<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="1649" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/1649?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T00:08:15+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="1660">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/e277258618e0a17902a9ea3cae5c2f65.pdf</src>
      <authentication>eed0590f98abab8445ad6e4abc117c2d</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="8499">
                  <text>uäla

Information
und
Dokumentation

3~ L3IH

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. August 1979

33

I N H A L T

INFORMATION
US-Vorratslager in Europa dienen der NATO-Verteidigung
- Raschere Verstärkung aus den USA möglich Von unserem Korrespondenten Ed Scherr
Reubin Askew:

Der neue US-Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen

DOKUMENTATION
Ausblicke auf die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- Von Botschafter Malcolm Toon -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Seismische Sonde für Heißdampf in der Erde
Zuckerrohr als Energierohstoff

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�1

1

HUI laflKlB

Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. August 1979

33

US-VORRATSLAGER IN EUROPA DIENEN DER NATO-VERTEIDIGUNG
- Raschere Verstärkung aus den USA möglich Von unserem Korrespondenten Ed Scherr

WASHINGTON - (AD) - In Vorratslagern und Depots der amerikanischen Streitkräfte in Europa stehen Panzer, schwere Waffen und anderes Gerät bereit, um im
Krisenfalle auf dem Luftwege aus den USA herangeführte Truppen auszurüsten und
sofort einsatzbereit zu machen.
Dieses Material - das für die Ausrüstung von fast drei Divisionen und den
dazugehörenden Versorgungseinheiten ausreicht - gehört zu der amerikanischen
Verpflichtung gegenüber der NATO.
Im Rahmen der Zusagen für das vom Bündnis beschlossene Langfristige Verteidigungsprogramm (LTDP) werden die Vereinigten Staaten bis 1982 in Europa
Gerät für weitere drei Divisionen und einige Versorgungseinheiten einlagern.
Das Langfristige Verteidigungsprogramm ist eine bedeutsame gemeinsame Anstrengung der Bündnisländer, die Einsatzbereitschaft und Kampfkraft der NATO zu erhöhen. Das amerikanische Programm im Rahmen des LTDP trägt die Bezeichnung
"POMCUS" - Pre-Positioned Overseas Material Configurated in Unit Sets - was

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�was auf deutsch etwa so viel bedeutet wie Ausrüstung nach Einheiten, zusammengefaßt an vorher festgelegten Standorten in Übersee. Militärischer Nachschub
wird in feuchtigkeitssicheren Lagerräumen jeweils für ein Bataillon zur raschen
Ausgabe eingelagert.
Nach Feststellung des amerikanischen Verteidigungsministers Harold Brown
wird dieses zusätzlich vorher eingelagerte Material zusammen mit einer erhöhten
Luftbrückenkapazität der Vereinigten Staaten es ermöglichen, die Stärke der
amerikanischen Truppen in Europa innerhalb von zwei Wochen um 150 000 Mann zu
erhöhen.
Die Konzeption des Langfristigen Verteidigungsprogramms stammt von Präsident Carter, der diesen Vorschlag auf der Gipfelkonferenz der NATO-Staaten
im Mai 1977 in London unterbreitete.

Die Durchführung dieses Programms wurde

dann auf dem NATO-Gipfel im Mai 1978 in Washington beschlossen.

Die führenden

Männer im Bündnis betrachten dieses Programm als ein wesentliches Mittel, um
den Sicherheitsanforderungen des Bündnisses gerecht zu werden, die sich durch
die Aufrüstung des Warschauer Paktes stellen.
An den "POMCUS-Standorten" sind rund 90 Prozent des Ausrüstungsbedarfs
einer amerikanischen Division eingelagert.

Ein amerikanischer Soldat, der an

Bord eines Passagierflugzeuges mit seiner Handfeuerwaffe und seiner Marschausrüstung nach Europa kommt, erhält alles andere aus. dem vorbestimmten Depot
dort.

Material, das eine starke Wartung erfordert, wie Luftverteidigungssysteme

und Hubschrauber, würde, auch über eine Luftbrücke nach Europa befördert.
Die Einlagerung von Gerät für Verstärkungen, die in Amerika stationiert
sind, ist billiger als die Aufrechterhaltung von mehr amerikanischen Truppen
in Europa. Die Wirksamkeit hängt jedoch davon ab, daß in Krisenzeiten eine
ausreichende Vorwarnung gegeben ist.
Eine kürzliche Studie des amerikanischen Kongresses hat ergeben, daß ein
wesentlicher Teil des "POMCUS-Geräts" innerhalb von fünf Tagen ausgegeben wer-

- 2 -

�werden könnte - vorausgesetzt, daß die Entscheidung zur Dislozierung amerikanischer Streitkräfte sofort nach Eintreffen der Vorwarnung erfolgt.

Bei

einer Vorwarnzeit von zehn Tagen kann alles Gerät rechtzeitig ausgegeben
werden.
Ohne dieses vorher eingelagerte Material würden die Vereinigten Staaten
nach Schätzungen von Experten etwa zehn Tage benötigen, um eine Division mit
Mannschaften und Gerät und Nachschub auf dem Luftwege nach Europa zu bringen.
Das Einlagerungsprogramm für Gerät begann nach der Berlinkrise im Jahre
1961, als offensichtlich wurde, daß die Vereinigten Staaten nicht Truppen und
Gerät rasch genug nach Europa entsenden können, um sowjetischen Schritten zu
begegnen. Das erste Einlagerungsprogramm erstreckte sich auf die Ausrüstung
für eine Panzerdivision, eine motorisierte Division und zehn dazugehörende
Versorgungseinheiten.
Das Programm wurde im Jahre 1968 ausgeweitet, als die Vereinigten Staaten
ihre Ausgaben in Übersee senkten, indem sie etwa zwei Drittel der Ersten Infanteriedivision nach den USA zurückholten.

Für diese der NATO zugesagten

Einheiten wurde das Material in Europa eingelagert.
Angesichts der erhöhten Aufrüstung des Warschauer Paktes auf konventionell
Gebiet verpflichteten sich die Vereinigten Staaten 1978, bis zum Jahr 1982
genügend Material für drei weitere Divisionen einzulagern, um die Verstärkungskapazität des Bündnisses zu erhöhen.
Neben dem Gerät für drei Divisionen werden an den "POMCUS-Standorten"
Materialien für ein Kavallerieregiment (Panzer), 74 nicht divisionsgebundene
Einheiten, 36 Kampfversorgungseinheiten und 28 Sani tätseinheiten eingelagert.
Bis 1982 werden sechs der elf in den USA stationierten Divisionen, die für
eine Verstärkung der NATO in Frage kommen, mit "POMCUS-Lagern" in Europa versehen sein.

Dem

�Dem Ausmaß, in dem "POMCUS-Standorte" die Verstärkungskapazität erhöhen
können, sind jedoch Grenzen gesetzt, da sonst die Flexibilität des Einsatzes
in Frage gestellt würde.

Diese "POMCUS-Standorte" grenzen natürlich die Ge-

biete ein, in die die Verstärkungen verbracht werden können.
Verteidigungsminister Brown wies auf diesen Punkt hin und erklärte: "Wir
wollen die Beweglichkeit aufrechterhalten, Streitkräfte zwischen der Mittelregion Europas und den Flanken oder anderswo hin zu verschieben, wie es der
Verlauf eines Krieges erforderlich machen könnte."

Eine weitere Beschränkung

könnte dadurch gegeben sein, daß die Vereinigten Staaten Truppen in Gebieten
dislozieren möchten, in denen "POMCUS-Standorte" politisch nicht durchsetzbar
sind.
Die Vereinigten Staaten pflegen gegenwärtig Konsultationen mit ihren Verbündeten über die Standorte der "POMCUS-Lager" für drei weitere Divisionen.
Die Bundesrepublik Deutschland hat bereits drei Standorte für die ersten Einheiten dieser Art zur Verfügung gestellt.
Die Vorbereitung der Lagerflächen und der Bau der Lagerhallen und der dazugehörenden Gebäude wird aus dem Infrastrukturfonds der NATO finanziert.
Dieser Fonds wird aus jährlichen Beiträgen der Mitgliedsländer des Bündnisses
gespeist, um Verteidigungseinrichtungen zu bauen, die für die NATO entscheidend wichtig sind. Nach einer Studie des amerikanischen Kongresses wird die
NATO etwa 400 Millionen Dollar für den Bau der "POMCUS-Lager" aufwenden.
Im Zusammenhang mit dem "POMCUS-Programm" und der Verstärkung der NATO
stehen die "Host Nation"-Abkommen (Gastlandabkommen) der USA mit europäischen
Ländern, in denen amerikanische Einrichtungen liegen oder in denen in Krisensituationen Transporteinrichtungen benutzt würden.

Diese Länder unterstützen

die Bewegungen amerikanischer Truppen und amerikanischen Materials durch die
Gestellung von Häfen und Flugplätzen. -

In

�In einer Stellungnahme zu den jährlich stattfindenden REFORGER-Übungen
(deren wichtiger Bestandteil die Verstärkung der Verteidigungsstreitkräfte
der NATO durch amerikanische Truppen ist) betonte Verteidigungsminister Brown,
daß die meisten der auf dem Luftwege nach Europa gebrachten Bataillone weniger Zeit brauchten, ihr Gerät aus den "POMCUS-Lagern" zu übernehmen, als
ursprünglich vorgesehen.

Er hob hervor, daß "die Leistung unserer Soldaten

in Zusammenarbeit mit amerikanischen und alliierten

Zivilisten ganz ausge-

zeichnet war, ebenso wie das beispiellose Maß an Unterstützung durch die
Gastländer."

+ + + + +

�3
I
33

Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
15. August 1979

REUBIN ASKEW: DER NEUE US-SONDERBEAUFTRAGTE FÜR HANDELSVERHANDLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 8. August 1979 den ehemaligen Gouverneur von Florida Reubin O'Donovan Askew zu seinem Sonderbeauftragten
für Handelsverhandlungen ernannt. Er tritt die Nachfolge von Robert S. Strauss
an, der zum persönlichen Vertreter des Präsidenten bei den Nahostverhandlungen
bestellt worden ist. Die Nominierung muß noch vom US-Senat bestätigt werden.
Carter und Askew kennen sich bereits aus den Tagen, als sie in den siebziger Jahren beide noch Gouverneure der Nachbarstaaten Georgia und Florida
waren. Regierungssprecher Powell hob anläßlich der Ernennung hervor, daß Präsident Carter Askews "Fähigkeit als Verwaltungsmann und als Fü'hrungspersönl ichkeit" schon seit langem schätzt, und wies auf die Aufgaben hin, die auf den
frischernannten Sonderbeauftragten warten: zum einen gehe es darum, die kürzlich im Rahmen der Tokio-Runde ausgehandelte Handelsvereinbarungen zu erfüllen;
zum andern solle die vom Präsidenten vorgeschlagene Reorganisation der für
die Handelspolitik zuständigen Bundesbehörden durch den Kongreß gebracht werden,
Auch Alan W. Wolff, der Stellvertreter von Askews Vorgänger bei den Verhandlungen der Tokio-Runde, unterstrich die vorzügliche Besetzung des neuen

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�neuen Postens:

"Gouverneur Askew ist von seiner Weltsicht her in völligem

Einklang mit dem offenen Handelssystem, das wir gerade ausgehandelt haben.
Und als Floridas erster Mann war er überaus aktiv bei der Förderung der Handel sinteressen seines Staates". Als Gouverneur unternahm er verschiedentlich
Reisen mit Geschäftsleuten aus Florida nach Europa, Japan und Lateinamerika,
um Probleme hinsichtlich des gegenseitigen Handels und der Investitionen zu
besprephen.
Reubin O'Donovan Askew wurde am 11. September 1928 in Muskogee, Oklahoma
geboren.

Ihren Vater sahen die sechs Kinder sehr selten: er war als Zimmer-

mann unterwegs.

Die Mutter zog mit ihnen 1937 in ihre Heimatstadt Pensacola

in Florida, wo sie als Kellnerin und Näherin arbeitete und der zukünftige
Gouverneur durch Schuhputzen und Zeitungsaustragen die Familie mit unterstützte.
Nach Schule, Militärdienst und Studium arbeitete Askew zunächst vier Jahre lang
als Anwalt und wurde 1958 ins Abgeordnetenhaus von Florida gewählt.

1962

folgte die Wahl in den Senat von Florida, 1970 die Wahl zum Gouverneur.

1974

war er der erste Gouverneur des Staates, der zweimal hintereinander gewählt
wurde.

1979 hat er bereits Präsident Carter bei der Einführung des neuen

brasilianischen Staatschefs und auf einer Erdölkonferenz in Caracas vertreten.
Als wesentliches Merkmal des Gouverneurs h,eben Kenner seine "absolute Integrität" hervor.
Er ist mit Donna Lou Harper verheiratet; das Ehepaar hat zwei Kinder.

+ + + + +

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. August 1979

33

AUSBLICKE AUF DIE AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN
- Von Botschafter Malcolm Toon -

Der amerikan ische Botschafter in der UdSSR,
Malcolm Toon , der in Bälde seinen Posten
verläßt, hat in einer Rede vor der Amerikanischen Gese 11schaft für Außenpolitik
(Foreign Pol icy Association) am 9. August
1979 in NewYork einen grundlegenden überblick und Ausb1 ick auf die amerikanischesowjetischen Beziehungen und die Bedeutung
von SALT II in diesem Zusammenhang gegeben,
Wir geben na chstehend die Ausführungen von
Botschafter Toon im vollen Wortlaut wieder.

Ich werde manchmal als Scharfmacher bezeichnet, aber ich halte mich selbst
nicht für einen solchen - noch bin ich grundsätzlich gegen irgend etwas "anti"
eingestellt.

Aber seit ich den Wandel von einem Schneilbootskommandanten im

Zweiten Weltkrieg zum Berufsdiplomaten durchgemacht habe, habe ich herausgefunden, daß ich meinem Land immer am besten gedient habe, wenn ich zu den Völkern
und Regierungen, bei denen ich akkreditiert war, frei und offen über die amerikanischen Auffassungen und Werte gesprochen habe und meiner eigenen Regierung und
meinem Volk frei und offen meine Ansichten darüber vorgetragen habe, wie den
amerikanischen Interessen am besten gedient wäre.

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

v

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Vor diesem Hintergrund möchte ich heute zu Ihnen über die amerikanischsowjetischen Beziehungen und die Rolle von SALT im Rahmen dieser Beziehungen
sprechen.

Ich glaube es ist nützlich, wenn ich zunächst über das sowjetische

Regime und darüber spreche, wie wir nach meiner Meinung mit ihm umgehen sollten.
Auf die Gefahr hin, Binsenweisheiten zu verkünden, möchte ich mit einigen
Grundwahrheiten beginnen.

Das sowjetische System ist Ausdruck einer Geschichts-

betrachtung, einer Vorstellung vom Verhältnis des Menschen zum Staat sowie
eines Komplexes von Werten und Grundsätzen, die von den unsrigen völlig verschieden sind.

Die Historiker können sich darüber streiten, ob diese Auffas-

sung traditionell russisch oder ob sie im wesentlichen sowjetisch ist und 1917
von oben aufgezwungen wurde. Ich neige zu der Auffassung, daß Lenin und Stalin
eine im wesentlichen westliche Philosophie, nämlich den Marxismus, genommen
und sie der russischen Realität angepaßt haben, so daß seit der Zeit Stalins
bis heute kein fundamentaler Konflikt zwischen sowjetischer Ideologie und
russischem Nationalismus entstanden ist.
Auf jeden Fall werden die beträchtlichen Ressourcen der Sowjetunion
heute - und auch für absehbare Zukunft - wirksam für die Unterstützung einer
charakteristischen und nach meiner Meinung verzerrten historischen Weltanschauung mobilisiert. Das sowjetische Regime kann Ideen der freien Meinungsäußerung und der Entscheidungsfreiheit des einzelnen, so wie wir sie verstehen,
nicht akzeptieren und wird sie nicht tolerieren. Es wird versuchen, seine
Ideologie durchzusetzen, indem es abweichende Meinungen im eigenen Lande zum
Schweigen bringt und indem es häufig im Ausland repressive Regime unterstützt,
die sich selbst als marxistisch-leninistisch bezeichnen.
Neben der Ideologie haben auch geographische und historische Erfahrungen
das sowjetische System und die Politik seiner Führer wesentlich mitgestaltet.
Jahrhunderte der Invasionen aus Ost und West haben ihre Spuren in den Anschauungen des russischen Volkes und seiner Führer hinterlassen. Die sowjetische
Führung hat massive Anstrengungen unternommen, um die Sicherheit an Rußlands
- 2 -

�Rußlands Grenzen zu gewährleisten - zum Teil durch den Versuch, diese Grenzen
nach außen hinauszuschieben.

Diese historische Einstellung, zu der die Kommu-

nisten noch ihre geistige Voreingenommenheit gegenüber militärischer Stärke
als Schlüsselelement der politischen Macht hinzugefügt haben, mag erklären,
wenn auch nicht rechtfertigen, warum die Sowjetunion heute eine Militärmaschinerie unterhält, die in keinem Verhältnis zu einer objektiven Abschätzung ihrer
Erfordernisse steht, und warum die Kosten dieses Strebens nach absoluter
Sicherheit und nach größerem politischem Einfluß mit Hilfe militärischer Macht
so enorm hoch sind.

Das alles bedeutet Entbehrungen für die sowjetische Be-

völkerung und Belastungen und Reibungen in den Beziehungen der Sowjetunion zu
ihren Nachbarn, mit gelegentlich gefährlichen Folgen für die Stabiltät
Welt.

der

Totale Sicherheit, wie sie die Sowjets anstreben, kann nur Unsicherheit

für andere bedeuten.

Das gleiche leidenschaftliche Sicherheitsbedürfnis kennzeichnet auch die
Szene in der Sowjetunion selbst, obwohl hier seit meinem ersten dienstlichen
Aufenthalt in Moskau Anfang der fünfziger Jahre ins Auge fallende Veränderungen
eingetreten sind.

Der stalisnistische Terror hat aufgehört.

Trotzdem begeg-

net organisierter Dissens der Feindseligkeit der Regierung, vor allem wenn er
die amtliche Parteilinie direkt in Frage stellt.

Ich bin jedoch geneigt zu

glauben, daß die Unterdrückung im eigenen Lande sehr viel größer wäre, wenn
die Sowjetunion ihre Politik der Entspannung aufgeben müßte, denn dann läge
ihr noch sehr viel weniger an der öffentlichen Meinung der Welt.

In den letzten 30 Jahren und auch heute noch ist eine der zentralen Fragen der amerikanischen Außenpolitik, wie man dieses komplexe und repressive
System behandeln soll.

Ich meine, wir müssen damit anfangen, die Sowjetunion

als das zu sehen, was sie wirklich ist.

Weder, wie einige meinen, als 260 Mil-

lionen Menschen, die wie wir Amerikaner sein wollen s noch, wie es wiederum andere tun, als 260 Millionen Dschingis Khans, die bereit, willens und in der
Lage sind, die Welt zu erobern.

Es handelt sich um ein bemerkenswertes Volk,

das langsam seinen eigenen Kurs verfolgt und gewaltige, ihm eigene Stärken einsetzt;

ein Volk aber auch, das von bestürzenden Schwächen bedrängt wird - vor

- 3 -

�- vor allem im Wirtschaftsbereich - und das Ziele und Methoden verfolgt,
die sich grundsätzlich von den unsrigen unterscheiden.
Wir müssen auch die Sowjetunion und unsere Beziehungen zu ihr unter einer
langfristigen Perspektive betrachten.

Wenn wir uns auf die kurzfristige Ent-

wicklung konzentrieren, können wir nicht hoffen, die Richtung zu ändern, in
die sich die Sowjetunion bewegt, und auch nicht ihre Tendenz, Einzelpersonen
und machtlose Länder zu überrennen, die ihr in den Weg geraten.

Wenn wir uns

ständig fragen, wieviel Fortschritte wir in den letzten 24 Stunden erzielt
haben

oder in der letzten Woche oder sogar im letzten Jahr, dann müssen wir

freimütig eingestehen: nicht viel.

Aber wenn wir alles unter einem länger-

fristigen Aspekt betrachten, wenn wir auf die Periode des Kalten Krieges zurückblicken und auf die Entfernung, die wir seither zurückgelegt haben, dann
glaube ich, daß trotz einer Folge von Pendel schlagen in unseren Beziehungen
eine allmähliche Bewegung nach vorn sichtbar wird.

Im Lauf der letzten 10

Jahre haben die sowjetischen Führer in ihrem ureigensten Interesse die Art
und Weise geändert, in der sie mit ihrem eigenen Volk umgehen.

Und, ich er-

wähnte es bereits, sie sind der Weltmeinung gegenüber nicht unempfindlich.
Trotz mancher Schwankung gibt es einen langfristigen Aufwärtstrend in Richtung
auf eine nützliche Zusammenarbeit auf den Gebieten gegenseitigen Interesses.
Eins der bedeutsamsten ist die Rüstungskontrolle.
Für jemanden, der wie ich - 30 Jahre lang - seit dein Zeiten des Kalten
Krieges - die Sowjetunion beobachtet hat, gibt es Gründe für einen vorsichtigen Optimismus, daß mit Geduld, Beharrlichkeit und klarem Kopf unsererseits
die Sowjetunion schließlich doch zu der Einsicht gebracht werden kann, daß
durch ständigen Ausbau ihrer Militärmacht und militärische Abenteuer in fremden Ländern ihren Interessen weniger gedient ist als durch ausgehandelte
Rüstungsbegrenzungen und eigene Zurückhaltung in anderen Teilen der Welt.
Gewiß dürfen wir nicht zuviel zu bald erwarten. Wir müssen vermeiden, daß
die Stimmung
in unserer Öffentlichkeit von einem Extrem ins andere verfällt,
von einem übertriebenen Gefühl der Verträglichkeit mit der Sowjetunion z~il offenen
- 4 -

�offenen Bekundungen der Feindseligkeit.

Nach meiner Auffassung hat sich zu

Anfang der siebziger Jahre ein sehr ärgerliches Mißverständnis über die wahre
Natur der Entspannung entwickelt, das dann zu einer unkritischen und ungerechtfertigten Euphorie führte.. Entspannung heißt nicht, daß ein Jahrtausend der
Freundschaft und des gegenseitigen Vertrauens angebrochen ist - was in jedem
Falle ohne einen grundlegenden Wandel der sowjetischen Philosophie und Weltanschauung unmöglich wäre.

Im besten Falle bedeutet Entspannung ein zunehmendes

Bewußtsein in diesem nuklearen Zeitalter für die Notwendigkeit, in einigen Dingen zusammenzuarbeiten, den Wettstreit in bezug auf andere Fragen in geordneten Bahnen zu halten und zu einer Übereinkunft hinsichtlich der Mittel zur Entschärfung jener Spannungen zu gelangen, die zu einer gefährlichen Konfrontation
führen könnten.

Das aber ist alles, mehr nicht.

Irgendwelche Veränderungen im sowjetischen System zustandezubringen,
muß als eine sehr langfristige Aufgabe angesehen werden. Aber die Chance
einer Veränderung, so gering sie auch sein mag, ist größer, wenn ein gewisses
Maß an Verpflichtung zwischen unseren beiden Ländern besteht. Und meiner Ansicht nach ist es genau so falsch, den Wert des Versuchs einer Zusammenarbeit
mit Moskau überhaupt in Frage zu stellen, wie viele das heute tun.
Wir müssen unsere eigenen Ziele in unserem Verhältnis zur Sowjetunion klar
vor Augen behalten. Wir wollen die Wahrscheinlichkeit einer direkten Konfrontation, die zu selbstmörderischen militärischen Feindseligkeiten eskalieren
könnte, so gering wie möglich halten. Wir wollen die Chancen für ein destabilisierendes Auftreten der Supermächte in den Entwicklungsländern verringern,
soweit es geht. Wir wollen jedoch das gegenseitige Verständnis, das - lassen
Sie mich dies betonen - nicht vom gegenseitigen Vertrauen abhängt, so weit wie
möglich steigern, da es zu den ersten beiden Zielen beitragen und auch zu einer
gedeihlichen Zusammenarbeit auf jenen Gebieten führen kann, auf denen sich
unsere Interessen decken.
Nachdem wir festgelegt haben, was wir aus unseren Beziehungen zur Sowjetunion erwarten, müssen wir methodisch, beharrlich und realistisch darangehen, es

- 5 -

�es zu erlangen.

Es ist überflüssig, zu erwähnen, daß ich keinesfalls der

Auffassung bin, alles, was wir zu tun hätten, bestünde darin, uns mit der
Sowjetunion zusammenzusetzen und mit ihr vernünftig zu argumentieren, um
unsere Ziele zu erreichen. Wir sollten bei jedem anstehenden Problem von
der Voraussetzung ausgehen, daß wir und die Sowjets an entgegengesetzten
Polen stehen und daß sie versuchen werden, uns auszunützen, wo immer es möglich ist. Aber wir sollten gleichzeitig genug Selbstveritauecn besitzen,
um einen Dialog zu begrüßen und unseren Einfallsreichtum für Lösungen zu nützen, die zwar für die Sowjetunion attraktiv sind, indem sie ihren eigenen
Interessen entgegenkommen, die aber gleichzeitig in Einklang mit unseren
eigenen wesentlichsten- Zielen stehen und die - vor allem - unsere Sicherheit
und die unserer Verbündeten nicht schwächen.
Unsere Politik wird auch weiterhin im Widerstreit stehen. Nach meiner
Ansicht hält die derzeitige sowjetische Führung an ihrem Glauben an die traditionellen marxistisch-leninistischen Ziele der "Weltrevolution" fest. Aber
ich glaube auch, daß eben diese Führung davon überzeugt ist, daß ihre globalen
Ziele durch einen nuklearen Krieg nicht gefördert werden. Während sie für eine
"friedliche Koexistenz" zwi:schenOst und West eintritt, ist die Sowjetunion
weiterhin ständig als Protektor und Unterstützer für die radikalen, im wesentlichen antiwestlichen Strömungen in der Dritten Welt - die die Sowjets als
"nationale Befreiungsbewegungen" bezeichnet haben - tätig geworden. Eine solche Weltanschauung bietet uns nur geringen Trost, sollte uns jedoch auch
nicht zu dem Schluß verleiten, gegenseitig nutzbringende Zusammenarbeit sei
unmöglich. Sie ist möglich, solange sie sorgfältig geplant und ohne jede
Illusion oder utopische Vorstellung darüber durchgeführt wird, was wirklich
machbar ist.
Meiner Meinung nach haben sich die historischen Gegebenheiten auf eine
Weise entwickelt, daß nunmehr konkrete Abrüstungsmaßnahmen eine große Anziehungskraft auf die sowjetische Führung ausüben. Noch vor 10 Jahren hätten
nur wenige kenntnisreiche Amerikaner geglaubt, daß wir uns mit den Sowjets
zusammensetzen und zu einer Vereinbarung über die Begrenzung der strategischen
- 6 -

�strategischen Kernwaffen gelangen könnten.

Aber genau das ist es, was wir

mit SALT II getan haben - nach nützlichen und wirkungsvollen Schritten zur
Behandlung des Problems der Begrenzung strategischer Waffen, wie dies bei
SALT I und in Wladiwostok geschehen ist.
Ich will nicht auf die Inhalte des SALT-Abkommens eingehen; seine detaillierten und komplexen Bestimmungen sind in den letzten Wochen angemessen - einige
würden sagen: ad nauseum - vor den Senatsausschüssen diskutiert worden. Lassen
Sie mich lediglich erwähnen, was ich von meinem besonderen Standpunkt aus als
einige seiner größten Vorzüge erachte. Das Abkommen wird ein grundlegendes
Element der Stabilität in unsere Beziehungen mit der Sowjetunion einbringen.
Es scheint mir wichtig, daß der Vertrag gleiche Höchstgrenzen für das strategische Arsenal beider Seiten festsetzt und dadurch ein bis dahin bestehendes
zahlenmäßiges Ungleichgewicht zugunsten der Sowjetunion aufhebt. Er läßt uns
die Freiheit der Wahl, die Waffen zu bauen, die wir zur Erhaltung des strategischen Gleichgewichts benötigen. Er vergrößert unsere Möglichkeit, sowjetische
Tätigkeiten zu überwachen, und er ist angemessen verifizierbar - ein grundlegender Aspekt eines jeden Abkommens mit den Sowjets, da wir uns nicht auf ihren
guten Willen verlassen können.
Lassen Sie mich an dieser Stelle darauf hinweisen, daß ich vor einiger
Zeit öffentlich festgestellt habe, ich würde tatsächlich gegen einen Vertrag
sein, der nicht angemessen verifizierbar sei. Angesichts des Verlusts unserer
Einrichtungen im Iran behielt ich mir mein Urteil über den Vertrag vor; jetzt,
nachdem ich von den Experten hier in Washington informiert wurde - es waren
dieselben Informationen, die auch der Präsident selbst erhielt -, stimme ich
mit ihm, mit Verteidigungsminister Brown und mit dem Gemeinsamen Stab der
amerikanischen Streitkräfte überein.

Keinerlei militärisch bedeutsame Ver-

tragsverletzungen von SALT II könnten unentdeckt bleiben.

Ich hätte vor dem

Senat nicht die Zustimmung zum Vertrag empfohlen - wie ich dies vor einigen
Wochen getan habe - ,wenn ich nicht davon überzeugt wäre.
In diesem Zusammenhang möchte ich ein paar Worte zur Aushandlung des Vertrags sagen.

Eine häufig von Kritikern des Vertrags geäußerte Meinung ist die,
- 7 -

�die, daß wir besser weggekommen wären, wenn wir nur hartnäckiger gewesen
wären, weniger erpicht auf ein Abkommen - mit einem Wort: zäher.

Die logische

Folge davon ist, daß wir immer noch einen besseren Abschluß erzielen und
unsere vergangenen Fehler korrigieren könnten, wenn wir wieder zu den Sowjets
gehen und den Vertrag neu aushandeln.
Annahmen völlig falsch sind.

Ich bin davon überzeugt, daß beide

Meiner Ansicht nach basieren sie auf der falschen

Einschätzung dessen, was wirklich geschah und was in unseren Beziehungen zu
den Sowjets möglich und durchführbar ist. Wir würden uns auf gefährliche Weise
täuschen, wenn wir etwas anderes glaubten.
Hinsichtlich der Aushandlung des Vertrags bin ich überzeugt, daß das Abkommen das beste ist, was zu bekommen war.

Wir hätten von den Sowjets bei je-

dem spezifischen Punkt nicht mehr erlangen können, ohne einen unannehmbaren
Preis bei einem anderen Teil des Abkommens zu bezahlen.

Ich sage dies auf-

grund meiner eigenen Teilnahme an den SALT-Verhandlungen und meiner langjährigen Erfahrung mit den Sowjets.
Auch sollten wir uns einen klaren Kopf hinsichtlich der Aussichten auf
eine Neuverhandlung bewahren. Wenn wir wieder zu den Sowjets gehen, um bei
bestimmten Themen eine Neuverhandlung zu unseren Gunsten aufgrund einiger vom
Senat verabschiedeter Abänderungsanträge zu verlangen, so würde dies höchsten
zur Neueröffnung solcher Themen führen, die zu unseren Gunsten abgeschlossen
wurden - und es gibt viele davon. Oder aber sie werden es rundweg ablehnen.
In jedem Fall würde dies den Vertrag zunichte machen. Wir sollten uns keinerlei Illusionen hingeben, was dies betrifft. Die Sowjets haben den Vertrag
unterschrieben im Glauben daran, daß dies in ihrem nationalen Interesse ist und auch wir glauben, daß er in unserem ist. Sie wollen SALT, und sie haben
gewichtige Gründe dafür. Aber ich kann mir keinerlei Umstände vorstellen, unter
denen wir sie dazu überreden könnten, mit einem Vertrag zu leben, den sie für
sich als nachteilig erachten, oder ein Abkommen anzunehmen, das auf unser
Drängen hin zu unseren Gunsten abgeändert wurde. Dies kann ganz einfach nicht
gutgehen. Aufgrund von 30 Jahren Erfahrung im Umgang mit den Sowjets kann ich
Ihnen sagen, daß es nicht ein Akt des Glaubens, sondern ein Akt der Torheit

�Torheit wäre, anders zu denken.
In diesem Zusammenhang ist es meiner Ansicht nach von großer Bedeutung,
zu begreifen, warum die Sowjets den Vertrag wollen.

Sie wollen ihn, würde

ich sagen, größtenteils aus den gleichen Gründen wie wir. Während sie uns
grundsätzlich immer noch antagonistisch gegenüberst hen, haben die Sowjets dennoch allmählich erkannt, daß ein Weltkrieg, der den Einsatz von Kernwaffen
einschließt, ihre globalen Ziele nicht fördert.

Daher sind die Sowjets an der

Entwicklung einer beständigeren Beziehung zu uns und an der Verringerung der
Möglichkeit einer gefährlichen Konfrontation mit uns interessiert.

Außerdem

will die sowjetische Führung die Mittel etwas begrenzen, die zur Zeit noch
für die strategischen Waffen verwendet werden, um auf diese Weise zusätzliche
Hilfsmittel für

andere Zwecke bereitzustellen.

Obwohl die Sowjets genau wie wir die

Notwendigkeit einer strategischen Parität und einer Zweitschlagkapazität begreifen, sind sie nicht daran interessiert, in Kernwaffensystemen zu investieren, die sie nie zu benutzen hoffen - solange sie überzeugt sind, daß sie auf
solche Systeme verzichten können, ohne ihre nationale Sicherheit zu gefährden.
Gleichzeitig ist es jedoch naiv anzunehmen, daß die Sowjetunion in einem
so hoffnungslosen wirtschaftlichen Zustand sei, daß die Sowjets ein für sie
nachteiliges SALT-Paket schlucken müssen. Ich glaube, daß dies falsch und ein
gefährliches Argument ist. Es wäre gleichermaßen naiv anzunehmen, daß Breschnew
so begierig auf ein SALT-Abkommen ist, daß er bereit wäre, sich über jede Opposition vonseiten seiner Kollegen hinwegzusetzen und ein für die Sowjetunion
nachteiliges Abkommen einzugehen. Kein Mensch mit einiger Erfahrung im Umgang
mit der Sowjetunion würde dies auch nur eine Minute lang glauben. Breschnew
würde unter keinen Umständen gegen die sowjetischen Interessen handeln, und
selbst wenn er geneigt wäre, dies um seiner eigenen Selbststilisierung willen
zu tun, hätte er dazu keine Macht.
Und was passiert, wenn der Senat SALT II nicht ratifiziert?

Meiner Mei-

nung nach würde dies ein ernster Schlag für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen im allgemeinen und im besonderen
- 9 -

für den SALT-Verhandlungsablauf

�SALT-Verhandlungsablauf sein.

Ich würde nicht so weit gehen und sagen, daß

die Ablehnung von SALT II entweder alle Abrüstungsverhandlungen einfriert oder
einen dauerhaften Bruch unserer bilateralen Beziehungen verursacht.

Der Ab-

rüstungsprozeß ebenso wie unsere bilaterale Beziehung insgesamt wären jedoch
stark beeinträchtigt, und zu diesem Zeitpunkt kann niemand sagen, wieviel
Zeit nötig wäre, um den Schaden zu beheben.
Außerdem glaube ich, daß die Sowjets eine Alternative zu einem SALT IIAbkommen sehen - zwar eine riskante, aber auch eine mit beträchtlicher Anziehungskraft.

Wenn es dem Senat nicht gelingt, das Abkommen zu billigen,

oder wenn er auf Abänderungen besteht, die für den Kreml unannehmbar sind, so
wird das Ergebnis eine Vertrauenskrise bei unseren westlichen Verbündeten hinsichtlich der amerikanischen Führung sein.

Einen Keil zwischen die Vereinig-

ten Staaten und ihre europäischen Verbündeten zu treiben, ist ein Ziel der
sowjetischen Außenpolitik, das viel älter als die Rüstungskontrolle ist.

Ich

bin davon überzeugt, daß Moskau einen Zusammenbruch des SALT-Prozesses ausnützen würde, um dieses Ziel mit aller Macht zu verfolgen.
sie würden damit einigen Erfolg haben.

Und ich glaube,

Das Ergebnis könnte eine zunehmende

Isolation Amerikas sein sowie ein Zusammenbruch unserer Anstrengungen, die
Verbesserung der konventionellen und nuklearen Verteidigung Westeuropas zu
fördern.
Ich möchte klarstellen, daß ich von der Ratifizierung des SALT II-Vertrages kein Klima erwarte, in dem wir mit Moskau ein Herz und eine Seele sind.
Nichts wäre weiter von der Wirklichkeit entfernt. Unsere Beziehung ist gegnerisch, und es wird immer ein ziemliches Maß an Reibung, an Problemen und an
Unannehmlichkeit geben.
Aber obwohl SALT II die schädigenden Elemente des Wettstreits zwischen
uns und den Sowjets nicht aus der Welt schafft, wird der Vertrag die Stabilität in der Welt vergrößern und als Sprungbrett für weitere Verhandlungen über
Waffenkontrolle und andere politische Themen dienen. Er wird es uns ermöglichen,
auf SALT III zuzugehen, auf weitere Verringerungen unserer strategischen Ar-

- 10 -

�Arsenale und auf fortgesetzte Anstrengungen zur Verminderung des Risikos,
daß unser Wettstreit in einen Nuklearkrieg umschlägt.

Und dies ohne unsere

Sicherheit oder die unserer Freunde und Verbündeten zu beeinträchtigen.
Ich bin der festen Überzeugung, daß der Vertrag die Unterstützung und die Zustimmung aller Amerikaner mit gesundem Menschenverstand verdient, die, wie
ich selbst, die vitalen Interessen unseres Landes über alle anderen Erwägungen
stellen.

+ + + + +

- 11 -

�1

I
I

3

UUi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

33

15. August 1979

SEISMISCHE SONDE FÜR HEISSDAMPF IN DER ERDE

(AD) - Die Idee von Geophysikern der kalifornischen StanfordUniversität, unterirdische Heißwasser- und Heißdampffel der mittels seismischer
Wellen ausfindig zu machen, wurde jetzt in Feldstudien einer Wissenschaftlergruppe der Universität Kalifornien in Berkeley mit großem Erfolg in der
Praxis erprobt. Professor Arnos Nur (Stanford) hatte die Methode auf Grund
der Ergebnisse von Laborversuchen vorgeschlagen. Er und seine Mitarbeiter
beobachteten nämlich, daß seismische Wellen beim Durchgang durch dampfhaltiges Gestein unterschiedliche Veränderungen erfahren: Die Amplitude,
d.h. die Stärke, der transversal sich fortpflanzenden sogenannten Scherungswellen verändert sich nur geringfügig. Die Verdichtungswellen jedoch, die
sich longitudinal fortpflanzen, erfahren beim Durchgang durch eine DampfWasser-Mischung eine starke Abschwächung. Demnach müßten, so die Hypothese
der Forschergruppe Arnos Nur, an seismischen Wellen auch beim Durchgang durch
ein natürliches geothermisches Dampf-Wasser-Reservoir diese Effekte zu
erkennen sein und helfen, solche unterirdischen Vorkommen ausfindig zu machen,
Und nicht nur das: Mit der Zeit dürften sich sogar die Anteile von Wasser
und Dampf in dem bestimmten Reservoir mengenmäßig bestimmen lassen.

Im

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Im Verlauf ihrer Untersuchungen an einem bereits bekannten, jedoch
noch nicht explorierten unterirdischen Heißwasser-Reservoir in Mexiko
(nache Guadalajara im Bereich des Vulkans La Primavera, einer "jungen"
Formation, die vor 20 000 bis 30 000 Jahren sehr aktiv gewesen sein dürfte)
beobachtete eine Forschergruppe der Universität Berkeley die von den
Stanford-Wissenschaftlern vorhergesagten Effekte. Professor Thomas McEvilly,
der Leiter der Gruppe und Direktor des Departments für Geologie und Geophysik
der Universität von Berkeley, bezeichnet die Übereinstimmung der Ergebnisse
als "einen jener dankbaren Fälle, wo im Labor gewonnene Erkenntnis auf die
Natur übertragen werden können. Wir fanden genau das, was die neue Theorie
besagte.

Noch dazu war die Wellenabschwächung ein viel besserer Indikator

für die Existenz des unterirdischen Dampffeldes als alles andere, mit dem
wir bisher solche Sondierungen durchgeführt haben."
Vergleiche zwischen den Geschwindigkeiten von Verdichtungs- und
Scherungswellen wurden in den letzten Jahren zusammen mit einigen anderen
Indikatoren für Versuche zur Erdbebenvorhersage herangezogen. Wie Prof. Nur
erklärt, sei demgegenüber bei der Prospektion zur Auffindung geothermischer
Vorkommen die Amplitude, nicht aber die Ausbreitungsgeschwindigkeit der
seismischen Wellen ein wichtiger Hinweis auf die Existenz eines unterirdischen Reservoirs. Man sollte sich nicht mehr auf so einfache Indikatoren
Wie heiße Quellen oder Geysire an der Oberfläche beschränken angesichts
der Notwendigkeit, auch die Erdwärme als Energiereserve so umfassend wie nur
irgend möglich zu erschließen. Vielmehr sollte jetzt systematisch unter
Einsatz der seismischen Methode nach unterirdischen Heißwasserfeldern gesucht
werden. In der Umgebung bekannter derartiger Felder seien übrigens schon
seit längerer Zeit bei Erdbeben besondere Effekte beobachtet worden, die
wissenschaftlich schwer zu deuten waren. Aber es handelte sich um ganz vereinzelte Beobachtungen, und Literaturangaben dazu seien äußerst spärlich.
Wenn aber aufgrund der jetzigen Erfahrung das Phänomen in wissenschaftlichen
Kreisen mehr beachtet wird, dürfte sich dies bald grundlegend ändern.

+ + + + +
- 2 -

�I

UUi//cn/choft
und Technik
»

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

33

15. August 1979

ZUCKERROHR ALS ENERGIEROHSTOFF

- (AD) - In der gegenwärtigen Debatte über die künftige Energiepolitik
der Vereinigten Staaten ist der Begriff "Biomasse" kaum mehr als ein
möglicher Programmpunkt für Planungen, zusätzliche Rohstoffe für die
Energieproduktion zu finden. Aber im pazifischen Inselstaat Hawaii ist
die Verwendung von Biomassen bereits eine Realität. Der 16 640 qkm große
Bundesstaat bezieht durchschnittlich 13 Prozent seines elektrischen Stromes
aus Biomassen. Auf zwei der acht größeren Inseln - nämlich auf Hawaii und
Kauai - sind es sogar 50 Prozent.
In den sogenannten Biomassen pflanzlicher und tierischer Herkunft ist
natürliche Energie gespeichert, die in verwendbare Energieformen wie z.B.
elektrischen Strom, Dampf, petrochemische Ersatzprodukte oder verschiedene
flüssige und gasförmige Brennstoffe umgewandelt wird. Zuckerfabriken in
Hawaii haben in den letzten Jahren mit großem Erfolg ein auf der Verarbeitung
solcher Biomassen basierendes Verfahren angewandt, um elektrischen Strom
für die öffentliche Versorgung und daneben noch den gesamten Betriebsstrom
für die Verarbeitungsprozesse zu erzeugen. Die anderen amerikanischen

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel:02221-89 3240
Telex:08-85432

�amerikanischen Bundesstaaten nahmen davon kaum Notiz.

Erst Präsident

Carter machte kürzlich anläßlich eines Besuches in Hawaii auf die dort
bereits gut entwickelte Nutzung alternativer Energiequellen wie Erdwärme,
Sonnenenergie mittels Solarzellen sowie von Biomassen (vorwiegend auf der
Basis der Zuckerrohrverarbeitung für die Produktion von Methyl- und Äthylalkohol)
aufmerksam.

Das Hawaii-Modell sei beispielhaft, so der Präsident, und sollte

in möglichst großem Umfang in den kontinentalen Bundesstaaten der USA Nachahmung finden.
Der Energie-"Rohstoff" für die Stromerzeugung ist Bagasse, der Preßrückstand des Zuckerrohrs. Für die Zuckergewinnung wird Zuckerrohr nach
dem Waschen zwischen großen Walzen zerkleinert, die gleichzeitig den Zuckersaft herauspressen. Die zurückbleibende Bagasse wird zusammen mit restlichem
Blattwerk in der Heizanlage eines Dampfkessels verbrannt. Der so gewonnene
Heißdampf treibt einen Turbogenerator, mit dem Kraftstrom für das öffentliche
Stromnetz erzeugt wird. Der Abdampf dieser Turbine hält drei weitere
(Niederdruck)-Turbinen in Gang, die den Strom für die innerbetriebliche
Versorgung liefern. Sogar die Abwärme dieser Aggregate wird noch genutzt nämlich zum Trocknen des Saftes, aus dem in Trocknerbatterien der Rohzucker
kristallisiert. An diesem Punkt der Produktionskette hat der kondensierte
Dampf seine Energie zum größten Teil abgegeben und wird als Speisewasser zum
Kessel zurückgeleitet.
Dieses wirtschaftliche Verfahren gab der "Hilo Coast Processing
Company" die Möglichkeit, mit der Elektrizitätsgesellschaft von Hawaii
einen 20-Jahres-Vertrag über die kontinuierliche Lieferung von Strom für
das Versorgungsnetz abzuschließen. Er bringt ihr jährlich neben einer
gesicherten Energieversorgung des eigenen Betriebs Einkünfte von schätzungsweise zwei Millionen Dollar sowie die zusätzliche Honorierung von Sonderleistungen ein. Dieses Geschäft erwies sich angesichts der schlechten
Zucker-Weltmarktpreise und der rapide gestiegenen Erdöl kosten als ein
Schlüsselfaktor für das überleben der Zuckerindistrie auf Hawaii.
Die
- 2 -

�Die Wirtschaft sah sich durch den Erfolg ermutigt, gemeinsam mit
bundesstaatlichen Behörden in Hawaii und Fachleuten des US-Energieministeriums
in Washington nach Mitteln und Wegen zu suchen, um auch die bei der Zuckerproduktion anfallende Melasse zu verwerten und daraus Äthylalkohol in großtechnischen Mengen zu gewinnen.

Die Melasse-Rückstände, die noch erhebliche

Mengen von Zucker, dazu Stickstoffverbindungen, Salze und Wasser enthalten,
werden als Futterzusatz, zur Herstellung von Hefe und zum Vergären verwendet.
Äthylalkohol als Benzinzusatz ließe sich durch Fermentation der Melasse nach
dem Zugeben von Hefe und Wasser gewinnen.
1:9 Benzin zugemischt.
GASOHOL.

Das Produkt würde im Verhältnis

Dieser Kraftstoff erhielt in den USA die Bezeichnung

Auf der Hawaii-Insel Maui wird gegenwärtig eine Pilotanlage errichtet,

die jährlich 2,3 Millionen Liter Äthanol aus Melasse erzeugen soll.

Damit

könnte bei Verwendung dieses Alkohols als Benzinzusatz mehr als 20 Prozent
des Kraftstoffbedarfs auf der Insel gedeckt werden.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="8496">
              <text>15.08.1979</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="8497">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="8498">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="14085">
              <text>Amerikadienst 15.08.1979</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="14086">
              <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Vorratslager in Europa dienen der NATO-Verteidigung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Raschere Verstärkung aus den USA möglich -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Korrespondenten Ed Scherr&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reubin Askew: Der neue US-Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ausblicke auf die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Botschafter Malcolm Toon -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Seismische Sonde für Heißdampf in der Erde&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zuckerrohr als Energierohstoff</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
