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                  <text>Hfl
I

Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. November 1978

27

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Die politischen Kräfte der Mitte auf dem Vormarsch
Nachlese zu den amerikanischen Wahlen
- von Andrew J. Glass Grundzüge des neuen US-Energiegesetzes
Was für SALT II spricht
- von Senator Edward M. Kennedy US-Stiftung für Internationale Technologische Zusammenarbeit
Partner für Entwicklungsländer
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Pockenbekämpfung - erfolgreichstes UN-Programm
Amerikanische Ärzte maßgeblich beteiligt
Hämoglobine mit unterschiedlicher Sauerstoffbindung
Umweltbedingungen zwingen Fische zum "Umschalten"

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�15. November 1978

27

DIE POLITISCHEN KRÄFTE DER MITTE AUF DEM VORMARSCH
NACHLESE ZU DEN AMERIKANISCHEN WAHLEN
- Von Andrew J. Glass -

- (AD) - Sicherlich haben die sogenannten Zwischenwahlen in den
Vereinigten Staaten - bei denen das ganze Repräsentantenhaus, ein Drittel
des Senats und 36 Gouverneure gewählt und über etwa 200 Volksbegehren
(in den Einzelstaaten) abgestimmt wurde - keinen Erdrutsch und keine
sensationellen Ergebnisse gebracht. Trotzdem sind diese Wahlen einer
rückblickenden Betrachtung wert.
Die politischen Kräfte der Mitte konnten ihre Position nicht nur
halten, sondern sogar ausbauen.

Eine Meinungsumfrage des Harris-Instituts

vor zehn Jahren ergab, daß sich 43 Prozent der amerikanischen Wähler
als konservativ, 36 Prozent als politisch in der Mitte und 21 Prozent als
liberal ansahen.
In diesem Jahr zeigte sich, daß ein Abbröckeln auf beiden Seiten
des politischen Spektrums stattgefunden hat. Heute bezeichnen sich

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
D5300 Bonn2
Telex:08-85432

�V

sich 38 Prozent als konservativ und 20 Prozent als liberal, während die
Mitte mit 42 Prozent eine solide Mehrheit darstellt.
Wenn man das auf die neugewählten Senatoren anwendet, dann ist eine
ähnliche Struktur festzustellen:

40 Prozent der Neuen können als konservativ,

46 Prozent als gemäßigt (Mitte) und 14 Prozent als liberal betrachtet
werden.
Die Mitte steht also.

Die Wahlergebnisse lassen erkennen, daß die

amerikanischen Wähler zwar neue Gesichter sehen wollen, daß sie aber
ihre politische Überzeugung kaum ändern.
•

•

•

Neue Gesichter hat es reichlich gegeben.

Von den insgesamt 71

Gouverneursposten und Senatssitzen, die zur Disposition standen, wurden
56 Prozent durch Neulinge besetzt.

Und die 77 Neulinge im Repräsentanten-

haus stellen - abgesehen von der Wahl nach Watergate im Jahre 1974 - die
größte Gruppe dieser Art in diesem Jahrzehnt dar.
Die Wahlbeteiligung wurde mit rund 58 Millionen Wählern, d.h.
37 Prozent der Wahlberechtigten, ermittelt, was gegenüber der Zwischenwahl (bei der das Amt des Präsidenten nicht zur Disposition steht) von
1974 einen Rückgang um zwei Prozent bedeutet.

Die endgültige Zahl der

Wahl beteil igten wird erst in einigen Monaten feststehen, aber man kann
sagen, daß die Wahlbeteiligung in den Vereinigten Staaten weit niedriger
liegt als in den meisten anderen demokratischen Industriestaaten der
Welt.
•

Am 7. November 1978 ist es weder den Demokraten noch den Republikanern
gelungen, die großen Chancen der Zeit zu nutzen.

Die demokratischen

Kandidaten für das Repräsentantenhaus erhielten 56 Prozent der abgegebenen
Stimmen, also ein bis zwei Prozent weniger als 1976 und drei Prozent
weniger als 1974 - als Watergate den Republikanern große Verluste brachte.
In vielen

�In vielen Einzelstaaten schienen sich die demokratischen Kandidaten
mehr oder weniger mit Fernsehwerbung zufriedenzugeben

und taten nicht

genug, um ihre eingefleischten Wähler an die Urne zu bringen.

Sonst

hätten sie sicher bessere Resultate erzielen können.
Aus Umfragen geht hervor, daß sich 61 Prozent der in Städten lebenden
erwachsenen Amerikaner als Anhänger der Demokratischen Partei betrachten,
und 85 Prozent der Schwarzen, 72 Prozent der Juden, 69 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder und 62 Prozent der Jugendlichen halten es mit der
Sache der Demokraten.
Auf der anderen Seite hätten bei der niedrigen Wahlbeteiligung der
Demokraten die Republikaner eigentlich eine Chance haben müssen, ein
beachtliches Comeback zu feiern. Aber diese Chance blieb aus.
Im Repräsentantenhaus, wo 218 Sitze von insgesamt 435 für die Mehrheit
erforderlich sind, konnten die Demokraten 277 Sitze gewinnen, während
die Republikaner mit 157 oder 158 vorliebnehmen mußten. Die Demokraten
konnten ihre Verluste - mit 13 oder 14 Sitzen - in Grenzen halten. Die
Republikaner konnten allerdings 3 Sitze im Senat und 6 Gouverneursposten
dazugewinnen - mehr als man eigentlich erwartet hatte.
In der Ausschau nach positiven Trends bei den diesjährigen Zwischenwahlen, die man fairerweise wohl als eine - wenn auch schwache - Hinwendung
zu den Republikanern bezeichnen kann, stellen die Führer der Demokraten
die Tatsache heraus, daß ein Gewinn von dreizehn Sitzen im Repräsentantenhaus ein weitaus kleinerer Erfolg ist als der durchschnittliche Gewinnzuwachs von 35 Sitzen, die die nicht an der Macht befindliche Partei in
in den Zwischenwahlen seit 1930 zu verzeichnen pflegte. Dagegen führen
die Republikaner an, daß der Zugewinn an Sitzen nach der ersten Hälfte
der Amtszeit eines neuen Präsidenten gewöhnlich unter zehn gelegen hat.
Aber wenn

�Aber wenn die Republikaner bei dieser Wahl auch unter den für Zwischenwahlen üblichen Gewinnen blieben, so könnte sich das Kräfteverhältnis im
Senat doch gerade so weit nach rechts verschoben haben, daß dadurch die
Chancen für einen Nuklearpakt mit den Russen im kommenden Jahr gefährdet
werden.
In einer ersten privaten Analyse der Wahlergebnisse wird in Washingtoner
Kreisen denn auch die Auffassung vertreten, daß der nahezu fertig ausgearbeitete Vertrag über strategische Rüstungsbegrenzung (SALT II) in Gefahr
geraten könnte, weil einige dem Vertrag freundlich gesonnene demokratische
Liberale durch einen wenn auch leichten Gewinnzuwachs der Republikaner
- vor allem im Herzland der Nation, dem Mittelwesten - ausgeschaltet wurden.
Auch wenn im Senat eine knappe Mehrheit für SALT besteht, so müssen doch
gemäß der amerikanischen Verfassung zwei Drittel des Gremiums - das heißt
67 Senatoren - für den Vertrag stimmen, wenn er ratifiziert werden soll.
Sechs der sieben Senatoren, die es nicht geschafft haben, galten
als Liberale, was ein schlechtes Omen für SALT sein dürfte. Und in
drei Bundesstaaten - Colorado, Iowa und New Hampshire - sind die Republikaner, die ihre liberalen demokratischen Opponenten schlugen, als
eingefleischte Konservative und SALT-Gegner bekannt.
Auf die Frage, wie er die Niederlage dieser drei Demokraten erkläre,
sagte der Parteivorsitzende der Demokraten, John White, die Wähler seien
eigentlich nicht so sehr gegen den Liberalismus dieser Senatoren, aber
sie wollten ihre Staaten wieder in das "traditionelle Schema" nach dem
Umschwung der Wahlen von 1972 zurückbringen.
Was SALT anbetrifft, so sagte White, "der Vertrag wird in Ordnung
sein, wenn er als militärisch vorteilhaft für die Vereinigten Staaten
präsentiert wird. Wenn er aber so dargestellt wird, daß er nur ein
"Gleichgewicht" (mit der Sowjetunion) verschafft, dann wird er in
Gefahr geraten."
Trotz
- 4 -

�Trotz der potentiellen Bedeutung der Wahlen für den SALT-Vertrag
waren viele Analytiker doch vor allem bestrebt, auszuloten, was die
Ergebnisse für das Jahr 1980 und die neue Präsidentschaftswahl besagen
könnten.

Es ist ein Axiom der amerikanischen Politik, daß der eigentliche

Aufbau der Partei in den fünfzig Hauptstädten der Bundesstaaten nicht aber
in Washington - der eigentlichen Hauptstadt - erfolgt.

Und gerade hier

haben die Republikaner vielleicht ihre besten Erfolge in diesem Jahr zu
verzeichnen gehabt und damit die Basis für einen möglichen großen neuen
Aufschwung in den kommenden Jahren geschaffen.
Die neue Liste der Gouverneure verzeichnet 32 Demokraten und 18 Republikaner - ein glatter Gewinn von sechs Posten für die Republikaner.
Es war das erstemal seit 1968, daß die Partei in der Minderheit ihre
Position bei den Gouverneurswahlen verbessern konnte. Und was noch
wichtiger ist, die entscheidenden Staaten, in denen die Republikaner
gewannen oder ihre Position hielten, erstrecken sich in einem weiten
Bogen über die amerikanischen
Industrie- und Farmgebiete: Pennsylvania,
Ohio, Indiana, Illinois, Iowa und Minnesota.
Auch im Süden, der seit vielen Jahren die Bastion einer Partei der Demokraten - gewesen war, konnten die Republikaner einen Wiederaufschwung verzeichnen.

Zum erstenmal

seit der Aera des Wiederaufbaus

nach dem amerikanischen Bürgerkrieg vor einem Jahrhundert gewannen die
Republikaner den Gouverneurssitz in Texas und einen Senatssitz in
Mississippi.
Im Heimatstaat von Präsident Carter, in Georgia, gewannen die Republikaner einen heißumstrittenen Repräsentantenhaussitz und konnten sich
trotz der Bemühungen Carters und seines persönlichen Einsatzes in Südund Nordkarolina behaupten.
In den Parlamenten der Einzelstaaten - den "Brutstätten" der nationalen
Politik - konnten die Republikaner Gewinne erzielen.

- 5 -

Während sie bisher

�bisher in fünf Bundesstaaten beide Häuser kontrollierten, haben sie jetzt
mindestens 13 erobert.

Das ist sehr wichtig, wenn man bedenkt, daß die

Aussichten für die Republikaner nach der Neufestlegung der Wahlkreise, die
nach der Volkszählung von 1980 notwendig werden wird, nicht allzu günstig
waren.

Da sie befürchten mußten, daß die "Brutstätte" austrockenen könnte,

haben sie über 12 Millionen Dollar in den einzelstaatlichen Wahlkampf gepumpt, und es hat sich nach ihrer Meinung gelohnt.
Da die Wahlergebnisse keine dramatischen Folgerungen in der einen
oder anderen Richtung zulassen, haben die nationalen Politiker aller
Couleur Anlaß zur Freude gefunden.

Während man im Weißen Haus erklärte,

die Wahlresultate spiegelten in etwa eine Stimmung im Lande wider, die
"den Vorstellungen des Präsidenten nahe kommt", bezeichnete der Vorsitzende
der Republikanischen Partei, Bill Brock, den 7. November als einen "großen
Tag" für seine Partei, der nach den Rückschlägen von 1974 und 1976 einen
Aufwärtstrend erkannen lasse.
Interessanterweise wollten weder die Führer de Demokraten noch die
der Republikaner die Wahlergebnisse als Ausdruck der Volksmeinung über
Präsident Carters Politik oder dessen Popularität gesehen wissen. Zu
dem Zeitpunkt, da die Amerikaner zur Wahlurne gerufen wurden, hielten
Sichnach Umfragen jene, die ihn für einen ausgezeichneten Präsidenten
halten, und jene, die meinen, er zeige nur mäßige oder gar schlechte
Leistungen, in etwa die Wage. Die Wahlergebnisse deuten nicht darauf
hin, daß die Amerikaner durch die Wahl ihrer Kandidaten den Präsidenten
besonders loben oder strafen wollten.
Es bleibt jedoch abzuwarten, wie Präsident Carter mit dem neuen
96. Kongress auskommen wird, der im Januar 1979 zusammentritt.

Was man

im Augenblick hört, ist, daß die Berater des Präsidenten von einem
eher bescheidenen gesetzgeberischen Programm sprechen, verglichen mit
dem, was Carter in den beiden ersten Jahren seiner Amtszeit durchzusetzen

- 6 -

�durchzusetzen versuchte. Das Hauptaugenmerk wird auf die Bekämpfung der
Inflation und die Stärkung der Wirtschaft gerichtet sein.
Jack Carlson, der marktwirtschaftlich orientierte Wirtschaftsberater
der Amerikanischen Handelskammer, rechnet damit, daß der neue Kongress
bezüglich der Wachstumsprogramme und der Ausgabenprogramme des Bundes
zurückhaltender sein wird. Im Senat zeichne sich eine Stärkung des
Flügels ab, der marktwirtschaftliche Lösungen gegenüber Regierungslösungen
vorziehe.
Ein führender Vertreter des liberal orientierten Nationalkomitees
für einen leistungsfähigen Kongress, Russell Hemenway, bezeichnete das
Wahlergebnis im Senat zwar als eine "Katastrophe", wies aber darauf hin,
daß 31 der 40 Abgeordneten, die sein Komitee unterstützten, ihren Sitz
im Repräsentantenhaus halten konnten.
Soweit die Wahlen von 1978 als ein Test für die Überlebensfähigkeit
der Republikanischen Partei als potente Kraft im politischen Leben
Amerikas betrachtet wurden, haben die Republikaner diese Probe bestanden.
Aber aus dem Wahlergebnis läßt sich auch nicht herauslesen, daß die Wähler
gewillt seien, die Demokraten aus ihrer derzeitigen Vormachtstellung in
den einzelstaatlichen Parlamenten, im Kongress, ja auch im Präsidentenamt
zu verdrängen.
Die amerikanische Wählerschaft hat sich einmal mehr als nach der
Mitte ausgerichtet, unabhängig, selektiv und - leider - auch apathisch
erwiesen.

+ + + + +

- 7 -

�27

15. November 1978

GRUNDZOGE DES NEUEN US-ENERGIEGESETZES

- (AD) - Nach 18 Monaten erbitterten Ringens verabschiedete der amerikanische Kongreß ein Energie-Gesetz, das nach Ansicht von Regierungsvertretern
das von Präsident Carter auf der Gipfelkonferenz in Bonn gegebene Versprechen
wahrmachen kann, bis 1985 täglich ca. 340 000 Tonnen Importöl einzusparen.
Obgleich der Kongreß an der von Präsident Carter unterbreiteten Vorlage einige einschneidende Änderungen vornahm, ist der Präsident überzeugt, daß das
Gesetz in seiner endgültigen Fassung "unsere nationale Sicherheit fördern, unsere außenpolitische Handlungsfreiheit sichern und unsere wirtschaftlichen
Interessen im In- und Ausland schützen wird".
Die meisten Abstriche machte der Kongreß an der vorgeschlagenen Steuer
auf amerikanisches Rohöl, die den Preis auf Weltpreisniveau hätte anheben und
zu massiven Einsparungen führen sollen.

Präsident Carter hatte beabsichtigt,

damit bis zum Jahr 1985 täglich bis zu 630 000 Tonnen ül zu sparen.

Aber auch

ohne diese Maßnahme, so erklären Regierungsvertreter, erlaube das neue Gesetzeswerk beträchtliche Energieeinsparungen.

Die wichtigsten Abschnitte betreffen:
Erdgas

�Erdgas
Kernstück des Planes ist nach der Streichung der Rohölsteuer durch den
Senat die Preisgestaltung für Erdgas. Ursprünglich wollte Präsident Carter
hier die Preiskontrollen beibehalten.
hebung und der Preisfreigabe.

Der Senat bestand jedoch auf deren Auf-

Der Kongreß stimmte schließlich dem Kompromiß

zu, in den nächsten Jahren die Preiskontrollen allmählich abzubauen und sie
bis 1985 gänzlich aufzuheben.

Es handelt sich um ein kompliziertes Gesetzes-

werk, das für "altes" und "neues" Gas, für private Haushaltungen und die Industrie sowie weitere Verbrauchergruppen unterschiedliche Preise festsetzt.
Energiesteuern
Nur mit äußerster Zurückhaltung ging der Kongreß im gegenwärtigen Wahljahr an die Abstimmung über ein Steuerpaket heran, mit dem der Präsident den
Energieverbrauch verringern wollte.

Eine feste Steuer auf den Verbrauch von

öl und Gas in der Industrie lehnte er ebenso ab wie eine Erhöhung der Benzinsteuer, und der Vorschlag der Regierung, Kraftfahrzeuge mit hohem Benzinverbrauch mit einer Steuer zu belegen, wurde erheblich abgeschwächt.

Ab 1979

sollten auf Autos mit geringer Kilometerleistung bzw. hohem Kraftstoffverbrauch
200 Dollar an Steuer erhoben werden, welche bis 1985 auf 385Ö Dollar angestiegen wäre.
Dagegen wurden Steuererleichterungen für sparwillige Bürger wohlwollend
behandelt. Hausbesitzer können jetzt einen Kredit - im Endeffekt einen Steuernachlaß - für die Installierung von Vorrichtungen zur Wärmeisolierung oder Solaranlagen bekommen. Ähnliche Vergünstigungen gibt es auch für Geschäftsleute,
wenn sie Energie-Sparvorrichtungen einbauen lassen oder anstatt öl andere Formen von Primärenergie benutzen.
Gebührenreform bei den Versorgungsbetrieben
Der Kongreß stimmte den Vorschlägen Präsident Carters zu, den Gebührenkatalog der öffentlichen Versorgungsbetriebe zu ändern, um einen Anreiz für
- 2 -

�für die Reduzierung des Ölverbrauchs zu schaffen.

Er schwächte jedoch den

ursprünglichen Vorschlag über zwingende Vorschriften ab; übrig blieben "Richtlinien".

Dennoch erwartet man sich von diesen wesentliche

den Ölverbrauch.

Auswirkungen auf

Sie umfassen beispielsweise niedrigere Gebühren für den

Stromverbrauch außerhalb der Spitzenzeiten, Abschaffung der Rabatte für Großverbraucher und Anreize für Elektrizitätsunternehmen, Vereinbarungen über den
Energieverbund zu treffen.
Umstellung auf Kohle

Ursprünglich bildeten derartige Projekte ein Schwerpunktprogramm in dem
dem Kongreß vom Präsidenten unterbreiteten Energiepaket.

In größtmöglichem

Umfang sollte die Industrie Umstellungen von öl auf Kohle vornehmen.
nat nahm jedoch umfangreiche Abstriche vor.

Der Se-

Heute gelten die Auflagen für

Kohleverwendung nur für neue Betriebe, nicht für bereits existierende, und
selbst neuen Anlagen werden Ausnahmeregelungen aus den verschiedensten Gründen
zugebilligt - angefangen von Verschmutzungsproblemen bis zum Mangel an geeigneter Kohle.

Jedoch dürfen von 1990 an Kraftwerke kein Erdgas mehr

verwenden.

Energieeinsparung

Zu diesem Thema gab es die wenigsten Kontroversen.

Das Programm sieht

die Gewährung von Beihilfen für einkommensschwache Familien, Krankenhäuser und
Schulen zum Einbau wärmeisolierender Vorrichtungen vor.

Es fordert außerdem

neue, regierungsamtliche Leistungsnormen für Kühlschränke, Klimaanlagen, Öfen
und andere stromverbrauchende Geräte und Ausrüstungen.

Die im US-Kongreß vertretenen so verschiedenartigen Interessen führten
bei der Behandlung des Energiegesetzes zu den seit Jahren schwersten und mit
großer Erbitterung geführten Auseinandersetzungen.

Sie dauerten buchstäblich

bis zum Ende der Frist für die Amtszeit des 95. Kongresses der Vereinigten
Staaten.

In den Morgenstunden des 15. Oktober 1978 wurde das Gesetzeswerk

schließlich angenommen.

Präsident Carter begrüßte die Entscheidung als "be-

- 3 -

�"bestandene Prüfung für die Fähigkeit der Nation, schwierige Probleme anzupacken und sich um eine Lösung für sie zu bemühen."

Mit praktisch allen

Kommentatoren, Kritikern wie Befürwortern des Energiepakets, stimmte er darin
überein, daß das neue Gesetzeswerk nicht den Abschluß, sondern "einen wichtigen Anfang bildet".
Kurz nach der Rückkehr von Energieminister James Schlesinger aus China
am 9. November unterzeichnete Präsident Carter das Gesetz. Schon einen Tag
später veröffentlichte das Energieministerium seine neuen Durchführungsbestimmungen für das Energiegesetz.

Ca. drei Wochen später, ab 2. Dezember 1978,

dürfte die Erdgasversorgung aus Texas, Oklahoma und Louisiana für die übrigen
Bundesstaaten spürbar besser werden.
Präsident Carter wird jedoch versuchen, mit der Unterbreitung neuer Vorschläge im US-Kongreß im Januar 1979 seine Energie-Politik auf der jetzt geschaffenen Basis mit dem Ziel weiter auszubauen, die Vereinigten Staaten langfristig gegen die Auswirkungen eines möglichen Verlustes ausländischer Versorgungsquellen mehr zu schützen.
Kurzfristig gesehen sind die Aussichten für die Energieversorgung ausgezeichnet, auch wenn der Winterbedarf, wie üblich, das Niveau des maximalen
Angebots nahezu erreichen wird. Nach Ansicht von Energieminister James
Schlesinger bereitet für die nächste Zeit die Ölversorgung "kein Problem".
Erdgas gebe es genügend, und ein Streik im Kohlebergbau wie im vergangenen
Winter werde sich nicht wiederholen.
Der Bedarf der freien Welt an Erdöl ist innerhalb des letzten Jahres um
mehr als vier Prozent bzw. 280 000 Tonnen pro Tag gestiegen. Aber dies ist zum
Teil auf die verstärkte Anlegung von Vorräten in Erwartung einer möglichen Preisanhebung seitens der OPEC-Länder im Januar 1979 zurückzuführen. Danach wird
die Nachfrage wieder zurückgehen - ohne Rücksicht darauf, wie die Entscheidung
der OPEC-Länder ausfallen wird.
Schlesinger

- 4 -

�Schlesinger verweist darauf, daß das jetzt verabschiedete Energiegesetz
der US-Regierung auch endlich die Möglichkeit gebe, Entscheidungen über den
Import von verflüssigtem Erdgas zu treffen.

Sie sei z.B. bereit, Verhandlun-

gen mit Mexiko über dieses Thema jederzeit fortzusetzen.

In China verhandelte

der Minister u.a. über eine mögliche Unterstützung seitens der Vereinigten
Staaten bei der Erschließung der reichen chinesischen Vorkommen an Erdöl, das
wahrscheinlich zum großen Teil den Weg auf den Weltmarkt nehmen werde.
habe großes Interesse an westlicher Technologie gezeigt.

China

Auch wenn das Gros

der Exporte nach Japan gehen werde, würde dies, so Schlesinger, für die USA
und andere öl importierenden Länder eine Entlastung bedeuten.

Im Anschluß an

seine Chinareise besuchte Minister Schlesinger Japan, um über die Zusammenarbeitzwischen den drei Ländern USA, Japan und der Bundesrepublik Deutschland
bei der Gewinnung flüssiger Brennstoffe aus Kohle zu verhandeln.

Die Vereinig-

ten Staaten erwägen den Bau einer entsprechenden Anlage.
Ein solches Projekt wäre Teil eines "Energie-Pakets - Teil II", das im
April nächsten Jahres dem Kongreß zugeleitet werden soll.

Es würde außerdem

die Politik samt den wichtigsten Projekten zur Nutzung der Sonnenenergie, zur
Gewinnung von Brennstoffen aus Alkohol und Ölschiefer und auf dem Gebiet der
Kernenergie behandeln.

In Regierungskreisen hält man nach wie vor den Leicht-

wasser-Reaktor für das z. Zt. optimal* System und hofft, daß der nächste Kongreß
im kommenden Jahr Genehmigungen rascher erteilen werde.

+ + + + +

- 5 -

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. November 1978

27

WAS FÜR SALT II SPRICHT
Von Senator Edward M. Kennedy

Senator Kennedy hat im September dieses
Jahres zum zweiten Mal die Sowjetunion besucht und während seines Aufenthaltes dort
zwei Stunden mit Partei- und Regierungschef Leoniid Breschnew gesprochen und über
35 Stunden lang Gespräche mit anderen führenden Politikern geführt. Vor und nach
seiner Reise in die UdSSR hatte Kennedy
Besprechungen mit Präsident Carter, Außenminister Vance und Sicherheitsberater
Brzezinski und deren Mitarbeitern. Der
folgende Artikel, der auf den Erfahrungen
Kennedys bei seinem Besuch in der Sowjetunion beruht, ist eine überarbeitete Fassung einer Rede des Senators vor dem Rat
für Auswärtige Beziehungen in Chicago.

Es besteht erneut die Hoffnung, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion den politischen Willen aufbringen werden, das langerwartete SALT II-Abkommen abzuschließen.

Und darüber hinaus besteht jetzt die Hoffnung, daß Prä-

sident Carter und Präsident Breschnew zu einem amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen zusammenkommen und daß die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion eine Aufwärtsentwicklung einschlagen werden.
Es

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Es wäre für die Carter-Administration ein außenpolitischer Erfolg von
historischer Bedeutung, wenn sie im Jahre 1979 beweisen könnte, daß die Vereinigten Staaten engere und festere Beziehungen zu ihren beiden Nukleargegnern
- der Sowjetunion und China - (und niemals waren die Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China so gut wie heute) herstellen
können, als diese beiden genannten miteinander haben könnten.

Dieser Erfolg

liegt heute für Präsident Carter in Reichweite, und ich werde ihn nachdrücklich darin unterstützen, daß er ihn erreicht.
In diesem Zusammenhang müssen wir in aller Klarheit die Bedeutung eines
wirksamen und ausgewogenen SALT II-Abkommens zwischen den beiden einzigen Ländern erkennen, die nicht nur jeder den anderen, sondern die ganze Welt völlig
zerstören könnten.

Die große Mehrheit des amerikanischen Volkes befürwortet

solch ein Abkommen - dies ist der Fall, seit die grundsätzlichen Richtlinien
im Jahre 1974 durch eine republikanische Administration in Wladiwostok festgelegt wurden.

Kein Politiker, welcher Partei er auch angehört, sollte die Unter-

stützung übersehen, die SALT II in der Öffentlichkeit erfährt, und sich auch
immer vor Augen halten, daß ein solches Abkommen überparteilicher Natur ist.
Und kein verantwortungsvoller Politiker sollte die Tatsache ignorieren, daß
SALT II ein gutes und festes Abkommen sein wird, das ganz klar im Interesse
der Vereinigten Staaten und der Welt liegt.

Die Vorteile von SALT II
SALT II wird unsere Sicherheit sowie die internationale Stabilität fördern. Es wird die Gefahr eines nuklearen Schlagabtausches vermindern, dessen
"tödliches Gift" - wie Präsident Kennedy einmal erklärte - "durch Wind und
Wasser, durch Boden und Saat bis in die entferntesten Winkel unserer Welt getragen und noch ungeborene Generationen von Kindern befallen würde". Lassen
Sie mich die Mittel und Wege aufzeigen, wie diese Risiken vermindert, die
Sicherheit vermehrt und die Stabilität gefördert werden können.
Erstens,

- 2 -

�Erstens, das strategische Gleichgewicht ist der Grundpfeiler dieses Abkommens.

Durch SALT I wurde die Zahl der Trägerraketen eingefroren, von denen

die Sowjets mehr besaßen als die Vereinigten Staaten.
rität korrigieren.

SALT II wird diese Dispa-

Dieses Abkommen wird zu gleichen Begrenzungen der Zahl der

strategischen Trägerraketen, über die beide Seiten verfügen dürfen, führen.
Innerhalb dieser gleichen Gesamtzahl wird es die gleiche Anzahl von Raketenabschußrampen, die gleiche Anzahl von Raketenabschußrampen mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV) und die gleiche Anzahl von landgestützten Interkontinentalraketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen geben.

Zweitens, als Folge dieser gl eichen Begrenzungen werden die Sowjets etwa
300 nukleare Trägersysteme vernichten müssen; die Vereinigten Staaten können
jedoch ihrem Arsenal weitere 250 hinzufügen, wenn sie dies wollen.

Das gesamte

B-1-Bomberprogramm könnte innerhalb der Grenzen von SALT II abgeschlossen werden - wären wir töricht genug, dies tun zu wollen.

Ohne SALT könnten die Sowjets

nach Schätzungen unseres Geheimdienstes allein schon bei Aufrechterhaltung ihres
gegenwärtigen Programms bis 1985 etwa 500 weitere nukleare Trägersysteme dislozieren.

Dies bedeutet:

SALT wird verhindern, daß rund 750 Nuklearsysteme

- bis zu 10 000 oder mehr nukleare Gefechtsköpfe auf unser Land gerichtet sein
werden.

Ohne Frage könnten wir der potentiellen strategischen Bedrohung der Sowjets
auch ohne SALT entsprechend entgegentreten„

Dies würde aber die Verdoppelung

unserer vorgesehenen Trident-Unterseeboote, die Dislozierung von bis zu 300
M-X-Raketen sowie möglicherweise die Dislozierung einer neuen Generation von
schweren Bombern erforderlich machen.

Der Preis, den wir dafür zu zahlen

hätten, würde, gemessen an heutigen Preisen, bei 100 Milliarden Dollar liegen.
Welch geringer Preis, um uns näher an die nukleare Katastrophe zu bringen!

Drittens, SALT II wird nicht nur die Zahl der Interkontinentalraketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen begrenzen.

Als Ergebnis der jüngsten Verhandlungs-

runde wird es auch die Zahl zusätzlicher Gefechtsköpfe beschränken, die durch
den sogenannten Prozeß der Aufspaltung auf diese Raketen aufgesetzt werden können.

Es wird die Fähigkeit der Sowjets begrenzen, aus der größeren Nutzlast
- 3 -

�Nutzlast ihrer Raketen Vorteile zu ziehen, indem sie ihren schweren Raketen
eine riesige Zahl zusätzlicher Gefechtsköpfe aufladen.

Es wird verhindern, daß

zehntausende von Gefechtsköpfen auf die Vereinigten Staaten gerichtet sein
werden.

Das ist ein sehr bedeutsamer Verhandlungserfolg der Carter-Administration.

Viertens, wir werden im Rahmen von SALT unsere ausgewogene Abschreckung
erhalten und verbessern.

Wir werden unsere Streitmacht von B-52-Bombern durch

höchst zielgenaue, mächtige Marschflugkörper (Cruise Missiles) mit großer Reichweite modernisieren und verbessern.

Und unsere Unterhändler haben sicherge-

stellt, daß amerikanische Bomber mit diesen Marschflugkörpern die meisten Ziele
erreichen und treffen können, die von unserem strategischen Luftkommando als
wichtig angesehen werden, ohne eine sowjetische Luftabwehr durchdringen zu müssen.

Wir werden unser geplantes Trident-Unterseebootprogramm weiterführen.

Ein solches Trident-Unterseeboot allein wird genügend Gefechtsköpfe - von denen jeder die zwei- bis dreifache Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe hat mitführen, um alle sowjetischen Städte mit mehr als 200 000 Einwohnern zu
treffen.
Fünftens, SALT II wird unsere Fähigkeit schützen und stärken, die strategischen Streitkräfte der Sowjetunion mit Hilfe von Satelliten und anderen Aufklärungsmöglichkeiten zu beobachten. Es wird weiterhin eine absichtliche Verheimlichung verbieten, ja, jede Einmischung in unsere nationalen technischen
Verifizierungsmittel. Es wird von den Sowjets verlangen, von einer jahrhundertealten Geheimhaltungspraxis Abstand zu nehmen, indem sie uns Angaben über ihre
eigenen strategischen Streitkräfte machen müssen. Und es wird außerordentlich
konservative Zählungsmethoden vorschreiben, die unsere Verifizierungsmöglichkeiten erhöhen. So müssen beispielsweise jede Rakete, die jemals mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstet war, und jede Abschußrampe, die jemals eine Rakete
mit Mehrfachgefechtsköpfen enthielt, auch in Zukunft als mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstet gezählt werden. Das muß so sein, weil unsere Satelliten uns
mitteilen können, wie eine Abschußrampe aussieht, aber sie können uns nicht
mitteilen, was sich in der Abschußrampe befindet. Ohne SALT wäre es den Sowjets
freigestellt, alle nur möglichen Mittel der Verheimlichung anzuwenden, was uns
die Beobachtung ihrer Streitkräfte sehr erschweren würde.
Sechstens,

�Sechstens, SALT II wird es uns erlauben, unsere technologische Überlegenheit aufrechtzuerhalten. Trotz all des Geredes über die sowjetische Bedrohung, liegt der einzige große Vorteil der sowjetischen Raketen doch nur
darin, daß sie größer und schwerer sind. Unsere Raketen sind an Zielgenauigkeit überlegen, an Vielfalt überlegen und an technologischer Verfeinerung überlegen. Allein die Forschungs- und Entwicklungsprogramme für unsere Marschflugkörper und die Trident-Unterseeboote werden uns auf diesen untscheidend
wichtigen Gebieten der militärischen Technologie auf viele Jahre hinaus einen
Vorsprung sichern. Und wir werden sogar in der Lage sein, nach Herzenslust
über die Möglichkeiten von M-X-Raketen, des Mehrfach-Zielpunkt-Schemas für Raketen (MAP), oder des Allerschlimmsten, nämlich einer Kombination von MAP und
M-X - das mehrere Milliarden Dollar kosten würde -.nachzudenken. Das sind
jedoch Programme, die ich für finanziell verschwenderisch, die Umwelt schädigend und militärisch destabilisierend betrachte - und die wir niemals realisieren sollten.

Die politische Begründung von SALT
Warum wird also angenommen, daß SALT II eine solche Kontroverse auslösen würde, wenn das Abkommen dem amerikanischen Senat im nächsten Frühjahr unterbreitet werden sollte? Ich glaube, dafür gibt es drei wesentliche Gründe.
Erstens, SALT ist verzerrt dargestellt und falsch verstanden worden. Zweitens,
es haben sich zu wenige Mitglieder der Regierung und des Kongresses bisher für
SALT ausgesprochen. Drittens, SALT II ist immer wieder mit anderen zwischen
den USA und der Sowjetunion stehenden Dingen in Verbindung gebracht worden,
wie beispielsweise mit Afrika und den Menschenrechten - und dies gegen unsere
besten Interessen.
Zunächst einmal sind die Kritiker von SALT schon sehr früh in die Offensive gegangen.

Einige von ihnen raten zu einer Rückkehr zu der Politik des

Kalten Krieges - gestützt auf der Illusion, daß Sicherheit und Frieden gewährleistet werden können, wenn wir die militärische Übermacht zu erreichen trachten.

Sie zielen auf die Furcht einiger Amerikaner ab, die sich noch der Tage
- 5 -

�Tage des amerikanischen Nuklearmonopols und der amerikanischen Nuklearüberlegenheit erinnern. Aber selbst die Nuklearüberlegenheit hat schon vor 15 Jahren
viel von ihrer Bedeutung verloren, nachdem beide Seiten genügend Kernwaffen besaßen, um der anderen nach jedem Erstschlag unannehmbaren Schaden zufügen zu
können.

Präsident Breschnew erklärte mir, er sei davon überzeugt, daß selbst

nur eine Atombombe, die von der einen oder anderen Seite abgeworfen würde, zu
einem allgemeinen nuklearen Schlagabtausch führen würde - zu einer nuklearen
Katastrophe nicht nur für unsere beiden Länder, sondern für die gesamte Welt.
Nachdem nun ein ungefähres strategisches Gleichgewicht zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion besteht, verzerren einige Kritiker dieses
Bild weiterhin dadurch, daß sie die Sowjets praktisch als Riesen und uns dagegen quasi als Zwerge darstellen.

Dabei verringern oder verschweigen sie

völlig unsere eigenen großen Stärken.

Sie propagieren gar die gefährliche Vor-

stellung, daß ein Atomkrieg sowohl für die Sowjetunion als auch für die Vereinigten Staaten weniger als die totale Zerstörung bedeuten würde.

Diese Kri-

tiker leisten unserer Nation gewiß keinen guten Dienst. Sie sind die Propheten
der Furcht - einer Furcht, die einer freien, vertrauensvollen und entschlossenen
Nation unwürdig ist.
Wir sind stark und werden stark bleiben. Wir verfügen über zahlreiche Vorteile - nicht nur militärisch im engeren, sondern auch strategisch im weiteren
Sinne.
Ich habe bereits auf unsere Überlegenheit auf dem Felde der militärischen
Technologie hingewiesen. Zu dieser Tatsache muß hinzugefügt werden, daß wir
über mehr als 9000 einsatzfähige strategische Nukleargefechtsköpfe verfügen
- gegenüber 4500 in sowjetischer Hand. Es muß ferner hinzugefügt werden, daß
wir unsere Planungen praktisch nur gegen eine einzige Nuklearmacht aufstellen
müssen; die Sowjets müssen das gegenüber vier Mächten: China, Frankreich,
Großbritannien und USA. Sie müssen in ihre Planungen ferner die 160 amerikanischen Maschinen vom Typ F-lll einbeziehen, die sich auf britischem Boden befinden, sowie zahlreiche andere "nuklearfähige" Flugzeuge, die wir überall auf

- 6 -

�auf der Welt dislozieren können und auch dislozieren - und alle können Atombomben und Raketen in sowjetische Ziele bringen.

Wenn die Kritiker beklagen,

daß der Backfire-Bomber bei SALT nicht berücksichtigt wird,

so müssen sie

aber auch einräumen, daß auch keine F-lll in Europa und keine FB-111 in den
USA dabei in Rechnung gestellt werden.

Und dann muß noch die Tatsache angemerkt werden, daß die sowjetischen
strategischen Streitkräfte gegenüber einem Nuklearangriff weitaus verwundbarer
sind als die amerikanischen Streitkräfte.

Etwa 70 Prozent der sowjetischen

Raketen sind landgestützt, bei uns sind dies weniger als 30 Prozent.

Fast 90

Prozent der sowjetischen Unterseeboote befinden sich ständig in irgendeinem
Hafen, etwa 60 Prozent unserer Unterseeboote sind ständig auf See.

Und schließlich darf man die Tatsache nicht übersehen, daß alle an die
Sowjetunion angrenzenden Länder ihr derzeit ablehnend gegenüberstehen und die
gegenwärtige sowjetische Führung nie einen anderen Zustand kannte; für uns
sprechen mehr als 100 Jahre des Friedens zwischen den Vereinigten Staaten und
ihren Nachbarn.

Wir vertrauen voll und ganz unseren NATO-Verbündeten.

Kann

die Sowjetunion das gleiche Vertrauen in die Staaten des Warschauer Paktes
haben?

Ich glaube nicht, daß irgendeine vernünftige Person es vorziehen würde,
lieber strategische Planungen in Moskau anzustellen als strategische Planungen
in Washington. Ich kenne keinen einzigen amerikanischen General, der lieber
über die der Sowjetunion zur Verfügung stehenden Militärmacht verfügen würde
als über die militärische Macht, die den Vereinigten Staaten zur Verfügung
steht.

Und es ist gefährlich und unverantwortlich, wenn jemand versucht, uns

und die Welt davon zu überzeugen, daß wir ein Land militärischer Zwerge seien,
wo wir doch eine eindrucksvolle strategische Macht darstellen, die sehr wohl
in der Lage ist, heute und in Zukunft unsere Interessen und die unserer Verbündeten zu schützen.

SALT

- 7 -

�SALT ist kontrovers, weil es in unverantwortlicher Weise mit anderen
schwierigen Fragen verbunden worden ist, die zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion stehen.

Leider brauchte die Regierung ein Jahr lang, um

zu akzeptieren, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: daß nämlich SALT
zu wichtig für das Leben eines jeden Mannes, einer jeden Frau und eines jeden
Kindes auf unserem Planeten ist, um mit den anderen politischen, wirtschaftlichen
und militärischen Fragen, die uns trennen, in einen Topf geworfen zu werden einschließlich der wichtigen Fragen der Menschenrechte.
SALT bedarf keiner Rechtfertigung.

Es sollte nicht - und es wird auch

nicht - mit anderen politischen Fragen in Zusammenhang gebracht werden.

Aber

es liegt auch auf der Hand, daß es politisch leichter sein wird, SALT II zu
ratifizieren, wenn gegenseitiges Vertrauen vorhanden ist, und daß es politisch
schwieriger sein wird, SALT II zu ratifizieren, wenn dieses Vertrauen fehlt.
Ob wir es nun wahrhaben wollen oder nicht, SALT bleibt zwar in der Tagespolitik,
aber nicht in der großen Politik mit anderen Fragen der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen verbunden.

+ + + + +

- 8 -

�15. November 1978

27

US-STIFTUNG FÜR INTERNATIONALE TECHNOLOGISCHE ZUSAMMENARBEIT
Partner für Entwicklungsländer

WASHINGTON - (AD) -

Als eines der größten Probleme auf dem Gebiet

des Technologie-Transfers erwies sich die Unfähigkeit, vorhandene Technologien den besonderen Erfordernissen von Entwicklungsländern anzupassen.

Darüberhinaus gibt

es noch wenig Ansätze, auf dem Gebiet der

Entwicklung und der technischen Hilfe das bisher übliche starre Modell
mit dem Geberland, d.h. dem hochentwickelten Industrieland, auf der
einen Seite

und dem Empfängerland, dem Entwicklungsland, auf der anderen

Seite durch ein weiter gefaßtes Modell zu ersetzen, das zu echter Partnerschaft führt.
Die von Präsident Carter vorgeschlagene"Stiftung für Internationale
Technologische Zusammenarbeit" (Foundation for International Technoiogical
Cooperation - FITC) soll helfen, diesen Mangel zu beheben. Ihre Planungsabteilung unter der Leitung von Dr. Ralph Smuckler, früher Ordinarius für
Internationale Studien an der Universität von Michigan, hat die Arbeit
bereits aufgenommen. Wie Dr. Smuckler in einem Exklusivinterview mit dem

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�dem Amt für Internationale Kommunikation (ICA) in Washington erklärte,
sieht die mit Bundesmitteln finanzierte Stiftung ihre derzeit wichtigste
Aufgabe darin, Marktanalysen durchzuführen, um zu ermitteln, ob und in
welcher Weise die heute verfügbaren Technologien mit dem größtmöglichen
Nutzeffekt auch in Entwicklungsländern eingesetzt werden können.
Die Stiftung, die als offizielle Organisation erst im kommenden Jahr
etabliert wird, sieht sich keineswegs als "einziger Motor zur Ausweitung
des Wirtschaftswachstums" in Entwicklungsländern und zur Verbesserung
des Lebensstandards der großen Masse ihrer Bevölkerung.

Aber sie kann,

so Dr. Smuckler, zu einem sehr wichtigen Faktor werden, um die Verhältnisse
zu verbessern und so zum Abbau psychologischer Schranken zwischen Arm und
Reich,

des sogenannten Nord-Süd-Gefälles, beizutragen.

Ihr Programm wird

im Detail von den Vereinigten Staaten auf der Konferenz der Vereinten
Nationen über Wissenschaft und Technologie, die im August 1979 in Wien
stattfindet, der Weltöffentlichkeit vorgelegt.

Die Stiftung wird keine

Doppelgleisigkeit zur Tätigkeit des amerikanischen Amtes für Internationale
Entwicklung (AID) schaffen, sondern sich darauf konzentrieren, auf welche
Weise der Transfer hochentwickelter Technologien und wissenschaftlicher
Erkenntnisse in ärmere Länder zu bewerkstelligen ist und weltweite
Probleme wie Energieproduktion und Umweltverschmutzung gelöst werden
können.
Im kommenden Jahr will die FITC versuchen, acht bis zehn besonders
wichtige Probleme abzustecken. Dazu gehören in erster Linie Produktion,
Lagerung und Verteilung von Nahrungsmitteln und die Landwirtschaft Grundansprüche also, die zu erfüllen eine Hauptaufgabe der FITC sein wird.
Außerdem können die Vereinigten Staaten, wie Dr. Smuckler erklärte, ihren
Beistand anbieten, um natürliche Hilfsquellen zu erschließen und zu nutzen,
neue, gegen Krankheiten unempfindliche Pflanzen zu entwickeln und den
Städtebau optimal zu planen. Weitere Hilfsmöglichkeiten sieht er z.B.
darin, für Unterrichtszwecke in Dorfschulen abgelegener Regionen Satelliten
einzusetzen oder in tropischen Gebieten künstliche Bewässerung mit Anlagen

- 2 -

�Anlagen durchzuführen, die mit Sonnenenergie betrieben werden.
Die Stiftung selbst wird nicht über das Personal verfügen, das
den Technologietransfer selbst vornehmen könnte. Vielmehr wird sie
Mittlerfunktionen erfüllen, indem sie bestehenden Problemen auf den
Grund geht und Experten, von denen zu erwarten ist, daß sie richtige
Lösungen finden, finanzielle Mittel zukommen läßt. In diesen Prozess
werden die Entwicklungsländer voll und ganz eingeschaltet, denn sie
sollen mitentscheiden, was sie benötigen und wie die Programme aussehen
sollen, die Abhilfe schaffen. Sie sollen letzlich in die Lage versetzt
werden, eigene Institutionen für die Ausbildung qualifizierter Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker zu gründen.
Nach Ansicht Dr. Smucklers wird sich der tatsächliche Prozess des
Technologietransfers zu einem Mechanismus entwickeln, von dem beide
Seiten profitieren. Als Beispiel verwies er auf Studien zur Stickstoffassimilation, die gegenwärtig in Brasilien durchgeführt werden, auf die
Entwicklung neuer Verfahren der Fischzucht in verschiedenen Gebieten der
Philippinen und auf ein indisches Projekt zur Verbesserung des SojabohnenAnbaus.
Die Vereinigten Staaten haben, wie Botschafter John W. McDonald
auf der "UN-Konferenz über technologische Zusammenarbeit unter Entwicklungsländern" in Buenos Aires (September 1978) erklärte, schon in den letzten
20 Jahren zahlreiche Projekte nach dem "Partnerschaftsmodell", d.h.
außerhalb der üblichen bilateralen Abkommen, finanziert. Für ca. 36 000
Personen aus über 100 Ländern wurden bisher auf diese Weise die notwendigen
Mittel aufgebracht. Sie erhielten eine sogenannte Drittländer-Ausbildung.
Das bedeutet, daß sie in einem Land außerhalb der Vereinigten Staaten und
außerhalb des als Empfängerland vorgesehenen Entwicklungslandes geschult
wurden. Dieses "trilaterale Modell" hilft psychologische Schranken abzubauen, die bei Anwendung des herkömmlichen "Geber-Empfänger-Modells"
zwangsläufig bestehen.
Bei diesem
- 3 -

�Bei diesem neuen, zeitgemäßeren Modus ist es üblich, daß sich zwei
Entwicklungsländer zusammensetzen und das Vorgehen für ein ganz bestimmtes
Projekt erörtern.

Stellen sie fest, daß sie nicht alle notwendigen

Antworten finden können,wenden sie sich gemeinsam an ein drittes Land
oder an eine Organisation.

In den Vereinigten Staaten haben sich bereits

verschiedene Institutionen bereit erklärt,als "dritte Partei" zu fungieren.
Sie werden in einem solchen Fall entweder selbst beraten und die Leitung
von Projekten übernehmen

oder Anfragen und Hilfeersuchen an die best-

geeigneten Stellen weiterleiten.
A.

Zur Verfügung stehen u.a.

Nationale Akademie der Wissenschaften
-

insbesondere bei Projekten für einen besseren Schutz der
Ernteerträge gegen Verderb und anderweitige Verluste, bei
Projekten der Wasserwirtschaft, der Erschließung von Meeresressourcen, von Naturprodukten (Waldprodukte, öle, Harze und
Gummi), Energieversorgung für ländliche Gebiete, Ausbildung
von Personal für Umweltschutz, Ansiedlung von kleineren
Industriebetrieben auf dem Land.

B.

Amerikanische Gesellschaft für öffentliches Gesundheitswesen
- vor allem für die Lösung von Problemen, die die primärärtzliche
Versorgung, Gesundheitsfürsorge mit der Einrichtung geeigneter
Systeme, medizinische Technik und Hilfsmittel, Kleinindustrie
mit Produktionsprogrammen auf medizinischen und verwandten
Gebieten sowie die Einschaltung von Beratern aus Ländern der
Dritten Welt umfassen.

C.

Amerikanischer Erziehungs- und Bildungsrat
-

eine Organisation mit mehr als 1200 in ihr vertretenen Colleges
und Universitäten für Beratungsaufgaben und Anleitung auf den
Gebieten Sprachenunterricht, volkskundliche und wirtschaftsgeographische Studien, Erwachsenenbildung und Weiterbildung,
Lehrerausbildung und -fortbildung, Austausch im Bildungswesen.
Internationale

�D.

Internationale Vereinigung für Städtebau und -Verwaltung
-

eine Organisation (Sitz Washington) mit mehr als 3 000 in ihr
vertretenen Städten aller Größen aus den USA, Kanada und Westeuropa hat sich die Lösung urbaner Probleme und die Verbesserung
der Lebensqualität in den Städten zum Ziel gesetzt.
Erfahrungsaustausch

Sie ist zum

auf den Gebieten Städteverwaltung,

Wachstumssteuerung urbaner Gemeinwesen, Probleme der Umweltverschmutzung in der Stadt, hohe Verkehrsdichte sowie Kooperation
von jeweils zwei Städten in Entwicklungsländern mit einer Stadt
in einem Industrieland bereit.
E.

Nationaler Technischer Informationsdienst (NTIS)
-

technische Zentralbibliothek (Washington) mit einem riesigen
Archiv von Texten im vollen Wortlaut oder als Kurzfassung,
gespeichert im Computer oder auf Mikrofilm, über mehr als
1 000 000 staatlich finanzierter Forschungsprojekte aus
praktisch allen Interessengebieten der Entwicklungsländer.
Außerdem hat der NTIS Zugang zu 160 anderen Datenbanken innerhalb der USA, die über weitere 50 Millionen Forschungsprojekte
von Universitäten, wissenschaftlichen Instituten und Privatleuten Informationen geben können. Auch 150 000 nichtamerikanische
Forschungsdokumente sind in den Archiven erfaßt. Bilaterale
Abkommen zwischen dem NTIS und über 20 Entwicklungsländern wurden
bereits abgeschlossen, so daß diese Länder über NTIS schriftlich, per Telefon, Fernschreiber oder Computer auch untereinander wissenschaftlich-technische Informationen austauschen
können. Gegenwärtig verhandelt NTIS mit Vertretern des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen über Möglichkeiten
einer optimalen Förderung der technischen Zusammenarbeit unter
Entwi cklungsländern.

F.

INTELSAT (Internationale Organisation für Fernmeldesatelliten)
- mit 102 Mitgliedstaaten eine der jüngsten und technisch be-

- 5 -

�technisch bestausgestatteten internationalen Institutionen
der Welt.

Mit Fernmeldesatelliten im Wert von 450 Millionen

Dollar ermöglicht sie rasche, exakte und billige Nachrichtenverbindungen um den ganzen Erdball.

Ungefähr 70 Staaten, die

Hälfte davon Entwicklungsländer, haben Bodenstationen für den
Satellitenfunk in Betrieb und können so über dieses Nachrichtennetz miteinander in Verbindung treten.
Das Direktorium von INTELSAT hat einem Vorschlag Kuweits
und einiger arabischer Staaten grundsätzlich zugestimmt, daß
sich INTELSAT auf dem Gebiet der internationalen technischen
Zusammenarbeit engagiert und Regierungen, die noch nicht über
ausreichende technische Erfahrungen verfügen, berät und dabei
unterstützt, ein Fernmeldenetz via Satelliten einzurichten.

Auf

diese Weise könnten immer mehr Länder miteinander wissenschaftlichtechnische Daten und Informationen austauschen, was auch ihrer
Entwicklung zugute käme.
Den Entwicklungsländern dabei zu helfen, ihre eigenen institutionellen
Möglichkeiten für eine Bewertung, Auswahl, Anpassung und Neuschöpfung von
Technologien zu verbessern und für Wissenschaft und Technik eine eigene
Infrastruktur aufzubauen, ist eines der wesentlichen Ziele der US-Stiftung
für internationale technologische Zusammenarbeit. Für Ausbildung, Forschung
und Entwicklung auf besonders wichtigen Gebieten wie Energie, Landwirtschaft,
Gesundheitswesen und Kleinindustrie - vor allem in Ländern mit niedrigen
Einkommen - werden finanzielle Mittel beschafft und die Beratung bzw. Anleitung durch Experten vermittelt. Auch soll die Zusammenarbeit zwischen
amerikanischen und ausländischen Institutionen gefördert werden, die sich
um optimale Lösungen für spezielle Entwicklungsprobleme bemühen. Die
Stiftung ist ferner daran interessiert, die wirtschaftlichen Möglichkeiten
auf subregionaler und regionaler Ebene zu verbessern und Technologien den
Erfordernissen selbst lokaler Probleme und Umstände anzupassen.
+ + + + +

- 6 -

�31
I

UUi//cn/choft
wui Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. November 1978

27

POCKENBEKÄMPFUNG - ERFOLGREICHSTES UN-PROGRAMM
Amerikanische Ärzte maßgeblich beteiligt

- (AD) - Am 26. Oktober 1978 war es ein volles Jahr, dass in Afrika
kein einziger Pockenfall mehr auftrat - Asien ist sogar schon seit drei
Jahren pockenfrei. Dies ist einer etwa zehn Jahre währenden Kampagne der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Ausrottung der Pocken zu verdanken und die Welt zieht daraus in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher
Sicht bereits Dividenden. Sie belaufen sich, so verlautet aus Kreisen
der WHO, auf nahezu zwei Milliarden Dollar im Jahr. Das ist ungefähr
die Summe, die die Krankheit früher an wirtschaftlichen Verlusten verursachte. Das Bekämpfungsprogramm war demgegenüber wesentlich billiger.
Es erforderte 300 Millionen Dollar.
Etwa zwei Drittel dieser Kosten trugen Länder, in denen die Pocken
die meisten Opfer forderten.

Für den Rest kam die WHO sowie eine Anzahl

anderer Länder und Spenderorganisationen auf.

Impfstoffe mit Millionen

von Einheiten stellten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
zur Verfügung.

Langjährige Mitarbeiter der Vereinten Nationen, denen

die WHO angeschlossen ist, bewerten den Kampf gegen die Pocken als das

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�das wirksamste Programm großen Stils, das von den UN je durchgeführt
wurde.

Es befreite Millionen und Abermillionen Menschen von Not und

Leid.
Als die WHO im Jahr 1967 ihre Kampagne begann, erkrankten jährlich
schätzungsweise zweieinhalb Millionen an den Pocken.
starben oder blieben ihr Leben lang geschädigt.
ereignete sich vor einem Jahr in Somalia.
Birmingham im September 1978

Viele von ihnen

Die letzte Kontaktinfektion

Den Tod einer Engländerin in

rechnen WHO-Beamte nicht zu der regulären

Kategorie von Pockenerkrankungen, weil die Infektion offensichtlich auf
unreichende Schutzmaßnahmen in einem Laboratorium zurückzuführen ist,
wo Pockenviruskulturen für experimentelle Zwecke gezüchtet werden.
Die WHO setzt sich schon seit geraumer Zeit für verschärfte Vorsichtsmaßnahmen in Laboratorien ein und drang darauf, daß nur noch vier
Institute - in London, Moskau, Peking und Atlanta (Georgia) - ständig
Pockenviruskulturen halten dürfen, um Vergleiche mit anderen infektiösen
Viren anstellen zu können und im Fall unvorhergesehener Entwicklungen
Forschungsmaterial an der Hand zu haben.

Im Dezember 1978 will die WHO

aufgrund des Gutachtens eines Wissenschaftlergremiums endgültig darüber
entscheiden, ob von der totalen Ausrottung der Pocken in der Welt gesprochen werden könne - oder noch immer nicht.
In 130 Ländern werden heute von Reisenden keine Impfbescheinigungen
mehr verlangt. In den USA und 38 weiteren Ländern besteht keine Impfpflicht
mehr zum Schutz gegen Pocken. Das bedeutet, daß die Kampagne gegen die
Pocken in diesen Ländern Gelder, die bisher für die Herstellung oder
den Kauf von Vakzinen oder für die Durchführung vom ImpfProgrammen, die
Behandlung von Pockenpatienten, die Überwachung im Inland und an den
Grenzen sowie für Maßnahmen gegen plötzliche Ausbrüche der Seuche verwendet werden mußten, jetzt für andere Zwecke verfügbar macht.
Theoretisch könnten sie nach Ansicht der WHO anderen notwendigen Entwicklungs-

- 2 -

�Entwicklungsprogrammen, insbesondere auf dem Gebiet des Gesundheitswesens,
zugute kommen.
Der erste Jahrestag zu dem letzten bekannt gewordenen Fall in
Somalia wurde am Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York in
einer kleinen Feier gewürdigt. Am darauffolgenden Tag ehrte man in
Rochester (New York) zwei amerikanische Ärzte, die sich im Kampf gegen
die Pocken besonders verdient gemacht hatten. Es sind dies Dr. William
Foege, der Direktor der Zentralstelle für Krankheitsbekämpfung (Center
for Disease Control - CDC) in Atlanta, und Dr. Donald A. Henderson, der
ehemalige Leiter der CDC-Abteilung für die Ausrottung der Pocken und jetzt
Dekan der Fakultät für öffentliches Gesundheitswesen an der Johns HopkinsUniversität in Baltimore (Maryland).
Die CDC leistete einen der wichtigsten Beiträge zur Kampagne der WHO.
Sie schickte mehr als 300 Ärzte und technisches Personal in Gebiete in
aller Welt, wo immer wieder Pockenepidemien auftraten.

Dr. Henderson

leitete die WHO-Kampagne von Anfang an und gab erst vor einem Jahr diese
Funktion ab, nachdem sich immer deutlicher zeigte, daß die akuten Gefahren
gebannt sind.

+ + + + +

- 3 -

�I 3
27

UUi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. November 1978

HAMOGLOBINE MIT UNTERSCHIEDLICHER SAUERSTOFFBINDUNG
Umweltbedingungen zwingen Fische zum "Umschalten"

- (AD) - Die ungewöhnliche Adaptionsfähigkeit der Fische im
Amazonasgebiet, wo sich häufig in kurzer Zeit die Lebensbedingungen
radikal ändern, ist bei zahlreichen Arten auf das Vorhandensein mehrerer
Hämoglobintypen im Organismus zurückzuführen, die Sauerstoff verschieden
stark binden. Diese unterschiedliche Affinität von Molekülen des roten
Blutfarbstoffs zu Sauerstoff versetzt die Fische in die Lage, den Sauerstoffbedarf des Organismus auch unter schlechten Atmungsbedingungn optimal
zu decken. Dies fanden 22 Wissenschaftler aus sechs Ländern während
ihrer Expedition mit dem amerikanischen Forschungsschiff "Alpha Hei ix"
zum Amazonas heraus.
Hämoglobin ist das Schlüsselmolekül der Erythrozyten (rote Blutkörperchen) für den Transport von Sauerstoff zu den Organen und Geweben.
Das sauerstoffbeladene Molekül im (auf Grund dieses Zustandes hellen)
Arterienblut gibt in den Kapillaren der Gewebe den Sauerstoff durch
Dissoziation ab. über mehrere chemische Reaktionen wird vom Hämoglobin

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Tel: 02221-89 32 4 0

�Hämoglobin auch die Abführung von Kohlendioxid (CO2) mit dem Venenblut
besorgt, das infolge der (^-Beladung dunkler gefärbt ist. Chemisch
gesehen ist Hämoglobin die Kombination eines jeweils artspezifischen
Proteins (Globin) mit einem Porphyrin-Eisen-Komplex-Salz.
In einem Bericht an die Nationale Forschungsstiftung (National
Science Foundation - NSF) der USA betont der Leiter der Expedition,
der Zoologe Dr. Austen Riggs von der Staatsuniversität Texas in Austin,
die Bedeutung der Forschungsergebnisse für den Nachweis der gleichzeitigen
Existenz verschiedenartiger Hämoglobine mit unterschiedlicher Affinität
zu Sauerstoff in einem Organismus. Sie sei offenbar viel weiter verbreitet, als bisher angenommen wurde. Die Entdeckung sei "von großem
Interesse für die Evolutionsforschung und für die Genetik". Sie
vermittle außerdem wichtige Erkenntnisse über die Funktion des menschlichen
Hämoglobins. (In menschlichen Erythrozyten wird z.B. fetales Hämoglobin
und sog. bleibendes Erwachsenen-Hämoglobin unterschieden. Beide Hämoglobintypen sind bei der Geburt im Verhältnis von ungefähr 2 : 1 vorhanden.
Aber schon in den ersten Lebensmonaten wird die "fetale" gegen die
"bleibende" Form völlig ausgetauscht. Es wurden aber auch zahlreiche
pathologische Typen von Hämoglobin nachgewiesen, zu denen z.B. das
schwere Anämien verursachende Sichelzellen-Hämoglobin gehört. Diese
Formen und zahlreiche weitere, inzwischen ermittelte Varianten sind
vererbbar und treten bei Personen bestimmter Rassenzugehörigkeit, aber
auch regional mit größerer Häufigkeit auf. Für eine Behandlung der oft
katastrophalen Auswirkungen von "Baufehlern" des menschlichen Hämoglobins
und des durch sie verursachten Sauerstoffmangels im Organismus besteht
neuerdings bei vielen Fällen Hoffnung aufgrund der Forschungsergebnisse
einer deutschen Wissenschaftlergruppe vom Max-Planck-Institut in Mühlheim/
Ruhr und der Technischen Hochschule von Aachen. Sie entwickelten eine
Methode, mit der sich gewisse Substanzen, welche die Bindungen zwischen
Hämoglobin und molekularem Sauerstoff schwächen, in Erythrozyten einlagern
lassen.

Die Folge ist eine vermehrte Sauerstoffabgabe an Organe und

- 2-

�und Gewebe.)

Das Interesse der internationalen Gruppe mit Biochemikern, Zoologen
und Biologen aus den USA, Brasilien, Dämemark, Großbritannien, Italien
und Norwegen auf der "Alpha Hei ix", einer schwimmenden Forschungsstation
des Scripps-Instituts für Ozeonographie in San Diego (Kalifornien), hatte
in erster Linie den anatomischen Besonderheiten und biochemischen
Mechanismen sowie den Verhaltensä'nderungen der Fischpopulationen
einer Veränderung der Umweltbedingungen gegolten.

bei

Die Amazonas-Fische

sind auf besondere Anpassungen angewiesen, um zu überleben.

Jedes Jahr

verursachen Regenfälle gewaltige Überschwemmungen, die in weite Gebiete
des tropischen Urwalds vordringen.

Wenn das Hochwasser zurückgeht,

bleiben Tümpel und kleine Seen mit großen Mengen von Fischen zurück.
"Faulende Vegetation verbraucht rasch den Sauerstoff im Wasser", erklärt
Dr. Riggs.

Die in den Hochwasserrückständen gefangenen Fische müssen

ums überleben kämpfen.

Die Forscher untersuchten im Bordlaboratorium u.a. das Blut von
praktisch jeder wichtigen Fischart, um mehr über deren Anpassungsmechanismen, die ein überleben möglich machen, herauszufinden.

Die

Studien konzentrierten sich deshalb auf Blut, weil es zusammen mit dem
Sauerstoffträger Hämoglobin ein direktes "Kettenglied" zwischen dem
Sauerstoff in der Umwelt und den Körpergeweben bildet, die in Stoffwechsel
Prozessen den aufgenommenen Sauerstoff verbrauchen.

Die biologische Anpassung habe, so Dr. Riggs, dazu geführt, daß
manche Fischarten z.B. ganz normal Luft atmen - sie heben einfach den
Kopf aus dem Wasser.

Bei einer der Spezies wurde eine ganz reguläre

Lunge festgestellt.

Bei einer anderen ist ein Teil des Magens so um-

gewandelt, daß er den Gasaustausch bei Luftatmung durchführen kann.
Wieder andere Fische holen den Sauerstoff aus der Oberflächenschicht
des Wassers. Aber es gibt auch zahlreiche Arten, die anatomisch nicht
auf diese Weise angepaßt sind und statt dessen komplizierte molekulare

- 3 -

�molekulare und biochemische Mechanismen entwickelt haben. Und eine davon
ist die Ausbildung von zwei und mehr verschiedenen Hämoglobinen im
Organismus, die den Sauerstofftransport und die Versorgung der Gewebe
unter den verschiedensten Umweltbedingungen aufrechterhalten.

Daß bei

Fischen sehr häufig mehrere Hämoglobintypen auftreten, war bereits bekannt.
So kennt man beim Karpfen drei verschiedene Hämoglobine.

Aber sie weisen

alle die gleichen Eigenschaften der Sauerstoffbindung auf.
Wie Dr. Riggs weiter betont, ist eine gute Kenntnis der Physiologie und Biochemie der Amazonas-Fische eine wichtige Voraussetzung für
die Nutzung dieser wichtigen Nahrungsquelle nach vernünftigen ökologischen
Gesichtspunkten.

Gegenwärtig in den USA und in Brasilien durchgeführte

Studien zeigen, daß sich einige Amazonas-Fischarten für die Zucht in
Fischfarmen eignen würden.

Die biochemischen Untersuchungen im Verlauf

der Expedition helfen, die Bedingungen besser zu definieren, unter denen
der Betrieb solcher Fischfarmen durchgeführt werden muß.
Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Forschungsfahrt der "Alpha Hei ix"
ins Amazonasgebiet werden in der britischen Zeitschrift "Comparative
Biochemistry and Physiology" veröffentlicht.

+ + + + +

- 4-

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              <text>Amerikadienst 15.11.1978</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die politischen Kräfte der Mitte auf dem Vormarsch&lt;br /&gt;Nachlese zu den amerikanischen Wahlen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- von Andrew J. Glass -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Grundzüge des neuen US-Energiegesetzes&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was für SALT II spricht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- von Senator Edward M. Kennedy -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Stiftung für internationale Technologische Zusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Partner für Entwicklungsländer&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pockenbekämpfung - erfolgreichstes UN-Programm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Ärzte maßgeblich beteiligt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hämoglobine mit unterschiedlicher Sauerstoffbindung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Umweltbedingungen zwingen Fische zum "Umschalten"&lt;/em&gt;</text>
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