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                  <text>Information
und
Dokumentation

I 1

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. April 1979

14

INHALT
DOKUMENTATION
SALT und die nationale Sicherheit
- Von Zbigniew Brzezinski US-Verteidigungsminister legt die militärischen Aspekte von SALT II dar
- Wortlaut der Ansprache vom 5. April 1979 Bilaterale amerikanisch-israelische Grundsatzyereinbarung über Sicherheitsgarantien
Amerikanisch-israelische Grundsatzvereinbarung über die Ölversorgung
Erklärung des US-Außenministeriums zu den amerikanisch-israelischen
Grundsatzverei nbarungen
HINTERGRUNDMATERIAL
Erläuterungen des Weißen Hauses zum Energieprogramm der US-Regierung
Lehren von Harrisburg
- Bessere Sicherheitskonzeptionen für Atomkraftwerke unerläßlich Meeresbergbaugesetz erneut vor US-Kongreß
- Regierung wünscht Übergangsregelung bis zum Seerechtsvertrag Produktivität braucht Forschung
- Sonderbotschaft Präsident Carters über Wissenschaft und Technologie -

Um Ubcr/cnJung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. April 1979

14

SALT UND DIE NATIONALE SICHERHEIT
Von Zbigniew Brzezinski

Der Berater Präsident Carters für
Fragen der nationalen Sicherheit,
Zbigniew Brzezinski, hat am 4. April
1979 in einer Rede vor dem Rat für
Auswärtige Beziehungen in Chicago
die politischen Aspekte des in Bälde
zu erwartenden SALT II-Abkommens
dargelegt. Wir geben seine Ausführungen im Wortlaut wieder.
- (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion stehen an der
Schwelle eines historischen Ereignisses: des Abschlusses eines umfassenden
Abkommens zur Begrenzung der nuklearen strategischen Offensivwaffen. Unser
Land steckte dieses Ziel seit Aufnahme der SALT-Verhandlungen vor nahezu
zehn Jahren und während dreier aufeinanderfolgender Administrationen an.
Heute möchte ich zu Ihnen über die Wichtigkeit dieses SALT-Abkommens für
unsere nationale Sicherheit und unsere Beziehung zur Sowjetunion sprechen.
Die

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�*

Die Unterzeichnung des SALT II-Abkommens wird eine lebhafte und, wie
wir hoffen, kluge nationale Debatte auslösen, die hoffentlich zur Ratifizierung
des SALT II-Abkommens durch den Senat führen wird.

Ebenso wichtig ist, daß

dieser nationale Dialog einen neuen Konsensus bezüglich einer Politik zustande
bringt, die unsere nationale Sicherheit in den achtziger Jahren gewährleisten
soll.

Präsident Carter leitete diesen Dialog in seiner jüngsten Ansprache

vor dem Georgia-Institute of Technology in Atlanta ein,, Verteidigungsminister
Harold Brown wird morgen in

New York die militärischen und die Verteidigungs-

aspekte des Vertrages darlegen.
Die Sicherheit der Vereinigten Staaten kann nur durch die uneingeschränkte Mitwirkung unserer gewählten Führer und des ganzen amerikanischen
Volkes gewährleistet werden.

Wie wir alle wissen, werden die Streitfragen,

die uns während der Verhandlungen zu SALT II in die Schranken gefordert
haben, durch Unterzeichnung und Ratifizierung des Vertrages nicht
aus der Welt geschafft werden.
Die Aufrechterhaitüng einer konstruktiven strategischen Relation zur
Sowjetunion wird auf unserer nationalen Tagesordnung soweit in die Zukunft
hinein stehen bleiben, wie wir gegenwärtig sehen können. Demzufolge muß
sich unsere Politik auf Realismus, Geduld und Klugheit bezüglich der Zukunft
stützen. Das amerikanische Volk muß diese Politik verstehen, Das sollten
auch unsere Verbündeten und die führenden Politiker der Sowjetunion verstehen.

SALT und die amerikanische Politik gegenüber der Sowjetunion
Wie Präsident Carter betonte, werden die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen auch weiterhin eine Mischung aus Wettbewerb und Zusammenarbeit
bleiben. Unsere Politik muß so gestaltet werden, daß sie beiden Zwecken

�Zwecken dient und ein wirksames Gleichgewicht zwischen beiden herstellt.
Sie muß darauf gerichtet sein, die Zusammenarbeit dort zu verbreitern,
wo wir das können, und den Herausforderungen des Wettbewerbs gerecht zu
werden, wo wir uns dazu gezwungen sehen.
Die Sowjetunion ist eine militärische Supermacht, die gegenwärtig
darauf drängt, eine echte Weltmacht zu werden.

In manchen Teilen der Erde

fordert die Sowjetunion unsere Sicherheitsinteressen und die unserer engen
Freunde und Verbündeten in die Schranken.
In der Verfolgung ihrer Ziele stützt sich die Sowjetunion in erster
Linie auf ihre militärische Macht. Das ist ihre Stärke - eireStärke, der
wir Gleichwertiges entgegensetzen können - in vieler Hinsicht aber auch
Quelle ihrer Schwäche. Indem die Sowjetunion ihrer zivilen Wirtschaft
beträchtliche Ressourcen entzieht, um ihre Militärmaschine weiter auszubauen, schwächt sie die Stärke ihrer Gesellschaft.
Im Gegensatz hierzu haben die Vereinigten Staaten viele einzigartige
Pluspunkte aufzuweisen: unsere wirtschaftliche und technologische Dynamik;
unsere blühende und stabile Gesellschaft, unseren Staat, der der echten
Mitwirkung und Unterstützung der Öffentlichkeit gewiß sein kann, und unsere
Fähigkeit, auf Verbündete zu zählen, die sich uns in einem freien Bund angeschlossen haben.
Die ideologische Anziehungskraft der Sowjetunion im In- und Ausland
ist im Schwinden begriffen. Ihr wirtschaftliches und politisch© System
gilt
heute nirgendwo mehr als ein Modell. Einer der bemerkenswertesten
Aspekte der politischen Isolierung der Sowjetunion besteht vielleicht
darin, daß sie entdecken mußte, wie schwer es ist, rohe militärische
Macht in politischen Gewinn umzumünzen. Wohl hat sie Verbündete, Abhängige
und Helfershelfer, die stellvertretend für sie handeln; dabei handelt es
sich um Zusammenschlüsse, die gewöhnlich auf der Macht der Sowjets, nicht

- 3 -

�&lt;

nicht aber auf gegenseitiger Achtung oder auf dem jeweiligen Eigeninteresse
beruhen.
Die Grenzen für ein offenes und freies politisches Engagement in der
Völkergemeinschaft - Beziehungen, wie wir sie in reichem Maße genießen zwingen die Sowjetunion,sich weitgehend auf ihre Macht zu stützen, wenn es
darum geht, Einfluß zu gewinnen.

Das verleitet die Sowjets dazu, gegenüber

anderen bestimmter aufzutreten und bezüglich ihrer Position ängstlicher
zu sein als andere.

Dies wiederum ist eine Kombination, die unsere Stand-

haft!* gkeit und Entschlossenheit auf eine ernste Probe stellt.

Wir werden

dieser Herausforderung heute gerecht, und wir werden ihr auch in Zukunft
gerecht werden.
Gleichzeitig beginnt die Sowjetunion allmählich zu begreifen, welche
Risiken einem Wettbewerb innewohnen, der so stark von militärischen Gesichtspunkten beeinflußt wird.

Die Sowjetunion ist eine Nation, die die

ganze Wucht des schlimmsten Konflikts unserer modernen Zeit zu spüren
bekommen hat.

Genau wie wir

ist auch die Sowjetunion zu der Erkenntnis

gelangt, daß SALT mithelfen kann, die Risiken einer nuklearen Katastrophe
zu begrenzen, die ein ungehinderter Wettstreit im Bereich der strategischen
Rüstungen auslösen könnte.

Infolgedessen

vermag SALT im größeren Rahmen

der programmierten amerikanischen strategischen Kapazitäten das erforderliche
strategische Gleichgewicht für einen Fortschritt in den politischen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern zu gewährleisten.
Selbst nach Abschluß dieses SALT-Abkommens werden die wettbewerbsspezifischen Elemente in unseren Beziehungen zur Sowjetunion fortbestehen.
Es wird fortgesetzter und langfristiger Bemühungen bedürfen, um unsere
Interessen und die unserer Freunde zu schützen.

Dieser Wettbewerb aber

läßt sich sicherer und wirksamer steuern, wenn beide Länder die Gefahren
einer nuklearen Konfrontation durch eine verbindliche und beiderseitige
Mäßigung in Grenzen halten.
Was
- 4 -

�Was die beiderseitige Mäßigung auf dem Wege über SALT angeht, machen
wir uns heute Gedanken nicht nur über die Sowjetunion von heute, sondern
auch über die von morgen.

Während der nächsten Jahre wird sich die

sowjetische Führung verändern.

Wir können im voraus nichts über das Wesen

der neuen Führer und die Hauptaspekte der künftigen Sowjetpolitik aussagen.
Wir können aber heute Vorsorge treffen, daß die sowjetischen Führer der
Gegenwart wie die der Zukunft die Politik und die Ziele der Vereinigten
Staaten verstehen:

sowohl unsere Entschlossenheit, unsere Interessen und

jene unserer Freunde und Verbündeten zu schützen, als auch unseren Wunsch,
die Detente und die Zusammenarbeit zu verbreitern.

Wenn sich die nächste

sowjetische Führungsgeneration anschickt, ihre Politik auf dem Gebiet
der strategischen Rüstung und gegenüber den Vereinigten Staaten festzulegen, dann wünschen wir, daß sie in klare, und vertraglich vereinbarte
Beschränkungen im Wettbewerb auf eben diesem Gebiet eingebunden ist. Wir
wünschen, daß dies die Beschränkungen des SALT II-Abkommens sind - nicht
die weit weniger strengen Begrenzungen des SALT I-Interimabkommens.

Sie

soll dann, so wünschen wir überzeugende Beweise an der Hand haben, daß
die Vereinigten Staaten für ihre Interessen eintreten und diese erfolgreich
gegen jede Herausforderung verteidigen werden.

Sie sollen ferner wissen,

daß sie sich mit uns zu dem Zwecke zusammentun können, die Detente und
die Zusammenarbeit auszuweiten.

Das ist eines der entscheidenden Ziele der neuen SALT II-Vereinbarungen:
einen Rahmen schaffen zu helfen, in dem die Sowjetunion ihre künftigen
Beziehungen zu den Vereinigten Staaten sieht, Grenzen zu setzen im Bereich
der strategischen Rüstungen und die Chancen zu mehren, daß Beschränkungen
bei diesen Waffen zu friedlicheren Beziehungen insgesamt führen.

Was

- 5-

�Was ist SALT?
Unsere Ziele in SALT sind denen unserer Wirtschaftsstrategie vergleichbar:

zu größerer Stabilität beizutragen, auf beiden Seiten den

Anreiz zu vermindern, sich nuklearer Streitkräfte zu bedienen, den
Pressionen zum Ausbau der strategischen Rüstungen Grenzen zu setzen

und

unsere nationalen Interessen und die unserer Freunde und Verbündeten zu
schützen.
Der SALT-Vertrag von 1972 begrenzte die Dislozierung ballistischer
Raketenabwehrsysteme (Anti-Bailistic Missiles - ABM) auf beiden Seiten.
Er unterband ein kostspieliges und gefährliches Wettrüsten auf dem Gebiet
der Raketenabwehr, den keine Seite wirklich wünschte, von dem aber beide
fürchteten, daß die Gegenseite im Begriff stehe, ihn vom Zaum zu brechen.
So brachten wir relativ leicht eine umfassende Abmachung zustande, da
eine ausgedehnte Dislozierung von ABMs noch nicht begonnen hatte und
keine Seite sicher sein konnte, ob ihre ABM-Technologie erfolgreich sein
werde.
Die Aufgaben, die sich während der Verhandlungen über eine umfassende
Vereinbarung zur Begrenzung der strategischen Offensivwaffen stellten, waren
weit größer, weil beide Seiten bereits derartige Systeme in großer Zahl
disloziert haben. Ausgeprägte Unterschiede in der Zusammensetzung der
sowjetischen und amerikanischen Offensivstreitkräfte machten es darüber
hinaus äußerst schwierig, Begrenzungen zu formulieren, die ausgewogen
und gerecht zugleich sind.
Wir haben beharrlich verhandelt, und das in Aussicht stehende Abkommen
wird weit über das SALT-Interimsabkommen hinausgehen.

Es ist viel um-

fassender und den strategischen Erfordernissen Amerikas weit besser angepaßt.

Lassen Sie mich einige der wichtigsten Pluspunkte der SALT II-

Vereinbarung hier aufzeigen:
Es setzt
- 6 -

�-

Es setzt zum ersten Mal eine einheitliche Obergrenze für alle
wichtigen interkontinentalen strategischen Trägersysteme und die
wichtigen Unterkategorien der mit unabhängig-zielgesteuerten
Mehrfachgefechtsköpfen ausgestatteten Raketen (MIRVs).

-

Es setzt ferner eine wirksame Obergrenze für die Zahl der Gefechtsköpfe fest, die jede mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestattet
interkontinentale Rakete mit sich führen darf. Das ist von
entscheidender Bedeutung, weil dies unsere strategische Planung
für die Zukunft vereinfacht und uns größere Gewißheit hinsichtlich
unserer militärischen Projektionen gewährt.

-

Das Abkommen beschränkt beide Seiten bis 1985 auf die Entwicklung
und Dislozierung von nur einer völlig neuen Interkontinentalrakete.
Diese Bestimmung wird eine qualitative Ausweitung des Wettrüstens
verhindern und uns dennoch gestatten, eine neue Interkontinentalrakete und auch eine sicherere Methode zur Basierung unserer vorhandenen Interkontinentalraketenkräfte zu entwickeln. Dies ist
notwendig für uns, weil Verbesserungen der sowjetischen militärischen
Kapazitäten die Verletzlichkeit unserer Interkontinentalraketen
vom Typ MINUTEMAN verstärken. Das SALT-Abkommen gibt uns die
Flexibilität, derer wir bedürfen, um dieses Problem zu lösen.

SALT II geht mit allen diesen Bedingungen über SALT I hinaus, indem
es Höchststärken für alle von ihm erfaßten Waffentypen festsetzt. Diese
Bedingung entspricht einer Schlüsselforderung des Senats für die SALT IVerhandlungen,, Das vereinbarte Prinzip der Gleichheit erfordert auf
Seiten der Sowjetunion sogar eine tatsächliche Verminderung der Interkontinentalkräfte. Sie wird mehr als 350 Systeme abbauen müssen - was man
in seiner Bedeutung nicht unterschätzen sollte. Das Abkommen könnte durchaus der Vorläufer für noch beträchtlichere und bedeutsamere Verminderungen
der Rüstung auf beiden Seiten sein.
Im
- 7 -

�Im übrigen läuft der SALT II-Vertrag - das zu wissen, ist wichtig nur bis Ende 1985. Auch wenn unser langfristiges Ziel ein permanenter
Vertrag bleibt, verläuft die Entwicklung von Offensivwaffen auch fernerhin viel zu dynamisch, um vertrauenswürdige Vorhersagen über die Zeit
Ende der achtziger Jahre und darüber hinaus zu treffen.

Immerhin ver-

mindert der SALT II-Vertrag unsere Ungewißheit bezüglich der sowjetischen
Streitkräfte zu Anfang der achtziger Jahre erheblich - in dieser Zeit müssen
wir unsere eigenen strategischen Kräfte verbessern, damit sie einen
eventuellen sowjetischen Angriff überstehen können.

Die notwendigen

Verbesserungen auf unserer Seite wären weit kostspieliger, und wir könnten
weit weniger zuversichtlich hinsichtlich ihres Erfolges sein, wenn die
Begrenzungen nicht zustande kämen, die SALT II den sowjetischen Kräften
auferlegen wird.
Wir haben schon vor langem erkannt, daß SALT II nur von geringem Wert
wäre, wenn wir nicht sicher sein könnten, daß sich auch die Sowjetunion
an seine Bestimmungen hält. Deshalb spielte die Frage der Verifizierung
eine so wichtige Rolle in den Verhandlungen. Der Vertrag spiegelt unsere
diesbezüglichen Besorgnisse wider. Er bekräftigt unmißverständlich, daß
die Verifizierung ein notwendiger Bestandteil von Rüstungskontroll Vereinbarungen im allgemeinen und von SALT II im besonderen ist. Er besagt,
daß nationale technische Mittel zur Verifizierung - zum Beispiel Satellitenaufnahmen - legitime Mittel zur Gewährleistung der Erfüllung des Vertrages
darstellen. Er verbietet sowohl die Störung derartiger Hilfsmittel als
auch vorsätzliche Vertuschungsmaßnahmen, die die Sammlung notwendiger
Informationen behindern könnten. Das Abkommen fordert des weiteren, daß
sich beide Seiten an spezifische Verfahren halten, um eine Verifizierung
zu erleichtern.
Diese Vorkehrungen vermindern die Ungewißheit bezüglich des Ausmaßes
der Bedrohung, der jedes der beiden Länder ausgesetzt ist, erheblich.
Eines der wichtigsten auslösenden Momente für eine Verschärfung des Wett-

�Wettrüstens ist die Ungewißheit hinsichtlich dessen, was auf der Gegenseite vorgeht.

Der SALT Il-Vertrag unternimmt einen entscheidenden Schritt,

diese Ungewißheit zu verringern.
Lassen Sie mich betonen, daß uns der SALT Il-Vertrag die Möglichkeit
bietet, mit der Verbesserung unserer Streitkräfte innerhalb eines Rahmens
der Vorhersagbarkeit und des Vertrauens fortzufahren.

Was SALT nicht ist!
Auf diese Weise wird SALT II unsere Sicherheit stärken und mithelfen,
die Basis für weitere Begrenzungen der strategischen Rüstungen in der
Zukunft zu schaffen.

Eine vernünftige Beurteilung der SALT II-Vereinbarung

setzt aber auch ein klares Verständnis dessen voraus, was sie nicht bringt
und nicht bringen kann.
Allem voran ist der SALT Il-Vertrag keine Vereinbarung, die von
Vertrauen getragen wird. Er trägt sich selbst. Er basiert auf gemeinsamen
Interessen, die ihren Ausdruck in harten Verhandlungen und Kompromissen
gefunden haben. Er gewährleistet die ausreichende Verifizierung der Einhaltung seiner wichtigsten Vorschriften und gründet sich auf die großen
Möglichkeiten der Vereinigten Staaten, auf gegenwärtige wie künftige
militärische Erfordernisse zu reagieren.
Der SALT II signalisiert mit Sicherheit nicht das Ende des Ost-WestWettbewerbs. Wenn unsere Interessen bedroht werden, werden wir sie verteidigen. Und wenn sich die Möglichkeit bietet, die Entspannung ausweiten
und neue Formen der Zusammenarbeit mit der Sowjetunion erreichen zu können,
werden wir sie nutzen.
SALT II bedeutet nicht das Ende des militärischen Wettbewerbs - auch
- 9 -

�auch nicht auf dem Gebiet der strategsichen Waffen

Während der letzten

beiden Jahrzehnte hat die Sowjetunion ihre Streitkräfte auf allen Gebieten
erweitert und modernisiert. Der ständig steigende sowjetische Verteidigungshaushalt beansprucht mehr als zehn Prozent des Bruttosozialprodukts.
Infolgedessen sehen wir uns auf vielen Gebieten in einen militärischen
Wettstreit verwickelt, und wir müssen uns hierauf einstellen.
Der SALT II-Vertrag wird die Erfordernisse hierzu in diesem Bereich dem der strategischen Rüstung
machen.

verringern, sie aber nicht überflüssig

Das dringendste Problem, dem wir uns gegenübersehen, ist die zu-

nehmende Verwundbarkeit unserer Interkontinentalraketen.

Darüber hinaus

müssen wir unsere nuklearen Gefechtsfeldwaffen und unsere konventionellen
Streitkräfte modernisieren und verbessern.

Wir können und werden das tun;

es steht nichts im SALT II-Vertrag, was uns davon abhält, die notwendigen
Schritte unsererseits und im Verein mit unseren Verbündeten zu unternehmen.
Niemand sollte den SALT II-Vertrag als ein Instrument ansehen, das
der Sowjetunion in ihrer Militär- und Außenpolitik oder gar in ihrer
Gesellschaftspolitik im eigenen Land enge Beschränkungen auferlegt. In
unserer nationalen Debatte über SALT stellen manche Beobachter die Frage,
ob wir ein Abkommen unterzeichnen können, das es zuläßt, daß die Sowjetunion im Ausland gegen unsere Interessen handelt und im eigenen Lande die
Anerkennung der Menschenrechte verweigert. Diese Stimmen bestehen mithin
auf ein Junktim.
Unsere Haltung zur Frage eines solchen Junktims ist klar: Beschränkunge
der strategsichen Rüstungen sind auch für sich allein wünschenswert. Die
Suche nach derartigen Beschränkungen sollte nicht als Pfand für andere
amerikanische oder sowjetische politische Aktionen oder für die Zusammenarbeit zwischen uns benutzt werden. Wir akzeptieren überhaupt kein derartiges Junktim - auch nicht, beispielsweise, ein Junktim zwischen einer
engeren amerikanisch-chinesischen Zusammenarbeit bei der Lösung einer Reihe

- 10 -

�Reihe unterschiedlicher Probleme und SALT und wir würden auch alle
sowjetischen Bemühungen energisch zurückweisen, einen solchen negativen
Zusammenhang herzustellen.,

Aus dem gleichen Grund dürfen wir nicht

darauf bestehen, daß uns die Sowjetunion - als Vorbedingung für eine
Vereinbarung mit den Vereinigten Staaten bezüglich der Beschränkung der
strategischen Rüstungen - in Angelegenheiten entgegenkommt, die uns
Sorge bereiten.

Ein solches Junktim zu verlangen liefe darauf hinaus,

daß kein Problem der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen gelöst werden
kann, solange nicht alle anderen wichtigen Streitfragen gleichzeitig bereinigt werden können

Das ist kein Rezept für die Führung der Politik,

sondern für deren völlige Paralysierung,,
Demgemäß besteht unsere Aufgabe darin, eine gute SALT-Vereinbarung
zustandezubringen und sowjetischen Herausforderungen in angemessener Weise
zu begegnen, wo und wann immer es zu solchen kommen mag.

Argumente der Kritik und deren Widerlegung
In den vor uns liegenden Wochen wird der SALT II-Vertrag Gegenstand
eingehender Erörterungen im Senat und im Volk der Vereinigten Staaten sein ein normaler Vorgang in einem demokratischen Land. Eine Vereinbarung
auszuhandeln, die jedermanns Beifall findet, ist unmöglich. Die Kritiker
des SALT II-Vertrags werden zahlreiche Einwendungen vorbringen. Es dürfte
meines Erachtens die Atmosphäre klären, wenn ich hier versuche, auf einige
der häufigsten kritischen Einwände gegen diese Vereinbarung einzugehen.
Man wird behaupten, das Abkommen gehe nicht weit genug, die Obergrenzen seien zu hoch und die Beschränkungen zu bescheiden.

Ich darf

Ihnen versichern, daß niemand dieserKritik aufrichtiger beipflichtet
als Präsident Carter,

Er erkennt jedoch - und das müssen wir alle tun -, daß

- 11 -

�daß das Streben nach dem Besten nicht der Erzielung des Guten im Wege
stehen darf.

Die Ergebnisse des SALT Il-Vertrags sind nützlich und real.

Sie verbessern die Aussichten auf Frieden und Stabilität weit über das Maß
hinaus, das im Falle des Fehlens dieses Vertrags bestünde«

Der Weg zu

ehrgeizigeren Beschränkungen der strategsichen Rüstungen führt über die
Billigung dieser Vereinbarungen zu noch weitergesteckten Zielen,
Gewisse Kreise werden argumentieren, dieses Abkommen verurteile unser
Land - trotz des Prinzips der Gleichheit, auf dem dessen entscheidende
Bestimmungen beruhen - zu einem gewissen Maß an strategischer Inferiorität
Meiner Auffassung nach ist diese Kritik unverdient schwarzseherisch und
ich möchte auch klarstellen, warum:
-

Man wird sagen, der Vertrag gestehe der Sowjetunion sehr schwere
Raketen zu, während unsere sehr viel leichter sind. Wir waren
jedoch nie daran interessiert, schwere Raketen zu bauen und verlassen
uns hierbei auf unseren qualitativen Vorsprung, Es ist uns zudem
gelungen, in SALT II wirklich wichtige Beschränkungen bezüglich der
Nutzung der schweren Raketen seitens der Sowjets zu erzielen,
dergestalt, daß die Zahl der Gefechtskbpfe, die diese mit sich
führen können, begrenzt wird;

-

man wird sagen, die Vereinbarung schließe die sowjetischen BackfireBomber nicht ein, die die Vereinigten Staaten erreichen können.
Die Vereinbarung erlegt uns aber auch keine Beschränkung bezüglich
unserer in Großbritannien stationierten Bomber vom Typ F-lll und
anderer Flugzeuge auf, die wir gegen die Sowjetunion einsetzen
könnten; und

-

man wird sagen, die Vereinbarung verfüge Beschränkungen bezüglich
der Marschflugkörper, die für uns wichtiger als für die Sowjetunion
sind.

Es ist uns jedoch gestattet, eine umfangreiche Flotte

�Flotte von luftgestützten Marschflugkörpern beliebiger Reichweite
aufzubauen.

Die Begrenzungen bezüglich see- und landgestützter

Marschflugkörper werden zudem vor dem Zeitpunkt erlöschen, vor dem
wir derartige Geräte dislozieren könnten.
Ich führe diese Beispiele - die sich noch vermehren lassen - hier aus
einem einfachen Grunde an: Wir haben für jeden Vorteil, den wir der Sowjetunion zugestanden, einen Vorteil dazugewonnen oder beibehalten. Und dort,
wo sowjetische Kapazitäten ein echtes militärisches Problem darstellen, bleibt
es uns freigestellt, innerhalb der Bestimmungen der Vereinbarung angemessene
Gegenmaßnahmen zu treffen und unsere Sicherheit zu gewährleisten. Das ist
genau das, was ein gutes und gerechtes Abkommen ausmacht: Nicht die
Symmetrie der Systeme, sondern ein Rahmen für gleichgewichtige Sicherheit.
Darüber hinaus wird sich die Kritik am SALT II-Vertrag auf die Frage
konzentrieren, ob er hinreichend verifiziert werden kann. Wir sind
vollkommen zuversichtlich, das dies der Fall sein wird. Wir verfügen über
ein umfangreiches Arsenal hochtechnischer und sehr kostspieliger Mittel,
um entdecken und beobachten zu können, was die Sowjetunion hinsichtlich
ihres strategischen Programms unternimmt. Diese Mittel unterstehen samt
und sonders unserer eigenen Kontrolle; sie gestatten es uns, nicht einfach
auf den guten Willen der Sowjets zu bauen. Diese Mittel schaffen einen
Ausgleich für einen der wichtigsten Unterschiede zwischen unseren beiden
Systemen, zwischen unserer offenen und ihrer geschlossenen Gesellschaft.
Wir können viele Aspekte der Entwicklung, Erprobung, Produktion, Dislozierung,
Ausbildung und Operationen der sowjetischen strategischen Streitkräfte beobachten - trotz der Abgeschlossenheit der sowjetischen Gesellschaft und
trotz der Tatsache, daß die Sowjets auf Geheimhaltung versessen sind.
Sicherlich kann kein Mittel der Verifizierung absolut vollkommen
sein. Dennoch können wir unter größten Anstrengungen - unter Benutzung
der fortschrittlichsten Technologie und dank der Tüchtigkeit einiger

- 13 -

�einiger zehntausender unserer bestausgebildeten Mitbürger - zuversichtlich
sein, Jaß uns jede signifikante Verletzung der SALT II-Vereinbarung lange
vor dem Zeitpunkt zur Kenntnis gelangen wird, an dem wir auf sie militärisch
zu reagieren hätten. Und im SALT II-Vertrag wird auch der Fortbestand der
Ständigen Konsultativkommission in Genf gewährleistet, an die wir uns wie auch die Sowjetunion - in allen Fragen bezüglich der Erfüllung des
Vertrags wenden können.
Bei den Verhandlungen zu SALT II war es von entscheidender Wichtigkeit
für uns, die Sicherheit und das Interesse unserer NATO-Verbündeten ebenso
zu wahren, wie unsere eigenen.

Wir haben bezüglich SALT II bei jedem Schritt

Konsultationen mit unseren Verbündeten mit einer Gründlichkeit und Intensität
gepflegt, die fast ohne Beispiel waren.
Wir haben unseren Verbündeten versichert, daß ihre Interessen in diesem
Vertrag voll gewahrt bleiben. Der beste Beweis für den Erfolg unserer
fortgesetzten Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten in bezug auf SALT II
dürften wohl deren Reaktionen hierauf sein: Das nachhaltige Eintreten für
den Vertrag seitens alliierter Spitzenpolitiker einschließlich der öffentlichen
Erklärungen von Bundeskanzler Schmidt, Premierminister Callaghan und
Präsident Giscard auf Guadeloupe.
Wir sind ferner entschlossen, dafür Sorge zu tragen, daß die Fortführung des SALT-Prozesses unsere Aufmerksamkeit nicht von der anhaltenden
Herausforderung durch die sowjetische Militärmacht ablenkt, oder unsere
Entschlossenheit untergräbt, dieser Herausforderung zu begegnen. Diese
Entschlossenheit steht in keinem Zusammenhang mit dem inneren Wert der
vorgeschlagenen Vereinbarung, sondern beruht auf unserer Vernunft und
unseren nationalen Willen.
i

Mit oder ohne SALT II werden wir - mit dieser Vereinbarung oder jeder
denkbaren Alternative - auch in Zukunft vor der Aufgabe stehen, uns ein

�ein Urteil über die militärische Herausforderung für die Vereinigten Staaten
und unserer Verbündeten zu bilden und hierauf mit wirksamen Gegenmaßnahmen
zu antworten.

Wir müssen in jedem Falle nüchterne und realistische Vorsorge

für die gemeinsame Verteidigung treffen.

Und wir werden dies auch in jedem

Falle tun.
Im Verlauf der nächsten Jahre werden wir eine Reihe schwieriger Entscheidungen bezüglich der Position unserer Streitkräfte auf mehreren Gebieten treffen müssen. Wir werden diese Entscheidungen in der nüchternen
Erkenntnis treffen, daß die Vereinigten Staaten eine militärische Stärke
beibehalten müssen, die ausreicht, um vor jedem Angriff auf uns und unsere
Verbündeten abzuschrecken und uns in die Lage versetzt, jedem Angriff
welcher Größenordnung auch immer - sollte es zu einem Angriff kommen - entgegenzutreten und unsere Interessen und die unserer Freunde und Verbündeten
überall auf der Welt zu verteidigen.

Die Zukunft von SALT
Die SALT II-Vereinbarung ist ein entschiedener Schritt in Richtung auf
eine Beschränkung der strategischen Rüstungen - aber eben nur ein Schritt.
Deshalb werden wir in Zukunft hinsichtlich einer vielschichtigen Tagesordnung
zu Fragen der Rüstungskontrolle - einschließlich erheblicher Verringerungen
der strategischen Waffen, weitergehende"qualitativer Rüstungsbeschränkungen
und laufender Verbesserungen unserer Fähigkeit zur Verifizierung von
Rüstungsbegrenzungsvereinbarungen - prompt handeln müssen. Wir werden bei
jedem Schritt auf diesem Wege eng mit unseren NATO-Verbündeten zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß unsere Anstrengungen in bezug auf SALT III
ihre wie unsere Sicherheit gleichermaßen mehren werden.
Wir werden uns weiterhin um zusätzliche und bessere Vereinbarungen
auf dem Gebiet der Rüstungsbeschränkungen bemühen.
- 15 -

Und wir werden auch nicht

�nicht zögern, jedes Verteidigungsprogramm einzustellen, dessen militärische
Erfordernisse durch erfolgreiche Rüstungsbegrenzungsvereinbarungen wirksam
und auf sichere Art und Weise gewährleistet werden können.
Letztlich müssen wir bei einer Beurteilung des SALT II-Vertrags stets
dessen eingedenk bleiben, was damit erreicht wird.

Der SALT-Prozeß ist ein

in der Geschichte der Menschheit bisher einmaliges Unterfangen.

Nie zuvor

haben sich zwei unterschied! ich geartete und im Wettstreit miteinander liegende
Großmächte an Anstrengungen oeteiligt, die geeignet sind,ihre Aktionsfreiheit
in Fragen ihres eigenen Überlebens und des Überlebens der Menschheit einzuengen.

Nie zuvor haben sich zwei solche Mächte zu der Vorstellung bekannt,

daß ihnen aus gegenseitiger Mäßigung beim Aufbau ihrer zerstörerischsten
Waffen größere Sicherheit erwachsen kann als aus der Fortführung eines uneingeschränkten Wettbewerbs.

Diese gemeinsame Erkenntnis basiert nicht auf

Vertrauen oder auf einer Blindheit gegenüber unserer tiefen und anhaltenden
Meinungsverschiedenheiten.
Sie ist vielmehr die Einsicht in die entscheidende Wichtigkeit einer
Verminderung der strategischer, Unsicherheit
und der Gefahren einer
nuklearen Krise und der Zerstörung. Unsere Bemühungen um die Kontrolle
der Nuklearwaffen werden auch künftig schwierig, aufreibend und ungewiß
sein. Sie werden Geduld, Klugheit und Anstrengungen ohnegleichen erfordern,
wollen wir zu einem gesunden Urteil gelangen. Sie werden mir meines Erachtens
beipflichten, daß dies lohnende Anstrengungen sind, die sich auf Ziele
richten, deren Erreichung für uns und die gesamte Menschheit von lebenswichtiger Bedeutung ist.

+ + + + +

- 16 -

�IfiHfWi
I

14

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. April 1979

US-VERTEIDIGUNGSMINISTER LEGT DIE MILITÄRISCHEN ASPEKTE VON SALT II DAR
- Wortlaut der Ansprache vom 5. April 1979 -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold
Brown hat am 5. April 1979 in einer Rede vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen und der Gesellschaft für Außenpolitik in New York die militärischen
Aspekte des in Bälde zu erwartenden SALT II-Abkommens dargelegt. Seine Ausführungen haben folgenden Wortlaut:
Ich freue mich über diese Gelegenheit, heute zu Ihnen über die Begrenzungen der strategischen Rüstungen und die nationale Verteidigung
sprechen zu können. Ich bin der Überzeugung - und ich glaube, der Präsident
und viele von Ihnen werden zustimmen - daß das anstehende SALT-Abkommen
mit der Sowjetunion das bedeutsamste bilaterale Übereinkommen zwischen den
globalen Supermächten in den siebziger Jahren sein wird.
SALT ist heute ein Bestandteil des Gefüges der internationalen Beziehungen. Es ist ein Element der Stabilität und zwar nicht nur in
militärischer Hinsicht, sondern im weltweiten politischen Gleichgewicht,

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Tel: 02221-89 32 40
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�Gleichgewicht.

Die Erfahrung hat gezeigt, daß SALT allein weder den

politischen Wettstreit zwischen

uns und der Sowjetunion beenden noch all

unsere Hoffnungen auf Kooperation oder all unsere Bedürfnisse nach strategischer
Sicherheit erfüllen kann. Aber - wie es der Sicherheitsberater des
Präsidenten gestern sagte - es ist notwendig für ein kluges Management
beider Aspekte unserer Beziehungen.
Wegen dieser tiefen Bedeutung des Abkommens ist es von entscheidender
Bedeutung, daß die öffentliche Debatte über seinen Wert nicht nur gründlich,
sondern auch wohl informiert geführt wird.

Wenn ich heute hier spreche, so

hoffe ich, zu diesen beiden wesentlichen Punkten einen Beitrag leisten zu
können.
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'

Lassen Sie mich meine Erörterungen über SALT und die nationale Verteidigung damit beginnen, daß ich Ihnen über den Status der Verhandlungen
berichte.

Obwohl wir einem Abkommen sehr nahe sind, bleiben doch zumindest

noch zwei oder drei wichtige Probleme - speziell jene, die die Verifizierung
und die Begrenzung der neuen Raketen betreffen - und zwar Probleme von
solcher Bedeutung, daß wir sicher sein müssen, daß sie zufriedenstellend
gelöst werden konnten, ehe wir das Vertrauen haben können, daß ein SALT IIAbkommen Zustandekommen kann.

Ob - und daher auch wann - ein Abkommen

erzielt werden kann, hängt weitgehend von der Aushandlung dieser Fragen ab.
Die Aussichten dafür sind nach meiner Ansicht auch weiterhin gut.
Unter unserem Regierungssystem wird die endgültige Entscheidung der
Vereinigten Staaten, ob ein Vertrag wirksam wird oder nicht, vom Senat
gefällt. So wird denn die formelle Debatte über die Ratifizierung im
Senat geführt werden und erst beginnen, wenn der Vertrag unterzeichnet
und dem Senat unterbreitet worden ist. Praktisch gesehen aber hat die
Debatte über SALT II bereits begonnen und ist faktisch schon so lange im
Gange wie die Verhandlungen selbst, ja sogar noch länger, Darüber hinaus
ist es eine Debatte, die weitreichend ist und sich mit Recht auf unsere

�unsere umfassenderen Ziele und Programme der strategischen Politik sowie
auf die Bestimmungen des Abkommens selbst gerichtet hat.
Ich glaube, die Kernfrage, die jeder von uns beantworten muß, betrifft
das Abkommen selbst: wird die Billigung dieses Abkommens die Vereinigten
Staaten sicherer machen, als sie es ohne ein solches Abkommen oder bei
seiner Ablehnung sein würden? Diese Frage aber kann nur beantwortet - und
SALT nur dann richtig bewertet - werden, wenn sie im Zusammenhang gesehen
wird mit:

den Zielen und der Politik der Vereinigten Staaten in der Frage

der strategischen Waffen; mit dem Status des amerikanisch-sowjetischen
Gleichgewichts, wie es jetzt besteht

und wie wir es für die Zukunft erwarten,

und mit den Programmen, die wir unternommen haben, um unsere strategische
Politik durchzuführen.

Die sowjetische Herausforderung
Unsere nationale Sicherheit beruht auf weitaus mehr als nur unserer
militärischen Stärke. Das militärische Gleichgewicht ist nur ein Teil allerdings ein entscheidend wichtiger Teil - unserer nationalen Sicherheits
Position in ihrer Gesamtheit. Es besteht kein Zweifel, daß die sowjetische
militärische Macht heute weitaus größer ist, als sie es in den sechziger
Jahren war, und zwar sowohl absolut gesehen als auch im Verhältnis zu
unserer eigenen. Die sowjetischen militärischen Ausgaben haben in jedem
der letzten fünfzehn Jahre ständig zugenommen. Nach unseren derzeitigen
Schätzungen müßten wir 40 Milliarden Dollar mehr aufbringen, als wir jetzt
in jedem Jahr für unsere Verteidigung ausgeben, um militärische Streitkräfte und Programme von dem Umfang und der Art zu unterhalten, wie sie
die Sowjets verfolgen.
Das militärische Gleichgewicht zwischen Ost und West ist heute in

- 3 -

�in etwa ausgewogen - wobei aber beunruhigende Tendenzen sowohl auf dem
Gebiet der strategischen wie taktischen Nuklearwaffen in Erscheinung
treten.

Es ist nicht das derzeitige Gleichgewicht, sondern vielmehr der

mächtige Impuls der sowjetischen strategischen Programme, der Anlaß zu
Besorgnis gibt.
Trotz der sowjetischen militärischen Leistungen und Errungenschaften
verfügt die Sowjetunion in nuklearer Hinsicht über keinen militärischen
Vorteil;

sie ist nicht in der Lage, ihre strategischen Waffen zum Einsatz

zu bringen oder einen Kurs zu steuern, der zur Anwendung von Kernwaffen
führen könnte, ohne sich selbst unannehmbaren Risiken auszusetzen.

Ein

strategisches Gleichgewicht besteht heute, weil die Abschreckungskräfte
auf beiden Seiten im wesentlichen gleichwertig sind.

Keine der beiden

Seiten könnte einen Erstschlag führen, der die andere Seite daran hindern
würde»mit einer Vergeltung von verheerenden Ausmaßen zu antworten.

Keine

Seite kann die andere wirksam mit ihren strategischen Streitkräften einschüchtern.
Angesichts dieser Umstände der sowjetischen Herausforderung und
Konkurrenz verfolgen wir - und müssen wir auch weiterhin verfolgen zwei sich ergänzende Kurse des Handelns.
Der erste Kurs besteht darin, innerhalb der Einschränkungen von
SALT zu gewährleisten, daß unsere strategischen Streitkräfte in der Lage
sind, unsere Verteidigungsziele trotz der anhaltenden strategischen
Aufrüstung der Sowjets zu erreichen. Der Verteidigungshaushalt 1980
und unser Fünfjahresprogramm für die Verteidigung für 1980-84 dienen
diesem Zweck.
Der zweite Kurs besteht darin, im Rahmen eines SALT II-Abkommens
spezifische und verifizierbare Bestimmungen zu erreichen, die die
strategischen Streitkräfte der Sowjets als Teil des Prozesses der
Begrenzung eines weiteren strategischen Wettrüstens zwischen den Vereinigten
- 4 -

�Vereinigten Staaten und der Sowjetunion einschränken,

Die amerikanischen Ziele
Der Planung der strategischen Streitkräfte der USA liegen zwei
Konzeptionen zu Grunde:
Abschreckung und wesentliche Gleichwertigkeit.
Die Abschreckung vor einem Nuklearkrieg ist unser fundamentalstes
Verteidigungsziel» Eine glaubwürdige Abschreckung kann nur erreicht werden,
wenn wir die militärische Stärke besitzen, die notwendig ist, unsere Gegner
davon zu überzeugen, daß sie - wie immer die Umstände sein mögen - wenn sie
einen Kurs des Handelns einschlagen, der zum Krieg führen könnte, entweder:
-

einen unannehmbaren Preis für die Erreichung ihres Zieles bezahlen
müssen;

-

oder daß

ihre Anstrengungen zur Erreichung dieses Zieles vereitelt werden.

Unsere Grundstrategie erfordert, daß wir in der Lage sind, einem
potentiellen Gegner solchen Schaden zuzufügen, daß - wie die Umstände auch
immer sein mögen - der Schaden, mit dem er rechnen muß, ihn von einem
Angriff auf die Vereinigten Staaten, unsere Verbündeten oder unsere lebenswichtigen Interessen abhält. Um das zu erreichen, brauchen wir vor allem
eine überlebensfähige Kapazität, die Industrie und die Städte der Sowjetunion zu zerstören. Gewährleistete Zerstörungskapazität - um das handelt
es sich bei dem, was ich gerade ausgeführt habe - ist das Fundament der
nuklearen Abschreckung. Es genügt jedoch nach meiner Auffassung nicht
allein als strategische Doktrin. Massive Vergeltung mag nicht angebracht

- 5 -

�angebracht sein,noch wird ihre Erwartung immer ausreichen glaubwürdig
sein, um vor dem ganzen Bereich von Aktionen abzuschrecken, die wir zu
verhüten versuchen.
Wir brauchen Kapazitäten, die in überzeugender Weise in der Lage sind
und bei denen man unter allen Umständen, die die Sowjets als realistisch
betrachten, damit rechnen muß, den Schaden zu
als wirklich abschreckend betrachten.

verursachen, den die Sowjets

Um es anders auszudrücken, die

Vorstellungen jener, die wir abschrecken wollen, können bestimmen, was
für die Abschreckung unter den verschiedenen Umständen notwendig ist.
Für eine voll wirksame Abschreckung müssen wir in der Lage sein, auf der
angemessenen Ebene auf die Art und das Ausmaß eines sowjetischen Angriffs
reagieren zu können.

Voll wirksame Abschreckung erfordert Streitkräfte

einer ausreichenden Größe und Flexibilität, selektiv einen Bereich von
militärischen und anderen Zielen angreifen zu können und uns in die Lage
zu versetzen, bedeutende Reserven zurückzubehalten.
Diese Fähigkeit zu einer angemessenen Vergeltung als Antwort auf
Angriffe unterhalb der Schwelle des totalen Angriffs - und damit die
Fähigkeit, die Sowjets von der Vorstellung abzuhalten, sie könnten auf
irgendeiner Ebene des nuklearen Konflikts einen echten Vorteil herausschlagen - ist für eine glaubwürdige Abschreckung wesentlich.
Aber welche Zweifel man auch immer haben mag, ob ein Nuklearkrieg
in Grenzen gehalten werden könnte - und ich selbst habe schwere Zweifel
daran - so wäre es doch der Gipfel der Torheit, die Vereinigten Staaten
in eine Position zu bringen, in der die unkontrollierte Eskalation der
einzig mögliche Kurs des Handelns wäre.
Nach allen vernünftigen Maßstäben verfügen wir heute über eine
glaubwürdige Abschreckung, und wir werden auch in der absehbaren Zukunft
über eine solche verfügen. Wir besitzen - und werden sie auch weiterhin
besitzen - überlebensfähige Streitkräfte, die selbst nach einem totalen

�totalen Überraschungsangriff noch in der Lage sind, den sowjetischen
Städten und dem sowjetischen Industriepotential massive Zerstörungen zuzufügen.

Und wir besitzen auch - und in den kommenden Jahren in zunehmendem

Maße - sowohl die Streitkräfte als auch die Ziel- und Einsatzpolitik, die
eine selektive Anwendung nuklearer Macht erlauben, um auf begrenztere
Provokationen reagieren zu können. Die rasche sowjetische Aufrüstung der
strategischen Streitkräfte während der letzten zehn Jahre im Vergleich zu
unseren bescheideneren Verbesserungen der Streitkräfte sollten die grundlegende Stärke und Glaubwürdigkeit unserer Abschreckung nicht verwischen.
Die Probleme, vor denen wir stehen - besonders was die wachsende Verwundbarkeit unserer Interkontinentalraketen (ICBM) in festen Silos anbetrifft - zwingen uns keineswegs, zwischen Total angriff auf Städte auf der
einen und der Kapitulation auf der anderen Seite zu wählen. Unsere
Kapazität, selektive Schläge gegen militärische und andere Ziele zu führen
und gleichzeitig eine Reserve aufrechtzuerhalten, ist heute groß und wird
in der Zukunft trotz Verwundbarkeit der ICBM wachsen.
Wesentliche Gleichwertigkeit - unser zweites generelles Ziel unterscheidet sich etwas von glaubwürdiger Abschreckung.

Sie ist ein

mögliches Kriterium für eine solche Abschreckung, vor allem wenn wir
wollen, daß unsere Nuklearstreitkräfte einen Effekt haben, der über die
Abschreckung vor einem totalen strategischen Überraschungsnagriff hinausgeht.

Wenn man sich wesentliche Gleichwertigkeit als Ziel setzt, dann

spiegelt das die Realität wider, daß Nuklearstreitkräfte, wie andere
Streitkräfte, eine weitergefaßte politische Rolle haben, die nicht ausschließlich durch technische, strategische (numerische) oder sogar dynamische
(kriegsplanerische) Berechnungen der militärischen Kapazität bestimmt wird.
Solange

unser Verhältnis zur Sowjetunion mehr konkurrierend als ko-

operativ ist - und das ist, was das Militärische anbetrifft, eindeutig
der Fall - ist die Aufrechterhaltung der wesentlichen Gleichwertigkeit der

- 7 -

�der strategischen Streitkräfte notwendig, um zu verhindern, daß die
Sowjets aus einem tatsächlichen oder eingebildeten strategischen Ungleichgewicht politische Vorteile ziehen.
Wesentliche Gleichwertigkeit verlangt daher, daß unsere Streitkräfte
nicht nur pari mit denen der Sowjetunion sind, sondern auch die Einsicht,
daß dem so ist.

Wir brauchen - und wir sollten - die sowjetischen Streit-

kräfte nicht imitieren im Sinne einer unausweichlich

nutzlosen, ungeheuer

kostspieligen und potentiell sehr gefährlichen Anstrengung, auf jedem nur
vorstellbaren Index der strategischen Macht mit den Sowjets gleichzuziehen
oder sie gar zu übertreffen.

Wenn wir jedoch sagen, daß wir einige "Lücken"

dulden können, die durch amerikanische Vorteile im Bereich anderer Maßnahmen
ausgeglichen werden, dann heißt das nicht, daß wir ein Ungleichgewicht insgesamt tolerieren können, sei es real oder eingebildet.
Heute existiert eine wesentliche Gleichwertigkeit.

Während die

Sowjets einige Vorteile haben, beispielsweise beim Wurfgewicht der ICBM
und der Megatonnage der Gefechtsköpfe, haben wir ausgleichende Vorteile,
was die Zahl der Gefechtsköpfe, die Treffsicherheit und die Kapazität
der Unterseebootbekämpfung angeht.
Was jedoch am wichtigsten ist, bleibt die Tatsache, daß zwar niemand
den Ausgang eines nuklearen Schlagabtausches voraussagen kann, daß aber
weder wir noch die Sowjets aus einem solchen Konflikt in vernünftigem Sinne
etwas gewinnen könnten.
Es ist einer kurzen Überlegung wert, ob diese Ziele ehrgeizig genug
sind:
-

Sollten wir uns mit Gleichwertigkeit und damit zufrieden geben,
durch Abschreckung sowjetische Handlungen zu

verhindern?
Sollten

- 8 -

�-

Sollten wir statt dessen unsere Ressourcen und unsere Technologie
ausschlachten, um eine strategische Überlegenheit zu gewinnen?

Zunächst einmal erwies sich eine massive numerische Überlegenheit bei
den strategischen Streitkräften, selbst als wir sie in den fünfziger und
sechziger Jahren besaßen, nicht als ein Wundermittel für unsere militärischen
Erfordernisse und noch weniger für unsere diplomatischen Probleme.

Wir und

unsere Verbündeten brauchten starke konventionelle Streitkräfte für unsere
Sicherheit,

Die potentielle Nutzlosigkeit jedes Strebens nach Überlegenheit stammt
nach meiner Meinung aus den Realitäten der Nuklearwaffentechnik und den
bilateralen Beziehungen der Supermächte.

Die Technologie moderner Nuklear-

waffen ist derart, daß Gleichwertigkeit ein realistisches Ziel ist, Überlegenheit hingegen nicht, wenn man davon ausgehen muß, daß die andere Seite
letztere unbedingt verhindern will.

Jede Supermacht kann durch Maßnahmen,

die durchaus im Rahmen ihrer technischen und wirtschaftlichen Fähigkeiten
liegen, die andere daran hindern, einen totalen Vorteil zu erringen, geschweige denn eine Übermacht.

Das System balanciert sich nicht selbst aus,, Weder Gleichwertigkeit
noch Abschreckung werden automatisch aufrechterhalten.

Wenn wir eine

Unterlegenheit vermeiden wollen, dann müssen wir den Willen und die
Entschlossenheit haben, die Dinge zu tun, die uns in die Lage versetzen
werden, das strategische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.

Denn wenn es

den Sowjets jemals gelänge, eine Überlegenheit zu erreichen, dann würden
sie nach meiner Überzeugung alle Anstrengungen unternehmen, das politisch
und sogar militärisch auszunutzen.

Ich bin überzeugt, daß wir auch weiter-

hin den Willen und die Entschlossenheit an den Tag legen werden, die Sowjets
daran zu hindern, eine Überlegenheit zu erlangen.

Aber ich glaube, es

wäre ebenso falsch, davon auszugehen, daß die Sowjets, würden sie zu einem
Wettlauf um die Überlegenheit herausgefordert, uns einen solchen Vorteil
passiv überlassen würden.
Kurz
- 9 -

�Kurz gesagt, Gleichwertigkeit und Abschreckung sind gleichzeitig
unsere maximal erreichbaren - und minimal tragbaren - Ziele.

Und derzeit

entsprechen unsere Streitkräfte diesen Zielen.
Aber auch wenn das derzeitige Kräfteverhältnis im Sinne unserer
Zielsetzungen der Gleichwertigkeit und der Abschreckung ausreichend ist,
so wird uns doch die Zukunft Herausforderungen bringen, die wir nicht
gefahrlos ignorieren können.

Wenn wir heute ein zufriedenstellendes

Verhältnis zur Sowjetunion haben, wie sieht es morgen aus, weniger
schwülstig ausgedrückt, wie wird sich das strategische Gleichgewicht
während der Planungshorizonte gestalten, von denen wir vernünftigerweise
ausgehen können?
Einige Trends verursachen echte Besorgnis. Die Sowjets holen in
einer Reihe von entscheidenden Gebieten auf, vor allem auf den Gebieten
der Treffsicherheit und der Zahl der ballistischen Raketen (mit Wiedereintritt). Darüber hinaus können die Verbesserungen, die die Sowjets
auf dem Gebiet der weiter reichenden Gefechtsfeldnuklearstreitkräfte vorgenommen haben, von großer Bedeutung werden, da das zentrale Kräfteverhältnis ausgeglichener wird. Ferner könnte die zunehmende Verwundbarkeit
unserer landgestützten Raketenstreitmacht Anfang der achtziger Jahre,
wenn sie nicht korrigiert wird, zu einer Vorstellung von einer strategischen
Unterlegenheit der USA beitragen, die stark negative politische Konsequenzen und potentiell destabilisierende militärische Konsequenzen haben könnte.
Wenn wir die Herausforderungen betrachten, die die Sowjets auf dem
strategischen Gebiet stellen, dann dürfen wir nicht vergessen, daß die
Vereinigten Staaten nicht untätig waren. In den letzten zehn Jahren
haben wir mehr als ein Tausend Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen disloziert
und damit die Zahl unserer Raketen-Gefechtsköpfe um fast das Vierfache
erhöht. Die Kurzstrecken-Angriffsrakete (SRAM) hat die Kapazität unserer
B-52-Bomberstreitmacht verstärkt. Darüber hinaus haben wir Programme,
um jedes der drei Elemente der amerikanischen Triade der strategischen
- 10 -

�strategischen Streitkräfte zu verbessern:
-

In diesem Jahr werden wir mit der Einführung der neuen Trident
C4-Rakete bei unserer Unterseebootflotte beginnen

Ferner werden

die ersten neuen Trident-Unterseeboote Ende 1981 ihren Dienst aufnehmen.

Sie werden leiser sein - und damit akustisch schwerer zu

orten - und werden in der Lage sein, länger auf ihren Positionen zu
bleiben.

Wir beginnen auch mit den Arbeiten an einer wesentlich

verbesserten Trident II-Rakete für Unterseeboote.
-

Unsere Programme für Marschflugkörper (Cruise Missiles) werden die
Wirksamkeit des Bomber-Elements der Triade beträchtlich steigern.
Flugzeuge vom Typ B-52, die in der Lage sind, die sowjetische
Luftverteidigung zu durchdringen, werden weiterhin zur Lebensfähigkeit
des bemannten Bomber-Elements der Triade bis Ende der achtziger Jahre
beitragen. Wir arbeiten an der Technologie für Bomber und Marschflugkörper auf längere Sicht,

-

Wir verbessern Treffsicherheit und Wirkung bei den MinutemanVerbänden. Wir bemühen uns um eine besser gegen Zerstörung geschützte mobile Basis für einen Teil der Interkontinental-Raketenstreitkräfte und werden dabei unter einer Reihe von Optionen die
Wahl treffen, um auf diese Weise das Problem der Verwundbarkeit
zu meistern.

Für die MX-Rakete wurden zu diesem Zwecke die Finanz-

mittel für die technische und konstruktionsmäßige Weiterentwicklung
für das im Oktober beginnende neue Finanzjahr bereitgestellt.
Zusammenfassend läßt sich über die derzeitige Situation sagen:

Trotz

des von den Sowjets in militärischer Hinsicht Erreichten besitzen weder die
Sowjetunion noch die Vereinigten Staaten einen klaren militärischen Vorteil, und wir wollen, daß es dabei auch bleibt.

Unsere Programme sind hierzu

ausreichend, wenn wir vom Kongress die Unterstützung erhalten, indem er die

- 11 -

�die für ihre Durchführung notwendigen Mittel zur Verfügung stellt.

Die Rolle der Rüstungskontrolle
Die strategische Rüstungskontrolle ist ein wichtiger Weg, auf dem wir
die militärischen Herausforderungen, vor denen wir stehen, begrenzen können.
Sie ist daher ein integraler Teil unserer Gesamtanstrengungen zur Verwirklichung unserer nationalen Sicherheitsziele.

Daher sollten die SALT II-

Abkommen vom Kongress und von der amerikanischen Öffentlichkeit zuallererst
hinsichtlich des Beitrags, den sie zu unserer Sicherheit und der unserer
Verbündeten leisten, beurteilt werden.

Und im Sinne dieses Kriteriums will

ich heute vor Ihnen die Schwerpunkte meiner Bewertung dieses Abkommens
setzen.
Wir sollten uns jedoch bewußt sein, daß neben dem spezifischeren
militärischen Sicherheitsproblem der Wert von SALT und den SALT-Verhandlungen
noch in einem umfassenderen politischen Zusammenhang einzuschätzen ist.
Bei diesem umfassenderen Zusammenhang geht es auch um unsere Rolle als
Führungsmacht im atlantischen Bündnis und um den politischen Schaden,
der unserem Status bei Verbündeten und Freunden zugefügt werden würde,
wenn der Eindruck entstünde, die Vereinigten Staaten würden die strategischen
Rüstungsbegrenzungen vernachlässigen oder gar ablehnen. Der Prozess der
SALT-Verhandlungen ist als solcher für die weitere Entwicklung der
amerikanisch-sowjetischen und der gesamten Ost-West-Beziehungen wichtig.
SALT bildet die Basis für den Fortschritt bei der Schaffung einer dauerhaften politischen Beziehung zur Sowjetunion, die die Spannungen verringert
und die wichtige sichtbare Grenzen für unseren ideologischen, politischen
und militärischen Wettstreit setzt.
Die Grundelemente des SALT II-Abkommens sind Ihnen vertraut:

- 12 -

�-

Ein Vertrag, der bis 1986 dauert und der gleiche Begrenzungen
bei den strategischen Nuklearträgern setzt;
verschiedene Untergrenzen bei den Systemen mit Mehrfachgefechtsköpfen und den schweren Bombern, die mit luftgestützten Marschflugkörpern (Cruise Missiles) ausgerüstet sind, festlegt;
jede Seite auf einen neuen Interkontinentalraketen-Typ mit einem
Maximum von 10 Gefechtsköpfen mit Wiedereintritt begrenzt;
eine Erhöhung der Zahl der Mehrfachgefechtsköpfe bei den vorhandenen Interkontinentalraketen ausschließt sowie Maßnahmen
vorsieht, um eine ungehinderte Verifizierung mit den nationalen
technischen Mitteln zu ermöglichen*

-

ein Protokoll, das eine Dauer von drei Jahren haben soll und
das:
die Dislozierung von boden- oder schiffsgestützten Marschflugkörpern
(Cruise Missiles) mit Reichweiten, die über 600 Kilometer liegen,
für diesen Zeitraum ausschließt, dabei aber die unbehinderte
Erprobung und Entwicklung solcher Marschflugkörper bis zu jeder
Reichweite gestattet;
die Dislozierung mobiler Interkontinentalraketen oder ballistischer
Luft-Boden-Raketen während dieses Zeitraums ausschließt;
der Vertrag wird die Dislozierung dieser Systeme nach Ablauf des
Protokolls gestatten,

-

Das Abkommen schließt ferner ein:
Eine für SALT III richtungsweisende Grundsatzerklärung und einen
Austausch von Erklärungen über den sowjetischen Backfire-Bomber.

Ich bin fest überzeugt, daß SALT II ein bedeutsamer und äußerst wichtiger

- 13 -

�r

wichtiger Schritt in einem, wie wir hoffen, kontinuierlich weiterlaufenden
Prozess ist.
Das SALT I-Abkommen vom Jahre 1972 hat wesentlich zur Stabilität
beigetragen und zwar durch das Verbot nationaler ABM-Abwehrsysteme und die
Koupierung des weiteren Ausbaus der strategischen Offensivwaffen durch
die Begrenzung der Zahl der Raketenabschußrampen auf die bereits vorhandenen
oder im Jahre 1970 im Bau befindlichen.

Die Übereinkunft von Wladiwostok

vom Jahre 1974 legte gleichwertige Höchstgrenzen aller strategischen
nuklearen Trä'gersysteme auf die Zahl von 2400 fest und setzte eine Untergrenze für die Systeme mit Mehrfachgefechtsköpfen mit 1320 fest.
Im Jahre 1977, zu Beginn dieser Administration, versuchten wir, zu
einem umfassenden Rüstungskontrollabkommen zu gelangen, das erheblich
einschränkender als das Abkommen von Wladiwostok - oder der SALT II-Vertrag gewesen wäre, aber eine Reihe von technischen und politischen Faktoren
verhinderten den Erfolg.

Wir schlugen daher den Doppelweg ein, zu versuchen,

die größtmögliche Reduzierung bei den Interims-Höchstgrenzen auszuhandeln
und dabei zugleich ernsthaft bemüht zu sein, die qualitativen Verbesserungen
bei den neuen Systemen zu begrenzen.

In beiden Richtungen haben wir reale

Erfolge erzielt.
Es ist uns gelungen, Senkungen der Begrenzungen von Wladiwostok
auszuhandeln - auf 2 250 strategische Nuklearträger und 1 200 Raketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen - wie auch eine neue Untergrenze von 820
landgestützten Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen, die
das destabilisierendste Element der strategischen Streitkräfte darstellen.
Darüber hinaus haben wir auf dem qualitativen Gebiet Neuland betreten, indem wir Begrenzungen für die Zahl der Träger mit Wiedereintritt
bei Interkontinentalraketen und unterseebootgestützten ballistischen
Raketen (SLBM) erreicht haben und jeder Seite nur einen neuen Typ v_oii

- 14 -

�von Interkontinentalraketen erlauben.
Zusammen genommen haben diese beiden Wege den Prozess der Rüstungskontrolle ein gutes Stück weiter geführt.

Die Aussicht auf eine Fort-

setzung dieses Prozesses ist ein unantastbares Faktum in der Debatte.
Aber das SALT II-Abkommen ist mehr, als daß es nur als eine Station auf
dem Weg zu SALT III und darüber hinaus verteidigt zu werden braucht.

Es

kann um seiner selbst willen voll und überzeugend gerechtfertigt werden.
Der einfachste Weg ist die Feststellung, daß ohne das SALT II-Abkommen
die Sowjetunion fast ein Drittel mehr an strategischen Systemen besitzen
könnte als mit dem Abkommen. Und das hätte entsprechende Auswirkungen
auf andere Maßnahmen. So könnte die Sowjetunion beispielsweise statt der
2 250 strategischen Nuklearträ'gerwaffen, die im Vertrag vorgesehen sind,
über 3 000 besitzen. Natürlich wissen wir nicht, was die Sowjets ohne
einen Vertrag tun würden, aber dieser höhere Stand der strategischen
Systeme liegt durchaus im Rahmen ihrer Kapazität. Und die Geschichte
des Nuklearzeitalters ist voll von den Trümmern vertrauensvoller amerikanischer
Voraussagen, daß die Sowjets an diesem oder jenem Punkt aufhören würden,
den Stand ihrer Rüstung über das zu jenem Zeitpunkt Bestehende hinaus zu
erhöhen, das - nach Angaben der amerikanischen Voraussager - bereits so
groß sei, wie es sich der Kreml nur wünschen könnte. Nach meiner Auffassung
ist es wahrscheinlich, daß wir ohne SALT II in eine Zeit größerer Unsicherheit
sowohl militärisch als auch politisch - eintreten würden, die zu verstärkten
strategischen Streitkräften auf beiden Seiten führen würde, um dieser
Unsicherheit vorzubauen.
Angesichts einer solchen sowjetischen Aufrüstung könnten - und wie
ich überzeugt bin - würden die Vereinigten Staaten entsprechend reagieren.
Wenn man von unserer Entschlossenheit ausgeht, die wesentliche Gleichwertigkeit zu

erhalten, und von der sowjetischen Entschlossenheit, selbst mit

großen Kosten eine strategische Unterlegenheit zu verhindern, dann wäre
das Nettoresultat eines solchen numerischen Wettrüstens ein höherer Stand
- 15 -

�Stand der strategischen Streitkräfte mit gewaltig größeren Kosten und
einem hohen Risiko für die Stabilität.
Die Vereinigten Staaten haben keine unbegrenzten Mittel für strategische
Waffenprogramme, ohne daß dadurch andere Verteidigungsprioritäten in Mitleidenschaft gezogen würden - wie etwa die Verbesserungen der konventionellen
Streitkräfte - und auch andere Regierungsprogramme, wie etwa die Bekämpfung
der Inflation.

Aber wir müssen ausreichende Mittel ausgeben, und was aus-

reichend ist, hängt zum Teil von den Maßnahmen unserer Gegner ab.
SALT wird nicht alle unsere Probleme lösen.

Selbst mit SALT werden

wir unsere Anstrengungen auf strategisch nuklearem Gebiet über den gegenwärtigen Stand hinaus ausdehnen müssen, und es wird uns erlaubt sein.
Dieser Stand liegt übrigens, in konstanten Dollar gemessen, etwa um die
Hälfte niedriger als Mitte der sechziger Jahre.

Aber SALT wird größere

Stabilität und größere Vorhersehbarkeit der strategischen Herausforderungen
bedeuten, und so kann das Kräfteverhältnis auf einem wesentlich niedrigeren
Stand der Zerstörungskraft aufrechterhalten werden.

Darüber hinaus wird

es für die Vereinigten Staaten wesentlich billiger (vielleicht bis zu 30
Milliarden Dollar billiger in den nächsten zehn Jahren) sein, diese Kräfteverhältnisse aufrechtzuerhalten.
SALT II wird zwar dem sinnlosen numerischen Wettrüsten vorbeugen,
aber es wird uns auf der anderen Seite die Flexibilität belassen, Programme
durchzuführen, die den Herausforderungen begegnen, die der Vertrag nicht
beseitigt. Wir können jedes unserer geplanten Programme entwickeln, erproben und dislozieren - Marschflugkörper, Trident, MX - und zwar auf
die Weise und nach dem Zeitplan, wie wir es vorgesehen haben. Abgesehen
davon, daß wir unsere luftgestützten Marschflugkörper (ALCM) und Marschflugkörper-Träger mit einigen Unterscheidungsmerkmalen versehen müssen
(um die Zählung im Rahmen von SALT zu erleichtern), werden wir durch
SALT II nicht gezwungen, unsere strategischen Programme zu ändern, die wir

- 16 -

�wir brauchen, um einen Ausgleich für die sowjetischen Programme zu schaffen,
die im Rahmen von SALT II gestattet und bereits weitgehend disloziert sind.
Zumindest in einem wichtigen Punkt - der Verwundbarkeit unserer
Minuteman-Raketen - wird SALT II die Lösung des Problems leichter machen
als ohne Abkommen. SALT II wird die Zahl der sowjetischen Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen wesentlich unterhalb des vorher projektierten
Standes begrenzen, wird die Zahl der Gefechtsköpfe auf vorhandenen ballistischen
Trägerraketen einfrieren und wird die Zahl der für neue Interkontinentalraketen zugelassenen Gefechtsköpfe mit Wiedereintritt begrenzen. Diese
Einschränkungen stellen eine starke Verringerung des sowjetischen Vorteils
auf dem Gebiet des Wurfgewichts dar, denn ohne Begrenzung könnten die
Sowjets beispielsweise ihre größten Interkontinentalraketen mit 20 oder
vielleicht sogar 40 Gefechtsköpfen bestücken.
Die Kombination der Begrenzungen für Trägerraketen und der Zahl
der Gefechtsköpfe wird die Schwierigkeit der Aufrechterhaltung der Überlebensfähigkeit unserer landgestützten Interkontinentalraketen etwas
verringern. Die Dislozierung eines neuen mobilen Interkontinentalraketensystems - welcher Stützart auch immer - wird leichter zu erreichen sein,
weil eine Obergrenze für die Zahl der Gefechtsköpfe festgelegt wird, deren
Zielplanung auf die Zielpunkte gerichtet werden kann, die eine solche
Dislozierung bieten würde. SALT II wird damit zu einem wichtigen Element
der Gewährleistung der Überlebensfähigkeit der Interkontinentalraketen.
Ebenso wichtig ist, daß SALT II uns freie Hand lassen wird, mit
unseren Verbündeten zusammen die wichtige Frage der Modernisierung der
nuklearen Gefechtsfeldstreitkräfte weiter zu verfolgen und Rüstungskontrollinitiativen auf diesem Gebiet zu erwägen.
SALT wird den amerikanischen Interessen dienlich sein. Es fördert
die Stabilität der Abschreckung und beläßt uns die Flexibilität, die

- 17 -

�die notwendige Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte in
Angriff zu nehmen, ohne dadurch ein weiteres teures und potentiell destabilisierendes Wettrüsten auszulösen.

Ich hege keinen Zweifel an

unserer wirtschaftlichen oder technischen Fähigkeit, auf dem Gebiet
der strategischen Waffen mit den Sowjets erfolgreich zu konkurrieren.
Ich frage mich jedoch, ob eine solche Anstrengung die beste Verwendung
unseres nationalen Budgets - ja sogar des Verteidigungsbudgets - wäre.
Und ich glaube nicht, daß wir uns durch eine derartige Anstrengung mehr
Sicherheit kaufen würden.
Mit dem Vertrag können wir eine flexible und glaubwürdige Abschreckungsmacht aufrechterhalten und im wesentlichen eine Gleichwertigkeit sicherstellen.
Ohne den Vertrag würde uns dies auch möglich sein, aber es wäre
kostspieliger und weniger sicher.

Ich sehe den Vertrag als eine wertvolle

Methode zur Verwirklichung unserer strategischen Ziele - als eine der
Hauptkomponenten in unserer Strategie zusammen mit unseren Waffenprogrammen.
Nach meinem Dafürhalten stellt er eine sehr wichtige Komponente dar, auch
wenn wir uns darüber im klaren sein müssen, daß substantielle amerikanische
Verteidigungsprogramme - und zwar erweiterte Programme auf strategischem
Gebiet - hinzutreten müssen.

Verifizierung
Unter den Besorgnissen, die im Zusammenhang mit dem Abkommen geäußert
werden, ist die eine von besonderer Art, die Frage nämlich:

"Wird der

Vertrag verifizierbar sein?" Es ist klar, daß man die Abgrenzungen eines
Vertrages mit der Sowjetunion nicht als in sich selbst gewährleistet ansehen kann.

Die Vereinigten Staaten müssen in der Lage sein, mit dem

�dem notwendigen Vertrauen durch ihre eigenen Nachrichtensysteme zu verifizieren, daß die Sowjets auch in der Tat den Bestimmungen des Vertrages
nachkommen.
Das SALT-II-Abkommen wird durch unsere nationalen technischen Mittel,
wozu die Foto-Aufklä'rungssatelliten und andere technischen Vorkehrungen
gehören, verifizierbar sein. Diese Mittel ermöglichen es uns, viele Aspekte
der Entwicklung, Erprobung, Produktion, Dislozierung, Ausbildung und
operativen Verwendung der sowjetischen Streitkräfte zu überwachen. Trotz
der Abgeschlossenheit der sowjetischen Gesellschaftsform, sind wir zuversichtlich, daß kein erheblicher Verstoß gegen den Vertrag erfolgen
könnte, ohne daß die Vereinigten Staaten dies entdeckten. Dank unserer
energisch vorangetriebenen Dislozierung und unserer Forschungs- und
Entwicklungsanstrengungen wären wir imstande, mit angemessenen Maßnahmen
darauf zu reagieren, ehe das strategische Gleichgewicht in ernsthafter
Weise nachteilig beeinflußt werden könnte.
Es ist in jüngster Zeit viel über den Verlust der Beobachtungs- und
Nachrichtenpositionen im Iran geschrieben worden und wie wichtig diese
Positionen für die SALT-Verifizierung gewesen wären. Die Art von Daten,
wie wir sie von diesen Positionen erhielten, sind wichtig für unsere Beurteilung der sowjetischen strategischen militärischen Programme, einschließlich einiger der Aspekte, die durch SALT II begrenzt werden. Wir
prüfen alternative Mittel zur Sammlung solcher Daten, und die Frage ist
nicht, ob wir uns diese Kapazität wieder beschaffen werden, sondern wie,
wo und wie schnell wir dies zu tun vermögen. Diese und andere Fragen der
Verifizierung werden während des Ratifizierungsprozesses ausführlich
erörtert werden.
Wir befinden uns nun voll in einer nationalen Debatte und zwar nicht
nur über den Vertrag, sondern über unsere strategische Politik - und über
den Zustand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen insgesamt. Ich möchte

- 19 -

�Ich möchte hoffen, daß im Verlauf dieser Debatte all jene, die sich für
besonnene Vertreter der militärischen Sicherheit halten, und jene, die
sich als besonnene Befürworter einer Rüstungsbegrenzung ansehen, sowie
auch jene, zu denen ich mich selbst zähle, die nämlich beides zu ihrem
Anliegen machen, sich auf die spezifische Frage konzentrieren können,
ob unserer Sicherheit und mit ihr den Aussichten für den Frieden mit
dem Vertrag besser gedient wird als ohne ihn.
Der Präsident der Vereinigten Staaten - und auch ich - sind der
Meinung, daß die Antwort klar ist - ein gediegenes SALT-Abkommen liegt
im Interesse sowohl der Vereinigten Staaten als auch der Sowjetunion,
trotz des Konkurrenzkampfes zwischen unseren beiden Systemen, der anderwärts besteht - und der in der Tat auch in bezug auf die strategischen
nuklearen Streitkräfte weitergeführt werden wird.

SALT II wird eine

festere Basis für andere Maßnahmen zur Kontrolle des Anwachsens und der
Proliferation
Welt bieten.

nuklearer und konventioneller Kapazitäten auf der ganzen
Wenn die Sowjetunion aber mehr Nachdruck auf die Kooperation

statt auf den Konkurrenzkampf legen will, dann wird SALT II sogar einen
gesünderen Zustand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen ermöglichen.
All diese Erwägungen haben mich zu dem Schluß geführt, daß unter
der Voraussetzung, die noch verbleibenden Fragen lassen sich zu unserer
Zufriedenheit lösen, die Unterzeichnung und Ratifizierung von SALT II
eindeutig im nationalen Interesse der Vereinigten Staaten liegt. Für
mein eigenes Denken bin ich mit diesem Schluß zufrieden; ich erkenne
aber an, daß besonnene Menschen von gutem Willen und hoher Zielsetzung
zu einem anderen Urteil gelangen mögen. Ich hoffe, daß die kommende
Debatte unser Verständnis und unseren Entschluß stärken wird, den Vertrag
zu unterzeichnen und zu billigen und damit zu einer Stärkung unserer
nationalen Sicherheit beizutragen. Ja, ich bin zuversichtlich, daß dies
das Ergebnis - und daß es ein für uns alle gutes Ergebnis - sein wird.
Ich danke Ihnen.
+ + + + +

- 20 -

�a
»

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13

11. April 1979

BILATERALE AMERIKANISCH-ISRAELISCHE GRUNDSATZVEREINBARUNG
ÜBER SICHERHEITSGARANTIEN

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und Israel haben am
26. März 1979 eine Grundsatzvereinbarung (Memorandum of Agreement) getroffen, nach der die USA Israel bestimmte Sicherheitsgarantien leisten.
Die von den Außenministern der beiden Länder unterzeichnete Vereinbarung
hat folgenden Wortlaut:
Grundsatzvereinbarung zwischen den Regierungen der Vereinigten
Staaten von Amerika und des Staates Israel
In der Erkenntnis der Bedeutung des Abschlusses des Friedensvertrages zwischen Israel und Ägypten und in Abwägung der Wichtigkeit der
vollen Durchführung des Friedensvertrages für die Sicherheitsinteressen
Israels und des Beitrages des Abschlusses des Friedensvertrages für die
Sicherheit und die Entwicklung Israels wie auch seiner Bedeutung für den
Frieden und die Stabilität in der Region und die Aufrechterhaltung des
internationalen Friedens und der internationalen Sicherheit; und

in

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D5300 Bonn 2

�in der Erkenntnis, daß der Abzug vom Sinai Israel zusätzliche schwere
Sicherheits-, militärische und wirtschaftliche Belastungen auferlegt;
bekräftigen die Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika
und des Staates Israel, vorbehaltlich ihrer verfassungsmäßigen Verfahren
und ihres geltenden Rechts, folgendes:
1.

Im Hinblick auf die Rolle der Vereinigten Staaten bei Zustande-

kommen des Friedensvertrages und den Wunsch der Vertragsparteien, daß die
Vereinigten Staaten ihre Unterstützungsbemühungen fortsetzen, werden die
Vereinigten Staaten geeignete Maßnahmen ergreifen, um die volle Einhaltung
des Friedensvertrages zu fördern.
2. Sollte es zur Vergewisserung der Vereinigten Staaten klar erwiesen werden, daß es eine Verletzung oder die Drohung einer Verletzung
des Friedensvertrages gegeben hat, so werden die Vereinigten Staaten sich
mit den Vertragsparteien in bezug auf die Maßnahmen beraten, um die
Verletzung zu stoppen oder zu verhindern, die Einhaltung des Friedensvertrages sicherzustellen, freundschaftliche und friedliche Beziehungen
zwischen den Vertragsparteien zu bestärken und den Frieden in der Region
zu fördern, und werden solche Abhilfe schaffenden Maßnahmen treffen, wie
es geeignet erscheint, wozu diplomatische, wirtschaftliche und militärische
Maßnahmen gehören können, wie unten beschrieben wird.
3. Die Vereinigten Staaten werden ihnen geeignet erscheinende Unterstützung für von Israel als Antwort auf solche erwiesenen Verletzungen
des Friedensvertrages ergriffenen Maßnahmen gewähren; insbesondere
wenn eine Verletzung des Friedensvertrages als Bedrohung der Sicherheit
Israels erachtet wird, wozu unter anderem auch eine Blockade der
israelischen Benutzung der internationalen Wasserwege, eine Verletzung
der Bestimmungen des Friedensvertrages bezüglich der Begrenzung der Streitkräfte oder ein bewaffneter Angriff gegen Israel gehören, werden die

- 2 -

�die Vereinigten Staaten bereit sein, auf dringender Basis solche Maßnahmen,
wie die Verstärkung der Präsenz der Vereinigten Staaten in dem Gebiet,
die Gewährung von Lieferungen im Notfall an Israel und die Ausübung der
maritimen Rechte in Erwägung zu ziehen, um die Verletzung zu stoppen.
4. Die Vereinigten Staaten werden die Rechte der Vertragsparteien
auf Schiffahrt und überfliegen als Zugang zu dem einen oder dem anderen
Land durch und über die Straße von Tiran und den Golf von Agaba gemäß dem
Friedensvertrag unterstützen.
5.

Die Vereinigten Staaten werden sich jeder Aktion oder Resolution

in den Vereinten Nationen, die sich nach ihrem Urteil nachteilig auf den
Friedensvertrag auswirkt, entgegenstellen und, wenn notwendig, dagegen
stimmen.
6.

Vorbehaltlich der Ermächtigung und Billigung durch den Kongreß

werden die Vereinigten Staaten bestrebt sein, militärische und wirtschaftliche Hilfeanforderung Israels zu berücksichtigen und verständnisvoll
zu behandeln.
7. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin Restriktion auf von
ihnen an ein anderes Land gelieferte Waffen zur Anwendung bringen, durch
die ihre unerlaubte Weitergabe an eine dritte Partei verboten wird. Die
Vereinigten Staaten werden solche Waffen nicht liefern und die Weitergabe
solcher Waffen für einen bewaffneten Angriff gegen Israel nicht erlauben
und werden Schritte unternehmen, um eine solche unautorisierte Weitergabe zu verhindern.
8.

Bestehende Abkommen und Zusicherungen zwischen den Vereinigten

Staaten und Israel werden durch den Abschluß des Friedensvertrages nicht
beendet noch abgeändert, mit Ausnahme derjenigen, die in den Artikeln
5, 6, 7, 8, 11, 12, 15 und 16 der Grundsatzvereinbarungen (Memorandum of

- 3 -

�of Agreement) zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten und der
Regierung von Israel vom 1. September 1975 (Amerikanisch-israelische
Zusicherungen) enthalten sind.
9. Dieses Memorandum bezeugt das volle Einverständnis der Vereinigten Staaten und Israels in bezug auf die zwischen ihnen hiermit
behandelten Themen und soll in Einklang mit seinen Bestimmungen ausgeführt werden.
Unterzeichnet für die Regierung der Vereinigten Staaten:
(gez.) Cyrus R. Vance
für die Regierung von Israel:
(gez.) Moshe Dayan
26. März 1979

+ + + + +

- 4 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14

18. April 1979

AMERIKANISCH-ISRAELISCHE GRUNDSATZVEREINBARUNG ÜBER DIE ÖLVERSORGUNG

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und Israel haben am
26. März 1979 eine Grundsatzerklärung (Memorandum of Agreement) - mit
Anhang - über die Sicherstellung der Ölversorgung von Israel getroffen.
Die von den Außenministern der beiden Länder unterzeichnete Vereinbarung
hat folgenden Wortlaut:
Grundsatzerklärung zwischen den Regierungen der Vereinigten Staaten
und Israel
Die Vereinbarung zwischen den Regierungen der Vereinigten Staaten
und Israel vom 1. September 1975 über die Ölversorgung, im Anhang aufgeführt, bleibt in Kraft. Es soll eine Grundsatzvereinbarung ausgehandelt und abgeschlossen werden, um eine Abmachung für die Ölversorgung
auf insgesamt 15 Jahre, einschließlich der in der Vereinbarung vom
1. September 1975 vorgesehenen fünf Jahre, zu gewährleisten.
Die Grundsatzvereinbarung, einschließlich des Beginns dieser Ver-

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�Vereinbarung und der Preisbestimmungen, werden von den Vertragsparteien
innerhalb von 60 Tagen nach Inkrafttreten des Friedensvertrages zwischen
Ägypten und Israel gegenseitig vereinbart werden.
Es ist die Absicht der Vertragsparteien, daß die von Israel
für von den Vereinigten Staaten in diesem Rahmen geliefertes öl bezahlten
Preise mit laufenden Weltmarktpreisen zum Zeitpunkt der Lieferung vergleichbar sein sollen und daß die Vereinigten Staaten in jedem Falle von
Israel für die Kosten entschädigt werden, die den Vereinigten Staaten
durch öl lieferungen an Israel in diesem Rahmen entstehen.
In der Abmachung vom 1. September 1975 vorgesehene Experten werden
auf Antrag zusammenkommen, um Fragen zu erörtern, die sich aus diesem
Verhältnis ergeben.
Die Regierung der Vereinigten Staaten verpflichtet sich, umgehend
zusätzliche gesetzliche Vollmachten zu erhalten, die für die volle Durchführung dieser Vereinbarung notwendig sein könnten.
Für die Regierung von Israel:
(gez.) Moshe Dayan
Für die Regierung der Vereinigten Staaten:
(gez.) Cyrus R. Vance

ANHANG ZUR GRUNDSATZVEREINBARUNG
Israel wird seine eigenen unabhängigen Vorkehrungen für die Ölversorgung treffen, um seinen Bedarf durch normale Verfahren zu decken.
Falls Israel nicht in der Lage sein sollte, seinen Bedarf auf diese

- 2 -

�diese Weise zu decken, wird die Regierung der Vereinigten Staaten, nachdem sie von der Regierung von Israel von dieser Tatsache in Kenntnis gesetzt worden ist, fünf Jahre lang wie folgt handeln, wobei nach Ablauf
dieses Zeitraums jede Seite diese Vereinbarung mit einjähriger Frist aufkündigen kann.
a) Wenn das öl, das Israel für seinen gesamten normalen Bedarf für
den einheimischen Verbrauch benötigt, nicht zum Kauf zur Verfügung steht
unter Bedingungen, unter denen keine quantitativen Einschränkungen für
die Fähigkeit der Vereinigten Staaten bestehen, ül zur Deckung ihres
normalen Bedarfs einzukaufen, wird die Regierung der Vereinigten Staaten
umgehend öl für den Ankauf durch Israel zur Verfügung stellen, damit der
oben angeführte normale Bedarf Israels gedeckt werden kann. Wenn Israel
nicht in der Lage sein sollte, die notwendigen Mittel zum Transport
dieses Öls nach Israel zur Verfügung zu stellen, wird die Regierung der
Vereinigten Staaten alle Anstrengungen unternehmen, um Israel bei der
Bereitstellung der notwendigen Transportmittel zu helfen.
b) Wenn das öl, das Israel für seinen gesamten normalen Bedarf für
den einheimischen Verbrauch benötigt, nicht zum Kauf zur Verfügung steht
unter Bedingungen, unter denen ein Embargo oder sonstwie quantitative
Einschränkungen auch die Vereinigten Staaten daran hindern, ihren normalen
Bedarf zu decken, wird die Regierung der Vereinigten Staaten unverzüglich
öl zum Ankauf durch Israel zur Verfügung stellen in Übereinstimmung mit
der Einsparungs- und Zuteilungsformel der Internationalen Energieagentur,
wie sie für die Vereinigten Staaten gilt, um den wesentlichen Bedarf
Israels zu decken. Wenn Israel nicht in der Lage sein sollte, die notwendigen Mittel für den Transport zur Verfügung zu stellen, wird die
Regierung der Vereinigten Staaten alle Anstrengungen unternehmen, um Israel
bei der Bereitstellung der notwendigen Transportmittel zu helfen.
Israelische und amerikanische Experten werden jährlich, oder auf

- 3 -

�auf Ersuchen der einen oder der anderen Vertragspartei häufiger, zusammenkommen, um den laufenden öl bedarf Israels zu prüfen.

+ + + + +

- 4-

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14

18. April 1979

ERKLÄRUNG DES US-AUSSENMINISTERIUMS ZU DEN
AMERIKANISCH-ISRAELISCHEN GRUNDSATZVEREINBARUNGEN

WASHINGTON

- (AD) - Das amerikanische Außenministern'um hat zu

Berichten über ägyptische Bedenken gegen die zwischen den USA und Israel
getroffene bilaterale Grundsatzvereinbarung bezüglich der Sicherheit
Israels folgende Stellungnahme abgegeben:
"Ägypten hat uns gegenüber sein Unbehagen über die israelische Grundsatzvereinbarung zum Ausdruck gebracht. Wir sind der Meinung, daß dies
auf einer Mißdeutung dieses Dokuments beruht. Wir haben Ägypten weit im
voraus davon in Kenntnis gesetzt, daß Israel eine Zusicherung gegeben
werden würde. Ägypten hat ja auch mehrfach zu verstehen gegeben, daß es
keinen Einwand gegen Sicherheitsbürgschaften oder -garantien in Verbindung
mit dem Frieden haben würde.
Die israelische Grundsatzvereinbarung geht nicht davon aus, daß eine
Vertragsverletzung durch Ägypten wahrscheinlich sei.

Im Gegenteil, wir

haben volles Vertrauen, daß Ägypten und Israel entschlossen sind, ihre

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�ihre Vertragsverpflichtungen zu erfüllen.
Ein ähnliches Dokument wurde Ägypten angeboten.
lehnt.

Dies wurde abge-

Das Angebot bleibt weiterhin offen.

Der einzige Zweck der israelischen Grundsatzvereinbarung zusammen
mit der, die Ägypten angeboten wurde, besteht darin, die Aufrechterhaltung
des Friedens in dem Gebiet zu erleichtern."

+ + + +

- 2 -

�3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
18. April 1979

14

ERLÄUTERUNGEN DES WEISSEN HAUSES ZUM ENERGIEPROGRAMM DER US-REGIERUNG

- (AD) - Im Zusammenhang mit der Rede Präsident Jimmy Carters vom
5. April 1979 über neue Maßnahmen auf dem Energiesektor gab das Weiße Haus
eine Dokumentation mit Erläuterungen heraus, die wir im folgenden auszugsweise veröffentlichen:

I. Einsparung
Sowohl kurz- als auch langfristig gesehen bleiben Einsparungen ein Eckpfeiler der amerikanischen Energiepolitik. In den meisten Fällen ist es noch
immer billiger, ein Faß öl zu sparen, als eines von ausländischen oder einheimischen Quellen zu kaufen. Die vom Präsidenten bekanntgegebenen Initiativen basieren auf den bemerkenswerten neuen Befugnissen zur Durchführung von
Sparmaßnahmen, die das im November 1978 unterzeichnete Nationale Energiegesetz enthält.
Sowohl in bezug auf weniger Vergeudung von Energie als auch auf die Erzielung eines höheren Nutzeffekts der von uns verbrauchten Energie haben die
Vereinigten Staaten bereits beträchtliche Fortschritte erzielt. Aber es ist
auch klar, daß die USA sehr viel mehr tun können.

Das müssen wir auch, wenn

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�wenn wir unser kurzfristig angesetztes Ziel, unsere ölimporte um fünf Prozent
des für Ende 1979 geschätzten Verbrauchs zu verringern, und unser langfristiges
Ziel einer sicheren Energieversorgung erreichen wollen.

Kurzfristige Energi esparmaßnahmen

Um sicherzustellen, daß wir diese Ziele erreichen, kündigte der Präsident
folgende Maßnahmen an:

1) Vorschriften über Temperaturhöchstwerte in Gebäuden
Der Präsident ersuchte

den Kongreß, rasch einen die Sparmaßnahmen unter-

stüzenden Plan zu genehmigen, der vorschreibt, daß in nicht als Wohnung genutzten
Gebäuden die durch Thermostat geregelten Temperaturen im Winter 18 Grad' Celsius
nicht überschreiten und im Sommer 27 Grad Celsius nicht unterschreiten...
Hierdurch könnten bis zum Jahr 1985 Importe im Umfang von schätzungsweise
390 000 Faß öl pro Tag eingespart werden.

2) Freiwillige Maßnahmen der Bundesstaaten zur Verringerung des Benzinverbrauchs
Der Präsident wird für jeden einzelnen Bundesstaat Einsparungsziele für den
Benzinverbrauch festsetzen.

Jeder Staat wird ersucht, auf freiwilliger Basis

einen Plan eigener Wahl in die Tat umzusetzen...
3) Zwangsweise vorzunehmende Teil- oder Voll Schließung von Tankstellen an
Wochenenden
Wenn die freiwilligen einzelstaatlichen Sparprogramme sich als nicht ausreichend erweisen und es zu Benzinverknappungen kommt, müßten Zwangsmaßnahmen
eingeführt werden.

Der Präsident unterbreitete am 1. März 1979 dem Kongreß einen

Plan, der ihn im Notfall ermächtigt, die zeitweilige oder vollständige Schließung von Tankstellen an Wochenenden zu verfügen...

Dadurch ließen sich schätzungs-

weise 120 000 bis 270 000 Faß öl pro Tag einsparen...

4) Austausch
- 2 -

�4) Austausch von elektrischem Strom
Der Präsident rief alle Elektrizitätsgesellschaften auf, mit dem USEnergieministerium zusammenzuarbeiten, um die Produktionskapazität der nicht
mit öl beheizten Kraftwerke maximal zu nutzen.

Wenn durch freiwillige Zusam-

menarbeit nicht die notwendigen Einsparungen zu erzielen sind, um ölverknappungen zu vermeiden, ist der Präsident bereit, das Energieministerium anzuweisen,
..., Stromaustausch unter den Kraftwerken zu verfügen...

Dadurch würden Ein-

sparungen von schätzungsweise 100 000 bis 200 000 Faß öl pro Tag möglich...

5) Umstellung von öl auf Erdgas
Der Präsident forderte die amerikanischen Versorgungsunternehmen und ÖlGroßverbraucher der Industrie auf, wo immer möglich ihre Anlagen auf Erdgas umzustellen.

Das US-Energieministerium wird die Realisierung dieser Forderung

durch eine Reihe organisatorischer Maßnahmen auf bundesstaatlicher, regionaler
und nationaler Ebene erleichtern.

Sie könnte zur Einsparung von 250 000 bis

400 000 Faß öl pro Tag führen...

6) Heizöl mit niedrigem Schwefelgehalt
Wo Verknappungen an Heizöl mit niedrigem Schwefelgehalt auftreten und der
betreffende Bundesstaat um die vorübergehende Aufhebung der einschlägigen Vorschriften zur Luftreinhaltung ersucht, wird das US-Bundesamt für Umweltschutz
(EPA) aufgrund ungewöhlich großer Preisdifferenzen zwischen vorschriftsmäßigen
und nicht-vorschriftsmäßigen Brennstoffen empfehlen, einem entsprechenden Antrag des Staates auf Aussetzung der Vorschriften stattzugeben...
7) Späterer Termin für weitere Reduzierung des Bleigehalts von Benzin
Der gegenwärtige Zeitplan der EPA sieht vor, daß ab 1. Oktober 1979 Normalbenzin nur noch 0,13 Gramm Blei enthalten darf.

Die volle Einhaltung dieses

Termins würde eine Verringerung des Benzinangebots um 350 000 bis 450 000 Faß/
Tag bedeuten...

Um die mit der Verringerung des Bleigehalts verbundenen Verluste an Benzin
und Rohöl so klein wie möglich zu halten, gleichzeitig aber dem Schutz der Ge- 3 -

�Gesundheit der Öffentlichkeit Genüge zu tun, hat der Präsident die EPA angewiesen, die Reduzierung des Bleigehalts auf 0,13 Gramm um ein Jahr zu verschieben und bis dahin eine Höchstgrenze von 0,21 Gramm vorzuschreiben...
•

8) Fünfprozentige Verringerung des Energieverbrauchs durch Regierungsbehörden
Der Präsident hat die Chefs von Bundesbehörden angewiesen, den Energieverbrauch um fünf Prozent zu senken... Dadurch könnten jährlich sieben Millionen
Faß öl

ngespart werden

Aktivitäten des Verteidigungsministeriums, die für

die Aufrechterhaltung der Betriebs- und Einsatzbereitschaft erforderlich sind,
sind duvon ausgenommen.
Im Etat für 1980 sind außerdem 234 Millionen Dollar für Umrüstungsmaßnahmen
von Bundesbauten zur Energieeinsparung enthalten.

Es wird weiterhin Wert darauf

gelegt, Kraftwagen mit geringem Kraftstoffverbrauch für Behörden anzuschaffen
und Neubauten energiesparend zu konzipieren.
•

'

"

•

'

• '

:

;

Der Präsident hat die Gouverneure der Bundesstaaten zu ähnlichen Aktionen
aufgerufen, um auch im einzelstaatlichen Bereich den Energieverbrauch zu verringern.
9) Freiwillige Maßnahmen
... Der Präsident fordert jeden Fahrer eines Kraftfahrzeuges in den Vereinigten Staaten auf, wöchentlich zehn bis 20 Meilen weniger zu fahren. Wenn
alle Autofahrer die gefahrene Strecke nur um 10 Meilen pro Woche verringern würden, könnte dies allein pro Tag 300 000 Faß öl einsparen...
•

Kurzfristig mögliche Gesamteinsparung
Wenn jede dieser Maßnahmen voll durchgeführt wird, können die Vereinigten
Staaten das vom Präsidenten gesetzte Ziel erreichen, den Ölverbrauch bis um fünf
Prozent zu drosseln.

Diese fünf Prozent würden die Auswirkungen des Rückgangs

der Lieferungen des Iran voll ausgleichen und es uns erlauben, Vorräte von Roh-

�Rohöl, Benzin, Heizöl und Mineralöldestillaten anzulegen, um Verknappungen in
der Zukunft zu verhindern.

Vereinbarung im Rahmen der Internationalen Energieagentur

... Auf einer Konferenz des Direktoriums der Internationalen Energieagentur (IEA) am 1. und 2. März 1979 haben die Vereinigten Staaten und die anderen 17 IEA-Mitgliedstaaten vereinbart, den Ölverbrauch um fünf Prozent zu
drosseln...
Der Übereinkunft gemäß sollen durch Sparmaßnahmen und andere, vom Präsidenten bekanntzugebende Schritte Einsparungen auf folgenden Gebieten erzielt
werden:
Temperaturregelung in Gebäuden

195 000 - 390 000 Faß/Tag

Stromaustausch

100 000 - 200 000

Umstellung von öl auf Gas

200 000 - 400 000 "

Fristverlängerung zur Reduzierung
des Bleigehalts im Benzin

20 000

zusätzliche öl Produktion aus
einheimischen Quellen

80 000 - 250 000

Einsparungen durch Bundesbehörden

19 000 - (19 000)

freiwillige Sparmaßnahmen

(Anmerkung:

"

30 000

200 000 - 500 000

Sobald sich die durch die Aufhebung der Preiskontrollen gegebenen

Anreize auswirken, werden die Einsparungen noch wesentlich höher sein.

So dürf-

ten z.B. ab 1982 Einsparungen als Folge der Aufhebung der Preiskontrollen 520 000
600 000 Faß Öl/Tag erreichen.)

Sparmaßnahmen

�Sparmaßnahmen auf weitere Sicht
... Der Präsident gibt Anweisung, daß folgende Schritte unternommen werden,
um den allgemeinen Nutzeffekt der verbrauchten Energie und Einsaprungen zu erhöhen:
1) Beendigung des freien Parkens für Bundesbedienstete
... Allein im Bereich der Bundeshauptstadt Washington ließen sich von
diese

Maßnahmen zur Einschränkung des Individualverkehrs

- von der Ausnahmen

nur bei zwingenden Gründen gestattet sein sollen - täglich 21 000 bis 23 000
Liter Benzin einsparen.

Bundesweit angewandt, wären beträchtliche Einsparungen

zu erzielen...
2) Energiebezogene Normen für Gebäude
... Das Bundesministerium für Wohnungsbau und Stadtentwicklung und das
Bundesenergieministerium

wurden angewiesen, energiebezogene Normen für neuge-

baute Wohnungen und öffentliche bzw. kommerzielle Bauten auszuarbeiten.

Diese

Normen, die im Februar 1980 veröffentlicht werden, schreiben bestimmte Werte
vor (z.B. Heizenergie pro qm pro Jahr)...
3) Spar-Dienstleistungen von Versorgungsbetrieben für Verbraucher
... Der Präsident ersucht Versorgungsunternehmen und Heizölhändler, ihren
Kunden Spar-Dienstleistungen, die auf freiwilliger Basis anzuwenden wären, baldmöglichst anzubieten... Das Energieministerium ist bereit, bei den einzelstaatlichen öffentlichen Kommissionen für Versorgungsunternehmen zu intervenieren,
um die Annahme günstiger Pläne der Betriebe zu gewährleisten und die Versorgungsunternehmen zur Einleitung entsprechender Programme zu ermutigen...
4) Bildung von Koordinierungsausschüssen zur Verbesserung der Energienutzung
auf nationaler Basis
Der Präsident hat Energieminister Schlesinger angewiesen, dem Koordinierungsausschuß für Energiefragen eine Sonderarbeitsgruppe anzugliedern, die Empfehlungen für eine bessere Energienutzung ausarbeitet.

Sie wird sich weniger auf Kurz-

zeit-Sparprobleme, sondern in erster Linie auf die Identifizierung langfristiger
6 -

�langristiger Maßnahmen konzentrieren, um die Produktivität auf dem Energiesektor
in allen Wirtschaftsbereichen stetig zu erhöhen...

II. Neue Initiativen zur Energieversorgung

... Der Präsident kündigt eine Anzahl neuer Programme an, die darauf abgestellt sind, die einheimische Produktion von öl, Erdgas und Kohle zu erhöhen
und die Nutzung dieser Rohstoffe zu verbessern.

Dabei ist die Aufhebung von

Preiskontrollen für in den USA produziertes Rohöl von großer Bedeutung.

Der Prä-

sident leitet ein Programm ein, mit dem stufenweise die Preiskontrollen bis spätestens 30. September 1981 aufgehoben werden.

Er ersucht außerdem den Kongreß

dringend um Maßnahmen zur Besteuerung der konjunkturbedingten Gewinne der Mineralölfirmen im Zusammenhang mit der Aufhebung der Preiskontrolle, um die Öffentlichkeit vor ungerechtfertigten Gewinnsteigerungen der Mineralölfirmen zu schützen.

1) Preisgestaltung bei Rohöl
... Bei dem jetzt der Preiskontrolle unterliegenden öl sind im allgemeinen
zwei Kategorien zu unterscheiden:

Niedriger eingestuftes oder "altes" öl, de-

finiert als öl aus Vorkommen, die vor 1973 entdeckt und erschlossen wurden, und
höher eingestuftes oder "Neuöl", zu dem alle danach aufgefundenen Vorkommen gehören, für die keine Ausnahmeregelung gilt.

(Einige Kategorien sind auch heute

von Preiskontrollen ausgenommen, darunter öl von Quellen, die weniger als 10 Faß
pro Tag liefern, öl aus dem Norden Alaskas und aus regierungseigenen Vorkommen
wie z.B. der nationalen Erdölreserve Elk Hills in Kalifornien.)
zwei Drittel allen in den USA produzierten

Schätzungsweise

Öls steht z. Zt. unter Preiskontrolle.

Das restliche Drittel fällt unter eine der Ausnahmekategorien,

Niedrig einge-

stuftes öl kostet heute sechs Dollar pro Faß, höher eingestuftes öl etwa
13 Dollar ...

Zeitplan

�•

I

,

Zeitplan für die Aufhebung der Preiskontrollen
...Ab 1. Juni 1979 darf neu entdecktes öl zu Weltmarktpreisen gehandelt
werden.

Während zu Beginn nur eine geringe Menge unter diese Kategorie fiele,

wird Neuöl in dem Maße, in dem neue Vorkommen gefunden und erschlossen werden,
immer mehr zur Versorgung der USA beitragen.
•

"...Das Energieministerium hat eine Anordnung veröffentlicht, derzufolge
am 1. Juni 1979 00 Prozent der Produktion aus wenig ergiebigen Quellen zum höheren
Preis verkauft werden dürfen.

Es handelt sich um Quellen, die je nach Bohrloch-

tiefe unter einer bestimmten ölmenge pro Tag liefern, , Am 1. Januar 1980 werden
auch die restlichen 20 Prozent dieser "Marginalquellen" für die höhere Preiskategorie freigegeben.
..„Ab 1. Juni 1979 kann jeder zusätzliche Ertrag aus neuer Produktion von
Quellen, bei denen besondere Verfahren zur Produktionssteigerung angewandt werden (z.B. Tertiärförderung) auf Weltmarktpreis angehoben werden. Ab 1 Januar
1980 können Produzenten, die Investitionen für fortgeschrittene Fördertechniken
tätigen, bestimmte Mengen von subventioniertem Billigöl in die höhere Preisklasse
bringen, um die Investitionen zu finanzieren... Ab 1. Januar 1980 wird der Preis
für das höher eingestufte öl von Monat zu Monat um den gleichen Betrag weiter
versteuert, bis er am 1. Oktober 1981 das Niveau des Weltmarktpreises erreicht,
Am 5. April 1979 hat das Energieministerium eine Vorschrift veröffentlicht,
derzufolge bei Billigöl eine monatliche Produktionsreduzierung um dre&lt; Prozent
zugestanden wird. Vom 1. Juni 1979 bis 1. Januar 1980 wird eine Minderleistung
der Förderung um 1,5 Prozent pro Monat eingeräumt, die ungefähr dem natürlichen
Rückgang entspricht, wie er im Jahr 1978 bei Billigöl fördernden älteren Quellen
beobachtet wurde... Der Präsident ist auch weiterhin befugt, Preiskontrollen
in jeder erforderlichen Weise den Gegebenheiten anzupassen,
Besteuerung

�Besteuerung von Konjunkturgewinnen

Um zu verhindern, daß den ölproduzenten übermäßig hohe neue Gewinne zufließen, ersuchte der Präsident den Kongreß um Zusammenarbeit für den Erlaß
eines Konjunkturgewinnsteuer-Gesetzes.

Diese Konjunkturgewinnsteuer in Höhe

von 50 Prozent würde angewendet bei:

- Einkünften der Produzenten vom Verkauf von nicht preisgebundenem öl,
die weiteren Preiserhöhungen seitens der OPEC-Länder (Erdöl-Förderländer) zuzuschreiben sind,

- Einkünften der Produzenten aus dem Verkauf von öl der niedrigeren und
höheren Preisklasse, die sich aus der Aufhebung der Preiskontrolle ergeben.
2) Reform von Auslands-Steuerabschreibungen für Mineralölgesellschaften
Multinationale Mineralölgesellschaften haben ungerechtfertigte Vorteile
durch Auslandssteuerabschreibungen, die die amerikanischen Steuerzahler jährlich Millionen Dollar kosten...

Der Präsident wird ein Gesetz vorschlagen, das

die Steuerabschreibung in den Vereinigten Staaten für die öl- und Gasfördersteuer im Ausland strikt auf die Einkünfte begrenzt, auf die diese Steuern erhoben werden,

überhöhte Steuerabschreibungen "aufgrund von Einkünften durch

öl- und Gasförderung im Ausland könnten dann nicht mehr, wie bisher, auf andere
Einkünfte aus niedrigbesteuertem Einkommen wie aus der Tankerflotte und aus Auslandsraffinerien angewandt werden...

Außerdem überprüft das Finanzministerium gegenwärtig die Vorschriften
im Zusammenhang mit einer Straffung der Auslandssteuerabschreibungen für Einkünfte aus öl und Gas, indem vernünftige Prinzipien zur Anwendung der Vorschriften für die Unterscheidung ausländischer Einkommensteuern (die gegen amerikanische
Einkommensteuern aufgerechnet werden können) von Erträgen und Verbrauchssteuern,
die nur steuermindernd wirken können, zugrunde gelegt werden.

3) Verstärkte Produktion von Bohrinseln auf bundeseigenen ölfeldern und
Offshore-Verpachtungsplan für das nationale Erdölvorkommen in Alaska
Der
- 9-

�Der Präsident hob die Bedeutung von Exploration und Erschließung amerikanischer Offshore-Vorkommen von Erdöl und Erdgas hervor.

Das Bundesinnenmi-

nisterium verfolgt bereits einen zügig vorangetriebenen Plan zur Verpachtung
von Offshore-Feldern, demzufolge jährlich fünf Verträge abzuschließen sind.
Bisher wurde dieser Zeitplan mit einem Minimum an Verzögerung eingehalten...
Die Verabschiedung von Zusatzbestimmungen zum Gesetz über Offshore-Gebiete im vergangenen Jahr machte den Weg frei für die Zuteilung noch größerer
Offshore-Plots als je zuvor in der amerikanischen Geschichte,..

Erschließung der nationalen Erdölvorkommen in Alaska
Die nationalen Erdölvorkommen im Norden Alaskas gelten schon lange als
vielversprechende Reserven an Erdöl und Erdgas.

Obgleich die Schwierigkeiten

für Exploration und Erschließung unter arktischen Verhältnissen die Produktion
aus diesem Gebiet zu einer langfristigen Angelegenheit machen, wird der Präsident dem Kongreß Vorschläge zur Exploration und Erschließung unter sorgfältig
kontrollierten Bedingungen durch private Firmen unterbreiten.

Diese Empfehlungen

gründen sich auf eine Erhebung des US-Innenministeriums zu den nationalen Erdölvorkommen in Alaska, die gegenwärtig fertiggestellt wird.

Die Ergebnisse

dieser Erhebungen werden eine Grundlage für die Empfehlungen abgeben, die der
Präsident im Spätherbst dieses Jahres dem Kongreß unterbreitet.
4) Kohle
... Der Präsident hat folgende Schritte angeordnet:
- Verpachtung und Erschließung von Kohlefeldern
... Der US-Innenminister hat den Abschluß von Pachtverträgen für Kohlefelder auf bundeseigenem Land beschleunigt, so daß für 1978 und 1979 die Zahl
der Verträge im Vergleich zu den vorangegangenen sieben Jahren größer ist. Soweit erforderlich werden zusätzliche Verpachtungen von Kohlefeldern auf Bundesland genehmigt.

Der Präsident hat außerdem die Chefs der Bundesbehörden, die
- 10 -

�die in erster Linie für die Regelung der Aktivitäten der Kohleindustrie verantwortlich sind, angewiesen, sich innerhalb von 60 Tagen zu Möglichkeiten für
eine Steigerung von Produktion, Erschließung und Anwendung von Kohle zu äußern.
Die zuständigen Behörden sind das Innenministerium, das Energieministerium und
das Amt für Umweltschutz.
- Kohlevergasung
Der Präsident ersuchte das Energieministerium auch um künftige Unterstützung beim Abbau regulativer, finanzieller und institutioneller Barrieren im
Zusammenhang mit der Kohlevergasung auf das notwendige Mindestmaß...
- Gesetz über Pipel ineis für den Transport von Kohleschlamm
Um die Möglichkeiten zur Nutzung von Kohle zu verbessern und sie aus den
Förderregionen bei Verbraucherbetrieben anzuliefern, setzt sich die Regierung
für gesetzliche Regelungen ein, die gewährleisten, daß für Pipelines zum Transport geschlämmter Kohle die erforderliche Trassenführung genehmigt wird.
5) Garantien zur Kreditgewährung
Der Präsident hat das Energieministerium angewiesen, dem Kongreß eine Vorlage zur Vereinfachung der gegenwärtigen Befugnisse des Energieministeriums zur
Erteilung von Kreditgarantien für ein breites Spektrum von Energietechnologien
zu unterbreiten...
6) Käufe von mexikanischem Erdgas
Während des Besuchs Präsident Carters im Februar 1979 in Mexiko kamen er
und Präsident Lopez Portillo überein, Erörterungen auf Regierungsebene über mögliche Verkäufe von mexikanischem Erdgas auf amerikanischen Märkten wieder aufzunehmen.

Eine Gruppe hoher Beamter des US-Außenministeriums, des US-Energie-

ministeriums und des Nationalen Sicherheitsrates hielt sich vom 3. - 4. April
in Mexiko City zu Gesprächen mit Vertretern der mexikanischen Regierung über
den Umfang der für den Export zur Verfügung stehenden Gasmengen und eine angemessene Preisgestaltung auf...
7) Notwendigkeit

- 11 -

�7) Notwendigkeit breit gestreuter öl lieferquellen
... Der Präsident konnte bereits die Weltbank ermutigen, Explorationen
zur Auffindung von Kohlenwasserstoffen in
finanzieren.

bestimmten Entwicklungsländern zu

Die breit angelegte internationale Strategie der Regierung sieht

außerdem zusätzliche Optionen auf die Finanzierung der Exploration und Erschließung von Erdöl vor.
8) Die Standard Oil Company of Ohio (SOHIO)
Der Präsident hat verfügt, daß das Energieministerium mit Kalifornien
bei der Vorbereitung eines Bundesgesetzes zusammenarbeitet, das gewährleistet,
daß die SOHIO-Pipeline gebaut werden kann...

Sie würde ein wirksames Mittel

darstellen, um Rohöl vom Norden Alaskas, das im Bereich der Westküste nicht benötigt wird, den Inlandmärkten zuzuführen...
9) Pipeline zur Bedienung der Nordregion der Vereinigten Staaten
Es liegt unbedingt im nationalen Interesse, ein leistungsfähiges System
für den Transport von Rohöl aus Alaska von der Westküste in die Bundesstaaten
im Innern der USA zur Verfügung zu haben. Aufgrund des Nationalen Energiegesetzes wird derzeit ein beschleunigtes Verfahren durchgeführt, das dem Präsidenten die Entscheidung erlaubt, welche Pipeline oder Pipelines dem nationalen
Interesse am besten dienen. Der Präsident hat den Innenminister ersucht, die
Vorauswahl noch rascher durchzuführen, damit der Präsident vor Jahresende die
endgültige Entscheidung treffen kann. Mit Kanada wurde bereits erörtert, wie
Empfehlungen der kanadischen Regierung zu den vorgeschlagenen Pipeline-Systemen
beschleunigt zu erhalten wären...
10) Bundesinspektor für Erdgaspipeline aus Alaska
Am 1. April unterbreitete der Präsident dem Kongreß Vorschläge zu einem
Reorganisationsplan, denen zufolge für das Pipeline-System für Erdgas aus
Alaska ein Bundesinspektionsamt eingerichtet würde. Die Schaffung des Amtes
und die Gewährung der notwendigen Befugnisse für Koordinierung und Durchführung
stellen einen überaus wichtigen Schritt zur Fertigstellung der Alaska-Erdgaspipeline dar..j
11) Änderung
- 12 -

�11) Änderung der Restriktionsbestimmungen für den Verkauf von Alaska-Öl
Die Kompetenz des Präsidenten, Exporte von Alaska-Öl oder Tauschgeschäfte
damit in Erwägung zu ziehen, ist aufgrund der Zusatzbestimmungen zum ExportDurchführungsgesetz (Export Administration Act) stark eingeschränkt.

Dieses Ge-

setz erlischt am 22. Juni 1979, und der Präsident hat die verschiedenen Behörden,
die mit der Fortführung des Export-Durchführungsgesetzes nach diesem Zeitpunkt
befaßt sind, angewiesen, sich um eine Streichung dieser einschränkenden Bestimmungen zu bemühen.

Während bisher kein

Vorschlag zum Export oder zu Tauschgeschäften mit

Alaskaöl gemacht wurde - und vielleicht nie gemacht werden wird -, ist es wichtig, dem Präsidenten ausreichende Flexibilität zuzugestehen, damit er verschiedene Alternativen für eine Steigerung der Produktion von unseren Ölvorkommen in
Alaska in Erwägung ziehen kann.

Tauschgeschäfte könnten zu beträchtlichen Ein-

sparungen von Transportkosten führen, die Verbindungen zu Mexiko stärken und
die amerikanische Zahlungsbilanz entlasten.

Außerdem wäre eine solche Flexibili-

tät wichtig, weil sie wirksames Mittel zur Erfüllung unserer ölliefer-Vereinbarungen mit Israel schaffen würde.

Jedoch müssen noch viele andere Faktoren in

Erwägung gezogen werden, um über die Zweckmäßigkeit und die genau definierten
Komponenten eines Alaskaöl-Tauschgeschäfts zu entscheiden.

Eine Abänderung der

Kompetenzen des Präsidenten ermöglichte jedoch promptes Handeln, wann immer
dies erforderlich wäre.
12) Regierungsverordnung zur Stationierung von Bundeseinrichtungen auf dem
Energiesektor
Der Präsident wird eine Regierungsverordnung unterzeichnen, die das Amt
für Planung und Haushalt dahingehend instruiert, einen Organisationsplan zu
schaffen, nach dessen Richtlinien Termine für Bundesentscheidungen über Genehmigungsanträge für wichtige Energieanlagen gesetzt werden.

Die Bundesstaaten er-

sucht der Präsident dringend, ähnl iche Zeitpläne, die streng einzuhalten sind,
für die von den Einzelstaaten zu genehmigenden Aktionen zu schaffen...

13) Gesetz

- 13 -

�• -

13) Gesetz über die Partnerschaft bei der Durchführung von Energieprojekten
(EMPA)
Der Präsident wird dem Kongreß einen Gesetzesvorschlag zur Reform der bestehenden Zuschußprogramme für einzelstaatliche Energieprojekte, die vom USEnergieministerium betreut werden, unterbreiten...
14) Kernenergie
Wie der Präsident bereits in seiner Rede erwähnte, hat der kürzliche Störfall im Kernkraftwerk Three Mile Island uns alle besorgt gemacht.

Als Reaktion

auf diesen Störfall verfügte der Präsident, daß eine völlig unabhängige Expertenkommission berufen werde, um zu untersuchen:
- Die Umstände, die zu dem Störfall führten, und die Kette der Folgeereignisse;
- die technischen Fragen, die dieser Störfall hinsichtlich des Funktionierens der Sicherheits- und Reservesysteme dieser Anlage samt ihrer ganzen
Konstruktion aufwirft;
- Art und Angemessenheit der Reaktionen von Regierungsstellen auf allen
Ebenen auf diesen Störfall.
Es wird vorausgesetzt, daß diese Kommission umgehend die Arbeit aufnimmt
und so rasch wie möglich dem Präsidenten Bericht erstattet.
Der Präsident appellierte an die Nation, objektiv und angemessen auf diesen Störfall zu reagieren und zu bedenken, daß fast 13 Prozent der amerikanischen
Stromproduktion aus Kernkraftwerken kommen.
Er ersuchte die Nukleare Aufsichtskommission (NRC), eine unabhängige
Körperschaft, schneller als zunächst vorgesehen in jedem Atomkraftwerk einen
ständigen NRC-Inspektor zu stationieren., Aufgrund der gegenwärtigen Bestimmungen sind Inspektoren bei 20 Reaktoranlagen stationiert und haben 26 einzelne

�einzelne Reaktorblöcke zu überwachen.

Nach dem Störfall im Atomkraftwerk Three

Mi 1e Island hat die NRC außerdem Inspektoren zu den drei weiteren Standorten
entsandt, wo sich Reaktoranlagen der gleichen Konstruktion befinden
Der Präsident instruierte ferner das Energieministerium, mit der NRC
eng zusammenzuarbeiten, um zu ermitteln, ob und welche zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen erforderlich seien.
Um mit dem Kongreß die bereits im vergangenen Jahr begonnenen wichtigen
Erörterungen über Standortwahl für Atomkraftwerke und Genehmigungsverfahren
wieder aufnehmen zu können, wird der Energieminister in Kürze Gesetzesvorschläge
über Standortwahl und Genehmigungsverfahren unterbreiten. Es ist überaus wichtig, daß Fragen darüber, ob der Zeitplan für die Durchführung des Verfahrens
auch den Sicherheitserfordernissen entspricht, gründlich überprüft werden und
entsprechende Abänderungen erfolgen, Die Regierung wünscht eine enge Zusammenarbeit mit dem Kongreß bei der Festsetzung der geeigneten nächsten Schritte für
die Verbesserung des Verfahrens von Standortwahl und Genehmigung, um sowohl mehr
Sicherheit als auch optimale Ergebnisse zu erreichen.

III,, Der Energi e sie he ru ^9 s f Q nd s
1. Beihilfe für Bevölkerungsschichten mit niedrigem Einkommen
Die Aufhebung der Preiskontrollen bei öl werden sich bei allen Bürgern unseres Landes auswirken. Aber die Bürde wird am schwersten für Familien mit niedrigem Einkommen sein, die sowieso einen großen Teil ihrer Einkünfte für Heizung,
Strom, Transportmittel und andere energiebezogene Erfordernisse aufwenden.
Hauptzweck des Energiesicherungsfonds wird es deshalb sein, solche Familien zu
unterstützen, die von der Erhöhung der Brennstoffpreise als Folge der Aufhebung
der Preiskontrollen am meisten betroffen sind.
Der
- 15 -

�Der 0&gt;~äsident wird den Kongreß ersuchen, einen Teil der Einkünfte aus der
Konjunkturgewinnsteuer, die im Energiesicherungsfonds anfallen, für Bevölkerungsschichten mit niedrigem Einkommen bereitzustellen.

Dieses Hilfsprogramm sähe

im Durchschnitt für eine Familie dieser Einkommensgruppe pro Jahr etwa 100 Dollar
vor...

2. Verbesserung der Massenverkehrsmittel
... Falls der Kongreß die Energiesicherungssteuer beschließt, wird der
Präsident vorschlagen, die Finanzierung von Verkehrsprojekten zu erweitern, die
baldmöglichst gute Resultate versprechen.

Im Verlauf der nächsten 10 Jahre wür-

den insgesamt 3,1 Milliarden Dollar aus dem Energiesicherungsfonds für solche
Zwecke abgezweigt - zusätzlich zu den Mitteln, die heute für Projekte auf dem
Gebiet des Massenverkehrs geplant sind...

3. Investitionen auf dem Sektor Energie
... In seinen Vorschlägen für den Etat zum Haushaltsjahr 1980 ersuchte
der Präsident den Kongreß bereits, mehr als 3,6 Milliarden Dollar für Energieforschung und Technologie-Entwicklungen zu genehmigen. Diese Mittel werden
helfen, ein breites Spektrum neuer technologischer Optionen zu entwickeln, wodurch es möglich wird, einheimische Energiequellen in größerem Umfang sicher
und mit geringer Umweltbelastung zu nutzen,..
Darüber hinaus ist der Einsatz von Kreditgarantien und Steuerabschreibungen
in Höhe von Millionen von Dollar dafür bestimmt, zu einer umfangreicheren Nutzung einheimischer Energiequellen zu ermutigen.

Unsere Investitionen für Energie-

technologien sind allein so hoch wie die aller übrigen Länder der nicht-kommunistischen Welt zusammen. Aber selbst auf diesem Niveau reichen sie nicht aus, dem
tatsächlichen Bedarf gerecht zu werden.

Die Verabschiedung des Gesetzes über

eine Konjunkturgewinnsteuer durch den Kongreß und die Schaffung des Energiesicherungsfonds wird uns in die Lage versetzen, unsere Energieinvestitionen fast
- 16 -

�fast zu verdoppeln...

Entwicklung von Kleinprojekten als Reserve

Das US-Energieministerium wird in Verbindung mit dem Aufbau des Energiesicherungsfonds ein Programm zur Entwicklung von Kleinprojekten in Angriff nehmen.

Außerdem wird das Energieministerium den Umfang der Kontrakte über Klein-

projekte ausweiten...

Regionale Speicherkapazitäten für die strategische Erdölreserve

... Die zentrale Lagerung von Rohöl in der Region der Golfküste war eigentlich als Schutzmaßnahme für die gesamte amerikanische Bevölkerung gedacht.
Aber übermäßige Transportschwierigkeiten und die hohe Abhängigkeit von importierten Mineralölprodukten lassen eine stärker regional ausgerichtete Lagerung
von Rohöl und Mineralöl Produkten insbesondere im Hinblick auf Hawaii und den
Nordosten der USA besser geeignet erscheinen.

Aus dem Energiesicherungsfonds würden die anfallenden Kosten für die Erschließung und den Unterhalt von Lagervorrichtungen bezahlt, um in Reserve zu
halten:
- 10 Millionen Faß Schweröl in der Nordostregion;
- 10 Millionen Faß Heizöl in den Speicheranlagen an der Golfküste zur Verwendung in den Nord-Ost-Staaten; und
- 3 Millionen Faß Erdöl in Hawaii (2,3 Millionen Faß Rohöl und 700 000
Faß Flugzeugtreibstoff)...

Mehr Geldmittel für Kohleforschung und -entwicklung»eine zweite Demonstrationsanlage für den SRC-Prozeß sowie Kreditgarantien für Demonstrationsanlagen

... Im Voranschlag des Präsidenten für das Haushaltsjahr 1980 sind für das

- 17 -

�das Energieministerium 663 Millionen Dollar für Forschungs- und Entwicklungsprojekte auf dem Kohlesektor angefordert.

Falls der Kongreß die Energiesi-

cherungssteuer verabschiedet, stehen mehr Mittel zur Verfügung, die sich gewinnbringend einsetzen lassen, um bessere Wege zu vermehrter Nutzung dieses
Rohstoffes zu finden.
Es würden dann zusätzliche 10 Millionen Dollar pro Jahr aus dem Energiesicherungsfonds dafür verwendet, die Entwicklung von Technologien zu beschleunigen, welche eine umfangreichere Nutzung der Kohle erlauben, ohne daß Zugeständnisse an wichtige Aufgaben des Umweltschutzes gemacht werden müßten...
Aus dem Energieentwicklungsfonds werden Mittel für Kreditgarantien zur
Finanzierung von Energieentwicklungsprojekten bereitgestellt, die staatliche
Hilfe nur benötigen, um neue Technologien auf dem Markt einzuführen...

Steuerabschreibungen für die Erschließung von Ölschiefer
Falls öl aus Ölschiefer zu einem wettbewerbsfähigen Preis und in einer
für die Umwelt akzeptablen Weise hergestellt werden kann, könnten die ölschiefervorkommen in den USA bis zu 700 Millionen Faß öl liefern - ein Vielfaches
dessen, was die bis heute bekannten Rohölvorkommen Saudi-Arabiens enthalten.
Der Präsident schlägt vor, Steuerabschreibungen bis zu 3 Dollar pro Faß
aus der SchieferölProduktion mit Geldern des Energiesicherungsfonds zu finanzieren, um bis Mitte der achtziger Jahre Demonstrationsanlagen für den kommerziellen Abbau von Ölschiefer für die wirtschaftlichsten und umweltschonendsten
Verfahren zur Verfügung zu haben. Die Steuerabschreibungsmöglichkeiten werden
auszulaufen beginnen, wenn die Weltmarktölpreise 20 Dollar pro Faß erreichen
(unter Berücksichtigung der Inflation), und sie werden völlig eingestellt, wenn
die 23-Dollar-Marke erreicht ist. Es ist zu erwarten, daß im letzten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts bis zu 300 000 Faß öl pro Tag aus Ölschiefer gewonnen werden.
- Steuerabschreibungen

�Steuerabschreibungen für holzbeheizte Öfen
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... Beim Kauf und der Installation leistungsfähiger holzbeheizter Öfen
wären Steuerabschreibungen möglich.

Aufgrund dieser Initiative könnten leistungs-

fähige Holzöfen in das Steuerabschreibungsgesetz von 1978 für Energiesparmaßnahmen einbezogen werden.

Steuerabschrei bungen für ^Sol a ranlagen

Die Regierung hat bereits wichtige Schritte unternommen, um die im Zusammenhang mit Solarenergie gesetzten Ziele zu erreichen.

Die Aufwendungen

für technologische Entwicklungen unter Nutzung der Sonnenenergie sind im Haushaltsvoranschlag des Präsidenten für 1980 um 22 Prozent höher als 1979,

Diese

Steigerung zeigt, wie sehr sich die Regierung für die Nutzung von Sonnenenergie
einsetzt, selbst in einer Zeit strikter finanzieller Sparmaßnahmen.,,

Der Präsident beabsichtigt, aus dem Energiesicherungsfonds Mittel für
folgende Zwecke bereitzustellen:

- Steuerabschreibungen bis zu 20 Prozent des Anschaffungswertes von passiven Solarenergieeinheiten (höchstens 4 Einheiten) beim Bau von Wohnhäusern,
sofern die Konstruktion bestimmten Leistungsnormen entspricht (ein Maximal betrag pro Einheit wird festgesetzt)...

- Zusätzliche Steuerabschreibungen für die Kosten solarer Heizanlagen
für die Erzeugung von Prozeßwärme bei Verwendung von Ausrüstungen mit bestimmten technischen Leistungsnormen.

Kleine Wasserkraftwerke

... Das Energieministerium stellt Mittel für Sondierungsstudien für die
Anlage kleiner Wasserkraftwerke bereit.
- 19 -

Im Rahmen der bestehenden Programme

�Programme werden andere Bundesbehörden Zuschüsse, Kredite und Kreditgarantien
für eine beschleunigte Durchführung solcher Projekte geben.

Steuerbefreiung bei der Verwendung von GASOHOL
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Um die Verwendung und die Produktion von GASOHOL (Benzin mit mindestens
10 Prozent Alkohol) auszuweiten, bemüht sich der Präsident um ein Gesetz, das
die gegenwärtige Befreiung von GASOHOL aus der Benzin-Besteuerung zu einer
Dauereinrichtung macht...

Synthetische Brennstoffe
Zur Zeit befinden sich vielversprechende Verfahren zur Herstellung
synthetischer Brennstoffe, einschließlich Benzin, in der Entwicklung... Der
Präsident hat den Energieminister angewiesen, in Zusammenarbeit mit anderen
geeigneten Bundesbehörden Programme zu entwickeln, die die Privatwirtschaft
ermutigen, sich dieser wichtigen neuen Technologien anzunehmen und sie weiter
auszubauen. Auch dieses Programm wird mit Mitteln des Energiesicherungsfonds
finanziert...

Strategie für die Energietechnologie der Zukunft
Wir werden in den vor uns liegenden Jahren ausreichend Energie zur Verfügung haben, wenn wir heute unsere wissenschaftlichen und technologischen
Ressourcen auf die Entwicklung alternativer Energiesysteme konzentrieren. Wir
sehen uns der Aufgabe gegenüber, eine ordnungsgemäße Überleitung zur Nutzung
sicherer, sauberer und praktisch unerschöpflicher Energiequellen im nächsten
Jahrhundert zu schaffen.
Kurz-

�Kurz- und mittelfristig gesehen werden fossile Brennstoffe - öl, Gas und
in zunehmendem Maße Kohle - unsere wichtigsten primären Energiequellen sein,
während wir gleichzeitig Alternativenergien entwickeln.

Durch technisch ständig weiter verbesserte Exploration und Förderung
sowie die Entwicklung von Technologien für die kommerzielle Nutzung von Ölschiefer, Schweröl und Teersanden werden wir unsere Inlandsproduktion von öl
und Gas erhöhen,und wir werden unsere Lieferquellen für Importöl noch stärker
streuen, wenn immer mehr Länder zu wichtigen Lieferanten für den Weltmarkt
werden.

Kohle wird in zunehmendem Maße öl und Gas als Primärquelle für die Stromerzeugung und für industrielle Prozesse ersetzen.

Weiterentwickelte Technolo-

gien, z.B. Verbrennung im Wirbelbett, werden uns in die Lage versetzen, Kohle
mit höherem Nutzeffekt und geringerer Umweltbelastung zu verwenden.

Und die

Verflüssigung und Vergasung von Kohle gibt uns die Möglichkeit, Ersatz für Erdöl, Benzin und Erdgas unter Verwendung unserer umfangreichsten fossilen Energiequellen zu bekommen.

Bei weiteren technologischen Fortschritten kann eine sichere, zuverlässige und das vorhandene Uran besser nutzende Kernkraft eine wichtige Rolle in
der Gesamtstromerzeugung spielen.

Nukleare Abfälle werden in Tiefen, nach geo-

logischen Gesichtspunkten ausfindig gemachten Lagerstätten sicher gelagert,
die eine sorgfältige Auswahl, sorgfältigen Ausbau und umfassende Erprobung
erfordern.

Gleichzeitig werden wir aber auf eine ständig steigende Nutzung erneuerungsfähiger Energiequellen dringen.

Solarheizung, Erzeugung von Wärme,

Strom und Alkohol aus sog. Biomassen wie Holz und landwirtschaftlichen Abfällen, kleine Wasserkraftwerke, Erdwärme und Windkraft - all dies wird in
größeren Umfang genutzt werden.

Auch Solarzellen und Windenergie werden be-

achtliche Beiträge leisten.
Fortschritte
- 21 -

�Fortschritte bei der Energieeinsparung sowie Neuerungen bei der Anwendung
der bisher ..Wichen Technologien und die Einführung neuer Technologien sind geeignet, dramatische Entwicklungen herbeizuführen.
- Die Industrie wird in zunehmendem Maße zu einer besseren Energienutzung
kommen, wie neue Betriebe und Anlagen mit modernsten Ausrüstungen eingesetzt
werden.
- Verbrauchsgüter wie z.B. Kraftfahrzeuge werden weitaus energieeffizienter sein.
- Neubauten werden Energie mit einem höheren Wirkungsgrad nutzen, besser
isoliert sein und mehr Gebrauch von passiven Solarenergieanlagen machen.
- In dem Maße, in dem die direkte Verwendung von Kohle und anderen Substitionsenergien zunimmt, wird die Verwendung kostspieliger flüssiger und gasförmiger Brennstoffe auf bestimmte Gebiete beschränkt bleiben - beispielsweise Verkehrswesen und Wohnhausbeheizung, wo sie am vorteilhaftesten einzusetzen sind.
- Die Wiederverwendung von Abfall kann zu einer wichtigen Quelle sowohl
für Energie als auch für andere Rohstoffe werden.
- Technologiefortschritte werden es uns ermöglichen, noch mehr Elektrizität einzusetzen, um flüssige und gasförmige Brennstoffe beispielsweise im Verkehrswesen einzusparen. Neuartige Gebührenordnungen könnten dazu führen, daß
sowohl die Industrie als auch der private Haushalt den Stromverbrauch wirtschaftlicher gestalten.
Wenn wir gut planen und umgehend handeln, können wir hochentwickelte alternative Energiesysteme schon lange vor dem Zeitpunkt zur Verfügung haben,
an dem - irgendwann im nächsten Jahrhundert - die fossilen Brennstoffe zu Ende
gehen.

Das amerikanische Volk wird in zunehmendem Maße weitgehend unerschöpf-

liche Energiequellen benutzen, nicht zuletzt unter dem Druck der hohen Kosten
- 22 -

�Kosten der sich allmählich erschöpfenden fossilen Brennstoffe und möglicherweise
auch unter dem Druck von Umweltproblemen.

Dennoch können synthetische flüssige

und gasförmige Brennstoffe noch von großer Bedeutung bleiben.
Für die Stromproduktion gibt es drei wichtige Quellen:
- Systeme für die Umsetzung von Sonnenlicht in Strom;
- Verbesserte sichere, weiterentwickelte Nukleartechnologien, einschließlich Brutreaktoren;
- Kernfusion, eine saubere Energiequelle unter Einsatz von reichlich vorhandenen Wasserstoffisotopen als Rohstoff.
Damit fortgeschrittene Technologien nicht erschöpfbare" Energiequellen
aller Wahrscheinlichkeit nach zur Stromproduktion benutzt werden, wird die
amerikanische Nation auch neue Wege der Nutzung von Elektrizität gehen und in
zunehmendem und ständig verfeinertem Maße Computer beim Einsatz von Energie
verwenden.
Auch andere regenerationsfähige Energiequellen - Biomassen, Erdwärme, Windkraft und die Wärmeenergie der Weltmeere - werden wichtige Rollen spielen.
Wir können heute nicht wissen, welche Technologien es im einzelnen se^n
werden, mit denen künftig unser Energiebedarf gedeckt wird. Aber wir kennen
die Aufgaben, die vor uns 'iegen, Und angesichts der heutigen Errungenschaften
amerikanischer Wissenschaft und Technik können wir die Saat für eine sichere
Energiezukunft erkennen. Der vom Präsidenten vorgeschlagene Energiesicherungsfonds ist eine Investition in diese Zukunft - in Forschung, Entwicklung und Demonstrationsanlagen, die notwendig sind, um den Übergang zu alternativen, reichlich vorhandenen, sicheren und sauberen Energiequellen zu beschleunigen.

+ + + + +

- 23 -

�18. April 1979

14

LEHREN VON HARRISBURG
Bessere Sicherheitskonzeptionen für Atomkraftwerke unerläßlich

- (AD) - Die Vorfälle im Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania vom 28. März 1979, die
sich im Zusammenwirken von technischen Pannen und menschlichem Versagen
zu einer Katastrophe auszuweiten drohten, führen jetzt weltweit zu einer
Neubewertung der Sicherheitsprobleme bei der Nutzung der Kernenergie.
Präsident Carter kündigte inzwischen die Überprüfung der Sicherheitssysteme
bei allen amerikanischen Kernkraftwerken an.
Am sechsten Tag nach der Kette von Pannen, die eine höchst gefährliche
Situation aufbauten, konnte Dr. Harold R. Denton von der Nuklearen Aufsichtskommission (NRC) der Vereinigten Staaten auf einer Pressekonferenz
im nahegelegenen Middletown berichten: "Die Lage normalisiert sich
allmählich. Das System zur Beseitigung der Wasserstoffblase im Druckbehälter funktioniert. Der Reaktorkern ist stabil und kühlt sich ab."
Als die zunächst wichtigste Entwicklung war die Tatsache anzusehen,

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn2

Tel )2221-89 3240
Tele. 08-85432

�anzusehen, daß man die Wasserstoffblase über dem Reaktorkern, die noch
zwei Tage zuvor als mögliche und besonders gefährliche Ursache für die
Auslösung einer Explosion galt, zum Verschwinden hatte bringen können "dank unserer Maßnahmen und einigem Glück", wie Dr. Denton sagte.
Erst seit 100 Tagen war der Block Zwei des Atomkraftwerks in Betrieb,
mit dem die "Metropolitan Edison Company" die zentrale Region im Süden
des Bundesstaates Pennsylvania mit Strom versorgte.

Block Eins war wegen

des routinemäßigen Austauschs der Brennstoffstäbe sowieso abgeschaltet.
Es handelt sich um ein Atomkraftwerk mit Druckwasserreaktoren von 960
Megawatt Stromleistung, die von der Firma Babcock &amp; Wilcox gebaut worden
waren.

•

- Die Ereignisse Die Kettenreaktion der Störungen begann mit dem Ausfall eines Ventils
in einem Speisewassersystem "außerhalb der Reaktor-Sicherheitszone", wie
Denton erklärte - ein Ventil an einer Filteranlage, in der Speisewasser
vor der Rückführung in den Wasserkreislauf entmineralisiert wird, öffnete
sich nicht mehr. Dadurch wurde automatisch eine Wasserpumpe abgeschaltet.
An diesem Punkt hätten Reservepumpen in Aktion treten müssen. Aber diese
Pumpen waren zwei Wochen zuvor von Technikern geprüft worden, die dann
vergessen hatten, geschlossene Ventile wieder zu öffnen. So wurde die
Wasserzufuhr zur Dampfturbine unterbrochen. Die Turbine schaltete sich
automatisch ab. Dies wiederum löste die automatische Abschaltung des
Reaktors durch das Einfahren sämtlicher Kontroll Stäbe in den Reaktorkern
aus. Die Kettenreaktion der Atomkernspaltung wurde unterbrochen. Der
radioaktive Zerfall beim Kernbrennstoff ging weiter, jedoch nur mit einem
winzigen Bruchteil der Energie und Wärmeentwicklung, wie sie die Kettenreaktion erzeugt. Aber der im inneren (primären) System vorhandene Dampf,

�Dampf, dessen

Wärmeenergie normalerweise im Wärmeaustauscher auf den

zweiten Dampfkreislauf für den Antrieb der Turbinen übertragen wird und
der sich auf diese Weise abkühlt, strömte in den Primärkreislauf zurück
und erhöhte dort Temperatur und Druck.

Die dem Reaktor angeschlossene

Druckanlage gab über ein automatisches Ventil Dampf in den sogenannten
Kühlkessel ab.
Nächste Pannen: Dieses Ventil schloß sich nicht mehr, der Wasserverlust im Reaktorkreislauf wurde zu groß. Dann strömten radioaktive
Gase in die durch eine 1,20 m dicke Stahl- und Betonmauer nach außen abgeschirmte Sicherheitskammer. Der Kühlwasserverlust setzte die Notkühlung
für den Reaktorkern in Gang - aber ein Techniker schaltete aus irgendwelchen
Gründen dieses System zunächst für eine halbe Minute, dann noch einmal für
10 Minuten ab. Wäre dies nicht geschehen, wäre es vermutlich nicht zu
der nun folgenden gefährlichen Entwicklung gekommen. Durch das Abschalten
der Notkühlung begannen sich die 177 Brennstäbe zu überhitzen. Die
Temperatur im Reaktorkern erreichte stellenweise mehr als 370 Grad Celsius.
Die Zirkonhülsen der Brennstäbe beulten sich aus und bekamen Risse, Wasser
drang zu den Brennelementen ein. Als schließlich das Notkühlsystem wieder
in Gang kam, wurde offenbar Wasser bei der Berührung mit den überhitzten
Metall hülsen zum Teil in seine Bestandteile - Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Und diese Reaktion führte zusammen mit den aus den Brennstoffhülsen austretenden Gasen zur Bildung der Wasserstoffblase über dem
Reaktorkern.
Als Gase in die Reaktorhalle strömten, hätten dort alle Schotten,
die entweder zum Nebengebäude oder ins Freie führten, erschlossen sein
müssen. Aber das war nicht der Fall, so daß radioaktive Gase in die
Atmosphäre entwichen und das Nebengebäude verseuchten. Am 30. März wurde
in der unmittelbaren Umgebung des Atomkraftwerks am Boden eine Radioaktivität
von 20 - 25 Millirem pro Stunde gemessen; am Morgen hatten Betriebsingenieure radioaktive Gase aus Abfalltanks abgelassen. NRC-Direktor
Dr. Joseph M. Hendrie empfahl Gouverneur Thornburg, im Umkreis bis zu
- 3 -

�zu acht Kilometern alle schwangeren Frauen und die Kinder im Vorschulalter Zu evakuieren.

Die Schulen wurden geschlossen und für alle Be-

wohner des Gebiets bis 16 km irr Umkreis Evaku^erungspläne vorbereitet.
Diese Pläne brauchten jedoch nicht in die Tat umgesetzt zu werden.,

- Keine akute Gefahr mehr Acht Tage nach dem Reaktorun^all war die akute Gefahr vorbei.

Seit

dem 5. April untersucht und überwacht ein Roboter, der vom Kernforschungszentrum Oakridge (Tennessee) herangeschafft wurde, die stärker verseuchten
Räume im Betriebs- und Wartungsgebäude unmittelbar neben der Reaktorhalle.
Es gilt zunächst einmal, das Ausmaß der Verseuchung zu ermitteln, beschädigte Leitungen, Pumpen und andere Systeme in diesem Bereich abzustützen und zu reparieren und das Inaangsetzen eines Planes für die
"Kaltstillegung"

des Kernreaktors vorzubereiten.

Schon einige Tage

zuvor hatte die Betriebsleitung bekanntgegeben, daß nach Abkühlung des
Reaktors auf 177°C und Senkung des Drucks auf 2,5 kg/qcm ein Kühl verfahren
vorgesehen sei, das die Zerfallswärme ableite und schließlich zu einer
"Kaltstillegung" führe, bei der die Temperaturen im Innern unter der
Siedetemperatur von Wasser liegen.

Dieser Punkt dürfte nach frühestens

10 - 15 Tagen erreicht werden.
Inzwischen hatte man dafür einen neuen Plan ausgearbeitet, der den
Betrieb von Pumpen und anderen Ausrüstungen innerhalb der Reaktorschale
auf ein Minimum beschränkt. Unter der Einwirkung der intensiven Strahlung
waren einige Teile funktionsunfähig geworden. Der neue Kühl plan reduziert
auch ein Freiwerden von verseuchtem Material auf ein Minimuii, weil das
radioaktive Gas aus dem Nebengebäude in die Sicherheitskammer zurückgepumpt wird. Aufgrund der neuen Pläne wird der Dampfgenerator zum Kühlen
statt zum Aufheizen von Wasser, und natürliche Zirkulation (aufsteigendes

_ 4 .

�(aufsteigendes heißes Wasser und absinkendes kühleres Wasser) wird für
die Reaktorkühlung benutzt.

Heißes Wasser vom Reaktor fließt durch Röhren

zum oberen Teil des Generators, kühlt sich während des Weiterleitens zum
unteren Teil ab und fließt von dort über ein weiteres Röhrensystem zum
Reaktor zurück.

Das Verfahren ist einsatzfähig, sobald die Abschirmung

und Filteranlagen im Nebengebäude betriebsfertig sind.
In den ersten Tagen liefen im Nebengebäude 30 000 Liter verseuchten
Wassers aus Abwassertanks aus. Inzwischen konnte man das meiste wieder
einsammeln, aber Rückstände von radioaktivem Jod und Kobalt haften noch
am Boden und an den Wänden. Aus Rohrleitungen müssen laufend Wasserproben
entnommen werden, über die der Reaktorkammer Kühlwasser zugeleitet wird.
Der zwei Meter große Roboter, dessen Instrumente durch dickes Glas und
Stahl abgeschirmt sind, hat einen auf vier Meter ausfahrbaren Manipulator,
mit dem Gegenstände bis 73 kg Gewicht gehoben und bis zu 227 kg Gewicht
gezogen werden können. Mit seiner zweifingrigen Klauenhand vermag er
Strahlenmeßgeräte und andere Instrumente aufzunehmen und an bestimmten
Stellen abzusetzen. Zwei geschützte Fernsehkameras an Auslegern zu beiden
Seiten des Armes bilden die "Augen" für die Kontrolleure des Roboters,
die ihn mehr als 30 verschiedene Bewegungen und Funktionen ausführen
lassen können. Er wird über ein 233 m langes Kabel gesteuert und bewegt
sich auf 1,5 m langen raupenähnlichen Bändern.
Im abgeschirmten Reaktorgehäuse selbst befinden sich noch ca. eine
Million Liter verseuchtes Wasser zusammen mit stark radioaktivem Gas.
Die Strahlung von Wasser und Gas hat das gesamte Material Spektrum eines
Reaktorkerns als Quelle, u.a. Spaltprodukte von Strontium 90, Rubidium 86
und 89

bis zu Caesium und Tritium.

An das Reinigen dieses Teils des

Atomkraftwerks und schließlich an die Entfernung und Untersuchung der
Brennstoffstäbe wird man erst in Monaten bzw. Jahren gehen können.
Entseuchungspläne wurden bereits in Angriff genommen. Wände und
Kuppel der Reaktorschale, Gas und Wasser sowie sämtliche Ausrüstungen
- 5 -

�Ausrüstcngen müssen entweder gereinigt ode:* entfernt bzw. zerlegt und in
strahlensicheren Behältern an sichere Orte in Südkarol uia, Nevada oder im
Bundesstaat Washington für die Zwisehen!agerüng gebracht werden
für eine Langzeit.lagerung

Anlagen

stark radioaktiven Materials wurden bisher von

der US-Regierung noch nicht genehmigt.

Wie Robert M, Bernero

von der

NRC erklärte, kann das Wasser durch verschiedene Verfahren, einschließlich
Sieden und Verwendung chemischer oder anderem Filter, gereinigt werden,, Das
Gas würde durch chemische oder kältetechnische Verfahren verflüssigt,,
Radioaktives Xenon ließe sich ausfrieren, Jod mittels Aktivkohle abfiltrieren.
Für feste, radioaktiv gewordene Partikel, die mit dem Wasser durch den
Reaktorkern strömten, gibt es ebenfalls wirksame Abscheidungsverfahren.

- Strahlenrisiko In einer am 6,. April vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung
wurde eine Gefährdung der Bevölkerung durch Nahrungsmittel aus der näheren
und weiteren Umgebung des Reaktorstandorts verneint- Zwei Tage zuvor
hatte Gesundheitsminister Joseph A„ Califano in seiner Stellungnahme vor
einem Untei usschuß des US-Senats die mögliche Strahlenexposition der
Bevölkerung in Reakto»*nähe erörtert. Er erklärte u.a.:
"Die Einheit, die gewöhnlich zur Messung einer Strahlendosis benutzt
wird, ist das REM, das sich auf die Strahlenmenge bezieht, die ein bestimmtes Ausmaß an biologischer Schädigung in Gewebe verursacht.

Da aber

ein REM eine viel zu große Einheit ist, um damit die relativ niedrigen
Strahlenpegel vieler Arten von UmweHstrahlung zu beschreiben, werden die
Dosen in Tausendstel REM oder Mi 1 U r e m ausgedrückt.
Boden emittieren natürliche radioaktive Strahlung.

Luft, Wasser und
Sie macht etwa 50

Prozent der Strahlung aus, der im Durchschnitt der Mensch ständig ausgesetzt ist.

Von den übrigen 50 Prozent stammen neun Zehntel von medizinisch

- 6 -

�medizinisch eingesetzten Röntgenstrahlen und Radionukliden, das restliche
Zehntel aus radioaktivem Fallout, industriellen Prozessen, Erzeugung von
Kernkraft und Gebrauchsgütern.
Die durchschnittliche Jahresdosis aus natürlicher "Hintergrundstrahlung" beträgt in den USA für jede Person ca. 130 Millirem, aus
medizinischen Quellen nahezu 70 Millirem, so daß, alle Strahlungsquellen
berücksichtigt, die Exposition pro Jahr bei etwa 200 Millirem liegt.
Aufgrund der bisher vorliegenden NRC-Daten ist anzunehmen, daß die höchste
Dosis, die ein Einwohner in der unmittelbaren Umgebung des Atomkraftwerks
Three Mile Island (ca. 25 000 Menschen im Umkreis bis 8 km) während der
ersten fünf Tage insgesamt abbekommen hat, ca. 80 Millirem beträgt,
während sie für die Bevölkerung im Umkreis bis zu 80 km (ungefähr zwei
Millionen Menschen) mit neun Zehntel eines Millirem anzunehmen ist. Während
die Auswirkungen hoher Strahlendosen auf Versuchstiere, aber auch auf den
menschlichen Körper gut bekannt sind, weiß man jedoch von den Auswirkungen
sehr niedriger Dosen, wie sie hier in Frage kommen, noch sehr wenig. Das
gilt insbesondere für die Auswirkungen bei Langzeitexposition. Deshalb
beauftragte mich Präsident Carter bereits im Mai 1978, ein entsprechendes
umfassendes Forschungsprogramm in die Wege zu leiten und zu koordinieren,
auf Grund dessen entsprechende Empfehlungen über Maßnahmen zur Redizierung
der Strahlenexposition ausgearbeitet werden sollen. Die Studien sind noch
im Gang - und es zeigt sich, daß noch große Wissenslücken über die Wirkungen
niedrig dosierter Strahlung bestehen."

- Kernkraftnutzung in den USA Der Anteil der Kernkraft an der gesamten Stromproduktion liegt in
den Vereinigten Staaten bei 12 Prozent. Insgesamt 72 Atomkraftwerke
sind in Betrieb, weitere 140 in Bau oder geplant. Jedoch sieht sich die

- 7 -

�die Industrie wachsenden Schwierigkeiten gegenüber.

In den letzten vier

Jahren haben die KraftwerksgesellSchäften Aufträge für 31 Anlagen zurückgezogen, und die Schätzung der Regierung über den Anteil der Kernenergie
an der Stromproduktion im Jahr 2 000 werden ständig weiter nach unten
korrigiert.

Ein Grund dafür ist die niedrige Zuwachsrate für den Strom-

verbrauch pro Kopf seit 1973, ein weiterer die wachsende Opposition der
Öffentlichkeit gegen Kernkraft.
Im Durchschnitt dauert es 10 bis 12 Jahre, bis ein neues Kernkraftwerk
in Betrieb gehen kann.

Die Baukosten sind enorm gestiegen, und die Industrie

sagt, jede Verzögerung nur um einen weiteren Monat koste jeweils 10
Millionen Dollar mehr.

Präsident Carter ersucht den Kongreß um Zustimmung

zu einem zügigeren Durchschleusen der Genehmigung.

Einige einflußreiche

Abgeordnete und Senatoren wollen jedoch diese Frage mit der Frage der
Atommüll-Beseitigung gekoppelt sehen.
getroffen.

So wurde bisher keine Entscheidung

Sie dürfte angesichts der Vorfälle im Kernkraftwerk Three Mile

Island weiter auf sich warten lassen.

+ + + + +

�nd-

I

International CommuniCdtu»n Agency
Embassy of the United States of America

14

18. April 1979

MEERESBERGBAUGESETZ ERNEUT VOR US-KONGRESS
Regierung wünscht Übergangsregelung bis zum Seerechtsvertrag

- (AD) - In Stellungnahmen vor dem Kongress der Vereinigten Staaten
setzten sich Vertreter der amerikanischen Regierung erneut für ein Gesetzeswerk ein, das den rechtlichen Rahmen für die Gewinnung von Rohstoffen aus
der Tiefsee abgeben soll. Die Mehrzahl der gegenwärtig an der achten
Plenarsitzung der Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen in Genf teilnehmenden Länder ist gegen ein solches einseitiges Vorgehen der Vereinigten
Staaten. Dennoch sah sich die Administration in Washington veranlaßt,
die entsprechende Gesetzesvorlage erneut einzubringen, weil derzeit nicht
mit Sicherheit gesagt werden kann, daß das Problem des Bergbaus im Meer
durch Verhandlungen gelöst und, sofern es doch dazu käme, wann dies geschehen wird. Die Vertreter der Regierung betonen jedoch, daß es die
Vereinigten Staaten vorziehen würden, wenn der Abbau der Rohstoffe vom
Meeresboden im Rahmen eines umfassenden internationalen Seerechtsvertrages
geschähe.
Allan Berlind, der im amerikanischen Außenministerium die Abteilung

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 08-85432

�Abteilung für die Seerechtsverhandlungen leitet, erklärte am 29. März 1979
vor einem gemeinsamen Senatsunterausschuß für Energie und natürliche
Hilfsquellen u.a.: "Wir betrachten keineswegs die Seerechtsverhandlungen
als eine hoffnungslose Sache

Realistisch gesehen ist es aber wahr-

scheinlich, daß ein akzeptabler Vertrag in den nächsten Jahren in Kraft
treten kann.

Deshalb ist die Regierung der Ansicht, daß die Vereinigten

Staaten handeln sollten, um zwischenzeitlich ein stabiles Rahmenwerk für
den Meeresbergbau zu schaffen, bis der Seerechtsvertrag erfolgreich abgeschlossen und ratifiziert ist."
Direktor Berlind verlas die vorbereitete Erklärung in Vertretung
von Botschafter Elliot Richardson, der sich als Leiter der US-Delegation
für die Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen in Genf aufhält.

Im

Verlauf der Anhörung hob der Ausschußvorsitzende, Senator Spark Matsunaga
(Hawai),hervor, daß die jetzt erneut eingebrachte Gesetzesvorlage, die der
letzte Kongress nicht mehr habe verabschieden können, das Ergebnis von
mehr als achtjährigen Erörterungen im amerikanischen Kongress sei.

Selbst-

verständlich wäre eine internationale Regelung vorzuziehen, und auch er
persönlich setze sich immer wieder für den Abschluß eines Seerechtsvertrages ein.

Aber "der Kongress kann nicht länger mit der Verabschiedung

des Gesetzes warten, um endlich eine ordnungsgemäße und umweltschonende
Erschließung der harten mineralischen Rohstoffe der Tiefsee durch unsere
Unternehmen in Gang bringen zu können".
Ein halbes Dutzend amerikanischer Firmen sind in den vier wichtigsten
internationalen Konsortien vertreten, die zur Zeit Explorationsarbeiten
für die Förderung der sogenannten Manganknollen durchführen. Dabei handelt
es sich um mangan -, nickel-, kupfer- und kobalthaltige Erzklumpen, die
in mehr als 4000m Wassertiefe am Meeresboden liegen. Die zur Zeit in
Frage kommenden Lagerstätten befinden sich im Pazifik, und zwar außerhalb der Hoheitsgewässer von Anliegerstaaten dieses Ozeans. Zwei wichtige
Probleme, die eine kommerzielle Ausweitung der Erschließungsarbeiten beein-

�beeinträchtigen, sind 1) das Fehlen von Garantien für die Förderrechte in
einem bestimmten Abbaugebiet durch entsprechende Gesetze des Heimatstaates
oder durch internationales Gesetz (laut Aussagen der Industrie sind
solche Förderrechtsgarantien notwendig, um die Finanzierung des Meeresbergbaubetriebs zu sichern), und 2) das Fehlen einer Stellungnahme der
zuständigen amerikanischen Bundesbehörde zu

den Auswirkungen auf die

Umwelt und darauf fußenden Vorschriften, was bei verspäteter Bekanntgabe
ein kostspieliges Umrüsten bei Geräten und Abbauverfahren notwendig machen
könnte.
Die jetzt eingebrachte Gesetzesvorlage ist darauf abgestellt, für
diese Probleme zum mindesten eine Zwischenlösung zu finden, bis ein
internationaler Vertrag vorliegt. "Wir sind bereit, die Verhandlungen
so lange fortzusetzen, bis ein annehmbares Ergebnis erzielt wird", erklärte Berlind vor dem Ausschuß. "Seit ich jedoch (1977) für ein Meeresbergbau-Gesetz plädierte, ist der Zeitplan für die Entwicklung der Bergbautechnologie wegen der fortgesetzten Baisse auf den Metallmärkten und
der Rechtsunsicherheit für die im Meeresbergbau engagierten Firmen bis
zum Abschluß eines annehmbaren Seerechtsvertrages weiter in Verzug geraten."
Wie Berlind weiter ausführte, opponieren etwa 130 der 158 Staaten,
die an der Seerechtskonferenz teilnehmen - prinzipiell die 119 Mitglieder
der Gruppe von 77 Entwicklungsländern - gegen eine einseitige amerikanische
Aktion, und zwar unter Berufung auf die UN-Resolution, die die TiefseeRessourcen zum "Gemeinsamen Erbe der Menschheit" erklärt.

Diese Resolution

wird von den Vereinigten Staaten, die ja auch für sie gestimmt haben,
voll anerkannt. Aber nach dem bisher vorgeschlagenen Vertragstext, so
Berlind,würde praktisch die Kontrolle über den Meeresbergbau jenen Ländern
in die Hand gegeben, die keinerlei Investitionsrisiken tragen.

Dies aber

würde jegliche Innitiative zur Erschließung der Meeresboden-Ressourcen
ersticken.
Die
- 3 -

�Die gegenwärtige Plenarkonferenz, die achte im Verlauf von fünf
Jahren, begann am 19. März 1979 und soll bis zum 27. April dauern.

Noch

lasse sich wie Berlind erklärte, nicht absehen, welche Richtung die
Erörterungen nehmen werden, in denen die internationale Regelung des
Meeresbergbaus eine zentrale Frage darstellt.
Hierbei geht es vor allem um die Erschließung der Tiefsee-Erze
als künftige Rohstoffquelle.

Die ungefähr kartoffelgroßen Manganknollen

finden sich in ausgedehnten Feldern am Meeresboden.
sind sich die Geologen noch nicht sicher.

Ober ihre Entstehung

Einigen Hypothesen zufolge könnten

Meeresorganismen, die bestimmte Spurenmetalle aufnahmen, anreicherten und
wieder ausschieden, eine Rolle in diesem Prozeß gespielt haben.

Vom

Vorhandensein der Erzklumpen im Meer erfuhr die Wissenschaft zum ersten
Mal im Jahr 1875, als das britische Forschungsschiff "Challenger" von
seiner aufsehenerregenden Expedition durch die Weltmeere zurückkehrte.
Aber sie galten lange Zeit bestenfalls als ein wissenschaftliches Kuriosum.
Es dauerte fast neunzig Jahre, bis man sich wieder an sie erinnerte.

Wie

Dr. Vincent McKelvey vom geologischen Bundesamt der Vereinigten Staaten
berichtet, begannen um 1960 wissenschaftliche Publikationen, die Aufmerksamkeit auf den riesigen Erzreichtum der Meere zu lenken, der der
Erschließung harrte.
Natürlich fehlte noch die Technologie, um die Tiefsee-Erze zur Oberfläche zu bringen. In den sechziger und siebziger Jahren begannen
amerikanische, europäische und japanische Firmen mit der Gründung von
Konsortien mit dem Ziel, Techniken zur Förderung und Aufbereitung der Erze
zu entwickeln und die Exploration zur Auffindung von geeigneten Lagerstätten systematisch voranzutreiben. Die Unternehmungen waren mit hohen
finanziellen Risiken verbunden. So wurden zum Beispiel in einer Studie
des Massachusetts Institute of Technologie (Boston, USA) die Kosten
allein für die notwendigen Forschungs- und Explorationsarbeiten zur
Einrichtung einer Förderstation auf 25 bis 50 Millionen Dollar geschätzt.

- 4 -

�geschätzt.

Die Installierung von Fördervorrichtungen samt Förderschiffen

sowie von Aufbereitungsanlagen an Land kostet weitere 350 bis 600 Millionen
Dollar.

Die höchste Manganknollendichte entdeckte man bisher im Pazifik

südöstlich von Hawai zwischen dem 110. und 160. Längengrad bei 5° bis 20°
nördlicher Breite.
In den letzten Jahren ließ das amerikanische Bundesamt für Ozeanund Atmosphärenforschung (NOAA) eine Reihe von Umweltstudien durchführen,
um zu ermitteln, ob und in welcher Weise die Lebensbedingungen der Organismen
am Meeresboden durch den Meeresbergbau beeinträchtigt würden. Man hatte
z.B. befürchtet, daß das Aufwallen von Sand- und anderen Partikelwolken durch
den Förderbetrieb sich als schädlich erweisen könnte. Aber obgleich die
Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind,hält es Dr. McKelvey für
möglich, daß ein auf diese Weise bewerkstelligtes "Umrühren" des Meeres
sogar einen zusätzlichen Bonus bringt. Nährstoffreiches Wasser wird näher
an die Oberfläche zum Phytoplankton herangeführt, was die Fördergebiete
für Manganknollen auf hoher See zu regelrechten "Gärten der Meere" machen
könnte.

+ + + + +

- 5 -

�I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
18. April 1979

14

PRODUKTIVITÄT BRAUCHT FORSCHUNG
Sonderbotschaft Präsident Carters über Wissenschaft und Technologie

- (AD) - Vermehrte Anstrengungen in der wissenschaftlichen und industriellen Forschung können, wie Präsident Carter in seiner "Botschaft über Wissenschaft und Technologie" hervorhebt, die Produktivität Amerikas verbessern, die
Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten im Welthandel steigern und andere
schwerwiegende Probleme im Inland wie in der übrigen Welt lösen helfen. In
der 17seitigen Sonderbotschaft, die am 27. März 1979 dem amerikanischen Kongreß
zugeleitet wurde, fordert der Präsident dringend mehr wissenschaftliche und
technologische Zusammenarbeit mit anderen Ländern und verstärkte staatliche
Förderung der Wissenschaft in den USA - auch in dieser Zeit allgemeiner Sparmaßnahmen.
Präsident Carter gibt seiner Überzeugung Ausdruck, daß verstärkte Forschungsanstrengungen u.a. der Schlüssel zur Lösung wichtiger Aspekte von Problemen der Inflation, Arbeitslosigkeit, ausländischer Konkurrenz und geringeren
Zuwachses der Produktivität seien.

Denn "30 bis 40 Prozent des amerikanischen

Wirtschaftswachstums in den letzten drei Jahrzehnten war technologischen Innovationen zu verdanken", heißt es in der Botschaft.

Industrien mit einem

hohen Grad technologischerlnnovation seien auch heute die produktivsten Branchen und auf den Weltmärkten besonders konkurrenzfähig.

Dagegen werde als

Folge nachlassender Produktivität die Inflation weiter verschlimmert.

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die Verringerung des Produktivitätszuwachses hat in den USA zu beträchtlicher Besorgnis geführt.

Die Erörterung der möglichen Ursachen steht bei den

Wirtschaftsexperten an erster Stelle. Sie scheinen sich keineswegs darüber
einig zu sein, wo denn die eigntliche Ursache zu suchen sei. So wurden unter
anderem der wachsende Anteil junger Arbeiter und unerfahrener weiblicher
Arbeitskräfte an der berufstätigen Bevölkerung, die niedrige Investitionsrate
der Wirtschaft während einer langen Zeit der Rezession sowie die Tatsache verantwortlich gemacht, daß eine rasch fortschreitende Inflation den Wirtschaftsertrag von Investitionen für neue Betriebe oder neue Technologien verringert
habe.

Wie dem auch sei - nach Meinung der Experten war jedenfalls die Verlang-

samung des Wirtschaftswachstums von einer Verringerung der Beiträge der Wirtschaft für Forschung und Entwicklung begleitet, wenn dies auch nicht zwangsläufig als Ursache angesehen werden könne. Jedenfalls ist der Regierung Carter
daran gelegen, daß sich dieser Trend umkehrt.
In seiner Botschaft an den Kongreß betont Präsident Carter die Verantwortung der Bundesregierung, "Forschung und Entwicklung zu betreiben, wenn es im
Interesse der Nation notwendig ist, den Anteil neuer Technologien auf dem Privatsektor schneller zu vergrößern". Dies gelte vor allem dort, wo, wie bei
der Entwicklung einiger Energie-Technologien, ein großes Risiko eingegangen
werde oder die Kosten ungewöhnlich hoch seien. Jedoch erwarte die Regierung
Carter von der Privatindustrie, daß sie Forschung und Entwicklung in Bereichen
finanziere, wo Aussicht auf baldige wirtschaftliche Rentabilität bestehe.
Die führenden Persönlichkeiten der amerikanischen Wirtschaft wünschen, so besagt die Sonderbotschaft Carters, "eher ein der Innovation förderliches Klima
als die direkte Unterstützung von Forschungen und Entwicklungen mit einem möglichen kommerziellen Potential".
Die Botschaft nennt keine speziellen Schritte seitens der Regierung, um
die amerikanische Industrie zu verstärkten Forschungs- und Innovationstätigkeit
anzuspornen.

Entsprechende Vorschläge werden gegenwärtig im Rahmen einer umfas-

senden Überprüfung unter Mitarbeit von 30 Regierungsbehörden und vielen Beratergruppen aus der Industrie, den Gewerkschaften, Universitäten und Öffentlichkeit
unter Leitung von US-Handelsministerin Juanita Kreps ausgearbeitet.
- 2 -

Präsident

�Präsident Carter erwartet von dieser Überprüfung "viele praktische Empfehlungen,
die dazu beitragen, unsere Industrie innovationsfreudiger zu machen."

Die Sonderbotschaft läßt klar erkennen, daß die Regierung nicht in Handelsbarrieren, sondern in verbesserter Produktivität und mehr Innovation auf Seiten
der Industrie den Weg sieht, um mit der Konkurrenz durch verstärkte Importe aus
jungen Industrieländern fertig zu werden.

"Immer mehr Länder werden zu In-

dustrienationen und bauen Industrien auf, in denen die USA einmal führend waren.
Es sind Länder mit gesunder Wettbewerbsfähigkeit.
tät.

Wir begrüßen ihre Prosperi-

Wir wollen ihr Wachstum nicht durch Zölle und andere Handelsschranken be-

grenzen.

Vielmehr müssen wir danach streben, unsere eigene Leistung durch er-

neute Innovationen auf Gebieten zu steigern, auf denen wir einen besonders hohen Standard besitzen - z.B. in der Landwirtschaft, bei Arzneimitteln, in der
Mikroelektronik, Computertechnik, im Flugzeugbau, bei Entwicklung und Aufbau
von Satellitensystemen und vielen anderen Technologien.

Wir müssen ferner un-

sere weniger stark an die moderne Technologie gebundenen Industrien durch Innovationen wettbewerbsfähiger machen", heißt es in der Botschaft.

Die Bedeutung einer Förderung der Grundlagenforschung durch die US-Regierung wird wegen ihres Einflusses auf die Entwicklung neuer Technologien besonders hervorgehoben.

Seit seiner Amtsübernahme setzte sich Präsident Carter

immer wieder für die Erhöhung der staatlichen Mittel für Grundlagenforschung
ein, sie wurden bisher um 20 Prozent angehoben.

In der Sonderbotschaft an den

Kongreß wird eine Vielzahl von Fragen zur Wissenschafts- und Technologiepolitik
angeschnitten, u.a. Anwendungsmöglichkeiten auf dem Gebiet der Energieversorgung, der Weltraumforschung, des Gesundheitswesens, der internationalen Zuteilung von Funkfrequenzen, bei weltweiten Umweltproblemen, in der Verteidigung
und beim Fortschritt von Entwicklungsländern.

Und es wird auch betont, daß die

kostspieligsten und wichtigsten Projekte nur in internationaler Zusammenarbeit
sinnvoll durchzuführen seien.

Als Beispiele werden Offshore-Explorationsboh-

rungen am äußeren Rand der Schelfgebiete, die nächste Generation von HochenergieBeschleunigern für die physikalische Grundlagenforschung und Forschungsanlagen
für die Erschließung der Fusionsenergie angeführt.

Was die amerikanische Raum-

fahrtpolitik angehe, so sei diese so ausgelegt, daß sie "die Anwendung der

- 3 -

�der Raumfahrttechnologie im Interesse der Bedürfnisse des Menschen hier auf
der Erde unterstützt".

Gleichzeitig ermutige sie zur Weiterführung der wissen-

schaftlichen Erforschung des Universums.

Entwicklungsländern den Zugang zur Technik erleichtern
Das neue "Institut für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit",
dessen Schaffung Präsident Carter schon im vergangenen Jahr dem amerikanischen
Kongreß vorschlug, würde den Entwicklungsländern helfen, die für sie geeigneten
Technologien auszuwählen und zu entwickeln.

In der Sonderbotschaft, die die

Aufgaben dieses Instituts noch einmal darlegt, heißt es dazu unter anderem:
"Die USA können und müssen wissenschaftliche Erkenntnisse und geeignete technologische Verfahren mit den Entwicklungsländern teilen.

Es ist unser Wunsch, an-

deren Ländern zu helfen, Technologien für ihren eigenen Bedarf zu entwickeln.
Wir müssen diesen Vorsatz sowohl aus humanitäten Gründen als auch deshalb verwirklichen, weil die Überwindung der Probleme von Armut, Überbevölkerung, Mangel an Nahrung und natürlichen Hilfsquellen eine stabile Welt erfordert, was
auch unserer eigenen Sicherheit und unserem Wohlergehen zugute kommt.
Angesichts dieser Tatsachen unterbreite ich zusätzliche Vorschläge über
die Schaffung eines Instituts für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit, das die, Aufgabe hat, Entwicklungsländern zu helfen und ihre Fähigkeiten
auf wissenschaftlichem und technologischem Gebiet zu verbessern. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Internationale Entwicklung wird das Institut die Nutzung
von Wissenschaft und Technik ausweiten und vertiefen, damit die einer Entwicklung entgegenstehenden Hindernisse überwunden werden.
Das Institut wird einzelnen Entwicklungsländern helfen, Technologien auszuwählen und aufzubauen, die ihren eigenen Bedürfnissen entsprechen,
zeitig wird es sie in die Lage versetzen, Beiträge zur Lösung von Problemen zu
leisten, von denen sowohl Industrieländer als auch Entwicklungsländer betroffen sind. Das Institut wird beispielsweise mit Entwicklungsländern zusammenarbeiten, um für landwirtschaftliche Gebiete, die sich nicht für den fortgesetzten
- 4 -

�fortgesetzten Anbau von Nahrungsgetreide eignen, vielgestaltige Feldkulturen
zu entwickeln.

Es wird ferner Unterstützung leisten, um z.B. sauberes Wasser

zu gewinnen und Abwässer in ländlichen Gebieten, wo die Mehrheit der armen Bevölkerung lebt, zu beseitigen, moderne Informationssysteme aufzubauen, Tropenkrankheiten zu verhüten und zu behandeln und geeignete Energie-Versorgungssysteme zu entwickeln.

Das Institut wird Entwicklungsländern die Wege ebnen,

damit sie die Unterstützung amerikanischer Regierungsbehörden, Universitäten
und Fachinstitute sowie der Privatindustrie in Anspruch nehmen können. Auf
diese Weise trägt das Institut zu einer besseren Koordinierung der internationalen Aktivitäten unserer Behörden bei.

Besondere Bedeutung kommt der Aufgabe des Instituts zu, mit den bereits
fortgeschrittenen Ländern der Dritten Welt zusammenzuarbeiten.

Diese Länder

besitzen bereits die Infrastruktur und die wissenschaftlich-technische

Kapazi-

tät, um als Partner gemeinsam mit uns regionale und internationale Probleme
bei der Mehrheit der armen Länder anzugehen und deren Bedürfnissen gerecht zu
werden.

Das Institut wird sich an die Industrie, an die Gewerkschaften und an

private Freiwilligen-Organisationen wenden, um Entwicklung und Management sowie
die Verbesserung des Gesundheits- und Sicherheitsstandards in den in der Modernisierungsphase befindlichen Gesellschaften zu fördern...

Auch auf der

UN-Konferenz über Wissenschaft und Technik für Entwicklungsaufgaben im Sommer
dieses Jahres wollen wir eine aktive Rolle spielen.

Ich betrachte diese Kon-

ferenz als eine gute Gelegenheit, technologiebezogene Probleme, die Entwicklungsländer ganz besonders beschäftigen, zu erörtern und zu Obereinkünften über gemeinsame Ziele zu kommen."

+ + + + +

- 5-

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