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                  <text>27. Dezember 1978

30

INHALT

DOKUMENTATION
Carter kündigt volle diplomatische Beziehungen mit Peking an
- Wortlaut der Ansprache vom 15. Dezember 1978 Erklärung der USA zur Anerkennung der Volksrepublik China
Präsident Carter erläutert China-Entscheidung vor der Presse
- Wortlaut HINTERGRUNDMATERIAL
Lebenswichtige Energieforschung
US-Energieministerium als Katalysator für die Einführung neuer Technologien
- von Dale D. Myers -

Staatssekretär im US-Energieministerium

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
War die Planetenbildu.ig anders?
Erste Ergebnisse der US-PIONIER-Venussonden widersprechen der bisher
gültigen Theorie

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
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Telex:08-85432

�Dokumentation
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30

27. Dezember 1978

CARTER KÜNDIGT VOLLE DIPLOMATISCHE BEZIEHUNGEN MIT PEKING AN
- Wortlaut der Ansprache vom 15. Dezember 1978 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 15. Dezember 1978
in einer kurzfristig angesetzten Fernseh- und Rundfunkansprache vom Weißen
Haus aus mitgeteilt, daß die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China
vom 1. Januar 1979 an volle diplomatische Beziehungen aufnehmen werden.
Die Ansprache des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Guten Abend. Ich möchte ein gemeinsames Kommunique verlesen, das
auch in diesem Augenblick von der Führung der Volksrepublik China bekanntgegeben wird.
"Gemeinsames Kommunique über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Volksrepublik China
am 1. Januar 1979.
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Volksrepublik China sind
übereingekommen, sich gegenseitig anzuerkennen und mit Wirkung vom 1. Januar
1979 diplomatische Beziehungen aufzunehmen.
Die Vereinigten Staaten

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die Vereinigten Staaten erkennen die Regierung der Volksrepublik
China als die einzige rechtmäßige Regierung Chinas an.

In diesem Zu-

sammenhang wird das Volk der Vereinigten Staaten kulturelle, kommerzielle
sowie andere inoffizielle Beziehungen mit dem Volk von Taiwan aufrechterhalten.
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Volksrepublik China bekräftigen die Grundsätze, die von beiden Seiten in dem Kommunique von
Schanghai vereinbart wurden, und unterstreichen erneut, daß
-

beide Seiten die Gefahr eines internationalen militärischen
Konfliktes zu reduzieren wünschen;

-

keine Seite eine Hegemonie - die Herrschaft einer Nation über die
andere - in der asiatisch-pazifischen Region oder in irgendeiner
anderen Region der Welt anstrebt und jede Seite den Anstrengungen
irgendeines anderen Landes oder einer Gruppe von Staaten entgegentritt, eine solche Hegemonie zu errichten;

-

keine Seite bereit ist, im Namen einer dritten Partei zu verhandeln oder in Abkommen oder Vereinbarungen mit der anderen
einzutreten, die gegen andere Staaten gerichtet sind;

-

die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika die chinesische
Position anerkennt, daß es nur ein China gibt und daß Taiwan ein Teil
Chinas ist;

und daß

beide Seiten glauben, daß eine Normalisierung der chinesischamerikanischen Beziehungen nicht nur im Interesse des chinesischen
und des amerikanischen Volkes liegt, sondern auch zur Sache des
Friedens in Asien und in der Welt beiträgt.

�Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Volksrepublik China
werden zum 1. März 1979 Botschafter austauschen und Botschaften einrichten."
Unser Land und die Volksrepublik China haben gestern dieses endgültige historische Abkommen erzielt.
Am 1. Januar 1979 - in etwas mehr als 2 Wochen - werden unsere
beiden Regierungen eine volle Normalisierung der diplomatischen Beziehungen
erreichen.
Als eine Nation talentierter Menschen, die ein Viertel der gesamten
Bevölkerung der Erde umfaßt, spielt China eine wichtige Rolle in den
weltpolitischen Angelegenheiten - eine Rolle, die in den vor uns liegenden
Jahren nur noch wichtiger werden kann.
Wir ergreifen diesen wichtigen Schritt nicht aus kurzlebigen taktischen
oder vorteilhaften Gründen.

Wenn wir anerkennen, daß die Volksrepublik

China die einzige Regierung Chinas ist, dann erkennen wir eine einfache
Realität an. Aber diese Entscheidung betrifft weit mehr als eine Anerkennung
der Fakten.
Vor der Entfremdung der letzten Jahrzehnte hat das amerikanische und
das chinesische Volk eine lange Geschichte der Freundschaft verbunden.
Wir haben bereits damit begonnen, einige dieser früheren Bindungen neu
anzuknüpfen. Ein rascher Ausbau unserer Beziehungen erfordert jedoch
jene Art von Strukturen, welche diplomatische Beziehungen möglich machen
werden.
Die Änderungen, die ich heute Abend ankündige, werden von großem
langfristigen Nutzen sowohl für das Volk der Vereinigten Staaten als auch
Chinas sein und, so glaube ich, für alle Völker der Welt.

Die

�Die Normalisierung sowie die erweiterten kommerziellen und kulturellen
Beziehungen, die damit zusammenhängen, werden zum Wohlergehen unseres
eigenen Landes und zu unserem nationalen Interesse beitragen,und sie werden
die Stabilität in Asien fördern.
Diese positiven Beziehungen zu China

können in nützlicher Weise der

Welt zugute kommen, in der wir leben und in der unsere Kinder leben werden.
Wir haben bereits damit begonnen, unsere Verbündeten sowie den Kongreß
über die Einzelheiten unserer geplanten Maßnahmen zu unterrichten.
bin bereits in Verbindung mit den Führern Taiwans getreten.

Ich

Aber ich möchte

auch dem Volk von Taiwan eine besondere Botschaft vermitteln, mit dem
das amerikanische Volk in der Vergangenheit umfassende, enge und freundschaftliche Beziehungen unterhalten hat und dies auch in Zukunft tun
wi rd.
Wie die Vereinigten Staaten in dem Kommunique von Schanghai im Jahre
1972 unterstrichen haben,werden wir auch weiterhin ein Interesse an der
friedlichen Lösung der Taiwan-Frage haben.
Ich habe besondere Aufmerksamkeit darauf verwendet, sicherzustellen,
daß eine Normalisierung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Volksrepublik China das Wohlergehen des Volkes von Taiwan nicht
gefährden wird.
Das Volk der Vereinigten Staaten wird unsere gegenwärtigen kommerziellen,
kulturellen, handelspolitischen sowie andere Beziehungen mit Taiwan durch
nichtregierungsamtliche Möglichkeiten aufrechterhalten.

Zahlreiche

andere Länder tun dies bereits mit Erfolg.
Diese Entscheidungen und Maßnahmen eröffnen ein neues und wichtiges
Kapitel in der Geschichte unseres Landes und auch in weltpolitischen

- 4 -

�weltpoli tisehen Angelegenhei ten.
Um den Nutzen dieses neuen Verhältnisses zwischen der Volksrepublik
China und den Vereinigten Staaten zu fördern und zu beschleunigen, freue
ich mich, ankündigen zu können, daß der stellvertretende Ministerpräsident
Teng meine Einladung zu einem Besuch Washingtons Ende Januar angenommen
hat.

Sein Besuch wird unseren Regierungen die Gelegenheit bieten, mit-

einander über globale Fragen zu sprechen und gemeinsam mit der Arbeit an
der Förderung der Sache des Weltfriedens zu beginnen.
Diese Erteignisse sind das endgültige Resultat langer und ernsthafter
Verhandlungen, die von Präsident Nixon im Jahre 1972 aufgenommen und unter
der Präsidentschaft von Präsident Ford weitergeführt wurden. Die Ergebnisse
legen Zeugnis ab von den stetigen und entschlossenen überparteilichen Bemühungen unseres Landes, eine Welt aufzubauen, in der der Friede das Ziel
sowie die Verantwortung aller Länder sein wird.
Die Normalisierung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und China verfolgt keinen anderen Zweck als diesen:

die Förderung des

Friedens.
Aus diesem Geiste heraus - und zu dieser Zeit des Friedens - bin ich
besonders stolz darauf, Ihnen heute Abend diese gute Nachricht mitteilen
zu können.

- 5 -

�a

1
I

i

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Dezember 1978

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ERKLÄRUNG DER USA ZUR ANERKENNUNG DER VOLKSREPUBLIK CHINA

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus veröffentlichte am 15. Dezember 1978
eine "Erklärung der Vereinigten Staaten" zur amerikanischen Anerkennung
der Volksrepublik China, die folgenden Wortlaut hat:
"Mit dem 1. Januar 1979 anerkennen die Vereinigten Staaten von Amerika
die Volksrepublik China als die einzige rechtmäßige Regierung Chinas.
Mit dem gleichen Datum gewährt die Volksrepublik China den Vereinigten
Staaten von Amerika eine solche Anerkennung.

Die Vereinigten Staaten

nehmen damit diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik China auf.
Zur gleichen Zeit, am 1. Januar 1979, werden die Vereinigten Staaten
von Amerika Taiwan mitteilen, daß sie die diplomatischen Beziehungen beenden und daß das gegenseitige Verteidigungsabkommen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Republik China in Einklang mit den Bestimmungen des Vertrages aufgehoben wird.

Die Vereinigten Staaten erklären ferner, daß sie

ihr verbleibendes militärisches Personal innerhalb von vier Monaten von
Taiwan abziehen werden.
In der

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Telex:08-85432

�In der Zukunft werden das amerikanische Volk und das Volk von Taiwan
wirtschaftliche, kulturelle und andere Beziehungen ohne offizielle
Regierungsrepräsentation und ohne diplomatische Beziehungen beibehalten.
Die Administration wird sich um Anpassungen an unsere Gesetze und
Bestimmungen bemühen, die die Beibehaltung kommerzieller, kultureller
und anderer nicht auf Regierungsebene liegender Beziehungen unter den
neuen Umständen, wie sie nach der Normalisierung bestehen werden, erlauben.
Die Vereinigten Staaten sind zuversichtlich, daß das Volk von Taiwan
einer friedlichen und prosperierenden Zukunft entgegensieht.

Die Vereinigten

Staaten haben auch weiterhin ein Interesse an der friedlichen Lösung der
Taiwan-Frage und erwarten, daß sie von den Chinesen selbst friedlich gelöst
werden wird.
,

•

•

Die Vereinigten Staaten glauben, daß die Aufnahme diplomatischer,
Beziehungen zur Volksrepublik China zum Wohlergehen des amerikanischen
Volkes, zur Stabilität in Asien, wo die Vereinigten Staaten ein großes
Sicherheits- und Wirtschaftsinteresse haben, und zum Frieden für die
gesamte Welt beitragen wird."

+ + + + +

'••

•

�I

Dokumentation

I

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Embassy of the United States of America

30

27. Dezember 1978

PRÄSIDENT CARTER ERLÄUTERT CHINA-ENTSCHEIDUNG VOR DER PRESSE
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Unmittelbar nach seiner neunminütigen Fernsehansprache traf Präsident Jimmy Carter mit Pressevertretern im Weißen
Haus zusammen und erläuterte ihnen seine Entscheidung.
Die Niederschrift der Pressekonferenz hat folgenden Wortlaut:
Präsident Carter: Ich wollte kurz vorbeikommen und Sie wissen lassen,
daß dies meiner Auffassung nach ein außerordentlich wichtiger Augenblick
in der Geschichte unseres Landes ist. Es ist ein Augenblick, den ich
und meine beiden Vorgänger mit Nachdruck angestrebt haben. Wir haben den
Standpunkt der Vereinigten Staaten mit Festigkeit vertreten, und erst
seit den letzten Wochen hat sich immer mehr herausgestellt, daß Ministerpräsident Hua und der stellvertretende Ministerpräsident Teng zu einer
Normalisierung der Beziehungen bereit waren. Ich glaube, daß die Interessen
von Taiwan in angemessener Weise geschützt worden sind. Einer meiner Mitarbeiter wird Ihnen die Einzelheiten erläutern.
Unser

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�Unser Botschafter dort, Leonard Woodcock, hat bei der nachdrücklichen
und deutlichen Darlegung unserer Ansichten gegenüber den Vertretern der
Volksrepublik China hervorragende Arbeit geleistet.

Ich werde mich in

angemessener Weise auf den Besuch des stellvertretenden Ministerpräsidenten
Teng vorbereiten.

Wir haben ihn an dem einen Tag eingeladen, und ohne

Verzögerung hat er am nächsten Tag die Einladung angenommen, und ich
glaube,er sieht dieser Reise mit großer Erwartung und auch Vergnügen
entgegen.
Ich habe heute abend persönlich mit Ministerpräsident Ohira gesprochen.
Heute früh haben wir die Vertreter Taiwans unterrichtet, und wir haben auch
zahlreichen führenden Politikern in aller Welt von dieser langerwarteten
Entwicklung in unserer nationalen Diplomatie Kenntnis gegeben.
Ich glaube, einer der größten Nutzen, der sich aus dieser Entwicklung
ergibt, ist die Fortsetzung starker Handels- und kultureller Beziehungen
mit Taiwan, dem Volk von Taiwan, sowie eine neue Aussicht auf prosperierende
Handelsbeziehungen mit fast einer Milliarde Menschen in der Volksrepublik
China.
Die Entwicklung wird natürlich auch gefördert durch die neue Möglichkeit,
das chinesische Volk (besser) zu verstehen und energisch für den Frieden
in diesem Gebiet sowie für den Frieden überhaupt in der Welt zu arbeiten.
Heute nachmittag wurde die Sowjetunion durch ihren hiesigen Botschafter
Mr. Dobrynin unterrichtet, und ich glaube,die Sowjets waren mit der Tatsache
vertraut, daß wir eine Normalisierung erwarteten, wann immer die Chinesen
bereit waren, auf unsere vernünftigen Bedingungen einzugehen.

Sie waren

also nicht überrascht.
Wie Sie sehr wohl wissen, unterhalten die Sowjetunion und die Volksrepublik China diplomatische Beziehungen.
Meine
- 2 -

�Meine Beurteilung dieses Schrittes läuft darauf hinaus, daß er von
fast jedem Land dieser Welt, vielleicht von allen Ländern, wohlwollend
aufgenommen wird, weil er zur Stabilität beiträgt.

Die Sowjets sowie

andere Länder wissen sehr wohl - und zwar auf grund unserer privaten
Erläuterungen, nicht nur erst kürzlich, sondern schon in den vergangenen
Monaten - daß wir absolut nicht den Wunsch haben, unsere neuen Beziehungen
zu China zum Nachteil der Sowjets oder irgendeines anderen Landes zu
benutzen.
Wir sind der Überzeugung, daß dieser Schritt die Stabilität fördern
und keine Instabilität in Asien sowie der übrigen Welt hervorrufen wird.
Darüber bin ich sehr erfreut. Und es ist kein Zweifel, daß ich
einen Hauptteil dieses Erfolges Präsident Nixon und Präsident Ford zuschreiben muß, die die Grundlage für diese erfolgreichen Verhandlungen
gelegt haben. Und der größte Teil der Prämissen, die vor sechs Jahren
oder mehr im Kommunique von Schanghai niedergelegt wurden, ist jetzt
verwirklicht worden.
Man kann also sagen, daß ich erfreut bin, und ich weiß, daß die
Welt auf Ihre genaue Erläuterung der Ergebnisse wartet.
Frage:

Wie wurde es von den Führern im Kongreß aufgenommen?

Antwort: Die Reaktion war gemischt. Einige der anwesenden Führer
im Kongreß haben seit sehr langem sehr starke freundschaftliche Beziehungen
zu den Vertretern der Regierung von Taiwan, sie sind aber nicht so eingehend vertraut mit den offiziellen Vertretern der Volksrepublik China.
Eine der am ausgiebigsten debattierten Fragen war, ob wir unser
Verteidigungsabkommen mit Taiwan abrupt beenden würden oder ob wir den
Vertrag in Einklang mit seinen eigenen Bestimmungen aufheben würden.

- 3 -

Und

�Und die Vertreter der Volksrepublik stimmten der von uns vertretenen
Position zu, daß wir Taiwan ein Jahr im voraus von der Vertragsaufhebung
unterrichten würden und daß das Verteidigungsabkommen während des Jahres
1979 gültig bleiben solle.

Ich glaube, das hat einige der Besorgnisse

und Bedenken bei den Senatoren verringert.
Eine andere von ihnen zum Ausdruck gebrachte Sorge war, ob wir unsere
kulturellen und unsere Handelsbeziehungen zum Volk von Taiwan beibehalten
würden oder nicht.

Ich gab ihnen die Versicherung, daß wir das könnten

und daß die Chinesen das wüßten.

Und wir werden den Kongreß schon recht

bald zu Beginn der Sitzungsperiode um eine besondere Gesetzgebung ersuchen, die eine solche Form des Austausches mit dem Volk von Taiwan
möglich macht.

Dazu würde auch gehören, daß die Export- Importbank

und die OPIC (Overseas Private Investment Corporation) ermächtigt werden,
bei spezifischen Handelsverhandlungen Garantien zu übernehmen und zu
helfen.
Ich glaube, daß wir viele ihrer Besorgnisse haben verringern können,
aber dennoch wird es sicher einige Kongreßmitglieder geben, die der
Ansicht sind, daß wir den "status quo" hätten beibehalten sollen. Ich
nehme jetzt noch eine letzte Frage entgegen!
Frage:
antworten?
Antwort:

Wird die ganze Nation auf Ihre Rede mit massivem Beifall
Und wie, meinen Sie, wird die Reaktion auf Ihre Rede in Taiwan sein?
Ich bezweifle, daß es in Taiwan massiven Beifall geben

wird, aber wir tun alles, was wir vermögen, um dem Volk von Taiwan zu
versichern, daß für uns an der Spitze - als das eine, was an der Spitze
der Prioritäten in unseren Beziehungen zur Volksrepublik und zu ihnen
steht - daß das Wohlergehen des Volkes von Taiwan keinen Schaden erleiden wird.
Die Antwort

-4 -

�Die Antwort auf die andere Frage - ich glaube nicht, daß dies einen
irgendwie nachteiligen Effekt auf die in der Sache davon unabhängigen
SALT-Verhandlungen haben wird.

Und meiner Ansicht nach haben die Sowjets,

wie ich bereits früher sagte, mit dieser Entwicklung gerechnet.

Sie

waren nicht überrascht, und wir haben sie in jüngster Zeit darüber informiert.
Ihre Reaktion war nicht abweisend,und wir werden energisch weiter vorangehen, so wie wir dies in den letzten Monaten getan haben, und zwar durch
meine eigene Administration, um ein erfolgreiches SALT-Abkommen zum
Abschluß zu bringen."

+ + + + +

- 5 -

�International Communication Agency
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27. Dezember 1978

LEBENSWICHTIGE ENERGIEFORSCHUNG
US-Energieministerium als Katalysator für die Einführung
neuer Technologien
- von Dale D. Myers Staatssekretär im US-Energieministerium

- (AD) - Eines der ersten energiepolitischen Ziele Präsident Carters,
die Senkung der Zuwachsrate für den Verbrauch, ist der Verwirklichung
nähergekommen: Sie betrug 1977 nur noch 2,1 Prozent und lag damit um
mehr als die Hälfte niedriger als 1976. Mit der Verabschiedung des
Nationalen Energiegesetzes ist zu erwarten, daß sich diese günstige
Entwicklung noch beschleunigen wird und die Zuwachsrate merklich unter
die Marke von 2 Prozent gebracht werden kann. Das Nationale Energiegesetz
soll außerdem helfen, bis zum Jahr 1985 ölimporte im Umfang von 2,5 bis
2,9 Millionen Barrel pro Tag (ca. 357 000 - 415 000 Tonnen/Tag) einzusparen. Allein das Erdgasgesetz wird dafür sorgen, daß die ölimporte
um 50 Prozent zurückgehen. Die Einsparungen für die Handelsbilanz
könnten bis 1985 etwa 14 Milliarden Dollar (nach heutigem Dollarwert) ausmachen.
Aber

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D5300 Bonn 2

�Aber das jetzt in Kraft getretene Gesetz ist nur ein Anfang.

Eines

der wichtigen Ziele der nächsten Stufe - des Nationalen Energieplanes II,
der Anfang 1979 bekanntgegeben wird - ist die Lösung des ülpreisproblems.
Der Preis von einheimischem öl muß ungefähr auf das Preisniveau von Importöl
angehoben werden.

Preispolitik, Sparmaßnahmen und die Ermutigung zur Inan-

spruchnahme von Alernativ-Energien, wie dies im Energiegesetz vorgesehen
ist, sollen maßgeblich zur Verringerung der ölimporte beitragen.

Fortschritte

zur Nutzung von alternativen Energiequellen werden allerdings durch
Investitionen in neue Technologien erkauft werden müssen.
Dies ist natürlich mit vielen Problemen verbunden.
an die sogenannte "tertiäre" Erdölgewinnung.

Man denke nur

In den heute vorhandenen

und erschlossenen ölfeldern liegen schätzungsweise noch 300 Milliarden
Barrels (fast 43 Milliarden Tonnen), wenn die herkömmliche primäre und
die senkundäre Förderung abgeschlossen ist.
Drittel der ursprünglichen ölvorräte.

Das sind noch immer zwei

Um aber nur einen Teil dieser

"Reste" aus dem Boden zu holen, sind hochentwickelte, sehr viel wirksamere
und aufwendige Fördertechniken notwendig.

Die meisten sind unter den

heutigen Marktverhältnissen unwirtschaftlich und verlangen Investitionen,
die vorläufig nur schwer zu realisieren sind.
Ähnlich ist es mit der riesigen Menge von Erdgas, die in Schiefervorkommen des Appalachen-Gebirges, in tiefliegenden Sanden in Oklahoma
und bestimmten geologischen Schichten entlang der Küste des Golfs von
Mexiko eingeschlossen sind. Es werden spezielle und komplizierte neue
Verfahren notwendig sein, um diesen wertvollen Rohstoff zu lokalisieren,
mengenmäßig zu erfassen und mit entsprechenden Bohrungen zu fördern.
Die Produktion von Synthesegas und synthetischen Flüssigbrennstoffen
schafft Möglichkeiten, den Kohlenverbrauch in den Vereinigten Staaten
auszuweiten.

Kohle, die in den USA 90 Prozent der Reserven an fossilen

Brennstoffen ausmacht, auf die aber nur 18 Prozent des amerikanischen

�amerikanischen Verbrauchs an Primärenergie entfallen, muß wieder zu einem
Hauptlieferanten für Energie werden.

Bis jetzt ist es aber noch nicht

möglich, synthetische Brennstoffe aus Kohle zu Preisen herzustellen, die
mit den Preis für Erdgas oder Erdöl konkurrieren könnten.

Es ist jedoch

nicht auszuschließen, daß mit der Zeit - etwa im Laufe der nächsten 10
Jahre - infolge des Anstiegs der Preise für öl und Gas der Ausgleich eintritt und unter Umständen die Substitutionsenergien, die heute doppelt so
teuer sind wie öl, nicht nur wettbewerbsfähig werden, sondern sogar bei
entsprechend großem Angebot dazu beitragen könnten, die ölpreise zu drücken.
Es liegt deshalb im nationalen Interesse, die Forschung auf dem Gebiet
der synthetischen Brennstoffe wie auch auf anderen Gebieten umgehend massiv
zu fördern. Die amerikanische Industrie muß die geeigneten neuen Technologien
zur Verfügung haben, wenn Importöl unerschwinglich teuer wird. Das USEnergieministerium erfüllt hier eine wichtige Funktion. Von Anfang an ist
es eine seiner Hauptaufgaben, die sogenannte Kommerzialisierung zu unterstützen - d.h. die beschleunigte Umsetzung von Technologien aus dem
Versuchsstadium in die marktreife Anwendung. Mit allen seinen Abteilungen
ist das Ministerium bemüht, der Kommerzialisierung den Weg zu ebnen.
Im November setzte es eine ganze Serie von Konferenzen mit Vertretern von
Industrie und Wirtschaft aus allen Teilen der USA in Gang, um Kommerzialisierungspläne detailliert darzustellen, Technologie-Transfer zu beschleunigen
und die Weichen zu stellen für die Einführung neuer Technologien, von denen
in der Sicht des Ministeriums die Privatindustrie nun profitieren kann.
Aber die Regierung kann nur Katalysator sein.

Die eigentlichen

Beiträge müssen von der Privatwirtschaft kommen, die über die Ressourcen
verfügt, welche die Regierung weder besitzt noch wünscht.

Bis jetzt

sind ungefähr 20 neue Verfahren als besonders förderungswürdig eingestuft
worden.

Sie betreffen in erster Linie Stromerzeugung, die Herstellung

von flüssigen und gasförmigen Brennstoffen und Wärmeerzeugung mit Sonnenenergie.

Einige von ihnen sind sehr aussichtsreich, haben aber eine

- 3 -

�eine verhältnismäßig lange Anlaufzeit, andere könnten sofort - wenn auch
bescheidene - Beiträge zur Energieproduktion leisten.
Von grundsätzlicher Bedeutung sind die Arbeiten auf dem Gebiet
der Fördersteigerung für Erdöl und von unkonventionellen Verfahren zur
Förderung von Erdgas.

Intensivförderung bei öl könnte, wenn sich

keine

besonderen Schwierigkeiten ergeben, bis 1985 etwa 143 000 Tonnen pro Tag,
bis 1990 fast 300 000 Tonnen pro Tag an Erdöl bringen.
Gasförderung sind die Aussichten sogar noch besser:

Für die unkonventionelle

Durch sie könnten

etwa ab 1985 Gasmengen produziert werden, die fast 143 000 Tonnen entsprechen,
und 1990 bereits dreimal so viel.
Sofortige, allerdings bescheidene Beiträge dürften einige andere
neue Technologien leisten - z.B. die Wirbelbettverbrennung von Kohle zur
Verringerung der Schwefelbestandteile in der Abluft, die Anlage kleiner
Wasserkraftwerke sowie verschiedene Solarenergiesysteme.

Der Energie-

ertrag wird aber in den nächsten Jahren bei allen diesen Systemen nur das
Äquivalent von rund 7 000 Tonnen öl/Tag erreichen.
Einsparungstechniken, insbesondere in Verbindung mit Motoren,
Heizanlagen und Geräten, die weniger Energie verbrauchen, lassen außerdem
auf weitere Rückgänge der amerikanischen ölimporte in allernächster Zeit
hoffen. Schon allein technische Verbesserungen an ölheizanlagen könnten den
Tagesverbrauch um fast 36 000 Tonnen senken.
All dies läßt erkennen, daß es kein Patentrezept gibt, um unsere
ölimporte zu verringern. Wir brauchen vielmehr ein breites Spektrum von
Technologien, wenn wir für die achtziger und neunziger Jahre schmerzliche
Konsequenzen für die Wirtschaft vermeiden wollen. Im Weitvergleich
zeigen die Vereinigten Staaten übrigens eine günstigere Entwicklung, als
dies gemeinhin dargestellt wird. So erhöhte sich in der Zeit von 1967 1977 in der ganzen Welt die ölnachfrage um 70 Prozent, in den USA dagegen
nur um 46 Prozent. Im Jahr 1967 betrug der Anteil Amerikas am Welt- 4 -

�Weltölbedarf 35 Prozent; bis 1977 war er auf 30 Prozent zurückgegangen.
In vielen anderen Ländern hat er sich in den letzten 10 Jahren mehr
als verdoppelt.

Im Jahr 1967 machten die ölexporte aus dem Nahen

Osten

nach Westeuropa und Japan ca. 943 000 Tonnen/Tag aus; zehn Jahre später,
1977, beliefen sich die Mengen auf 1,85 Millionen Tonnen pro Tag.
Amerikanische öl kaufe in den Nahostländern machten 1967 etwa 28 500 Tonnen
pro Tag aus.

Im darauffolgenden Jahrzehnt stiegen unsere Importe aus

dieser Region prozentual gesehen erheblich - aber den 1,85 Millionen
Tonnen für Europa und Japan stehen nur wenig mehr als 370 000 Tonnen
pro Tag für die Vereinigten Staaten gegenüber»

+ + + + +

5 -

�1
»

3

Uli//en/chaft
und Technik
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30

27. Dezember 1978

WAR DIE PLANETENBILDUNG ANDERS?
Erste Ergebnisse der US-PIONIER-Venussonden widersprechen der
bisher gültigen Theorie

- (AD) - Die Theorien über den Ursprung und die Entwicklung der
Planeten unseres Sonnensystems müssen möglicherweise revidiert werden.
Am Ames-Forschungszentrum der NASA in Mountain View (Kalifornien), der
Leit- und Auswertungszentrale für das Projekt PIONIER-VENUS I und II,
versuchen Wissenschaftler.die ersten Ergebnisse der Serienstudie vom
9. Dezember 1978 zu deuten, die den Erwartungen aufgrund der bestehenden
Theorie absolut nicht entsprechen.
Sie betreffen in erster Linie Informationen über die Atmosphäre
des leuchtenden Gestirns, das einmal als Schwesterplanet der Erde bezeichnet wurde. Die "Geschwister" scheinen jedoch grundverschieden
voneinander zu sein. Ob sie überhaupt Familienähnlichkeit besitzen und
tatsächlich aus dem gleichen Urstoff zu etwa gleicher Zeit entstanden
sind, wird immer fraglicher.
Es waren

Postfach 20 0 3 0 0

Tel: 02221-89 32 40

�Es waren nämlich höchst unerwartete Daten, die sowohl die Umlaufsonde
(PIONIER-VENUS I ) , die am 4. Dezember 1978 in einen stark exzentrischen
Venusorbit eingeschwenkt war, als auch die fünf direkt auf den Planeten
gelenkten Forschungsgeräte zur Erde funkten.

Deren Gemeinschaftsattacke

kam am 9. Dezember, nachdem sie bereits im November, noch etwa 11 Millionen
km von der Venus entfernt, voneinander getrennt worden waren und jedes
auf eigener Bahn auf das Ziel zuflog.

Vier von ihnen sollten Absturzbahnen

folgen, die die Gewähr gaben, daß sowohl die Tag- und Nachtseite der
Venusatmosphäre als auch ihr pol- und äquatornaher Bereich sondiert wurden.
Eines dieser Geräte brachte dann sogar der Wissenschaft ein Sondergeschenk,
indem es nach dem Aufstürz noch unerwartet für weitere 68 Minuten Meßdaten
zur Erde funkte.

Dann waren die Batterien erschöpft, und sicherlich

hatte auch die Hitze (mehr als 480°C) ihr Teil zu seinem Verstummen beigetragen.

Der "Bus", das ursprüngliche Trägergerät für die vier Auf-

sturzsonden, verglühte etwa 130 km über der Oberfläche in der Atmosphäre
der Venus.

Seine Meßdaten waren nach dem Eintauchen in den Luftmantel

vier Minuten lang empfangen worden.
Die Ermittlung von Temperaturen, Druck und Zusammensetzung der
Venusatmosphäre, direkte Messungen und Beobachtungen in verschiedenen
Höhenbereichen waren die Aufgaben der AufSturzsonden.

Die Ingenieure

hatten sie so zu konstruieren, daß sie beim Durchgang durch die Atmosphäre
samt der ca. 20 km dicken dichten Wolkenschicht oberhalb von ca. 50 km
Höhe auch den extremen Hitze- und Druckverhältnissen in Bodennähe standhielten.

Und nur ganz präzise Berechnungen konnten die Gewähr geben,

daß die Geräte auch tatsächlich die gewünschten Punkte auf der Oberfläche
in harter Landung erreichten.

Wäre z.B. die Erde das Ziel gewesen, würde -

dies nur zum Vergleich - das Netz ihrer Verteilung von Oslo in Norwegen
und der Malagassenrepublik im Indischen Ozean bis hin zur Amazonasmündung
in Brasilien und einem Punkt im Pazifik vor der Stadt Santiago de Chile
reichen.
- Hochbetrieb im Funkverkehr mit sechs Satelliten gleichzeitig -

- 2 -

�Nicht weniger schwierig und kompliziert war die Bewältigung der
nachrichtentechnischen Aufgaben auf dem Höhepunkt der Mission.
nach "Fahrplan" kam die Sechsergruppe am Planeten Venus an.
kritische Phase:

Exakt

Erste

Einsteuern des Orbiter in die vorgesehene Umlaufbahn.

Mehrfach wurden in den ersten Tagen der venusnächste und venusfernste
Bahnpunkt verändert,bis schließlich mit 233 km und 65 983 km die bestmöglichen Werte für die Umlaufellipse erreicht waren.

Während dieser Zeit

mußte natürlich auch der Funkverkehr mit der noch immer im Anflug befindlichen Fünfergruppe (PIONIER-VENUS II) voll aufrechterhalten werden.
Am 9. Dezember endlich tauchten innerhalb von Minuten ihre vier gegen
Reibungshitze geschützen Aufsturzsonden nacheinander in die Venusatmosphäre
ein.

Wenig später folgte der "Bus".

vom Arnes-Forschungszentrum meint:

Projektleiter Dr. Charles Hall

"Es war der komplizierteste Job von

Satellitenüberwachung und Funkverkehr, den wir je hatten".
Die Beobachtungsstationen auf der Erde mußten zu sechs Geräten gleichzeitig Verbindung halten, von denen jedes einzelne Hunderte von Informationseinheiten ("bits") in der Minute übermittelte.

Mit dem Eintritt der

vier Landesonden in die dichte Venusatmosphäre kam es bei allen zunächst
einmal zum "Blackout", wie man dies z.B. von zurückkehrenden AP0LL0Raumschiffen her kannte:

Um die Kapsel bildet sich infolge der Reibungs-

hitze ein Mantel glühender ionisierter Gase, die den Funkkontakt unterbrechen.

Während des weiteren Absinkens meldete sich aber jede der Sonden

präzise zum erwarteten Zeitpunkt wieder und übermittelte ihre zahlreichen
Meßdaten.
"Unterhalb von 49 km Höhe ist die Atmosphäre bemerkenswert klar, bis
hinunter zum Boden", fand Dr. Boris Ragent vom Arnes-Forschungszentrum.
In 15 km Höhe registrierten alle vier Sonden eine Temperatur von 377°C.
Von da an zeigte sich bei allen das gleiche Problem:

Die Temperatur-

messer spielten plötzlich verrückt, möglicherweise als Folge eines Kurzschlusses, den die stark korrodierend wirkende Atmosphäre hervorgerufen

- 3 -

�hervorgerufen haben könnte.

"Was wirklich passierte, verstehen wir noch

nicht", erklärt Dr. Alvin Seiff (Arnes-Institut). Die Daten für die übrigen
Meßwerte dagegen kamen bis zum Aufstürz - in einem Fall noch für weitere
68 Minuten - ordnungsgemäß durch.
1972 übrigens noch 107 Minuten

Die sowjetische Sonde VENERA 8 hatte

nach ihrer Landung Daten von der Oberfläche

gesendet, dabei 480 C als Oberflächentemperatur sowie einen Druck von mehr
als dem 90fachen des Drucks an der Erdoberfläche gemessen.
Diese Daten stimmen gut mit jenen überein, die amerikanische Wissenschaftler in Untersuchungen von der Erde aus ermittelt hatten.

Sie kenn-

zeichneten die Venus als eine lebensfeindliche, höllisch heiße Welt.

Ein

sogenannter Treibhauseffekt unvorstellbaren Ausmaßes bestimmt dort die
Umweltbedingungen.

Das Kohlendioxid, aus dem die Venusatmosphäre zu mehr

als 95 Prozent besteht, und Wasserdampf stauen die Wärme der Sonneneinstrahlung, so daß die Wärme nicht in den Weltraum abgestrahlt wird.

Da-

durch erfährt die Oberfläche eine Aufheizung auf mörderische Temperaturen.
Die amerikanischen Sonden meldeten Werte um 483°C.

Verständlich, daß

unter diesen Bedingungen Wasser in flüssiger Form nicht existieren kann,
auch wenn der hohe Druck den Siedepunkt erhöht,

übrigens lieferten optische

Sensoren der Sonde, die die harte Landung länger als eine Stunde überlebte,
Anhaltspunkte über die Beschaffenheit der Oberfläche:

Durch den Aufstürz

wurden Staubmassen aufgewirbelt, die vier Minuten brauchten, bis sie
wieder zu Boden gesunken waren.
- Theoretiker in Verlegenheit Aufregung verursachte zunächst einmal die Erkenntnis, daß der Gehalt
der Venusatmosphäre an dem Edelgas Argon, und zwar an dem Isotop mit
der Massenzahl 36, etwa lOOmal größer ist als in der Erdatmosphäre.

Das

Gas müsse, so meinen die Wissenschaftler, noch aus dem Urstoff von Gasen
und Staub stammen, der sich vor 4,5 Milliarden Jahren um den neugeborenen
Stern, unsere Sonne, bewegte.
haben.

Aus ihm dürften sich die Planeten gebildet

Weshalb aber die Venus soviel mehr Argon als die Erde, und noch

- 4 -

�noch sehr viel mehr als der Mars habe zurückhalten können, ist noch ein
Rätsel.
Theoretisch müßten die inneren Planeten - Merkur, Venus, Erde, Mars schon vor langer Zeit ihre Urgase zum größten Teil verloren haben. Und es
gibt vorläufig keine einleuchtende Erklärung, weshalb die Venus ihre
Uratmosphäre behielt, die Erde dagegen sie weitgehend verlor. Denn beide
Planeten haben etwa die gleiche Masse, sind ungefähr gleich groß und
haben - nach kosmischen Maßstäben - eine vergleichbare Entfernung zur
Sonne.
"Unsere Vorstellungen von der Planetenbildung waren notgedrungen
stark vereinfacht", meint Michael B. McElroy von der Harvard-Universität,
einer der Projektwissenschaftler. "Schließlich war die Erde bis vor
wenigen Jahren der einzige Planet, den wir näher erforscht hatten. Aus
den 'Bausteinen', die wir von der Erde her kannten, versuchten wir in
der Theorie die Planeten Merkur, Venus und Mars zu konstruieren." Dazu
Dr. Thomas Donahue von der Universität Michigan: "Wir müssen wieder zurück
an die Tafel und neue Theorien über die Bildung und die Evolution von
Planeten entwickeln." Viele der neuen Meßdaten seien mit der Theorie
vom gemeinsamen Ursprung gerade der Planeten Erde und Venus nicht zu vereinbaren.
Inzwischen ausgewertete erste Daten von der Umlaufsonde, des Orbiter,
zeigen, daß die Luft in der Hochatmosphäre über dem Nordpol ca. 25°C wärmer
ist als über dem Äquator, wo am meisten Sonnenlicht einfällt. Es wird
angenommen, daß atmosphärische Strömungen vom Äquatorbereich in Richtung
zu den Polen diese Unterschiede hervorrufen. In der Venusatmosphäre
steigt heiße Luft über der Äquatorzone auf, verliert auf ihrem Weg zu
den Polen an Wärmeenergie, sinkt deshalb in tiefere Schichten ab und wird
dabei durch Kompressionskräfte aufgeheizt.
Wie die

�Wie die vier Landesonden fand auch der Orbiter - er braucht für
einen Umlauf 24 Stunden 14 Minuten - mit Hilfe eines Massenspektrometers
Sauerstoff, Kohlenstoff bezw. Kohlendioxid, Helium, Stickstoff, Neon
und Wasserdampf in der Atmosphäre.

In ca. 370 km Höhe registrierte

er überwiegend atomaren Sauerstoff, fand aber auch molekularen Sauerstoff
neben Wasserstoff, Helium, Stickstoff und C0 2 .

In tieferen Bereichen

ändert sich, so Harry Taylor vom Goddard-Raumflugzentrum.die relative
Häufigkeit dieser Substanzen.

Wegen des schwachen Magnetfeldes an der

Venus könnten, so wird ferner vermutet, von dem sehr "heißen", wenn auch
schwachen Sonnenwind große Gasmengen aus dem Bereich der hohen Ionosphäre
in der Lufthülle der Venus fortgetragen werden.
Die Spektrometer geben Hinweise auf deutliche und scharfe Übergänge
zur IonoDause bei 612 km und 532 km Höhe - sowohl in der Abstiegs- als
in der Atrfetiegsbahn des Orbiter.

Die Daten lassen auf ausgeprägte

Strukturen, aber auch Störungen in diesem Bereich schließen.

Die Tatsache,

daß die Elektronen-Temperaturen, d.h. ihre Bewegungsenergie, nahe dem
venusnächsten Bahnpunkt höher sind als erwartet, könnte auf eine wirksamere
Aufheizung der hohen Ionosphäre durch den Sonnenwind zurückzuführen sein,
als man erwartet hatte. Aber es wäre auch denkbar, daß ein noch unbekannter
Mechanismus am Werke ist, durch den die obere Schicht der Ionosphäre
gegenüber der unteren isoliert wird.
Die Wissenschaftler - unter ihnen Spezialisten aus anderen Ländern

wie Dr. Jaques Blamont von der Universität Paris und Prof. Ulf von Zahn
von der Universität Bonn - werden auf Monate hinaus mit der Analyse der
Daten von den PIONIER-VENUS-Sonden beschäftigt sein. Sie hoffen, Ähnlichkeiten wie ausgeprägte Unterschiede zwischen den inneren Planeten ermitteln
und Antworten auf die Frage finden zu können, weshalb die Entwicklung
auf dem Planeten Venus anders verlaufen ist als auf der Erde. Dies könnte
sogar für die Zukunft der Menschen auf unserem Planeten und ihren Umgang
mit Natur und Umwelt von erheblicher Bedeutung sein. Denn einen selbst-

- 6-

�selbstverschuldeten "Treibhauseffekt" z.B., der durch gedankenlose Anreicherung der irdischen Lufthülle mit Kohlendioxid verursacht würde,
können wir uns nicht leisten.

+ + + + +

/

A

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