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                  <text>Information
und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. Juli 1978

17

I N H A L T

INFORMATION
Carter-Besuch unterstreicht Bedeutung der Bundesrepublik
WIRTSCHAFT
Blumenthal umreißt Themen des Bonner Wirtschaftsgipfels
- Rede des US-Finanzministers vor dem Nationalen Presseklub Bonner Wirtschaftsgipfel ein Schritt auf dem Wege zur Weltwirtschaft
- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten Eugene Brake HINTERGRUNDMATERIAL
Neue Richtlinien für US-Raumfahrtprogramme
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Gasmassen im Sonneninnern rotieren verschieden schnell
- Neue Forschungsergebnisse könnten Sonnenfleckenzyklus aufklären helfen
Eine "unnatürliche" Aluminium-Legierung
- Besondere Vorzüge: Höhere Festigkeit, geringeres Gewicht -

Um Übcr/cndunQ von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Telex:08-85432

�Information
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12. Juli 1978

17

CARTER-BESUCH UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DER BUNDESREPUBLIK

WASHINGTON - (AD) - Amerikanische Regierungsvertreter in Washington erklärten, der am 14. und 15. Juli 1978 stattfindende Staatsbesuch Präsident
Carters in der Bundesrepublik Deutschland unterstreiche die wichtige Rolle,
die die Bundesrepublik in Europa spiele.
Im Rahmen eines Informationsgespräches am 7. Juli im Zusammenhang mit
der Reise bezeichneten diese Kreise die Bundesrepublik als einen der Hauptverbündeten der USA. Zwischen Präsident Carter und Bundeskanzler Schmidt bestünden sehr enge Beziehungen.
Nach Mitteilung der amerikanischen Regierungsvertreter werden die beiden
Staatsmänner die Ost-West-Beziehungen, einschließlich der Gespräche über die
Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT) und der Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen (MBFR), erörtern.

Weitere

Gesprächspunkte werden die Ereignisse in Afrika sein - Bundeskanzler Schmidt
ist erst kürzlich von einer Afrikareise zurückgekehrt - sowie die Situation
im Nahen Osten, wobei Präsident Carter Bundeskanzler Schmidt über die Ergebnisse des Besuches des amerikanischen Vizepräsidenten Mondale in Israel und
Ägypten unterrichten wird.

Ferner wollen die beiden Staatsmänner über das

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�das Langfristige Verteidigungsprogramm der NATO sprechen und einen Meinungsaustausch über Fragen führen, die auf dem am 16. und 17. Juli in Bonn stattfindenden Weltwirtschaftsgipfel erörtert werden sollen.
Nach Ansicht der amerikanischen Regierungsvertreter sind von den Gesprächen zwischen Carter und Schmidt keine wesentlichen neuen Initiativen in
bezug auf die MBFR-Verhandlungen zu erwarten, wobei von diesen Kreisen darauf hingewiesen wurde, daß der Westen gegenwärtig den jüngsten sowjetischen
Vorschlag für eine Truppenreduzierung überprüft.

Hinsichtlich der SALT-Ge-

spräche erklärten die amerikanischen Regierungsvertreter, daß die Carter-Administration

die europäischen Verbündeten umfassend über die Verhandlungen

mit der Sowjetunion unterrichtet habe.

Es gäbe einige Fragen der nuklearen

Abrüstung, die für Westeuropa von besonderer Bedeutung seien, und darüber
stünden die USA in kontinuierlichen Erörterungen mit ihren NATO-Verbündeten.
Die amerikanischen RegierungsVertreter wiesen ferner darauf hin, daß die
Inspizierung amerikanischer und deutscher Truppen während des Staatsbesuches
die Verpflichtung der USA gegenüber dem NATO-Bündnis noch unterstreiche.

+ + + + +

�Wirt/choft
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Embassy of the United States of America
17

12. Juli 1978

BLUMENTHAL UMREISST THEMEN DES BONNER WIRTSCHAFTSGIPFELS
- Rede des US-Finanzministers vor dem Nationalen Presseklub

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister W. Michael Blumenthal
hat in einer Rede vor dem Nationalen Presseklub in Washington am 30. Juni 1978
die Themen des kommenden Wirtschaftsgipfels in Bonn umrissen.

Die Rede hat

folgenden Wortlaut:

Präsident Carter wird in Kürze in Bonn mit den Regierungschefs der Bundesrepublik Deutschland, Japans, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Kanadas zusammentreffen, um gemeinsame Wirtschaftsprobleme und mögliche miteinander abgestimmte Lösungen zu erörtern.

Wir wissen seit langem, daß die po-

litischen Schicksale Europas, Japans und Nordamerikas unauflöslich miteinander
verknüpft sind.

Wir sind auch zu der Erkenntnis gekommen, daß die Verknüpfung

unserer Länder in wirtschaftlicher Hinsicht genau so weitgehend ist.

Die Zu-

nahme des internationalen Handels, der Investitionen, der Banktätigkeit, der
Produktion und der Lizensierung in der Zeit nach dem Kriege hat eine neue und
völlig interdependente Weltwirtschaftsstruktur geschaffen.

Obwohl die innen-

politische und wirtschaftliche Situation in jedem Industriestaat einmalig und
spezifisch ist, so kann doch keiner von uns auf irgendeinem

Gebiet einseitig

vorgehen, ohne daß es sich auf die anderen auswirken würde.
Es

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Es besteht für uns die kollektive Notwendigkeit, eine angemessene Vereinbarkeit zwischen unseren binnenwirtschaftlichen und unseren weltwirtschaftlichen Zielen zu gewährleisten.

Das ist kein eigentlich neues Problem, aber

es hat durch das außerordentliche Wachstum und die grundsätzlichen Veränderungen in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen während der letzten Jahre
eine neue Dringlichkeit erlangt.
Es gibt heute Probleme, denen man sich stellen muß. Die Arbeitslosigkeit ist noch immer überall eine Gefahr.

Die inflationären Kräfte, die An-

fang der siebziger Jahre in Gang gesetzt wurden, sind noch nicht überwunden.
Die Anpassung an die Umwälzung durch die öl Preiserhöhung muß noch vollzogen
werden.

Es bestehen riesige Ungleichgewichte in den Zahlungsbilanzen und

diese wirken sich weiterhin auf die Devisenmärkte aus. Der Protektionismus
bedroht unser gemeinsames Wohlergehen.
Die Staats- und Regierungschefs in Bonn wissen, daß - will man diese
Probleme überwinden - man sie alle zusammen anpacken muß oder aber erfolglos
bleibt. Aber die Lösung dieser unserer Probleme ist durchaus nicht einfach. ••
Trotz besten Willens auf allen Seiten bringt der vor uns liegende Weg für uns
alle eine Reihe von Hindernissen. Jeder von uns geht von einer unterschiedlichen wirtschaftlichen Ausgangsposition aus, sei es,was die wirtschaftliche
Leistung anbetrifft, oder in bezug auf den Wiederaufschwung nach der Energiekrise von 1974 und der Rezession von 1975 oder in bezug auf die äußere Zahlungsbilanzposition. Und, was sehr wichtig ist, jeder von uns muß die spezifischen Umstände im eigenen Lande berücksichtigen.
Ein Gipfel kann daher auch nicht ein Ereignis dramatischer Beschlußfassungen sein, auf dem sofortige Lösungen für tief verwurzelte Probleme verkündet werden. Wir haben es mit schwierigen strukturellen Problemen zu tun,
die erst einmal verstanden werden müssen, und sobald man sie verstanden hat,
einer geduldigen und anhaltenden kooperativen Anstrengung bedürfen. Das ist
die eigentliche "big story" - die große Sache - der Gipfeltreffen.

Das

�Das allem Anschein nach einfache jedoch in Wirklichkeit komplizierte
Ziel der Staatschefs in Bonn besteht darin, ein allgemeines Verständnis für
jene Art von Brückenschlag zur Verbindung der unterschiedlichen makroökonomischen und anderen politischen Maßnahmen zu erzielen, wie es für anhaltendes
wirtschaftliches Wachstum und Stabilität notwendig ist.
Zu diesem Zweck werden die Teilnehmer am Bonner Gipfel eine Reihe von
Problemgebieten erörtern - Wachstum, Arbeitsplätze und Inflation, Energie,
internationale Währungsfragen, Handel und die Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern.

Wachstum, Arbeitsplätze, Inflation
Die Vereinigten Staaten kommen auf ihrem Expansionskurs gut voran. Wir
konnten uns von der Rezession des Jahres 1975 rasch erholen und eine reale
Wachstumsrate unseres Bruttosozialproduktes in Höhe von 6,0 Prozent für 1976
und von 4,9 Prozent im vorigen Jahr verzeichnen. In den 38 Monaten der Expansion konnten 9,7 Millionen Arbeiter neu eingestellt werden. Dabei sank
der Prozentsatz der Arbeitslosen von 9,1 Prozent, den er in der Spitze im Mai
1975 erreicht hatte,auf 6,1 Prozent im Mai dieses Jahres. Durch Wachstum im
eigenen Land und Ansteigen der Importe haben die Vereinigten Staaten der Beschäftigungslage in anderen Teilen der Welt einen starken Impuls gegeben.
Unsere Partner des Wirtschaftsgipfels haben weniger spektakuläre Wachstumsraten zu verzeichnen. So lag beispielsweise das Wachstum in der Bundesrepublik
Deutschland im vorigen Jahr bei 2,4 Prozent. Das Wachstum in Frankreich betrug 2,9 Prozent, in Italien 1,7 Prozent, in Kanada 2,6 Prozent und in Großbritannien 0,5 Prozent. Japan konnte mit respektableren Wachstumsraten von
6,3 Prozent und 5,1 Prozent aufwarten, dies gelang ihm aber mehr durch eine
weitere Steigerung der Exporte als durch einen Anstieg der Nachfrage im eigenen Land.
Verstärkt

�Verstärkt durch zeitlich begrenzte Einflüsse hat sich die Inflationsrate für Verbrauchsgüter in den Vereinigten Staaten jetzt einem zweistelligen Wert zu nähern begonnen.

Nach unseren Erwartungen dürfte die Gesamtin-

flationsrate in diesem Jahr bei rund 7 Prozent liegen.
Fall akzeptabel.

Das ist auf keinen

Es hemmt die Spar- und Investitionstätigkeit im eigenen

Lande und beeinträchtigt das Vertrauen in den Dollar im Ausland.
dringend notwendig, die Inflationsrate zu senken.

Es ist

Unsere Partner auf dem

Weltwirtschaftsgipfel erwarten - so wie wir es von uns selbst fordern - daß
wir die Inflation an ihren Wurzeln anpacken, um so auf einem gesunden Wachstumskurs weiterschreiten zu können.
Diesem Zweck dienten die von Präsident Carter am 11. April angekündigten neuen Maßnahmen, die darauf abgestimmt waren, dem inflationären Druck
entgegenzuwirken.

Der in seiner Rede angekündigte Komplex politischer Maß-

nahmen wird von uns nun mit aller Energie durchgeführt.

Wir haben die von

uns vorgeschlagene Steuersenkung reduziert und hinausgeschoben, aber sie so
strukturiert, daß die Expansion von neuen Investitionen in Fabrikanlagen
und Kapazitäten in den Jahren 1980 und 1981 ermutigt wird.

Wir bemühen uns

um eine möglichst starke Drosselung der Ausgaben für die Haushalte der Finanzjahre 1979 und 1980 und sind entschlossen, bis zum Jahre 1981 den Bundeshaushalt dem Ausgleich nahezubringen.

Wir haben Maßnahmen getroffen, um

die inflationäre Auswirkung zu reduzieren, die von regulatorischen Bestimmungen und Beschaffungspraktiken der Regierung ausgehen.
für Fleischimporte heraufgesetzt.

Wir haben die Quoten

Wir gehen den schwierigen Weg, die Lohn-

und Gehaltserhöhungen der Bundesangestellten zu begrenzen.

Und von hier aus-

gehend führen wir eine entschlossene Kampagne, um die Lohn-, Gehalts- und
Preisanstiege im privaten Sektor zu Verlangsamen.
Es ist wichtig, die Maßnahmen zu unterstreichen, die wir zur Unterstützung
eines künftigen nicht-inflationären Wachstums ergreifen.

Das vom Präsidenten

vorgelegte Steuerpaket fordert eine Reduzierung der Körperschafts- und Einkommenssteuersätze und eine Liberalisierung der Steuerabschreibungen für Investitionen.

Das würde die das Kapitaleinkommen hauptsächlich belastenden

Steuern um rund 7 Milliarden Dollar reduzieren und die Ertragslage und den
- 4 -

�den Bargeldfluß für alle produktiven Unternehmen steigern.
Eine zweite entscheidend wichtige Anstrengung liegt im Bereich unserer
Haushaltspolitik.

Wir unternehmen jede Anstrengung, um die Bundesausgaben

als prozentualen Anteil unseres Bruttosozialproduktes zu verringern und exzessive künftige Ausgabenansätze, die über das Jahr 1980 hinausreichen, zu
verhindern.

Unser Ziel ist es, das Haushaltsdefizit für das Finanzjahr 1980

unter die 40 Milliarden Dollar Grenze zu bringen, was gemessen an den derzeitigen Zahlen eine Senkung um 10 Milliarden Dollar ausmachen würde.
leichte politische Aufgabe.

Das ist keine

Trotz der landauf,landab zu vernehmenden Forderun-

gen nach einer Verringerung der Regierungsausgaben, spricht doch alles dafür,
daß jeder Kongreßabgeordnete und jeder Senator - in diesem Falle also jedes
einzelne Kongreßmitglied - mit aller Energie darum kämpfen wird, Abstriche
bei seinen Lieblingsprogrammen zu verhindern.

Aber diese Aufgabe muß ange-

packt werden, und Präsident Carter ist dazu entschlossen.
Unser Programm zur Bekämpfung der Inflation stellt einen entscheidenden
Beitrag zu den Bemühungen dar, die durch das Bonner Gipfeltreffen zum Ausdruck
kommen.
Aber wenn uns auch ohne Frage die Aufgabe zufällt, unsere Inflationsrate zu senken, so müssen doch diejenigen, die Raum genug für ein nicht-inflationäres Wachstum haben, Mittel und Wege für eine Expansion finden, um
ihre Volkswirtschaften gesund zu erhalten und zur wirtschaftlichen Erholung
der Welt beizutragen. Mit diesem Ziel vor Augen werden die Teilnehmer der
Gipfelkonferenz die Möglichkeiten anderer Regierungen - insbesondere Deutschlands und Japans - zur weiteren Stärkung ihrer binnenwirtschaftlichen Nachfrage erörtern.

Währungsfragen
Die Notwendigkeit für eine deutsche und japanische Expansion reicht über
das einfache, jedoch zentrale Problem der Beschäftigung hinaus.
- 5 -

Ganz ohne

�ohne Frage muß die Auswirkung des Absinkens des Dollarwertes auf die Stabilität des Weltwährungssystems ein Anliegen der Teilnehmer des Wirtschaftsgipfels,
einschließlich unseres Präsidenten, sein.

Solche Besorgnisse sind verständ-

lich in einer Welt, in der auf die USA 40 Prozent des Bruttosozialproduktes
der OECD entfallen, in der ein hoher Prozentsatz des Welthandels nach amerikanischen Dollarpreisen ausgerichtet ist und in der 75 Prozent der internationalen Kreditaufnahmen und 80 Prozent der offiziellen Währungsreserven in
Dollar gehalten werden.
Es ist eine Tatsache, daß die zukünftige Stabilität des Dollar sowie
des Währungssystems nicht gesichert werden kann, wenn wir nicht die "Grundlagen" unserer eigenen Wirtschaft in Ordnung bringen, indem wir unsere Inflationsrate und unser Zahlungsbilanzdefizit verringern.

Das ist eine notwendi-

ge, jedoch noch nicht ausreichende Vorbedingung für die Stabilität des Dollar.
Denn es ist ebenso eine Tatsache, daß die Organisation erdölexportierender
Staaten (OPEC) nicht mehr allein über die nachhaltigsten Leistungsbilanzüberschüsse der Welt verfügt:

diese Position teilt sie heute mit Japan, Deutsch-

land und der Schweiz, die zusammengenommen in diesem Jahr über einen Leistungsbilanzüberschuß von nahezu 20 Milliarden Dollar verfügen werden.

Diese Über-

schüsse sind für die Stabilität der Wechselkurse genauso nachteilig wie unser
Handelsdefizit.

Die Basis für ein gut funktionierendes Wechselkurssystem

- innerhalb und außerhalb der Europäischen Gemeinschaft - beruht auf einem
Abbau dieser Zahlungsbilanzungleichgewichte.

Es müssen Mittel und Wege ge-

funden werden, um sie zu senken.

Energie
Die Lösung der langfristigen Energieprobleme der Welt ist die unbedingte
Voraussetzung für ein langfristiges nicht-inflationäres wirtschaftliches
Wachstum.

Es ist allgemein bekannt, daß dies insbesondere für die Vereinigten

Staaten gilt, das einzige Industrieland, das keine voll entwickelte Energiepolitik hat.
Das

�Das amerikanische Volk hat Fortschritte hinsichtlich der Verringerung
des Energieverbrauches erzielt

Unsere Autos verbrauchen weniger Kraftstoff

pro Meile, unsere Häuser sind besser isoliert, die Industrie investiert in
Anlagen und Ausrüstungen zur Energieeinsparung.

Solche Maßnahmen haben den

Energieaufwand unserer Wirtschaft für die Erzeugung von Waren seit 1973 wertmäßig um sechs Cent pro Dollar vermindert.
Wenn auch Fortschritte erzielt worden sind, so haben wir doch als Volk
unsere eigene nationale Sicherheit sowie die wirtschaftliche Stabilität der
Vereinigten Staaten und der Welt dadurch beeinträchtigt, daß wir eine Verzögerung der Verabschiedung eines Energieprogramms zuließen, weil sich unser
Kongreß den harten Tatsachen nicht stellen will. Nach 14 Monaten haben wir
immer noch nicht die Energiegesetzgebung des Präsidenten verabschiedet.
Wir können nicht damit rechnen, daß dieses Problem sozusagen über Nacht
gelöst wird, nur weil der Präsident an einer Gipfelkonferenz teilnimmt. Die
Probleme, die der Kongreß lösen muß, sind in der Tat komplex, Es ist eine
harte Realität des Lebens, daß der Einfluß des Kongresses auf alle wirtschaftspolitischen Entscheidungen - seien sie nun innen- oder außenpolitischer Natur - weitreichend ist, gleichgültig, wer im Weißen Haus amtiert. Die CarterAdministration steht praktisch an einem entscheidenden Punkt in der Gestaltung eines neuen Verhältnisses zum Kongreß, das diese Veränderung grundlegender Umstände widerspiegelt
In dieser besonders tiefgreifenden Frage der
Energie wird dieser Prozeß ganz besonders auf die Probe gestellt. Diese
strukturelle Veränderung in der amerikanischen Politik wird im Mittelpunkt
eines großen Teils der Erörterungen in Bonn stehen.
Der Präsident ist nach wie vo&gt;- entschlossen, ein wirkungsvolles Energieprogramm durchzusetzen,

Wir werden im Vermittlungsausschuß des Kongresses

hart kämpfen, um die vom Senat Anfang dieser Woche getroffenen Maßnahmen rückgängig zu machen, die es dem Präsidenten verbieten würden, Schritte zur Begrenzung der ölimporte zu ergreifen.

Es ist wirklich eine schlimme und un-

verantwortliche Handlung, wenn die bestehende Vollmacht des Präsidenten der
Vereinigten Staaten auf diese Weise beeinträchtigt wird.
Alle
- 7 -

�Alle Amerikaner müssen Vertrauen in das letztlich vorhandene Verantwortungsgefühl des Kongresses bewahren - daß der Kongreß bald die Unzahl seiner
kurzfristigen politischen Anliegen mit der alles überragenden Notwendigkeit
eines wirksamen Energieprogramms in Einklang bringen und mit der Verabschiedung der Gesetzesvorlage voranschreiten wird.
Der Weltwirtschaftsgipfel wird in bezug auf das Energieproblem mehr tun
müssen, als nur die Probleme zu diskutieren, die durch die Tatenlosigkeit
unseres Kongresses entstanden sind.

Die Teilnehmer werden prüfen müssen,

welche Möglichkeiten für eine Steigerung der Investitionen auf dem Energiesektor im eigenen Lande und außerhalb der eigenen Grenzen bestehen, und zwar
im Hinblick auf eine bessere Nutzung der konventionellen Energiequellen und
einen rationelleren Verbrauch.

Auch die bestehenden Möglichkeiten für eine

Koordinierung der Forschungs- und Entwicklungsprojekte werden erörtert werden.

Handel
Was die Probleme des Handels anbetrifft, so werden sich die Blicke der
Gipfel teil nehmer auf die multilateralen Handelsverhandlungen in Genf richten.
Wir in den Vereinigten Staaten sind über den protektionistischen Druck im
Ausland beeunruhigt und verfolgen hier sehr aufmerksam seine potentiellen
Auswirkungen auf Europa. Wir hoffen, daß die Teilnehmer am Wirtschaftsgipfel
noch vor Bonn in Genf ein sehr hohes Maß an Übereinkunft in wesentlichen Fragen
der multilateralen Handelsverhandlungen erreicht haben werden, wozu wesentliche Zollsenkungen, Regeln für Exportsubventionen, Ausgleichszölle, Sicherheitsbestimmungen und Praktiken der Regierungsbeschaffung gehören.
Es reicht nicht, wenn jedes Land lediglich bedeutende Verbesserungen
in seinen Zollbestimmungen anbietet, so wichtig und notwendig diese auch sein
mögen.

Der

�Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Abschluß der multilateralen Handel sverhandlungen ist die Lösung des Problems der unangemessenen Gewährung
von Subventionen und sonstiger Formen staatlicher Interventionen auf mikroökonomischer Ebene.
ist.

Das ist ein heikles Problem, das sehr schwer zu lösen

Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um die Anpassung an Verände-

rungen im Wettbewerb und in den Strömen des Freihandels zu erleichtern, die
beide für ein reibungsloses Funktionieren freier Marktwirtschaften notwendig
sind.

Der Gipfel kann die Autorität der Regierungschefs in eine Überein-

kunft über die Hauptprobleme der multilateralen Handelsverhandlungen einbringen, die geeignet ist, das internationale Handelssystem durch Entwicklung
einer umfassenden langfristigen Strategie zur Erleichterung struktureller
Veränderungen aufrechtzuerhalten.

Die Nord-Süd-Beziehungen
Erfolgreiche Bemühungen, das Welthandelssystem fair und offen zu halten,
sind eine echte Garantie für stabile Nord-Süd-Beziehungen und eine Wirtschaftsordnung, die funktioniert und nicht zerstörerisch wirkt. Wir haben seit
Jahren den Ruf nach "Handel, nicht Unterstützung" befürwortet. Heute ist
eine ganze Reihe von Ländern willens, uns beim Wort zu nehmen. Der brasilianische Finanzminister Simonsen sagte mir vor einigen Wochen, daß Fertigwaren
inzwischen einen Anteil von 52 Prozent an der Gesamtausfuhr seines Landes
ausmachen. Andere Länder - Korea, Mexiko und Taiwan - haben ähnliche industrielle Erfolge aufzuweisen.
Gleichzeitig haben sich die Entwicklungsländer inzwischen in die größten
und am raschesten wachsenden Märkte für amerikanische Exporte verwandelt,
und für den Export dorthin sind inzwischen über eine Million amerikanischer
Arbeitskräfte tätig.

Die Vereinigten Staaten und ihre Gipfelpartner sollten

diesen Entwicklungsländern klarmachen, daß sie sich in zunehmendem Maße ihrer
Verantwortung bewußt werden müssen, ihre Märkte Einfuhrgütern zu öffnen und
ihre Ausfuhrsubventionen abzubauen und gänzlich zu beseitigen.

Der Prozeß,

gleichberechtigte Partner im Welthandel zu werden, ist eine Zweibahnstraße.

In
- 9 -

�In dem Maße, in dem sich die erwähnten Länder weiterentwickeln, muß
die Entwicklungshilfe auf andere Länder verteilt werden, die weniger gut
daran sind.

Auch wenn sich einige Länder in zunehmendem Maße auf die Kapital-

märkte stützen können, nimmt die Notwendigkeit staatlicher Hilfe quantitativ
noch weiterhin zu.

Eine gesunde Weltwirtschaft hängt von höheren Wachstums-

raten in den Entwicklungsländern und der Ausweitung der Erzeugung an Nahrungsmitteln, Energie und anderen Produkten in diesen ab.
Zu diesem Zweck hat die Regierung Carter große Anstrengungen unternommen,
um unser Auslandshilfeprogramm zu erweitern.

Unser Hauptaugenmerk gilt dem

Gebiet der multilateralen Hilfe, auf dem zu jedem Dollar, den wir beitragen,
drei weitere Dollar aus anderen Geberländern hinzukommen - wodurch es möglich
wird, daß der amerikanische Anteil an der weltweiten Entwicklungshilfe rückläufige Tendenzen zeigt, während unser Beitrag real zunimmt.

Um diesen

Multiplikatoreffekt zu erzielen, haben wir dieses Jahr dem Kongreß die Bereitstellung von 3,5 Milliarden Dollar an kurzfristig abrufbaren und zu Vorzugsbedingungen zu gewährenden Mitteln für die Internationale Entwicklungsbank vorgeschlagen.
Wir haben hinsichtlich unserer Beiträge zur Aufstockung der Einlagen
der verschiedenen internationalen Banken ein Vierjahresplafond festgesetzt»
und wir werden keine weiteren Erhöhungen unserer jährlichen Gesamtbeiträge in
naher Zukunft anstreben. Der grundlegende Punkt ist jedoch, daß diese
Administration die Vereinigten Staaten auf dem Gebiet der Auslandshilfe
auf ein Rekordniveau festgelegt hat und daß diese Hilfe ein Hauptelement
in unseren Beziehungen zu den Entwicklungsländern der Welt darstellt. Wir
ersuchen den Kongreß dringend, dieses Niveau der Auslandshilfe zu billigen.
Alle führenden Politiker, die am Gipfel teilnehmen, insbesondere jene
aus Ländern mit hohen Außenhandelsüberschüssen, müssen sich uns anschließen
und ihre Länder auf einen verstärkten Transfer von Mitteln in die Entwicklungsländer verpflichten.
Schlußbetrachtung

- 10 -

�Schlußbetrachtung
Bei der Analyse unserer Wirtschaftspolitik und unserer Auslandsbeziehungen neigen wir allzu oft dazu, unser Augenmerk auf begangene Fehler zu
konzentrieren - auf das Negative mithin - und darüber unsere Leistungen zu
übersehen.

Es ist richtig, wenn Politiker und Journalisten ihre Aufmerksam-

keit darauf konzentrieren, das richtig zu machen, was bisher falsch gemacht
wurde.

Wir dürfen darüber aber die Fortschritte nicht vergessen, die wir

gemacht haben.
Auf dem letzten Gipfeltreffen in London unterstrichen die Staats- und
Regierungschefs die Notwendigkeit der Schaffung neuer Arbeitsplätze und
der Eindämmung der Inflation. Wir haben seit London erhebliche, wenn auch
nicht einheitliche Fortschritte erzielt. Die Vereinigten Staaten konnten
eine alle Rekorde brechende Wirtschaftsexpansion verzeichnen, die zur Schaffung von Millionen neuer Arbeitsplätze führte. Deutschland und Japan vermochten kein so großes Wachstum zu erzielen, hatten dafür aber größere Erfolge im Kampf gegen die Inflation. Großbritannien wiederum hat es fertiggebracht, seine Zahlungsbilanzposition grundlegend zu verändern. Großbritannien, Frankreich und Italien haben oftmals schmerzliche Stabilisierungsprogramme verwirklicht.
Wi» sehen uns auch weiterhin auf den Gebieten der Zahlungsbilanzen,
des Wachstums, der Inflation, der Energieversorgung, des Außenhandels und
der Auslandshilfe mit ernsten Problemen konfrontiert. Die Teilnehmer am
Gipfeltreffen werden sich gegenseitig konsultieren müssen, was sie in jedem
dieser Bereiche zu tun gedenken und wie sie die innenpolitischen Probleme
bewäH^gen können, vor die sie sich gestellt sehen. Maßstab für ein erfolgreiches Gipfeltreffen wird es sein, was in den darauffolgenden Jahnen geschieht, Zweck der Gipfelpolitik ist es, den Teilnehmern die Identifizierung
dessen zu ermöglichen, was geschehen muß - nicht aber, Ad-hoc-Entscheidungen
über die Einzelheiten unmittelbar erforderlicher Maßnahmen zu treffen.
Ich

- 11 -

�Ich weiß, wieviel Journalisten nach Bonn blicken werden - die meisten
von ihnen voraussichtlich mit unrealistischen Erwartungen.

Man sollte nicht

vergessen, daß das Weltwirtschaftssystem seit dem vorigen Jahr Fortschritte
gemacht hat.

Diese sind teilweise dem Londoner Gipfeltreffen zu verdanken,

und die Bonner Zusammenkunft wird diese Fortschritte weiter führen.

Trotz

großer innenpolitischer Schwierigkeiten bewegen sich die am Gipfeltreffen beteiligten Länder auf ein konzertiertes Handeln hin.
eine gute Nachricht.

+ + + + +

- 12 -

Das allein schon ist

�1

Ol
I

fc

Ulifl/chofl
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Embassy of the United States of America

17

12. Juli 1978

BONNER WIRTSCHAFTSGIPFEL EIN SCHRITT AUF DEM WEGE ZUR WELTWIRTSCHAFT
- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten Eugene Brake -

WASHINGTON - (AD) - Wenn die führenden Vertreter von sieben Nationen
am 16. und 17. Juli in Bonn zu ihrem Wirtschaftsgipfel zusammenkommen, dann
werden sie unter anderem letzte Schwierigkeiten bei den Handelsverhandlungen
(Tokio-Runde) beseitigen, ihre Bereitschaft zu verstärkter Entwicklungshilfe
bekräftigen und vor allem Einzelheiten eines "konzertierten Aktionsprogramms"
für das Wachstum der Weltwirtschaft ausarbeiten müssen.
In amtlichen Kreisen in Washington ist man überzeugt, daß solche "Wirtschaftsgipfel" der wichtigen Industriestaaten der westlichen Welt nützlich
sind, daß man jedoch von diesen Treffen keine spektakulären Entscheidungen
erwarten könne. Der Beweis für den Erfolg eines Wirtschaftsgipfels sei nicht
etwa ein gut formuliertes Kommunique, sondern was in den nächsten sechs Monaten oder in den kommenden Jahren wirklich geschehe. In dieser Hinsicht
könnten Gipfeltreffen schon einen entscheidenden Einfluß haben.
In Bonn werden die Staats- bzw. Regierungschefs der Bundesrepublik Deutschland (als Gastgeber), der Vereinigten Staaten, Japans, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und Kanadas zusammenkommen.

Amerikanische Regierungs-

kreise weise darauf hin, daß sich die Führer dieser wichtigen Industrie-

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�Industriestaaten mit der Tatsache abfinden müssen, daß es heute keine separaten nationalen Volkswirtschaften im eigentlichen Sinne mehr gibt, sondern nur noch eine Weltwirtschaft.

Wirtschaftliche Ereignisse in einem wich-

tigen Industrieland wirken sich auf die ganze übrige Welt aus.

Und doch wird

die Wirtschaftspolitik jeweils von einzelnen Regierungen formuliert - und im
Falle aller wichtigen Industriestaaten handelt es sich um demokratische, von
der Bevölkerung dieser Länder gewählte Regierungen.

Ihr Handlungsspielraum

wird also durch politische Forderungen und Anliegen ihrer Wählerschaft eingeschränkt.
Von der Carter-Administration werden Wirtschaftsgipfel als ein Mittel
betrachtet, um diese Kluft zwischen der Realität der Existenz einer einzigen
Weltwirtschaft und der Realität nationaler Wirtschaftspolitiken zu überbrücken.

Der Wirtschaftsgipfel hilft den Staats- und Regierungschefs, ein

besseres Verständnis für die wirtschaftlichen und politischen Realitäten zu
finden, vor denen die anderen Führer stehen.

Das Gipfeltreffen bietet den

Staats- und Regierungschefs ferner Mittel und Wege, bestimmten Zielen internationalen Auftrieb zu geben, die sie alle als wünschenswert betrachten, wie
etwa dem erfolgreichen Abschluß der gegenwärtigen Tokio-Runde von Verhandlungen über eine Liberalisierung des Handels und der parlamentarischen Billigung einer wesentlichen Aufstockung der Mittel der Weltbank.
Die Tagesordnung für das Gipfeltreffen gliedert sich in fünf allgemeine
Gebiete: die makroökonomischen Fragen im Zusammenhang mit Wachstum, Arbeitslosigkeit und Inflation; Handel; Energie; internationale Währungsangelegenheiten und Beziehungen zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern.
In amtlichen Kreisen in Washington, wie in den anderen Hauptstädten der Teilnehmerstaaten, wird unterstrichen, daß diese Gebiete in einem engen Zusammenhang miteinander stehen. Was auf einem dieser Gebiete geschieht, beeinflußt
nachdrücklich, was auf anderen geschieht und was Regierungen auf anderen Gebieten tun können.
Hier eine kurze Zusammenfassung dieser fünf Grundthemen aus Washingtoner
Slcnt:

Wachstum
- 2 -

�Wachstum und Inflation
Auf der Tagung der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) in Paris Mitte Juni sind die Industriestaaten einstimmig
übereingekommen, daß mindestens sieben Länder - einschließlich aller Teilnehmerstaaten des Gipfeltreffens außer den Vereinigten Staaten - durch geeignete Maßnahmen sicherstellen sollten, daß das Wachstum ihrer Binnennachfrage wesentlich größer wird als im Jahr 1977. Was die Vereinigten Staaten
und Kanada angeht, so wird der Nachdruck auf der Eindämmung der Inflation
liegen.

Man darf davon ausgehen, daß die Staats- und Regierungschefs auf dem

Gipfeltreffen einander mehr im Detail erklären werden, wie sie ihre jeweiligen Ziele erreichen wollen.
Amtliche Kreise in der Bundesrepublik haben auf die Kritik anderer Länder bezüglich der niedrigen Wachstumsraten in den letzten Monaten mit dem
Hinweis geantwortet, daß sie eine befriedigendere Wachstumsrate schon aus
innenpolitischen Gründen anstreben und erreichen wollen. Die einzige Frage
sei, welche Mittel und Wege zur Verfügung stünden, um dieses Ziel zu erreichen.
Amtliche Kreise in Washington lehnen es ab, zu Gerüchten Stellung zu
nehmen, daß die deutsche Bundesregierung eine Steuersenkung von 6 Milliarden
Dollar beschlossen habe, um die Wirtschaft anzuregen. Amtliche Vertreter in
Washington sind der Überzeugung, daß der Bericht verfrüht und es kaum wahrscheinlich sei, daß Regierungen endgültige Entscheidungen über solche Fragen
kurz bevor oder während der Gipfelgespräche treffen würden, die ihnen die
Gelegenheit geben, die Absichten und Pläne ihrer Kollegen kennenzulernen.

Handel
Der Sonderbeauftragte Präsident Carters für Handelsverhandlungen, Botschafter Robert Strauss, erklärte kürzlich, daß nach dem gegenwärtigen Stand
der Dinge die multilateralen Handelsverhandlungen bis zum Zeitpunkt des Gipfel- 3 -

�Gipfeltreffens nicht den Fortschritt gebracht haben werden, den man erhoffte.
Eines der Hauptprobleme besteht nach Botschafter Strauss darin, daß die Europäische Gemeinschaft ihren Delegierten keine ausreichenden Vollmachten gegeben
habe, auf ein zureichendes Abkommen auf den Gebieten der Importbeschränkungen
für landwirtschaftliche Erzeugnisse und der Exportsubventionen eingehen zu
können.

In amerikanischen Regierungskreisen drängt man darauf, daß die Ver-

handlungsinstruktionen geändert werden.
Auf dem Gipfeltreffen wird sicherlich über den Stand der Handelsverhandlungen gesprochen werden, und Vertreter der Carter-Administration hoffen, daß
das Gipfeltreffen als ein erneuter mächtiger politischer Anstoß zu einer erfolgreichen Lösung der wichtigen Probleme wirken wird, die dem Abschluß eines
bedeutsamen Handelsliberalisierungsabkommen noch im Wege stehen.
Keiner der Teilnehmer an dem Gipfeltreffen hält Protektionismus für eine
gute Sache, aber, so argumentiert man in amtlichen Kreisen in Washington, alle
Regierungen stehen vor protektionistischen Forderungen einiger Sektoren ihrer
Volkswirtschaften.

Energie
Hier werden sich die Gespräche wahrscheinlich auf amerikanische Pläne
zur Einschränkung des Energieverbrauchs und der ölimporte sowie auf Möglichkeiten gemeinsamer oder paralleler Maßnahmen aller Teilnehmerländer des Gipfeltreffens konzentrieren, die Investitionen in die Schaffung alternativer Energiequellen und in die Energieeinsparung zu verstärken.
Die Carter-Administration versucht seit über einem Jahr, ein umfassendes
Paket von Gesetzen für die Energieeinsparung durch den amerikanischen Kongreß
zu bekommen.

Dieses Gesetzpaket ist zwar noch nicht verabschiedet, aber ame-

rikanische Regierungsvertreter weisen darauf hin, daß doch schon ein gewisser
Fortschritt erzielt worden sei, und zwar in folgender Hinsicht:
- Die
- 4 -

�- Die amerikanischen ölimporte liegen im Vergleich zum Vorjahr niedriger.

- Der Energieverbrauch in den Vereinigten Staaten wächst nicht mehr so
rasch wie die Erzeugung der Gesamtwirtschaft.

- Der Führer der demokratischen Mehrheit im Senat, Robert Byrd, hat die
Überzeugung zum Ausdruck gebracht, daß die ersten vier Teile des Energiepakets der Administration verabschiedet werden würden und daß die Menge an
Importöl , die durch diese ersten vier Teile eingespart werden könnte, größer
ist als die Menge, die durch den fünften Teil eingespart würde, bei dem es um
eine kontroverse neue Steuer auf Rohöl geht, das in den USA gefördert wird.

Vor einiger Zeit ließen Regierungssprecher in Washington erkennen, daß
Präsident Carter aus eigener Vollmacht handeln könnte, um die ölimporte zu
drosseln, wenn die Energievorschläge der Administration bis zum Gipfeltreffen
nicht verabschiedet wurden.

Aber seither hat der amerikanische Senat einen

Zusatz verabschiedet - den sogenannten Dole-Zusatz -, der dem Präsidenten
die Vollmacht nehmen würde, Importöl zusätzliche Abgaben aufzuerlegen.

Der Dole-Zusatz ist vom Repräsentantenhaus noch nicht verabschiedet worden.

Im übrigen würde er auf keinen Fall die Vollmacht des Präsidenten ein-

schränken, Quoten für ölimporte zu verhängen.

Man räumt in amtlichen Kreisen

in Washington heute allerdings ein, daß Präsident Carter die Stimmung im
Kongreß berücksichtigen muß, wenn er darüber entscheidet, welche Zusagen er
zum Thema Energie auf dem Bonner Gipfeltreffen machen wolle.

Man ist in amtlichen Kreisen in Washington nicht bereit, darüber zu spekulieren, was Carter zu Energiefragen in Bonn sagen könnte, aber man weist
darauf hin, daß der amerikanische Präsident eine unerschütterliche Entschlossenheit gezeigt hat, das Wachstum der amerikanischen öleinfuhren zu dämpfen - obwohl die Vorschläge auf diesem Gebiet unpopulär sind - und man weist in
Washington ferner darauf hin, daß es an seiner anhaltenden persönlichen Verpflichtung zu diesem Ziel keinen Zweifel geben könne.
Internationale
- 5 -

�Internationale Währungsfragen
Was dieses Gebiet angeht, so wird sich das Interesse auf die Stärke des
Dollar konzentrieren.

Die Vereinigten Staaten haben den Standpunkt vertreten,

daß der Dollar nicht dadurch gestärkt werden könne, daß er durch Marktintervention künstlich hoch gehalten wird, sondern nur durch die Beachtung solcher
grundlegenden Faktoren wie unterschiedliche Wachstumsraten, unterschiedliche
Inflationsraten und Höhe der Rechnung flir die ölimporte. In Regierungskreisen
ist man erfreut über Anzeichen, daß mehr und mehr Länder mit dieser Auffassung
übereinstimmen.
In Bonn wird wahrscheinlich auch über eine engere und verstärkte europäische Währungszusammenarbeit gesprochen werden.

In Washington wird in diesem

Zusammenhang auf Erklärungen von Finanzminister Blumenthal und Präsident Carter
selbst zu diesem Thema hingewiesen, daß die Vereinigten Staaten sich einer engeren Währungszusammenarbeit unter den europäischen Staaten im Prinzip nicht
widersetzen würden, daß jedoch ihre Meinung bezüglich irgendeines spezifischen
Schemas von den Merkmalen dieses Schemas abhängen werde.

Beziehungen zu den Entwicklungsländern
Die Erörterungen über diesen Punkt der Tagesordnung werden sich wahrscheinlich im wesentlichen darauf konzentrieren, daß eine verstärkte Entwicklungshilfe erwünscht ist.
Vertreter der Carter-Administration weisen darauf hin, daß alle am Bonner
Gipfeltreffen beteiligten Länder diese Entwicklungshilfe wesentlich erhöht haben.

Obwohl die Verhandlungen über eine Aufstockung der Mittel der Weltbank

und der Mittel anderer internationaler Entwicklungsbanken noch im Gange sind,
rechnet man in amtlichen Kreisen in Washington damit, daß das Ergebnis ein
Stand der Mittel sein wird, der es diesen Einrichtungen ermöglichen wird, ihre
Kreditvergabe weiterhin zu steigern.
In
- 6 -

�In amtlichen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß sowohl die bilaterale
als auch die multilaterale Hilfe der Vereinigten Staaten von Jahr zu Jahr erhöht worden ist.

+ + + + +

- 7-

�12. Juli 1978

17

NEUE RICHTLINIEN FÜR US-RAUMFAHRTPROGRAMME

WASHINGTON - (AD) - Auf Anordnung Präsident Carters überprüfte ein
Ausschuß des Nationalen Sicherheitsrates (NSC) der Vereinigten Staaten
die amerikanischen Raumfahrtprogramme.

Aufgrund der Empfehlungen dieses

Gremiums wurden allgemeine Prinzipien formuliert, an denen die künftigen
Programme orientiert werden sollen, um Doppelgleisigkeit und Überlappungen
von Aktivitäten der verschiedenen Organisationen zu verhindern.

Wie es

in einer Verlautbarung des Weißen Hauses vom 20. Juni 1978 zu dem gesamten
Fragenkomplex heißt, wird über eine Kontroll- und Lenkungskommission des
NSC ein Kontroll System geschaffen, damit die Raumfahrtpolitik fortlaufend
überprüft und erforderlichenfalls revidiert werden könne.
ausgewogen sein und ineinandergreifen.

Die Programme sollen

Nur so sei die Gewähr gegeben, daß

die in Wechselbeziehung stehenden Ziele der Nationalen Sicherheit, der
Wirtschaft und Politik und nicht zuletzt der Rüstungsbegrenzung erreicht
werden.

Die administrativen Voraussetzungen für die jüngsten Direktiven

wurden bereits mit dem Raumfahrtgesetz von 1958 geschaffen.
Das "Policy Review Committee" - PRC (Kontroll- und Lenkungskommission)
des Nationalen Sicherheitsrates - soll ein Forum sein, wo alle amerikanischen

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�amerikanischen Bundesbehörden die von ihnen vertretene Politik darlegen
können, wo über vorgeschlagene Änderungen der nationalen Raumfahrtpolitik
beraten und nach Lösungen für Streitfragen gesucht wird, die an die
Kommission verwiesen werden.

Gegebenenfalls sollen umstrittene Projekte

auf kürzestem Wege an den Präsidenten zur Entscheidung weitergeleitet
werden.

Den Vorsitz führt Dr. Frank Press, der Direktor des Amtes für

Forschungs- und Technologiepolitik.
Angesichts der Tatsache, daß das zivile Raumfahrtprogramm an der
Schwelle zu einschneidenen Änderungen steht, ersuchte Präsident Carter
die Kontroll- und Lenkungskommission, die Erfordernisse und Zielsetzungen
für diesen Sektor zu analysieren.

Die Vereinigten Staaten haben eine

breite Basis für die Luft- und Raumfahrt geschaffen.

Jetzt geht es darum,

f

zu bestimmen, wie rühere Investitionen am besten genutzt und in welche
Richtung die künftigen Vorhaben und Ziele gehen sollen, um auch weiterhin
ein aktives Programm zu sichern.

Dazu gehörten u.a. die Bereinigung

eventuell bestehender Konflikte zwischen den verschiedenen Raumfahrtsektoren und die Integration der Raumfahrtpolitik.
Der nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Teil der kürzlich unterzeichneten Präsidialdirektive konzentrierte sich auf Probleme der Überlappung. Langfristige Ziele von kommerziellen, zivilen und Verteidigungsprogrammen werden nicht im Detail erörtert. Jedoch wird die Festlegung
der zivilen Raumfahrtpolitik entsprechend den jetzt formulierten Prinzipien der nächste Schritt sein. Die Hauptziele sind 1) Förderung der
Interessen der USA durch die Erforschung und Nutzung des Weltraums und 2)
Zusammenarbeit mit anderen Nationen bei der Erhaltung der Freiheit des
Weltraums für alle Aktivitäten, die der Sicherheit und dem Wohlergehen
der Menschheit dienen.
In der Präsidialdirektive sind folgende Grundsätze niedergelegt:
— Die USA betätigen sich auf dem Gebiet der Raumfahrt, um die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu mehren, nützliche kommerzielle und staat-

- 2 -

�staatliche Anwendungen zu entwickeln und ihre führende Stellung in der
Raumfahrttechnik zu erhalten.
-- Die USA halten sich an die Grundsätze für die Erforschung und
Nutzung des Weltraums durch alle Nationen zu friedlichen Zwecken und
zum Wohl der ganzen Menschheit.

Die Vereinigten Staaten sind gehalten,

mit der Erforschung und Nutzung des Weltraums dem nationalen Wohlergehen
zu dienen.
-- Die USA weisen Souveränitätsansprüche jeder Art auf den Weltraum,
auf Himmelskörper oder auf Teile davon zurück, ebenso jegliche Begrenzung
des fundamentalen Rechts, Weltraumdaten zu erlangen.
-- Die USA vertreten die Ansicht, daß die Raumfahrtsysteme jeder
Nation nationales Eigentum mit dem Recht auf Flug und Betrieb im Weltraum ohne Einmischung Dritter sind. Absichtliche Störung von Raumfahrtsystemen wird als eine Beeinträchtigung von Hoheitsrechten gewertet.
-- Die USA werden Raumfahrtaktivitäten zur Unterstützung ihres
Rechts auf Selbstverteidigung verfolgen und damit die nationale Sicherheit,
die Abschreckung von Angriffen und Abkommen zur Rüstungsbegrenzung stärken.
Sie werden auf wissenschaftlichem, politischen, wirtschaftlichem und/oder
militärischem Gebiet internationale Gemeinschaftsaufgaben wahrnehmen.
Zur Unterstützung nationaler Ziele werden sie aktive und passive Fernerkundungssysteme für Erdbeobachtungen entwickeln und betreiben.
-- Die Vereinigten Staaten werden gegenwärtig bestehende Zuständigkeits- und Managementverbindungen zwischen den verschiedenen Raumfahrtprogrammen und grundsätzlich die enge Koordinierung sowie den engen
Informationsaustausch zwischen den Raumfahrtsektoren aufrechterhalten,
um unnötige Doppelgleisigkeit zu vermeiden und die Nutzbarmachung aller
Anlagen quer durch die einzelnen Programme auf breitester Basis zu

- 3 -

�Basis zu gewährleisten.
-- Das zivile amerikanische Raumfahrtprogramm wird so geführt werden,
daß die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Erde und das Universum
vermehrt, zivile Anwendungsmöglichkeiten für die Raumfahrttechnik entwickelt und praktiziert, die führende Rolle der USA in Weltraumforschung,
Anwendung und Technologie erhalten und innen- wie außenpolitische Ziele
der Vereinigten Staaten im Rahmen folgender Richtlinien gefördert werden:
— Die Vereinigten Staaten werden die kommerzielle Nutzung vorhandener Raumfahrteinrichtungen und Systeme durch amerikanische Unternehmen zum Vorteil der Wirtschaft befürworten und die technologiesche
Position der USA fördern. Jedoch müssen alle amerikanischen Erd- Fernerkundungsstall iten von der US-Regierung genehmigt und überwacht werden
bzw. muß ihr Betrieb im Rahmen entsprechender Vorschriften erfolgen.
-- Weiterentwicklungen der Erdaufnahmetechnik aus dem Weltraum sind
unter Kontrollen zulässig, wenn der Bedarf dies rechtfertigt und sie
in bezug auf zivile Vorteile, nationale Sicherheit und Außenpolitik analysiert worden sind.

Gegebenenfalls werden auch über andere Formen

der Erd- Fernerkundungs Kontrollen eingerichtet.
-- Daten und Ergebnisse aus den zivilen Raumfahrtprogrammen werden
der weitestmöglichen Verbreitung zugeführt, um das menschliche Dasein
zu verbessern und für die USA und andere Nationen bessere RaumfahrtDienstleistungen zu schaffen.
-- Die Vereinigten Staaten werden ein operatives Weltraumtransportsystem (STS- Space Transportation System) über die NASA in Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsministerium entwickeln, organisieren und betreiben. Das STS steht allen autorisierten Benutzern offen - aus dem Inund Ausland, von privatwirtschaftlicher und staatlicher Seite. Unter
voller Anerkennung der im wesentlichen offenen Natur des Systems gewähr-

- 4 -

�gewährleistet es für Missionen, die der nationalen Sicherheit dienen,
Startpriorität und die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen.
Unsere die nationale Sicherheit berührenden Raumfahrtprogramme
umfassen Aktivitäten im Weltraum, die sowohl für Kommando- und Steuerungsaufgaben, Nachrichtenverbindungen, Navigation, Aufgaben der Umweltkontrolle,
Warnung und Überwachung sowie der Verteidigung im Weltraum als auch zur
Formulierung und Durchführung von Maßnahmen nationaler Politik wichtig
sind.

Dies gilt auch für die Planung und Durchführung militärischer

Operationen.

Diese Programme werden im Rahmen folgender Richtlinien

durchgeführt:
-- Fragen der Sicherheit, einschließlich der Bekanntgabe von Daten,
werden in Übereinstimmung mit Regierungsanordungen und anzuwendenden
Direktiven zum Schutz von Informationen, die die nationale Sicherheit
berühren, behandelt.

Produkte und Verfahren der Raumfahrttechnologie

fallen, wo immer möglich, unter niedrigere oder gar keine Geheimhaltungsstufen, damit die Nutzung unserer gesamten nationalen Raumfahrterrungenschaften auf breiter Basis möglich wird.
-- Der Verteidigungsminister richtet ein Programm zur Identifizierung
geeigneter ziviler und kommerzieller Hilfsquellen ein, die im Fall eines
- vom Präsidenten erklärten - nationalen Notstandes in militärische
Operationen zu integrieren sind.
-- Die Lebensdauer von zu entwickelnden Raumfahrtsystemen muß mit
anderen, als Vorzüge erkannten Merkmalen in Einklang stehen, wenn die
Mission ausgeführt werden soll. Mängel, die als solche identifiziert
sind, werden ausgemerzt, und man wird sich auf ein aktives langfristiges
Programm konzentrieren, um durch fortlaufende Verbesserungen der Systeme
eine höhere Lebensdauer zu gewährleisten.
-- Die USA sehen sich wachsendem Druck ausgesetzt, als Reaktion auf

- 5 -

�Reaktion auf entsprechende sowjetische Aktivitäten eine eigene Kapazität
von sogenannten Killer-Satelliten aufzubauen.

Die Vereinigten Staaten und

die Sowjetunion haben aber in der gegenwärtigen Frühphase eine Chance,
durch beiderseitige Zurückhaltung ein ungesundes Wettrüsten auf dem Gebiet
der Weltraumwaffen zu beenden, noch ehe der Welttbewerb ein eigenes Kraftmoment gewinnt.

Die beiden Länder haben bilaterale Gespräche über die

Begrenzung gewisser Aktivitäten gegen Weltraumobjekte aufgenommen, die
nach Ansicht der USA auch mit dem allgemeinen amerikanischen Ziel in
Einklang stehen, das Recht jeder Nation auf ungestörten Flug und Betrieb
ihrer Geräte im Weltraum zu erhalten.
—

Die USA wünschen verifizierbare, umfassende Beschränkungen für

die Leistung und den Einsatz von sogenannten Killer-Satelliten.

Solange

es kein solches Abkommen gibt,werden sie die Entwicklung eigener Kapazitäten energisch verfolgen.

Das amerikanische Weltraum-Verteidigungs-

programm umfaßt als Maßnahme gegen Angriffe ein integriertes Warn-,
Melde- und Verifizierungssystem samt einer entsprechenden Reaktionskanazität, so daß Bedrohungen amerikanischer Weltraumssysteme erfaßt
und wirksame Gegenmaßnahmen getroffen werden können.

+ + + + +

- 6 -

�12. Juli 1978

17

GASMASSEN IM SONNENINNERN ROTIEREN VERSCHIEDEN SCHNELL
Neue Forschungsergebnisse könnten Sonnenfleckenzyklus aufklären helfen

- (AD) - Unterschiedliche Rotationsgeschwindigkeiten der Gasmassen in
verschiedenen Tiefenzonen unter der Sonnenoberflache konnten zum ersten Mal
erfaßt und exakt gemessen werden. Mit diesem Projekt befaßte sich Dr. Franz
Ludwig Deubner vom Fraunhofer-Institut für Sonnenforschung in Freiburg während seines Aufenthalts am Sacramento Peak Observatory (Sunspot, New Mexico)
in den Vereinigten Staaten, wo er auf Einladung des Nationalen Forschungsrates der USA ein Jahr lang als Gastforscher tätig war. Wie die "National
Science Foundation" (Nationale Wissenschaftsstiftung der USA) in einer
Pressemitteilung berichtet, seien die Ergebnisse der Arbeit Dr. Deubners
geeignet, das Phänomen der Sonnenaktivität (und damit indirekt ihres Einflusses auf das Klima unserer Erde) besser zu verstehen.
Sichtbare Oberflächenmerkmale der Sonnenaktivität sind z.B. Flecken,
Fackeln, Protuberanzen, meist begleitet von lokalen Magnetfeldern, welche
viel stärker sind als das allgemeine Magnetfeld unseres Zentralgestirns.
Die Entdeckung der langsam über die Scheibe wandernden Sonnenflecken gab
Galilei bereits vor 369 Jahren den ersten Anhaltspunkt für die Feststellung,
daß die Sonne rotiert.

Die Umdrehungsgeschwindigkeit wurde, bezogen auf die

um die Sonne wandernde Erde, mit 27,3 Tagen ermittelt, wobei aber die Ro-

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�Rotationszeit der Äquatorzone um einige Stunden kürzer, die der polnäheren
Gebiete dagegen um ein paar Tage länger ist.

Auch ist schon seit längerem

bekannt, daß in Schichten über der Photosphäre höhere Geschwindigkeiten zu
beobachten sind.

(Als Photosphäre wird jene mehrere Hundert Kilometer dicke

Schicht bezeichnet, die wir als die Sonnenscheibe erkennen und die uns das
Sonnenlicht gibt.) An ihr ließen sich zum ersten Mal Vorgänge direkt beobachten, die auch in den äußeren Schichten anderer Sterne auftreten, dort aber
wegen der großen Entfernung der Objekte auch mit einem Fernrohr nicht räumlich aufgelöst werden können.
Neuere Untersuchungen haben eindeutig gezeigt, daß die Oberfläche der
Sonne mit Regionen bedeckt ist, die vertikal pulsieren, und zwar mit einer
Schwindungsperiode von fünf Minuten Dauer.

Diese Oszillation wird durch

Druckwellen - den Schallwellen in der Erdatmosphäre sehr ähnlich - verursacht, die in einer Zone unterhalb der Sonnenoberfläche eingeschlossen sind.
Innerhalb dieser Zone wird durch die Auf- und Abwärtsbewegung riesiger Gassäulen, durch sog. Konvektionsvorgänge, Wärme in Richtung Oberfläche transportiert.
Den heute gültigen Hypothesen zufolge ist in der Koppelung der inneren
Rotation der Sonne mit dieser großräumigen Konvektion die eigentliche Ursache
für das Auftreten der Sonnenflecken zu sehen. Bei diesen handelt es sich um
verhältnismäßig kühle Regionen, die dunkler als die übrige Sonnenoberfläche
erscheinen und deren Häufigkeit und Größe in einem bestimmten Zyklus zuund abnimmt. Sie werden seit Mitte des 18. Jahrhunderts systematisch beobachtet und registriert. Dabei zeigte sich, daß der zeitliche Abstand
zwischen zwei Maxima im Durchschnitt elf Jahre beträgt. Jedoch können zwischen Perioden stärkster Sonnenaktivität, die mit dem Fleckenmaximum einhergehen, gelegentlich auch kürzere und längere Zeiträume liegen. Die Intensität des Maximums ist nicht immer gleich, so daß man noch weitere, längerfristige Perioden vermutet, die den Elf-Jahres-Zyklus überlagern.
Das Auftreten dieser Unregelmäßigkeit läßt sich noch nicht voraussagen,
wohl aber aufgrund gewisser Gesetzmäßigkeiten die Fleckentätigkeit für einige
- 2 -

�einige Monate: Während sich die Entstehungsgebiete von Sonnenflecken, die
sog. Herdzonen auf der nördlichen und südlichen Halbkugel, allmählich zum
Äquator hin verlagern, wandern Einzelflecken gelegentlich auch in entgegengesetzter Richtung zu den Polen - sofern ihre Bewegung bei der meist nur
sehr kurzen Lebensdauer überhaupt zu verfolgen ist. Nur einzelne große
Fleckengruppen (ihr Durchmesser kann einige Hunderttausend Kilometer erreichen) sind manchmal für längere Zeit, d.h. über mehrere Monate, zu beobachten.

Dabei machen sie eine Reihe typischer Entwicklungsstadien durch,

aus deren Ablauf sich die physikalischen Gesetzmäßigkeiten der Fleckenbildung erschließen lassen.
Daß Strömungsmechanismen im Sonneninneren die Fleckentätigkeit steuern,
wird seit längerer Zeit vermutet. Aber bis vor kurzem hielt man es für unmöglich, Messungen darüber anzustellen, wie die Gasmassen unterhalb der
Sonnenoberfläche rotieren. Der gleißend helle Gasball - Durchmesser 1,4
Millionen km, 330 OOOfache Masse der Erde - gestattet keinen Einblick ins
Innere mit optischen Hilfsmitteln.
Mit dem Vakuum-Teleskop, einem Spezialinstrument des Observatoriums
auf dem 2800 m hohen Sacramento Peak, das infolge der völligen Evakuierung
von Luft aus dem Rohr besonders klare Aufnahmen ermöglicht, beobachtete
Dr. Deubner die Oszillationen auf der sichtbaren Sonnenoberfläche. Die Frequenzen dieser Schwingungen, so fand der Forscher, sind davon abhängig,
ob unter der Oberfläche die Schallwellen in Rotationsrichtung oder entgegengesetzt dazu laufen. Dabei entspricht die Frequenzverlagerung der Rotationsgeschwindigkeit der Kovektionsschicht, die die Schallwellen eingeschlossen
hält.
Mit Hilfe einer von Dr. Roger Ulrich (Universität von Kalifornien in
Los Angeles) entwickelten Theorie, mit der die jeweilige Tiefe der Wellen
unterschiedlicher Frequenz errechnet werden kann, ermittelte Dr. Deubner
die tiefenabhängigen Unterschiede in der Rotationsgeschwindigkeit der Gasmassen.

Er kam zu dem Schluß, daß das Gas innerhalb der ersten 9600 km

unter der Oberfläche wie ein fester Körper, und zwar mit der gleichen Ge- 3 -

�Geschwindigkeit wie der Oberflächenbereich selbst rotiert, während sich
die Massen in der nächsttieferen, ca. 4800 km dicken Schicht um etwa 90 m
pro Sekunde (ca. 324 km/st) schneller bewegen.

In Tiefen von mehr als

14 000 km nimmt die Rotationsgeschwindigkeit möglicherweise wieder ab.
Nach Dr. Jack B. Zirker, dem Direktor des Observatoriums, kamen diese
Ergebnisse "ziemlich unerwartet".

Er ist überzeugt, daß die Messungen

Dr. Deubners der theoretischen Forschung helfen können, die gegenwärtigen
Modelle zum Zyklus der Sonnenaktivität zu verbessern,

für Vorgänge also,

die nicht nur für die Wissenschaft von Interesse sind, sondern die für die
Lebensbedingungen auf der Erde, (z.B. Ernteerträge, langfristige Klimaschwankungen) große praktische Bedeutung haben.

+ + + + +

�Wi//cn/chaft
und' f75Tn
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17

12. Juli 1978

EINE "UNNATÜRLICHE" ALUMINIUM-LEGIERUNG
Besondere Vorzüge: Höhere Festigkeit» geringeres Gewicht

- (AD) - Das Leichtmetall Aluminium und das Alkalimentall Lithium
mischen sich normalerweise nicht. Am Department für Materialforschung
und -Technik des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston
ist es jedoch einer Gruppe von Wissenschaftlern gelungen, die beiden Elemente zu einer Legierung zu vereinigen, die leichter und fester ist als
die üblichen Aluminiumlegierungen. Außerdem erweist sie sich als besonders
beständig gegen Dauerbelastungen, die häufig die Ursache von Ermüdungsbrüchen sind.
Nach Ansicht von Prof, Nicholas J. Grant, der maßgeblich an den
Forschungsarbeiten des Doktoranden Krishnan Sankaran beteiligt war, könnte
die neue Legierung in der Luftfahrtindustrie bedeutende Anwendungsbereiche
finden. In einem vorläufigen Bericht an die "National Science Foundation"
(NSF- Nationale Wissenschaftsstiftung der USA), die das Forschungsprojekt
förderte, erläutert Prof. Grant das Verfahren: Die beiden Metalle werden
in der Schmelze vereinigt und durch Sprühkühlung, einen extrem schnell

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�schnell ablaufenden Abschreckungsprozess, auch im festen Zustand als
Legierung erhalten.

(Bei der sonst üblichen Abkühlung der Schmelze würden

sich die beiden Elemente wieder voneinander scheiden.)

Das geschmolzene

Material wird in Form sehr feiner Tröpfchen auf eine metallische Oberfläche
sehr hoher Wärmeleitfähigkeit aufgebracht.

Die Rapid-Abschreckung wird

dadurch erzielt, daß man die Tröpfchen eng angeordnete Walzen passieren
läßt.

Sie laufen sofort auseinander und erstarren zu hauchdünnen Plättchen

oder Flocken aus Metall, die nur 0,0025 - 0, 008 mm dick sind.

Danach

kommen sie in einen Aluminiumbehälter; dieser wird erhitzt, die Luft wird
evakuiert.

Schließlich wird die Legierung bei 400° C gepreßt.

auf diese Weise ein sehr feinkörniges kristallines Gefüge.
ist einheitlicht und gut verformbar.

Man erhält

Das Material

Die Zugfestigkeit liegt doppelt so

hoch, der Elastizitätsmodul um 20 Prozent höher als beim Ausgangsmaterial
(herkömmliche Aluminium-Legierung mit 4,5 % Kupfer und 1,6 % Magnesium),
wenn 3 Gewichtsprozent Lithium zugesetzt wurden.

Die Ermüdungsfestigkeit

liegt weit über den Werten anderer AI-Legierungen.
Mittels der Rapid-Abschreckung aus der Schmelze könne man, so Prof.
Grant, "die Natur metallischer Strukturen mit einer Präzision steuern,
von der man früher nicht zu träumen wagte". Die Abkühlung vollzieht sich
so schnell, daß die Elemente gar keine Zeit haben, sich ganz oder teilweise wieder voneinander zu trennen.

+ + + + +

2 -

�</text>
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