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                  <text>23. Mai 1979

19
I N H A L T

DOKUMENTATION
Botschafter Young erläutert Standpunkt der USA auf der Welthandelskonferenz
- Botschaft Carters an die UNCTAD-Delegierten in Manila Präsident Carter zum Reaktorprojekt "Clinch River"
- Kommerzielle Anwendung schneller Brüter nur bei besserer
Technologie WIRTSCHAFT
Der Nationale Energieplan II der USA
- Auszüge aus dem Bericht Carters an den Kongreß -

HINTERGRUNDMATERIAL
Erläuterungen zu Begriffen im Rahmen der SALT-Verhandlungen
Aktive Forschung für sichere Energiezukunft
- Ein US-Wissenschaftler berichtet über Projektvielfalt WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Konkurrenz für den Benzinmotor?
- Aluminium-Luft-Batterie mit 30 kW Stromleistung möglich Neue Serienmodelle für Gasohol-Kraftstoff geeignet

Um Übcr/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19

23. Mai 1979

BOTSCHAFTER YOUNG ERLÄUTERT STANDPUNKT DER USA AUF DER WELTHANDELSKONFERENZ
- Botschaft Carters an die UNCTAD-Delegierten in Manila -

MANILA - (AD) - Der amerikanische Botschafter bei den Vereinten
Nationen, Andrew Young, hat am 11. Mai auf der Welthandelskonferenz
(UNCTAD V) in Manila den Standpunkt der USA zu den anstehenden Fragen dargelegt. Gleichzeitig verlas er eine Botschaft Präsident Carters an die
Delegierten der Konferenz.
Die Rede Youngs hat folgenden Wortlaut:
...Es ist mir ein Vergnügen, zu Beginn meiner Rede eine Botschaft
Präsident Carters an die Delegierten der fünften UNCTAD-Konferenz zu verlesen:
"Die Vereinigten Staaten und, wie ich glaube, die meisten anderen
Länder gestehen sich die wachsende gegenseitige Abhängigkeit unserer Volkswirtschaften ein.

Bei dieser und anderen internationalen Konferenzen und

Verhandlungen sollten wir auf eine leistungsfähigere und gerechtere inter-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�internationale Wirtschaftsordnung hinarbeiten.

Ich sehe deutlich, daß

dieser Weg unsere Nationen in einen Wandlungsprozeß verwickelt, der das
Leben unserer Völker tiefgreifend beeinflussen wird.

Aber ich glaube, daß

es ein Weg ist, den zu verfolgen deutlich in unserem Interesse liegt.
Wir alle brauchen den Mut zu denjenigen Entscheidungen, die unsere gemeinsame Verantwortung für die Entwicklung der Weltwirtschaft widerspiegeln.
Unsere natürlichen und finanziellen Mittel sind begrenzt.

Wir müssen

unsere gemeinsamen Bemühungen sorgfältig planen und unsere Prioritäten
erkennbar setzen.

Meiner Ansicht nach muß für uns an erster Stelle die

Beseitigung der Armut stehen, unter der die ärmsten Völker dieser Erde
leiden.

Wir sollten unsere Anstrengungen auf erhöhte weltweite Nahrungs-

mittelproduktion richten und auf die verbesserte Verteilung an diejenigen,
die zu wenig haben.

Wir sollten den Entwicklungsländern bei der Steigerung

ihrer Energieproduktion helfen, die für ihr Wohlergehen so wichtig ist.

Wir

sollten uns darum bemühen, daß das gesundheitliche Wohlergehen eines jeden
sichergestellt wird und jeder Zugang zum Erziehungssystem hat.

Wir müssen

nach besten Kräften versuchen, jedem die Gelegenheit zur Verbesserung
seiner wirtschaftlichen Lage zu geben.

Wie schon seit vielen Jahren werden

die Vereinigten Staaten auch weiterhin zur Verwirklichung dieser Ziele
beitragen.

In den letzten Jahren ist der Fortschritt auf diese Ziele be-

trächtlich gewesen, aber dennoch unzureichend.

Wir alle müssen noch mehr

tun.
Die Aufstockung der Mittel der Entwicklungsbanken, die Beendigung der
Tokio-Runde der Multilateralen Handelsverhandlungen und die Gemeinsamen
Fonds sind hervorragende Beispiele für den Fortschritt innerhalb der
internationalen Wirtschaftsinstitutionen, die die Beziehungen zwischen
den Entwicklungsländern verstärken werden.
Das ständige Streben nach Erfüllung der wirtschaftlichen sozialen
und politischen Wünsche unserer Völker erfordert Hingabe, Mut und Geduld.

- 2 -

�Geduld.

Aber ich glaube fest, daß dies erreicht werden kann.

Sie, die Delegierten dieser Konferenz, haben eine einzigartige Gelegenheit, zu diesen Anstrengungen beizutragen, indem Sie die Aufmerksamkeit
der ganzen Welt auf die entscheidenden Themen der Entwicklung lenken.

Ich

wünsche Ihnen allen Erfolg."
Verehrte Kollegen, als ich davon erfuhr, daß ich an dieser Konferenz
teilnehmen würde, dachte ich daran, welch eine lange Strecke wir schon
seit der 6. außerordentlichen Sitzung der UN-Vollversammlung zurückgelegt
haben. Jenes Treffen endete in Uneinigkeit, aber es brachte uns zugleich
ein tieferes Verständnis für die dringenden Probleme, die unsere Aufmerksamkeit
und unser Handeln erfordern. Auf der 7. außerordentlichen Sitzung waren
Industrie- und Entwicklungsländer in der Lage, diese Themen konstruktiver
und in besserem Einvernehmen zu diskutieren. Als unmittelbare Folge wurde
auf der UNCTAD IV-Konferenz ein ehrgeiziges Arbeitsprogramm verabschiedet.
Seither haben wir unsere Höhen und Tiefen gehabt, wie dies in jedem längeren
Gedankenaustausch der Fall ist, bei dem die Parteien von ihren gegenseitigen
Problemen und Bedenken erfahren. Dennoch wurden beträchtliche Fortschritte
erzielt. Die Übereinstimmung in den meisten der wesentlichen Punkte
eines Gemeinsamen Fonds ist dafür das jüngste Beispiel.
UNCTAD V ist die erste in einer Reihe von Konferenzen und Treffen zum
Thema der Entwicklung und der Weltwirtschaft. Andere werden sich mit der
Weltgesundheit, der Agrarreform, mit Wissenschaft und Technologie sowie mit
den erneuerungsfähigen Energiequellen beschäftigen. Die außerordentliche
Sitzung ier Vollversammlung im Jahre 1980 wird den erzielten Fortschritt
kritisch betrachten und die dritte Entwicklungsdekade einleiten. UNCTAD V
gibt den Grundton für diese Treffen. Die Konferenz wird die Stimmung
bereiten für unsere Beziehungen im kommenden Jahrzehnt.
Diese

�Diese Beziehungen sind in eine neue, mehr pragmatische Phase eingetreten.

Industrie- und Entwicklungsländer sind sich der Zwänge wie

der Notwendigkeiten bewußter geworden.

Wir sehen deutlicher, in welchem

Maße wir voneinander abhängen und daß Wachstum in einem Teil der Weltwirtschaft das Wachstum in anderen fördern kann,ja, es tatsächlich fördern
wird, und daß das Gegenteil ebenfalls eintreten kann, ja, eintreten wird.
Im ARUSHA-Programm zum Beispiel erkannten die Entwicklungsländer die Notwendigkeit, echte Interessengegenseitigkeit bei den strukturellen Änderungen
zu fördern, die ihrer Meinung nach im internationalen Wirtschaftssystem
nötig sind.

Sie brachten ihre Bedenken nicht nur hinsichtlich der fort-

dauernden Armut in ihren eigenen Ländern zum Ausdruck, sondern auch über
Zahlungen und Zahlungsbilanzungleichgewichte sowie über das anhaltende
hohe Niveau der Arbeitslosigkeit und der Inflation in den Industrieländern.
Wir sind auch zu einem Verständnis unserer Verschiedenheit und Vielfalt
gelangt. Genauso wie wir viele Gesellschaften und Kulturen sind, so haben
wir viele und verschiedene Wirtschaftsformen. Auch sind wir uns bewußt,
daß eine günstigere und gerechtere internationale Wirtschaftsordnung
nicht mehr durch die Macht irgendeines einzelnen Landes oder einer Gruppe
von Ländern einfach verliehen werden kann. Wir sind von der in Arusha eingegangenen Verpflichtung der Entwicklungsländer beeindruckt, wirkungsvolle
und bedeutungsvolle Lösungen für ihre akuten sozialen und wirtschaftlichen
Probleme zu finden. Schließlich besteht nahezu völlige Übereinstimmung
bei der internationalen Staatengemeinschaft darüber, daß Ziel und Zweck
von Entwicklung und Wohlstand ein solches Leben für jeden Menschen ist,
das sich unserer gemeinsamen Menschlichkeit würdig erweist. Denn sonst
kann die Verwirklichung der Menschenrechte, die -darin stimmen wir alle
überein - eine wirtschaftliche genauso wie eine politische Dimension
haben muß, letztlich nicht erreicht werden.
Nunmehr müssen wir auf dem größeren Verständnis aufbauen, das wir
erreicht haben, um unseren Diskussionen und Entscheidungen neue Kraft und

- 4 -

�und eine neue Richtung zu geben.

Wir können das Mißtrauen vermindern und

das Gefühl der Vergeblichkeit mildern, die unsere Konferenzen belasten.
Wir brauchen weniger Energie für die Rhetorik zu verschwenden und können
mehr Energie der echten Anstrengung dafür widmen, Maßnahmen zu finden,
die praktische Wirkung haben.

Wir können versuchen, Resolutionen zu

vermeiden, die nur Differenzen verdecken, statt sie zu lösen.

Und wir

können echten Fortschritt erzielen.
Dazu gehört Realismus und Hingabe auf allen Seiten. Die Industrieländer sind sich in wachsendem Maße bewußt, daß ihr wirtschaftliches
Wohlergehen von der Prosperität der Weltwirtschaft als ganzes abhängt;
deshalb werden sie weiterhin zu ihrer Verpflichtung stehen, den Transfer
von Hilfsmitteln in die ärmeren Länder zu erhöhen und ihre offenen Märkte
beizubehalten, die wachsende Möglichkeit für die Exporte der Entwicklungsländer bieten. Die Entwicklungsländer müssen die fortdauenrde Verpflichtung
eingehen, die Hilfsmittel, die sie von außen erhalten, wirkungsvoll in
Verbindung mit ihren eigenen Entwicklungsplänen einzusetzen, um verbesserte
Lebensbedingungen für ihre Völker zu erreichen und um eine Verantwortung
in der Weltwirtschaft zu übernehmen, die ihrem Entwicklungsstand entspricht. Entwicklung ist eine gemeinsame Verantwortung. Alle Länder
werden eher einem Ruf nach gemeinsamer Aktion folgen als den Forderungen
eines einzelnen Landes.
Die Industrieländer müssen sich ebenfalls zu einer Politik verpflichten,
die stabiles Wachstum ohne Inflation bei gleichzeitigem Anwachsen des Finanzstromes in die weniger begünstigten Länder fördert. Ihre innere wirtschaftliche Lage kann keine Entschuldigung für Nachlässigkeit sein.
Vielmehr müssen sie die weltweite Entwicklung als eine mögliche Antwort
auf Inflation und Rezession sehen. Was ihren Teil betrifft, müssen die
Entwicklungsländer sich zu einer stabilen, langfristigen und wirkungsvollen
inländischen Entwicklungspolitik verpflichten. Wir alle müssen uns vor
der Versuchung hüten, die Schuldftirdiejenigen Schwierigkeiten auf das

- 5 -

�J

das internationale System abzuwälzen, mit denen man eigentlich am besten
im eigenen Land fertig werden müßte.
Im Verlauf dieser neuen Phase unserer Beziehungen müssen auch die
Institutionen unserer Weltwirtschaft fortfahren, sich anzupassen und sich
zu ändern.

Wenn ich zurückschaue, so meine ich, daß die meisten dieser

Institutionen gut auf die veränderten Umstände reagiert haben.

Die

Bedingungen heute unterscheiden sich ja grundlegend von denen vor 30
Jahren, als die Vereinten Nationen und viele der bestehenden internationalen
Wirtschaftsinstitutionen gegründet wurden.

Der Internationale Währungsfonds,

die Weltbank und GATT meisterten erfolgreich die ihnen ursprünglich übertragenen Aufgaben:

den Wiederaufbau der durch den Zweiten Weltkrieg ver-

wüsteten Volkswirtschaften und die Schaffung eines Rahmens für dauerhafte
wirtschaftliche Stabilität und Fortschritt.

Seither ist die Weltwirtschaft

gewachsen und gediehen - trotz der vielen grundlegenden Änderungen, die
die Gründer unserer internationalen Wirtschaftsinstitutionen nicht vorhersahen.

Dennoch haben sich die von ihnen gegründeten Institutionen -

und die vielen spezialisierten Institutionen, die seither geschaffen .
wurden, UNCTAD eingeschlossen, gut angepaßt.

Wir müssen sicherstellen,

daß sie dies auch weiterhin tun.
Vor dieser Liste der Leistung und der Anpassung unseres internationalen
Wirtschaftssystems, für die UNCTAD zusammen mit anderen internationalen
Institutionen verantwortlich zeichnet, sollten wir sorgfältig überlegen,
wie gut das internationale System der Befriedigung unserer gemeinsamen
und individuellen Bedürfnisse dient. Wenn es ihnen nicht gut genut
dient, ist es nicht nur angebracht, sondern entscheidend, unsere Unzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen und zusammenzuarbeiten, um gegenseitig
zufriedenstellende Lösungen zu finden. In diesem Sinn sind die Vereinigten
Staaten zur Errichtung einer neuen Weltwirtschaftsordnung entschlossen wie
alle anderen Nationen. Ein Wechsel muß jedoch wohlüberlegt sein. Er
darf nicht so unüberlegt vor sich gehen, daß er zerstört, was unserem

- 6 -

�unserem gemeinsamen Interesse dient.

Änderungen müssen entworfen werden,

um die weltweite wirtschaftliche Effizienz und Gleichheit zu erhöhen.
Sie müssen den wachsenden Einfluß der Entwicklungsländer auf die Weltwirtschaft widerspiegeln und ihre wichtigere Rolle und Verantwortung im

•'

internationalen Wirtschaftssystem.
Die Leistungen der Entwicklungsländer sind eindrucksvoll. Mitte
der siebziger Jahre überstanden die Entwicklungsländer die Schocks der
ölpreiserhöhungen, die Mißernten und die Rezession in den Industrieländern bessern, als wir es uns erträumt hätten. Der tatsächliche Zuwachs an Bruttosozialprodukt in den Entwicklungsländern als Gruppe genommen
ist größer als der der industrialisierten Länder, und einige Entwicklungsländer hatten beim Aufbau ihrer Industriesektoren, bei der Versorgung der
Weltmärkte und beim Heranziehen von Investitionen spektakulären Erfolg.
Es gibt bereits zehn Entwicklungsländer, von denen jedes mehr als eine
Milliarde Dollar an Fertigprodukten im Jahr exportiert. Unsere Wirtschaftsinstitutionen haben erheblich zu diesen Leistungen beigetragen.
Nichtsdestoweniger sind die Probleme noch immer riesig, denen die
Entwicklungsländer gegenüberstehen. Die Dimensionen unserer jetzigen
Aufgabe sind klar und deutlich: noch immer leben 800 Millionen Menschen
in absoluter Armut, leiden an Unterernährung, Analphabetentum, Krankheit,
hoher Kindersterblichkeit und geringer Lebenserwartung. Die wirtschaftlichen
Zuwachsraten in den ärmsten Ländern, wo die meisten dieser Menschen leben,
sind deutlich niedriger gewesen als in den Ländern mit mittlerem Einkommen und in den industrialisierten Ländern. Die Wohltaten des Wachstums
müssen besser verteilt werden.
Es besteht ein gewaltiger, unerfüllter Investitionsbedarf im Bereich
der Infrastruktur, der Industrie und der Landwirtschaft.

Doch bleiben

private Gesellschaften und die Regierungen vieler Entwicklungsländer
mißtrauisch hinsichtlich der gegenseitigen Motive.

Als Folge davon finden

mögliche Investitionen, vor allem bei Rohstoffen, nicht statt oder werden

- 7 -

�werden von anderen Angeboten in den Industrieländern angezogen.
Obwohl entwickelte ebenso wie Entwicklungsländer Wege gefunden
haben, um sich den öl Preiserhöhungen der letzten Jahre anzupassen, so
wurde die weltweite Entwicklung dennoch ernstlich verzögert sowohl durch
die direkte Auswirkung auf die Entwicklungsländer als auch durch die
Verlangsamung des Wachstums der Weltwirtschaft.

Mit grausamer Ironie

fiel dabei die schwerste Last auf die am wenigsten entwickelten Länder,
die am wenigsten in der Lage sind, sie zu tragen.

Derzeitige und künftige

Preissteigerungen werden wahrscheinlich die gleichen Auswirkungen haben.
Die Nahrungsmittel Produktion in den Entwicklungsländern wächst
ledigleich mit einer Rate von 2 Prozent, das ist nur etwa die Hälfte
der von der Welternährungskonferenz festgesetzten Ziel rate. Währenddessen
beträgt die Wachstumsrate der Bevölkerung in jenen Länder etwa 2,4 Prozent.
Jedes Jahr wächst die Weltbevölkerung um 70 Millionen - eine Rate, die
die Gesamtbevölkerung von derzeit 4 auf 6 Milliarden zur Jahrhundertwende
ansteigen lassen wird. Diese Tatsachen und Herausforderungen liegen auf
der jetzigen Konferenz und den anderen, die ihr folgen werden, vor uns.
Auf diesem Treffen haben wir eine umfangreiche Tagesordnung, die nahezu
alle Seiten der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Industriestaaten und
den Entwicklungsländern berührt. Ich möchte nunmehr einige der wesentlichen
Themen diskutieren.
Handel wird eine der wichtigsten Angelegenheiten auf dieser Konferenz
sein.

Wir haben gerade die Verhandlungen der Tokio-Runde beendet - die

siebente Verhandlung dieser Art seit dem Zweiten Weltkrieg.

Sie war

zweifellos die umfassendste und weitreichendste seit der Errichtung des
GATT.

Mehr Nationen und mehr lebenswichtige Handelsfragen waren durch

sie erfaßt als jemals vorher.

Zusätzlich zu den Zollsenkungen erbrachten

die Multilateralen Handelsverhandlungen (MTN) bemerkenswerte Reformen
bei einigen der grundlegenden Regeln und Verfahrensweisen zur Lenkung des

�des internationalen Handelssystems in den kommenden Jahrzehnter..

Dies

ist eine herausragende Leistung, die umso bemerkenswerter ist, als sie
vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Unruhe erzielt wurde.
Natürlich haben diese Verhandlungen die Entwicklungsländer nicht
völlig zufriedengestellt. Das gleiche gilt für die Industriestaaten,
bestimmt für mein eigenes Land. In einer echten Verhandlung erreicht
man nie alle Ziele. Trotzdem gibt es eine Reihe von Ergebnissen, die
sowohl für die Entwicklungsländer als auch für die Industrieländer von
Nutzen sein werden. Die neuen Kodizes in bezug auf nichttarifäre Handelshindernisse werden die staatliche Politik und Verfahrensweisen,die den
Handel berühren, unter strengere Aufsicht stellen und den internationalen
Prozeß zur Schlichtung von Streitigkeiten verbessern und verstärken.
Die neuen Regeln und die Rahmenvereinbarung werden auch ein faireres und
klareres Gleichgewicht zwischen den Rechten und Pflichten der Entwicklungsländer herstellen, die am Welthandelssystem teilnehmen. Die aktive Beteiligung aller Länder am reformierten GATT-System wird sicherstellen,
daß die durch die MTN-Vereinbarungen sich bietende Gelegenheiten voll
ausgeschöpft werden und daß sich das Handelssystem in einer Weise fortentwickelt, die den Bedürfnissen und den Interessen der Entwicklungsländer
und der Industrieländer zugleich gerecht wird. Die UNCTAD-Konferenz kann
einen wichtigen Beitrag zu diesem evolutionären Prozeß leisten, indem sie
ihre Arbeit zur Verbesserung des internationalen Verständnisses für die
besonderen Handelsprobleme und -bedürfnisse der Entwicklungsländer fortsetzt.
Gleichzeitig werden alle Länder erneut ihrer Verpflichtung nachkommen
müssen, der Versuchung zu widerstehen, alte Unternehmen oder neue und ums
überleben kämpfende Firmen zu sorgsam vor den Unbilden des internationalen
Wettbewerbs zu schützen. Bestimmte Leute und Unternehmen werden vielleicht
unter der Anpassung an sich ändernde weltweite Verhaltensmuster leiden.
Aber die langfristigen Kosten des Protektionismus sind sowohl in wirtschaftlicher als auch in sozialer Hinsicht für die Regierungen zu hoch, um
- 9 -

�&gt;

um sich diesen Luxus leisten zu können.
Lange Zeit sind Rohstoffe für UNCTAD von besonderer Bedeutung gewesen.
Auch hier scheinen wir in der internationalen Debatte auf eine neue Ebene
zu gelangen.

Der Zeitraum vor und nach UNCTAD IV war der Überprüfung der

Rohstoff-Frage gewidmet sowie der Suche nach einer allgemeinen Entscheidung
über die Einrichtung eines Gemeinsamen Fonds.

Diese Stufe haben wir hinter

uns, und unsere Arbeit hinsichtlich der Rohstoffe wird sich nun fast
ausschließlich auf die Ausfuhrebene konzentrieren, wobei die Probleme einzelner
Rohstoffe behandelt und die noch ausstehenden Punkte zum Gemeinsamen Fonds
geklärt werden.

In dieser Hinsicht hoffen wir, daß UNCTAD in der Lage sein

wird, auch weiterhin eine nützliche Rolle bei der Unterstützung der Anstrengungen der Produktions- und Verbraucherländer zu spielen um die
Handelsbedingungen der Weltwirtschaft auf dem Rohstoffsektor zu verbessern.
Hinsichtlich einzelner Rohstoffe sind wir erfreut darüber, daß vor
einigen Wochen Übereinstimmung über eine allgemeine Rahmenvereinbarung
für ein neues Gummi abkommen erzielt wurde und daß die Arbeit für ein neues
Kakaoabkommen vorangeht. Wir sind auch der Meinung, daß die von den
Vereinigten Staaten vorgebrachten Vorschläge für den möglichen Abschluß
eines Kupferabkommens die Grundlage für weitere Diskussionen bieten. Wir
haben auch ein Zuckerabkommen, das noch zwecks Zustimmung beim Kongreß
anhängig ist.
Was den Gemeinsamen Fonds angeht, so hoffen wir, daß alle Länder
in der Lage sein werden, die zur Klärung der letzten noch ausstehenden
Fragen notwendigen Kompromisse zu machen. Die Vereinigten Staaten sind
zur Zeit noch nicht in der Lage, zum Zweiten Fenster beizutragen. Wir
glauben jedoch, mit dem Zweiten Fenster arbeiten zu können, indem wir
seine Ziele unterstützen.
•

Vor einem Jahr schlug Präsident Carter ein neues Amerikanisches Institut

- 10 -

�Institut für Wissenschaftliche und Technologische Zusammenarbeit vor,
das bei der Stärkung der wissenschaftlichen und technischen Kapazitäten
zur Problemlösung der Entwicklungsländer behilflich sein und die erhöhte
Aufmerksamkeit der Welt auf Entwicklungsprobleme lenken sollte. Die
Gesetzgebung zur Errichtung des vorgeschlagenen Instituts liegt nun beim
Kongreß.

Wenn es wie geplant beginnt, wird das Institut im nächsten Jahr

bis zu 100 Millionen Dollar an Mitteln verwalten.

Es wird bereit sein,

in Verbindung mit dem Zweiten Fenster spezifische Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu organisieren, das Personal dafür zu stellen und zu finanzieren,
die mit der Rohstoff-Frage zusammenhängen.
•

Da wir hier die Mobilisierung von inneren und äußeren Mitteln für
die Entwicklung überdenken, dürfen wir nicht vergessen, daß diese Hilfsquellen das Mittel sind, um spezifische Entwicklungsprobleme zu lösen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten glaubt, daß die internationale
Gemeinschaft diese Probleme sowohl hier als auch detaillierter während
unserer Verhandlungen über eine neue internationale Entwicklungsstrategie
angehen muß. Außerdem sind wir fest davon überzeugt, daß wir die Tatsache
anerkennen müssen, daß die Außen- genauso wie die Binnenmittel rar sind
und so wirkungsvoll und gerecht wie möglich zur Lösung dieser Probleme
eingesetzt werden müssen.

In dieser Hinsicht stimmen wir zu, daß die

ärmsten Länder, jene, die nur Zugang zu den wenigsten Hilfsmitteln haben,
überhaupt die entgegenkommendste Hilfe erhalten sollten.
Die amerikanische Entwicklungshilfe verdoppelte sich nahezu zwischen
den Finanzjahren 1975 und 1979. Wir sind der größte einzelne Beitragszahler zu den multilateralen Entwicklungsbanken.

Wir nahmen aktiv an den

kürzlich abgeschlossenen Verhandlungen zur Aufstockung der Mittel der
regionalen Entwicklungsbanken teil, was alles zu einem echten Wachstum
der Darlehen durch diese Institutionen beiträgt. Darüber hinaus nehmen
die Vereinigten Staaten zur Zeit an Verhandlungen für die Mitgliedschaft
von nichtregionalen Ländern bei der afrikanischen Entwicklungsbank, für
die Verdoppelung des Kapitals der Weltbank und für einen deutlichen Anstieg
- 11 -

�'

Anstieg der Hilfsmittel der Internationalen Gesellschaft für Entwicklungshilfe teil.
Die Darlehen der multilateralen Entwicklungsbanken werden sich in
den nächsten vier Jahren auf insgesamt über 60 Milliarden Dollar belaufen.
Die Aufstockung von Geldmitteln, die kürzlich beschlossen wurde oder
gerade verhandelt wird, wird sich in Transfers von etwa 90 Milliarden
Dollar an zinsverbilligten Krediten sowie Krediten zu banküblichen Bedingungen niederschlagen.
So bedeutsam anwachsende zinsverbilligte Kredite für einige Entwicklungsländer sind, so wichtig oder noch wichtiger ist für andere die Zusicherung,
daß die Verfügbarkeit privater Geldquellen in den kommenden Jahren größer
wi rd.
Die Vereinigten Staaten werden ihren Kapitalmarkt für diese Länder
offenhalten und wollen andere Industriestaaten ebenfalls dazu ermuntern.
Wir ermutigen die Entwicklungsländer dazu, den Vorteil unserer Märkte voll
auszuschöpfen. Wir gehen Vorschlägen nach, die es den Regierungen der
Entwicklungsländer erlauben würden, größeren Gebrauch von festverzinslichen
Wertpapieren zu machen,und die zu einer gemeinsamen Finanzierung zwischen
privaten Geldgebern und multilateralen Entwicklungsbanken anreizen.
Die Vereinigten Staaten begrüßen auch zwei einfallsreiche Wege, auf
denen internationale Hilfsquellen und Fachwissen durch die Entwicklungsländer selbst eingesetzt werden:

wirtschaftliche und technische Zusammen-

arbeit zwischen Entwicklungsländern.

Während eine solche Kooperation

hauptsächlich in Eigenverantwortung der direkt betroffenen Länder liegen
wird, haben die Vereinigten Staaten dennoch in der Vergangenheit oft
ihre Unterstützung gewährt und werden diese Unterstützung auch in Zukunft
anbieten.

- 12 -

�Die Forderungen nach Unterstützung dieser Zusammenarbeit zwischen
den Entwicklungsländern durch die Industriestaaten sowie die Bedeutung
dieser Zusammenarbeit für unsere Weltwirtschaft verdienen die aufmerksame
Erörterung durch die gesamte internationale Gemeinschaft.

Für die Vereinigten

Staaten ist es selbstverständlich, daß UN-Organisationen wie UNCTAD aufgrund
ihrer weltumspannenden Mitgliedschaft der richtige Platz sind, um solche
Fragen zu beantworten.

Dies kann natürlich nur dann geschehen, wenn solche

Körperschaften ihre Universalität sowohl im Prinzip als auch in der Praxis
beibehalten.
Schließlich müssen wir sorgfältige Aufmerksamkeit darauf verwenden,
daß UNCTAD noch wirkungsvoller arbeitet.

Das geschulte Personal inter-

nationaler Organisationen sollte als ein gemeinschaftliches und wertvolles Hilfsmittel mit größtmöglicher Wirksamkeit eingesetzt wird.
Häufig verschwenden wir die Fähigkeiten und die Energie des UNCTADPersonals, wenn wir bei unseren Beratungen zur Vermeidung von Sackgassen
zu Verfahrenslösungen Zuflucht nehmen.

Es ist leider oft einfacher, nach

einem anderen Treffen oder einer weiteren Studie zu rufen, als sich die
Tatsache einzugestehen, daß wir bei einem bestimmten Thema keine Möglichkeit haben, zu einer Einigung zu kommen.

Wir sollten darin übereinstimmen,

daß wir nicht übereinstimmen, sollten das Thema vorerst beiseitelegen und
uns auf andere konzentrieren.

Wir haben viele dieser Probleme schon

lange genug durchdiskutiert und respektieren unsere gegenseitigen Ansichten
gut genug, so daß es möglich sein sollte, dies ohne Bitterkeit zu tun.

Auf

diese Weise bedienen wir uns des UNCTAD-Personals am wirkungsvollsten,
indem wir seine Anstrengungen auf Theman konzentrieren, bei denen wir
realistischerweise auf das Zustandekommen einer Einigung hoffen können.
Es gibt viele Probleme, bei denen diese Konferenz zu dem Entschluß
kommen wird, daß eine erhöhte UNCTAD-Tätigkeit notwendig ist. Wir brauchen
nicht anzunehmen, daß eine solche erhöhte Aktivität eine Anhebung der
Gesamtmittel von UNCTAD erfordert.

Vielmehr sollten wir herausfinden, wo

- 13 -

�wo Einsparungen im Budget gemacht werden können, um Erhöhungen auszugleichen.
Dies wird diejenigen, die das Geld für UN-Haushalte bereitstellen müssen,
davon überzeugen, daß wir ernsthaft eine Organisation haben wollen, die so
realistisch, tüchtig und leistungsfähig wie möglich ist.
Herr Vorsitzender, als ich zu Beginn dieser Darstellung von einer
neuen, mehr pragmatischen Phase der internationalen Diskussion und Aktion
in bezug auf die Entwicklungsländer sprach, meinte ich nicht, daß die uns
gestellten Herausforderungen weniger dringlich geworden seien.

Als ich

den Fortschritt erwähnte, den wir zusammen hinsichtlich des gegenseitigen
Verstehens gemacht haben, meinte ich nicht, daß die Leidenschaft verschwunden
sei aus dem, was unsere Bürokraten und Gelehrten zu einfach und oft steril
als den "Nord-Süd-Dialog" bezeichnen.

Mein Leben hat mich gelehrt, daß

Leidenschaft, durch den Verstand gewappnet und geleitet, innerhalb einer
Nation eine neue Gemeinschaft zustande bringen kann - und auch innerhalb
einer Welt von Nationen.

Mein Land begrüßt die Anstrengungen dieser Konferenz.

Sie werden unsere volle und konstruktive Beteiligung haben.

+ + + + +

- 14 -

�PRÄSIDENT CARTER ZUM REAKTORPROJEKT "CLINCH RIVER"
- Kommerzielle Anwendung schneller Brüter nur bei besserer Technologie

WASHINGTON - (AD) - Im folgenden bringen wir den Wortlaut eines Schreibens,
das Präsident Carter Ende April an Thomas O'Neill, den Sprecher des US-Repräsentantenhauses, richtete und das vom Büro O'Neills am 4. Mai 1979 veröffentlicht
wurde. Der Präsident erläutert darin die Gründe, weshalb er auch weiterhin
die Fertigstellung des SchneiIbrüter-Projekts Clinch River (CRBR) in Tennessee
ablehnt:
"Seit meiner Amtsübernahme habe ich mich gegen den Bau des Clinch RiverBrutreaktors ausgesprochen. In letzter Zeit habe ich diese Angelegenheit erneut
überprüft und bin nach wie vor überzeugt, daß die Fertigstellung dieses Projekts
nicht im nationalen Interesse liegt. Meine Gründe für diese Überzeugung sind
folgende:
- Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es zu früh, den Bau einer ersten großen
Brüteranlage fortzusetzen, weil aufgrund vorsichtiger Schätzungen von Angebot
und Bedarf an amerikanischem Uran noch viel Zeit vergehen wird, bis sich der
Einsatz von Brütern in den Vereinigten Staaten lohnen würde.
- Seit

�- Seit der vorläufigen Einstellung der Arbeiten am Clinch RiVer-Projekt
haben wir umfangreiche Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt.

Es stellt

heute nicht mehr das bestmögliche Modell dar, das für den ersten großen Brutreaktor zur Verfügung steht.
Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, werden wir auch in der Lage sein, einen
Reaktor zu konstruieren und zu bauen, der technisch fortschrittlicher, leistungsfähiger und sicherer ist und eher jenen Brutreaktoren entspricht, die eines Tages für die kommerzielle Nutzung in Frage kommen.

Aus diesem Grund sind die

Lernprozesse und Erfahrungen, die wir mit der Fertigstellung des CRBR-Projektes
gewinnen würden, die Kosten einfach nicht wert.
Eine Fortsetzung dieses Projektes würde die Bemühungen der USA schwächen,
andere Länder zu überzeugen, die Verwendung von Plutonium und anderen Nuklearmaterialien, aus denen Kernwaffen hergestellt werden können, zu begrenzen und
strikten Kontrollen zu unterwerfen. Wenn die Vereinigten Staaten auf dem Gebiet der Brutreaktortechnologie führend sein sollen, brauchen wir ein aufs
beste fundiertes Programm, das den Stand der Technik fortlaufend verbessert.
Das wird uns in die Lage versetzen, zu geeigneter Zeit einen Reaktor nach
neuesten Konzeptionen zu bauen.
Ich möchte betonen, daß meine Ablehnung des CRBR-Projekts nicht eine generelle Ablehnung von Brutreaktoren oder von Kernkraft bedeutet. Neben der
Erschließung unserer erneuerungsfähigen Energiequellen auf der Basis von Sonnenenergie und Kernfusion verheißen auch Brutreaktoren eine im wesentlichen unerschöpfliches Versorgung mit elektrischer Energie. Wir müssen ein energisches
Forschungs- und Entwicklungsprogramm für Brutreaktoren verfolgen, damit diese
Art der Energieproduktion kommerziell verfügbar ist, wenn bzw. falls wir sie
brauchen. Ich habe mich stets für ein solches Programm ausgesprochen und tue dies
auch heute. Meine Haushaltsvoranschläge für das Finanzjahr 1980 enthalten Anforderungen von 504 Millionen Dollar für die Entwicklung des Brutreaktors mit
Flüssigmetall-Kühlung und von 86 Millionen Dollar für Zusatzentwicklungen bei
Leichtwasser- und Gaskühlung. Im Etat für 1981 wird diese Festlegung auf ein

�ein umfangreiches und vielseitiges Technologie-Programm beibeha'.cen - das
größte, das überhaupt ein Land durchführt.
Außerdem bin ich überzeugt, daß wir weiterhin auf den Leichtwasser-Reaktortyp mit einmaligem Kernbrennstoff-Durchsatz als eine wichtige Quelle für
die Stromerzeugung jetzt und in Zukunft angewiesen sind. Wir müssen auch
künftig die Sicherheit, Zuverlässigkeit und die Brennstoffausnutzung verbessern
und mit der sorgfältigen, wohlüberlegten und dennoch raschen Lösung des Problems der Abfall-Lagerung vorankommen. Ich lege sehr großen Wert auf alle diese Dinge. Und meine Haushaltsvoranschläge für 1980 gewährleisten, falls der
Kongreß sie billigt, starke Programme auf jedem dieser Gebiete.
Auch international werden wir unsere Anstrengungen fortsetzen, andere •
Länder zu überzeugen, die Vorteile der nuklearen Energieproduktion wahrzunehmen, ohne gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit zu vergrößern, daß nukleare
Technik und nukleare Materialien in Kanäle zur Herstellung von Kernwaffen gelangen. Diese beiden Ziele halte ich für vereinbar, und wir werden auch künftig
mit anderen Ländern zusammenarbeiten, damit sie es in der Praxis werden.
Der unterschiedlichen Meinung im US-Kongreß zur Frage des CRBR-Projekts
bin ich mir natürlich bewußt. Die Kontroverse über diesen wichtigen Aspekt
des amerikanischen Energieforschungs- und Entwicklungsprogramms existiert seit
langem und spaltete den Kongreß in verschiedene Lager. Sie hat die Aufmerksamkeit von den übrigen Bereichen eines wohl ausgewogenen und wirksamen Energieforschungs- und Entwicklungsprogramms sowie von anderen wichtigen Energieproblemen auf nuklearem wie nicht-nuklearem Gebiet abgelenkt.
überdies haben wir, während die Debatte fortdauert, monatlich etwa 15 Millionen Dollar für das Clinch River-Projekt aufzubringen.

Ein Teil dieser Mittel

ist für Komponenten bestimmt, die ich fertigentwickelt sehen möchte; ein großer Teil aber wird vergeudet.

Das können wir uns eigentlich nicht leisten.

Schätzungsweise 1,5 Milliarden Dollar ließen sich einsparen, wenn das Projekt
endlich eingestellt werden könnte.

Meines Erachtens ist es Zeit, diesen toten

- 3 -

�toten Punkt zu überwinden, um Lösungen für die Deckung unseres langfristigen
Energiebedarfs zu finden.
Ich halte es für möglich, diese Angelegenheit in einer Form zu lösen, die
sowohl für die Regierung als auch für den Kongreß annehmbar ist. Die wesentlichen Elemente einer solchen Lösung umfassen:
- ein starkes Energieforschungs- und Entwicklungsprogramm für Brutreaktoren mit Flüssigmetallkühlung, das 1980 mit 504 Millionen Dollar finanziert
wird.

Dieses wird unsere Fähigkeit zum Bau einer ersten Anlage, sobald wir

sie benötigen, und schließlich die Kommerzialisierung der Technologie gewährleisten, falls wir uns zu diesem Schritt entschließen;
- eine Entwurfsstudie für eine große Brüter-Testanlage, die dem entspricht,
was sich die nukleartechnische Industrie und die Versorgungsunternehmen unter
der ersten Brüter-Anlage vorstellen, welche die gesamte heute verfügbare Technologie einbezieht und einen flexiblen Versuchsbetrieb zuläßt. Ein Bericht
über diesen Entwurf wird dem Kongreß im März 1981 unterbreitet;
- Fertigstellung eines derartigen Systementwurfs für den Clinch RiverBrutreaktor;
- Beschaffung und Erprobung bestimmter Komponenten aus dem Clinch RiverProjekt, um die bestmögliche Ausnutzung bisheriger Investitionen zu gewährleisten;
- Abwicklung des restlichen Teils des Clinch River-Projekts.
Ich habe Energieminister Schlesinger angewiesen, dem Kongreß Gesetzesvorlagen für die Durchführung dieser Abwicklung zuzuleiten.

Sie setzen die

Verabschiedung per 1. Juni 1979 voraus, ein Zeitpunkt, durch den weitere unnötige Aufwendungen für dieses Projekt so gering wie möglich gehalten werden,
während gleichzeitig dem Kongreß eine ausreichend lange Frist zur Verfügung

- 4 -

�Verfügung steht, d io Angelegenheit umfassend uno sorgfältig z~ erwiigen.

Ich habe gebeten, den Mitgliedern des Kongresses und ihren Mitarbeitern
detaillierte Informationen über alle Aspekte des Nuklearprogramms meiner Regierung und über die Rolle von Brutreaktoren in unserer künftigen Energiepolitik baldmöglichst zukommen zu lassen.

Ich habe außerdem das Energieministerium

und meinen eigenen Mitarbeiterstab instruiert, keine Mühe zu scheuen, um alle
Details oder Informationen, die Kongreßmitglieder und ihre Mitarbeiter auf diesen Gebieten anfordern, zu beschaffen.

Ich hoffe auf gute Zusammenarbeit mit dem Kongreß bei der Lösung dieses
wichtigen Problems und ersuche den Kongreß dringend, die Gesetzesvorlage rasch
zu verabschieden, die Ihnen in Kürze zugehen werden."

- 5 -

�I

Ulirt/choft

rp

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Mai 1979

19

DER NATIONALE ENERGIEPLAN II DER USA
- Auszüge aus dem Bericht Carters an den Kongreß

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung hat davor gewarnt, daß die
wichtigsten ölverbraucherlander hinsichtlich ihrer Versorgung mit weiteren Erschütterungen durch Kriege, Handelsembargos, Streiks und politischen Unruhen
zu rechnen habe und die öl preise in einem Jahrzehnt auf 30 Dollar je Barrel
steigen könnten.
In dem Bericht unter dem Titel "Nationaler Energieplan II", den Präsident
Carter dem Kongreß vorgelegt hat und der am 8. Mai 1979 veröffentlicht wurde,
heißt es jedoch weiter, daß "die Verbraucher nicht machtlos sind". Wichtig
seien weiterhin Sparsamkeit und alternative Energiequellen.
In dem Energieplan wird weiter unterteilt, daß eine Sonderkommission eine
eingehende Studie des Three Mile Island-Unfalls erstellt habe, damit das Land
Sicherheitsmaßnahmen entwickeln könne, die es ermöglichen, die Kernenergie für
den wachsenden Bedarf von Elektrizität auch weiterhin einzusetzen.
Kurzfristig bis 1985, so heißt es in dem Bericht, werde die Welt mit Glück
einer zweiten radikalen öl Preiserhöhung entgehen.

Dazu müßten die Vereinigten

Postfach 20 03 00
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Vereinigten Staaten allerdings Ihre Verwundbarkeit dem ausländischen öl gegenüber herabsetzen, Indem sie neue Wege der Energieproduktion und der Energieverwendung finden und öl und Benzin zu deren wirklichem Wert, d.h. zu höheren
Preisen einstufen.
Mittelfristig, bis zum Jahr 2000, werde
und teurere Energie umzustellen.
sentlich niedriger liegen.

die Welt anfangen, sich auf neue

Der Zuwachs des Energieverbrauchs dürfte we-

Kohle und Sonnenenergie werden ihre Marktanteile

vergrößern.
Langfristig, nach 2000, rechnet der Bericht mit der Anwendung extremster
Technologien, wie etwa Sonnenenergie und fortgeschrittener Nukleartechnologie.
Diese Entwicklung sollte durch "aggressive Forschung und Entwicklungsprogramme"
unterstützt werden.
Der Bericht enthält jedoch keine neuen Vorschläge, sondern soll den amerikanischen Kongreß mit Informationen für kommende Entscheidungen versorgen.

i

Im folgenden Auszüge aus der einleitenden Zusammenfassung des Berichts:
Die Vereinigten Staaten und die anderen wichtigen ölverbraucher dieser Welt
müssen an anderen Orten und zu anderer Zeit mit weiteren Unterbrechungen ihrer
Ölversorgung als Ergebnis von Kriegen und Unruhen im Ausland, politisch motivierten Embargos, Streiks, Sabotage und anderen Störfallen rechnen. Langfristig
wird die Ölversorgung grundsätzlich durch die Kapazitäten und Förderentscheidungen jener weniger Länder begrenzt werden, in denen sich die ölreserven der Welt
konzentrieren. Wenn der Produktionsanstieg zu den derzeitigen Preisen nicht
mehr mit der wachsenden weltweiten ölnachfrage Schritt halten kann, werden die
Preise steil ansteigen, um die Märkte ins Gleichgewicht zu bringen. Während
die weltweite Versorgungslage sich ohnehin unter dem bestehenden Langzeitdruck
verschärft, droht den Vereinigten Staaten durch die Unsicherheit der Versorgungsquellen noch zusätzlicher ökonomischer und politischer Schaden. Dies alles
wird den Obergang zu der kommenden Epoche rarer und teurer Energiequellen weiter
erschweren.

-„
Das
- 2 -

�Das Sicherheitsproblem
Man läßt sich nur zu leicht von der augenblicklichen Krise ablenken, und
man reagiert leicht zu stark, verliert die fundamentalen Probleme aus den Augen,
um die es in dieser Krise geht.

Ebenso einfach wäre es, die langfristigen Trends

auf der Basis der heutigen Schlagzeilen zu interpretieren.

Schon geringfügige

Veränderungen in Produktion und Verbrauch können über Nacht ein Oberangebot oder
eine Verknappung auf den ölmärkten hervorrufen.

Auch die öffentliche Meinung

hinsichtlich der Dringlichkeit des Energieproblems kann sich ändern.

Aber die

Gefahren für die politische und wirtschaftliche Sicherheit der Nation sind heute
deutlich geworden.
Diese Gefahren hat der rasche und massive Übergang zum Verbrauch von ausländischem Dl in Amerika mit sich gebracht. Im Jahr 1971 führten die USA 3,9
Millionen Barrel öl am Tag ein und bezahlten den ausländischen Produzenten dafür nur 4 Milliarden Dollar. Im Jahre 1979 werden die Vereinigten Staaten
wahrscheinlich 8,5 bis 9 Millionen Barrel pro Tag einführen und dafür aufgrund
der diesjährigen Preisflut, hervorgerufen durch den Ausfall der 3&gt;e«nischen Lieferungen, eine Importrechnung von über 50 Milliarden Dollar bezahlen.
Die Ursache dieser plötzlichen Verwundbarkeit liegt in der hergebrachten
Abhängigkeit der amerikanischen Wirtschaft von einem anhaltenden Fluß billiger
Energie. Die Energiepreise sind in diesem Jahrhundert in den Vereinigten Staaten
real fast ständig gesunken. Sinkende Energiepreise aber ermunterten zu immer
stärkerer und sogar verschwenderischer Verwendung der'eigenen öl- und Erdgasreserven. Doch die öl- und Erdgasquellen unseres Landes waren nicht unerschöpflich. Diese mächtigen Kräfte prallten erst Ende der sechziger Jahre aufeinander.
Die Inlandsölförderung erreichte 1970 ihren Höhepunkt und ging seither zurück.
Die Förderung von Erdgas in den Vereinigten Staaten erlebte diesen Höhepunkt
1973. Trotzdem hat sich die Nation an einer Politik und an Gewohnheiten festgehalten, die die Vergangenheit wiederherstellen wollen, nämlich die Preise
niedrig zu halten und mit der gewohnten Verschwendung weiterzumachen. Viele
haben nur langsam erkannt, daß der wirkliche Preis für jedes neue verbrauchte

�verbrauchte Barrel Ol mehr importiertes öl ist, das den Inlandsverbrauch ersetzen muß.
Im Verlauf der letzten fünf Jahre bestand der Preis fUr diese Abhängigkeit
von einigen wenigen öl produzierenden Ländern in einer Reihe von sehr unangenehmen wirtschaftlichen Schocks.

Die erste OPECrPreiserhohung von 1973/74

vervierfachte den öl preis, trug zu einer Rezession in den Vereinigten Staaten
bei und erforderte schmerzvolle Anpassungen, von denen sich das Land erst langsam erholt hat.

öleinfuhren haben den Preis von all den Gütern hochgetrieben,

die öl oder ölersatz benötigen, und waren dadurch direkt oder indirekt eine
Ursache der Inflation in Amerika.

Außerdem haben sie zu den hohen Handelsbi-

lanzdefiziten der Jahre 1977 und 1978 in den Vereinigten Staaten beigetragen,
die zu der jüngsten Abwertung des Dollar-, geführt haben.
Schließlich haben die Preiserhöhungen für das öl auch den Lebensstandard
eines jeden Amerikaners beeinflußt.

Die amerikanische Wirtschaft mußte immer

mehr Güter und Dienstleistungen aufgeben, um die gleiche Menge ausländischen
Erdöls kaufen zu können.

Die Amerikaner sind einfach nicht so reich, um einen

so lebensnotwendigen Rohstoff wie das Erdöl zu solchermaßen gewandelten Bedingungen zu kaufen.
Diese Abhängigkeit von ausländischem Erdöl hat auch zu einer neuen Ära
politischer Instabilität geführt. In der heutigen Welt kann eine Revolution,
ein Krieg oder ein politisches Embargo im Nahen Osten ohne Vorankündigung die
amerikanische Wirtschaftstätigkeit rasch und heftig unterbrechen. Die politische und militärische Sicherheit einiger weniger öl produzierender Länder in
der Welt ist für alle ölverbrauchenden Länder von höchster Bedeutung. Wie die
Vorgänge im Iran gezeigt haben, können innere Unruhen in jedem wichtigeren
OPEC-Land schlagartig Probleme auf dem Erdölmarkt mit sich bringen. Die
Schließung des Persischen Golfes könnte die Vereinigten Staaten und die anderen
Industrieländer in eine weltweite Wirtschaftskrise stürzen.

�In den nächsten zehn Jahren könnten sich die Probleme der Sicherheit auf
dem Energiesektor für die Vereinigten Staaten verschlimmern. Der unterschwellige Druck hin zu starken Preiserhöhungen für das Erdöl wird in den achtziger
Jahren sicher groß sein. Alle zusätzlichen Förderkapazitäten, die einzelne
OPEC-Länder in den letzten Jahren vielleicht entwickelt haben, werden sicher
bis Mitte der achtziger Jahre verschwinden, wahrscheinlich sogar eher. Die
Regierungen der Förderländer mit begrenzter Möglichkeit, die riesigen Einnahmen
zu verwenden, haben guten Grund, die Förderung unter den technisch möglichen
Höchstgrenzen und ihr Angebot auf den Weltmärkten knapp zu halten.
Wenn es keine größeren Veränderungen hinsichtlich der vorhergesagten
Energiegewinnung und den Verbrauchertendenzen sowie der Anstrengungen der Regierungen gibt, könnten die Weltmarktpreise für Erdöl im Jahr 1990 30 Dollar
pro Barrel betragen. Paßt man diesen Preis der Inflation an, so könnte er 1990
bis zu 55 Dollar pro Barrel betragen. Diese Preiserhöhungen werden ziemlich
sicher nicht allmählich und vorhersehbar kommen. Die bisherige Erfahrung
lehrt vielmehr, daß die Preise ruckartig anziehen werden, in dem Maße, wie die
Märkte verspätet oder verfrüht, absichtlich oder unabsichtlich, sich den neuen
Gegebenheiten anpassen. Dieses unberechenbare Verhalten wird wahrscheinlich
die Rezessionsschläge und die schmerzhaften Anpassungen an höhere Preise nur
noch verschärfen.
Je weiter die Preise für das Rohöl langfristig steigen, desto mehr werden
sie das Wachstum der Weltwirtschaft verlangsamen, neue Investitionen dämpfen,
die Beschäftigungslage verschlechtern und die Inflation anheizen.
Entwicklungsländer könnten sogar größere direkte Schäden erleiden als die
fortgeschrittenen Industrieländer; trotzdem bleibt die Verwundbarkeit im Energiebereich bei der wachsenden wechselseitigen Abhängigkeit - Interdependenz - der
Weltwirtschaft eine Gefahr für alle.
Die Vereinigten Staaten und die Regierungen der anderen Verbraucherländer,
die jetzt schon durch die Internationale Energieagentur (IEA) miteinander ver- 5 -

�verbunden sind, sind jedoch nicht völlig machtlos bezüglich der Beeinflussung
der Energielage.
Wahl.

Wegen ihrer eigenen Sicherheit haben sie gar keine andere

Sie können den durch höhere Dl preise hervorgerufenen wirtschaftlichen

Schaden 1n Grenzen halten,und sie können auch Preiserhöhungen in Grenzen halten.
stoffe

Durch eine Politik der Einsparung und der Verwendung alternativer Brennkönnen die Verbraucherlä'nder den Nachfragedruck vermindern, der zu hö-

heren öl preisen auf den Weltmärkten führen würde.

Ebenso können sie die Ent-

wicklung neuer, teurer Energietechnologien und -quellen fördern, die zu gegebener Zeit zur Begrenzung weiterer Preiserhöhungen eingeführt werden können.

Es

wird wesentlich sein, bei solchen Preiserhöhungen zu gewährleisten, daß diese
Ersatzenergien dann rasch und in den benötigten Mengen zur Verfügung stehen.

Planung fürs Ungewisse
Die Vereinigten Staaten können keine zufriedenstellende Energiepolitik entwickeln, bevor sie nicht die Notwendigkeit erkannt haben, für eine ganze Reihe
von Ungewißheiten zu planen. Trotz einer Flut von Energievorhersagen und -Prognosen innerhalb der letzten Jahre kann niemand mit Gewißheit die zukünftige
Energielage der Nation voraussagen. Aber es ist möglich, diejenigen Kräfte
besser zu verstehen, die diese Zukunft gestalten werden.
Der erste Bereich von Ungewißheiten betrifft die Versorgung. Die Welt besitzt noch ausgedehnte öl- und Erdgasreserven. Der grundsätzliche Zweifel geht
jedoch dahin, ob noch genug Erdöl zum jetzigen Preis entdeckt und gefördert
werden kann, um wenigstens ein langsames Wachstum der weltweiten Erdöl nachfrage
zu befriedigen. Immer mehr Erdöl wurde in letzter Zeit unter teuren und feindseligen Umweltbedingungen gefördert. Viele Geologen glauben, daß die meisten
größeren öl fei der bereits entdeckt worden sind und daß künftige Entdeckungen
weitaus kleiner sein werden. Da die Förderung in den jetzigen ölfeldern abnimmt, müßten erfolgreiche Neuentdeckungen in einem bisher nicht erlebten Tempo
erfolgen, wenn sie größere Preissprünge bei den ölpreisen verhindern sollen.
Inzwischen

�Inzwischen werden einige der Länder, in denen sich die ölvorrä'te der Welt
konzentrieren, höchstwahrscheinlich nicht mit höchster technisch möglicher
Förderleistung arbeiten.

Vielmehr werden sie versuchen, ihre ölvorrä'te zu

strecken und zugleich ihre Einnahmen so zu gestalten, daß sie den Erfordernissen
der innenpolitischen und wirtschaftlichen Entwicklung am besten gerecht werden.
Diese Angebotsfaktoren könnten sich natürlich ändern, wenn die verstärkte ölsuche außerhalb der OPEC-Länder zu einer höheren Förderung führt.
Der zweite Bereich von Ungewißheiten betrifft die weltweite Nachfrage nach
Energie. Der Appetit auf Erdöl wird in den nächsten zwei Jahrzehnten vom Wirtschaftswachstum abhängen, das nur sehr schwierig vorauszusagen ist. Einsparung
kann sicher das Anwachsen der Energienachfrage bremsen, aber Ragierungspolitik,
Verbraucherverhalten und der Energieverbrauch neuer Kapital guter und Baulichkeiten sind bekannterweise schwierig abzuschätzen und schwer vorherzusagen.
Von diesen Faktoren wird es abhängen, ob und wie schnell die weltweite ölnachfrage die Grenzen der OPEC- und Nicht-OPEC-Förderkapazität erreicht. Eine Vielzahl anderer Ungewißheiten wird ebenfalls das Preisverhalten des ölmarktes beeinflussen. Dazu gehörander technologische Wandel ebenso wie die Politik der
Regierungen in den Verbraucherländern, um Ersatzstoffe für öl zu entwickeln,
und die Rolle, die kommunistische Regierungen auf dem Weltmarkt als exportierende oder importierende Kraft - oder als beides - spielen werden.
Kurz gesagt, sowohl hinsichtlich des Zeitpunktes als auch hinsichtlich des
Umfangs sind die Preissteigerungen in Ungewißheit gehüllt. Vor der ganzen
Bandbreite von durchaus vernünftigen Annahmen, die sich hier ergeben, ist es
nahezu unvermeidlich, daß die Nachfrage zu derzeitigen Preisen irgendwann in
den achtziger Jahren das Angebot zu solchen Preisen weit Übersteigen wird. Es
wäre vorschnell, diese Ungewißheiten zu ignorieren, sich durch vorhandene optimistische Voraussagen trösten zu lassen oder sie dazu zu benützen, Untätigkeiten zu rechtfertigen. Die Vereinigten Staaten müssen für eine optimistische
ebenso wie für eine pessimistische Zukunft planen und die Schwierigkeiten und
Vorteile vorwegnehmen, die daraus entstehen können.
Dabei

�Dabei ist der Preis nicht der einzige Maßstab für eine "gute" oder "schlechte" Energiezukunft.

Niedrige ölpreise bringen zwar kurzfristige wirtschaftliche

Vorteile, führen aber zu höheren Einfuhrzahlen und langfristig zu größeren politischen Unsicherheiten sowie zu wirtschaftlicher Verwundbarkeit durch Einfuhrstörungen.
Hohe ölpreise können zu niedrigeren Importen führen, obwohl für erhöhte
Inlandsangebote nicht mit dem Markt zusammenhängende Beschränkungen auftreten
könnten, die weiterhin hohe Importe zur Folge hätten. Die Vereinigten Staaten
müssen eine Politik entwickeln, die Ausgleich

und Schutz vor den Risiken höherer

Preise, höherer Importe oder bei dem bietet.
*

Auf dem Wege zu einer amerikanischen Energiestrategie
Seit der ersten OPEC-Preiserhöhung der Jahre 1973/74 hat sich die amerikanische Energielage laufend verschlechtert.

Während zunehmender Nachdruck auf Ein-

sparung gelegt wurde und die Zuwachsrate der Nachfrage zurückging, blieb die
Inlandsproduktion von Energie fast ein Jahrzehnt auf der Stelle.
D^e Nation steht an der Schwelle zu einem großen Wechsel ihrer Energiequellen.
Im Laufe der nächsten 20 Jahre werden die Vereinigten Staaten den Zuwachs an
künftiger Nachfrage nicht nur mit Erdöl und Erdgas befriedigen, sondern in zunehmendem Maße mit Kohle, Kernenergie, sich erneuernden Energiequellen und mit
teuren unkonventionellen Energiequellen. Das Land wird nicht mehr, wie bisher,
einfach zu importiertem Erdöl greifen können, um die Versorgungslücke zu schließen.
Ausländisches öl wird nicht länger billig und leicht verfügbar sein. Außerdem
wenden die politischen Kosten der Abhängigkeit noch deutlicher und noch unannehmbarer werden»
Die Herausforderungen dieser Übergangsperiode sind ihrer Natur nach unangenehm. Die Entwicklung neuer Übergangsangebote und die Entwicklung neuer Märkte
für diese Angebote werden viele Jahre brauchen und ungeheure Investitionen über

- 8-

�über einen langen Zeitraum hinweg benötigen.

Dennoch ist diese Anstrengung

entscheidend und, abgesehen von den Vorteilen hinsichtlich der politischen
Sicherheit, würden die potentiellen Kosteneinsparungen beträchtlich sein. Zu
lange verzögerte Maßnahmen könnten katastrophale Folgen haben.
Zur Zeit ist der endlose Konflikt über die Zukunft der Energiepolitik eine
der lähmendsten Ungewißheiten für die Energiezukunft dieses Landes. Erst durch
die Energiebotschaft des Präsidenten vom 5. April 1979 kommt das Land nun zu
einer ölpreispolitik, die Schluß macht mit den Zuschüssen für ausländisches öl.
Oft genug haben Unternehmen gezögert, wegen Verzögerungen und Ungewißheiten
der Regierungspolitik neue Projekte in Angriff zu nehmen.
Die Debatte über die Energiepolitik während der letzten Jahre hat mit am
meisten Zwietracht gebracht. Die Energiepolitik berührt alle wirtschaftlichen
Interessen, berührt jede Gruppe der amerikanischen Gesellschaft. Sie führt in
ein komplexes Gewirr manchmal sich widerstreitender nationaler Ziele, wie Markteffizienz und höhere Produktion, Gleichheit zwischen Einkommensklassen und Regionen, Umweltschutz, nationale Sicherheit, Wirtschaftswachstum und Inflationszwang. Es wird schwierig, manchmal sogar unmöglich sein, diese Ziele in Einklang zu bringen.
Eine Energiestrategie muß auf dem Nationalen Energiegesetz des Jahres 1978
aufbauen.

Sie muß Übereinstimmung zu Themen entwickeln, die in diesem Gesetz

noch nicht behandelt wurden, und zu neuen Fragen, die seither aufgetaucht sind.
Sie muß den regionalen, einzelstaatlichen und kommunalen Behörden eine aktivere
Rolle zuweisen, um die Vielzahl von Energieproblemen anzupacken, die auf nationaler Ebene nicht gelöst werden können. Sie muß neuen Einfallsreichtum beweisen,
um die Auswirkungen der höheren Energiepreise auf Wohlstand und Gleichzeit zu
mildern.

Sie muß festlegen, wie ein Gleichgewicht erreicht werden kann zwischen

den Kosten einer kurzfristigen Inflation und den Vorteilen einer langfristigen
Beherrschung der Inflation.

Es gibt keinen anderen Weg, als sich den schwieri-

gen Entscheidungen, die vor uns liegen, zu stellen.
Die
- 9 -

�Die nationale Energiestrategie
Eine Energiestrategie muß ein Gleichgewicht herstellen zwischen jenen Maßnahmen, die die langfristige Sicherheit der Nation verbessern und denen, die es
ermöglichen, mit einer plötzlichen Krise fertig zu werden.

Sie muß die verschie-

denen Probleme auseinanderhalten, die in drei Zeitperioden auftreten können:
dem vor uns liegenden Zeitraum (bis etwa 1985), dem mittelfristigen Zeitraum
(von 1985 bis 2000) und dem langfristigen Zeitraum (2000 und danach).
Die Nation kann nicht all die Energieprobleme lösen, denen sie heute oder
irgendwann gegenübersteht.

Jede Entscheidung muß sorgfältig aus der Erkennt-

nis heraus getroffen werden, daß mehr Wissen später klügere Entscheidungen ermöglichen wird.

Die Hauptziele der Strategie müssen jedoch sein, in einer un-

gewissen Zukunft ständige politische Führung anzubieten.

Die unmittelbare Zukunft (1979-1985)
In den nächsten Jahren werden die Vereinigten Staaten und die übrige Welt
glücklich sein, einem zweiten radikalen Anstieg der ölpreise zu entgehen.
Anpassungsprozeß wäre erneut äußerst schmerzhaft.

Der

Der größte Teil der energie-

produzierenden und der energieverbrauchenden Ausrüstungen, die in diesem Zeitraum wichtig sind, befindet sich bereits an Ort und Stelle.
Selbst mit den Auswirkungen des Nationalen Energiegesetzes vom vorigen
Jahr sind die Importe noch immer unannehmbar hoch und könnten ohne weitere Maßnahmen im Jahr 1985 sogar noch höher liegen.
Als unmittelbares Ziel, das in Zukunft sicher noch größere Bedeutung erlangen wird, muß die Nation ihre Abhängigkeit von ausländischem Erdöl verringern
und ihre Verwundbarkeit durch Versorgungsunterbrechungen herabsetzen.

Die

�Die unmittelbare Herausforderung besteht darin, sicherzustellen, daß Investitionen für neue Energiegewinnungs- und Energieverbrauchs-Ausrüstungen in einem
Maße und auf eine Art durchgeführt werden, die den neuen Gegebenheiten Rechnung
trägt, und daß die vorhandenen Vorräte und die vorhandenen Ausrüstungen auf
wirkungsvollste Weise genutzt werden.
Preisbewegungen für Erdöl und Erdgas hin zu einem echten Marktwert werden
die amerikanischen Verbraucher besser auf langfristige Preiserhöhungen vorbereiten und schon jetzt größere Produktion und Einsparungen bewirken. Die Beseitigung von Hindernissen für neue Produktion wird übertriebene administrative Verzögerungen abschaffen, die heute noch den: Bau neuer Raffinerien, Ölleitungen und
anderer Energieprojekte behindern. Die Auffüllung der Strategischen ölreserve,
die Aufschlüsselung der weltweiten Ölversorgung und andere Schritte werden die
wirtschaftlichen Auswirkungen einer Unterbrechung mildern. Alle diese Maßnahmen
können als Vorbereitung dienen für weitere Maßnahmen, die mittelfristig noch mehr
Energiesicherheit erkaufen können.

Die mittelfristige Zukunft (1985-2000)
Mittelfristig werden die Vereinigten Staaten und die übrige Welt von der
Abhängigkeit von Erdöl und Erdgas auf neue und teuerere Energieformen übergehen.
Der Anstieg des Energieverbrauchs dürfte dann weit langsamer sein als Ursprung^
lieh angenommen. Direkte Kohleverwendung, Elektrizität und dezentralisierte
sich erneuernde Quellen werden ihren Marktanteil vergrößern. Die Ungewißheiten
- besonders jene, die mit der Versorgung durch öl und dessen Preis zu tun haben sind für diesen Zeitraum viel größer als für die nahe Zukunft. Diese Ungewißheiten werden den Vereinigten Staaten die große Möglichkeit bieten, ihre eigene
Energiezukunft unmittelbarer zu beeinflussen.
Mittelfristig muß unser Land versuchen:
1) die

�1) die Einfuhren möglichst niedrig zu halten, um die Sicherheit der Vereinigten Staaten zu gewährleisten und um den Zeitraum hinauszuschieben,
an dem die weltweite Nachfrage nach öl die Grenzen der Produktionskapazität erreicht; und
2) die Fähigkeit zu entwickeln, neue teurere

"Ersatz"-Technologien zu ver-

wenden, wenn die Weltölpreise steigen.
Wegen der Ungewißheiten im mittelfristigen Bereich können es sich die Vereinigten Staaten nicht leisten, ein starres Handlungs- und Programmschema zu verfolgen.

Niemand kann sicher sein, wie schnell oder wie langsam die Erdölpreise

steigen werden.

Die Vereinigten Staaten müssen jene Maßnahmen vorantreiben, die

jetzt angemessen sind. Sie müssen jetzt mit der Entwicklung für den Gebrauch solcher neuer Technologien beginnen, die sich auf einheimische oder nicht von der
OPEC abhängige Quellen stützen und die man nur dann verwendet, wenn sie mit teurerem eingeführtem Erdöl konkurrenzfähig sind.

Die Einführung solcher fortge-

schrittener Technologien wird darüber hinaus neue schöpferische Lösungen in Anlage und Verwendung erfordern, um die Übereinstimmung mit Umweltzielen sicherzustellen.

Die langfristige Zukunft (2000 und danach)
Die Vereinigten Staaten stehen vor zwei wesentlichen Veränderungen auf
den Energiemärkten zwischen huete und der Mitte des 21. Jahrhunderts. Die erste
wird im Verlauf der mittelfristigen Periode stattfinden, wenn die Vereinigten
Staaten sich von einem Energiesystem, das von unkonventioneller Versorgung abhing, lösen. Diese "übergangs"-Energieversorgung wird einige sich erneuernde
Technologien umfassen sowie gesteigerte ölförderung, Ölschiefer, unkonventionelles Erdgas und Produkte auf Kohlebasis.
Da sogar diese Vorkommen endlich sind, wird nach dem Jahr 2000 ein zweiter
Übergang stattfinden.

Eine Reihe von fortgeschrittensten Technologien, ein- 12 -

�einschließlich aller sich erneuernden und neuesten Nukleartechnologien, werden
anfangen, die traditionellen Brennstoffe und nicht ersetzbaren Konventionellen
Rohstoffquellen zu ersetzen.
Das langfristige Ziel unseres Landes besteht darin, ersetzbare und im wesentliche unerschöpflische Energiequellen zu bekommen, um eine gesunde Wirtschaft aufrechtzuerhalten.
Manche der vielversprechenden Technologien werden sich als äußerst kostspielig herausstellen. Umwelt- und Sicherheitsprobleme werden andere undurchführbar machen. Immer auch besteht die Gefahr, daß verfrühte und überwiegende
Unterstützung der Bundesregierung für eine bestimmte Gruppe von Technologien
attraktivere Möglichkeiten verdrängt. Die heutige Generation kann und sollte
nicht den kommenden Generationen ihr eigenes Urteil und ihre eigenen Werte aufzwingen. Diesen muß die endgültige Wahl hinsichtlich der Verwendung der verschiedenen Technologien selbst überlassen bleiben.
Eine tragfähige Energiezukunft kann nicht über Nacht erreicht werden.
Die Vereinigten Staaten können keine schlagartigen technologischen Durchbrüche
erwarten, um ihre Energieprobleme zu lösen.

Die auftretenden technischen Fort-

schritte werden am ehesten durch sorgfältige und aktive Forschung ermutigt sowie durch Entwicklungsprogramme für die ganze Palette von Optionen.

+ + + + +

- 13 -

�3

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
23. Mai 1979

19

ERLÄUTERUNGEN ZU BEGRIFFEN IM RAHMEN DER SALT-VERHANDLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung
(ACDA) hat Erläuterungen zu einigen Fachbegriffen veröffentlicht, die im Zusammenhang mit den amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über eine Begrenzung der
strategischen Rüstungen (SALT) immer wieder auftauchen. Das Amt hat jedoch betont, daß die nachstehend aufgeführten Definitionen nicht im vertragsrechtlichen
Sinne bindend sind, sondern lediglich dem besseren Verständnis der Materie dienen sollen. Die deutsche Obersetzung hat keinen amtlichen Charakter.
ABM-TREATY - ABM-VERTRAG.offiziell "Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten
von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Begrenzung der ballistischen Raketenabwehrsysteme" - ist eines der beriden am 26. Mai
1972 in Moskau unterzeichneten Abkommen, die zusammen als SALT I bekannt sind.
Der Vertrag über die Abwehrraketen (Anti-Ballistic-Missiles - ABMs) trat am
3. Oktober 1972 in Kraft und hat eine unbegrenzte Laufzeit. In seiner ursprünglichen Form beschränkte er beide Seiten auf je zwei ABM-Dislozierungsräume - ein
Gebiet um die Landeshauptstadt und ein weiteres um die Bunkerzone für die Interkontinentalraketen (Intercontinental Ballistic Missiles - ICBMs) und verfügte
ferner Begrenzungen bezüglich der Dislozierung von ABM-Startrampen (ABM Launchers),
Abfangraketen (Interceptors) - je 100 in jedem Dislozierungsraum - und ABM-Radar-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 08-85432

�ABM-Radaranlagen in diesem Räumen. Ein im Jahr 1974 unterzeichnetes Protokoll
zu dem Vertrag reduzierte die Zahl der ABM-Dislozierungsräume auf nur einen
für jede Seite.
AGGREGATE - GESAMTZAHL DER ZULÄSSIGEN WAFFEN BESTIMMTER KATEGORIEN. Das
SALT II-Abkommen sieht numerische Begrenzungen bei verschiedenen strategischen
Offensivwaffen vor. Der Begriff "Gesamtzahl" wird vor allem auf die Summe der
Zahlen der Startrarapen für Interkontinentalraketen (ICBM Launchers), der Startgeräte für Unterseebootgestutzte Ballistische Raketen (SLBM Launchers)» der
schweren Boiaber und der Ballistischen Luft-Boden-Raketen (Air-to-Surface
Ballistic Missiles ASBMs) angewandt. Das SALT II-Abkommen setzt für beide Seiten als Gesamtzahl eine anfängliche Höchstziffer von 2400 fest und sieht eine
spätere Reduzierung auf 2250 vor» die Anfang 1981 beginnen und bis Ende des
gleichen Jahres beendet werden soll. Innerhalb der Gesamtzahl bestehen für einzelne Kategorien Höchstgrenzen; sie belaufen sich für Startrampen für Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVed ICBM Launchers), Startgeräte für Unterseebootgestützte Ballistische Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVed SLBM Launchers), Luft-Boden-Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen
(MIRVed ASBMs) und Schwere Bomber mit Marschflugkörpern (Cruise Missiles - CMs)
mit einer Reichweite von mehr als 600 Kilometern auf zusammen 1320; für Startrampen für ICBMs und SLBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen sowie ASBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen auf zusammen 1200; und für Startrampen für ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen bis zum Jahre 1985 auf 820.
AIR LAUNCHED CRUISE MISSILES (ALCMs) - LUFTGESTÜTZTE MARSCHFLU6KDRPER sind
Marschflugkörper» die von Flugzeugen aus gestartet werden.
AIR-TO-SURFACE BALLISTIC MISSILES (ASBMs) - BALLISTISCHE LUFT-BODENRAKETEN werden von Flugzeugen aus, gegen Ziele auf der Erde abgeschossen. Im
Sinne von SALT II zählen zu den Ballistischen Luft-Boden-Raketen alle von Flugzeugen aus zu startenden Raketen mit einer Reichweite von mehr als 600 km.
AIR-

�AIR-TO-SURFACE MISSILES (ASM) - LUFT-BODEN-RAKETEN werden alle aus der
Luft gegen Bodenziele einzusetzende Raketen genannt.
ASBM CARRIER - ASBM-TRÄGER werden die Träger für den Start von Ballistischen
Luft-Boden-Raketen gegen Bodenziele mit einer Reichweite von mehr als 600 km
genannt. Gemäß SALT II dürfen nur Bomber mit Ballistischen Luft-Boden-Raketen
ausgerüstet werden. Derart ausgerüstete Bomber sind als Schwere Bomber' anzusehen und fallen als solche nicht unter die im Vertrag festgesetzten Gesamtzahlen - sofern sie nicht auch mit Ballistischen Bomben (Gravity-Bombs) oder
Luftgestützten Ballistischen Weitstreckenraketen (ALCMs) bestückt sind - während die Ballistischen Luft-Boden-Raketen selbst unter die Gesamtzahl rechnen.
BACKFIRE - NATO-BEZEICHNUNG FÜR DEN MODERNEN ZWEIMOTORIGEN SCHWENKFLÜGELBOMBER DER SOWJETUNION. Er wird gegenwärtig zum Zweck des Einsatzes im Gefechtsfeld oder im Rahmen von Operationen der Seestreitkräfte als Ersatz für sowjetische Mittlere Bomber älterer Bauart operativ disloziert. Die besonderen Merkmale des Backfire-Bombers bedingen seine Einstufung zwischen den üblichen
Schweren und Mittleren Bombern. Unter bestimmten Flugbedingungen soll der Backfire-Bomber interkontinentale Reichweite haben.
BALLISTIC MISSILES - BALLISTISCHE FLUGKÖRPER sind alle Raketen, die einer
Flugbahn folgen, die sich vornehmlich aus der Einwirkung der Schwerkraft und
des ärodynamisehen Widerstands auf sie nach dem Aussetzen des Schubs der Brennstufe ergibt.

Ballistische Raketen operieren im Regelfall während eines Teils

ihrer Flugbahn außerhalb der Atmosphäre und legen den größten Teil ihrer Flugstrecke ohne Antrieb zurück.
BOMBER - BOMBER sind alle Flugzeugtypen, die nach ihrer Konstruktion zum
Abwurf von Bomben und zum Start von Raketen fähig sind.
CIRCULAR ERROR PROBABLE (CEP) - ZIELGENAUIGKEIT EINES WAFFENSYSTEMS.
CEP bezeichnet den Radius des Kreises um einen Zielpunkt, innerhalb dessen eine
50prozentige Trefferwahrscheinlichkeit besteht.
COOPERATIVE
- 3 -

�COOPERATIVE MEASURES - KOOPERATIVE MASSNAHMEN, die in dem Bestreben ergriffen werden, die Fähigkeit der Gegenseite zu verbessern, die Einhaltung der Bestimmungen des Abkommens zu verifizieren.

Derartige Maßnahmen können freiwillig

oder vereinbart sein.
CRUISE MISSILES (CMs) - MARSCHFLUGKÖRPER sind Lenkflugzeuge, die den aerodynamischen Auftrieb zur Oberwindung der Schwerkraft und einen Antrieb zur Oberwindung des Luftwiderstandes benutzen.

Die Flugbahn von Marschflugkörpern ver-

läuft innerhalb der Atmosphäre.
CRUISE MISSILES CARRIERS (CMCs) - MARSCHFLUGKÖRPER-TRÄGER
von Marschflugkörpern ausgerüstete Flugzeuge.

sind zum Starten

Die Beschränkungen von SALT II

gelten für CMCs, die für den Start von Marschflugkörpern mit einer Reichweite
von mehr als 600 km ausgerüstet sind.
CRUISE MISSILES RANGE - REICHWEITE VON MARSCHFLUGKÖRPERN. SALT II bestimmt,
daß die Reichweite eines Marschflugkörpers die größte Strecke darstellt, die er
in der Standardausführung bis zur Erschöpfung des mitgeführten Brennstoffvorrats
zurücklegen kann; sie bemißt sich durch Projektion des Flugwegs vom Startpunkt
bis zum Punkt des Auftreffens auf der Erde. Somit stellt die Reichweite die von
dem Marschflugkörper maximal zu überwindende Entfernung dar.
DATA BASE - DATENBASIS. In einem Anhang zum SALT II-Abkommen haben die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in einer schriftlichen Einverständniserklärung die Zahlen der zulässigen strategischen Offensivwaffen beider Seiten
nach Kategorien aufgeschlüsselt aufgeführt, die den im Vertrag vereinbarten Beschränkungen unterliegen. Diese Datenbasis soll in periodischen Abständen durch
die Ständige Beratende Kommission (Standing Consultive Commission - SCC) auf den
jeweils neuesten Stand gebracht werden.
DELIBERATE CONCEALMENT - VORSÄTZLICHE VERHEIMLICHUNG.

Das SALT II-Abkommen

verfügt, daß die Verifizierung der Einhaltung seiner Bestimmungen durch Nationale
Technische Mittel (National Technical Means - NTMs) zu erfolgen habe.

Die Ver-

�Vertragsstaaten sind übereingekommen, keine Maßnahmen zur vorsätzlichen Verheimlichung eigener Projekte zu ergreifen, die die Verifizierung der Einhaltung
der Vertragsbestimmungen durch NTMs behindern könnten.

Der Begriff vorsätz-

liche Verheimlichung umschließt alle Maßnahmen, die vorsätzlich zu dem Zweck
getroffen werden, die Verifizierung der Einhaltung der Vertragsbestimmungen
durch Nationale Technische Mittel zu verhindern oder zu erschweren.

Eine vor-

sätzliche Verheimlichung wäre beispielsweise Maßnahmen zur Tarnung, zur Vertuschung oder zur Verweigerung des Zugangs zu telemetrischen Informationen - beispielsweise durch die Verschlüsselung telemetrischer Daten -, sofern ein derartiges Vorgehen die Verifizierung der Einhaltung der Vertragsbestimmungen behindert.
DEVELOPMENT - ENTWICKLUNG ist das erste Stadium des Prozesses der Herstellung eines Waffensystems. Die späteren Stadien schließen die Erprobung
(Testing) oder Flugerprobung (Flight-Testing), Produktion und Dislozierung
(Deployment) ein.
ENCRYPTION - VERSCHLÜSSELUNG von Mitteilungen zum Zweck der Verheimlichung
von Informationen.

In SALT II wird dieser Terminus auf eine Praxis argewandt,

durch die eine Seite die Übermittlungsmethode telemetrischer Meßdaten (Telemetry) von in der Erprobung befindlichen Waffen vorsätzlich dahingehend verändert, daß diese Mitteilungen für die Gegenseite unentzifferbar werden.
FIXED ICBM LAUNCHERS - FESTINSTALLIERTE STARTRAMPEN FÜR INTERKONTINENTALRAKETEN (INTERCONTINENTAL BALLISTIC MISSILES - ICBMs).
von ICBM-Startanlagen: festinstallierte und mobile.

Es gibt zwei Kategorien

Unter den festinstallierten

ICBM-Startanlagen wiederum unterscheidet man "weiche" - bei denen die Rakete
und der größte Teil des Startgeräts an der Erdoberfläche verbleiben - und "harte"
- bei denen die Rakete und der größte Teil der Startausrüstung in betongeschützten unterirdischen Bunkern (Silos) untergebracht sind.

"Bei weichen"

und "harten" Startanlagen sind die Geräte, die die Rakete starten, an einem bestimmten Ort fest installiert.
FLIGHT

- 5 -

�FLIGHT-TEST - FLUGERPROBUNG.

Im Sinne von SALT II bedeutet Flugerprobung

eines Flugkörpers (im Gegensatz zu dessen statischer Erprobung - Static Test)
den tatsächlichen Start desselben zu einem bestimmten Zweck, einschließlich dem
der Entwicklung, der Demonstration und der Ausbildung von Bedienungsmannschaften.
FRACTIONAL ORBITAL BOMBARDMENT SYSTEM (FOBS - FLUGKÖRPERSYSTEM ZUM BOMBENWURF MIT PARTIELLER UMLAUFBAHN heißt eine Waffe, die in ein« Erdumlaufbahn verbracht wird und vor Vollendung ihres ersten Umlaufs eine Reihe von Bremsraketen
zündet, um ihre Geschwindigkeit zu verringern, wieder in die Atmosphäre einzutreten und den mitgeführten Gefechtskopf auszustoßen und in Richtung auf sein
Ziel hin in eine ballistische Bahn zu lenken.

Während eine normale ballistische

Interkontinentalrakete vom Start- bis zum Zielpunkt eine bogenförmige, elliptische Bahn beschreibt und durch Radarbeobachtung leicht auszumachen ist, kann
eine Waffe in einer erdnahen Flugbahn - in bis zu 160 km Höhe - rasch auf ein
Ziel herabstoßen, was die Radarvorwarnzeit erheblich verkürzt.

Eine FOBS-Bahn

besteht demnach aus dem Aufstieg in eine erdnahe Umlaufbahn, einem Kreisbogen
Richtung Bodenziel und dem steilen Sinkflug in dasselbe.
FRACTIONATION - FRAKTIONIERUNG bedeutet die Verteilung der Wurflast einer
Rakete auf mehrere Gefechtsköpfe beispielsweise mehrere unabhängig voneinander
ziel gesteuerte Flugkörper, sog. Wiedereintritts-Tochtergefechtsköpfe (MIRVs).
Der Terminus "Fractionation Limit", Fraktionierungshöchstgrenze, wird in SALT II
für die im Vertrag festgelegte Höchstzahl der von einer Rakete mitzuführenden
Tochterflugkörper (Gefechtsköpfe) für den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre
benutzt.
FUNCTIONALLY RELATED OBERSERVABLE DIFFERENCES (FRODs) - FUNKTIONSBEZOGENE
ERKENNBARE UNTERSCHEIDUNGSMERKMALE werden in der SALT-Terminologie die Merkmale genannt, an Hand derer zwischen Flugzeugen zu unterscheiden ist, die im
SALT-Abkommen eingeschränkte Funktionen auszuüben vermögen, und solchen, die
dazu nicht fähig sind. FRODs sind Unterschiede in den erkennbaren Charakteristika von Flugzeugen, die entscheidend dafür sind, ob sie als Schwere Bomber
oder als für den Start von Marschflugkörpern mit einer Reichweite von mehr als
600 km und Ballistischen Luft-Boden-Raketen (Air-to-Surface Ballistic Missiles

�Missiles - ASBMs) ausgerüstete Bomber eingesetzt werden können.
GROUND LAUNCHED CRUISE MISSILES (GLCM) - LANDGESTÜTZTE MARSCHFLUGKÖRPER
sind Flugkörper, die von festiinstallierten oder mobilen Abschußrampen am-Boden
aus gestartet werden können.
... ,.;,i

IM

HEAVY (BALLISTIC) MISSILES - SCHWERE (BALLISTISCHE) RAKETEN. Im,'$ALT II
wird nach Wurf- und Startgewicht zwischen zwei Kategorien von ballistischen
Raketen unterschieden: leichten und schweren. Schwere Raketen - Interkontinentalraketen (ICBMs), Unterseebootgestützte Ballistische Raketen .(SLBMs) und
Ballistische Luft-Boden-Raketen (ASBMs) - sind Raketen mit einem größeren Startoder Wurfgewicht als dem Start- oder Wurfgewicht der sowjetischen Interkontinentalrakete vom Typ SS-19.
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HEAVY BOMBER - SCHWERE BOMBER im Sinne von SALT II sind alle Flug*eugtypen
angesehen, die in die Gesamtzahl der im Abkommen beschränkten Waffen einzubeziehen sind. Man unterscheidet bei den Schweren Bombern vier Kategorien: ..
a) die vorhandenen Bombertypen B-52 und B-l auf amerikanischer, und die Typen
TU-95/NATO-Bezeichnung Bear) und Byasishchev(NATO-Bezeichnung ;Bison) auf
sowjetischer Seite; b) künftige Bombertypen, die als Schwere Bomber den:vorstehend genannten Typen ähnlich oder überlegen sind; c) Bombertypen, die für
den Start von Marschflugkörpern mit einer Reichweite von mehr als 600 km ausgerüstet sind; und d) Bombertypen, die für den Start von Ballistischen LuftBoden-Raketen (ASBMs) ausgerüstet sind.
.:•.-•:
ICBM SILO LAUNCHER - VERBUNKERTE STARTRAMPEN FOR INTERKONTINENTALRAKETEN
(ICBMs) sind festinstallierte "harte" unterirdische Startanlagen - normalerweise durch stahlarmierten Beton geschützte Bunker, auch Silos genannt -, in
denen jeweils eine Interkontinentalrakete mit dem dazugehörigen Startgerät
untergebracht ist.
INTERCONTINENTAL BALLISTIC MISSILE (ICBM) - Der Begriff INTERKONTINENTALRAKETE umfaßt alle landgestützten und von festinstallierten oder mobilen Startanlagen aus zu startenden Raketen, die einen Gefechtskopf in ein Ziel in inter-

�interkontinentaler Entfernung verbringen können. Interkontinentale Raketen
fliegen ihr Ziel nach Verlassen der Erdatmosphäre auf einer elliptischen Flugbahn an. ICBMs bestehen aus der Antriebsstufe, einem oder mehreren Wiedereintritts-Tochtergefechtsköpfen, Abwehr-Durchbruchshilfen (Penetration Aids PENAIDs), und - im Falle von mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestatteten Raketen
- einem Muttergefechtsköpf (Post-Boost Vehicle - PBV). Im Sinne von SALT II
gelten als Interkontinentalraketen alle landgestützten Raketen mit einer Reichweite von mehr als 5500 km.
INTERFERENCE - STÖRAKTIONEN. Im SALT II-Abkommen ist vereinbart, daß
sich beide Vertragsparteien zur Verifizierung der Einhaltung der Vertragsbestimmungen der ihnen zu Gebote stehenden Nationalen Technischen Mittel (NTMs)
bedienen. Die Parteien haben sich verpflichtet, jede Störung der Nationalen
Technischen Mittel der Gegenseite zu unterlassen. Das besagt, daß keine Seite
die Nationalen Technischen Mittel der Gegenseite zerstören oder versuchen darf,
diese in ihrer Funktion unwirksam zu machen, beispielsweise durch Blendung
von Luftbi1d-Aufklärungssatel1iten.
INTERIM AGREEMENT - INTERIMSABKOMMEN bedeutet das "Interimsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken über gewisse Maßnahmen in bezug auf die Beschränkung strategischer Offensivwaffen" - eines der beiden Abkommen, die am 26. Mai 1972 in
Moskau unterzeichnet wurden und zusammen gewöhnlich als die SALT I-Abkommen
bezeichnet werden. Das Interimsabkommen, das am 3. Oktober 1972 in Kraft trat,
ist formell am 3. Oktober 1977 erloschen. Im September 1977 versicherten jedoch die USA und die UdSSR in getrennten Erklärungen, daß sie bis zum Abschluß
der damals schon laufenden SALT II-Verhandlungen keinerlei Maßnahmen zu treffen beabsichtigen, die den Bestimmungen des Interimsabkommens zuwiderlaufen
würden.
JOINT STATEMENT OF PRINCIPLES (JPS) - GEMEINSAME GRUNDSATZERKLÄRUNG.
Das SALT II-Abkommen umfaßt drei Teile: den Vertrag, der bis zum Jahre 1985
gilt; ein Protokoll, das bis 1981 befristet ist; und eine Gemeinsame Erklärung der Prinzipien und Richtlinien für Anschlußverhandlungen, in der die Ziel-

�Zielsetzungen für die SALT II-Verhandlungen aufgeführt sind.
LAUNCH - RAKETENSTART.

Nach SALT II bedeutet Raketenstart jeden Start,

einer Rakete zu deren Erprobung, zur Ausbildung von Personal oder zu anderen
Zwecken.

Ausgeschlossen hiervon sind Tests des Start- und Ausstoßmechanismus

auf dem Prüfstand, sog. Kaltstarts.

• /•

LAUNCHER - STARTGERÄT. Dieser Begriff schließt alle Arten von Geräten
ein, die Raketen zu starten vermögen. ICBM-Startanlagen sind bodengestützte
Startrampen festinstallierter oder mobiler Art. SLBM-Startgeräte sind die Raketenrohre auf Raketen-Unterseebooten. ASBM-Startanlagen sind Trägerflugzeuge
einschließlich der erforderlichen Geräte. Startanlagen für Marschflugkörper
können auf Flugzeugen, Schiffen oder Fahrlafetten montiert oder festinstallierte Anlagen sein.
LAUNCH-WEIGHT - STARTGEWICHT ist das Gewicht der vollbeladenen Rakete zum
Zeitpunkt ihres Starts. Es ergibt sich als Gesamtgewicht aller Antriebsstufen,
des Muttergefechtskopfes (Post-Boost Vehicle - PBV) und des Wurfgewichts.
LIGHT (BALLISTIC) MISSILE - LEICHTE (BALLISTISCHE) RAKETE. Im Sinne von
SALT II werden die ballistischen Raketen nach ihrem Wurf- oder Startgewicht
in zwei Kategorien unterteilt: leichte und schwere Raketen. Die sowjetische
Interkontinentalraketen des Typs SS-19 gelten als die schwersten unter den vorhandenen leichten ICBMs.
MOBILE ICBM LAUNCHER - MOBILE ICBM-STARTANLAGEN werden die auf Fahrlafette
montierten Anlagen zum Start von ICBMs mit der Möglichkeit zur Standortsveränderung mittels Eigen- oder Fremdantrieb genannt. Mobile ICBM-Startanlagen
können als Gelände-, Straßen-oder Schienenfahrzeuge ausgebildet sein oder anderweitig von Startpunkt zu Startpunkt bewegt werden - gleichgültig ob dieser
"hart" oder "weich" ist.
MODERNIZATION

�MODERNIZATION - MODERNISIERUNG umfaßt den gesamten Prozeß der Modifizierung eines vorhandenen Waffensystems insoweit Merkmale oder Komponenten in
der Absicht verändert werden, dessen Einsatzfähigkeit zu verbessern. Gemäß
dem SALT II-Abkommen ist, soweit darin keine anderweitige Verfügung getroffen
wird, die Modernisierung und der Ersatz strategischer Offensivwaffen durch
andere zulässig.
MULTIPLE INDEPENDENTLY-TARGETABLE RE-ENTRY VEHICLE (MIRV) - Von Ballistischen Raketen mitgeführte Wiedereintritts-Lenkflugkörper bzw. Mehrfachgefechtsköpfe, von denen jeder unabhängig von den anderen auf ein gesondertes Ziel an
jedem beliebigen Ort angesetzt werden kann. MIRVed Missiles, mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestattete Raketen, sind mit einem Muttergefechtskopf (PostBoost Vehicle - PBV) odermeinem anderweitige^ Mechanismus für den Ausstoß
der Gefechtsköpfe ausgerüstet. Der Ausstoß- und der Zielmechanismus bringen
die Rakete auf die Position und Geschwindigkeit, die für die Ausstoßung der
einzelnen Tochtergefechtsköpfe für den Wiedereintritt in die Atmosphäre (ReEntry Vehicles - RVs) und deren Verbringung auf eine Flugbahn in das ausersehene Ziel erforderlich sind, sofern sich die einzelnen Flugkörper nach ihrem
Wiedereintritt in die Atmosphäre nicht selbst in ihr Ziel steuern. Im Sinne
von SALT.II gelten als mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestattete ICBMs, SLBMs
und ASBMs solche ballistische Raketen, die mit zwei oder mehr Wiedereintrittsflugkörpern an Bord flugerprobt wurden - gleichgültig, ob sie mit einem einzigen Wiedereintritts-Gefechtsköpf oder mit mehreren Wiedereintritts-Gefechtsköpfen flugerprobt wurden.
MULTIPLE RE-ENTRY VEHICLE (MRV) - Als Wiedereintritts-Flugkörper einer
ballistischen Rakete mit Mehrfachgefechtsköpfen bezeichnet man WiedereintrittsFlugkörper, deren Trägerrakete nicht darauf eingerichtet ist, diese unabhängig voneinander auf ein Ziel zu programmieren - im Gegensatz zu den Wiedereintritts-Lenkflugkörpern (MIRVs).
NATIONAL TECHNICAL MEANS OF VERIFICATION (NTN) - NATIONALE TECHNISCHE
MITTEL sind alle der Kontrolle eines Landes unterliegenden Geräte zur laufenden

I

�laufenden Beobachtung der Einhaltung der Bestimmungen eines Mukommens.

Zu den

Nationalen Technischen Mitteln gehören Satelliten zur Luftbild-Aufklärung, flugzeuggestutzte Systeme - wie Radar und optische Systeme - und see- und bodengestützte Systeme - wie Radar und Antennen zur Sammlung telemetrischer Daten.
Gemäß SALT II sind Störungen der Nationalen Technischen Mittel der Gegenseite
und vorsätzliche Vertuschungsmaßnahmen zu unterlassen, die die Verifizierung
der Einhaltung der Bestimmungen des Abkommens durch NTNs behindern.
NEW TYPE OF ICBM - NEUE ICBM-TYPEN, deren Entwicklung, wie die USA und
die UdSSR übereingekommen sind, für die gesamte Laufzeit des SALT II-Abkommens
für beide Seiten auf je einen Typ begrenzt wird. Das Abkommen setzt spezifische
technische Kriterien für,die Unterscheidung zwischen neuen und vorhandenen ICBMTypen fest. Zu diesen gehören physikalische Größen wie Raketenlänge, Höchstdurchmesser, Wurfgewicht, Startgewicht und Brennstoffart.
NON-CIRCUMVENTION - DIE UNTERLASSUNG VON VERSUCHEN ZUR UMGEHUNG DES VERTRAGES. SALT II verpflidhtet beide Parteien, jeden Versuch zu unterlassen, die
Vertragsbestimmungen - etwa durch Einschaltung von einem oder mehreren Staaten
oder auf andere Weise - zu umgehen. Diese Bestimmung macht lediglich die stillschweigende Verpflichtung deutlich, die jedes Land als Partner einer internationalen Vereinbarung auf sich nimmt, nämlich die Bestimmungen eben jenes Vertrages
nicht zu verletzen. Nicht hiervon berührt werden bestehende Formen der Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten einschließlich der Zusammenarbeit bei der Modernisierung der Streitkräfte des Bündnisses.
OBERSERVABLE DIFFERENCES (ODs) - ERKENNBARE UNTERSCHIEDE sind äußerlich
erkennbare Konstruktionsmerkmale, die eine Unterscheidung zwischen existierenden Typen von Bombern gestatten, die im SALT-Vertrag eingeschränkte Funktionen
ausüben können, und solchen, die dazu nicht in der Lage sind. Derartige Konstruktionsmerkmale brauchen nicht funktionsbezogen zu sein, müssen aber äußerlich
erkennbar sein.
PAYLOAD

- 11 -

�PAYLOAD - TRAGLAST bedeutet das Gesamtgewicht der von einem Trägersystem
mitgeführten Waffen und Abwehrdurchdringungshilfen.

Im Falle von ballistischen

Raketen bedeutet es das Gewicht der von den Hauptantriebsstufen oder dem Muttergefechtskopf auf eine ballistische Bahn verbrachten Gefechtsköpfe und Raketenabwehrdurchdringungshilfen; im Falle von Bombern bezeichnet es die Bomben, Raketen oder Abwehrdurchdringungshilfen, die an Bord oder an den Tragflächen oder
am Flugzeugrumpf befestigt mitgeführt werden.

4

PENETRATION AIDS (PENAIDs) - ABWEHRDURCHDRINGUNGSHILFEN ist bei offensiven

Waffensystemen wie ballistischen Raketen und Bombern alles Gerät, das dazu dient,
die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Überwindung der gegnerischen Abwehr
zu erhöhen.

Sie simulieren oder tarnen meist ein Flugzeug oder eine ballistische

Rakete mit Gefechtskopf, in der Absicht, das gegnerische Radarsystem zu täuschen
oder die Flug- oder Raketenabwehr von ihrem eigentlichen Ziel abzulenken.
P0ST-B00ST VEHICLE (PBV) - MUTTERGEFECHTSKOPF, verschiedentlich auch "Bus",
bezeichnet man jenen Teil der Traglast einer Rakete, der die Gefechtsköpfe,
Steuersegment, Treibstoff und Zusatzaggregate für die Kurskorrektur der ballistischen Flugbahn trägt, die sicherstellen, daß die Gefechtsköpfe in der erforderlichen Reihenfolge und auf ihre jeweiligen Ziele gerichtet ausgestoßen werden.
Ballistische Raketen mit einem einzigen Gefechtskopf sind verschiedentlich ebenfalls mit einem Muttergefechtskopf ausgestattet, um die Zielgenauigkeit durch
eine exaktere Flugbahn zu erhöhen.
PRODUCTION - PRODUKTION ist die Serienfertigung spezifischer strategischer
Kernwaffenträger im Anschluß an deren Entwicklung und Erprobung.
PR0T0C0L - PROTOKOLL.

Das SALT II-Abkommen besteht aus drei Teilen: dem

Vertrag, der bis 1985 gilt; einem Protokoll, das bis 1981 befristet ist; und
einer Gemeinsamen Erklärung der Prinzipien und Richtlinien für Anschlußverhandlungen.

Das Protokoll beschränkt die Zahl der mobilen ICBM-Startanlagen, der

Land- und Seegestützten Marschflugkörper und der Ballistischen Luft-Boden-Raketen.
QUALITATIVE

- 12 -

�QUALITATIVE LIMITATION - QUALITATIVE BESCHRÄNKUNG heißt Begrenzung der
Einsatzfähigkeit eines Waffensystems im Unterschied zu quantitativen Beschränkungen, die die zahlenmäßige Begrenzung strategischer Trägersysteme bedeuten.
Im Sinne von SALT II schließen die qualitativen Beschränkungen unter anderem ein:
das Verbot der Entwicklung von mehr als einem neuen Typ von Interkontinentalraketen durch jede Seite sowie die Begrenzung der Start- und Wurfgewichte und
der Zahl der Gefechtsköpfe, die eine Rakete mitführen darf.
QUANTITATIVE LIMITATION - QUANTITATIVE BESCHRÄNKUNG heißt Begrenzung der
Zahl der Waffensysteme bestimmter Kategorien im Unterschied zu qualitativen
Beschränkungen, die die Einsatzfähigkeit der Waffen betreffen. Für Zwecke des
SALT II-Abkommens rechnen die vereinbarten Gesamtzahlen bestimmter Waffen zu
den quantitativen Beschränkungen.
RAPID RELOAD - RASCHE ERSATZBESTÜCKUNG bedeutet Startanlagen, die innerhalb kurzer Zeit nach dem Abschluß einer Rakete eine zweite Rakete starten
können.
RE-ENTRY VEHICLE (RV) - WIEDEREINTRITT-FLUGKÖRPER wird der Teil einer
ballistischen Rakete genannt, der den nuklearen Gefechtskopf trägt und in der
Schlußphase der Raketenbahn wieder in die Erdatmosphäre eintritt und dort sein
Ziel direkt anfliegt.
SEA-LAUNCHED CRUISE MISSILE (SLCM) - SEEGESTÜTZTE MARSCHFLUGKÖRPER werden
von Unterseebooten oder Schiffen aus gestartet.
STANDING CONSULTATIVE COMMISSION (SCC) - STÄNDIGE BERATENDE KOMMISSION,
aus Vertretern beider Seiten aufgrund von SALT I errichtet, hat sie die Aufgabe,
die Zielsetzungen und die Durchführung von Verträgen und Übereinkünften zu
fördern, die zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in den SALTVerhandlungen zustande kommen.
Jahr zusammen.

Die Kommission tritt mindestens zweimal im

Sie befaßt sich mit allen Angelegenheiten, die die Einhaltung

der Vertragsbestimmungen berühren, und sie arbeitet Verfahren zu deren Ver- 13 -

�Verwirklichung aus.

Die SCC wird diese Funktion auch in bezug auf SALT II

erfüllen.
STRATEGIC ARMS LIMITATION TALKS (SALT) - VERHANDLUNGEN ÜBER DIE BEGRENZUNG
DER STRATEGISCHEN RÜSTUNG (SALT).

Eine Serie von Verhandlungen zwischen den

Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, die im November 1969 aufgenommen wurden.
Die Gespräche verfolgen das Ziel, sowohl die strategischen Offensiv- als auch
die strategischen Defensivwaffen zu begrenzen.

Die erste Gesprächsrunde - SALT I

ging im Mai 1972 mit dem Abschluß zweier Vereinbarungen zu Ende, dem ABM-Vertrag - "Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Begrenzung von ballistischen Raketenabwehrsystemen" - und dem Interimsabkommen - "Interimsabkommen zwischen der Union
der Sozialistischen Sowjetrepubliken und den Vereinigten Staaten von Amerika
über bestimmte Maßnahmen hinsichtlich der Begrenzung von strategischen Offensivwaffen".

SALT II - begonnen im November 1972 - besteht aus einem Vertrag, einem

Protokoll und einer Gemeinsamen Erklärung zu den Grundsätzen und Richtlinien für
Anschlußverhandlungen.
SUBMARINE-LAUNCHED BALLISTIC MISSILE (SLBM) - UNTERSEEBOOTGESTÜTZTE
BALLISTISCHE RAKETE ist eine von einem Unterseeboot mitgeführte und gestartete
Rakete. Für Zwecke von SALT II sind SLBM-Startanlagen Anlagen, die auf AtomUnterseebooten oder Unterseebooten gleich welchen Typs für den Start moderner
ballistischer Raketen installiert sind. "Moderne" SLBMs bedeutet amerikanischerseits alle in ATom-Unterseebooten mitgeführten Raketen; sowjetischerseits Raketen des Typs, wie sie in Atom-Unterseebooten mitgeführt werden, die 1965 oder
danach in Dienst gestellt wurden; und für beide Seiten alle 1965 oder danach
erstmals flugerprobten Raketen, die in Unterseebooten gleich welchen Typs mitgeführt werden.
TELEMETRY - TELEMETRIE wird als Bezeichnung für Daten gebraucht, die in
Waffentests per Funk an das Test-Team übermittelt werden und an Hand derer sich
die Funktionen und das Verhalten im Verlaufe des Tests beobachten lassen.
TEST

�TEST AND TRAINING LAUNCHERS - STARTANLAGEN FÜR TEST- UND AUSilLDUNGSZWECKE
sind unter SALT II solche Startanlagen für Interkontinentalraketen (ICBMs) und
Unterseebootgestützte Ballistische Raketen (SLBMs), die ausschließlich für
Test- und Ausbildungszwecke benutzt werden.

Neue Startanlagen für Test- und

Ausbildungszwecke dürfen nur in Raketenversuchsstationen gebaut werden. Bei
solchen Startanlagen kann es sich sowohl um Nachbildungen und partielle Startanlagen ohne echte Startkapazität als auch um richtige Startanlagen handeln,
die ausschließlich für den Start von Raketen zu Test- und Ausbildungszwecken
benutzt werden.
TEST RANGE - RAKETENVERSUCHSGELÄNDE im Sinne von SALT II sind Anlagen zur
Flugerprobung von Raketen. Die beiden Vertragsparteien versichern im Vertrag,
daß derartige Versuchsgeb^utie nur an folgenden Plätzen bestehen: amerikanischerseits bei Santa Maria, Kalifornien, und Cape Canaveral, Florida", russischerseits in den Gebieten von Tyuratam und Plesetskaya. Jede zusätzliche zu errichtende Versuchsstation ist durch eine diesbezügliche Mitteilung an die Ständige Beratende Kommission (SCC) anzuzeigen.
THROW-WEIGHT - WURFGEWICHT ballistischer Raketen entspricht der Traglast,
die mittels der Antriebsstufen der Rakete in Richtung auf ein Ziel hin auf eine
Flugbahn verbracht wird. Im Sinne von SALT II wird Wurfgewicht als die Summe
aus den Gewichten a) des oder der Wiedereintritt-Flugkörper (Gefechtsköpfe RVs);
b) des etwaigen Muttergefechtskopfes oder ähnlicher Flugkörper (PBVs) nebst
der Geräte für die Ausstoßung oder Ziel Programmierung von einem oder mehreren
Wiedereintritts-Gefechtsköpfen; und c) aller Raketenabwehrdurchdringungshilfen
(PENAIDs) einschließlich derer Ausstoßgeräte,.
VERIFICATION - VERIFIZIERUNG der Einhaltung der Vertragsbestimmungen wird
das Verfahren genannt, durch das sich die eine Seite bis zu dem für die Gewährleistung ihrer nationalen Sicherheit erforderlichen Ausmaß Gewißheit verschaffen
darf, daß die Gegenseite die getroffenen Vereinbarungen einhält.

Die Beurteilung

dessen, was hierzu ausreichend ist, erfolgt unter Berücksichtigung der Beobachtungskapazität bestehender und künftiger Systeme zur Beschaffung von Nachrichten,

. i5 .

�Nachrichten, der analytischen Möglichkeiten und der Fähigkeiten der Gegenseite,
die Aufdeckung von Verstößen zu vermeiden, sollte sie solche beabsichtigen. Die
Beurteilung bezieht ferner die Bewertung des politischen und militärischer» Gewichts einer potentiellen VertragsVerletzung und der Kosten, Risiken und Vorteile
ein, die der Gegenseite aus der Täuschung erwachsen würden. Schließlich ist zu
erwägen, inwieweit Vorteile, die eine Bestimmung den Vereinigten Staaten verschafft, durch Nachteile aus der problematischen Beobachtung und Registrierung
aufgewogen werden.
WARHEAD - GEFECHTSKOPF ist jener Teil öines Flugkörpers, Projektils, Torpedos oder einer Rakete oder eines sonstigen Geschosses, das ein nukleares oder
thermonukleares System, hochexplosive Sprengmittel oder chemische oder biologische Kampfmittel oder anderweitiges Material enthält, das dem Zweck dient,
Schaden zu verursachen.
•

YIELD - DIE IN EINER EXPLOSION FREIGESETZTE ENERGIEMENGE. Die in einer
Detonation einer Kernwaffe freigesetzte Energiemenge wird generell in Kilotonnen (KT) oder Megatonnen (MT) von TNT (Trinitrotoluol) ausgedrückt, d.h.
der Menge des* herkömmlichen Sprengstoffs TNT, die erforderlich wäre, um die
gleiche Energiemenge freizusetzen.

+ + + + +

•

16

�I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
23. Mai 1979

19

AKTIVE FORSCHUNG FÜR SICHERE ENERGIEZUKUNFT
Ein US-Wissenschaftler berichtet über Projektvielfalt

- (AD) - Immer mehr Einsatz von Elektrizität in Wirtschaft und Alltag,
verbreitete Anwendung ungewöhnlicher Brennstoffe und Energiewandler, unter
Umständen auch eine gewisse Verlagerung des Wohlstandes auf dieser Erde sieht
Dr. Glen Werth, leitender Physiker für Energie- und Rohstoffplanung am Lawrence
Livermore Laboratory (LLL) in Livermore (Kalifornien) voraus. In einem Exklusivinterview mit dem US-Amt für Internationale Kommunikation (USICA) erörterte
er Probleme und Möglichkeiten der künftigen Nutzung fossiler und nuklearer
Energiequellen, die Aussichten auf den Einsatz von Sonnenenergie und von sog.
Biomassen.
Von den Vereinigten Staaten als dem größten Energieverbraucher der Welt
- für die nächsten 20 Jahre sei von manchen Experten ein weiterer Verbrauchsanstieg um 30 bis 40 Prozent vorausgesagt worden - erwarteten andere Länder,
daß sie angesichts wachsender Energieknappheit auch in der Lösung von Energieproblemen den Vorreiter machten.

Als die attraktivste Alternative zu den da-

hinschwindenden fossilen Brennstoffen erscheine nach wie vor die Kernkraft,
"obgleich natürlich das gesamte amerikanische Atomenergie-Programm gegenwärtig
in Fluß ist".

Nach dem Vorfall im Atomkraftwerk bei Harrisburg überprüfe man

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�man eine ganze Reihe von Optionen, auch wenn feststehe, da3 er mehr die Folge
von menschlichem Versagen als von technischen Fehlern gewesen sei.
In den Vereinigten Staaten und vielen anderen Industrieländern gebe es
zahlreiche Gegner der Kernenergie, die ihre Meinung lautstark zur Kenntnis
brächten.

Nicht nur die Gefahr einer Strahlenemission und einer Explosion,

mit der bei den heute üblichen Kernreaktoren zu rechnen sei, sondern auch die
Proliferation nuklearer Technologie und deren mögliche Anwendung durch verantwortungslose militaristische und terroristische Gruppen bereite jetzt vielen
Menschen große Sorge.

Das gleiche gelte für die Suche nach Mitteln und Wegen

zu einer wirklich sicheren Entsorgung bei den radioaktiven Abfällen.
Dr. Werth betonte, daß das zweite Verfahren zur nuklearen Stromproduktion,
nämlich das der Kernverschmelzung statt der Kernspaltung, wesentlich größere
Sicherheit bieten würde, weil hier mit einer Explosionsgefahr nicht zu rechnen
sei, daß jedoch mit der technischen Entwicklung eine Vielzahl heute: noch sehr
schwieriger Probleme verbunden sei. Nicht einmal den günstigsten Schätzungen
zufolge wäre mit der technischen Reife des Verfahrens für eine kommerzielle
Anwendung vor der Jahrhundertwende zu rechnen.

In der gegenwärtigen Forschungs-

arbeit des Lawrence Livermore Laboratory spielten Fusionsexperimente sowohl unter Einsatz von magnetischen Kräften als auch mit Hilfe neuer Höchstleistungslaser eine wichtige Rolle.
Sollte die nuklearfeindliche Haltung die Oberhand behalten, würden die Vereinigten Staaten, wie Dr. Werth erklärte, für die Stromproduktion die zweite
bestmögliche Energiequelle in Anspruch nehmen - die Kohle. Das bedeute aber,
daß sehr viel mehr Kohle als bisher gefördert werden müsse. In den amerikanischen Oststaaten sei der Untertagebau sehr kostspielig - und gefährlich dazu.
Andererseits stelle der Transport billiger Kohle, wie sie im Westen der USA
im Tagebau gewonnen werde, zu den Ballungszentren der Oststaaten einen stark
verteuernden Kostenfaktor dar. Dennoch sei für die USA Kohle neben der Kernkraft im Hinblick auf die unmittelbare Zukunft die beste Lösung, erklärte der
Forschungsspezialist - selbst wenn die Kosten ca. 10 Prozent höher lägen als

- 2 -

�als die der Nuklearenergie, was sich zwangsläufig auf die Lebenshaltungskosten niederschlüge.
Ein sehr viel weiterreichender und einschneidender Effekt als der des
Kostenanstiegs sei aber zu erwarten, wenn überall in der Welt weiterhin fossile
Brennstoffe für die Energieerzeugung benutzt werden. "Am gesamten EnergieHorizont steigt eine mächtige Wolke auf", meinte Dr. Glen Werth, "und das ist
das Kohlendioxid-Problem«. Meßdaten zeigen, daß CO- weltweit in der Atmosphäre
zunimmt - am Äquator, an den Polen, auf fernen Inseln wie auf den Kontinenten und daß diese Zunahme eindeutig mit dem Verheizen fossiler Brennstoffe jeder
Art zusammenhängt."
Das führe zu einer immer mächtiger werdenden isolierenden Schicht in der
Atmosphäre, die zwar Sonnenlicht nach wie vor zur Erdoberfläche durchlasse,
aber die Wärmerückstrahlung in den Weltraum verringere, so daß es nahe der Erdoberfläche zu einem Wärmestau kommen könne, was einen allgemeinen Temperaturanstieg bedeute. "Extrapoliert man die gegenwärtige Menge des Verbrauchs an
fossilen Brennstoffen, könnten wir dieser Theorie zufolge sehr leicht schon im
Jahre 2025 einen Anstieg des Temperaturmittelwertes um mehr als fünf Grad haben",
betonte der Physiker. "Das ist eine bedenkliche Sache, denn schon wenige Grade
Temperaturunterschied führen zu Klimaänderungen." Kornkammern von heute könnten zu Wüsten werden, heute unproduktive Gebiete könnten sich zu neuen Anbauzentren entwickeln. "Damit würde auch der Wohlstand völlig neu verteilt",
meinte Dr. Werth; "wie die Welt ein derartiges Problem bewältigt, ist unmöglich
vorauszusagen."
Auch Katastrophen in der Form riesiger Überschwemmungen, die weite Gebiete
unter Wasser setzen, könnten eine direkte Folge des Abschmelzens der Eismassen
vor allem an den Polen sein.

Zwar "vermag heute niemand genau zu sagen, ob

das Kohlendioxid-Problem so auf uns zukommt, oder ob es Gegenkräfte zu seiner
Abschwächung gibt, die wir noch nicht in Rechnung gestellt haben", meinte Werth.
Aber nach bisheriger Kenntnis der Dinge sei eine ungute Entwicklung zu erwarten,
aus der noch niemand einen Ausweg kenne.
Auf
- 3 -

�Auf weite Sicht gehen die fossilen Brennstoffe sowieso zu Ende, so daß
immer intensiver nach anderen Energiequellen gesucht werden müsse.

Als best-

geeignete Kandidaten für die "erneuerungsfähigen" Quellen kämen Kernenergie
und Sonnenenergie in der einen oder anderen Form und, als Fliissigbrennstoff in
den Fällen, in denen sich Elektrizität als ungeeignet erweist, Methanol in
Frage.

Unter bestimmten Bedingungen sei geothermische Energie und Windenergie

verheißungsvoll.

In einigen Regionen würde es sich nach Ansicht Dr. Werths

auch lohnen, die Gezeitenkräfte zu nutzen.
Aber in jedem Fall sei sehr viel mehr Forschung als bisher notwendig, um
diese Energiequellen überhaupt einmal wirtschaftlich einsetzen zu können.
Als Ausnahme seien vielleicht bestimmte Solarenergie-Projekte anzusehen, wie
sie derzeit in Livermore zur Erzeugung von heißem Wasser und Dampf für Industriezwecke (in Verbindung mit Spezialanlagen aus dem LLL-Entwicklungszentrum) erprobt werden.

Gegenwärtig werde ein solches Solarheizsystem in Fort Benning

(Georgia) für die Wäscherei und die Beheizung der Kasernen installiert.

Es

arbeite nach dem gleichen Prinzip, das in Japan schon seit Jahrhunderten für
Warmwasserbereitung genutzt werde.
Anders sei es mit der direkten Umwandlung von Sonnenlicht in elektrischen
Strom. Der photovoltaische Prozeß (mit Solarzellen) ist sehr attraktiv. Aber
erst müßten neue Materialien und Verfahren entwickelt werden, um die Kosten
auf ein vernünftiges Niveau bringen zu können. Zwar seien gerade in letzter
Zeit in verschiedenen Forschungsinstituten Fortschritte erzielt worden. Aber
die Kosten für die Umwandlung müßten auf ein Zehntel bis ein Hundertstel gesenkt werden können, ehe die Stromproduktion nach diesem Verfahren als rentabel
anzusehen sei. Und darüber könnten noch gut zehn Jahre vergehen.
"Auf weite Sicht glaube ich, daß wir auf eine nahezu voll elektrifizierte
Wirtschaft zusteuern", meinte Dr. Werth. Wo es Elektrizität nicht gebe, sei
in Methanol eine äußerst attraktive, wenn auch noch ziemlich kostspielige Alternative zu sehen. Schon heute gehe man verschiedene Wege zur Herstellung
dieses geruchlosen, farblosen Flüssigkraftstoffs von überaus hohem Wirkungs-

- 4 -

�Wirkungsgrad, der chemisch dem Äther verwandt ist, und zur Zeit für Rennautos
benutzt werde.

Beispielsweise eigneten sich Algen, die selbst in Salzwasser-

teichen oder Bassins in WUstengebieten wachsen, als Ausgangsmaterial für die
Gewinnung von Methanol oder Methangas.

Mit Strom aus photovoltaisehen Zellen

sei es außerdem möglich, Wasser in seine Bestandteile zu zerlegen und den so
gewonnenen Wasserstoff zusammen mit Kohlendioxid in bekannten Verfahren zur
Herstellung von Methanol zu verwenden.
Grundsätzlich ließen sich Methanol und Methan aus allen Pflanzen gewinnen.
Aber Studienergebnisse zeigten, daß Agrarland und Dünger viel rationeller in
der Nahrungsmittel- und Holzproduktion eingesetzt werden - von einigen tropischen
Gebieten abgesehen, wo sich die Kultivierung von Pflanzen zur Verwendung als
Biomasse für die Brennstoffproduktion tatsächlich lohnen würde. Alles in allem
seien die Produktionskosten für Methanol noch lange nicht wettbewerbsfähig;
hier habe die Forschung noch viele Probleme zu lösen.
"Ober die Zukunft der Elektrofahrzeuge sind wir sehr optimistisch", meinte
der Wissenschaftler. Allerdings seien die heute üblichen Batterien noch nicht
leistungsfähig genug. Schon in zehn Jahren aber seien Elektroautos sehr gut
als Zweitautos denkbar. Gemeinsam mit der Lockheed Aircraft Company arbeite
das Livermore-Institut gegenwärtig an dem vielversprechenden Projekt einer sehr
leistungsstarken und langlebigen Aluminium-Luft-Batterie. An Wartungsstationen
müsse nur nach ca. 400 km Wasser nachgefüllt und nach ca. 1000 km der Satz von
Aluminiumplatten ausgetauscht sowie das Aluminlumhydroxid entfernt;
werden. Alles Aluminium wäre wiederzuverwenden, und alles in allem werde man
Leistungswerte erreichen, die jenen des heutigen Benzinmotors überlegen seien.
Dazu aber, meinte Dr. Werth, sei noch ein Jahrzehnt weiterer Forschung notwendig.
Er und seine Kollegen bauen auf die "Mitarbeit" der Großcomputer, die sich
bei der Energieforschung im Livermore-Laboratorium bereits so gut bewährt haben.

Energie werde dabei mit jeder anderen Art von Wirtschaftsgütern gleich-

gestellt, bei denen Produktionskosten und Kapitalerträge aus Investitionen eben-

- 5 -

�ebenso eine Rolle spielen wie die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung.
Mit Hilfe der Computer ließen sich, so Dr. Werth, Studien aller Art in kürzester Zeit durchführen und hypothetische Situationen durchspielen, deren Ergebnisse wiederum in die Forschungsplanung eingebracht würden. Immer wieder
zeige sich die Zuverlässigkeit von Trendvoraussagen, denen Analysen der Energiefluß- und Kostensituation in den fünfziger und sechziger Jahren sowie weitere
einschlägige Daten zugrundegelegt seien.
Dr. Werth gab auch einen kurzen Oberblick über die weltweiten Energieprobleme: Sowohl die Sowjetunion als auch China verfügten reichlich über
fossile Brennstoffe, wenn auch in China die Vorräte angesichts der hohen Bevölkerungszahl stark in Anspruch genommen werden dürften. Lateinamerika sei
ebenso wie Australien für die nächste Zukunft im allgemeinen gut versorgt,während in Europa, vor allem in Osteuropa, die Lage problematisch zu werden beginne; für Afrika seien die Aussichten ebenfalls düster. Japan verfüge selbst
über wenig Energiequellen, könne, aber durch weiterhin hochqualifizierte Exporte
an Fertigwaren Energie aus dem Ausland beziehen. Der Forscher ist überzeugt,
daß "die Antwort auf das Energieproblem in vielen Ländern der Welthandel sein
wird".

+ + + + +

�UUi//cn/choft
und Technik

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Embassy of the United States of America

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23. Mai 1979

KONKURRENZ FÜR DEN BENZINMOTOR?
Aluminium-Luft-Batterie mit 30 kW Stromleistung möglich

- (AD) - Das Elektroauto wäre ein ideales Fahrzeug - es macht keinen
Lärm, produziert keine schmutzigen und übelriechenden Abgase, und es ist
billig im Betrieb.

Aber:

die heute verfügbaren Batterien, die den

Betriebsstrom liefern könnten, sind viel zu groß und zu schwer und haben
eine zu geringe Leistungsdichte.

Sie geben dem Fahrzeug eine Reichweite

von bestenfalls 60 - 70 km und müssen dann ausgetauscht oder in einem langwierigen Prozeß neu aufgeladen werden.
In einer Reihe von Laboratorien wird daran gearbeitet, neue Batteriesysteme zu entwickeln, die nicht nur leichter, sondern auch unvergleichlich
leistungsfähiger, dauerhafter und einfacher zu handhaben sind als die heute
üblichen Blei-Akkus. Institute der amerikanischen Industrie und privater
oder gemeinnütziger Forschungsorganisationen experimentieren mit neuen,
manchmal recht "exotisch" anmutenden Chemikalien und Materialien, die die
Blei-Schwefelsäure- Batterie eines Tages ablösen sollen.
Eine

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�'-

Eine besonders vielversprechende Entwicklung scheint die "AluminiumLuft-Batterie" zu sein.

Mit diesem System befassen sich Forscher der

Lockheed-Werke in Palo Alto (Kalifornien) gemeinsam mit Kollegen vom
Lawrence Livermore Laboratory.

Dr. Ernest Littauer, ChefChemiker des

Forschungsinstituts der "Lockheed Missiles &amp; Space Company", über ihre
Vorteile:

"Die Aluminium-Luft-Batterie wäre extrem leicht, und es gibt

technisch gesehen keinen Hinderungsgrund, aus einem solchen Batteriesystem
von etwa 120 - 150 kg Gewicht eine Stromleistung von 30 kW herauszuholen."
Sie zählt zu einer Gruppe von Stromspeichern, die bei Lockheed als "mechanisch
wiederaufladbare Metall-Luft-Batterien für elektrischen Fahrzeugantrieb"
klassifiziert werden.
Littauer nennt die Alu-Batterie den logischen nächsten Schritt nach
der - viel kleineren - Lithium-Luft-Batterie aus seinem Institut, die eine
Art Nebenprodukt aus militärischen Entwicklungen war. Diese "Kleinbatterie"
mit 500 W Leistung demonstrierte ebenso wie andere, sehr viel größer ausge-,
legte Systeme für stationäre Anlagen, eine gute Funktionsfähigkeit. Bei
der Alu-Batterie wird an der negativen Elektrode, der Kathode, Aluminium
langsam aufgelöst; an der Anode, die der positiven tlektrode einer
Brennstoffzelle vergleichbar ist wird Sauerstoff reduziert. "Das Aluminium
kann sich", so Littauer, "in einem wässrigen Elektrolyten - in diesem Fall
Natronlauge - auf zweierlei Weise lösen. Dieäne Reaktion wäre eine
Korrosionsvorgang mit Freisetzen von Wärme. Damit würde nichts gewonnen.
Wenn man aber die elektrochemischen Prozesse in geeigneter Weise manipuliert,
löst sich das Aluminium unter Abgabe von Elektronen. Diese bilden den
Stromfluß, der über einen äußeren Stromkreis, in den beispielsweise ein
Elektromotor eingebaut ist, seinen Weg zur Kathode nimmt. Die dort
stattfindende Sauerstoffreduktion ist eine elektrochemische Ausgleichsreaktion."
Die Elektrizität ist gewissermaßen im metallischen Aluminium gespeichert,
denn die Aluminiumgewinnung aus Rohstoffen wie Bauxit erfordert hohen

- 2 -

�hohen Energieaufwand. Dies gibt umgekehrt der Aluminium-Luft-Batterie
ihre hohe Leistungsdichte. Während der Verbrennungsmotor mit nur 20
Prozent Wirkungsgrad arbeitet - d.h., 80 Prozent der Kraftstoffernergie
geht verloren -, könnte die Aluminium-Luft-Batterie auf einen Wirkungsgrad
von 60 Prozent kommen. Dr. Littauer ist überzeugt, daß in einigen Jahren
auf der Basis solcher Batterien ein elektrischer Fahrzeugantrieb präsentiert
werden kann, der es mit dem Verbrennungsmotor ohne weiteres aufnimmt. Er
kommt allerdings nur für Kleinwagen in Frage. Der besondere Vorteil der
Batterie liegt darin, daß sie augenblicklich und an jedem Ort "aufzuladen"
ist. Es genügt, alle 400 - 500 km Wasser nachzufüllen, und nach 1000 1500 km Fahrstrecke neue Aluminiumplatten einzusetzen. Das verbrauchte
Elektrodenmaterial in der Form von Aluminiumhydroxid wird wieder der
Produktion von metallischen Aluminium zugeführt.

+ + + + +

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und Technik
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23. Mai 1979

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NEUE SERIENMODELLE FÜR GASOHOL-KRAFTSTOFF GEEIGNET

- (AD) - Drei groBe Unternehmen der amerikanischen Automobilindustrie •
General Motors, Chrysler und American Motors - haben angekündigt, die
Betriebsgarantie für die von ihnen herausgebrachten neuen Serienmodelle
sowie für einige frühere Modelle auf die Verwendung von Gasohol-Kraftstoff
auszudehnen.

Dies ist ein wichtiger Schritt in den vielfältigen Bemühungen,

zusätzliche Energiequellen zu erschlieBen und zu nutzen.
Der dem Benzin zugemischte Alkohol ist aus nahezu allen stärke- und
zuckerhaltigen Rohstoffen zu destillieren. Als jedoch vor ca. zehn Jahren
Dr. William Schell er, Leiter des Departments für chemische Verfahrenstechnik der Universität Nebraska auf Ersuchen des Parlaments des Bundesstaates Nebraska mit Versuchen zur Mischkraftstoff-Produktion aus Getreide
begann, konnte Gasohol mit dem damals lächerlich billigen Benzin nicht
konkurrieren.
Die Experimente wurden vor allem deshalb in Angriff genommen, um
die Absatzchancen für das im amerikanischen Mittelwesten produzierte

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex: 08-85432

�produzierte Getreide nach Möglichkeit zu verbessern.
Die heutige Situation ist von Grund auf anders. Außerdem stellte
sich bei fortlaufender Verbesserung des Prozesses der Alkohol gewinnung
heraus, daß gewisse Nebenprodukte ein gutes Zusatzfutter für die Tierhaltung sind. Rinder, an die der einweißhaltige Zusatz verfüttert wurde,
erreichten nach kurzer Zeit 13 Prozent mehr Gewicht. Aus anderen GasoholNebenprodukten lassen sich, wie die neuesten Entwicklungen zeugen, Haushalt- und Industriebrennstoffe herstellen. Wenn sich die Gewinnung der
Nebenprodukte im großtechnischen Rahmen ohne zu hohen Energieaufwand durchführen läßt - definitive Aussagen dazu sind noch nicht zu machen -, würden
die Vorteile von Gasohol irgendwelche Nachteile mehr als aufwiegen. Die
Experten sind der Ansicht, daß mit Hilfe des Gasohol-Kraftstoffs in den
USA jährlich 40 Milliarden Liter Benzin eingespart werden könnten. Das
entspräche neun Prozent des gegenwärtigen Benzinverbrauchs.

++++++

�</text>
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