<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="1599" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/1599?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T02:32:09+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="1610">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/0937cd207aa562c211caf40b571603cd.pdf</src>
      <authentication>6b188c31b111c758a48405a7610fb144</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="8282">
                  <text>31
3

I

und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Juni 1978

14

I N H A L T

DOKUMENTATION

Carter erläutert amerikanisch-sowjetisches Verhältnis
- Rede des US-Präsidenten in Annapolis -

Um Über/endung von
DcIcQCKcmplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0 Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�iliiHl

1

I 3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Juni 1978

14

CARTER ERLÄUTERT AMERIKANISCH-SOWJETISCHES VERHÄLTNIS
- Rede des US-Präsidenten in Annapolis -

ANNAPOLIS, MARYLAND - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat in einer Grundsatzrede vor der amerikanischen Marineakademie in Annapolis im Staate Maryland am 7. Juni 1978 zu dem Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion Stellung genommen. Carter versicherte, daß die Risiken eines
Atomkrieges ein Abkommen über die Begrenzung der strategischen Rüstungen unbedingt notwendig machten. Er warnte die sowjetische Führung jedoch, daß in
einer Demokratie wie Amerika die öffentliche Meinung wesentlich die Gestaltung
der Politik mitbestimme und forderte die UdSSR auf, zu friedlichen Lösungen
der Konflikte in Afrika und anderswo in der Welt beizutragen.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat in der vorgetragenen Fassung
folgenden Wortlaut:
Admiral McKee, Gouverneur Lee, sehr verehrte Gäste, Angehörige der Abschlußklasse, Freunde:
Wir haben heute viele Ehrengäste.

Ich habe meinen früheren Chef, Ad-

miral Hyman Rickover, eingeladen, hierher zu kommen.

Er hat mir geschrieben,

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�geschrieben, daß er selbstverständlich meinem Befehl als Oberbefehlshaber
der amerikanischen Streitkräfte Folge leisten würde, daß er aber glaube,
seine Arbeit in Washington sei wichtiger als meiner Rede zuzuhören.
Ich freue mich, wieder einmal bei einer Abschlußfeier an der Marineakademie dabei zu sein, obwohl ich mit einem anderen Rang zurückkehre.

Ich

erinnere mich, daß mich vor 32 Jahren die gleichen Gefühle bewegten, wie die
meisten von Ihnen heute.

Ich war noch nicht Leutnant.

Ihnen sind noch keine Offiziere.

Die meisten von

Ich dachte mehr an Urlaub und Heirat als

an die Weltpolitik oder eine ferne Zukunft.

Ich glaube, vielen von Ihnen

wird es nicht anders gehen.
über mein erstes Kommando war ich ziemlich enttäuscht.
wer wohin abkommandiert werden wollte.
im Pazifik.

Wir zogen Lose,

Ich wollte auf einen neuen Zerstörer

Ich kam auf das älteste Schiff im Atlantik - die USS Wyoming -

die schon so heruntergekommen war, daß sie aus Sicherheitsgründen nicht im
Hafen von Norfolk an der Pier festmachen durfte, sondern draußen in Hampton
Roads für sich allein vor Anker gehen mußte.
Wir hatten damals einen guten Redner, Adminral ehester Nimitz.

Aber so

wie es Ihnen ergehen wird, ich erinnere mich an kein Wort mehr.
Meine einzige Hoffnung damals war, daß die Abschlußfeier kurz sein möge;
aber ähnlich wie es Ihnen ergehen wird, ich wurde auch darin enttäuscht.
Ich darf Ihnen im Vertrauen verraten, daß ich damals nicht damit rechnete, eines Tages als Präsident der Vereinigten Staaten hierher zurückzukehren.
Sieben Jahre später habe ich unter Zögern die Marine verlassen.

Aber ich

kann rückblickend sagen, daß die Marineakademie und mein Dienst in der
amerikanischen Marine eine gute Vorbereitung für die Laufbahn waren, die ich
später einschlug.
'

•

•

.

.

.

.

Ich
- 2 -

�Ich beglückwünsche Sie als Angehörige der Crew 78. Obwohl Ihre Ausbildung aus der Sicht eines älteren Mannes gerade erst begonnen hat, haben Sie
die Grundlage für eine Laufbahn gelegt, die so lohnend und interessant sein
kann, wie nur eine Laufbahn in der Welt.

Als Offiziere der modernen Marine

werden Sie Akteure in einem weltweiten politischen und militärischen Schauspiel sein.

Sie werden nicht nur aufgerufen sein, die technischen Probleme

der Militärwissenschaft und Führung zu meistern, sondern auch ein feinfühliges Verständnis für die internationale Gemeinschaft aufzubringen, in deren
Rahmen die Marine operiert.
Ich möchte heute zu Ihnen über einen der wichtigsten Aspekte dieses inter
nationalen Zusammenhangs sprechen - das Verhältnis zwischen den beiden größten
Mächten der Welt, den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
Wir müssen erkennen, daß unser Verhältnis zur Sowjetunion auf sehr lange
Zeit hinaus ein konkurrierendes sein wird. Diese Konkurrenz muß konstruktiv
sein, wenn wir Erfolg haben wollen. Sie könnte stattdessen gefährlich und
potentiell verheerend sein. Dann muß unser Verhältnis auch ein kooperatives
sein.
Wir müssen uns vor übertriebenen Ausschlägen in der Stimmung der Öffentlichkeit hüten - von der Euphorie, wenn es gut läuft, und der Verzweiflung,
wenn es schlecht läuft; vor einem übertriebenen Gefühl der Verträglichkeit
und einem offenen Ausdruck der Feindseligkeit.
Die Entspannung zwischen unseren beiden Ländern ist von zentraler Bedeutung für den Weltfrieden. Es ist wichtig für die Welt, für die amerikanische Öffentlichkeit und für Sie als künftige Marineoffiziere, daß Sie die
komplexe und delikate Natur dieser Entspannung verstehen.
Das Wort "Entspannung" (Detente) wird vereinfacht als "eine Lockerung
von Spannungen zwischen Nationen" definiert.

In der Praxis geht die Defini-

tion aufgrund der Erfahrungen weiter, wenn diese Nationen neue Mittel und
Wege entwickeln, wie sie in Frieden miteinander leben können.
Wenn
- 3 -

�Wenn die Entspannung stabil sein soll, wenn sie vom amerikanischen Volk
unterstützt werden soll und wenn sie die Grundlage für eine erweiterte Zusammenarbeit sein soll, dann muß sie weitreichend definiert werden und auf echter
Gegenseitigkeit beruhen.

Beide Nationen müssen in unruhigen Gebieten und tur-

bulenten Zeiten Zurückhaltung üben.

Beide müssen haargenau jene Abkommen

einhalten, die bereits erzielt worden sind, um die Kooperation auszuweiten,
beiderseits die Produktion von Kernwaffen zu begrenzen, die Freizügigkeit von
Personen und die Gedankenfreiheit zu erlauben und die Menschenrechte zu schützen.
Keiner von uns beiden sollte die Vorstellung

hegen, daß er eine militärische

Überlegenheit gewinnen könne, oder daß irgendein vorübergehender militärischer
Vorteil politisch ausgeschlachtet werden könne.
Unser Hauptziel besteht darin, zur Gestaltung einer Welt beizutragen,
die stärker auf den Wunsch der Menschen überall nach wirtschaftlichem Wohlergehen, sozialer Gerechtigkeit, politischer Selbstbestimmung und den grundlegenden Menschenrechten eingeht.
Wir streben nach einer Welt des Friedens. Aber in einer solchen Welt
muß die soziale, politische und ideologische Vielfalt wohnen können. Nur
dann kann es eine echte Zusammenarbeit unter Nationen und Kulturen geben.
Wir wollen niemanden beherrschen.

Wir werden weiterhin unsere Zusammen-

arbeit mit den positiven neuen Kräften in der Welt ausweiten.
Wir wollen unsere Zusammenarbeit mit der Sowjetunion ausbauen, aber auch
mit den aufstrebenden Nationen, mit den Ländern Osteuropas und mit der Volksrepublik China. Wir haben uns besonders der echten Selbstbestimmung und Mehrheitsherrschaft in jenen Teilen der Welt verschrieben, wo diese Zielenoch erreicht werden müssen. Unser langfristiges Ziel muß darin bestehen, die
Sowjetunion von den Vorteilen der Zusammenarbeit und den Nachteilen eines
störenden Verhaltens zu überzeugen.

Wir

�Wir erinnern uns, daß im Zweiten Weltkrieg die Vereinigten Staaten i
die Sowjetunion Verbündete waren.

Eine der großen historischen Leistungen

der amerikanischen Marine bestand darin, die gewaltigen Lieferungen von Waffen und Versorgungsgütern von unserem Lande nach Murmansk und anderen sowjetischen Häfen zur Unterstützung unserer gemeinsamen Anstrengung zur Überwindung der Nazibedrohung zu lenken und zu schützen.

In der Agonie dieses Massenkonflikts starben 20 Millionen Bewohner der
Sowjetunion.

Millionen in der Sowjetunion erinnern sich noch an den Schrecken

und an den Hunger jener Zeit.

Ich bin überzeugt, daß die Bevölkerung dsr

Sowjetunion den Frieden will.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, daß sie

den Krieg wollte.

Im Laufe der Jahre hat unser Land eine Annäherung an die Sowjetunion gesucht, wie aus dem österreichischen Friedensvertrag, dem Viermächte-Abkommen
über Berlin, der Einstellung von Kernversuchen in der Atmosphäre, der gemeinsamen wissenschaftlichen Erforschung des Weltraums, Handelsabkommen, dem Vertrag über die Raketenabwehr-(ABM)-Systeme und den Interimsabkommen über strategische Offensivwaffen und dem Abkommen über das begrenzte Versuchsverbot
hervorgeht.

Die Bemühungen gehen heute weiter mit Verhandlungen über ein SALT IIAbkommen, ein umfassendes Versuchsverbot, eine Verringerung der Lieferung
konventioneller Waffen an andere Länder, ein Verbot von Angriffen auf
Satelliten im Weltraum, und ein Abkommen zur Stabilisierung des Standes der
Dislozierung von Streitkräften im Indischen Ozean und Abkommen über verstärkten
Handel und verstärkten wissenschaftlichen und kulturellen Austausch.

Wir müssen bereit sein, trotz der grundlegenden Fragen die uns trennen,
solche Wege der Zusammenarbeit zu suchen.

Allein die Risiken eines Nuklear-

krieges treiben uns in diese Richtung.

Die Zahlen und das Zerstörungspotential der Nuklearwaffen haben sich in
einem alarmierenden Tempo erhöht.

Darum ist ein SALT-Abkommen, das die Sicher- 5 -

�Sicherheit beider Nationen fördert, von fundamentaler Bedeutung.

Wir und die Sowjetunion verhandeln fast jeden Tag in gutem Glauben,
weil wir beide wissen, daß ein Mißerfolg die Wiederaufnahme eines massiven
nuklearen Wettrüstens einleiten würde.

Ich freue mich, berichten zu können,

daß die Aussichten für ein SALT II-Abkommen gut sind.

über diese wichtige Bemühung hinaus gehören ein verbesserter Handel
und ein verbesserter technologischer und kultureller Austausch zu den unmittelbaren Vorteilen der Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern.

Diese Bemühungen um eine Zusammenarbeit löschen jedoch unsere signifikanten Unterschiede nicht aus.

Worin bestehen diese Unterschiede?

Für die Sowjetunion scheint Entspannung ein anhaltender aggressiver Kampf
um politische Vorteile und wachsenden Einfluß mit einer Vielfalt von Methoden
zu bedeuten.

Die Sowjetunion betrachtet militärische Macht und Militärhilfe offensichtlich als das beste Mittel, ihren Einfluß in der Welt auszudehnen.

Es

liegt auf der Hand, daß Gebiete der Instabilität in der Welt ein verlockendes
Ziel für ihre Bemühungen bieten, und nur allzu oft scheint sie bereit zu sein,
jede solche Gelegenheit zu nutzen.

Wie sich in Korea, Angola und, wie Sie wissen, in jüngerer Zeit auch in
Äthiopien gezeigt hat, zieht sie es vor, Stellvertreter-Streitkräfte einzusetzen,

um ihre Ziele zu erreichen.

Anderen Ländern erscheint die militärische Aufrüstung der Sowjets als
übertrieben - jedenfalls als weit über alle legitimen Verteidigungserfordernisse für die Sowjetunion selbst oder ihrer Verbündeten hinausgehend.

Seit

über 15 Jahren haben die Sowjets dieses Programm des militärischen Wachstums

- 6 -

�Wachstums aufrechterhalten und fast 15 Prozent ihres Bruttosozialprodukts
in die Rüstung investiert, und diese nachhaltige Anstrengung geht weiter.
Die Mißachtung grundlegender Menschenrechte in ihrem eigenen Lande unter
Verletzung des in Helsinki erreichten Übereinkommens, hat den Sowjets die
Verurteilung durch all die Menschen eingebracht, die die Freiheit lieben.
Durch ihre Handlungen haben sie gezeigt, daß das sowjetische System frei zum
Ausdruck gebrachte Ideen, Gedanken einer loyalen Opposition und die Freizügigkeit von Personen nicht tolerieren kann.
Die Sowjetunion versucht eine totalitäre und repressive Regierungsform
zu exportieren, die zu einer geschlossenen Gesellschaft führt.

Einige die-

ser Eigenschaften und Ziele schaffen Probleme für die Sowjetunion.
Außerhalb eines streng kontrollierten Blocks hat es die Sowjetunion
mit politischen Beziehungen zu anderen Nationen schwer.
Bindungen zu anderen sind gering und sporadisch.

Ihre kulturellen

Ihre Regierungsform wird

in zunehmendem Maße unattraktiv für andere Nationen, sodaß selbst
marxistisch-leninistische Gruppen die Sowjetunion nicht mehr länger als ein
nachahmenswertes Modell betrachten.
Viele Länder geraten in Besorgnis, daß die blockfreie Bewegung durch
Kuba unterwandert werden könnte, das ganz offensichtlich in seinem wirtschaftlichen Bestand und hinsichtlich der politischen und militärischen Führung
und Leitung eng mit der Sowjetunion verbunden und von dieser abhängig ist.
Obwohl die Sowjetunion über das zweitgrößte Wirtschaftssystem der Welt
verfügt, läßt ihr Wachstum stark nach und ihr Lebensstandard steht in keinem
günstigen Vergleich zu dem anderer Nationen auf einer entsprechenden Entwicklungsstufe.
Die landwirtschaftliche Erzeugung bleibt noch immer ein ernstes Problem
für die Sowjetunion, so daß in Zeiten durchschnittlicher oder schlechter
Erntebedingungen sie sich wegen Lebensmittel!ieferungen an uns oder andere
- 7 -

�r
andere Länder wenden muß.
Wir sind in unserem Lande in einer sehr viel günstigeren Position.
Unsere industrielle Basis und unsere Produktivität sind unerreicht.
Unsere wissenschaftliche und technologische Fähigkeit ist der aller anderen überlegen.

Unsere Bündnisse mit anderen freien Nationen sind stark

und werden zunehmend stärker.

Unsere.militärische Kapazität steht heute hin-

ter keiner anderen zurück und wird hinter keiner zurückstehen.
Im Gegensatz zur Sowjetunion sirvd wir von freundlichen Nachbarn und weiten Meeren umgeben.

Unsere gesellschaftliche Struktur ist stabil und zusammen-

haltend, und unsere Außenpolitik erfreut sich einer überparteilichen öffentlichen Unterstützung, die ihr Kontinuität verleiht.
Wir sind stark aufgrund der Dinge, für die wir als Nation einstehen:
die realistische Chance für jedermann, sich ein besseres Leben zu schaffen;
Schutz durch Recht und Gewohnheit vor willkürlicher Ausübung der Regierungsmacht; das Recht jedes einzelnen, seine Meinung zu sagen, sich voll am Regierungsprozeß zu beteiligen und politische Macht mitzubesitzen.
Unsere Lebensanschauung beruht auf persönlicher Freiheit, der mächtigsten
, aller Ideen, und unsere demokratische Lebensweise verdient die Bewunderung
und .die Nacheiferung durch andere Völker in der Welt.
Unser Eintreten für die Menschenrechte läßt uns Teil einer ständig
stärker werdenden internationalen Woge werden.
Bewegung sind, werden wir selbst gestärkt.

Indem wir ein Teil dieser
;,

Unsere wirtschaftliche Stärke bedeutet ebenfalls einen wichtigen politischen Faktor, einen potentiellen Einfluß zum Wohle anderer. Unser B r u t t o sozialprodukt übersteigt das aller neun Länder der Europäischen Gemeinschaft
und ist doppelt so hoch wie das der Sowjetunion. Darüber hinaus beginnen wir
jetzt zu lernen, unsere Ressourcen klüger zu nutzen und eine neue Harmonie
- 8 -

�Harmonie zwischen unserer Bevölkerung und unserer Umwelt zu schaffen.

Unsere Analyse der militärischen Stärke Amerikas bietet ebenfalls eine
Basis des Vertrauens.

Wir wissen, daß weder die Vereinigten Staaten, noch

die Sowjetunion einen nuklearen Angriff gegen den anderen vortragen können,
ohne einen vernichtenden Gegenangriff hinnehmen zu müssen, der den Aggressorstaat zerstören könnte.

Obwohl die Sowjetunion über mehr Raketenabschußrampen, höhere Nutzlasten und eine größere kontinentale Luftverteidigungskapazität verfügt, besitzen die Vereinigten Staaten mehr Gefechtsköpfe, eine allgemein größere
Treffsicherheit, mehr schwere Bomber, eine ausgewogenere Nuklearstreitmacht,
bessere Raketenunterseeboote und eine überlegene Unterseebootabwehrkapazität.

Ein erfolgreiches SALT II-Abkommen wird beide Nationen auf einen gleichen
aber niedrigeren Höchststand von Raketenabschußrampen und Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen bringen.

Wir rechnen bei SALT III sogar mit einer noch

größeren beiderseitigen Verringerung der Kernwaffen.

Bei einer im wesentlichen nuklearen Gleichwertigkeit hat die relative
Stärke der konventionellen Streitkräfte jetzt an Bedeutung gewonnen.

Tat-

sache ist, daß die militärische Kapazität der Vereinigten Staaten und. ihrer
Verbündeten ausreicht, um jeder vorhersehbaren Bedrohung begegnen zu können.

Es ist möglich, daß jede Seite dazu neigt, die militärische Kapazität
der anderen zu überschätzen.

Genaue Analysen sind wichtig als Grundlage für

die Entscheidungen der Zukunft.

Falsche oder übertriebene Einschätzungen der sowjetischen Stärke oder
amerikanischer Schwächen tragen zur Wirksamkeit der sowjetischen Propagandaanstrengungen bei.

So haben beispielsweise kürzlich alarmierende Zeitungsberichte über Vorschläge im Militärhaushalt für die amerikanische Marine die Tatsache außer
- 9 -

�außer acht gelassen, daß wir den höchsten Verteidigungshaushalt in unserer
Geschichte haben und daß der größte Teil dieser Mittel an die Marine gehen
wird.

Sie hier reihen sich in eine lange Tradition überlegener Führung,

Seemannschaft, Taktik und Schiffsbaukunst ein.

Ich bin sicher, daß die

amerikanische Marine heute auf den Meeren nicht ihresgleichen hat und daß
Sie und ich und andere immer dafür sorgen werden, daß die Marine stark bleibt.
Niemand soll an unserer heutigen und künftigen Stärke zweifeln.

Dieser

kurze Überblick, den ich gegeben habe, zeigt, daß wir wegen unserer Fähigkeit,
konkurrieren und erfolgreich konkurrieren zu können, keine übertriebenen
Besorgnisse zu hegen brauchen.

Es gibt sicherlich keinen Grund zur Panik.

Die gesunde Selbstkritik und die freie Debatte, die zum Wesen einer Demokratie
gehören, sollten niemals mit Schwäche, Verzweiflung oder mangelnder Zielsetzung verwechselt werden.
Welches sind die Hauptelemente der amerikanischen Außenpolitik gegenüber der Sowjetunion?
Ich möchte sie kurz aufzählen;

Wir werden auch weiterhin eine gleich-

wertige nukleare Stärke aufrechterhalten, weil wir der Überzeugung sind, daß
angesichts des Fehlens einer weltweiten nuklearen Abrüstung ein derartiges
Gleichgewicht die am geringsten bedrohliche und damit stabilste Situation für
die Welt bedeutet.
Wir halten ein kluges und tragbares Maß an Militärausgaben aufrecht,
das auf eine stärkere NATO, mehr mobile Streitkräfte und eine unverminderte
Präsenz im Pazifik ausgerichtet sein wird. Wir und unsere Verbündeten müssen
und werden imstande sein, jeder vorhersehbaren Herausforderung unserer Sicherheit entweder durch strategische Nuklearstreitkräfte oder durch konventionelle
Streitkräfte zu begegnen. Amerika besitzt die Fähigkeit, diese Verpflichtung
zu erfüllen, ohne übermäßige Opfer von unseren Bürgern verlangen zu müssen
- und diese Verpflichtung zur militärischen Stärke wird erfüllt werden.
über
- 10 -

�über unser Bündnis hinaus werden wir weltweite und regionale Organisationen unterstützen, die sich der Stärkung der internationalen Harmonie widmen, wie beispielsweise die Vereinten Nationen, die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und die Organisation für afrikanische Einheit (OAU).
Wir und unsere afrikanischen Freunde wünschen uns Afrika als einen
Kontinent der frei ist von der Herrschaft fremder Mächte, frei von der
Bitterkeit rassischer Ungerechtigkeiten, frei von Konflikten und frei auch
von der Bürde der Armut, des Hungers und der Krankheit. Wir sind überzeugt,
daß die beste Methode, auf diese Ziele hinzuarbeiten, in einer positiven
Politik besteht, die den afrikanischen Hoffnungen und Erwartungen Rechnung
trägt.
Das anhaltende und zunehmende militärische Engagement der Sowjetunion
und Kubas in Afrika könnte diese hoffnungsvolle Vision zunichte machen . Wir
sind zutiefst besorgt über diese Bedrohung des regionalen Friedens und der
Autonomie von Ländern, in denen diese ausländischen Truppen permanent stationiert zu sein scheinen. Aus diesem Grunde habe ich dieses Thema heute
aufgegriffen. Das ist auch der Grund, warum ich und das amerikanische Volk
die afrikanischen Bemühungen unterstützen werden, ein solches Vordringen zu
verhindern, wie wir dies kürzlich in Zaire getan haben.
Ich appelliere einmal mehr an alle anderen Mächte, sich uns in dem Bemühen anzuschließen, in ihrer Afrika-Hilfe Werken des Friedens statt Waffen
des Krieges Vorrang einzuräumen. Möge sich die Sowjetunion jetzt uns anschließen in der Suche nach einem friedlichen und raschen Übergang zur Herrschaft der Mehrheit in Rhodesien und in Namibia. Wollen wir doch unsere
Anstrengungen darauf richten, die Streitigkeiten in Eritrea und Angola auf
friedlichem Wege beizulegen. Wollen wir uns doch alle anstrengen - nicht
um Afrika zu teilen und die Herrschaft über es zu gewinnen -, sondern um jenen
Nationen zu helfen, ihr großes Potential voll auszuschöpfen.
Wir streben nach Frieden, nach der Verbesserung der Kommunikation und
des Verstehens, nach Kultur- und Wissenschaftsaustausch und einer Ausweitung
- 11 -

�Ausweitung des Handels mit der Sowjetunion und anderen Ländern.
Wir werden den Versuch unternehmen, die Weiterverbreitung (Proliferation:
von Kernwaffen auf jene Länder zu verhindern, die heute keine nuklear« Kapazität besitzen.
Wir werden auch weiterhin konstruktiv und beharrlich auf ein faires
Abkommen zur Begrenzung der strategischen Rüstungen hinarbeiten.

Wir wissen,

daß keine Seite durch die Anwendung von Kernwaffen einen ideologischen Sieg
davontragen kann.

Wir haben r..cht den Wunsch, diese Verhandlungen mit anderen

wettbewerbsorientierten Beziehungen zu verknüpfen oder diesem Prozeß andere
besondere Bedingungen aufzuerlegen.

In einer demokratischen Gesellschaft,

in der die öffentliche Meinung integrale Faktor der Gestaltung und Durchführung der Außenpolitik ist, müssen wir jedoch einsehen, daß Spannungen, scharfe
Streitigkeiten oder Bedrohungen des Friedens die Suche nach einem erfolgreichen
Abkommen komplizieren.

Das ist keine Frage, wit wir es gerne hätten, son-

dern einfaqh eine Erkenntnis der Tatsachen.
Die Sowjetunion kann wählen zwischen Konfrontation oder Kooperation.
Die Vereinigten Staaten sind hinreichend darauf vorbereitet, sich ihrer Wahl
zu stellen.
Wir würden der Kooperation durch eine Entspannung den Vorzug geben, die
in zunehmendem Maße ähnliche Beschränkungen für beide Seiten mit sich bringt,
eine ähnliche Bereitschaft, Streitigkeiten durch Verhandlungen statt durch
Gewalt zu bereinigen und den ähnlichen Willen, friedlich und nicht militärisch
miteinander zu konkurrieren. Alles was darunter bleibt, ist nur dazu angetan,
die Entspannung zu unterminieren. Das is'. der Grund, warum ich hoffe, daß niemand die Besorgnisse unterschätzen möge, die ich heute hier zum Ausdruck gebracht habe.
Ein Wettstreit ohne Mäßigung und ohne gemeinsam anerkannte Regeln wird
in noch größere Spannungen ausarten, und unsere Beziehungen zur Sowjetunion
als Ganzes werden darunter leiden.

Ich wünsche nicht, daß dies geschieht -

�geschieht - und ich glaube nicht, daß Herr Breschnew dies wünscht. Das ist
der Grund, warum es heute für uns an der Zeit ist, offen zu sprechen und die
bestehenden Probleme unmittelbar anzugehen.
Durch die Kombination aus ausreichender amerikanischer Stärke, bescheidener Mäßigung in der Anwendung derselben, der Ablehnung des Glaubens an
die Unvermeidbarkeit des Krieges und einer geduldigen und beharrlichen Entwicklung aller friedlicher Alternativen hoffen wir schließlich

die inter-

nationale Gesellschaft in eine stabilere und hoffnungsvollere Zukunft führen
zu können.
Sie und ich werden heute von hier weggehen, um unsere gemeinsame Pflicht
zu tun - die lebenswichtigen Interessen unserer Nation, womöglich, durch
friedliche Mittel, falls notwendig aber auch durch entschlossenes Handeln
zu schützen.
Wir gehen fort von hier, ernüchtert durch die Verantwortung, aber voll
von Vertrauen in unsere Stärke. Wir gehen fort von hier in dem Wissen, daß
die Zielsetzungen unserer Nation - Friede, Sicherheit und Freiheit für uns
und andere - unsere Zukunft entscheiden und daß wir zusammen obsiegen werden.
Um diese Ziele zu erreichen, wird unser Land genau jener Eigenschaften des
Mutes, der Opferbereitschaft, des Idealismus und der Disziplin bedürfen, die
Sie sich als Seekadetten hier in Annapolis so gut angeeignet haben. Das ist
der Grund, weshalb Ihr Land so viel von Ihnen erwartet, und warum Sie soviel
zu geben haben.
Ich verlasse Sie mit meinen Glückwünschen und mit dem Gebet, daß Sie
und ich sich der Aufgabe würdig erweisen werden, die vor uns und der Nation
liegt, der zu dienen wir geschworen haben.
Ich danke Ihnen!

+ + + + +

- 13 -

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="8277">
              <text>07.06.1978</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="8278">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="8279">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="8280">
              <text>Amerikadienst 07.06.1978</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="8281">
              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter erläutert amerikanisch-sowjetisches Verhältnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Präsidenten in Annapolis -&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
