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                  <text>Information
und
Dokumentation

1

31

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. März 1979

I N H A L T

INFORMATION
US-General Rogers zum neuen Obersten Alliierten Befehlshaber Europa ernannt
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- Erklärung von Präsident Jimmy Carter DOKUMENTATION
Senator Kennedy tritt für SALTJ^I-Vertrag ein
- Rede vor der Gesellschaft für Rüstungskontrolle HINTERGRUNDMATERIAL
Ein Jahrhundertgruß'an Albert Einstein
- Von unserem Korrespondenten Earl N, Mittleman WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Jupiter und seine Planetenwelt
- US-Sonde VOYAGER I besucht "entfernte Verwandte" unserer Sonne Lassa-Fieber wird von Mäusen verbreitet

Um Uber/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. März 1979

US-GENERAL ROGERS ZUM NEUEN OBERSTEN ALLIIERTEN BEFEHLSHABER
EUROPA ERNANNT
- Erklärung von Präsident Jimmy Carter -

WASHINGTON - (AD) - Der Verteidigungs-Planungsausschuß der NATO hat am
28. Februar 1979 den Stabschef der amerikanischen Armee, General Bernard W.
Rogers, zum Obersten Alliierten Befehlshaber Europa (SACEUR) ernannt.

General

Rogers tritt am 1. Juli dieses Jahres die Nachfolge von General Alexander Haig
an, der im Dezember 1974 zum SACEUR ernannt worden war.

Anläßlich der Ernen-

nung von General Rogers hat das Weiße Haus eine Erklärung von Präsident Jimmy
Carter und einen kurzen Lebenslauf des neuernannten SACEUR veröffentlicht.

Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich freue mich, heute bekanntgeben zu können, daß der Verteidigungs-Planungsausschuß des Nordatlantikrates General Bernard W. Rogers zum Obersten
Alliierten Befehlshaber Europa als Nachfolger von General Alexander Haig ernannt hat, der diesen wichtigen Posten während der letzten viereinhalb Jahre
mit großer Auszeichnung bekleidete.

Zusätzlich ernenne ich General Rogers

zum Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte in Europa - ein Posten,

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Posten, den General Haig ebenfalls am 30. Juni (1979) freigibt. General Rogers
ist derzeit Stabschef der US-Armee.
Der Wechsel im militärischen Kommando der NATO ist ein geeigneter Zeitpunkt, um sich auf die Bedeutung des Bündnisses für die Vereinigten Staaten,
den gesamten Westen und für die Sache des Weltfriedens zu besinnen.
Vor 30 Jahren haben wir zusammen mit europäischen und kanadischen Freunden
das Nordatlantische Bündnis geschaffen.

Seit jener Zeit ist die NATO der Eck-

pfeiler der amerikanischen Sicherheitspolitik und spiegelt die lebenswichtige
Bedeutung der Sicherheit und des Wohlergehens Westeuropas für die Sicherheit
Nordamerikas wider.

Die NATO hat uns gute Dienste geleistet:

Sie hat dazu bei-

getragen, den Frieden in einem Gebiet zu bewahren, das geschichtlich durch Krieg
belastet war, und sie hat die Völker Europas und Nordamerikas noch enger zusammengeführt.

Zu diesem Zwecke hat das Bündnis starke Streitkräfte aufrechter-

halten und eine einzigartige Praxis der politischen Konsultationen entwickelt.
General Rogers wird einen bedeutsamen Beitrag zu diesen beiden Anstrengungen
leisten und sich dabei auf seine lange und hervorragende Karriere als Staatsmann in Uniform berufen können.
In den letzten Jahren stand das Bündnis vor schwierigen Herausforderungen.
Die wichtigste davon ist das stetige Wachstum und die Modernisierung der Streitkräfte des Warschauer Paktes - und vor allem der Sowjetunion. Wir schließen
uns heute zusammen, um dieser Herausforderung zu begegnen. Es wird uns gelingen. Ich bin zutiefst befriedigt über die Reaktion unserer Verbündeten im Rahmen des Langfristigen Verteidigungsprogramms der NATO - das auf dem NAT0Gipfel hier in Washington im Mai vorigen Jahres verabschiedet wurde - und im
Rahmen der Bemühungen zur Verstärkung der Zusammenarbeit in der Verteidigungsbeschaffung. Es ist von lebenswichtiger Bedeutung für die Sicherheit des Bündnisses, daß die NATO-Mitglieder diese neuen Verpflichtungen erfüllen.
In den Vereinigten Staaten nehmen wir die dringend benötigten Verstärkungen
unserer Verteidigungskapazität vor. Ein Großteil dieser zusätzlichen Stärke

- 2 -

�Stärke wird direkt für die NATO-Verteidigung wirksam.

Wir bleiben das mili-

tärisch, politisch und wirtschaftlich stärkste Land der Welt, und ich bin entschlossen, dafür zu sorgen, daß diese Position nicht untergraben wird.

Diese

Stärke, verbunden mit der unserer NATO-Verbündeten, ist die beste Hoffnung
auf Frieden in Europa und die beste Aussicht für die Begrenzung und Reduzierung
der Waffen des Krieges.
In Zeiten der Veränderung und oft des Aufruhrs in anderen Teilen der Welt
gewinnt die Stärke der NATO eine zusätzliche Dimension.

Sie gewinnt noch mehr

Bedeutung, um Sicherheit und Stabilität in Europa zu garantieren und uns damit
ein zusätzliches Vertrauen in unsere Fähigkeit zu geben, das Anwachsen und die
Ausbreitung des Konflikts zu verhindern, und uns in die Lage zu versetzen, über
den NATO-Bereich hinaus wirksam für den Frieden in der Welt zu arbeiten.
Wegen der anhaltenden Bedeutung der NATO freue ich mich, daß General
Rogers diese neuen und anspruchsvollen Aufgaben übernehmen wird.

Er wird eine

Schlüssel rolle bei der Neubelebung der Verteidigung des Bündnisses und bei der
Stärkung der politischen Bindungen unserer Beziehungen zu Kanada und den europäischen Mitgliedern der NATO spielen.

Seine hervorragende Karriere beweist

seine Fähigkeit zur Übernahme dieser Bürden - und er wird meine volle Unterstützung haben, und, wie ich sicher bin, auch die der amerikanischen Nation.

+ + +

Die vom Weißen Haus herausgegebene Biographie von General Rogers hat
folgenden Wortlaut:
General Bernard W. Rogers wurde am 16. Juli 1921 in Fairview im Staate
Kansas geboren. Er absolvierte im Jahre 1943 die amerikanische Militärakademie in West Point als Leutnant der Infanterie. Von 1947 bis 1950 besuchte er
die Oxford-Universität als Rhodes-Stipendiat.
Im

- 3 -

�Im Jahre 1952 kommandierte Rogers das 3. Batallion des 9. Infanterieregiments in Korea.

Von 1952 bis 1954 war er zum Stab des Oberbefehlshabers

der Vereinten Nationen und des Fernostkommandos in Tokio abgestellt. Anschließend besuchte er 1954/55 die Führungsakademie in Fort Leavenworth
Kansas

im Staate

und wurde dann Kommandeur des 1. Batallions des 23. Infanterieregiments,

2. Infanteriedivision, in Fort Lewis

im Staate Washington.

Im Jahre 1956

wurde er zum Büro des Stabschefs der US-Armee abkommandiert und war zwei Jahre
lang bei der Koordinierungsgruppe und ein Jahr als Chefadjutant des Stabschefs
tätig.
Er besuchte das "War College" der amerikanischen Armee und wurde anschließend als Stabschef zur 24. Infanteriedivision nach Augsburg abgestellt, wo er
von 1961 bis 1962 diente.

In den Jahren 1961 und 1962 war er militärischer Be-

rater des Vorsitzenden des Gemeinsamen Stabes (der US-Streitkräfte) und von
1963 bis 1966 Chef des Büros des Vorsitzenden.
Von 1966 bis 1967 war Rogers Stellvertretender Kommandeur der 1. Infanteriedivision in Vietnam und anschließend bis 1969 Kommandeur der Kadetten in WestPoint. In den Jahren 1969 und 1970 diente er als Kommandierender General der
5. Infanteriedivision (mot.) in Fort Carson im Staate Colorado und war dann
1971/72 Chef des Verbindungsbüros zum Kongreß im Amt des Staatssekretärs für
die Armee (Armeeminister).
Von 1972 bis 1974 war Rogers Stellvertretender Stabschef für Personalfragen im Armeeministerium. Von 1974 bis 1976 war er Kommandierender General
im amerikanischen Armeekommando und seit Oktober 1976 Stabschef der US-Armee.

+ + + + +

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. März 1979

SENATOR KENNEDY TRITT FÜR SALT II-VERTRAG EIN
Rede vor der Gesellschaft für Rüstungskontrolle -

WASHINGTON - (AD) - Der demokratische Senator Edward M. Kennedy aus
Massachusetts hat in einer vielbeachteten Rede vor der Gesellschaft für
Rüstungskontrolle im Mayflower-Hotel in Washington am 20. Februar 1979 nachdrücklich seine Unterstützung für ein SALT II-Abkommen zum Ausdruck gebracht.
Wir geben die Rede nachfolgend im vollen Wortlaut wieder:
Das Jahr 1977 war ein Jahr der Initiativen und Erwartungen auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle.

Präsident Carter trat sein Amt mit dem größten

und ehrgeizigsten Paket an Vorschlägen an, die je eine Administration in der
letzten Zeit vorlegte.

Aber 1978 war ein Jahr der Verzögerung.
neten, kamen nicht zustande.
nicht.

Abkommen, mit denen wir rech-

Durchbrüche, die wir erhofften, vollzogen sich

Vielleicht sind wichtige Chancen verstrichen.

Das Jahr 1979 soll nun ein Jahr des Erfolgs werden.

- Dieses

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�- Dieses Frühjahr sollten wir den erfolgreichsten Abschluß der SALT IIVerhandlungen erleben.
- Später in diesem Jahr sollten wir die Verhandlungen über ein umfassendes Verbot von Kernwaffenversuchen abschließen.
- Wir sollten bei den auf der Stelle tretenden MBFR-Verhandlungen und bei
den Gesprächen über Anti-Satellitenwaffen, über den Transfer konventioneller
Waffen und über den Indischen Ozean die Chancen für einen Fortschritt ergreifen.
Auf solche Weise können wir den Fortschritt früherer Jahre wieder aufnehmen
- ein Fortschritt, der zu einem nicht geringen Teil der Gesellschaft für Rüstungskontrolle und ihren zahlreichen führenden Mitgliedern zu verdanken ist; ein Fortschritt, der durch solche Meilensteine wie den Vertrag über das begrenzte Verbot von Kernwaffenversuchen, den Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von
Kernwaffen (Nonproliferationsvertrag) und die SALT I-Abkommen gekennzeichnet
war.
Wir hatten nicht zuletzt Erfolg wegen der traditionellen überparteilichen
Unterstützung in diesem Lande für die Aufrechterhaltung unserer Sicherheit und
die Verringerung der Kriegsgefahr, vor allem die Verhinderung eines Nuklearkrieges, der den Erdball für Generationen verwüsten könnte. Seit dem Einbruch
des Nuklearzeitalters von Hiroshima haben führende Vertreter beider Parteien
und die überwältigende Mehrheit des amerikanischen Volkes erkannt, daß die vordringlichste Aufgabe unserer Außen- und Verteidigungspolitik darin bestehen
muß, eine nukleare Katastrophe zu verhindern und gleichzeitig unsere Sicherheit
und die unserer Freunde zu gewährleisten.
Und das ist der Standpunkt der meisten Amerikaner auch heute. Zahlreiche
Meinungsumfragen haben gezeigt, daß die überwältigende Mehrheit sowohl für SALT
als auch für ein umfassendes Versuchsverbot ist. Sie ist dieser Auffassung,
weil diese Verträge die Gefahr eines Nuklearkrieges verringern. Diese Verträge
mögen verdrießliche politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Probleme nicht lösen, aber sie geben uns das notwendige gegenseitige Vertrauen,

�Vertrauen, sie in Zukunft wirksamer bewältigen zu können.

Die jüngsten Ereignisse in Vietnam, Kambodscha, Afghanistan und Iran erinnern uns nur zu deutlich daran, daß die Welt nicht friedlicher oder sicherer
geworden ist. Mit unseren Verbündeten sehen wir uns heute mit großen Unruhen
konfrontiert, aber im Gegensatz zur Vergangenheit haben diese Unruhen wenig
mit unserer relativen Stärke oder Schwäche zu tun.

Es handelt sich vielmehr,

wie im Iran, um das Ergebnis eines internen revolutionären Wandels

oder, wie

in Kambodscha oder Vietnam, um Konflikte zwischen kommunistischen Staaten.

Die bedeutsamste Rolle unseres Landes in der Geschichte war die eines
Friedensstifters - eine Rolle, bei der wir mithalfen, Kriege zu beenden und
neue Verhältnisse der Sicherheit und der Prosperität auf der Welt zu schaffen.
Bei der Bewältigung der gegenwärtigen Krisen sollten wir uns unserer fundamentalen Stärke bewußt sein.

Trotz des Energie- und Inflationsproblems, das wir

mit zahlreichen anderen Ländern teilen, sind wir immer noch eine der stärksten
Volkswirtschaften der Welt.

Trotz der Herausforderungen, denen sich freie In-

stitutionen überall gegenübersehen, sind die Vereinigten Staaten nicht nur die
älteste Demokratie der Welt, sondern haben wir auch das am besten funktionierende politische System der Welt.

Trotz der intensiven Debatten über Außen-

und Innenpolitik sind die Vereinigten Staaten immer noch eine starke und elastische Gesellschaft, die jeder Herausforderung begegnen kann, vor die wir uns hier
zuhause oder im Ausland gestellt sehen.

Trotz des militärischen Aufbaus des

Warschauer Paktes und anderer Länder verfügen die Vereinigten Staaten über die
mächstigste militärische Kapazität in der Welt - mit starken und mächtigen Verbündeten in der NATO, im ANZUS-Pakt und mit Japan.

Es gibt keinen Grund, wegen der Rolle der Vereinigten Staaten in der Welt
ernsthaft pessimistisch zu sein.
demokratisches System
andere Völker.

Unsere militärische Macht ist stark.

Unser

ist ein Leuchtfeuer der Hoffnung für andere Länder und

Mit demselben Vertrauen und der Willenskraft, die wir in an-

deren schweren Zeiten in unserer Geschichte aufgebracht haben, können wir auch
auf die gegenwärtigen Krisen wirksam reagieren und aus ihnen stärker als jemals
zuvor hervorgehen.
Heute
- 3 -

�Heute hat die politische und soziale Revolution im Iran dieses Land an
einen Wendepunkt zwischen größerem Blutvergießen und stärkerer Lähmung einerseits und Fortschritten zu Ordnung und einer zivilen Regierung andererseits
gebracht, die auf einer allgemeinen Unterstützung basiert.

Die Politik der

Vereinigten Staaten hat sich schließlich von mehr als einer Dekade der exklusiven politischen Unterstützung und der uneingeschränkten militärischen Versorgung eines repressiven und korrupten Regimes gelöst.

Wir haben jetzt die

Möglichkeit, den Iran zu ermuntern, einen Kurs des Friedens und des Wiederaufbaus zu verfolgen, und ein bilaterales Verhältnis wiederherzustellen, das die
umfassenden politischen, wirtschaftlichen und Sicherheitsinteressen reflektiert,
die unseren beiden Ländern gemeinsam sind.
- Heute ziehen es jedoch parteipolitische Stimmen vor, zu tadeln, statt
anzuerkennen, daß das Versagen gegenüber dem Iran so überparteilich war, wie
es die Anstrengungen heute sein sollten, um unser erschüttertes Verhältnis
wieder aufzubauen.

Parteipolitische Stimmen verkünden, daß sich die Vereinig-

ten Staaten auf dem strategischen Rückzug befänden.

Parteipolitische Stimmen

stellen SALT II so dar, als beschleunigte ein solches Abkommen diesen Rückzug.

Stimmgewaltig und voller Ungestüm unterminieren diese Kreise unsere na-

tionale Sicherheit, indem sie für ein Wettrüsten eintreten statt für eine nukleare Rüstungskontrolle mit der Sowjetunion.
Diese parteipolitischen Stimmen leisten unserem Land einen sehr schlechten
Dienst. Sie übertreiben die wahren Probleme, denen wir uns gegenübersehen,
und sie bieten keine angemessenen Alternativen an. Sie machen schlechte Propaganda für Amerika. Sie würdigen in keiner Weise die politische, wirtschaftliche und militärische Stärke unseres Landes. Sie verringern oder ignorieren
die Schwächen unserer Gegner.
Im Bereich der Rüstungskontrolle kann sich ein sowjetischer Militärplaner
nicht glücklich fühlen.
feindlichen Staaten.

Sein Land ist umgeben von feindlichen oder potentiell

Es sieht sich 9000 amerikanischen Nukleargefechtsköpfen

gegenüber und verfügt selbst nur über 5000.

- 4 -

Es muß mit einer amerikanischen

�amerikanischen Unterseebootflotte sowie mit hunderten zukünftiger Marschflugkörper (Cruise Missiles) leben, gegen die es noch keine Verteidigung gibt.

Wollte man SALT zu einer parteipolitischen Frage machen, würde man die
Geschichte der letzten Jahre einfach ignorieren.

Das geht nicht.

Das amerika-

nische Volk wird nicht vergessen, daß es Präsident Nixon war, der die SALT IVerträge unterzeichnete.

Es erinnert sich auch daran, daß Präsident Ford in

Wladiwostok die Grundlage für das gegenwärtige SALT-Abkommen legte.

Kein ver-

antwortlicher Politiker der einen oder anderen Partei sollte die überparteiliche
Verantwortung und Unterstützung für SALT sowie die tiefgreifende Befürwortung
dieser Abkommen innerhalb des amerikanischen Volkes vergessen.

- Leider geben gewisse andere Kreise SALT keine Unterstützung trotz ihrer
Beteiligung am langen und schwierigen Verhandlungsprozeß.
Dr. Kissinger hält sich in bezug auf SALT II recht zurück. Er erklärt
gegenüber der Zeitschrift Economist, daß SALT II eine gefährliche GegenschlagLücke zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in Rechnung stellen
müsse.

Diese Theorie ist nicht glaubwürdig.

Sie geht davon aus, daß ein amerika-

nischer Präsident, nachdem er die Zerstörung von 90 Prozent oder mehr unserer
landgestützten Raketen sowie den Tod von 20 Millionen Amerikanern oder darüber
festgestellt hat, zögern würde, mit den 70 Prozent unserer Streitmacht, die auf
See oder in der Luft verbleiben werden, oder mit dem Rest unserer Interkontinentalraketen (ICBM) einen Vergeltungsschlag zu führen.

Mit dieser Streitmacht

wären wir in der Lage, den Großteil der Ziele in der Sowjetunion - militärische
wie zivile, harte wie weiche - zu zerstören.

- Gegner von SALT in anderen Kreisen fordern große Tribute als Preis für
ein jedes Abkommen - Tribute, die unsere Nation zu einer enormen Steigerung
der Verteidigungsausgaben zwingen würden, die auf Vernunftbasis nicht zu rechtfertigen sind und die in einigen Fällen sogar das Wettrüsten destabilisieren
und uns einem Nuklearkrieg näher bringen würden.
SALT
- 5-

�SALT soll Geldmittel für Verteidigungszwecke einsparen und dem Haushalt
nicht neue Erhöhungen bringen - wie die zusätzlichen 2,2 Milliarden Dollar an
militärischen Bewilligungen noch bevor die Militärbewilligungen um 3,1 Prozent
erhöht werden - und zwar nicht nur für die NATO, sondern ganz allgemein.
SALT soll die Gefahr einers Nuklearkrieges weniger wahrscheinlich machen
und uns nicht näher an den Rand eines Krieges bringen, indem neue Waffensysteme
wie die M-X-Rakete entwickelt werden, in der die Sowjets sehr wohl eine Erstschlag-Bedrohung seitens der Vereinigten Staaten sehen könnten.
Wenn wir die ICBM-Verwundbarkeit reduzieren wollen, indem wir sie mobil
gestalten, dann bedarf es dazu nicht einer neuen ICBM.

Die überaus starke

MINUTEMAN könnte zumindest so leicht wie eine neue M-X auf eine mobile Basis
gestellt werden und wäre viel früher verfügbar.

Seit einem Jahrzehnt sind wir

darum bemüht, den Sowjets eine fundamentale strategische Lektion beizubringen
- nämlich daß eine unverwundbare Abschreckungsmacht, eine sichere Vergeltungsstreitmacht, die Stabilität vermehrt, während eine Erstschlag-Kapazität die
Stabilität reduziert. Es ist an der Zeit, daß wir diese Lektion selbst wieder
lernen. Wir sollten uns weigern, die M-X oder irgendeine andere landgestützte
Rakete zu dislozieren, solange wir nicht davon überzeugt sind, daß sie stabiler,
wirtschaftlicher und verifizierbarer sind als ihre Alternativen.
- Und als ob dies alles noch nicht genug wäre: Wir stellen fest, daß
Teile der Exekutive Präsident Carters klare und wichtige Verpflichtungen aktiv
unterhöhlen, alle Kernversuche solange wie möglich zu verbieten und die weltweiten Verkäufe konventioneller Waffen zu reduzieren.
Die für Nukleartests zuständige Bürokratie hat es für richtig erachtet,
daß unsere Unterhändler von einem umfassenden Versuchsverbot auf unbegrenzte
Zeit auf ein fünf- und schließlich auf ein dreijähriges Verbot zurückgingen
- trotz der Tatsache, daß ein umfassendes Versuchsverbot die strategische Stabilität fördern, die amerikanischen Vorteile bei der Waffenentwicklung schützen
und einen wesentlichen Beitrag zu unseren Nonproliferationsanstrengungen leisten

�leisten würde.

Im Rahmen wichtiger "Durchbrüche" im Verlaufe der letzten zwei

Jahre haben die Sowjets zugestimmt, keine sogenannten "friedlichen" Kernexplosionen durchzuführen, und sie haben auch Inspektionen an Ort und Stelle, wie
die Schaffung seismischer Stationen auf ihrem Territorium, akzeptiert.

Lassen Sie uns also auf diesen soliden Erfolgen aufbauen, statt sie weiter
zu verwässern.

Wollen wir doch nicht jenen in der Regierung nachgeben, die

praktisch darauf drängen, die Versuche nach drei Jahren wieder aufzunehmen.
Würden wir in der Öffentlichkeit den Eindruck erwecken, daß wir bereits entschieden hätten, die Versuche nach einem dreijährigen Stopp wieder aufzunehmen,
dann würden wir damit den erklärten Wunsch des Präsidenten Hohn sprechen, dem
nuklearen Wettrüsten ein Ende zu setzen.

Anders als seine Amtsvorgänger hat Präsident Carter den amerikanischen
Waffenverkäufen im Ausland zumindest einige Begrenzungen auferlegt, und er hat
sich um wesentliche multilaterale Unterstützung bemüht, um diese Begrenzungen
wirksam und anhaltend zu machen.

Es wäre tragisch, sollten diese bisher ein-

maligen Anstrengungen fehlschlagen.

Und unglaublicherweise - ja, ich würde

sogar sagen, geradezu lächerlicherweise - würden unsere Unterhändler über die
konventionellen Waffen in Mexiko-Stadt zu der Weigerung gezwungen, über Gebiete
in der Welt zu sprechen, von denen wir einfach nichts hören wollten:

Ostasien

und den Persischen Golf, wo eine geradezu Blanko-Waffenverkaufspolitik die
amerikanische Sicherheit durch eine Verschärfung der Probleme gefährdete, denen
wir uns jetzt im Iran gegenübersehen.

Seit wann haben sich die Vereinigten

Staaten davor gefürchtet, internationale Fragen zu diskutieren, die unsere Interessen und unsere Sicherheit in irgendeinem Teil der Welt berühren könnten?

Aus all dem ergibt sich ein verwirrendes Bild.

Die Befürworter einer

Rüstungskontrolle sind furchtsam und in der Defensive, wo sie doch vertrauensvoll und sicher sein sollten.

Immer mehr nimmt der Druck zu, grundlegende

Entscheidungen über die nationale Sicherheit in erster Linie aus politischen
Überlegungen zu treffen.
zu wichtig

Es gibt eine parteipolitische Betonung in Fragen, die

für die Sicherheit unseres Landes und unserer Verbündeten sind, als

- 7 -

�als daß sie aufgrund von parteipolitischen Gesichtspunkten entschieden werden
könnten.

So war es nicht bei den Entscheidungen über den Versuchsstopp im

Jahre 1963 oder über den Nonproliferationsvertrag von 1968, noch bei SALT I
im Jahre 1972. Und es sollte auch nicht der Fall sein bei den Entscheidungen
des Jahres 1979.
Es gibt eine entscheidende Frage bei jedem Rüstungskontrollabkommen.
Diese Frage lautet, ob es unserer nationalen Sicherheit zuträglich oder abträglich ist.

Deshalb sollten wir das sogenannte Junktim ablehnen.

Konzeption besagt:

Diese

Selbst wenn SALT unsere nationale Sicherheit stärkt, soll-

ten wir dagegen sein, wenn es andere Konflikte in den amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen gibt. Als ich im vorigen Jahr mit Andrei Sacharow in Moskau zusammentraf, wies er darauf hin, daß die größte Bedrohung für die Menschlichkeit
und die Menschenrechte in der Drohung eines Nuklearkrieges bestehe.

Sein Ap-

pell an uns ist, SALT zu ratifizieren; nicht nur die Drohung eines Nuklearkrieges
zu verringern, sondern auch das beiderseitige Vertrauen zu schaffen, das nötig
ist, um die anderen wichtigen Fragen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten zu lösen.
Wir müssen uns gegen jene wenden, die unser gemeinsames überleben vom Wettstreit auf anderen Gebieten abhängig machen möchten. Wie unsere beiden Länder
miteinander wetteifern und zusammenarbeiten, das muß die gesamte Außenpolitik
und Verteidigungspolitik der Vereinigten Staaten berühren. Aber eine Ablehnung
von SALT II wird die Respektierung der Menschenrechte oder eine sowjetische
Zurückhaltung in den verschiedenen Gebieten der Welt nicht vergrößern. Sollen
doch die Befürworter eines Junktims erst einmal erklären, wie der Sache der
Menschenrechte in der Sowjetunion durch eine Weigerung des Senats, SALT zu ratifizieren, gedient wird. Sollen sie doch erklären, wie die Stabilität in Krisengebieten durch eine Ablehnung dieses Vertrages durch das Plenum des Senats gefördert wird. Sollen sie doch erklären, wie die Welt durch eine Nichtratifizierung von SALT und durch die Rückkehr zur Konfrontation des Kalten Krieges
sicherer würde.
Obwohl

�Obwohl verbesserte Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion die Ratifizierung von SALT durch den Senat erleichtern würden,
darf man nun nicht dem Argument erliegen, daß verschlechterte Beziehungen die
Ratifizierung etwa weniger wünschenswert machen würden.

Wenn SALT II zu un-

serer nationalen Sicherheit beiträgt und die Gefahr eines Nuklearkriegs verringert, dann wird es in einem Klima von verschlechterten Beziehungen noch wichtigeres zu erreichen.als in einem Klima verbesserter Beziehungen.

Was Präsident Kennedy über die anfänglichen Abrüstungsverhandlungen unter
seiner Administration gesagt hat, gilt heute noch genau so:

"Verifizierbare Abrüstungsabkommen sind kein Schönwetter-Phänomen.
die See ruhig ist, dann braucht man keine Kaimauer.

Wenn

Vernünftige, im gemeinsamen

Interesse der Menschheit tief verwurzelte Abrüstungsabkommen müssen als Bollwerk gegen die Sturmfluten des Krieges und ihre Zerstörung dienen.

So möge nie-

mand sagen, daß wir in unruhigen. Zeiten nicht zu solchen Abkommen gelangen
können, denn gerade dann ist der Zeitpunkt, an dem wir ihrer am dringendsten
bedürfen."

Wir müssen uns auch vor jenen hüten, die allzuviel von SALT erwarten.
Für manche Leute muß SALT nicht nur größere Einschränkugnen für die sowjetischen Streitkräfte als für unsere eigenen bringen, es muß auch die Verwundbarkeit unserer MINUTEMAN-Raketensysteme beheben und es muß das militärische
Gleichgewicht in Mitteleuropa wiederherstellen - oder aber es ist wertlos.
Für andere muß SALT die Stärke der Gesamtstreitkräfte dramatisch reduzieren,
es muß die M-X-Rakete und die Mehrfachgefechtsköpfe verhindern und den Rüstungswettlauf um die Marschflugkörper (Cruise Missiles) in Mitteleuropa verbieten
und es muß ferner zu bedeutenden Verringerungen der Regierungsausgaben beitragen - oder aber man braucht es nicht.

Wir müssen uns auch vor denen hüten, die verlangen, daß SALT mehr leisten
müsse, als es in diesem Vertrag derzeit möglich ist.

Wir müssen uns für das

SALT-Verfahren an hohe Normen und Ziele halten, aber wir sollten realistisch
hinsichtlich dessen bleiben, was mit diesem speziellen Vertrag erreicht werden
- 9-

�werden kann.

SALT II stellt einen kleinen aber wesentlichen Schritt in Rich-

tung auf eine wirksamere Kontrolle der nuklearen Rüstung dar.

Es ist kein

Riesenschritt zum Frieden oder zu einer Lösung der vielen komplizierten Sicherheitsprobleme, vor die sich unsere Nation in der modernen Welt gestellt sieht.
Es wird uns nicht der Pflicht entheben, jedes Problem für sich zu seiner Zeit
und um seiner selbst willen anzugehen und schwierige Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.
Wir wollen daher die Argumente all derer zurückweisen, die SALT II zu
Fall bringen möchten, indem sie es mit unrealistischen Forderungen belasten.
Zu gleicher Zeit aber sollten wir auch weder schüchtern noch verschämt in bezug auf das sein, was es leistet.

Amerika wird sich für SALT II später nicht

zu entschuldigen brauchen, denn Präsident Carter wird ein SALT-Abkommen, das
nicht zu unserer nationalen Sicherheit beiträgt und das keinen bedeutsamen
Schritt darstellt auf unserem Weg zur Kontrolle der nuklearen Rüstung, nicht
unterzeichnen, und der Senat der Vereinigten Staaten wird es nicht ratifizieren.
Auf wenigstens achtfache und sehr substantielle

Weise wird SALT II die

Sicherheit der Vereinigten Staaten erhöhen:
- Erstens, es wird in bisher einmaliger Weise die Höchststärken für die
strategischen nuklearen Streitkräfte der beiden Supermächte festlegen.

Es

spiegelt damit die Richtlinie des Kongresses vom Jahre 1972 wider und baut auf
dem von Präsident Ford Erreichtem weiter auf, der das Prinzip der Gleichgewichtigkeit in Wladiwostok im Jahre 1972 durchsetzte.
- Zweitens, es wird die Sowjets zwingen, rund 250 Nuklearsysteme abzubauen, wohingegen wir nicht ein einziges operatives System auszuschalten
brauchen.
- Drittens, es wird eine Reihe von gleichen Untergrenzen bei verschiedenen
Waffenkategorien mit Mehfachgefechtsköpfen festsetzen, mit dem spezifischen
direkten Effekt einer Begrenzung des bedrohlichsten sowjetischen Programms
- der Interkontinentalraketen mit Mehfachgefechtsköpfen.
- 10 -

_ \7,-er+-ens

�- Viertens, es wird jedes Land auf nur einen neuen Typ von Interkontinentalraketen beschränken, und damit zum erstenmal das Tempo der Waffenmodernisierung unter Kontrolle bringen und dabei den Sowjets eine einschneidendere praktische Grenze setzen, wenn man berücksichtigt, wie stark sie sich gerade auf
die Interkontinentalraketen stützen.
- Fünftens, es wird die Zahl der Gefechtsköpfe begrenzen, die auf eine bestimmte Rakete gesetzt werden können,und damit die Sowjets daran hindern, ihre
schweren Raketen voll auszunutzen, indem sie tausende von Gefechtsköpfen gegen
die Vereinigten Staaten dislozieren.
- Sechstens, es wird die Dislozierung von mobilen Interkontinentalraketen
während des Zeitraums des Protokolls untersagen, was wiederum eine schwerwiegendere Beschränkung für die Sowjets bedeutet, die heute bereits eine mobile Interkontinentalrakete in Stellung bringen könnten.
- Siebtens, es wird unsere Fähigkeit schützen, zu verifizieren, was zu verifizieren wichtig ist.
- Und schließlich achtens, SALT II wird die Optionen sichern , die nach
Auffassung des Verteidigungsministeriums notwendig sind, um den Bestand unserer
Abschreckungs-Triade aufrechtzuerhalten - der Trident-Unterseeboote und der
weitreichenden aus der Luft gestarteten Marschflugkörper auf unseren B-52Bombern. Ja, es sichert uns sogar solche Optionen, die gar nicht zum Tragen
kommen sollten, wie beispielsweise das M-X-Raketensystem.
Was durch SALT II aber vor allem erreicht werden wird, ist die Stärkung
des strategischen Gleichgewichts, das - wie uns die Fakten und nüchternen
Analysen zeigen - bereits besteht.

Es wird dadurch eine endlose, unkontrollierte

Eskalation des strategischen Wettrüstens verhindert.

Mit ihm wird der Prozeß

einer Rüstungsreduzierung beginnen, um den man sich lange bemüht hat. Und es
wird beide Länder zur Fortführung des SALT-Prozesses verpflichten und zu einer
weiteren zahlenmäßigen Verringerung und einer qualitativen Begrenzung für die
Zukunft.
M ,
Nehmen
- 11 -

�Nehmen wir an, es gäbe kein SALT. Was dann?

Unser Nachrichtendienst

schätzt, daß die Sowjets, mit dem Tempo, in dem sie ihr derzeitiges Programm
durchführen, bis 1985 etwa 500 weitere Trägersysteme dislozieren könnten.

Das

bedeutet, daß durch SALT verhindert werden könnte, daß etwa 750 nukleare Systeme
- und damit bis zu zehntausend weitere nukleare Gefechtsköpfe - auf die Vereinigten Staaten gerichtet werden.
Sicher könnten wir dieser potentiellen sowjetischen strategischen Bedrohung begegnen.

Aber um das zu tun, müßten wir unsere geschützten Trident-

Unterseeboote und Raketenabschußrampen verdoppeln.
oder mehr M-X-Raketen dislozieren.
Generation schwerer Bomber bauen.

Wir müßten ferner 300

Wir könnten durchaus auch eine ganz neue
Und der Preis für

eine solche schranken-

lose neue Runde des Wettrüstens läge dann um 100 Milliarden Dollar - bei derzeitigen Preisen - über dem, was wir unter SALT II aufwenden würden.
Aber was viel schlimmer als die Dollarkosten ist, die Gefahr eines Nuklearkriegs würde sich mit einer weiteren Drehung in der Spirale des strategischen
Wettrüstens vergrößern. Eine Welt ohne SALT wäre eine Welt, in der jede Seite
sich gezwungen fühlte, im Wettrüsten vorn zu liegen. Es wäre eine Welt, in
der es weitaus schwieriger wäre, die strategischen Dislozierungen der Sowjets
zu erkunden. Eine Kombination von gesteigertem Wettrüsten, Ungewißheit und
Furcht über die Kräfte der anderen Seite ist ein Rezept für eine nukleare
Katastrophe, das jeder Senator oder jeder für die Gestaltung der Zukunft Verantwortliche ablehnen sollte.
Über seine Beiträge, die es zur nationalen Sicherheit leistet, hinaus
und von den unannehmbaren Alternativen, die es ausschließt, einmal ganz abgesehen, sollte man SALT II auch im Zusammenhang mit den anderen Fragen sehen,
die auf der Tagesordnung der Rüstungskontrolle stehen - und auch beachten, wie
es in die Gesamtstruktur unserer Beziehungen zu unseren Verbündeten und zur
Sowjetunion eingelassen ist.
Der Erfolg von SALT II wird dem weiten Bereich von Rüstungskontrollverhandlungen, die wir auf anderen Gebieten führen, wichtigen Auftrieb geben.
- 12 -

�geben.

Würde SALT andererseits nicht ratifiziert werden, dann wird dies zweifel-

los einen Rückschlag für unser gesamtes Rüstungskontroilprogramm und damit
auch für die langfristige Sicherheit unserer Nation und unserer Verbündeten bedeuten.

Unsere engsten Verbündeten haben im vorigen Monat auf Guadeloupe ihre
nachhaltige Unterstützung für SALT II bekundet, das ihre Sicherheit stärken
und eine

Fortsetzung seit langem bestehender Modelle der Verteidigungszusam-

menarbeit gestatten würde.

Wenn wir auf SALT II blicken, dann ist es wichtig,

daß ein Wettrüsten auf dem Gebiet der Gefechtsfeld-Nuklearwaffen in Europa verhindert wird.

Der Westen wird vielleicht auf die sowjetische Rakete vom Typ

SS-20 und den Backfire-Bomber mit einer modifizierten Pershing-Rakete, landgestützten Marschflugkörpern (Cruise Missiles) oder sogar noch mit einer anr
deren ballistischen Rakete reagieren - über die bestehenden britischen und
französischen Nuklearkapazitäten und unsere eigenen vornstationierten Flugzeuge
hinaus.
Ein neues Gefechtsfeld-Nuklearwettrüsten in Europa würde keine Seite
sicherer machen.

Es kann genau so wie die M-X-Rakete ein Hindernis für wesent-

liche Fortschritte bei SALT II sein.

Um den Verhandlungen eine Chance zu ge-

ben, sollten wir uns um sowjetische Zurückhaltung bei der Dislozierung von
SS-20-Raketen bemühen zusätzlich zu den Zusicherungen, die uns die Sowjets
schon im Hinblick auf ihren Backfire-Bomber zu geben bereit sind.

Wir sollten

entsprechende Zurückhaltung bis zur Aufnahme von Verhandlungen zur Verbesserung
des nuklearen Gefechtsfeld-Gleichgewichtes anbieten.

Diese beiderseitige Zu-

rückhaltung würde uns die Zeit geben, die Interessen aller betroffenen Staaten
ins Kalkül zu ziehen und die vielfache Asymmetrie auf dem Gebiete der Waffen in
Rechnung zu stellen.

Wir erwarten also von SALT II, daß es den Weg ebnet für wesentlichere
Nuklearwaffen-Reduzierungen im Rahmen von SALT III. Aber wir erwarten auch
von SALT II, daß es einen Nuklearkrieg weniger wahrscheinlich macht, nicht nur
durch eine Festigung der strategischen Stabilität, sondern auch - wenn möglich durch eine Reduzierung der Impulse, auch nur die Option eines Nuklearkrieges zu
- 13 -

�zu erwägen.

Ich habe keinen Zweifel daran, daß eine Nichtratifizierung von

SALT II der Möglichkeit einer zukünftigen amerikanisch-sowjetischen Zusammenarbeit einen schweren Schlag versetzen würde. Andererseits würde die Ratifizierung von SALT II es ermöglichen, daß die Sowjets und wir an unsere anderen
beiderseitigen Probleme in einer Atmosphäre vermehrter Sicherheit und Hoffnung
für die Zukunft herangehen können. Wir sollten nicht überrascht sein, wenn
unsere Interessen miteinander in Konflikt geraten, aber wir sollten an alle Meinungsverschiedenheiten mit einem neuen Sinn der Ausgewogenheit und der Zuversicht bei unserem so entscheidend wichtigen bilateralen Verhältnis herangehen.
Ich stimme nachdrücklich mit dem überein, was Präsident Carter heute morgen in Georgia gesagt hat:
"Jede Krise, jede Konfrontation, jeder Konfliktpunkt - so ernsthaft er an
sich schon sein mag - würde ein zusätzliches Maß an Bedeutung und eine weitere
Dimension der Gefährlichkeit erhalten. Denn er würde sich dann in einem Klima
ungezügelten strategischen Wettrüstens und nachlassender strategischer Stabilität ereignen. Gerade weil wir fundamentale Differenzen mit der Sowjetunion haben, sind wir entschlossen, diese äußerst gefährliche Dimension unseres militärischen Wettstreits unter Kontrolle zu bekommen."
Vor nahezu 16 Jahren hatte unser Land die Ambition, den Pragmatismus und
das Vertrauen, den ersten Schritt zur nuklearen Rüstungskontrolle zu ergreifen.
Wir konnten damals mit Erfolg einen Vertrag über ein Versuchsverbot aushandeln.
Wir haben damals erreicht, was wir erreichen wollten.
Ohne Frage haben wir seither so viel mehr über unsere Gegner, unsere Verbündeten und auch über uns selbst gelernt, daß wir auch diesmal mit Ambition,
Pragmatismus und Vertrauen an diesen nächsten Schritten SALT II, herangehen
können - und zwar mit dem Blick auf SALT III und auf unsere anderen wichtigen
Rüstungskontroilbemühungen. Dann kann man heute über SALT II das sagen, was
Präsident Kennedy 1963 über den Vertrag über ein begrenztes Versuchsverbot gesagt hat:
Er
- 14 -

�Er wird dem Krieg kein Ende setzen.
nicht beseitigen.

Er wird die grundlegenden Konflikte

Er wird nicht die Freiheit für alle sicherstellen.

Aber

er kann ein Hebel sein, und Archimedes soll bei der Erläuterung des Gesetzes
des Hebels seinen Freunden gesagt haben:

"Gebt mir einen Punkt, auf dem ich

stehen kann, und ich werde die Welt aus ihren Angeln heben."

+ + + + +

- 15 -

�International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. März 1979

EIN JAHRHUNDERTGRUSS AN ALBERT EINSTEIN
Von unserem Korrespondenten Earl N. Mittleman

WASHINGTON - (AD) - Welch ein bedeutsameres Datum könnte es für die Vereinigten Staaten und viele andere Länder geben als den 14. März 1979, den hundertsten Geburtstag eines der größten Revolutionäre des 20. Jahrhunderts.

Dieser Revolutionär, der so viel zur Um- und Neugestaltung der Welt getan
hat, in der wir leben, hatte niemals eine Waffe in der Hand und verabscheute
Gewalt und Krieg mehr als alles andere.

Er liebte d"&gt;e Stille und Beschaulich-

keit, die Musik; er liebte es, zu Fuß oder mit dem Fahrrad die Landschaft zu
durchstreifen, und er segelte gerne.

Er half Kindern gerne bei den Mathematik-

aufgaben - und brachte oft falsche Ergebnisse heraus.

Aber dieser heiter-

gelassene und doch so engagierte Mann hat durch seine abstrakte geistige Macht
die Physik umwälzend verändert und den Anbruch des Atomzeitalters mitbewirkt.

Sein Name ist Albert Einstein.

In den Vereinigten Staaten, deren Bürger er im Jahre 1940 wurde, beginnt
mit seinem Geburtstag ein Gedenkjahr, das Werk und Leben dieses großen Mannes
herausstellen wird.

Am "Institute for Advanced Studies" - dem Institut für

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�für Fortgeschrittene Studien - in Princeton, New Jersey, an dem Einstein
viele Jahre gearbeitet hat, wird eine Reihe der bedeutendsten Physiker unserer
Zeit in einer einwöchigen Feier die Beiträge würdigen, die Einstein zur Wissenschaft geleistet hat.

Eine Ausstellung, die vom amerikanischen Institut für

Physik vorbereitet wurde, wird während des Gedenkjahres in ganz Amerika gezeigt
werden.

Ein speziell für die Jahrhundertfeier gegründetes Komitee hat Pläne

für zahlreiche Vorträge und Vorlesungen ausgearbeitet, durch die in amerikanischen Städten und Gemeinden die Bedeutung Einsteins der amerikanischen Bevölkerung nahegebracht werden soll.
In Washington hat das Smithsonian-Institut eine während des ganzen Jahres
geöffnete Ausstellung zusammengestellt, in der Einsteins wissenschaftliche
Leistungen dem Besucher vor Augen geführt werden.
den großen Physiker mit einer Sondermarke.

Die amerikanische Post ehrt

Eine fast vier Meter hohe Statue

Einsteins von Robert Berks wird im April in Washington enthüllt werden.

Außer-

dem wird ein Film über Leben und Werk Einsteins im Verlauf des Jahres von den
amerikanischen Fernsehstationen ausgestrahlt.
Die geistigen Leistungen Einsteins haben allgemein Staunen und Bewunderung
erregt, und man hat einmal scherzhaft gesagt, daß seinerzeit nur drei Menschen
auf der Welt seine Relativitätstheorie wirklich verstanden hätten. Doch Einstein
selbst schrieb eine populäre Darstellung seiner speziellen und allgemeinen Relativitätstheorie, in der er auf knapp hundert Seiten seine wissenschaftlichen
Erkenntnisse für einen jeden verständlich machte, der über die an höheren Schulen vermittelten mathematischen Kenntnisse verfügt.
Als Einstein im Jahre 1905 seine spezielle Relativitätstheorie veröffentlichte, war die Physik zu einem Stillstand gekommen. Newtons Gesetze der Mechanik mit ihrem absoluten Raum und ihrer absoluten Zeit waren nicht mehr in
der Lage, auf viele der neuen Probleme eine Antwort zu geben, die aus einer
Reihe von immer weiter verfeinerten und ausgeklügelten Experimenten erwachsen
waren. Die Arbeit Einsteins jedoch, zusammen mit seiner 1916 veröffentlichten
allgemeinen Relativitätstheorie, lösten viele der so aufgetretenen Schwierigkeiten.
.

�In einfachster Form besagen die wichtigsten Entdeckungen Einsteins folgendes:

- Die Lichtgeschwindigkeit - 300 000 Kilometer pro Sekunde - ist konstant,
unabhängig von der Schnelligkeit,mit der sich die Lichtquelle bewegt.

Anders

als bei anderen Gegenständen gibt es beim Licht keine Zunahme oder Abnahme der
Geschwi ndi gkei ten.

- Die Schnelligkeit, mit der sich ein Objekt bewegt, bestimmt Zeit und
Länge.

Das heißt, eine Uhr, die durch den Raum mit einer weitaus höheren Ge-

schwindigkeit als eine andere Uhr auf der Erde fliegt, wird einen langsameren
Zeitverlauf anzeigen.

Es gibt im Universum keine absolute Zeit.
2

- Energie und Masse sind austauschbar.

Einsteins Gleichung: e=mc

(Ener-

gie gleich der Masse eines Gegenstandes mal dem Quadrat der Lichtgeschwindigkeit) bildete die Voraussetzung für die Arbeiten, durch die die Energien in
kernreaktiven Prozesses freigesetzt wurden.
Seine Theorien schufen auch die Basis für die Theorie des sich ausdehnenden Weltalls.

Dieser "Urknall"-Theorie zufolge entstand das Universum in einer

gigantischen Explosion vor einigen zehn Milliarden Jahren.

Wer den jungen Einstein kannte, hatte es sich wohl kaum vorstellen können,
daß er einmal einer der größten Geister unseres Zeitalters werden sollte.
wurde in Ulm geboren.
München über.

Er

Bald nach seiner Geburt siedelten seine Eltern nach

Der kleine Albert, um es milde auszudrücken,war ein langsames Kind,

Erst mit drei Jahren lernte er sprechen und war ein so schlechter Schüler, daß
sein Lehrer auf die Frage des Vaters, welchen Beruf der Junge einmal einschlagen
sollte, erklärte, das sei egal, er würde es doch nirgendwo zu etwas bringen.

Mit seinem freien, unabhängigen Geist, der sich gegen die Autorität auflehnte und das studierte, was ihm Spaß machte und sich um das, was er nicht
mochte, wenig kümmerte, wurde Albert von der Oberschule mit der Begründung verwiesen, daß seine "Gegenwart störend wirkt und die anderen Schüler beeinträchtigt."
Bei
- 3 -

�Bei der Aufnahmeprüfung für das Schweizer Polytechnikum in Zürich fiel
er beim erstenmal durch, weil er - wie er freumütig zugab - sich überhaupt
nicht vorbereitet hatte. Auch nachdem er im Jahre 1896 seine Aufnahmeprüfung
bestanden hatte, änderte sich wenig in seinem, die Autoritäten in Frage stellenden, ja zuweilen frech-herausfordernden Verhalten.

Einer seiner Professoren

nannte ihn einen "faulen Hund", während sein Physikprofessor meinte, ob es
nicht besser wäre, wenn er Medizin, Jura oder Philologie studierte.

Nach sei-

nem Abschlußexamen im Jahre 1900 war er der einzige aus seiner Klasse, der
keine Anstellung im Polytechnikum erhielt.
Nur durch die Intervention von Freunden gelang es ihm, eine Anstellung
als technischer Sachverständiger (3. Klasse) im Schweizer Patentamt zu erhalten.

Inzwischen hatte er die schweizerische Staatsbürgerschaft erworben.

Hier aber im Patentamt fand er die Muße, in seiner Freizeit seine wissenschaftlichen Arbeiten vorzubereiten, die ihm Weltruhm bringen sollten.
Seine Schrift von 1905 über die Relativität, eine von drei Arbeiten,
die er in diesem Jahr veröffentlichte, beendete seine Tätigkeit im Patentamt und
führte ihn zurück in die akademische Welt. Nach einer Reihe kürzerer Tätigkeiten kehrte er im Jahre 1912 an seine alte Schule als Professor für theoretische Physik zurück und wurde ein Jahr später an die Preussische Akademie
der Wissenschaften nach Berlin berufen.
Sein Ruhm aber durchdrang dann die ganze Welt, als im Jahre 1919 eine
Gruppe britischer Wissenschaftler seine allgemeine Relativitätstheorie bestätigte, indem sie nachwiesen, daß das Licht beim Vorbeigang an der Sonne abgelenkt
wurde.
Im Jahre 1921 erhielt er den Nobel-Preis, nicht für seine Arbeit über
die Relativitätstheorie, sondern für seine Theorie vom photo-elektrischen
Effekt.

Diese Theorie besagte, daß das Licht sowohl als Welle als auch als

Teilchen angesehen werden kann, und beendete damit eine langjährige Debatte

- 4 -

�Debatte zwischen den Verfechtern des jeweiligen Standpunktes.

Politisch war Einstein ein ausgesprochener Verfechter des Sozialismus,
des Internationalismus, Pazifismus, Zionismus und der allgemeinen Menschenliebe.

Aber in seinem Denken schied er streng zwischen seiner wissenschaft-

lichen Arbeit und seinen politischen Neigungen.

"Meine wissenschaftliche Arbeit," so sagte er einmal, "wird bestimmt von
einem unwiderstehlichen Verlangen, die Geheimnisse der Natur zu verstehen,
und von keinem anderen Gefühl sonst.

Meine Gerechtigkeitsliebe und mein Stre-

ben, zur Verbesserung der menschlichen Verhältnisse beizutragen, sind ganz
unabhängig von meinen wissenschaftlichen Interessen."

Ein Mensch mit solchen politischen Vorstellungen, vor allem als Jude,
mußte in dem Deutschland Hitlers in eine unhaltbare Position geraten.

So nahm

er im Jahre 1933 die Einladung dankbar an, am Institut für Fortgeschrittene
Studien in Amerika mitzuarbeiten.

Von diesem Zeitpunkt an bis zu seinem Tode

im Jahre 1955 war er mit seinen ausgebeulten Hosen, seinem Pullover, seinem
zerzausten Haar und seiner Pfeife eine vertraute Figur auf den Straßen von
Princeton.

Im Jahre 1939 wurde er von zwei Kollegen aus seinem Fachbereich, die Berichte über Experimente der Nazis gelesen hatten, welche zur Entwicklung einer
Atombombe führen konnten, gedrängt, etwas zu unternehmen.

Er schrieb an Prä-

sident Roosevelt und forderte diesen mit Nachdruck auf, die Versuche der Vereinigten Staaten auf diesem Gebiet voranzutreiben.

Mit zunehmendem Alter lehnte Einstein einige der späteren Entwicklungen
in der Physik ab.

Er sah das physikalische Universum als einen Ort, an dem ge-

setzmäßige Ordnung herrscht, und er war der Überzeugung, daß es die Aufgabe
des Wissenschaftlers sei, die Gesetze zu entdecken, nach denen sich diese Ordnung richtet.

Die neue Welt der Unbestimmbarkeit - in der unser Wissen über

das physikalische Universum nur eine statistische Wahrscheinlichkeit sein

- 5-

�sein kann - widersprach völlig seinen geistigen Vorstellungen.
"Gott würfelt nicht mit dem Universum", pflegte er immer wieder zu sagen.
In seinem späteren Leben versuchte er, eine einheitliche Feldtheorie zu entwickeln, in der unter einem Satz von Gleichungen, Schwerkraft und Elektromechanismus zusammengefaßt werden sollten.

Es gelang ihm nicht.

Obwohl er diesen großen Abschluß seines Lebenswerkes nicht fand, ist er
als die monumentale Figur in der modernen Physik anerkannt - als ein Mann, der
selbst im hohen Alter seinen, jugendlichen Schwung nicht verlor.
Mit dem älteren Einstein zusammenzukommen bedeutete, wie es der britische
Physiker und Autor C.P. Snow ausdrückte, einen alttestamentarischen Patriarchen
zu treffen, der "sich Spuren der Ausgelassenheit, der erfrischend einfachen
Menschlichkeit erhalten und es aufgegeben hat, Socken zu tragen."

+ + + + +

�Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. März 1979

JUPITER UND SEINE PLANETENWELT
US-Sonde VOYAGER I besucht "entfernte Verwandte" unserer Sonne
- Von G. Weiss -

- (AD) - Noch bis zum 9. April 1979 wird die amerikanische Forschungssonde VOYAGER I die rätselhafte Welt des Jupiter beobachten.

Dann nimmt der

816 kg schwere Roboter mit seinen 10 Instrumenten, der am 5. September 1977
am Kap Canaveral (Florida) gestartet wurde, Kurs auf sein nächstes Ziel, den
Saturn, wo er im November 1980 eintreffen wird.

Auch Saturn scheint, ähnlich

wie der ebenfalls zu den äußeren Planeten zählende Jupiter, eine Mittelstellung zwischen einem Stern und einem Planeten einzunehmen.
Ihrer chemischen Zusammensetzung nach entsprechen die beiden größten
Planeten unseres Sonnensystems (Jupiter mit der 318-fachen Masse der Erde,
142 700 km Äquatordurchmesser und 1,33 g/cem Dichte, Saturn mit 95-facher
Erdmasse, 116 820 kg Äquatordurchmesser und 0,69 g/cem Dichte) eher einem
"Stern" wie z.B. der Sonne (Dichte: 1,41 g/cem). Ihre Hauptbestandteile
sind Wasserstoff, Helium sowie andere leichte Gase und Elemente. Und im
Gegensatz zu den sonnennahen Festkörperplaneten wie Merkur (Dichte: 5,3),
Venus (Dichte: 4,95), Erde (Dichte: 5,52) und Mars (Dichte: 3,95), die über
eine ausgeglichene Energiebilanz verfügen, geben sie 1,9 bzw. 2,6 Mal mehr
Energie an den Weltraum ab, als sie von der Sonne empfangen. Anders als die

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�die sog. inneren Planeten scheinen der von (vermutlich 14) Satelliten begleitete Jupiter und der Saturn mit seinem Ringsystem über bedeutsame innere
Wärmequellen zu verfügen.

So fragen sich die Forscher mit Recht, ob für den

Entwicklungsgang dieser Himmelskörper seit Entstehung unseres Sonnensystems
vor ca. 4,6 Milliarden Jahren eher der eines Sterns als der eines gewöhnlichen
Planeten anzunehmen sei.
Die US-Raumfahrtbehörde NASA erwartet von ihrem Programm VOYAGER I und
II, daß die mit den Vorläufern PIONIER 10 und 11 im Dezember 1973 und 1974
gewonnenen Erkenntnisse über den Jupiter und seine Umwelt erheblich ausgeweitet
und vervollständigt werden können.

Daß die Erwartungen nicht zu hoch gegriffen

sind, zeigen die auf dem Höhepunkt des ersten Teils der Mission übermittelten
Meßdaten und Fotos. VOYAGER I nahm sie während der letzten 400 Millionen
Kilometer der weit über eine Milliarde Kilometer langen Anflugstrecke, vor
allem aber unmittelbar vor, während und nach seiner größten Annäherung an den
Jupiter (277 000 km Abstand) am 5. März 1979 auf.

Ihm folgt in Kürze die

Schwestersonde VOYAGER II, die am 20. August 1977 gestartet wurde.

Sie beginnt

am 24. April 1979 ihr volles Beobachtungsprogramm und wird am 9. Juli 1979 ihre
größte Jupiternähe erreichen.
Auch VOYAGER II setzt seinen Flug zum Saturn fort, trifft dort jedoch erst
1981, fast ein Jahr nach VOYAGER I, ein. Man hofft, daß die Sonde anschließend
ihren Weg zum Planeten Uranus, vielleicht auch weiter bis zum Planeten Neptun
nehmen kann. Die "aktive Lebensdauer" einer solchen Forschungssonde wird davon
bestimmt, aus welcher Entfernung zur Erde ihre Signale noch zu empfangen sind.
Die beiden Vorläufer, PIONIER 10 und 11, die sich dem Jupiter seinerzeit bis
auf 131 400 bzw. 42 000 km näherten, melden sich noch immer. PIONIER 10 verläßt unser Sonnensystem, nachdem er 1976 die Bahn des Saturn kreuzte und in
diesem Jahr (1979) die Uranus-Bahn, 1983 die des Planeten Neptun und 1987 die
Bahn des Pluto, des nach heutiger Kenntnis äußersten Planeten unseres Sonnensystems, passieren wird. PIONIER 11 aber wird das erste von Menschenhand geschaffene Objekt sein, das - und zwar im September 1979 - dem Planeten Saturn
einen Besuch abstattet. Die Flugleit- und Beobachtungszentralen der NASA für
interplanetare Sonden haben jedenfalls in diesem Jahr Hochbetrieb.
Fremdartige

�Fremdartige Welten auf dem Fernsehschirm

Selbst Wissenschaftler wie die seit zwei Jahrzehnten ständig mit Neuem
konfrontierten Weltraumforscher haben das Staunen noch nicht verlernt.

Die

Beobachter im Aufnahmezentrum des Jet Propulsion Laboratory in Pasadena
(Kalifornien) brachen in wahre Begeisterungsstürme aus, als die VOYAGER-Nahaufnahmen von den größten Trabanten des Jupiter und von dem Planetenriesen
selbst auf dem Bildschirm erschienen.

Klar und deutlich, in einem nie zuvor

gesehenen Farbenspiel, kamen sie ins Bild - und dies, obgleich die Funksignale,
mit denen sie übermittelt wurden, jeweils 37 Minuten brauchten, bis sie die
670 Millionen km entfernte Erde erreichten.

Schon Monate zuvor hatte es ein eindrucksvolles Gruppenbild der vier Großmonde Jo, Europa, Ganymed und Kallisto mit ihrem Mutterplaneten gegeben.

Von

diesen ersten Testaufnahmen wußte man auch, daß VOYAGER einen Jupiter antreffen werde, dessen Wolken- und Wirbel strukturen sich im Vergleich zur Zeit der
Beobachtungen durch die beiden PIONIER-Sonden merklich verändert hatten. Aber
zunächst konzentrierte sich das Interesse aller auf die vier größten der
mindestens 13 Satelliten.

Jo wurde zunächst vor dem Planeten aus nur 20 000

km Abstand, und später noch einmal auf der Rückseite des Jupiter sondiert.
An Ganymed flog VOYAGER I in 115 000 km, an Kallisto in 126 100 und an Europa
in 732 000 km Entfernung vorbei, um spezielle Meßdaten zu bekommen und zu fotografieren.

Zuvor war bereits Amalthea, der nur 200 km große innerste Jupiter-

mond, aus 417 000 km Abstand ins Bild gekommen - ein längsgestrecktes, seltsames Gebilde, das selbst mit den leistungsstärksten Teleskopen nur gelegentlich, und dann als winziger Lichtpunkt zu sehen ist.

VOYAGER hatte u.a. den

Auftrag, nach Anzeichen für das Vorhandensein einer Atmosphäre zu forschen.

Die inneren fünf Jupitermonde, die auf Bahnen in 182 000 km (Amalthea),
360 000 km (Jo) bis 1,8 Millionen km (Kallisto) Abstand um den Planeten kreisen, haben es den Wissenschaftlern besonders angetan.

Denn sie sind - zu-

mindest teilweise - mit den inneren Planeten unseres Sonnensystems vergleichbar.

Wie diese weisen sie entsprechend ihrem größeren Abstand zum Mutterge-

stirn eine niedrigere Dichte auf.

Bei Jo beträgt sie noch 3,5 g/ccm, was der
- 3 -

�der des Mars

oder unseres Erdmondes nahekommt, bei Europa 3,07, bei Ganymed

1,93 und bei Kallisto 1,65 g/ccm.

Drei der vier schon von Galilei im Jahr

1610 entdeckten Hauptmonde sind größer als der Erdmond, während Ganymed sogar
den sonnennächsten Planeten Merkur noch an Größe übertrifft.
Endlich hatte man greifbar nahe, was zuvor der Interpretation undeutlicher
Aufnahmen von stationäeren Teleskopen oder der beiden PIONIER-Sonden unterworfen war. Aufgrund von Radar- und Spektral Untersuchungen waren allerdings
schon wichtige Fakten hinsichtlich Beschaffenheit und Oberflächengestalt der
Galileiisehen Monde bekannt:
Eine Radaruntersuchung des Ganymed durch Dr. Richard Goldstein im Jahre
1975 hatte gezeigt, daß die Oberfläche rauher ist als die sämtlicher innerer
Sonnenplaneten, einschließlich unseres Erdmondes. Auch konnte es sich nicht
wie zuvor angenommen, nur um einen riesigen Eisklumpen handeln.
11-Aufnahmen ließen Krater und mareähnliche Gebilde vermuten.

Schon PIONIER
Die Radarsondie-

rung ergab, daß Gesteins- und metallisches Material in die Eiskruste eingebettet oder darunter vorhanden sein müsse.

Auf den VOYAGER-Bildern leuchtet

Ganymed braun, von hellen gelben Strukturen spinnwebartig durchsetzt.
Aufnahmen zeigen deutlich zahlreiche Krater.

Die

Goldstein hatte vermutet, daß

als Quelle für das Gesteins- und Metallmaterial Meteoriten in Frage kämen.

Jo - Star unter den Jupitermonden
Jo erwies sich als das Starmodell unter den Jupitermonden.

Schon bei der

ersten Aufnahmeserie machte VOYAGER von ihm mehr als 100 Fotos. Seine Oberfläche, vornehmlich in allen Schattierungen der Farben Orange bis Rot, zeigt
große Ähnlichkeit mit unserem Erdmond.

Dr. L. Soderblom vom Geologischen

Bundesamt der USA beschreibt ihn als "einen der eigenartigsten Körper des ganzen Sonnensystems".

Sein Durchmesser beträgt ca. 3200 km, für einen Umlauf

benötigt er 42 Stunden.

Auf seiner Oberfläche ist jedes nur denkbare geolo-

gische Merkmal zu finden - ausgedehnte Steilhänge, Fließrinnen, Einbrüche und
Bodenspalten, auch ein fast 1600 km langer Gebirgszug mit Erhebungen von einige

�einigen Tausend Metern Höhe. Kreisförmige Einbrüche haben zum Teil riesige
Ausmaße. Auf einem der Fotos war ein Gebilde zu erkennen, das an einen erloschenen Vulkan erinnert. Einige Krater sehen aus, als seien sie aufgefüllt.
An anderer Stelle hat man den Eindruck, als sei Sand über die Oberfläche geweht, die, von den markanten Unebenheiten abgesehen, überraschend "glatt" erscheint. Jedoch sei, so Dr. Soderblom, auf dem Mond Jo kein Wind von solcher
Kraft denkbar. Dennoch müsse es einen Erosionsprozeß geben, der möglicherweise
durch die starke Strahlung nahe am Jupiter verursacht wird.
Spektral Untersuchungen hatten schon 1974 vermuten lassen, daß auf der JoOberflä'che gewöhnliches Kochsalz (Natriumchlorid) in größeren Mengen vorhanden
sein könne. Man beobachtete damals einen durch leuchtende Natriumatome gebildeten "Hof", der den Trabanten mit einem bis zu 320 000 km weiten Strahlenkranz
umgibt. Nach den jetzigen Erkenntnissen scheint auch Schwefel an der Oberfläche reichlich vorhanden zu sein. Im übrigen deutet manches auf den Fotos
darauf hin, daß aus den Spalten in der Oberfläche zeitweise eine Flüssigkeit
ausquillt und dann wieder eingesogen wird. Man glaubt jedoch nicht, daß es
sich um Wasser handelt - wenn sich die Flüssigkeit zurückzieht, scheinen Rückstände, z.B. Salze, an der Oberfläche zu bleiben. Während der zweiten Aufnahmeserie erschien Jo in etwas anderem Licht - dieses Mal herrschten senf-, orangefarbene und weiße Töne vor, das Rot war zurückgedrängt. Weiß und hellbraun
gefärbte Rundbecken auf der Oberfläche schienen von hellgelben Kreisstrukturen
umgeben.
Auf den Farbaufnahmen von Europa und Kallisto, die noch eingehend analysiert werden, herrschen blaßgelbe und hellbraune bzw. dunkler braune und
fleckförmig erscheinende gelbe Farbtöne vor. Auf Kallisto hatte PIONIER 11
einen eisbedeckten Südpol entdeckt. Die jetzt sondierten Monde sind Teil eines
Tr.abantensystems, von dem bis 1951 insgesamt 12 Monde bekannt waren. Im Jahr
1974 fand der amerikanische Astronom Charles Kowal mit Hilfe des großen MountPalomar-Teleskops Mond Nr. 13, "Leda" genannt, einen Satelliten von 8 km Durchmesser. Eine weitere Entdeckung Kowals von 1975, die auf das Vorhandensein
eines 14. Mondes von 6,5 km Durchmesser schließen ließ, konnte bisher nicht bestätigt werden.
c.
Em
- 5-

�Ein "Tumult von Farben"
Am 10. Februar 1979 war VOYAGER I "offiziell" in das JupiterrSystem eingedrungen, als er die Bahn des äußersten Mondes "Sinope" (gelegentlich auch
"Cerberus" genannt) kreuzte.

Dieser ist 24 Millionen km von seinem Zentralge-

stirn entfernt und benötigt für einen einzigen Umlauf 25 Monate. Aber schon
mehr als ein Jahr zuvor war für VOYAGER I die Spur seines ersten Zieles nicht
zu verfehlen.

Radioemissionen auf weitaus mehr als den bisher bekannten Fre-

quenzen machten immer stärker auf Jupiter aufmerksam.

Mit seinen Instrumenten

zur Messung von Radio- und Plasmawellen nahm VOYAGER I Ausstrahlungen in der
Bandbreite von 1,2 Kilohertz bis 40 Megahertz auf.
Die Ursachen für diesen Radiolärm sind noch nicht klar, auch wenn bekannt
ist, daß Strahlungsausbrüche bis in Bereiche der Umlaufbahn des Merkur und
jenseits der des Saturn vordringen. Die Kräfte, die im Innern des riesigen
Gasballs Jupiter am Werk sind, der sich in 10 Stunden einmal um die eigene
Achse dreht, scheinen weitaus komplexer zu sein als bisher angenommen. Neuere
Daten lassen z.B. darauf schließen, daß Jupiter - im Gegensatz zur Erde als
dem einzigen bisher bekannten Planeten mit bemerkenswertem Magnetfeld - nicht
nur einen, sondern mehrere "Generatoren" in der Form von Ringströmen im Innern
besitzt. Der magentische "Mantel" des Jupiter verändert kontinuierlich Form
und Ausdehnung. Vermutlich haben die Monde einen erheblichen Einfluß auf Form
und Dichte der Magnetosphäre, wobei Jo eine Schlüsselrolle zu spielen scheint.
Seltsamerweise passen übrigens nur acht der Monde in bezug auf Bahnebenen und
Umlaufrichtung in das Bild eines "Miniatur-Sonnensystems". Vier der äußeren
Monde umkreisen den Jupiter gegenläufig und auf Ebenen, die zum Äquator stark
geneigt sind. Sie scheinen nicht mit dem Planetenriesen entstanden, sondern
erst später von ihm eingefangen worden zu sein.
Als "einen Tumult von Farben" in allen Regenbogenschattierungen bezeichnete einer der VOYAGER-Projektwissenschaftler, was vom Jupiter selbst auf den
Bildschirmen erschien.

In den schon bekannten, nunmehr aber nach Farben und

Strukturen innerhalb von vier Jahren veränderten Bändern kochte es regelrecht
von Wellen, Wirbeln und riesigen Strömungszentren.
- 6 -

Große Aufmerksamkeit galt

�galt naturgemäß dem Großen Roten Fleck, der jetzt weniger intensiv leuchtet
und an den Rand eines hellen Bandes, das ihn früher völlig einschloß, gewandert zu sein scheint.

Ein Bildermosaik, aufgenommen von einer wesentlich ver-

besserten Kamera, zeigte mindestens fünf riesige Wirbel, entgegen dem Uhrzeiger
sinn rotierend, innerhalb des Roten Flecks.

Die Analyse und Interpretation der

Flut von neuen Daten, die über Strahlung und Strahlungsgürtel, die JupiterAtmosphäre und deren Zusammensetzung, über elektrische und mechanische Kräfte,
Monde, Staubmassen und leuchtende Gase in dieser fremdartigen Jupiterwelt von
VOYAGER I gesammelt wurden, werden die Wissenschaftler lange beschäftigen.

Der

Kommentar eines Wissenschaftlers: "Bisher produktivste unbemannte Raumfahrtmission der Vereinigten Staaten", war gewiß keine Übertreibung.

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I

1

UUi//cn/choft
vnd Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. März 1979

LASSA-FIEBER WIRD VON MÄUSEN VERBREITET

- (AD) - Die heute als Lassa-Fieber bezeichnete Infektionskrankheit wurde
1969 zum ersten Mal beschrieben. Sie wird von einem Virus verursacht und führt
beim Menschen in durchschnittlich 40 Prozent der Erkrankungen zum Tode. Seit
einem Jahrzehnt bemühen sich Wissenschaftler nicht nur um die bestmöglichen
Therapieverfahren, sondern sie suchen auch nach Mitteln und Wegen, um die Kette
der Übertragung wirksam zu unterbrechen.
Eine Gruppe amerikanischer Forscher hält sich seit einiger Zeit in der Nähe
des Dorfes Konia im afrikanischen Staat Sierra Leone auf, unter dessen 500 Einwohnern das Lassa-Fieber besonders häufig zuschlägt. Inzwischen wurde herausgefunden, daß eine ganz bestimmte Mäuseart als Überträger in Frage kommt. Die
infizierten Tiere scheiden die Erreger mit Exkrementen und Urin aus. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß die Krankheit dann mit Staub und Wind, Getreide
und anderen Nahrungsstoffen verbreitet wird und auf diesen Wegen den Menschen
erreicht.
Wie Dr. Brian Robbins von der amerikanischen Forschungsorganisation
"Smithsonian Institution" in Konia ermittelte, gibt es in diesem Gebiet von der
in Frage kommenden Mäuseart (Multimammate) zwei in Farbe und Form einander sehr

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�sehr ähnliche Erscheinungsformen - nur mit dem großen Unterschied, daß die
eine Lassa-Virus-Träger ist, die andere nicht.

Untersuchungen im Feldlabor,

an denen auch Dr. John Krebs mit einer Gruppe von Mitarbeitern beteiligt ist,
ergaben, daß die gegen Lassa-Viren anfälligen Mäuse 32, die immunen Tiere dagegen 38 Chromosomen besitzen.

Außerdem ist der Schädel der letztgenannten

Gruppe von geringfügig anderer Form und Größe.
dieser Species eigene

Lebensgewohnheiten.

Vermutlich entwickelte jede

Denn die Virenträger sind fast

nur im Dorf und in seiner nächsten Umgebung, die von Lassa-Viren praktisch
freien Mäuse dagegen auf den weiterab gelegenen Feldern zu finden.
Für vergleichende Untersuchungen müssen die Mäuse lebend gefangen werden.
Dr. John Krebs, der Feldzoologe für das Projekt, hat in bestimmter netzähnlicher Verteilung 144 Fallen in und um Konia installiert. Ein zweites Netz
befindet sich auf den Feldern. Mit Gummihandschuhen und Atemmasken ausgerüstet,
sammeln die Wissenschaftler regelmäßig die Mäuse mitsamt der Falle ein, um im
Feldlabor Blutproben und anderes Untersuchungsmaterial zu entnehmen und die Tiere zu messen und zu wiegen. Am Ohr wird dann eine Marke angebracht, die bei
nochmaligem Einfangen helfen soll, Erkenntnisse über den Aufenthaltsbereich zu
bekommen. Denn nach Abschluß der Untersuchungen werden die Mäuse wieder dorthin zurückgebracht und freigelassen, wo die Falle aufgestellt war. Jeweils
eine Blutprobe von jedem Exemplar wird per Flugzeug, in Trockeneis eingefroren,
an das amerikanische Zentralinstitut für Seuchenbekämpfung (Center for Disease
Control - CDC) in Atlanta (Georgia) geschickt, die zweite von Dr. Krebs im
Feldlabor untersucht.
Interessanterweise zeigte sich, wie Dr. Robbins berichtet, bei den virenanfälligen Mäusen eine Infektionsrate von fast 40 Prozent, was nahezu dem Prozentsatz der Infektionen unter der Bevölkerung entspricht. Die Wissenschaftler
hoffen aufgrund der bisher gewonnenen Erkenntnisse, durch eine wirksame Bekämpfung der Überträger in einem ausgesprochenen Seuchengebiet die Krankheit eindämmen und zumindest von dieser Seite her besser unter Kontrolle bringen zu
können.
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