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                  <text>Information
und
Dokumentation

1

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27

18, J u l i 1979

INHALT

DOKUMENTATION

Präsident Carter:

Wir alle müssen Opfer bringen

- Wortlaut der Rede zur Energiekrise -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebecen

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27

18. Juli 1979

PRÄSIDENT CARTER:

WIR ALLE MÜSSEN OPFER BRINGEN

- Wortlaut der Rede zur Energiekrise -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Präsident Jimmy Carter hat
am 15. Juli in einer mit Spannung erwarteten Rede das amerikanische Volk
aufgefordert, zusammenzustehen und gemeinsam Opfer zu bringen, um die
Energiekrise zu überwinden. Er legte ein Sechs-Punkte-Programm für konkrete
Maßnahmen im Energiebereich vor, um die Rückkehr der USA zur Unabhängigkeit
zu ermöglichen. Gleichzeitig appellierte der Präsident mit Nachdruck an
das amerikanische Volk, die Erosion des Vertrauens in die Zukunft sowie die
Krise des nationalen Selbstvertrauens zu überwinden.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
"Dies ist für mich ein ganz besonderer Abend:

vor genau drei Jahren,

am 15. Juli 1976 nahm ich die Nominierung meiner Partei an, um mich um das
Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu bewerben.

Ich versprach Ihnen

einen Präsidenten, der nicht von seinem Volk isoliert sein würde - der Ihre
Schmerzen fühlt, der Ihre Träume teilt und der seine Stärke und seine
Weisheit von Ihnen bekommt.
Während

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Während der letzten drei Jahre habe ich bei vielen Gelegenheiten zu
Ihnen gesprochen über Themen, die die Nation betreffen:

die Energiekrise,

die Reorganisation der Regierung, unsere Volkswirtschaft,. Kriegsfragen und
vor allem über Frieden.
Aber im Verlauf dieser Jahre schränkten sich die Themen dieser Reden,
Gespräche und. Pressekonferenzen ein, sie konzentrierten sich immer mehr auf
das, was die isolierte Welt in Washington für wichtig hielt.

Allmählich

hörten Sie immer mehr davon, was die Regierung denkt oder was die Regierung
tun sollte - und immer weniger von den Hoffnungen der Nation, von unseren
Träumen und. dem Bild, das wir uns von der Zukunft machen.
Vor zehn Tagen wollte, ich wieder zu Ihnen sprechen über ein sehr
wi-chtnges Thema:

Energie. Zum fünften Mal hätte ich dann die Dringlichkeit

des Problems beschrieben und eine Serie gesetzgeberischer Empfehlungen an
den Kongreß gerichtet. Aber als ich die Rede vorbereitete, begann ich mir
die gleiche Frage zu stellen, von der ich weiß, daß sie auch viele von Ihnen
beunruhigt:

warum waren wir nicht als Nation in der Lage zusammenzukommen,

um unsere schwerwiegenden Energieprobleme zu lösen?

Es ist offenkundig,

daß die wahren Probleme unserer Nation viel tiefer liegen - tiefer als
Benzinschlangen oder Energieknappheit, tiefer sogar als Inflation oder
Rezession.

Und deutlicher denn je erkannte ich, daß ich als Präsident Ihre

Hilfe brauche.
So entschloß ich mich, meine Hand auszustrecken und die Stimmen
Amerikas anzuhören. Ich lud Menschen aus nahezu allen Bereichen unserer
Gesellschaft nach Camp David ein: Wirtschaft und Arbeit; Lehrer und
Pfarrer; Gouverneure, Bürgermeister und Privatpersonen. Dann verließ ich
Camp David,, um andere Amerikaner anzuhören, Männer und Frauen wie Sie.
Es waren zehn außergewöhnliche Tage, und ich möchte mit Ihnen teilen, was
ich gehört habe.
Vor

- 2 -

�Vor allem bekam ich eine Menge persönlicher Ratschläge.

Lassen Sie

mich einige der typischen Kommentare zitieren, die ich mir niedergeschrieben
habe:
Etwa diesen von einem Gouverneur aus dem Süden:

"Herr Präsident, Sie

führen diese Nation nicht, Sie managen nur die Regierung!"
"Sie sehen das Volk nicht mehr genug "
"Einige Mitglieder Ihres Kabinetts scheinen nicht loyal zu sein.

Es

gibt unter Ihren Anhängern nicht genug Disziplin".
"Sprechen Sie nicht über Politik zu uns oder über den Mechanismus
des Regierens, sondern über unser Verständnis vom Gemeinwesen."
"Herr Präsident, wir sind in Schwierigkeiten,

Sprechen Sie zu uns

über Blut, Schweiß und Tränen."
"Wenn Sie führen, Herr Präsident, werden wir folgen."
Viele Leute sprachen über sich selbst - und über die Lage unserer
Nation:
Dies sagte mir eine junge Frau aus Pennsylvanien: "Ich fühle mich so
weit weg von der Regierung. Ich fühle, wie die einfachen Leute von der
politischen Macht ausgeschlossen sind,"
Und dies sagte mir ein junger Americano-Mexikaner: "Einige von uns
haben ihr ganzes Leben lang unter der Rezession gelitten,"
"Einige haben Energie verschwendet, aber andere hatten ja nichts,um es
zu verschwenden."
Und
- 3 -

�Und ein religiöser Führer sagte:

"Keine Knappheit an materiellen

Dingen kann die wichtigen Dinge berühren, wie die Liebe Gottes zu uns und
unsere Liebe zueinander."
Besonders mag ich das Wort einer Schwarzen, die Bürgermeisterin eines
kleinen Ortes in Mississippi ist:
wichtig sind.

Denken Sie daran:

"Die Großen sind nicht die einzigen, die
Sie können nichts in Wall Street verkaufen,

wenn es nicht vorher von jemand anderem irgendwo ausgegraben wird."
Dies faßte irgendwie eine Menge der anderen Aussprüche zusammen:
"Herr Präsident, wir stehen einer moralischen und einer geistigen Krise
gegenüber."
Mehrere unserer Diskussionen behandelten die Energiefrage, und ich habe
ein ganzes Notizbuch voller Kommentare und Ratschläge. Ich will nur ein
paar vorlesen.
•

"Wir können nicht weiterhin 40 Prozent mehr Energie verbrauchen, als
wir produzieren."
"Wenn wir ül einführen, führen wir zugleich Inflation plus Arbeitslosigkeit ein."
"Wir müssen das verwenden, was wir selbst haben. Der Nahe Osten
verfügt nur über 5 Prozent der Weltenergie, aber die Vereinigten Staaten
über 24 Prozent."
Und einer der bildhaftesten Aussprüche:

"Wir strecken den Hals über

den Zaun, und die OPEC hat das Messer in der Hand".

�"Es wird andere Kartelle und andere Mangel lagen geben.

Das amerikanische

Wissen und der amerikanische Mut können jetzt einen Weg einschlagen, den
wir in Zukunft verfolgen."
Auch das war gut:

"Haben Sie Mut, Herr Präsident. Wir machen vielleicht

Fehler, aber wir sind bereit zu einem Experiment."
Und dieser Satz eines Gewerkschaftsführers traf den Kern:
Thema ist die Freiheit."

"Das wirkliche

"Wir müssen mit dem Energieproblem auf Kriegsfuß leben."
Und das letzte Zitat, das ich vorlesen will: "Wenn wir mit dem moralischen
Gegenstück zum Krieg beginnen,Herr Präsident, dann verteilen Sie keine Luftgewehre."
Diese zehn Tage bestärkten mich in meinem Glauben an die Anständigkeit,
die Stärke und die Weisheit des amerikanischen Volkes. Aber sie brachten
auch wieder einige meiner langgehegten Bedenken zum Vorschein und zeigten
die zugrundeliegenden Probleme unserer Nation.
Als Präsident weiß ich natürlich, daß die Regierungstätigkeit und die
Gesetzgebung sehr wichtig sein können. Aus diesem Grund habe ich ja so hart
gearbeitet, um meine Wahlversprechen in Gesetze umzuwandeln, dies- ich muß
es gestehen - mit unterschiedlichem Erfolg. Aber nachdem ich dem amerikanischen Volk zugehört habe, wurde ich wieder daran erinnert, daß keine
Gesetzgebung der Welt zurechtrücken kann, was mit Amerika nicht in Ordnung
ist.
Deshalb möchte ich heute abend zu Ihnen über ein Thema sprechen, das
sogar noch dringlicher ist als Energie oder Inflation.
Ich

- 5 -

�*

Ich möchte zu Ihnen jetzt über eine grundlegende Bedrohung der
amerikanischen Demokratie sprechen.
Ich meine damit nicht unsere politischen oder bürgerlichen Freiheiten.
Sie werden fortdauern.

Und ich beziehe mich nicht auf die auswärtige

Stärke Amerikas - einer Nation, die heute abend in Frieden mit der ganzen
Welt lebt und die eine unvergleichliche wirtschaftliche Stärke und militärische
Macht besitzt.
Die Bedrohung ist auf den ersten Blick fast unsichtbar.
Vertrauenskrise.

Es ist eine

Es ist eine Krise, die mitten in das Herz, die Seele und

den Geist unseres nationalen Willens trifft.

Wir können diese Krise erkennen

am wachsenden Zweifel an der Bedeutung unseres eigenen Lebens und im Verlust
des einheitlichen Sinnes unserer Nation.

Die Erosion unseres Vertrauens in

die Zukunft droht, die soziale und politische Struktur Amerikas zu zerstören.
Das Vertrauen, das wir zu jeder Zeit als Volk gehabt haben, ist nicht
einfach nur irgendein romantischer Traum oder ein Sprichwort in einem
verstaubten Buch, das wir nur am 4. Juli lesen. Es ist die Idee, die unsere
Nation begründete und die unsere Entwicklung als Volk geleitet hat. Vertrauen
in die Zukunft hat alles andere getragen - öffentliche Einrichtungen und
private Unternehmen, unsere eigenen Familien und die Verfassung der Vereinigten
Staaten selbst.
Vertrauen hat unseren Kurs festgelegt und hat als Verbindungsglied
zwischen den Generationen gedient. Wir haben immer an etwas geglaubt,
das man Fortschritt nannte; wir hatten immer den Glauben, daß das Leben
unserer Kinder besser sein würde als unser eigenes. Unser Volk verliert
diesen Glauben, nicht nur in der Regierung selbst, sondern bei der Fähigkeit
des Bürgers,als höchster Lenker und Former unserer Demokratie zu dienen.
Als

�Als Volk kennen wir unsere Vergangenheit und sind stolz darauf.
Fortschritt ist Teil der lebenden Geschichte Amerikas gewesen.

Unser

Wir waren

immer in dem Glauben, daß wir Teil einer großen Bewegung der Menschheit selbst
waren, Demokratie genannt, verwickelt in die Suche nach der Freiheit - und
dieser Glaube hat uns immer in diesem Sinn und Zweck gestärkt. Aber genauso
wie wir unser Vertrauen in die Zukunft verlieren, beginnen wir das Tor zu
unserer Vergangenheit zuzuschlagen.
In einem Volk, das stolz war auf harte Arbeit, feste Familien, enge
Gemeinschaften und Glauben an Gott, streben jetzt zu viele nach Anbetung
von Genußsucht und Verbrauch.

Die menschliche Identität wird nicht mehr

dadurch definiert, was man tut, sondern was man besitzt. Aber wir haben
bemerkt, daß der Besitz von Dingen und der Konsum von Dingen nicht unseren
Wunsch nach Bedeutung befriedigt.

Wir haben gelernt, daß das Anhäufen

materieller Dinge nicht die Leere eines Lebens füllen kann, das kein Vertrauen
und kein Ziel hat.
Die Symptome dieser Krise des amerikanischen Geistes finden wir überall
um uns.
Zum ersten Mal in der Geschichte unseres Landes, glaubt die Mehrheit
unseres Volkes, daß die nächsten fünf Jahre schlechter sein werden als die
vergangenen fünf Jahre.
Zwei Drittel unseres Volkes wählen noch nicht einmal.
Die Produktivität der amerikanischen Arbeiter fällt, und die Bereitschaft der Amerikaner, für die Zukunft zu sparen, ist unter die aller Völker
der westlichen Welt gesunken.
Wie Sie wissen, herrscht eine wachsende Respektlosigkeit gegenüber der
Regierung, den Kirchen, den Schulen, den Nachrichtenmedien und anderen

- 7 -

�anderen Institutionen.
Dies ist keine Botschaft des Glückes oder der Versicherung, aber es
ist die Wahrheit, und es ist eine Warnung.
Diese Änderungen traten nicht über Nacht ein.

Sie sind allmählich

über uns gekommen, während der letzten Generation, in Jahren, die mit Erschütterungen und mit Tragödien gefüllt waren.
Wir waren sicher, daß unser Volk ein Volk der Wahlzettel und nicht der
Waffen war - bis zur Ermordung von John Kennedy, Robert Kennedy und Martin
Luther King Jr.
Man lehrte uns, daß unsere Armeen stets unbesiegbar seien und unsere
Sprache immer gerecht - und doch mußten wir die Qualen von Vietnam erleiden.
Wir respektierten die Präsidentschaft als einen Ehrenplatz - bis zu
den Erschütterungen von Watergate.
Wir erinnern uns daran, als der Satz "Gesund wie ein Dollar" ein
Ausdruck der Verläßlichkeit war - bis zehn Jahre Inflation anfingen,unseren
Dollar und unsere Ersparnisse schrumpfen zu lassen.
Wir glaubten daran, daß die Ressourcen unseres Landes kein Ende nähmen bis wir 1973 unsere wachsende Abhängigkeit von ausländischem öl erkennen
mußten.
Diese Wunden sind noch immer sehr tief.

Sie sind nie geheilt worden.

Auf der Suche nach einem Weg aus dieser Krise hat sich unser Volk an
die Bundesregierung gewandt und fand sie isoliert vom großen Lebensstrom.
Washington D.C. ist eine Insel geworden. Die Kluft zwischen unseren Bürgern

�Bürgern war niemals so weit.
Das amerikanische Volk sucht nach ehrlichen Antworten, nicht nach
leichten Antworten - nach klarer Führung, nicht nach falschen Ansprüchen,
ausweichendem Verhalten und üblicher Politik. Was Sie in Washington und
auch anderswo im Lande zu oft erleben, ist ein Regierungssystem, das unfähig
zum Handeln zu sein scheint. Sie erleben einen Kongreß, der durch hunderte
von gutfinanzierten und mächtigen Sonderinteressen im den Finger gewickelt
und nach allen Richtungen gezerrt wird. Sie erleben, daß jede extreme
Position bis zur letzten Stimme, fast bis zum letzten Atemzug von dieser oder
jener unnachgiebigen Gruppe verteidigt wird. Oft genug erleben Sie, wie
eine ausgewogene und faire Position, die Opfer, ein kleines Opfer von jedem
verlangt, verlassen wird wie ein Waisenkind ohne Unterstützung und ohne
Freunde. Oft erleben Sie Lähmung und Stagnation und ein Sichtreibenlassen.
Sie mögen das nicht,und ich mag es auch nicht.
Was können wir tun?

Vor allem müssen wir der Wahrheit ins Auge blicken,

und erst dann können wir unseren Kurs ändern.

Wir müssen ganz einfach

aneinander glauben, wir müssen an unsere Fähigkeit glauben, uns selbst zu
regieren, und wir müssen an die Zukunft dieser Nation glauben.
Diesen Glauben upd dieses Vertrauen in Amerika zu erneuern, ist jetzt
die wichtigste Aufgabe, der wir gegenüberstehen, es ist die eigentliche
Herausforderung für diese Generation von Amerikanern.
Einer der Besucher in Camp David letzte Woche formulierte es so:
"Wir müssen aufhören zu weinen und anfangen zu schwitzen; aufhören zu
reden und anfangen zu laufen; aufhören zu fluchen und anfangen zu beten.
Die Stärke, die wir brauchen, wird nicht aus dem Weißen Haus kommen,
sondern aus jedem Haus in Amerika."
Wir

- 9 -

�Wir kennen die Stärke Amerikas.
Einheit wiedergewinnen.

Wir sind stark.

Wir können unsere

Wir können unser Vertrauen wiedergewinnen.

Wir

sind die Erben von Generationen, die stärkere und schmerzlichere Bedrohungen
überlebt haben, als die, die uns jetzt herausfordern.

Unsere Väter und Mütter

waren starke Männer und Frauen, die während der großen Wirtschaftskrise äne
neue Gesellschaft formten, die in Weltkriegen kämpften und eine neue Charta
des Friedens für die Welt entwarfen.
Wir selbst sind dieselben Amerikaner, die vor nur zehn Jahren einen
Mann auf den Mond brachten.

Wir sind die Generation, die unsere Gesellschaft

dem Streben nach Menschenrechten und Gleichheit verschrieben hat.

Und wir

sind die Generation, die den Krieg um das Energieproblem gewinnen wird - und
die dabei die Einigkeit und das Vertrauen von Amerika wiederherstellen wird.
Wir befinden uns an einem Wendepunkt unserer Geschichte.
Es gibt zwei Wege, die wir wählen können.
Der eine ist der Weg, vor dem ich heute nacht gewarnt habe - der Weg,
der uns in Zersplitterung und Eigennutz führt. Am Ende dieses Weges liegt
eine falschverstandene Idee der Freiheit - das Recht, einen Vorteil vor
anderen an sich zu reißen. Dieser Weg wäre ein Weg des dauernden Streitens
zwischen engen Sonderinteressen, der in Chaos und Unbeweglichkeit enden würde.
Es ist der sichere Weg in den Untergang.
All die Traditionen unserer Vergangenheit, all die Lehren unseres Erbes,
alle die Versprechen für unsere Zukunft weisen auf einen anderen Weg, den
Weg der gemeinsamen Zielsetzung und der Erneuerung der amerikanischen Werte.
Dieser Weg führt zu echter Freiheit, für unsere Nation und für uns selbst.
Wir können die ersten Schritte auf diesem Weg gehen, indem wir anfangen,
unser Energieproblem zu lösen.

Energie wird die unmittelbare Bewährungsprobe

�Bewährungsprobe für unsere Fähigkeit sein, diese Nation zu einen.

Sie

kann auch das Banner sein, um das wir uns scharen. Auf dem Schlachtfeld
der Energie können wir für unsere Nation ein neues Vertrauen gewinnen, und
wir können unser gemeinsames Schicksal in die Hand nehmen.
In etwas über zwei Jahrzehnten sind wir von einer Position der Energieunabhängigkeit in eine andere Situation geraten, in der fast die Hafte des
verbrauchten Öls aus dem Ausland kommt - zu Preisen, die aus allen Fugen
geraten. Unsere übermäßige Abhängigkeit von den OPEC-Ländern hat von
unserer Wirtschaft und unserem Volk bereits einen hohen Tribut gefordert.
Das ist die direkte Ursache für die langen Schlangen, in denen Millionen von
Ihnen ärgerliche Stunden des Wartens auf Benzin verbrachten. Das ist die
Ursache für verstärkte Inflation und Arbeitslosigkeit, vor denen wir jetzt
stehen. Diese unerträgliche Abhängigkeit von ausländischem öl bedroht unsere
wirtschaftliche Unabhängigkeit und die Sicherheit unseres Landes. Die
Energiekrise ist Wirklichkeit. Sie ist weltweit. Sie ist eine deutliche
und gegenwärtige Gefahr für unser Land. Das sind Tatsachen, und wir müssen uns
ihnen ganz einfach stellen.
Was ich Ihnen jetzt über Energie zu sagen habe, ist einfach und zugleich
lebenswichtig:
Punkt 1: Ich setze heute nacht ein klares Ziel für die Energiepolitik
der Vereinigten Staaten. Von diesem Moment an wird das Land niemals mehr
ausländisches öl verbrauchen als im Jahr 1977 - niemals. Von jetzt an wird
jede zusätzliche Nachfrage nach Energie durch unsere eigene Produktion und
durch eigene Einsparung befriedigt werden. Unserer eine Generation lang
währenden wachsenden Abhängigkeit von ausländischem öl wird ab sofort
Einhalt geboten - und auf dem Weg in die achtziger Jahre wird eine Umkehr
eintreten. Denn heute nacht setze ich das weitere Ziel, unsere Abhängigkeit
von ausländischem öl bis zum Ende der nächsten zehn Jahre um die Hälfte
zu verringern - was eine Einsparung von über 4,5 Millionen Barrel importierten

- 11 -

�importierten Öls pro Tag bedeutet.
Punkt 2: Um sicherzustellen, daß wir diese Ziele erreichen, werde ich
die Vollmacht des Präsidenten einsetzen, um Importquoten festzulegen.

Ich

kündige heute nacht an, daß ich für 1979 und 1980 die Einfuhr jeden zusätzlichen
Tropfens ausländischen Öls in unser Land verbiete, der über diese Ziele
hinausgeht.

Diese Quoten werden eine Einfuhrminderung sicherstellen, die noch

unter den ehrgeizigen Grenzwerten liegen wird, die wir kürzlich auf dem
Tokioter Gipfel festlegten.
Punkt 3:

Um uns Sicherheit im Energiebereich zu geben, fordere ich

den massivsten Einsatz von Mitteln und Ressourcen der Geschichte unseres
Landes in Friedenszeiten, um Amerikas eigene alternative Energiequellen zu
entwickeln - aus Kohle, Ölschiefer, pflanzlichen Produkten für Gasohol,
aus nicht herkömmlichem Gas, von der Sonne.

Ich schlage die Schaffung

einer Energiesicherungsgesellschaft vor, um die Anstrengung zu leiten, im
Jahr 1990 2,5 Millionen Barrel importierten Öls pro Tag zu ersetzen.

Die

Gesellschaft wird bis zu 5 Milliarden Dollar an Energieobligationen auflegen,
und ich möchte sie vor allem in kleiner Stückelung aufgelegt wissen, damit
auch der Durchschnittsamerikaner direkt in Amerikas Energiesicherheit
investieren kann.
So wie uns damals eine ähnliche Gesellschaft für synthetischen Gummi
dabei half, den Zweiten Weltkrieg zu gewinnen, werden wir auch die
amerikanische Entschlossenheit und Fähigkeit mobilisieren, den Energiekrieg
zu gewinnen. Darüber hinaus werde ich dem Kongreß Gesetzesentwürfe zur
Gründung der ersten Sonnenbank dieses Landes vorlegen - was uns dabei helfen
wird, das entscheidende Ziel zu erreichen, bis zum Jahr 2000 rund 20 Prozent
unserer Energie aus Sonnenenergie zu gewinnen. Diese Anstrengungen werden
Geld kosten, eine Menge Geld, und deshalb muß der Kongreß nunmehr ohne
Verzögerung die Sondersteuer für ungerechtfertigte Gewinne (windfall profits)
verabschieden. Es wird sinnvoll ausgegebenes Geld sein. Im Gegensatz _zu_

�zu den Milliarden von Dollar, die wir ins Ausland schicken, um für das
ausländische öl zu bezahlen, werden diese Mittel von Amerikanern für
Amerikaner aufgewandt.

Diese Mittel werden die Inflation und die Arbeits-

losigkeit bekämpfen und nicht verschärfen.
Punkt 4: Ich ersuche den Kongreß, zu verfügen - gesetzlich zu fordern daß unsere öffentlichen Versorgungsbetriebe ihren umfangreichen Ölverbrauch
innerhalb der nächsten zehn Jahre um 50 Prozent senken und auf andere Brennstoffe übergehen, vor allem Kohle, unsere reichlichste Energiequelle.
Punkt 5:

Um absolut sicherzustellen, daß der Erreichung dieser Ziele

nichts im Wege steht, werde ich dem Kongreß gegenüber darauf drängen, eine
Energiemobilisierungsbehörde zu schaffen, die genauso wie die Kriegsproduktionsbehörde im Zweiten Weltkrieg die Verantwortung und die Befugnis haben wird,
die Verzögerungen und endlosen Hindernisse der Bürokratie zu umgehen, um die
wichtigsten Energieprojekte zu vollenden.
Wir werden unsere Umwelt schützen, aber wenn dieses Land dringend eine
Raffinerie oder eine Erdölleitung braucht, dann werden wir sie bauen.
Punkt 6: Ich schlage ein mutiges Einsparungsprogramm vor, um jeden
Einzelstaat, jeden Landkreis und jede Stadt - ja jeden Durchschnittsamerikaner - in unsere Energieschlacht einzubeziehen. Diese Anstrengung
wird es Ihnen ermöglichen, Einsparungsmaßnahmen in Ihrem Haus und in Ihrem
Leben zu ergreifen, zu Kosten, die Sie aufbringen können. Ich ersuche den
Kongreß, mir die Vollmacht für Einsparungsvorschriften zu geben - und eine
vorsorgliche Vollmacht für die Rationierung von Benzin. Zur weiteren
Energieeinsparung schlage ich heute zusätzliche 10 Milliarden Dollar vor,
auf die nächsten zehn Jahre verteilt, um unser öffentliches Transportsystem zu verbessern. Und ich ersuche Sie - zu Ihrem eigenen Nutzen und
zur Sicherheit Ihres Landes - keine unnötigen Autofahrten zu unternehmen,
Autos gemeinsam zu benutzen oder öffentliche Verkehrsmittel, wann immer Sie

- 13 -

�Sie können, Ihr Auto einen zusätzlichen Tag pro Woche zu Hause zu lassen,
die Geschwindigkeitsbeschränkungen zu beachten und Ihre Thermostaten so einzustellen, daß Sie Brennstoff sparen.

Jede solche Handlung zur Energieeinsparung

ist mehr als nur ein Zeichen des gesunden Menschenverstandes, es ist, das
sage ich Ihnen, eine patriotische Tat.

Unsere Nation muß fair gegenüber den

ärmsten unter uns sein - deshalb werden wir die Sozialhilfe für bedürftige
Amerikaner erhöhen, damit sie mit den steigenden Energiepreisen fertig werden
können.
Oft denken wir an Einsparung nur im Sinn von Opfer.

Tatsächlich ist es

der schmerzloseste und direkteste Weg, um die Stärke unseres Landes wiederherzustellen.
Jede Gallone öl, die jeder von uns einspart, ist eine neue Art der
Produktion - es gibt uns mehr Freiheit, mehr Vertrauen, und so viel mehr
Herrschaft über unser eigenes Leben.
So kann die Lösung unserer Energiekrise uns dabei helfen, die geistige
Krise in unserem Land zu meistern. Sie kann unser Einheitsgefühl neu beleben,
unser Vertrauen in die Zukunft und kann unserer Nation und jedem von uns
als Einzelmensch einen neuen Sinn des Lebens geben.
Sie wissen, daß wir es vollbringen können. Wir besitzen die natürlichen
Ressourcen, wir besitzen mehr öl allein in unserem Ölschiefer als einige
Saudiarabien, wir haben mehr Kohle als jedes andere Land der Welt. Wir haben
den höchsten Stand der Technologie in der ganzen Welt. Wir haben die besten
Facharbeiter mit schöpferischer Kraft zur Neuerung, und ich glaube fest daran,
daß wir den nationalen Willen haben, diesen Krieg zu gewinnen.
Ich verspreche Ihnen nicht, daß dieser Kampf um Freiheit leicht sein
wird.

- 14 -

�Was ich Ihnen verspreche, ist, daß ich unseren Kampf führen werde.
Und ich werde in unserem Kampf die Fairness zum Tragen bringen.

Und ich

werde Ehrlichkeit garantieren - und vor allem,ich werde handeln.
Wir können und werden mit kurzfristigen Mangel lagen wirkungsvoller
fertig werden. Aber es gibt keine kurzfristigen Lösungen für unsere langfristigen Probleme.

Es gibt einfach keinen Weg, der um Opfer herumführt.

In 12 Stunden werde ich in Kansas City wieder sprechen, um die weiteren
Energieziele zu umreißen und zu erklären.
So wie die Suche nach Lösungen für unsere Energieknappheit uns ein neues
Bewußtsein der tieferen Probleme unserer Nation vermittelt hat, so kann unsere
Bereitschaft, für diese Lösungen der Energiekrise zu arbeiten, uns stärken für
den Angriff auf jene tieferliegenden Probleme. Ich werde weiter in diesem
Land herumreisen, um das amerikanische Volk anzuhören. Sie können mir dabei
helfen, einen nationalen Aufgabenkatalog für die achtziger Jahre aufzustellen.
Ich werde zuhören. Und ich werde handeln. Wir werden zusammen handeln.
Das waren die Versprechen, die ich vor drei Jahren abgegeben habe, und
ich habe die Absicht,sie zu halten.
Schritt für Schritt können und müssen wir unser Vertrauen erneuern.
Wir können Geld ausgeben, bis unsere Schatzkammern leer sind, und wir können
alle Wunder der Wissenschaft herbeirufen - aber wir können nur erfolgreich
sein, wenn wir unseren größten Schatz erschließen: das Volk Amerikas, die Werte
Amerikas und das Vertrauen Amerikas.
Ich sehe die Stärke Amerikas in den unerschöpflichen Quellen unseres
Volkes.
Lassen

- 15 -

�Lassen Sie uns diese Stärke in den kommenden Tagen erneuern im Kampf
um ein Land mit gesicherter Energie.
Lassen Sie mich dies zum Schluß sagen:
ich werde es nicht allein tun.

Ich werde mein Bestes tun, aber

Verschaffen sie Ihrer Stimme Gehör.

Sagen

Sie etwas Gutes über unser Land, wann immer Sie dazu Gelegenheit haben.

Mit

Gottes Hilfe und zum Wohl unserer Nation ist es Zeit für uns in Amerika, uns
die Hände zu reichen.
Verpflichten wir uns gemeinsam zu einer Wiedergeburt des amerikanischen
Geistes.

Wenn wir in unserem gemeinsamen Glauben zusammenarbeiten,

wir nicht scheitern.

+ + + + +

•

- 16 -

können

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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter: Wir alle müssen Opfer bringen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Rede zur Energiekrise -&lt;/em&gt;</text>
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