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9

und

H .dlMB

Dokumentation

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. März 1979

11
I N H A L T

DOKUMENTATION
Proklamation Präsident Carters zum 30. Jahrestag der NATO
- Wortlaut Grußwort des US-Außenimiirnsters Vance zum NATO-Jahrestag
•i •

i«

•

- Wortlaut HINTERGRUNDMATERIAL
SALT und die europäische regionale Sicherheit
- Von USICA-Korrespondent William H. Durham Ein Plädoyer für SALT II
- Von Dr. George B. Kistiakowsky WIRTSCHAFT
US-Kongreß fordert Anreize für KapitalgUterinvestitionen
- Gemeinsamer Wirtschaftsausschuß veröffentlicht Jahresbericht US-Erklärung zur Einigung über einen gemeinsamen Rohstoff-Fonds
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Investitionen in die Zukunft
- Mehr Mittel für Grundlagenforschung im Wissenschaftsetat 1980
Gesunde Pflanzen - doppelter Ertrag
- Klonierte Kartoffeln widerstandsfähiger gegen Krankheiten Die andere Seite der Medaille
- Pestizid Toxaphen entpuppt sich als mögliches Umweltgift -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Dokumentation
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28. März 1979

11

PROKLAMATION PRÄSIDENT CARTERS ZUM 30. JAHRESTAG DER NATO
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 22. März 1979 in einer
Proklamation des 30. Jahrestages der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrages
gedacht und seine Landsleute aufgefordert, dieses "bemerkenswerte Ereignis"
gebührend zu würdigen.
Seine Proklamation hat folgenden Wortlaut:
Das Weiße Haus
Der 30. Jahrestag der NATO
Eine Proklamation
des Präsidenten der Vereinigten Staaten

Vor 30 Jahren wurde in Washington am 4. April 1949 der Nordatlantikvertrag unterzeichnet. Aus diesem Akt erwuchs die Nordatlantikpakt-Organisation
oder NATO - ein Bündnis, das durch die gemeinsame Verpflichtung auf die Erhaltung der Demokratie, der Freiheit des Individuums und der Herrschaft des Rechts
zusammengeschweißt wurde.
Seit

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Telex:08-85432

�Seit drei Jahrzehnten schreckt die NATO erfolgreich vor einem Krieg ab,
sie hält die Stabilität in Westeuropa und Nordamerika aufrecht und gewährleistet
auf diese Weise das Wohlergehen und die Prosperität ihrer 15 Mitgliedstaaten:
Belgien, Bundesrepublik Deutschland, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen,
Portugal, die Türkei und die Vereinigten Staaten.
Auch wenn die kollektive Verteidigung gegen eine mögliche Aggression das
dringendste Anliegen der NATO bei ihrer Gründung war, ist sie stets mehr als
lediglich ein Militärpakt gewesen.

Die spontane politische Entwicklung des

Bündnisses zeigt, daß echte Sicherheit weit mehr als eine Angelegenheit der Bewaffnung und Bataillone ist.

Letzten Endes erwächst echte Sicherheit nur aus

der freimütig gewährten Unterstützung der Menschen und ihrer Bereitschaft, sich
an der Verteidigung gemeinsamer Ideale zu beteiligen.
Seit Gründung der NATO hat sich die internationale Lage vielfach weiter
entwickelt, und die NATO hat sich den eingetretenen Veränderungen angepaßt
- in militärischer, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht.

Das Bündnis

ist heute noch so relevant und von so zentraler Bedeutung für unsere Sicherheit,
für unsere Lebensform und für die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten wie
im Jahre 1949.

Damals wie heute spiegelt das feste Eintreten des Kongresses

und des amerikanischen Volkes für die NATO die tiefe Oberzeugung wider, daß
die NATO das Fundament der Außenpolitik der Vereinigten Staaten darstellt.
In dieser Zeit, in der die NATO in ein weiteres Jahrzehnt neuer Leistungen
eintritt, sehen wir der Zukunft mit Zuversicht und in dem Bewußtsein entgegen,
daß die fortwährende Zusammenarbeit unter den Verbündeten die internationale
Stabilität und Sicherheit gewährleistet, auf der unsere Ideale, unsere Kultur
und unser Wohlergehen beruhen. Während die NATO ein neues Kapitel ihrer glänzenden Geschichte aufschlägt, verpflichte ich die Vereinigten Staaten voll
Stolz erneut auf die Ziele der NATO, die der Sache des Friedens so gute Dienste
geleistet haben.
Deshalb

- 2 -

�Deshalb lenke ich, Jimmy Carter, Präsident der Vereinigten Staaten, hiermit das Augenmerk der Nation auf den 30. Jahrestag der Unterzeichnung des Nordati antikvertrages.

Ich fordere die Gouverneure der Einzel Staaten und die Ver-

treter der Kommunalbehörden auf, sich für eine gebührende Würdigung dieses bemerkenswerten Ereignisses im gesamten Gedenkjahr und insbesondere im April,
dem Monat, in dem wir der historischen Zeremonie seiner Unterzeichnung gedenken,
einzusetzen.
Zum Zeugnis dessen habe ich an diesem zweiundzwanzigsten Tag im März des
Jahres unseres Herrn neunzehnhundertneunundsiebzig und des zweihundertunddritten
Jahres der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten dieses handschriftlich unterfertigt.

(gez.) Jimmy Carter

+ + + + +

- 3 -

�Dokumentation
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11

28. März 1979

GRUSSWORT DES US-AUSSENMINISTERS VANCE ZUM NATO-JAHRESTAG
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Der Außenminister der Vereinigten Staaten, Cyrus Vance,
hat dem State Department Bulletin, der Monatszeitschrift des Ministeriums, aus
Anlaß des 30. Jahrestags der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrages ein Geleitwort zum Abdruck in der April-Ausgabe 1979 zur Verfügung gestellt.
Die Grußadresse des Ministers hat folgenden Wortlaut:
Am 4. April werden die Vereinigten Staaten gemeinsam mit den anderen 14
Mitgliedstaaten der Nordatlantikpakt-Organisation den 30. Jahrestag der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrages begehen.

Dieser Jahrestag ist ein bedeut-

samer Meilenstein in der Geschichte des Westens nach dem Zweiten Weltkrieg.
Seit drei Jahrzehnten bewahrt die Verteidigungszielsetzung des Bündnisses
Europa und Nordamerika vor den Verheerungen eines Krieges.

Indem die NATO den

Frieden sichert, schafft sie auch die Gewähr für die Stabilität, unter der die
demokratischen und wirtschaftlichen Institutionen der Verbündeten an Stärke und
Prosperität zunehmen konnten.

Im

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�&gt;

Im Laufe der Jahre hat sich die NATO als ideenreich in dem Bemühen erwiesen, neuen Herausforderungen gerecht zu werden.

Ihre Fähigkeit, vor Aggres-

sionen abzuschrecken, läßt sich nicht allein an Zahlenvergleichen messen.
Heute, da das Bündnis in ein neues Jahrzehnt seiner Existenz eintritt, ist
seine Strategie der Vorneverteidigung und der flexiblen Antwort so gültig
wie zuvor;

das gilt auch für ihre militärische Kapazität, diese Strategie

zu verwirklichen.
Die NATO ist und bleibt das Fundament unserer Außenpolitik.

Die Verpflich-

tung der Vereinigten Staaten auf dieses Bündnis ist unerschütterlich.

Unsere

Freiheit, unsere Sicherheit und unser Wohlergehen sind durch Geschichte, Kultur
und Zivilisation unwiderruflich mit dem Schicksal unserer europäischen Verbündeten verknüpft, mit denen wir uns in eine Interessengleichheit ohne Beispiel
teilen.
Die zunehmenden wechselseitigen Verflechtungen zwischen unserer Politik und
unseren Interessen einerseits und jenen unserer Verbündeten andererseits haben
den Bereich der Bündniskonsultation weit über die traditionellen militärischen
Belange hinaus dahingehend erweitert, daß er auch politische, wirtschaftliche
und soziale Entwicklungen in vielen Teilen der Erde einschließt. Heute berühren Fragen von hohem Belang für das Bündnis einen weiten Bereich geographischer und fuktioneller Anliegen unserer Regierung, insbesondere des Außenministeriums. Die Mechanismen der NATO für Konsultationen bieten uns ein Forum
ohnegleichen, das es uns gestattet, 14 Länder, deren Unterstützung für die Erreichung der politischen Zielsetzungen der Vereinigten Staaten in aller Welt
wichtig ist, gleichzeitig anzusprechen. Wie Präsident Carter festgestellt hat,
"ist unser Bündnis kein Selbstzweck. Es ist vielmehr eine Methode, Stabilität
und Frieden in Europa und darüber hinaus den Frieden in der ganzen Welt zu
fördern.
Der 30. Jahrestag bietet uns allen Gelegenheit, den Erfolg des Bündnisses
zu feiern.

Und was noch wichtiger ist, er bietet uns eine Gelegenheit, uns Ge-

danken darüber zu machen, wie wir unseren Beitrag zur NATO verstärken können,
wenn es jetzt darum geht, daß sie den Herausforderungen im kommenden Jahrzehnt
gerecht wird.

+ + + + +
- 2 -

«

�11

28. März 1979

SALT UND DIE EUROPÄISCHE REGIONALE SICHERHEIT
Von USICA-Korrespondent William H. Durham

WASHINGTON

- (AD) -

In den Vereinigten Staaten und auch in Europa

sind gewisse Besorgnisse über die möglichen Auswirkungen des SALT II-Abkommens auf die europäische Sicherheit geäußert worden.

Von besonderem

Belang ist in diesem Zusammenhang das Protokoll zum Abkommen mit seinem
Hinsweis auf kurzfristige Beschränkungen gewisser amerikanischer und
sowjetischer Waffensysteme.

Andere Teile des Protokolls sehen Beschränkungen

in der Erprobung und der Dislozierung mobiler Interkontinentalraketen vor.
Der Teil des Protokolls, der in Europa das größte Interesse findet, ist
der Abschnitt, der sich mit den land- und seegestützten Marschflugkörpern
(Cruise Missiles) befaßt.

Dieser Teil verbietet zwar die Dislozierung,

nicht jedoch die Erprobung solcher Flugkörper mit einer Reichweite von mehr
als 600 Kilometern für die Dauer von drei Jahren.

Die Kritiker des SALT-Abkommens behaupten, daß ein neuer Vertrag die
nukleare Gefechtsfeldstreitkräfte des Westens schwächen könnte.

In

Wirklichkeit wird SALT II jedoch die Bemühungen des Westens, seine nukleare

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�nukleare Gefechtsfeldposition zu modernisieren, in keiner Weise berühren.
Als einen der zehn Punkte in dem von den NATO-Staats- und Regierungschefs
im Mai vorigen Jahres in Washington gebilligten Langfristigen Verteidigungsprogramm überprüft das Bündnis gegenwärtig seine nuklearen Gefechtsfelderfordernisse.
Zu den vom Bündnis erwogenen weitreichenden Systemen gehören landund seegestützte Marschflugkörper wie auch Pershing II-Raketen mit größerer
Reichweite.

Da diese Systeme sowieso nicht vor 1983 disloziert werden

könnten - also erst nach dem Auslaufen des Protokolls - wird SALT II
Entscheidungen über eine Dislozierung solcher Systeme, sollte die NATO
sich dafür aussprechen, in keiner Weise hinauszögern oder gar ausschließen.
Darüber hinaus wird die Pershing II durch die Bestimmungen des SALT IIVertrages überhaupt nicht berührt.
Obwohl das neue SALT II-Abkommen ein Verbot der Umgehung seiner
Bestimmungen enthält, wird es in weitere nukleare und konventionelle
Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten nicht eingreifen. Es wird sich
auf die bestehende Form der Zusammenarbeit im Bündnis nicht auswirken,
und es wird auch die Zusammenarbeit bei der Modernisierung nicht verhindern.
Darüber hinaus sind sich die Sowjets völlig darüber im klaren,
daß die im Protokoll festgelegten Begrenzungen mit dem Ablauf des Protokolls
enden und daß nachfolgende Begrenzungen nur als Ergebnis neuer Verhandlungen
eintreten können. Damit stellt die Tatsache, daß land- und seegestützte
Marschflugkörper vom Protokoll und nicht von dem Vertrag selbst erfaßt
werden, keinen Präzedenzfall für künftige Verhandlungen dar. Obwohl die
Sowjets versuchen könnten, damit zu argumentieren, daß das Protokoll
einen Präzedenzfall für weitere Beschränkungen der Marschflugkörper
schaffe, so stellt die Existenz eines umfangreichen Entwicklungsprogramms
für Marschflugkörper einen Impuls für weitere Versuche, Herstellung und
Dislozierung dar, wenn sich die Verbündeten dafür entscheiden sollten,

�sollten, diese Option aufzugreifen.
Darüber hinaus haben wir den Verbündeten versichert, daß das SALTAbkommen künftige Optionen oder Programme des Bündnisses nicht verhindern
wird, und den Sowjets klargemacht, daß bestehende Formen der Verteidigungszusammenarbeit mit unseren Verbündeten fortgesetzt werden.
Eine endgültige Entscheidung, ob die Vereinigten Staaten nach Ablauf
des Protokolls im Jahre 1983 Marschflugkörper-Systeme in Westeuropa
dislozieren würden, werden die USA nicht einseitig treffen. Die Frage
der Dislozierung von Marschflugkörpern oder anderen verbesserten Gefechtsfeld-Nuklearsystemen wird vom ganzen NATO-Bündnis erörtert und
entschieden werden. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin eng mit
den Verbündeten bei der Entwicklung und Unterstützung von Maßnahmen zur
Modernisierung der Streitkräfte zusammenarbeiten, die als notwendig
befunden worden sind, um eine wirksame nukleare Gefechtsfeldkapazität
für die Abschreckung und die Verteidigung aufrechtzuerhalten.
Es gibt Leute, die behaupten, die Marschflugkörper seien die bestmögliche Antwort auf die Gefechtsfeldverbesserungen des Warschauer Paktes,
aber der Marschflugkörper ist nur eine der Optionen, die dem Bündnis
zur Verbesserung seiner Gefechtsfeld-Nuklearstreitmacht zur Verfügung
stehen.

Zu den anderen Optionen gehören ballistische Raketen, einschließlich

der Pershing II mit größerer Reichweite, und eine neue ballistische
Mittelstreckenrakete sowie bemannte Flugzeuge mit Marschflugkörpern.
Es wird ferner die Besorgnis geäußert, daß die Beschränkungen in der
Dislozierung von land- und seegestützten Marschflugkörpern mit Nuklearkapazität auch für die Verwendung von Marschflugkörpern als konventionelle
Waffe gelten würden.

Das wäre für die Laufzeit des Protokolls für jene

Marschflugkörper mit einer Reichweite von über 600 km tatsächlich der Fall.
Aber weder konventionelle noch nukleare Marschflugkörper werden während

- 3 -

«

�während der Laufzeit des Protokolls einsatzfähig sein, und die Versuche
mit nuklearen und konventionellen land- und seegestützten Marschflugkörpern sind während dieses Zeitraums für unbegrenzte Reichweite erlaubt.
Die Vereinigten Staaten haben derzeit keine Pläne, einen konventionellen
Marschflugkörper zu entwickeln, aber diese Option ist trotzdem für die
Zeit nach Ablauf des Protokolls nicht ausgeschlossen.

Darüber hinaus

haben die Vereinigten Staaten den Sowjets klargemacht, daß die Begrenzungen
für land- und seegestützte Marschflugkörper im Protokoll keinen Präzedenzfall
für mögliche künftige Begrenzungen dieser Systeme schaffen, einschließlich
der Frage, ob konventionelle Varianten dieses Systems den gleichen
Begrenzungen unterliegen werden wie die nukleare Variante.
Manche Leute fragen sich, warum SALT II den sowjetischen Gefechtsfeldsystemen keine Einschränkungen auferlegt und dann die NATO neuer Gefechtsfeldsysteme wie des Marschflugkörpers berauben sollte.
daß SALT II die NATO nicht neuer Systeme beraubt.

Tatsache ist,

Es tut nicht mehr, als

zu verbieten, was ohnehin unmöglich war - nämlich die Dislozierung landund seegestützter Marschflugkörper mit großer Reichweite für die Laufzeit
des Protokolls.

Die Versuche können ungehindert weitergehen.

Aber was ist mit der sowjetischen SS-20, so fragen Kritiker. Die
SS-20 ist eine landgestützte, mobile, ballistische Mittelstreckenrakete
mit Mehrfachgefechtsköpfen, die als Ersatz für die älteren SS-4 und
SS-5 disloziert wird. Diese älteren Mittel- und Zwischenstreckenraketen
haben den Sowjets seit langem eine vollständige Zielerfassung in Westeuropa gegeben; somit stellt die SS-20 keine neue Bedrohung für das Bündnis
dar. Sie bedeutet jedoch eine wesentliche qualitative Verbesserung
gegenüber den älteren Systemen, da sie treffsicherer und überlebensfähiger
ist.
Aus diesem Grunde bietet die SS-20 Anlaß zur Besorgnis bei den
westlichen Verteidigungsplanern.
Die Kritiker

�Die Kritiker fragen nun, warum, wenn das Protokoll die Dislozierung
von landgestützten Marschflugkörpern begrenzt, es keine entsprechenden
Einschränkungen für die SS-20 gibt. Dazu muß nochmals festgestellt werden,
daß das Protokoll nur das verbietet, was ohnehin unmöglich ist - die
Dislozierung von land- und seegestützten Marschflugkörpern während der
Laufzeit des Protokolls. Aufgrund einer bewußten Entscheidung der
Vereinigten Staaten - unter Berücksichtigung der Auffassungen der Verbündeten we-den in SALT II keine Begrenzungen für die nuklearen Gefechtsfeldwaffen
der Sowjetunion angestrebt, weil dies notwendigerweise Begrenzungen der
vornestationierten amerikanischen Systeme zur Folge gehabt und vielleicht
die Frage der Nuklearstreitkräfte des Bündnisses aufgeworfen hätte. Das
Für und Wider der Forderung nach Begrenzungen der sowjetischen SS-20 bei
künftigen Verhandlungen wird gegenwärtig von den Vereinigten Staaten und
ihren Verbündeten erörtert.
Andere Kritiker fragen, warum das SALT II-Abkommen keine Beschränkungen
für den sowjetischen Backfire-Bomber enthält. Obwohl das SALT-Abkommen
noch nicht insgesamt festgelegt ist, werden sich die Vereinigten Staaten
einverstanden erklären, den Backfire-Bomber von der Gesamtbegrenzung
auszunehmen,allerdings nur, wenn die Sowjets garantieren, daß sie nicht
danach streben, den Bomber zu einer Interkontinentalkapazität zu entwickeln,
und seine Produktionsrate zu begrenzen.

Diese Zusicherungen werden von den

Vereinigten Staaten als rechtlich bindend angesehen werden, und die USA
werden ein SALT II-Abkommen unter Verlaß auf die sowjetische Einhaltung
der entsprechenden Verpflichtungen unterzeichnen.
Es besteht einige Unsicherheit, was eigentlich die Systeme der sogenannten "Grauzone" sind.
nicht.

Eine präzise Definition dieses Begriffs gibt es

Im allgemeinen werden darunter nukleare Waffensysteme verstanden,

die nicht in den Bereich von SALT II fallen, deren Reichweite jedoch die
reiner Gefechtsfeldsysteme übertrifft. Wo man hier genau die Grenze
ziehen soll, ist selbst eine Grauzone.
Sowjetische
- 5 -

�Sowjetische Nuklearwaffensysteme, die Reichweiten haben, die unsere
Verbündeten von Stützpunkten in der Sowjetunoin bedrohen können, zählen
zu einer Grauzone, die zwischen interkontinentalen Nuklearsystemen und
taktischen Gefechtsfeldsystemen mit kurzer Reichweite liegt.
union hat seit vielen Jahren solche Systeme disloziert.

Die Sowjet-

Sowjetische

Mittelstreckenraketen und Bomber mit mittlerer Reichweite sowie auch
amerikanische Systeme wie die land- und seegestützten Marschflugkörper
oder die Pershing-Raketen mit erhöhter Reichweite könnten als "Grauzonensysteme" betrachtet werden.
Kritiker behaupten, es könnte dem Westen an vergleichbaren Systemen
zur SS-20 oder dem Backfire-Bomber mangeln, aber das stimmt nicht.

Das

Bündnis verläßt sich auf eine Mischung - einen sogenannten Mix - von
Nuklearsystemen, die von taktischen Systemen kürzerer Reichweite bis zu
den strategischen Systemen der USA reichen.

Das Bündnis verfügt über

eine Reihe von Gefechtsfeldsystemen längerer Reichweite, die in Europa
disloziert sind, einschließlich der britischen seegestützten ballistischen
Raketen, der amerikanischen Jagdbomber vom Typ F-III und verschiedener
anderer Kampfflugzeuge mit großer Reichweite, die viele Verbündete besitzen.
Die Vereinigten Staaten haben mehrere neue weitreichende nukleare Gefechtsfeldsysteme in Entwicklung, einschließlich der Marschflugkörper, der Pershing
II-Rakete und einer neuen Mittelstreckenrakete.

Eine mögliche Dislozierung

solcher Systeme wird derzeit im Bündnis geprüft.
Manche Leute glauben, es sei vorzuziehen, westliche Systeme in Europa
zu dislozieren, die Waffe für Waffe mit der Kapazität des Warschauer
Paktes gleichziehen.

Die Abschreckungsstärke der NATO liegt jedoch in

der lückenlosen Kette von Systemen, angefangen mit den konventionellen
über die nuklearen Gefechtsfeldsysteme bis zu den amerikanischen
strategischen Systemen.
Antwort.

Das ist das Wesen der NATO-Strategie der flexiblen

Es ist daher weda" notwandig noch wünschenswert, System für System

mit dem Warschauer Pakt gleichzuziehen, oder davon auszugehen, daß ein
getrenntes eurostrategisches Gleichgewicht notwendig wäre, da dies Zweifel
- 6 -

�Zweifel an der Ankopplung des Bündnisses an die letztliche Abschreckung •
nämlich die strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten - für die
NATO-Verteidigung aufkommen lassen könnte.

+ + + + +

- 7 -

�28. März 1979

11

EIN PLÄDOYER FÜR SALT II
Von Dr. George B. Kistiakowsky

Auszugsweiser Nachdruck von einem ursprünglich in "The New York
Review Books" erschienenen Artikel mit freundlicher Genehmigung des
Verlages und des Autors,

(c)

1979 NYREV, Inc.
Dr. Kistiakowsky ist emeritierter
Professor der Chemie an' der HarvardUniversität. Er hat an dem berühmten
Manhatten-Projekt zur Entwicklung der
ersten Atombombe mitgearbeitet, war
Sonderberater Präsident Eisenhowers
für Wissenschaft und Technologie und
gehörte bis zu seinem Rücktritt dem
Wissenschaftlichen Beratungsausschuß
des Präsidenten an. Dr. Kistiakowsky
erhielt zahlreiche Auszeichnungen und
ist neben vielen anderen Veröffentlichungen Autor des Buches "A Scientist
at the White House" (Ein Wissenschaftler
im Weißen Haus).
Kritiker

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�Kritiker des SALT-Abkommens behaupten, daß trotz der geforderten zahlenmäßigen Verringerung künftige Verbesserungen der sowjetischen Technologie
und Strategie die Vereinigten Staaten weiterhin bedrohen werden.
Der neue Vertrag würde die amerikanischen und die sowjetischen
strategischen Träger auf jeweils 2 250 begrenzen.

Die UdSSR müßte etwa

270 strategische Träger vernichten, um diese Grenze einzuhalten.

Der

Vertrag würde auch beide Seiten auf eine Gesamtzahl von 820 Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen beschränken.
Die Hauptfurcht, die von den Gegnern von SALT II verbreitet wird,
ist, daß die 820 sowjetischen Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen viele Tausende neue zielgenauere sowjetische Gefechtsköpfe tragen
könnten.

Unter den derzeit in der Sowjetunion dislozierten Raketen haben

die SS-18 und die SS-19 Mehrfachgefechtsköpfe und sind in der Lage, ein
noch größeres Wurfgewicht - eine traditionelle Stärke der Sowjets - zu
tragen als die älteren Modelle.

Man sagt, sie seien auch zielgenauer.

Einige amerikanische Strategen behaupten, daß die fünfte Generation der
sowjetischen Interkontinentalraketen innerhalb von fünf bis sieben Jahren
die amerikanische Minuteman-Rakete praktisch veraltet werden lasse.

Sie

behaupten, daß bis Mitte der achtziger Jahre die sowjetischen Raketen
ziel genauer sein werden als derzeit die amerikanischen Raketen.
Einige dieser neuen Raketen, so wird behauptet, könnten in einem
ersten Angriff 95 Prozent der Minutemann-Streitmacht vernichten. .Dies
würde gemäß dem Abkommen der UdSSR noch genügend strategische Gefechtsköpfe übriglassen,

um die totale Zerstörung der Vereinigten Staaten an-

zuordnen, sollten die USA ihre verbleibende strategische Streitmacht
in einem Gegenschlag einsetzen.
Wieviele andere Prophezeiungen der strategischen Schwäche, geht
auch diese von falschen und vereinfachten Annahmen aus; darunter in diesem

�diesem Falle, daß die strategische Streitmacht Amerikas hauptsächlich aus
landgestützten Interkontinentalraketen bestehe.

In Wirklichkeit befinden

sich weniger als 25 Prozent der strategischen Gefechtsköpfe der USA in
Minuteman-Silos;

die übrigen befinden sich auf Unterseebooten und Flug-

zeugen.

Bis Mitte der achtziger Jahre wird der Anteil der Silos sogar noch
niedriger liegen, wenn man davon ausgeht, daß die Trident-Unterseeboote und
die Marschflugkörper wie geplant disloziert werden.

Diese sogenannte

"Triade", d.h. dreiteilige Zusammensetzung unserer strategischen Streitkräfte - Gefechtsköpfe in Silos, auf Unterseebooten und auf Flugzeugen wurde ausdrücklich entwickelt, um die Bedrohung der Vereinigten Staaten
durch einen sowjetischen Erstschlag gegen unsere landgestützten Raketen
zu verringern.
Das gegenwärtig geschilderte alarmierende Bild läßt die mehreren
tausend Gefechtsköfpe auf amerikanischen Bombern und Unterseebooten außer
acht, die einen sowjetischen Überraschungsangriff sicherlich überleben
und amerikanische Gegenschläge ermöglichen und sicherstellen würden.
Jeder dieser Gefechtsköpfe ist stark genug, um eine sowjetische Stadt
von über 100 000 Einwohnern, d.h. zusammengenommen fast alle sowjetischen
Städte dieser Größenordnung, zu zerstören, in denen sich auch der Großteil
der sowjetischen Industrie befindet.

Amerikanische Unterseeboote könnten

ihre Angriffe monatelang fortsetzen und gelegentlich Raketen auf die
wichtigsten Häfen, Flugplätze und Eisenbahnknotenpunkte abfeuern, um das,
was von der sowjetischen Wirtschaft übrig geblieben ist, am Funktionieren
zu hindern.

Es gibt noch weitere Faktoren, die die Kritiker von SALT außer
acht lassen.

So können beispielsweise die sowjetischen Machthaber nicht

sicher sein, daß ein amerikanischer Präsident nicht die Minuteman-Raketen
abfeuern lassen würde, sobald er unterrichtet wird, daß sowjetische Raketen

- 3 -

�Raketen von ihren Silos nach den Vereinigten Staaten unterwegs wären.
Dem Präsidenten stünde immerhin fast eine halbe Stunde für diese Entscheidung
zur Verfügung, und die Sowjets müßten es auf diese Entscheidung ankommen
lassen.

Ebenso können die Machthaber im Kreml die Möglichkeit eines

menschlichen Irrtums bei der Durchführung eines Angriffs nicht ausschließen,
denn eine so komplexe Operation läßt sich nicht proben.

Weder die sowjetischen

noch die amerikanischen Raketen haben je ein Ziel in dem jeweils anderen Land
getroffen.

Daher ist die Berechnung der Flugbahn von Raketen ungenau und die

Möglichkeit, daß sie ihr Ziel nicht treffen, ist nicht auszuschließen.
Schließlich dürften unter den Verhältnissen eines wirklichen Ernstfalles die Ausfälle und Pannen am Gerät häufiger sein als unter Übungsbedingungen.

Auch bei dem Antriebssystem der sowjetischen Interkontinental-

raketen dürfte es zu Schwierigkeiten kommen, da die Sowjets Flüssigtreibstoff verwenden.

Dieses Antriebssystem erfordert Gerät, Turbinen und Pumpen

mit hohen Umdrehungszahlen, die unter Höchstbelastung arbeiten müssen.
Dieses Gerät kann in den Silos nicht ohne den Start einer Rakete erprobt
werden.

Natürlich werden solche Starts geprobt, aber doch nicht sehr

häufig.
Die Kritiker argumentieren, daß die Vereinigten Staaten mit dem
Ausbau der sowjetischen Streitkräfte nicht Schritt gehalten hätten. In
Wirklichkeit hat sich seit der Einführung der Mehrfachgefechtsköpfe auf
amerikanischen Raketen im Jahre 1970 die Zahl der strategischen Gefechtsköpfe mehr als verdoppelt, und die meisten der älteren Raketen sind durch
die neue Poseidon und Minuteman III ersetzt worden, von denen die letztere
zielgenauer ist als jede derzeitige sowjetische Rakete. Während der
letzten acht Jahre haben die Vereinigten Staaten in etwa ebenso viele
neue Raketen disloziert wie die Sowjetunion. Der einzige Unterschied
besteht darin, daß wir sie auf vorhandenen Unterseebooten und in bestehenden
Silos disloziert haben, während die Sowjets weiterhin neue Abschußeinrichtungen gebaut haben, bis sie die in SALT I festgelegte Grenzen erreicht

- 4 -

�erreicht hatten.
Daraus hat sich ergeben, daß die sowjetische InterkontinantalraketenStreitmacht zahlenmäßig größer ist als die der Vereinigten Staaten und eine
Zahl sehr großer Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen einschließt, die
theoretisch eine wirksame Bedrohung der amerikanischen Minuteman-Streitmacht
darstellen könnten,wenn die Treffsicherheit des sowjetischen Leitsystems
wesentlich erhöht würde. Aber im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten verfügen die Sowjets nicht über eine Triade gleich potenter strategischer
Streitkräfte.
veraltet.

Ihre Streitmacht an strategischen Bombern ist klein und

Und von diesen Bombern sind auch keine in ständiger Alarmbe-

reitschaft, wie das bei den Bombern des Strategischen Luftverteidigungskommandos der USA (SAC) der Fall ist.

Der sowjetische Backfire-Bomber, von

dem so viel die Rede ist, wurde als regionale und nicht als interkontinentale
Waffe entwickelt und disloziert.

Und obwohl die Sowjetunion über mehr

Raketen-Unterseeboote verfügt als die Vereinigten Staaten, ist deren
militärische Wirksamkeit fraglicher, da sie sich meist im Hafen befinden.
Trotz der heftigen und gut finanzierten Kampagne gegen SALT II,
die diese Kritik hervorgerufen hat, zeigen Meinungsumfragen, daß die große
Mehrheit der amerikanischen Wähler für den Abschluß des Vertrages ist.
Die meisten Wähler sind sich nach den kürzlichen Umfragen bewußt, daß der
Vertrag weder das Wettrüsten beenden noch alle Bedrohungen unserer Sicherheit
beseitigen wird.

Aber sie sind der Überzeugung, daß dieser Vertrag der

nächste logische Schritt in dem Versuch ist, den Kernwaffen Einhalt zu
gebieten.
v.

+ + + + +

- 5 -

�1
I

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11

28. März 1979

US-KONGRESS FORDERT ANREIZE FÜR KAPITALGÜTERINVESTITIONEN
Gemeinsamer Wirtschaftsausschuß veröffentlicht Jahresbericht -

WASHINGTON - (AD) - Der Gemeinsame Wirtschaftsausschuß des US-Senats und
des Repräsentantenhauses (JEC) hat in seinem jüngst veröffentlichten Jahresbericht die Erhöhung der Kapitalgüterinvestitionen der Wirtschaft als ein geeignetes Mittel empfohlen, zu höheren Produktivitätszuwachsraten zu gelangen,
die Inflation einzudämmen und die amerikanische Außenhandelsposition zu stärken.
Der Ausschuß hält eine Steigerung des Anteils der Kapitalgüterinvestitionen
am Bruttosozialprodukt auf 11 Prozent für angebracht und möglich. Steueranreize
auf Investitionen und verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten sollen die Voraussetzungen hierzu schaffen.
Die diesbezügliche Passagen des Berichts des Gemeinsamen Ausschusses haben
- in Auszügen - folgenden Wortlaut:
In den letzten Jahren wurden wir Zeuge einschneidender Veränderungen in
der Gestalt unserer Geld- und Steuerpolitik, die zu einer Verlangsamung des
Produktivitätszuwachses und der unerträglich hohen Inflationsraten beigetragen
haben. Viele der von unserem Ausschuß Einvernommenen haben warnend auf die Ver-

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�Veränderungen in unserer kombinierten Geld- und Steuerpolitik hingewiesen,
die in den letzten zehn Jahren eingetreten sind.

So haben wir eine Politik

verfolgt, die auf jede Beschleunigung der Inflationsrate mit einer Einengung
der Kreditvergabe und flankierenden haushaltpolitischen Maßnahmen reagierte,
die dem Zweck dienten, die abträglichen Auswirkungen der Politik der Geldverknappung wieder wettzumachen.

Infolgedessen kam es zu einer durchgreifenden

Veränderung in der Zusammensetzung unseres Güterausstoßes - zu einer Vernachlässigung der Kapitalgliterinvestitionen zugunsten eines höheren Konsums.
Dies hat erheblich zur Verlangsamung des Produktivitätszuwachses beigetragen,
was wiederum die latent gegebene Inflationsgefahr erhöhte.

Wir geben in die-

ser Hinsicht nachstehende Empfehlungen:

Empfehlung Nr. 4
Wenn der Gesamtnachfragedruck in den nächsten Monaten weiterhin zunimmt
und wenn sich erweist, daß dieser Druck unser Inflationsproblem verschärft
und somit eine Verminderung der Nachfrage durch politische Maßnahmen angezeigt
ist, sollte diese zusätzliche Nachfr^gedämpfung von einer restriktiven Steuerund nicht von einer restriktiven Geldpolitik ausgehen.

Die Steuerpolitik muß

in die vorderste Front des Kampfes gegen die Inflation gerückt werden.

Empfehlung Nr. 5
Wenn die Zuwachsrate des Bruttosozialproduktes in den nächsten Monaten
hinter der von der Administration prognostizierten Zuwachsrate zurückbleibt
und wenn sich erweist, daß zur Verringerung dieser Diskrepanz stimulierende
Maßnahmen angezeigt sind, sollten die zusätzlichen stimulierenden Wirkungen
von einer Lockerung der Geldpolitik, von Steuersenkungen - oder von beiden ausgehen...
Wenn sich die Inflationsrate weiterhin beschleunigt und die Zunahme des
Bruttosozialproduktes hinter der von der Administration prognostizierten Rate
- 2 -

�Rate zurückbleibt, wäre es unangemessen, der Beschleunigung der Inflation durch
eine noch restriktivere Geldpolitik begegnen zu wollen.

Eine restriktivere

Geldpolitik hätte kaum irgendwelche unmittelbaren Auswirkungen auf die Inflation,
würde aber die Einbußen in der Produktion und der Beschäftigung verschlimmern.
Wenn eine derartige "Stagflation" von einem "Lieferschock" ausgeht - beispielsweise von einer unerwartet starken Anhebung der öl preise -

sollten wir dem

durch eine einmalige stärkere Ausweitung der Geldmenge entgegenwirken.

Wenn

andererseits das Problem aus anderen Ursachen herrührt, müssen die Politiker
Veränderungen in der Steuer- und Geldpolitik - oder in beiden - ins Auge fassen,
die darauf abzielen, die Inflation zu verlangsamen und das reale Wachstum zu beschleunigen.

Empfehlung Nr. 6
Unter langfristigen Gesichtspunkten betrachtet brauchen wir verbesserte
Anreize zur Förderung der Spar- und der Investitionstätigkeit und zur Schaffung
neuer Arbeitsplätze.
Unserer Auffassung nach ist der verlangsamte Produktivitätszuwachs der
wichtigste unter den Faktoren, die zu unserer gegenwärtigen wirtschaftlichen
Malaise beitragen.

Wir teilen die Auffassung der Administration, daß eine

Verminderung der Inflation das vordringlichste Ziel der Politik in den Jahren
1979 und 1980 und in der Zeit danach sein muß.

Wollen wir aber im Kampf gegen

die Inflation wirklich vorankommen, müssen wir dem verhängnisvollen Produktivitätsschwund der jüngsten Zeit durch energische Maßnahmen in das Gegenteil verkehren.

Die weitgehende Einhaltung der von der Administration festgesetzten

Lohn- und Preisrichtwerte wird uns auf dem Weg zu diesem Ziel ein Stück voranbringen.

Die Eliminierung kostensteigender Auswirkungen staatlicher Vorschrif-

ten wird zusätzliche Abhilfe bringen.

Alle diese Programme aber dürften selbst

in Verbindung mit einer übergeordneten Politik der Nachfragedämpfung nicht ausreichen, die unerträglich hohe Inflationsrate hinreichend zu senken.

Wir werden

vielmehr noch lange mit hohen Inflationsraten leben müssen, wenn grundlegende

- 3 -

�grundlegende Veränderungen des politischen Kurses ausbleiben. Eine Beibehaltung
unserer Produktivitätsraten der jüngsten Vergangenheit würde aber praktisch auf
eine Gewähr für das Fortbestehen der Inflation hinauslaufen...
Es mehren sich die Anzeichen, daß die Inflation Kapitalgüterinvestitionen
beträchtlich hinauszögert...

Die derzeitige Gesetzgebung zwingt die Firmen,

den Erwerb von Anlagegütern und Ausrüstungen ausschließlich auf der Basis der
"historischen Kosten" zu bilanzieren, obwohl die Inflation ihre Aufwendungen für
Ersatzbeschaffungen in die Höhe treibt.

Würde man es den Firmen gestatten, An-

lagevermögen auf der Basis der "Ersatzkosten" statt auf der Basis der Anschaffungskosten abzuschreiben, würden sich die Abschreibungssätze erhöhen.

Die no-

minellen Gewinne und damit auch die Körperschaftssteuerverbindlichkeiten würden
sich verringern...

Somit vermindert ein Anstieg der Inflationsrate unter der

derzeitigen Bilanzierungspraxis den tatsächlichen Unternehmensgewinn nach Steuerabzug und damit auch die reale Rendite von Anlageinvestitionen nach Steuerabzug.
Das wiederum bedeutet, daß ein direkter negativer Zusammenhang zwischen der Inflationsrate und den Aufwendungen für Kapitalgüterinvestitionen besteht.

Selbst

bei hoher Nachfrage fallen die Kapitalgüteraufwendungen und das Warenangebot generell niedrig aus, ist die reale Rendite nach Steuern unzureichend...
Man sollte sich von vorneherein darüber im klaren sein, daß eine der
Hauptvoraussetzungen eines Programms zur Erhöhung der Kapitalbildungsrate ein
anhaltend kräftiges Wirtschaftswachstum ohne Unterbrechung durch eine Rezession
ist.

Niemand wird neue Kapazitäten schaffen, solange nicht die halbwegs sichere

Gewähr besteht, daß diese auch wirklich genutzt werden können...
Angesichts des "sehr geringen" Restes an bisher noch ungenutzten Ressourcen
und in dem Wunsch, sicherzustellen, daß der Nachfragedruck die bestehenden inflatorisehen Kräfte nicht noch verstärkt, hat die Administration ein Programm
zur Nachfragedämpfung entwickelt, das die Absicht verfolgt, die reale Wachstumsrate des Bruttosozialproduktes die vier Quartale des Jahres 1979 hindurch auf
2,25 Prozent zu begrenzen - auf einen erheblich geringeren Satz als die 1978
erzielte Wachstumsrate von 4,3 Prozent. Für die vier Quartale 1980 prognosti-

- 4 -

�prognostizierte die Administration ein Wachstum von 3,25 Prozent.

Angesichts

eines laut einer jüngst revidierten Schätzung des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten auf drei Prozent zu beziffernden langfristigen Wachstumspotentials
dient das Programm der Administration dem Ziel, den Spielraum zwischen dem tatsächlichen und dem potentiellen Bruttosozialprodukt im Falle von Konjunkturschwankungen während der nächsten beiden Jahre etwas zu vergrößern.

Nach dem

Bericht des Wirtschaftsbeirates ist ein solcher erweiterter Schwankungsspielraum angebracht, wollen wir Vorsorge treffen, daß die "Marktkräfte im Verein
mit den Lohn- und Preisnormen, die der Präsident am 24. Oktober 1978 bekanntgegeben hat, die Inflation eindämmen."

Eine Konjunkturverlangsamung soll über

eine Dämpfung der Nachfrage und des Wachstums des tatsächlichen Bruttosozialproduktes statt über eine beschleunigte Expansion des potentiellen Angebots
an Waren und Dienstleistungen erreicht werden...
Wir haben nichts gegen das von der Administration vorgeschlagene Maß der
Nachfragedämpfung einzuwenden.

Hinsichtlich des Ausmaßes der derzeitigen Kon-

junkturschwäche unserer Wirtschaft besteht beträchtliche Ungewißheit.

Wir hal-

ten es deshalb für angebracht, bei der Entwicklung von makro-ökonomisehen Wirtschaftsmaßnahmen mit größter Behutsamkeit zu Werke zu gehen und uns gegen die
Möglichkeit abzusichern, daß ein übermäßiger Nachfragedruck unser Inflationsproblem noch verschärft.

Selbst unter den günstigsten Umständen dürften die Kapitalgüteraufwendungen
angesichts des Wirtschaftsprogramms der Administration im Jahre 1979 nur in
bescheidenem Maße zunehmen.

Gegenwärtig prognostiziert die Administration für

1979 eine Zunahme der realen Kapitalgüterinvestitionen der Wirtschaft um nur
vier Prozent - vom vierten Quartal des Vorjahres bis zum vierten Quartal des
laufenden Jahres. Angesichts der Unsicherheit derartiger Vorhersagen

besteht

durchaus die Möglichkeit, daß die Kapitalgüterinvestitionen der Wirtschaft sogar weit weniger rasch zunehmen...

Das würde unsere Anstrengung zur Steigerung

der Produktivität schwer beeinträchtigen.

Aus allen diesen Gründen halten wir es für zweckmäßig, nicht das vorgesehene
Maß der Dämpfung zu verringern, sondern es über verstärkte Anreize zur Kapital- 5-

�Kapitalbi1 düng voll und ganz zu verwirklichen.

Wir sind nicht nur darauf be-

dacht, eine mögliche Kürzung der realen Aufwendungen für Kapitalgüterinvestitionen in den Jahren 1979 und 1980 zu vermeiden, wir hoffen vielmehr, daß es
möglich sein wird, Steueranreize zu bieten, die den Anstoß zu zusätzlichen Kapitalgüterinvestitionen der Wirtschaft über das von der Administration für 1979
prognostizierte Wachstum um vier Prozent hinaus geben.
Es stehen uns hinsichtlich der steuerlichen Anreize zu Kapitalgüterinvestitionen mehrere Optionen zu Gebote.

Zu den interessanteren unter diesen gehören

die Liberalisierung der Abschreibungsmöglichkeiten, höhere Steuergutschriften
auf Investitionen und eine Senkung des Körperschaftssteuersatzes.

Eine weitere

Option, die allerdings noch sorgfältiger Untersuchung bedarf, liefe darauf
hinaus, den Firmen zu gestatten, bei der Ermittlung der Abschreibungen von der
Bilanzierung auf der Basis der "historischen Kosten" auf die Basis der Ersatzbeschaffungskosten überzugehen...-ein Verfahren, das den Anteil der Kapitalgüterinvestitionen am Bruttosozialprodukt in den nächsten Jahren auf 11 Prozent
oder darüber steigern würde:

Der Produktivitätszuwachs würde wieder stärker

steigen; die Inflation würde nachlassen; unsere internationale Wettbewerbsposition würde sich bessern, und produktive neue Beschäftigungsmöglichkeiten würden geschaffen.

(Ende der Auszüge)

- 6 -

�Wirt/choft
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11

28. März 1979

US-ERKLÄRUNG ZUR EINIGUNG ÜBER EINEN GEMEINSAMEN ROHSTOFF-FONDS

GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben die Einigung von 101
Ländern über die Grundzüge eines Gemeinsamen Fonds zur Stabilisierung der
Rohstoffpreise begrüßt. Die Einigung erfolgte am 20. März 1979 auf der
Schlußsitzung der Konferenz der Vereinten Nationen in Genf, die mit den
Verhandlungen über dieses Thema betraut war, Von amtlicher amerikanischer
Seite wurde Befriedigung über die positiven Ergebnisse der Konferenz zum
Ausdruck gebracht, gleichzeitig jedoch darauf hingewiesen, daß die vorgeschlagene Abstimmungsformel in der jetzigen Form für die Vereinigten Staaten
nicht akzeptabel sei. Diese Formel würde der "Gruppe der 77" der Entwicklungsländer fünf Prozent mehr Stimmen einräumen als der "Gruppe B" der
Industriestaaten.
Der Leiter der amerikanischen Delegation, Botschafter William J, Vanden
Heuvel, sprach dennoch von einem "bedeutsamen Schritt vorwärts" und erklärte,
der Rahmen sei "im wesentlichen" für die Vereinigten Staaten annehmbar.
Der

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�Der Sprecher der amerikanischen Delegation, E. Allen Wendt, gab
auf der Schlußsitzung der Konferenz eine Erklärung ab, deren wesentliche
Passagen folgenden Wortlaut haben:
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß der Anhang zu
der Entschließung mit dem Titel "Fundamentale Elemente des Gemeinsamen
Fonds" einen fairen und ausgewogenen Kompromiß

in der großen Masse der

komplexen und delikaten Fragen darstellt, mit denen diese Konferenz in
dieser höchst wichtigen Angelegenheit konfrontiert war.

In diesem Geiste

möchten die Vereinigten Staaten dem Konsensus in der Annahme dieses
Textes als Grundlage für die weitere Arbeit bei der Ausarbeitung der
Artikel des Abkommens beipflichten.
Wenn man den Zusammenhang bedenkt, in dem der Anhang ausgehandelt
wurde, und die Natur der anstehenden Fragen, dann ist es begreiflich, daß
er nicht den Anliegen aller Beteiligten gerecht werden und nicht alle
Fragen lösen kann, die sich im Zusammenhang mit der Errichtung des Gemeinsamen Fonds ergeben. Diese Fragen werden im Zuge der weiteren Arbeit des
Interimsausschusses der Verhandlungskonferenz behandelt werden müssen.
Von diesem Standpunkt ausgehend werden sich die Vereinigten Staaten an
der Arbeit dieses Ausschusses beteiligen.
Ich möchte ferner zu Protokoll geben, daß die Vereinigten Staaten
jenen Teil des Paragraphen 24 im Anhang nicht akzeptieren, der bestimmte
Stimmenanteile für verschiedene Gruppen festlegt. Wir sind der Überzeugung, daß diese Konferenz keine ausreichende Zeit und Möglichkeit bot,
die mit dieser Frage zusammenhängenden Probleme ausreichend zu prüfen.
Es wird eine höchst wichtige Aufgabe des Interimsausschusses sein, diese
Frage weiter zu untersuchen, um zu einer ausgewogenen Verteilung der
Stimmen im Gemeinsamen Fonds zu gelangen.
Die Vereinigten Staaten werden an diese und andere Aufgaben im
Ausschuß in einem positiven und konstruktiven Geiste herangehen.
+ + + + +

- 2 -

�31
I

1

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und Technik
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28. März 1979

11

US-INVESTITIONEN IN DIE ZUKUNFT
Mehr Mittel für Grundlagenforschung im Wissenschaftsetat 1980

- (AD) - Grundlagenforschung, angewandte Forschung und Entwicklung - wo
und wie sollen hier die Prioritäten gesetzt werden, die allein schon aus finanziellen Gründen notwendig sind? Diese Frage stellt sich für die amerikanische Regierung jedes Jahr von neuem, wenn es um die Bereitstellung der Mittel für die vom Staat finanzierte Forschung und Entwicklung geht. Sie machen
ca. 50 Prozent der nationalen Aufwendungen auf allen wissenschaftlich-technischen Gebieten aus.
Sowohl die reine als auch die angewandte Forschung haben angesehene Fürsprecher.

Zwar wurde die Bedeutung beider Richtungen - und im Grunde kann ja

die eine ohne die andere auf die Dauer gar nicht existieren - niemals wirklich
in Zweifel gezogen.

Doch gibt z.B. Dr. Richard Atkinson, als Direktor der vor

30 Jahren vom amerikanischen Kongreß ins Leben gerufenen Nationalen Wissenschaftsstiftung (National Science Foundation - NSF) für die landesweite Förderung der Grundlagenforschung verantwortlich, zu bedenken, ob denn die Forschung
in den Vereinigten Staaten ihre einst magische Anziehungskraft für die besten
und talentiertesten Wissenschaftler überhaupt noch besitze.
Zwar

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�Zwar sei an der gegenwärtigen Stärke der Wissenschaft Amerikas nicht zu
zweifeln.

Aber das könne sich ändern.

[Jenn immer wieder schwinge das Pendel

der öffentlichen Unterstützung einmal nach der einen, dann nach'der anderen Seite
aus.

Das schrecke heute junge Menschen davon ab, sich frühzeitig für die For-

schung zu entscheiden.

"Und doch gibt es gerade in den Naturwissenschaften

ganz großartige Chancen für junge Menschen", so Atkinson, "und wir sollten versuchen, die Allerbesten dafür zu gewinnen."

Atkinson befürchtet, daß die Uni-

versitäten immer mehr den Charakter von Berufsakademien annehmen, die Arzte,
Chemiker, Biologen, Physiker, Geologen, Ingenieure, Techniker, Lehrer, Juristen,
Wirtschaftler usw. ausbilden, und daß die eigentliche Forschung ständig mehr
ins Hintertreffen gerät.
Nicht alle teilen diese Befürchtung.

Zu diesen zählt z.B. Dr. Allen

Rosenstein, Professor für Systemtechnik an der Universität von Kalifornien in
Los Angeles.

Auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für die För-

derung der Wissenschaft (American Association for the Advancement of Science
- AAAS) im Januar 1979 in Houston setzte er sich dafür ein, daß die angewandte
Wissenschaft oder, wie er sagte, "die akademischen Berufe im Bildungswesen, in
der Technik, in der Medizin, im Rechts- und Wirtschaftswesen, in Architektur
und Bauwesen, im öffentlichen Gesundheitswesen" stärker gefördert werden.

Denn

alle wichtigen innenpolitischen Probleme - und das gelte für jede Nation - seien
in erster Linie sach- und fachbezogene Probleme, ob es sich nun um Produktivität, Gesundheit, bürgerliche Freiheiten oder die Umwelt handele.

Stets sei es

letztlich Sache der erfahrenen Praktiker, die Entscheidungen zu treffen.
Ebenso seien es, so Rosenstein, die Vertreter der verschiedenen Berufe,
insbesondere der akademischen Berufe, die die Wertsysteme einer Gesellschaft
bestimmten und die Ressourcen dieser Gesellschaft aufteilten. Und die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes im internationalen Konkurrenzkampf werde allemal
von den Praktikern entschieden. Rosenstein forderte deshalb die Schaffung einer
"Nationalen Stiftung für das Berufswesen" ("National Professions Foundation")
zur Förderung von Fachakademien als eine Art Gegengewicht zur NSF, die hauptsächlich die Grundlagenforschung unterstütze.
Keine

�Keine Zurücksetzung mehr von Forschung und Entwicklung

Unterschiedliche Meinungen wird es auch künftig - und nicht nur in den
Vereinigten Staaten - in solchen Fragen geben.

Aber wohl übera1"! setzt sich

immer stärker die Überzeugung durch, daß "F &amp; E" letzten Endes "Investitionen
in die Zukunft" sind, wie Präsident Carter bei der Bekanntgabe de:- Haushaltsvorschläge für 1980 erklärte.
Mit Genugtuung stellte Dr. Atkinson in einem Vortrag an der StanfordUniversität Mitte März 1979 fest, daß nach dem bedenklichen Rückgang seit 1968
im US-Regierungsetat für Forschung und Entwicklung seit drei Jahnen die Grundlagenforschung wieder stärker berücksichtigt werde.

Im Haushaltsjahr 1980 sei

außerdem zu erwarten, daß mehr Mittel als im vergangenen Jahrzehnt üblich in
die Universitätsforschung fließen.
In den USA haben sich die Vertreter von Forschung und Entwicklung inzwischen damit abgefunden, daß vom Bruttosozialprodukt kaum mehr als 2,2 Prozent (gegenüber 3 Prozent im Jahr 1964) für ihre vielfältigen Aufgaben zur
Verfügung stehen.

Umso größere Bedeutung kommt in dieser Situation der Ant-

wort auf die Frage zu, wo und was vorrangig gefördert werden müsse.

Die Ge-

samtsumme der "F &amp; E"-Mittel dürfte im laufenden Jahr fast 53 Milliarden Dollar
erreichen, von denen mehr als 28 Milliarden Dollar aus dem Staatssäckel kommen.
Die Industrie steuert mindestens 23 Milliarden Dollar bei, (Angaben hierzu aus
verschiedenen Quellen weichen allerdings stark voneinander ab, so daß diese
Zahl noch erheblich nach oben korrigiert werden könnte);
Stiftungen und aus Universitätsfonds finanziert.

der Rest wird von

Einer Erhebung der NSF zu-

folge entfallen 13 Prozent auf die Grundlagenforschung, 23 Prozent auf die
angewandte Forschung und 64 Prozent auf Entwicklung

Aber nur 13 Prozent

der anfallenden Aufgaben werden in regierungseigenen Institutionen, dagegen
71 Prozent auf Kontraktbasis von der Industrie, 10 Prozent in Universitäten
und Colleges, 3 Prozent in den in Regierungsauftrag von Universitäten geführten Forschungszentren und 3 Prozent in gemeinnützigen Institutionen durchgeführt.
Der
- 3 -

�Der Wissenschaftsetat für 1980, den die US-Reg-'erung dem Kongreß vorschlug, beläuft sich auf 30,6 Milliarden Dollar.

Der Präsident setzte sich,

wie Wissenschaftsberater Dr. Frank Press betonte, persönlich dafür ein, daß
"F &amp; E" nicht, wie bei Sparaktionen üblich, von diesen besonders hart betroffen würde.

Und in der Tat bedeuten die von der Regierung vorgeschlagenen Auf-

wendungen in einem Haushalt, den Jimmy Carter "bescheiden und maßvoll" nannte,
auch im Hinblick auf den durch Inflation bedingten Schwund des Geldwertes keine reale Kürzung für Forschung und Entwicklung.
Mit Vorschlägen für Forschung und Entwicklung in Höhe von 11,8 Milliarden
Dollar liegt wie stets das Verteidigungsministerium an der Spitze.

Sie sind

u.a. für die Verbesserung von Technologie, strategischen und taktischen Systemen, Modernisierung von Test- und Bewertungsan""agen und nicht zuletzt für ein
umfassendes Programm auf dem Gebiet der Mikroelektronik vorgesehen.

Die Energie-

forschung mit 4,7 Milliarden Dollar steht mit den Programmen des US-Amtes für
Luft- und Raumfahrt (NASA) bei einer vorgeschlagenen Gesamtsumme von 4,72 Milliarden Dollar praktisch gleich.
Allerdings ergeben sich bei speziellen Arbeits- und Aufgabenbereichen
große Zuwachsunterschiede. Während für Grundlagenforschung allgemein, vom
Gesundheitswesen über Energie, Raumfahrt, Umweltschutz, Nationale Wissenschaftsstiftung bis zur Landwirtschaft und zum Verkehrswesen, der Zuwachs 9 Prozent
betragen soll, ist z.B. für den Posten Weltraumforschung der NASA eine Anhebung
um 19 Prozent und für Grundlagenforschung im Haushalt des Energieministeriums
um 17 Prozent vorgesehen, wobei die Mittel der Solarforschung allein bei langfristigen Projekten um 40 Prozent, bei mittel- und kurzfristigen Projekten
um 22 Prozent steigen sollen. Für "F &amp; E" auf dem Sektor Solarenergie stehen
jetzt mehr als 700 Millionen Dollar zur Verfügung, was weitgehend auf Schwerpunktverlagerungen innerhalb der Programme, u.a. erhebliche Kürzungen für
nukleartechnische Forschungen, zurückzuführen ist.
Der Energie-Etat ist darauf abgestimmt, die Abhängigkeit der USA von
ausländischem öl zu verringern und die Wirtschaft darauf vorzubereiten, daß
sie den auf sie zukommenden höheren Energiepreisen standzuhalten vermag. Außer- 4 -

�Außerdem sollen erneuerungsfähige Energiequellen erschlossen sowie fortgeschrittene Konzeptionen für die Nutzung von Kernkraft - bei Absicherung gegen
Atomwaffen-Proliferation - weiterentwickelt werden, und dies alles unter dem
Gesichtspunkt, daß die Umwelt nicht zusätzlich belastet werden dürfe.
Das Energieministerium will die laufenden Studien über die Umwandlung
organischer Abfälle und Biomassen in Brennstoff ebenso fortsetzen wie die Entwicklung von Windkraft, Kernfusion, Geothermalenergie und die Gewinnung von
Wasserkraft durch ein System kleiner Talsperren.

Relativ bescheiden fiel die

Steigerung der Mittel für Technologie-Studien aus, die zu einer umfassenderen
Nutzung von Kohle, öl und Gas aus amerikanischer Förderung führen könnten.

Eine

neuzuerrichtende Demonstrationsanlage soll Kohle in hochwertiges Gas umwandeln,
eine andere Kohle entweder in "saubere" feste oder "saubere" flüssige Brennstoffe.

Forschungen auf dem Gebiet der nuklearen Fission, d.h. der Energiegewinnung
durch Kernspaltung, sind darauf abgestellt, die nukleare Stromerzeugung sicher,
wirtschaftlich und belastungsfrei für die Umwelt zu machen.

Die Aufwendungen

werden etwas geringer sein als im laufenden Haushaltjahr, weil inzwischen der
Stopp des Brutreaktorprojekts Clinch River beschlossen wurde.

Auch das Projekt

des gasgekühlten Hochtemperaturreaktors wird nicht weitergeführt.

Jedoch wol-

len die Vereinigten Staaten gemeinsam mit der Bundesrepublik Deutschland einen
neuen Kernbrennstoff für solche Reaktoren entwickeln - und zwar einen Kernbrennstoff, der der Atomwaffen-Proliferation keinen Vorschub leistet.

Das amerikanische Nuklearprogramm soll mittelfristig, d.h. in der Zeit
von 1985 bis zum Jahr 2000, Alternativen für die weltweite Nutzung von Plutonium und angereichertem Uran als Kernbrennstoff schaffen helfen.

"Durch

energisches Verfolgen dieser Politik", so wurde von Regierungsseite erklärt,
"brauchen die Vereinigten Staaten wahrscheinlich keine Brutreaktoren für die
Stromerzeugung vor dem Ende dieses Jahrhunderts.

Dadurch wird Zeit gewonnen

für die ordnungsgemäße Entwicklung einer wirtschaftlichen, proliferationsresistenten Brutreaktortechnologie."
+ + + + +
- 5 -

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28. März 1979

11

GESUNDE PFLANZEN - DOPPELTER ERTRAG
- Klonierte Kartoffeln widerstandsfähiger gegen Krankheiten

- (AD) - Aus einzelnen, der wachsenden Kartoffel pflanze entnommenen Zellen
vermochte Dr. James F. Shepard, Leiter des Departments für Pflanzenpathologie
der Staatsuniversität Kansas (USA), krankheitsresistente Zuchtlinien zu gewinnen.
Auch konnte in einigen Fällen der Ertrag Monierter Pflanzen auf das Doppelte
des Ertrags "herkömmlicher" Kartoffel pflanzen gesteigert werden.
Bei der Kartoffel kennt man inzwischen etwa 30 verschiedene Krankheiten.
Einige von ihnen waren schuld an den Hungersnöten, die z.B. während der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die Bevölkerung großer Teile Europas, vor
allem Irlands, heimsuchten. Und noch heute steht im mitteleuropäischen Bereich
die Kartoffel als Nahrungsmittel nach Weizen und Roggen an dritter Stelle - ganz
abgesehen davon, daß sie auch als wichtiger Rohstoff für zahlreiche industrielle
Produkte in großen Mengen gebraucht wird. Weltweit gesehen nimmt sie nach Reis,
Weizen und Mais als Nahrungsmittel den vierten Platz ein.
Die meisten Kartoffelkrankheiten werden durch Pilze hervorgerufen; die
dadurch ausgelösten Schädigungen durch Bakterien noch verschlimmert.

Ungeachtet

der großen Anstrengungen, die Wissenschaftler in den letzten hundert Jahren zur

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�zur Verbesserung und Resistenzsteigerung der Kartoffel pflanzen, die es in
weit über tausend Sorten und Untersorten gibt, überall in der Welt unternahmen,
kam es nur zu geringen Fortschritten in dieser Richtung.

Nach Ansicht Dr.

Shepards liegt dies u.a. daran, daß Kartoffeln viele Chromosomen mit nicht-identischen Genen enthalten.
Gerade dieser Umstand spielt beim Klonieren, einem biochemischen Verfahren
zur Gewinnung reiner Linien, eine wichtige Rolle.

Dem Erfolg Shepards liegt

eine Methode zugrunde, die der Forscher 1977 erstmals beschrieb und die es möglich macht, krankheitsresistente Pflanzen in weniger als zwei Jahren zu identifizieren.

(Bei Anwendung der bisher üblichen Techniken sind allein für eine

exakte Bestimmung dieser Art mindestens zehn Jahre erforderlich.)

Das dabei

selektierte Material bildet die Basis für die Gewinnung kallusähnlicher Zellkolonien, aus denen vollständige Pflanzen regenerieren.
Bei den Kartoffel-Experimenten geht Dr. Shepard von Blätter-Protoplasten,
d.h. den ihrer Wandung beraubten lebensfähigen Zellen des Blattgewebes der
Pflanze aus. Die Zellwand, die natürliche Barriere für den Zugang zu dem alle
Erbinformationen enthaltenden Zellinnern, wird mittels einer Enzymlösung zerstört. Die wandlosen Protoplasten werden nun einer Reihe von Behandlungen ausgesetzt, die schließlich zur Selektion von "Populationen" führen, die gegenüber
verschiedenen Krankheitserregern resistent sind. Anschließende Hormonbehandlungen veranlassen die Protoplasten, sich in einem Kulturmedium zu vermehren
und schließlich zu vollständigen Pflanzen auszuwachsen.
Wie der Forscher kürzlich berichtete, konnte er in jüngster Zeit aus Protoplasten von Blattzellen einer bestimmten Kartoffelsorte das Material für acht
Entwicklungslinien herauspräparieren, die sich durch eine außergewöhnliche Widerstandsfestigkeit gegen die weitverbreitete Kartoffelkrankheit "Phytophthora
infestans" (Blatt- und Knollenfäule) auszeichnen. Im Oktober 1978 war es ihm
bereits gemeinsam mit Dr. Gary Strobel von der Staatsuniversität Montana gelungen, Klone zu identifizieren, die ein hohes Maß an Immunität gegen die Kartoffelkrankheit "Alternaria solani" (Hartfäule) besitzen. Gegenwärtig bemüht
er sich darum, eine ertragreiche "Linie" zu finden, die gleichzeitig gegen zwei
- 2 -

�zwei oder noch mehr Krankheiten immun ist.

Die Nationale Wissenschaftsstiftung der USA (National Science Foundation
- NSF), die seit 1973 die Forschungen Shepards finanziert, gab jetzt bekannt,
daß die acht neuen Klone Teil des Versuchsmaterials aus 2000 Zuchtlinien bilden, welches im kommenden Sommer in Norddakota angesetzt und anschließend ausgewertet wird.

Im Rahmen eines z.Zt. laufenden Dreijahres-Projekts, das im

NSF-Sonderprogramm "Applied Science and Research Application" (ASRA) mit
300 000 Dollar gefördert wird, werden 69 weitere, von Dr. Shepard klonierte
Pflanzenserien bei Feldversuchen in Florida herangezogen.

Einige von ihnen

könnten nach Ansicht der zuständigen Wissenschaftler den Ertrag der Sorte
"Russet Burbank" verdoppeln.

Diese Sorte macht in den USA und in Kanada 39 Pro-

zent aller angebauten Kartoffeln aus.

Obgleich alle 69 aus dem Blattgewebe von

Russet-Burbank-Pflanzen gezogen wurden, sind sie sowohl von ihrer "Muttersorte"
als auch untereinander etwas verschieden.

Im vergangenen Sommer (1978) hatte

Dr. Shepard bei Experimenten in Idaho 300 Kulturen aus kloniertem Material gezogen und für weitere Versuche Pflanzen ausgewählt, die aus Spenderzellen der
"Russet Burbank" stammten.

Einige von ihnen brachten in der Wuchsgemeinschaft

mit nichtklonierten Pflanzen gleichen Typs auf ein- und demselben Versuchsfeld
doppelt so viele Kartoffeln wie die herkömmlichen Kartoffelstöcke hervor.

"Eine derartige Ertragssteigerung ist bei Kartoffeln eine bisher einmalige
Sache", meint James Shepard.

Sie sei in etwa mit der Entwicklung zu vergleichen,

die mit der Züchtung von Hybridmais einsetzte.

Neben der Resistenz gegen Krank-

heiten wird nunmehr bei den Kartoffeln in zunehmendem Maße nach Faktoren wie
Wärmetoleranz, verbesserter Qualität sowie Anpassungsfähigkeit an die verschiedensten Böden und Klimata von bisher nicht oder wenig erschlossenen Anbaugebieten gesucht.

+ + + + +

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11

28. März 1979

DIE ANDERE SEITE DER MEDAILLE
Pestizid Toxaphen entpuppt sich als mögliches Umweltgift

- (AD) - Im Rahmen der Langzeituntersuchungen, die das Nationale Krebsforschungsinstitut der Vereinigten Staaten ("National Cancer Institute" in
Bethesda, Maryland) mit den verschiedensten Chemikalien auf deren mögliche
karzinogene Wirkung vornimmt oder vornehmen läßt, wurde das Pestizid Toxaphen
geprüft.

Dabei zeigte sich u.a. in Tierversuchen bei einer Exposition bis

zur Dauer von 80 Wochen, daß Mäuse Leberkrebs und Ratten hauptsächlich Krebserkrankungen der Schilddrüse entwickeln.

Die Verbindungen, die im Laufe der

Versuchsreihen mit Toxaphen als krebsauslösend erkannt wurden, gelten im allgemeinen auch beim Menschen als karzinogen.

Jedoch geben die bisher durchge-

führten Tests keine Informationen, ob und in wieweit die Häufigkeit von Krebserkrankungen beim Menschen unter der Einwirkung von Toxaphen vorausgesagt
werden könnte.

Das in der Landwirtschaft viel verwendete Pestizid und vor Jahren als
bienenunschädlich gepriesene Insektizid ist eine Mischung von chlorierten
bicyclischen Terpenen (mit chloriertem Camphen als Hauptbestandteil). Es
wurde vom NCI unter die Lupe genommen, weil es von der Struktur her mit Stroban
verwandt ist, von dem man aus Tierversuchen wußte, daß es Leberkrebs hervorruft.

Die Befürchtung ist berechtigt, daß Toxaphen wegen seiner langen Akti-

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�Aktivität nach der Anwendung durch Rückstände in Wasser und Nahrungsmitteln
für den Menschen eine Gefahr darstellt.
Toxaphen wird in verschiedener Form in den Handel gebracht - z.B. als
Trockenpulver, in Pulvern, die mit Flüssigkeiten angerührt werden, in ölen
gelöst oder als emulgierbares Konzentrat.
dabei zwischen 20 und 90 Prozent.

Der Anteil des Wirkstoffs liegt

Außerdem wird er als Zusatz zu einer ganzen

Anzahl anderer Insektizide benutzt.
Nach einer Erhebung der US-Bundesbehörde für Nahrungsmittel und pharmazeutische Produkte (FDA - Food and Drug Administration) wurden z.B. in den USA
im Jahr 1976 mehr als 45 500 Tonnen Toxaphen hergestellt.

Auf Baumwollplanta-

gen wird die Schädlingsbekämpfung zu 85 Prozent mit Toxaphen vorgenommen.
Weitere wichtige Anwendungsgebiete finden sich in der Rinder- und Schweinezucht, beim Anbau von Sojabohnen, Mais, Weizen und Erdnüssen, aber auch auf
Salat- und

Tomatenfeldern und bei einer Anzahl anderer Nahrungspflanzen.

Nach

Richtlinien amerikanischer Bundesberhörden sind derzeit maximal 7 ppm (d.h.
sieben Anteile Toxaphen auf eine Million Teilchen) auf oder in bestimmten Arten
von Obst, Gemüse, Nüssen und Fleischprodukten, 5 ppm bei bestimmten Getreidesorten und noch wesentlich kleinere Mengen bei einer Reihe anderer Nahrungsmittel zulässig.
Aber die FDA hat auch festgestellt, daß seit fünf Jahren die ToxaphenRückstände ständig zunehmen. Und während sie früher hauptsächlich in einigen
Gemüsearten gefunden wurden, verlagerten sich seit 1974 die höchsten Konzentrationen auf Fische. Untersuchungen in Louisiana im Jahr 1975 ergaben bis über
10 ppm im Gewebe von Fischen.
Die US-Bundesbehörde für Umweltschutz (Environmental Protection Agency
- EPA) nahm sich ebenfalls der Sache an.

Vor 1975 konnten ihre Beauftragten

in keiner Trinkwasserprobe Toxaphen feststellen.

Aber schon in den Jahren

1975 und 1976 waren 27 von 58 Proben mit dem Insektizid belastet.

Es scheint

mit Luft oder Wasser vom Ort der Anwendung aus - Hauptquelle in den USA dürften
Baumwollfelder sein - leicht weitertransportiert zu werden.
Und

�Und wie die meisten chlororganischen Verbindungen reichert sich auch
Toxaphen besonders stark in Organismen an, die im Wasser leben.

Bei einer

der Studien fand man in Eiern und Jungfischen einer bestimmten Welsart eine
bis zu 91 000 mal höhere Konzentration als im Wasser ihres natürlichen Lebensraumes.

Die gleiche Studie zeigte, daß Toxaphen auch die Ursache von Wachstums-

mängeln und zu geringer Knorpelbildung am Skelett der Welse war.

Für die meisten Fischarten ist Toxaphen sowieso stark giftig, weshalb es
früher (in sehr niedriger Dosierung von 0,05 bis 0,2 ppm für offene Gewässer)
zur Vernichtung unerwünschter Spezies verwendet wurde.

Wegen seiner langen

Aktivität (sechs Jahre und mehr) und seiner Giftigkeit auch für andere Wasserorganismen wurde in den USA die Anwendung von Toxaphen für solche Zwecke aufgrund einer Empfehlung des "Fish and Wildlife Service" im Jahr 1963 von offizieller Seite eingestellt, für private Anwender erschwert.

Eine Reihe inzwischen abgeschlossener Forschungsprojekte, die auch Informationen über akute und kurzfristige Auswirkungen von Toxaphen erbrachten,
führten EPA-Wissenschaftler zu der Überzeugung, daß die Verbindung Veränderungen
der Knochenzusammensetzung und des Wachstums bei Fischen, Vögeln und Säugetieren hervorruft.

Da diese Effekte bei Dosierungen eintraten, die der gegen-

wärtigen Exposition für den Menschen ähnlich sind, hat die EPA mit einer Überprüfung der Risiken und der Nowtendigkeit bzw. der Vorteile einer Anwendung
des Pestizids begonnen.

Am Ende der Aktion werden Empfehlungen stehen, wie

der Einsatz von Toxaphen zu regeln sei.

Von der Weltgesundheitsorganisation

wurden noch keine Bestimmungen über die beim Menschen höchstzulässigen Dosen
erlassen, weil man zunächst noch mehr Informationen über die Toxizität und
Karzinogenität der Verbindung sammeln will.

+ + + + +

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