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Ulifl/chofl
»

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Mai 1979

US-PREISAUSGLEICHSPROGRAMM FÜR ÖL WIRD DEN MARKT NICHT VERZERREN
- Keine Regierungssubvention von unserem Wirtschaftskorrespondenten John B. Jolway

WASHINGTON - (AD) - Das Preisausgleichsprogramm für öl, das die
Vereinigten Staaten für die Zeit vom 1. Mai bis 31. August 1979 eingeführt
haben, soll in keiner Weise Erdöl von den europäischen Märkten abziehen.
Der amerikanische Energieminister James Schlesinger versicherte am
4. Juni, daß der Ausgleichsbetrag von 5 Dollar pro Barrel (159 1) bewußt
so niedrig angegesetzt worden sei, um den europäischen ölmarkt nicht in
Unordnung zu bringen.
Bei dem Preisausgleichsprogramm - Entitlement Program oder Anwartschaftsprogramm - handelt es sich nicht um Subventionen, und die amerikanische
Regierung selbst gibt keinen Dollar dafür aus.
Das Programm wurde im Jahre 1974 ins Leben gerufen, als das arabische
ülembargo die Preise für Importöl plötzlich auf das Vierfache steigerte.
Es hängt mit dem Preiskontroll System für amerikanisches Rohöl zusammen das seit dem 1. Juni dieses Jahres schrittweise abgebaut und 1981 völlig
verschwunden sein wird. Damit wird dann auch das Prei sausglei chsprogramm

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel:02221-89 3240
Telex:08-85432

�Preisausgleichsprogramm eines natürlichen Todes sterben.
Das Programm funktioniert in folgender Weise:

Eine Raffinerie A

verarbeitet einheimisches amerikanisches Rohöl, das noch immer zu einem
kontrollierten Preis von etwa 6 Dollar pro Barrel verkauft wird.

Eine

andere Raffinerie B - beispielsweise im Nordosten - ist hauptsächlich auf
Importöl angewiesen, das für etwa 18 Dollar pro Barrel verkauft wird.
Ohne Ausgleich lägen die Preise damit im Nordwesten also dreimal so hoch
oder umgekehrt.

Raffinerie A hätte einen Extragewinn von 12 Dollar pro

Barrel.
Um das eine oder andere zu verhindern, wurde das Preisausgleichssystem
- Entitlement Program - eingeführt. Raffinerie A (die mit billigem Rohöl
arbeitet) muß eine "Anwartschaft" kaufen, indem sie Raffinerie B (die mit
teurem öl arbeitet) 6 Dollar pro Barrel als Ausgleich bezahlt. Damit erhöhen sich die Kosten der Raffinerie A auf etwa 12 Dollar pro Barrel, und
die Kosten der Raffinerie B senken sich auf etwa 12 Dollar pro Barrel, und
damit tritt ein Preisausgleich ein.
Das einheimische amerikanische öl wird allerdings mit einem Vorteil
von 21 Cent pro Barrel ausgestattet, um die Eigenproduktion anzuregen und
die Importe zu drosseln.
Das System, bei dem die amerikanische Regierung, wie gesagt, keinen
Cent einsetzt und bei dem daher von einer Subvention keine Rede sein kann,
wird im wesentlichen nur zwischen Raffinerien in den USA angewandt.

Nur

zweimal in der Vergangenheit wurde es auf importierte Produkte, wie Heizöl
ausgedehnt.
Schon von Beginn des Programms an erhielten Importeure von Restöl dem schwersten Anteil des Rohöls - sozusagen was am Boden des Fasses
bleibt - eine Ausgleichszahlung. Dieses öl wird hauptsächlich von der

�der Industrie verwandt und war in Europa aufgrund des dortigen Raffinierungsprozesses stets im Überfluß vorhanden.

Daher haben die Ausgleichszahlungen

für importiertes Schweröl auch keinerlei Proteste ausgelöst.

In dem harten Winter 1977 wurde das Preisausgleichsprogramm zeitlich
befristet auf importiertes Mittelöl, d.h. Diesel und Heizöl, ausgedehnt.
Dieses mittelschwere ül bildet sozusagen die "Mitte des Fasses" zwischen
Leichtöl - das für Benzin verwendet wird - und dem schweren "Restöl" für
industrielle Zwecke.

Da der Winter in Europa mild und das Heizöl dort im

Überfluß vorhanden war, führte auch das zu keinen Protesten, und das Programm
wurde auch bald wieder eingestellt.
Das jetzige, ebenfalls zeitlich begrenzte Programm soll nach Mitteilung
amtlicher Kreise in Washington dazu beitragen, erstens, die gefährlich
niedrigen Vorräte an Heizöl für den kommenden
die traditionellen amerikanischen Importe aus
die zum Teil durch die hohen Spot-Preise nach
und drittens, die höheren Kosten importierter
amerikanischen Verbraucher zu verteilen.

Winter aufzufüllen; zweitens,
der Karibik wiederherzustellen Europa umgelenkt wurden Produkte gleichmäßig auf alle

Durch die Krise im Iran und einen besonders harten Winter sind die
amerikanischen Vorräte an Heizöl außerordentlich geschrumpft. Im vorigen
Jahr hatten die USA beispielsweise einen Bestand von 213 Millionen Barrel.
Im Januar dieses Jahres war die Zahl auf 165 Millionen abgesunken; im
Februar - mit Beginn der Krise im Iran und dem Absinken der Temperaturen ging der Vorrat auf 130 Millionen Barrel zurück und liegt heute bei 118
Millionen Barrel. Das Ziel ist eine Aufstockung auf 240 Millionen Barrel
bis zum 1. Oktober.
Normalerweise stellen die amerikanischen Raffinerien diese Mitteldestillate - Diesel und Heizöl - praktisch alle selbst her. Einfuhren -

- 3 -

�Einfuhren - gewöhnlich nur in sehr harten Wintern - kommen meist aus
der Karibik - vor allem Venezuela und Trinidad-Tobago.
Dann kam

der Einbruch durch die Krise im Iran.

Die Spot-Preise für

Rohöl und Petroleumprodukte auf dem Rotterdamer Markt stiegen natürlich
stark an.

Dieser Markt deckt normalerweise nur einen geringen Teil des

Weltbedarfs, da das meiste Erdöl im Rahmen langfristiger Verträge geliefert
wird.
-

In jüngster Zeit begannen die amerikanischen Quellen für die Einfuhr
von Heizöl wegen der hohen Spot-Preise in Europa - im Vergleich zu New York zu versiegen; gelegentlich lagen sie um etwa 8 Dollar plus Fracht höher.
Die Raffinerien in der Karibik, die traditionell den amerikanischen Markt
belieferten, begannen ihre Produkte nach Europa umzudirigieren. Beispielsweise gingen die Lieferungen aus Venezuela von 66 Millionen Barrel im
ersten Quartal 1977 auf 12 Millionen Barrel im Ersten Quartal 1979 zurück
und aus Trinidad von entsprechend 26 Millionen auf 3 Millionen. Aus
diesem Grunde dehnten die amerikanischen Behörden das Preisausgleichsprogramm
am 24. Mai dieses Jahres auf die Mitteldestillate aus.
Di es führte zu einer heftigen Reaktion der Europäer. Dabei geht es
jedoch nur um ein Zehntelprozent des gesamten Öls im internationalen Handel.
Die amerikanischen Einfuhren an Destillaten aus der Karibik beliefen
sich im ersten Quartal 1979 auf 48 000 Barrel pro Tag verglichen mit einem
Gesamtölhandel von rund 35 Millionen Barrel pro Tag und Gesamteinfuhren der
USA von rund 8 Millionen Barrel pro Tag.
Die Preisausgleichsleistung von 5 Dollar pro Barrel soll also bewirken,
daß die üblichen Lieferungen wieder nach den USA gehen statt nach Europa,
wo die höheren Spot-Preise weit über den New Yorker Preisen liegen.
Der
——

- 4 -

1

�Der Spot-Markt in Rotterdam hat eine scharfe, jedoch erratische,
Aufwärtsentwicklung erlebt.
18 Dollar pro Barrel;

Im Dezember vorigen Jahres lag der Preis bei

im Februar war der Preis auf 44 Dollar angestiegen,

zwei Wochen später ging er auf 30 Dollar zurück.

Im Mai ging er jedoch

wieder auf 44 Dollar hoch und liegt derzeit bei 53 Dollar.
In amtlichen Kreisen in Washington wurde im Zusammenhang mit den
Protesten, daß die USA versuchten, Heizöl von Rotterdam nach New York zu
ziehen, darauf hingewiesen, daß die Ausgleichsleistung von 5 Dollar pro
Barrel so gewählt worden sei, daß eben dies vermieden werde. Die Ausgleichsleistung sollte hoch genug sein, den normalen und traditionellen amerikanischen
Markt für die Erzeugnisse aus der Karibik wieder attraktiv zu machen, jedoch
auf der anderen Seite niedrig genug, um keine europäischen Erdölprodukte
aus Europa abzuziehen.
Wenn beispielsweise in Rotterdam Heizöl für 53 Dollar pro Barrel plus
1,50 Dollar Transportkosten verkauft wird, würde solches öl in New York
angelandet 54 oder 55 Dollar kosten. Selbst nach Abzug der 5 Dollar pro
Barrel, die amerikanische Raffinerien an den Importeur entrichten müssen,
läge der Preis noch zwischen 49 und 50 Dollar pro Barrel. Da die New Yorker
Spot-Preise bei 47 und 48 Dollar liegen, wäre es offensichtlich wenig
profitabel, Rotterdamer öl nach New York zu schicken.
Da jedoch die Spot-Preise in der Karibik rund 3 Dollar niedriger angesetzt sind als die Preise in Rotterdam, könnte ein Exporteur in der Karibik
in New York noch immer einen Gewinn machen.
In Washington wird hervorgehoben, daß andere amerikanische Maßnahmen
sogar dazu beitragen werden, die Versorgung des europäischen Marktes mit
Mitteldestillaten - leichtem Heizöl und Diesel - zu verbessern.

Gegen-

wärtig müssen einige der Mittel destill ate mit sogenanntem "Restöl" gemischt
werden, um den Schwefelgehalt abzubauen und ihre Verwendung im Rahmen der

- 5 -

�der amerikanischen Umweltschutzgesetz
zu ermöglichen. Dadurch, daß
statt Restöi Erdgas verwandt wird und durch eine Erleichterung der Gesetze
über den Schwefelgehalt werden weniger Mitteldestillate gebraucht, um mit
Restöi gemischt zu werden -und für andere Verbraucher bleibt mehr.
Der amerikanische Energieminister Schlesinger wies auch darauf
hin, daß die Vereinigten Staaten derzeit rund eine Million Barrel öl
weniger verbrauchten als in dieser Jahreszeit ursprünglich vorgesehen gewesen
sei. "Einige unserer europäischen Partner haben uns in dieser Beziehung
nicht nachgeeifert", fügte er hinzu.

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