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I

Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29

20. J u l i 1979

INHALT

DOKUMENTATION
US-Finanzminister zur Lage der amerikanischen Wirtschaft
- Blumenthal vor dem Haushaltsausschuß des Senats WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Blick in fremde Welten
VOYAGER 2 lüftet einige Geheimnisse des Jupiter und seiner Planeten
Blutwäsche bei Polyarthritis

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29

20. Juli 1979

US-FINANZMINISTER ZUR LAGE DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT
- Blumenthal vor dem Haushaitsausschuss des Senats -

WASHINGTON - (AD) - Vor dem Haushaltsausschuß des amerikanischen
Senats hat der amerikanische Finanzminister W. Michael Blumenthal am
13. Juli 1979 ausführlich zur Wirtschaftslage in den Vereinigten Staaten
Stellung genommen. Seine Ausführungen haben folgenden Wortlaut;
Herr Vorsitzender und verehrte Mitglieder dieses Ausschusses:
Ihr Schreiben, das mich zu diesen Anhörungen einlud, forderte mich
auf, zu einem ungewöhnlich umfangreichen Bereich wirtschaftlicher und
wirtschaftspolitischer Fragen Stellung zu nehmen. Ich habe mich bemüht,
die meisten Fragen in meiner vorbereiteten Aussage zu behandeln und werde
den vorbereiteten Text während unserer Erörterungen heute morgen sehr
gerne ergänzen.

Ich

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�t

Ich bin der Meinung, daß die von Ihnen gestellten Fragen unter
den beiden kritischen Problemen, denen sich die Nation gegenüber sieht,
zusammengefaßt werden können: Inflation und Energie. Diese Probleme sind
miteinander verknüpft, und ihre Lösungen sind aufeinander bezogen. Wir
können die Inflation nicht verringern, ohne die Probleme der Energieversorgung zu lösen. Wenn wir das Problem der Inflation nicht lösen,
könnte der erwartete kurzfristige wirtschaftliche Wachstumsrückgang in
eine viel ernstere, tiefere und längere Rezession einmünden. Und wir
können weder das Inflations- noch das Energieproblem lösen, es sei denn,
wir sind zu Opfern bereit - persönlichen, kollektiven und gerechten
Opfern -, die notwendig sind zur Bewältigung unserer wirtschaftlichen
Zukunft.

Inflation
Unser Grundproblem ist die Inflation - eine Inflation, die die
Kaufkraft der amerikanischen Verbraucher dezimiert und die Investitionsbereitschaft sowie unsere Wettbewerbsfähigkeit auf dem Exportsektor
schwächt.
Seit Dezember vorigen Jahres stiegen die Verbraucherpreise im Jahresdurchschnitt um 13,5 Prozent, eine erhebliche Zunahme im Vergleich zu den
9 Prozent des vorigen Jahres, und fast doppelt so hoch wie die Inflationsrate im Jahre 1977.
Zu Anfang dieses Jahres war der Anstieg der Lebensmittelpreise ein
entscheidendes Element in der Inflationsentwicklung, als schlechte Wetterbedingungen und Streiks die Lebensmittelkomponente des VerbraucherpreisIndexes (CPI) um 20 Prozent im Jahresdurchschnitt erhöhte. Aber immer
stärker wird die Inflation durch die steigenden Energiepreise angetrieben.
- ? -

*

»

�angetrieben. Die Lebensmittelversorgungssituation ist günstiger geworden,
und die Wachstumsrate der Lebensmittelpreise im Einzelhandel hat sich
verlangsamt - obwohl die Einzelhandelspreise noch nicht den echten Rückgang der Großhandelspreise widerspiegeln.

Aber während der Anstieg der Lebensmittelpreise schwächer wurde,
stiegen die Energiepreise schneller als die erhöhten Rohölpreise, die
von den OPEC-Staaten im Dezember vorigen Jahres auferlegt wurden, und
zusätzliche Erhöhungen, die von den meisten öl produzierenden Ländern
erhoben wurden, begannen die Preisstruktur zu durchdringen. Dreißig
Prozent des Anstiegs der Verbraucherpreise im Januar und Februar waren
das Ergebnis steigender Lebensmittelpreise und nur 10 Prozent waren
auf steigende Energiekosten zurückzuführen. Im Mai hatten sich die Anteile umgekehrt - etwas über ein Zehntel des Anstiegs im Mai war das
Ergebnis höherer Lebensmittelpreise und ungefähr ein Drittel des gesamten Preisanstiegs war auf die steigenden Energiepreise zurückzuführen. Seit Anfang dieses Jahres stiegen die Einzelhandelspreise für
Energieprodukte um fast 38 Prozent im Jahresdurchschnitt, fast dreimal
schneller als für andere Verbrauchsgüter.

Diese Zahlen geben zudem nur den direkten Anstieg der Preise für
Energieprodukte an - den Anstieg der Preise für Gas, Elektrizität,
Benzin und Heizöl. Wachsende Energiekosten beeinflussen jedoch die Preisgestaltung aller anderen Güter. Sehr intensive Preiserhöhungen wurden
während der vergangenen Monate für eine Reihe von Chemieprodukten, die
aus Erdöl hergestellt werden, registriert, und diese höheren Preise werden
später in den Preisen für weitere Endprodukte zum Tragen kommen; genauso
wie höhere Transportkosten, die durch steigende Energiepreise verursacht
werden.

Es ist wichtig, sich zu vergegenwärtigen, daß die Höhe der Inflation,
die uns dieses Jahr heimsuchte, durch Kräfte verursacht wurde, die keinen
- 3 -

�keinen Bezug zur gegenwartigen binnenwirtschaftlichen Nachfrage haben,
sondern der Ausdruck von Einflüssen ist, die unvorhersehbar waren und
über die wir keine Kontrolle haben. Das Anhalten einer zweistelligen
Inflationsrate - und dies trotz des allmählich und jetzt klar langsameren
Tempos der wirtschaftlichen Aktivitäten - wurde von einigen Beobachtern gedeutet
als ein Maßstab für das Versagen der Bemühungen der Regierung, Preisstabilität über ein freiwilliges Programm zu erreichen, das im wesentlichen auf der Zusammenarbeit von Industrie und Gewerkschaften beruhte.
Ausgehend von dieser Einschätzung wird einerseits vorgeschlagen, das
Programm aufzugeben, andererseits wird verlangt, das freiwillige Programm
durch Zwangsmaßnahmen zu ergänzen.
Solche oberflächlichen und voreiligen Schlußfolgerungen können aber
nicht aufrechterhalten werden, wenn man die Preisstatistiken sorgfältiger
analysiert. Ungefähr 50 Prozent der Zusammensetzung des Verbraucherpreisindexes werden durch drei Kategorien bestimmt. Lebensmittel-, Energieund Wohnungsbaukosten. Diese Kategorien fallen aus verschiedenen Gründen
nicht in den Zuständigkeitsbereich des Lohn- und Preis-Kontroll Programms und sie wären auch nicht kontrollierbar, wenn Zwangskontrollen eingeführt
würden. Die entscheidenderen Preisanstiege wurden jedoch in diesem Jahr
gerade durch diese Kategorien verursacht. Die Preise für Lebensmittel,
Energie und Wohnungsbau zusammengenommen stiegen in diesem Jahr um
20 Prozent im Jahresdurchschnitt, im Vergleich zu 11 Prozent im vorigen
Jahr. Der übrige Anteil des Verbraucherpreisindexes stieg ebenfalls und ging nicht zurück, wie wir gehofft hatten, aber der Anstieg war
recht mäßig, von 6,7 Prozent im letzten Jahr auf 7,0 Prozent während
der ersten fünf Monate des Jahres 1979.
Lohnentwicklung: die Publizität, die verschiedenen größeren Lohnvereinbarungen zuteil wurde und die angeblich die Leitlinien des Kontrollprogramms in unterschiedlichem Ausmaß durchbrachen, führte zu ähnlichen
voreiligen Schlüssen über das Versagen des Kontroll Programms. Aber der

�der verläßlichste Maßstab zur Erfassung der Lohnentwicklung - die BLSSerie über durchschnittliche Stundenlöhne für Industriearbeiter - zeigt
einen Zuwachs für dieses Jahr unter 8 Prozent im Jahresdurchschnitt an,
verglichen mit einem 8,5 prozentigen Anstieg während des Jahres 1978.
Lohnerhöhungen stellen keine Grundursache der zunehmenden Inflation dar.
Trotzdem, die Kosten pro Arbeitseinheit stiegen deutlich an. Diese
offensichtliche Anomalie wird teilweise durch die Ausdehnung zusätzlicher
(Sozial-) Leistungen erklärt, aber - was noch wichtiger ist - sie gibt
die ständige Enttäuschung über und die verwirrende Entwicklung der Produktivität wieder. Die Verlangsamung der Produktivitätszunahme während
des letzten Jahrzehnts ist eine der ernsten Schwächen unseres Wirtschaftslebens; denn dadurch wird eine Steigerung unseres Lebensstandards erschwert, während unsere Fähigkeit reduziert wird, auf den internationalen
Märkten konkurrenzfähig zu bleiben. Während des vorigen Jahres nahm die
Produktivität im privaten Sektor um weniger als 0,5 Prozent zu - verglichen mit einer jährlichen Zuwachsrate von 3,1 Prozent während der
ersten zwei Nachkriegsjahrzehnte - und während des ersten Quartals
dieses Jahres ging die Produktivität erheblich zurück.
Als Ergebnis des Produktivitätsrückgangs und der Zunahme der Sozialleistungen - aufgrund der Erhöhungen der Altersversorgung und der höheren
Mindestlöhne - stiegen die Kosten pro Arbeitseinheit erheblich, während
die Lohnzuwächse sich verringerten. Die Lohnzuwächse waren mäßig, während
die Inflation auf einem hohen Niveau blieb. Dies führte zu einer erheblichen Schwächung der Kaufkraft der Verbraucher. Während der ersten fünf
Monate dieses Jahres gingen die Reallöhne um fast 5,5 Prozent im Jahresdurchschnitt zurück und wären noch mehr zurückgegangen, wenn nicht im
Januar die Mindestlöhne erhöht worden wären. Und wenn man den geringen
Zuwachs der Nominaleinkommen im Juni berücksichtigt, sanken die Reallöhne im Juni wahrscheinlich weiter.
Der
- 5 -

�Der Rückgang der Realeinkommen erklärt zum großen Teil die Flaute
im Einzelhandel in diesem Jahr. Nach Abzug der Inflationsrate ging der
Umsatz im Einzelhandel während der ersten sechs Monate des Jahres um
6 Prozent zurück.
Sicherlich, nach dem ungewöhnlich raschen Ansteigen der Verbraucherausgaben in den letzten Monaten des Jahres 1978 mußte in diesem
Jahr eine gewisse Pause bei den Einkäufen der Verbraucher erwartet werden. Historisch gesehen folgt einer "Kauforgie", wie sie im 4. Quartal
des vorigen Jahres passierte, eine Periode des Maßhaltens durch den Verbraucher. Das Maßhalten hat aber zu lange gedauert, um bloß eine Reaktion
auf das vorhergehende ungezügelte Konsumverhalten zu sein. Der Verbraucher
wird in zunehmendem Maße eingeengt durch fallende Realeinkommen, durch
starke Belastungen in der Schuldentilgung, durch das nur unzureichende
Angebot von Waren, die er kaufen möchte, z.B. kleine, im Benzinverbrauch
sparsame Fahrzeuge, und schließlich in letzter Zeit durch die Notwendigkeit, sparsam mit Benzin umzugehen. Es ist schwierig, normale Kaufgewohnheiten beizubehalten, wenn man eine ungewöhnlich lange Zeit damit verbringen muß, sich für Benzin anzustellen, und wenn man einen ungewöhnlich
großen Teil seines Einkommens ausgeben muß, sobald man die Zapfsäule
erreicht hat. Verringertes Verkehrsaufkommen zu und in den Einkaufszentren
beweist den Einfluß der OPEC auf unsere heimischen Wirtschaftsentwicklungen.
Die Schwäche der Verbraucher-Nachfrage in den letzten Monaten zeigt
sich auch in der industriellen Produktion und Beschäftigung. Zunahmen
in der Beschäftigung waren in den letzten Monaten viel geringer als zu
Anfang des Jahres, und die Beschäftigung in der Industrie ist in den
letzten 3 Monaten - geringfügig - zurückgegangen. Es ist jedoch wert,
festgehalten zu werden, daß in diesem Jahr in jedem Monat, außer einem,
die Arbeitslosigkeit zurückgegangen ist, und die neueste vom BLS (Bureau
of Labor Statistics) vorgelegte Arbeitslosenrate von 5,6 Prozent ist
die niedrigste seit fast 5 Jahren. Nichtsdestoweniger wird die anhaltende

�anhaltende Stagnation in den Einzelhandelsumsätzen zweifellos zu einer
nach unten gerichteten Anpassung der Unternehmensproduktion und Beschäftigung in den kommenden Monaten führen.
Einer der Faktoren, der den wirtschaftlichen Aufschwung so lange
getragen hatte, waren die von den Unternehmen schnell und prompt gemachten Produktionsanpassungen, um übermäßig große Lagerbestände zu
vermeiden. Zu Anfang dieses Jahres beschleunigte sich der Aufbau von
Lagerbeständen in den Unternehmen. Zum Teil geschah dies, um Lagerbestände wieder aufzufüllen, die im Zuge der sprunghaft gestiegenen Verbrauchernachfrage am Ende des Jahres 1978 zusammengeschmolzen waren.
Zum Teil geschah dies aber auch in der Erwartung von Streikausfällen
und in der Erwartung weiterer Inflation. Aber die neuesten Zahlen
zeigen ein gewisses Nachlassen in der Auffüllung der Lagerbestände auf
der Produktionsebene, und Berichte von Einkäufern deuten darauf hin,
daß die Unternehmen bei ihren Einkaufsplänen für Rohmaterialien in
zunehmendem Maße vorsichtiger taktieren. Mit Ausnahme gewisser spezieller Gebiete, wie z.B. große Automobile, ist das Verhältnis zwischen
Lagerbeständen und Umsätzen niedrig, wenn man historische Maßstäbe
anlegt.
Eines der Elemente der Stärke in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation ist deshalb die Tatsache, daß wir nicht mit großen
Überschuß-Lagerbeständen belastet sind, die abrupt abgebaut werden
müßten, wenn sich die Verbrauchernachfrage noch weiter verschlechterte.
Darüber hinaus bleiben die Investitionspläne der Unternehmen und die
Bewilligungen, diese Pläne auszuführen, verhältnismäßig stark. Nach
einem rätselhaft starken Abfall im April verzeichnen die Bestellungen
für nicht-militärische Investitionsgüter wieder eine beachtliche Zuwachsrate.
Schließlich
- 7 -

�Schließlich konnten die amerikanischen Ausfuhren auf einem verhältnismäßig hohen Niveau gehalten werden, in den ersten 5 Monaten dieses
Jahres ungefähr 16 Prozent höher als der Monatsdurchschnitt im vorigen
Jahr. Die ausländische Nachfrage nach unseren Agrarerzeugnissen bleibt
stark, und anhaltende, ansehnliche Steigerungen unserer nicht-landwirtschaftlichen Ausfuhren sind wahrscheinlich.
Die Wirtschaft zeigt also nicht jene charakteristischen Merkmale,
die in der Vergangenheit einem starken oder langen konjunkturellen Abschwung vorausgegangen sind. Eine Flaute -- ein unsicheres sich Fortbewegen am Rande einer leichten Rezession -- dies ist wahrscheinlich
eine zutreffende Kennzeichnung des gegenwärtigen Standes der Wirtschaft,
eine Flaute, die hervorgerufen wurde durch die inflationsbedingte Erosion der Kaufkraft des Verbrauchers und durch die Ungewißheiten über die
Kosten und die Verfügbarkeit von Energie, denen Verbraucher und Unternehmen ausgesetzt sind.
Wir erwarten, daß diese Flaute noch einige Monate anhalten wird,
wenigstens noch so lange, bis ein Nachlassen der Inflationsrate dem
Absinken der Realeinkommen ein Ende setzt. Sobald sich die Kaufkraft
der Verbraucher verbessert, wird sich auch die Nachfrage verbessern.
Da die Unternehmen die Quote der Lagerauffüllung eng an die Verkauf squoten banden, sollte ein Rückgang der Verbraucherkäufe begleitet
sein von etwas Lageraufstockung. Daher darf man vernünftigerweise erwarten, daß der Rückgang an Wirtschaftsbelebung in diesem Jahr mild sein
wird, und gemessen an den konjunkturellen Erfahrungen der Nachkriegszeit, von relativ kurzer Dauer.
Die Wirtschaftstätigkeit dürfte gegen Ende dieses Jahres oder Anfang 1980 wieder ansteigen. Doch die Erholung im nächsten Jahr dürfte
ebenfalls mäßig sein, teils weil die nicht akzeptierbaren hohen Inflationsraten eine Fortsetzung fiskalischer Mäßigung erfordern werden.
Q

Energie

�Energie

Die OPEC-Ölpreisbeschlüsse seit dem Monat Dezember waren ein Hauptfaktor, der die Wirtschaftsbelebung hemmte und die Inflationslast in
den Vereinigten Staaten erhöhte, und der Druck dieser Preisanhebungen
auf Wachstum und Inflation wird in den kommenden Monaten weiter spürbar
sein.

Wir veranschlagen das Wachstum des realen Bruttosozialprodukts
für dieses Jahr auf ein Prozent weniger und ein weiteres Prozent weniger für 1980, bei einer um etwa ein Prozent höheren Inflation in jedem
Jahr, verglichen mit dem, was eingetreten wäre, falls die OPEC an den
im vorigen Dezember verkündeten ölpreisplänen festgehalten hätte.
Als Folge der seit dem Dezember erfolgten Preismaßnahmen werden
bei Jahresende 1980 ca. 800000 Arbeitnehmer zusätzlich, gegenüber früheren Prognosen, arbeitslos sein, so daß die Arbeitslosenquote um etwa
0,8 Prozent ansteigen wird.

Unsere Volkswirtschaft ist natürlich nicht die einzige, die schwierige Anpassungen an eskalierende öl preise und verringerte ölangebote
vornehmen muß. Es wird geschätzt, daß der direkte Effekt aus der 60
prozentigen Anhebung der Weltölpreise seit dem vorigen Dezember zunächst einmal darin bestehen wird, die durchschnittliche Wachstumsrate
der OECD-Länder im Jahre 1979 um 1 Prozent zu senken sowie um 1,75 Prozent im Jahre 1980. Auch wird die durchschnittliche Inflationsrate der
OECD-Länder im Jahre 1979 um 1,5 Prozent höher ausfallen und 1980 um
2,5 Prozent.

Trotz einer höheren Rechnung für ölimporte erwarten wir eine weitere wesentliche Abnahme des gegenwärtigen Defizits in der amerikanischen Handelsbilanz - vielleicht sogar einen kleinen Überschuß im
kommenden Jahr - aufgrund eines Rückgangs der Nicht-Ölimporte in Ver- 9 -

�Verbindung mit dem geringeren Wachstum unserer heimischen Wirtschaft,
aufgrund weiterer starker Exporte, und aufgrund gestiegener Verdienste
aus unseren überseeischen Investitionen. Generell allerdings wird der
gestiegene ölpreis viel an jenem Fortschritt zehren, der zur Verbesserung der Welt-Zahlungsbilanzen erzielt wurde.
Während der OPEC-Überschuß, der im vorigen Jahr nahezu verschwunden war, wieder auf ein Niveau ansteigen wird, wie aus den Jahren
1974-75 erinnerlich, werden die OECD-Länder insgesamt vom Überschuß in
ein Defizit geraten. Die Position der kein öl produzierenden Entwicklungsländer, die als Gruppe bereits in einem Riesendefizit stecken, wird
sich drastisch verschlechtern, womit die Probleme von einigen der ärmsten Länder zunehmen werden.
Diese Probleme wurden auf dem jüngsten Gipfeltreffen in Tokio erkannt und angegangen. Die dort versammelten Führer der Welt beschlossen:
Erstens: es gibt kurzfristig zu Einsparungen keine Alternative.
Falls wir nicht wohldurchdacht unseren Verbrauch von öl reduzieren,
und zwar auf Wegen, die unserer Wirtschaft am wenigsten schaden, dann
wird diese Einsparung erzwungen durch welchen Preisanstieg auch immer,
der erforderlich ist, um die Nachfrage auf das Angebotsniveau herabzusenken.
-- Die am Gipfel beteiligten Staaten verpflichteten sich auf Begrenzung der ölimporte für 1979 und 1980, die nach einer Basis des jeweiligen Landes festgelegt wurden. Die Begrenzung für die Vereinigten
Staaten beträgt 8,5 Millionen Barrel pro Tag für beide Jahre - entsprechend
unseren Importen im Jahre 1977.
Mittelfristig übernahmen die am Gipfeltreffen beteiligten Länder
spezifische Ziele für eine Obergrenze der ölimporte bis 1985, Ziele,
- 10 -

�Ziele, die - unter Annahme vernünftiger Raten des Wirtschaftswachstums
während dieses Zeitraums - ganz gewaltige Anstrengungen notwendig machen
werden, um den Ölverbrauch zu begrenzen und alternative Energiequellen
zu entwickeln.
-- Schließlich setzten die Gipfel teil nehmer größere Initiativen
in Gang, um anderweitige Energiequellen zu nutzen, besonders Kohle.
Die Verwirklichung unserer Gipfelbeschlüsse wird längerfristig schwierige Entscheidungen und harte Entschlüsse erfordern. Die Investitionskosten zur Entwicklung alternativer Energiequellen werden die Verfügbarkeit von Mitteln für andere Zwecke verringern. Sowohl private als
auch Regierungshaushalte werden die Auswirkungen zu spüren bekommen.
Aber letztlich bleibt keine andere Wahl. Wenn wir derartig abhängig von importierter Energie bleiben, werden wir in absehbarer Zeit
sogar einen noch höheren Preis zahlen, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch in Bezug auf unsere Rolle als Weltmacht. Vor einigen
Monaten berichtete ich dem Präsidenten über die Ergebnisse einer einjährigen Studie des Finanzministeriums über die Bedrohung unseres wirtschaftlichen Wohlstandes und unserer nationalen Sicherheit durch unsere
starke Abhängigkeit von importiertem öl. Wir kamen zu dem Ergebnis, daß
diese Bedrohung tatsächlich kurz bevorsteht. Kürzliche Ereignisse haben
dazu beigetragen.

Schlußfolgerung
Beim Überblick über die Aussichten der Wirtschaft hier und im Ausland
und beim Versuch, die Mittel der Politik, die uns zur Wiederherstellung
angemessener Wachstumsraten und verminderter Inflation zur Verfügung stehen,
mit den unterschiedlichen und ernsten Problemen in Einklang zu bringen,
treten einige Leitlinien hervor:
Es
- 11 -

�-- Es hätte in diesem Stadium keinen Sinn, mittels eines übereilten
Programms die Wirtschaft entweder durch weitere Steuersenkungen oder
Sparprogramme oder durch eine Lockerung der straffen Geldpolitik hochzutreiben.
Es gibt keine ausreichenden Beweise, die es rechtfertigen würden,
den "Panikknopf" für die Macro-Wirtschaftspolitik zu drücken. Es würde weder bei uns noch im Ausland - Vertrauen in unsere Bemühungen erwecken,
die Inflation zu überwinden, wenn wir unsere Politik mit jedem Knick in
der Statistik ändern sollten. Die traditionelle antizyklische Wirtschaftspolitik beseitigt nicht die eigentliche Ursache unseres ständigen Abschwungs und der derzeitig zweistelligen Inflation. In der Tat würde
eine expandierende Politik im Augenblick den inflationären Druck verschlimmern und Mittel in Anspruch nehmen, die benötigt werden, um unsere
Produktivitäts- und Energieversorgungsprobleme zu lösen.
Wir müssen auf aggressive Weise eine Politik verfolgen, die die
Einsparung von öl anregt und zunehmend hiesige Energiequellen zugänglich macht, und die vernünftigeren Gebrauch davon macht, um auf diese
Weise unsere Abhängigkeit von ausländischen Energiequellen zu verringern,
deren Kosten und Verfügbarkeit außerhalb unserer Kontrolle liegen.
Wir müssen die Kluft zwischen den Löhnen und den Arbeitskosten pro
Einheit verringern. Das bedeutet eine Politik, die die Produktivität
wiederherstellt, insbesondere durch Ermutigung zu schnellerem Wachstum
und Verjüngung unserer Kapitalanlagen. Das bedeutet auch, den Anstieg
der Kosten für Gehaltszulagen, wie Gesundheitsfürsorge, niedrig zu halten.
-- Wir müssen es vermeiden, in einen Kreis zu geraten, in dem Löhne
und Preise sich jagen, ähnlich wie es für die Periode 1975-77 charakteristisch war, als wir unter einer relativ hohen Inflationsrate litten,

�litten, trotz mangelhafter Auslastung der Arbeits- und Industriekapazität. Die Kosten für den Ausgleich früherer Verluste an realem Einkommen der Arbeiter dürfen nicht der zukünftigen Preisstruktur aufgebürdet werden. Dies wäre ein nutzloser Prozeß, da es die Inflation, die
bereits die Erhaltung unseres Lebensstandards bedroht, nur anheizen würde.
Das Prinzip freiwilliger Erfüllung eines Programms zur Eindämmung der
Preis- und Lohnsteigerungen muß erhalten bleiben.
-- Wir müssen den Wert des Dollar auf den internationalen Märkten
schützen, denn eine Abwertung des Dollar bewirkt eine höhere Inflation
bei uns in den Vereinigten Staaten.
Die Politik der öffentlichen Hand, die im Januar vom Präsidenten
empfohlen worden war, und die in dieser Haushaltsüberprüfung in der
Mitte der Legislaturperiode wieder bestätigt worden ist, steht im Einklang mit diesen Prinzipien. Wir wanken nicht in unserer Entschlossenheit, die Inflation zu bekämpfen.
Genausowenig lassen wir das Nachlassen der Wirtschaftstätigkeit
außer acht.
Wenn zu einer bestimmten Zeit in der Zukunft eine antizyklische
Politik notwendig werden sollte, dann müssen die zur Auswahl stehenden
Maßnahmen höchst sorgfältig geprüft werden. Es gibt wesentliche Einschränkungen unserer Beweglichkeit, wenn wir es mit zyklischen Störungen
zu tun haben.
-- Wir müssen eine Politik vermeiden, die die Stärke des Dollar
auf ausländischen Devisenmärkten gefährdet.
-- Wir müssen eine Politik vermeiden, die den Staatsanteil am erzeugten Sozialprodukt auf Kosten des privaten Sektors erhöht.

Wir

�Wir werden die Maßnahmen der Politik der öffentlichen Hand betonen müssen, die zu unserem Kampf gegen die Inflation beisteuern, in
dem Kosten gesenkt werden und zu größerem Produktivitätswachstum ermutigt wird.
•

Das sind wesentliche und ernste Betrachtungen, wenn man die Angemessenheit der politischen Alternativen abschätzt. Aber es sind keine
Probleme, die einer sofortigen Lösung bedürfen.
Da Inflations- und Rezessionsaussichten eine Funktion von Energieversorgung und Preisen sind, muß die Durchführung eines Programms unbedingt Vorrang haben, das uns auf dem Weg zur Lösung der Energieprobleme weit voranbringt. Der Präsident wird in Kürze die nächsten
Schritte seines Programms bekanntgeben, um unser Ziel zu erreichen.

x x x x x

- 14 -

�3

I

1

Wi//en/chcift
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. Juli 1979

29

BLICK IN FREMDE WELTEN
VOYAGER 2 lüftet einige Geheimnisse des Jupiter und seiner Planeten

- (AD) - Bereits im März dieses Jahres, als die amerikanische
Forschungssonde VOYAGER 1 ihre Nahaufnahmen vom Planeten Jupiter und
dessen vier größten Monden zur Erde funkte, sahen sich die Wissenschaftler
im KontrollZentrum des Jet Propulsion Laboratory von Pasadena (Kalifornien)
einer ganz und gar fremden Welt gegenüber. "Das Gefühl des Neuen hätte
nicht stärker sein können, wenn es sich um Himmelskörper gehandelt hätte,
die nicht zu unserem Sonnensystem gehören", meinte einer der Astronomen.
Eine Fülle neuer Erkenntnisse über das offenbar urtümliche Objekt, das der
riesige Gasball Jupiter darstellt, gewann die Forschung inzwischen aus den
Meßdaten, vor allem aus den insgesamt 18 000 Fotos, die VOYAGER 1 während
einer Beobachtungszeit von drei Monaten übermittelte. Viele Geheimnisse
und Rätsel, die den auf den Fotos zutage tretenden Fakten zugrunde liegen
müssen, sind jedoch noch nicht entschlüsselt.
So erreichte die Spannung im KontrollZentrum beim Rendezvous von
VOYAGER 2 mit Jupiter am 9. Juli 1979 einen neuen Höhepunkt.

Nur vier

Monate nach dem Vorbeiflug der Schwestersonde VOYAGER 1 passierte VOYAGER

Postfach 20 03 00
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Tel: 02221-89 32 40
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�VOYAGER 2 den größten Planeten unseres Sonnensystems in knapp 650 000 km
Entfernung vom zentralen Körper, aber mit teilweise geringerem Abstand als
der Vorgänger von seinen größten Satelliten, den sog. Galilei sehen Monden.
Aufgrund der Entdeckungen, die mit Hilfe von VOYAGER 1 gemacht worden waren,
hatte man in der Zwischenzeit das Arbeitsprogramm für VOYAGER 2 soweit abgeändert, daß nun ganz bestimmte Beobachtungsschwerpunkte verfolgt werden konnten.
Zu diesen zählte beispielsweise der neu entdeckte leuchtende Ring, der
den Jupiter in Äquatorhöhe etwa 60 000 km über der Wolkengrenze, aber.noch
weit innerhalb der Umlaufbahn des planetennächsten Kleinmondes Amalthea
umgibt. Mit den neuesten Beobachtungsdaten hoffen jetzt die Wissenschaftler,
nicht nur die Zusammensetzung des Ringes, sondern auch die Größe fester
Schwebeteilchen bestimmen zu können.

Zu den Schwerpunkten gehörten ferner

die polarlichtähnlichen Erscheinungen, die VOYAGER 1 in drei Schichten,
nämlich in etwa 700, 1400 und 2300 km Höhe über der Wolkenobergrenze in der
nördlichen und südlichen Polarregion sah, sowie die grellen Blitze.

Sie

sind Zeichen starker elektrischer Entladungen, zu denen es offenbar in der
gesamten Jupiteratmosphäre kommt.
Und die dichte, mindestens 16 000 km tiefe, hauptsächlich aus Wasserstoff
bestehende Atmosphäre, unter der Wasserstoff in flüssiger Form und ein
möglicherweise fester Kern hoher spezifischer Dichte vermutet werden, war
und ist noch immer wegen ihrer komplexen Struktur und Dynamik Gegenstand
eingehender Untersuchungen. Ganz besonderes Interesse gilt dem großen
"Roten Fleck", der schon seit gut 300 Jahrenbekannt ist. Insgesamt 125
Tage lang - vom 25. April bis zum 28. August 1979 - sondiert VOYAGER 2 den
Jupiter und seine Satelliten. Zu den bisher übermittelten 15 000 Fotos
dürften bis Ende August noch einige Tausend hinzukommen. Dann werden die
wissenschaftlichen Instrumente abgeschaltet und nur noch von Zeit zu Zeit
überprüft, ume-st in zwei Jahren, bei der Annäherung an den Planeten Saturn,
wieder voll aktiviert zu werden.
Berechnungen

- 2 -

�Berechnungen aufgrund der PIONIER- und VOYAGER-Daten haben ergeben,
daß der Rote Fleck, auch wenn er offensichtlich gewisse Veränderungen
durchmacht, eine beständige Komponente der Atmosphäre sein müsse.

Vielleicht,

so mutmaßt Dr. Bradford A. Smith (Universität Arizona), existiert er in dieser
Form und Ausdehnung - eine riesige Wirbel struktur von 30 000 bis 40 000 km
Länge und 14 000 km Breite mit zahlreichen Begleitturbulenzen - schon seit
mehr als 100 000 Jahren.

Er sei als eine Konvektionsströmung anzusehen,

mit der Wärme aus einer wohl seit langem stabilen Quelle in großer Tiefe
nach oben transportiert werde.

Die in ihrer Intensität veränderliche rote

Farbe könne auf weitgehend lokalisierte chemische Prozesse in der Tiefe
zurückzuführen sein.

Dem Strömungsmechanismus nach scheinen die sog. Weißen Ovale dem
Roten Fleck verwandt zu sein:

Wolkenmassen steigen auf, fallen zurück

und bilden spiralförmige Wirbelfelder.

Aber sie sind wesentlich kleiner

und haben wahrscheinlich weniger tiefe "Wurzeln".

Auf der Südhalbkugel

rotieren sie, wie der Rote Fleck, entgegen dem Uhrzeigersinn, auf der
Nordhalbkugel in umgekehrter Richtung.

Eine ausgedehnte helle Wolkenmasse umrundete in 60 Tagen zehnmal den
Roten Fleck, ohne den Abstand zu dessen Zentrum zu verändern.

Auf Farb-

aufnahmen traten riesige weiße Wolken in Erscheinung, die zunächst im Sog
des Roten Flecks zu stehen schienen, dann aber ihren eigenen Weg um den
Planeten fortsetzten.
eingesprenkelt.

Kleine weiße und rote Ovale sind in die Atmosphäre

Manche gleiten aneinander vorbei, andere tanzen umeinander

herum, manchmal verbinden sie sich auch miteinander - dabei scheinen sie
zunächst ein wenig zu taumeln, dann wird ein helles Wolkenband abgestoßen,
und schließlich

ziehen sie als ein einziges Oval weiter um den Planeten.

Die Unterschiede der atmosphärischen Struktur zwischen den Aufnahmen
von V0YAGER 2 zu jenen der Sonde V0YAGER l seien beträchtlich, berichtet
Dr. Smith, der die Bildauswertung leitet.

- 3 -

Zonenströmungen, die zusammen

�~

zusammen mit den "Gürteln" die mehr als 20 verschiedenfarbigen Bänder der
Jupiteratmosphäre bilden, haben inzwischen einzelne markante Systeme zerstört,
neue Systeme haben sich gebildet.

"Das macht die Langlebigkeit des großen

Roten Flecks und einiger anderer beständiger Merkmale noch rätselhafter",
meint Dr. Smith.

Die Bänder rotieren in unterschiedlichen Geschwindigkeiten

und z.T. auch gegenläufig zueinander um den Planeten.

Zustandsphasen wie in der Frühzeit des Sonnensystems
Das "Jupiter-System", wie der Planet mit seinen (mindestens 13) Monden
inzwischen von vielen Wissenschaftlern genannt wird, bietet der Forschung
Einblick in eine Zustandsphase, wie sie vermutlich zur Zeit der Entstehung
unseres Sonnensystems existiert hat. Der Jupiter besteht aus den gleichen
Elementen wie unsere Sonne, die auch in sehr ähnlichen Anteilen vorhanden
sein dürften. Die äußere Wolkenschicht gibt durch die - auf den Aufnahmen
verstärkt wiedergegeben - Farbtönungen Hinweise auf die Existenz anderer
Elemente und der chemischen Verbindungen in den Wasserstoffmassen. Dabei
handelt es sich neben Helium insbesondere um Ammoniak, Methan, Wasserdampf,
Acetylen, Äthan, Phosphin (eine organische Phosphorverbindung) und mit
schwerem Wasserdampf gebildetes Methan. Ein Teil der Verbindungen entsteht
aus chemischen Reaktionen, zu denen elektrische Entladungen und Ultraviolettstrahlung die Energie liefern. Die auffällige Färbung des Roten Flecks wird
übrigens auf eine hohe Konzentration an Phosphorverbindungen zurückgeführt.
Seltsamerweise ist Schwefel in der Jupiter-Atmosphäre nicht zu finden,
der vom Vulkanmond lo in großen Mengen ausgeworfen und in ionisierter Form noch
Millionen von Kilometern außerhalb, am Rande der l^agnetosphäre des Jupiter,
angetroffen wird.

Die Wissenschaftler vermuten, daß Schwefelionen dennoch

entlang der magnetischen Feldlinien zu den Polgebieten des Jupiter wandern.
Vielleicht verursachen sie zusammen mit Sauerstoffionen vom Monde lo bei
der Kollision mit Atomen der Jupiter-Gashülle die Polarlichter.

Der Schwefel

�Schwefel könnte sich allerdings in tieferen Regionen der Atmosphäre
mit Ammoniak verbinden und Ammoniumhydrosulfid bilden.

Die hohen Wolken-

felder dagegen dürften Cirruswolken aus reinem Ammoniak sein.
Während der zwei Tage, an denen sich VOYAGER 2 dem Jupiter am nächsten
befand und dessen vier Hauptmonde passierte, lieferte die Sonde ein Vielfaches
mehr an Erkenntnissen, als die Forscher zu hoffen wagten. "Wir glaubten,
eine Ahnung von der Natur der Planeten zu haben - zum mindesten vom inneren
Bereich unseres Sonnensystems", sagte der Geologe Dr. Lawrence Soderblom.
"Jetzt sehen wir, wie wenig wir bisher wußten". Schon die Entdeckung von
acht aktiven Vulkanen auf dem Monde Io, der pro Sekunde etwa drei Millionen
Tonnen Schwefel, Sauerstoff und andere Elemente auswirft, war eine große
Sensation. Der Vulkanstaub bildet um den Satelliten eine Wolke, die
ionisiert und in das rotierende Magnetfeld des Jupiter hohl ringförmig eingebaut wird.
Soweit man bisher weiß, entwickelt Io die stärkste vulkanische
Aktivität in unserem Sonnensystem. Geologen nehmen an, daß die Vulkane
aus Reservoiren von geschmolzenem Schwefeldioxid und elementarem Schwefel
gespeist werden. Sie dürften mehrere Schichten auf einer etwa 20 km
dicken Silikatkruste bilden. Die Vulkane lagern auf der Oberfläche
Schwefelsand und Schwefelverbindungen von gelber, orangener, brauner,
weißer und schwarzer Färbung ab.
VOYAGER 1 fotographierte mindestens 100 Caldera, Einbruchkessel
erloschener Vulkane, mit Durchmessern von 200 km und mehr,

VOYAGER 2

erfaßte auf den mehr als 150 Aufnahmen allein vom Monde Io sieben der
aktiven Vulkane.

"Der aktivste gibt z.Zt. Ruhe", berichtet Dr. Smith.

"Aber die übrigen sprudeln Schwefel wie riesige Springbrunnen nach oben".
Der Mond umkreist den Jupiter in einer Entfernung, die nicht ganz dem Abstand
unseres Mondes zur Erde entspricht.
Mit

- 5 -

�Mit den Galileischen Monden beobachteten die Wissenschaftler, wie
Dr. Doderblom es formulierte, "den ältesten, den jüngsten, den dunkelsten,
den hellsten, den rötesten, den weiBesten, den aktivsten, den ruhigsten
und den ebensten" Himmelskörper.

Unter rasch wechselnden Farben und

Formenmustern zogen die Welten, die Jupiter umgeben, an den Fernsehkameras
der Sone vorüber - ein optisches Spiel wie in einem Kaleidoskop.
Den Anfang machte Kallisto, den VOYAGER 2 in 212 283 km Abstand
passierte.

Der Satellit, 1,8 Millionen km vom Jupiter entfernt und

der äußerste der Galileischen Monde, ist mit Milliarden von Kratern übersät hell funkelnde Gebilde auf dunklem Grund.

"Kallisto könnte sich als das

am stärksten zernarbte Objekt im Sonnensystem erweisen", erklärte Dr. Torrence
Johnson vom Jet Propulsion Laboratory.

"Auf seiner Oberfläche scheint sich

seit den Endstadien der Planetenkörperbilding im Sonnensystem kaum mehr
etwas ereignet zu haben."
Jahren.

Das war, so nimmt man an, vor etwa 4,5 Milliarden

Der Satellit besteht hauptsächlich aus Eis. Auf seiner Oberfläche

sind außer den zahllosen Kratern auch die Überreste eines riesigen ringförmigen Beckens, des vielleicht größten bisher bekannten Einschlagkraters,
zu erkennen.
Auf Ganymed, dem größten Jupitermond, sieht man sowohl helles als auch
dunkles Terrain. Die dunklen Flächen sind riesige Becken von wahrscheinlich
sehr hohem Alter. Sie liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zu bräunlich
gefärbten jüngeren Gebieten, die eine starke Zeichnung durch Vertiefungen,
Rillen, Streifen oder Reihen linearer Merkmale aufweisen. Stellenweise
entdeckte VOYAGER 2 jedoch auch ein der Kallisto-Oberflache ähnliches
Terrain - Oberreste uralter ringförmiger Becken.
Bei dem Satelliten Europa schließlich, der mit Io einer der beiden
inneren Galileischen Monde ist, könnte es sich um einen riesigen Eisball
mit einer stark aufgerissenen Oberfläche von Eis handeln. VOYAGER 2
fotografierte den Satelliten aus 205 000 km Entfernung. Zwar seien überall

- 6 -

�überall enorme Risse zu erkennen, doch gebe es keine topographischen
Merkmale wie Erhebungen oder Taleinschnitte, berichtete Dr. Soderblom.
Selbst an der Schattengrenze, wo normalerweise auch geringe Unebenheiten
deutlich erscheinen, sei kein Relief zu entdecken gewesen.

Die Geologen

vermuten, daß Europa eines von Rissen durchsetzten, mindestens 100 km
dicken Eismantel habe.

Dieser könne sogar abgelöst sein - "wie eine

riesige Eischale".

+ + + + +

-7

�1

1
I

Uliz/cn/chofl
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29

20. Juli 1979

BLUTWÄSCHE BEI POLYARTHRITIS

- (AD) - Versuche an zwei amerikanischen Kliniken, Patienten mit
schwerer chronischer Polyarthritis durch eins Art Blutwä'sche Erleichterung
zu verschaffen, zeigen ermutigende Ergebnisse. Allerdings verweisen die
Forscher darauf, daß die Anzahl der so behandelten Patienten noch zu klein
sei für eine generelle Bewertung der Methode. Außerdem sei diese gegenwärtig
nur für die Behandlung von cP-Patienten zu empfehlen, bei denen mit der
Anwendung der üblichen anderen Therapieverfahren keine Besserung zu erzielen
sei .
Über Langzeit-Auswirkungen kann noch nichts ausgesagt werden.

Jedoch

sollte nach Meinung der Ärzte einer Klinik der Medizinischen Forschungsanstalten der USA (National Institute of Health) in Bethesda (Maryland) sowie
der Cedar-Sinai-Klinik in Los Angeles (Kalifornien) der jetzt eingeschlagene
Weg weiterverfolgt werden.

Es handelt sich um ein mit der Hämodialyse

vergleichbares Verfahren, bei dem bestimmte Fraktionen des Blutes, z.B.
das Plasma, die weißen Blutkörperchen und die Thrombozyten, einzeln oder
in bestimmter Kombination entfernt werden und das restliche Blut dem
Patienten über eine Arm- oder Benvene sogleich wieder infundiert wird. Man

Postfach 20 03 0 0 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Man versucht, auf diese Weise das Blut von Komponenten zu reinigen, die
möglicherweise den Entz'ündungsprozeß fördern.
über die Ursachen der chronischen Polyarthritis mit meist sehr
schmerzhaften Entzündungen der kleinen und großen Gelenke und deren fortschreitender Deformierung rätseln die Wissenschaftler nach wie vor.
rechnet sie heute zu den sog. Autoimmunkrankheiten.

Man

Dies sind Erkrankungen,

die durch die Produktion von Antikörpern gegen körpereigene Antigene, etwa
pathologische Stoffwechsel oder Zell Zerfallsprodukte, entstehen.

Möglicherweise

ist es auch nach einer schweren Infektion zu einer Entgleisung des Immunsystems
des Organismus gekommen.

Standardtherapieverfahren, zu denen z.B. Packungen

und Bäder, entzündungshemmende Mittel, Steroidhormone oder Goldpräparate
gehören,können den Verlauf mildern.

Aber das gelingt nicht immer.

An den beiden genannten Kliniken gingen die Ärzte bei der Blutwäsche nach
etwas unterschiedlichen Verfahren vor, kamen jedoch praktisch zu denselben
Ergebnissen:

Der Zustand der Patienten besserte sich auffallend, die

Besserung hielt bisher - d.h. ca. sechs Monate - an.

Jedoch war die Be-

handlung nur dann von Erfolg, wenn gleichzeitig bestimmte Medikamente, z.B.
Goldpräparate, weitergegeben wurden.

Ohne Zusatzmedikation war die Wirkung

der Blutfilterprozedur praktisch Null.
Obgleich das Ausfiltern bestimmter Komponenten aus dem Blut bei einigen
anderen Autoaggressionskrankheiten bereits mit Erfolg angewandt wird, wagte
man das Verfahren bei cP-Patienten deshalb nicht einzusetzen, weil man eine
Überreaktion des Organismus befürchtete - eine Überreaktion in der Form, daß
der Körper die schädlichen Elemente, die aus dem Blut entfernt wurden, dann
in noch größerer Menge produzieren könnte. Wie sich aber inzwischen herausstellte, kam es weder dazu noch zu anderen signifikanten Nebenwirkungen.

+ + + + +

�</text>
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