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                  <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. August 1978

20

INHALT

INFORMATION
Nukleare Zukunft mit mehr Sicherheit
Zwischenbilanz für internationale Konferenz über Kernbrennstoffzyklen
WIRTSCHAFT
Was kommt nach den Multilateralen Handelsverhandlungen?
- von Eugene Brake HINTERGRUND
USA nehmen nicht an Genfer Antirassismus-Konferenz teil
- von Marie Koenig Den Boden bereiten für Technologie-Transfer
UN-Konferenz über Wissenschaft und Technologie vor großen politischen
Aufgaben
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Skylab wieder stabilisiert
Laser-Wärmebehandlung verbessert Halbleiterqualität

Um Übei/endung von
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gebeten

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20

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Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. August 1978

NUKLEARE ZUKUNFT MIT MEHR SICHERHEIT
Zwischenbilanz für internationale Konferenz über Kernbrennstoffzyklen

- (AD) - Die im Oktober 1977 auf Anregung Präsident Carters ins Leben
gerufene INFCE-Konferenz, die sich in einem Zweijahresprogramm auf internationaler Ebene mit der Bewertung von Kernbrennstoffzyklen und der künftigen
Entwicklung der Atomkraft befaßt, hat die Phase des Sammeins von Daten und
Unterlagen nahezu abgeschlossen. Die Frage, ob man auf dem richtigen Wege
zur Lösung der Probleme sei, ist jedoch noch nicht beantwortet. Die
Vertretungen der INFCE-Mitglieder - Staaten aus West und Ost, Nord und
Süd sowie vier internationale Organisationen - versuchen einen Weg zu
finden, die Kernenergie verstärkt nutzbar zu machen, ohne gleichzeitig
die Gefahr einer Weiterverbreitung von Kernwaffen zu vergrößern.
"International Nuclear Fuel Cycle Evaluation" ist die offizielle
Bezeichnung für das meist nur unter der Abkürzung INFCE erwähnte Gremium.
Es dürfte, wie Botschafter Gerard Smith, der amerikanische Chefdelegierte
für die INFCE-Konferenz, erklärt, "viel zur Gestaltung einer besser gesicherten nuklearen Zukunft beitragen, indem es objektive und gründliche

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�I.

gründliche Analysen jenen in der ganzen Welt zugänglich macht, die für
die Formulierung und Durchführung der nuklearen Energiepolitik verantwortlich sind".

Der Kreis der ursprünglich 40 Mitgliedstaaten hat sich

inzwischen auf 53 erweitert.

Acht Arbeitsgruppen mit Spezialisten aus

22 Ländern studieren die praktischen Mittel und Wege zur Kontrolle der
nuklearen Proliferation.

Sie bilden den technischen Koordinationsaus-

schuß, der auf einer Tagung im Oktober 1978 die bisher geleistete Arbeit
prüft und bewertet und die Tagesordnung für die erste INFCE-Jahreskonferenz
mit einer einwöchigen Plenarsitzung im November 1978 in Wien vorbereitet.
Die Plenartagung wird über die Tätigkeit im zweiten Jahr entscheiden,
die u.a. die schwierigen Aufgaben umfaßt, die Daten zu integrieren, zu
Übereinstimmung zu gelangen und einen Abschlußbericht vorzubereiten.

Ob-

gleich noch keine Details an die Öffentlichkeit gelangten, ist aus Gesprächen mit Vertretern amerikanischer offizieller Stellen zu entnehmen,
daß INFCE bisher erfolgreich gearbeitet hat.

Schon die Tatsache, daß seit

der Gründung 13 weitere Staaten aufgenommen wurden, sei ein Positivum.
Jede der acht Arbeitsgruppen hat bereits zwei oder drei Vollsitzungen
abgehalten; die von ihnen angeforderten Analysen "beginnen jetzt einzugehen".

Außerdem waren die Arbeitsgruppen offensichtlich in der Lage,

trennende politische Debatten zu vermeiden und sich auf die technischen
Aspekte ihrer heiklen Themen zu konzentrieren.
"Manche fürchten, INFCE komme Lösungen für die großen Probleme der
Energieversorgung in den nächsten Jahrzehnten in die Quere", meint
Botschafter Smith. "Aber man sieht auch bis zu einem gewissen Grade
ein, daß wir mit Zweifeln ein ohnehin schon schwieriges Problem der
öffentlichen Meinung nur noch mehr komplizieren." Der Botschafter räumt
ein, daß die Analyse das Tempo bestimmter Energieprogramme im Ausland
tatsächlich beeinflussen könnte. Aber schon Ende 1979 werde sich herausstellen, ob und inwieweit INFCE darauf einwirke - eine erträgliche
Zeitspanne angesichts der Tatsache, daß es sich um den Versuch handle,
die Kernwaffengefahr in den Griff zu bekommen, die mit der Atomenergie-

- 2 -

*

�Atomenergie-Produktion gegeben sei.
Hinsichtlich der Natur der Probleme, denen sich die Arbeitsgruppen
gegenübersehen, gibt es natürlich deutliche Unterschiede.

Im Studienbe-

reich "Beseitigung nuklearer Abfälle" beispielsweise verfolgen, so Smith,
alle INFCE-Mitglieder im wesentlichen die gleichen Interessen.

Dies könnte

zu einer vertrauensvoll geschlossenen Abmachung aller interessierten Länder
über technische Maßnahmen zur Lagerung und Beseitigung von Abfällen führen.
Das Thema "Sicherstellung der Belieferung mit Kernbrennstoffen" ist
jedoch völlig anders geartet. Hier handle es sich "um einen Bereich mit
einer Fülle politisch strittiger Fragen". Der Komplex wird von einer
Studiengruppe bearbeitet, die Alternativmechanismen für die Sicherung einer
langfristigen Versorgung mit Ausrüstungen, Material und Dienstleistungen
sondiert, um Kernenergie in weitem Umfang zugänglich zu machen.
Man sei sich auch darüber klar, so betont Botschafter Smith, daß die
Produktion von Atomenergie nicht die einzige - oder die wahrscheinlichste Versoroungsquelle für die Kernwaffenproliferation sei. Aber durch die
Atomkraftproduktion werde in großem Umfang und in

zunehmendem Maße

spaltbares Material erzeugt, was bei einem Ausbleiben geeigneter Sicherungsmaßnalimon andere Bemühungen um die Eindämmung der Proliferation sinnlos
machen könne.
Die von den anderen Arbeitsgruppen bearbeiteten Themenkreise umfassen
(1) Abschätzung des Bedarfs und der Verfügbarkeit von Uran, Thorium und
Schwerem Wasser auf der Basis des bis zum Jahr 2025 vorausgeschätzten Bedarfs an Kernenergie; (2) Verfügbarkeit von Dienstleistungen zur Urananreicherung und alternativer Technologien für diesen Bereich; (3) Aufbereitung und Rückführung von Kernbrennstoffen unter besonderer Beachtung
der Behandlung von Plutonium; (4) den sogenannten schnellen Brüter und
den möglichen Bedarf für seine Kommerzialisierung durch Länder in unterschiedlichen Stadien industrieller Entwicklung; (5) Lagerung verbrauchter

- 3 -

�l

verbrauchter Brennstoffelemente, Entsorgung;

(6) neue, zukunftsweisende

Technologien für Brennstoffzyklen und Reaktortypen.
"Es hat gewisse Befürchtungen gegeben", berichtet Botschafter Smith,
"daß INFCE selbst zu einem Instrument der Weiterverbreitung von Kernwaffen
werden könnte, falls sensitive Informationen und Schwachstellen der Proliferationseindämmung in bezug auf verschiedene Brennstoffsyklenins Rampenlicht
gerieten.

Ich glaube, daß diese Gefahr bei geeigneten Vorsichtsmaßnahmen

vermieden wird."
Wie schon auf der Gründungstagung im Oktober 1977 hervorgehoben wurde,
handelt es sich bei INFCE nur um eine technische und analytische Studie,
um zu einem Konsens über voneinander abweichende Meinungen zu gelangen.
Dies ist nicht mit Verhandlungen gleichzusetzen, und die Beteiligten werden
durch die dabei erzielten Ergebnisse an nichts gebunden sein. "Man sollte
nicht zuviel, aber auch nicht zu wenig erwarten", meint Gerard Smith. Es
sei nicht damit zu rechnen, daß man eine allgemein gültige technologische
Lösung oder ein institutionelles Patentrezept entdecke, um jede Möglichkeit
für den Mißbrauch von Material und Anlagen im Zusammenhang mit der Produktion von Atomkraft auszuschalten. Ebensowenig wäre aber auch der Schluß
berechtigt, daß aus der INFCE-Konferenz deshalb nichts Brauchbares hervorgehen könne, weil kein absolut narrensicherer Kernbrennstoffzyklus existiert.
Man könne aber vernünftigerweise erwarten, so Botschafter Smith, daß aus der
intensivsten und umfassendsten Überprüfung des Atomkraft-Komplexes, die
je unternommen wurde, nützliche und signifikante Ideen hervorgehen werden.
Zu den 40 Gründerstaaten (Ägypten, Algerien, Argentinien, Australien,
Belgien, Brasilien, Dänemark, Bundesrepublik Deutschland, Deutsche
Demokratische Republik, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Indien,
Indonesien, Iran, Irland, Israel, Italien, Japan, Jugoslawien, Kanada,
Südkorea, Mexiko, Niederlande, Nigeria, Norwegen, Ostereich, Pakistan,
Philippinen, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien, Schweden, Schweiz, Türkei,
Sowjetunion, Tschechoslowakei, USA, Venezuela) kamen inzwischen hinzu:

- 4 -

^

�hinzu:

Bolivien, Chile, der Heilige Stuhl, Kolumbien, Kuweit, Libyen,

Malaysia,Neuseeland, Niger, Peru, Saudiarabien, Südafrika und Thailand.
Die an INFCE beteiligten internationalen Organisationen sind:

Die

Kommission der Europäischen Gemeinschaften, die Internationale Energieagentur (IEA), die Nukleare Energieagentur und die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien.

Letztere unterstützt die INFCE-

Konferenz außerdem durch die Bereitstellung von Räumlichkeiten und
Personal.

+ + + + +

- 5 -

�I ramsm
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20

16. August 1978

WAS KOMMT NACH DEN MULTILATERALEN HANDELSVERHANDLUNGEN?
- von Eugene Brake -

GENF - (AD) - Noch sind die multilateralen Handelsverhandlungen
nicht ganz abgeschlossen, aber schon machen sich Fachleute Gedanken, was
danach kommen wird.

In amtlichen Kreisen, die den nunmehr fünfjährigen

Verhandlungen in Genf im Rahmen der sogenannten Tokio-Runde nahestehen,
wird die Auffassung vertreten, daß dies die letzten Verhandlungen dieser
Art sein mögen - zumindest auf viele Jahre hinaus.
Sie wollen damit nicht sagen, daß sie nicht mit einem weiteren
Fortschritt im Abbau der internationalen Handelsschranken in den kommenden
Jahren rechnen. Aber sie sind der Meinung, daß die Welt heute so kompliziert
geworden ist, daß es sich nicht mehr als praktisch erweisen wird, alle
Handelsfragen in einer gigantischen Verhandlung zu behandeln, bei der jedes
Zugeständnis eines Beteiligten im Abbau der eigenen Handelsschranken mit
der Erwartung verbunden ist, daß dies durch das "aufgewogen" wird, was
jeder andere Beteiligte zugesteht.
Für die

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�Für die ersten "Runden" der Handelsverhandlungen im Rahmen des
Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) war es noch relativ einfach,
nach dieser Methode zu arbeiten.

In jenen ersten Runden gleich nach dem

Zweiten Weltkrieg nahmen noch relativ wenig Länder aktiv teil, und die
Verhandlungen konzentrierten sich fast ausschließlich auf das relativ
einfache Problem der Zollsenkungen.
Heute spielen viele Länder eine aktive Rolle im Welthandel und in den
Handelsverhandlungen - einschließlich der Entwicklungsländer, die eine
Sonderbehandlung fordern und auch zugesagt bekommen haben. Mit dem Abbau
der Zölle haben die nicht-zollursächlichen Schranken für Importe und die
Regierungshilfen für Exporte eine viel wichtigere Bedeutung als Ursache
für Verzerrungen des Handels und internationale Reibungen gewonnen. Bei
der "Kennedy-Runde" wurde versucht, einige der nicht-tarifären Handelsschranken anzupacken. Aber die derzeitige "Tokio-Runde" - die siebte Nachkriegsverhandlungsrunde im Rahmen des GATT - ist die erste, die einen
ernsthaften Versuch gemacht hat, sich massiv mit diesen nicht-zollursächlichen
Maßnahmen zu befassen. Darüber hinaus vertreten einige Handelsexperten
die Auffassung, daß sich die Bedingungen für den Handel heute schneller
verändern: In immer schnellerem Tempo drängen neue Länder auf die Exportmärkte; andere Ursachen struktureller Veränderungen der Volkswirtschaften wie die technologische Entwicklung und die erhöhten Energiekosten entwickeln sich rascher; und Schwankungen der Devisenkurse können manchmal
eine größere Auswirkung auf den Fluß des Handels haben als die relativ
niedrigen Zölle, die für die meisten industriellen Güter verblieben sind.

Alle diese Faktoren komplizieren die Aufgabe ungeheuer, alle Handelsfragen

in einem Paket lösen zu wollen.

In der gegenwärtigen Verhandlungsrunde haben die Handelsexperten
versucht, die internationalen Handelsprobleme in umfassender Weise anzupacken, und sie sind der Überzeugung, daß sich diese Anstrengung gelohnt
hat. Aber sie sind sich auch darüber einig, daß für die Zukunft eine andere

- 2 -

�eine andere Methode besser funktionieren werde.
Eine ihrer großen Leistungen in der gegenwärtigen Verhandlungsrunde
dürfte darin bestehen, daß sie die Grundlage für eine neue Methode geschaffen haben - eine Methode, die es Ländern ermöglichen wird, die meisten
internationalen Handelsprobleme auf einer kontinuierlichen Basis zu behandeln, statt in massiven, stoßweisen Anstrengungen.
Wie Sir Roy Denman, der Generaldirektor für Auswärtige Beziehungen
der Europäischen Gemeinschaft und deren Chefunterhändler, es ausdrückte:
"Ich glaube, wir kommen von dem Gedanken ab, alle drei Jahre Handelsverhandlungen abzuhalten wie eine Art großen mittelalterlichen Turniers."
Eine fortschreitende Liberalisierung des Welthandels wird noch für
einige Zeit gewährleistet sein, wenn die die in der Tokio-Runde vereinbarten
Zollsenkungen in Kraft gesetzt werden - vielleicht über eine Zeitspanne
von acht Jahren hinaus, vielleicht sogar über die achtziger Jahre hinweg.
In der Zwischenzeit wird eine ganze Reihe von Verhaltensnormen wirksam werden, die sich mit verschiedenen Arten von Handelsproblemen befassen.
Für die Einhaltung dieser Normen wird es Gremien geben oder Gruppen von
Signatarstaaten. In dem Maße, in dem sich diese Gruppen an die Aufgabe
der Interpretation und Anwendung dieser Normen machen, hoffen die Handelsexperten, daß diese Gremien internationale Übereinkommen entwickeln werden,
welche Praktiken akzeptabel sind und welche Handelspraktiken international
nicht akzeptabel sind. Durch die Herbeiführung einer Übereinstimmung oder
durch formale Änderungen der Normen könnten diese beratenden Gruppen den
Prozess der Handelsliberalisierung fortsetzen, ohne daß eine weitere
gigantische allumfassende Verhandlungsrunde notwendig wäre.
Eine Norm und die entsprechende beratende Gruppe könnten sich beispielsweise mit den Verfahren der Festsetzung des Verzollungswertes befassen - ein Problem, das Exporteuren große Sorgen bereitet, denn der zu

- 3 -

�der zu entrichtende Zoll hängt nicht zur vom Zolltarif, sondern auch von
dem Warenwert ab, auf den der Zollsatz angewendet wird.

Die gegenwärtige

Situation in dieser Hinsicht wird als ein "Alptraum" bezeichnet, der voll
von Unsicherheiten und Möglichkeiten ist, die Zollbewertung nach oben zu
verschieben.
Eine weitere Norm und das entsprechende Gremium werden sich mit den
Praktiken der Regierungsbeschaffung befassen müssen, um es ausländischen
Lieferanten zu erleichtern, einen Anteil an dem gewaltigen Markt zu erringen,
der durch die Einkäufe von Regierungen gebildet wird.
Und noch eine weitere Norm und die entsprechende Signatargruppe werden
sich mit Erfordernissen und Regeln befassen müssen, um sicherzustellen,
daß diese nicht durch Verwendungsvorschriften oder Verordnungen ausländische
Produzenten in unnötiger Weise diskriminieren.
Andere Normen werden auf Sicherheitsbestimmungen, Subventionen und
Ausgleichszölle, Importlizenzierung und den Handel mit Schmuggelware
eingehen müssen.
Darüber hinaus werden Verfahren für die Bewältigung und Beilegung
von Streitigkeiten in Kraft treten. Diese Verfahren werden klarer definiert
werden und weniger Möglichkeiten für Mißverständnisse und Verwirrung offen
lassen. Streitfragen werden rascher gelöst werden, und es wird weniger
Möglichkeiten für eine absichtliche Verzögerung seitens eines Landes
geben, das beschuldigt wird, sich nicht an die GATT-Verpflichtungen zu
halten. Die Experten sind der Überzeugung, daß dieser Mechanismus für eine
verbesserte Beilegung von Streitfragen einen wesentlichen Beitrag zu einer
strafferen Disziplin und zu faireren Praktiken in den Handelsbeziehungen
unter den Ländern leisten wird.
Der Stellvertretende amerikanische Sonderbeauftrage für Handelsverhandlungen und der Mann, der an Ort und Stelle das meiste für die

- 4 -

�für die Vereinigten Staaten bei den Handelsverhandlungen in Genf getan hat,
nämlich Botschafter Alonzo McDonald, beschreibt die Handelswelt, wie sie
nach der Tokio-Runde voraussichtlich aussehen wird, wie folgt:
"Aufgrund dessen, was in dieser Runde geleistet worden ist, wird das
Handelssystem völlig anders aussehen. Die Industriezölle werden als Faktor
in dem Handelsfluß zwischen den Industriestaaten beinahe keine Rolle mehr
spielen. Mit der Zeit werden mehr Ordnuna, ein höheres Maß an Konsultation
und mehr Fairness auf dem Gebiet des Agrarhandels einkehren. Die Handelsbeziehungen zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern werden
klarer definiert werden."
Und durch die Entwicklung von Verhaltensnormen hinsichtlich der
verschiedenen Kategorien der nichttarifären Handelsschranken und anderer
den Handel verzerrenden Praktiken, so meint Botschafter McDonald, werden
die Unterhändler in Genf "den größten Schritt getan haben, seit das GATT
im Jahre 1947 ins Leben gerufen wurde, um das Ausmaß der internationalen
Übereinstimmung bezüglich der Handelspraktiken zu erweitern."
"Was das System selbst anbetrifft, so wird es anstatt einer sehr losen
Gruppierung jährlicher Zusammenkünfte seines Signatargremiums ein
kontinuierliches Forum darstellen", so erklärt Botschafter McDonald, wobei
die Signatargruppen der verschiedenen Normen und Warenabkommen - vielleicht
zehn bis zwölf Signatargruppen insgesamt - "in verschiedenen Gremien zusammenkommen werden, um Handelsprobleme zu erörtern."
"Die Grundlagen des Systems werden", so der Botschafter, "durch eine
größere Disziplin und eine größere Durchsichtigkeit der Durchführung
wesentlich verstärkt werden."
Sir Roy Denman faßt das alles mit der Feststellung zusammen, daß es
nach dem Abschluß der Tokio-Runde "einen besseren und faireren Rahmen für
die Entwicklung des Handels im nächsten Jahrzehnt geben dürfte."
+ + + + +
- 5 -

�16. August 1978

20

USA NEHMEN NICHT AN GENFER ANTIRASSISMUS-KONFERENZ TEIL.
- von Marie Koenig -

WASHINGTON - (AD) - Die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten sich
nicht an der Weltkonferenz der Vereinten Nationen zur Bekämpfung des
Rassismus und der rassischen Diskriminierung, die vom 14. bis 25. August
in Genf stattfindet, beteiligen, sollte niemanden überraschen.

Diese

Entscheidung wurde bereits während der Regierungszeit Präsident Fords getroffen, und die Carter-Administration hatte bisher keine Veranlassung,
diesen Standpunkt zu ändern.
Die Frage, warum Washington keine Delegation zu dieser Konferenz dem Hauptereignis des "Jahrzehnts zur Bekämpfung des Rassismus und der
rassischen Diskriminierung" - entsendet, wird durch die Tatsache beantwortet, daß die Vollversammlung der Vereinten Nationen am 10. November
1975 nach einer dramatischen Konfrontation zwischen den Vereinigten
Staaten und dem Weltforum eine Resolution verabschiedete, in der der
Zionismus mit Rassismus gleichgesetzt wurde.

Diese Resolution enthielt

den Satz, daß "der Zionismus eine Form des Rassismus und der rassischen

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�rassischen Diskriminierung" sei.

Die USA sahen in dieser Maßnahme der

Vollversammlung eine Ermutigung des Antisemitismus auf der Welt und einen
Angriff auf Israel.
Unmittelbar nach der Abstimmung in den Vereinten Nationen erhob sich
überall in den Vereinigten Staaten großer Protest gegen diese Maßnahme
der UN.

Daniel Patrick Moynihan, der damalige Vertreter der USA bei den

Vereinten Nationen, erklärte, daß Washington diesen "schändlichen Schritt"
niemals anerkennen und auch niemals den Mantel des Schweigens darüber
decken werde.
Einen Tag später nahmen beide Häuser des Kongresses einstimmig
Resolutionen an, in denen jede Form der Beteiligung der Vereinigten
Staaten an dem Jahrzehnt zur Bekämpfung des Rassismus und der rassischen
Diskriminierung solange abgelehnt wurde, wie der Zionismus als ein Ziel
dieser Bestrebungen hingestellt werde.

Am selben Tag teilte das amerikanische

Außenministerium mit, daß die Vereinigten Staaten die von den Vereinten
Nationen anberaumte Weltkonferenz boykottieren würden.

Nach Ansicht der

Vereinigten Staaten sind bisher seitens der Vereinten Nationen keine
Schritte erfolgt, die ausreichen, um diesen Standpunkt zu ändern.
Edward Mezvinsky, der amerikanische Vertreter in der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, bekräftigte diesen Standpunkt der USA
am 2. Mai dieses Jahres. Damals erklärte er: "Unser Eintreten für die
Bekämpfung des Rassismus und der rassischen Diskriminierung ist tief verwurzelt und wird niemals aufhören. Dies wird der Welt deutlich durch die
Fortschritte, die wir auf dem Gebiete der Bürgerrechte in unserem Lande
erzielt haben
Aus Gründen, die wir bereits früher zum Ausdruck gebracht haben, sind wir entschlossen, eine Politik der Nichtbeteiligung an
diesem Jahrzehnt (zur Bekämpfung des Rassismus und der rassischen Diskriminierung) zu verfolgen. Inzwischen hat sich nichts ereignet, was uns
veranlassen könnte, diese Politik zu ändern."
+ + + + +

�16. August 1978

20

DEN BODEN BEREITEN FÜR TECHNOLOGIE-TRANSFER
UN-Konferenz über Wissenschaft und Technologie vor großen
politischen Aufgaben

- (AD) - Die elementaren Bedürfnisse und Grundrechte des Menschen
zu analysieren und ihnen Geltung zu verschaffen, sollte die zentrale Aufgabe
der UN-Konferenz über Wissenschaft und Technologie sein, die im August 1979
in Wien abgehalten wird. Nur dann ist nach Ansicht von Theodore M.
Hesburgh, der die Delegation der Vereinigten Staaten leiten wird, eine
echte menschliche Entwicklung und Entfaltung möglich. Er will, wie er
erklärte, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln darauf hinwirken, daß
Wissenschaft und Technik überall für solche wirtschaftlichen und sozialen
Aktivitäten eingesetzt werden, die die Gerechtigkeit weltweit zu fördern
vermögen und dem Wohl der Menschen am besten dienen können.
Auf dem beharrlichen Eintreten des heute 61jährigen in der Öffentlichkeit wie im beruflichen Wirkungsbereich für Menschenrechte und die freie
Entfaltung der Persönlichkeit als der Grundlage für ein produktives Leben
basiert wohl auch die große Sympathie, die er und Präsident Carter

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�Präsident Carter füreinander haben.

Pater Hesburgh war 25 Jahre lang

(von 1952 - 1977) Präsident der Universität von Notre Dame (Indiana),
wo er nach seinem Studium an der Päpstlichen Universität Gregoriana in
Rom und an der Katholischen Universität in der Bundeshauptstadt Washington
bereits vor 1952 als Kaplan und Professor für katholische Theologie tätig
gewesen war.

Im Jahr 1943 wurde er zum Priester geweiht, 1945 schloß er

das Studium mit der Promotion ab.
Sein Egagement für die Mitmenschen trug ihm Berufungen in wichtige
nationale und internationale Gremien ein:
US-Bürgerrechtskommission,

Er war z.B. Vorsitzender der

Mitglied amerikanischer Delegationen auf

Konferenzen der Vereinten Nationen und Vertreter des Vatikans bei der
Internationalen Atomenergie-Behörde.

Gegenwärtig ist er Mitglied des

Vorstandes der Chase Manhattan Bank, der Carnegie-Kommission für das
höhere Bildungswesen und Aufsichtsratsvorsitzender der Rockefell erStiftung.

Noch vor kurzem war er überaus aktiv als Vorsitzender des

Entwicklungsrates für Übersee (ODC), einer gemeinnützigen Organisation
mit Sitz in Washington, die sich bemüht, in den USA mehr Verständnis für
die Probleme der Entwicklungsländer und für die Bedeutung dieser Länder
für die Vereinigten Staaten zu wecken.

Alle amerikanischen Präsidenten

seit Präsident Eisenhower haben in innenpolitischen und internationalen
Fragen den Rat Hesburghs gesucht.

- Lehren aus der UN-Konferenz von 1963 An der ersten UN-Konferenz über Wissenschaft und Technologie im Jahr
1963 in Genf hatte Hesburgh bereits teilgenommen. Sie produzierte, so
meint er heute, eine Flut von bedrucktem Papier - aber nicht viel mehr.
Man redete aneinander vorbei. Die Wissenschaftler der Industrieländer
beherrschten das Feld und erörterten Forschungsprobleme in ihrer Sicht.
Die Wissenschaftler der Entwicklungsländer wiederum erwarteten von ihnen

�von ihnen Patentlösungen für ihre Nöte und Probleme.
"Das konnte nicht funktionieren", wie es nunmehr auch in der Organisationsleitung für die neue Tagung gesehen wird.

Der Australier Dr. Guy

Gresford, stellvertretender Generalsekretär für die UN-Konferenz über
Wissenschaft und Technologie 1979, erklärte kürzlich: "Die Konferenz im
nächsten Jahr wird sich nicht mit rein agrarwissenschaftlichen, medizinischen,
nachrichtentechnischen oder anderen Spezialproblemen befassen.

Vielmehr

hat man in der Zwischenzeit eingesehen, daß die wichtigste Frage die ist,
wie Wissenschaft und Technologie den Zielen der Entwicklungsländer am
besten dienen können.

Sie ist keine Konferenz der Experten, sondern in

erster Linie der Politiker.

Aber diese werden mit Wissenschaftlern und

Ingenieuren, Technikern und Praktikern der verschiedensten Gebiete Hand
in Hand arbeiten und deren Ratschläge in die Diskussion einbringen."
Natürlich haben viele Entwicklungsländer in den letzten 15 Jahren
enorme Fortschritte gemacht und eine eigene Infrastruktur für Forschung
und Technologie aufgebaut. Sie besitzen eigene Universitäten, eigene
Forschungszentren und ähnliche Institutionen, ein eigenes Bildungswesen.
Aber es gibt auch noch viele Entwicklungsländer, für die das noch immer
ein Hauptproblem darstellt. Deshalb sei es, so Gresford, verfrüht, von
Technologietransfer zu reden, solange beim Empfänger die dafür notwendigen
Bedingungen noch nicht existieren. Einer der bedeutsamsten und wohl auch
am meisten umstrittenen Punkte innerhalb der UN wie bei anderen internationalen Erörterungen im Zusammenhang mit der neuen wirtschaftlichen
Ordnung sei die Frage, wie Technologie unter Bedingungen weitergegeben
werden könne, die sowohl für die Empfänger als auch für die Geber akzeptabel sind.

- 3 -

�- Wissenschaft und Technik im Wirtschafts- und Sozialsystem Zweifelsohne müssen Wissenschaft und Technik in die wirtschaftliche
und gesellschaftliche Entwicklung integriert werden.
ohne eine entsprechende Infrastruktur.

Das geht jedoch nicht

Deshalb wird sich in den Ent-

wicklungsländern zunächst einmal das Schwergewicht von akademischer Ausbildung auf die Ausbildung von Technikern, Mechanikern und anderen Fachkräften bis hin zum Personal für die Sozial- und Heil berufe verlagern
müssen - von Menschen, die "vor Ort" mit den Aufgaben und Problemen der
Praxis konfrontiert sind.

Sie kennen die bittere Armut, in der gut eine

Milliarde Menschen auf diesem Planeten leben muß, und sie sind es, die
gegen ihre Auswirkungen anzukämpfen haben.

Eines der besonderen Anliegen

der Konferenz sollte es laut Hesburgh sein, die Voraussetzungen dafür zu
schaffen, daß in den nächsten zwei Jahrzehnten das große Elend vor allem
in den heute ärmsten Ländern beseitigt wird.

Unter den heutigen Verhältnissen

sei dort "Menschenwürde" nur eine Karikatur, aber keine Chance.
"Wir müssen uns um eine gerechtere und gleichmäßigere Verteilung
der Hilfsquellen kümmern", meint Pater Hesburgh. "Gleichzeitig müssen
wir danach trachten, den Frieden auf unserem Planeten zu erhalten und ihn
vor Zerstörung zu bewahren. Wir haben keine zweite Erde in Reserve."
Er sieht die wichtigste Erfahrung und Lektion aus den Flügen von Menschen
zum Mond in der Erkenntnis, daß unsere Erde ein unteilbares und einmaliges Ganzes ist - ein Ort, wo Menschen zusammenleben, die mit begrenzten
und damit schutzwürdigen Hilfsquellen auszukommen haben.

- Technologie-Transfer keine Einbahnstraße Dr. Gresford verweist darauf, daß mit dem Aufbau und Ausbau von
Berufsgruppen, die "die praktische Arbeit tun", die Forschung in Entwicklungsländern dennoch nicht hintangestellt werden dürfe. Natürlich
brauche man dort auch Institutionen der Forschung, die zu einem besseren
- 4 -

�besseren Verständnis der speziellen Probleme der Entwicklungsländer beitragen können.

Außerdem seien Fortschritte in Entwicklungsländern

ohne wissenschaftsorientierte Körperschaften wie Ämter für Geologie und
Landvermessung, Computerdienste, Nachrichtenwesen und ähnliche Fachbereiche
einfach nicht möglich.
Die UN-Mitgliedstaaten, die an der Wiener Konferenz teilnehmen wollen,
bereiten z.Zt. sogenannte "Nationale Dokumente" mit Analysen ihrer eigenen
Erfahrungen in der praktischen Anwendung von Ergebnissen von Forschung und
Technologie vor. Diese Papiere bilden die Grundlage für ein Aktionsprogramm, eine Tagesordnung für Entscheidungen und Empfehlungen der Konferenz
von Wien.
Für die Vereinigten Staaten unternehmen dies die Nationale Akademie
der Wissenschaften (NAS) und der Nationale Forschungsrat. Dabei werden
auch die amerikanischen Erfahrungen mit Entwicklungshilfe-Programmen
berücksichtigt und nach Möglichkeit Vorschläge für künftige Programme
gemacht. Dr. Thomas Malone, Auslandsreferent der NAS und Leiter der USDelegation für die der UN-Konferenz vorausgehende internationale
Wissenschaftlertagung im Januar 1979 in Singapur, sieht eine der wichtigsten
Zukunftsaufgaben darin, mit den wachsenden Anforderungen an Wissenschaft und
Technologie in einer Welt immer größerer Interdependenz fertig zu werden.
Expansion und Wachstum erfordern nach seiner Überzeugung eine gewisse
Ausrichtung auf globaler Ebene. Leitlinien dafür sollen die Wissenschaftlergremien in Singapur erarbeiten, nicht zuletzt, um der Wissenschaft eine
neue internationale Dimension zu geben. Bisher waren deren Aktivitäten
vornehmlich darauf gerichtet, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu
mehren. Jetzt aber gehe es mehr darum, den Fundus an Wissen und Erkenntnissen einzusetzen, um den elementaren menschlichen Bedürfnissen gerecht
zu werden. Auch sollen institutionelle und andere Neuentwicklungen
daraufhin geprüft werden, ob und inwieweit sie Wissenschaftlern und
Ingenieuren in Zukunft mehr Möglichkeiten an die Hand geben, zur Verbesserung des menschlichen Daseins mit den Mitteln von Wissenschaft und

- 5 -

�und Technik beizutragen.
Eines der Themen, das sowohl in Singapur als auch in Wien sondiert
wird, ist die Frage, welche Beiträge die Entwicklungsländer zur internationalen Wissenschaft leisten können.

Zunächst müßten bei ihnen bestimmte

Voraussetzungen geschaffen werden, damit sie, wie Dr. Malone erklärt,
"Wissenschaft und Technologie für ihre eigenen Entwicklungsaufgaben
assimilieren statt nur 'Abgüsse' zu benutzen".

Und außerdem müsse man

sich endlich einmal darüber klar werden, daß "Technologie-Transfer keine
Einbahnstraße ist".

Es sei keineswegs so, daß Entwicklungsländer nur von

den hochindustrialisierten Ländern lernten, sondern der Lernprozess gehe
auch in die umgekehrte Richtung.

"Sie haben", so Dr. Melone, "mehr Er-

fahrung als wir, Probleme der Armut anzupacken.

Sie sehen häufig die

Beziehungen des Menschen zu der ihn umgebenden Natur anders als wir und in unserer überflußgesellschaft könnten wir nur davon profitieren,
solche Beziehungen zu erkennen.

Sie haben auch andere Ansichten über die

Nutzbarmachung zunehmend knapper werdender Hilfsquellen für die Deckung
menschlicher Bedürfnisse.

Wir sollten von ihrer Haltung lernen."

Dennoch wird der rein wissenschaftlich-technische Technologie-Transfer nach Ansicht Hesburghs auf der Konferenz eine große Rolle spielen.
Man wird sich damit auseinandersetzen müssen, welche Technologien von wem
an wen und unter welchen Bedingungen transferiert werden sollen. Vieles
an Technologie ist heute jedermann zugänglich. Aber eine Reihe von Ländern
versteht unter Technologie-Transfer etwas anderes - z.B. solche Entwicklungen,
die in Patentrechten "verschlossen" sind, betriebswirtschaftliche Besonderheiten, Verfahrenstechniken, "Eigentumsrechte" an Technologien.
Darüber kann eine Regierung wie z.B. die Regierung der Vereinigten Staaten
nicht einfach verfügen. Die Rechte darauf gehören Firmen oder Personen
oder privaten Institutionen, die normalerweise für eine Weitergabe entschädigt werden wollen. Ein Transfer würde beispielsweise bewegliche Güter
umfassen - Maschinen, Laboratorien, Forschungsausrüstungen, Fabriken -,
aber auch den Aufbau einer Infrastruktur für das Bildungswesen und Ausbildung

- 6 -

�Ausbildung im weitesten Sinne, die eine Gesellschaft in die Lage versetzt,
diese "Instrumente" moderner Kultur ohne Schaden für die eigene Welt zu
absorbieren.
In manchen Ländern ist dies schon möglich, in anderen dagegen noch
nicht. Jedes Land stellt, wie es Hesburgh formuliert, "ein Problem für
sich dar". Deshalb versuche er gegenwärtig im Rahmen der amerikanischen
Vorbereitungen, Vertreter von organisierten und nicht organisierten Arbeitnehmern, von der Industrie, Akademikern der verschiedensten Fachrichtungen
und Rangstufen, von Staats- und Bundesbehörden bis hinauf zu Regierungskreisen für die Mitarbeit zu gewinnen. Im Interesse der Konferenz von
Wien sei es notwendig,für die so verschiedenartigen Bestrebungen und
Probleme der einzelnen Gruppen eine gemeinsame Arbeitsbasis zu finden von Hochschul Problemen, der Angst um den Arbeitsplatz und Arbeitslosigkeit,
staatlichen und privatwirtschaftlichen Finanzsorgen oder solchen der Rohstoffversorgung bis hin zu der Besorgnis von Firmen um ihre Rechte an
Technologien, die ganz anderer Art sind als "öffentliche" Wissenschaft
und veröffentlichtes Wissen.
Der Erfolg der Konferenz, die ähnlich wie die UN-Konferenz über
Ernährung, Weltbevölkerung oder Umweltfragen organisiert werden wird,
werde an den Programmen gemessen, die sie hervorbringe. Diese sollen
die Grundlage bilden für künftige Aktivitäten, die wohldurchdacht und
für alle Betroffenen akzeptabel sind.

+ + + + +

- 7 -

�1 m TUi)
1.1

I 3

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. August 1978

20

SKYLAB WIEDER STABILISIERT

- (AD) - Experten der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA ist es
gelungen, der Raumstation SKYLAB in ihrer Umlaufbahn wieder eine stabile
Position zu geben. Durch Funkkommandos von der Erde aus wurde das 84
Tonnen schwere Weltraumlabor, das seit der Rückkehr der letzten Astronautengruppe im Jahr 1974 unbemannt unseren Planeten umkreist, so ausgerichtet,
daß der Teil mit dem geringsten Querschnitt in Flugrichtung liegt, was
den Luftwiderstand auf das niedrigstmögliche Maß vermindert. In der
Höhe von 385 km, auf die SKYLAB seit seinem Start mit dem Einschuß in
eine 430 km-Bahn inzwischen angesunken ist, übt zwar die extrem dünne
Luft nur einen sehr geringen Bremseffekt aus. Treffen die Gasmoleküle
jedoch auf die "Breitseite" zuerst und finden so eine größere Angriffsfläche, müßte wohl schon von April 1979 an mit dem Absturz der Station
gerechnet werden.
Die Rettungsaktion, die SKYLAB bis zum Rendezvous mit einem Raumtransporter im Oktober 1979 in einer absturzsicheren Bahn halten soll,
schien nach der Reaktivierung wichtiger Bordsysteme und erfolgreicher

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�erfolgreicher Positionsverä'nderung Anfang Juni 1978 durch eine Serie
von Pannen im Juli gefährdet:

Als am 11. Juli vorübergehend der Bordstrom

ausfiel, brach das Weltraumlabor aus seiner stabilisierten Fluglaqe aus.
Im Zusammenhang mit einer weiteren Strompanne am 19. Juli wurdendie kleinen
Steuerungsdüsen aktiviert, und SKYLAB geriet ins Rollen.
gingen verloren.

810 kg Treibstoff

Den NASA-Ingenieuren im Johnson-Raumfahrtzentrum bei

Houston (Texas) gelang es schließlich über Funk, die mit Solarzellen besetzten Energiesammler-Platten auf die Sonne auszurichten und die Batterien
wieder aufzufüllen.

Das Rollen wurde gestoppt.

Nach intensiver Beobachtung

des Himmelslabors über mehrere Tage wurde am 25.Juli das entscheidende
Manöver ausgeführt, das SKYLAB in die günstigste Position zurückbrachte.
Die Ingenieure schätzen den TreibstoffVorrat an Bord noch auf 2,4
bis 4,5 Tonnen. Er reichte für weitere Korrekturmanöver aus, falls wieder
welche notwendig würden. Mit dem Rendezvous im kommenden Jahr wird beabsichtigt, das Weltraumlabor durch Zündung einer anmontierten Rakete entweder in eine höhere Bahn in ca. 800 km Höhe zu schießen oder es so zu
dirigieren, daß es über dem Meer zum Absturz kommt.

+ + + + +

�Will Wi Hfl
I

UUi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. August 1978

20

LASER-WÄRMEBEHANDLUNG VERBESSERT HALBLEITERQUALITÄT

- (AD) - Mit der Entwicklung eines speziellen Verfahrens der Wärmebehandlung von ^albleitermaterial mit Laserenergie scheint eine Forschergruppe der Star ford-Universitat (Kalifornien, USA) einen Weg gefunden zu
haben, die sowieso schon mikroskopisch kleinen Schaltkreise auf Siliziumplättchen noch mehr zu verkleinern.

Diese winzigen Bauelemente sind es,

die Mikrocomputer und andere Produkte der Miniaturelektronik möglich
gemacht haben.
Die Forschergrupper vom Department für Elektrotechnik der StanfordUniversität erprott= unter der Leitung von Prof. James F. Gibbons kontinuierlich arbeitende Laser (CW = "continuous wave" laser), um damit
das Kristallgitter von Halbleitermaterial, das durch Ionenimplantation
verformt worden war, zu "reparieren". Nachteilige Auswirkungen der LaserWärmebehandlung wurden nicht beobachtet. Im Gegenteil: Man konnte die
elektrischen Eigenschaften von polykristallinem Silizium sogar erheblich
verbessern und z.B. den elektrischen Widerstand um den Faktor 3 verringern,

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�verringern.

(Das neue Verfahren wird in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift

"Physics Today" und in der Ausgabe der Zeitschrift "Science" v. 28. Juli
1978 beschrieben.)
Die Funktionen und Qualitäten von Halbleitermaterialien basieren auf
winzigen, aber sehr präzise dosierten "Verunreinigungen".

Eine neue und

höchst wirksame Technik der "Dotierung" mit solchem Fremdmaterial ist die
sogenannte Ionenimplantation, bei der die Verunreinigung mittels eines
Teilchenbeschleunigers in das Halbleitermaterial eingeschossen wird.
Dieses Ionen-Bombardement zerstört jedoch die Symmetrie des Kristallgitters
und führt zu unerwünschten elektrischen Effekten und Strukturveränderungen.
Durch eine Wärmebehandlung des Materials mit Erhitzen bis in die Nähe des
Schmelzpunktes versuchen die Herstellerfirmen, solche Defekte zu beseitigen.
Dies gelingt zum Teil, führt aber andererseits zur EntstPhung neuer Defekte.
In anderen amerikanischen Laboratorien sowie in der Sowjetunion benutzt man
mit beträchtlichem Erfolg gepulste Laser für die Wärmebehandlung.

Bei der

Aufheizung durch die Laser-Impulse wird nur die Oberflächenschicht des
Materials (bis in 0,5 Mikron = 1 zwei tausendstel mm Tiefe) aufgeschmolzen
und so die Verformung des Kristallgitters im Oberflächenbereich behoben.
Gleichzeitig werden aber die implantierten Fremdionen anders verteilt, was
neue Probleme mit sich bringt.
Im Gegensatz dazu erzeugt der CW-Laser, der auf einen Punkt von
20 - 30 Mikron (1/50 - 1/33 mm) Durchmesser zentriert ist und das Material
mit kontinuierlichem Strahl abtastet, weniger Wärmeenergie als der gepulste
Laser. Die Oberfläche wird nur auf ca. 1 000°C anstatt auf 1 400°C erhitzt, Das bedeutet, daß das Halbleitermaterial nicht schmilzt, jedoch bis
zu dem Punkt aktiviert wird, an dem die Rekristallisation einsetzt. Dabei
wird der ursprüngliche Kristallgitterzustand wiederhergestellt, ohne daß
die Verteilung der Implantationen oder andere Merkmale eine Veränderung
erfahren.
Wird in einem Mikroschaltkreis polykristallines

- 2 -

Silizium anstelle

�anstelle von Metall für Verbindungen benutzt, läßt sich mittels des CWLaser-Abtastverfahrens die Umkristallisation und eine Vergrößerung der
Siliziumkristalle bis zum 500fachen bewerkstelligen.

Dadurch verbessert

sich ihre elektrische Leitfähigkeit um das Dreifache, wie die Wissenschaftler
der Stanford-Universität herausfanden.

Außerdem könnte eine CW-Laser-Wärme-

behandlung die Möglichkeit schaffen, Mikroschaltkreise näher aneinander zu
setzen und ihren Abstand auf 0,5 Mikron zu verringern.

Beim gegenwärtigen

Stand der Produktionstechnik ist es ungemein schwierig, Abstände von weniger
als 5 Mikron (1/200 mm) zu erreichen.

Die merkliche Reduzierung der Abstände

bedeutete jedoch, daß ein einziges Siliziumplättchen zehnmal mehr Schaltkreise als bisher aufnehmen könnte.
Zahlreiche Firmen bereiten bereits die Anwendung der CW-Laser-Wärmebehandlung bei der Herstellung von Mikroschaltkreisen vor.

Die Forscher-

gruppe Gibbons hat nun täglich eine Flut von Anfragen aus der Industrie
zu bewältigen.

+ + + + +

- 3 -

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