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3

Information
und

1

TP] {i/iiTTiiM
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Dezember 1978

29

INHALT

DOKUMENTATION
Ansprache Präsident Carters zum Jahrestag der Menschenrechtserklärung
- Wortlaut Außenminister Vance umreißt Grundzüge der amerikanischen Europapolitik
- Ansprache vor dem Londoner Royal Institute for International Affairs

WIRTSCHAFT
Gute Aussichten für den US-Dollar und den US-Handel
- Interview mit dem Chefberater des US-Handelsministeriums

HINTERGRUNDMATERIAL
SALT 11 d i e n t de r n a t i o na 1 e n Sic h e r h e i t
- Von Senator Gary Hart -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Weltweite Untersuchungen zur Wetterforschung
- Zusammenarbeit von 149 Staaten Neue Forschungsergebnisse über "Legionärskrankheit'

Um Übei/endung von
ßckgcHcmplorcn wird
gebecen

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Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
13. Dezember 1978

29

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS ZUM JAHRESTAG DER MENSCHENRECHTSERKLÄRUNG
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat in einer Ansprache am
6. Dezember 1978 anläßlich des 30. Jahrestages der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 das Engagement seiner Regierung für
die weltweite Einhaltung der Menschenrechte unterstrichen. Die Ansprache
des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Was ich heute zu sagen habe, ist im Grunde sehr einfach.

Ich habe es

schon viele Male gesagt. Aber es kann nicht oft genug, nicht nachdrücklich genug,nicht anhaltend genug gesagt werden.
Solange ich Präsident bin, wird die Regierung der Vereinigten Staaten weiterhin in der ganzen Welt für die Menschenrechte eintreten.
Keine
Macht der Welt kann uns von dieser Verpflichtung abhalten.
In dieser Woche begehen wir den 30. Jahrestag der Verkündung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Wir verschreiben uns erneut - nach

den Worten von Eleanor Roosevelt, die den Vorsitz im Menschenrechtsausschuß (der Vereinten Nationen) führte - der Allgemeinen Erklärung als

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�als "einer gemeinsamen Norm des Erfolgs für alle Völker aller Länder".
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte - und die Konventionen,
die aus ihr hervorgegangen sind - geben keine Beschreibung der Welt wie
sie ist.

Sie sind ein Leuchtfeuer - ein Richtstrahl in eine Zukunft der

persönlichen Sicherheit, der politischen Freiheit und der sozialen Gerechtigkeit.
Für Millionen von Menschen auf dem ganzen Erdball ist dieses Leuchtfeuer noch sehr fern - mehr ein Lichtfunke an einem dunklen Horizont der
Entbehrung und Unterdrückung.

Die Berichte von Amnesty International, der

Internationalen Kommission der Juristen, der Internationalen Liga für Menschenrechte und vieler anderer privater Menschenrechtsorganisationen dokumentieren sattsam die Praktiken und Umstände, die Leben und Geist zahlloser Menschen vernichten.
Politischer Mord, Folter, willkürlicher und ausgedehnter Freiheitsentzug ohne Anklage oder Prozess - das sind die grausamsten und übelsten
Verletzungen der Menschenrechte.
Von allen Menschenrechten ist das wichtigste und grundlegendste, von
willkürlicher Gewalt frei zu sein - ob diese Gewalt von Regierungen, von
Terroristen, von Verbrechern oder von selbsternannten Heilsbringern ausgeübt wird, die unter dem Deckmantel der Politik oder der Religion handeln.
Aber weil die Regierungen über eine so viel größere Macht verfügen
als jeder einzelne, haben sie eine besondere Verantwortung. Die erste
Pflicht einer Regierung besteht darin, ihre Bürger zu schützen. Wenn Regierungen selbst willkürliche Gewalt gegen ihre Bürger ausüben, dann untergraben sie ihre eigene Legitimität.
Es gibt noch andere Verletzungen des Körpers und des Geistes, die
gleichermaßen zerstörerisch für das menschliche Leben sind.

- 2 -

Hunger,

�Hunger, Krankheit und Armut sind ebenso Feinde der menschlichen Existenz
wie eine Regierung, die ihre Bürger unterdrückt.

Das amerikanische Volk will, daß seine Regierung sowohl das menschliche Leiden lindert als auch die menschliche Freiheit stärkt.

Das ist der Grund warum ich - mit der Hilfe und der Ermutigung vieler
der hier Anwesenden - versucht habe, das Leuchtfeuer der Menschenrechte in
der amerikanischen Außenpolitik neu zu entzünden.

In den letzten zwei

Jahren haben wir versucht, diesen menschlichen Anliegen in unserer diplomatischen Tätigkeit und in der Erfüllung unserer internationalen Verpflichtungen als Nation Ausdruck zu verleihen.

Wir werden nicht schweigen, wenn in anderen Ländern die Rechte des einzelnen verletzt werden.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte bedeu-

tet, daß kein Land den Mantel der Souveränität über Folter, das Verschwindenlassen von Menschen, amtlich sanktionierte Bigotterie oder die Zerstörung der Freiheit innerhalb ihrer Grenzen breiten kann.

Die Botschaft, die all unsere Vertreter im Ausland verkünden - ob sie
vom Außenministerium, vom Handelsministerium, vom Landwirtschaftsministerium
oder vom Verteidigungsministerium kommen - ist die, daß die Menschenrechte
für den Charakter unserer Beziehungen zu anderen Ländern eine Rolle spielen.

Bei der Verteilung der knappen Mittel unserer Auslandshilfeprogramme
werden wir demonstrieren, daß unsere tiefsten Bindungen zu Ländern bestehen, die sich einem demokratischen Weg der Entwicklung verschrieben haben.

Wir werden nicht zögern, gegenüber Regimen, die an umfassenden Verletzungen der Menschenrechte festhalten, unseren Abscheu zum Ausdruck zu
bringen - noch werden wir vorgeben, daß das unsere Beziehungen nicht berühre.

Ich
- 3 -

�Ich hoffe, daß der Kongreß im kommenden Jahr einen Schritt tun wird,
der seit einer Generation überfällig ist, nämlich die Ratifizierung der
Konvention über die Verhütung und Bestrafung von Völkermord,,

Auch die Konvention gegen den Völkermord wurde vor 30 Jahren von der
Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet - einen Tag vor der
Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Es war die

Bekräftigung der Welt, daß sie die Lehren der Katastrophe niemals vergessen wolle.

Leider ist der Völkermord keiner bestimmten geschichtlichen

Zeitspanne vorbehalten.

Die Völkermord-Konvention wurde von 83 Ländern ratifiziert.

Die Ver-

einigten Staaten haben dies - obwohl sich jeder Präsident seit 1948 dafür
eingesetzt hat - nicht getan.

Auf internationalen Konferenzen im Rahmen

der Vereinten Nationen und anderswo werden wir immer wieder gefragt, warum
nicht.

Wir haben darauf keine befriedigende Antwort.

Ich appelliere an den Senat der Vereinigten Staaten, diesen Jahrestag
auf die einzig angebrachte Art und Weise zu begehen:

nämlich durch die Ra-

tifizierung der Völkermord-Konvention zum frühest möglichen Datum.

Diese Maßnahme muß der erste Schritt auf dem Wege zur Ratifizierung
anderer Menschenrechtsverträge sein, einschließlich dessen, den ich vor
einem Jahr unterzeichnet habe.

Viele der hier vertretenen religiösen

Gruppen und Menschenrechtsgruppen haben einen Feldzug unternommen, um die
Öffentlichkeit über diese Konventionen aufzuklären.

Ich begrüße diese An-

strengungen.

Die Flüchtlinge sind die lebenden, heimatlosen Opfer der Unfähigkeit
unserer Welt, nach den Grundsätzen des Friedens und der Menschenrechte zu
leben.

Diesen Flüchtlingen zu helfen, ist einfach Menschenpflicht.

Als

Amerikaner - als ein Volk, das weitgehend aus Nachkommen von Flüchtlingen
besteht -,sind wir uns dieser Pflicht besonders deutlich bewußt.
Unser

�Unser Land wird alles in seiner Macht stehende tun, um das Elend
der gestrandeten Flüchtlinge aus Indochina und aus dem Libanon und der entlassenen Gefangenen aus Kuba und von anderswo zu lindern.

Ich hoffe, daß

wir immer bereit sein werden, mehr als nur unseren fairen Anteil an Flüchtlingen aufzunehmen, die vor rassischer, religiöser oder politischer Unterdrückung aus ihrer Heimat fliehen,,

Die Wirksamkeit unserer Menschenrechtspolitik ist heute eine unbestreitbare Tatsache.

Sie hat zu einer Atmosphäre des Wandels beigetragen, die

manchmal beunruhigend ist, die aber den Fortschritt auf vielerlei Weise und
an vielen Orten gefördert hat.
gene freigelassen worden.
nachgelassen.

In einigen Ländern sind politische Gefan-

In anderen hat die Brutalität der Unterdrückung

In wieder anderen ist eine vorher nicht feststellbare Entwick-

lung in Richtung demokratischer Institutionen oder der Herrschaft des Rechts
eingetreten.

Jenen, die unsere Verpflichtung anzweifeln, sage ich:

Fragt die Opfer,

fragt die Flüchtlinge, fragt die Regierungen, die Repression ausüben.

Ob

in Kambodscha oder Chile, ob in Uganda oder Südafrika, in Nicaragua, in
Äthiopien oder in der Sowjetunion - alle Regierungen wissen, daß wir um die
Menschenrechte bemüht sind - und nicht ein einziger von denen, die praktisch Risiken oder Leiden wegen der Menschenrechte auf sich nehmen, hat uns
gebeten, unsere Bemühungen zu unterlassen.

Aus den Gefängnissen, den Ar-

beitslagern und von den Verbannten hören wir nur eine einzige Botschaft:
Schweigt nicht, haltet an euren Bemühungen fest und verschafft der Stimme
der Freiheit Gehör.

Ich bin stolz, daß unsere Nation für mehr einsteht als für militärische
Macht und wirtschaftliche Kraft.

Sie steht ein für die Ideale, die ihren

Niederschlag finden in den Hoffnungen der Bauern in Lateinamerika, der Arbeiter in Osteuropa, der Studenten in Afrika und der Landbevölkerung in
Asien.
Wir
- 5 -

�Wir leben in einer schwierigen komplizierten Welt - in einer Welt,
in der der Friede praktisch das überleben bedeutet.

Unsere Außenpolitik

muß dieses Faktum in Rechnung stellen. Häufig entfernt uns eine Entscheidung, die uns einem unserer Ziele näher bringt, weiter von einem anderen
Ziel.

Selten lassen es die Gegebenheiten zu, Maßnahmen zu ergreifen, die

für alle zufriedenstellend sind.
Aber ich möchte noch einmal zum Ausdruck bringen, daß die Menschenrechte nicht am Rande der Außenpolitik der Vereinigten Staaten stehen.
Unsere Menschenrechtspolitik ist nicht nur reines Dekor. Mit ihr wollen
wir weder unser Image aufpolieren, noch wollen wir damit der diskreditierten Politik der Vergangenheit einen frischen moralischen Anstrich geben.
Wenn wir uns für die Menschenrechte einsetzen, dann aus dem breit angelegten Bemühen heraus, unsere große Macht und unseren Einfluß für die
Schaffung einer besseren Welt einzusetzen - einer Welt, in der die Menschen
in Frieden und in Freiheit leben können und in der ihren grundlegenden Erfordernissen in angemessener Weise entsprochen wird.
Die Menschenrechte sind das Kernstück unserer Außenpolitik, weil sie
das Kernstück dessen sind, was wir unter einer nationalen Gemeinschaft
verstehen.
Zum größten Teil werden andere Nationen durch eine gemeinsame rassische
oder ethnische Abstammung zusammengehalten, durch einen gemeinsamen Glauben
oder Religion oder durch Bindungen an das eigene Land, die viele Jahrhunderte zurückreichen. Einige Nationen werden zusammengehalten durch die Gewalt
einer tyrannischen Regierung.
Wir sind anders, und ich glaube, daß wir glücklicher dran sind.
Als Volk kommen wir aus jedem Land und aus jedem Winkel dieser Welt.
Wir hängen zahlreichen Religionen und Glaubensbekenntnissen an. Wir ent-

- 6 -

�entstammen jeder Rasse, jeder Hautfarbe und haben jeden ethnischen und kulturellen Hintergrund.

Wir sind zurecht stolz auf diese Dinge sowie auf den

Reichtum, die sie dem Gewebe unseres nationalen Lebens gewähren.

Aber dies

sind nicht die Dinge, die uns als Volk vereinigen.

Was uns vereinigt, was uns zu Amerikanern macht, ist der gemeinsame
Glaube an den Frieden, an eine freie Gesellschaft sowie das gemeinsame Eintreten für die Freiheiten, die unsere Verfassung enthält.

Dieser Glaube,

dieses Eintreten sind die Quellen für das Verständnis unserer nationalen
Gemeinschaft.

In einzigartiger Weise ist unsere Nation gegründet auf der

Idee der Menschenrechte.

Aus unserer eigenen Geschichte wissen wir, wie

machtvoll diese Idee sein kann.

In der nächsten Woche begehen wir ein weiteres wichtiges Datum der
Menschenrechte - den Tag der Bill of Rights.
Worten Lincolns "in Freiheit konzipiert".

Unsere Nation wurde nach den

Aber es dauerte fast zwei Jahr-

hunderte, bis diese Freiheit zur Reife gelangte.

Fast während der ganzen ersten Hälfte unserer Geschichte wurden den
schwarzen Amerikanern selbst die grundlegendsten Menschenrechte verwehrt.
Fast während der ersten zwei Drittel unserer Geschichte
aus dem politischen Prozeß ausgeschaltet.

wurden die Frauen

Ihre Rechte und die der gebür-

tigen Amerikaner sind immer noch nicht verfassungsmäßig garantiert und durchsetzbar.

Selbst die Freiheit der Rede ist von Zeit zu Zeit im Verlaufe

unserer Geschichte bedroht gewesen.

Erst in den letzten zehn oder zwölf

Jahren haben wir das erreicht, was Pfarrer Theodore Hesburgh die "legale
Preisgabe von mehr als drei Jahrhunderten der Apartheit" genannt hat,und
der Kampf um die vollen Menschenrechte für alle Amerikaner - schwarz, braun
und weiß, männlich und weiblich, reich und arm - ist alles andere als vorüber.

Für mich wie auch für die meisten von Ihnen sind dies keine abstrakten
Dinge.

In dem ländlichen Georgia, wo ich aufwuchs, wurden der Mehrheit

- 7 -

�Mehrheit meiner Mitbürger zahlreiche Grundrechte verweigert - das Recht zu
wählen, das Recht frei und ohne Furcht zu sprechen, das Recht der gleichen
Behandlung unter dem Gesetz.

Ich habe aus erster Hand die Auswirkungen

eines Systems der Beschneidung der Rechte erlebt.

Ich habe den Mut jener

Menschen miterlebt, die sich diesem System entgegenstellten.

Und schließlich

erlebte ich die auf eine Beseitigung dieser Mißstände abgestellten Energien,
die freigesetzt wurden, als meine Heimat aus der Dunkelheit herausschritt
und in die Zeit eintrat, die Hubert Humphrey im Jahr der Annahme der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte den "hellen Sonnenschein der Menschenrechte" nannte.
Die amerikanische Bill of Rights ist 187 Jahre alt.

Und in jedem die-

ser 187 Jahre war man darum bemüht, sie zu einer Realität werden zu lassen.
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist nur 30 Jahre alt.

In

der geschichtlichen Perspektive ist die Idee der Menschenrechte gerade erst
angesprochen worden.
Ich ziehe diesen Vergleich nicht heran, um zur Geduld zu mahnen. Ich
ziehe ihn heran, weil ich auf Standhaftigkeit und auf verpflichtenden Einsatz drängen möchte.
Vor 187 Jahren war die Bill of Rights, was die meisten Amerikaner anbetraf, ein Dokument der Verheißungen. Es gab keine Garantie dafür, daß diese
Verheißungen auch verwirklicht werden würden. Wir haben sie nicht dadurch
verwirklicht, daß wir darauf warteten, daß die Geschichte ihren unvermeidbaren
Lauf nahm. Wir haben sie verwirklicht, weil viele Opfer brachten. Wir haben
sie verwirklicht, weil wir Standhaftigkeit und Ausdauer bewiesen.
Für Millionen Menschen in aller Welt ist die Allgemeine Erklärung der
Menschenrechte immer noch eine Erklärung der Hoffnungen.
Wie
- 8 -

�Wie alle von Ihnen wünsche ich, daß sich diese Hoffnungen erfüllen.
Der Kampf um ihre Erfüllung wird länger anhalten, als jeder von uns leben
wird; ja,so lange wie die der Menschheit selbst.
Aber wir müssen durchhalten und standhaft bleiben.
Und wir müssen damit anfangen, sicherzustellen, daß unser Land, das wir
so sehr lieben immer in der vordersten Front derjenigen steht, die für die
große Hoffnung, den großen Traum der Menschenrechte kämpfen.

+ + + + +

- 9 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29

13. Dezember 1978

AUSSENMINISTER VANCE UMREISST GRUNDZÜGE DER AMERIKANISCHEN
EUROPAPOLITIK
Ansprache vor dem Londoner Royal Institute for International Affairs

LONDON - (AD) - Außenminister Cyrus R. Vance hat am 9. Dezember 1978
in einer viel beachteten Ansprache in London die Grundzüge der amerikanischen
Europapolitik aufgezeigt und die enge Partnerschaft zwischen den USA und
Europa unterstrichen. Der amerikanische Außenminister hatte auf seiner
jüngsten Reise nach dem Nahen Osten in London Zwischenstation gemacht
und sprach vor dem Royal Institute for International Affairs des renommierten
Chatham House.
Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Mr. Watt, Mitglieder des Instituts:
Fast sechzig Jahre lang war das Chatham House ein Anreiz und richtungsweisend für die Kreativität der westlichen Gesellschaften. Ich begrüße
die Gelegenheit, heute mit Ihnen einige Gedanken darüber austauschen zu

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Telex:08-85432

�zu können, wie die Partnerschaft zwischen Europa und den Vereinigten
Staaten - der Grundpfeiler unseres wastlichen Erbes - kreativ und effektiv
auf die Herausforderungen der Zeit, in der wir leben, reagieren kann.

EINLEITUNG
Vor mehr als drei Jahrzehnten gingen die Vereinigten Staaten und
die Nationen Westeuropas gemeinsam daran, einen zerstörten Kontinent
wieder aufzubauen und ein militärisches Bündnis zum Schutze der Freiheit
zu errichten.
Auf beiden Seiten des Atlantik hatten diejenigen, die den Marshallplan gestalteten und an der Schaffung der NATO arbeiteten, die Vision
eines starken Amerikas und eines starken Europas, die durch gemeinsame
Interessen aneinander gebunden waren.

Aus dieser Vision heraus schufen

sie eine sich selbst erneuernde Partnerschaft, die aus der kontinuierlichen
Vitalität der Werte und Hoffnungen erwuchs, die wir teilen.
Während der siebziger Jahre haben wir eine außerordentlich schwierige
Zeit durchmachen müssen.
glücklich passiert.

Aber wir haben diese turbulenten Gewässer

Obwohl der vor uns liegende Kurs immer noch große

Forderungen an uns stellt, sollte uns der von uns erzielte Fortschritt
großes Vertrauen in unsere Zukunft geben.
-

Zum ersten Male in der Geschichte des Bündnisses sind alle NATOMitglieder Demokratien.

-

Die NATO ist stark und wird stärker.

-

Wir haben nicht nur dem schlimmsten protektlonistisehen Druck 1n

- 2 -

�in einer Generation Widerstand geleistet, sondern wir arbeiten
darüber hinaus zusammen, um ein gesünderes und offeneres Welthandelssystem zu schaffen.
-

Wir haben einen Rahmen engerer Konsultationen über wirtschaftliche
und sicherheitspolitische Fragen geschaffen als je in der jüngsten
Geschichte.

-

Die europäische Integration macht Fortschritte und bestätigt unsere
Überzeugung, daß ein starkes Europa gut für ein starkes Amerika ist.

-

Und wir bewegen uns auf normalere Beziehungen zu den Ländern
Osteuropas zu. Die Fortschritte auf dem Wege zu diesem Ziel
spiegeln sich wider in unserer Unterstützung der vollen Verwirklichung der Schlußakte von Helsinki und in der Anerkennung
der Souveränität und der Unabhängigkeit der Nationen dieses
Raumes.

Heute möchte ich mit Ihnen darüber sprechen, wie wir - aufbauend
auf dieser Grundlage - weiterhin unsere gemeinsame Sicherheit gewährleisten und einen gesunden Wiederaufschwung unserer Volkswirtschaften fördern
können.

Dies sind die dringlichsten Punkte auf unserer derzeitigen ge-

meinsamen Tagesordnung.
Aber wenn wir uns auf diese lebenswichtigen Anliegen konzentrieren,
die sich wie ein nicht abreißender Faden durch unsere Partnerschaft ziehen,
so zwingen uns unsere gemeinsamen Interessen doch auch, daß wir uns gemeinsam einer erweiterten internationalen Tagesordnung zuwenden. Denn
es gibt längerfristige Herausforderungen für unsere Sicherheit und unser
Wohlergehen, die ebenfalls unserer ernsthaften und anhaltenden Aufmerksamkeit bedürfen:
Wie werden

�-

Wie werden sich das internationale Wirtschaftssystem wie auch
unsere eigenen Volkswirtschaften den sich ändernden GefLigen des
Welthandels anpassen?

-

Wie können wir den zunehmenden Energieerfordernissen gerecht
werden, ohne das Risiko einer nuklearen Proliferation zu erhöhen?

-

Wie können wir zur Erfüllung der legitimen Sicherheitserfordernisse
der einzelnen Nationen beitragen, während wir doch gleichzeitig
vereinbarte Begrenzungen hinsichtlich des Anwachsens der konventionellen Waffenverkäufe anstreben?

-

Und wie können wir zu dem politischen Willen gelangen, jetzt in
bezug auf Fragen zu handeln, die eine tiefgehende Auswirkung auf
die Welt ausüben werden, die wir unseren Kindern hinterlassen Fragen wie das Bevölkerungswachstum und der Schutz der Umwelt.

An diesen Fragen wird unser Einfallsreichtum, unsere Ausdauer und
Beharrlichkeit in vollem Umfange gemessen werden.

Denn wir gehen an

alle diese Probleme innerhalb eines sich verändernden und pluralistischen
Systems heran - mit über 150 unabhängigen Ländern und neuer sich bildender
Machtzentren.

Kein

einzelnes Land oder Gruppe von Ländern kann für sich allein

Lösungen für diese komplizierten Probleme finden.

Sie sind in ihrem Ursprung

so wie in dem notwendig werdenden Umfang ihrer Lösungen wahrhaft international.
In zunehmendem Maße muß daher unsere führende Rolle darauf hinauslaufen,
andere Länder zur Zusammenarbeit mit uns hinsichtlich der Ziele, die wir
teilen, und die am besten gemeinsam gelöst werden können, zu inspirieren.
Und bei jeder dieser Fragen blicken wir auf unsere europäischen Verbündeten
als einen Kernpunkt, um den herum wir diese kooperativen Anstrengungen
aufbauen müssen.
Unsere Fähigkeit

�Unsere Fähigkeit, sich dieser weitgefaßten Tagesordnung zuzuwenden,
wird von der entscheidend wichtigen Kraft unserer Partnerschaft - und
insbesondere von unserer wirtschaftlichen und militärischen Stärke abhängen.

WIRTSCHAFTLICHE SICHERHEIT FÜR UNSERE VÖLKER
Für die meisten unserer Länder ist heute die dringendste Forderung,
unsere Volkswirtschaften neu zu beleben und das Vertrauen in unser wirtschaftliches System wieder herzustellen.
Wenn die Wirtschaftsgeschichte der letzten fünf Jahre geschrieben
wird, dann ragen zwei wichtige Dinge heraus.
Die Vereinigten Staaten und Europa, ja, die demokratischen Industrieländer als Gesamtheit haben während der letzten 25 Jahre die schwersten
wirtschaftlichen Probleme erlebt.

Dazu gehören die drastischen Erhöhungen

der Weltölpreise und die Inflation, gefolgt von einer schweren Rezession
und großer Arbeitslosigkeit.
Und trotz dieser ernsthaften Probleme haben wir doch bei der Stärkung
unserer wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit Erfolge erzielt.
Anstatt in die psychologische Haltung des sich Bereicherns auf Kosten anderer
zurückzufallen, die in den dreißiger Jahren die Weltwirtschaft zerstörte,
haben wir neue und effektivere Mechanismen für ernsthafte, konzertierte
Aktionen geschaffen. Die Einrichtung periodischer Gipfelkonferenzen über
Wirtschaftsfragen, eine engere Zusammenarbeit zwischen den Währungsbehörden,
die Schaffung der Internationalen Energieagentur und eine aktivere OECD all diese Anstrengungen reflektieren das Vertrauen in unsere Fähigkeiten
und keine Verzweiflung angesichts von Schwierigkeiten.
Wir
- 5 -

�Wir verstärken unsere wirtschaftliche Koordinierung miteinander aus
einem einfachen Grunde:

Weil wir uns nämlich jetzt alle darüber im klaren

sind, daß die wirtschaftliche Gesundheit eines jeden von uns wichtig ist
für die

wirtschaftliche Gesundheit von uns allen.

auf Zeiten der wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu.

Dies trifft insbesondere
Der Druck zum Schutz

der einheimischen Märkte vergrößert sich, die Konkurrenz nimmt zu, und
wir alle sind versucht, unsere individuellen Probleme auf Kosten unserer
Nachbarn zu lösen.

Aber gerade dann brauchen wir ein ganz besonderes

Gespür für die Auswirkung, die unsere Entscheidungen im eigenen Lande
auf andere im Ausland haben werden.

Wenn wir solche Entscheidungen ohne

genügende Berücksichtigung der Probleme anderer treffen, dann löst dies
nur Vergeltungsmaßnahmen sowie eine Spirale kompensierender Aktionen aus.
Alle von uns würden an Boden verlieren;

alle von uns wären schlechter

daran.

Als Ergebnis dieser Tatsachen sind wir uns alle ganz klar darüber,
daß wir nur durch die Entwicklung einer gemeinsamen Strategie, zu der
alle Länder ihren Beitrag leisten, das Wohlergehen eines jeden einzelnen
Landes fördern können.
Eine solche Zusammenarbeit kann schwierig und frustrierend sein.
Die politische Unterstützung für harte wirtschaftliche Entscheidungen
im Inland vollzieht sich in Demokratien häufig nur langsam. In einigen
Fällen entsprechen die Ergebnisse nicht unseren Erwartungen, und wir
müssen unsere Anstrengungen verdoppeln. Aber die Maßnahmen eines jeden
von uns, im Verein mit einer größeren transatlantischen Kooperation,
haben die Vereinigten Staaten und andere Industrienationen auf den Weg
zu einem anhaltenden,nichtinflationären Wachstum gebracht. Der Erfolg
wird unsere Fähigkeit vergrößern, die Chancen für den einzelnen sowie
die soziale Gerechtigkeit zu erweitern, die die größte Stärke unserer
Demokratien darstellen.

�DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT
Die Vereinigten Staaten sind sich der Bedeutung einer starken und
lebensfähigen

amerikanischen Wirtschaft für die Schaffung größerer

wirtschaftlicher Sicherheit in Europa, Japan und in anderen Ländern der
Erde voll bewußt.

Was wir in Washington unternehmen, kann das Leben der

Bürger in London oder Rom nachhaltig beeinflussen, ebenso wie die
Entscheidungen anderer Regierungen die Wohlfahrt von Amerikanern berühren können.
Demgemäß wird die Binnenwirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten
im Hinblick auf die wirtschaftlichen Interessen der Atlantischen Gemeinschaft
als einem Ganzen gestaltet.

Grundlage dieser Bemühungen sind die Zusagen,

die Präsident Carter auf dem Bonner Weltwirtschaftsgipfel vom vergangenen
Juli gegeben hat.

Er versicherte, daß die Vereinigten Staaten erhebliche

Anstrengungen unternehmen werden, die Inflation einzudämmen und eine
Energiepolitik zu betreiben, die die Abhängigkeit Amerikas von öl einfuhren
beträchtlich vermindern werde.

Wir treffen gegenwärtig spezifische Maß-

nahmen, um diese Zusicherungen zu erfüllen:
-

Am 24. Oktober verkündete Präsident Carter ein weitgefächertes
Programm zum Kampf gegen die Inflation.

Es schließt ein maßvolles

Vorgehen auf dem monetären Bereich, eine starke Verminderung der
Regierungsausgaben und vor allem auch Richtwerte für Lohn- und
Preissteigerungen ein.

Der neue Staatshaushalt des Präsidenten

wird ein sehr knapp bemessenes Plafond für öffentliche Ausgaben
festsetzen und das Haushaltsdefizit des Bundes auf weniger als
die Hälfte dessen von 1976 reduzieren.
Der Präsident hat entschieden darauf hingewiesen, daß die Eindämmung
der Inflation das wichtigste innenpolitische Ziel überhaupt ist.

Wir werden

in unseren diesbezüglichen Bemühungen solange fortfahren, bis wir dieses

�dieses Ziel erreicht haben.
-

Am 1. November haben wir ferner weitreichende Maßnahmen eingeleitet, um unsere Anstrengungen im Kampf gegen die Inflation zu
verstärken und den Dollar zu festigen.
starken Beschränkungen unterworfen.

Wir haben die Devisenmärkte

Die Vereinigten Staaten haben

sich ferner mit den drei wichtigsten Überschußländern - Deutschland,
Japan und die Schweiz - abgesprochen, ihre jeweiligen Direktinterventionen auf den Devisenmärkten aufeinander abzustimmen, um dem
übermäßigen Rückgang des Dollarwertes entgegenzuwirken.

Wir werden

tatkräftig und auf koordinierte Art und Weise mit anderen Ländern
zusammenarbeiten, um die Stabilität der Devisenmärkte zu gewährleisten.

Um ihren Anteil hieran zu finanzieren, werden die

Vereinigten Staaten den in der Geschichte einmaligen Betrag

von

30 Milliarden Dollar aufbieten, die gemeinsam mit den finanziellen Ressourcen

anderer Länder zu massiven Interventionen verwendet werden

sollen, falls dies zur Erreichung unseres Ziels notwendig sein
sollte.

Die Vereinigten Staaten haben darüber hinaus ihr Programm

zum Verkauf ihrer Goldvoräte intensiviert.
Wir rechnen damit, daß die grundlegenden Maßnahmen zur Verbesserung
der Wirtschaftsposition der Vereinigten Staaten, die inzwischen angelaufen
sind, einen anhaltenden positiven Einfluß auf den Dollar ausüben werden.
-

Am 9. November unterzeichnete der Präsident ein Gesetz, das die
Grundlage für eine gesunde amerikanische Energiepolitik abgeben
dürfte. Dieses Gesetz soll eine Einsparung bei den öl einfuhren
von rund 2,5 Millionen Barrel pro Tag bis 1985 in die Wege leiten.
Unsere Energiesituation ist ohnehin im Begriff, sich zu bessern.
Die amerikanischen Energiepreise nähern sich mehr und mehr dem
Weltniveau, und die Zunahme des Energieverbrauchs ist gegenwärtig
erheblich geringer als das Wachstum unseres Bruttosozialproduktes.
Wir sind

�-

wir sind gleichzeitig dabei, unser Zahlungsbilanzdefizit durch
ein umfassendes Exportförderungsprogramm zu vermindern.

Präsident Carter ist entschlossen, sich mit seinem ganzen politischen
Gewicht für Maßnahmen einzusetzen, die zur Lösung der Wirtschaftsprobleme
geeignet scheinen.

Sie finden gegenwärtig wachsende politische Unerstutzung.

Weder der Präsident noch der Kongreß oder das amerikanische Volk werden
sich zufrieden geben, wenn es uns nicht gelingt, erhebliche Fortschritte
im Kampf gegen die Inflation, in den Bemühungen um die Stärkung des Dollar
und in der Schaffung einer gesunden Energiewirtschaft zu machen.

DIE AMERIKANISCH-EUROPÄISCHE WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT
Wenngleich es vordringlichste Aufgabe eines jeden von uns ist, für
eine geordnete heimische Wirtschaft zu sorgen, müssen wir uns gleichzeitig gemeinsam um die Aufrechterhaltung unseres wirtschaftlichen Wachstums
bemühen.

AUSSENHANDEL
Es gibt keinen wichtigeren und entscheidenderen Test für unsere
Fähigkeit, uns um der Erreichung wirtschaftlicher Ziele willen zusammenzuschließen, als den erfolgreichen Abschluß der Multilateralen Handelsverhandlungen - noch in diesem Monat.
Während der letzten drei Jahrzehnte haben wir gemeinsam darauf
hingearbeitet, ein offeneres und besser funktionierendes Welthandelssystem zu errichten.

Nunmehr haben wir die Chance, den inzwischen erzielten

�erzielten Fortschritt zu konsolidieren und das Gefüge unserer Handelsbezeihungen weiter zu verbessern.

Im Zuge dieser Bemühungen können wir ein

Außenhandelsklima für die Zukunft schaffen, das von größerer Sicherheit
und Zuversicht gekennzeichnet ist - ein Klima, das eine fortgesetzte
Expansion des Welthandels möglich macht. Wenn wir dabei Erfolg haben, wird
dies allen wirtschaftliche Vorteile bringen. Wenn wir dabei scheitern,
wird dies den wirtschaftlichen Fortschritt, den wir bisher erzielt haben,
in Gefahr bringen.

Ein Scheitern würde die Inflation anheizen, das

wirtschaftliche Wachstum verlangsamen und es den Entwicklungsländern
schwerer machen, angemessen am Welthandel zu partizipieren.

Wenn wir da-

bei scheitern, gefährden wir des weiteren die politische Zusammenarbeit,
die wir unter großen Mühen zustandegebracht haben.
Eines der Hauptziele der Multilateralen Handelsverhandlungen besteht
darin, ein gemeinsam vereinbartes Rahmenwerk hinsichtlich der Gewährung
von Exportsubventionen und der Erhebung von Ausgleichszöllen zu schaffen.
Wenn unser Kongreß im kommenden Monat zusammentrifft, wird der Präsident
gesetzgeberische Maßnahmen zur Verlängerung seiner Befugnis zum Verzicht
auf Ausgleichszölle für den Zeitraum fordern, der für die Verwirklichung
der Vereinbarungen der Tokio-Runde erforderlich sein wird.

Wir werden

Maßnahmen ergreifen, um die zerstörerischen Nebenwirkungen zu vermeiden,
die sich aus dem Auslaufen der genannten Befugnisse am 3. Januar 1979
ergeben könnten.
Unsere Unterhändler in Genf werden darauf bedacht sein, die Erörterungen
noch im Verlaufe dieses Monats zu beenden.

Doch selbst wenn wir Fort-

schritte in Richtung auf ein offeneres und besser funktionierendes Welthandelssystem machen, müssen wir einen Rückfall in den Protektionismus
vermeiden, der alle diesbezüglichen Fortschritte unterminieren könnte.
In jedem Land werden unterschiedliche Gruppen auch weiterhin ihre Regierung auffordern, aus wirtschaftlichen, politischen und sozialen Gründen
in das bestehende Handelssystem einzugreifen.

- 10 -

Unsere Länder sind sich

�sich der Bedeutung der Ablehnung von Forderungen bewußt, die eine wirksame
wirtschaftliche Anpassung an den Wandel behindern.

Unsere Erwiderung

auf derartige Forderungen muß innerhalb des wirtschaftlichen Rahmens
bleiben, den wir gemeinsam geschaffen haben.

Unsere Politik muß eine

positive Anpassung unserer Volkswirtschaften auf veränderliche Bedingungen
erleichtern;

sie darf sie nicht behindern oder die hieraus erwachsenden

Belastungen anderen aufbürden.

DIE EUROPÄISCHE INTEGRATION
über die unmittelbaren Erfordernisse zur Stärkung des Welthandelssystems hinausgehend haben wir alle ein grundlegendes Interesse an der
zunehmenden Rolle der Europäischen Gemeinschaft auf dem Gebiet der Weltwirtschaft. Wir in den Vereinigten Staaten bewundern den Weitblick
jener Männer und Frauen, die an der Aufgabe arbeiten, die Zusammenarbeit
unter den europäischen Ländern zu erweitern und zu vertiefen. Wir begrüßen
diese Entwicklung und fördern sie, weil eine starke Europäische Gemeinschaft
im Interesse Amerikas wie aller europäischen Länder liegt; sie stellt
eine neue dynamische Kraft auf dem Gebiet der internationalen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen dar.
Die neuen europäischen Währungsabsprachen zu einer engeren diesbezüglichen Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Gemeinschaft, die am
5. Dezember bekanntgegeben wurden, stellen einen wichtigen Schritt in
Richtung auf eine wirtschaftliche Integration Europas dar, die wir seit
langem schon unterstützen.

Wir sind der Auffassung, daß die neuen Ver-

einbarungen zu einem vertretbaren Wachstum der Weltwirtschaft und einem
stabilen internationalen Währungssystem beitragen werden.

Die Vereinigten

Staaten freuen sich auf fortgesetzte und enge Konsultationen mit ihren
europäischen Handelspartnern, wenn diese Vereinbarungen in die Praxis
umgesetzt werden.
Generell
- 11 -

�Generell werden die nächsten Jahre für Europa kritische Jahre sein,
da die Gemeinschaft auf eine engere wirtschaftliche Integration hinarbeitet,
ihre Mitgliederzahl vergrößert, erste Direktwahlen für ein europäisches
Parlament abhält und zunehmende Verantwortung für das politische und wirtschaftliche Wohlergehen ganz Europas übernimmt.
Sämtliche Demokratien des Westens unterstützen die Demokratien in
Südeuropa und sorgen sich ihretwegen. Wir in den Vereinigten Staaten achten
das politische Engagement der führenden Politiker der Gemeinschaft, jenen
Ländern den Beitritt freizustellen und die wirtschaftlichen Probleme auf
sich zu nehmen, die die Aufnahme dieser Länder mit sich bringen dürfte.
Als prosperierende westliche Demokratien sollten wir uns der besonderen
Verantwortlichkeit gegenüber den Demokratien in Gebieten bewußt sein, die
von einem Zusammenbruch ihrer Wirtschaft bedroht sind - in jenen Gebieten,
in denen die kurzfristigen Aussichten gering sind, deren Volkswirtschaften
aber bei einiger Unterstützung von außen auf eine gesunde Basis gestellt
und deren langfristige Aussichten verbessert werden können. Es gibt wohl
etablierte Mechanismen zur Gewährung der notwendigen Hilfe: den Weltwährungsfond und die Weltbank. In gewissen Situationen können auch informelle oder ad hoc-Vorkehrungen erforderlich werden. Das Konsortium
zur Unterstützung Portugals liefert ein Beispiel. Länder, die in der Lage
sind, Hilfe zu leisten, sollten ihre Energien und ihre Ressourcen gemeinsam
zur Anwendung bringen. Hilfsmaßnahmen - ehe es zu spät ist - sind eine
Investition in die Zukunft der Freiheit.

DIE AMERIKANISCH-EUROPÄISCHEN BEZIEHUNGEN UND DIE ENTWICKLUNGSLANDER
Wenn wir uns Maßnahmen überlegen, die wirtschaftlichen Bindungen
unter den Entwicklungsländern zu stärken, dürfen wir die Tatsache nicht
übersehen, daß unsere Interessen - und unsere Verantwortung - dort nicht
- 12 -

�nicht enden.

Wenn wir dem Wunsch unserer Bürger nach wirtschaftlicher

Sicherheit und einem steigenden Lebensstandard Rechnung tragen wollen,
erfordert dies, daß wir nachdrücklicher als bisher auf die Hoffnungen
und Wünsche der Völker der Entwicklungsländer eingehen.

Ihr wirtschaftliches

Wohlergehen ist im steigenden Maße Voraussetzung für unser eigenes Wohlergehen.
Zusammengenommen entfällt etwa ein Drittel des gesamten Außenhandels
der OECD-Mitglieder auf Entwicklungsländer. Diese sind heute die am
raschesten expandierenden Märkte für Exporte der Industriestaaten - Märkte,
von denen Millionen von Arbeitsplätzen in unseren Ländern abhängen.
Die Entwicklungsländer liefern uns wichtige Rohstoffe, und wir bedürfen
ihrer Mitarbeit, um so weltweite kritische Probleme wie das der Energieund Nahrungsmittelvorsorgung zu lösen.
Kurz gesagt, können wir ein starkes internationales Wirtschaftssystem
nicht ohne anhaltende wirtschaftliche Fortschritte in den Entwicklungsländern aufbauen.
Wir müssen deshalb gemeinsam ideologische Debatten beiseite lassen,
die vielfach die Beziehungen zwischen den Entwicklungsländern und Industriestaaten charakterisieren.
ergreifen, um

Wir müssen praktische und konkrete Maßnahmen

den grundlegenden Ansprüchen von rund 800 Millionen Menschen

gerecht zu werden, die in absoluter Armut leben.
Es gibt keine wichtigere Aufgabe in bezug auf das langfristige Wohlergehen der Welt, unsere politische Sicherheit und unsere Wertvorstellungen
als freie Völker als mit den Entwicklungsländern zusammenzuarbeiten, um
deren wirtschaftlichen Fortschritt zu fördern.
Probleme der Sicherheit

- 13 -

�PROBLEME DER SICHERHEIT
Grundlage unserer Prosperität ist die Zuversicht in bezug auf unsere
eigene Sicherheit.

Diese Sicherheit wiederum hängt im wesentlichen ab von

der Aufrechterhaltung starker Streitkräfte;
der Beziehungen des Westens zur Sowjetunion;

von der wirksamen Gestaltung
von den Bestrebungen zur

Begrenzung und Verminderung der Rüstungen sowohl im Osten als auch im Westen;
und von der Stärkung der atlantischen Partnerschaft.
Wir können in der anhaltenden Steigerung der sowjetischen Militärprogramme und Dislozierungen von Waffen Anlaß zur Sorge erblicken.

Wir

können aber auch in den Schritten, die wir innerhalb des Bündnisses unternehmen, um das militärische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, Anlaß zur
Zuversicht sehen.
Seit einigen Jahren schon ist die zentrale Tatsache der Weltsicherheit
die strategische nukleare Parität zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion. Wir und unsere Partner sind mit dieser Lage fertig geworden,
ohne uns die Abschreckung oder den Willen dazu von irgendwelcher Seite
diktieren zu lassen.
Die Tatsache der strategischen Parität besteht weiter fort. So wie
wir sowjetischen Verstärkungen gleiches entgegensetzen, so müssen wir
annehmen, daß die Sowjets entschlossen sind, mit uns gleichzuziehen. Deshalb würde das Streben nach Überlegenheit der einen wie der anderen Seite
in Frustration, Verschwendung und einer Erhöhung der Spannungen und
letzten Endes in einer Verminderung der Sicherheit aller enden.
Unsere gemeinsame Sicherheit beruht auf drei grundlegenden Prinzipien:
Erstens, so wie wir im Hinblick auf Maßnahmen der Sowjetunion wachsam
bleiben müssen, so müssen wir auch bereit sein, Bereiche gemeinsamer

- 14 -

�gemeinsamer Interessen zu erkunden und auszuweiten.

Wollten wir unseren

Befürchtungen gestatten, die Notwendigkeit zu überschatten, nach gemeinsamen Boden zu suchen, hieße das, uns selbst dazu verurteilen, in fortgesetzter Spannung zu leben. Wir dürfen aber auch unserem Wunsch nach
besseren Beziehungen nicht gestatten, uns zu Vereinbarungen zu veranlassen,
die unsere nationalen Interessen nicht angemessen schützen.
Zweitens müssen wir bereit sein, alles zu tun, was notwendig ist,
um unsere Sicherheit zu gewährleisten - auch wenn wir der Aufrechterhai tung eines Gleichgewichts auf niedrigerem Niveau den Vorzug gegenüber einer weiteren Aufrüstung geben. Sowohl der Weg zu militärischer
Stärke als auch der zur Beschränkung der Rüstungen spielen in der Geschichte
des Sicherheitsstrebens der NATO eine zentrale Rolle.
Die Beschränkung der Rüstungen ist ein schwieriges und frustrierendes
Unterfangen. Unsere Zielsetzungen und unsere Bemühungen werden zwangsläufig Kritik auslösen - bei einigen, deren Auffassung nach wir ein zu
geringes Maß an Abrüstung erreicht haben, und bei anderen, die da meinen,
die Sowjets zögen Vorteile aus Rüstungskontrollabkommen. Wir sollten
uns realistisch klarmachen, was wir zu erreichen suchen. Rüstungskontrolle
kann den militärischen Wettstreit nicht beenden. Wir können - und wir tun
dies auch - Rüstungsbeschränkungen aber dazu benutzen, der Rüstungsausweitung eine Obergrenze zu setzen. Zu diesem Zweck können wir den schwierigen
Prozess des Rüstungsabbaus und qualitativer Beschränkungen in Angriff
nehmen und den hierzu erforderlichen Dialog in Gang halten.
Die Rüstungskontrolle, richtig verstanden und klug angewendet, ist
eine weitere Möglichkeit - eine ergänzende Möglichkeit -, um nach Sicherheit zu streben. Unsere Unfähigkeit, alles sofort zu Erreichen, sollte
uns nicht davon abhalten, jene bedeutsamen Schritte zu unternehmen, die
wir verwirklichen können.
Drittens, wenn die Vereinigten Staaten auch hinsichtlich der mi 1i- 15 -

�tärisehen Stärke unübertroffen bleiben werden, so müssen wir uns doch alle
immer darüber im klaren sein, daß unsere Sicherheit kollektive gemeinsame
Anstrengungen erfordert und daß unsere Verteidigung unteilbar ist.

Als

Bündnis teilen wir uns in die Lasten und Risiken einer gemeinsamen Verteidigung.

Die westliche Stärke - in rein militärischem wie auch in einem

weiteren Sinn - hängt von der

Qualität unserer Partnerschaft und von unserem

Selbstvertrauen in bezug auf die Zukunft ab.
Diese fundamentalen Grundsätze bestimmen unsere Sicherheitsentscheidungen.
Ein Blick auf die aktuelle militärische Situation und auf die Tendenzen
sowie darauf, wie die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten mit dem
Sachverhalt der strategischen Parität zurechtkommen, zeigt, daß wir vor
großen Herausforderungen stehen - und wir begegnen ihnen durch kooperative
Maßnahmen.
Die strategischen Modernisierungspläne der USA umfassen die Land-,
See- und Luftkomponenten unserer Streitkräfte. Wir entwickeln eine neue
ballistische Interkontinentalrakete (ICBM), und Optionen für eine neue
ICBM-Stationierung werden gegenwärtig intensiv geprüft, damit wir die
beste unter verschiedenen Alternativen auswählen können. Wir werden
im nächsten Jahr eine neue Unterseebootgestützte Rakete dislozieren, und
wir bauen ein neues strategisches Unterseeboot. Bei uns läuft ein
intensives Programm für Marschflugkörper, das nicht nur die luftgestützte
Version, sondern auch see- und landgestützte Versionen umfaßt. Diese
Programme werden sicherstellen, daß die Stärke des Bündnisses auch weiterhin
ausreichend sein wird, um vor Angriffen abzuschrecken und um unsere gemeinsamen Interessen zu schützen.
SALTistein weiteres Instrument zur Stärkung der Sicherheit.
-

Mit SALT I und dem Vertrag über Abwehrraketen (ABM) begann der
wichtige Prozeß der Begrenzung der strategischen Rüstung. Ohne

- 16 -

�Ohne diese Abkommen wären wir zusätzlich zu einem unbegrenzten
Wettrüsten auf dem Gebiete der Offensivwaffen auch noch in ein
Wettrüsten auf dem Gebiet der Defensivwaffen geraten.
-

SALT II wird eine wesentliche Dämpfung des Tempos des Wettrüstens
auf dem Gebiet der strategischen Waffen bedeuten.

Angesichts

einer geregelteren und vorhersehbareren Zukunft werden wir mehr Aufmerksamkeit, Talente und Ressourcen der Verbesserung der konventionellen sowie der Gefechtsfeld-Nuklearstreitkräfte der NATO widmen
können.
-

SALT II wird den Grundsatz der zahlenmäßigen Parität der strategischen
Trägerraketen festlegen.

-

Und es wird die Zahl der Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen begrenzen, die der Stabilität potentiell den
größten Schaden zufügen können.

Gleichzeitig wird SALT II in keiner Weise die Streitkräfteprogramme
ausschließen,die gegenwärtig laufen, um den Gefahren zu begegnen, die
selbst bei einem Abkommen bestehen bleiben.

Wir haben uns alle unsere

wesentlichen strategischen Streitkräfteoptionen vorbehalten.

Andere

Programme, die die Abschreckung der NATO stärken, können weitergeführt
werden.

Die Interessen der Verbündeten sind geschützt worden, weil die

alliierten Interessen auch unsere Interessen sind.
Lassen Sie mich nachdrücklich unterstreichen, daß sowohl bei unseren
Verteidigungsbemühungen als auch bei unseren Rüstungskontrollverhandlungen
es unser grundlegendes Ziel ist, die Sicherheit der Vereinigten Staaten
und die unserer Verbündeten zu stärken. Dies war und wird immer der Grundpfeiler unserer Politik bleiben.
Deswegen

- 17 -

�Deswegen befassen wir uns mit SALT - weil ein gesundes Abkommen die
westliche und auch die globale Sicherheit verbessern wird.

Ohne ein

Abkommen würde unsere technologische und wirtschaftliche Stärke uns in
den Stand setzen, jedem sowjetischen strategischen Aufbau zu begegnen.
Aber ein gutes Abkommen kann mehr Sicherheit bei weniger Risiko und weniger
Kosten gewähren. Und wir sind uns darüber im klaren, daß ohne SALT der
strategische Wettstreit das gesamte politische Ost-West-Verhältnis
infizieren könnte, wobei die Bemühung zur Schaffung einer weniger gefährlichen Welt Schaden nehmen würde, die ein Kernstück der westlichen
Außenpolitik ist.
Da sich abzeichnende SALT II-Abkommen wird nicht alle unsere Probleme
lösen.

Es wird beispielsweise nicht den Trend zu einer verstärkten

Verwundbarkeit der festen landgestützten Raketen umkehren - ein Problem,
das sich auf lange Sicht für beide Seiten stellt. Die notwendige
strategische Streitkräftemodernisierung muß und wird vorangehen, genauso
wie der SALT-Prozeß vorangehen muß und wird.

In SALT III werden wir

dann um weitere Reduzierungen und qualitative Begrenzungen bemüht sein.
Wir können nicht den Umgang mit der strategischen Parität erörtern,
ohne die Frage in den Griff zu bekommen, wie die NATO auf Verbesserungen
der sowjetischen Nuklearstreitkräfte reagieren soll, die gegen Europa
gerichtet sind. Obwohl die Bindung an die amerikanischen strategischen
Streitkräfte die letztliche Abschreckung der NATO bleibt, müssen die
Sowjets begreifen, daß wir es nicht zulassen werden, daß an irgendeinem
Punkt in der Substanz unserer Abschreckung, einschließlich der nuklearen
Gefechtsfeldstreitkräfte»eine Schwächung eintritt. Bei uns laufen verschiedene nukleare Gefechtsfeld-Modernisierungsprogramme. Wir prüfen
die Frage, ob Rüstungskontroilanstrengungen von Nutzen sein könnten.
Obwohl keine Entscheidungen hinsichtlich der Streitkräfteerfordernisse
oder der Rüstungskontrolle gefällt worden sind, konsultieren wir uns
innerhalb des Bündnisses intensiv, um einen gemeinsamen Plan auszuarbeiten,
Im Bereich
- 18 -

�Im Bereich der konventionellen Waffen schreitet die Verstärkung
der sowjetischen Streitkräfte weiter voran. Auch hier ergreift der
Westen wirksame Gegenmaßnahmen.

Auf dem Gipfeltreffen in Washington

vom Mai 1978 kam eine Einigung auf ein Langfristiges Verteidigungsprogramm
zustande, das die Fähigkeit der NATO verbessern soll, als Verteidigungsbündnis zu handeln.

Die NATO erkennt der Verstärkung der konventionellen

Streitkräfte höchste Priorität zu.

In den letzten Jahren haben die

Vereinigten Staaten ihre Streitkräfte in Europa um rund 10 000 Mann
verstärkt.

Die NATO unernimmt umfassende und enschlossene Bemühungen,

um die Kampfkraft und die Fähigkeit zu einer anhaltenden Verteidigung
zu steigern.

In kluger Weise legen wir den Schwerpunkt auf Verbesserungen,

die sich aus unserer kollektiven technologischen Stärke ergeben und die zu
einer größeren Kampfkraft der Streitkräfte statt lediglich zu deren
Vergrößerung führen.

Viele dieser Schritte sind nicht sehr augenfällig;

sie machen keine Schlagzeilen.
Maßnahmen eines

Es handelt sich aber um ernst zu nehmende

ernst zu nehmenden Bündnisses, das entschlossen ist, alle

ihm zu Gebote stehenden Ressourcen und seine ganze Willenskraft auf den
Aufbau einer verbesserten gemeinsamen Verteidigung zu verwenden.
Auch hier sind wir darauf bedacht, Beschränkungen auf paritätischer
Basis auszuhandeln. Das Jahr 1978 hat im Zuge der inzwischen fünf Jahre
dauernden Verhandlungen auf beiden Seiten über eine beiderseitige und
ausgewogene Truppenreduzierung (MBFR) einige Bewegung erbracht. Die
Sowjets zu einer Vereinbarung über die Verminderung der Streitkräfte
auf gleiche kollektive Stärken zu bewegen, ist weitere anhaltende Anstrengungen wert. Wir wollen hoffen, daß die Erreichung eines Abkommens
über die Beschränkung der strategischen Waffen auch den MBFR-Verhandlungen
neue Impulse geben wird.
Selbstverständlich greifen die Sicherheitsüberlegungen und - interessen des Westens über die NATO hinaus. Wir müssen uns auch fragen,
ob wir in einem Zeitalter der strategischen Parität im Wettstreit mit

- 19 -

�mit der Sowjetunion in der Dritten Welt nicht inzwischen ins Hintertreffen
geraten sind.

Die Antwort lautet nein.

Auch wenn die Fähigkeit der

Sowjets zur Anwendung militärischer Macht inzwischen zugenommen hat, so
verfügen die Vereinigten Staaten nicht nur über überlegene Seestreitkräfte
und andere militärische Machtmittel, sondern erfreuen sich auch wirtschaftlicher und politischer Vorteile.
Wir begrüßen auch den Geist zunehmender nationaler Unabhängigkeit in
den Entwicklungsländern.

Sie haben aus mehrfachem Anlaß ihre Entschlossenheit

und Fähigkeit bewiesen, der Beherrschung durch Drittmächte zu entgehen.
Seit 1960 entstanden im Zuge der Entkolonialisierung, die sich
nunmehr ihrem Abschluß nähert, 65 neue Länder mit sehr unterschiedlichen
politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systemen. In diesen Jahren
war der Einfluß von außerhalb in den einzelnen Ländern und zu verschiedenen
Zeiten verschieden stark ausgeprägt. Zu der ständigen Ausweitung des
kommunistischen Einflusses, die viele Kreise einstmals befürchtet hatten,
ist es aber nicht gekommen.
Die Vielfalt und der unaufhörliche Wunsch nach nationaler Freiheit
in den Ländern der Dritten Welt sind die sichersten Schranken gegen
ausländische Beherrschung. Wir können unsere eigenen Interessen in diesen
Gebieten der Welt am ehesten dadurch fördern, daß wir diese Vielfalt
begrüßen und diesen Geist achten.
Die Bindungen zwischen dem Westen und der Dritten Welt auf den
Gebieten der Wirtschaft, der Politik, der Kultur und der Sicherheit sind
geeignet, den Geist der Unabhängigkeit wach zu halten.

Wir müssen die

Bindungen zu ihnen stärken - indem wir auch weiterhin die wirtschaftliche
Entwicklung und notfalls auch die militärische Sicherheit dieser Länder
durch unsere Hilfe fördern;

indem wir die Sowjets und ihre Verbündeten

drängen, in Krisengebieten Zurückhaltung zu üben;

- 20 -

und indem wir darauf

�darauf hinarbeiten, Streitfälle, die Gelegenheit für das Eingreifen
ausländischer Mächte liefern, auf diplomatischem Wege zu lösen.

Langfristig ist es die Fähigkeit des Westens, den Nationalismus,
den Wunsch nach Selbstbestimmung und das wirtschaftliche Wachstum der
Länder der Dritten Welt praktisch zu unterstützen, die uns Anlaß zur
Zuversicht hinsichtlich unserer künftigen Beziehungen zu diesen gibt.

ZUSAMMENFASSUNG

Auf jedem von mir heute angesprochenen Gebiet - auf wirtschaftlichem,
politischem und militärischem Gebiet mithin - sehen wir uns vor außergewöhnliche Herausforderungen gestellt.

Gemeinsam aber stehen Amerika und

Europa auch die außerordentlichen Ressourcen zur Verfügung, derer wir
bedürfen, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden.

Die physischen, industriellen und technologischen Hilfsquellen
unseres Bündnisses sind ohnegleichen.

Wenn wir den Willen zeigen, unsere

Volkswirtschaften mit dem Mut zum Risiko weiterzuentwickeln,und unsere
Verteidigung mit Entschlossenheit aufrechterhalten, können wir eine
Welt größerer Sicherheit und Stabilität schaffen.

Und diesen Willen

haben wir durchaus.
Letztlich wird unser Bündnis nicht lediglich durch das zusammengehalten, was wir ablehnen, sondern durch das, wofür wir eintreten.

Unsere

größte Stärke sind eben jene Bande, die uns so eng miteinander verknüpfen.

Diese Bande beruhen auf unseren gemeinsamen Vorstellungen von den
Rechten und der Würde des einzelnen Menschen, von politischer Gerechtigkeit
und von der Freiheit für alle Menschen.
Die Verhandlungen

- 21 -

�Die Verhandlungen, die wir gegenwärtig führen, und die Politik, die
wir verfolgen, würden jeglichen Sinnes entbehren, wenn wir unsere Außenpolitik nicht in Übereinstimmung mit diesen grundlegenden Wertvorstellungen
unserer Völker betreiben wollten.
Winston Churchill sprach einst von der Notwendigkeit, zusammenzustehen und "die größeren Hoffnungen der Menschheit entschlossen zu verwirklichen."
Das zu tun, ist heute wie einst unsere größte Aufgabe.

+ + + + +

- 22 -

�1

1

I
29

Wirt/choft

rrl

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Dezember 1978

GUTE AUSSICHTEN FÜR DEN US-DOLLAR UND DEN US-HANDEL
Interview mit dem Chefberater des US-Handelsministeriums

Der leitende Wirtschaftsberater des
amerikanischen Handelsministeriums,
Courtenay Slater, hat in einem
Exklusiv-Interview mit dem Wirtschaftskorrespondenten des US-Amtes für
Internationale Kommunikation (USICA),
John J. Harter, die Aussichten für
den US-Dollar und den amerikanischen
Handel im kommenden Jahr als günstig
beurteilt. Nachfolgend der Wortlaut
des Interviews:
Frage: Können Sie uns etwas darüber sagen, in welchem Umfang sich
die amerikanische Handelsbilanz Ihrer Ansicht nach im kommenden Jahr verbessern wird?
Antwort: Unsere Experten rechnen damit, daß die Bilanz der laufenden
Konten - d.h. die Bilanz in Dienstleistungen und Gütern - sich im kommenden
Jahr um mindestens ein Drittel verbessern wird. Manche halten sogar eine
noch weitgehende Verbesserung für möglich. Es sind bereits wesentliche

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�wesentliche Verbesserungen eingetreten, wie die Handelsstatistiken der
letzten sechs Monate im Vergleich zum ersten Quartal dieses Jahres (1978)
zeigen.
Frage:

Können Sie einige der wesentlichen Faktoren nennen, die zu

einer Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz im nächsten Jahr oder
in den nächsten zwei Jahren beitragen?
Antwort:

Wenn ich sie in eine Rangfolge stellen müßte, dann kämen

an erster Stelle die verbesserten Wachstumsaussichten in Europa und bei
unseren anderen wichtigen Handelspartnern.

Der Gesamtumfang der ameri-

kanischen Exporte hängt sehr stark von der Fähigkeit dieser Länder ab,
unsere Waren zu kaufen, und diese Aussichten scheinen sich zu verbessern.
Die Vorbestellungen für unsere Exporte haben in den letzten Monaten sehr
stark zugenommen.
Ferner werden unsere Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation, die wir
gerade eingeführt haben - und an deren Wirksamkeit wir glauben -, den
Preisanstieg in unserem eigenen Lande in Grenzen halten, was zur Korrektur
unserer Handelsbilanz und dazu beitragen wird, daß unsere Exporte wettbewerbsfähig bleiben. Die jüngsten Veränderungen des Wertes des Dollar
im Verhältnis zu starken ausländischen Währungen werden unsere: Exporte
wettbewerbsfähiger und unsere Importe teurer machen. Auch das wird ein
wichtiger Faktor sein, der zur Korrektur unserer Handelsbilanz beitragen
wird.
Und schließlich haben wir eine Vielfalt wirtschaftspolitischer
Maßnahmen eingeführt, um die Exporteure zu ermutigen.

So gibt es ein

besonderns aktives Programm mit Japan zur besseren Erforschung des Marktes
dieses Landes, und wir rechnen mit einer Bereitschaft Japans, mehr Güter
aufzunehmen als in der Vergangenheit.
Frage:

Wenn man einige der längerfristigen Faktoren betrachtet,

- 2 -

�betrachtet, die sich auf die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Güter
auf internationalen Märkten auswirken, glauben Sie dann, daß amerikanische
Firmen unzureichend in modernen Fertigungsanlagen investiert haben?
Antwort:

In gewissem Sinne muß ich diese Frage bejahen.

Die Investitions-

tätigkeit war schleppend wegen der Rezession, die 1974-75 sehr stark war die schlimmste seit 40 Jahren.

Es J$t nicht überraschend, daß sie dem Ver-

trauen der Wirtschaft einen Stoß versetzt hat. Die Vereinigten Staaten
sind hier nicht das einzige Land, in dem das geschah.

Auch andere Länder

haben diese Erfahrung gemacht, und auch in Westeuropa und in anderen
Industrieländern war die Investitionstätigkeit schleppend.
Aber wir treten jetzt in ein wirtschaftliches Klima ein, in dem die
Raten der Kapazitätsausnutzung steigen und die bestehende Produktionskapazität, wenn auch noch nicht auf dem höchsten Stande, aber doch soweit
ausgenutzt wird, daß Neuinvestitionen für die Unternehmen wieder verlockend
erscheinen. Ich bin überzeugt, daß die Investitionstätigkeit anziehen
wird, wie sich schon aus den jüngsten Statistiken ablesen läßt. Ein
wachsender Anteil der Investitionen geht in Neubauten und neue Fabrikationsanlagen, während in der früheren Phase des Wiederaufschwungs die meisten
Investitionen in die Erneuerung von Gerät bestehender Anlagen, Lagerbeständen und Motorfahrzeugen gingen. Ich glaube, die schwache Investitionstätigkeit war in erster Linie ein zyklisches Phänomen, das aus der Rezession
herrührte, und kein langfristiger Anti-Investitionstrend.
Frage:

Wie sehen Sie die langfristigen Aussichten für die Investitionen?

Antwort:
schwung.

Ich rechne für die achtziger Jahre mit einem weiteren Auf-

Die Gesamtzahl der verfügbaren Arbeitskräfte wird dann lang-

samer zunehmen, weil wir nicht die starken Jahrgänge haben werden wie in
den siebziger Jahren.

Wenn nicht mehr so viele junge, relativ niedrig

bezahlte ungelernte Arbeitskräfte auf den Markt drängen, dann wird sich der
Schwerpunkt auf Rationalisierungsinvestitionen verlagern.

- 3 -

Der Kongreß

�Kongreß hat gerade eine neue Steuergesetzgebung verabschiedet - und zwar
mit breiter InterStützung, die ein günstigeres Klima für Investitionen
schafft.

Diese und andere Aspekte lassen für die achtziger Jahre ein

günstiges Investitionsklima erwarten.
Frage:

Die Vereinigten Staaten haben in weiten Bereichen der

Technologie immer einen Vorsprung gehabt.

Haben wir diesen Vorsprung

noch?
Antwort:

Wir haben immer noch auf einigen Gebieten der Technologie

einen Wettbewerbsvorsprung, aber wir leben in einer Welt, in der
Information frei und rasch von einem Land zum andern fließt.

Wir können

eine solche Welt ohne weiteres begrüßen und fördern, denn unser Lebensstandard - und der Lebensstandard sonstwo in der Welt - hängt von der
Innovation und der Entwicklung neuer Technologien ab.

In einer solchen

Welt werden wir nicht mehr den Vorsprung haben, daß wir etwas erfinden und
dann glauben, wir könnten das auf Jahre hinaus für uns allein behalten.
Wir leben in einer Welt der Konkurrenz.

Und das ist auch gut so, denn

diese verstärkte weltweite Konkurrenz hält unsere Wirtschaft auf Trab,
und das kommt wieder dem amerikanischen Verbraucher zugute.
Aber nicht alle Leistungsfähigkeit und Innovation in der Produktion
kommt von der Technologie, der technologischen Innovation oder der Erfindung neuer Maschinen.. Einige der wichtigsten Fortschritte entstehen
aus einem besseren und leistungsfähigeren Management, besser ausgebildeten
Arbeitskräften und rationellerer Nutzung der Arbeitskraft - und ich glaube,
auf diesen Gebieten des Wettbewerbs brauchen sich die Vereinigten Staaten
nicht zu fürchten.
Frage:

Glauben Sie, daß die Regierung alles tut, was sie kann und

tun sollte, um der amerikanischen Industrie zu helfen, auf dem Weltmarkt
wettbewerbsfähig zu bleiben?
Antwort:
- 4 -

�Antwort:
wirtschaft.

Ich bin ein nachdrücklicher Verfechter der freien MarktIch meine, es gibt strikte Grenzen für das, was die Regierung

tun kann und soll, um die Wirtschaft zu unterstützen.

Das wichtigste,

was wir tun müssen, ist, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die
Wirtschaft selbst helfen kann, und der wichtigste Weg, um das zu erreichen,
ist der, den Anteil der Regierung an der Wirtschaft zu begrenzen.
tun wir.

Das

Die Regierungsausgaben gehen gemessen am Prozentsatz des Brutto-

sozialprodukts zurück.

Der Anteil ist bei uns beträchtlich geringer als

in den meisten anderen Ländern, einschließlich der demokratischen Länder
Westeuropas mit einer "gemischten" Wirtschaft. Wir tun das auch auf dem
Gebiet der staatlichen Verordnungen, wo wir, wie ich meine, dem Unternehmer klarmachen müssen, welches die Spielregeln sind und daß sich die
Spielregeln nicht ständig ändern. Wir arbeiten an diesem Problem, und
werden dieses Problem hoffentlich lösen können.

Wenn wir eine solche

Atmosphäre schaffen, dann hat der Unternehmer ein ausreichendes Maß an
Gewißheit und Sicherheit und einen ausreichenden Spielraum.

Das ist

eine sehr viel konstruktivere Methode der Förderung des Wettbewerbs in
der Wirtschaft als direkte Subventionen und direkte Programme.
Natürlich verfügen wir über wichtige Informationsprogramme für die
Wirtschaft. Das Handelsministerium stellt Informationen über Exportmöglichkeiten zur Verfügung, hilft bei Exportvereinbarungen und leistet
Unterstützung durch unsere Handelsattaches im Ausland und unsere Handelsbüros in den Vereinigten Staaten selbst. Diese Art der Unterstützung
ist durchaus angebracht und für die Wirtschaft sehr wertvoll. Aber nach
meiner Überzeugung sollten direkte Subventionen oder finanzelle Unterstützungen für die Wirtschaft in sehr engen Grenzen gehalten werden.
Frage: Welche wirtschaftliche Bedeutung haben die zunehmenden
Importe von Fertigwaren aus Entwicklungsländern nach den USA?
Antwort:
klima.

Das ist sicherlich ein wichtiger Faktor im Wettbewerbs-

Dabei geht es, allgemein gesprochen, meist um einfachere Fertig-

- 5 -

�Fertigwaren - wie Textilien, Tennisschuhe und andere relativ einfache
und billige Erzeugnisse - also Waren, die in Konkurrenz zu Erzeugnissen
unserer einheimischen Industrien stehen, die kurzfristig gesehen am wenigsten
in der Lage sind, mit einer solchen wachsenden Konkurrenz fertig zu werden.
Das wirft natürlich für uns sehr schwierige wirtschaftliche und politische
Fragen im eigenen Lande auf.
Wir begrüßen diese Einfuhren trotzdem aus verschiedenen Erwägungen»
Sie versorgen unsere Verbraucher mit Waren, die sie zu dem niedrigst
möglichen Preis kaufen wollen.

Und die Entwicklungsländer brauchen ganz

offensichtlich die Arbeitsplätze und die Einnahmen, die sich aus diesen
Waren ergeben.
Auf der anderen Seite verursacht das eine Reihe sehr schwieriger
Anpassungsprobleme für einige unserer Industriezweige. Wir versuchen,
dieses Problem zu bewältigen, und das wird noch einige Jahre dauern,
bis wir neue Arbeitsplätze und unternehmerische Chancen für die durch aiese
Importe aus dem Geschäft gedrängten Arbeitnehmer und Arbeitgeber geschaffen
haben.
Ich darf hinzufügen, daß all diese Anpassungen bei einer Hochkonjunktur
leichter zu bewältigen sind, wenn allgemein ein hoher Beschäftigungsstand herrscht und es sehr viel leichter ist, neue Arbeit zu finden.
Frage: Die amerikanischen Exporte nach Entwicklungsländern haben
in den letzten Jahren ebenfalls in augenfälliger Weise zugenommen,, Hängt
das mit den steigenden Einfuhren aus diesen Ländern zusammen?
Antwort:

Sicherlich!

Es ist keine Frage, daß die besten Interessen

der amerikanischen Wirtschaft in einer Ausweitung des Handels, vor allem
mit den Entwicklungsländern, liegen. Dort liegt das größte Potential für
eine Ausweitung.

Die Entwicklungsländer werden unsere großen Märkte

der Zukunft sein.
Frage:

�Frage:

Hätte ein weiteres Wachstum und eine weitere Industrialisierung

in jenen Ländern eine positive oder negative Gesamtauswirkung auf die
amerikanische Handelsbilanz?
Antwort: Ich kann nicht sagen, was für eine Auswirkung das auf
unsere Handelsbilanz generell hätte, aber das ist ein etwas engstirniger
Aspekt der Frage. Die laufenden Konten brauchten keineswegs unmittelbar
berührt zu sein, denn selbst wenn unser Handel an Gütern und Waren nicht
ausgeglichen wäre, dann würden andere Formen des wirtschaftlichen Austausches
einen Ausgleich schaffen. Was wir nicht durch den Verkauf von Waren
verdienen, werden wir durch den Verkauf von Dienstleistungen oder aus
Investitionserträgen verdienen. Der Ablauf der Weltwirtschaft verlangt
das einfach. Wenn es nicht zu derzeitigen Wechselkursen geschieht, dann
werden sich die Kurse so lange ändern, bis es eintritt. Die relevantere
Frage ist daher, ob wir ein reicheres Land mit einer größeren Auswahl
an Gütern werden, weil wir mit einer Vielfalt anderer starker Länder
Handel treiben. Das ist das Ziel, auf das wir hinarbeiten. Es geht nicht
immer alles glatt und schön. Auf dem Wege gibt es Anpassungsprobleme, und
manche davon werden sehr ernst sein. Eine solche Art des Fortschritt und
der Entwicklung zu neuen wirtschaftlichen Verhältnissen kommt stufenweise,
und auf jeder Stufe gibt es Probleme. Aber wir sollten in unseren Anstrengungen nicht nachlassen, denn es liegt in unserem langfristigen
Interesse wie auch im Interesse der Weltwirtschaft.

Frage:
Antwort:

Wie sind die gegenwärtigen Aussichten für den Dollar?
Der Wert des Dollar gegenüber anderen wichtigen Währungen

ist in den letzten Wochen beträchtlich gestiegen, seit die amerikanische
Regierung und die amerikanische Bundesbank politische Maßnahmen zur
Stärkung des Dollar ergriffen haben.

Ich gehe davon aus, daß der Anstieg

des Wertes des Dollar anhalten wird.
Nach unserer Auffassung war der Dollar zu weit gefallen, als es den

- 7 -

�den zugrundeliegenden wirtschaftlichen Faktoren entsprochen hätte. Der
jüngste Anstieg des Dollar auf den Devisenmärkten scheint die entsprechende
Korrektur zu sein.
Zu den fundamentalen Faktoren, die zur Abschwächung des Dollar
geführt hatten, gehörte unter anderem das unterschiedliche Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten im Vergleich zu anderen Ländern
in den Jahren 1975, 1976,und 1977 - sowie die Tatsache, daß die Vereinigten
Staaten wie andere Industriestaaten heute viel mehr für die öl Importe
ausgeben als früher.

In neuerer Zeit haben unterschiedliche Inflationsraten

das Problem weiter kompliziert»

Wenn man einen etwas längeren Zeitraum

betrachtet - wenn man beispielsweise die ganzen siebziger Jahre nimmt dann stellt man fest, daß die Vereinigten Staaten kein ernsteres Inflationsproblem hatten als di'e meisten anderen Länder,

Wenn man jedoch nur 1977

herausgreift, dann stellt man fest, daß die Preissteigerungsraten höher
waren, vor allem im Vergleich zur Bundesrepublik Deutschland.

Dieser Unter-

schied in der Inflationsrate mußte durch Veränderungen der Wechselkurse
ausgeglichen werden.
Aber selbst wenn man das alles zusammenrechnet, dann erklärt es
trotzdem nicht ein so tiefes Absinken des Dollarkurses, wie es tatsächlich
eingetreten ist»

Hier spielten auch einige kurzfristige Faktoren eine

Rolle - vielleicht kann man von Spekulation sprechen.

Wir sind jedoch der

Meinung, daß sich die Handelsbilanz verbessern und der Wert des Dollar
sich weiter stabilisieren und vielleicht sogar steigen wird.

+ + + + +

-8-

�29

13. Dezember 1978

SALT II DIENT DER NATIONALEN SICHERHEIT
- von Senator Gary Hart -

Senator Gary Hart gehört der Demokratischen Partei an und vertritt
den Staat Colorado (sein Sitz stand
am 7. November 1978 nicht zur Wahl).
Er wird im neuen Kongreß, der im
Januar 1979 zusammentritt, sicherlich
einer der Befürworter eines SALTVertrages sein.

Seit Jahren unterliegt die öffentliche Diskussion über Nutzen und
Nachteil der Verhandlungen über die Begrenzung strategischer Rüstungen
(SALT) in den meisten Fällen einem Trugschluß.

Kritiker wie Anhänger

von SALT gehen im allgemeinen davon aus, daß,um für SALT eintreten zu
können, man eine vertrauensvollere Haltung gegenüber der Sowjetunion,
eine optimistischere Interpretation ihrer Motive sowie die Bereitschaft
zeigen müsse, die eigenen strategischen Streitkräfte, sei es durch Vertrag
oder sei es durch einseitige Entscheidung, zu begrenzen.

Bei Kritikern

wie Anhängern von SALT gilt in gleicher Weise, daß, falls man den

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�den sowjetischen Motiven und Aktionen gegenüber skeptisch sei und eine
starke amerikanische Sicherheitspolitik befürworte, man notwendigerweise
gegen ein SALT-Abkommen sein müsse.
Ich behaupte nun, daß es im Sinne einer starken nationalen Sicherheitspolitik für unsere Nation - wenn man sie richtig versteht - notwendig
ist, die SALT-Verhandlungen ganz allgemein und dieses Paket der SALT-IIAbmachungen im besonderen zu unterstützen.

Diese Behauptung möchte ich in

verschiedener Hinsicht begründen:
Erstens, je pessimistischer man hinsichtlich des anhaltenden sowjetischen
strategischen Aufbaus ist, um so wichtiger ist es, daß dieser Aufbau
durch SALT II

nach oben hin begrenzt wird.

Da durch den Vertrag die

sowjetische strategische Streitmacht auf die gleiche Größe wie die
unsrige begrenzt wird und zwar nicht nur insgesamt,sondern auch in bezug
auf verschiedene wichtige Unterkategorien, so werden die Sowjets dadurch
gezwungen sein, zwei- bis dreihundert Nuklearwaffen, die jetzt auf unser
Land gerichtet sind, abzurüsten.

Auch wenn es sich bei diesen Waffen sehr

wahrscheinlich um die älteren Typen handeln wird, so bedeutet dies dennoch
eine Reduzierung ihrer Streitkräfte um zehn Prozent.
Hinzu kommt,daß die Sowjets ohne die durch SALT festgesetzten Höchstgrenzen nach den Schätzungen unserer Nachrichtendienste mehrere hundert
weitere Waffen bauen und bis 1985 in ihre Streitkräfte eingliedern würden.
Je mehr man also wegen des sowjetischen Rüstungsaufbaus besorgt ist,
umso nützlicher und sinnvoller erweisen sich die durch SALT festgesetzten
Begrenzungen vom Standpunkt der nationalen Sicherheit.
Zweitens, SALT II wird wahrscheinlich auch gewisse spezifische sowjetische Waffen begrenzen und bis zu einem gewissen Grade den Kurs ändern,
den die Sowjets beim Aufbau ihrer strategischen Streitkräfte einschlagen.
Ein Beispiel:
- 2 -

�Ein Beispiel: Der Vertrag wird verhindern, daß die mobilen Interkontinentalraketen - bei den Sowjets ihre SS-16 - produziert, disloziert
und getestet werden.
Ein weiteres Beispiel:

Der Vertrag begrenzt die Zahl der Interkonti-

nentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen und verlangt von den Sowjets,
sich weniger auf die Streitkräfte zu Lande denn auf die Seestreitkräfte
zu konzentrieren, als dies sonst wohl bis 1985 der Fall sein dürfte.
Das Ergebnis ist eine ausgewogenere und stabilere sowjetische Streitmacht mehr der Streitmacht ähnlich, auf die sich die Vereinigten Staaten seit
Jahren stützen.
Ein weiteres Beispiel: Obwohl die endgültigen Details der Beschränkungen
für "neue Typen" von Interkontinantalraketen (ICBM) noch nicht definiert
worden sind, rechne ich mit Begrenzungen in den Abkommen, die die Schwungkraft des massiven sowjetischen ICBM-Programms auf einigen wichtigen
Gebieten abschwächen würde - eines Programms, das nach den Worten von
Verteidigungsminister Brown vier neue Typen produzieren könnte.
Und noch ein Beispiel:

Falls die Verhandlungen zu Begrenzungen der

Nutzlast der Interkontinentalraketen und - was noch wichtiger ist - zu
einer "Fraktionalisierung" (d.h. Begrenzung der Zahl der Sprengköpfe
für eine einzelne Rakete) führen, dann wird die Unsicherheit hinsichtlich
einer künftigen Ausnutzung der großen Zahl der sowjetischen ICBM-Raketen
reduziert.
Drittens, SALT II wird von den Vereinigten Staaten keinerlei Reduzierung oder Veränderung ihrer Streitkräfte verlangen.

Die Größenordnung

sowie die ausgewogenen Eigenschaften unserer Triade werden erhalten
bleiben.
Viertens, die anhaltende Fähigkeit der Vereinigten Staaten, mit
der Sowjetunion qualitativ zu konkurrieren und den amerikanischen Vorsprung

- 3 -

�Vorsprung in der militärischen Technologie zu nutzen, ist auch weiterhin
garantiert.

SALT II dürfte in keiner Weise irgendein Forschungs- und

Entwicklungsprogramm oder eine Dislozierungsoption der USA unmöglich
machen, die gegenwärtig erwogen werden.
Die Beschränkungen für landgestützte oder seegestützte Raketen mit
einer Reichweite von mehr als 600 Kilometern, die in dem Protokoll
niedergelegt werden, werden in etwa drei Jahren auslaufen.

Offen gesagt:

Wir könnten diese Systeme vorher sowieso nicht dislozieren.

Diese im

Protokoll festgehaltenen Beschränkungen werden trotz der Befürchtung
einiger Kreise in diesem Lande nicht automatisch fortgesetzt.

Vor etwa

einem Jahr habe ich einen diesbezüglich klarstellenden Text entworfen,
den ich - sollte dies notwendig werden - während der Ratifizierungsdebatte
vorlegen werde, um sicherzustellen, daß nach Ablauf des Protokollzeitraums alle Verhandlungen, die sich auf diese Bestimmungen beziehen, neu
verhandelt werden müssen - und zwar ohne jede Präjudizierung.
Fünftens, die Tatsache, daß jene Systeme, die offensichtlich die
Sowjets am meisten beunruhigen (ich denke jetzt besonders an die Marschflugkörper - Cruise Missiles), im Protokoll erfaßt sind, dürfte uns
während der nächsten Gesprächsrunde

beträchtlichen Verhandlungsspielraum

geben.
Die Aufnahme dieser Bestimmungen in das Protokoll hat nicht nur die
Lösung der Streitfragen nach Wladiwostok erleichtert, sondern sie stellt
auch eine der klügsten Verhandlungszüge der amerikanischen Diplomatie
der letzten achtzehn Monate dar.
Sechstens, alle Bestimmungen des SALT-Paketes, von denen unsere
nationale Sicherheit abhängt, können mit einem hohen Grad an Verläßlichkeit
verifiziert werden.

Die Bestimmungen sind so sorgfältig ausgearbeitet

worden, daß wir jederzeit zwischen Erfüllung und Nichterfüllung unterscheiden

- 4 -

�unterscheiden können.
Deswegen braucht man "den Russen nicht vertrauen zu müssen", um SALT
zu unterstützen.

Wir können uns auf unsere außerordentlich gute Auf-

klörungstechnologie verlassen, mit der ich mich als Mitglied des Geheimdienstausschusses des Senats sehr eingehend befaßt habe.
Der Vertrag wird ausdrücklich jede Einmischung in die Vertragsüberwachung mit Hilfe von "nationalen technischen Mitteln" ausschließen,,
Deshalb wird der Vertrag jeglichen Einsatz von sowjetischen Anti-Satelliten
gegen unsere Weltraumaufklärung verbieten. Auch dies ist verifizierbar,
weil wir jederzeit feststellen könnten, ob unsere Systeme durch einen
gegnerischen Angriff zerstört worden sind.
Wenn also die Sowjets den Vertrag durch Worte oder feindliche Aktionen
verletzen würden, dann wären wir uns doch aufgrund unserer eigenen
Verifizierungskapazität jederzeit über wichtige Daten hinsichtlich der
Größenordnung, des Umfangs und der Modernisierung der strategischen
Streitmacht Moskaus im klaren» Wenn ich auch damit rechne, daß die
Sowjets in den kommenden Jahren die Modernisierung ihrer Streitkräfte
fortsetzen werden, so können doch die militärischen und technischen
Planer der USA unsere eigenen militärischen Forschungs- und Entwicklungsprogramme effektiver gestalten - gerade wegen der Informationen, die uns
ein SALT-Abkommen garantiert.
Zusammengefaßt möchte ich sagen, daß meine Analyse des SALT-Abkommens
darauf hinausläuft, daß es für unsere nationale Sicherheit im traditionellen
Sinne wichtig ist. Man kann über die Sowjets hinsichtlich ihrer Motive
oder ihrer Glaubwürdigkeit denken, wie man will. Aber eines ist für mich
klar: Je mehr man ihnen mißtraut,desto mehr muß man einen anhaltenden
Wettstreit auf dem Gebiete der Waffen in Rechnung stellen; je mehr man
mit einer anhaltenden strategischen Aufrüstung Moskaus rechnet, desto mehr

�desto mehrsollte man ein SALT-Abkommen unterstützen.
Aber all dies setzt traditionelle Vorstellungen der nationalenSicherheit
voraus.

Im Atomzeitalter gewinnt die nationale Sicherheit eine andere

Bedeutung. Was ein SALT-Abkommen letztlich am wichtigsten macht im Hinblick
auf unsere nationale Sicherheit,ist die Tatsache, daß es den Einsatz
nuklearer Waffen weniger wahrscheinlich werden läßt.
Diese Schlußfolgerung kann man nicht beweisen.

Sie ist nicht das

Ergebnis mathematischer Berechnungen oder einer verfeinerten und modernen
Kriegsspiel-Analyse.

Und doch wissen wir alle, daß die einfache und

zentrale Prämisse der SALT-Verhandlungen die Erkenntnis beider Seiten
ist, daß beide Länder, ja, die gesamte Menschheit das allergrößte Interesse
daran haben, einen Atomkrieg zu vermeiden.

Es könnte keinen direkteren

und zerstörerischen Angriff auf unsere nationale Sicherheit geben als
einen nuklearen Schlagabtausch.

+ + + ++

- 6-

�I 3
29

UUi//cn/choft
w\d Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Dezember 1978

WELTWEITE UNTERSUCHUNGEN ZUR WETTERFORSCHUNG
Zusammenarbeit von 149 Staaten

- (AD) - Die Meteorologische Weltorganisation (WMO, eine Organisation
der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf) eröffnete jetzt für ihr erstes
"Globales Wetterexperiment" offiziell die operationelle Phase.

Es soll

auf weltweiter Basis atmosphärische Vorgänge und Gesetzmäßigkeiten besser,
als es mit den bisher durchgeführten Untersuchungen möglich war, aufklären helfen, um die Wettervorhersage auf größere Zeiträume ausdehnen
zu können.

Die Vereinigten Staaten leisten umfangreiche Beiträge zu

dem internationalen Unternehmen.
David Arthur Davis, der Generalsekretär der WMO, bezeichnet es als
"das größte Experiment, das je für friedliche Zwecke unternommen wurde".
Es wird die 149 WMO-Mitgliedstaaten in die Lage versetzen, die Erdatmosphäre
kontinuierlich und mit einem weitaus dichteren Meßnetz als bisher unter
Beobachtung zu halten. Für die Durchführung des Projekts werden atmosphärische
Daten aus allen nur erdenklichen Quellen rund um den Globus gesammelt
und analysiert - z.B. von sogenannten geostationären Satelliten j_n

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�in 36 000 km Höhe, von Satelliten auf polaren Umlaufbahnen, von Höhenballonen für die Wetterbeobachtung, von Schiffen auf ganz bestimmten
Positionen, Meßbojen im Meer, von Instrumentensonden, die aus Flugzeugen
abgeworfen werden und an Fallschirmen niedergehen, und schließlich von
Beobachtungsstationen der Weltwetterwacht in allen Erdteilen.

Alle

Messungen des seit Jahren vorbereiteten Unternehmens werden von der
Projektzentrale der WMO in Genf koordiniert.

Der operationellen Phase,

die 12 Monate dauert, folgt die der Forschung und Analyse, die mehrere
Jahre in Anspruch nehmen wird.
Schon Mitte der achtziger Jahre könnte es aufgrund der jetzt in
Angriff genommenen zusätzlichen Untersuchungen möglich sein, exakte Wettervorhersagen zu erstellen, die statt der heute üblichen zwei bis drei Tage
10 Tage oder noch längere Zeiträume umfassen.

Für die verschiedensten

Wirtschaftszweige - von der Landwirtschaft über das gesamte Verkehrswesen
bis zur Bauwirtschaft - wäre dies von sehr großer Bedeutung.
Wie Generalsekretär Davis in einer Pressekonferenz Anfang des Monats
u.a. berichtete, sei es schwierig, die Kosten für das Weltwetterexperiment
abzuschätzen. Es stelle eine enorme Ausweitung der gegenwärtigen Vorhandenen meteorologischen Beobachtungssysteme dar. Vermutlich werden
3 000 bis 5 000 Personen in aller Welt regelmäßig mitarbeiten. Es sei
mit einem zusätzlichen Kostenaufwand von "etlichen Hundert Millionen
Dollar" zu rechnen, um den Apparat in seiner neuen Form in Gang zu bringen
und funktionsfähig zu machen.

+ + + + +

- 2 -

�UUi//cn/choft

I 3

und Technik

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Dezember 1978

29

NEUE FORSCHUNGSERGEBNISSE ÜBER 'LEGIONÄRSKRANKHEIT'

- (AD) - über die sogenannte Legionärskrankheit, benannt nach der
zunächst völlig rätselhaften und so bedrohlichen Epidemie unter den Teilnehmern einer Tagung der "American Legion" im Jahr 1976 in Philadelphia,
wurde im November 1978 in Atlanta (Georgia) ein internationales Symposium
abgehalten. Wie sich in der Zwischenzeit herausstellte, tritt die durch
ein Bakterium verursachte Krankheit, die Symptome ähnlich jenen der
Lungenentzündung hervorruft, häufiger auf, als zunächst angenommen wurde.
Der amerikanischen Zentralstelle für Seuchenüberwachung in Atlanta wurden
seit der Epidemie vor zwei Jahren fast 1100 weitere Fälle allein in den
USA gemeldet. Dies hatte die Behörde veranlaßt, das Symposium einzuberufen.
Dr. William Foege, der Leiter der Zentralstelle für Seuchenüberwachung,
berichtete, daß man seit der Massenerkrankung;;;in, Philadelphia, von der weit
über hundert Teilnehmer betroffen waren und die 29 von ihnen das Leben
kostete, eine Entdeckung nach der anderen im Zusammenhang mit der
"Legionärskrankheit" habe machen können.

Dessen ungeachtet habe aber

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�aber die Medizin noch sehr viel zu lernen. Auf viele Fragen wurde noch
keine Antwort gefunden.
Der bakterielle Erreger, der die Bezeichnung "Legionella Pneumophilia"
erhielt, greift nicht nur die Lunge an, die meist bleibende Schäden davonträgt.

Wie sich inzwischen herausstellte, werden auch andere lebens-

wichtige Organe betroffen.

Wenn nicht sofort nach Ausbruch der Krankheit

Antibiotika gegeben werden, können neben der Lunge auch Leber, Nieren,
Magen und das zentrale Nervensystem befallen werden.
Ärzte, die an dem Symposium teilnahmen, hatten Fälle gesehen, wo die
Patienten in Halluzinationen verfielen, lange Zeit verwirrt waren und
nicht mehr wußten, was sie sagten und taten.
dächtnis.

Andere verloren ihr Ge-

Ein Arzt aus Tennessee berichtete, daß ein Patient, den er im

Krankenhaus behandelte, Tobsuchtsanfälle bekam und festgebunden werden
mußte.
Im November veröffentlichte die amerikanische Seuchenkontrollstelle
ihre neuesten Statistiken zur Legionärskrankheit:

Bis zum 7. November

1978 waren in 43 Bundesstaaten und dem "District of Columbia" mit der
Bundeshauptstadt Washington 496 Einzelfälle regristriert worden.

Dazu

kamen 558 Fälle im Zusammenhang mit 10 epidemieartigen Erkrankungswellen,
die mit dem Vorfall in Philadelphia begannen.

Der Höhepunkt von Einzel-

erkrankungen wurde im September 1977 beobachtet.
schnitt 20 Fälle pro Monat gemeldet.

Seitdem werden im Durch-

Von der Gruppe der 496 Personen

waren, wie nachträglich ermittelt werden konnte, 309 männlichen und 120
weiblichen Geschlechts.

86 (19 Prozent) starben an der Krankheit, ihr

Durchschnittsalter lag bei 56 Jahren.

Bei 244 Fällen lagen Angaben

über die Rassenzugehörigkeit vor - es waren 210 Weiße und 34 Schwarze
betroffen.

Sofern in den Statistiken die Erkrankten auch nach dem Ge-

schlecht erfaßt waren, ergab sich, daß die Sterberate bei Männern
19 Prozent, bei Frauen 15 Prozent betrug.
Klimaanlagen
- 2 -

�Klimaanlagen scheinen in erster Linie für die Übertragung des
Erregers der Legionärskrankheit verantwortlich zu sein.

Wie aus der

Zentralstelle für Seuchenüberwachung verlautet, wurde aufgrund der
Untersuchung von epidemieähnlichen Erkrankungen in Bloomington (Indiana), Mephis (Tennessee) und Atlanta (Georgia) das Bakterium aus dem
Wasser von zwei Kühl türmen, zwei Luftbefeuchtern von Klimaanlagen und
außerdem in Wasserproben von einem Bach isoliert.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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