle bei schwerem Rohöl mit sofortiger Wirkung aufgehoben.

Der Präsident kündigte in diesem Zusammenhang an, daß er den Kon-

greß ersuchen werde, schweres Rohöl auch von der geplanten Steuer für ungerechtfertigte Gewinne der ülgesellschaften (Windfall Profits Tax) auszunehmen,
Wie das Weiße Haus anläßlich der Unterzeichnung des Erlasses erklärte,
ist diese Maßnahme notwendig, um einen Anreiz zur verstärkten Nutzung dieser
Ölvorkommen zu geben. Schweres Rohöl ist eine sehr zähflüssige, fast teerähnliche Substanz, die zu fördern, zu transportieren und zu raffinieren die
Anwendung sehr kostspieliger Technologien erforderlich macht, da diese Art
von Rohöl zur Verflüssigung und Verarbeitung einer stärkeren Erhitzung bedarf.
Die Vereinigten Staaten verfügen über Reserven an schwerem Rohöl in
der Größenordnung von schätzungsweise 10 Milliarden Barrel (159 Liter).
Im Weißen Haus rechnet man damit, daß die Freigabe des Preises von schwerem
Rohöl geeignet ist, die heimische Gewinnung von derzeit 250 000 Barrel pro

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�pro Tag bis 1985 um 200 000 Barrel und bis 1990 um 500 000 auf 750 000 Barrel
zu steigern.

Die bisher bestehenden Preiskontrollen hielten den Preis von

zwei Dritteln der heimischen Förderung an schwerem Rohöl auf rund 6 Dollar
pro Barrel, während der verbleibende Rest zu einem Preis von etwas mehr als
13 Dollar abgesetzt werden konnte. Die Herausnahme einer ölsorte aus der
Preiskontrolle gestattet nunmehr den Verkauf zu Marktpreisen, die nach Angaben des Weißen Hauses mit etwa 16 Dollar um zwei bis drei Dollar unter denen
für leichtere Rohöle liegen.
Die Förderung von schwerem Rohöl zu dem gesetzlich vorgeschriebene^ Preis
war wirtschaftlich gesehen angesichts der hohen Förderkosten kaum vertretbar
und hielt sich deshalb in engen Grenzen. Ohne Freigabe des Preises wäre nach
Auffassung des Weißen Hauses mit einem weiteren Rückgang der Förderung zu
rechnen gewesen.
Bei der Formulierung des neuen Präsidialerlasses hat die Carter-Administration auch die Frage entschieden:
Rohöl" zu verstehen?

Was eigentlich ist unter "schwerem

Der Flüssigkeitsgrad oder, technisch ausgedrückt, die

Viskosität von Rohöl bestimmt sich nach dessen Schwere. Während sehr leichtes Rohöl mit der Viskositätszahl 40 relativ dünnflüssig ist, sind öle mit
niedrigeren Viskositätszahlen schwerer und zähflüssiger und nur sehr schwierig zu fördern und zu verarbeiten.
Die Administration entschied, die obere Grenze für die Herausnahme aus
der Preisüberwachung bei der Viskositätszahl 16 zu ziehen. Damit sind alle
Fördermengen von öl mit Viskosität 16 und darunter von der Kontrolle ihrer
Abgabepreise befreit.
Das amerikanische Energieministerium wird im September öffentliche Einvernahmen zu der Frage abhalten, ob auch schwere öle mit einer höheren Viskositätszahl als 16 mit Rücksicht auf die höheren Förderkosten aus der Preisüberwachung herausgenommen werden können.

Die Befreiung von der Steuer für unge-

rechtfertigte Gewinne aber soll in jedem Falle auf Rohöle mit der Viskositats-

�Viskositätszahl 16 und darunter beschränkt bleiben.
Der größte Teil der amerikanischen Vorkommen von schwerem Rohöl liegt
im Staat Kalifornien.

Kleinere Lagerstätten finden sich auch in Texas,

Louisiana, Oklahoma, Mississippi und Wyoming.
Mit der Unterzeichnung des Schwerölerlasses erfüllt Präsident Carter
eine Zusage, die er am 15. Juli in seiner Rede zur Energielage gegeben hat.
Er nahm die Unterzeichnung einmal mehr zum Anlaß, den Senat zur Verabschiedung des von der Administration vorgeschlagenen Gesetzes zur Besteuerung von
ungerechtfertigten Gewinnen der ülgesell Schäften und zur Ablehnung der Ausnahmebestimmungen aufzufordern, die der Finanzausschuß in Abänderung der Vorlage erwägt.
Die Sondergewinnsteuer ist als eine flankierende Maßnahme zur stufenweisen Aufhebung der Preisüberwachung bei Mineralöl Produkten konzipiert,
die bereits in die Wege geleitet wurde. Mit dieser Steuer sollen alle außerordentlichen Einkünfte der öl gesell Schäften als Folge der Beendigung der
Preiskontrolle weggesteuert werden.

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Dokumentation

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22. August 1979

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SCHLESINGER VOR DEM NATIONALEN PRESSECLUB
- Abschiedsrede des scheidenden Energieministers -

WASHINGTON

- (AD) - Der aus dem Amt scheidende US-Energieminister

James Schlesinger hat am 16. August 1979 vor dem Nationalen Presseclub
in Washington eine vielbeachtete Rede gehalten, in der er sich mit einer
Reihe von Problemen auseinandersetzte, die sich aus der gegenwärtigen
Energiesituation der westlichen Welt ergeben.
Die Rede hatte folgenden Wortlaut:
"The World Crisis" ist der Titel der Geschichte des I. Weltkriegs,
die Winston Churchill geschrieben hat. Rückblickend erscheint uns dieser
Krieg als ein auf seltsame Weise auf Europa begrenzter Streit, obgleich
er letztlich doch einen Eingriff von außen erforderte, um zu einer Lösung
zu führen, was die Europäer, auf sich selbst gestellt, nicht lösen konnten.
Ähnliche Betrachtungen mag man sowohl über den II. Weltkrieg als auch über
den Kalten Krieg anstellen. Seit 1945 benötigte man das standhafte Eintreten der amerikanischen Macht zur Erhaltung der Stabilität und Unabhängigkeit von Westeuropa, Japan und den anderen Ländern, die man früher als die

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�die Freie Welt bezeichnete.

Ohne die amerikanische Macht können die

verbleibenden freien Länder in geostrategischer Hinsicht keine unabhängige
Einheit mehr bleiben.
Seit 1945 hat die Welt eine kontinuierliche Krise durchgemacht, die
jene von Churchill beschriebene winzig erscheinen läßt - eine Krise,
geboren aus dem andauernden Konflikt zwischen der Sowjetunion und den
Vereinigten Staaten und deren Verbündeten.

Es ist vielleicht das be-

zeichnendste Element der Energiekrise, wie sie sich seit dem Anfang der
siebziger Jahre entwickelt hat, daß durch sie dem politischen und ideologischen
Wettstreit zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion eine neue
Dimension verliehen wird - eine Dimension, die sich auf dramatische Weise
durch die sowjetischen Handlungen und Drohungen im Verlauf des Nahostkriegs im Jahr 1973 ankündigte.

Es ist eine größere Dimension, die Themen

wie Benzinknappheit und wirtschaftliche Lage in die richtige Perspektive
rückt, denn sie hat Gewalt genug, um das politische Schicksal der Menschheit
zu bestimmen.
Wir stehen heute einer Weltkrise gegenüber, die größere Ausmaße hat
als jene, die Churchill vor einem halben Jahrhundert beschrieb und die
durch das Olproblem noch unheilvoller wurde.
Der strategische Mittelpunkt dieser Krise liegt jetzt am Persischen
Golf und den angrenzenden Gebieten des Nahen Ostens mit ihren umfangreichen
ölreserven. Deshalb konzentriert sie sich auf eine Region politischer
Unbeständigkeit, die charakterisiert ist durch geschichtliche Feindseligkeiten und durch Nationalstaaten, deren Sozialstrukturen noch nicht genug
entwickelt sind, um den Stößen des raschen politischen, wirtschaftlichen
und sozialen Wandels zu widerstehen. Und doch bleibt der Westen, bleiben
alle freien Länder, ja, bleibt die Freiheit selbst in der nahen Zukunft
angewiesen auf den Zugang zu den Ölquellen dieser unbeständigen Region.
Niemand

�Niemand hat diese aufkommende Abhängigkeit und die darin enthaltene
Verwundbarkeit in ihrem ganzen Umfang vorhergesehen.

In der Architektur

der Nachkriegszeit bildete der NATO-Vertrag die tragende Säule für die
Sicherheit des Westens. Jedoch war er lediglich eine traditionelle Verteidigungsgemeinschaft zum Zweck des Schutzes der territorialen Integrität
der Unterzeichnerstaaten.

Im Licht der anschließenden Entwicklungen ist

er heute eine unzureichende Grundlage für die westliche Sicherheit, da er
selbst keinerlei Schutz der Energiequellen beinhaltet, von denen unser
kollektives überleben abhängt.
Bis vor kurzem noch lieferte die Furcht, die die Macht Amerikas als
solche einflößte, genug Abschreckung vor äußerer Invasion und außerdem ein
Mindestmaß an politischer Stabilität in diesem Gebiet. Nach 1945 konnte
der amerikanische Druck noch Stalin selbst dazu bringen, sowjetische Streitkräfte aus dem Nordiran abzuziehen. Heute geht der Druck Breschnews in
die andere Richtung. Die geostrategische Landschaft hat sich dramatisch
verändert. Die Auflösung der nördlichen Klammer, die politischen Unruhen
in den beiden Jemen und am Hörn von Afrika sowie die Verwundbarkeit der
anderen Golfstaaten - alles deutet auf die Notwendigkeit einer neuen wirkungsvollen Antwort.
Sogar hinsichtlich des militärischen Gleichgewichts ist die Entwicklung
beunruhigend.

Die Sowjetunion befindet sich ganz in der Nähe und bewegt

sich in einer Region, auf die Rußland schon seit den Tagen Peters des Großen
ein Auge hatte.

Ihre

militärische Macht wächst weiterhin - am drohendsten

in Form erhöhter strategischer Beweglichkeit und Stärke ihrer Luftlandedivisionen.

Innerhalb der Region selbst existiert kein Gegengewicht.

Die

Streitkräfte des Schah hätten vielleicht eine bruchstü'ckhafte Verteidigung
ergeben, aber heute ruht die Sicherheit auf dem Schutze Allahs.

Die Kräfte

des Westens in der Region sind gering und befinden sich am entferntesten
Ende langer Versorgungslinien.

Die großen Militärreserven des Westens sind

weit weg - mit allem, was dies für eine rasche Reaktion bedeutet.

- 3 -

Es gibt

�gibt keine dauernde und bedeutsame militärische Präsenz der Vereinigten
Staaten - eine Tatsache, die die Bewohner dieser Region erwägen müssen,
wenn sie sich über die Militärpräsenz Gedanken machen, die im Norden liegt.
Bei den vielen Amerikanern, die durch Vietnam zu dem Glauben gelangt
sind, militärische Schwäche sei eine Form der Tugend und der moralischen
Stärke, erregen diese Bedingungen wenig Unruhe.

Stille Anpassung ist hier

die einzige Verteidigung, und deutliche Hinweise auf das Vernünftige einer
solchen Einstellung finden sich immer.

Kürzlich war Georgi Arbatov, dessen

Beziehungen zum KGB vielleicht nicht so bekannt sind wie seine Fähigkeit,
amerikanische Eliten zu beeinflussen und zu beruhigen, in einem Interview
der Meinung, daß die Sowjetunion "sich sicherlich nicht in die westliche
Ölversorgung einmischen würde", denn dies "wären sehr feinselige Handlungen
nahe einer Kriegserklärung".
läufigen

Zweifellos werden manche Leute solche bei-

mündlichen Garantien völlig beruhigend finden.

Ich stelle

lediglich fest, daß uns die Episode einen Hinweis gibt auf jene Möglichkeiten,
über die die Sowjets nachgrübeln und die sie, wie wir nur hoffen können,
zumindest für den Augenblick verworfen haben.
Für die weniger Selbstgefälligen sind die Folgerungen deutlich:

die

sowjetische Kontrolle des ölhahns im Nahen Osten würde das Ende der Welt
bedeuten, wie wir sie seit 1945 kennen, und das Ende der Vereinigung
freier Länder.
Daraus folgt ziemlich deutlich, daß wir dies auf lange Sicht nicht
hinnehmen können angesichts eines regionalen Obergewichts der sowjetischen
Militärmacht. Ein Mindesterfordernis ist die Errichtung eines annähernden
Gleichgewichts der militärischen Stärke in dieser Region. Ohne ein solches
Gleichgewicht wird es keine abschreckende Kraft geben, die in der Lage ist,
dem langfristigen sowjetischen Druck zu widerstehen - was unvermeidlicherweise eine ständige Aushöhlung des westlichen Einflusses bedeuten würde.
Geht man von der massiven sowjetischen Präsenz gleich jenseits der Grenze

- 4 -

�Grenze aus, so wäre die "Entmilitarisierung des Indischen Ozeans" lähmend.
Einem solchen Schritt sollte man keine weiteren Überlegungen widmen, denn
er würde die Stationierung umfangreicher Seestreitkräfte in diesem Gebiet
ausschließen und dadurch auch die Aufhebung des bestehenden Ungleichgewichts.
Es reicht nicht aus, einfach
Es ist notwendig, es wirkungsvoll
aufzunehmen. Dies ist es, was in
reichtum und unsere Stärke messen

nur einen "Bogen der Krisen" auszumachen.
mit den heute herrschenden Bedingungen
den kommenden Jahren unseren Einfallswird.

Selbst wenn es nicht zum Schlimmsten kommt und die Kontrolle des ölhahns nicht der entscheidende Punkt der Ost-West-Auseinandersetzung wird sei es durch sowjetischen Verzicht oder durch wirkungsvolle Abschreckung -,
bleiben die Schwierigkeiten beträchtlich. Das Obergewicht und die Nähe
der sowjetischen Militärmacht vergrößern die sowjetische Möglichkeit der
Einflußnahme und der Untergrabung. Im Iran sind das Wiederauftauchen der
Tudeh-Partei (vor allem bei der Organisation der ölfelder) sowie die teils
offene, teils verdeckte Stärkung der prosowjetischen Linken wesentliche
Entwicklungen im letzten Jahr gewesen. Man fühlt, wie allmählich die
Infrastruktur für einen späteren Coup geschaffen wird, parallel zu den
Ereignissen, die in den letzten Jahren aus Afghanistan bekannt geworden
sind. Erst kürzlich auch hat der Irak einen weiteren internen Machtkampf
überlebt, der gekennzeichnet war durch neue Elemente eines religiösen
Schismas, das durchaus auf fortdauernde Instabilität hindeutet - nach
einem langen und anhaltenden Kampf zur Meisterung der internen kommunistischen
Drohung.
Aber sogar wenn wir solche Möglichkeiten äußern Unheils beiseite lassen,
können wir den öl ström aus den OPEC-Ländern noch immer nicht als gänzlich
gesichert ansehen. Das weltweite System der ölförderung und -Verteilung
ist schon jetzt zum Zerreißen angespannt; wenig Entlastung ist in Sicht wenn überhaupt. Jede größere Unterbrechung, gleichgültig, ob sie von

- 5 -

�von politischen Entscheidungen, politischer Instabilität, terroristischen
Akten oder ernsten technischen Problemen herrührt, würde schwerwiegende
Störungen zur Folge haben.
Auf einem so angespannten Markt werden einige der Förderer ein Katzund-Maus-Spiel treiben - entweder aus ökonomischen Motiven (um die Spotpreise hoch zu halten), aus politischen Motiven oder aus reiner Halsstarrigkeit.

Die Durchführung oder die Androhung von Schritten zur Verminderung

oder Umleitung der ölförderung von Staaten wie Nigeria, Libyen und Algerien
beweisen die Verknappung auf dem Markt und zugleich die fortwährende
Verwundbarkeit der Verbraucherländer.
Außerdem bewegt sich der Iran weiterhin am Rande der Anarchie entlang.
Eine neue Unterbrechung der persischen Exporte würde schwerwiegende
Störungen zur Folge haben. Und schließlich beruhen sogar solche begrenzte
Unterbrechungen des öl Stroms auf der Prämisse einer anhaltenden Stabilität
und Unterstützung durch Saudiarabien. Denn der Anteil Saudiarabiens ist
nicht nur kritisch, er ist auch im Ansteigen begriffen. Wenn wir erkennen,
daß die unmittelbare Energiezukunft von einem politisch stabilen Saudiarabien abhängt, müssen wir zugleich erkennen, daß das Königreich heute ein
Land ist, das dem Ferment des sozialen Wandels ausgesetzt ist - ein Land,
in dem das Gespür für Korruption wächst - auf dramatische Weise in den
Nachwehen der Ereignisse im Iran im letzten Jahr. Und wenn wir die mögliche
Bedeutung der Entwicklungen im Iran nicht anerkennen wollen, brauchen wir
nur bei Tocqueville nachzulesen, was er über die Auswirkung eines starken
wirtschaftlichen Wandels auf überkommene Sozial strukturen schreibt. Der
Gegenstand ist so heikel, daß man nur selten darauf anspielt, aber
Zurückhaltung bedeutet kaum, daß der Gegenstand nicht von schwerwiegendster
Bedeutung ist.
Die Kommentare zu diesem Punkt unterstreichen nur, daß der Fluß des
OPEC-Öls unsicher und möglicherweise schweren und unvorhersagbaren Erschütterungen unterworfen ist. Indessen: sogar wenn wir Glück haben und
- 6 -

�und es keine Versorgungsunterbrechungen gibt, wird der Fluß dieses Erdöls insgesamt wahrscheinlich nicht anwachsen.
Die Förderkapazität der OPEC-Länder wird wahrscheinlich nicht zunehmen.
Diese Vorhersage spiegelt die politischen Entscheidungen wider, die wahrscheinlich getroffen werden hinsichtlich der Attraktivität zusätzlicher
Investitionen zur Erweiterung der Produktionskapazität sowie der begrenzt
vorhandenen Rohstoffe. Die OPEC-Produktion wird noch nicht einmal um zehn
Prozent über den derzeitigen Umfang hinaus ansteigen, vielmehr wird sie
in den kommenden Jahren höchstwahrscheinlich abnehmen. Die Produktion der
Länder, die der OPEC nicht angehören, mag vielleicht sogar hinsichtlich
der Prozentwerte deutlich ansteigen; dies geschieht jedoch von einem
verhältnismäßig bescheidenen Ausgangspunkt aus. In absoluten Zahlen werden
diese Steigerungen weniger bedeutsam sein - vielleicht zehn Prozent des
gegenwärtigen Verbrauchs der freien Welt- und werden zu einem großen Teil
von den Entwicklungsländern und den anderen Industrienationen verbraucht.
Die weltweite ölförderung und der weltweite Verbrauch werden nie weit
über 65 Millionen Barrel pro Tag hinausgehen, und wir bewegen uns schon
ganz in der Nähe dieser Schwelle. Erdöl, der erwählte Brennstoff, der die
gewaltige wirtschaftliche Expansion seit dem II. Weltkrieg angetrieben hat,
wird nicht mehr länger in steigenden Mengen zur Verfügung stehen, um ein
weiteres Wachstum der Weltwirtschaft anzuheizen.
Es ist unvermeidlich, daß die Preise den wachsenden Nachfragedruck
vor dem Hintergrund des beschränkten Angebots widerspiegeln.

Der Einfluß

Saudiarabiens auf zurückhaltende Preiserhöhungen im Rahmen der OPEC ist
bereits deutlich geschwunden.

Bei geringer oder bei keiner Oberschuß-

kapazität wird die Preisbewegung unvermeidlich nach oben gehen, außer bei
einer weltweiten Rezession.
Unter diesen Umständen ist es verständlich und kam sogar in Mode,
über das OPEC-Kartell herzuziehen. Ohne Zweifel ist dies rein gefühlsmäßig

- 7 -

�gefühlsmäßig befriedigend.

Aber wir müssen uns darüber im klaren sein,

daß keine noch so laute Beschimpfung oder ein Fäusteschütteln die Realitäten
der Versorgung und des Preises ändern kann.

Die OPEC-Länder besitzen etwa

80 Prozent der nachgewiesenen ölreserven der freien Welt - und dieser
Prozentsatz wird wahrscheinlich ansteigen.

Zudem kontrollieren jetzt

Marktkräfte die Preisbewegungen und treiben den internationalen ölpreis
unerbittlich nach oben.

Tatsächlich haben unsere Nachbarn, Kanada und

Mexiko, sowie die Norseeförderlander Preise festgesetzt, die merkbar über
die der OPEC hinausgehen.

Es wird Zeit für uns, die Realität anzuerkennen -

egal, wie schmerzlich dies sein mag.
Die Energiezukunft ist düster und wird wahrscheinlich im kommenden
Jahrzehnt noch düsterer werden.

Wenn wir tatkräftige und kluge Gegenmaß-

nahmen ergreifen, kann die Zukunft etwas weniger finster werden;

aber im

Licht der geschichtlichen Erwartungen können solche Gegenmittel nur zur
Linderung dienen.
Wie stabil, wie elastisch ist unsere innenpolitische Grundlage angesichts der Schwierigkeiten, die sich für die nationale Sicherheit und
die Wirtschaft durch die Verwundbarkeit und die Zwänge bei der Energieversorgung ergeben? Genug Grund zur Sorge ist sicherlich vorhanden. Nach
Vietnam engagiert sich unser Volk nicht mehr für Themen der Außenpolitik
und der militärischen Sicherheit. Nach Watergate mißtraut man häufig allen
unseren Institutionen.
Ein überraschend hoher Anteil der amerikanischen Bevölkerung gesteht,
daß man nicht an eine echte Energieknappheit glaubt. Dies mag ein
Verteidigungsmechanismus sein, der entwickelt wurde, um den schmerzhaften
Gedanken zu verdrängen, daß ein schmerzhafter Wandel unvermeidlich ist, und
um die tiefere, vielleicht unbewußte Erkenntnis zu verbergen, daß das
Problem wirklich existiert. Aber viele stehen bereit, um Trost zu spenden,
wobei sie vorschlagen, daß man durch diese oder jene institutionelle

- 8 -

�institutionelle Einrichtung das Energieproblem ganz einfach lösen könne.
Die politische Linke schiebt die Schuld auf die Ölindustrie.
Rechte beschuldigt die Regierung.

Die politische

Aber ein solches Verhalten spiegelt nur

die Tendenz nach Watergate wider, auf Institutionen einzuschlagen.

Auf

Institutionen einzuschlagen ist lediglich eine andere Art, dem Problem auszuweichen;

es ist unwahrscheinlich, daß es zu erhöhter Förderung von Rohöl

führt.
Die weitverbreitete Einbildung, die Vereinigten Staaten besäßen enorme
nachgewiesene ölreserven, die nur verborgen seien und von denen niemand
spricht, ist nur sehr schwer zu erklären. Vielleicht fällt sie ganz einfach
unter das Kapitel Psychopathologie. Aber es ist Wasser auf die Mühlen
der paar Gewissenlosen, die die Hoffnungen und Ängste des amerikanischen
Volkes ausnutzen wollen und die auf immer andere Weise behaupten, daß
irgendwo da draußen ein riesiges öllager existiert, das alle anderen
Beschwerden in Nichts auflösen wird. Cenagogie kann nur schwerlich einen
wirkungsvollen Ersatz für Rohöl abgeben.
Was müssen wir tun, wenn wir das Problem der Energieversorgung und
der wirtschaftlichen Rückwirkungen in den Griff bekommen wollen, das sich
daraus ergibt? Erstens müssen wir das Problem in seiner ganzen Tiefe und
Tragweite anerkennen - ohne Ausflüchte.
Zweitens müssen wir die bekannten Allheilmittel beiseite stellen jene Visionen von neuen öl strömen aus Saudiarabien, Mexiko und China, die
verborgenen inländischen Lager oder, als neuestes, synthetische Brennstoffe.
Drittens müssen wir alle unsere Voraussetzungen überdenken: welche
Lieferungen sind wahrscheinlich, welche Preise sind annehmbar, welche
Brennstoffe sind annehmbar, welche Risiken sind annehmbar und welche
Umweltschutzbestimmungen und andere Regeln funktionieren.
Wir

- 9 -

�Wir sollten erkennen, daß die Inlandsförderung von Erdöl nicht steigen
und wahrscheinlich sogar in den nächsten zehn Jahren sinken wird.

Wenn wir

hart arbeiten und wenn wir in den Grenzgebieten Glück haben, sind wir
vielleicht in der Lage, die Rohölförderung in etwa auf dem derzeitigen Stand
zu halten.

Die Vereinigten Staaten fördern immerhin gegenwärtig so viel

öl wie Saudiarabien.

Aber wir beuten unsere eigenen, nachgewiesenen

Reserven etwa sechsmal so rasch aus.

Dies kann nicht lang so weitergehen.

Glücklicherweise sind die Aussichten für die einheimische Erdgasgewinnung vielversprechender.

Aber es ist unwahrscheinlich, daß wir die

Gewinnung in den nächsten zehn Jahren deutlich über den gegenwärtigen Stand
anheben werden.

Deshalb werden wir insgesamt keine zusätzliche Inlands-

versorgung bei Kohlenwasserstoffderivaten haben.

Wenn sich die öleinfuhren

bei 8,5 Millionen Barrel pro Tag einpendeln - entweder durch bewußte Einfuhrbeschränkungen oder durch mangelnde Verfügbarkeit -, werden wir woanders
suchen müssen, falls die Wirtschaft auch weiterhin wachsen soll.
Trotz des beträchtlichen und erfreulichen Nutzeffekts der Einsparung
wird für das Wirtschaftswachstum auch weiterhin zusätzliche Energie benötigt. Der Energiekoeffizient ist nunmehr auf 0,5 oder 0,6 vermindert
worden. Wir sollten darum kämpfen, ihn dort zu halten - und ich bin sicher,
daß wir dies schaffen. Dennoch muß die Nutzung sowohl der Kohle als auch
der Kernkraft steigen - mit einer Rate von sechs Prozent pro Jahr, wenn wir
ein bescheidenes Wirtschaftswachstum beibehalten wollen.
Es ist ganz einfach. Da die Verfügbarkeit der Kohlenwasserstoffderivate
im Grund festgelegt ist, müssen Kohle und Kernkraft, in Prozentzahlen ausgedrückt, von ihrer im Augenblick relativ niedrigen Basis aus rascher anwachsen.
Aber die Verwendung von Kohle wird nicht rasch genug und ausreichend ansteigen, solange die Bedingungen des Gesetzes über die Luftreinheit
("Clean Air Act") unverändert bleiben. Angesichts der gegebenen mechanischen
und gesetzgeberischen Hinderungsgründe ist es wohl möglich, für eine Bei-

- 10 -

�Beibehaltung der Normen der Reinerhaltung der Luft einzutreten, nicht aber
die gebotene verstärkte Nutzung der Kohle zu verwirklichen.

Die wohlbekannten

psychologischen und verfahrensmäßigen Hindernisse gegen den Bau von Kernkraftwerken müssen ebenfalls überwunden werden.
Ganz offen: wenn wir keine größere Verwendung von Kohle und Kernkraft
erreichen, wird es diese Gesellschaft im kommenden Jahrzehnt womöglich nicht
schaffen.
Längerfristig sollten wir die Produktion synthetischer Brennstoffe
vorantreiben. Allerdings werden synthetische Brennstoffe die Gleichung im
kommenden Jahrzehnt nicht wesentlich beeinflussen. In den neunziger Jahren
könnte eine solche Produktion eine nützliche Zunahme der Versorgung ermöglichen.
Aber sie ist kein Allheilmittel. Wenn wir jedoch ein solches Programm vor
zehn Jahren in die Wege geleitet hätten, würde der ölmarkt heute nicht so gespannt und nicht so riskant sein, und der Preis des Öls würde vielleicht um
einige Dollar pro Barrel niedriger sein als dies jetzt der Fall ist.
Das Dilemma ist rienlich deutlich. Wir müssen mehr Kohle und Kernkraft
mit den uns heute zur Verfügung stehenden technologischen Möglichkeiten
verwenden; sonst stehen wir einem verminderten Wirtschaftswachstum und
einer ansteigenden Arbeitslosenquote gegenüber. Die politischen Rückwirkungen einer solchen wirtschaftlichen Stagnation würden die Aufmerksamkeit
von den internationalen Schwierigkeiten ablenken und sie zugleich vermehren.
Kurz: wenn wir unsere Energieprobleme wirksam in den Griff bekommen
wollen, müssen wir eine Anpassung, ja sogar eine Einschränkung unserer
historischen Erwartung in Kauf nehmen. Wie wird die amerikanische Gesellschaft
auf diese Revolution der eingeschränkten Erwartungen antworten? Ich weiß es
nicht. Ich weiß jedoch, daß nur eine bewegliche und selbstbewußte Gesellschaft in der Lage sein wird, diese widrigen Probleme in den Griff zu bekommen, - ohne grundlegende Veränderung ihrer öffentlichen Insitutionen.

Und
- 11 -

�Und - ich komme auf meine einleitende Beschreibung der Herausforderungen
auf der internationalen Szene zurück - nur eine selbstbewußte Gesellschaft
kann auch weiterhin wirkungsvoll die internationale Verantwortung der
Vereinigten Staaten tragen.
Es gibt noch so viel mehr zu sagen.
einen grundlegenden Punkt hinweisen:

Aber ich möchte zum Abschluß auf

das Energieprogramm muß als Teil eines

viel umfassenderen strategischen Bildes angesehen werden.

Die Energie zwingt

uns, unsere Aufmerksamkeit auf neue Aspekte alter Machtrivalitäten zu lenken
und unsere Aufmerksamkeit neu auf Bereiche der Welt zu konzentrieren, die
außerhalb unserer überlieferten Belange liegen.
gewaltig.

Die Herausforderungen sind

Einerseits müssen wir unsere Volkswirtschaften rasch an die

Bedingung chronischer Knappheit bei der traditionellen Energieversorgung
anpassen;

andererseits müssen wir Umstände vermeiden, in denen unentbehrliche

Energievorräte unter die Herrschaft einer feindlichen Macht fallen.

Von

unserem Erfolg hängt das wirtschaftliche und politische überleben der
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten ab - und womöglich der Freiheit
selbst.
Wir haben schon einmal solchen Herausforderungen gegenüber gestanden.
Nach dem II. Weltkrieg hatten die Vereinigten Staaten den Weitblick, ihre
Macht und ihr Prestige für die Stärkung Westeuropas einzusetzen. Durch
diese Tat wurden wirtschaftlicher Wiederaufstieg und Sicherheit erreicht.
Heute sind die Umstände und einige der Herausforderungen anders. Doch
einmal mehr werden wir unsere Macht und unser Prestige zur Stützung der
unabhängigen Staaten am Persischen Golf einzusetzen haben, um eine Bedrohung
von außen auszuschließen. Dies ist die unvermeidliche strategische Voraussetzung, um erfolgreich durch diese Periode des Übergangs im Energiebereich
zu gelangen.
Die Geschichte hat diese amerikanische Nation zu einer Supermacht
bestimmt, tatsächlich der einzigen großen Supermacht unter den freien

- 12 -

�freien Ländern.

Sollten die Vereinigten Staaten in dieser Verantwortung

versagen, würde es andere geben, die - obwohl um einiges weniger dafür
gerüstet - schnell bereit wären, die sich bietende Gelegenheit zu ergreifen mit dem sich daraus ergebenden Verlust unseres Vermächtnisses der Freiheit.
Wenn das amerikanische Volk es vorzieht, sich abzuwenden, wird die Geschichte
uns nicht vergeben.

+ + + + +

- 13 -

�Wirt/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

34

22. August 1979

EG-EINFUHREN NACH USA BIS 1987 ZU 70 PROZENT ZOLLBEGONSTIGT
Eine Übersicht über die Auswirkungen der Ergebnisse der Tokio-Runde auf
die amerikanischen Einfuhren
- von unserem Korrespondenten Jon Schaffer -

WASHINGTON - (AD) - Als direkte Folge der Zollsenkungen, die in den
kürzlich abgeschlossenen Multilateralen Handelsverhandlungen der TokioRunde vereinbart wurden, dürften sich die Einfuhren der Vereinigten Staaten
an Industrieprodukten bis zum Jahre 1987 um rund fünf Prozent gegenüber dem
Stand von 1978 erhöhen, schätzen staatliche amerikanische Außenhandelsexperten.
Für sich allein genommen, werden die in Genf ausgehandelten Zollsenkungen mithin keinen sehr nachhaltigen Einfluß auf die Entwicklung des
amerikanischen Außenhandels ausüben. Dennoch rechnen die Experten damit,
daß die Zollsenkungen - in Verbindung mit den neuen Regelungen und Verfahrensweisen in bezug auf nicht-tarifäre Handelshindernisse - langfristig
die Wettbewerbsposition der USA bei verschiedenen Gütern erheblich verbessern

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�verbessern und somit eine Erhöhung des amerikanischen Anteils am Weltmarkt
nach sich ziehen werden.
Insgesamt erstrecken sich die Zollsenkungen bei Zugrundelegung des
Standes von 1976 auf US-Einfuhren an Industrieprodukten im Wert von 47,6
Milliarden Dollar.

Dies ergibt sich aus den neuen Zollisten und anderen

Materialien, die das Amt des Sonderbeauftragten des Präsidenten für Handelsverhandlungen soeben veröffentlicht hat.

Auf der Basis der Einfuhren von

1976 haben die Vereinigten Staaten eine Senkung ihrer Zölle im Durchschnitt
um etwa 31 Prozent zugesichert, was die Zollbelastung von Industrieprodukten
von 8,3 auf 5,7 Prozent verringern wird.

Die Zollsenkungen werden sich auf

rund zwei Drittel der amerikanischen Einfuhren von Industrieprodukten
erstrecken; von dem verbleibenden Drittel ist der größte Teil ohnehin zollfrei .
Rechnet man die den Entwicklungsländern gewährten Zollbefreiungen
hinzu, wird das Durchschnittsniveau der Zollbelastung auf die gesamten
amerikanischen Einfuhren an Industrieprodukten dank der Ergebnisse der
Multilateralen Verhandlungen von 6,1 Prozent auf 4,2 Prozent zurückgehen.
Bei den meisten Positionen werden die Senkungen, beginnend 1980, in acht
gleichen Schritten vorgenommen und damit 1987 voll wirksam werden.
Die Europäische Gemeinschaft hat zugesichert, ihre Zollsätze auf
Importe von Industrieerzeugnissen im gleichen Zeitraum von bisher 6,3
Prozent auf 4,6 Prozent durchschnittlich zu reduzieren.
-

Die Vereinigten Staaten sind ferner bereit, den Anteil an zollfreien
Einfuhren an Industrieprodukten von schätzungsweise 25 auf etwa 30 Prozent
zu erhöhen.
Alle genannten Ziffern berücksichtigten die mit den Industriestaaten
und rund 19 Entwicklungsländern getroffenen Vereinbarungen über Zoll Senkungen.

- 2 -

�Zollsenkungen.

Die Verhandlungen mit den Entwicklungsländern sind noch

nicht restlos abgeschlossen.

Nach Mitteilung des amerikanischen Handels-

ministeriums werden von den laufenden Zoll Verhandlungen mit Entwicklungsländern nur etwa 100 Zollpositionen aus einer Gesamtzahl von rund 6 000
berührt.

Die Zollsenkungen auf dem industriellen Sektor betreffen in erster
Linie Kraftfahrzeuge, elektronische Geräte für den Haushalt, Eisen und
Nichteisenmetalle, Textilien, chemische Grundstoffe, Gummi und plastische
Massen, Leder, Messerwaren und Tafelgeschirr, Büro- und Buchungsmaschinen,
nicht-elektrische Maschinen, elektrische Schwermaschinen und wissenschaftliche Instrumente.

Die für Entwicklungsländer wichtigsten Produkte, die von den amerikanischen
Zollsenkungen betroffen werden, sind:

Holzwaren einschließlich Papier,

chemische Grundstoffe, Maschinen, NE-Metalle, Eisen, Textilien und landwirtschaftliche Produkte.

Auf Sektoren, auf denen die Einfuhr von Produkten

aus Entwicklungsländern negative Auswirkungen auf die Beschäftigungslage
in den Vereinigten Staaten haben könnte - Schuhindustrie und Fernsehgerätebau - halten sich die amerikanischen Zollsenkungen in engen Grenzen.

Die Zölle auf Erzeugnisse des Fahrzeugbaus - Personen- und Lastkraftwagen, Busse und Fahrzeugteile - werden um über 20 Prozent auf ein Durchschnittsniveau von 2,6 Prozent sowohl bei den zollpflichtigen als auch bei
den Gesamteinfuhren gesenkt, wobei sich letztere 1976 auf über 7,3 Milliarden
Dollar bezifferten.

Auf dem Gebiet elektronischer Haushaltgeräte - ein-

schließlich Kühlschränke und andere Apparate -

sollen die Zoll Senkungen

sowohl auf die zollpflichtigen als auch auf die Gesamtimporte von 35,2
Prozent auf durchschnittlich 4,1 Prozent verringert werden.

Bei anderen

Gütern wie NE-Metallen und elektrischen Schwermaschinen stehen Senkungen
in der Größenordnung von 42 bzw. 41 Prozent der zollpflichtigen und der
Gesamteinfuhren in Aussicht, während bei Gütern wie Lederwaren einschließlich

- 3 -

�einschließlich Schuhe und Geldbörsen nur Zoll Senkungen in Höhe von 3,8
Prozent vorgesehen sind.
Was elektrische Schwermaschinen angeht, wird die Senkung der amerikanischen
Zölle von der Annahme des in den Multilateralen Handelsverhandlungen vereinbarten Kodex über staatliche Beschaffungskäufe durch die anderen Industriestaaten abhängig gemacht.
Auf dem Sektor der Ausrüstungen für die zivile Luft- und Raumfahrt
haben sich die Vereinigten Staaten und andere wichtige Industrienationen
darauf geeinigt, alle Zölle auf Zivilflugzeuge, Flugmotoren, Flugzeugteile
und Flugsimulatoren abzuschaffen.

Darüberhinaus kamen diese Länder überein,

Käufe für ihre nationalen Fluggesellschaften ausschließlich auf der Basis
von Preis, Qualität und Lieferzeiten zu treffen.
Die an den Genfer Verhandlungen der Tokio-Runde beteiligten Länder
sind ferner übereingekommen, daß gewisse Erzeugnisse, deren Einfuhr die
heimische Wirtschaft gefährden könnte, entweder zum Teil oder gänzlich
von der Zoll Senkung ausgenommen bleiben sollen. Ein Produkt wird dann als
die Wirtschaft des Importlandes gefährdend angesehen, wenn dieses zu der
Auffassung gelangt, schon eine geringfügige Verringerung der Zölle könne
eine große Zunahme der Einfuhr derselben nach sich ziehen und damit die
heimische Industrie ernsthaft schädigen.
Die in Genf vereinbarte generelle Zoll Senkungsformel wurde von den
Verhandlungsdelegationen als eine generelle Richtschnur angesehen, nicht
aber als ein rechtlich-verbindliches Dokument. Beispielsweise hätten
Zoll Senkungen gemäß der allgemeinen Formel auf dem Textilsektor zu einer
Verminderung der Einfuhrbelastung um 57 Prozent geführt. Die tatsächlichen
Zoll Senkungen, die die Vereinigsten Staaten auf diesem Sektor zugestanden
haben, führten jedoch zu einer Senkung um 21 Prozent. In ähnlicher Weise
haben die USA im Bereich der schutzbedürftigen Stahlindustrie geringere

- 4 -

�geringere Zoll Senkungen als die generellen Senkungen nach der allgemeinen
Formel in Höhe von 26 Prozent angeboten.

Auch andere Länder stellten

auf mehreren Bereichen Zollsenkungen in Aussicht, die unterhalb der
Senkungen gemäß der Allgemeinformel liegen.

Die Interessen importgefährdeter heimischer Industrien wurden auch
insofern berücksichtigt, als die Verwirklichung der Zollzugeständnisse in
mehreren Teilphasen erfolgen wird.

Die erste Zollsenkung bei Textilien

und Stahl soll in allen Ländern nicht vor dem Jahr 1982 vorgenommen werden.

Das Amt des Sonderbeauftragten des Präsidenten für Handelsverhandlungen
veröffentlichte des weiteren Dokumente, die zeigen, welche Auswirkungen die
amerikanischen Zollsenkungen auf Entwicklungsländer haben werden.

Wie aus

diesem Amt hierzu verlautet, haben die Vereinigten Staaten den 19 Entwicklungsländern, mit denen die Verhandlungen inzwischen abgeschlossen werden konnten,
für spezifische Produkte Zoll Senkungen von annähernd 27 Prozent und im
Einzelfall sogar um bis zu 60 Prozent angeboten.

Obwohl sich die Agrarverhandlungen größtenteils auf die nicht-tarifären
Handelshindernisse erstreckten, werden die amerikanischen Ausfuhren an
Agrarprodukten - unter Ausschluß von Nahrungsmittel Zubereitungen, die zu
den Produkten der Fertigungsindustrie gerechnet werden - als Ergebnis der
vereinbarten Zollsenkungen um rund 11 Millionen Dollar zunehmen.

Die

Vereinigten Staaten haben gewichtete Senkungen der Agrarzölle um schätzungsweise 50 Prozent vereinbart.

Größere Zollsenkungen sind bei tierischen

Produkten vorgesehen, wobei die wichtigste Konzession eine 60 prozentige
Senkung der Zölle auf Schurwolle bester Qualität darstellt.

Die US-Zoll Senkungen im Bereich der Industrieerzeugnisse resultieren
im Endeffekt in einer Zollbefreiung solcher Waren aus den Mitgliedstaaten
der Europäischen Gemeinschaft.

Sie werden sich, nach Abschluß des stufen-

weisen Abbaus, wertgemäß auf 3,1 Milliarden Dollar gegenüber 2,2 Milliarden

- 5 -

�Milliarden Dollar im Jahre 1976 belaufen. Während 1976 rund 50 Prozent
der zollpflichtigen Einfuhren an Industrieerzeugnissen aus EG-Ländern mit
einer Zoll bei astung von weniger als 5 Prozent nach Amerika einströmten,
erhöht das Zollabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen
Gemeinschaft deren Anteil auf 70 Prozent.
Amerika hat sich bereit erklärt, die Zölle auf Einfuhren aus EGLändern bei Industriechemikalien um 35 Prozent, bei Gummi und Platikmassen um 30 Prozent, bei Produkten aus Stein, Lehm oder Glas um 34 Prozent,
bei Eisen und Stahl um 26 Prozent und bei Erzeugnissen der Kraftfahrzeugindustrie um 25 Prozent zu reduzieren.

+ + + + +

- 6 -

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22. August 1979

34

BESSERE KONTROLLEN FÜR RISIKOCHEMIKALIEN GEFORDERT
Studie des Präsidialausschusses für toxische Substanzen -

- (AD) - Ergebnisse seiner zweijährigen Untersuchungen legte jetzt der
"Präsidiale Strategie-Ausschuß für Maßnahmen auf dem Gebiet der toxischen
Substanzen" in Form eines Berichtsentwurfes vor, zu dem Fachkreise und die
amerikanische Öffentlichkeit bis zum 30. September 1979 Stellung nehmen und
Änderungen vorschlagen können. Die Kommission, die 1977 von Präsident Carter
ins Leben gerufen wurde und der Vertreter von 18 Bundesbehörden angehören,
empfiehlt neue gesetzliche und andere bundesweite Aktionen, um das ständig
wachsende Problem der Entwicklung und Verwendung toxischer Chemikalien in
den Griff zu bekommen. An der Spitze des Ausschusses steht Gus Speth, der
neue Vorsitzende des Präsidialbeirats für Umweltqualität.
"Industriell hergestellte toxische Chemikalien sind in beachtlichem Umfang als Ursache von Erkrankungen und Todesfällen anzusehen", erklärt Speth.
Allein bei 20 - 38 Prozent der Krebserkrankungen werde als Ursache die Einwirkung karzinogener Substanzen am Arbeitsplatz angenommen.

Berufsbedingte

Risiken, zu denen auch die Arbeitsunfälle zählen, seien in den Vereinigten
Staaten für schätzungsweise 100 000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich zu
machen.

Der Bericht des Strategie-Ausschusses analysiere und bewerte zum

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�zum ersten Mal "systematisch die Probleme und Unzulänglichkeiten in den Forschungsbemühungen und Verordnungen des Bundes, ferner die von der Bundesregierung unternommenen Schritte zur Überwindung solcher Probleme sowie Empfehlungen für Verbesserungen."
Die mehr als zwei Dutzend Gesetze und Verordnungen, die den Umgang mit
toxischen Chemikalien regeln, seien vom Ansatz und Aufbau her gut und geben,
wie es in der Studie heißt, die Kompetenz zu einer fast vollständigen Überwachung bei einer Exposition mit toxischen Chemikalien.

In mindestens vier

Bereichen seien jedoch zusätzliche Gesetze erforderlich:
- mehr Befugnisse des Bundes auf dem Gebiet der Kosmetika;
- Säuberung stillgelegter und z.Zt. nicht benutzter Giftmülldeponien;
- Abbau der Schranken gegen den Austausch von Geschäftsgeheimnissen und
vertraulichen Daten; und
- Bereitstellung von Bundesmitteln für eine verstärkte Teilnahme der
Öffentlichkeit an der Regelung des Umgangs mit toxischen Substanzen.
Außerdem wird hervorgehoben, daß das Problem der toxischen Chemikalien
sehr viel umfangreicher sei, als es den heute zur Verfügung stehenden Mitteln,
sich mit ihm auseinanderzusetzen entspreche. Es gebe Tausende von Substanzen,
die nicht unter die Gesetze fallen und dennoch auf ihre möglichen Umweltauswirkungen hin untersucht werden müßten. Und es gebe viele akute oder auch
chronische, sich langsam entwickelnde oder diffuse Schädigungen, die vielleicht
durch solche Umweltchemikalien verursacht werden und unter diesem Gesichtspunkt zu untersuchen seien. Die in den letzten Jahren unternommenen Anstrengungen zur Koordinierung und Verbesserung der Effektivität behördlicher Aktionen reichten noch nicht aus, um die für die Gesetze gesetzten Ziele zu erreichen. Nur mit direkten Regierungsverordnungen in bezug auf das Freisetzen
von möglicherweise gefährlichen Chemikalien und deren Einwirkung auf Mensch

- 2 -

�Mensch und Umwelt sei ein angemessener Schutz für die öffentliche Gesundheit
und die Umwelt zu erwarten.

Vorbeugung sei der Schlüssel, um Krankheiten

und Umweltprobleme, die durch toxische Chemikalien ausgelöst werden, unter
Kontrolle zu bekommen.

Die aufsichtführenden Behörden müßten bereits handeln

und eingreifen können, wenn Anzeichen für gefährliche Auswirkungen überzeugend
sind, jedoch noch keine gesicherten Beweise vorlägen.
Wichtige Empfehlungen der Kommission:
- Schaffung eines zentralen Datennetzes der Regierung, um einen schnellen
Zugang zu allen Arten von Informationen über chemische Substanzen zu gewährleisten.

Gegenwärtig sind entsprechende Informationen in mehr als 220 Daten-

systemen getrennt gespeichert.
- Abbau noch bestehender gesetzlicher und administrativer Barrieren gegen
den Austausch von Geschäftsgeheimnissen und anderen vertraulichen Informatonen
über toxische Substanzen - sowohl von Behörde zu Behörde als auch gegenüber
Kontraktnehmern des Bundes -, ohne dadurch eine angemessene Absicherung wirtschaftlicher Interessen zu beeinträchtigen.

Die Öffentlichkeit sollte eben-

falls mehr Zugang zu vertraulichen Daten über die Auswirkungen von Chemikalien
auf Gesundheit und Sicherheit erhalten.
- Verstärkte Forschung in Bundeslaboratorien auf kritischen Gebieten wie
Epidemiologie und Toxikologie.
- Bundesweit sollen die Möglichkeiten, bei Notfällen wie dem Freiwerden
giftiger Chemikalien oder dem Ausdringen von gefährlichen Substanzen in nicht
mehr benutzten Giftmülldeponien wirksam einzugreifen, durch umfassende neue
Kompetenzen umgehend verbessert werden, um z.B. das Säubern der Deponien und
die Finanzierung solcher Maßnahmen zu sichern.
Da es sich bei der Kontrolle toxischer Chemikalien um weltweite Probleme
handelt, wird den zuständigen amerikanischen Behörden empfohlen, sich um eine

- 3 -

�eine internationale Koordinierung praktischer Maßnahmen und besseren internationalen Informations- und Meinungsaustausch über die Toxizität von Substanzen zu bemühen.
Der Verband der chemischen Industrie der USA kritisierte den Berichtsentwurf der Kommission und forderte, daß "jede neue Regierungsinitiative auf
diesem Gebiet auf reale Bedürfnisse zugeschnitten sein muß und nicht in unnötige Aktionen und kostspielige neue Regierungsprogramme ausarten darf."

+ + + + +

�34

22. August 1979

BAKTERIEN MIT KOMPASS
Experimentelle Forschung kommt magnetischen Orientierungshilfen
in der Tierwelt auf der Spur
Von G. Weiss

- (AD) - Bei der Untersuchung von Schlammbakterien aus der Umgebung des
Ozeanographischen Forschungsinstituts Woods Hole im US-Bundesstaat Massachusetts
stieß Dr. Richard P. Blakemore (jetzt Staatsuniversität von New Hampshire) im
Jahr 1975 auf Mikroben, die bei der Fortbewegung eine bestimmte Richtung bevorzugen.

Man vermutete bald, daß es das erdmagnetische Feld sei, das dieses

Verhalten beeinflußt.

In der Folgezeit wurden im nordamerikanischen Raum wei-

tere Mikroorganismen mit dieser Eigenschaft entdeckt, und zwar sowohl in salzhaltigem Wasser als auch in Süßwasser.

Durch Experimente konnte dann Dr. Ad. Kalmijn vom Woods Hole-Institut
nachweisen, daß die Bakterien, die nur wenige Tausendstel Millimeter lang sind,
sich an einem Magnetfeld orientieren können und dies in Verbindung mit dem
erdmagnetischen Feld auch tatsächlich tun:
ein.

Sie halten stets die Nordrichtung

In den geographischen Breiten, wo bisher die Untersuchungen vorgenommen

wurden, ist dies gleichbedeutend damit, daß sie so ihren Weg nach unten in

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�in ihren Lebensbereich d.h. in Schlammgründe und Sedimente finden.

Denn die

vertikale Feldkomponente auf der Nordhalbkugel ist in diesen Breiten bereits
stärker als die horizontale.

Die eigene Schwere würde nicht ausreichen, um

die Bakterien rasch absinken zu lassen.

Bringt man sie in ein künstliches

Magnetfeld und polt dieses um, reagieren sie darauf sofort mit Bewegung in
der Gegenrichtung.

Dr. Blakemore vermochte eine solche Bakterienart zu iso-

lieren und in Reinkultur zu züchten.

Diese Mikroben gehören zur Gruppe der

Spirillen (Schraubenbakterien) und erhielten die Bezeichnung "MS-1" (MS für
"magnetotactic spirillum").
Ein Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in
Boston, Dr. Richard B. Frankel vom Francis-Bitter-Institut für Magnetforschung,
befaßte sich eingehend mit bisher bekannt gewordenen magnetischen Bakterien,
um herauszufinden, welcher Mechanismus wohl hinter der Nordorientierung stecke,
über die Ergebnisse seiner Arbeiten berichtete er kürzlich in einem Vortrag
in Washington.

Den Schlüssel für das Verhalten bilden, so Dr. Frankel, win-

zige Magnete im Bakterium.

Dabei handelt es sich, wie elektronenmikroskopische

Untersuchungen ergaben, um eine Kette von 22 (manchmal auch etwas mehr) Partikeln von mehr oder weniger kubischer Form, die ähnlich wie die Nadel eines
Kompasses funktionieren.

Sie bestehen aus Magnetit, einer Eisen-Sauerstoff-

Verbindung der chemischen Formel Fe^O,.
Jeder Magnetkristall hat eine Kantenlänge von etwa 500 Angström (1 8 =
1/10 000 000 mm), d.h. von fünf Hunderttausendstel Millimeter. Dies ist eine
kritische Größe, weil dann nämlich unter Raumtemperatur die magnetischen Eigenschaften am günstigsten sind. Wären die Partikel kleiner, würde bei Raumtemperatur die Wärmeenergie ihrer Umgebung ihre magnetische Orientierung verändern. Wären sie sehr viel größer, würden sie ihre Polarität verlieren.
Offenbar entwickelten diese Bakterien einen physiologischen Prozeß, mit
dem sie Magnetitpartikel der günstigsten Größe in der Zelle synthetisieren.
Diese ergeben den Kompaß mit der festen Orientierung, wobei sich der nach Norden weisende Pol an dem Ende befindet, das der zur Fortbewegung dienenden

�dienenden Geißel gegenüberliegt.

Mit Spannung wartet Frankel jetzt auf

Sedimentproben aus Südamerika, die möglicherweise Bakterien enthalten, welche ebenfalls magnetisch sind.

Wie werden sie sich auf der Nordhalbkugel

verhalten?
Chemische Analysen der Magnetbakterien aus Nordamerika ergaben, daß
sie eine um das Zehnfache höhere Eisenkonzentration besitzen als andere Bakterien.

Sie müssen demnach, so Dr. Frankel, ihren Kompaß aus Eisenionen

synthetisieren, die sie gewissermaßen in ihrer Umgebung zusammenkehren.

Wie

sie aber das Größenproblem für die Kristalle gelöst haben, ist unbekannt.
Das wiederum ist eine Frage, die jetzt die Elektronik-Industrie interessiert.
Weitere Entdeckungen auf diesem Gebiet, könnten vielleicht sogar für die Medizin von Bedeutung sein.
Nicht zuletzt aufgrund der Entdeckung magnetischer Bakterien erhielt
die Erforschung des Orientierungssinns der Vögel großen Auftrieb. Im Verlauf
des letzten Jahres wurde bekannt, daß Wissenschaftler an Universitäten in
New York und New Jersey im Kopf der Taube und im Hinterleib der Biene ein
"magnetisches Organ" gefunden hätten, das den Tieren die Orientierung im erdmagnetischen Feld ermögliche.

+ + + + +

- 3 -

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