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                  <text>Information
und
TPi { i / i i W i i M

• j i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30. August 1978

21

INHALT

DOKUMENTATION
Richardson umreißt Ziele der Seerechtskonferenz aus amerikanischer Sicht
- Wortlaut der Erklärung vom 21. August 1978 HINTERGRUNDMATERIAL
US-Verteidigungsminister unterstützt Carters Verteidigungskonzeption
Washington rechnet mit Energiegesetz für Anfang 1979
- von John Holway WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Energie der Sterne
US-Institut meldet Fortschritt auf dem Weg zur kontrollierten Kernfusion
Boten aus fernen Regionen des Sonnensystems
- Bisher unbekannte Meteoritenart entdeckt Neues für Diagnose und Therapie bei Lungenerkrankungen

Um Übci/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Dokumentation
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30. August 1978

21

RICHARDSON UMREISST ZIELE DER SEERECHTSKONFERENZ AUS AMERIKANISCHER SICHT
- Wortlaut der Erklärung vom 21. August 1978 -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation auf der Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen, Botschafter Elliot
Richardson, hat am 21. August 1978 anläßlich des Beginns der Herbsttagung
dieses Gremiums auf einer Pressekonferenz die Ziele der USA umrissen.
Er gab eine Erklärung ab, die folgenden Wortlaut hat:
Als sich die siebte Sitzung der Dritten Seerechtskonferenz der Vereinten
Nationen im Mai dieses Jahres vertagte, geschah dies im Geiste beträchtlicher
Befriedigung. Selbst die ermüdetsten Beobachter dieser langen, harten und
komplizierten internationalen Verhandlungen konnten nicht umhin, von der Zielsetzung dieser Konferenz sowie der neuerlichen Verpflichtung beeindruckt zu
sein, auch die offensichtlich schwierigsten Probleme durch ein sachliches,
realistisches Geben und Nemen zu vermindern.
Vielleicht wird eines Tages gesagt werden, daß die Genfer Phase der Wendepunkt dieser Konferenz war - der Zeitpunkt nämlich, an dem der Argwohn abgebaut wurde und da der Norden und der Süden stillschweigend übereinkamen, daß
pragmatische wirtschaftliche Überlegungen die Oberhand behalten sollten. Für

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�I

Für die Vereinigten Staaten war der in Genf erzielte Fortschritt Anlaß genug,
um unsere Verpflichtung zu erneuern, einen gerechten Vertrag anzustreben, der
auf dem Grundsatz des gemeinsamen Nutzens basiert.
Lassen Sie mich an diesem Punkte innehalten, um zu unterstreichen, daß
unsere Befriedigung über die verbesserte Atmosphäre der Genfer Verhandlungen
nicht so ausgelegt werden sollte, als sähen wir bereits einen Vertrag oder
sofortige Lösungen für die wirklich schwerwiegenden Fragen vor uns. Wir stehen in einem langfristigen Bemühen.

Hinsichtlich des Tiefseebodenbergbaus

haben wir gegenüber vielen Teilen der Genfer Texte ernsthafte Einwände, obwohl sie besser sind als der inoffizielle zusammenfassende Verhandlungstext,
der im vergangenen Jahr am Ende der sechsten Sitzung formuliert wurde.
Die Genfer Texte sind insofern wertvoll, als sie die Grundlage für weitere
Verhandlungen legen und die Konferenz näher an das Ziel einer Übereinstimmung
heranführen. Aber wenn auch der Geist und die Verpflichtung der Konferenz hoch
gesteckt sind, so sind die Hindernisse für eine Übereinstimmung ebenfalls groß.
Die vor uns liegende Arbeit bezüglich der Meeresbodentexte ist schwieriger
und kann leichter in eine Sackgasse führen als alles, was wir bisher unternommen haben.
Wir sind der Ansicht, es sei wichtig, daß wir während der jetzt wieder
begonnenen Sitzungsperiode nicht erneut die in Genf formulierten Texte überarbeiten. Alle Delegationen sind sich darüber im klaren, daß die Summe der
bisher erreichten Übereinkünfte eine Filigranarbeit darstellt. Was Stärke und
Fortbestand dieser Übereinkünfte anbetrifft, so hängt jede von weiteren Absprachen ab; jede ist in sich zerbrechlich und verletzlich. Wenn wir jetzt
den Blick zurückwenden und uns erneut auf einige wenige Elemente dieser Texte
konzentrieren würden, dann würde dies nur Schockwellen auslösen, die eine nachteilige Auswirkung auf zahlreiche Elemente hätten. Wir würden es vorziehen,
wenn sich die Bewegung nach vorne fortsetzen würde und wenn Änderungen zu
einem späteren Zeitpunkt angesichts des Meeresbodenpaketes als Ganzes erörtert
würden.
Obwohl

�Obwohl die Konferenz mit neuer Energie erfüllt ist, so kann sie doch
nicht übersehen, daß die Fakten, mit denen sie sich befaßt, einem ständigen
Wandel unterliegen.

Private Unternehmen verschiedener Industrienationen haben

bereits große Investitionen im Rahmen der Forschung für den Tiefseebodenbergbau aufs Spiel gesetzt.

Die kommerzielle Anwendung ihrer sich rasch entwickeln-

den Technologie dürfte bereits in wenigen Jahren erfolgen.

Unter Berücksichtigung dieser Entwicklung ist der amerikanische Kongreß
bereits dabei, Gesetze zu verabschieden, die den Meeresbodenbergbau durch
amerikanische Unternehmen regeln werden.

Diese Gesetzgebung ist ihrem Charak-

ter nach sowohl international als auch binnenwirtschaftlich.

- Sie anerkennt unsere Verpflichtung aufgrund der Konzeption, daß die
Ressourcen des Meeresbodens das gemeinsame Erbe der Menschheit darstellen;
- sie wird überholt sein, wann immer ein Seerechtsvertrag unter Einschluß
der Vereinigten Staaten in Kraft tritt;

- sie sieht vor, daß Einkünfte für die Entwicklungsländer bereitgestellt
werden;

- sie setzt strenge Normen für den Schutz der Meeresumwelt fest;

- sie legt keinerlei Souveränitätsrechte hinsichtlich der Stätten des
Meeresbodenbergbaus fest; und
- sie erklärt oder impliziert keinerlei dahingehende Absicht, daß die
amerikanischen Abbauunternehmen außerhalb der Jurisdiktion einer internationalen Meeresbodenbehörde bleiben sollen, nachdem ein internationaler Vertrag
in Kraft getreten ist»

Die Kräfte, die jetzt in Gang gesetzt worden sind, bewegen sich auf einer
breiten Front voran.
den.

Sie können weder blockiert noch rückgängig gemacht wer-

Die Meeresböden enthalten Mineral Stoffe, die für das wirtschaftliche Wachs-

�Wachstum wichtig sind.

Sie werden früher oder später abgebaut werden, ob

nun ein Vertrag besteht oder nicht.

Dies sind die fundamentalen Realitäten,

denen wir uns in unseren Verhandlungen gegenübersehen.
Wenn wir uns nun den in dieser Woche wieder aufgenommenen Verhandlungen
zuwenden, dann ist es das Ziel der Vereinigten Staaten - wie es das schon
immer im Verlauf dieser Verhandlungen gewesen ist -, einen umfassenden Vertrag
zu erreichen, der unsere wesentlichen Interessen schützt.

Gleichzeitig sind

wir jedoch der Ansicht, daß diese Konferenz nur dann als erfolgreich beurteilt
wird, wenn sie auch die wesentlichen Interessen aller Länder schützt.
Was die Vereinigten Staaten angeht, so schließen diese Interessen einen
gesicherten Zugang zu den Mineral Stoffen des Meeresbodens ein.

Als Kompromiß

werden wir auch weiterhin bemüht sein, ein paralleles Abbausystem zu schaffen,
das Investitionen anzieht, wirtschaftlich auf lange Sicht gesehen lebensfähig
ist und das sich den gerechten Ansprüchen der Entwicklungsländer anpaßt.

Die-

ses System sollte den Zugang und den Besitz seitens aller qualifizierten Abbauunternehmen sicherstellen, realistische Produktionskontrollen und finanzielle Vorkehrungen festsetzen, für den technologischen Transfer unter fairen
kommerziellen Bedingungen sorgen und von einer internationalen Behörde verwaltet werden, die Entscheidungen auf einer Grundlage trifft, welche die wichtigen auf dem Spiele stehenden Interessen hinsichtlich Investition, Produktion und Verbrauch berücksichtigt.
Die Gesamtheit des durch diese Konferenz erbrachten Nutzens, mag noch
so groß und eindrucksvoll sein; dies wäre jedoch nicht ausreichend, um uns
zu der Annahme eines Meeresbodenschürfrechtes zu veranlassen, das diesen Kriterien nicht gerecht wird. Ob über einen solchen Rechtsrahmen verhandelt
werden kann, bleibt abzuwarten.
Von diesen Fragen des Tiefseebodens abgesehen, ist die Konferenz in der
Lage, wesentliche Fortschritte hinsichtlich einer endgültigen Lösung anderer
wichtiger Fragen zu erzielen. Dazu gehören die wissenschaftliche Forschung

- 4 -

�Forschung sowie eine genaue Definition des Festlandsockels.

Bezüglich der

wissenschaftlichen Forschung sollte die Konferenz Mittel und Wege erörtern,
um die Texte im Hinblick auf die praktische Perspektive der Forschung und des
juristischen Gesamtrahmens zu klären und zu verbessern, der sich aus den Verhandlungen ergeben hat. Jedes Land sollte sich darüber im klaren sein, daß
natürliche Vorgänge in einer ausländischen Wirtschaftszone letztlich seine
eigene Bevölkerung in sehr wichtiger Hinsicht berühren können.

Darüber hinaus

dürfte es nicht praktisch sein, kostspielige Projekte auszuführen, wenn ein
Küstenstaat diese ablehnt, selbst wenn seine Nachbarn die Fortsetzung dieser
Projekte wünschen.

Die amerikanische Delegation hat die Absicht, sich um

weitere Verbesserungen des Textes zu bemühen, um die Durchführung der wissenschaftlichen Forschung zu erleichtern und die Verfügbarmachung wissenschaftlicher Informationen zum Nutzen aller zu fördern.
Die amerikanische Delegation geht in die wieder aufgenommene Tagung mit
der Hoffnung, daß die in Genf entwickelten Impulse erhalten bleiben und daß
diese vier Wochen uns dem Ziel eines allseitig akzeptablen, umfassenden Vertrages näherbringen werden.

Gleichzeitig sind wir uns alle nur zu sehr der

Tatsache bewußt, daß sich die Konferenz noch gewaltigen Problemen gegenübersieht, deren Lösung von uns allen kollektive Klugheit und Geduld erfordern.

+ + + + +

- 5 -

�21

30. August 1978

US-VERTEIDIGUNGSMINISTER UNTERSTÜTZT CARTERS VERTEIDIGUNGSKONZEPTION

NEW ORLEANS, LOUISIANA - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister
Harold Brown hat auf der Jahrestagung des amerikanischen Reservistenverbandes
"American Legion" in New Orleans am 22. August 1978 die Entscheidung von Präsident Carter unterstützt, gegen das vom Kongreß verabschiedete Verteidigungsbeschaffungsgesetz sein Veto einzulegen. In dem Gesetz sind 2 Milliarden
Dollar für einen nuklear angetriebenen Flugzeugträger vorgesehen, die nach
Auffassung des Präsidenten für die Verbesserung der Einsatzbereitschaft der
amerikanischen Streitkräfte, vor allem im Zusammenhang mit der NATO, notwendiger gebraucht werden. Brown machte im wesentlichen folgende Ausführungen:
...Präsident Carter und ich werden alles in unseren Kräften stehende tun,
um dafür zu sorgen, daß die Verteidigungserfordernisse unseres Landes voll
erfüllt werden.
Genau aus diesem Grunde hat Präsident Carter in der vorigen Woche ohne
seine Billigung dem Kongreß ein Verteidigungsbeschaffungsgesetz zurückgeschickt, das unsere Verteidigung geschwächt hätte - indem zwei Milliarden
Dollar von Verteidigungserfordernissen hoher Priorität abgezweigt würden,
um die Mittel für einen nuklear angetriebenen Flugzeugträger aufzubringen.
Der Präsident und ich unterstützen den vollen Betrag des Verteidigungshaushaltes in Höhe von 126 Milliarden Dollar, den er angefordert hat. Wir wollen

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�wollen nicht, daß der Kongreß hier Kürzungen vornimmt. Aber wir wollen, daß
das Geld klug und dort ausgegeben wird, wo es am nötigsten gebraucht wird.
Der nuklear angetriebene Flugzeugträger kostet fast eine Milliarde Dollar
mehr als ein künftiger konventionell angetriebener Träger. Wir planen auch
für die Zukunft den Bau von Flugzeugträgern, aber wir brauchen diesen jetzt
nicht auf Kosten dringenderer Erfordernisse zu bauen.

Und wir brauchen auch

nicht eine Milliarde Dollar mehr zu bezahlen.
Die Handlung des Präsidenten dient der Stärkung unserer Verteidigung,
und sie ist sicherlich nicht gegen die Marine gerichtet. Wir besitzen die
stärkste Marine der Welt, und wir wollen das beibehalten.

Wir brauchen aber

ausgewogene Streitkräfte, um allen unseren Verteidigungserfordernissen gerecht werden zu können, einschließlich insbesondere der Erfordernisse für unsere Streitkräfte in Europa oder der für den Einsatz dort in Verbindung
mit den Streitkräften unserer NATO-Verbündeten vorgesehenen Streitkräfte,
um der sowjetischen Aufrüstung zu begegnen...
Lassen Sie mich nun zu einer allgemeineren Beurteilung kommen, wo wir
heute in der Welt stehen und wie dies unsere Verteidigungsentscheidungen beeinflußt.
Ich möchte natürlich zunächst feststellen, daß die relative Gesamtstärke der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion von mehr abhängt als nur
von den Streitkräften - obwohl diese Streitkräfte ein notwendiges und entscheidendes Element sind. Zum Gesamtkräfteverhältnis gehören viele Dinge
- wirtschaftliche Stärke und Produktivität, politische Stabilität und politischer Zusammenhalt, unsere technologischen Fähigkeiten, die Anziehungskraft unserer Lebensweise und unserer internationalen Politik und unser nationaler Wille. An diesen überbegriffen gemessen besteht nach meiner Überzeugung kein Zweifel daran, daß die Vereinigten Staaten das mächtigste Land
der Erde sind. Wir übertreffen die Sowjetunion in fast allen Kategorien,
die ich aufgezählt habe. Nur auf dem militärischen Sektor konnte die Sowjet-

- 2 -

�Sowjetunion unser Rivale werden.

Aber die Tatsache, daß die Sowjets einen

so großen Teil ihrer Anstrengungen auf militärische Tätigkeiten verwandt
haben, ist eine ernste Sache und muß uns beunruhigen.

Wir müssen alles not-

wendige tun, um ein militärisches Gleichgewicht und auch ein günstiges Gesamtgleichgewicht der nationalen Macht aufrechterhalten...

Wir sehen, daß die Sowjets seit fast 20 Jahren mit einer wesentlichen
militärischen Aufrüstung beschäftigt sind...

Aber das bedeutet nicht, daß wir und unsere Verbündeten auf unseren
Händen gesessen haben oder daß wir plötzlich dem Warschauer Pakt unterlegen
geworden seien...

Die Sowjets müssen mit einer ganzen Reihe von Problemen ringen, die wir
nicht haben, vor allem im Hinblick auf China... Es fehlt den Sowjets an bereitwilligen und tüchtigen Verbündeten...

So ist also ein einfacher Vergleich der sowjetischen und der amerikanischen Streitkräfte nur ein Anfang, um unsere militärischen Erfordernisse
zu begreifen.

Bei der Planung unserer Streitkräfte müssen wir aufpassen,

daß wir durch solche Vergleiche nicht irregeführt werden.

Nehmen wir nur einmal den Fall unserer strategischen Nuklearposition.
Mit den bereits dislozierten Gefechtsköpfen können wir alle wichtigen militärischen Ziele in der Sowjetunion erreichen - selbst noch nach einem Erstschlag der Sowjets.

Unsere grundlegende Offensivstärke reicht, mit anderen

Worten, heute aus...

Hier und heute könnten wir selbst nach einem sowjetischen Überraschungsangriff im wahrsten Sinne des Wortes mit tausenden von thermonuklearen Waffen
(Wasserstoffwaffen) Ziele in der Sowjetunion erreichen.

Trotz der Verbesse-

rung der sowjetischen Offensiv- und Defensivstreitkräfte wird diese unsere
Fähigkeit in Zukunft nicht zurückgehen.

Sie wird größer werden...
Ich

- 3 -

�Ich weiß, daß sich manche von Ihnen Sorgen über SALT machen.

Ich

möchte Ihnen versichern, daß kein SALT-Abkommen abgeschlossen werden wird,
dessen Unterzeichnung nicht im Interesse der Vereinigten Staaten liegt.
Das bedeutet insbesondere, daß es unsere militärische Sicherheit nicht untergraben darf.

Ein annehmbares Abkommen über die Begrenzung der strategischen

Rüstungen darf die von mir eben beschriebene Zweitschlagkapazität der Vereinigten Staaten nicht schwächen.

Wir werden uns die Gewähr vorbehalten

- und die Sowjets werden das wissen - daß wir einen solchen vernichtenden
Zweitschlag führen können.

Und das wird trotz des derzeitigen Zivilschutz-

programms der Sowjets gelten.
Lassen Sie mich zum Schluß noch ein paar Worte zu den konventionellen
Streitkräften sagen... Trotz des Anwachsens der sowjetischen GefechtsfeldKapazität haben wir und unsere Verbündeten bereits die Land-, See- und Luftstreitkräfte aufgestellt - und bezahlen für sie -, die zum Schutz unserer
Interessen in der Welt notwendig sind.

Trotz unserer weltweiten Verantwor-

tung sind wir sehr gut ausgerüstet, um mit Ernstfällen fertig zu werden,
die einen genügenden Zeitraum für die Bereitstellung und Dislozierung unserer Streitkräfte gestatten.,..
Die sowjetischen Gefechtsfeld-Streitkräfte haben sich am bedeutsamsten
gewandelt - zwar nicht zahlenmäßig, aber doch was ihre Fähigkeit angeht,
kurze, intensive nicht-nukleare Feldzüge zu führen, wobei bei relativ geringer
Vorbereitungszeit starke modernisierte Truppen eingesetzt werden. Folglich
... ist ein Überraschungsangriff mehr in den Bereich des Möglichen gerückt.
Unsere Erfordernisse haben sich entsprechend geändert: nicht in Richtung
auf größere Streitkräfte, sondern in Richtung auf eine größere Einsatzbereitschaft, eine kurzfristig gesehen größere Widerstandskraft, eine verbesserte
Interoperabilität mit unseren Verbündeten sowie eine längerfristige Mobilität
der Truppen, über die wir bereits verfügen...
Ein angemessenes und entsprechend ausgewogenes Verteidigungsbudget ist
also ein Weg, mit dessen Hilfe wir unsere Sicherheit gegenüber der mili- 4 -

�militärischen Drohung der Sowjets garantieren.
aber nicht der einzige.

Es ist ein notwendiger Weg,

Obwohl einige immer noch skeptisch hinsichtlich von

Rüstungskontroi labkommen sein mögen 7 und mir obliegt es insbesondere, in
dieser Hinsicht nicht leichtgläubig zu sein -, so sind solche Abkommen doch
ein weiterer und zusätzlicher Schritt, um sich mit den militärischen Anstrengungen der Sowjets auseinanderzusetzen... Die Sowjets sind sich jedoch darüber im klaren, daß - solange wir stark bleiben... - ein direkter Konflikt
mit den Vereinigten Staaten und ihren Freunden rasch zu einer Katastrophe
führen könnte. Auf ein Mindestmaß gebracht: Sie teilen unser Interesse,
einen solchen Konflikt zu vermeiden...
Die von uns bevorzugte Zurückhaltung muß besonders stark sein, wenn es
sich um nukleare Streitkräfte handelt. Nuklearwaffen stellen die einzige
wirkliche Bedrohung für den Fortbestand der Vereinigten Staaten, aber auch
für die Sowjetunion dar... Folglich wird es in zunehmendem Maße unwahrscheinlich, daß ein weiterer Aufbau der einen Seite zu einem bedeutsamen Vorteil
führen wird, vorausgesetzt, daß die andere Seite umsichtige Gegenmaßnahmen
ergreift...
Damit will ich nicht sagen, daß Abkommen zur Begrenzung strategischer
oder anderer Rüstungen alle Probleme lösen, jeden Grund zu Furcht und Argwohn beseitigen oder jeglichem Wettrüsten völlig Einhalt gebieten könnten.
Aber mit sorgfältig ausgearbeiteten Abkommen, die sich auf eine Verifizierung
ihrer Einhaltung stützen, kann sehr viel erreicht werden...
Ich sehe keine unmittelbare Aussicht auf die Erreichung eines beiderseitigen Endes des Wettstreits auf dem Gebiet der militärischen Stärke.

Es

ist heute ein vernünftiges Ziel, auch die bescheidensten Impulse in Richtung
auf eine Rüstungskontrolle aufrechtzuerhalten.

Aber eine Rüstungskontrolle

als solche - das kann ich Ihnen versichern -, ist nicht unser einziges oder
gar unser hauptsächliches Ziel bei den SALT-Verhandlungen.

Was wir wünschen

und worauf wir bestehen, ist, daß die Sicherheit der Vereinigten Staaten und
ihrer Verbündeten mit einem SALT-Abkommen zumindest genau so gesichert Ist
- 5 -

�ist wie ohne. Wenn ein Abkommen diese Prüfung nicht besteht, dann wird es
auch nicht unterzeichnet werden.

Wenn es das tut, dann wird unterschrieben.

Aber ob nun mit oder ohne SALT - unsere Verteidigungsprogramme werden im
wesentlichen fortgesetzt werden müssen...
Der Präsident und ich wollen absolut effektive Streitkräfte.
fordert schon die Konkurrenz seitens der Sowjetunion.

Dies er-

Eine echte Kampfbe-

reitschaft ist die wirksamste Gegenmaßnahme gegen die militärische Drohung
der Sowjets. Unsere Mittel müssen so eingesetzt werden, daß wir jenen Arten
von Konflikten sicher begegnen können, die jetzt und für die absehbare Zukunft am wahrscheinlichsten sind.

Wir dürfen nicht auf die alte Strategie

zurückfallen, in deren Rahmen auf eine sofortige Einsatzbereitschaft verzichtet und auf einen langen Zeitraum für die Mobilisierung gesetzt wurde
- eine Strategie, die schon in den dreißiger Jahren kaum noch vertretbar
war.

Heute verfügen wir nicht mehr über den Luxus der Zeit, sondern Kampf-

bereitschaft und schnelle Reaktionsfähigkeit sind das, was wir benötigen...
Es gibt noch einen weiteren und fundamentaleren Grund dafür, warum der Kampfbereitschaft, die den sofortigen Einsatz unserer Soldaten gewährleistet,
Vorrang eingeräumt werden muß.

Denn nur Menschen - gut ausgebildete Men-

schen mit einer hohen Moral - können unsere Waffen einsatzfähig machen.
Selbst Auslöseknöpfe müssen von irgend jemand bedient werden.
Wie Sie vom Reservistenverband es besser als die meisten anderen wissen,
sind die Menschen der größte Aktivposten, über den wir auf dem Gebiet der
Verteidigung verfügen. Technologisch sind wir im Vergleich zur Sowjetunion
im Vorteil. Aber dieser Vorteil ist nicht annähernd so groß wie derjenige,
der uns aus der Tatsache erwächst, daß wir ein freies Volk sind. Die Sowjets
können vielleicht die Lücke in der Waffenproduktion schließen und den Abstand in der militärischen Technologie verringern. Sie werden jedoch niemals an den Geist, die Hingabe und die Initiative der Männer und Frauen in
den Streitkräften der Vereinigten Staaten heranreichen...

+ + + + +
- 6 -

�mcuena
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21

30. August 1978

WASHINGTON RECHNET MIT ENERGIEGESETZ FÜR ANFANG 1979
- Von John Holway -

WASHINGTON - (AD) - Die Carter-Administration rechnet jetzt damit, daß
der Kongreß Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres die anstehende
Energiegesetzgebung verabschieden wird.

Sollte dies nicht der Fall sein, so

verlautet aus hohen Regierungskreisen, müsse der Präsident eine "unattraktive" Entscheidung über Alternativmaßnahmen treffen, wie beispielsweise Quoten
oder Zölle, um die Abhängigkeit der USA vom Importöl zu verringern.

Zu Anfang dieses Jahres war man sowohl seitens der Administration wie
auch im Kongreß zuversichtlich, daß ein komplettes Paket bis zum September
verabschiedet werden könne.

Diese Hoffnung ist nun geschwunden.

Drei relativ unumstrittene Teile des Paketes, die sich in der Hauptsache
mit Maßnahmen zur Energieeinsparung befassen, passieren den Kongreß ohne Probleme.

Dabei handelt es sich um die sogenannten "süßen Pillen" der Gesetz-

gebung.

Die beiden "bitteren Pillen", nämlich die Teile, bei denen es um

höhere Preise von öl und Erdgas geht, stoßen in diesem Wahljahr auf Hindernisse.

Die Frage der Freigabe der Erdgas-Preise steht sowohl im Repräsentanten-

haus wie auch im Senat auf Messers Schneide, und die vorgeschlagene Aus-

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�Ausgleichssteuer für Rohöl, mit deren Hilfe die einheimischen ölpreise auf
Weltmarktniveau angehoben werden sollen, ist bereits schon einmal vom Senat
abgelehnt worden und hat wohl nur geringe Aussichten, vom Kongreß verabschiedet zu werden.
Energieminister James Schlesinger hat betont, daß die Carter-Administration hoffe, Alternativmaßnahmen gegenüber dem Kongreß vermeiden zu können.
Aber seiner Ansicht nach muß der Präsident zumindest eine dieser beiden gefährdeten Vorlagen durchbringen, um sein auf dem Weltwirtschaftsgipfel in
Bonn gegebenes Versprechen, die amerikanischen ölimporte zu verringern, einhalten zu können.

Sollten beide Vorlagen im Kongreß durchfallen, so erklärte

Schlesinger kürzlich in einem Fernsehinterview, dann "wird die Auswirkung
auf den Dollar verheerend sein."

Der Minister äußerte sich in diesem Inter-

view jedoch optimistisch darüber, daß der Kongreß zumindest das Erdgasgesetz
verabschieden werde.

Und selbst das Rohöl Steuergesetz sei noch nicht gestor-

ben, so fügte er hinzu; es ruhe lediglich.

Dabei schließt er nicht aus, daß

diese Vorlage möglicherweise noch in diesem Jahr zu neuem Leben erweckt werden könne, allerdings wohl nicht vor den Kongreßwahlen am 2. November.

Eine

Sondersitzung des Kongresses nach der Wahl sei jedoch möglich.
Die Frage der Erdgaspreise - ob sie reguliert werden sollten oder nicht beschäftigt die Präsidenten der USA und den Kongreß seit nahezu 30 Jahren.
Die Verbraucher wünschen kontrollierte Preise, die Erzeuger möchten alle
Restriktionen abgeschafft sehen.
Diese Frage konnte seit mehr als einem Viertel Jahrhundert nicht gelöst
werden, und sie ist immer noch eine Quelle bitterer Auseinandersetzungen im
Kongreß. Der gegenwärtige Kompromiß, der von einem Vermittlungsausschuß des
Repräsentantenhauses und des Senats erarbeitet wurde, würde die Kontrollen
im Laufe der nächsten sieben Jahre allmählich aufheben. Der Vorschlag stößt
jedoch auf keiner Seite so recht auf Gegenliebe, und eine scharfe Auseinandersetzung darüber ist in beiden Häusern des Kongresses zu erwarten. Sollte
die Frage in diesem Jahr nicht gelöst werden können, so räumte Minister

- 2 -

�Minister Schlesinger ein, dann sei sie wahrscheinlich gestorben, oder doch
für mehrere Jahre auf Eis gelegt.
Der Bericht des Vermittlungsausschusses über die Freigabe der Erdgaspreise dürfte Anfang September behandelt werden, wenn der Kongreß nach seiner
Sommerpause die Arbeit wieder aufnimmt. Sollte er verabschiedet werden, dann
dürften nach Ansicht Schlesingers die Produzenten in Texas und Louisiana ermutigt werden, genug Erdgas auf dem Binnenmarkt zu bringen, um damit 500 000
Barrel öl pro Tag zu ersetzen.

Das würde im Jahr eine Einsparung von 2,5 Mil-

liarden Dollar an Importöl bedeuten.
Ohne eine solche Gesetzgebung, so betonte der Energieminister, würde
der amerikanische Bedarf an Energie weiter anhalten, und die ölimporte würden wahrscheinlich im nächsten Jahr erheblich ansteigen. Die Gesamtkosten
für importiertes öl könnten sich dann nach Schätzungen Schlesingers auf
50 Milliarden Dollar oder mehr belaufen.
Das ursprüngliche Zielt der Carter-Administration war es, täglich
4,5 Millionen Barrel öl einzusparen. Ob der Präsident eigene Maßnahmen
treffen werde, wenn der Kongreß dieses Ziel nicht einhalte, wollte ein
Journalist wissen. Die Antwort Schlesingers: "Das ist absolut richtig".

+ + + + +

- 3 -

�1
I

UUi//cn/choft
und Technik
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30. August 1978

21

ENERGIE DER STERNE
US-Institut meldet Fortschritt auf dem Weg zur kontrollierten Kernfusion

- (AD) - In den schon vor einem Vierteljahrhundert begonnenen Versuchen,
die energieliefernden Prozesse der Sonne nachzuahmen, sind amerikanische
Wissenschaftler einen wesentlichen Schritt vorangekommen. Im Institut für
Plasmaphysik der Universität Princeton (New Jersey) wurden zum ersten Mal
drei Grundbedingungen für eine sich selbst erhaltende Kernverschmelzungsreaktion für kurze Zeit erfüllt: Hohe Temperaturen bei gleichzeitiger Erhaltung
von Stabilität und Dichte des Plasmas.
Bei dem Arbeitsmedium, dem sog. Plasma, handelt es sich um ein infolge
hoher Temperaturen vollständig ionisiertes Gas aus elektrisch positiv und
negativ geladenen Teilchen, die das physikalische Verhalten des Gases im
wesentlichen bestimmen. Eine Verschmelzung der Kerne leichter Atome in einer kontrollierten Kettenreaktion (Gegenstück zur Spaltung schwerer Atome
wie der des Urans in den Reaktoren der heutigen Atomkraftwerke) wird theoretisch möglich, wenn die Abstoßungsenergie elektrisch positiv geladener
Atomkerne durch hohe Bewegungsenergie der Teilchen überwunden wird, so daß
Kerne wie die des Wasserstoffs bzw. seiner Isotope Deuterium und Tritium
miteinander verschmelzen und Kerne eines schwereren Atoms, z.B. Helium, bil-

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�bilden.

Dabei wird "Kernenergie" in der Form der kinetischen Energie ab-

gespaltener Kernpartikel - meist Neutronen - freigesetzt.

Es erwies sich technisch als ungemein schwierig, Verfahren und Apparaturen zu entwickeln, die bei geeigneter "Zündenergie" die optimale Arbeitstemperatur für eine sich selbsttätig fortsetzende Fusions-Kettenreaktion ergeben, ohne daß die Plasma-Partikel streuen oder "ausbrechen" und so den Prozeß zum Abbruch bringen.

Sie müssen - z.B. durch bestimmte Formgebung für

die Reaktionskammer und Anordnung sowie Stärke von Magnetfeldern - in gleichbleibend hoher Dichte gehalten werden und ihre Fusionsenergie unter kontrollierbaren Bedingungen abgeben.

Werden diese Voraussetzungen erfüllt, ist damit

zu rechnen, daß man 180mal mehr Energie aus dem Prozeß herausholen kann, als
in ihn hineingesteckt werden muß.

Eine der Energiequellen von Sonne und Ster-

nen wäre damit auf der Erde nutzbar gemacht.

Den "Rohstoff" könnte man aus

den Weltmeeren beziehen, wo er praktisch unbegrenzt vorhanden ist.

Aber die Forschung ist über das Experimentierstadium noch nicht hinausgekommen.

Aus einer Vielzahl von Versuchsgeräten haben sich jedoch inzwischen

einige Systeme als vielversprechend herauskristallisiert, von denen wiederum
der ursprünglich von sowjetischen Forschern entwickelte Reaktortyp "Tokamak"
am weitesten forgeschritten ist.

Der "Princeton Large Torus" (PLT), mit dem

während der jüngsten Versuchsserie 60 Millionen Grad bei 1/50 Sekunde stabiler Dichte des Plasmas erzielt wurden, gehört dazu.

Es ist nahezu das Vier-

fache der Temperaturen, mit denen die Sonne in ihrem Innern "arbeitet", und
erheblich mehr als die Mindesttemperatur von 44 Millionen Grad (C), die - bei
einem ausreichend großen Reaktor - für die fortlaufende Abgabe von Fusionsenergie erforderlich wäre.

Im Zeitraum von 1/10 Sekunde verschmolzen bei dem

Experiment ca. sieben Milliarden Wasserstoffkerne miteinander.

Gegenüber den Ergebnissen früherer Versuchsserien - im Dezember 1977
war man schließlich auf 25 Millionen Grad gekommen, 1970 hatten sich die Forscher noch mit 5 Millionen Grad begnügen müssen - bedeuten die neuen Resultate
einen enormen Fortschritt.

"Unsere Theorien zum System Tokamak haben sich

- 2 -

�sich als richtig erwiesen", meint Institutsdirektor Dr. Melvin B. Gottlieb.
"Wir sind auf dem richtigen Weg".

Ein Schlüssel zum Erfolg war nach Ansicht des Forscherteams - an der
Spitze Dr. Gottlieb, Dr. Harold P. Fürth, Dr. Wolfgang Stodiek und Dr. Harold
Eubank - die "neutrale Strahlinjektion" mit vorbeschleunigten Deuteriumatomen aus mehreren Einschuß-Systemen nach einem Verfahren, das am Nationallaboratorium Oak Ridge (Tennessee) entwickelt worden war.

Außerdem hatte man

den Werkstoff für bestimmte Teile der Vakuumkammer kurzfristig gegen einen
anderen ausgetauscht und Kohlenstoff statt Wolfram benutzt.

Dadurch wurde

der Wärmeverlust reduziert.

Die jüngste Serie von Experimenten führte zu wichtigen Erkenntnissen
darüber, wie Plasma-Partikel bei derart hohen Temperaturen in einer TokamakVersuchsanordnung reagieren.

Befürchtete Instabilitäten blieben aus. Auf

der Grundlage dieser Versuche errechneten die Wissenschaftler, daß die Mindestgröße für einen Kraftwerks-Fusionsreaktor kaum mehr als das Zwei- bis
Dreifache des PLT-Geräts betragen müsse.

Es ist seiner äußeren Form nach

einem Autoreifen ähnlich, mißt 3 m im Durchmesser, ist 90 cm hoch, von Magnetspulen umgeben und besteht aus einer äußeren und inneren Ringstruktur.

Der

Innenbehälter nimmt die Wasserstoffatome auf, die aufgrund ihrer elektrischen
Ladung durch Magnetfelder gesteuert werden können.

Die magnetischen Kräfte

verhindern, daß die Atomkerne mit der Mantelwandung kollidieren.

Denn da-

durch würde nicht nur das Plasma "verschmutzt", sondern es ginge auch Bewegungsenergie verloren, die zur Aufrechterhaltung der "Arbeitstemperatur" für
Fusionsreaktionen notwendig wäre.

Ein Testreaktor doppelter Größe, der "Tokamak Fusion Test Reactor"
(TFTR) ist bereits in Bau und soll 1981 in Betrieb genommen werden.
scheint geeignet, Fusionsenergie kontinuierlich zu erzeugen.

Er er-

Wegen der zahl-

reichen noch zu bewältigenden Probleme - z.B. Produktion von Tritium, bauund werkstofftechnische Fragen, nicht zuletzt Finanzierung der kostspieligen
Entwicklungen - ist jedoch frühestens in etwa 20 Jahren mit der Inbetrieb-

- 3-

�•

Inbetriebnahme eines Demonstrationskraftwerks zu rechnen.

Das erste kommer-

zielle Fusionskraftwerk dürfte dann weitere 25 Jahre auf sich warten lassen.
Denn bei der Nutzbarmachung der Fusionsenergie "handelt es sich um die komplizierteste technische Entwicklung, die je für nicht-militärische Zwecke in
Angriff genommen wurde."
Vom Vorteil der Versorgung mit "Rohstoff" einmal abgesehen, wäre Fusionsenergie wesentlich umweltfreundlicher als Energie auf der Basis von Atomspaltung.

Zwar entsteht auch bei diesem Verfahren Radioaktivität. Aber der Ab-

fall kann nicht zu Bomben verarbeitet werden.

Das einzige radioaktive "Pro-

dukt", die Reaktorwandung, ist sehr viel einfacher zu behandeln als beispielsweise ein Satz von Hunderten von BrennstoffStäben aus einem herkömmlichen
Atomkraftwerk.
Bei einigen früheren Tokamak-Experimenten waren bereits höhere Einschlußzeiten und Plasmadichten, aber noch nicht so hohe Temperaturen erzielt worden. Mit sog. Spiegelmaschinen, einer anderen Entwicklungslinie für Fusionssysteme, kam man sogar auf mehrere Hundert Millionen Grad. Aber wegen der
Plasmaverluste am Ausgang der (linearen) Spiegelmaschine sind die im Tokamakund Spiegelgerät erreichten Temperaturen nicht miteinander vergleichbar.
Alles in allem verwenden die Vereinigten Staaten z.Zt. 330 Millionen
Dollar pro Jahr für die Fusionsforschung auf, die auch in einer Anzahl anderer Länder fester Bestandteil der Forschungs- und Entwicklungsprogramme
ist. Hier handelt es sich um ein Gebiet, auf dem Wissenschaftler zahlreicher
Nationen eng zusammenarbeiten. Am Plasma-Institut von Princeton z.B. sind
gegenwärtig Gastforscher aus England, Italien, Japan, Frankreich und der
Sowjetunion tätig.

+ + + + +

- 4 -

�Wi//cn/chaft
\3Mi Technik

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
30. August 1978

21

BOTEN AUS FERNEN REGIONEN DES SONNENSYSTEMS
• Bisher unbekannte Meteoritenart entdeckt -

- (AD) - Mehr als 300 Meteoriten oder Meteoritenbruchstücke betrug die
Ausbeute einer amerikanisch-japanischen Forschergruppe im Dezember 1977 und
Januar 1978 bei Expeditionen in Blaueisgebiete der Antarktis. Die Theorie
von Dr. William Cassidy, Professor der Geologie an der Universität Pittsburgh,
hatte sich als richtig erwiesen, daß Meteoritenfälle in der Antarktis vor
allem dort bloßliegen müßten, wo das langsam zum Meer abfließende Eisschelf
gegen das transantarktische Gebirge drückt, sich dadurch anhebt und Schneemassen auf der uneben gewordenen Oberfläche durch Winderosion leichter abgetragen werden. So kommt allmählich das bläulich schimmernde Alteis zum Vorschein, auf dem sich, konserviert durch Kälte und Trockenheit über Jahrmillionen, Meteoriten seit ihrem Fall durch die Lufthülle der Erde praktisch
unverändert erhalten haben.

Zeugen aus der Urzeit
Um die Fundstücke auch nach der Entdeckung durch den Menschen vor irdischer Kontamination zu schützen, wurden sie von den Forschern mit äußerster
Sorgfalt verpackt und in tiefgekühlten Behältern, unter Luftabschluß in

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�in Stickstoffatmosphäre gehalten, zum Mondgestein-Laboratorium der NASA
nach Houston (Texas) zur Untersuchung geschickt.

Die Vermutung, daß sich

auch zwei Kohlenstoff-Chondrite darunter befinden könnten, wurde bei der
Veröffentlichung erster Ergebnisse im Juni 1978 bestätigt.
Auf der ganzen Erde sind zuvor nur 15 Meteorite dieser Klasse identifiziert worden.
arktis.

Jedoch war keiner so gut erhalten wie der Fund aus der Ant-

Die Meteoriten vom Typ II der Kohlenstoff-Chondrite sind für die

Wissenschaft deshalb so interessant, weil sie vermutlich zur ältesten Materie im Sonnensystem gehören und, da sie in 4,5 - 4,6 Milliarden Jahren
keine Veränderungen mehr durchgemacht haben dürften, Auskunft über die Beschaffenheit der "primitiven" Materie geben können.

Einige der zuvor auf-

gefundenen 15 Exemplare enthalten Aminosäuren, die vermutlich nicht-biologischen Ursprungs sind und deshalb aus außerirdischen Regionen stammen müssen.

Das läßt darauf schließen, daß es auch in anderen Teilen des Sonnen-

systems zur Bildung komplexer organischer Verbindungen kommt.

Der inzwischen

in einer Anzahl von Instituten untersuchte Kohlenstoff-Chondrit (noch seltener ist übrigens der Typ I, der noch leichter als Typ II beim Eintritt
in die Erdatmosphäre und durch Verwitterung zerstört werden kann) enthält
relativ viel Wasser und Kohlenstoff, dürfte also aus einer "kühlen" Region
unseres Sonnensystems gekommen sein.

Eine neue Klasse von Meteoriten
Ein weiteres Exemplar der Meteoriten-Ausbeute von der letzten antarktischen "Saison" erwies sich sogar als Vertreter einer bisher unbekannten
Klasse. Dies gab Dr. Brian Mason vom Department für Mineralien der
Smithsonian Institution am 21. August auf einer Pressekonferenz in Washington
bekannt. Zwar besitzt der Meteorit eine gewisse Ähnlichkeit mit zwei Arten
von Achondriten - nämlich mit dem Chassignit, der fast vollständig aus Olivin
besteht, und mit Diogenit, dessen Hauptbestandteil Pyroxen ist. "Aber er
hat eine völlig andere Zusammensetzung", so Dr. Mason. "Meines Erachtens

- 2 -

�Erachtens haben wir es hier mit einer ganz neuen Klasse von Achondriten
zu tun."

Achondriten haben, mehr als andere Meteoriten, große Ähnlichkeit

mit irdischem Tiefengestein.
Das von Dr. Mason untersuchte Exemplar besteht zu 55 Prozent aus Olivin,
zu 35 Prozent aus Pyroxen und zu acht Prozent aus Maskelynit.

Bei Olivin

und Pyroxen handelt es sich um Eisen-Magnesium-Silikate, die in Meteoriten
wie in irdischem Gestein reichlich vorhanden sind.

Maskelynit ist ein Feld-

spat, der unter der Einwirkung einer Stoßwelle eine Umwandlung in einen
glasigen, nicht-kristallinen Zustand durchgemacht hat.

Diese Umwandlung

müßte nach Ansicht der Mineralogen im außerirdischen Raum bei einem Druck
von Hunderttausenden von Atmosphären vor sich gegangen sein.

Möglicherweise

war der Meteorit Teil eines durch irgendwelche äußere Einwirkungen aufgebrochenen Asteroiden aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter.

- 3 -

�Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

21

30. August 1978

NEUES FÜR DIAGNOSE UND THERAPIE BEI LUNGENERKRANKUNGEN

- (AD) - Blutungen und Verstopfungen von Blutgefäßen in der Lunge
lassen sich sicher und relativ einfach mit einem Gerät erfassen, das z.Zt.
von Wissenschaftlern der Universität Kalifornien für Reihenuntersuchungen
erprobt wird. Mit Hilfe der Maschine wird der Weg eines Testgases - Kohlenmonoxid (CO) in ungefährlicher Konzentration - durch die Lungen verfolgt.
Dabei lassen sich Bereiche lokalisieren, wo der Blutstrom z.B. durch
Embolus-Bildung blockiert oder durch Austreten von Blut unterbrochen wird.
Die Messung erfolgt über ein Infrarotsystem,mit dem man die Aufnahme des
inhalierten CO-Gases und somit die Größe und Funktionsfähigkeit des Blutgefäßnetzes ermittelt. Gesunde wie geschädigte Bereiche werden auf einem
Bildschirm sichtbar gemacht.
über Einzelheiten des Verfahrens berichtete Dr. Carl Hallenborg vom
Institut für Herz- und Kreislaufforschung der Universität von Kalifornien
in San Francisco auf einer gemeinsamen Tagung der "American Lung Association"
und der "American Thoracic Society" Anfang Mai 1978 in Boston. Er hatte
zusammen mit William Holden, Thomas Menzel und Robert Dozor unter der Leitung

Postfach 20 03 0 0 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Leitung von Prof. Jay Nadel die neue Testmethode entwickelt.

Bei Unter-

suchungen an mehr als 100 Patienten zeigte sich, daß mit diesem Test z.B.
auch Lungenemphysem, eine Funktionsschwäche bis Funktionsunfähigkeit der
Lungenbläschen als Folge verschiedener Ursachen, schon in einem frühen
Stadium erkannt werden kann.
In den USA gibt es jährlich etwa 500 000 Fälle von Lungenembolie - für
50 000 Patienten mit tödlichem Ausgang.

Laut Hallenborg dürfte die tatsächliche

Häufigkeit wesentlich größer sein, da bei 25 Prozent der Autopsien, die nach
Todesfällen mit der Diagnose "Herzinfarkt" oder "Infektion" vorgenommen wurden,
eine Lungenembolie festgestellt wurde.

Nur bei 10 Prozent der Patienten, die

in den Vereinigten Staaten im Jahr 1977 an Lungenembolie starben, war zuvor
eine Gefährdung durch die vielfach symptomlos verlaufende Erkrankung festgestellt worden.
Wichtig ist, daß mit dem neuen CO-Inhalationstest zwischen Embolie und
Blutungen in der Lunge unterschieden werden kann. Denn Blutungen könnten
beispielsweise als Nebenwirkungen von Präparaten auftreten, die zur Krebsbekämpfung eingesetzt werden und die natürliche Immunität des Patienten
reduzieren. Durchane sichere, exakte Diagnose würden von vornherein
solche Patienten von einer Chemotherapie ausgenommen, bei denen bereits
Lungenblutungen auf Grund anderer Ursachen aufgetreten sind. Gegenwärtig
ist die Standarddiagnose dafür eine Lungenbiopsie, die aber zu einem Lungenk o n aps oder zu neuen Blutungen führen kann.
Das Inhalationsgerät mit Meßausrüstung, eine Entwicklung der Andros
Corporation, dürfte in etwa zwei Jahren auf dem Markt für medizinische
Geräte und damit für die ärztliche Praxis verfügbar sein.

Die Forschungs-

arbeiten werden vom öffentlichen Gesundheitsdienst der USA und den
medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH) unterstützt.

Die Diagnose und Therapie von Lungenkrebs im Anfangsstadium erleichtert

- 2 -

�erleichtert ein Instrument, das von Daniel R. Doiron unter der Leitung von
Prof. A. Edward Profio am Department für Chemo- und Nukleartechnik der Universität von Kalifornien in Santa Barbara entwickelt wurde. Mit Hilfe dieser
Methode ist es möglich, Krebsgeschwülste in der Lunge zu erfassen, wenn sie
nur zehn Zellen dick sind und wenige Millimeter Durchmesser haben- Tumore,
die auf Röntgenbildern gar nicht in Erscheinung treten.

Wird aber Lungenkrebs

schon im Frühstadium entdeckt, sind die Heilungschancen um ein Vielfaches
größer.
Der Schlüssel zu dem neuen Verfahren ist Hämatoporphyrin, ein Abbauprodukt der Hämoglobins, das nunmehr über chemische Verfahren aus Hämoglobin
gewonnen wird. Aus einem noch nicht bekannten Grund konzentriert sich das
dem Körper injizierte Hämatoporphyrin in malignen Zellen, nicht aber in
normalen Zellen. Es besitzt auch die nützliche Eigenschaft, unter Lichteinwirkung zu fluoreszieren. Ingenieure von der Universität Santa Barbara bauten
ein herkömmliches Bronchoskop in der Weise um, daß das Violettlicht einer
Quecksilberlampe über eine Glasfiberoptik zur direkten Betrachtung der
Bronchienwege benutzt werden kann. Da jedoch das mit dem Lichteinfall erzeugte Fluoreszenzlicht äußerst schwach ist, koppelten sie das Instrument
mit einem Lichtverstärker, wie er für Polizei- und Militärzwecke in Serie
gebaut wird. Die Apparatur ist an einen Leuchtschirm angeschlossen. Auf
diesem erscheint z.B.»sobald bei der Untersuchung eine Ansammlung maligner
Zellen ins Blickfeld der Sonde kommt, ein winziger grüner Punkt. Der Arzt
macht sich eine Notiz und dringt mit dem Bronchoskop noch tiefer in das
Labyrinth der Luftwege ein. Wieder erscheint auf dem Schirm ein grüner Punkt,
dieses Mal größer als der erste, mit winzigen fadenähnlichen Ausläufern.
Vieles spricht für die Vermutung, daß es sich um ein Krebsgeschwulst handelt,
von der es bereits Absiedlungen gibt.
Mediziner haben herausgefunden, daß Hämatoporhyrin nicht nur fluoresziert,
sondern in Anwesenheit von Licht auch eine chemische Reaktion auslöst, durch
die bösartige Tumorzellen sogar zerstört werden.

Eine Therapie auf der Basis

dieser photochemischen Reaktionen wurde inzwischen am Roswell Park Memorial

- 3 -

�/

Memorial Institute in Buffalo (US-Bundesstaat New York) versuchsweise erprobt - mit verheißungsvollen Ergebnissen, wie Prof. Profio berichtet.
Sie ist jedoch noch nicht so durchentwickelt, um bereits allgemein angewandt
werden zu können.
"Unsere Aufgabe ist es jetzt", so Dr. Profio, "mit den Mitteln der
quantitativen Physik und der Technik das Problem der Krebs-Früherkennung
lösen zu helfen.

Das Verfahren wurde schon früher angewandt, aber man wußte

eigentlich nicht genau, was man damit in die Hand bekam.

Es bedurfte eines

eher technischen Weges, um das Problem präzise zu definieren und die Leistung
sämtlicher Komponenten des Systems auf den bestmöglichen Stand zu bringen."
Bei Verdacht auf Lungenkrebs wird normalerweise eine zytologische Untersuchung des Sputums vorgenommen - ein Verfahren, mit dem Lungenkrebs zu etwa
50 % erfaßt werden kann. Die Methode saqt jedoch nichts darüber aus, wo der
Tumor sitzt. Krebsgeschwülste in entfernten Regionen der Lunge bleiben unentdeckt. Bei Anwendung des neuen Instruments dürfte sich dies ändern. Die
Wissenschaftler beabsichtigen, die Quecksilberlampe durch einen Laser zu ersetzen, der Licht nöherer Intensität erzeugt. Dieses Licht würde größere
Gewähr dafür bieten, daß die Krebszellen mit Sicherheit zerstört werden.

+ + + + +

- 4 -

�</text>
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