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                  <text>Information
und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Januar 1979

INHALT

DOKUMENTATION
Abschlußerklärung Carters zum Treffen von Guadeloupe
- Wortlaut -

WIRTSCHAFT
USA erwarten 1979 Fortschritte in den Handels- und RohstoffVerhandlungen
- Ein Interview mit C. Fred Bergsten, Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Gravitationswellen indirekt nachgewiesen?
US-Wissenschaftler beobachteten auffällige Bahnveränderung an Doppelstern
Intensivförderung von Erdgas
"Künstliches Radiofenster" in der Ionosphäre
Mikrowellen kochen Teersand aus

Um Übersendung von
BcIcgcHcmploren wird
gebeten

Postfach 20 O:
D5300 Bonn

Tel: 02221-89 3240
;:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Januar 1979

ABSCHLUSSERKLÄRUNG CARTERS ZUM TREFFEN VON GUADELOUPE
- Wortlaut -

SAINT FRANCOIS, GUADELOUPE - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 6.
Januar 1979 in einer Abschlußerklärung das Vierertreffen von Guadeloupe als
sehr nützlich und gehaltvoll bezeichnet.

Die anderen Beteiligten - der

französische Staatspräsident Giscard d'Estaing, Bundeskanzler Schmidt und
der britische Premierminister Callaghan - gaben nach Ende der Konferenz ähnlich lautende Stellungnahmen ab.

Die Erklärung Präsident Carters hat folgenden Wortlaut:

Zunächst möchte auch ich Valery Giscard d'Estaing, dem französischen
Volk und insbesondere der Bevölkerung von Guadeloupe meinen Dank sagen, die
unseren Besuch hier so angenehm, erfreulich und nützlich gemacht haben. Wegen der nicht genau festgelegten Tagesordnung, der Ungezwungenheit der Gespräche und der nahezu einmaligen Harmonie, die zwischen uns besteht, habe
ich bisher an keiner Konferenz teilgenommen, die für mich nützlicher oder
gehaltvoller gewesen wäre.

Einer der kostbarsten und wertvollsten Aktivposten, über die das amerikanische Volk, ja vielleicht der größte Teil der Welt verfügt, ist die enge

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�&gt;

enge Harmonie, die leichte und schnelle Kommunikation sowie die gemeinsame
Zielsetzung der Völker, die hier durch mich, durch Bundeskanzler Schmidt,
durch Präsident Giscard d'Estaing und durch Premierminister Callaghan vertreten sind.

Der größte Teil unserer Gespräche hatte regionale Probleme und globale
Fragen zum Inhalt, weil die Meinungsunterschiede, die bilateral zwischen uns
bestehen, außerordentlich geringfügig sind und kaum Konsequenzen haben.

Wir sind entschlossen, die wertvollen Bande der Freundschaft und der
Zusammenarbeit noch weiter zu verstärken - militärisch für die gemeinsame
Verteidigung und für den Frieden sowie in politischer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht.

Wir haben uns verpflichtet, zum Weltfrieden beizutragen, und wir haben
mit Interesse und Genugtuung festgestellt, daß es in den letzten Jahren Fortschritte bei der Normalisierung der Beziehungen zwischen den Völkern der
Welt gegeben hat.

Ehemalige Feinde sind Freunde geworden.

Potentielle Geg-

ner haben sich bemüht, durch enge Konsultationen und Verhandlungen Gewaltanwendung zu vermeiden, und bestehende Freundschaften sind vertieft worden.

Wir alle sind uns darüber einig, daß die Öffnung der Volksrepublik China
zur übrigen Welt, der westlichen Welt, eine konstruktive Entwicklung darstellt.

Und wir sind alle entschlossen, diese Entwicklung zu fördern und

sicherzustellen, daß sie nicht zu einem Hindernis für die Entspannung wird
und daß sie möglicherweise in der Zukunft - das hoffen wir - zu einer Stärkung unseres Verhältnisses der Freundschaft und Harmonie zu der Bevölkerung
der Sowjetunion führen wird.

Wir haben die potentiellen Krisenpunkte der Welt erörtert, und wir haben
uns bemüht, aus der einzigartigen Gelegenheit Kapital zu schlagen, die der
eine oder andere von uns hat, die Spannungen zu vermindern, die Völker dieser
Gebiete selbst - mit unserer gelegentlichen Unterstützung - einen Weg zum

- 2 -

«

�zum Frieden finden zu lassen, so daß Stabilität und die Entwicklung einer besseren Lebensqualität sowie die Förderung der Menschenrechte in allen den Gebieten anhalten, wo vielleicht unser Einfluß spürbar wird.
Und schließlich möchte ich diesen erfahrenen Politikern und Staatsmännern
hier danken für den Rat, den sie mir zuteil werden ließen, sowie für ihre
konstruktive Unterstützung der Bemühungen hinsichtlich der SALT-Verhandlungen
und anderer wichtiger internationaler Schritte, bei denen das amerikanische
Volk die Führung ergriffen hat. Für mich und mein Volk ist dies immer von
großem Nutzen. Und ich bin zutiefst dankbar für das Verhältnis, dessen wir
uns erfreut haben und dessen wir uns - so hoffe ich sehr - in immer zunehmendem Maße auch in den vor uns liegenden Jahren erfreuen werden.
Ich danke Ihnen.

+ + + + +

- 3

�UJifl/choll
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
10. Januar 1979

USA ERWARTEN 1979 FORTSCHRITTE IN DEN HANDELS- UND ROHSTOFFVERHANDLUNGEN
- Ein Interview mit C. Fred Bergsten,
Unterstaatssekretä'r im US-Finanzministerium -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten rechnen damit, daß die
Entwicklungsländer schon 1979 erhebliche Vorteile aus den Multilateralen
Handelsverhandlungen der Tokio-Runde ziehen werden, die gegenwärtig in Genf
zu Ende gehen.

C. Fred Bergsten, Unterstaatssekretär für Internationale Angelegenheiten im US-Finanzministerium unterstrich in einem Exklusivinterview mit dem
Korrespondenten des US-Amtes für Internationale Kommunikation (USICA), John
Harter, daß im Zuge der Genfer Verhandlungen bereits Einigung über die Beseitigung wichtiger nicht-tarifärer Handelshindernisse erzielt wurde, die
jedem Rückgriff der Teilnehmerstaaten auf Einfuhrquoten, Ausgleichszölle und
andere Handelsrestriktionen enge Grenzen setzen.

Das Interview hat folgenden Wortlaut:

FRAGE:

Was halten Sie, bei realistischer Betrachtung, für die aus-

sichtsreichsten Gebiete für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Beziehungen
zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern im neuen Jahr?
ANTWORT:

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�ANTWORT: Meiner Auffassung nach ist die Nord-Süd-Politik integraler
Bestandteil unserer gesamten Außenwirtschaftspolitik.

In den Erwägungen be-

züglich unserer internationalen Währungspolitik, unserer Außenhandelspolitik,
der Rohstoffprobleme, des Transfers technologischer Erkenntnisse, der Investitionsprobleme und anderer Fragen versuchen wir stets, unsere Besorgnisse
hinsichtlich der Entwicklungserfordernisse der ärmsten unter den Ländern in
die diesbezügliche US-Politik zentral einzubauen.
Es besteht meines Erachtens die Notwendigkeit einer weiteren Integrierung der Entwicklungsländer in das Welthandelssystem, um deren bewußtere
Teilnahme an diesem sicherzustellen und die Industriestaaten dazu zu ermutigen, sich stärker auf deren Erfordernisse einzustellen und diese in allen
Phasen der Gestaltung des internationalen Wirtschaftssystems einzubeziehen.
FRAGE: Wird die Tokio-Runde der Handelsverhandlungen, die gegenwärtig
in Genf ihrem Abschluß entgegengeht, die Welt auf diesem Weg voranbringen?
ANTWORT:

Ja, das wird sie meines Erachtens.

Den Entwicklungsländern

wird die Tokio-Runde erhebliche Vorteile einbringen.
Ihre Ausfuhren an Fertigwaren sind in den letzten zehn bis zwanzig
Jahren um astronomische Werte - 20 bis 25 Prozent pro Jahr - gestiegen. Das
war in der Tat eine der wichtigsten Grundlagen für das wahrlich phänomenale
wirtschaftliche Wachstum einiger dieser Länder und für deren Weiterentwicklung.
Wenn ich hier ein oder zwei der für die Entwicklungsländer in den vor uns
liegenden ein bis zwei Dekaden wichtigsten Faktoren herausgreifen soll, würde
ich das anhaltende rasche Wirtschaftswachstum in der industrialisierten Welt
als Voraussetzung für wachsende Märkte für deren Exporte und die Beibehaltung
und womöglich weitere Liberalisierung des Offenhandelssystems nennen.
Das Ergebnis der Tokio-Runde,ist von entscheidender Bedeutung für die
Realisierung der letztgenannten Möglichkeit. Es gibt uns die Möglichkeit
an die Hand, den Pressionen des Protektionismus zu widerstehen, der tragische

- 2 -

�tragische negative Auswirkungen auf die Entwicklungsländer haben könnte,
und es trägt dazu bei, die ihnen ohnehin offenstehenden Märkte noch weiter
zu öffnen.

Eine Reihe der Kodizes bezüglich nicht-tarifärer Maßnahmen, die

im Zuge der Tokio-Runde ausgehandelt wurden, werden für die Entwicklungsländer von ganz erheblicher Bedeutung sein, weil sie der Möglichkeit eines
Rückgriffs der Länder auf Einfuhrquoten, Ausgleichzölle und eine ganze Reihe
anderer Exporthindernisse enge Grenzen setzen.
FRAGE:

Es war in jüngster Zeit wiederholt die Rede von "strukturellen

Veränderungen" in der Weltwirtschaft.

ANTWORT:

Was hat es damit auf sich?

Strukturelle Veränderungen bedeuten in diesem Zusammenhang

im Grunde genommen den Hinweis auf die zunehmende Fähigkeit der Entwicklungsländer, auf den Weltmärkten auch auf dem Fertigwaren-Sektor mit uns zu konkurrieren.

Die Entwicklungsländer bestreiten einen wachsenden Anteil an den

Weltmärkten bei Textilien,

Stahlerzeugnissen, Schiffsbauausrüstungen und

anderen Produkten, deren Herstellung noch vor einem Jahrzehnt größtenteils
von den Industriestaaten monopolisiert wurde.

Wir begrüßen und fördern die

zunehmende Wettbewerbsfähigkeit der Entwicklungsländer als Zeichen ihres Durchbruchs zu einem besseren Leben und einer wirksameren Beteiligung an der Weltwirtschaft.

Jener Trend verursacht für uns als Importländer offensichtlich Anpassungsprobleme, und er bedeutet, daß wir unsere Ressourcen auf andere Produktionen verlagern müssen.

Glücklicherweise sind die Entwicklungsländer

gleichzeitig rasch expandierende Märkte für unseren Export,

über 40 Prozent

der amerikanischen Ausfuhren gehen derzeitig in Entwicklungsländer, die die
weitaus am schnellsten wachsenden Märkte für unsere Ausfuhren bei einer Reihe
hochtechnischer Produkte darstellen und bei denen die Vereinigten Staaten
einen Wettbewerbsvorteil genießen.

Das aber erfordert spezifische Anpassungen seitens gewisser Unternehmen
und Arbeitskräfte beim Übergang von einer Produktion auf eine andere.

Pres-

sionen in Richtung auf einen stärkeren Protektionismus ergeben sich insbe- 3 -

�insbesondere dann, wenn sich die Handelsströme rasch beschleunigen.

Wir

werden deshalb gelegentlich Schritte unternehmen müssen, um das Tempo des
Wandels zu verlangsamen; trotz anhaltender Pressionen werden wir den Wandel
selbst jedoch niemals ablehnen.
FRAGE:

Eine der Hauptbehinderungen in bezug auf das, was die Exekutive

in den Vereinigten Staaten im Hinblick auf jede beliebige Teilfrage des NordSüd-Dialogs unternehmen kann, ist die diesbezügliche Einstellung des Kongresses.
Glauben Sie, daß dort möglicherweise eine Verhärtung der Standpunkte eintreten wird?
ANTWORT:

Wenn wir Programme durchführen sollen, die für die Entwicklungs-

länder notwendig sind, müssen wir selbstverständlich das amerikanische Volk
davon überzeugen, daß diese Programme im Interesse der Vereinigten Staaten
liegen.

Deshalb habe ich nichts dagegen einzuwenden, wenn der Kongreß eine

zurückhaltende oder skeptische Haltung bezüglich solcher Fragen einnimmt.
Wir müssen das amerikanische Volk und über dieses dessen Vertreter im Kongreß
überzeugen.

Wir leben in einer Zeit großer Zurückhaltung in der Haushalts-

politik der Vereinigten Staaten. An der Spitze der Liste unserer nationalen
Prioritäten stehen die Verringerung der Staatsausgaben, die Vermeidung von
Verschwendung, die Begrenzung unseres Haushaltsdefizits und der Kampf gegen
die Inflation.

Das alles ist absolut wichtig, sowohl für unser Land selbst

als auch für die Entwicklungsländer - schon wegen der Auswirkungen des Gangs
der amerikanischen Wirtschaft auf diese.

Daraus resultiert für uns eine schwie-

rige Situation, in der wir uns dennoch um weitere Fortschritte bemühen müssen.
Im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten waren wir nach meinem Dafürhalten
recht erfolgreich in unseren Bemühungen, die Märkte offen zu halten und unsere
Beteiligung an den internationalen Währungsvereinbarungen und unsere Auslandshilfe auszuweiten, die von 5,1 Milliarden Dollar im Haushaltjahr 1976 auf
7,2 Milliarden Dollar im laufenden Haushalt erhöht worden ist.

Die Bewilli-

gungen für die Multilateralen Entwicklungsbanken wurden in den letzten beiden
Jahren sogar verdoppelt,

überall dort also, wo wir ein echtes Anliegen ver-

treten und dessen Bedeutung für die Vereinigten Staaten überzeugend darzulegen
- 4 -

�darzulegen vermögen, können wir der Unterstützung durch den Kongreß sicher
sein.

Das wiederum weist auf die grundlegende Tatsache hin, daß wir fähig
sein müssen, den Nachweis zu erbringen, daß eine spezifische politische Maßnahme den Vereinigten Staaten ebenso wie den Entwicklungsländern zugute
kommt - daß auch wir aus einem bestimmten Schritt Vorteile ziehen können.
Rohstoffabmachungen beispielsweise, die die Preise stabilisieren, sind für
das Erzeugerland und für uns als Importland gut.

Es gibt natürlich auch humanitäre Gründe für fortgesetzte amerikanische
Transferoperationen.

Ich zweifle nicht an der fortgesetzten Bereitschaft

des amerikanischen Volkes, armen Menschen überall auf der Erde zu helfen,
solange es sicher sein kann, daß die aufgewandten Mittel tatsächlich armen
Ländern zugute kommen und wirksam zu deren wirtschaftlichen Entwicklung beitragen.

Ich glaube, daß das amerikanische Volk selbst in einer Zeit strengster

Mäßigung in der Haushaltpolitik hierzu bereit ist und das sogar wünscht.
Volk muß aber die Gewißheit der Effektivität solcher Hilfe haben.

Das

Diese Ge-

wißheit zu schaffen, ist ein Aspekt auf den unsere gesamten diesbezüglichen
Anstrengungen gerichtet sind.

FRAGE:

Die Vereinigten Staaten zögern anscheinend, den Vorschlag

des Weltbankpräsidenten McNamara zu unterstützen, das Kapital der Bank zu verdoppeln.

Warum?

ANTWORT:

Nein, das stimmt nicht.

Wir sind in Wahrheit für eine be-

trächtliche Erhöhung des Kapitals der Weltbank und durchaus geneigt, einer
Verdoppelung des Kapitals zuzustimmen, sofern gewisse Übereinkommen hinsichtlich der exakten Form der Aufstockung erzielt werden können.

Der Kongreß

müßte selbstverständlich unserer Beteiligung zustimmen; die Regierung jedenfalls steht einer Verdoppelung des Kapitals durchaus wohlwollend gegenüber.
Wir unterstützen die Weltbank nachdrücklich und führen gegenwärtig Verhandlungen, die in der Tat zu einer Verdoppelung ihres Kapitals in naher Zukunft

- 5-

�Zukunft führen werden, wie wir hoffen.
FRAGE:

Haben Sie nicht vor einem Kongreßausschuß erklärt, daß die

Vereinigten Staaten sehr strenge Maßstäbe in bezug auf Mittelzuweisungen an
regionale Entwicklungsbanken anlegen werden?
ANTWORT:

Nein, ich habe gesagt, wir wollen sicherstellen, daß die Aus-

leiheprogramme der Multilateralen Banken auf den wirtschaftlichen Charakter
der jeweiligen Region zugeschnitten sein müssen.

Ich habe vor allem auf die

Inter-Amerikam'sehe Entwicklungsbank hingewiesen, deren Ausleiheprogramm sich
auf die Tatsache einstellen muß, daß der größte Teil Lateinamerikas inzwischen in Wahrheit der internationalen Mittelklasse zuzurechnen ist. Nur
zwei oder drei lateinamerikanische Länder wären beispielsweise für Kredite
der Internationalen Entwicklungsgesellschaft (IDA) qualifiziert, jener Zweigorganisation der Weltbank, die Kredite zu Sonderbedingungen lediglich an Länder
mit einen pro-Kopf-Einkommen von weniger als 500 bis 600 Dollar vergibt.

Die

meisten lateinamerikanischen Länder haben inzwischen einen Entwicklungsstand
erreicht, von dem aus sie ihren Bedarf an ausländischen Anleihen zu kommerziellen oder mindestens nahezu kommerziellen Bedingungen decken können.
FRAGE:

Besteht Ihrer Meinung nach ein Gegensatz zwischen der seit

neuerer Zeit verstärkt erhobenen Forderung nach Projekten zur Befriedigung
der grundlegenden menschlichen*Erfordernisse und dem Wunsch der Entwicklungsländer, ihre langfristige wirtschaftliche Entwicklung zu beschleunigen?
ANTWORT:

Nein, ich sehe keinen Gegensatz darin.

Die Geschichte der

Entwicklungsanstrengungen in der Nachkriegszeit läßt vielmehr erkennen, daß
eine bessere Einkommensverteilung - eines der Ergebnisse der Kreditvergabe
unter dem Gesichtspunkt der Deckung des Grundbedarfs der Menschen - und ein
rasches wirtschaftliches Wachstum tatsächlich Hand in Hand gehen.

Es besteht

absolut kein Grund zur Befürchtung, eine größere Konzentration auf Projekte
zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse werde das Wachstum verlangsamen.
Derartige Projekte haben insofern, als sie einen größeren Anteil an der Be-

- 6 -

�Bevölkerung wirksam in den Wirtschaftsprozeß eingliedern, ihnen eine stärkere
Motivation geben, greifbare Ergebnisse zeitigen, und die Produktivität der
Landwirtschaft erhöhen, oftmals sogar sehr positive Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Fortschritt des betreffenden Landes.

Umgekehrt schafft eine er-

folgreiche langfristige Entwicklung die Voraussetzungen - ausreichende Deviseneinkü'nfte und Ersparnisse im eigenen Lande -, die notwendig sind, um Vorhaben
zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse durchzuziehen.

In einem geschickten

Management derartiger Ressourcen, das man gegenwärtig überall auf der Welt
zu lernen beginnt, sehe ich die echte Chance, beide Arten von Projekten gleichzeitig voranzutreiben.
FRAGE:
che

Die Rohstoffpolitik erfährt derzeit viel Aufmerksamkeit.

Wel-

Auswirkungen werden Rohstoffabkommen auf die wirtschaftliche Modernisie-

rung der Entwicklungsländer auf lange Sicht haben?
ANTWORT: Ich halte sie im Falle der meisten Entwicklungsländer für
wichtig, wenn auch nicht für ausschlaggebend. Für einige von ihnen bleibt
das Angewiesensein auf einen oder einige wenige Rohstoffe so wichtig, daß
instabile Preise auf den Produktenmärkten für sie ruinös sein können. Der
rasche Preisverfall bei Kupfer in den letzten Jahren hatte beispielsweise
verhängnisvolle Auswirkungen auf Zaire, das hinsichtlich seiner Exporterlöse
und Devisenposition weitgehend von diesem Rohstoff abhängig ist. Die Einnahmen aus den Rohstoffausfuhren sind für den größten Teil der Entwicklungsländer entscheidend wichtig. Deshalb unternimmt meine Regierung große Anstrengungen, Rohstoffabkommen zustandezubringen, die die Weltpreise dieser
Erzeugnisse stabilisieren und es den Ausfuhrländern solcher Erzeugnisse
- abgesehen von anderen günstigen Auswirkungen - gestatten, systematischer
und mit größerer Zuversicht hinsichtlich des Ausmaßes künftiger Deviseneinkünfte zu planen. Wir haben ein Zuckerabkommen getroffen und verhandeln
gegenwärtig über ein Kautschukabkommen. Es werden ferner Gespräche über eine
Verbesserung der internationalen Kakao-, Kaffee- und Zinnabkommen eingeleitet.
Verhandlungen über weitere Rohstoffe dürften in naher Zukunft folgen.

FRAGE:

�»

FRAGE:

Können Ihrer Meinung nach die Regierungen viel unternehmen,

um den Transfer von technologischen Kenntnissen nach den Entwicklungsländern
zu beschleunigen?
ANTWORT:

Der Großteil der Technologien, die Entwicklungsländer wün-

schen, ist nicht im Besitz der Regierungen, sondern im Besitz der privaten
Wirtschaft.

Die hauptsächliche Methode, einen Transfer von modernem

techno-

logischen know-how zu bewirken, besteht tatsächlich in der Hereinnahme privater ausländischer Investitionen.

Die Entwicklungsländer selbst haben sich

in den letzten Jahren als sehr geschickt erwiesen, wenn es darum ging, die
Gewähr zu schaffen, daß ausländische Investoren industrielle Verfahren und
Produktionsmethoden in ihrer Wirtschaft auf eine Art und Weise einbringen,
die diesen auf Dauer zugute kommt.
Natürlich können die Regierungen der Industriestaaten diesen Prozeß
fördern. So hat Präsident Carter zum Beispiel die Errichtung einer Stiftung
für internationale technologische Zusammenarbeit vorgeschlagen, um Forschungs- und Entwicklungsprogramme in direkter Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern abzuwickeln und auf diese Weise deren technologischen Stand
zu erhöhen.
FRAGE:

Warum gab es ein so großes Hin und Her wegen des Mandats

an den Plenarausschuß der Vollversammlung der Vereinten Nationen, als Forum
für die Diskussion der gesamten Nord-Süd-Situation zu fungieren?
ANTWORT:

Das grundlegende Problem besteht darin, daß keine Notwendig-

keit für ein solches Aufsichtsgremium besteht.
Art bahnen sich an:

Fortschritte sehr bedeutsamer

in bezug auf internationale Währungsfragen im Weltwährungs-

fonds, in bezug auf den Handel innerhalb des GATT, in bezug auf Entwicklungsprobleme im Rahmen der Weltbank, was die Rohstoffproblematik angeht vor der
UNCTAD (UN-Konferenz über Handel und Entwicklung) und in Fragen der Technologie
in den Vereinten Nationen und anderen Gremien.
meiner Meinung nach gut voran.

Alle diese Gespräche kommen

Wir machen in einem pragmatischen Prozeß

�Prozeß Fortschritte in bezug auf alle diese Fragen, die von wirklich zentraler
Bedeutung für den Entwicklungsprozeß sind.

Ich sehe, offen gesagt, keine Not-

wendigkeit für ein Aufsichtsgremium, das den Versuch unternehmen soll, alle
diese Dinge in einer Gesamtschau zu betrachten.
Es ist vielmehr gefährlich, eine solche Institution zu schaffen, weil
es dort zwangsläufig zu einer Politisierung dieser Fragen oder zu rhetorischen
Tiraden kommen wird, wie dies vor solchen Foren öfters der Fall ist. Ein solches Vorgehen kann in der Substanz harmlos sein, könnte aber negative Auswirkungen in Gestalt der innenpolitischen Reaktion in einigen Industriestaaten
zeitigen, die an sich zur Kooperation bereit sind. Es dürfte gut sein, sich
von Zeit zu Zeit zusammenzusetzen, um die Fortschritte in den Beziehungen
zwischen den Entwicklungs- und den Industrieländern zu überprüfen. Meiner Auffassung nach besteht aber, was echte Fortschritte in spezifischen Fragen und
echte Verbesserungen in den Programmen und in der Politik der einzelnen Länder
als Beitrag zur Förderung des Entwicklungsprozesses angeht, die beste Methode
darin, sich der bestehenden funktionsfähigen internationalen Organisationen
zu bedienen, deren Bemühen auf ein spezifisches Ziel gerichtet ist - sei es
im Bereich der Währungsfragen, des Handels, der Entwicklung oder der Technologie. Wir haben aus der Geschichte gelernt, daß solche Organisationen die
Art von Institutionen sind, in denen sich politische Tiraden auf ein Minimum
begrenzen lassen und wirkliche pragmatische Fortschritte erzielt werden können.
FRAGE:

Alles in allem:

Haben Sie das Gefühl, daß die Regierung Carter

in der Lage sein wird, 1979 eine positive Politik gegenüber den Entwicklungsländern zu betreiben?
ANTWORT: Ich glaube, wir können dies. Ich habe bereits von dem Gebot
einer Mäßigung in der Haushaltpolitik gesprochen, was darauf hinausläuft, daß
wir im Hinblick auf die Auslandshilfe als solche nicht so viel tun können, wie
wir gerne täten. Aber in vielen dieser Bereiche - Handel, Rohstoffe, Investitionen und Technologie - können wir auch weiterhin sehr progressiv voranschreiten.
Ein

�Ein Wort möchte ich dem aber noch hinzufügen: Wenn wir von der Verbesserung der Nord-Slid-Beziehungen sprechen, so handelt es sich hierbei in
Wahrheit um ein Geben und Nehmen.

Wir sind der Auffassung, daß einige unter

den höher entwickelten Entwicklungsländern zum Kampf gegen den weltweiten
Trend zum Protektionismus beitragen sollten - und zwar vor allem über ihre
Außenwirtschaftspolitik.

Die Entwicklungsländer insgesamt müssen sich zur

Zusammenarbeit bereitfinden - sowohl war ihre rhetorischen Vorbringungen als
auch ihre realistischen Erwartungen angeht. Alle diese Fragen sind schwer
zu lösen.

Einige von ihnen sind rein intellektueller Natur; alle aber sind

sicherlich heikel im Hinblick auf die Innenpolitik der Industriestaaten.
Was wir tun können - und ich bin zuversichtlich, daß wir es unter Mitarbeit der Entwicklungsländer tun werden - ist, auf jedem dieser wichtigen
Wirtschaftsgebiete pragmatisch vorzugehen, die Ergebnisse vergangener Anstrengungen zu konsolidieren und in dem Bemühen fortzufahren, das bestehende
System zum Segen der Entwicklungsländer wie zu unserem eigenen Vorteil weiter
zu verbessern.

Wenn wir alle entschlossen und pragmatisch auf dieses Ziel

hinarbeiten, werden wir,dessen bin ich sicher, erfolgreich sein.

+ + + + +

- 10 -

�Uli//cn/chofl
wid Technik
»

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Januar 1979

GRAVITATIONSWELLEN INDIREKT NACHGEWIESEN?
US-Wissenschaftler beobachteten auffällige Bahnveränderung
an Doppelstern

- (AD) - Vieles spricht dafür, daß dem amerikanischen Astrophysiker
Dr. Joseph Taylor mit zwei Kollegen der indirekte Nachweis dafür gelungen
ist, daß Schwerewellen existieren. Wie Taylor auf dem internationalen
Symposium über relativistische Astrophysik im Dezember 1978 in München
berichtete, könnten die Ergebnisse vierjähriger Untersuchungen an einem
bestimmten Doppelstern mit Hilfe des Radiotelekops von Arecibo (Puerto
Rico) so interpretiert werden, daß die beobachtete Bahnveränderung auf
die Aussendung von Gravitationswellen zurückzuführen ist. Das Instrument
mit seiner 300 m großen Parabolantenne ist das leistungsstärkste bzw.
empfindlichste Gerät, über das die Astronomie gegenwärtig verfügt.
Das Objekt ist kein gewöhnlicher Doppelstern. Vielmehr handelt es
sich um einen Pulsar samt einem massiven, für optische und radioastronomische
Beobachtungen jedoch "stummen" Partner. Zum ersten Mal seit der Entdeckung
der Pulsare im Jahr 1967 fanden Prof. Taylor (Universität Massachusetts), Dr\_

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dr. Peter M. McCulloch (Universität Tasmanien, Australien) und Lee A.
Fowler (Universität Massachusetts) im Jahr 1974 einen Pulsar als Begleiter
eines anderen Sterns. Für die Astronomie war dies von ganz besonderer
Bedeutung, weil dem Objekt, dessen beide Komponenten aus Massen ungeheurer
Dichte bestehen müssen, zum ersten Mal eine Chance gegeben war, die von
Einstein vorausgesagten Auswirkungen einer Abstrahlung von Gravitationsenergie zu beobachten.
Die Astrophysik kennt inzwischen 320 Pulsare.

Es sind Radioquellen

im Universum, die ihre Signale in ganz exakten Zeittakten, meist stark
gebündelt, und in einem jeweils für den einzelnen Pulsar typischen Signalmuster aussenden.

Man hält sie für die Überreste explodierter und

kollabierender Sterne, die sehr schnell rotieren.

Die Restmasse hat sich

so stark verdichtet, daß ein Teelöffel voll davon eine Milliarde Tonnen
wiegen würde.
messer.

Ein solcher Stern ist sehr klein, hat nur etwa 10 km Durch-

Aber die Dichte seiner Materie erreicht unvorstellbar hohe Werte.

Elektronen und Protonen sind zu Neutronen zusammengepreßt.

Von chemischen

Elementen oder Reaktionen kann also keine Rede mehr sein. Allein in dem
galaktischen System, zu dem unser Sonnensystem gehört, dürfte es Millionen
von Pulsaren geben.

Die meisten von ihnen sind jedoch selbst für die

empfindlichsten der auf der Erde vorhandenen Radioteleskope "unsichtbar".
Der von Taylor und Mitarbeitern nunmehr vier Jahre lang beobachtete
Pulsar (er erhielt nach der Entdeckung die Bezeichnung PSR 1913+16) sendet
alle sechshundertstel Sekunde einen Radioblitz in Richtung Erde. Daß er
einen Partner haben und das Ganze ein Doppelstersystem sein muß, ergab
sich daraus, daß in einer Periode von 7,75 Stunden die "Normal"-Frequenzen
scheinbar verkürzt und dann wieder verlängert aufgenommen werden. Auch
ist die vom Pulsar ausgesandte elektromagnetische Strahlung offenbar
einem starken Gravitationseffekt durch den Partner unterworfen, den der
Pulsar auf einer stark exzentrischen Bahn in knapp 8 Stunden einmal umkreist,
wobei er durchschnittlich 300 km pro Sekunde zurücklegt. Der PulsarDoppelstern gehört zu unserem Milchstraßensystem und befindet sich jm

�in 15 000 Lichtjahren Entfernung von der Erde in der galaktischen Ebene.
In vier Jahren verringerte sich die Umlaufzeit des Pulsars um vier
Zehntausendstel Sekunden.

Eine Verkürzung um eine Zehntausendstel Sekunde

im Jahr wird in der allgemeinen Relativitätstheorie vorausgesagt, wenn sehr
schnell und asymmetrisch sich bewegende kompakte Massen durch die Abstrahlung
von Gravitationswellen Energie verlieren.

Prof. Taylor ist jetzt auf Grund

der Meßdaten überzeugt, daß es die von Albert Einstein im Jahr 1916
postulierten Gravitationswellen tatsächlich gibt.
Die beiden Objekte nähern sich infolge der Abstrahlung von Gravitationsenergie immer mehr. Und wenn die Umlaufbahn kleiner wird, verkürzt sich
auch die Zeit, die der Pulsar für einen Umlauf um den anderen Stern benötigt.
Bei diesem könnte es sich einer Verlautbarung der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) der USA zufolge um einen zweiten, jedoch "stummen" Pulsar,
vielleicht aber auch um ein sogenanntes Schwarzes Loch handeln. Die
Existenz dieser Objekte war bisher noch nicht nachzuweisen. Theoretischen
Überlegungen und Berechnungen zufolge sind sie jedoch dann zu erwarten,
wenn Sterne unter der Wirkung ihres eigenen Gravitationsfeldes so stark und noch viel mehr als ein Pulsar - verdichtet worden sind, daß die
Gravitationskraft an der Oberfläche sogar das Licht zurückhält, das der
Stern aussenden würde. Die Quanten elektromagnetischer Strahlung vermögen
aus dem Schwerefeld nicht mehr herauszukommen. Der Stern ist unsichtbar, ein
"Schwarzes Loch". Allerdings könnte die Beobachtung spezieller Wirkungen
von Gravitationskräften seine Existenz verraten.
Nach Meinung Prof. Taylors sollten die während der vierjährigen
Beobachtung gewonnenen Erkenntnisse dazu beitragen, die in einer Anzahl
von Laboratorien in den USA und anderen Ländern laufenden Experimente,
Schwerewellen aus dem Kosmos zu registrieren, mit größtem Nachdruck
weiterzuführen. Apparate auf der Erde bauen zu wollen, die solche
Wellen für die Durchführung von Versuchen erzeugten um sie nachweisen
und messen zu können, wäre sinnlos. So ist die Forschung auf außer-

- 3 -

�außerirdische Quellen angewiesen.

Es kommt nun darauf an, Detektoren zu

entwickeln, die empfindlich genug sind, um zumindest auf gerichtet abgestrahlte Gravitationswellen aus dem Kosmos reagieren zu können.

Da diese -

im Gegensatz z.B. zu elektromagnetischen Wellen - die Erde nahezu ungestört
durchlaufen, angesichts der Entfernung zu ihrer Quelle aber äußerst schwach
sind, ist es schwer, die auf unserem von

Natur aus unruhigen Planeten

überhaupt mit Meßinstrumenten zu erfassen.
Der amerikanische Physiker Dr. Joseph Weber (Universität Maryland)
bemüht sich darum seit Ende der fünfziger Jahre.
und Meßverfahren wurden bei ihm und inzwischen in

Die Meßausrüstungen
anderen Instituten -

das Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching ist z.B. mit einem
Laser-Interferometer an den Versuchen beteiligt - ständig weiter verbessert.

(Für ein erstes außerirdisches Experiment hatte im Dezember 1972

die letzte APOLLO-Mannschaft sogar ein Gravitationswellen-Meßgerät auf
dem Mond installiert.)
Vor einem Jahrzehnt ging Weber zum ersten Mal an die Öffentlichkeit
und konnte Anfang der siebziger Jahre auf wissenschaftlichen Konferenzen
von verblüffenden Ergebnissen berichten - u.a. von zwei täglichen Meßspitzen, die dann auftraten, wenn die in mehr als 1 000 km Abstand voneinander in Ost-West-Richtung aufgestellten Detektoren zum Zentrum der
Milchstraße hin oder in die Gegenrichtung "horchten". Mit größter Wahrscheinlichkeit ist die Strahlungsquelle im galaktischen Zentrum anstatt
in einem Außenbereich jenseits unseres Sonnensystems zu suchen. Die vorsichtig als "events" ("Vorkommnisse") bezeichneten Meßausschläge könnten
tatsächlich durch Schwerewellen verursacht werden. Sie als solche nachzuweisen, wird aber erst möglich sein, wenn noch mehr und noch empfindlichere
Meßgeräte rund um den Erdball zur Verfügung stehen.
Gravitation ist als Anziehungskraft zwischen allen Massen wirksam.
Wie bereits Isaac Newton fand, zieht jede Masse im Universum jede andere und jedes Masseteilchen jedes andere - mit einer Kraft an, die dem Produkt

�Produkt ihrer Masse proportional, dem Quadrat ihrer Entfernung umgekehrt
proportional ist. Damit war aber das Wesen der Schwerkraft nicht erklärt.
Erst mit der Allgemeinen Relativitätstheorie gab Albert Einstein den bis
dahin gültigen Hypothesen eine neue Dimension:

Jegliche Materie sei ein von

ihrer Masse abhängiges Schwerefeld zuzuordnen, das naturgemäß andere Materie
beeinflußt.

Dabei sei aber auch vorausgesetzt, daß die Masse eines Objekts

nicht als konstante Größe zu betrachten ist, sondern von der relativen
Geschwindigkeit zu anderen Objekten abhänge.
Während Newton annahm, daß sich die Gravitation in direkter Fernwirkung zeitlos durch den Raum fortpflanze, war Einstein überzeugt, daß
Gravitation - ähnlich wie Licht - bei der Fortpflanzung im Raum Wellennatur habe und die Ausbreitung von endlicher Geschwindigkeit sei, vielleicht
mit Lichtgeschwindigkeit erfolge.

So ordnet die moderne theoretische

Physik dem Gravitationsfeld Quanten (sog. Gravitonen) zu, wie auch der
elektromagnetischen Wellenstrahlung Quanten zugeordnet sind.

Während

jedoch die elektromagnetischen Kräfte anziehend und abstoßend wirken
können, ist die Gravitation ausschließlich eine anziehende Kraft.
Darauf beruht, auch wenn sie noch so schwach ist, ihre Eigenschaft, eine der
wirksamsten Kräfte im Universum zu sein.

+ + + + +

- 5 -

�10. Januar 1979

1

INTENSIVFÖRDERUNG VON ERDGAS

- (AD) - Mit massiver hydraulischer Kraft versuchen Ingenieure der
Mitchell Energy &amp; Development Corporation, "dichte" Formationen in einem bereits voll ausgebauten Erdgasfeld in Texas zu öffnen, um auf diese Weise die
Erdgasproduktion mindestens auf das Doppelte, vielleicht sogar bis zum Vierfachen der normalerweise erreichbaren Menge zu steigern.

Ein Gemisch von

Wasser und Sand wird am Bohrschacht mit einem Druck 675 kg/ccm in mehr als
3000 m Tiefe gepreßt.

Damit will man erreichen, daß sich in den tiefliegenden

Kalkformationen Risse von ca. 60 cm Höhe im Umkreis bis etwa 800 m um den
Schacht bilden, die dem in mikrofeinen Poren des Gesteins eingeschlossenen
Gas den Weg zur Bohrstelle freimachen sollen.

Die stark verdichteten Gesteinsschichten enthalten riesige Mengen
von Erdgas, dessen Förderung bei Anwendung der herkömmlichen Verfahren jedoch
unwirtschaftlich ist.

Eine der neuen Methoden, mit denen sie zumindest zum

Teil erschlossen werden können, verlangt ein hydraulisches Aufbrechen des
Gesteins unter hohem Druck.

Für den Versuch im "Fallon Field" in Texas wurden

schon während der ersten 16 bis 24 Stunden fast viertausend Tonnen Wasser,
vermischt mit 1400 Tonnen Sand, am Bohrloch in die Tiefe und in das gasführende
Gestein gepreßt.

Wenn nach der auf diese Weise erzwungenen Spaltöffnung die

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�die Flüssigkeit zurückgewonnen wird oder sich verteilt, bleibt der Sand an
Ort und Stelle.

Er soll die Risse offenhalten, über die das Gas in Richtung

Bohrschacht sickert.

Genaue Messungen über mehrere Wochen sollen helfen,

die Wirtschaftlichkeit dieses Verfahrens zu ermitteln.
Das Fallon-Erdgasfeld liegt im sand- und kalksteinführenden Teil des
Cotton Valley, einem der zahlreichen und oft weitläufigen Vorkommen dieser
Art in den Vereinigten Staaten.

Die unterirdischen Formationen des Cotton

Valley haben eine Ausdehnung von etwa 650 000 qkm und reichen vom zentralen
und nordöstlichen Texas bis in den Nordwesten von Louisiana und den Südosten
von Arkansas.

Zu den Kosten des Großversuchs im FalIon-Feld in Höhe von

etwa 1,8 Millionen Dollar steuert das US-Energieministerium 553 000 Dollar
bei.

+ + + + +

�• Fi

1

I

Wi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
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10. Januar 1979

"KÜNSTLICHES RADIOFENSTER" IN DER IONOSPHÄRE

- (AD) - Die beiden "Fenster" in der Erdatmosphäre für elektromagnetische Wellen, die von Himmelskörpern und anderen kosmischen Objekten ausgesandt werden und zu uns gelangen können, stellen nur einen relativ kleinen
Ausschnitt aus dem Spektrum dar. Es handelt sich um das sog

optische Fenster

für sichtbares Licht und das - wesentlich breitere - Radiofenster, über das
die Radioteleskope Strahlung aus dem Weltraum empfangen,

Der Großteil fällt

jedoch der atmosphärischen Absorption durch Ozon, Wasserdampf, Kohlendioxid
und andere Moleküle zum Opfer.

Und Wellen niedrigerer Frequenz jenseits des

Radiofensters, d.h. Wellen von mehr als 20 m Wellenlänge, werden durch die
Ionosphäre abgeschirmt.

So war es bisher nur mit Raketensonden und Forschungs-

satelliten von Positionen außerhalb der Erdatmosphäre aus möglich, elektromagnetische Strahlung aus dem Kosmos auch in den von der Erdoberfläche aus
nicht zugänglichen Frequenzbereichen zu erfassen.

Die Erkenntnisse, die man

in relativ kurzer Zeit damit gewinnen konnte, haben das "Weltbild" der Astrophysik bereits wesentlich verändert und erweitert,

Inzwischen hat sich herausgestellt, daß beim Aufstieg von Großraketen
für gewisse Zeit ein "künstliches Radiofenster" in der Ionosphäre geschaffen
wird.

Besonders deutlich beobachtete man dies beim Start des amerikanischen

Himmelslabors SKYLAB im Mai 1973, als die Trägerrakete SATURN bei der Beschleu-

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�Beschleunigung des SKYLAB auf Umlaufbahngeschwindigkeit oberhalb von ca.
300 km Höhe pro Sekunde eine Tonne Treibstoff verbrannte.

Die Abgase - Kohlen-

dioxid, Wasserstoff, Wasserdampf usw. - traten mit dem ionosphärischen
"Plasma", d.h. den in bestimmten Luftschichten reichlich vorhandenen elektrisch
geladenen Teilchen, in chemische Reaktion.
Plasma abgezogen.

Dabei wurde aus der Ionosphäre

Eine solche Störung der Ionosphären-Struktur wirkt sich

sowohl auf den Funkverkehr als auch auf die Durchlässigkeit der Atmosphäre
für kosmische Radiowellen aus. Als weitere Effekte beobachtete man eine Steigerung der Plasmatemperatur, d.h. eine Erhöhung der Bewegungsenergie der ionisierten Teilchen, sowie verstärktes Luftleuchten.

Es ist dies ein schwaches

Leuchtphänomen am Nachthimmel, das durch angeregte Atome in den elektrisch
geladenen Schichten der Erdatmsophäre verursacht wird.
Der "SKYLAB-Effekt", wie man das Phänomen inzwischen bezeichnet, ist
nur vorübergehender Natur. Wie Dr. Paul A. Bernhardt vom "Radioscience
Laboratory" der Stanford-Universität berichtete, hatte sich vier Stunden nach
dem "Verzehr" von Plasma durch die Abgase die Struktur der Ionosphäre wieder
normalisiert.

Für die Radioastronomie ergibt sich jedoch in dieser Zeit eine

Möglichkeit, mit ihren hochempfindlichen stationären Instrumenten Untersuchungen vorzunehmen, die ihr normalerweise verwehrt sind.
Wissenschaftler der Stanford-Universität und der Universität Boston
haben sich zusammengetan, um sowohl den "SKYLAB-Effekt" im Detail und unter
kontrollierten Bedingungen zu untersuchen als auch die zeitweilige Eröffnung
eines - wenn auch schmalen - "künstlichen Radiofensters" zum Universum für
Forschungen im Frequenzbereich von 1 - 5 Megahertz (1 Million bis 5 Millionen
Schwingungen pro Sekunde) zu benutzen. Dieser Bereich ist insofern besonders
interessant, als z.B. bei diesen Wellenlängen das sog. galaktische Rauschen
am stärksten ist. Auch will man eine Anzahl rätselhafter Radioquellen wie
den Vela- und Gum-Nebel studieren; beide senden Radioimpulse niedriger Frequenz aus.
Eine

- 2 -

�Eine Gelegenheit dazu bietet die zweite SPACELAB-Mission, die im
ersten Quartal 1982 durchgeführt werden soll.

In Vorbereitung' der Unter-

suchungen wurde im Sommer 1977 in etwa 250 km Höhe über der Hawaii-Insel
Kauai eine hochexplosive Sprengladung gezündet, die einen ähnlichen Effekt
wie die Raketenabgase hatte.

Beim Einschuß des Raumtransporters, mit SPACELAB

in die Erdumlaufbahn feuern die Triebwerke in Höhenbereichen zwischen 300
und 480 km.

Von ihren Abgasen ist vor allem die F-Schicht der Ionosphäre

(durchschnittliche Höhe: 360 km) betroffen.

Zur Durchführung von "Radio-

fenster"-Versuchen wurde das orbitale Manövriersystem des Raumtransporters
für jeweils 12 Sekunden über fünf im voraus bestimmten Punkten entlang der
Umlaufbahn bestimmte Abgasmengen freigesetzt.

Laut Dr. Bernhardt besteht

ein wesentliches Problem während dieses Experiments darin, genau festzustellen, wo die Gase zur Ruhe kommen, die mit Überschallgeschwindigkeit in
der dünnen Atmosphäre ausgestoßen werden.
erst

Es sei durchaus möglich, daß sie

nach mehreren Hundert Kilometern durch die Kollision mit Luftteilchen

abgebremst werden.
Schweifes.

Jedes Freisetzen führt zur Bildung eines kometenähnlichen

(Mit Hilfe von Computermodellen werden derzeit mögliche Effekte

simuliert).

Die Beobachtungsstationen sind
1) Roberval (in der Nähe von Quebec, Kanada) für Radiosignale extrem
niedriger Frequenz - sog. VLF-Schwingungen, die den erdmagnetischen
Feldlinien zwischen dem Beobachter und dem VLF-Sender auf der
Siple-Station in der Antarktis folgen, der von der Stanford-Universität dort betrieben wird;
2) Millstone Hill bei Boston für Messungen der ionosphärischen Elektrodichte und möglicher Frequenzänderungen an Funksignalen von geostationären Satelliten;
3) der 300 m-Spiegel von Arecibo in Puerto Rico (betrieben von der
Cornell-Universität) zur Messung von Dichte, Geschwindigkeit und
Temperatur der ionosphärischen Elektronen während und nach de" Triebwerk-Zündungen;
4) Jicamarca
- 3 -

�4) Jicamarca (Peru) für spezielle Untersuchungen an der Ionosphäre
im Äquatorbereich, wo die erdmagnetischen Feldlinien horizontal
verlaufen und das Plasma instabil machen für "Löcher" in der Ionosphäre;
5) zwei Stationen der Tasmania-Universität (Australien) für Untersuchungen im Frequenzbereich von 1 000 000 bis 5 000 000 Hertz
( 1 - 5 Megahertz).
.

Schließlich haben alle fünf Stationen die Aufgabe, Auswirkungen der
Bildung von "Löchern" in der Ionosphäre auf den Funkverkehr zu beobachten.
" . . .

+ + + + +

�I 3

Wi//en/chcift
und Technik
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10. Januar 1979

MIKROWELLEN KOCHEN TEERSAND AUS

- (AD) - Die Extraktion von Kohlenwasserstoffen aus Teersanden mittels
Mikrowellen wird vom "Illinois Institute of Technology" (IIT) in Chicago mit
theoretischen und experimentellen Studien sowie mit Rentabilitätsberechnungen
untersucht. Im Rahmen eines Forschungsauftrags des US-Energieministeriums
ist diese Phase des Projekts, die auf 18 Monate befristet wurde, mit 200 000
Dollar dotiert. Die Teersande liegen im Bundesstaat Utah. Es handelt sich
um ölhaltigen Sandstein, in dem schätzungsweise 3,5 Milliarden Tonnen Erdöl
gebunden sind.
Das Verfahren beruht auf dem gleichen Prinzip, nach dem die Mikrowellenherde arbeiten. Diese zeichnen sich dadurch aus, daß in ihnen z.B. auch
große Teile vollkommen gleichmäßig erhitzt und in kürzerer Zeit als in herkömmlichen Kochherden durch und durch gar werden. Die Forschergruppe aus
Chicago schlägt vor, mittels der Mikrowellen-Heiztechnik die Kohlenwasserstoffe im Teersand in nutzbare Brennstoffe umzuwandeln. Aufgrund der Ergebnisse der bisher durchgeführten Studien und Versuche bestehen gute Aussichten,
dies auf wirtschaftlich attraktiver Basis - noch dazu umweltschonend - auch
tatsächlich zu erreichen. Mit den jetzt vom Energieministerium bewilligten
Geldmitteln wird eine Apparatur gebaut, mit der sich eine verhältnismäßig
große Menge von Teersand erhitzen läßt. Es werden Meßreihen in bezug auf

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�auf elektrische, mechanische und wä'rmeenergetische Parameter bei den Teersanden durchgeführt, außerdem geeignete Fördermethoden entwickelt und der
Energie-Nutzungsgrad bei Anwendung der Mikrowellen-Extraktion ermittelt.
Allgemeine wirtschaftliche und ökologische Aspekte des neuen Verfahrens
sind weitere Punkte des Studienprojekts, das die Basis für umfangreiche
Feldversuche in Utah abgeben wird.

+ + + + +

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