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Information
und
Dokumentation

iil

ffIMII'

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. Juni 1978

15

INHALT

INFORMATION
Nuklear-Garantien Präsident Carters
- Wortlaut der Erklärung des US-Außenministers HINTERGRUNDMATERIAL
Amerikanisch-europäische Zusammenarbeit in der NATO-Rüstungsbeschaffung
- Erklärung des US-Unterstaatssekretärs für Europa Die NATO und die neue sowjetische Bedrohung
- von Senator Sam Nunn WIRTSCHAFT
Wechselwirkungen zwischen Devisenkursen und Welthandel
- Von Paul W. McCracken Amerikanische Industrie spart öl und erhöht Gewinne
- Von unserem Korrespondenten John Holway -

Um Übet/endung von
ßcIcgcHcmpkwen wird
gebeten

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�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15

14. Juni 1978

NUKLEAR-GARANTIEN PRÄSIDENT CARTERS
Wortlaut der Erklärung des US-Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat sorgfältig formulierte
Garantien im Zusammenhang mit der Anwendung von Kernwaffen durch die
Vereinigten Staaten verkündet. Die politischen Grundsätze sind in einer
Erklärung enthalten, die der amerikanische Außenminister Cyrus Vance am
12. Juni 1978 vor der Presse vorlas. Das Ziel des Präsidenten, so betonte
Vance, sei es, Unterstützung in dem Bemühen zu gewinnen, die weitere Verbreitung von Kernwaffen zu verhindern.
Die von Außenminister Vance verlesene Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Nach einer Überprüfung des gegenwärtigen Standes der Erörterungen
in der Sondersitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen über Abrüstung, nach Konsultation mit unseren Hauptverbündeten und auf der Grundlage von Studien im Zusammenhang mit der Vorbereitung der Sondersitzung
(der UN-Vollversammlung) hat der Präsident sich entschlossen, den amerikanischen

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�I

amerikanischen Standpunkt in der Frage der Sicherheitsgarantien näher zu
erläutern.

Sein Ziel besteht darin, zur Unterstützung für den Stopp der

Ausbreitung von Kernwaffen aufzurufen, die internationale Sicherheit und
Stabilität zu stärken und positive Verhältnisse für einen Erfolg der
Sondersitzung zu schaffen.

Zu diesem Zweck erklärt der Präsident, und

ich zitiere:
"Die Vereinigten Staaten werden keine Nuklearwaffen gegen irgend einen
keine Nuklearwaffen besitzenden Staat einsetzen, der dem Nichtweiterverbreitungsvertrag (Nonproliferationsvertrag) angehört oder eine vergleichbare
international

bindende Verpflichtung eingegangen ist, keine nuklearen

Sprengkörper zu erwerben, außer im Falle eines Angriffs auf die Vereinigten
Staaten, ihre Territorien oder Streitkräfte oder ihr Verbündeten durch einen
solchen, mit einem Kernwaffenstaat verbündeten Staat, der einen solchen
Angriff durchführt oder unterstützt."

Ende des Zitats.

•

Der Präsident ist der Auffassung, daß diese Formulierung unsere
Sicherheitsverpflichtungen aufrechterhält und unserer kollektiven Sicherheit dient und auch die Aussichten auf eine wirksamere Rüstungskontrolle
und Abrüstung fördert.

+ + + + +

�14. Juni 1978

15

AMERIKANISCH-EUROPÄISCHE ZUSAMMENARBEIT IN DER
NATO-RÜSTUNGSBESCHAFFUNG
Erklärung des US-Unterstaatssekretärs für Europa

WASHINGTON - (AD) - Am 1. Juni 1978- einen Tag nach dem NATO-Gipfel in
Washington - hat der Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im
amerikanischen Außenministerium, George Vest, die Haltung der Regierung der
Vereinigten Staaten zur europäisch-amerikanischen Partnerschaft in der Rüstungsbeschaffung im Rahmen der NATO dargelegt. Die Ausführungen des Unterstaatssekretärs vor dem Sonderausschuß des Repräsentantenhauses für Standardisierung,
Interoperabilität und Einsatzbereitschaf der NATO haben folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, verehrte Mitglieder des Unterausschusses,
die heutige Zusammenkunft, nur einen Tag nach dem NATO-Gipfel hier in
Washington und etwas mehr als einen Monat vor dem Wirtschaftsgipfel in Bonn
lenkt die Aufmerksamkeit auf die allgemeineren Aspekte unserer Partnerschaft
mit Europa: Was sie für uns und für die Europäer bedeutet, und was notwendig
ist, um sie zum Blühen zu bringen. Ich glaube auf keinen Fall, daß dies eine
Ablenkung von dem Hauptinteressenpunkt dieser Zusammenkunft - Standardisierung
und Interoperabilität in der NATO - bedeutet, sondern vielmehr den notwendigen

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�notwendigen Zusammenhang für die Erörterung dieses Themas, das sich sofort
als höchst kompliziert erweist, aber doch von ganz grundlegender politischer
und militärischer Bedeutung für unsere Interessen in Europa ist.
Europa ist heute - trotz wirtschaftlicher Probleme - eine industrielle
Macht erster Ordnung mit einem gewaltigen Entwicklungsstand und Potential.
Die EG-Länder allein haben zusammen ein Bruttosozialprodukt von über ein und
einer Viertel Billion Dollar und sie bringen über 50 Prozent der Weltexporte
hervor,
•

Europa ist - trotz politischer Probleme vom Eurokommunismus bis zum
Terrorismus - ein immer besser organisiertes und konzertiertes geschlossenes
Ganzes.
nierten,

Die Europäischen Gemeinschaften, von denen man glaubte, sie stagschreiten in Wirklichkeit voran - und zwar gerade weil sie durch

dringende politische und wirtschaftliche Probleme herausgefordert worden sind.
D-e EG hat sich verpflichtet, Griechenland, Portugal und Spanien als Mitglieder aufzunehmen.
stattfinden.

Im Jahre 1979 werden Direktwahlen für das Europa-Parlament

Die Frage der Wirtschafts- und Währungsunion ist nach einer

Periode der Ruhe wieder akut geworden.
Europa begreift - trotz der Beschäftigung mit eigenen Problemen - in zunehmendem Maße, daß sein Wohlergehen und seine Sicherheit erfordern, daß die
Aufmerksamkeit und große Mittel auf die Bewältigung von Problemen globalen
Ausmaßes gerichtet werden müssen. Europa ist heute aktiv darum bemüht, das
Welthandels- und Währungssystem zu erhalten. Es gehört zu den wichtigsten
Teilnehmern an den Bemühungen, die Vorteile des modernen industriellen Lebens
der Entwicklungswelt zugänglich zu machen. Es steht in vorderster Linie in
den Bemühungen, die Probleme der Umwelt, der Energie und der Nonproliferation
(Nichtweiterverbreitung von Nuklearwaffen) in den Griff zu bekommen. Es ist
an den Bemühungen beteiligt, im Nahen Osten und in Afrika den Frieden wiederherzustellen und die dortigen Probleme zu lösen.
Europa arbeitet auch weiterhin, wie seit dreißig Jahren, einzeln und
kollektiv in der NATO an dem doppelten Problem, die militärische Abschreckung
- 2 -

�Abschreckung aufrechtzuerhalten und gleichzeitig jeden Weg zu einem
Abbau der Spannungen und einer Verstärkung der Zusammenarbeit in den
Ost-West-Beziehungen zu suchen.

Die NATO-Länder - ohne die Vereinigten

Staaten und Kanada - unterhalten (nach dem Stand vom 6. Dezember 1977,
NATO-Pressedienst M-DPC-3 (77)) rund drei Millionen Mann unter Waffen
und geben jährlich rund 60 Milliarden Dollar für die Verteidigung aus.
Unsere Partner in der NATO unterstützen gleichzeitig nachdrücklich die
amerikanischen

Bemühungen um SALT II und verhandeln gemeinsam mit uns

bei den MBFR-Verhandlungen und stehen an unserer Seite in Konsultationen
über einen weiten Bereich anderer RüstungskontrolT- und Entspannungsfragen, von der UN-Sondersitzung über Abrüstung bis zur Fortsetzung
des KSZE-Prozesses.
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•

•

Aus dieser Sicht müssen wir zu dem Schluß kommen, daß Europa nach
allen Maßstäben ein potenter, zusammenhängender und beweglicher Partner
der Vereinigten Staaten ist. Es ist eine fundamentale Tatsache, die
von den NATO-Anstrengungen hier in dieser Stadt so augenfällig unterstrichen wurde, daß sich die Vereinigten Staaten und Westeuropa eines
Gefühls der Einigkeit, der Gemeinsamkeit und sogar der engen Vertrautheit
erfreuen, das in der Geschichte der Beziehungen unter Staaten und Völkern
ohne Beispiel ist. Die politische Solidarität, die wirtschaftliche
Stärke und die militärische Verteidigung dieser Partnerschaft erhalten
sich jedoch nicht automatisch von selbst. Sie wurde durch staatsmännische
Leistung erschaffen, sie erfordert unermüdliche Anstrengungen, um sie
in guter Ordnung zu erhalten.
. ' • • • • ' • • •

- . :

'••'•••

Das östliche Mittelmeer
Ein Aspekt dieser Anstrengungen, den Sie, wie ich weiß, mit großer
Aufmerksamkeit verfolgt haben, hängt mit der Behebung des Schadens zusammen,

- 3-

�zusammen, den die NATO im östlichen Mittelmeer erleidet.
Die Vorschläge der Administration hinsichtlich des östlichen Mittelmeers wurden am 6. April dieses Jahres vor dem Außenpolitischen Ausschuß
des Repräsentantenhauses dargelegt.

Unsere Bemühungen zielen darauf ab,

den toten Punkt zu überwinden, der zu der ernsthaften Verschlechterung
der Sicherheitsinteressen der USA und der NATO in diesem Gebiet beiträgt
und einen Fortschritt in der Lösung des Zypernproblems behindert.
Ein entscheidendes Element dieses Programms ist das Ersuchen an
den Kongress, die bestehenden Beschränkungen für die Lieferung von
militärischem Gerät an die Türkei aufzuheben.

Eine solche Maßnahme

wäre ein wichtiger Schritt zur Wiederherstellung eines gesunden Verhältnisses zu unserem NATO-Verbündeten Türkei.
Was Zypern angeht, so haben wir die Absicht von Ministerpräsident
Ecevit begrüßt, sich um eine gerechte und dauerhafte Lösung des Zypernproblems zu bemühen.

Wir hoffen, daß mit der Vorlage von Vorschlägen

durch die türkischen Zyprioten bald ernsthafte Verhandlungen beginnen
können.
Es bleibt ein überragendes Ziel, unsere bilateralen und bündnismäßigen Beziehungen zu Griechenland und zur Türkei zu stärken. Die
Vorschläge der Administration für das östliche Mittelmeer stellen keine
Option zwischen diesen beiden Ländern dar. Wir sind entschlossen, mit
Griechenland, einem engen und geschätzten Verbündeten, eng zusammenzuarbeiten. Wir sind der Auffassung, daß das Programm der Administration
den Interessen aller Nationen dienen wird, indem es eine stabile und
sichere Situation im östlichen Mittelmeer fördert.

Die militärische

�Die militärische Dimension der NATO
Natürlich gibt es bei der Aufgabe der Aufrechterhaltung des Zusammenhalts des westlichen Bündnisses noch viele andere Elemente, aber
ich möchte mich jetzt bei den heutigen Erörterungen hier speziell der
militärischen Dimension zuwenden.
Jede amerikanische Administration war von der zentralen Bedeutung
der NATO nicht nur als einem Instrument der militärischen Sicherheit,
sondern auch als Grundlage der allgemeinen amerikanischen Politik in
Europa überzeugt. Präsident Carter hat diese Auffassung nachdrücklich
bekräftigt und darauf hingewirkt, die NATO zu einem noch zentraleren
Element der amerikanischen Politik zu machen als bisher. Dafür gibt
es gute Gründe.
Auf dem NATO-Gipfeltreffen in London vor etwas über einem Jahr
nahmen die Führer des Bündnisses die zunehmende massive und hochtechnologische militärische Kapazität des Warschauer Paktes zur Kenntnis
und kamen zu dem Schluß, daß die Zeit für konkretes Handeln gekommen
sei. Das war keine leichte Entscheidung, da sie die enttäuschten
Hoffnungen widerspiegelte, daß politische Entspannung und wachsende
Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West sich schließlich in einer
Mäßigung der intensiven und umfassenden militärischen Anstrengung des
Ostens bemerkbar machen würden.
In Anbetracht der Tatsache jedoch, daß die Bestrebungen der
Sowjetunion und des Warschauer Pakts auf einem außerordentlich hohen
Stand fortdauern, war den Führern des Bündnisses in London klar, daß
der Westen entweder handeln mußte oder das Risiko einging, das Vertrauen in seine Fähigkeit zur Abschreckung einer Aggression zu verlieren.
Eine Anzahl von Initiativen wurden vereinbart, und es wurde ein Prozeß
eingeleitet, der es dem Bündnis erlaubt, seine Verteidigung sowohl
kurz- als auch langfristig zu verstärken.

Das Gipfeltreffen in Washington

stellt eine wichtige Wegmarkierung in diesem Prozeß dar.
- 5 -

Schon vor Beginn

�Beginn dieses Treffens hatten wir uns auf Maßnahmen zur Steigerung der
Fähigkeit der NATO, mit einem massiven gepanzerten Angriff in der ersten
Phase eines Konflikts fertigzuwerden, geeinigt und sie eingeleitet.

Wir

haben inzwischen einen tiefschürfenden Bericht über Ost-West-Trends,
die die Interessen des Bündnisses berühren könnten, fertiggestellt.
Wir haben uns auch über ein detailliertes und umfassendes langfristiges
Verteidigungsprogramm geeinigt - eine bedeutende Leistung auf dem Gebiet
der Planung wie dem der Politik.

Schließlich, und damit komme ich zum

heutigen spezifischen Thema, unternehmen wir große Anstrengungen, auf
dem Gebiet der Rüstungszusammenarbeit voranzukommen: eines der kompliziertesten, wichtigsten und schwierigsten Themen des Bündnisses.

Die

NATO muß unbedingt Wege finden, ihre militärische Schlagkraft zu erhöhen,
indem die Kapazität ihrer Streitkräfte verbessert wird, als ein koordiniertes, flexibles militärisches Instrument zu kämpfen.

Die NATO muß

fähig sein, Waffen einzusetzen, wo immer sie gebraucht werden könnten,
im Vertrauen darauf, daß sie sofort und wirksam verwendet werden können weil sie standardisiert und interoperabel sind.

Um eine solche Standardi-

sierung und Interoperabilität zu erreichen, muß das Bündnis die Entwicklung
und Herstellung von Verteidigungsgerät bei ihren Mitgliedern rationalisieren,
die Zusammenarbeit zwischen der Verteidigungsindustrie in Europa und in
Nordamerika verbessern, und die transatlantische Verteidigungsausrüstung
auf eine gleichberechtigtere und stabilere

Langzeitbasis stellen.

So-

weit das Bündnis dabei Erfolg hat, wird es zwei weitere wichtige Ziele
erreichen - erstens, ein wirtschaftlich starkes Bündnis, da die Mittel
rationaler verwendet werden, und zweitens ein politisch solidares Bündnis
durch Wegfall von Reibungen über die
wickeln und herstellen soll.

Frage, wer welche Ausrüstung ent-

In seiner Rede im NATO-Hauptquartier im

Mai vorigen Jahres definierte Präsident Carter die Mittel, durch die nach
Oberzeugung der Vereinigten Staaten dieses Ziel näher gebracht werden
kann.

Er sagte, vor allem brauche man:
a) die Bereitschaft der USA, einen wirklichen transatlantischen
Zweibahnhandel von Verteidigungsgütern zu fördern, was ein

- 6 -

�ein intensiveres Interesse der USA nach kostengünstigem europäischen Material einschlösse;
b) die Unterstützung der USA für mehr Zusammenarbeit unserer europäischen Verbündeten bei der Rationalisierung der Verteidigungsindustrien;
c)

eine nordamerikanisch (amerikanisch-kanadisch)-europäische
Untersuchung der Möglichkeiten, die transatlantische Zusammenarbeit in Forschung, Entwicklung, Herstellung und Beschaffung
von Verteidigungsausrüstung zu verbessern.

Seitdem hat die Administration ihre Bemühungen verstärkt, kostengünstiges europäisches Material zu finden und zu erwerben. Zunächst
hat die Armee nach erschöpfenden Vergleichstests beschlossen, den XM-1
Panzer mit der neuen 120 mm-Kanone der Bundesrepublik Deutschland auszurüsten. Außerdem hat sich das Verteidigungsministerium für deutsche
Versorgungsfahrzeuge, mehr belgische MAG-58-Maschinengewehre, und britisches Brückengerät, Anti-Landepistenmunition, und nukleare, biologische
und chemische Schutzkleidung entschieden. Auch prüfen wir zur Zeit
weiteres europäisches Material, darunter die britische Skyflash-LuftLuft-Rakete, die norwegische Penguin-Boden-Boden-Rakete, und den britischen 81 mm-Mörser. Hinter diesen Entscheidungen steht eine neue
Haltung des Verteidigungsministeriums. NATO-Standardisierung ist heute
eine fundamentale Überlegung bei amerikanischen Beschlüssen über Ausrüstung. Dies wird auch durch organisatorische und Verfahrensänderungen
im Verteidigungsministerium deutlich - Minister Brown hat einen Berater
für NATO-Angelegenheiten ernannt und die Verantwortung für NATO-Standardisierung zivilen und militärischen Schlüsselbeamten im Ministerium
übertragen. Die für Forschung, Entwicklung und Beschaffung zuständigen
Leute im Ministerium entwickeln ihre Programme jetzt aus einer NAT0Perspektive heraus, und die NATO-bezogenen Schlüssel Programme erhalten
Priorität bei der Finanzierung. Wir sind dabei, den verteidigungs-

- 7 -

�*

verteidigungstechnologischen Transfer zu überdenken und neigen immer
mehr dazu, auch unsere kritischste Technologie anderen zu geben, wenn
es die NATO-Standardisierung und die militärische Schlagkraft des Bündnisses fördert.

Zusätzlich verhandeln wir über eine Reihe liberaler

Verteidigungsbeschaffungs-Abkommen mit einer Anzahl europäischer Verbündeter, in denen es um Ausrüstung und spätere Weitergabe von Technologie
geht.

Jedes dieser Abkommen soll in den größeres Zusammenhang der

Bündniszusammenarbeit passen.
Schließlich ersuchen wir den Kongreß um neue gesetzliche Befugnisse,
um die logistische Versorgung nationaler Streitkräfte zu erleichtern,
die in anderen NATO-Ländern stationiert sind, und um auf gewisse Restriktionen zu verzichten, die den Erwerb von Eigentum oder Dienstleistungen
von anderen Nationen betreffen, um die Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigungsausrüstung zu erleichtern. Weiterhin bitten wir den Kongreß
um eine Ausdehnung der Befugnis, Beschränkungen aufzuheben, die die Verwendung ausländischen Spezialmaterials aus NATO-Quellen für Waffen betreffen.
Die USA haben so einen neuen Schwung bei der Rüstungszusammenarbeit entwickelt, aber wir können diesen Schwung nur durch gemeinsames
und wechselseitiges Handeln mit unseren Verbündeten beibehalten. Energische Zusammenarbeit im Bündnis ist nötig, um weitere Fortschritte in
der Rüstungszusammenarbeit der NATO zu sichern. Um diesen Schwung zu
erhalten, müssen wir die derzeitigen, die von den Staats- und Regierungschefs der NATO nachdrücklich bekräftigten Initiativen der NATO nutzen.
Der transatlantische Dialog zwischen der Unabhängigen Europäischen
Programmgruppe (IEPG) und Nordamerika hat nun ernsthaft begonnen. Wir
sind mit der IEPG darin einig, daß der Dialog die Möglichkeiten für
einen ausgewogeneren transatlantischen Zweibahnhandel von Verteidigungsmaterial prüfen soll. Wenn, wie wir jedoch glauben, die Rüstungszusammenarbeit der NATO ihr Potential für die Verteidigung des Bündnisses

- 8 -

�Bündnisses voll zum tragen bringen soll, dann muß der Dialog auch die
positiveren Möglichkeiten für Rüstungszusammenarbeit aufgreifen.

Wir

möchten es unseren Verteidigungsindustrien einfacher machen, miteinander zusammenzuarbeiten.

Um dies zu tun, müssen wir zusammen mit den

Europäern die spezifischen Projekte untersuchen, auf deren Basis wir
uns einigen können, wie mit bestimmten Waffensystemen forzufahren ist,
und wie wir effektivere Grundregeln für die Zusammenarbeit aufstellen
können.
Das langfristige Verteidigungsprogramm hat einige Waffensysteme
für kooperative Entwicklung festgelegt. In engem Zusammenhang damit
diskutiert die Konferenz nationaler Rüstungsdirektoren (CNAD) ein
gänzlich neues Konzept - Zusammenarbeit bei Familien zusammenhängender
Waffen - , wobei wir Paketabkommen aushandeln würden, in denen spezifiziert
wird, wer welche Waffe für einen bestimmten militärischen Bedarf entwickelt, wie etwa Luft-Boden-Munition. Schließlich entwickelt die CNAD
ein langfristiges Planungssystem für die NATO-Rüstung. Es ist wichtig,
Nationen bei der Waffenentwicklung so früh wie möglich zusammenzubringen,
also schon zum Zeitpunkt der Definition des militärischen Bedarfs.
Diese Initiativen des Bündnisses geben uns einen vielversprechenden
neuen Start bei einer der kompliziertesten Fragen, mit denen die NATO
in den letzten drei Jahrzehnten gerungen hat. Ich bin nicht entmutigt,
nur weil sich diese Probleme nicht schnell und einfach lösen lassen.
Rüstungsentwicklung und -Produktion sind in die wirtschaftliche, politische
und soziale Basis unserer Nationen verwoben. Nichtsdesdoweniger verlangt das Gebot einer glaubwürdigeren NATO-Verteidigung und eines rationalisierten Marktes für Verteidigungsausrüstung, daß wir es besser
machen. Wir müssen uns auf die konzertierte, langfristige Bemühung
einstellen, die allein eine rationalisiertere NATO-Verteidigungsindustrie,
größere Effizienz bei der Verwendung der für Verteidigung vorhandenen
Mittel und jene verstärkte Verteidigungskoalition hervorbringen kann,
die notwendig ist, um die Abschreckung der Verteidigung der NATO in den

- 9 -

�den achtziger Jahren aufrechtzuerhalten.
Solch eine Bemühung ist nicht nur für die unmittelbaren Zwecke
der Verbesserung der militärischen Fähigkeiten der NATO notwendig,
sondern auch für die lebenswichtige amerikanische politische Verpflichtung,
wenn dieser Aspekt unserer Beziehungen mit Europa, wie alle anderen, in
zunehmendem Maße eine wirkliche Zweibahnstraße werden soll.
Ich begann diese Ausführungen mit einem Hinweis nicht nur auf den
Wirtschaftsgipfel, der bald in Bonn stattfinden wird. Daher erscheint
es mir angemessen, mit einigen Bemerkungen über das Thema der Wirtschaftsbeziehungen zu schließen - einem weiteren fundamentalen Aspekt der
amerikanisch-europäischen Partnerschaft. Wir befinden uns in einer
wichtigen Entwicklungsperiode der internationalen Wirtschaftsinstitutionen, auf die wir bauen. Der Druck auf die nationalen Wirtschaften
und das Gewerbe der internationalen Wirtschaftsbeziehungen ist sehr real,
und Lösungen waren bisher nicht zu erkennen. Aber das Ausmaß unserer
Wirtschaftsprobleme und unsere gegenseitige Abhängigkeit zwingen uns,
mit Europa und anderen gemeinsame Antworten zu finden. Unter den industrialisierten Demokratien bleiben große Unterschiede in der Wirtschaftstätigkeit, so daß differenzierte Maßnahmen angewandt werden müssen, abhängig von den jeweiligen Umständen des einzelnen Landes. Trotzdem sind
alle industrialisierten Demokratien in der Lage, etwas Positives zu einer
gemeinsamen Anstrengung beizutragen. Die verzahnten wirtschaftlichen
Probleme von Wachstum, Inflation, Arbeitslosigkeit, unausgewogene Zahlungsbilanzen, Strukturanpassungen und Abhängigkeit von importierter Energie
werden, wenn auch aus etwas unterschiedlichen Perspektiven, bei den kommenden
Treffen auf höchster Ebene behandelt werden. Das OECD-Mini stertreffen
in Paris am 14. und 15. Juni bietet eine Gelegenheit zur Diskussion und
Einigung über politische Maßnahmen aller 24 OECD-Länder und über ein
Programm zur Bekämpfung dieser generellen Probleme, auf dem die zwei
folgenden Treffen aufbauen können. Der EG-Gipfel in Bremen am 7. Juli
bietet den neuen EG-Mitgliedern die Gelegenheit, sich auf ein spezifisches

- 10 -

�spezifisches EG-Programm zu einigen, um mit diesen verzahnten Wirtschaftsproblemen fertig zu werden.
Weltwirtschaftsprobleme gehen über wirtschaftliche Überlegungen
und Beziehungen hinaus. Sie reichen bis in den Kern unserer Fähigkeiten,
zusammenzuarbeiten und das Vertrauen und die Zuversicht unserer Völker
zu rechtfertigen. Ihre Lösung erfordert den politischen Willen, individuell und kollektiv zu handeln, und sie erfordert ein flexibles und
zugängliches internationales Rahmenwerk, um gemeinsamen Willen in konzertierte wirtschaftliche Aktion umsetzen zu helfen. Wir ermutigen
gleichgesinnte Länder, unsere gemeinsamen Probleme in einer entsprechenden
Weise anzugehen. Wichtig ist, daß wir mit Europa zusammenarbeiten und
man uns zusammenarbeiten sieht. Auch unsere Wirtschaftsbeziehungen
mit Europa müssen eine Zweibahnstraße sein.

+ + + + +

- 11 -

�14, Juni 1978

15

DIE NATO UND DIE NEUE SOWJETISCHE BEDROHUNG
- von Senator Sam Nunn -

Der demokratische Senator Sam Nunn aus
dem Staate Georgia gehört dem Militärausschuß des Senats an und gilt als einer
der aufmerksamsten und fachkundigsten Beobachter des Verhältnisses zwischen der
NATO und dem Warschauer Pakt. Seine Auffassungen sind im Zusammenhang mit der
Rede Präsident Carters in Annapolis am
7.Juni 1978 von besonderem Intersse.
Die Sowjetunion ist auf dem Wege, eine entscheidende militärische Überlegenheit auf konventionellem Gebiet gegenüber der NATO zu erringen. In
einem Zeitalter einer angenommenen nuklearen Parität zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sov.jetunion ist die Bedeutung der Fähigkeit, erfolgreich
einen Krieg unterhalb der nuklearen Schwelle zu führen, gewaltig gestiegen,
denn die Glaubwürdigkeit einer nuklearen Antwort auf einen konventionellen
Angriff hat abgenommen.
Der Bestand

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�Der Bestand der derzeitigen Streitkräfteposition der NATO in Europa,
ja vielleicht sogar der gesamten NATO-Strategie der flexiblen Antwort und
Vorneverteidigung, ist in Frage gestellt.

Es besteht heute eine Disparität

zwischen der erklärten Strategie des Bündnisses und der Fähigkeit der NATOStreitkräfte, diese Strategie zu verwirklichen.
Die konventionellen Streitkräfte der Sowjetunion sind in den letzten
zehn Jahren beträchtlich angewachsen und werden derzeit qualitativ verbessert.

Vor dem Hintergrund der strategische-nuklearen Parität mit den

Vereinigten

Staaten und beachtlichen Fortschritten in ihrer taktisch-

nuklearen Kapazität haben die Sowjets für ihre vis-a-vis der Bundesrepublik
Deutschland stationierten konventionellen Streitkräfte die Fähigkeit geschaffen, mit einer Vorwarnzeit von nur wenigen Tagen eine potentiell
vernichtende Invasion Europas zu beginnen.

Das wird aus einem immer

stärkerem Nachdruck auf die Feuerkraft und Einsatzbereitschaft der Landstreitkräfte und in einer augenfälligen Umwandlung der sowjetischen
taktischen Luftwaffe von einer defensiven Streitmacht in eine schlagkräftige
Luftflotte mit größerem Aktionsradius deutlich.
Während die in Osteuropa stationierten Streitkräfte einen Konflikt
praktisch aus dem Stand beginnen können, brauchen die NATO-Streitkräfte
weiterhin eine ausreichende Vorwarnzeit, um es dem Bündnis zu ermöglichen,
ihre letzlich größeren aber üblicherweise weniger einsatzbereiten und
schlecht dislozierten Streitkräfte zu mobilisieren und sie zum Zentrum
des Konflikts zu bringen.
In dem Maße, in dem die Fähigkeit der Sowjets zuänem Angriff aus
dem Stand im Verhältnis zur Verteidigungskapazität der NATO wächst, nimmt
auch die Wahrscheinlichkeit zu, daß die sowjetischen Truppen bereits am
Rhein stehen würden, wenn die Entscheidung der NATO zum Einsatz taktischer
Nuklearwaffen fiele.
Vor der sowjetischen Invasion der Tschechoslowakei im Jahre 1968 bestanden

- 2 -

�bestanden die in Osteuropa stationierten Einheiten der sowjetischen Armee
aus über 400 000 Mann in rund 26 Divisionen.
dazugekommen.

Seither sind über 100 000 Mann

Diese starke Zunahme ist hauptsächlich auf die Stationierung

einer großen sowjetischen Streitmacht in der Tschechoslowakei nach der
Invasion und auf eine Erhöhung des Personalstandes der sowjetischen Panzerdivisionen und Panzerschützendivisionen im Rahmen der jüngsten Reorganisation
zurückzuführen.

Man schätzt, daß seit dem Beginn der Verhandlungen über

eine beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderung in Mitteleuropa (MBFR)
in Wien im Jahre 1973 der Personalstand der in Osteuropa stationierten Teile
der sowjetischen Armee um viele Tausend Mann erhöht worden ist.
Parallel zu dieser quantitativen Erhöhung haben die Sowjets ein
Modernisierungsprogramm für die Landstreitkräfte durchgeführt, das ihre
in Osteuropa stationierten Streitkräfte in die Lage versetzen soll, erfolgreich jene Art von Blitzkrieg zu führen, der in der sowjetischen Doktrin
vorgesehen ist.

Zu den wichtigsten Punkten dieses Programms gehören:

1. Einführung des sowjetischen Kampfpanzers T-72 bei der sowjetsichen
Armeegruppe in Ostdeutschland. Diese Verbesserung der Panzerqualität ist
mit einer Erhöhung der Zahl der Panzer für die 16 in Osteuropa stationierten
Panzerschützendivisionen um je 60 bis 80 verbunden. Zusammengenommen
haben diese Verbesserungen die Panzerkapazität der Sowjetunion - die der
der NATO um fast drei gegen eins überlegen ist - wesentlich gestärkt.
2. Ersatz gepanzerter Mannschaftsfahrzeuge durch Schützenpanzer.
Damit erhält die sowjetische Infanterie die Fähigkeit, ohne abzusitzen
kämpfen zu können - eine Fähigkeit, die der motorisierten Infanterie
fast aller NATO-Staaten - mit Ausnahme der Bundesrepublik Deutschland mangelt. Die NATO ist größtenteils auf die technologisch überholten
gepanzerten Transportfahrzeuge angewiesen.
3. Übergang von bespannter Artillerie zu Selbstfahrlafetten, der
es der Artillerie erlaubt, mit vorrückenden Panzern Schritt zu halten

- 3 -

�halten und sie zu unterstützen und damit ihre Überlebensfähigkeit zu erhöhen.

Diese Umwandlung wurde mit einer Erhöhung der Zahl der Rohre für

die in den letzten Jahren in Osteuropa dislozierte

sowjetische

Artillerie

um mindestens 50 Prozent begleitet.
4.

Ausdehnung eines beachtlichen Arsenals an taktischen Luftabwehr-

systemen auf die gesamten sowjetischen Landstreitkräfte.

Eine bessere

Luftverteidigung könnte zu schweren Verlusten der NATO-Luftstreitkräfte
1n den ersten Stadien der Feindseligkeiten führen.
5. Zunahme der sowjetischen Fähigkeit, die Panzerabwehrkapazität
der NATO zu neutralisieren, und zwar in beträchtlichem Maße.
Diese gleichzeitig quantitative und qualitative Verbesserung der in
Osteuropa stationierten sowjetischen Landstreitkräfte in den letzten zehn
Jahren wurde von einer augenfälligen Umwandlung der taktischen Luftwaffe
der Sowjets begleitet.

Noch im Jahre 1968 waren die taktischen Luftstreit-

kräfte der Sowjetunion in erster Linie auf die Verteidigung des Luftraums
über Osteuropa und der Sowjetunion ausgerichtet und setzten sich dementsprechend hauptsächlich aus Kurzstreckenflugzeugen mit geringer Tragfähigkeit
zusammen, die nur hier und da Merkmale für eine Bodenunterstützung aufwiesen.

Seither ist die taktische Luftwaffe der Sowjets völlig neu struk-

turiert worden - mit dem ganz offensichtlichen Ziel, eine mächtige Offensivkraft für die enge Luft-Boden-Unterstützung auf der ganzen Breite des
Gefechtsfeldes und ein tiefes Eindringen und Abriegeln in ganz NATO-Europa
zu schaffen.

Das könnte verwundbare feste Ziele, wie Lager von Kernwaffen,

Nachschublager, Flugplätze und Luftverteidigungsanlagen bedrohen.
Die Einführung einer Vielzahl neuer Flugzeuge mit größerem Aktionsradius und größerer Tragkraft und von Angriffshubschraubern - wie z.B.
Backfire-Bomber, MIG 21 J, K, und L, MIG 23, SU-17, SU-19 und MIG 24 verringert den traditionellen Vorteil der NATO auf dem Gebiet der taktischen

4 -

�taktischen Luftmacht wesentlich.
Welche Konsequenzen die NATO im einzelnen aus diesen zahlreichen
Verbesserungen der konventionellen Streitkräfte der Sowjetunion ziehen
muß und wird, steht noch nicht fest.

Alles in allem haben die zahlen-

mäßige Stärke und die Kapazität der sowjetischen Landstreitkräfte im
Mittelabschnitt und die neue Kampfkraft der taktischen Luftwaffe der
Sowjetunion den Charakter der Bedrohung der NATO in Mitteleuropa fundamental
verändert.
Die in Osteuropa dislozierten sowjetischen Streitkräfte besitzen
heute die Fähigkeit, ohne große Vorwarnzeit einen potentiell verheerenden
Angriff gegen Mitteleuropa vorzutragen. Ein solcher Angriff könnte zu
spät erkannt werden, wenn in den westlichen Militärdistrikten der Sowjetunion stationierte sowjetische Divisionen vorher unter einem Vorwand mobilisiert und in den Mittelabschnitt verlegt würden.
Ein solcher Angriff würde die Verbündeten in einem Stand verringerter
Einsatzbereitschaft treffen.

Die Sowjets könnten einen Angriff auch dazu

benutzen, die Verbündeten zu spalten, vor allem wenn der Angriff gegen ein
Mitglied und nicht gegen das Bündnis insgesamt vorgetragen wird.

Für die

NATO hat eine stark verringerte Vorwarnzeit tiefgreifende politische und
militärische Folgen.

Hier stellt sich die Frage, ob der gegenwärtige

Stand der konventionellen Streitkräfte der NATO ausreicht, um dieser neuen
Bedrohung zu begegnen.
Ein großer sowjetischer Angriff, dem vielleicht nur wenige Tage Vorwarnzeit vorausgingen, könnte bestimmte politische und militärische
Schwächen ausnützen, unter denen die NATO weiterhin leidet.

Aus diesem

Grunde kann man sich kaum vorstellen, daß die fundamentalen Veränderungen im
Charakter der militärischen Position der Sowjetunion in Osteuropa, die
während der letzten zehn Jahre zu verzeichnen waren, nicht mir voller Absicht
vorgenommen wurden.
Ich möchte
- 5 -

�Ich möchte den Sowjets keineswegs die Absicht unterschieben, in
Europa einfallen zu wollen oder eine Invasion voraussagen.

Die letztlichen

Absichten eines andern zu erkennen, ist eine geheimes, wenn nicht gar
okkultes Vermögen, das sich jeder wissenschaftlichen Genauigkeit entzieht.
Ich bin jedoch davon überzeugt, daß die militärische Kapazität der Sowjets,
wie sie sich in den letzten zehn Jahren entwickelt hat,die Art des Konfliktes
erkennen läßt., den die Sowjets anfangen werden, sollten sie den Krieg
wählen.
Der entscheidende Punkt ist, daß der Rückgang der realen Verteidigungsausgaben der NATO seit Jahren im Verhältnis zu der wachsenden sowjetischen
Aufrüstung dazu geführt hat, daß die Bemühungen um eine glaubwürdigere
Abschreckung vor einer Aggression der Sowjetunion entscheidend behindert
wurden.

Der rückläufige Personalstand der aktiven Streitkräfte der NATO

hat uns ebenso geschadet wie die Zurücknahme wichtiger Einheiten in die
Niederlande.

Darüber hinaus muß die anhaltende Zersplitterung der Kampf-

kräfte der NATO beseitigt werden, die durch die Vielfalt unterschiedlicher
Waffen, unterschiedlichen Geräts, unterschiedlicher Taktik und unterschiedlichen Nachschubs entsteht.
Zu den Schwächen der NATO in Mitteleuropa kommt noch die Erosion
der atlantischen Verteidigungsposition im Mittelmeerraum.

Kommen diese

Schwächen in Mitteleuropa und der Wirrwarr an der südlichen Flanke zusammen,
so könnten sie die lebenswichtigen Interessen sowohl Europas als auch der
Vereinigten Staaten durchaus gefährden.
In der Tat bietet der Anblick der südlichen Flanke der NATO ein fast
chaotisches Bild. Angesichts der wachsenden Macht der sowjetischen Flotte
im Mittelmeer erscheinen die Mittelmeerstaaten der NATO als nahezu unfähig,
ihre ihnen durch das Bündnis übertragenen Aufgaben zu übernehmen. Obwohl
die Qualität und Leistungsfähigkeit der italienischen Flotte weiterhin
eindrucksvoll bleibt, hat Italien unter dem Druck einer sich verschärfenden
Wirtschaftskrise angekündigt, daß es die Stärke seiner Armee um ein Drittel

- 6 -

�Drittel verringern wolle.
entfernt.

Griechenland hat sich militärisch aus der NATO

Die Streitkräfte der Türkei bleiben weiterhin durch ein als

Strafe verhängtes Waffenembargo geschwächt, das nicht länger aufrechterhalten werden sollte.
Die Situation an der Nordflanke der NATO ist wenig besser. Die
Verteidigung der Nordflanke hängt in noch höherem Maße von einer raschen
Verstärkung ab als die Verteidigung der anderen militärischen Abschnitte
des Bündnisses. Doch erscheint weder Norwegen noch Dänemark angesichts
der wachsenden sowjetischen Bedrohung auf der Kola-Halbinsel und in den
norwegischen Gewässern geneigt, die Initiativen zu ergreifen, die notwendig
wären, um eine volle Ausschöpfung der Verstärkungsmöglichkeiten zu erleichtern.
Außerdem weisen die jüngsten Entwicklungen auf dem Gebiet der sowjetischen
Gefechtsfeld-Nuklearwaffen - vor allem wenn man sie mit der von den Sowjets
erreichten Parität bei den strategischen Nuklearwaffen zusammenbringt darauf hin, daß die Sowjets bemüht sind, die taktischen nuklearen Optionen
der NATO gemäß der Doktrin der flexiblen Antwort zu neutralisieren. Während
der letzten Jahre haben die Sowjets ihre nuklearen Gefechtsfeldwaffen in
Europa derart ausgebaut, daß sie heute glaubwürdig die NATO von einem
frsteinsatz taktischer Nuklearwaffen abschrecken könnten. Die Masse der
sowjetischen taktischen Nuklearwaffen sind weitaus zerstörerischer und
weitreichender als die der NATO. Sie könnten gegen die meisten großen
europäischen Städte zum Einsatz gebracht werden. Außerdem haben die Sowjets
in weit höherem Maße als die NATO ihre konventionellen Streitkräfte so
aufgebaut und ausgerüstet, daß sie auch weiterhin auf einem nuklearen
Gefechtsfeld operieren und kämpfen können.
In scharfem Gegensatz dazu würden die verhältnismäßig geringe Reichweite und Sprengkraft der taktischen Nuklearwaffen der NATO ihre Anwendung
in erster Linie auf das Territorium der NATO beschränken, vor allem dann,
wenn die konventionellen Stnatkräfte des Bündnisses tief in das Hinterland

- 7 -

�Hinterland Deutschlands gedrängt worden wären.
Die Folgerungen, die die NATO aus der militärischen Aufrüstung
der Sowjets ziehen muß, sind schwerwiegend. Will man sie in den Griff
bekommen, so ist es unbedingt notwendig, daß die NATO ihre eigene Position
bei den konventionellen Streitkräften so ändert, daß die sich jetzt für
die Sowjets ergebenden militärischen Vorteile aufgewogen werden. Die damit
vor dem Bündnis stehenden Aufgaben sind gewaltig. Aber sie liegen zweifellos
im Rahmen der wirtschaftlichen Ressourcen, über die die NATO verfügt.
Das Atlantische Bündnis umfaßt das größte wirtschaftliche und industrielle
Potential auf diesem Planeten. Ihm fehlen also nicht die Mittel, sondern
es muß nun beweisen, daß ihm auch nicht der Wille fehlt.

+ + + + +

- 8 -

�Ulirl/chofl
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15

14. Juni 1978

WECHSELWIRKUNGEN ZWISCHEN DEVISENKURSEN UND WELTHANDEL
- Von Paul W. McCracken -

Der Verfasser des nachstehenden Artikel
ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität des Staates
Michigan in Ann Arbor und war zuvor Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des
amerikanischen Präsidenten.
Nachdruck mit Genehmigung von "Wall
Street Journal" und "Asian Wall Street
Journal"
Copyright 1978 by Dow Jones and Company,
Inc.. Alle Rechte vorbehalten.
Die Gestalt des internationalen Währungssystems beeinflußt den Gang
der Weltwirtschaft. Phasen abrupter und substantieller Veränderungen des
Weltzahlungssystems waren in der Geschichte gewöhnlich auch Phasen größerer,
schmerzlicher Veränderungen im Bereich der Weltproduktion und des Welthandels
Der in diesem Jahrzehnt vollzogene Übergang vom System fester Wechselkurse,
dem sogenannten System von Bretton Woods, zu einem System veränderlicher

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�veränderlicher floatender Wechselkurse bildet hiervon offensichtlich keine
Ausnahme.

Er setzte vielmehr subtile, deshalb aber nicht weniger machtvolle

Kräfte in Bewegung, die alles in allem dabei sind, die Weltproduktion und
den Welthandel in entschieden neue Bahnen zu lenken.

Es sind nicht nur die

Devisenhändler, Bankiers, Währungsspezialisten und Finanzexperten, die
um es kurz zu sagen, die Auswirkungen dieser Veränderungen des Währungssystems zu spüren bekommen - es ist die breite Masse.
Das alte System fester Wechselkurse wies selbstverständlich zwei
zentrale Charakteristika auf:
Der erste Wesenszug bestand darin, daß der Wechselkurs jeder Währung
nach einem gewissen Standard bemessen oder festgesetzt wurde.

Wegen der

überwältigenden Dominanz der amerikanischen Wirtschaft zur Zeit der Errichtung des Systems von Bretton Woods vor mehr als drei Jahrzehnten war
dieser Standard der amerikanische Dollar.

Für den Dollar wiederum bestand

eine feste Goldbindung (derzufolge ein Dollar 1/35 einer Unze Gold wert
war), sodaß dem System von Anbeginn an die formelle Starrheit des Goldstandards anhaftete.
Der zweite wichtige Wesenszug war, daß die Länder internationale
Währungsreserven als "Arbeitskapital" zu unterhalten gezwungen waren, um
Phasen überbrücken zu können, in denen die Ausfuhrerlöse nicht ausreichten,
die Einfuhrerfordernisse zu decken.
Diese beiden Wesensmerkmale lösten eine Tendenz zur Überbewertung
der Schlüsselwährung ab, die als Standard diente: nämlich des US-Dollars.
Die Netto-Nachfrage nach Dollars hielt in der Zeit nach dem Kriege, als
die Länder ihre Devisenreserven aufzustocken begannen, den Dollarkurs
generell höher, als er sich an der Entwicklung des Außenhandels gemessen
gestellt hätte.
Prompte Reaktionen

- 2 -

�Prompte Reaktion
Ein größeres Ungleichgewicht zwischen Aus- und Einfuhr wiederum veranlaßt das betroffene Land immer dann zu promten Wechselkurskorrekturen,
wenn das Problem in zu großen Ausfuhren bei zu geringen Einfuhren besteht,
was eine Verschlechterung der Außenhandelsposition zur Folge hat, nicht
aber dann, wenn das Ungleichgewicht im Außenhandel die Außenhandelsposition
stärkt.

Die Abwertung der Währung eines Landes behindert die Einfuhr und

verbessert gleichzeitig seine Wettbewerbsposition auf den Exportmärkten und das gilt als politisch attraktiv.

Die Aufwertung einer Währung aber

erleichtert die Einfuhr und setzt der Ausfuhr Grenzen - was politisch als
nicht sehr attraktiv gilt, selbst wenn das Ergebnis ein ausgeglichenerer
Welthandel ist.
Die inhärente Logik der früheren festen Wechselkurse hatte kurz gesagt, Praktiken zur Folge, die eine Überbewertung des Dollars begünstigten.
Unsere inflatorische Haushaltspolitik in der Zeit nach 1965 hat diesen
Prozeß weiter beschleunigt. Und die schnelle Anhäufung umfangreicher
Devisenbestände im Ausland als eine Folge des anhaltenden Dollarabflusses
bewirkte noch eine zusätzliche Beschleunigung der Weltinflation.
Die im Ausland geäußerte Kritik war insoweit zutreffend, als sie auf
diese Folge des anhaltenden Dollarabflusses hinwies. Die ausländischen
Kritiker sahen hierin jedoch meist lediglich ein Versäumnis der amerikanischen
Politik und nicht das unvermeidliche Ergebnis eines Systems, unter dessen
Regime die ganze Weltwirtschaft stand.
Wir hatten damals ein asymmetrisches System.

Länder, deren Außen-

handelsposition sich als Folge der Inflation im inneren verschlechterte,
neigten dazu, ihre Währung umgehend abzuwerten, um ihre Wettbewerbsposition wiederherzustellen.

Länder, die eine erfolgreiche Haushait-

und Geldpolitik betrieben und ihre Inflationsraten relativ niedrig zu
halten verstanden,

konnten sich bei festen Wechselkursen einer günstigen

- 3 -

�günstigen und sich laufend verbessernden Wettbewerbsposition innerhalb
der Weltwirtschaft erfreuen.

Sie zeigten natürlich wenig Neigung, diese

günstige Position durch die Aufwertung der eigenen Währung zu gefährden,
die die Preise für ihre Produkte auf den Exportmärkten in die Höhe treiben
und die Preise für Einfuhrwaren auf dem heimischen Markt attraktiver
machen würde.
Das Ergebnis war eine anhaltende und systematische Tendenz zur Unterbewertung der eigenen Währung gegenüber der Standardwährung. Und diese
Standardwährung wiederum war der amerikanische Dollar.
Wie wirkte sich die anhaltende Überbewertung des Dollars auf die
Gestalt der Weltwirtschaft und der Weltproduktion aus?
Für die amerikanische Wirtschaft ergaben sich hieraus zwei unausweichlich und eng miteinander verknüpfte Konsequenzen. Die eine war eine
Verschlechterung unserer internationalen Wettbewerbsposition - und dieser
grundlegende Trend läßt sich mindestens bis auf Mitte der sechziger Jahre
zurückverfolgen. Amerikas Anteil an der Weltausfuhr fiel von 18 Prozent
im Jahre 1960 auf 14 Prozent im Jahre 1971 (und 12 Prozent in 1977). Die
fortgesetzte starke Zunahme der Einfuhren bei langsamer wachsenden Ausfuhren brachte uns Anfang der siebziger Jahre erstmals ein Außenhandelsdefizit ein. Dieses Defizit trat sofort wieder auf, als sich die Wirtschaft
1971 von der leichten Rezession des Vorjahres zu erholen begann.
Für die amerikarischen Exporteure bedeutete die chronische Überbewertung des Dollars per definitionem, daß ihre Produkte auf den internationalen Märkten als teuer gelten mußten. Sie verlagerten deshalb ihre
Strategie ihrer Teilnahme an einer wachsenden Weltwirtschaft auf die Errichtung von Produktionsstätten und Tochtergesellschaften im Ausland, um
am Binnenmarkt des Gastlandes zu partizipieren,und von dort aus auch
dritte Märkte zu bedienen. Eine Tochtergesellschaft in Europa war beispielsweise zuweilen der einzige Ausweg auf den europäischen Märkten mit

- 4 -

�mit wettbewerbsfähigen Preisen aufzutreten und von dort aus mit der internationalen Konkurrenz in Südamerika oder Afrika Schritt halten zu können.
Für Länder am anderen Ende der Wippe, deren Währung fortgesetzt einer
Tendenz zur Unterbewertung unterlag, sah die Weltwirtschaft ganz anders aus.
Für sie bedeuteten Produktionsstätten im Inland (gleichgültig ob in in- oder
ausländischem Besitz), daß ihre Produkte auf den Weltmarkt als relativ preisgünstig galten.

Der Schwerpunkt ihrer Teilnahme an der Weltwirtschaft lag

deshalb mehr auf dem Sektor der Produktion und des Exports.
Die beiden Länder, die am offensichtlichsten in diese zweite Kategorie
gehörten, waren Deutschland und Japan. Wir wurden in jenen Jahren Zeuge
der anhaltenden Expansion der Produktionskapazität Deutschlands bis zu dem
Punkt, an dem das Arbeitskräftepotential des Landes nicht mehr ausreichte,
den Arbeitskräftebedarf zu decken. Japan baute eine exportorientierte
Industrie auf, die ihren Anteil am Welthandel alle zehn Jahre nahezu verdoppelte.
Unter dem System fester Wechselkurse entwickelte die amerikanische
Wirtschaft eine auf Auslandsinvestitionen orientierte Mentalität, Länder
wie Deutschland und Japan eine exportorientierte Mentalität. Dieser
Mentalitätsunterschied ergab sich keineswegs aus einer Trägheit oder Unfähigkeit der amerikanischen Wirtschaftsbosse, sich dem internationalen
Wettbewerb zu stellen, und auch nicht aus
besonderer Tugend etwa ihrer
deutschen und japanischen Konkurrenten. Er war vielmehr das Ergebnis der
kumulativen Auswirkungen der inhärenten Logik des damaligen Zahlungssystems.
Auch wenn dem System floatender Wechselkurse Grenzen gesetzt sein
mögen - gewisse Schönheitsfehler haften ihm erwiesenermaßen an -, weist
es doch jedenfalls eine erheblich geringere Tendenz zur über- und Unterbewertung der Währungen auf.
Für die Geschäftswelt ist dies von großer praktischer Wichtigkeit

- 5 -

�Wichtigkeit.

Es bedeutet einerseits, daß die fast automatischen Kosten-

vorteile des Standorts eines Betriebs in Deutschland oder Japan beträchtlich schrumpfen und man ihrer nicht mehr so sicher sein kann; es macht eine Um
strukturierung jener deutschen und japanischen Industrien notwendig, die nur
bei anhaltender Unterbewertung der D-Mark oder des Yen wirtschaftlich arbeiten
konnten.

Für amerikanische Manager andererseits bedeutet es, daß sich für

US-Exportwaren neue gewinnbringende Absatzchancen ergeben, sofern es gelingt
wirksame und angemessene Absatzstrategien zu entwickeln.

Weder räch noch einfach
Niemand wird behaupten wollen, daß diese Anpassung an neue Verhältnisse
rasch oder einfach zu bewerkstelligen wäre. In Deutschland und Japan werden
einige Industrien, die bislang durch künstliche Wechselkursvorteile begünstigt wurden, schwere Einbußen hinnehmen müssen. Und deutsche und japanische Manager werden gezwungen sein, ihre Exportmentalität aufzugeben
und sich stärker auf den Binnenmarkt und auf Auslandsinvestitionen zu konzentrieren. Die amerikanischen Manager aber, in einer "Ära der Auslandsinvestitionen" geschult und herangewachsen, werden gut daran tun, neue
Strategien zu entwickeln, um mit beunruhigenden Schwierigkeiten fertig zu
werden, die von mangelnden Fremdsprachenkenntnissen bis zu ungewohnten
Absatzmethoden reichen. Das empfiehlt sich allein schon aufgrund der Tatsache, daß der Export von den Vereinigten Staaten aus inzwischen die
günstigeren Absatzchancen bietet.
Da in diesem Anpassungsprozeß erhebliche Trägheitsmomente zu überwinden sind, droht der Rückgang des Wechselkurses des Dollar auf einen
niedrigeren Satz, der notwendig ist, um die Dinge in Bewegung zu bringen,
eventuell "zu weif'zu führen. Wahrscheinlich ist der Dollar gegenwärtig in
Relation zu dem Wechselkurs, der das amerikanische Kostenniveau mit dem
anderer Länder in Einklang bringen würde, unterbewertet. Das läßt vermuten,

- 6

�vermuten, daß der Dollarkurs dergestalt gestützt werden sollte, daß sich
die amerikanische Wirtschaft stärker den Exportmärkten zuwendet und andere
Länder ihre Auslandsinvestitionen verstärken.
Wenn wir jedoch damit fortfahren, Investitionen zu besteuern, uns
mit einem an internationalen Maßstäben und an unseren eigenen Leistungen
in der Geschichte gemessen zu geringen Produktivitätszuwachs zu begnügen
und unsere Augen vor den grundlegenden Ursachen der Inflation in unserem
Lande zu verschließen, würde eine fortschreitende Erosion unserer im Grunde
gegebenen internationalen Wettbewerbsfähigkeit die derzeitig anomal
niedrigen Dollarkurse rechtfertigen.
Wie dem auch sei, die amerikanische Wirtschaft, die seit langem darauf
ausgerichtet ist, der Errichtung von Tochtergesellschaften und Produktionsstätten im Ausland Vorrang einzuräumen, sollte sich in jedem Fall auf die
Möglichkeit einstellen, daß sich neue Chancen für gewinnbringende Ausfuhren
zu öffnen beginnen.

+ + + + +

- 7 -

�1

1

2pfii

Ulirl/chofl
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15

14. Juni 1978

AMERIKANISCHE INDUSTRIE SPART ÖL UND ERHÖHT GEWINNE
- Von unserem Korrespondenten John Holway -

WASHINGTON - (AD) - Industrielle und Manager in den Vereinigten Staaten
haben den Preisanstieg für Importöl aufmerksam verfolgt und den Energieverbrauch in ihren Betrieben scharf gedrosselt. Ober 3000 Firmen, die etwa die
Hälfte aller in den Vereinigten Staaten verbrauchten Energie beziehen, berichten, daß sie den Verbrauch gegenüber dem Stand von 1972 um fast zehn Prozent
gesenkt haben.
Das amerikanische Energieministerium hat vor einigen Wochen eine Studie
über dieses Thema veröffentlicht und festgestellt, daß die von den über 3000
Firmen für das erste Halbjahr 1977 berichteten Einsparungen im Vergleich zum
ersten Halbjahr 1972 rund 667 000 Barrel öl pro Tag ausmachten. Damit sparten die Vereinigten Staaten allein in diesen sechs Monaten drei Milliarden
Dollar für Importöl ein.
Da die Industrie fast die Hälfte aller Energie in den Vereinigten Staaten
verbraucht, machen sich Einsparungen auf diesem Sektor in der Begrenzung des
Gesamtverbrauchs durchaus bemerkbar.

Die beiden anderen Sektoren, Privatver-

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Telex:08-85432

�Privatverbrauch in Wohnung und Geschäft sowie Verkehr haben seit dem ölembargo
1973 ihren Verbrauch allerdings erhöht.

Der Privatverbrauch im Haus ging un-

mittelbar nach dem Embargo 1973 zurück, aber dann setzte wieder eine Aufwärtsbewegung ein, die allerdings langsamer verlief, als ohne Einsparungsmaßnahmen
zu erwarten gewesen wäre.
Eine Ursache für den Anstieg im Energieverbrauch auf diesem Sektor liegt
nach amtlichen Angaben in der erhöhten Eigenheimbautätigkeit.
Regierungsvertreter räumen allerdings ein, daß die Lage auf dem Verkehrssektor "entmutigend" sei.

Obwohl die Autos benzinsparender würden - seit

1975 um fast 20 Prozent - habe die Zahl der zugelassenen Autos und die Zahl
der gefahrenen Kilometer noch rascher zugenommen.
Man rechnet damit, daß der Trend zu wirtschaftlicheren Autos aufgrund
der höheren Benzinpreise - plus eines anhängigen Gesetzes, das große, unwirtschaftliche Autos einer Steuer unterwerfen soll - anhalten wird.

"Wir rech-

nen damit, daß der Aufwärtstrend in einigen Jahren (vielleicht schon 1980)
seinen Höhepunkt erreichen und dann rückläufig werden wird", so verlautet aus
dem amerikanischen Energieministerium.

Eine wichtige Rolle wird dabei die

Tatsache spielen, daß im Laufe der Jahre viele der alten "Benzinfresser" auf
dem Schrott landen und durch neuere, wirtschaftlichere Autos ersetzt werden.
Alles in allem haben der Verkehrssektor und der Privatverbrauch in Haus
und Geschäft seit 1973 jährlich eine Zunahme von rund sechs Prozent zu verzeichnen.
Auf der anderen Seite bietet der Industriesektor Anlaß zu "echter Freude",
wie es ein Vertreter des Ministeriums ausdrückte, denn hier ist der tatsächliche Energieverbrauch seit 1973 um jährlich rund vier Prozent zurückgegangen.
Obwohl die meisten der Einsparungen zwar bei Erdgas und Kohle erzielt
worden sind, so ist das Ermutigende an der Entwicklung nach Ansicht der Ex- 2 -

�Experten im Ministerium die Tatsache, daß der direkte Erdölverbrauch nicht
in dem Maße gestiegen ist, wie man es hätte erwarten können»
lich weniger Erdgas verbraucht, das knapp ist.

Es wird wesent-

Der Verbrauch an Kohle in der

Industrie war 1977 etwa der gleiche wie 1973, und er wäre ohne den Bergarbeiterstreik noch höher gewesen.
Ein Hauptgrund für den Anstieg des Erdölverbrauchs liegt darin, daß die
Elektrizitätswerke mehr Ul verbrauchen. Hier gibt es nach Auffassung des
Ministeriums heute noch keine Alternative. Elektrizitätswerke brauchen einen
Brennstoff, der je nach Bedarf in Spitzenzeiten oder in schwachen Zeiten aufoder abgedreht werden kann. Hier sind Kohle und Kernbrennstoff nicht elastisch
genug. Hier kann nur öl, Erdgas oder Wasserkraft helfen,
Man rechnet im amerikanischen Energiemim'sterium damit, daß die im
Energiepaket von Präsident Carter vorgesehen kleineren Wasserkraftwerke mit
der Zeit einen Teil der ölkraftwerke ersetzen werden.
In der Zwischenzeit hat nach Auskunft von Vertretern des Ministeriums
die Kernkraft die Energieversorgung über Engpässe hinweggebracht. So hätten
beispielsweise bei der kürzlichen Dürre an der Pazifikküste im Nordwesten der
USA die Leute recht kalt gesessen, wenn keine Kernkraft zur Verfügung gestanden hätte.
Es werden jedoch keine neuen Kernkraftwerke mehr gebaut.

Die Alterna-

tive werden Wasser- und Kohlekraftwerke sein.
Vertreter des Amerikanischen Petroleuminstituts sehen den Hauptgrund für
das ausgezeichnete Einsparungsverhalten der Industrie in der Einführung leistungswirksamerer Herstellungsprozesse.

Man kann alte Fabrikationsanlagen nicht nur

aus Einsparungsgr'ünden erneuern, aber wenn neue Anlagen gebaut werden, dann
werden neuere, leistungsfähigere Technologien herangezogen.

Betriebsleiter

wissen, daß Energieeinsparung auch Einsparung von Geld bedeutet.
In

- 3 -

�In seinem Bericht für das erste Halbjahr 1977 erklärt das amerikanische
Energieministerium, daß die Produktivität gegenüber 1976 um ein Prozent und
gegenüber 1972 sogar um 9,2 Prozent gestiegen se1' „ Die größten Verbesserungen waren in der chemischen Industrie und ^n der Erdölindustrie zu beobachten, obwohl, wie es in dem Bericht heißt, die Verbesserungen "weit verbreitet"
waren.
Was noch wichtiger ist, die Einsparungen waren trotz des harten Winterwetters im vorigen Jahr zu verzeichnen, das eigentlich mit einem erhöhten
Verbrauch hatte rechnen lassen,.
Die Vorteile dieser Entwicklung kommen nach Auffassung des Ministeriums
allen Teilen der Gesellschaft zugute.

Ene^gieeinsparungen mindern den in-

flationären Druck, und sie verringern zweitens die Abhängigkeit von ausländischem öl.

Drittens setzen sich Energieeinsparungen in mehr Arbeitsplätze und

damit größeres Einkommen um.
Für die Industrie selbst bedeuten Energieeinsparungen auch Kostensenkungen und damit entweder höhere Gewinne, Freistellung von Kapital für Neu Investitionen oder niedrigere Preise und erhöhten Absatz. Das Ministerium
weist nachdrücklich darauf hin, daß Energieeinsparungen von vielen Gesichtspunkten her profitabel sind.
Man rechnete früher, daß ein Prozent mehr Energie ein Prozent mehr Güter
produziere. Heute stellt die Industrie fest, daß eine Steigerung der Produktion um ein Prozent auch durch einen Energiemehrverbrauch von nur einem halben Prozent möglich ist.
Der Präsident der Amerikanischen Bundesbank (Federal Reserve System),
G. William Miller, teilt mit, daß seine frühere Fi^ma, Textron, in der Lage
war, den Energiebedarf für die Produktion pro Einheit sogar um 27 Prozent zu
senken. Diese Leistung werde in ähnlicher Form überall in der amerikanischen
Industrie vollbracht.
+ + + + +
- 4 -

�</text>
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