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Information
und
Dokumentation

I

i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16

2. Mai 1979

I N H A L T

DOKUMENTATION
Grundlagenforschung als Investition in die Zukunft
- Rede Präsident Carters vor der Nationalen Akademie der Wissenschaften
HINTERGRUNDMATERIAL
Drogenbekämpfung in weitem internationalen Rahmen
- US-Strategie für 1979 WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Schwefeldioxid ist Gift für Flechten
- Pflanzen melden Umweltverschmutzung -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16

2. Mai 1979

GRUNDLAGENFORSCHUNG ALS INVESTITION IN DIE ZUKUNFT
Rede Präsident Carters vor der Nationalen Akademie der Wissenschaften

WASHINGTON

- (AD) - Präsident Carter nahm in einer Ansprache,

die er am 23. April 1979 vor der Jahrestagung der Nationalen Akademie der
Wissenschaften in Washington gehalten hat, das Gedenkjahr zum 100. Geburtstag Albert Einsteins zum Anlaß, die Bedeutung von Wissenschaft und
Technik und insbesondere der Grundlagenforschung für die Zukunft Amerikas
und der gesamten Menschheit aufzuzeigen.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir eine Ehre, vor dieser berühmten Vereinigung sprechen
und gemeinsam mit Ihnen an dieser Gedenkfeier aus Anlaß des 100. Geburtstags von Albert Einstein teilnehmen zu dürfen.
Die Nationale Akademie der Wissenschaften war schon zur Zeit der
Geburt Albert Einsteins eine aufstrebende Institution.

Dr. Einstein

wurde 1952 kurz nach Zuerkennung der amerikanischen Staatsbürgerschaft _i_n_

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�»

in diese Akademie gewählt und damit deren neuestes und berühmtestes
Mitglied zugleich.

Seine Einwanderung in die Vereinigten Staaten war

das Ergebnis einer wohlüberlegten Wahl.

In dieser Hinsicht glich er

Tausenden von Wissenschaftlern aus allen Gebieten der Erde, die sich
von diesem Lande und seiner Atmosphäre der Geistesfreiheit, des Abenteuers
und der Aufgeschlossenheit gegenüber der wissenschaftlichen Wahrheitssuche
angezogen fühlten.
Diese Atmosphäre erfüllte das Leben Amerikas von den ersten Anfängen
als Nation an.

Männer wie Benjamin Franklin und Thomas Jefferson, Wissen-

schaftler und Staatsmänner in einem, zählten mit zu den Begründern unserer
nationalen Unabhängigkeit.

Ihr Einfluß ließ die junge amerikanische

Republik zu einem Land werden, in dem wissenschaftliches Streben nicht
nur ermutigte, sondern auch geachtet wurde.

Es ist bezeichnend, daß der

Kongreß und Präsident Lincoln diese Nationale Akademie der Wissenschaften
auf dem Höhepunkt unserer ernstestens nationalen Krise ins Leben gerufen
haben.

Sie bewiesen damit ein tiefes Verständnis der Bedeutung der

Wissenschaften für den Fortbestand der Nation.
Mein eigenes Interesse an den Wissenschaften setzte lange vor dem
Zeitpunkt ein, an dem ich erstmals daran dachte, in die Politik zu gehen.
Meine Tätigkeit als Ingenieur, Marineoffizier, Farmer und Geschäftsmann
lehrte mich verstehen, in welchem Maße Wissenschaft und Technik unser
Leben bereichern. Als Präsident wurde ich mir ihres Beitrages nur um
so deutlicher bewußt und ich arbeite heute entschlossen darauf hin, daß
sie ihren Beitrag auch in Zukunft leisten können. Es läßt sich kaum
etwas mit Sicherheit vorhersagen - aber was auch immer die Zukunft
bringen mag, werden wir besser auf sie vorbereitet sein, wenn wir ein
umfassendes nationales Programm zur Förderung von Wissenschaft und Technik
betreiben. Das ist der Grund dafür, daß ich in dieser Zeit der Beschränkung
der Haushaltausgaben energisch für ein solches Programm eintrete. Wissenschaftliche Arbeiten sind eine der wichtigsten Quellen unseres Wachstums

- 2 -

I

�Wachstums und unserer derzeitigen Prosperität, und sie bilden auch den
Schlüssel unserer Stärke in der Zukunft.

Das alles aber können wir nicht

als selbstverständlich ansehen.
In diesem Jahr der Hundertjahrfeier Albert Einsteins halte ich es
für wohl angebracht, daran zu erinnern, daß der Zukunftsglaube eine seiner
bemerkenswertesten Eigenschaften war.

Nur ein Optimist konnte sich der

unglaublich ehrgeizigen Aufgabe zuwenden, die sich Dr. Einstein selbst
gestellt hatte:

die Erforschung und Erklärung der dem Universum zugrunde

liegenden Ordnung.

Auf der Suche nach dem Stein der Weisen gelang es ihm,

unser Bild von den grundlegenden Realitäten zu verändern - mit Konsequenzen
für das Leben der Menschen und Völker, die noch auf Generationen hinaus
wirksam sein werden.
Sein ganzes Leben spürte Dr. Einstein nicht nur der Ordnung in der
natürlichen Umwelt nach in dem Bemühen, auch die Ordnung in der menschlichen
Welt zu verbessern.

Der Humanist Einstein kann uns ebensoviel lehren wie

der Physiker Einstein.

Er betrachtete die Forschung als ein Gutes an sich.

Er sah aber auch, daß die Nutzanwendung der Forschung nur so gut - oder so
schlecht - ist, wie die moralischen und politischen Entscheidungen, die
diese Nutzanwendung leiten.

Lassen Sie mich Einstein selbst zitieren:

"Die Sorge um den Menschen und sein Schicksal müssen stets das Hauptanliegen
aller technischen Bestrebungen sein - damit uns die Kinder unseres Geistes
zum Segen und nicht zum Fluch gereichen."
Der Baum der Erkenntnis ist immer schön, seine Früchte aber können
ebenso bitter wie süß sein. Unsere Aufgabe ist es, den Baum zu nähren
und jene Früchte zu ernten, die süß sind. Und in diese Aufgabe müssen
wir uns alle teilen: Wissenschaftler, Techniker, Wirtschaftler, Erzieher
und Vertreter des Staates und der Öffentlichkeit.
Ich hoffe, daß Wissenschaft und Technik in den Vereinigten Staaten

�Staaten auch weiterhin von der Einsteinschen Vision vom Wissen geprägt
werden, c.e besagt, daß das gute im Menschen immer im Vordergrund zu stehen hat.
In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen kurz einige Ideen und Beobachtungen
vortragen:

zur Grundlagenforschung, zur Strategie der Energietechnologie,

zur industriellen Innovation, zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit unter
den Ländern; und zur Rolle der Wissenschaft in dem Bestreben, ihre
schrecklichste Hervorbringung, die Atombombe, unter Kontrolle zu bringen.
Auf allen diesen Gebieten möchte ich Sie um Ihre Mithilfe bei der Mobilisierung unserer wissenschaftlichen Ressourcen im Dienst des amerikanischen
Volkes und der gesamten Menschheit dieser Erde bitten.
Der letzte Präsident, der vor einer Tagung der Nationalen Akademie
der Wissenschaften gesprochen hat, war John F. Kennedy,

über die Grund-

lagenforschung hat er folgendes gesagt: "Wir alle sind uns heute darüber
im klaren, daß der Fortschritt in der Technologie vom Fortschritt in der
Theorie abhängt;

daß äußerst abstrakte Forschungen zu den konkretesten

Ergebnissen führen können;

und daß das Gedeihen der Wissenschaften von

der Leidenschaft der Wissenschaftler abhängt, die grundlegenden wissenschaftlichen Fragen zu beantworten."
Ein Monat nach dem Tag, an dem Präsident Kennedy diese Worte gesprochen hat, wurde er ermordet. Damals begann in unserem Land eine
lange Periode eines politischen Traumas. Dennoch sollten im Bereich
der Wissenschaft und Technik aufregende Jahre folgen - Jahre bahnbrechender
neuer Entdeckungen in der Molekularbiologie, der Teilchenphysik und
auf vielen anderen Gebieten, Jahre auch des technologischen Fortschritts,
wie ihn die triumphale Landung des Menschen auf dem Mond symbolisierte.
Für Wissenschaftler, wie für viele andere, waren es aber auch schwierige
Jahre. Die amerikanische Wissenschaft fand sich bedroht von zwei sehr
unterschiedlichen Arten des Anti-Intellektualismus: vom romantischen
Anti-Rationalismus der Gegenkultur einerseits, und von der verschleierten

�verschleierten Feindseligkeit einer Administration, die der intellektuellen
und wissenschaftlichen Welt mißtraute, andererseits.
ernstere der beiden Bedrohungen.

Letztere war die

Die Bundespolitik gegenüber der Wissen-

schaft war infiziert von der allzu sehr vereinfachenden Suche nach raschen
Lösungen.

Forschungsarbeiten, die eine rasche Amortisation versprachen,

wurden reich

bisher dotiert, während man es zuließ, daß die Förderung der

Grundlagenforschung ins Hintertreffen geriet.

Damit wurde die Zukunft

unseres wissenschaftlichen und technologischen Primats aufs Spiel gesetzt.
Als ich mein Amt übernahm, war ich entschlossen, eine Umkehrung dieses
gefährlichen und kurzsichtigen Trends herbeizuführen.

Und ich versichere

Ihnen heute, daß ich für die Grundlagenforschung eintrete, ist sie doch
der Fels, auf dem sich unsere wissenschaftliche und technologische Zukunft
gründet.
Während der zwei Jahre meiner Administration habe ich eine Erhöhung
der Mittel für die Grundlagenforschung um über 25 Prozent vorgeschlagen.
Ich habe den Kongreß ersucht, dieser Erhöhung zuzustimmen, damit wir den
langfristigen Erfordernissen unseres Landes nachkommen können.
Ich habe ferner versucht, die Grundlagenforschung durch einzelne
Bundesbehörden zu verstärken und die nicht-haushaltbezogenen Probleme zu
lösen, die die Forschung an unseren Universitäten behindern - Probleme
der überflüssigen Reglementierung und einer übermäßigen Verbürokratisierung,
Sorgen mache ich mir auch darüber, ob schöpferische junge Wissenschaftler
ausreichende Chancen haben, ihr Teil zu unserem Bestand an Wissen in ihren
jeweiligen Tätigkeitsgebieten zu leisten.
Nach Schätzungen von Wirtschaftwissenschaftlern sind drei Viertel
des amerikanischen Wirtschaftswachstums in diesem Jahrhundert neuen
wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verdanken.

Das ist an sich schon

ein entscheidender Grund für uns, die Grundlagenforschung zu fördern, die
der Stützpfeiler unserer technologischen Stärke ist.

- 5 -

Der Wert der Grund-

�Grundlagenforschung ist aber der noch höher einzuschätzen.

Sie ist für

uns mehr als nur ein Mittel, die Beschäftigungsmöglichkeiten zu sichern
und den Anstoß zur Entwicklung neuer Industrien zu geben.
Hauptanliegen der Grundlagenforschung ist die Entdeckung neuer
Erkenntnisse über die Natur und das Universum.

Die Suche nach neuen

Erkenntnissen aber ist ein zentrales Anliegen des Menschsein.
Kein Problem illustriert die praktische Notwendigkeit von Wissenschaft
und Technologie für unser Land besser als das Energieproblem.
öl bleibt die wichtigste Energiequelle, und wir befinden uns in
der schmerzlichen Situation, uns hierin in bezug auf die Hälfte unseres
Erdölverbrauchs auf ein

geldgieriges und unzuverlässiges ausländisches

Kartell verlassen zu müssen.

Während ein wachsender Strom von aus-

ländischem öl in unser Land strömt, fließt ein Strom von Geld ins Ausland,
der die Gesundheit unserer Wirtschaft, die Stabilität unserer Währung
und auch die Sicherheit unseres Landes gefährdet.
Wissenschaft und Technik können dies ändern - aber nur dann, wenn
wir uns auf eine nationale Strategie der Entwicklung von alternativen
Energiequellen verpflichten. Wir haben eine solche Strategie entwickelt ein Strategie, die uns in die Lage versetzen wird, uns von den öleinfuhren
frei zu machen und uns in verstärktem Maße auf nicht-fossile Brennstoffe
zu stützen. Ich bin entschlossen, diese Strategie beizubehalten.
Im kommenden Jahrzehnt in etwa müssen wir uns weitgehend auf bereits
bekannte Technologien stützen.

Wir müssen aber jetzt schon den Weg für

künftige Forschungsarbeiten bereiten, indem wir uns der Sparsamkeit auf dem
Energiesektor befleißigen, die heimische Förderung an öl und Gas steigern,
in stärkerem Maße auf die Verwendung von Kohle übergehen, die Sicherheit
von Kernkraftwerken verbessern und die Verwendung der Solarenergie weiter-

- 6 -

�wei tervorantrei ben.
Von etwa 1990 an bis in das zweite Jahrzehnt des kommenden Jahrhunderts
hinweg werden wir eine dramatische und manchmal auch sehr schwierige Periode
des Übergangs durchmachen müssen. Die Einsparung von Energie wird zu einer
zwingenden Notwendigkeit werden, und die Zusammensetzung unserer Energieressourcen wird sich verändern insofern als wir uns in steigendem Maße
unkonventionellen Brennstoffquellen zuwenden werden: synthetischem Benzin
und Gas aus Kohle, Ölschiefer und anderen Energieträgern. Mit höherem
Wirkungsgrad arbeitende Kernreaktoren bieten eine Möglichkeit, die Uranvorräte
zu strecken. Wir werden neue Methoden finden, den Nutzungsgrad aller gebräuchlichen Energieträger zu steigern. Wir werden beginnen, die Sonnenenergie für eine weit größere Vielfalt von Verbrauchszwecken zu nutzen.
Bis zum zweiten Viertel des 21. Jahrhunderts werden wir lernen, uns auf
saubere und im wesentlichen unerschöpfliche Energiequellen zu stützen. In
erster Linie kommen hierfür die Kernverschmelzung und Methoden der Solartechnik wie die photovoltaische Stromerzeugung in Frage.

Wir sind dabei, uns auf diese Stadien der Energieversorgung in der
Zukunft vorzubereiten. Unsere Forschungs- und Entwicklungsprogramme auf
dem Energiesektor sind umfassender als die aller unserer Verbündeten
zusammengenommen.
Wir müssen aber noch mehr tun. Das ist der Grund, weshalb ich zur
Ergänzung unserer normalen Haushaltmittel die Schaffung eines Energiesicherungsfonds vorgeschlagen habe. Der Energiesicherungsfonds wird
aus der Konjunkturgewinnsteuer auf unverdiente übermäßige Profite
gespeist werden, die den Mineralölgesellschaften infolge der Aufhebung
der öl Preiskontrollen - über alle erforderlichen Anreize zur Prospektierung
und Förderung von öl hinaus - zuwachsen werden.
Der Energiesicherungsfond wird jenen Hilfe gewähren, die am wenigsten

- 7 -

�wenigsten in der Lage sind, die Kosten kostspieliger Energie zu tragen.
Erheblictvi Summen sollen auch für die Finanzierung von Projekten verwendet
werden, die zur Sicherung der Energieversorgung in der Zukunft wichtig
sind:

die Anlage regionaler Erdölreserven, bessere Massenverkehrsmittel,

die Verwendung von Kohle und Ölschiefer und die Gewährung von neuen Anreizen für eine verstärkte Nutzung der Sonnenenergie.
Die Schaffung des Energiesicherungsfonds wird im Kongreß auf manchen
Widerstand

stoßen.

Dennoch machen wir Fortschritte, weil die breite

Öffentlichkeit unsere Vorschläge befürwortet.

Viele unter jenen, die noch

vor wenigen Wochen entschlossen waren, die Konjunkturgewinnsteuervorschläge
abzuwimmeln, haben den Kampf gegen sie aufgegeben.

Die Gegner dieser

Steuer bedienen sich einer neuen Strategie, die darauf hinausläuft, dem
amerikanischen Volk insofern Sand in die Augen zu streuen, als sie für
die Einführung einer Konjunkturgewinnsteuer eintreten, die in Praxis eine
Farce wäre - eine Steuer, die in erster Linie dem Zweck dienen würde,
Gesetzesmaschen aufzutun, um den Mineral öl gesell Schäften vier bis fünf
Milliarden Dollar an unverdienten Gewinnen über die sechs Milliarden
Dollar hinaus zu verschaffen, die sie aufgrund der Aufhebung der Preiskontrollen auch bei Einführung einer echten Konjunkturgewinnsteuer vereinnahmen werden.
Sie werden den Versuch unternehmen, diese Farce dem amerikanischen
Volk als eine Maßnahme zu verkaufen, die der Re-Investierung der Gewinne
dient. Es geht ihnen aber nicht um die Re-Investierung von Gewinnen,
es geht ihnen vielmehr um deren "Vertuschung," und um einen "Gegenzug".
Was unter den Teppich gekehrt werden soll, ist der Energiesicherungsfonds
und die durch ihn möglich werdende Hilfe für die Forschung und die Armen.
Und das was den ölgesellschaften zugeschanzt werden soll, ist das Geld,
das zur Finanzierung jener unerläßlichen Programme in Aussicht genommen
wird. Deshalb bitte ich Sie um Ihre Mithilfe im Kampf um die Verabschiedung
einer ehrlichen Konjunkturgewinnsteuer zur Finanzierung eines echten

�echten Energiesicherungsfonds der dem ganzen Volk dienen soll.
Ich fordere Sie als Mitglieder der wissenschaftlichen und technischen
Welt auf, das Vertrauen des amerikanischen Volkes durch die Entwicklung
neuer Energietechnologien zu rechtfertigen, die von entscheidender Bedeutung für das künftige Wohlergehen unseres Landes sein werden.
Wir bedürfen der Innovation auch noch zu einem weiteren Zweck.
Neue Ideen sind von zentraler Bedeutung nicht nur für die Verminderung
der Abhängigkeit Amerikas von ausländischem öl, sondern auch für unsere
Bemühungen zur Eindämmung der Inflation, Steigerung der Produktivität,
für den Umweltschutz und zur Sicherung der Prosperität unseres Volkes.
Wir neigen zu der Auffassung, der Erfindungsreichtum der amerikanischen
Industrie sei eine Art unvermeidbares Geburtsrecht; Selbstgefälligkeit
aber ist das letzte, was wir uns leisten sollten. Viele unserer Industriezweige sind inzwischen unbeweglich geworden. Auf Innovation bedachte
Firmen in Ländern wie Japan und Westdeutschland stellen heute viele unserer
Wirtschaftsunternehmen in den Schatten. Unsere Wettbewerbsfähigkeit
läßt nach.
Wir müssen eine Umwelt schaffen helfen, in der neue Ideen und
Innovationsbereitschaft genutzt werden.
Die Bundesregierung trägt einen großen Anteil an der Verantwortung
hierfür.

Wir müssen staatliche Praktiken ändern, die die Innovations-

bereitschaft hemmen und politische Maßnahmen treffen, die zur Entwicklung
neuer Produkte und neuer Verfahren anregen.
Meine Regierung ist dabei, dieses lange Zeit hindurch vernachlässigte
Problem zu untersuchen.

Ich habe im vergangenen Jahr das Handelsministerium

angewiesen, eine umfassende Untersuchung der Innovationsbereitschaft der

- 9 -

�der Industrie einzuleiten.

Diese Untersuchung, an der sich etwa dreißig

Ministerien und Selbständige Bundesbehörden in Konsultation mit der
Industrie, den Gewerkschaften, den Universitäten und der breiten Öffentlichkeit beteiligten, ist nahezu fertiggestellt.

Ich bin gespannt auf die

Empfehlungen, die sich hieraus ergeben werden und ich bin bereit, sie zu
verwirklichen.
Viele unter Ihnen hier in diesem Raum sind Führungskräfte der
amerikanischen Geschäftswelt und Industrie, und ich fordere Sie auf, in
den Firmen, für die Sie tätig sind, auf Innovation bedacht zu sein.
Genau wie die Förderung der Grundlagenforschung durch den Staat sind
Investitionen der Industrie in neue Produkte und Verfahren und in die
Grundlagen- und die angewandte Forschung eine praktische Manifestation
des Zukunftsglaubens.
Seit Kepplers Tagen und schon zuvor waren Wissenschaftler stärker
international orientiert als andere.

In unseren Tagen hat die explosions-

artige Entwicklung auf den Gebieten der Kommunikation und der Technologie
den internationalen wissenschaftlichen Ideenaustausch leichter aber auch
um vieles wichtiger gemacht als zuvor.
Albert Einstein verfügte - auch für damalige Zeiten - über nur
bescheidene finanzielle Mittel. Er benötigte nicht viel mehr als einige
gespitzte Bleistifte und einen ruhigen Ort, an dem er nachdenken konnte.
Wie Sie wissen, erfordert die Aufgabe, auf seinen Arbeiten weiterzubauen,
sehr viel mehr Mittel. Viele der notwendigen Schlüsselversuche, sowohl
im Bereich der Grundlagen- als auch dem der angewandten Forschung sind
von geradezu monumentalem Ausmaß. Wir stehen in den vor uns liegenden
Jahren vor der Wahl, einige wenige Großprojekte durchzuführen, die wir
allein zu finanzieren vermögen, oder aber weit mehr derartige Projekte
in Zusammenarbeit mit anderen Nationen in Angriff zu nehmen.
Wir müssen
- 10 -

�Wir müssen auch weiterhin der Zusammenarbeit den Vorzug geben aus Gründen, die über die beträchtlichen Vorteile einer Teilung in die
Kosten und Ideen hinausgehen.

Die wissenschaftliche und technische Zu-

sammenarbeit mit unseren traditionellen Freunden kann bestehende Bande
stärken; die Zusammenarbeit mit anderen kann dazu beitragen, politische,
ideologische und kulturelle Spaltungen zu überbrücken.
Einer der wichtigsten Zwecke der internationalen Zusammenarbeit
auf den Gebieten der Wissenschaft und Technik besteht darin, den
Entwicklungserfordernissen der ärmeren Länder der Erde gerecht zu werden.
Die Zukunft der hochentwickelten Länder hängt in zunehmendem Maße
von der der Entwicklungsläder ab. Dennoch ist nur etwa ein Prozent der
zivilen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten der Erde unmittelbar auf
die Probleme der ärmeren Hälfte der Menschheit zugeschnitten - auf die
Probleme der Armut, der Gesundheitsfürsorge, des Hungers, der Bildung
und der Rohstoffgewinnung. Auf allen diesen Gebieten sollten wir mehr
tun.
Vor einem Jahr schlug ich die Schaffung eines neuen Instituts
für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit vor, um die
Talente von Wissenschaftlern und Technikern in unserem Land mit denen
in den Entwicklungsländern in dem Versuch zu mobilisieren, Lösungen
für deren

kritischste Probleme zu finden.

Statt den Ländern der Dritten

Welt Hilfe zu gewähren sollten wir ihnen Hilfestellung in dem Bemühen
leisten, eigene Entwicklungsexperten und Fachkräfte heranzubilden, die
fähig sind, die notwendigen Entscheidungen zu treffen.

Wir sind bereit,

ihnen Hilfestellung bei der Durchführung von Projekten im Bereich der
Landwirtschaft, der Medizin, der Industrialisierung und des Aufbaus
geeigneter Energiesysteme zu leisten, die für beide Seiten von Nutzen
sind.
Die

- 11 -

�Die Vorlage über die Errichtung des Instituts für wissenschaftliche
und technologische Zusammenarbeit wurde inzwischen vom Repräsentantenhaus
verabschiedet und steht gegenwärtig im Senat an.

Sie bedarf Ihrer vollen

Unterstützung.
Gestatten Sie mir nun, mich Fragen der Nutzung und Erforschung des
Weltraums zuzuwenden, wo unser Ziel - wie auf Erden - die Verbesserung des
Wohls der Menschheit in materieller und geistiger Hinsicht ist.
In der Zukunft werden wir von den über 100 Milliarden Dollar profitieren, die die Vereinigten Staaten in die Raumfahrt investiert haben.
Stützpunkten im All aus können wir die Welt verändern.

Von

Satelliten leisten

schon seit Jahren neue Beiträge auf Gebieten wie der Landwirtschaft,
der Überwachung der Umweltverhältnisse, der Nutzung der Bodenflächen, der
Projektierung von Lagerstatten, der Klimatologie und des Nachrichtenwesens.
Wenn erst einmal die Weltraumfähre zur Verfügung steht, werden wir
die beispiellose Fähigkeit haben, Forschungsarbeiten im All durchzuführen.
Wir gehen einer Blütezeit der Erforschung und industriellen Nutzung des
Raums entgegen, und es stehen uns Quantensprünge im Bereich der internationalen Zusammenarbeit bevor, die die Sache des Friedens und der
Weiterentwicklung des Menschen erheblich voranbringen werden.
Das Vordringen des Menschen in den Weltraum hat das menschliche
Bewußtsein auf alle Zeiten verändert.

Noch ist das Zeitalter der Er-

forschung der Tiefe des Weltraums durch bemannte Raumfahrzeuge nicht
angebrochen;

immerhin durchdringen unsere Sinne bereits die äußeren

Bereiche des Sonnensystems und noch fernere Regionen des Alls.

Wer

die atemberaubenden Bilder des Planeten Jupiter und seiner Monde gesehen
hat, die Voyager I zur Erde gefunkt hat, wird nicht leugnen wollen, daß
diese Bilder überrascht und angenehm berührt haben.

- 12 -

Wir können auf neue

�neue Überraschungen und erfreuliche Feststellungen zählen, wenn wir
noch tiefer in das Universum und seine Geheimnisse eindringen.
Lassen Sie mich abschließend sagen, daß von allen Früchten der
Wissenschaft die Kernwaffen die bittersten sind.

Und von allen Ver-

antwortlichkeiten der Nationen ist keine von größerer Dringlichkeit
als die Kontrolle über diese schrecklichste unter allen Bedrohungen
unseres Lebens und unserer Kultur.
Wir alle sind dankbar, daß der jüngste Reaktorunfall auf Three
Mile Island in Pennsylvania keine menschliche Schäden zur Folge hatte.
Er hat vielleicht sogar positive Konsequenzen. Er veranlaßt uns natürlich,
unsere Anstrengungen zur Verbesserung der Sicherheit der Kernenergie
zu verdoppeln. Und was noch wichtiger ist, er gemahnt uns lebhaft an
die schrecklichen Folgen eines Kriegs mit Kernwaffen.
Wir leben schon zu lange mit den Kernwaffen. Wir sind schon allzusehr an deren alles überschattende Präsenz in unserem Leben gewohnt.
Und wir sind allzusehr geneigt, zu vergessen, welche Schrecken uns letzten
Endes bevorstünden: Der sofortige Tod von Millionen und tödliches Siechtum
für weitere Millionen; die Vernichtung des Kulturerbes der Menschheit;
und die Verseuchung der Luft, des Bodens und des Wassers auf ungezählte
Generationen hinaus. Einem nuklearen Austausch mit allen Mitteln fiele
nicht weniger als die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft unserer
Spezies zum Opfer.
Als Präsident Kennedy dieses Gremium vor 16 Jahren ansprach, hatte
der Senat gerade den Vertrag über das Verbot von Kerwaffenversuchen in
der Atmosphäre ratifiziert, dem ersten bedeutsamen Schritt zu einer
Kontrolle der Nuklearwaffen. Der SALT II-Vertrag, der sich nunmehr der
Fertigstellung nähert, ist Teil desselben Prozesses: des langwierigen
und langsamen Fortschritts in Richtung auf die Vernunft, die sich auf

- 13 -

�auf das gegenseitige Eigeninteresse stützt.

Und nach SALT II wird dieser

Prozeß fortgeführt werden mit einem umfassenden Verbot von nuklearen
Tests und mit SALT III als Ziel.
SALT II wird das Risiko eines Kriegs mit Kernwaffen durch Verminderung
des Umfangs der strategischen Rüstungen, Beschränkungen der Entwicklung
neuer Waffensysteme und seinen Beitrag zu stabileren politischen Beziehungen zur Sowjetunion vermindern.

Viele der Probleme der Beurteilung

des Vertrages sind technisch sehr vielschichtig, und das amerikanische
Volk wird auf die wissenschaftliche Welt blicken, die mithelfen kann,
eine öffentliche Debatte von geistigem Niveau zustandezubringen.

Viele

unter Ihnen haben damals große Anstrengungen auf die Debatte über den
SALT I-Vertrag verwandt.

Sie haben eine entscheidende Rolle in dem

Bemühen gespielt, einen Konsens
bringen.

in bezug auf jenen Vertrag zustandezu-

Heute ersuche ich Sie,jene Mühe einmal mehr aufzuwenden.

Wenn es auch die Naturwissenschaften waren, die uns die Kernwaffen
eingebracht haben, so ist doch nicht weniger wahr, daß die Wissenschaft
auch die außerordentlichen Mittel an die Hand gibt, die Einhaltung von
Verträgen bezüglich jener Waffen zu verifizieren. In der angelaufenen
großen Debatte über SALT II, kommt der Mitwirkung von Wissenschaftlern
entscheidende Bedeutung zu.
Albert Einstein hat einmal gesagt: "Die Wichtigkeit der Sicherung
des Weltfriedens war auch den wirklich Großen früherer Generationen bekannt.

Der technische Fortschritt unserer Zeit aber hat diese ethischen

Postulate zu einer Frage von Leben und Tod für die zivilisierte Menschheit
werden lassen.

Er macht es zu einer moralischen Pflicht, aktiven Anteil

an der Lösung der Probleme des Friedens zu nehmen - zu einer Pflicht,
der sich kein gewissenhafter Mensch entziehen darf."
Diese Worte waren prophetischer als man zu der Zeit wissen konnte,

�konnte, als sie gesprochen wurden:
der ersten Atombombe.

über ein Jahrzehnt vor der Zündung

Ich fordere Sie dringend auf, jener Worte in

einer Zeit eingedenk zu bleiben, in der wir im Begriff stehen, den
SALT Il-Vertrag zu schließen - den nächsten Schritt in Richtung auf eine
Rüstungskontrolle und den Frieden.
Die Amerikaner hatten einst einen zweifelsfreien Glauben an die
Wissenschaft als Heilsbringer. Heute sind wir gegenüber der Wissenschaft
wie auch gegenüber vielen anderen Dingen skeptischer. Dennoch blicken
wir auch heute noch auf Wissenschaftler und Techniker, auf die medizinische
Forschung und die Ärzte, unsere Erfinder und Denker und wir erwarten von
ihnen eine Verbesserung unseres eigenen Lebens wie des Lebens unserer
Kinder.
Die Sorge bezüglich des derzeitigen Status von Wissenschaft und
Technik in den Vereinigten Staaten läßt
unsere neuen Anstrengungen
zu einem Grundstein der Schaffung eines neuen und soliden Fundaments
für unsere gemeinsame Zukunft werden. Ich zähle auf die Mitglieder
dieser Akademie, auf die gesamte wissenschaftliche und technische Welt,
auf den Kongreß und auf das Volk unseres Landes, sich diesen Bemühungen
um ein größeres Amerika anzuschließen.

+ + + + +

- 15 -

�2. Mai 1979

16

DROGENBEKÄMPFUNG IN WEITEM INTERNATIONALEN RAHMEN
- US-Strategie für 1979 -

- (AD) - Eindämmung des Drogenmißbrauchs und des illegalen Handels mit
Suchtstoffen sind Hauptziele des Programms für 1979, das der Präsidialbeirat
für die Strategie der Bekämpfung von Drogenmißbrauch kürzlich Präsident Carter
vorlegte. Der neue Plan der Kommission unterscheidet sich vom bisherigen Vorgehen sowohl in bezug auf die Art und Weise, wie das Problem angegangen wird,
als auch auf die jeweiligen Schwerpunkte. So werden jetzt z.B. die wirtschaftlichen Aspekte des Drogenhandels und weit gefaßte internationale Initiativen
besonders betont.
Während man sich bisher auf bestimmte Drogen konzentrierte, gilt nunmehr
die Aufmerksamkeit dem Studium von Verhaltensaspekten bei Personen, die drogenabhängig geworden sind oder für die große Gefahr besteht, in diesen Strudel hineingerissen zu werden. Und so ist es nur folgerichtig, daß auch die Behandlung
und Rehabilitation Drogenabhängiger wieder in die allgemeinen Aufgaben der Gesundheitsdienste einbezogen werden.
Im Rechtsvollzug wird man dem neuen Plan zufolge alles tun, um das Angebot
an illegalen Drogen zu verringern, illegal hergestellte Drogen stärker unter

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�unter Kontrolle zu bringen, ihre Weiterleitung in illegale Kanäle zu blockieren
und das Geschäftsrisiko der Drogenhändler durch verstärkte Fahndungsmaßnahmen,
gerichtliche Verfolgung und Beschlagnahme ihres Vermögens zu vergrößern.

Damit

diese Ziele realisiert werden, setzt sich die Strategie-Kommission für Maßnahmen
ein, die die Überwachung an den Landesgrenzen zur Unterbindung des Einschmuggeins
von Drogen erheblich verstärken.

Sie fordert außerdem die besondere Unterstützung

der Fahrung nach den führenden Hintermännern des illegalen Drogenhandels, um
Händlerringe zu zerschlagen oder aktionsunfähig zu machen.
Im Strategieplan für 1979 wird hervorgehoben, daß eine wirksame Rehabilitation mit der Therapie Hand in Hand gehe.

Es wird empfohlen, Drogenabhängige

mehr Chancen zur Einbeziehung in Berufsausbildungs- und Arbeitsvermittlungsprogramme zu bieten. Als "erstrangige Adressaten für diplomatische, wirtschaftliche
und technische Zusammenarbeit" in dem Versuch, die Drogenproduktion zu drosseln,
werden zehn Länder genannt:

Burma, Thailand, Laos, Mexiko, Afghanistan und

Pakistan als Herkunftsländer für Opium, Bolivien und Peru als Herkunftsländer
für Koka-Blätter, und schließlich Ekuador und Kolumbien als Hauptproduzenten und
Bezugsquellen für Kokain. Außerdem sei Kolumbien das Herkunftsland extrem großer
Mengen von Marihuana - alles Drogen, die in die Vereinigten Staaten eingeschmuggelt und dort illegal abgesetzt werden.
Entsprechend der "Strategie 1979" sind vielfältige außenpolitische Programme der Vereinigten Staaten vorgesehen, die gemeinsam mit anderen Ländern und
den internationalen Organisationen durchgeführt werden sollen, um das Angebot
an Drogen schon in deren Herkunftsländern zu verringern. Zu den Programmen gehören diplomatische Initiativen, Vernichtung von drogenhaltigen Pflanzen, Entwicklung ländlicher Gebiete und Anti-Suchtstoffbestimmungen für internationale
Institutionen wie die Asiatische Entwicklungsbank, den Afrikanischen Entwicklungsfonds und die Inter-Amerikam"sehe Entwicklungsbank.
Wie die Strategie-Kommission erklärt, ergeben sich im Zusammenhang mit
Marihuana, Phencyclidin (PCP) und Kokain spezielle Probleme. Der Beirat setzt
sich dafür ein, den persönlichen Besitz und den Gebrauch von Marihuana weniger
- 2 -

�weniger hart zu bestrafen, jedoch nicht ganz auf eine Bestrafung zu verzichten,
um die von der Bundesregierung verfolgte Politik nicht zu unterminieren.
Bundesstrafbestimmungen für den Handel mit Drogen würden beibehalten.
Jedoch stünde es den einzelnen Bundesstaaten frei, "auch künftig einschlägige
Gesetze zu verabschieden, die sie für geeignet erachten".

Drogenmißbrauch und

Drogenhandel seien als komplexe, fließende Phänomene anzusehen, auf die auch
weiterhin flexibel reagiert werden müsse - mit mannigfaltigen Wegen und Aktionen
des Vorgehens.

"Die Strategie 1979 unterstreicht die Notwendigkeit, auch weiter-

hin Mittel für diese Programme bereitzustellen", erklärt die Kommission, "sie
erforderlichenfalls neu zu bewerten und anzupassen und viel Mühe darauf zu verwenden, das Leid zu verringern, das Drogenmißbrauch und Drogenhandel in unserem
Land anrichten."
Mitglieder des Präsidialbeirats für die Strategie der Bekämpfung von Drogenmißbrauch sind u.a. der Außenminister, der Finanzminister, der Verteidigungsminister, der Justizminister, der Minister für das Gesundheits-, Bildungs- und
Sozialwesen, der Direktor des Amtes für Planung und Haushalt, der Leiter des
Amtes für ehemalige Wehrdienstangehörige sowie sechs Vertreter privater Institutionen.

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I

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16

2. Mai 1979

SCHWEFELDIOXID IST GIFT FÜR FLECHTEN
• Pflanzen melden Umweltverschmutzung -

- (AD) - Eine Anzahl von Heizkraftwerken im amerikanischen Bundesstaat
Ohio verwenden neuerdings zur Überwachung der Luftqualitä't in der Umgebung des
Betriebes u.a. Flechten - Pflanzen, die zu den ältesten und primitivsten Organismen auf unserer Erde gehören.
dioxid (S02) enthält.

Sie geben "Alarm", wenn die Luft Schwefel-

Schwefeldioxid, das hauptsächlich beim Verheizen von

Kohle auftritt, ist einer der Hauptbestandteile verschmutzter Luft.

Es kann,

wenn bestimmte Konzentrationen Überschritten werden, die Gesundheit beeinträchtigen und schwere Materialschäden, insbesondere an Bauwerken, hervorrufen.

Strenge Umweltschutzgesetze zwangen die amerikanische Industrie, Verfahren
und Vorrichtungen zu entwickeln, um die Abluft der Fabrikkamine von S0 2 weitgehend zu reinigen.

Aber völlig auszufiltern ist Schwefeldioxid mit den heute

verfügbaren Mitteln nicht.

Da außerdem der Schwefelgehalt der Kohle aus den

verschiedenen Abbaugebieten sehr stark schwankt und bestimmte atmosphärische
Bedingungen zu einem "Stau" von Belastungsstoffen in der Luft führen können, ist
es für die Heizkraftwerke oft schwierig, die sehr niedrigen Grenzwerte einzuhalten.

Deshalb suchen die Unternehmen nach Vorwarnsystemen, um ein Ansteigen der

SOp-Konzentration frühzeitig zu erfassen und im Betrieb geeignete Gegenmaßnahmen

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel:02221-89 3240
Telex:08-85432

�Gegenmaßnahmen treffen zu können.
Bei niedriger Konzentration ist S0 2 in der Luft jedoch sehr schwer zu messen.

Eine überraschende und relativ einfache Lösung für dieses Problem fand Dr.

Emanuel Rudolph, Professor der Botanik an der Staatsuniversität Ohio.

Er be-

nutzt als S02-Indikator Flechten, die überaus empfindlich auf solche Abgase reagieren,

überraschend ist diese Tatsache deshalb, weil Flechten zu den robustesten

pflanzlichen Organismen überhaupt zählen.

Sie existieren sogar auf eisfreiem Ge-

stein in der Antarktis, also in der kältesten Region der Erde,an Orten, an denen
es praktisch kein anderes pflanzliches Leben gibt.
Prof. Rudolph hatte beobachtet, daß in der Nachbarschaft bestimmter Kraftwerke Flechten, ausgestorben zu sein schienen.

Bei der Untersuchung dieses Phä-

nomens stellte sich heraus, daß Flechten kein S0 2 vertragen.

Wenn davon nur ein

Hundertstel der Menge in der Luft vorhanden ist, die für den Menschen als schädlich gilt, kümmern die Pflanzen dahin und gehen schließlich ein.
Inzwischen entwickelte der Botanikprofessor mit seinen Studenten in Laborversuchen eine ganze Reaktionsskala der Flechten auf Schwefeldioxid an Hand von
Farbänderungen, die auf bestimmte Konzentrationen von S0 2 in der Luft und Dauer
seiner Einwirkung auf die Pflanzen schließen lassen. Die Reaktionstafel gibt
z.B. an, bei welchem Schwefeldioxidgehalt die Flechten ihre grünliche Färbung verlieren - was schon 30 Minuten nach Einsetzen der SO^-'^ergiftung" geschehen kann.
Wachsen sie in der Umgebung eines Kraftwerks, das zur Stromerzeugung fossile
Brennstoffe benutzt, überhaupt nicht mehr, so ist dies eine Vorwarnung für eine
Belastung der Atmosphäre mit Schwefeldioxid, lange ehe gefährliche Konzentrationen
erreicht sind. Wie die Mitarbeiter Prof. Rudolphs feststellten, stört SO^ den
Stoffwechsel der Pflanzen und tötet sie bei entsprechend langer Einwirkung ab.

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