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                  <text>13. Juni 1979

21
INHALT

DOKUMENTATION
Brown:

Abschreckung vor Nuklearangriff oberstes Ziel der US-Verteidigungs-

pol itik
- Ansprache vor der Marineakademie in Annapolis HINTERGRUNDMATERIAL
Entscheidung über MX-Rakete dient der Stabilität
- Stellungnahme Brzezinskis US-Studie:

Seibstversorgung im Energiebereich möglich

Letzte Manöver mit SKYLAB geplant
- Absturz Mitte Juli erwartet -

WIRTSCHAFT
Blumenthal zur Weltwirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten
USA mit Ergebnissen von UNCTAD V nicht unzufrieden
- Von unserem Korrespondenten John J. Harter -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Solartechnologie - Fortschritt schneller als erwartet
- Internationale Konferenz erörtert wirtschaftliche Verfahren Forschungsprojekt: Das Auto
- Neues Gemeinschaftsprogramm von Regierung und Industrie der USA

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Tel: 02221-89 32 40
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�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

21

13. Mai 1979

BROWN:

ABSCHRECKUNG VOR NUKLEARANGRIFF OBERSTES ZIEL DER
US-VERTEIDIGUNGSPOLITIK

- Ansprache vor der Marineakademie in Annapolis -

- (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown hat
am 30. Mai 1979 zu wesentlichen Aspekten der strategischen Verteidigungskonzeption der USA Stellung genommen und betont, daß es das oberste Ziel
der US-Verteidigung sei, vor einem Nuklearangriff auf die USA oder ihre
Verbündeten abzuschrecken.

Der Minister sprach vor Absolventen der Marine-

akademie in Annapolis im Staate Maryland.
Seine Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Die erste Priorität in der Verteidigung der Vereinigten Staaten ist es,
sicherzustellen, daß kein Land versucht sein wird, Kernwaffen gegen uns,
unsere Streitkräfte - wo immer sie stationiert sein mögen - oder gegen unsere
Verbündeten einzusetzen. Die Sicherheit der Nation hängt von unserer
Fähigkeit ab, strategische Nuklearstreitkräfte aufrechtzuerhalten, die jeder
Form eines Angriffes widerstehen können und uns in die Lage versetzen werden,

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�werden, einen jeden Angreifer in gezielter und kontrollierter Weise unannehmbaren Schaden zuzufügen, wobei Zeit und Art unserer eigenen Wahl
überlassen bleiben.

Zu diesem Zweck haben wir einzigartige strategische

Streitkräfte geschaffen.

Ihre hochentwickelte Technologie übertrifft die

der sowjetischen Streitkräfte, und wir setzen sie in einer Weise ein, wie
es die Sowjets nicht tun können.

Wir unterstützen unsere Streitkräfte mit

technischen nachrichtendienstlichen Systemen, die allen anderen in der Welt
überlegen sind.
Durch unsere Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten, sowie durch eine
entsprechende Beschaffungspolitik, Dislozierung, Ausbildung und entsprechende
Übungen wollen wir unsere technische Führungsposition aufrechterhalten und
unsere Streitkräfte, wie es notwendig ist, modernisieren.

Ergänzend dazu

will Präsident Carter im kommenden Monat, im Juni, einen zweiten Vertrag
zur Begrenzung der strategischen Rüstung unterzeichnen, der unsere Sicherheit
weiter durch eine Beschränkung der strategischen Streitkräfte fördert und
damit die Gefahr für unsere Streitkräfte und uns selbst begrenzt.
Der SALT II-Vertrag ist von profunder Bedeutung für die Vereinigten
Staaten.

Ich hoffe, daß der Senat, wenn er sich mit den Bestimmungen des

Vertrages vertraut macht, ihn umgehend ratifizieren wird.

Die Grundelemente

des SALT II-Abkommens sind die folgenden:
Ein Vertrag, der bis Ende 1985 Gültigkeit hat und der
-

gleiche Höchstgrenzen für strategische nukleare Trägersysteme
festsetzt;

-

verschiedene Unterhöchstgrenzen für Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen (das heißt Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen, von denen
jeder unabhängig von den anderen auf ein gesondertes Ziel angesetzt
werden kann) sowie für schwere Bomber festlegt, die aus der Luft

- 2 -

�Luft zu startende Marschflugkörper mit sich führen;
-

jede Seite auf eine neue ballistische Interkontinentalrakete
(ICBM) mit einem Maximum von zehn Wiedereintrittsflugkörpern
begrenzt;

-

eine Erhöhung der Anzahl von Wiedereintrittsflugkörpern
auf den bestehenden ballistischen Interkontinentalraketen verbietet;

-

Maßnahmen für eine unbehinderte Verifizierung durch Nationale
Technische Mittel vorsieht.

Ein Protokoll, das bis Ende 1981 Gültigkeit hat und das
-

die Dislozierung von landgestützten und seegestützten Marschflugkörpern mit einer Reichweite von mehr als 600 km während dieses
Zeitraumes verbietet, während es gleichzeitig eine uneingeschränkte
Erprobung und Entwicklung solcher Flugkörper einer jeden Reichweite
gestattet;

-

die Dislozierung mobiler ballistischer Interkontinentalraketen oder
ballistischer Luft- Boden- Raketen während dieses Zeitraums untersagt, jedoch die Dislozierung dieser Systeme nach Ablauf des Protokolls
gestattet.

Das Abkommen umfaßt ferner eine Grundsatzerklärung für die Folgeverhandlungen über SALT III und einen Austausch von Erklärungen über den
sowjetischen Backfire-Bomber.
Drei Punkte hinsichtlich des Abkommens verdienen besondere Aufmerksamkeit:
1.

Die

�1.

Die Alternative zu SALT II ist nicht etwa eine idealer Vertrag,
den wir erreicht haben könnten, hätten wir während dieser sieben
Jahre mit uns selbst verhandelt. Die Alternative ist vielmehr
überhaupt kein Vertrag - oder aber die Aushandlung eines neuen
Vertrages von Anfang an und in einer Atmosphäre, die durch eine
solche Zurückweisung gekennzeichnet wäre.

2.

Der Vertrag wird unsere Sicherheit fördern, indem er die Sowjets
unterhalb dessen hält, was sie sonst hinsichtlich der Anzahl von
Raketen, von Gefechtsköpfen und bezüglich ihrer Gesamtstärke tun
könnten und sehr wahrscheinlich tun würden.

3.

Unsere Verifizierungskapazität wird garantieren, daß die Sowjets
das Gleichgewicht nach SALT II nicht durch Verletzungen des Abkommens stören können, weil wir eine solche Verletzung frühzeitig
genug entdecken würden, um zum Schutze unserer Sicherheit reagieren
zu können.

Wie es vielen von Ihnen klar ist, treten wir jetzt in eine Periode
ein, in der die Sowjets - mit oder ohne SALT II - in wachsendem Maße in
der Lage sein werden, einen großen Teil unserer landgestützten ICBM-Streitmacht durch einen Überraschungsangriff zu zerstören.
Während der vergangenen zehn Jahre haben die Sowjets ihrem Arsenal mehr
als 1000 strategische

Raketen hinzugefügt und die Zahl ihrer abschußbereiten

Gefechtsköpfe verdreifacht.
Die Sowjets haben bereits seit einiger Zeit ihre Zielplanung auf unsere
ICBM-Streitmacht gerichtet, jedoch nur mit einem begrenzten Maß an Wirkung.
Aus den technischen Daten ihrer früheren Systeme können wir folgern, daß
die Sowjets bereits seit 1962-1963 eine Politik verfolgen, die auf den Aufbau von Waffensystemen zielte, die einen präsumptiven Schlag gegen die

�die amerikanischen ICBMs ermöglichen sollten.
Diese Politik wurde mit ihren SS-9 und SS-11-Programmen Ende der
sechziger Jahre fortgesetzt. Die kleineren SS-11 waren auf amerikanische
Städte gerichtet. Die SS-9 war die allererste große sowjetische Rakete;
sie trug einen Gefechtskopf von ungefähr 20 Megatonnen Sprengkraft. Die
über 200 SS-9 waren mit ziemlicher Sicherheit auf die 100 Minuteman-Abschußbasen gerichtet - aus Gründen der Treffsicherheit je zwei Raketen
auf einen Komplex. Die Sowjets, die zu jener Zeit nicht in der Lage waren,
Waffensysteme zu produzieren, die durch Umfang, Sprengkraft und Genauigkeit
in der Lage gewesen wären, unsere unempfindlichen Raketen zu gefährden,
entschlossen sich dazu, unsere Bodenstellungen ins Ziel zu nehmen. Wir
hatten jedoch schon mit einem solchen Schritt der Sowjets gerechnet und
dislozierten Ende der sechziger Jahre als Alternative luftgestützte
Kontrollkapazitäten, die von den SS-9 nicht angegriffen werden könnten.
Kurz gesagt: Die SS-9 war ein sowjetisches Programm großer MegatonnenKapazität, aber geringer Nützlichkeit hinsichtlich des Gegenschlags.
Die Sowjets setzen eine Politik fort, die Waffensysteme aufbaut,
die im Rahmen eines präsumptiven Gegenschlags verwendet werden können.
1975 begannen sie, die SS-9 durch die SS-18 zu ersetzen, die in ihrer
jüngsten Version mit 10 Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVs) getestet wurde.
Es scheint nunmehr klar zu sein, daß die Sowjets beabsichtigen, die
SS-18 und SS-19 in solchem Umfang zu dislozieren, daß sie in der Lage wären,
unsere Minuteman mit mehreren MIRVs pro Silo anzugreifen. Weiterhin
schätzen wir,daß die Sprengkraft und die Treffsicherheit dieser MIRVs
so groß sein wird, daß die Sowjets ziemlich sicher sein können, nach
vollständiger Dislozierung der SS-18 und SS-19, irgendwann zu Beginn der
achtziger Jahre, die meisten Minuteman-Silos in einem präsumptiven Schlag
zu zerstören.
Ich möchte

�Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, daß ich an einen sowjetischen
Angriff auf unsere ICBMs glaube - egal unter welchen Bedingungen.

Zunächst

würde ein wirkungsvoller Angriff auf die Vereinigten Staaten - d.h. auf die
Minuteman und andere Ziele von strategischen Waffen - Millionen von
Amerikanern töten:

die wahrscheinlichsten Schätzungen übertreffen noch

die Zahl der Toten in Europa des Zweiten Weltkriegs.
damit rechnen, daß wir entsprechend vergelten.

Die Sowjets müßten

Und sie sürden dem beträcht-

lichen Risiko gegenüberstehen, daß wir alle oder zumindest einen Teil
unserer ICBMs starten, bevor sie zerstört werden könnten.
wir jedwedes Ziel des sowjetischen Angriffs vereiteln.

Dadurch würden

Zweitens würden

unsere Bomber in Alarmbereitschaft und die strategischen Unterseebootkräfte
überleben, um die gebotene Antwort zu erteilen.

Dabei brauchten wir uns

nicht auf einen massiven Angriff auf die sowjetischen Städte zu beschränken,
sondern wir könnten auch Vergeltungsschläge gegen militärische Ziele richten.
Wenn wir also genau hinsehen, erkennen wir, daß strategische Nuklearschläge gegen unsere Interkontinentalraketen für die Sowjets kein geeigneter
Weg zu sein scheinen, um einen Streit mit uns zu regeln oder um langfristige
Vorteile als Weltmacht zu erreichen. Wir haben Streitkräfte aufgebaut, um
dies sicherzustellen; und obwohl wir keinen Angriff verhindern können, so
können die Sowjets bei einem solchen dennoch nichts gewinnen - aber wahrscheinlich alles verlieren. Doch was bei dieser Art von furchtbarer
Mathematik zählt, ist nicht, was wir denken, sondern was die Sowjets glauben.
Ich glaube, daß die sowjetischen Führer von heute diese Gegebenheiten
voll und ganz begreifen. Trotzdem könnte das Ergebnis einer Fehleinschätzung bei diesem Gegenstand die Zerstörung sowohl der Vereinigten
Staaten als auch der UdSSR sein. Deshalb müssen wir Schritte unternehmen,
um sicherzustellen, daß selbst in den neunziger Jahren die Chance für
einen Angriff auf unsere strategischen Streitkräfte, vor allem auf unsere
ICBMs, so gering wie nur irgend möglich bleibt. SALT II ist ein wichtiger
Schritt auf dieses Ziel hin, denn der Vertrag begrenzt die Zahl der Gefechts-

�Gefechtsköpfe, die auf unsere Abwehr gerichtet werden können.

Innerhalb

der Grenzen von SALT II werden die Sowjets wahrscheinlich ungefähr 2 150
Raketen mit ungefähr 9 500 MIRVs dislozieren.

Wir schätzen, daß die

Sowjets ohne SALT II gegen 1985 über 600 zusätzliche Raketen und ungefähr
3 000 zusätzliche Gefechtsköpfe dislozieren könnten.
Ohne SALT II würden die voraussichtlichen Sowjetprogramme als Antwort
von unserer Seite ein wirklich massives Programm erforderlich machen.
Aber sogar mit SALT II müssen wir parallel damit beginnen,unsere strategischen
Kräfte zu modernisieren - mit dem klaren Ziel, unsere strategische Überlebenskapazität zu erhöhen und gleichzeitig die Möglichkeit der sowjetischen
Planer, unsere Systeme zu treffen, einzuschränken. Auf diese Weise können
wir den Sowjets jeden möglichen Anreiz nehmen, im Fall einer Krise ihre
strategischen Waffen einzusetzen oder zu politischen Zwecken mit ihrem
Einsatz zu drohen, ja sogar Anreize, im Rahmen des Vertrags zusätzliche
Kapazitäten zu entwickeln. Außerdem müssen wir Optionen offen haben, die
es uns erlauben, unsere Pläne nach oben oder nach unten anzupassen, je
nachdem welchen Fortschritt weitere Verhandlungen über Rüstungsbegrenzungen
machen und wie sich die sowjetischen Programme entwickeln.
Nahezu zwei Jahrzehnte lang sind wir Zeuge des sowjetischen Versuchs
gewesen, unsere Interkontinentalraketen wirkungsvoll zu treffen. Aufgrund
der sich entwickelnden Technologie treten wir und die Sowjetunion in eine
Periode ein, in der es jedem leichter ist, mit Erfolg die verbunkerten
Systeme des anderen zu treffen, als sein eigenes System so zu sichern, daß
es einen Angriff überlebt. Es ist diese Tatsache, die uns auf bewegliche
Basen für unsere strategischen Raketen bringt, deren erstes Beispiel das
Polaris-Unterseeboot war. Die zunehmende Beweglichkeit der verbunkerten
ICBMs wird weiterhin die Triebfeder der technologischen Entwicklung und
Aufstellung sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in der Sowjetunion
sein.

Daher müssen unsere Pläne für die zukünftige Überlebensfähigkeit

unserer strategischen Streitkräfte sich erklären aus den Folgerungen, die

- 7 -

�die wir aus den Planungen der sowjetischen Streitkräfte ziehen.
Überlegungen zur Modernisierung unserer Streitkräfte müssen dabei
unsere weitest gespannten Interessen zum Ausdruck bringen.

Wir müssen

Waffensysteme wählen, die für einen beträchtlichen Zeitraum gegenüber den
sowjetischen Angriffen verhältnismäßig unverwundbar sein werden.

Gleich-

zeitig werden künftige Verminderungen der sowjetischen Streitkräfte - also
etwas, das in unserem wechselseitigen Interesse liegt - von uns fordern,
eigene Möglichkeiten der Kräfteexpansion zu haben.

Dies wird den Sowjets

einen Anreiz für beiderseitige Verringerungen durch Verhandlungen geben Verhandlungen, in denen auch wir etwas aufzugeben haben.

Unsere Entwicklung

neuer Systeme muß daher widerspiegeln, wie weitere strategische Rüstungsbegrenzungen sich abspielen können.
Wir erwägen zur Zeit eine Reihe von Möglichkeiten zur Modernisierung
unserer ICBM-Arsenale.

Nach der Größe geordnet, reicht unsere Auswahl

von der Trident II oder der D-5, die die größte Rakete ist, die wir in
unseren neuen Unterseebooten mitführen können, bis zu den größten Raketen,
die wir gemäß SALT II dislozieren können.

Raketen dieser unterschiedlichen

Größe können in einer Reihe von neuen Möglichkeiten aufgestellt werden,
wobei sie außerdem noch als Ersatz für unsere vorhandenen Minuteman oder
Trident I Raketen dienen können.
Jede Option wird unter dem Gesichtspunkt der Kosten und der Wirksamkeit
betrachtet. Aber die Kriterien der Wirksamkeit schließen auch die Wirkung
auf die Begrenzung der strategischen Rüstung ein - denn unsere nationale
Sicherheit im weitesten Sinn hängt von mehr als nur der Zahl der Waffen
ab. Sie hängt auch von weiteren Überlegungen ab, wie etwa die Wirkung
unserer Programmentscheidungen über Waffenkontrolle und strategisches
Gleichgewicht. Unsere Entscheidung für die Dislozierung der MX wird im
Zusammenhang mit unserer Überlebensfähigkeit und mit der Nachprüfung von
SALT II stehen. SALT II hält uns die Entscheidung über die Dislozierung

�Dislozierung beweglicher überlebensfä'higer ICBM-Systeme von der besprochenen
Art offen.

Wir müssen darauf vertrauen, daß wir den Versuch der Sowjets,

unsere Entscheidung für die bewegliche Dislozierung nachzuahmen, mit unseren
Nachrichtensammlungssystemen angemessen kontrollieren können.

Der Schlüssel

zu einem annehmbaren mobilen System ist die Möglichkeit, die Anzahl der
Startrampen zu nennen, ohne genau ihre Aufstellung zu kennen.
Im weiten Sinn fallen die grundlegenden Entscheidungen, die wir jetzt
prüfen, in zwei Kategorien von mobilen Systemen.

Die eine Kategorie umfaßt

die Dislozierung einer Rakete innerhalb einer begrenzten Anzahl von Silos.
Bei einer Version -MPS- kann die Abschußrampe zwischen einer Anzahl von
vertikalen Schutzrä'umen hin- und herbewegt werden;

bei einer anderen

ist sie beschränkt auf einen langen offenen - oder zu öffnenden - Graben
mit einer Reihe von festen horizontalen Schutzräumen;

bei einer dritten

ist sie auf einen langen Tunnel mit einer Reihe von Öffnungen begrenzt,
von wo aus die Rakete abgeschossen werden kann.

Solche Systeme können

gezielt angegriffen werden, da ihr Ort bekannt ist;

jedoch wird die

Anzahl der zu ihrem Angriff notwendigen Gefechtsköpfe durch die Verbunkerung
und durch die Anzahl der Zielstellen hinderlich.
Die andere Kategorie der mobilen Systeme stützt sich weniger auf
die Verbunkerung als auf die Bewegung, um einem Angriff zu entgehen.

Dazu

gehören fliegende Systeme, bei denen eine ICBM in einem kleinen Transportflugzeug mitgeführt wird, wegunabhängige mobile Systeme zur Dislozierung
in den Wüsten des Südwestens oder sogar auf Lastwagenanhänger für Landstraßen.

Jedes System hat seine eigenen Fluchtcharakteristiken und inne-

wohnenden Probleme.

Außerdem gibt es

rasch unter Bunkern bewegen,
teuer.

Mischsysteme mit Rampen, die sich

Keines dieser Systeme ist einfach, alle sind

Mobile Systeme unterliegen breitgestreuten Angriffen oder Sperr-

feuerangriffen, wenn sie sich zu langsam bewegen oder sind zu sehr von
Vorwarnungen abhängig.

Daher könnten wir vielleicht in Zukunft eine

Mischung aus festen Systemen und neuen mobilen unterhalten.
Zusätzlich

�Zusätzlich zu den neuen Raketen und ihren verschiedenen Dislozierungsmöglichkeiten haben wir noch andere Pläne zur Modernisierung der strategischen
Streitkräfte. Einer davon ist ein neues bemanntes Flugzeug, speziell zum
Transport von luftgestützten Marschflugkörpern entwickelt. Diese Geschosse
können auch auf Unterseebooten oder auf Schiffen disloziert werden.
_

Ich glaube, daß wir mit einer sorgfältigen und wohlüberlegten Antwort
auf die neuesten Entwicklungen der sowjetischen strategischen Waffenarsenale
reagieren. Wir haben dem Kongreß eine Anforderung für zusätzliche Mittel
zur Entwicklung der MX im Haushaltjahr 1979 vorgelegt, und wir haben Mittel
im Haushaltjahr 1980 sowohl für die Entwicklung von MX als auch für die
TRIDENT II vorgesehen.
Die Kernthemen überleben und Kenntnis des Kräfteumfangs (d.h.
Verifizierung) sind überaus komplexe Fragen - zusammen mit den Kosten, der
technischen Durchführbarkeit, der militärischen Wirksamkeit und der Frage
nach der Umwelt und der öffentlichen Aufnahmebereitschaft. Ihre Prüfung
durch uns bringt uns jetzt einem Punkt näher, an dem ich in der Lage sein
werde, diese Themen mit dem Präsidenten zu besprechen, um seine Entscheidung
zu bekommen.
Außer unseren strategischen Entwicklungen suchen wir jetzt zusammen
mit unseren NATO-Verbündeten Wege, um unsere nuklearen Gefechtsfeldwaffen
zu modernisieren. Wir erwägen in Europa die mögliche Dislozierung einer
mobilen Rakete mit größerer Reichweite, Pershing II, und landgestützter
Marschflugkörper mit der Fähigkeit, die Sowjetunion zu erreichen. Ich
möchte damit nicht gesagt haben, daß wir ein solches Modernisierungsprogramm
als Ersatz für das Modernisierungsprogramm unserer InterkontinentalraketenStreitmacht betrachten. Es ist jedoch ein wichtiges Attribut, vor allem
für unsere NATO-Partner,und muß auch im Vergleich der amerikanischen
Kapazitäten und der Kapazitäten der NATO mit jenen der Sowjetunion und
des Warschauer Paktes gesehen werden.
Abschließend

�Abschließend möchte ich auf die zentrale Rolle der Marine beim Aufbau
und der Durchführung unserer strategischen Abschreckung hinweisen.

Nach-

einander standen die Polaris-, Poseidon- und jetzt Trident-Strätkräfte im
Mittelpunkt unserer überlebensfähigen Vergeltungskapazität.

Die Bedeutung

des Beitrags der Marine wird auch in absehbarer Zukunft weiterbestehen.
Unsere eigenen Fähigkeiten zur See müssen im Lichte der Fähigkeiten
der sowjetischen Marine bewertet werden, einer Streitmacht, die in den
letzten zwei Jahrzehnten bemerkenswerte Fortschritte gemacht hat. Noch
vor zwanzig Jahren - ein kurzer Zeitraum für die Bemessung solcher Dinge war die sowjetische Marine hauptsächlich eine bescheidene Küstenverteidigungsstreitmacht. Heute ist die sowjetische Marine mehr - sehr viel mehr. Auf
einigen Gebieten der Seekriegsführung ist die Sowjetunion sogar der Haupterfinder gewesen und entwirft und baut heute neue Klassen von Kriegs- und
Versorgungsschiffen in einem Tempo, das unserer Beachtung nicht entgehen
darf. Solche Entwicklungen wie die Hubschrauber-Kreuzer der Moskwa-Klasse,
die Flugzeugträger der Kiew-Klasse, die Unterseeboote der Alfa-Klasse und
die Landungsschiffsdocks der Rogow-Klasse sind ein eindrucksvoller Beweis
für die sowjetische Innovation und die Leistungsfähigkeit der sowjetischen
Industrie. Sie können auch - so meine ich - einen Aufschluß über sowjetische
Absichten geben.

Ihre Aufgabe, die Sie mit der derzeitigen zivilen und militärischen
Führung der Marine und des Marinekorps gemeinsam haben, besteht darin,
weiterhin die Vorherrschaft Amerikas zur See angesichts dieser neuen
kühnen Herausforderung auf den Weltmeeren zu gewährleisten.

+ + + + +

- 11 -

�13. Juni 1979

21

ENTSCHEIDUNG ÜBER MX-RAKETE DIENT DER STABILITÄT
- Stellungnahme Brzezinskis -

WASHINGTON - (AD) - Der Berater Präsident Carters für Fragen der Nationalen Sicherheit, Dr. Zbigniew Brzezinski, erklärte in einem Fernsehinterview,
die Entwicklung der MX-Rakete diene der Stabilität und solle die Überlebensfähigkeit der amerikanischen Abschreckung während der Zeit von SALT II und der
Verhandlungen über SALT III gewährleisten.
Das Weiße Haus hatte am 8. Juni 1979 bekanntgegeben, daß Präsident Carter
die Entwicklung einer neuen Interkontinentalrakete, der sogenannten MX, beschlossen habe.
In der bekannten Sendung "Issues and Answers" (Fragen und Antworten) der
amerikanischen Fernsehgesellschaft ABC betonte Dr. Brzezinski am 10. Juni,
der SALT Il-Vertrag erlaube nach Ablauf des Protokolls die Dislozierung mobiler
Raketen.

"Die MX", so sagte er, "die in landgestützter, verifizierbarer mobiler

Art disloziert werden wird, wird nicht vor Ablauf des Protokolls disloziert werden.

Was die MX-Rakete angeht, so brauchen die Vereinigten Staaten niemanden

Zustimmung für die Entwicklung der Rakete.

Der Vertrag sieht vor, daß jede

Seite eine weitere Interkontinentalrakete entwickeln kann."
Auf

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Telex:08-85432

�Auf eine Frage, ob diese Entscheidung nicht die Sowjets zwingen könne,
eine ähnliche Entwicklung einzuschlagen, erwiderte der Sicherheitsberater:
"Ich glaube, man muß sich darüber im klaren sein, daß es, wenn in der Ära
von SALT II und dann in der Zeit, in der wir über SALT III verhandeln,
Stabilität geben soll, ein echtes Gleichgewicht in der Kapazität, eine echte
Gleichwertigkeit in der Oberlebensfähigkeit geben muß.
Die Sowjets haben in etwa im letzten Jahrzehnt Streitkräfte disloziert,
die in zunehmendem Maße eine der drei Säulen unserer Triade, nämlich die landgestützte Säule, unsere Interkontinentalraketen, gefährdet haben.

Was wir

jetzt zu tun beabsichtigen, ist eine Verstärkung dieser Säule durch eine Modernisierung - indem wir sie weniger verwundbar machen.
Wir hoffen, daß dies die Grundlage erstens für eine größere Stabilität,
zweitens für beiderseitige Verringerungen bilden und schließlich zur Schaffung
einer Situation beitragen wird, die beiden Seiten - uns und den Sowjets - einen
Anreiz bieten wird, von den landgestützten Raketen wegzukommen und auf seegestützte oder luftgestützte Raketen überzugehen.

Wenn wir die jetzige Entschei-

dung nicht getroffen hätten, hätten wir uns eines Tages sozusagen vom Land vertrieben gefunden, und unsere Abschreckung wäre in größere Gefahr geraten.

Es

muß in diesem Verhältnis eine Symmetrie herrschen."
Auf eine Anschlußfrage, ob die MX möglicherweise nur als Faustpfand für
künftige SALT HI-Verhandlungen gedacht sei, erklärte Dr. Brzezinski deutlich:
"Nein. Ich glaube wir müssen erkennen, daß Stabilität, Vertrauen und Abschrekkung in zunehmendem Maße auf zwei Stützen ruhen: der Rüstungskontrolle und
strategischen Kapazität, die jede Seite besitzt.
In dem Maße, in dem sich die Rüstungskontrolle ausweitet, können wir anfangen, unsere strategischen Streitkräfte abzubauen, aber bis die Rüstungskontrolle allumfassend geworden ist, muß man alle Maßnahmen treffen, die notwendig sind, um eine ausreichend moderne Abschreckung aufrechtzuerhalten.
Wir

�Wir haben seit den sechziger Jahren keine strategischen Entscheidungen
bezüglich neuer Waffen mehr getroffen.

Unsere Raketen vom Typ MINUTEMAN III

wurden in den sechziger Jahren disloziert.

Die Sowjetunion hat immer neuere

Waffen, strategische Waffen, disloziert und tut das heute noch.

Wir müssen

ein Gleichgewicht schaffen und eine Gleichwertigkeit für die Stabilität, und
wenn wir die Stabilität erreicht haben, dann können wir zügiger mit einer
weitergefaßten Rüstungskontrolle fortfahren."

Als einer der Korrespondenten die gezielte Frage stellte:

"Ist es mög-

lich, daß wir vor der Dislozierung der MX mit den Sowjets eine Vereinbarung
haben könnten, durch die sie einige ihrer bedrohenderen Raketen abschaffen
würden und wir die Dislozierung der MX nicht abschließen würden?"
Dr. Brzezinski:

erwiderte

"Es ist sehr schwer, sich vorzustellen, was für Verhältnisse

in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre herrschen werden.

Das SALT II-Ab-

kommen, vor dessen Abschluß wir stehen, wird bis 1985 gelten.

Ich kann mir

wirklich nicht vorstellen, wie die Verhältnisse in der zweiten Hälfte der
achtziger Jahre aussehen werden, aber ich kann ohne Zweifel sagen, daß wir,
wenn wir keine ausreichenden Maßnahmen auf strategischem Gebiet treffen, wir
die Gleichwertigkeit nicht aufrechterhalten und nicht in der Lage sein werden,
wirksam über SALT zu verhandeln."

Das Weiße Haus hat zu der Entscheidung Präsident Carters, die MX-Rakete
zu entwickeln, eine Erläuterung herausgegeben, die folgende wesentliche Punkte
enthält:

Präsident Carter hat sich zu folgendem Kurs entschlossen:
Wir werden auch weiterhin die bewährte Politik verfolgen, eine Triade
überlebensfähiger strategischer Waffenkomponenten zu unterhalten:

- Interkontinentalraketen
- unterseebootgestützte Raketen
- schwere Bomber.
Zu
- 3 -

�Zu diesem Zweck werden wir eine neue Interkontinentalrakete auf mobiler
Basis dislozieren, die Liberiebensfähig und verifizierbar ist.

Die neue Inter-

kontinentalrakete wird die voll einsatzfähige MX sein, die im Rahmen von
SALT II erlaubt ist und die jeder nur möglichen sowjetischen Rakete gleichwertig ist.
.

Die endgültigen Charakteristika des Dislozierungssystems werden in den
kommenden Monaten ausgearbeitet, wobei die Kosten, Sicherheits- und Umweltsüberlegungen sowie die Notwendigkeit der entsprechenden Verifizierbarkeit in
Betracht gezogen werden.
Unser Land braucht eine überlebensfähige, landgestützte ICBM-Streitkraft.
Kein anderes System bietet die gleiche Kombination von rascher und zuverlässiger Leitung und Kontrolle, sowie Flexibilität in allen nur möglichen Umständen
einer Bedrohung der Bevölkerung durch einen Atomkrieg.

Alle unsere Abschrek-

kungskräfte, wie Unterseeboote und Bomber, werden sicherer sein, wenn wir über
lebensfähige Interkontinentalraketen besitzen.
Diese Entscheidung wird die Chancen für einschneidende Verringerungen
und Kontrollen durch SALT III erhöhen:
Erstens stabilisiert sie das strategische Gleichgewicht; ohne ein solches
wären keine ernsthaften Verhandlungen möglich.
Zweitens bedeutet sie, daß es keinen sowjetischen Vorteil in einem Wettrüsten geben kann.
Drittens können wir eine deutliche Verringerung der strategischen Kräfte
ohne Verlust an Sicherheit in Erwägung ziehen, indem wir die Überlebensfähigkeit durch Mobilität verbunden mit Verbunkerung betonen.
Viertens kann der Umfang dieser Dislozierung schließlich dem Fortschritt
angepaßt werden, den wir im Verlauf von SALT erzielen werden.
Das
- 4 -

�Das Waffensystem, das wir erwägen, wird ähnliche Kosten verursachen wie
unser ursprü'ngl iches MINUTEMAN-I-Programm Mitte der sechziger Jahre.

Im Jahr-

zehnt seiner Entwicklung und Dislozierung können seine Kosten im Rahmen eines
ausgeglichenen Haushalts untergebracht werden, ohne größeren Einfluß auf andere geplante Programme sowohl im Bereich der Verteidigung als auch außerhalb
zu haben.

Wir glauben, daß dieses Programm zu vereinbaren ist mit jüngsten

Überlegungen des Kongresses zum Problem der Verletzbarkeit der MINUTEMAN.
Es wird Konsultationen hinsichtlich Umwelt- und Nutzungsfragen mit den
Regierungen der Einzelstaaten geben, in denen die Systeme disloziert werden.

- 5 -

�21

13. Juni 1979

US-STUDIE:

SELBSTVERSORGUNG IM ENERGIEBEREICH MÖGLICH

WASHINGTON - (AD)- Die Vereinigten Staaten können "ein hohes Maß
an Selbstversorgung im Energiebereich" erzielen, Voraussetzung dafür ist
nach Expertenmeinung jedoch die Bereitschaft der Amerikaner, die Risiken
einzugehen, die mit der stärkeren Verwendung von Kohle und Kernenergie
einhergehen.
Das ist das wichtigste Ergebnis einer Studie, die am 4 Juni 1979
von der in Washington ansässigen Forschungsorganisation "Resources for
the Future" veröffentlicht wurde. Im Laufe des Jahres soll sie auch in
Buchform erscheinen.
Die Studie schätzt, daß der amerikanische Energieverbrauch im Jahr
2000 ungefähr 115 "quads" betragen wird, wenn das Wirtschaftswachstum mit
den gegewärtigen Schätzungen übereinstimmt.

Dabei ist ein "quad" ungefähr

die Energie, die freigesetzt wird, wenn ein Jahr lang jeden Tag 500 000
Barrel öl (1 Barrel = 159 1) verbrannt werden.
In der Studie heißt es weiter:

"Dies setzt eine durchschnittliche

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�durchschnittliche Jahresrate des Zuwachses an Energieverbrauch von 1,8
Prozent voraus - verglichen mit einem Zuwachs des Bruttosozialproduktes
von jährlich 3,2 Prozent.

Mit anderen Worten gehen wir davon aus, daß

die Wirtschaft insgesamt schneller wächst als der Energieverbrauch."
Ohne die jüngsten Preiserhöhungen im Energiebereich und entsprechende
Einsparungsmaßnahmen könnte der Energiekonsum im Jahr 2000 der Studie zufolge noch 20 quads höher sein:

insgesamt 135 quads.

Die 20 eingesparten

quads entsprechen immerhin der gesamten Erdgasmenge, die in den Vereinigten
Staaten 1976 verbraucht wurde bzw. ein bis eineinhalbmal so viel wie in
diesem Jahr Kohle verbraucht wurde.
Hinsichtlich der zukünftigen Energieversorgung und -kosten heißt es
in der Studie:
"Unseren Ergebnissen zufolge wird es kurzfristig zu Produktionsschwierigkeiten im Erdöl- und -gasbereich kommen, aber unsere gesamten
amerikanischen Brennstoffvorräte sind, über einen längeren Zeitraum gesehen,
ausreichend, um größere Engpässe zu vermeiden. Es gibt jedoch Einschränkungen:
Zwar bieten uns die Kohle- und Uranvorkommen zusammen diese Sicherheit.
Aber nur für den Fall, daß wir die Technologien entwickeln, die
(a) die Verflüssigung und Vergasung von Kohle ermöglichen, und
(b) weitaus mehr verwertbare Energie aus dem Uran gewinnen als mit
unserer gegenwärtigen Nukleartechnologie."
Die Studie sagt weiter, daß verflüssigte Kohle und Ölschiefer etwa
doppelt so teuer sind wie Erdöl und Erdgas - zu Preisen des Jahres 1978.
Jedoch könnten diese geschätzten Kosten teilweise durch verbesserten Energieverbrauch gesenkt werden - dadurch etwa, daß man den Benzinverbrauch der
amerikanischen Autos einschränkt (von 14 Meilen pro Gallone im Jahr 1976

�1976 auf 28 im Jahr 2000).
Dem Bericht zufolge ist Kernbrennstoff billiger als Kohle, besonders
dort, wo die Kohle über große Entfernungen transportiert werden muß.
Allerdings wurde die Sonnenenergie gegenüber Kohle oder Kernenergie nicht
als wettbewerbsfähig angesehen, obwohl sie im Gegensatz zu den beiden
anderen Umweltvorteile hat.
Die Autoren der Studie sind der Meinung, daß keine deutliche Verschlechterung der Umwelt, der menschlichen Gesundheit und der Sicherheit
auftreten muß, solange eine vernünftige Energie- und Umweltplanung betrieben wird.
Jedoch weisen sie darauf hin, daß "alle nur möglichen Anstrengungen
unternommen werden müssen, um die Gefahr von Katastrophen, vor allem auf
dem Gebiet der Kernenergie, so gering wie möglich zu halten. Dazu brauchen
wir zweierlei: einmal technische Verbesserungen, die die Möglichkeit eines
Betriebsschadens vermindern und zum andern institutionelle Neuerungen, die
die Technologie mit zusätzlichen Vorkehrungen umgeben, sodaß menschliche
Böswilligkeit ebenso wie Unglücksfälle vereitelt werden können. Bei der
Einleitung wirkungsvoller Schritte darf es keine Verzögerungen mehr geben,
vor allem, wenn es sich um Kernenergie handelt."
Die Vereinigten Staaten werden ihre Energieprobleme nur dann lösen
können, wenn ein politischer Kompromiß gefunden werden kann zwischen denjenigen, die aus "expansionistischer" Sicht eine Erhöhung des Energieangebots fordern, um die wachsende Nachfrage zu decken und den Vertretern eines
"beschränkten" Standpunktes, die Umweltwerte und eine Verminderung der
Energienachfrage fordern.
"Übereinstimmung hinsichtlich der Ziele ist wesentlich - nicht nur,
um Initiativen für langfristige Forderungen ergreifen zu können, sondern auch,

- 3 -

�auch, um mit kurzfristigen Problemen fertigzuwerden.

Nur realistische

Langzeitziele, die die Möglichkeiten des Landes im Energiebereich darlegen
und gleichzeitig die Mittel aufzeigen, um dieses Ziel zu erreichen, können
das unangenehme Gefühl zerstreuen, daß dieses Land nichts anderes mehr tun
kann, als passiv auf Entwicklungen zu reagieren, die sich in anderen Teilen
der Welt zutragen und über die keine Kontrolle mehr möglich ist."
Um diese Selbstversorgung zu erreichen, setzt man in den Vereinigten
Staaten nicht zuletzt auf Erdgas - wie aus einem Bericht des Vorsitzenden
der "American Gas Association" hervorgeht.
Um mehr als 14 Prozent sind danach die Investitionen für neue Bohrungen
gegenüber dem Vorjahr angestiegen - und allein in Texas wurde etwa 40 Prozent
mehr Erdgas entdeckt als 1978. Die Gründe dafür werden einmal in der Zustimmung des Kongresses zum "National Gas Act" gesehen, zum anderen auch
in dem kürzlich von Präsident Carter angekündigten Neuen Energieplan.
Schließlich zeigte sich sogar das Amt für Umweltschutz aufgeschlossen:

Erd-

gas kann mit stark schwefelhaltigem ül gemischt werden und bringt so den
Schwefelgehalt auf ein umweltfreundliches Niveau.
Die Möglichkeiten für Erdgas, diese größte einheimische Energiequelle,
die nach heutigen Verbrauchsraten auch noch in 35 bis 40 Jahren den Bedarf
decken wird, sind vielfältig. So fahren schon jetzt über 3000 amerikanische
Autos mit komprimiertem Erdgas. Außerdem kann es zur Ergänzung von Kohle
in bestimmten Gegenden und Perioden dienen, wenn der Verschmutzungspegel hoch
ist.
Eingeführtes Flüssiggas - ein Vertrag mit Indonesien steht kurz vor dem
Abschluß-hat, den Worten des Präsidenten der Gesellschaft nach, dabei noch
den zusätzlichen Vorteil, sich günstiger als öl auf die Zahlungsbilanz auszuwirken und bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze in Amerika behilflich zu
sein.
+ + + + +

�21

13. Juni 1979

LETZTE MANÖVER MIT SKYLAB GEPLANT
- Absturz Mitte Juli erwartet -

- (AD) - Nach den neuesten Berechnungen des Nordamerikanischen Luftverteidigungskommandos (NORAD), das die z. Zt. mehr als 4500 Objekte in Erdumlaufbahnen überwacht, ist zwischen dem 4. und 28. Juli 1979 mit dem Absturz
der amerikanischen Raumstation SKYLAB zu rechnen: Die Chancen stunden 50
zu 50, daß dies um den 16. Juli geschehe. Einer Verlautbarung der amerikanischen Weltraumbehörde NASA vom 1. Juni zufolge ist in nächster Zeit ein
Manöver geplant, das das ehemalige "Himmelslabor" in eine Drall-Ausgleichsposition bringt. Der ca. 80 Tonnen schwere Flugkörper wird dadurch statisch
stabil, ist aber dynamisch instabil. Auf diese Weise sollen die immer stärker
auf den Satelliten wirkenden aerodynamischen Kräfte ausbalanciert werden, so
daß die Bordsysteme trotz nachlassender Leistung die Flugstabilität noch gewährleisten. Auf die Funkbefehle von der Erde reagieren sie nach wie vor,
und Treibstoff für die Lageregelungsdüsen ist ausreichend vorhanden.
Dem Johnson-Raumflugzentrum in Houston (Texas), das für die SKYLABFlugkontrolle verantwortlich ist, wird dadurch die Kontrolle über den Satelliten
bis zur letzten Flugphase möglich.

Daß diese Phase schon jetzt anstatt erst

Anfang der achtziger Jahre, wie zur Zeit des Starts im Mai 1973 errechnet,

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�errechnet, bevorsteht, hängt mit der ungewöhnlich starken Sonnenaktivität
Mitte der siebziger Jahre zusammen.

Die Erdatmosphäre blähte sich stärker

auf, als es normalerweise der Fall gewesen wäre.

Das hatte u.a. zur Folge,

daß die Dichte der Luftmoleküle in der Umlaufbahn des auf 435 km Höhe eingeschossenen SKYLAB groß genug wurde, um es stärker als vorausberechnet abzubremsen.
Sicherheitshalber hatte zwar die NASA den Satelliten nach der Rückkehr
der letzten der drei amerikanischen Astronauten-Mannschaften im Februar 1974
auf 450 km Flughöhe angehoben, um die Möglichkeit für seine Verwendbarkeit
im Zusammenhang mit späteren Raumtransporterflüge offenzuhalten.

Aber nicht

vorausberechenbare Kräfte der Natur führten eine besondere Regie. Wohl war
es Mitte 1978 gelungen, die Funkverbindung mit SKYLAB und die Kontrolle bzw.
die Funktionen der wichtigsten Bordsysteme wieder voll herzustellen.

Aber

im Dezember 1978 mußte, sowohl wegen der Sinkgeschwindigkeit von SKYLAB als
auch wegen Verzögerungen im Raumtransporterprogramm, der Plan aufgegeben
werden, in einem Rendezvous mit der Raumstation ein Triebwerk an ihr anzubringen, das leistungsfähig genug gewesen wäre, um sie entweder in eine höhere
Umlaufbahn zu transportieren oder über einem ausreichend großen Meeresgebiet
gezielt zum Absturz zu bringen.
Am 7. Juni 1979 befand sich SKYLAB laut NORAD in 270 km Höhe. Pro Tag
sinkt es derzeit etwa 1000 m tiefer auf seiner Erdumlaufbahn, die über die Gebiete zwischen dem 50. Grad nördlicher und südlicher Breite und somit zu 75
Prozent über Wasser führt. Je weiter der Satellit in die Lufthülle eindringt,
desto stärker machen sich die atmosphärischen Kräfte bemerkbar. In Höhen
unterhalb 180 km, insbesondere um 145 km, beginnt die Situation kritisch zu
werden. NASA-Experten haben, um die Station dennoch unter Kontrolle halten
zu können, Steuerungsverfahren ausgearbeitet, durch die der Luftwiderstand
am SKYLAB spezieller Lageveränderungen des Satelliten "moduliert" wird.
Dieser Konzeption zufolge soll, wie NASA-Chef Robert A. Frosch vor einem
Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses ausführte, SKYLAB bis zu

�zu dem Zeitpunkt, wo ihm noch eine Frist von 24 Stunden bis zum Ende gegeben
wird, in einer Position mit hohem Widerstand ("high-drag attitude") gehalten
werden.

(Für die Berechnung der Absturzzeit auf der genannten 24-Stunden-

Basis und damit auch des betroffenen Gebiets ist eine Abweichung bis zu zehn
Stunden, d.h. bis zu sieben Erdumkreisungen, einzukalkulieren.)

Dann sei

ungefähr absehbar, ob die letzten Orbits so liegen, daß Trümmerreste ins Meer
fallen oder aber vermutlich über Landgebieten niedergehen werden.

Erschienen

dichter besiedelte Landgebiete gefährdet, bestünde jetzt die Möglichkeit, den
Satelliten in eine Position mit niedrigem Luftwiderstand ("long-drag attitude")
zu bringen, könne der Absturz um vier Stunden hinausgezögert werden.

Und in

dieser Zeit hätte sich die Erde unter dem sie umkreisenden Satelliten so weitergedreht, daß besiedelte Gebiete aus der Gefahrenzone heraus seien.

Das Risiko, daß überhaupt ein Mensch irgendwo auf der Erde durch SKYLABTrümmer Schaden erleiden könnte, beträgt nach statistischen Berechnungen 1:152.
Das bedeute, wie Dr. Frosch erklärte, daß mit einem einzigen Schadenfall unter
4,22 Milliarden Menschen zu rechnen wäre, wenn 152 SKYLABs zurückkehrten. Anders ausgedrückt:

Das persönliche Risiko liege bei 1:600 Milliarden - im Ver-

gleich dazu das Risiko eines amerikanischen Bürgers im Verlauf eines Jahres,
bei einem Autounfall ums Leben zu kommen, bei 1:5000.

Wie jeder Satellit wird auch SKYLAB beim Eintritt in die dichte Atmosphäre
durch den Widerstand und die Reibungshitze der Luft aufbrechen.

Der größere

Anteil des Materials verbrennt bereits in Höhen zwischen 105 und 70 km. Schätzungsweise 18 000 bis 22 500 kg der Gesamtmasse können jedoch in Form von
400 - 500 nur teilweise abgebrannten Trümmern zur Erdoberfläche gelangen. Es
ist nicht möglich, den ca. 6500 km langen und 165 km breiten Absturzkorridor
für die Bruchstücke exakt vorauszusagen.

Den Analysen der NASA zufolge ist zu

erwarten, daß mehr als die Hälfte der Trümmer weniger als 4,5 kg, 38 mehr als
113 kg und 10 mehr als 450 kg wiegen.

Die beiden mit Abstand größten Teile,

denen der Aufbrechvorgang in der Atmosphäre möglicherweise auch nicht viel anhaben kann, sind die 1,8 Tonnen schwere Kammer, in der die Filme aufbewahrt
wurden, und die 2,25 Tonnen schwere Luftschleuse.

- 3-

...

�Wie Dr. Frosch vor dem Kongreßausschuß erklärte, könne

erwartet werden,

daß alle Trümmer nahezu senkrecht mit Geschwindigkeiten zwischen 14 und 115 m
pro Sekunde die Erde erreichen.

Mit Stoßwellen von zerstörender Kraft oder

"Kratern" werde nicht gerechnet.

Die Mehrzahl der Trümmer werde vermutlich

auf einer 1900 km langen Strecke niedergehen.

Die mehr als 113 kg schweren

Teile dürften sich auf ein 965 km langes Gebiet an der Stirnseite des "Korridors" konzentrieren; allerdings seien erhebliche Abweichungen von dieser Verteilung möglich.

Aber selbst dort, wo die "Konzentration" am größten sei, sei

mit nicht mehr als drei Trümmern innerhalb einer Fläche von 260 qkm zu rechnen.
Der Leiter der NASA betonte - und darauf war bereits in einer NASA-Presseverlautbarung verwiesen worden -, daß die Rückkehrverzögerung durch Widerstandsmodulation nur beabsichtigt sei, wenn bei dem natürlichen Ablauf der Ereignisse mit einer Gefährdung bestimmter Gebiete gerechnet werden müsse und
wenn feststehe, daß ein Manöver das Risiko nicht erhöhe.

Für den Fall, daß

SKYLAB in der allerletzten Phase von sich aus in eine Position mit niedrigem
Widerstand falle und die Vorausberechnung der dadurch zu erwartenden Bahn Gefährt für dicht besiedelte Gebiete signalisiere, werde umgekehrt durch einen
Funkbefehl die Position zum hohen Luftwiderstand hin "moduliert".

Dadurch

würde im Interesse der Sicherheit solcher Gebiete der Absturz vorverlegt.
übrigens kehrten bis Anfang Mai 1979 - kaum oder überhaupt nicht bemerkt bereits 1711 amerikanische und 4110 sowjetische Raumflugkörper - Teile von
Trägerraketen und Satelliten - zur Erde zurück. Eine Ausnahme bildete lediglich der sowjetische Satellit Kosmos 954, der im Januar 1978 mit radioaktivem
Material im Nordwesten Kanadas niederging. NORAD-Sprecher berichten, daß
jeden Tag einige Raketenteile oder Satelliten wieder in die dichte Atmosphäre
eintreten - in der Zeit von 1974 bis 1978 kamen insgesamt 2594 Objekte zurück.
Bei 1957 von ihnen wahr die Wahrscheinlichkeit gleich Null, daß Trümmer bis
zur Erde gelangen würden. Andererseits wurde bei 627 Objekten (ca. 25 Prozent)
erwartet, daß sie die Rückkehr "überleben".
Eine

- 4 -

�Eine Anzahl amerikanischer Behörden haben Vorsorgemaßnahmen im Zusammenhang mit der SKYLAB-Rückkehr in die Wege geleitet. Das US-Außenministerium
steht über die amerikanischen Botschaften im Bereich des Orbit-Gürtels mit
den Regierungen der betreffenden Länder in Verbindung, die laufend über.den
neuesten Stand der Erkenntnisse informiert werden. Sollten sich materielle
oder gesundheitliche Schäden durch SKYLAB ergeben, leisten die Vereinigten
Staaten Hilfe, sofern diese angefordert wird. Nach internationalem Recht ist,
wie ein hoher Beamter des amerikanischen Außenministeriums erklärte, der Staat,
der einen Raumflugkörper gestartet hat, voll haftbar, für jegliche Schäden,
die einer seiner Raumflugkörper verursacht, Entschädigung zy leisten.

- 5 -

�International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Juni 1979

21

BLUMENTHAL ZUR WELTWIRTSCHAFTSPOLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister, W. Michael
Blumenthal, gab am 22. Mai 1979 vor dem Unterausschuß für Internationale
Wirtschaftspolitik des Außenpolitischen Ausschusses des Senats einen
Überblick über die Weltwirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten. Nachfolgend die Abschnitte "Die gegenwärtigen Aussichten", "Internationale
Währungsfragen" und "Das bevorstehende Gipfeltreffen".

Die gegenwärtigen Aussichten
Alle unsere Handelspartner haben gegenwärtig die einen oder anderen
Schwierigkeiten, um mit der komplexen wirtschaftlichen Lage fertig zu
werden, in der sich die Welt befindet. Unsere Verhandlungen beim Gipfeltreffen, bei der OECD, beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und auch
sonst lassen deutlich werden, daß bis zu einem gewissen Grad alle führenden
Industriestaaten ähnliche Probleme haben.
Lassen

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�Lassen Sie sie mich kurz ansprechen.
Das wichtigste gemeinsame Problem ist die Inflation.

Während der

ersten zwanzig Jahre nach dem Krieg betrug die Inflation in den Vereinigten
Staaten durchschnittlich nur 1,6 Prozent.

In den siebziger Jahren ist die

durchschnittliche Inflationsrate auf nahezu sieben Prozent gestiegen und
ist mindestens zweimal sogar mehr als zweistellig geworden.

Was die

anderen Industrieländer als Gruppe anbelangt, so betrug die Inflationsrate
in den sechziger Jahren im Durchschnitt 4,2 Prozent und in den siebziger
Jahren über 9 Prozent.
Das Problem liegt darin, daß das allgemeine Inflationsniveau auf
einen gefährlichen Punkt angestiegen ist. Die Wirkungen der ölschocks
in den Jahren 1973 bis 1974 waren eindeutig größer und langanhaltender als
frühe Schätzungen vermuten ließen.

In steigendem Maß beginnen wir den

Preis für unzureichende Produktivität und zögernde Kapitalbildung zu bezahlen:

nicht nur hier in den Vereinigten Staaten, sondern auch anderswo.

Der Beweis dafür ist unsere gegewärtige missliche Lage: Viel eher als
erwartet werden in einer Reihe von Ländern Grenzen der Leistungsfähigkeit
erreicht, selbst wenn eindeutige Maßstäbe, wie etwa die Arbeitslosenzahlen,
einen Kapazitätsüberhang signalisieren. In Japan und Italien zum Beispiel
kann die Automobilindustrie nicht mehr mit der Nachfrage Schritt halten.
In Kanada müht sich die Holzfaser-, die Textil- und die Stahlindustrie ab;
in den Vereinigten Staaten spüren die Aluminiumindustrie und die chemische
Industrie den Druck der Kapazitätsbegrenzung.
Vor diesem Hintergrund ist die kurzfristige Aussicht, was die Inflation
anbetrifft, getrübt. Die kürzlich von der Organisation der erdölfördernden
Länder (OPEC) durchgesetzten Preiserhöhungen werden wehtun. Allein seit
Januar haben die OPEC-Länder ihre Preise um 20 Prozent erhöht, über den
Daumen gepeilt rechnen wir, daß 10 Prozent Preiserhöhungen durch die OPEC

- 2 -

�OPEC zu einer Erhöhung des Verbraucherpreis-Index von 0,3 - 0,4 Prozent
bei amerikanischen Produkten führen.

Länder, die noch stärker von ülein-

fuhren anhängen, leiden noch mehr darunter.

Zu diesem Hauptärgernis kommt

noch ein sichtbarer Anstieg bei ausgewählten Rohstoffpreisen und steigende
Lohnforderungen in allen OECD-Ländern.

Die Basis ist nun, daß das amerikanische

Finanzministerium im Jahr 1979 von einem Inflationsanstieg im OECD-Raum ausgeht, der noch um 1,5 Prozent über den 6,9 Prozent des Jahres 1978 liegt.

Bedenken gibt es auch bei den Aussichten auf dem Gebiet der weltweiten
Zahlungsbilanz.

Im Lauf des Jahres 1979 wird sich ihr gegenwärtiges Un-

gleichgewicht im ganzen noch deutlich verschlechtern.

Durch wesentlich

höhere OPEC-Exportgewinne und durch Kürzunq von Ausgaben wird der OPECÜberschuß wahrscheinlich auf ein 25 bis 30 Milliarden-Dollar-Niveau ansteigen, nachdem er während der zweiten Hälfte des letzten Jahres so gut
wie verschwunden war.

Dieser scharfe Anstieg im Jahr 1979 wird sich in

einem Rückfall der OECD-Länder ins Defizit widerspiegeln, wobei ihre Gesamtzahlungsbilanz von einem 5,5-Milliarden-überschuß im Jahr 1978 auf ein
Defizit von 10 oder mehr Milliarden Dollar zurückgeht.

Bei den Entwicklungs-

ländern ohne eigene Ölvorkommen wird mit einem um 5 Milliarden höheren
Defizit gerechnet, wobei ihr Gesamtdefizit (ausgenommen offizielle Transfers)
zum ersten Mal seit 1975 30 Milliarden Dollar übersteigen könnte.

Dieser

Umschwung in der Zahlungsbilanz wird bei einigen Ländern zu finanziellem
Druck führen.

Gleichzeitig ist es jedoch wichtig, anzumerken, daß es eine deutliche
Verbesserung im Verhältnis der verschiedenen Zahlungsbilanzen innerhalb
des OECD-Gebiets zueinander geben sollte, was von der Tendenz her Stabilität
in einer ansonsten sehr schwierigen Lage mit sich bringen würde.

Die

Oberschüsse von Japan, der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz
werden abnehmen.

Ihre Oberschüsse zusammengenommen werden zwar weiter sehr

hoch sein - vielleicht mehr als 15 Milliarden Dollar -, aber erträglicher
als die 30 Milliarden Dollar des Jahres 1978. Am anderen Ende des Spektrums

- 3 -

�Spektrums dürfte das amerikanische Zahlungsbilanzdefizit deutlich geringer
als das letztjährige 16-Milliarden-Dollar Defizit sein.
Diese Verbesserung der Zahlungsbilanzverhältnisse zwischen den
wichtigsten Ländern ist mehr als bloßer Zufall.

Eine solche Verbesserung

ist das Hauptziel unserer Anstrengungen bei früheren Gipfeltreffen, beim
IWF und in der OECD, sowie bei unseren bilateralen Gesprächen mit den
betroffenen Ländern gewesen.

Wir haben besonders mit Japan zusammenge-

arbeitet, um Wege zur Verringerung des großen japanischen Zahlungsbilanzüberschusses zu finden - sowohl weltweit als auch bilateral mit den
Vereinigten Staaten - und um den Druck aufzuheben, der von dieser Quelle
auf das System ausgeht.

Diese verschiedenen Anstrengungen bringen uns nun

willkommene Ergebnisse.

Aber sie müssen auch weiterhin ununterbrochen auf-

rechterhalten werden.
Diese zwei Beispiele machen deutlich, daß die wirtschaftliche Gesundheit
der Industrieländer - und im weiteren Sinne auch der Entwicklungsländer durch die Machtkonzentration bei der OPEC in Gefahr gerät. Realistisch
betrachtet gibt es nur geringe Möglichkeiten, diese unangenehme Lage zu
verbessern, solange der Verbrauch in den Industrieländern so hoch und die
Produktion so niedrig ist. Zu diesem Zweck hat der Präsident die Preisbindungen für einheimisches Rohöl aufgehoben. Dieser mutige Schritt des
Präsidenten wird von allen OPEC-Ländern unterstützt. Er wird Anreiz bieten
zu einer drastischen Produktionsausweitung, um auf diese Weise Erleichterungen
auf dem Weltölmarkt zu ermöglichen. Und er wird zum Wohl aller Länder
zum Obergang auf andere Energiequellen ermutigen.
Ein zweiter Schritt, der unternommen wurde, ist die Aufforderung .
der Mitglieder der Internationalen Energieagentur (IEA), den Ölverbrauch
im 4. Quartal dieses Jahre um 5 Prozent oder 2 Millionen Barrel pro Tag
unter die Marke zu senken, die ursprünglich vor den Preismaßnahmen des
Jahres 1979 erwartet wurde.

�Die IEA untersucht auch die Möglichkeiten für eine zunehmende Verwendung von Kohle als Ersatz für Erdöl.

Dies und die 5 Prozent-Forderung

werden heute in Paris auf Ministerebene diskutiert.
Die Themen Energie und OPEC werden auch weiterhin in den internationalen Wirtschaftsforen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen,
einschließlich des Tokio-Gipfels, in dessen Verlauf wir hoffen, daß die
Diskussion sich auf zusätzliche Wege zur Erweiterung aller Arten von Energieproduktion und auf neue Möglichkeiten der weiteren Einschränkungen des
Verbrauchs konzentrieren wird.

Internationale Währungsfragen
Die Veränderungen im Bereich der Energie, der Inflation und der
Zahlungsbilanz der jeweiligen Länder finden ihren Widerhall auf den
internationalen Devisenmärkten. Wie immer so auch heute ist die internationale Zusammenarbeit im Währungsbereich der Schlüssel zur Regulierung
der Veränderungen und Zwänge, die sich in der Weltwirtschaft entwickeln.
Voriges Jahr zum Beispiel fiel der Dollar auf den Devisenmärkten so
schnell, daß Angst und Spekulation um sich griffen und die Stabilität
des System insgesamt gefährdeten. Eine Reihe energischer binnenwirtschaftlicher Maßnahmen unserer eigenen Regierung, verbunden mit einem
koordinierten Programm von Eingriffen auf dem Devisenmarkt durch die
Vereinigten Staaten und die Zentralbanken der Bundesrepublik Deutschland,
der Schweiz und Japans veränderten die Lage.
Gegenwärtig ist der Dollar wieder stark. Und der Devisenmakrt ist
besser ausgewogen. Der einzige störende Faktor auf diesem Markt war in
den letzten Wochen eine plötzliche unberechenbare Schwäche des japanischen
Yen, die in erster Linie eine Empfindlichkeit der japanischen Energieab-

- 5 -

�Energieabhängigkeit gegenüber ausdrückte.
In bezug auf das System als solches war das internationale Währungssystem im Lauf der letzten zwei Jahre Zielscheibe vieler Kritik.

Doch bieten

heute die verbesserten Bedingungen auf dem Devisenmarkt und die Aussicht
auf ausgeglichenere Zahlungsbilanzen zwischen den wichtigsten Industrieländern die Möglichkeit, solche Maßnahmen zu überlegen, die die Entwicklung
des Systems stärken und lenken könnten.
Im internationalen Währungssystem gibt es zwei zusammenhängende Bereiche,
die Anlaß zum Nachdenken bieten:

der Eurodollarmarkt und der sogenannte

"Dollarüberhang".
Der ursprüngliche Anstoß zum raschen Wachstum des Eurodollar-Marktes
kam dadurch, daß die Vereinigten Staaten in den sechziger Jahren Kapitalkontrollen einführten. Die Wettbewerbsvorteile des Marktes, zusammen mit
der Notwendigkeit, die großen Zahlungsbilanzdefizite zu finanzieren, die
unmittelbar als Folge der UlPreiserhöhungen auftauchten, haben es ihm ermöglicht, sogar nach der Beseitigung unserer Kontrollen zu gedeihen.
Schätzungen über die Größe der Eurodollarmärkte im Jahr 1978 bewegen sich
zwischen 600 und 800 Milliarden Dollar.
•

Die meisten Beobachter schätzen die überaus nützliche und wirkungsvolle
Rolle, die der Euromarkt spielt, indem er Mittel von Überschuß- in Defizitländer leitet und dadurch der Welt hilft, eine ernsthafte Deflation und
direkte Handels- und Zahlungsrestriktionen zu vermeiden. Es hat aber
auch ernsthafte Debatten darüber gegeben, ob die Ausdehnung des Eurodollarmarktes bereits übertrieben ist - oder es werden könnte - und ob die
Einschränkungen einiger seiner Vorteile gegenüber den Inlandsmärkten nicht
zu empfehlen sei.
Kurz gesagt, liegt das Problem mit den Eurodollarmärkten darin, daß

�daß sie nicht im gleichen Maß den Kontrollen unterliegen wie die einheimischen
Geldmärkte.

Kritiker betrachten sie als eine unkontrollierte Quelle der

Kreditausweitung.

Dies kompliziert angeblich die Währungspolitik und die

antiinflationären Maßnahmen.
Es ist nicht klar, ob der Euromarkt ein Mittel exzessiver Kreditbildung
darstellt, das die weltweite Inflation verschlimmert oder im wesentlichen
ein hochwirksamer vermittelnder Verteilungsfonds von Kreditgebern für
Darlehensnehmer ist. Sicher floß ein großer Teil der jüngsten internationalen
Darlehen über den Euromarkt. Aber trotz seines Anwachsens stellt sein
Kreditvolumen im Endeffekt doch nur einen Bruchteil der auf den einheimischen
Geldmärkten erstellten Gesamtfonds dar; im Fall der Dollarkredite etwa
15 Prozent im Verlauf des Zeitraums von 1974-1978. Trotzdem handelt es sich
um einen wachsenden Anteil und sein Verhältnis zu nationalen und internationalen Geld- und Kreditbewegungen benötigt sicherlich sorgfältige Bewertung.
Bundesbankpräsident Miller und der Staatssekretär Solomon haben mit
ihren ausländischen Kollegen eine sorgfältige Bewertung dieses Marktes vorgenommen. Dabei konzentrierte sich die Diskussion darauf, ob zusätzliche
Maßnahmen nötig seien, um sicherzustellen, daß die Euromärkte nicht zu
einer Untergrabung der nationalen Geld- und Kreditpolitik führen. Es
scheint, daß zumindest allgemeine Übereinstimmung darüber herrscht, die
Aufsichtstechniken zu verstärken. Die Währungsaufsicht hat eine Reihe von
Schritten zur Verbesserung des Überblicks über die Darlehensgewohnheiten
der amerikanischen Bankfilialen im Ausland unternommen, einschließlich der
Einführung eines umfassenden Systems, das Berichte über ihre Tätigkeiten
fordert. Ähnliche Schritte werden von den anderen erwogen. Und eine
Vielfalt zusätzlicher Maßnahmen - einschließlich der Einführung einer
gesetzlichen Mindestreserve von Einlagen in europäischen Währungen - werden
ebenfalls erwogen. Das ist ein Bereich, der in nächster Zeit sorgfältige
Aufmerksamkeit verdient.
Hinsichtlich
- 7 -

�Hinsichtlich des sogenannten "Döllär-überhangs" veranlaßte der Niedergang des Dollar auf dem internationalen Geldmarkt manche Leute zu der Frage,
ob das Vorhandensein großer Dollarguthaben im Ausland eine wesentliche Quelle
der Instabilität im internationalen Währungssystem darstelle.

Einige

225 Milliarden Dollar liegen bei den Zentralbanken auf offiziellen Konten
und nochmals 400 bis 600 Milliarden Dollar befinden sich in privater Hand.
Es ist natürlich klar, daß plötzliche Eigentumsveränderungen bei ausländischen
Dollarguthaben in nicht unbedeutendem Maß'zu Druck und Instabilität auf den
Devisenmärkten führen können und es manchmal auch schon getan haben - obwohl
nicht klar ist, ob das Vorhandensein solch hoher Auslandsguthaben in sich
selbst bereits ein ernstes Problem darstellt.
Die Erfahrungen des letzten Herbstes und des Zeitraums, der den am
1. November ergriffenen Maßnahmen folgte, haben gezeigt, daß die Erwartungen
und Vorstellungen betreffs unserer grundlegenden Wirtschaftspolitik sowie hinsichtlich der Leistungen und der künftigen Aussichten unserer Volkswirtschaft
die beherrschenden Überlegungen sind, die all diejenigen Entscheidungen
beeinflussen, welche den Dollar betreffen.
Darüber hinaus hat diese Erfahrung erneut bestätigt, daß ein enormer
Spielraum für Kapitalbewegungen besteht, was ganz unanhängig von der vorhandenen Menge an ausländischen Dollarguthaben zu Druck auf den Devisenmärkten führen kann. Obwohl solche Schritte zur Verringerung der internationalen Rolle des Dollar vielleicht einige positive Auswirkungen auf
die Vorstellungen und das Verhalten des Marktes haben kann, glaube ich
dennoch nicht daran, daß solche Schritte an die eigentliche Ursache der
Probleme cies Devisenmarktes rühren.
'!
Trotzdem wird viel darüber diskutiert,
den IWF eingerichtet werden solle, über das
ziehungsrechte eingetauscht werden können.
bereit, ein solches Ersatzkonto in Erwägung

- 8 -

ob ein "Ersatzkonto" durch
Dollar gegen sogenannte SonderDie Vereinigten Staaten sind gerne
zu ziehen, jedoch nur als einen

�einen Schritt in der Entwicklung des Währungssystems zu einem auf Sonderziehungsrechten beruhenden System.

Wir betrachten dieses Ersatzkonto nicht

als Notstützung für den Dollar.

Das bevorstehende Gipfeltreffen
Das Gipfeltreffen spielt in diesem Prozeß eine entscheidende Rolle.
Dieses Gipfeltreffen soll sich auf Energie, Wirtschaftspolitik und auf
die Beziehungen zu den Entwicklungsländern konzentrieren.

Obwohl auch

Rückschau auf den Fortschritt im Handels- und Währungsbereich gehalten wird,
so wird die Betonung doch nicht hierauf liegen.
Wie ich schon sagte, möchten wir die Diskussion im Energiebereich
auf Wege zur erhöhten Energieproduktion und zu weiterer Verbrauchsbeschränkung konzentriert sehen.
Hinsichtlich der Makrowirtschaftspolitik erwarten wir von der Diskussion,
daß sie sowohl

kurzfristiges Wachstum als auch Antiinflationsaussichten

für die Weltwirtschaft mit einschließt;

außerdem eine Politik, die Protek-

tionismus vermeidet und Anpassung begünstigt;

schließlich mittelfristige

Strukturanpassungen in unseren Volkswirtschaften, die uns dabei helfen
werden, ein stabileres Muster für unsere Zahlungsbilanzen zu finden.
Voriges Jahr in Bonn lag die Betonung auf Verpflichtungen hinsichtlich
der kurzfristigen Orientierung der Politik - spezielle Wachstumsziele für
Japan und die Bundesrepublik Deutschland, antiinflationäre Verpflichtungen
für andere usw.

In diesem Jahr herrscht das Gefühl, daß die kurzfristige

Politik der Teilnehmer im großen und ganzen ihrer jeweiligen Lage angemessen ist und keine wesentlichen Marschänderungen in Aussicht stehen.
Deutlich wurde, daß einige Länder ihre Politik jetzt werden abändern müssen,

- 9 -

�müssen, um die allmählichen Veränderungen in ihrer Handelsstruktur zu erzielen, die eher langfristig von Bedeutung sein werden.

Die Vereinigten

Staaten etwa müssen mehr Betonung auf den Export legen, Japan sollte sich
mehr auf die Produktion für den Inlandsmarkt umorientieren.

Und alle

Gipfel teil nehmer, besonders aber die Vereinigten Staaten,müssen neue Wege
zur Verbesserung ihrer Produktivität und zur Steigerung der Kapitaibildung
finden, um in Zukunft ein nichtinflationäres Wachstum zu gewährleisten.
Was schließlich die Beziehungen zu den Entwicklungsländern angeht
- die sogenannten Nord-Süd-Themen -, so erwarten wir von der Diskussion,
daß sie all die gemeinsamen Zielsetzungen der bevorstehenden Verhandlungen
im Rahmen der Vereinten Nationen über eine Entwicklungsstrategie für die
3. Entwicklungsdekade behandeln wird.

+ + + + +

.

•

•

-

•

-&lt;

10

�Wirt/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
13. Juni 1979

21

USA MIT ERGEBNISSEN VON UNCTAD V NICHT UNZUFRIEDEN
- Von unserem Korrespondenten John J. Harter -

MANILA - (AD) - Die Vereinigten Staaten sind mit den Ergebnissen
der Fünften Konferenz der Vereinten Nationen über Handel und Entwicklung UNCTAD V -, die am 3. Juni 1979 zu Ende ging, nicht unzufrieden. Wie der
Leiter der amerikanischen Delegation, der Staatssekretär für Internationale
Finanzen und Entwicklung,Charles F. Meissner, erklärte, brachte die einmonatige Konferenz in Manila ein "anständiges" Ergebnis. Vor allem die
Zusage»den ärmsten der Entwicklungsländer verstärkte Hilfe zukommen zu
lassen, wird
als positiver Aspekt betrachtet. Eine Regelung der internationalen Schiffahrtsprobleme, die allen Beteiligten gerecht geworden
wäre, konnte jedoch leider nicht gefunden werden.
"Die Beschlüsse, die wir gefaßt haben, stellen sinnvolle Übereinkünfte
und Verpflichtungen dar", so erklärte Meissner in einem Interview unmittelbar nach Ende der Konferenz. "Wenn wir nicht in der Lage waren, Übereinstimmung bei Themen wie Handel, Rohstoffe oder Finanzen zu erzielen, so
haben wir wenigstens unsere Differenzen nicht durch leere Rhetorik über-

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�überkleistert.

Vielmehr kamen wir ü'berein, unsere Meinungsverschieden-

heiten offen zu zeigen und unsere unterschiedlichen Ansichten dem Handelsund Entwicklungsausschuß zuzuleiten, der sie auf seiner nächsten Sitzung
im Oktober näher behandeln wird."
Der Handels- und Entwicklungsausschuß, der zweimal jährlich in Genf
zusammentritt, hat umfassende Handlungsvollmacht in der sitzunqsfreien Zeit.
"Wir haben einige sehr innovative und potentiell kreative Beschlüsse gefaßt", so sagte Meissner weiter, "einschließlich eines neuen Programms, das
den am wenigsten entwickelten Ländern in den achtziger Jahren wahrscheinlich
echte wirtschaftliche Vorteile bringen wird; weiterhin ein Beschluß in
der Absicht, die Fähigkeit der Entwicklungsländer zur Übernahme moderner
Technologie zu stärken, sowie ein Beschluß zur Förderung der wirtschaftlichen
Zusammenarbeit der Entwicklungsländer untereinander".
Meissner betonte, daß die wesentlichen Ziele der Amerikaner in dieser
Konferenz erreicht worden seien, besonders hinsichtlich Handel, Rohstoffen
und den am wenigsten entwickelten Ländern, und daß die verstärkende Wirkung
der vielen Beschlüsse, die im Verlauf der letzten Vollversammlung gefaßt
wurden, eine konstruktive Basis für kommende UNCTAD-Programme bilden werde.
Für ihn stellt das UNCTAD-V-Ergebnis ein "potentiell festes Glied in
einer ununterbrochenen Kette" internationaler Konferenzen dar, die sich
im Laufe der kommenden Monate mit den Themen der Nord-Süd-Wirtschaftsprobleme beschäftigen werden. Dazu gehören die UN-Konferenz über Wissenschaft
und Technologie für die Entwicklung (August in Wien) sowie eine Sondersitzung
der UN-Vollversammlung (Herbst 1980), die eine neue internationale Entwicklungsstrategie für die achtziger Jahre entwerfen soll.
UNCTAD-V beschloß noch einige weitere Treffen für

1979, darunter eine

Konferenz über restriktive Geschäftspraktiken, eine weitere über einen
Verhaltenskondex für den Technologie-Transfer, sowie weitere Gespräche über

- 2 -

�Über Naturgummi und Jute.
Gespräche über Handelsthemen und den Ausgang der Tokio-Runde über
Handelsvereinbarungen, Protektionismus, Aussichten auf eine Erweiterung des
Allgemeinen Präferenzsystems und weitere Möglichkeiten, die sicherstellen,
daß die Entwicklungsländer eine wachsende Rolle im internationalen Handel
spielen, stellten einen wichtigen Teil der Konferenz dar.

Kurz vor der

Abschlußversammlung am 3. Juni konnten die Konferenzteilnehmer noch einen
Beschluß fassen, der auf die entscheidende Bedeutung des Widerstands gegen
protektionistische Forderungen hinweist und die Unterstützung zur Anpassung
an den strukturellen Wandel innerhalb der Weltwirtschaft

fordert.

Die

Konferenz erstellte darüber hinaus ein Arbeitsprogramm, das zusammen mit
einem neuen Mechanismus zu einer vernünftigen Handelspolitik der UNCTADMitglieder beitragen soll, indem sie ihre Handelspolitik im Kontext weltweiter
Produktions- und Handelsmuster überprüfen.
Die Konferenz hob noch einmal die Bedeutung des integrierten Rohstoffprogramms hervor.das auf der UNCTAD-IV in Nairobi 1976 ins Leben gerufen
worden war, und schuf ein Rohstoff-Arbeitsprogramm, das für die kommenden
Monate laufende Verhandlungen und Konsultationen über bestimmte Produkte
vorsieht. Die Konferenz ging davon aus, daß Verhandlungn über einen
Gemeinsamen Fonds zur Finanzierung von Ausgleichsvorräten und anderer
Rohstoffaktivitäten noch in diesem Jahr abgeschlossen werden können.
Praktisch alle Delegationen schienen der Meinung zu sein, daß eine der
wichtigsten Leistungen dieser Konferenz die Entscheidung war, den grundlegenden
strukturellen und wirtschaftlichen Problemen, denen sich die am wenigsten
entwickelten Länder gegenübersehen, höchste Priorität einzuräumen.
Der amerikanische Chefdelegierte führte aus, daß dies in Einklang stehe
mit den Schwerpunkten der amerikanischen Entwicklungspolitik und den
neuesten Praktiken der wichtigsten internationalen Finanzinstitutionen.

- 3 -

Die

�Die Resolution über die am wenigsten entwickelten Länder sehe eine konzertierte
und langfristige internationale Anstrengung vor, um Ernährung, Gesundheit,
Infrastruktur, Wohnungsbau, Erziehung und Beschäftigung in diesen Ländern zu
verbessern.

Einige der Konferenzteilnehmer erwarteten von dieser Resolution,

ein Hauptelement der internationalen Entwicklungsstrategie der achtziger
Jahre zu werden.
Nach Auffassung Meissners werden auch die der UNCTAD-V-Resolution
zur Verstärkung der technologischen Möglichkeiten der Entwicklungsländer
beabsichtigten Aktionen auf nationaler und internationaler Ebene den
Technologiefluß in diese Länder beschleunigen.
Einstimmige Annahme des Konferenzbeschlusses über wirtschaftliche
Kooperation zwischen den Entwicklungsländern verspricht Gutes hinsichtlich
eines der einfallsreichen Vorschläge des Arusha-Programms, das die Entwicklungsländer letzten Februar in Tansania formulierten. Dieses Programm versucht,
den Handel innerhalb der Entwicklungsländer zu verstärken, die Ausdehnung
der technischen Hilfe zwischen Entwicklungsländern sowie eine Vielzahl von
anderen Maßnahmen und Projekten, um das "Kollektive Selbstvertrauen" in der
Dritten Welt zu stärken.
Am meisten enttäuscht zeigte sich Meissner über das Unvermögen der
Konferenz, auf vernünftiger Basis zu einem Übereinkommen zu gelangen,das
UNCTAD in die Lage versetzen würde, in den kommenden Monaten genauen Einblick
in die wachsende Interdependenz der Volkswirtschaften vor allem im Handelsund Finanzbereich zu erhalten.
Ein Haupthindernis während der UNCTAD-V-Verhandlungen zum Thema der
Interdependenz war nach Auffassung Meissners die Meinungsverschiedenheit
innerhalb der Entwicklungsländer darüber, wie man mit dem Problem Energie
fertigwerden solle, ein Thema, das man als "versteckten Tagesordnungspunkt"
bezeichnen könnte. Die Vereinigten Staaten und die meisten Industrieländer
waren der Ansicht, daß es wirklichkeitsfern sei, das Thema "Energie" und

�und deren Auswirkung auf die Weltwirtschaft auf einer Konferenz zu ignorieren,
die sich mit Handel und Entwicklung beschäftigte.
Die Vereinigten Staaten hatten gehofft, auf die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit bei der Produktion und Bewahrung herkömmlicher und
alternativer Energiequellen hinweisen zu können sowie besonders auf den
Bedarf der Entwicklungsländer nach Beistand in ihren Energieentwicklungsprogrammen.
Jedoch war die Konferenz nicht in der Lage, Übereinstimmung in dieser Frage
zu erzielen, da sich die OPEC-Mitglieder gegen die Erörterung dieser Frage
stellten.

Trotzdem signalisierten die Gespräche in Manila deutlich, so

Meissner, daß letztlich ein Weg gefunden werden müsse, um die Verbindung
zwischen Energie und Entwicklung auch im UNCTAD-Rahmen zu behandeln.
Carlos Romulo, der philippinische Präsident der Konferenz, betonte
gegen Ende vor der Vollversammlung, daß es nicht angemessen sei, UNCTAD als
"eine Kampfstatte der Konfrontation zwischen der reichen und der armen Welt"
zu sehen. "Wir müssen erkennen, daß UNCTAD eine fortwährende Konferenz ist,
keine kurzfristige Affäre. Ihr Wert liegt gerade in ihrer Kontinuität;
darin, ein Gespräch-keinen Dialog,denn dieser umfaßt nur zwei Seiten - am
Leben zu erhalten und anzuregen; eine offene Diskussion zwischen Völkern
auf verschiedenen Stufen der Entwicklung darüber, was sie brauchen, was sie
wollen und was sie zu bekommen hoffen."
Ein Beispiel für die Möglichkeiten und zugleich auch die Grenzen einer
solchen Konferenz boten die Verhandlungen über Hilfe für die Handelsschiffahrt der Entwicklungsländer.

So waren viele Entwicklungsländer der

Ansicht, daß die herkömmlicherweise von den sogenannten "Limenkonferenzen"
festgesetzten Transportraten ihre Devisenbestände übermäßig angreifen und
die Inlandpreise für eingeführte Waren anheben.

Die Argumentation gründete

sich vor allem auf die Tatsache, daß die Linienkonferenzen in der Vergangenheit von den Handelsflotten einiger weniger Industrieländer beherrscht wurden
und ein neuer Kodex noch auf seine Ausarbeitung wartet.
Dieser
- 5 -

�Dieser Kodex, der auf einem Vertrag von 1974 basiert und noch ratifiziert
werden muß, sieht zum Beispiel vor, daß für die Linienschiffahrt eine Aufteilung der Ladungnach dem Schlüssel 40 Prozent für die Flagge des Herkunftslandes, 40 Prozent für die des Bestimmungslandes und 20 Prozent für Drittlä'nderflaggen eingehalten wird.
Dagegen sprachen sich, mit unterschiedlichen Argumenten, mehrere Gruppen
aus:

so die Vereinigten Staaten, die schon 1974 dagegen stimmten und auch

jetzt erklärten, daß sie gemäß geltendem amerikanischen Recht nicht beitreten
könnten, da es amerikanische Importeure und Exporteure daran hindert, an
Preis- oder Frachtratenfestlegungen oder anderen Kartell Verabredungen teilzunehmen, die der Kodex sanktioniere.
Andere Industrieländer und einige Entwicklungsländer wiesen darauf hin,
daß die Einführung solcher strenger Maßstäbe die Beweglichkeit des Marktes
einschränken und dadurch letztlich zu Preissteigerungen führen würde.
So kam es auch in der Frage der "offenen Registrierung" - der Flaggenpolitik etwa Liberias, Panamas oder Singapurs, die sich Vorwürfe der
Entwicklungsländer gefallen lassen mußten - und in der Frage finanzieller
und technischer Hilfsmaßnahmen zur Entwicklung der Schiffahrt der Entwicklungsländer zu keiner Einigung:

Die Themen wurden zur weiteren Behandlung dem

UNCTAD-Ausschuß für Schiffahrt übergeben.
Die Erreichung des doppelten Ziels, nämlich einmal die Frachtkosten
niedrig zu halten und andererseits den Entwicklungsländern einen wachsenden
Anteil an der Schiffahrt zu ermöglichen, scheint Experten zufolge möglich:
Der eindeutige Wettbewerbsvorteil der Entwicklungsländer läge in ihren
niedrigeren Lohnkosten.

Diese würden es ihnen ermöglichen, immer größere

Marktanteile am Weltfrachtgut zu erobern.

+ + + + + +

�Wi//cn/choft
und Technik

I

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Embassy of the United States of America

21

13. Juni 1979

SOLARTECHNOLOGIE - FORTSCHRITT SCHNELLER ALS ERWARTET
- Internationale Konferenz erörtert wirtschaftliche Verfahren -

- (AD) - Sonnenenergie in jeder Form - Licht, Wind, Meeresströmungen und
Biomassen - "wird schon in 20 Jahren die wichtigste Energiequelle sein".
Diese Meinung von Dr. Bennett Millers (US-Energieministerium) teilten viele
der 2000 Teilnehmer an der 25. Jahrestagung der Internationalen Gesellschaft
für Sonnenenergie (ISES), die vom 28. Mai bis 1. Juni 1979 in Atlanta (Georgia)
abgehalten wurde.

Das bisher größte Hindernis, nämlich die Verfügbarkeit ren-

tabler Verfahren für die Nutzung der Sonnenenergie, wird offenbar schneller
überwunden, als man noch vor wenigen Jahren zu hoffen wagte.

Für die amerikanische solartechnische Industrie konnte Dr. Paul Maycock
(US-Energieministerium) berichten, daß selbst die wegen der hohen Kosten meist
nur in der Raumfahrt zur Stromerzeugung genutzten Solarzellen eine gute Chance
hätten, "schon Mitte der achtziger Jahre, anstatt erst um die Jahrhundertwende,
in der amerikanischen Wirtschaft allgemeine Anwendung zu finden".

Noch vor

fünf Jahren wurde die Mehrzahl dieser sog. photovoltaischen Zellen aus einzelnen Chargen des Ausgangsmaterials - Silizium -, jedoch nicht in kontinuierlichen
Produktionsverfahren hergestellt.

Silizium wurde erschmolzen und gereinigt;

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�gereinigt; dann ließ man es auskristallisieren, um es in dünne Scheibchen zu
spalten, aus denen die Fotozellen - eine nach der anderen - hergestellt wurden.
Im Jahr 1975 gab die amerikanische Firma Mobile Tycho die Entwicklung eines
neuen Verfahrens bekannt, das die Massenproduktion von Sonnenzellen in Bändern
bzw. Bandrollen erlaubte.

"Die Bandmethode hat sich von einem Kuriosum zu einem

hochspezialisierten und leistungsfähigen Verfahren entwickelt, mit dem ein Qualitätsprodukt zu erreichen ist, das alle unsere Erwartungen übertrifft", betonte
Dr. Maycock.

Und es ist nicht einmal das einzige Verfahren, das sich für die

Massenproduktion eignet. Anstatt das Silizium in Bandform zu ziehen und es
dann zu spalten, wird es auch bereits in Chargen erschmolzen und zu Barren vergossen.

Außerdem gibt es noch andere Materialien wie z.B. Cadmiumsulfid, die

in Zukunft für die Herstellung von Solarzellen große Bedeutung erlangen dürften.
Dr. Peter Varadi von der Firma Solarex hält Solarzellen sogar heute schon
in abgelegenen Gebieten mit hoher Sonneneinstrahlung für konkurrenzfähig.
"Die Stromkosten hängen davon ab, wo sich der Verbraucher befindet", meinte er.
In einer Großstadt wie Washington, die genügend Kraftwerke in der Nähe hat,
kostet z.B. die Kilowattstunde Strom 6 bis 7 Cents. Während abgelegene Gebiete
mit einem Vielfachen dieses Strompreises rechnen müssen, könnten photovoltaische
Anlagen, die je nach geographischer Lage Strom zu 25 bis 130 Cents pro Kilowattstunde liefern, schon jetzt beachtliche Anteile am Energiemarkt erlangen.
Seit dem ülembargo von 1973/74 hat die solartechnische Industrie der Vereinigten Staaten einen enormen Aufschwung genommen. Im Jahr 1974 gab es z.B.
45 Hersteller von Solarkollektoren; sie produzierten damals ca. 93 000 qm
Kollektorflache. Heute sind mehr als 300 Firmen auf diesem Gebiet engagiert
- mit einem Marktanteil von 1,45 Millionen qm Kollektorfläche.
Omni Waiden aus Georgia, Staatssekretärin für Energieeinsparung und solartechnische Anlagen im US-Energiemin:isterium, verwies darauf, daß die Umsätze
der Industrie auf dem Gebiet der Solartechnik von 10 Millionen Dollar im Jahr
1974 auf 180 Millionen Dollar im Jahr 1978 gestiegen seien. Im gleichen Zeitraum erhöhte die US-Regierung ihre Zuschüsse zur Förderung von Forschung und
- 2 -

�und Entwicklung auf dem Gebiet der Sonnenenergie von 15 Millionen auf fast
850 Millionen Dollar.

Bis Ende 1978 hatte man in den Vereinigten Staaten

88 000 solartechnische Anlagen installiert - 33 000 davon allein im Verlauf
des vergangenen Jahres. Präsident Carter hat bis 1985 als Ziel gesetzt, rund
2,5 Millionen solcher Anlagen zur Nutzung der Sonnenenergie in Betrieb zu
nehmen.
Einen ähnlich optimistischen Bericht gab Dr. R. van Overstraeten (Niederlande) über den Stand der Solartechnik in Europa, einschließlich der Entwicklungen, die in Frankreich, in der Bundesrepublik, in Großbritannien, Italien
und Belgien im Gange sind. Die im Jahr 1954 in Phoenix (Arizona) ins Leben
gerufene Organisation ISES hat heute ca. 8000 Mitglieder samt 13 assoziierten
nationalen Gesellschaften. Angesichts des weltweiten Interesses an den Techniken zur Nutzung der Sonnenenergie dürfte sich der Mitgliederstand schon in
Kürze weiter erhöhen. Allein aus 23 afrikanischen Ländern, die dem Verband
noch nicht angehören, nahmen 42 Wissenschaftler teil, die sich für die Einführung der Solartechnik in ihrer Heimat einsetzen wollen.
Der diesjährige Farrington-Daniels-Preis für solartechnische Entwicklungen
verlieh ISES-Präsident R.K. Datta (Asiatic Oxygen Company in Bombay, Indien)
an Dr. Felix Trombe, den Direktor des "Centre National de la Recherche
Scientifique" in Odeillo (Frankreich).

Der Wissenschaftler, den Dr. Datta

als den "größten Solarwissenschaftler unserer Zeit" bezeichnete, wurde u.a.
für die Erfindung der solartechnischen Speicherwand und den Bau des ersten
"Sonnenofens" der Welt geehrt.

+ + + + +

- 3 -

�I
V T^L

Wi//en/chaft
und Technik

_

Ml

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13. Juni 1979

21

FORSCHUNGSPROJEKT: DAS AUTO
Neues Gemeinschaftsprogramm von Regierung und Industrie der USA

- (AD) - Führende Persönlichkeiten der amerikanischen Automobil industrie
wurden zusammen mit Wissenschaftlern ins Weiße Haus gebeten, um mit Präsident
Carter ein Forschungsprogramm zur Entwicklung einer völlig neuen Generation
von Autos zu erörtern. Die Hauptmerkmale sollen mehr Sicherheit, Wirtschaftlichkeit, niedriger Kraftstoffverbrauch und Flexibilität in bezug auf die Art
flüssiger Kraftstoffe sein. Gleichzeitig gehe es, wie Verkehrsminister Brock
Adams ausführte, um die Verwendung neuer Motorwerkstoffe, z.B. keramische Materialien. Die Ergebnisse des Forschungsprogramms sollen nicht nur Interessenten in den USA, sondern auch in anderen Ländern zur Verfügung stehen.
Adams schätzt, daß jährlich 50 bis 100 Millionen Dollar von Industrie
und Regierung dafür aufgewendet werden. Nach den Worten Präsident Carters ist
der Automobil bau auch künftig ein Gebiet, "dessen Bedeutung für das ganze Land
gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann". Dr. Frank Press, der Wissenschaftsberater des Präsidenten, ist überzeugt, daß das Programm den Vereinigten
Staaten eine ähnlich führende Rolle verschaffen wird, wie sie die US-Luftund Raumfahrtindustrie durch drei Jahrzehnte intensiver Forschung erlangt
hat.

Die
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�Die Pressevertreter konnten auf einem Rasenplatz des Weißen Hauses zwei
Modelle besichtigen, die im Auftrag der US-Regierung als Prototypen gebaut
worden waren.

Sie haben eine leichte, elastische Kunststoffkarosserie, weiche

Kunststoffstangen zum besseren Schutz von Fußgängern, sind mit Reifen ausgestattet, die auch bei einem Riß nicht platt werden können, und haben aufblasbare Sicherheitsgurte.

Auch wenn sich das Auto überschlägt, wären Verletzungen

der Insassen nicht zu befürchten.

Verkehrsminister Adams hob hervor, daß auch

Autos mit diesen besonderen Merkmalen formschön gestaltet werden können.

Ein solcher Wagen würde, in großer Stückzahl gefertigt, 5000 bis 6000
Dollar kosten.

Der Kraftstoffverbrauch beträgt nicht einmal acht Liter pro

100 Kilometer, und den strengen Abgasvorschriften der staatlichen Behörden
würde voll entsprochen.

Drei weitere Modelle, Versuchswagen der Firma Chrysler,

waren vor dem "Smithsonian Museum" zu besichtigen.

Sie sind mit Turbomotoren

ausgerüstet und zeichnen sich dadurch aus, daß sie mit jeder Art von Flüssigtreibstoff fahren.
tigen Typs ablösen.

Etwa um das Jahr 1990 sollen sie die Automobile des heuMan erwartet, daß sie wirtschaftlicher sind, weniger War-

tung, keinen Ölwechsel und keinen Gefrierschutz benötigen.

Sie würden auch

bei großer Kälte rasch und leicht zu starten sein.

Die bei Flugzeugen so bewährte Turbine konnte

sich bei der bisherigen

Bauweise jedoch bei Autos nicht durchsetzen, weil die Temperaturen zu hoch
sind und bei geringer Geschwindigkeit und häufigem Anfahren und Halten die Arbeitsweise unwirtschaftlich ist.

Neue keramische Materialien werden jedoch

auch den Kraftwagen der Zukunft höhere Betriebstemperaturen erlauben.

Eine An-

zahl von Autofirmen - Chrysler, Ford, Volkswagen und andere - experimentieren
seit fast drei Jahrzehnten mit der Turbine.

Auf dem Indianapolis-Rennen im

Jahr 1969 wurden vier Turbinenwagen eingesetzt und erreichten ausgezeichnete
Leistungen.

Die US-Regierung hat nunmehr vier Studien zur Ermittlung der optimalen
Auto-Turbinenkonstruktion unter besonderer Berücksichtigung folgender Punkte
in Auftrag gegeben:

1) 30 Prozent bessere Fahrleistung gegenüber den heutigen

- 2 -

�heutigen Kraftfahrzeugen.
schriften genügen.
brennen können.

2) Die Abgaswerte müssen strengsten Regierungsvor-

3) Die Turbinen müssen jeden flüssigen Brennstoff ver-

4) Die Kosten der Massenfertigung sollen mit den heutigen

Kosten der Automobilfertigung konkurrieren.

(Die Kraftfahrzeugindustrie sieht

gegenwärtig das größte Problem in der notwendigen Umrüstung ihrer Fabrikationsanlagen. )

Der besondere Vorteil der Turbine bestünde darin, daß es sich um eine relativ einfache Konstruktion handelt, daß sie zuverlässig und wirtschaftlich
arbeitet, einen niedrigen Lärmpegel hat und viel weniger Vibrationen als ein
Verbrennungsmotor entwickelt.

Vertreter des Energieministeriums heben hervor,

daß der Verbrennungsmotor, der im 20. Jahrhundert das gesamte Leben in den Vereinigten Staaten revolutionierte, seine optimale Wirtschaftlichkeit nahezu
erreicht habe.

Es seien nur noch wenige wesentliche Verbesserungen möglich.

Zur Zeit benutzen etwa 80 Prozent der Berufstätigen in den USA Transportmittel
mit Verbrennungsmotor.

Aber diese verbrennen ein Viertel des gesamten Erdöls,

das Amerika verbraucht - d.h. pro Tag fast 660 000 Tonnen.

Und der Wirkungs-

grad der Verbrennungsmotoren ist gering, da nur 15 bis höchstens 20 Prozent
des Energiegehalts im Kraftstoff wirklich genutzt werden.

Als weitere Alternative zur Verbrennungsmotor und zur Turbine bietet sich
der sogenannte Sterling-Motor an.

Auch er arbeitet mit jeder Art von flüssigem

Treibstoff; die Verbrennung erfolgt jedoch nicht innerhalb, sondern außerhalb
des Zylinders.

Erst vor wenigen Jahren besann man sich auf diese Erfindung,

die schon im Jahr 1816 gemacht wurde.

Der Sterling-Motor wurde bisher vor

allem benutzt, um Wasser zu pumpen und Strom zu erzeugen.

Mit Otto-Motoren

konnte er jedoch bisher wegen seines hohen Gewichts und der hohen Produktionskosten nicht konkurrieren.

In zwei von der US-Regierung vergebenen Kontrakten soll untersucht werden,
ob diese Hindernisse zu überwinden sind.

Der eine ging an die schwedische

Firma United Sterling, der andere an die American Motor Corporation.

Die Ziele

sind die gleichen wie beim Turbinenmotor - 30 Prozent höhere Fahrleistung, ak-

- 3 -

L

�akzeptable Abgaswerte und die Möglichkeit zur Verbrennung vieler Arten von
Flüssigkraftstoffen.

Auch in diesem Fall soll eine Massenfertigung von Fahr-

zeugen mit Sterlingmotor bis 1990 soweit gediehen sein, daß die Käufer fest
mit den entsprechenden Modellen rechnen können.
•

Das neue Kraftfahrzeug-Programm zählt zur Minderzahl der Projekte auf dem
Gebiet der Grundlagenforschung, die vom Staat und von der Industrie zu etwa
gleichen Teilen finanziert werden.

Alles in allem trägt die amerikanische Re-

gierung derzeit etwa zwei Drittel der Kosten, die in den USA für Grundlagenforschung anfallen.

Im Haushaltsjahr 1980 sollen die Regierungsaufwendungen

für diesen Sektor auf Vorschlag Präsident Carters 4,6 Milliarden Dollar betragen.

Seit seinem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren hat der Präsident die

für Grundlagenforschung vorgesehenen Mittel um ca. 25 Prozent erhöht.

Bedacht

werden vor allem wichtige Gebiete wie Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Umweltschutz, Energie, Verteidigung und Wirtschaftsproduktivität.

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