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                  <text>26. Januar 1979

4

INHALT

DOKUMENTATION

PRÄSIDENT CARTERS BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
- 23. Januar 1979 -

Um Übei/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. Januar 1979

PRÄSIDENT CARTERS BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
- 23. Januar 1979 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 23. Januar 1979 vor
beiden Häusern des amerikanischen Kongresses seine verfassungsmäßig vorgeschriebene Botschaft über die Lage der Nation - State of the Union Message verlesen.

Die diesjährige Botschaft hat folgenden Wortlaut:

Herr Präsident, Mr. Speaker, Mitglieder des 96. Kongresses, meine Mitbürger.
Ich möchte heute abend ganz allgemein die Lage unserer amerikanischen
Union untersuchen - wie wir eine neue Grundlage für eine friedliche und blühende Welt schaffen.
Unsere in diesem Jahr geborenen Kinder werden im 21. Jahrhundert in ein
reiferes Alter kommen. Was für eine Gesellschaft, was für eine Welt bauen
wir für sie? Werden wir im Frieden leben? Werden sich unsere Kinder einer
besseren Lebensqualität erfreuen? Wird ein starkes und einiges Amerika noch
immer eine Macht der Freiheit und Prosperität in der ganzen Welt sein?
Heute

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�»

Heute gibt es alle Anzeichen, daß die Lage unserer Nation gut ist. Unsere Wirtschaft bietet größeren Wohlstand für mehr Menschen als je zuvor.
Das reale Pro-Kopf-Einkommen und die realen Gewinne sind in den letzten zwei
Jahren wesentlich gestiegen.

Die Exporte landwirtschaftlicher Erzeugnisse

stellen absolute Rekordeauf, und das Einkommen der Farmer ist im vorigen Jahr
um mehr als 25 Prozent gestiegen.
sichert.

Unsere bürgerlichen Freiheiten sind ge-

Unsere militärische Verteidigung ist stark und wird immer stärker.

Und was heute noch wichtiger ist, Amerika lebt in Frieden.
Unsere frühesten nationalen Verpflichtungen, von nachfolgenden Generationen abgewandelt und neu gestaltet, sind uns gut bekommen.

Aber die Probleme,

vor denen wir heute stehen, sind ihrer Natur nach anders als jene, mit denen
es frühere Generationen von Amerikanern zu tun hatten.

Sie sind subtiler,

komplexer und stehen in einem stärkeren Zusammenhang zueinander.

In unserem

eigenen Lande können nur wenige dieser Probleme durch die Regierung allein gelöst werden.

Draußen in der Welt können nur wenige dieser Probleme von den

Vereinigten Staaten allein gelöst werden..
Aber die Amerikaner haben sich als geeintes Volk - in Zusammenarbeit
mit unseren Verbündeten und Freunden - niemals davor gefürchtet, sich den Problemen im eigenen Lande oder draußen in der Welt zu stellen und sie zu lösen.
Die Herausforderung an uns besteht darin, eine neue und festere Grundlage für die Zukunft zu bauen - für eine gesündere Wirtschaft, für eine
leistungsfähigere Regierung, für politisches Vertrauen und für einen stabilen Frieden - damit das Amerika, das unsere Kinder erben werden, noch stärker
und besser sein wird als das unsrige.
Wir können uns nicht in vereinfachte oder extreme Lösungen flüchten,
den Märchenglauben an die Stelle des gesunden Menschenverstandes setzen.
Es ist ein solches Märchen, daß wir in unserer Wirtschaft ewig zwischen
Inflation und Rezession wählen müssen.

Zusammen können wir die Grundlage für

eine starke Wirtschaft mit niedriger Inflation bauen, ohne dadurch eine Re- 2 -

V

�.

Rezession mit ihrer hohen Arbeitslosigkeit oder undurchführbaren Zwangskontrol&gt;2n durch die Regierung herbeiführen zu müssen.

Es ist ein solches Märchen, daß wir in unserer Regierung zwischen Mitgefühl und Kompetenz wählen müßten.

Zusammen können wir die Grundlage für

eine Regierung bauen, die funktioniert - und die für das Volk funktioniert.

Es ist ein solches Märchen, daß wir in unseren Beziehungen zu unseren
potentiellen Gegnern zwischen Konfrontation und Kapitulation wählen müßten.
Zusammen können wir die Grundlage für eine stabile Welt sowohl der Vielfalt
wie des Friedens schaffen.

Zusammen haben wir bereits begonnen, die Grundlage für das Vertrauen in
unser Wirtschaftssystem zu schaffen.

Während der letzten zwei Jahre haben

wir, als wir unsere Wirtschaft aus der tiefsten Rezession seit den dreißiger
Jahren herausgeführt haben, über 7,1 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen.
Die Arbeitslosenrate hat sich um 25 Prozent gesenkt.

Jetzt müssen wir un-

seren Kampf gegen die zähe Inflation verdoppeln, die unser Land seit über
einem Jahrzehnt plagt.

Das ist unser wichtigstes Problem im eigenen Lande,

und wir müssen es gemeinsam angehen.

Die Inflation ist eine Last für alle Amerikaner, aber sie ist eine
Katastrophe für die Armen, die Kranken und die Alten.

Keine amerikanische

Familie sollte gezwungen sein, zwischen Nahrung, Heizung, Gesundheitsfürsorge oder einer anständigen Wohnung wählen zu müssen, weil die Kosten für
jedes dieser Grundbedürfnisse zu hoch geklettert sind.

Vor drei Monaten habe ich ein ausgewogenes Anti-Inflationsprogramm vorgelegt, das eine verantwortungsbewußte Zurückhaltung der Regierung mit einer verantwortungsbewußten Zurückhaltung bei Löhnen und Preisen verbindet.
Es basiert auf meiner Erkenntnis, daß es eine mächtigere Kraft gibt als den
Zwang seitens der Regierung - nämlich die Kraft, die durch die gemeinsamen
Anstrengungen von Millionen von Amerikanern entsteht, die auf ein gemeinsames
Ziel hinarbeiten.

,. .
,
Unternehmer

�\

Unternehmer und Gewerkschaften reagieren zunehmend positiv.
erläßlich, daß wir in der Regierung unseren Teil dazu tun.

Es ist un-

Wir müssen der

Gewohnheit übertriebener Regierungsausgaben Einhalt gebieten.
Ich habe diesem Kongreß einen knappen aber fairen Haushaltsvoranschlag
unterbreitet - ein Budget, das, seit ich für die Präsidentschaft kandidiert
habe, das Defizit des Bundes auf die Hälfte gesenkt hat, und dieses Defizit
wird als Prozentsatz unseres Bruttosozialprodukts fast um 75 Prozent niedriger
liegen.
Der Kongreß hat im vorigen Jahr viel geleistet, und ich bitte jetzt diesen 96. Kongreß, an unserer Partnerschaft festzuhalten, wenn es darum geht,
übertriebenen Bundesausgaben Zügel anzulegen.
Wir müssen stark und ausdauernd sein.

Das wird nicht leicht sein.

Dieses Budget ist eine deutliche Bot-

schaft, daß ich mit Ihrer und des amerikanischen Volkes Hilfe entschlossen
bin, die Inflation unter Kontrolle zu bringen.
Das Budget 1980 sieht eine Zurückhaltung in den Ausgaben vor, die groß
genug ist, um der Inflation Einhalt zu gebieten, aber auch groß genug, um
genug Anreiz zu bieten, um die amerikanischen Arbeiter beschäftigt zu halten
und Investitionen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze zu ermutigen.

Wir werden

weiterhin die Ressourcen unserer Nation mobilisieren, um unser Handelsdefizit
abzubauen und die Stärke des amerikanischen Dollar aufrechtzuerhalten.
Wir haben in diesem zurückhaltenden Haushaltsvoranschlag gezeigt, daß
wir auf den Gewinnen der letzten zwei Jahre aufbauen können, um zusätzliche
Unterstützung für die Bildung benachteiligter Kinder, für die Altenfürsorge,
für die Ernährung und die Rechtsberatung der Armen und zur Stärkung der wirtschaftlichen Grundlage unserer städtischen Gemeinden und ländlichen Gebiete
aufbringen können. Wir werden in diesem Jahr den ersten Schritt unternehmen,
um einen nationalen Gesundheitsplan zu entwickeln.
Wir dürfen niemals eine Gruppe von ständig arbeitslosen Amerikanern akzeptieren, die keine Hoffnung hegen und kein Interesse am Aufbau unserer Ge- 4 -

�I

Gesellschaft haben.

Für all jene, die aufgrund von Diskriminierung, Mangel

an besonderen Fähigkeiten oder Armut von unserer Wirtschaft ausgeschlossen
sind, müssen wir Ausbildungsprogramme auf einem hohen Stand aufrechterhalten,
und müssen wir Arbeitsplätze beschaffen.

Ein verantwortungsbewußtes Budget ist nicht unsere einzige Waffe zur
Bekämpfung der Inflation.

Wir müssen jetzt etwas tun, um alle Amerikaner vor Gesundheitsfürsorgekosten zu schützen, die stündlich um eine Million Dollar - 24 Stunden am Tag steigen und sich alle fünf Jahren verdoppeln.

Wir müssen den Faktor der am

stärksten zu dieser Inflation beiträgt - die ins Unermeßliche steigenden Krankenhauskosten - in den Griff bekommen.

Es wird keine deutlichere Bewährungsprobe für die Verpflichtung dieses
Kongresses zum Kampf gegen die Inflation geben als die Gesetzesvorlage, die
ich in diesem Jahr erneut unterbreiten werde, um die Inflation der Krankenhauskosten zu senken.

Mein Vorschlag wird im Laufe der nächsten fünf Jahre

den Amerikanern insgesamt 60 Milliarden Dollar einsparen, von denen allein
25 Milliarden Dollar Einsparungen im Bundeshaushalt sein werden.
nische Volk hat lange genug gewartet.

Das amerika-

In diesem Jahr müssen wir handeln, um

die Krankenhauskosten einzudämmen.

Wir müssen die Inflation auch durch Verbesserungen und eine bessere Anwendung der Antikartellgesetze und durch einen Abbau der Hindernisse bekämpfen,
die die Regierung der Konkurrenz auf dem Privatsektor in den Weg legt.

Wir müssen anfangen, die Gesamtauswirkung der Reglementierung in unserer
Wirtschaft genau zu untersuchen.

Durch die Aufhebung der Reglementierung der

Luftfahrtgesellschaften haben wir die Gewinne erhöht, die Preise für alle
Amerikaner gesenkt und mit einem der wenigen Fälle in der Geschichte begonnen,
bei denen eine große Bundesbürokratie tatsächlich abgebaut wurde.

In diesem

Jahr müssen wir damit anfangen, den Reglementierungsprozeß für die Eisenbahn-

�.

Eisenbahngesellschaften, die Busgesellschaften und die Lastwagengesellschaften zu reformieren.
Amerika besitzt das größte Wirtschaftssystem der Welt.

Wollen wir den

Eingriff der Regierung verringern und dem Wirtschaftssystem eine Chance geben
zu funktionieren!
Und ich appelliere an den Kongreß, weitere Maßnahmen gegen die Inflation zu ergreifen - nämlich unsere Exporte zu fördern und amerikanische Arbeitsplätze zu schützen, die durch unfairen Handel bedroht werden; Energie
einzusparen; die Entwicklung von Sonnenenergie zu steigern und zu beschleunigen und die technologische Führung unserer Nation zu stärken.

Amerikanische

Arbeiter, die sich uns in dem Kampf gegen die Inflation anschließen, verdienen
nicht nur unsere Dankbarkeit, sondern auch den Schutz durch den Reallohnsicherungsvorschlag, den ich unterbreitet habe.
Wenn wir Erfolg haben wollen, müssen wir unsere Haltung wie auch unsere
Politik ändern. Wir können es uns nicht leisten, über unsere Verhältnisse
zu leben, Programme zu schaffen, die wir weder verwalten noch finanzieren können, oder unsere nationalen Ressourcen zu verschwenden. Und wir können Mißwirtschaft und Betrug nicht dulden. Und vor allem müssen wir der Inflation
als geeintes Volk entgegentreten.
Mit Unterstützung des amerikanischen Volkes ist es der Regierung in den
letzten Jahrzehnten gelungen, Rassenschranken zu beseitigen; Hilfe für die
Arbeitslosen und Rentner zu gewähren; die Hungrigen zu speisen; die Sicherheit, die Gesundheit und die Tarifverhandlungsrechte der Arbeiter zu schützen
und unser natürliches Erbe zu erhalten.
Aber es genügt nicht, eine Vielzahl von Regierungsprogrammen ins Leben
gerufen zu haben. Jetzt müssen wir die guten Programme wirksam gestalten und
jene, die verschwenderisch oder unnötig sind, verbessern oder aussortieren.
Mit

�Mit Unterstützung des Kongresses haben wir damit angefangen, die Bürokratie zu reorganisieren und in den Griff zu bekommen.

Wir reformieren das

Zivildienstsystem, damit wir jenen Anerkennung und Belohnung zukommen lassen
können, die gut gearbeitet haben, und jene korrigieren oder entlassen können,
die nicht gut gearbeitet haben.
Wir müssen in diesem Jahr große Anstrengungen unternehmen, um unser Bildungswesen, die wirtschaftliche Entwicklung und das Management unserer natürlichen Ressourcen zu reorganisieren. Wir müssen ein "Sonnenuntergangsgesetz"
verabschieden, damit Regierungsprogramme, wenn sie ihren Wert verloren haben,
automatisch beendet werden.
Es gibt keine wirksame Reorganisation, die nicht umstritten wäre, und
Reform kann niemals leicht sein. Aber wir wissen, daß eine ehrliche und tüchtige Regierung wesentlich ist, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in unser
öffentliches Handeln wiederherzustellen.
Niemand von uns kann damit zufrieden sein, wenn zwei Drittel der amerikanischen Bürger es vorzogen, im letzten Jahr nicht zur Wahlurne zu gehen. Zu
viele Amerikaner fühlen sich machtlos gegen den Einfluß privater Interessengruppen und die Flut des privaten Wahl kämpfgel des, das unseren Wahlprozeß bedroht. In diesem Jahr müssen wir das Vertrauen der Öffentlichkeit wieder erringen, indem wir eine begrenzte öffentliche Finanzierung der Wahl kämpfe für
Kongreßwahlen fordern. Das Gesetz Nummer 1 des Repräsentantenhauses sieht
eine öffentliche Finanzierung von Kongreßwahl kämpfen vor, und ich erwarte, daß
ich dieses Gesetz bald unterzeichnen kann.
Eine starke Wirtschaft und eine tüchtige Regierung werden das Vertrauen
hier in Amerika wiederherstellen. Aber der Weg in die Zukunft muß in Frieden
abgesteckt werden. Wir müssen weiterhin eine neue und feste Grundlage für
eine stabile Weltgemeinschaft schaffen.
Wir bauen diese neue Grundlage von einer Position der nationalen Stärke
aus auf - der Stärke unserer eigenen Verteidigung, unserer Freundschaft mit
- 7 -

�mit anderen Nationen und unserer ältesten Ideale.

Die militärische Macht

Amerikas ist eine Hauptkraft für Sicherheit und Stabilität in der Welt.

Wir

müssen unsere strategische Kapazität aufrechterhalten und den während der
letzten zwei Jahren mit unseren Verbündeten in der NATO erzielten Fortschritt
weiterführen, mit denen zusammen wir unsere Einsatzbereitschaft vergrößert,
unsere Ausrüstung modernisiert und unsere Verteidigungstruppen in Europa verstärkt haben.

Ich appelliere an Sie, das starke Verteidigungsbudget, das ich

unterbreitet habe, zu unterstützen.
Aber in unserem Zeitalter erfordert die nationale Sicherheit mehr als nur
militärische Macht.

In weniger als einem Menschenalter hat sich die Bevölke-

rung der Welt verdoppelt, die Kolonialreiche sind verschwunden, und etwa 100
neue Nationen sind entstanden.

Massenkommunikation, Bildung und Abwanderung

in die großen Städte der Welt haben ein neues Streben nach wirtschaftlicher
Gerechtigkeit und den Menschenrechten unter den Menschen überall auf der Welt
ausgelöst.
In einer solchen Welt geht es nicht darum, welche Supermacht die Welt beherrscht.

Keine kann das und keine wird das.

Die Wahl liegt vielmehr zwi-

schen einer Welt der Anarchie und Zerstörung und einer Welt der Zusammenarbeit
und des Friedens.
In einer solchen Welt wollen wir nicht den unvermeidlichen Wandel hemmen,
sondern seinen Lauf in einer hilfreichen und konstruktiven Weise beeinflussen,
die unsere Werte, unsere nationalen Interessen und die Sache des Friedens fördert, über der sich schnell ändernden Welt hängt wie eine Gewitterwolke im
Sommerhimmel die schreckliche Macht der Kernwaffen.
Wir werden auch weiterhin bei der Gestaltung der Kräfte des Wandels mitwirken, die sich anbahnenden Probleme der nuklearen Proliferation und der konventionellen Waffenverkäufe erkennen und unsere große Stärke und unseren Einfluß einsetzen, um internationale Konflikte in anderen Teilen der Welt beizulegen, bevor sie akut werden und sich ausbreiten.
Wir
- 8 -

�Wir haben nicht den Wunsch, den Weltpolizisten zu spielen,

Amerika

möchte vielmehr der Friedensstifter der Welt sein.

Wir legen die Grundlage für eine wahrhaft global Zusammenarbeit - nicht
nur mit den westlichen Nationen und den Industrieländern, sondern auch mit den
Entwicklungsländern.

Unsere Bindungen mit Japan und unseren europäischen Ver-

bündeten sind stärker als je zuvor, und das gilt auch für unsere freundschaftlichen Beziehungen zu den Völkern Lateinamerikas, Afrikas, des westlichen Pazifik und Asiens.

Wir haben mit den Panamakanal-Verträgen in der westlichen Hemisphäre neuen Respekt gewonnen.

Wir haben innerhalb der Entwicklungswelt neues Vertrauen

gewonnen durch unsere Ablehnung des Rassismus, unser Eintreten für die Menschenrechte und unsere Unterstützung der Mehrheitsregierung in Afrika.
Die Multilateralen Handelsverhandlungen stehen nunmehr vor einem erfolgreichen Abschluß, und ihre Billigung durch den Kongreß ist entscheidend wichtig für das wirtschaftliche Wohlergehen sowohl unseres Landes als auch der
Welt.

Dies wird eine unserer Hauptprioritäten für 1979 sein.

Wir treten in eine hoffnungsvolle Ära unserer Beziehungen mit einem Viertel der Weltbevölkerung ein, die in China lebt.

Der Besuch des Stellvertre-

tenden Ministerpräsidenten Deng Xiaoping in der nächsten Woche wird dazu beitragen, diese neue Ära einzuleiten.

Und mit prompten Maßnahmen des Kongresses

hinsichtlich der Billigung einer entsprechenden Gesetzgebung

werden wir un-

sere Verpflichtung für ein gedeihliches, friedliches und sicheres Leben der
Menschen auf Taiwan fortführen.

Ich bin dankbar dafür, daß im vergangenen Jahr - wie auch schon im Jahr
davor - kein Amerikaner auf einem Schlachtfeld irgendwo in der Welt sein Leben gelassen hat.

Und im Iran, in Nikaragua, auf Zypern, in Namibia und in

Rhodesien bemüht sich unser Land um friedliche Lösungen für gefährliche Konflikte.
_Im
- 9 -

�Im Nahen Osten waren wir unter schwierigsten Umständen bemüht, alten
Feinden dabei zu helfen, tiefwurzelnde Differenzen beizulegen, die vier
bittere Kriege zu unseren Lebzeiten ausgelöst haben.
Unser festes Eintreten für den Fortbestand und die Sicherheit Israels
wurzelt in unseren tiefsten Überzeugungen sowie in dem Wissen um die strategische Bedeutung eines stabilen Nahen Osten für unser eigenes Land.

Um Frie-

den und Aussöhnung in diesem Gebiet zu fördern, müssen wir das Vertrauen und
die Zuversicht sowohl Israels als auch der arabischen Länder behalten, die
aufrichtig nach Frieden suchen.
Ich bin fest entschlossen, den vollen

nützlichen Einfluß unseres Landes

einzusetzen, damit die kostbare Gelegenheit für einen dauerhaften Frieden
zwischen Israel und Ägypten nicht verloren geht.
Die neue Grundlage der von uns angestrebten internationalen Zusammenarbeit schließt kein Land aus. Die Zusammenarbeit mit der Sowjetunion dient
der Sache des Friedens, denn im Atomzeitalter muß der Weltfriede den Frieden
zwischen den Supermächten einschließen, und er muß die Kontrolle der Kernwaffen bedeuten.
Vor zehn Jahren trafen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die
historische Entscheidung, die Gespräche über die Begrenzung strategischer
Rüstungen, SALT, zu eröffnen. Ziel und Zweck von SALT, damals wie heute,
ist nicht, einen einseitigen Vorteil für irgendeine Nation zu erlangen, sondern die Sicherheit beider Nationen zu schützen, das kostspielige und gefährliche nukleare Wettrüsten ins Gegenteil zu verkehren, ein stabiles Gleichgewicht der nuklearen Kräfte zu erhalten und einer besorgten Welt zu zeigen,
daß wir entschlossen sind, an der Wahrung des Friedens mitzuwirken.
Das erste SALT-Abkommen wurde 1972 abgeschlossen.

Seit dieser Zeit

sind in sechsjährigen Verhandlungen - sowohl unter republikanischen wie unter demokratischen Präsidenten - fast alle Fragen von SALT II gelöst worden.
Wenn die Sowjetunion weiterhin guten Willens verhandelt, dann wird ein SALT- 10 -

�SALT-Abkommen erreicht werden, das zu verantworten ist.

Es ist wichtig, daß das amerikanische Volk den Charakter des SALT-Prozesses versteht,

SALT II basiert nicht auf Gefühlen

Es basiert auf Selbstinteresse

sowohl der Vereinigten Staaten als auch der Sowjetunion

Beide Länder haben

ein mächtiges gemeinsames Interesse an der Verringerung der Drohung eines
nuklearen Krieges,

Ich werde kein Abkommen unterzeichnen, das nicht unsere

nationale Sicherheit fördert.

SALT II wird nicht von Vertrauen abhängig sein
sein,,

Es wird verifizierbar

Wir verfügen über sehr moderne und bewährte Möglichkeiten, einschließ-

lich unserer Satelliten, um festzustellen, ob die Sowjetunion ihren Vertragsverpflichtungen nachkommt

Ich werde kein Abkommen unterzeichnen, das nicht

verifiziert werden kann

Die nukleare Abschreckungsmacht Amerikas wird nach SALT II stark bleiben.
Beispielsweise trägt eines unserer relativ unverwundbaren Poseidon-Unterseeboote allein - weniger als zwei Prozent unserer gesamten nuklearen Macht an
Unterseebooten, Flugzeugen sowie landgestützten Raketen - genug Gefechtsköpfe, um jede große und mittlere Stadt in der Sowjetunion zerstören zu können.

Unsere Abschreckungsmacht ist überwältigend, und ich werde kein Abkom-

men unterzeichnen, wenn unsere Abschreckungskraft nicht überwältigend bleibt.

Ein SALT-Abkommen kann eine kluge Diplomatie oder eine starke Verteidigung nicht ersetzen, und es wird auch nicht d'e Gefahr eines nukTearen Krieges
beenden,

Aber es wird ganz gewiß diese Gefahr vermindern.

Es wird unsere

Bemühungen stärken, die Nuklearversuche zu ächten und die Verbreitung von
Kernwaffen an andere Länder zu beenden.

Und es kann der Beginn sein für den

Verhandlungsprozeß über neue Abkommen, die die nuklearen Rüstungen weiterhin
begrenzen werden

Der

�Der Weg zu einer Rüstungskontrolle, die sich auf eine starke Verteidigung stü.zt - ein Weg, den unser Land und jeder Präsident seit 30 Jahren eingeschlagen haben - kann zu einer Welt des Rechtes und der internationalen Verhandlungen und Konsultationen führen, in der alle Völker in Frieden leben
können.

In diesem Jahr 1979 ist nichts wichtiger, als daß der Kongreß und das
Volk der Vereinigten Staaten entschlossen sind, zusammen mit mir auf diesem
Weg der nuklearen Rüstungskontrolle und des Friedens voranzuschreiten-

Das

ist von allergrößter Bedeutung.

Ich habe hier einige der Veränderungen erläutert, die die Welt umgeformt
haben und die auch heute weiterwirken.
den Wandel nicht zu fürchten.

Aber wir brauchen die Veränderung und

Die Werte, auf denen unsere Nation gegründet

wurde - Freiheit des einzelnen, Selbstbestimmung, d'e Möglichkeit einer menschlichen Erfüllung in Freiheit - alle diese Werte gelten weiterhin.

W-»r finden

ein Lob für diese demokratischen Prinzipien sqgar in Büchern, die aus totalitären Staaten herausgeschmuggelt werden, oder auf Plakaten und Wandzeitungen
in Ländern, von denen wir dachten, daß sie unserem Einfluß verschlossen seien.

Unser Land hat seinen besonderen Platz bei der Führung eines weltweiten
Kampfes für die Menschenrechte wieder eingenommen.

Und das ist eine Verpflich-

tung, die wir im eigenen Lande genauso einhalten müssen wie draußen in der
Welt.
freit.

Die Bürgerrechtsrevolution hat alle Amerikaner, schwarz wie weiß, beAber ihre

vollen Verheißungen sind immer noch nicht verwirklicht.

Ich werde auch weiterhin mit all meiner Kraft für gleiche Möglichkeiten und
Chancen für alle Amerikaner arbeiten - und für positive Maßnahmen für diejenigen, die die besondere Last tragen, daß ihnen in der Vergangenheit die
Chancengleichheit verwehrt wurde.

Wir treten weiterhin für eine Verbesserung

unserer Arbeitsgesetzgebung ein, um die Rechte aller amerikanischen Arbeiter
besser zu schützen.

Und unser Land muß durch die Ratifizierung des Verfassungs-

zusatzes über die Gleichheit der Rechte klarstellen, daß die Rechte der Frauen als Bürger aufgrund der Gesetze unseres Landes garantiert werden.
Solange
- 12 -

�Solange ich Präsident bin, wird hier im eigenen Lande wie auch in der
ganzen Welt Amerikas Beispiel und Amerikas Einfluß eingesetzt wenden, um die
Sache der Menschenrechte zu fördern.
Um die Grundlage für diese Werte zu legen, hat vor zwei Jahrhunderten
eine kühne Generation von Amerikanern ihr Eigentum, ihre Stellung und selbst
ihr Leben aufs Spiel gesetzt.
Wir sind ihre Erben. Und sie senden uns eine Botschaft über die Jahrhunderte hinweg. Die Worte, die sie so deutlich artikuliert haben, werden
jetzt langsam undeutlich, weil sie nicht oft genug gehört werden. Es sind
Worte wie Gerechtigkeit, Gleichheit, Einigkeit, Opfer, Freiheit, Glauben und
Liebe.
Diese Worte erinnern uns daran, daß es die Pflicht unserer Generation
von Amerikanern ist, den Glauben unserer Nation zu erneuern - nicht nur gegen Drohungen von außen gerichtet, sondern gegen Selbstsucht, Zynismus und
Apathie. Die neue Grundlage, von der ich heute abend gesprochen habe, kann
uns helfen, eine Nation und eine Welt zu schaffen, in der jedes Kind genug
an Nahrung und Ausbildung hat und hoffnungsvoll in die Zukunft blicken kann,
in der die Ressourcen, die jetzt für den Krieg vergeudet werden, den menschlichen Erfordernissen zugeführt werden, in der alle Menschen genug zu essen,
ein anständiges Heim sowie Schutz vor Krankheiten haben. Sie kann uns helfen,
eine Nation und eine Welt zu schaffen, in der alle Völker die Freiheit haben,
nach der Wahrheit zu streben und einen Beitrag zur menschlichen Verständigung
zu leisten, damit wir alle unser Leben in Frieden leben können.
Heute abend ersuche ich Sie, sich mir bei der Schaffung dieser neuen
Grundlage - einer besseren Grundlage - für unser Land und unsere Welt anzuschließen.
*

+ + + + +

- 13 -

�</text>
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