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                  <text>Information
und
Dokumentation

3f

2a

rji

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. April 1979

15

INHALT

DOKUMENTATION
Carter: keine Alternative zu SALT II
- Rede des Präsidenten vor dem amerikanischen Zeitungsverlegerverband

Um Übcf/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15

27. April 1979

CARTER:

KEINE ALTERNATIVE ZU SALT II

- Rede des Präsidenten vor dem amerikanischen Zeitungsverlegerverband -

NEW YORK

- (AD) - Die Alternative zu SALT II sei ein vertrags-

loser Zustand und damit eine noch unvollkommenere und gefährlichere
Welt.

Dies stellte Präsident Jimmy Carter in einer Rede vor dem amerika-

nischen Zeitungsverlegerverband am 25. April 1979 in New York fest.
Carter setzte sich mit allem Nachdruck für den vor seinem Abschluß stehenden
SALT II-Vertrag mit der Sowjetunion ein und beschwor die Massenmedien
und die Öffentlichkeit, ihn bei seinen Bemühungen zu überstützen, den
Kongreß von der Notwendigkeit des Vertrages zu überzeugen.
Die Rede Präsident Carters hat folgenden Wortlaut:
Zunächst einmal möchte ich etwas zu dem Thema dieser Versammlung
sagen und es nachdrücklich unterstützen: Die Verteidigung des Ersten
Verfassungszusatzes und der Pressefreiheit.
Die Meinungsfreiheit ist unser wichtigstes Bürgerrecht, und die

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�r

die Pressefreiheit ist deren wichtigstes Bollwerk.

Wir können es uns

niemals erlauben, hinsichtlich des Ersten Verfassungszusatzes selbstgefällig zu werden.

Im Gegenteil, wir müssen immer aktiv für seinen

Schutz eintreten.
Die amerikanische Presse ist seit den ersten Tagen unserer Nation
gewaltig gewachsen - nicht nur in Länge und Breite, sondern auch in dem
Selbstverständnis ihrer eigenen Pflichten und Verantwortlichkeiten.

Die

höchste jener Pflichten ist die Unterrichtung der Öffentlichkeit über die
wichtigen Dinge des Tages.

Und keine Sache wäre wichtiger als jene, über

die ich heute mit Ihnen sprechen möchte - die Kontrolle der Kernwaffen.
Jede Generation von Amerikanern steht vor einer Wahl, die ihren
Charakter kennzeichnet - eine Wahl, die auch hinsichtlich dessen wichtig
ist, was sie über die Weltauffassung unseres Landes aussagt.
In den kommenden Monaten werden wir mit großer Sicherheit vor einer
solchen Wahl stehen: ob wir einen neuen Vertrag über die Begrenzung
strategischer Waffen akzeptieren oder ablehnen. Die Entscheidung, die
wir treffen, wird unser Leben auf Jahre hinaus zutiefst berühren - und
das Leben von Menschen auf der ganzen Welt.
Wir können diese Wahl aus einer Position der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Stärke treffen - als stärkstes Land der
Erde.
Unsere Bündnisse sind fest und zuverlässig.
sind stark und einsatzbereit.
nicht ihresgleichen.

Unsere Streitkräfte

Unsere wirtschaftliche Stärke findet

Zusammen mit den anderen demokratischen Industrie-

staaten sind wir in der technologischen Innovation führend.

Unsere

Volkswirtschaften sind zusammen mehr als dreimal so produktiv wie die
Volkswirtschaften der Sowjetunion und ihrer Verbündeten.

- 2 -

Unsere politischen

V

�t

»

politischen Institutionen gründen sich auf der Freiheit des Menschen.
Unsere offenen Systeme ermutigen die schöpferische Fähigkeit des
einzelnen - und das wiederum stärkt unsere ganze Gesellschaft.

Unsere

Werte und unsere demokratische Lebensform haben für Menschen auf der
ganzen Welt eine magnetische Anziehungskraft, der es eine materialistische
und totalitäre Lehre niemals auch nur gleichtun kann.
Aus all diesen Gründen besitzen wir eine Fähigkeit zur Führung
in der Welt, die jene aller anderen Nationen übertrifft.
Diese Führung bringt eine große Verantwortung für uns mit sich,
aber unsere oberste Pflicht besteht darin, unsere Stärke im Dienste
unseres höchsten Interesses einzusetzen: dem Aufbau einer sicheren,
stabilen und friedlichen Welt. Wir erfüllen diese Pflicht in dem von
John F. Kennedy im Jahre 1963 verkündeten Geist: "Voll Vertrauen und
ohne Furcht", so erklärte er, "bemühen wir uns weiter - nicht um eine
Strategie der Vernichtung, sondern um eine Strategie des Friedens."
In unseren Beziehungen zur Sowjetunion macht die Möglichkeit der
gegenseitigen Vernichtung eine Strategie des Friedens zur einzigen
vernünftigen Option für beide Seiten.
Weil unsere Werte so verschieden sind, liegt es auf der Hand,
daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion für die absehbare Zukunft im Wettstreit liegen werden.
Und doch haben wir ein gemeinsames Interesse am überleben, und wir
haben gemeinsam erkannt, daß unser überleben im wahrsten Sinne von
einander abhängt. Gerade unsere Konkurrenz macht es zwingend notwendig,
daß wir ihren gefährlichsten Aspekt unter Kontrolle bringen - das nukleare
Wettrüsten. Darum sind die Verhandlungen über eine Begrenzung der
strategischen Waffen so wichtig. Diese Bemühung zweier großer Länder,

- 3 -

�Länder, die vitalen Sicherheitskräfte zu begrenzen, ist einzigartig
in der Geschichte der Menschheit.
Wenn der Kongreß und das amerikanische Volk über den SALT-Vertrag
debattieren, der kurz vor seinem Abschluß steht, dann wird sich die
Debatte um vier grundlegende Fragen drehen:
-

Warum brauchen wir SALT II?

-

In welchem Zusammenhang steht der Vertrag zu unserer Gesamtverteidigungsstrategie?

-

Kann die sowjetische Vertragseinhaltung verifiziert werden?

-

In welchem Zusammenhang steht der Vertrag zu den sowjetischen
Tätigkeiten, die unsere Interessen bedrohen?

Lassen Sie mich diese Fragen einzeln beantworten.
Erstens, warum brauchen wir einen Vertrag über die Begrenzung der
strategischen Rüstungen?
Wir brauchen ihn, weil er zu einer friedlicheren Welt beitragen
wird - und zu unserer eigenen nationalen Sicherheit.
Heute verfügen wir beide, wir und die Sowjetunion mit stark unterschiedlichen Weltauffassungen und Interessen,über die unheildrohende
zerstörerische Macht, uns buchstäblich als funktionierende Gesellschaft
zu zerstören und zig Millionen Menschen in diesem Prozess zu töten.
Und der gesunde Menschenverstand sagt uns - wie er es auch der Sowjetunion
sagt - daß wir daran arbeiten müssen, unseren Wettbewerb weniger gefährlich,
weniger mühsam zu gestalten und dafür zu sorgen, daß der letztliche

�t

r

letztliche Schrecken eines Nuklearkrieges weniger wahrscheinlich wird.

Ja,die ganze Welt hat ein vitales Interesse an einer Kontrolle
des strategischen Wettrüstens.

Wir haben uns eng mit unseren Verbündeten konsultiert, die auf
uns zählen, nicht nur was die Aufrechterhaltung starker Streitkräfte
zum Ausgleich gegen die militärische Macht der Sowjets anbetrifft,
sondern auch bezüglich einer erfolgreichen Beherrschung eines stabilen
Ost-West-Verhältnisses.

SALT steht im Mittelpunkt dieser beiden ent-

scheidend wichtigen Bemühungen.

Darum haben die führenden Männer

Frankreichs, Großbritanniens, der Bundesrepublik Deutschland und Kanadas
und anderer Länder ihre Unterstützung für den entstehenden Vertrag zum
Ausdruck gebracht.

Einige Länder, die sich bisher der Herstellung von Nuklearwaffen
enthalten haben, werden nachhaltig davon beeinflußt werden, ob die
beiden nuklearen Supermächte ihre eigenen Waffen im Zaume halten werden.
Eine Ablehnung des neuen Vertrages über strategische Waffen würde die
Anstrengungen,die Ausbreitung (Proliferation) dieser tödlichen Waffen
zu kontrollieren, ernsthaft untergraben.

Und nichts würde unsere anderen

entscheidend wichtigen Bemühungen um eine Rüstungskontrolle - von einem
Verbot aller Kernversuche bis zu einer Verhütung eines gefährlichen
Satelliten-Krieges im Weltraum, von einer Angleichung der Streitkräfte
der NATO und des Warschauer Paktes bis zur Einschränkung der Ausbreitung
hochentwickelter konventioneller Waffen - mehr Schaden zufügen.

Jeder Präsident seit dem Anbruch des Nuklearzeitalters hat sich
bemüht, die Kernwaffen unter Kontrolle zu bringen.

Dieser Prozeß

darf

und wird nicht aufhören.

-

Präsident Kennedy hat auf den Bemühungen der Präsidenten Truman

- 5-

�Truman und Eisenhower aufbauend im Jahre 1963 den ersten Vertrag
mit der Sowjetunion über das Verbot vergiftender Versuche mit
Kernsprengköpfen in der Atmosphäre unterzeichnet.
-

Im Jahre 1968 haben sich unter Präsident Johnson die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion mit anderen Ländern zusammengetan
und den Nichtweiterverbreitungsvertrag

(Kernwaffensperrvertrag)

unterzeichnet - ein wichtiger Schritt zur Verhütung der weiteren
Ausbreitung von Kernsprengköpfen.
-

Im Jahre 1972 hat unter Präsident Nixon das SALT I-Abkommen die
ersten vereinbarten Grenzen für die Zahl der Offensivwaffen gesetzt.

-

Der Vertrag über die Raketenabwehr-Raketen (ABM) hat einen
dauerhaften Beitrag zu unserer eigenen Sicherheit geleistet.

Präsident Ford hat diesen Prozeß in Helsinki und Wladiwostok fortgesetzt. Jede der Verhandlungen baut auf den Ergebnissen der vorigen
auf. Jedes Abkommen schafft die Grundlagen für einen weiteren Fortschritt
auf dem Wege zu einem stabileren nuklearen Verhältnis.
Drei Präsidenten haben mehr als sechs Jahre darauf verwandt, den
nächsten Schritt in diesem Prozeß zu erreichen - das SALT II-Abkommen.
Wir haben alle sorgfältig und überlegt verhandelt.

Wir haben jeden

Schritt auf dem Wege mit unseren führenden Militärs und Experten ausgearbeitet, und wir haben den Rat der Mitglieder des Kongresses gesucht.
Eine überwältigende Mehrheit des amerikanischen Volkes erkennt
die Notwendigkeit von SALT II. Unser Volk erwartet einen kontinuierlich schrittweisen Fortschritt, um die Kernwaffen unter Kontrolle zu
bringen. Die Amerikaner werden eine vernünftige Erhöhung unserer

�unserer Verteidigungsanstrengung unterstützen, aber wir wollen keine
völlig unnötige Rückkehr zum kalten Krieg und zu einem allgemeinen Wettrüsten - mit den damit verbundenen größeren Risiken und Kosten.

Durch

Stärke wollen wir den Weltfrieden.
Lassen Sie mich nun zur zweiten Frage kommen - in welchem Zusammenhang SALT II zu unserer Gesamtverteidigungsstrategie steht.
Die strategischen Streitkräfte

der Vereinigten Staaten und der

Sowjetunion sind heute im wesentlichen gleichwertig.
Die Sowjets besitzen größere und zahlenmäßig mehr landgestützte
Raketen.

Wir besitzen eine größere Zahl von Gefechtsköpfen und haben

bedeutende technologische und geographische Vorteile.
Jede Seite verfügt über den Willen und die Mittel, die andere
Seite daran zu hindern, eine Überlegenheit zu erreichen. Keine Seite
ist in der Lage, ihre Kernwaffen für politische Zwecke auszunutzen, noch
strategische Waffen einzusetzen, ohne den fast sicheren Selbstmord zu
riskieren.
Was uns Sorgen macht, ist nicht das gegenwärtige Kräfteverhältnis,
sondern das Tempo der strategischen Aufrüstung der Sowjets. Während
des letzten Jahrzehnts haben die Sowjets ihre realen Verteidigungsausgaben ständig erhöht, während unsere netto zurückgegangen sind. Auf
Gebieten, die durch SALT I nicht beschränkt werden, haben sie ehrgeizige
Programme in Angriff genommen, um ihre strategischen Streitkräfte zu
verstärken. An irgendeinem Punkt in der Zukunft könnten sie einen
strategischen Vorteil erreichen - wenn wir diese Trends nicht umkehren.
Und das ist genau das, was ich tun möchte - mit der Unterstützung
durch das amerikanische Volk und die überparteiliche Unterstützung des

- 7 -

�des Kongresses.
Wir müssen an zwei Fronten gleichzeitig vorgehen:
-

Erstens, innerhalb beiderseitig akzeptierter Grenzen müssen
wir unsere eigenen strategischen Streitkräfte modernisieren.
Dies ist zusammen mit einer Stärkung der NATO ein zentrales
Anliegen des erhöhten Verteidigungshaushaltes, den ich dem
Kongreß vorgelegt habe - Verbesserungen, die selbst in Zeiten
einer restriktiven Haushaltspolitik notwendig sind.

-

Zweitens, wir müssen dem Wettrüsten engere Grenzen ziehen, als
dies gegenwärtig durch SALT I geschieht. Das ist das Ziel
des SALT II-Vertrages.

Das von mir vorgelegte Verteidigungsbudget wird sicherstellen, daß
unsere Nuklearstreitmacht weiterhin im wesentlichen gleichwertig mit
der der Sowjetunion sein wird.
In diesem Jahr haben wir begonnen, unsere Unterseeboote mit neuen,
mächtigeren und weiter reichenden Trident I-Raketen auszurüsten.

Im

kommenden Jahr werden unsere neuen, noch sichereren Trident-Unterseeboote in See stechen, und wir arbeiten an einer mächtigeren und treffsichereren Trident II-Rakete für diese Unterseeboote.
Unser Programm für Marschflugkörper (Cruise Missiles) wird die
Wirksamkeit unserer Fernbomber-Streitmacht wesentlich erhöhen. Diese
Flugkörper werden in der Lage sein, jede Luftabwehr zu durchdringen,
die die Sowjetunion in absehbarer Zukunft aufbauen könnte.
Unsere landgestützten Minuteman-Raketen werden, was Treffsicherheit
und Stärke anbetrifft, von uns wesentlich verbessert. Aber im kommenden

�kommenden Jahrzehnt werden Raketen dieses in stationären Silos untergebrachten Typs in steigendem Maße gegen Überraschungsangriffe anfällig
werden.

Bei den Sowjets entfallen drei Viertel ihrer Gefechtsköpfe auf

solche ortsfest gebundenen Raketen, bei uns dagegen nur ein Viertel.
Dennoch ist dies ein sehr ernsthaftes Problem - und wir müssen uns mit ihm
auf sinnvolle und wirksame Weise befassen.
Das Verteidigungsministerium befaßt sich zur Zeit mit einer Reihe
von Optionen, wie man mit diesem Problem fertig werden kann, darunter
die Möglichkeit,einige unserer Interkontinentalraketen beweglich zu
machen. Ich darf hinzufügen, daß die Optionen, die wir überdenken, weitaus kostspieliger wären - und wir auch weitaus weniger Vertrauen in ihre
Wirksamkeit haben würden - wenn die durch SALT II gesetzten Grenzen wegfielen. Denn ohne eine solche Begrenzung der Zahl der sowjetischen
Gefechtsköpfe, könnte die Sowjetunion unsere Bemühungen ganz einfach
dadurch kontern, daß sie die Zahl der Gefechtsköpfe auf ihren Raketen
um ein Vielfaches erhöht.
Lassen Sie mich mit Nachdruck hervorheben, daß durch das SALT IIAbkommen eine angemessene Flexibilität für die Vereinigten Staaten auf
diesem wichtigen Gebiet erhalten bleibt.
Unsere strategischen Streitkräfte müssen imstande sein, einen
jeden Angriff zu überleben und auf militärische und zivile Ziele des
Aggressors einen Gegenschlag zu führen. Wir haben diese Kapazität die das Wesen jeder Abschreckung ausmacht - in der Vergangenheit besessen»
und wir besitzen sie auch heute; und SALT II zusammen mit den von mir
beschriebenen Verteidigungsprogrammen werden sie auch für die Zukunft
garantieren.
Das SALT II-Abkommen wird das Anwachsen der sowjetischen Rüstung
verlangsamen und den strategischen Wettstreit begrenzen.

- 9 -

Und indem e£

�es dazu beiträgt, die künftigen Gefahren, denen wir uns gegenübersehen
könnten, ZJ definieren, wird es unsere Verteidigungsplanung wirksamer
machen.
Den Bestimmungen des Abkommens zufolge werden beide Seiten zum
erstenmal auf die gleiche Zahl von strategischen Abschußrampem begrenzt,
und damit wird der zahlenmäßige Vorteil für die Sowjets beendet, der
ihnen aufgrund des derzeit gültigen SALT I-Abkommens zustand.
Um auf diese neuen und niedrigeren Zahlen zu kommen, werden die
Sowjets die Gesamtzahl ihrer strategischen Trägersysteme um zehn Prozent
reduzieren müssen - also um mehr als 250 sowjetische Raketenabschußrampen oder Bomber.

Natürlich werden die Sowjets sich dabei für die

Ausmusterung ihrer älteren Systeme entscheiden, aber auch diese Systeme
sind immer noch verheerend.

Die abzubauenden Raketen sind.was Alter

und Wurflast anbetrifft mit unseren derzeit dislozierten Minuteman II
und Polaris-Raketen vergleichbar.

Nach dem Abkommen wird es den Sowjets

nicht gestattet sein, diese Systeme durch modernere zu ersetzen.

Unsere

eigenen operativen Streitkräfte sind etwas unter den erlaubten Höchstgrenzen gehalten worden.

Somit könnten wir aufgrund des Abkommens den

Stand unserer Streitmacht, wenn es notwendig ist, erhöhen.
SALT II wird auch für den Wettlauf beim Aufbau neuer Systeme und
bei der Verbesserung der bereits vorhandenen - dem sogenannten "qualitativen" Wettrüsten - erste begrenzte aber wichtige Einschränkungen bringen.
Kurzum:

SALT II setzt wichtige Grenzen für das, was die Sowjets

ohne dieses Abkommen tun könnten.

Beispielsweise könnte die Sowjetunion

ohne SALT II ihre strategischen Waffen bis zum Jahre 1985 auf etwa 3000
erhöhen.

Durch SALT II werden wir beide uns auf 2250 derartige Waffen

beschränken müssen.
Dieses

- 10 -

�Dieses neue Rüstungskontrollabkommen wird ganz offensichtlich
umserem nationalen Interesse dienen.

Es wird die gefährlichen Ober-

grenzen der strategischen Waffen reduzieren und der Entwicklung künftiger
Waffen einen Zaum anlegen.

Es wird dazu beitragen, unsere relative Stärke

im Vergleich zu der sowjetischen beizubehalten und uns vor dem kostspieligen,
riskanten und sinnlosen Ausbau von Raketenabschußrampen und Bombern bewahren - an dessen Ende beide Seiten schließlich nur noch weniger sicher
wären.
Ich möchte mich jetzt der dritten der vier Fragen zuwenden, die
ich zu Beginn gestellt habe: Wie können wir wissen, daß die Sowjets
ihre im Rahmen dieses SALT-Abkommens eingegangenen Verpflichtungen auch
einhalten?
Kein Ziel erforderte im Verlaufe unserer Verhandlungen mehr Energie
und mehr Aufmerksamkeit.

Wir haben darauf bestanden, daß das SALT II-

Abkommen verifizierbar gemacht wird.

Wir sind davon überzeugt, daß

keine bedeutsame Verletzung des Vertrages stattfinden könnte, ohne daß
die Vereinigten Staaten sie entdecken würden.
Unsere Überzeugung hinsichtlich der Verifizierbarkeit des Abkommens
rührt aus dem Umfang und der Natur der Aktivitäten her, die wir überwachen müssen, sowie aus den zahlreichen effektiven und hochmodernen
Systemen zur Beschaffung von Nachrichten, über die wir verfügen.
So dauert es zum Beispiel mehrere Jahre, bis nukleare Unterseeboote entwickelt und gebaut sind.

Raketensilos und die dazugehörige

Ausrüstung sind groß und weithin sichtbar.

Interkontinental-Bomber

werden in nur wenigen Fabriken hergestellt und benötigen große Flugplätze.

Unsere Photoaufklärungssatelliten erfassen die gesamte Sowjet-

union auf regelmäßiger Basis und geben uns ein großes Zutrauen, daß
wir in der Lage sein werden, die Zahl all dieser Systeme genau festzu-

- 11 -

�festzustellen.
Aber unsere unabhängig voneinander einsetzbaren Verifizierungskapazitä'ten beschränken sich nicht nur auf die Beobachtung dieser großräumigen Aktivitäten.

Wir können nicht nur feststellen, wieviele Systeme

es gibt, sondern auch, was mit ihnen erreicht werden kann.

Unsere Photo-

satelliten sowie andere Systeme setzen uns in den Stand, die technologischen
Entwicklungen innerhalb der sowjetischen strategischen Streitkräfte mit
großer Genauigkeit zu verfolgen.

Es kann kein Zweifel daran bestehen,

daß jeder Betruo, der unsere nationale Sicherheit berühren könnte,
frühzeitig genug von uns entdeckt würde, um voll und ganz darauf reagieren
zu können.
über viele Jahre hinweg haben wir die sowjetischen strategischen
Streitkräfte sowie die Einhaltung des SALT I-Abkommens seitens der
Sowjets mit einem hohen Grad an Gewißheit überprüft.
zität bleibt weiterhin bestehen.

Diese Gesamtkapa-

Sie ging gewiß nicht mit unseren Be-

obachtungsstationen im Iran verloren, die nur eine der zahlreichen
Nachrichtenquellen warenjdie wir benutzen, um die sowjetischen strategischen
Aktivitäten zu verfolgen.
Natürlich machen wir uns Sorgen wegen dieses Verlustes, aber wir
müssen die Sache doch in der richtigen Perspektive sehen.
Diese Überwachungskapazität betrifft in erster Linie den Teil des
Abkommens, der sich mit Modernisierungsbeschränkungen für ballistische
Interkontinentalraketen (ICBM) befaßt, und nur einen Teil dieser Modernisierung.
Die sensitiven Nachrichtenbeschaffungstechniken können selbstverständlich nicht in aller Öffentlichkeit erörtert werden, aber der
entscheidende Punkt ist, daß - falls es hinsichtlich des SALT-Abkommens einen

- 12 -

�einen Betrugsversuch gibt, einschließlich der Begrenzungen für die
Modernisierung der Interkontinentalraketen, wir dies entdecken werden und zwar frühzeitig genug, um unsere Sicherheit voll und ganz zu schützen.
Wir müssen uns auch immer vor Augen halten, daß unsere Sicherheit,
ganz abgesehen von den SALT-Beschränkungen.von dem Ausmaß unserer Informationen
über die strategischen Streitkräfte der Sowjets berührt wird.

Mit dem

SALT II-Vertrag werden solche lebenswichtigen Informationen uns weitaus
besser zugänglich sein.
Das Abkommen untersagt insbesondere zum erstenmal jede Beeinträchtigung
der Systeme, die zur Überwachung seiner Einhaltung eingesetzt werden.

Es

verbietet jede bewußte Verschleierung, die eine solche Verifizierung
behindern würde.

Jede derartige Verschleierungsaktivität wäre selbst

schon entdeckbar, und eine Verletzung dieses Teils des Abkommens wäre
so ernst, daß es und Grund geben würde, den Vertrag selbst zu annulieren.
Wie ich schon häufig gesagt habe: Es geht um zu viel, als daß wir
uns auf bloßes Vertäuen verlassen könnten - oder selbst auf die von der
Vernunft bestimmte Neigung der Sowjets, in ihrem eigenen Selbstinteresse
zu handeln. Der Vertrag muß - und wird - verifizierbar sein, und zwar
vom ersten Tag seiner Unterzeichnung an.
Und schließlich:

Wie paßt SALT II in den Zusammenhang unserer

Gesamtbeziehungen mit der Sowjetunion?
Weil SALT II die Welt und unser eigenes Land sicherer machen wird,
liegt es in unserem eigenen nationalen Interesse, die Nuklearwaffen zu
kontrollieren, selbst wenn wir mit den Sowjets anderswo in der Welt im
Wettstreit liegen.
Ein SALT-Abkommen begrenzt in keiner Weise unsere Fähigkeit, unsere

- 13 -

�unsere Interessen zu fördern und auf die sowjetischen Bedrohungen dieser
Interessen zu reagieren.
Wir werden auch weiterhin die Unabhängigkeit der Länder der Dritten
Welt, die um ihre Freiheit kämpfen, unterstützen.
Wir werden auch weiterhin die friedliche Lösung der örtlichen und
regionalen Dispute fördern und uns gegen alle Bemühungen anderer wenden,
diese Streitfragen mit Hilfe von außen anzuheizen.
Und wir werden auch weiterhin für die Menschenrechte eintreten.
Es ist eine Täuschung anzunehmen, daß eine Ablehnung von SALT die
Sowjetunion irgendwie veranlassen würde, sich in Krisengebieten jetzt
zurückzuhalten.

Die praktische Auswirkung könnte genau umgekehrt sein.

Die unnachgiebigsten und feindseligsten Elemente der sowjetischen Machtstruktur würden durch eine Ablehnung von SALT nur ermutigt und gestärkt
werden.

Die Sowjets könnten durchaus zu der Ansicht gelangen, daß sie

durch die Schaffung neuer internationaler Spannungen nur wenig zu verlieren hätten.
Eine Ablehnung von SALT II würde eine Bedeutung haben, die über
das Schicksal eines einzelnen Vertrages hinausgeht. Sie würde eine
radikale Abkehr von der langfristigen Politik Amerikas bedeuten, sich
um den Weltfrieden zu bemühen, um die Kontrolle der nuklearen Waffen
sowie um die Entspannung zwischen dem amerikanischen und dem sowjetischen
Volk im Rahmen eines Systems des Völkerrechtes, das auf gegenseitigen
Interessen basiert.
Eine Ablehnung von SALT II würde zu einer gefährlicheren Welt
führen.

Wie ich bereits in meiner Rede vor der Technischen Hochschule

von Atlanta in Georgia am 20. Februar ausgeführt habe: "Jede Krise, jede

- 14 -

�jede Konfrontation, jeder Konflikt - so ernsthaft er an sich schon sein
mag - würde ein zusätzliches Maß an Bedeutung und eine weitere Dimension
der Gefährlichkeit erhalten.

Denn er würde sich dann in einem Klima

ungezügelten strategischen Wettrüstens und nachlassender strategischer
Stabilität ereignen.

Gerade weil wir fundamentale Differenzen mit der

Sowjetunion haben, sind wir entschlossen, diese äußerst gefährliche
Dimension unseres militärischen Wettstreits unter Kontrolle zu bekommen."
Aus diesen Gründen wollen wir nicht versuchen, ein bindendes Junktim
zwischen dem Verhalten der Sowjets und SALT herzustellen - und wir werden
auch keinerlei sowjetische Versuche akzeptieren, einen Zusammenhang
zwischen SALT und Aspekten unserer eigenen Außenpolitik herzustellen,
die sie vielleicht ablehnen.
Und um es noch einmal zu sagen:
Sowjetunion keinen Gefallen.

Mit SALT II erweisen wir der

Es ist ein Abkommen, das im nationalen

Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten sorgsam ausgearbeitet worden
ist.
Ich lege Ihnen heute diese Dinge dar, weil sie der Erörterung
und Debatte bedürfen und weil die Stimme des amerikanischen Volkes gehört
werden muß.
In den vor uns liegenden Monaten werden wir alles in unseren Kräften
stehende tun, um dem amerikanischen Volk diesen Vertrag klar und umfassend
zu erläutern. Ich weiß, daß sich Mitglieder des Kongresses aus beiden
Parteien diesem Bemühen anschließen werden, um eine informierte öffentliche
Debatte zu gewährleisten.
Es ist von großer Bedeutung, daß wir während dieser Debatte Sorgfalt walten lassen. Wir werden mit dem Kongreß einige unserer sensitivsten
verteidigungspolitischen und nachrichtendienstlichen Geheimnisse teilen.

- 15 -

�'S-

teilen.

Und die führenden Politiker im Kongreß müssen garantieren, daß

diese Geheimnisse sorgfältig bewahrt werden, damit diese Debatte unsere
Sicherheit nicht unterminiert.

über

Wenn jetzt die nationale Debatte stattfindet, lassen Sie uns darim klaren sein, worum es geht und worum nicht.
-

Die Amerikaner sind der Aufrechterhaltung einer starken Verteidigung verpflichtet. Darum geht es nicht.

-

Wir werden auch weiterhin den Wettstreit fortsetzen - und in
wirksamer Weise mit der Sowjetunion konkurrieren.

Auchdarum

geht es nicht.
Die Frage, um die es geht, ist, ob wir mit der Kontrolle der
strategischen Rüstungen fortfahren oder wieder ein rücksichtsloses nukleares
Wettrüsten aufnehmen werden.

Das ist die Wahl, vor der wir stehen -

zwischen einer unvollkommenen Welt mit SALT II und einer unvollkommenen
und gefährlicheren Welt one SALT II.
Mit SALT II werden wir erreichen:
-

Bedeutsame Reduzierungen der strategischen Streitkräfte der
Sowjets;

-

eine weitaus größere Sicherheit hinsichtlich unserer Verteidigungsplanung und der Erkenntnis der Gefahren, denen wir uns gegenübersehen;

-

die notwendige Flexibilität, um unsere Verteidigungserfordernisse zu erfüllen;
die
- 16 -

V

�1

-

die Grundlage für weitere Kontrollen hinsichtlich der nuklearen
und konventionellen Rüstungen; und

-

die eigene Selbstachtung sowie die verdiente Achtung der Welt
vor den Vereinigten Staaten, die den Werken des Friedens verpflichtet sind.

Ohne SALT gäbe es keine Einschränkungen für die Sowjets,und sie
wären in der Lage zu einer weiteren enormen Aufrüstung und würden sich
wahrscheinlich sogar dazu verpflichtet fühlen.
Ohne SALT müßte es eine weitaus drastischere Anhebung unserer eigenen
Verteidigungsaufgaben auf Kosten anderer für unser Volk notwendiger
Programme

geben.

Ohne SALT hätten wir schließlich Tausende weiterer strategischer
Nuklear-Gefechtsköpfe auf beiden Seiten mit weitaus größeren Kosten und
weniger Sicherheit für unsere Bürger.
Ohne SALT hätten wir anstelle verbesserter Beziehungen mit der
Sowjetunion größere Spannungen.
Ohne SALT würde dem langwierigen, langsamen Prozeß der Rüstungskontrolle, die für den Aufbau einer sichereren Welt so entscheidend ist,
ein schwerer und vielleicht tödlicher Schlag zugefügt werden.
Ohne SALT wäre die Welt zu dem Schluß veranlaßt, daß Amerika sich
für die Konfrontation statt für die Kooperation und den Frieden entschieden
hat.
Das ist die unausweichliche Entscheidung, vor der wir stehen, denn
es ist eine Tatsache, daß die Alternative zu diesem Vertrag nicht ein

- 17 -

�ein perfektes Abkommen ist, das die Vereinigten Staaten einseitig entworfen haben und in dessen Rahmen wir alles und die Sowjetunion nichts
gewinnen. Die Alternative, jetzt und in der vorhersehbaren Zukunft,
ist vielmehr überhaupt kein Abkommen.
Ich bin davon überzeugt, daß die Vereinigten Staaten über den
moralischen und politischen Willen verfügen, die skrupellose Technologie
zu kontrollieren, die ständig zu neuen Waffen der Massenvernichtung
führen könnte. Wir brauchen nicht in den dunklen Alptraum eines unbeschränkten Wettrüstens zu versinken. Wir Amerikaner sind so klug, zu
wissen, daß unsere Sicherheit von mehr abhängt als von der Aufrechterhaltung
unserer unübertroffenen Verteidigungsstärke. Unsere Sicherheit und die
unserer Verbündeten hängt ebenso von der Stärke der Ideen und Ideale
ab sowie von Rüstungskontrollmaßnahmen, die ein gefährliches und verschwenderisches Wettrüsten, das keine Seite gewinnen kann, stabilisieren
und schließlich in das Gegenteil umkehren können. Das ist der Weg der
Klugheit - und des Friedens.

+ + + + +

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          <name>Creator</name>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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              <text>Amerikadienst 27.04.1979</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter: keine Alternative zu SALT II&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Präsidenten vor dem amerikanischen Zeitungsverlergerverband -&lt;/em&gt;</text>
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