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                  <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26

18. Juli 1979

INHALT

DOKUMENTATION

US-Chefdelegierter zum amerikanisch-sowjetischen übereinkommen über
Strahlenwaffen

WIRTSCHAFT
Blumenthal erläutert Bedeutung der Ergebnisse von Tokio
- Erklärung vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses

Um Übef/endung von
ßelcgcKcmplaren wird
gebeten

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. Juli 1979

26

US-CHEFDELEGIERTER ZUM AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN
ÜBEREINKOMMEN ÜBER STRAHLENWAFFEN

GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben
sich nach zweijährigen Verhandlungen auf ein Abkommen über das Verbot von
radiologischen oder Strahlenwaffen geeinigt. Hauptpunkt des gemeinsamen
Vorschlags, welcher der aus Delegierten von 40 Staaten bestehenden Abrüstungskonferenz in Genf vorgelegt wurde, ist das Verbot der Entwicklung,
der Produktion, der Lagerung und des Erwerbs von radiologischen Waffen. Das
Abkommen, das die Verwendung radioaktiven Materials zu friedlichen Zwecken
ausdrücklich von dem Verbot ausnimmt, steht allen Staaten zum Beitritt
offen. Der amerikanische Chefdelegierte, Botschafter Adrian S. Fisher,
ging am 10.Juli 1979 in einer Rede auf Entstehung und Inhalt des Abkommens
ein:
Heute legt die amerikanische Delegation einen Antrag über die wesentlichen
Bestandteile eines Vertrages über das Verbot von Strahlenwaffen vor. Ein
gleichartiger Antrag wird von der Delegation der Sowjetunion unterbreitet.
Wir übermitteln diese gemeinsame Initiative zur Begutachtung an alle
Delegationen - in der Hoffnung auf einen raschen Abschluß eines multilateralen

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Telex:08-85432

�r

multilateralen Vertrages.
Indem wir dies tun, erfüllen wir die Verpflichtung des gemeinsamen
amerikanisch-sowjetischen Kommuniques vom 18. Juni dieses Jahres, in dem
es heißt:

"Präsident Carter und Präsident Breschnew freuten sich, bestätigen

zu können, daß eine bilaterale Übereinstimmung bezüglich der wesentlichen
Elemente eines Vertrages zum Verbot der Entwicklung, der Herstellung, der
Lagerung und des Einsatzes von radiologischen Waffen erreicht wurde.

Ein

abgesprochener gemeinsamer Vorschlag wird dem Abrüstungsausschuß noch in
diesem Jahr vorgelegt werden."
Strahlenwaffen (oder Waffen aus radioaktivem Material, wie sie ebenfalls genannt werden) wurden schon seit langem als mögliche Massenvernichtungswaffen angesehen.

Im Jahre 1948 kennzeichnete eine UN-Kommission Waffen zur

Massenvernichtung folgendermaßen:

"...explosive Atomwaffen, Waffen aus

radioaktivem Material, tödliche chemische und biologische Waffen sowie alle
in Zukunft entwickelte Waffen, die Eigenarten aufweisen, die in ihrer
vernichtenden Wirkung mit jenen der Atombombe oder anderen der oben erwähnten
Waffen vergleichbar sind."
Explosive Nuklearwaffen waren Gegenstand einer Reihe von internationalen
Vereinbarungen zur Rüstungskontrolle und zukünftige Verhandlungen über eine
Kontrolle solcher Waffen sind im Gange. Biologische Waffen wurden durch einen
multilateralen Vertrag verboten, der vor etwa fünf Jahren in Kraft trat.
Eine Konvention, die den Gebrauch chemischer Waffen untersagte, wurde im
Jahr 1925 unterzeichnet, während die Anstrengungen für ein umfassendes Verbot
chemischer Waffen noch weitergehen.
Die verbleibende Kategorie der UN-Definition von 1948 waren Waffen
aus radioaktivem Material.

Zu jener Zeit waren die vorhandenen Mengen an

hochradioaktivem Material noch gering und geographisch auf einige wenige
Anlagen begrenzt.

Trotzdem wurde anerkannt, daß dieses Material, als Waffe

- 2 -

�Waffe benützt, eine Massenvernichtung menschlichen Lebens verursachen konnte.
Wie wir alle wissen, hat die Anhäufung von radioaktivem Material in den
darauffolgenden Jahren immer rascher zugenommen, und solches Material kann
nunmehr in vielen Anlagen in der ganzen Welt gefunden werden.
Überlegungen zu diesem Thema brachten meine Regierung im Jahre 1976
dazu, der Vollversammlung der Vereinten Nationen vorzuschlagen, daß angesichts der fortdauernden Verbreitung radioaktiven Materials die Suche nach
einem internationalen Abkommen über Strahlenwaffen von Vorteil wäre.
Zu den Maßnahmen, die ein solcher Vertrag verbieten sollte, würden
zum Beispiel gehören: die Verwendung radioaktiven Materials von ausgebrannten
Brennstäben eines Reaktors, um ein Gebiet unzugänglich zu machen oder um
in einem bewohnten Gebiet die Bevölkerung zu töten, zu verletzen oder ihre
Evakuierung zu erzwingen. Er soll auch die Entwicklung, Produktion und
Lagerung von Vorrichtungen verbieten, die speziell für solche Zwecke
entwickelt werden könnten.
Im Jahre 1977 begannen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
bilaterale Gespräche über dieses Problem. Als Ergebnis kamen beide Seiten
gegen Ende des Jahres 1977 überein, eine gemeinsame Initiative anzustreben,
die dieser Konferenz vorgelegt werden sollte, was schließlich zur Erarbeitung
eines umfassenden Abkommens über das Verbot von Strahlenwaffen führte. Die
Vollversammlung der Vereinten Nationen demonstrierte kürzlich ihren Wunsch
nach Schritten, jeden möglichen Einsatz dieser Massenvernichtungswaffen
zu verhindern. Die Abrüstungskonferenz brachte ebenfalls ihre Bedenken
über die potentielle Bedrohung durch Strahlenwaffen dadurch zum Ausdruck,
daß sie dieses Thema auf die Tagesordnung und das Arbeitsprogramm ihrer
Sitzung im Jahr 1979 setzte. Wir sind der Ansicht, daß der vereinbarte
gemeinsame Vorschlag, den wir heute unterbreiten, eine angemessene Grundlage für die Abrüstungskonferenz ist, um zu einem abschließenden Vertragstext zu gelangen.
In
- 3 -

�•

In bezug auf den Text des gemeinsamen Vorschlags sollte erwähnt werden,
daß die Formulierung der Beschränkungen bei der Verwendung von radioaktivem
Material eine große Aufgabe für die bilateralen Verhandlungen war, speziell
im Hinblick auf die Definition.

Der Grund dafür sind die vielfältigen anderen

Verwendungsmöglichkeiten für dieses Material, bei denen die Strahlung, die
beim Zerfall solchen Materials entsteht, in keinster Weise Zerstörung,
Schäden oder Verletzung mit sich bringt.

Der vereinbarte gemeinsame Vorschlag,

den wir unterbreiten, enthält die Verpflichtung, keine Strahlenwaffen zu
entwickeln, zu produzieren, zu lagern, anderweitig zu erwerben oder zu
besitzen.

In diesem Zusammenhang möchten die Vereinigten Staaten ihrerseits

klarstellen, daß keine einzige der von den Staaten im vorgesehenen Vertrag
eingegangenen Verpflichtungen so interpretiert werden wird, daß sie den
Gebrauch von radioaktivem Material oder irgendwelchen anderen Strahlenquellen
zum Zweck einer jeden anderen Verwendung unterbinden könnte, ausgenommen
solche Verwendungsmöglichkeiten, die nicht zu nutzen die Vertragsparteien
sich gemäß den Bestimmungen des Vertrags verpflichtet haben.
Alle explosiven Nuklearwaffen, die neben weiteren zerstörerischen
Wirkungen auch Strahlung produzieren, stellen neben den Strahlenwaffen eine
gesonderte Kategorie von Massenvernichtungswaffen dar und werden deshalb
von der gemeinsamen Initiative nicht abgedeckt. Fortschritte in den
Bemühungen,solche Waffen durch angemessene Rüstungskontrollmaßnahmen in
den Griff zu bekommen, sind ein vorrangiges Ziel der amerikanischen Regierung.
Wir unternehmen jede Anstrengung, um diesem Ziel näherzukommen.
Zusammenfassend möchte ich nunmehr zu einigen spezifischen Aspekten
der vorgeschlagenen Themenbereiche selbst kommen.
Die Absätze I und III enthalten die grundlegenden Verpflichtungen des
vorgeschlagenen Vertrages. Absatz I verpflichtet die Vertragsparteien,
keine Strahlenwaffen zu entwickeln, zu produzieren, zu lagern, auf andere
Weise zu erwerben, zu besitzen oder zu verwenden.

Absatz III beinhaltet

�beinhaltet ein breitangelegtes Verbot der absichtlichen Verbreitung von nicht
als radiologische Waffe definiertem radioaktiven Material zum Zweck der
Verursachung von Zerstörung, Schaden oder Verletzung.
Die Definition einer Strahlenwaffe gibt Absatz II, nämlich:

(1) Jede

speziell zu einer solchen Verwendung von radioaktivem Material entworfene
Vorrichtung, die durch die Verteilung dieses Materials und der mit dem
Zerfall dieses Materials verbundenen Strahlung Zerstörung, Schaden oder
Verletzung verursacht, oder (2) jede Art von radioaktivem Material, das
speziell für eine solche Verwendung entwickelt wurde.

Wie ich bereits

erwähnte, fallen nukleare Sprengsätze nicht unter diese Definition.
Absatz IV verpflichtet die Vertragsparteien dazu, andere Staaten,
Staatengruppen oder Einzelpersonen nicht zu Tätigkeiten zu ermutigen oder
zu überreden,die durch Absatz I und III verboten sind.
Absatz V macht deutlich, daß der Vertrag keine Anwendung findet auf
die Vielzahl von Verwendungsmöglichkeiten für Strahlung aus radioaktivem
Zerfall zu friedlichen Zwecken und daß er auch der internationalen Zusammenarbeit auf diesem Gebiet nicht im Wege steht.
Absatz VI fordert die Vertragsparteien dazu auf, Maßnahmen zu ergreifen,
um den Verlust oder die Weiterleitung von radioaktivem Material zu verhindern,
das für Strahlenwaffen verwendet werden könnte.
Eine wesentliche und altbekannte Forderung jeder wirkungsvollen
Rüstungskontroll- oder Abrüstungsmaßnahme besteht darin, daß sie Maßnahmen
zur Verifizierbarkeit enthält, die der besonderen Natur der zu kontrollierenden
Waffen angemessen sind, um das notwendige Vertrauen zu schaffen, daß der
Vertrag von allen Vertragsparteien eingehalten wird. Die Vereinigten
Staaten sind befriedigt darüber, daß die in diese gemeinsame Initiative
eingearbeiteten Verifizierungsvorkehrungen diese Forderung erfüllen.
Absatz

�Absatz VIII enthält Verfahren zur Lösung von Problemen, die sich aus
der Frage nach der Gewährleistung der Vertragserfüllung ergeben können.
Er enthält die grundlegenden Verfahren zur Konsultation und Kooperation zum
Zweck der Lösung solcher Probleme.
Experten vor.

Er sieht einen Beratenden Ausschuß von

Auch klärt er die Verfahrensweisen, um Klagen beim Sicher-

heitsrat der Vereinten Nationen vorzubringen.
i,

Die restlichen Absätze behandeln Themenkreise wie Änderungsanträge,
Dauer, Inkrafttreten u.s.w.
Die Vereinigten Staaten sind sich darüber im klaren, daß viele,
wenn nicht alle Länder den Wunsch haben, den Vertragstext ihren Hauptstädten
zu übermitteln und daß die Diskussionen in dieser Woche notwendigerweise
vorläufiger Natur sein werden.

Wir hoffen jedoch, daß die Regierungen in

der Lage sein werden, rasch auf diesen Vorschlag zu reagieren, um die
Konferenz in die Lage zu versetzen, ihre Arbeit rechtzeitig für den ersten
Ausschuß der 34. Vollversammlung zu beenden.

+ + + + +

.

•

- 6

�Will m

•1
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26

18. Juli 1979

BLUMENTHAL ERLÄUTERT BEDEUTUNG DER ERGEBNISSE VON TOKIO
Erklärung
vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister W. Michael
Blumenthal hat am 11. Juli 1979 vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuß
des Kongresses die Ergebnisse des Weltwirtschaftstreffens von Tokio
erläutert, wobei er besonders auf den Sinn und die weiterreichende Bedeutung
dieser Konferenz einging. Gleichzeitig unterstrich der amerikanische
Finanzminister, daß es nicht leicht sein werde, die in der japanischen
Hauptstadt eingegangenen Verpflichtungen zu verwirklichen und daß schwierige
Zeiten zu bestehen seien.
Die Ausführungen Blumenthals vor dem Ausschuß haben folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, Sie haben mich um einen Bericht über das Gipfeltreffen von Tokio ersucht.
Über dieses Gipfeltreffen ist in der Presse umfassend berichtet worden.
Ich bin sicher, daß Sie und Ihre Kollegen sowie Ihre Mitarbeiter diese
Berichte und das von den Teilnehmerländern veröffentlichte Kommunique

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�Kommunique analysiert haben. Wenn Sie gestatten, würde ich meine Bemerkungen
gerne nicht so sehr auf die spezifischen Einzelheiten der Gipfelkonferenz
konzentrieren, sondern mehr auf Sinn und weiterreichende Bedeutung dieses
Treffens, was ich als wesentlich ansehe.

Ich bin dann im Anschluß gerne

bereit, spezielle Fragen zu beantworten, die Sie geklärt sehen möchten.
Das Treffen von Tokio war sozusagen eine Wasserscheide in der Geschichte
der Gipfeltreffen.

Bei den vorausgegangenen Gipfelkonferenzen lag der

Schwerpunkt auf den Überlegungen bezüglich der Nachfrageregulierung, insbesondere der Notwendigkeit für eine größere Koordinierung der Politik
auf dem Felde der Nachfrageregulierung.

Das Ziel war die Reduzierung der

Spannungen innerhalb der wirtschaftlichen und monetären Systeme, indem man
übereinkam, eine Politik zu verfolgen, die die divergierenden Wachstums- und
Inflationsmuster in den einzelnen Ländern korrigierte.

Ja, obwohl jede

dieser Gipfelkonferenzen eine wertvolle Rolle bei der Förderung der makrowirtschaftlichen Koordinierung spielte und sich mit Fragen der Förderung
der globalen Energieproduktion durch Weltbankanleihen an die Entwicklungsländer befaßte, ist es doch nur fair zu sagen, daß die Treffen, die Tokio
vorausgingen, nicht direkt die Wurzeln und die Ursachen der Energie- und
Strukturkrisen der Welt anpackten.
In Ramboullet im Jahre 1975 ging es in erster Linie um eine Stimulierung
des Aufschwungs aus der weltweiten Rezession der Jahre 1973-74 durch eine
koordinierte Nachfragepolitik sowie durch internationale Währungsabmachungen.
In Puerto Rico im Jahre 1976 konzentrierten sich die Erörterungen auf
die Bewältigung des Überganges von der Wiedererholung zur Expansion, wiederum
durch traditionelle Techniken der Nachfrageregulierung.
In London im Jahre 1977 bemühten sich die Teilnehmer der Gipfelkonferenz
um eine Fortdauer der Expansion durch koordinierte Anstrengungen, wobei
Länder mit einem Zahlungsbilanzüberschuß zu einem schnelleren und Defizit•

�Defizitländer zu einem langsameren Wachstum angehalten wurden.

Die Gipfelkonferenz von Bonn im vorigen Jahr setzte die Erörterungen
über einen koordinierten Wachstumshintergrund fort, und, Herr Vorsitzender,
ich bin sicher, Sie werden Sich erinnern, daß gerade auf diesem Gipfeltreffen Verpflichtungen zur Verwirklichung kurzfristiger Politiken eingegangen
wurden, um spezifische Wachstumsraten zu erreichen.

So erreichte also die

Schwungkraft der drei vorausgegangenen Gipfelkonferenzen einerseits ihren
Höhepunkt der Verfeinerung in Bonn.

Spezifische Mittel und Wege zur Erreichung

einer koordinierten Nachfrageregulierung wurden genau ausgearbeitet und dann
erfolgreich weiterverfolgt.

Im Anschluß an Bonn entwickelte sich das Wachstum

in den Gipfelländern weniger divergierend, und die Zahlungsungleichgewichte
wurden entsprechend eingeengt.

Dafür sollten wir dankbar sein;

die in Bonn

eingegangenen Verpflichtungen, an die sich insbesondere Japan, die Bundesrepublik Deutschland und die Vereinigten Staaten hielten, waren entscheidend
wichtige Faktoren beim Abbau ernsthafter Spannungen in den weltweiten
Zahlungs- und Finanzsystemen.

Aber die Bedeutung von Bonn geht weit über diesen Erfolg hinaus. Auf
der Bonner Gipfelkonferenz wurde die Erkenntnis der begrenzten Nützlichkeit
einer Nachfrageregulierung deutlich, wenn es darum geht, nicht nur die
Syrrptoma, sondern auch die Ursachen eines unnatürlichen potentiellen Wachstums
sowie die Inflation, die Zahlungsungleichgewichte und die Währungsinstabilität
anzupacken, die Industrieländer wie Entwicklungsländer so plagen.

In dem Bonner Kommunique kommt die Erkenntnis zum Ausdruck, daß es
sich um langfristige Probleme handelt, die durch anhaltende Anstrengungen
gelöst werden müssen.

"Die Bereitschaft, den Strukturwandel zu akzeptieren

und zu erleichtern, muß auf Dauer vorhanden sein.

Strukturkonservierende

Maßnahmen führen zur Verfestigung wirtschaftlicher Ineffizienz, bürden den
Handelspartnern die Last des Strukturwandels auf und verhindern die Integration
der

Entwicklungsländer in die Weltwirtschaft."
In

- 3 -

�In Tokio hat sich dann diese Erkenntnis noch klarer herauskristallisiert.
In Tokio sind wir zu der gemeinsamen Erkenntnis gelangt, daß die Nachfrageregulierung als Kur für unsere gemeinsame wirtschaftliche Malaise nicht
ausreicht.

Der Nachdruck in Tokio lag auf der Notwendigkeit struktureller

Anpassungen, nicht auf der Feineinstellung.

Wir waren uns darüber in klaren,

daß sich der Schwerpunkt des makro-ökonomisehen Management zunehmend direkt
auf die Versorgung mit Energie und anderen Gütern verlagern muß, wenn wir
nicht für immer auf Wachstum, Arbeitsplätze und einen ständigen steigenden
Lebensstandard verzichten wollen.
Lassen Sie mich das näher ausführen.
Das brennende Problem in Tokio war das Energieproblem. Mit der Ankündigung der Preisentscheidung der OPEC in Genf stieg der Weltpreis für
Erdöl seit Dezember um 60 Prozent. Obwohl die Preiserhöhungen schrittweise
erfolgten, haben wir noch immer nicht mehr als einen Bruchteil der Auswirkungen auf die Leistungsstatistiken gesehen. Die direkte, anfängliche
Wirkung dieses Preisanstieges wird eine einprozentige Verringerung der
durchschnittlichen OECD-Wachstumsrate im Jahr 1979 und eine um 1,75 Prozent
im Jahr 1980 sein. Weiterhin wird er die durchschnittliche OECD-Inflationsrate im Jahr 1979 um 1 bis 1,5 Prozent erhöhen, im Jahr 1980 um 2 bis
2,5 Prozent. Allein für die Vereinigten Staaten bedeutet dies eine
Verringerung der Wachstumsrate um 1 Prozent und einen einprozentigen
Anstieg unserer Inflationsrate pro Jahr. Zudem werden diese Schätzungen
wahrscheinlich noch nicht einmal die Auswirkungen einer fortgesetzten ülpreiserhöhung und Versorgungsunsicherheit auf das Vertrauen der Geschäftswelt, auf das Verbraucherverhalten und die Lohnforderungen einschließen.
Daher
-

hat sich die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den Vereinigten
Staaten erhöht;
•

wird
———

- 4-

�-

wird das nichtinflationäre Wachstum in den anderen Industriestaaten
gehemmt;

-

kann den Volkswirtschaften und den politischen Strukturen der
Entwicklungsländer schwerer Schaden zugefügt werden.

Die ölpreiserhöhung wird viel von dem Fortschritt rückgängig machen,
der bei der Verbesserung der Weltzahlungsbilanz erzielt worden ist. Trotz
einer höheren Rechnung für Ol einfuhren erwarten wir weitere beträchtliche
Verringerungen des gegenwärtigen amerikanischen Zahlungsbilanzdefizits vielleicht sogar einen kleinen Überschuß im nächsten Jahr - aufgrund des
langsameren Wachstums unserer Binnenwirtschaft, unserer extrem starken
Exportleistung und gestiegener Gewinne bei unseren Investitionen in Übersee.
Jedoch wird der OPEC-Überschuß, der im letzten Jahr nahezu verschwunden war,
wieder auf ein beunruhigend hohes Niveau klettern. Die OECD-Länder als
Gruppe werden vom Überschuß in ein Defizit abrutschen. Und die Lage der
Entwicklungsländer ohne eigene Ölvorkommen, die schon jetzt als Gruppe in
einem großen Defizit stecken, wird sich rapide verschlechtern und die Probleme
einiger der ärmsten Länder noch verstärken.
Der weltweite finanzielle Bedarf vermehrte sich empfindlich durch die
ülPreiserhöhungen. Obwohl das internationale Währungssystem seine Fähigkeit
bewiesen hat, diesen Bedarf im großen und ganzen zu befriedigen, müssen wir
dennoch mit wiederauftauchenden Schwierigkeiten und Spannungen auf Seiten
mancher Länder rechnen, vor allem der armen Entwicklungsländer (LDCs).
Kurz:

die Welt wurde durch die ülPreiserhöhungen erneut in eine

schwierige läge gebracht.
Außerdem haben wir heute nicht nur das Problem der Dipreiserhöhungen,
sondern auch noch das Problem des begrenzten Angebots.
Der

- 5 -

�Der Tokioter Gipfel erkannte diese wesentliche Tatsache und handelte
danach.
Erstens wurde anerkannt, daß es kurzfristig keine Alternative zur
Einsparung gibt. Wenn wir unseren Ölverbrauch nicht freiwillig so einschränken, daß es für unsere Volkswirtschaft am wenigsten schädlich ist,
werden Verbrauchsbeschränkungen - unberechenbar und schmerzhaft - erzwungen werden - zu eben dem Preis, der notwendig ist, um die Nachfrage
auf das Angebotsniveau herabzubringen.
Um diese Lage besser unter Kontrolle zu bringen, verpflichtete sich die
Gipfellander, ihre öl einfuhren 1979 und 1980 zu begrenzen - Begrenzungen,
die auf einer Basis für jedes Land gelten.

Die Grenze für die Vereinigten

Staaten liegt bei 8,5 Millionen Barrel pro Tag in beiden Jahren - was
unseren Einfuhren des Jahres 1977 entspricht.
Mittelfristig nahmen die Teilnehmerländer bestimmte Zielsetzungen für
eine Begrenzung der öl einfuhren bis 1985 an- Zielsetzungen, die
- von vernünftigen Raten des Wirtschaftswachstums in diesem Zeitraum
ausgehen; und
- sehr deutliche Anstrengungen zur Beschränkung des Ölverbrauchs und
3

3

3

zur Entwicklung alternativer Energiequellen verlangen.
Das amerikanische Ziel für 1985 ist dasselbe wie für 1979 und 1980:
8,5 Millionen Barrel pro Tag.
'

r

3

Frankreich, die Bundesrepublik Deutschland, Italien und Großbritannien
verpflichteten sich dazu, ihre öl einfuhren von 1985 auf das Niveau von 1978
zu beschränken,und kamen Uberein, ihren Partnern im Rahmen der Europäischen
Gemeinschaft vorzuschlagen, daß sich jedes EG-Mitglied zu ähnlich festge-

�festgelegten Zielsetzungen verpflichtet.

Kanada verpflichtete sich, seine

jährliche Wachstumsrate beim Ölverbrauch um ein Prozent zu senken und seine
öl einfuhren bis 1985 um 50 000 Barrel pro Tag zu verringern.
Japan übernahm als Zielsetzung für das Jahr 1985 ein öleinfuhrniveau
von 6,3 bis 6,9 Millionen Barrel pro Tag, ein Niveau, das wesentlich höher
ist als Japans Einfuhrniveau von 5,0 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 1978.
Diese Beihilfe zum Wachstum wird es Japan erlauben, auch weiterhin die hohen
Wachstumsraten zu erhalten, die das Land benötigt, um massive, grundlegende
Ungleichgewichte seiner Zahlungsbilanz zu überwinden. Gleichzeitig bedeutet
dies jedoch auch eine Steigerung der Wirksamkeit, mit der die Japaner eingeführtes öl verwenden. Ministerpräsident Ohira, der die Einzigartigkeit
dieser Verpflichtung erkannte, verpflichtete sich, sein Äußerstes zu tun, um
die öleinfuhren weiter zu reduzieren und die ölverwendung zu rationalisieren.
Um diese Ziele zu erreichen, bedarf es ungeheurer Anstrengungen zur
Einsparung. Aber um diese Ziele zu erreichen und um sie in Zukunft noch zu
verbessern, bedarf es auch einer umfassenden Anstrengung zur erweiterten
Versorgung mit alternativen Energiequellen. Zu diesem Zweck haben die Teilnehmer am Gipfeltreffen umfangreiche Initiativen ergriffen, um alternative
Energiequellen auszunützen, vor allem Kohle, und um alternative Quellen und
Techniken zu entwickeln. Die Teilnehmer erkannten, daß ausgedehnte private
und öffentliche Mittel notwendig sind, um diese neuen Technologien zu
entwickeln und kommerziell anzuwenden,und verpflichteten sich dazu, die
Verfügbarkeit solcher Quellen sicherzustellen. Sie kamen auch darin überein,
eine Internationale Energietechnologie-Gruppe einzurichten, um die unternommenen oder geplanten Schritte eines jeden Landes zu beobachten und um über
die Notwendigkeit und die Möglichkeit internationaler Zusammenarbeit zu
berichten, einschließlich des Finanzierungsbereichs.
Längerfristig müssen wir die Quellen mobilisieren, die zur Entwicklung
sicherer alternativer Versorgung notwendig sind.

Die Investitionskosten werden

�werden enorm sein.

Die notwendigen Mittel werden zu diesem Zweck vom

Verbrauch an anderen Verwendungszwecken abgezogen.

Dies erfordert umfassende

Anstrengungen zur vermehrten Verwendung anderer vorhandener Energiequellen
wie Kohle, Kernkraft und Erdgas sowie die Entwicklung neuer Technologien.
Diese Schritte beim Gipfeltreffen stellen eine grundlegende Neuorientierung
der Politik dar, d.h. eine gemeinsame Verpflichtung zur Verringerung der Abhängigkeit vom Erdöl.

Die Erfüllung dieser Verpflichtungen wird nicht leicht

sein, und wir können nicht erwarten, daß die zugrundeliegende Situation sich
über Nacht verbessert.

Es geht um eine grundlegende Umstrukturierung unserer

Volkswirtschaften, und wir werden noch schwere Zeiten zu überstehen haben.
Die notwendigen Einzelschritte werden bereits überprüft, und wir sowie die
anderen beteiligten Regierungen werden in den kommenden Wochen konkrete
Maßnahmen ankündigen.
legt.

Aber Richtung und Verpflichtung sind eindeutig festge-

Ich glaube, daß diese Verpflichtung zumindest von einigen der

wichtigsten OPEC-Länder anerkannt worden ist, und ich freue mich, daß
Saudiarabien eine Erhöhung seiner Förderkapazität anzeigt, die dabei helfen
wird, die Lage in unmittelbarer Zukunft etwas zu entspannen.
Schritt ist, obgleich hilfreich, nur vorübergehend.
Abhängigkeit vom Erdöl verringern.

Aber dieser

Wir müssen unsere

Wir haben einen Kurs festgelegt und

müssen uns nun an ihn halten.
Herr Vorsitzender, ich habe die Maßnahmen dargelegt, die in Tokio ergriffen wurden, um mit einem kritischen Rohstoff umzugehen, der nur begrenzt
vorrätig ist und es bleiben wird. Aber Energie ist, extrem gesprochen,
nur ein Symptom eines größeren, ebenfalls im Kommunique des Gipfeltreffens
angesprochenen Problems, und ich würde diesen weiteren Kontext gern kurz
umreißen.
Im Verlauf des Gipfeltreffens wurde festgestellt, daß Energie nicht das
einzige Versorgunsproblem ist, dem wir gegenüberstehen.

In vieler Hinsicht

reagieren die Volkswirtschaften der industrialisierten Welt auf die sich

- 8 -

�sich ändernden Bedingungen nicht so, wie es notwendig wäre.

Jahrzehntelang

haben wir in der Übereinstimmung gehandelt, daß das Hauptanliegen der Wirtschaftspolitik der Regierungen darin bestand, die Gesamtnachfrage zu befriedigen, Ausschläge im Wirtschaftszyklus auszugleichen und einen
ständigen Anstieg des Einkommens und der Beschäftigung zu garantieren.
Die Angebotsseite

dieser Gleichung wurde weitgehend vernachlässigt in der

Annahme, sie werde mit sich selbst fertig, indem sie auf die veränderte
Nachfrage reagiere.
Diese Annahme stimmt nicht mehr.

Die Angebotsseite reagiert nicht mehr.

Auch die Produktivität bleibt stark zurück - in den Vereinigten Staaten
betrug das Wachstum an Produktivität in den letzten fünf Jahren nur noch
etwa die Hälfte von dem der fünfziger und sechziger Jahre.

Die Staatsaus-

gaben bildeten einen immer größeren Anteil des Einkommens und verlagerten
sich von Kapitalgütern und Verteidigung hin auf Einkommentransfers.
durchgreifenden Steuersätze sind weiter scharf angestiegen.

Die

Die Steuer-

strukturen und Steuerniveaus machen jede Innovations- und Risikobereitschaft
nutzlos.

Die Industrie ist in einem beengenden Netz von Bestimmungen ver-

strickt.

Formelle und informelle Indexierung neigt dazu, relative Preise

festzulegen und Anreize zur Bewegung von Geldmitteln zwischen den Industrien
und den Sektoren abzuschwächen.

Kurz:

wir brauchen eine Reorientierung der Wirtschaftspolitik, eine

stärkere Konzentration auf die Angebotsseite, eine Verminderung der Starrheit
und der Wirkungslosigkeit, die Versorgungspässe im ganzen Land hervorrufen.
Diese Aufgabe beinhaltet auch den Wiederaufbau unseres Grundkapitals, die
Wiederbelebung der Wachstumsproduktivität, die Verminderung der strukturellen
Arbeitslosigkeit, zusätzlich zur Schaffung einer neuen Grundlage für den
Energiebedarf unserer Wirtschaft.

Teilweise gilt das für alle Teilnehmerländer am Gipfeltreffen.

Lassen

Sie mich aus dem Tokio-Kommunique zitieren:
"Wir
- 9 -

�"Wir sind übereinstimmend der Auffassung, daß wir mehr zur Verbesserung
der langfristigen Produktivität und Anpassungsfähigkeit unserer Volkswirtschaften tun müssen.
sein:

Hierfür erforderliche Schritte könnten unter anderem

höhere Anreize für Investitionen sowie für Forschung und Entwicklung,

Maßnahmen zur Erleichterung der Abwanderung von Kapital und Arbeit aus rückläufigen in neue Industrien sowie administrative Regelungen, die eine unnötige
Beeinträchtigung von Investitionen und Produktivität vermeiden, vermindertes
Anwachsen der laufenden Ausgaben in einigen Bereichen der öffentlichen Hand
und Beseitigung von Hemmnissen der internationalen Handels- und Kapital stromes."
Die Lösung jeder dieser Aufgaben wird lange dauern und große Opfer
fordern.

Zusammen bilden sie eine grundlegende politische und wirt-

schaftliche Herausforderung.

Das Geschäft des Politikers ist seiner Natur

nach leichter und sicherer, wenn es darin besteht, viel Geld für Projekte
auszugeben, die sich rasch auszahlen und den Wählern gefallen.

Dies gilt

für die Vereinigten Staaten ebenso wie für die Bundesrepublik Deutschland,
für Japan, Frankreich, Kanada, Großbritannien oder Italien. Aber der Zeitraum,
der notwendig ist, um einen spürbaren Gewinn aus den Investitionen für eine
verbesserte Versorgung zu ziehen, ist viel länger als jede Wahlperiode im
politischen Kalender eines jeden der am Gipfel beteiligten Länder.

Die Frage

ist, ob wir den Willen, die Klugheit und Disziplin haben werden, um einen
mittelfrisitgen Kurs durchzuhalten, der kurzfristige Opfer, aber langfristig
Gewinne verspricht.

Wir sind uns alle der mit dieser Anstrengung verbundenen

Schwierigkeit bewußt. Aber wir sind überzeugt, daß das amerikanische Volk
und unsere Verbündeten am Verhandlungstisch des Gipfeltreffens die Stärke
und die Geduld für diese Aufgabe haben werden.

+ + + + +

- 10 -

�</text>
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    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
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      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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              <text>Amerikadienst 18.07.1979</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Chefdelegierter zum amerikanisch-sowjetischen Übereinkommen über Strahlenwaffen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Blumenthal erläutert Bedeutung der Ergebnisse von Tokio&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses -&lt;/em&gt;</text>
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