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2. August 1978
INHALT

INFORMATION
US-Beitrag zum "Internationalen Jahr des Kindes"
Sonderbestimmungen für zivile Überschallflugzeuge in USA
WIRTSCHAFT
OECD fordert rasche Verwirklichung der Bonner Zusagen
- von John Harter Erfolgreiche Beendigung der Tokio-Runde in Sicht
- von unserem Wirtschaftskorrespondenten Eugene Brake HINTERGRUNDMATERIAL
Tiefseebodenbergbau und Festlandsockelrand
Amerikas dringlichste Forderungen für die Herbstsitzung der
UN-Seerechtskonferenz
- von Hugh 0. Muir WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Malariabekämpfung braucht neue Strategien
Resistenz durch Insektizide führte in Sackgasse
Nachrichtensatelliten

Um Übersendung von
BckgcHcmploren wird
gebeten

stehen hoch im Kurs

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Information

I

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19

2. August 1978

US-BEITRAG ZUM "INTERNATIONALEN JAHR DES KINDES"

- (AD) - Die Vereinigten Staaten sind nach den Worten Präsident
Carters entschlossen, durch ihren Beitrag zum "Internationalen Jahr des
Kindes", das die Vereinten Nationen für 1979 proklamiert haben, weltweiten
Anstrengungen zur Verbesserung der Situation von 1,5 Milliarden Kindern und
Jugendlichen zum Erfolg zu verhelfen. Mit der UN-Aktion sollen zunächst
einmal die Probleme und Nöte, aber auch die Chancen jener Gruppe, die
nahezu ein Drittel der Weltbevölkerung ausmacht, analysiert werden. Denn
es ist keineswegs selbstverständlich, daß die Erwachsenen ihren eigenen
und fremden Kindern den Schutz und die Hilfe angedeihen lassen, die junge
Menschen brauchen, um sich gesund zu entwickeln und ihre Fähigkeiten zu
entfalten.
Selbst in einem wirtschaftlich so gut situierten Land wie den Vereinigten
Staaten müsse, wie der Präsident erklärte, in dieser Hinsicht noch vieles
korrigiert werden. So besagen z.B. Statistiken, daß im Jahr 1977 etwa
1 Million Kinder von ihren Eltern mißhandelt oder vernachlässigt worden
seien.

Zehn Millionen Kinder hätten keine ärztliche Betreuung, und etwa

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etwa die Hälfte aller Kinder in den USA war noch nie beim Zahnarzt.

Die

Mehrzahl der Bevölkerung wisse von solchen Erhebungen überhaupt nichts oder
interessiere sich nicht dafür.

Deshalb müsse die Aktion "Internationales

Jahr des Kindes" in der breiten Öffentlichkeit Verständnis für die Probleme
der Kinder wecken und die Aufmerksamkeit und Bereitschaft der Erwachsenen
mobilisieren, Abhilfe zu schaffen.

Das neue UN-Programm wird als eine

einzigartige Gelegenheit betrachtet, der heranwachsenden Generation überall
in der Welt die Möglichkeit zu geben, ihr Leben reicher und produktiver
zu gestalten.
Die Vereinigten Staaten werdenajch darauf bedacht sein, unter allen
erdenklichen humanitären Aspekten Kindern in jenen Ländern zu helfen, die
weniger mit den materiellen Gütern des Lebens gesegnet sind.

In enger Zu-

sammenarbeit mit internationalen Organisationen wie UNICEF (UN-Kinderhilfsfonds), anderen UN-Behörden und Regierungen wollen sie dazu beitragen, da3
Kinder in allen Nationen besser untergebracht, ernährt und gekleidet werden,
bessere ärztliche Versorgung und Schulbildung erhalten und vor Leiden und
Unrecht geschützt werden.
Die USA haben ein Komitee eingesetzt, das die amerikanischen Beiträge
für das "Internationale Jahr des Kindes" vorbereitet.

Zur Vorsitzenden

ernannte Präsident Carter Mrs. Jean Young, die Frau des US-Botschafters bei
den Vereinten Nationen.

+ + + + +

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1

�Information

I
19

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2. August 1978

SONDERBESTIMMUNGEN FÜR ZIVILE ÜBERSCHALLFLUGZEUGE IN USA

- (AD) - Nach jahrelangen Diskussionen in der amerikanischen
Öffentlichkeit über das Für und Wider einer Zulassung von Überschallflugzeugen im kommerziellen Flugverkehr hatten schließlich der Internationale
Dulles-Flughafen von Washington im Mai 1976 und der Internationale KennedyFlughafen von New York im November 1977 versuchsweise eine begrenzte Zahl
von Landungen und Strats der britisch-französischen CONCORDE-Flugzeuge genehmigt. Parallel dazu lief 16 Monate lang ein Meßprogramm der amerikanischen
Bundesluftfahrtbehörde FAA zur Lärmbelästigung durch die von den europäischen Fluggesellschaften British Airways und Air France betriebenen
CONCORDE-Passagierflugzeuge. Das US-Verkehrsministerium führte seit 1970
öffentliche Anhörungen durch - mit mehr als 11 000 Stellungnahmen allein
von Ende 1977 bis Frühjahr 1978.
Auf Grund der aus den Untersuchungen und Kommentaren gewonnenen Erkenntnisse stimmte jetzt das US-Verkehrsministerium grundsätzlich dem Betrieb von CONCORDE- und anderen künftigen Überschallflugzeugen in den Vereinigten Staaten zu, sofern von den Fluggesellschaften bestimmte Auflagen

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�r

Auflagen erfüllt werden.

Die letzte Entscheidung über Start- und Lande-

genehmigungen fällt jedoch stets die Direktion der einzelnen Flughäfen.
Der Beschluß des Ministeriums, den Verkehrsminister Brock Adams bekanntgab, trat am 31. Juli 1978 in Kraft.

Demnach dürfen die 16 bereits

in Dienst gestellten oder noch in Bau befindlichen CONCORDE-Flugzeuge im
Liniendienst nach und von den USA eingesetzt werden, sofern sie keine
technischen Veränderungen erfahren, die ihren gegenwärtigen Lärmpegel erhöhen könnten.

Der Betrieb während der Nacht ist untersagt - die Maschinen

dürfen in den USA nur von 7 Uhr bis 22 Uhr geflogen werden und müssen über
amerikanischem Gebiet, auch über Hawai, Unterschallgeschwindigkeit einhalten.
Bein Ein- und Ausfliegen sind Flugmanöver untersagt, durch die es zum Überschallknall kommen könnte.

Bei Überschallflugzeugen

für den kommerziellen

Luftverkehr, die nach dem 1. Januar 1980 gebaut werden, sollen allerdings
wesentlich strengere Vorschriften angewandt werden.

Sie entsprechen zum

mindesten den Auflagen, an die sich zur Zeit die herkömmlichen Düsenpassagiermaschinen bei Flügen im Unterschallbereich zu halten haben.
In der Verlautbarung des US-Verkehrsministeriums wird ausdrücklich
hervorgehoben, daß bei Einhaltung der neuen Vorschriften nicht mit einer
Gefährdung der Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung durch eine
Technologie zu rechnen sei, mit der die neue Generation von Flugzeugen
geschaffen wurde.

Die FAA hat inzwischen 13 amerikansiche Flughäfen be-

nannt, die auf Grund der Markterfordernisse in den CONCORDE-Liniendienst
einbezogen werden könnten.

Es sind dies neben den bereits erwähnten zwei

PlätzePdie Flughäfen Anchorage, Boston, Chicago (O'Hare-Flughafen), Dallas/
Fort Worth, Honolulu, Houston, Los Angeles, Miami, San Francisco, Seattle/
Taccma und Philadelphia.

+ + + + +

- 2 -

&lt;

�Wift/chcift
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2. August 1978

OECD FORDERT RASCHE VERWIRKLICHUNG DER BONNER ZUSAGEN
- von John Harter -

PARIS - (AD) - Wenn die sieben großen Industrienationen, die am
Weltwirtschaftsgipfel in Bonn teilgenommen haben, rasch und erfolgreich
handeln, um ihre Verpflichtungen zum wirtschaftlichen Wachstum einzulösen, dann wird es ihnen gerade noch gelingen, einen weiteren Anstieg
der Arbeitslosigkeit zu vermeiden.

Diese Auffassung wird von der Organisation

für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris vertreten.
Vertreter dieser Organisation betonen jedoch, daß sehr viel davon
abhängen wird, ob es den Staats- und Regierungschefs gelingen wird, ihre
Parlamente zur Unterstützung ihres "konzertierten Aktionsprogramms" zu
bewegen,und wie rasch und wie wirksam ihre Absichten verwirklicht werden.
In dem am 28. Juli veröffentlichten Jahresbericht der OECD über die
wirtschaftlichen Aussichten heißt es, daß ohne eine Änderung der Wirtschaftspolitik das wirtschaftliche Wachstum der Industrieländer insgesamt
wahrscheinlich bei etwa 3,5 Prozent stehen bleiben werde - also ein halbes

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�t

halbes Prozent unter dem erforderlichen Stand, um eine weitere Zunahme
der Arbeitslosigkeit zu verhindern.

In dem Bericht heißt es ferner, daß

"per Saldo bei der gegebenen Wirtschaftspolitik Ende Juni dieses Jahres
das Wachstum wahrscheinlich eher hinter den gegenwärtigen Voraussagen zurückbleiben als diese übertreffen wird."

Diese Projektionen wurden vor dem Bonner Weltwirtschaftgipfel erstellt
und stellen die dort verkündeten Initiativen nicht in Rechnung.
Der Leiter der Abteilung für Wirtschaftliche und Statistische Angelegenheiten bei der OECD, John Fay, erklärte vor der Presse, daß sein Büro
eine überschlägige Berechnung erstellt habe, welchen Unterschied im Wachstum
die Bonner Zusagen bewirken könnten, wenn sie sofort und vollständig verwirklicht würden.

Das Wachstum, so erklärte er, könnte dann im ersten

Quartal 1979 eine Rate von 4 bis 4,5 Prozent erreichen.
Auf Fragen der Reporter führte Fay aus. er sei sich ebenso wie andere
Beobachter darüber im klaren, daß die in Bonn verkündete Politik auf die
starke Opposition in einigen Parlamenten treffen könnte. Es wäre auf
jeden Fall optimistisch, davon auszugehen, daß alle notwendigen Maßnahmen
rechtzeitig getroffen werden könnten, um sich schon im ersten Quartal des
nächsten Jahres voll auszuwirken.
Wenn die Schätzungen der OECD stimmen, dann stehen die Industriestaaten
vor einem weiteren Jahr des langsamen Wachstums. Für diesen Fall warnt die
OECD davor, daß verschärfte Lohnkämpfe die Kontrolle der Inflation erschweren
würden. Die Probleme würden noch weiter durch "wachsende Forderungen nach
einem weiteren Protektionismus an den Grenzen und im eigenen Lande in Form
defensiver Praktiken zur Erhaltung der Arbeitsplätze auf Kosten der Produktivität" verschärft.
Darüber hinaus wird in dem Bericht darauf hingewiesen, daß ein langsames Wachstum im OECD-Gebiet die weniger entwickelten Länder besonders hart

�hart treffen würde.

Die Wirtschaft des OECD-Gebietes steht nach Auffassung

Fays an einem "großen Scheidewege".

Ein Hauptgrund dafür sei die Tatsache,

daß das wirtschaftliche Wachstum in den OECD-Ländern von dem überdurchschnittlichen Wachstum in den Vereinigten Staaten gezogen worden sei.
bei einem

Aber

Nachlassen des wirtschaftlichen Wachstums in den USA müsse ein

"angebrachter" Anstoß in den kommenden Monaten anderswo herkommen.
Die jüngste, am 26. Juli veröffentlichte Übersicht der OECD über
die Vereinigten Staaten geht davon aus, daß das Wirtschaftswachstum in
Amerika im ersten Halbjahr 1979 auf eine Rate von 3 Prozent zurückgehen
und die Inflation - den unbeständigen Nahrungsmittelsektor nicht eingerechnet - wahrscheinlich nicht unter sieben Prozent sinken wird.

Die

Wachstumsvorhersage liegt etwas unter und die Inflationserwartung etwas
über den amtlichen Zielsetzungen.
Mit dem starken Abbau der Arbeitslosigkeit und der Beschleunigung
des Preisanstiegs in den USA, so heißt es in der Obersicht der OECD, "muß
die höchste Priorität jetzt dem Inflationsproblem eingeräumt werden.

Die

Inflation stellt für sich selbst eine wichtige wirtschaftspolitische
Frage dar wie auch einen wesentlichen Hemmschuh für den Wiederaufschwung.
Darüber hinaus macht die Schlüsselrolle des US-Dollar im internationalen
Währungssystem einen Abbau des inflationären Drucks in den Vereinigten
Staaten wesentlich."
Fay stellte sich hinter die Erklärungen Präsident Carters in Bonn,
daß der Schwerpunkt der amerikanischen Politik sich vom Abbau der Arbeitslosigkeit auf die Bekämpfung der Inflation verlagert habe.
In dem Überblick der OECD über die Entwicklung in den Vereinigten
Staaten wird jedoch auch warnend darauf hingewiesen, daß man der Auswirkung, die eine neue Rezession in den USA auf einen ohnehin zögernden
Aufschwung in der übrigen Welt haben könnte, weiterhin große Aufmerksamkeit
schenken müsse.
In der

�In der Veröffentlichung der OECD wird auch darauf hingewiesen, daß
das Absinken des Dollarkurses in den letzten anderthalb Jahren nicht das
Ergebnis eines Nachlassens der Konkurrenzfähigkeit amerikanischer Waren auf
internationalen Märkten gewesen sei.

Studien der OECD lassen im Gegenteil

erkennen, daß die Wettbewerbsfähigkeit im Welthandel durch die Wechselkursbewegungen der letzten 18 Monate gestärkt worden sei.
Eine von der OECD zusammen mit dem Jahresbericht veröffentlichte
Sonderstudie schätzt, daß sich das amerikanische Zahlungsbilanzdefizit
bis Mitte 1979 um rund 10 Milliarden Dollar verringern und der japanische
Überschuß entsprechend abgebaut werden könnte, wenn keine weiteren realen
Änderungen der Wechselkurse eintreten (mit anderen Worten, wenn die Wechselkursänderungen genau die Unterschiede in den Inflationsraten der verschiedenen Länder ausgleichen).
In dem OECD-Oberblick wird ferner festgestellt, daß der Dollar gestärkt werden könnte, wenn ein wirksames amerikanisches Energieprogramm
verabschiedet würde und andere Länder eine expansionistischere Politik
betrieben.

Schon die Erwartung entsprechender Maßnahmen würde den Kapital-

fluß nach den USA steigern und damit den Dollar stärken.

+ + + + +

�Wift/choft
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2. August 1978

ERFOLGREICHE BEENDIGUNG DER TOKIO-RUNDE IN SICHT
von unserem Wirtschaftskorrespondenten Eugene Brake

Die Verhandlungspartner in Genf "können das Ende der Straße" zu
einem umfassenden Abkommen über die Liberalisierung des Handels absehen.
Diese Auffassung vertritt der amerikanische Vertreter bei den Verhandlungen
der Tokio-Runde. Und was der Stellvertretende Sonderbeauftragte Präsident
Carters für Handelsverhandlungen, Alonzo McDonald, am Ende dieser Straße
sieht, ist - wenn es nicht noch zu einem höchst unwahrscheinlichen Zusammenbruch der Verhandlungen in letzter Minute kommen sollte - sehr erfreulich.
"Ich glaube, wir sind mit unseren wichtigen Handelspartnern recht
gut vorangekommen", so erklärte Botschafter McDonald in einem Interview.
"Was alle praktischen Zielsetzungen angeht, so haben wir nach meiner Überzeugung 80 bis 85 Prozent des Weges zurückgelegt."
Die Zielrichtung sei ganz klar, so fügte McDonald hinzu. Die großen
Umrisse des endgültigen Paketes sowie dessen Komponenten seien deutlich geworden, und man sei sich auch ziemlich gut über die "relativen Gewichte" jm

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�im klaren.
Nach Ansicht des amerikanischen Verhandlungsführers wäre es vermutlich
möglich gewesen, noch vor dem Bonner Weltwirtschaftsgipfel am 16. und 17. Juli
ein endgültiges Abkommen durchzudrücken; die an den Verhandlungen Beteiligten
hätten es jedoch für besser gehalten, noch eine Zeitlang an der Lösung einiger
Schlüssel fragen weiterzuarbeiten - in der Hoffnung, noch zu
Verbesserungen zu gelangen.

zusätzlichen

Selbst wenn man sich mit dem zum Zeitpunkt des

Bonner Gipfeltreffens bereits Erreichten zufriedengegeben hätte, so heißt
es in amerikanischen Regierungskreisen, wäre man schon einem der größten
Verhandlungserfolge "sehr nahe" gewesen.
Wie Botschafter McDonald weiter erklärte, sind einige der noch verbleibenden Fragen wichtig, ihnen gebühre noch besondere Zeit und Aufmerksamkeit.

Sollten Fortschritte bei dem einen oder anderen Einzelpunkt nicht

erreicht werden können, so werde dies zwar nicht zuänem Zusammenbruch des
bislang Erzielten führen; allerdings könne eine Akkumulierung von Misserfolgen ein zufriedenstellendes Ergebnis gefährden.

Der Botschafter wies in

diesem Zusammenhang darauf hin, daß diese Fragen in stärkstem Maße miteinander verflochten seien:

Was ein Land auf dem einen Gebiet zu tun bereit

sei, hänge oft davon ab, was ein anderes Land auf einem anderen Gebiet tun
werde.

Zwar werde kein Land bei Verhandlungen dieser Art alles erreichen,

was es wünsche; aber die Möglichkeit, daß die Verhandlungen in den nächsten
Wochen "auseinanderfallen" würden, sei "äußerst gering".
McDonald nannte den "Rahmen der Verständigung", auf den sich die
neunzehn in Genf verhandelnden Nationen am 13. Juli einigen konnten, als
den Hauptgrund für seine Hoffnung sowie die anderer Verhandlungsführer, daß
die jahrelangen Bemühungen der Tokio-Runde zu einer Handelsliberalisierung
von bedeutsamen Ausmaßen führen werden.
Inzwischen sind jedoch schon Fortschritte erzielt worden.

In Bonn

führten der Sonderberater Präsident Carters für Handelsverhandlungen,

- 2 -

�Handelsverhandlungen, Botschafter Robert Strauss, und sein Stellvertreter,
Botschafter McDonald, intensive Gespräche mit dem japanischen Außenhandelsminister Nobuhiko Ushiba.

Wie McDonald hierzu feste!Ite, wurde bei diesen

Gesprächen am Morgen des 17. Juli eine allgemeine Verständigung über die
wichtigsten Zollfragen erreicht.
"Nach Ansicht der USA", so sagte Botschafter McDonald, "sind wir einer
Annäherung zwischen den Vereinigten Staaten und Japan auf dem industriellen
Sektor ziemlich nahegekommen". Dies hänge allerdings von einem ausgewogenen
Ergebnis auf dem landwirtschaftlichen Sektor ab, das zufriedenstellend für
die USA sei. Die amerikanisch-japanischen Gespräche in Bonn hätten jedoch,
so fügte der amerikanische Verhandlungsführer hinzu, eine wesentliche Ursache der Spannung beseitigt.
Wie Botschafter McDonald ferner ausführte, sind die Vereinigten Staaten
der Ansicht, daß die Verhandlungen mit ihren wichtigsten Handelspartnern vor allem der Europäischen Gemeinschaft, Japan und Kanada - beim Eintritt
in die "Endphase" gut vorangeschritten seien.

Er räumte jedoch ein, daß

hinsichtlich der Entwicklungsländer noch eine "gewisse Kluft" zu überbrücken
sei.
Eines der Hauptziele der Vereinigten Staaten während der nächsten
Wochen werde es sein, daß an die Frage einer "spezifischen und differenzierten
Behandlung"

dieser Nationen in Übereinstimmung mit der im September 1973

eingegangenen Verpflichtung im Rahmen der Tokio-Erklärung in einer Weise
herangegangen werde, die das Prinzip der Gerechtigkeit herausstelle.

Mit

dieser Deklaration nahm die Tokio-Runde praktisch ihren Anfang.
Der amerikanische Verhandlungsführer rechnet jedoch nicht damit, daß
die Entwicklungsländer durch die Ergebnisse der Tokio-Runde vollständig
zufriedengestellt sein werden.

"Es ist vielmehr wahrscheinlich", so sagte

er, "daß viele von ihnen diesen endgültigen Ergebnissen kritisch gegenüberstehen werden, was auch immer die Resultate sein mögen".
Nach

�Nach Ansicht McDonalds ist eines der Probleme, daß die Angebote der
Entwicklungsländer zur Erweiterung der Handelsliberalisierung "überaus
bescheiden" gewesen seien - dies gelte auch für die moderneren Entwicklungsländer, die Fertigwaren in die Industrieländer exportieren.
In der Erklärung von Tokio wird spezifiziert, daß von den Entwicklungsländern kein "Beitrag" erwartet werde.

Weil jedoch die Entwicklungsländer

selbst wenig getan hätten, so erklärte Notschafter McDonald, seien auch die
Industrienationen nicht ausgesprochen bestrebt gewesen, den Entwicklungsländern die "außerordentlichen Verhältnisse eines offenen Marktes anzubieten,
die sie für ihre Produkte gerne haben möchten".
Dennoch vertrat der Botschafter mit Nachdruck die Überzeugung, daß
die Entwicklungsländer mehr als jeder andere von den Ergebnissen der TokioRunde profitieren werden, selbst wenn keine weiteren Fortschritte hinsichtlich
der Erfüllung ihrer individuellen Erfordernisse erzielt werden.

Der

amerikanische Unterhändler erklärte, daß diese Länder aus der allgemeinen
Zollsenkung Nutzen ziehen werden, die in Kraft gesetzt werden soll.

Und

nach seiner Ansicht würden sie auch mehr als andere Länder vom Abbau der
nicht-tarifären Handelsschranken profitieren, der sich aus einer Reihe der
sehr wahrscheinlich vereinbarten "Verfahrensregeln" herleiten werde.
Botschafter McDonald sowie andere amerikanische Regierungsvertreter
unterstrichen wiederholt, daß sie in den Verhandlungen mit Vertretern der
Entwicklungsländer immer wieder versucht hätten, diese davon zu überzeugen,
daß sie im Gange der Verhandlungen eine aktivere Rolle spielen sollten.
Unter der Schirmherrschaft des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens
(GATT) wird gegenwärtig eine Reihe informeller Planungstreffen organisiert,
auf denen erörtert werden soll, wie die Endphasen der HandeslVerhandlungen
zu handhaben sind.
Die traditionelle Urlaubsunterbrechung ist für August vorgesehen, und

�und die teilnehmenden Verhandlungsparteien benötigen in der Tat diese
Pause.
Nach Ansicht von Botschafter McDonald wird der Großteil der formellen
Konferenzen und Gespräche über die Verhaltensregeln im September und Oktober
abgeschlossen sein.

Er rechnet auch damit, daß die meisten bilateralen

Erörterungen der USA, einschließlich der Gespräche mit den Entwicklungsländern,
während dieses Zeitraums ebenfalls zu Ende gebracht werden.

Der Monat

Oktober wird nach seiner Überzeugung auch der Zeitraum sein, in dem man eine
Bilanz des Erreichten ziehen wird.

Danach werden sich die amerikanischen

Unterhändler nach Meinung McDonalds auf die eine oder andere noch verbliebene
Frage konzentrieren und anschließend einen Bericht für Präsident Carter vorbereiten, in dem die Empfehlungen für das Gesamtpaket unterbreitet werden.
"Bis zum 15. Dezember werden wir die Verhandlungen abgeschlossen
haben," so erklärte Botschafter McDonald. Dies sei der vom amerikanischen
Präsidenten gesetzte Termin, "und genau diesen Zeitpunkt wollen wir auch
einhalten".

+ + + + +

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2. August 1978

TIEFSEEBODENBERGBAU UND FESTLANDSOCKELRAND
Amerikas dringlichste Forderungen für die Herbstsitzung der
UN-Seerechtskonferenz
- von Hugh 0. Muir -

WASHINGTON - (AD) - Bei den Vorbereitungsarbeiten für die nächste
Tagung der Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen, die am 21. August
in New York beginnt, legen die Vereinigten Staaten größten Wert auf
konstruktive Vorschläge zur Lösung der entscheidend wichtigen Fragen des
Tiefseebodenbergbaus und der Definition des Festlandsockelrandes.
Eines der wichtigsten Ereignisse innerhalb der dreimonatigen Zäsur
zwischen der Genfer und der New Yorker Phase der 1978er Sitzungsperiode
der Seerechtskonferenz war die Verabschiedung eines Gesetzes zur Regulierung
der Beteiligung amerikanischer Firmen durch das US-Repräsentantenhaus am
26. Juli.
Botschafter George H. Aldrich, der stellvertretende Leiter der
amerikanischen Delegation auf der Seerechtskonferenz hält dieses Gesetz

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�Gesetz für einen Ausdruck der amerikanischen Entschlossenheit, die Gewinnung von Mineral Stoffen auf dem Meeresgrund mit oder ohne Zustandekommen eines internationalen Vertrags weiter voranzutreiben.

Seiner Auf-

fassung nach besteht hinsichtlich der Sitzung in New York die ernste Gefahr, daß sich die starken Impulse von Genf abschwächen.

Wenige Wochen

vor Beginn der Herbstsitzung unternahm Botschafter Aldrich kürzlich in
einem Interview den Versuch, die Ergebnisse der Arbeit zu analysieren,
die die amerikanische Delegation seit Abschluß der fünfwöchigen Sitzungsperiode in Genf am 19. Mai geleistet hat.
Hauptproblem der New Yorker Sitzung wird wiederum die Frage des
Tiefseebodenbergbaus sein.

"Das ist die Frage, die 'Anhang 2' des Ver-

tragsentwurfs aufwirft," erklärte der Botschafter, "in dem das System
des Zugangs und der Ausbeutung definiert wird".

Dort soll, mit anderen

Worten klargestellt werden, wer das Recht haben soll, Bodenschätze auf
dem Meeresgrund abzubauen und unter welchen Bedingungen.
Von diesem Problemkreis abgesehen, "haben wir uns," so Aldrich, "mit
der sehr wichtigen und noch offenen Frage der Definition des Festlandsockelrandes bzw. dessen seewärtigen äußeren Bereichs befaßt. Gelingt es,
diese Frage zu lösen, wird sich unserer Auffassung nach auch eine Regelung
für die damit zusammenhängende Frage der Beteiligung von Binnenländern
und anderweitig geographisch benachteiligten Staaten an der Küstenfischerei
finden lassen." Der 'Anhang 2" stand in Genf wohl auf der Tagesordnung,
kam dort aber nicht zur Diskussion. Er umreißt Einzelheiten des Funktionierens
des geplanten Zugangssystems und sieht die Errichtung eines Banksystems und
die Aufteilung der Abbaugebiete unter einzelnen Bergbaukonsortien und dem
Abbauunternehmen der vorgeschlagenen Internationalen Meeresbodenbehörde
(Enterprise) vor, in der in der Hauptsache Länder der Dritten Welt vertreten sein sollen.
Aufgabe der Internationalen Meeresbodenbehörde soll es nach "Anhang 2"
auch sein, die Richtlinien für den Abbau und damit zusammenhängende Auflagen

- 2 -

�Auflagen auszuarbeiten, denen sich private Kontraktfirmen ebenso wie
das Enterprise auch in finanziellen wie in anderer Hinsicht unterwerfen
müssen,

über die Frage der Gleichartigkeit der Verpflichtungen privater

Firmen und des Internationalen Abbauunternehmens wird es, so meint Aldrich,
sicherlich zu ernsthaften Verhandlungen kommen.
Die Verabschiedung des Gesetzes zur Regulierung der Beteiligung
amerikanischer Firmen am Tiefseebodenbergbau durch das Repräsentantenhaus
hält Botschafter Aldrich für ein geeignetes Mittel "den Konferenzteilnehmern
deutlich zu machen, daß der Tiefseebodenbergbau beginnen wird, sobald die
dort lagernden Mineral Stoffe benötigt werden und ihr Abbau wirtschaftlich
realisierbar ist - was auch immer sonst geschehen mag." Das Gesetz, das
mit 312 zu 80 Stimmen verabschiedet wurde,wird bei gleichlautender Verabschiedung auch durch den Senat der Regierung die Vollmacht erteilen, den
Abbau von Mineral Stoffen auf und unter dem Tiefseebnden durch amerikanische
Unternehmen zu regulieren, angemessene Umweltschutznormen festzusetzen und
einen Ertragsbeteiligungsfonds zu errichten, an den die Abbaufirmen jeweils
0,75 Prozent des Marktwertes der geförderten Mineralstoffe abführen müssen. Nach
Abschluß eines dementsprechenden Vertrages sollen die angesammelten Mittel
der Internationalen Meeresbodenbehörde überstellt werden.
Das Gesetz hängt gegenwärtig im Senat noch vor dem zuständigen Ausschuß.
Mit seiner endgültigen Annahme, also der Verabschiedung durch beide Häuser
in gleichlautender Fassung,ist im Verlaufe der Sitzungsperiode 1978 nicht
mehr zu rechnen.

Dennoch hat das Vorgehen des Repräsentantenhauses Model 1-

charakter.
"Nach meinem Dafürhalten ist dieses Gesetz sehr nützlich," erklärte
Botschafter Aldrich, "habe ich doch den Eindruck gewonnen, daß viele an
der Konferenz beteiligte Entwicklungsländer meinen, die Vereinigten Staaten
seien stärker an einem solchen Vertrag interessiert als sie selbst und daß
sie deshalb nur hartnäckig auf ihrem Standpunkt zu beharren brauchen, weil
wir am Ende doch nachgeben würden.

Dem ist aber keineswegs so.

- 3 -

Dieses

�Dieses Gesetz hat inzwischen einen eigenen amerikanischen Weg aufgezeigt.
Manche Länder werden vielleicht nun doch erkennen, daß ein Hinauszögern
eines Vertrages keineswegs ein Hinauszögern des Tiefseebodenbergbaus bedeuten muß."
Eine weitere Frage, die die amerikanische Delegation womöglich in
der auf vier Wochen angesetzten New Yorker Sitzungsperiode behandelt sehen
möchte, ist die der wissenschaftlichen Meeresforschung.

Hier geht es den

Vereinigten Staaten in erster Linie darum, daß die Küstenstaaten ein Vetorecht eingeräumt erhalten, das sie ermächtigt, jede ihnen nicht genehme
Art der wissenschaftlichen Meeresforschung innerhalb der durch den Vertrag
zu etablierenden 200-Seemeilen-Wirtschaftszone vor ihrer Küste zu untersagen.
Die Sitzungspause bot Botschafter Elliot Richardson, dem US-Chefdelegierten auf der Seerechtskonferenz, Gelegenheit zu Besprechungen in
sechs lateinamerikanischen Hauptstädten.

Drei Delegationsmitglieder haben

die Zeit zu Reisen nach Europa und zu Zusammenkünften mit Vertretern anderer
Länder in New York und Washington benutzt.
"Ich glaube wir wenden uns mehr und mehr von der Auffassung ab, wir
hätten große Eile. Wir nähern uns vielmehr dem Gefühl, daß ein so vielschichtiges Unternehmen zwangsläufig lange Zeit in Anspruch nimmt. Nach
meinem Dafürhalten wird ein Vertrag noch mehrere Jahre auf sich warten
lassen, selbst wenn alles bestens läuft," erklärte Botschafter Aldrich
abschließend in seinem Interview.

+ + + + +

- 4-

�a

I

Uli/zcn/choft
und Technik
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2. August 1978

MALARIABEKÄMPFUNG BRAUCHT NEUE STRATEGIEN
Resistenz durch Insektizide führte in Sackgasse

- (AD) - Weltweit war in den fünfziger Jahren die Malaria-Häufigkeit
rapide zurückgegangen, nachdem gegen Moskitos, die die Krankheitserreger
übertragen, wirksame Insektizide in großen Mengen zur Anwendung kamen. Die
Zahl der Erkrankungen sank von mehr als 300 Millionen im Jahr nach dem Ende
des Zweiten Weltkriegs auf weit unter 100 Millionen. Selbst im tropischen
Afrika, vor allem aber in Asien glaubte man, durch Insektenbekä'mpfungsmittel sowie Therapie und Vorbeugung mit Medikamenten wie Chinin, Chloroquin
und einigen anderen Präparaten der Krankheit endlich Herr werden zu können.
In Pakistan beispielsweise wurden 1968 nur noch 9500 Fälle, in Indien knapp
50 000 registriert.
Obgleich jährlich noch immer tausende von Tonnen DDT, dazu mehr oder
minder große Mengen einiger weiterer Chemikalien als Insektizide verbraucht
werden, blieben weitere Erfolge versagt.

Und in den letzten Jahren ging

der frühere Trend sogar sehr schnell in die entgegengesetzte Richtung: Bis
1976 war die Zahl der gemeldeten Fälle in Pakistan auf 10 Millionen, in

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�in Indien auf etwa sechs Millionen emporgeschnellt.

Ca. 30 Prozent der

indischen Bevölkerung leben in malariaverseuchten Gebieten.

Pro Jahr er-

kranken heute schon wieder mehr als 120 Millionen Menschen in der Welt an
Malaria.

Die der UN-Weltgesundheitsorganisation gemeldeten Fälle haben sich

in den letzten fünf Jahren verdoppelt.

Allein in Afrika bedeutet die parasitäre

Fieberkrankheit jährlich für mindestens eine Million Menschen den Tod.
Diese erschreckende Wende ist darauf zurückzuführen, daß nicht nur
Malariamücken gegen Insektizide wie DDT und Dieldrin immun geworden sind,
sondern daß auch die von ihnen übertragenen Parasiten (Plasmodien), die im
menschlichen Organismus die Fieberanfälle, schwere Blutbildveränderungen,
Leberschäden und allgemeinen Kräfteverfall hervorrufen, in einigen besonders
stark verseuchten Gebieten Resistenz gegen die wirksamsten Medikamente entwickelt haben.

Hinzu

kommt, daß in manchen Regionen DDT und andere

Insektizide ihren Weg in die Nahrungskette genommen haben und im menschlichen
Organismus, z.B. in der Muttermilch, bereits in hoher Konzentration vorhanden sind.

Dies bedeutet eine zusätzliche Beeinträchtigung der Funktion

von Organen wie Leber oder Nervensystem.
Zwar war der chemische Feldzug gegen die Malaria in den gemäßigten
Zonen in Verbindung mit der Trockenlegung von Sümpfen, mit verschiedenen
Wasserbau technischen Maßnahmen und systematischer Arzneimittel Prophylaxe
im großen Ganzen von bleibendem Erfolg. Um diesen zu sichern, vor allem
aber im Interesse der von der Malaria noch immer oder erneut heimgesuchten
Länder müssen sich WHO (Weltgesundheitsorganisation) und Regierungen nunmehr um neue Strategien bemühen.
In den letzten 30 Jahren sind schon 24 der verschiedenen Arten von
Anopheles-Mücken gegen DDT resistent geworden, und Dieldrin hat gar bei
44 Arten seine Wirkung verloren. WHO-Generaldirektor Halfdan Mahl er berichtete im Mai 1978 auf der Jahreskonferenz seiner Organisation in Genf,
daß infolge der starken Zunahme von Erkrankungen in Südostasien die Malaria
in weiten Teilen von Bangladesch, Indien und Sri Lanka ihren früheren

- 2 -

�früheren Stand wiedererreicht habe.

Das Risiko in Thailand, Laos, Kambodscha,

Vietnam, in Teilen von Malaysia und einer Anzahl südpazifischer Inselstaaten
sei ähnlich groß.
meldet.

Und viele der Malariaanfalle würden der WHO gar nicht ge-

Eine Epidemie großen Stils müßte verheerende Auswirkungen haben.

Kürzlich kam es in geringerem Umfang in der Türkei zu einer Malariaepidemie, die jetzt die Mittelmeerländer bedroht. Es sei, so Mahler, zu
befürchten, daß Gastarbeiter oder nicht durch Vorbeugungsmittel geschützte
Touristen die Krankheit in malariafreie Gebiete Europas einschleppen.
Personen aus solchen Ländern sollten sich vor einer Auslandsreise, vor allem
in subtropische oder tropische Gebiete unbedingt darüber informieren, ob,
in welchem Umfang und in welcher Form dort die Malaria wieder auftritt,
damit sie sich mit den bestgeeigneten Vorbeugungsmitteln versorgen können.
Die Prophylaxe sollte sofort beim Eintreffen in der malariabedrohten Region
beginnen und auch nach der Rückkehr noch über einige Wochen weitergeführt
werden.
Besonders schlimm sind die Auswirkungen der neuen Malariawellen
in Entwicklungsländern, wo sie weitgehend den sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt blockieren. Dr. Stirling, Gesundheitsminister von
Tansania, warnte davor, hinsichtlich der Krankheitshäufigkeit nur die
Statistiken der Hospitäler zu werten. Das Gros der Todesfälle sei ganz
woanders zu finden - nämlich in den Dörfern, und dort vor allem unter
Kindern, die gar nicht bis zu den Hospitälern kommen.
Das gegenwärtige Anti-Malaria-Programm der WHO umfaßt vier sich
überlappende Phasen:

Wichtigstes erstes Ziel ist es, durch die Bereit-

stellung geeigneter Medikamente für Malariakranke die Zahl der Todesfälle zu senken.

Die zweite Phase ist darauf gerichtet, Risikogruppen

wie Kinder oder bestimmte Berufs- und Arbeitergruppen zu erfassen, bei
denen die medizinische Prophylaxe von besonderer Bedeutung ist.

In der

dritten Phase würden diese Aktionen auf eine breitere Basis gestellt.
Und schließlich wird als langfristiges Ziel die Ausrottung der Malaria

- 3 -

�Malaria angestrebt, die in heutiger Sicht nur mit einem vielschichtigen,
weltweit koordinierten Programm von Medizinern, Landwirtschaftsexperten,
Chemikern, Mikrobiologen und Gesundheitsbehörden denkbar i s t .
- Impfung und biologische Schädlingsbekämpfung Schutzimpfungen gegen Malaria gibt es noch nicht, die Entwicklung eines
geeigneten Vakzins steckt noch in den Anfängen.

Vor zwei Jahren wurde aus

den USA berichtet, daß es gelungen s e i , Plasmodien in menschlichen roten
Blutkörperchen zu kultivieren.

Außerdem liege nunmehr ein Vakzin mit

einer Emulsion aus Malaria-Erregern vor, die im Merozoiten-Stadium, d.h.
in der Phase ihrer stärksten Infektionskraft, aus Blutplasma extrahiert
wurden.

Das Vakzin werde zunächst in Tierversuchen erprobt.

An einer Reihe von Instituten wird auch daran gearbeitet, biologische
Methoden für die Malariabekämpfung zu entwickeln - z.B. durch Aussetzen
ganzer Schwärme s t e r i l i s i e r t e r Männchen der Anopheles-Mücke oder durch den
Einsatz natürlicher Feinde. Im letzteren Fall könnte sich als bester Verbündeter des Menschen ein winziger Wurm erweisen.mit dem Dr. George 0. Poinar,
Insektenpathologe an der Universität Kalifornien in Berkeley, s e i t längerem
experimentiert. Es handelt sich um die Nematodenart "Romanomermis
culicivorax", die in Verbindung mit einer das Wachstum regulierenden
Substanz (Handelsbezeichnung " A l t o s i d " , chemische Bezeichnung Methorpen)
"viele Arten von Süßwassermücken unter Kontrolle bringen könnte, ohne
andere Organismen zu schädigen", wie Dr. Poinar e r k l ä r t .
Der Wissenschaftler l e i t e t e im vergangenen Jahr ein einschlägiges
Forschungsprojekt am Searsville-See in der Nähe von Palo Alto (Kalifornien).
Ziel war die Bekämpfung von Anopheles-Moskitos, die neben den MalariaErregern auch andere, f ü r den Menschen o f t äußerst gefährliche Krankheitskeime übertragen. Kulturen des im US-Bundesstaat Louisiana heimischen
Fadenwurm-Parasiten s t e l l t e Dr. James J . Petersen zur Verfügung, der die
Nematoden im Moskito-Forschungszentrum des US-Landwirtschaftsministeriums
am Lake Charles nahe der Golfküste in großen Mengen züchtet. An den Ufern

- 4 -

�Ufern des Charles-Sees war es 1976 gelungen, durch Aussetzen von R.
culicivorax-Nematoden die Brut von "Anopheles freeborni"-Mücken um 70 - 97 %
zu reduzieren.

Dies war laut Poinar schon deshalb als großer Erfolg zu

werten, weil die Uferzonen so dicht mit Papageienkraut bewachsen sind, daß
selbst die Moskitofische keine Mücken fangen können.
Inzwischen hat man auch in Florida die Massenzüchtung dieser Nematodenart aufgenommen. Versuchsweise sollen dann Fadenwurdkulturen vom Flugzeug
aus in den Sümpfen und an Seen ausgesetzt werden. Umweltfaktoren, die
die Wirksamkeit der Nematoden vom Typ Romanomermis culicivorax beeinträchtigen
könnten, werden gegenwärtig von Dr. E.G. Platzer (Universität Kalifornien
in Riverside) untersucht. Feldversuche mit der Nematodenart, die in den
amerikanischen Bundesstaaten Louisiana, Kalifornien, Florida und Maryland
sowie in Thailand, Taiwan, Japan und San Salvador bereits durchgeführt wurden,
verliefen außerordentlich zufriedenstellend. Auf Anregung Dr. Petersens wird
der Wurm jetzt auch gegen die Larven der Schwarzfliege in Westafrika eingesetzt; diese überträgt Parasiten, die zu einer schweren Augenkrankheit, der
sogenannten Flußblindheit, führen.
Die R.c.-Nematoden sind Erzfeinde der Moskitos. Die jungen Würmer
bohren sich durch die Außenhaut von Moskitolarven, dringen in den Körper
ein und leben von seinem Inhalt. Der Wurm wächst so schnell, daß er schon
nach einer Woche länger ist als die Moskitolarve. Nun bohrt er sich ein
Loch nach draußen, und bald danach geht die Moskitolarve zugrunde. Die
jungen Nematoden sinken in den Bodenschlamm, paaren sich und legen Eier ab.
Sobald die jungen Würmer ausschlüpfen, ist die Infektionsphase erreicht, und
der Zyklus beginnt von neuem. Je nach der gerade herrschenden Temperatur
dauert ein solcher Zyklus drei bis vier Wochen.
Dr. Poinar ist überzeugt, daß dieses biologische Verfahren zur Bekämpfung der Malariamücken überall dort angewandt werden kann, wo das
Klima etwa dem von Kalifornien, Louisiana und Florida oder allgemein dem
der Mittelmeerländer entspricht. Voraussetzung
für den Erfolg ist

- 5 -

�ist zunächst einmal die kommerzielle Produktion und der sachgerechte
Versand der Nematodeneier, da diese beim Transport leicht zugrundegehen.
Zwei amerikanische Firmen - Nutrilite Corporation in Lakeview, Kalifornien,
und Fairfax Biological Laboratory in Clinton Corners, New York - befassen
sich bereits damit, die bestmöglichen Verfahren zu entwickeln.
Vor allem Dr. Petersen ist es zu verdanken, daß damit zum ersten Mal
eine Nematodenart gefunden wurde, die sich für die Moskito-Bekämpfung
eignet.

In Verbindung mit dem Wachstumsregulator Methopren sind die R . c -

Nanatoden auch vom ökologischen Standpunkt aus besonders attraktiv,weil
sie viele Süßwassermückenarten reduzieren, ohne gleichzeitig andere Organismen
zu schädigen.

So könnte,möglicherweise auch in der Kombination mit

Drainagemaßnahmen, zeitweiligem überfluten von Brutstätten und Veränderungen
der Salzkonzentration im Wasser, eine Strategie entwickelt werden, die die
chemische Insektenbekämpfung unterstützt und gleichzeitig hilft, die
mengenmäßige Anwendung von Insektiziden zu verringern.

Vielleicht wäre

dies ein Weg, um den Teufelskreis der Resistenzbildung bei den die Malaria
und andere gefährliche Krankheiten übertragenden

+ + + + +

- 6 -

Insekten zu durchbrechen.

�1
I

Wi//en/chcift
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19

2. August 1978

NACHRICHTENSATELLITEN STEHEN HOCH IM KURS

- (AD) - Die weltweite Nachfrage nach Nachrichtensatelliten wird
sich in den nächsten fünf Jahren verdoppeln. Dies geht aus Berechnungen
hervor, die Mitgliedstaaten der Internationalen Organisation für Fernmeldesatelliten (INTELSAT) angestellt haben. Auf ihrer vierten Weltkonferenz für den Nachrichtenverkehr ( 11. - 17. Juli 1978 in Washington)
erörterten die Vertreter der 102 Mitgliedstaaten von INTELSAT den künftigen
Bedarf jeder einzelnen Partnernation. Vorläufige Berechnungen ergaben,
daß bis Ende 1982 allein für Telefongespräche statt der bisher 14 105
ständig ausgelasteten Leitungen etwa 30 000 gebraucht werden.
Für Länder, die geostationäre Satelliten über dem Atlantik benutzen,
wird eine Ausweitung des Fernmeldeverkehrs um 114 Prozent erwartet. Dagegen liegen die entsprechenden Zahlen für die Nachrichtensatelliten über
dem Indischen und Pazifischen Ozean bei 98 bzw. 91 Prozent.

Die fünf

Satelliten, die z.Zt. betrieben werden und alle in 35 900 km Höhe stationiert
sind, zählen zur INTELSAT IV und IV-a Serie.

Die IV-Geräte können gleich-

zeitig 4 000 Telefongespräche und Fernsehsendungen über zwei Kanäle über-

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�übertragen, die IV-a-Geräte 6 000 Telefongespräche plus TV-Sendungen. Die
künftigen INTELSAT V-Satelliten werden die gleiche TV-Kapazität, dazu jedoch die wesentlich größere Betriebsleitung für 12 000 Telefongespräche
gleichzeitig haben. Der erste INTELSAT V-Satellit soll Ende 1979 gestartet werden - entweder mit Hilfe des amerikanischen Raumtransporters
oder mit der von der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA entwickelten Trägerrakete ARIANE.

+ + + + +

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Beitrag zum "Internationalen Jahr des Kindes"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sonderbestimmungen für zivile Überschallflugzeuge in USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;OECD fordert rasche Verwirklichung der Bonner Zusagen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- von John Harter -&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erfolgreiche Beendigung der Tokio-Runde in Sicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- von unserem Wirtschaftskorrespondenten Eugene Brake -&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tiefseebodenbergbau und Festlandsockelrand&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikas dringlichste Forderungen für die Herbstsitzung der UN-Seerechtskonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- von Hugh 0. Muir -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Malariabekämpfung braucht neue Strategien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Resistenz durch Insektizide führte in Sackgasse&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachrichtensatelliten stehen hoch im Kurs</text>
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