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Information
und

1

pT3!(if nt-TilM
United States Information Service

8. März 1978

INHALT

DOKUMENTATION
Der Pazifik und Ostasien im amerikanischen Verteidigungskonzept
- Rede von Harold Brown in Los Angeles WIRTSCHAFT
USA fordern internationale Begrenzung der Exportsubventionen
- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten John J. Harter HINTERGRUNDMATERIAL
Carters Reise soll Beziehungen zu Lateinamerika und Afrika festigen
- Von unserem Korrespondenten Alexander M. Sullivan Wirtschaftsinteressen in der Antarktis
- USA fordern internationales Statut zum Schutz des Ökosystems WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Pflanzen aus Wüsten- und Regenwaldzonen
- Neue Rohstoffquellen für Eiweiß und industrielle Rohstoffe öl-Kohle-Schlamm für den Kraftwerksbetrieb

Um Übersendung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�1

31

f^

fe]

Dokumentation
United States Information Service

8. März 1978

DER PAZIFIK UND OSTASIEN IM AMERIKANISCHEN VERTEIDIGUNGSKONZEPT
- Rede von Harold Brown in Los Angeles -

Der amerikanische Verteidigungsminister
Harold Brown hat am 20. Fenruar 1978 in
einer Rede vor dem privaten Weltpolitischen
Rat in Los Angeles die Verteidigungspolitik
der Vereinigten Staaten mit besonderem
Hinblick auf den Pazifik, Ostasien und den
Nahen Osten erläutert. Was in Asien vorgehe,
so erklärte Brown, habe großen Einfluß auf
die Beziehungen der USA zur Sowjetunion.
Die Rede Browns hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, wieder in Südkaiifornien zu sein und heute abend vor Ihnen
sprechen zu dürfen. Wegen des besonderen Interesses Kaliforniens an Asien und
am Pazifik möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um unsere Sicherheitspolitik
unter dem besonderen Aspekt Ostasiens zu behandeln. Ich möchte das auch tun,
weil nach meiner Ansicht dieser Aspekt unserer Verteidigungsposition nicht
die öffentliche Aufmerksamkeit findet, die er verdient.
Ich bin gerade von einem mehrtägigen Besuch der Pazifikflotte und einer
Oberprüfung unserer Verteidigungsposition im Pazifik und in Ostasien mit

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�»

mit unseren höchsten militärischen Befehlshabern dort zurückgekehrt. So wie
sie bin auch ich besorgt über eine, wie man es nur nennen kann, falsche
Vorstellung von unserer Politik - d.h. über die gelegentlich hier im eigenen
Lande und im Ausland vorgebrachte Auffassung, daß sich die Vereinigten Staaten
aus Asien zurückzögen.
Diese Vorstellung ist ganz einfach falsch. Wir sind eine bedeutende
Macht im Pazifik und werden es bleiben. Anders kann es gar nicht sein. Wir
waren schon vor zweihundert Jahren, als diese Westküste Nordamerikas noch
spanisch, britisch und russisch war, in Asien engagiert. Wir haben auch
weiterhin tiefreichende und umfassende Beziehungen zu Asien in politischer,
wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht und auf dem Gebiet der Sicherheit.
Geographisch ist unser Territorium auf den Aleuten, auf Hawaii und Guam
im Herzen des Pazifik gelegen. Ein großer Teil unserer Bevölkerung kommt aus
Asien.
- Was die Wirtschaft betrifft, so ist unser Handel mit Asien sprunghaft
gestiegen. Im vorigen Jahr erreichte er die Höhe von 60 Milliarden Dollar.
Japan, die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, ist ein Hauptelement in
diesem Handel. Japan als stabilen politischen und wirtschaftlichen Partner
der Koalition zu erhalten, die für das, was die Welt heute an Ordnung und
Fortschritt ausweist, so viel bedeutet, ist ein Gebot höchster Priorität für
die amerikanische Außenpolitik.
- Was das Politische anbetrifft, so finden wir eine Reihe unserer zuverlässigsten Verbündeten im pazifischen Becken, und wir sind feierliche Verpflichtungen eingegangen, ihnen bei der Aufrechterhaltung ihrer Sicherheit
zu helfen. Außerdem hat das, was in Asien geschieht, einen großen Einfluß
auf unsere Beziehungen zu der Sowjetunion.
Ganz eindeutig muß unsere Verteidigungsposition in Asien darauf abgestellt
sein, diese Interessen und die unserer Freunde und Verbündeten zu schützen und

- 2 -

i

�und bei der Erhaltung von Frieden und Stabilität mitzuwirken. Unsere Streitkräfte in Asien leisten hierzu einen entscheidend wichtigen Beitrag.
Genau so bedeutsam ist die Tatsache, daß unsere asiatische Verteidigungspolitik Teil unserer globalen Politik ist. Wir können nicht in Europa
stark und in Asien schwach sein. Vielmehr unterstützt unsere Stärke in Asien
unsere Stärke in Europa und umgekehrt. Es sind zwei Seiten der gleichen Münze.
Wir sind eine globale Macht mit globalen Aufgaben. Wir müssen bereit sein,
die

uns gestellt Aufgabe in Asien zu lösen, genau so wie wir bereit sind, sie

anderswo zu lösen.
Warum aber werden dann von anderer Seite unsere Absichten in Asien in Frage
gestellt? Es scheint dafür zwei Gründe zu geben:
- Erstens, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit hat sich während des
vorigen Jahres auf die sensationelleren und interessanteren Aspekte der
Verteidigungs- und Außenpolitik Präsident Carters konzentriert - auf das
strategische Gleichgewicht, den B-1-Bomber, die Marschflugkörper (Cruise
Missiles), die NATO und den Nahen Osten.
- Zweitens, der Teil unserer asiatischen Verteidigungsposition, dem man
die meiste Aufmerksamkeit zuwandte, war unser Plan, unsere Landstreitkräfte
aus Korea abzuziehen. Was wir dagegen tun, um unsere bereits sehr starken
Streitkräfte in dieser Region beizubehalten und zu verstärken, das hat in den
Zeitungen weniger Beachtung gefunden.
Lassen Sie mich auf diese beiden Punkte etwas detaillierter eingehen:
Erstens, wie kommt es, daß sich die Aufmerksamkeit so stark auf die
nicht-asiatischen Aspekte unserer Verteidigungsposition konzentriert hat?
Das liegt zum Teil daran, daß diese Position viele Aspekte hat.
So ist die

�So ist die

Sowjetunion natürlich unser schwierigstes nationales

Sicherheitsproblem. Sie hat ihre Kapazität zu einer weltweiten Machtprojektion
ständig erweitert und sich entweder selbst militärisch oder durch die Soldaten
anderer Länder in immer stärkerem Maße in den Entwicklungsländern engagiert.
Ihre Kernwaffen stellen die einzige direkte Gefahr für unser nationales
überleben dar. Die Sowjets haben ihre Nuklearstreitkräfte ständig verbessert
und dislozieren derzeit ihre vierte Generation von Interkontinentalraketen
der Typen SS-17, SS-18 und SS-19 - in einer Zahl von etwa 135 Stück pro Jahr.
Zur Zeit besteht ein ungefähres strategisches Gleichgewicht - was wir
als "Ausgewogenheit im Wesentlichen" bezeichnen - das heißt, keiner genießt
durch seine strategischen Streitkräfte einen militärischen oder politischen
Vorteil gegenüber den anderen. Da wir uns der sowjetischen Absichten nicht
sicher sein können, so besteht unser unmittelbares militärisches Anliegen
darin, sicherzugehen, daß dieses Kräfteverhältnis stabil bleibt, daß unsere
Kapazitäten den sowjetischen weder faktisch nachstehen noch als unterlegen
angesehen werden. Daher planen wir die Entwicklung der Marschflugkörper als Teil
unserer strategischen Streitkräfte zur Luft weiterzuführen; wir werden ferner
in Kürze mit der Dislozierung der Trident-Raketen beginnen und die Entwicklungsarbeiten an der mobilen Rakete beschleunigen und intensivieren.
Wir versuchen außerdem, das derzeitige Gleichgewicht zu erhalten und
zu stärken und das Wettrüsten durch Verhandlungen über Rüstungskontrollen
einzugrenzen. Ich glaube, daß wir bei den SALT-Verhandlungen Fortschritte
in Richtung auf dieses Ziel machen. Berücksichtigt man die fundamentale
Bedeutung, die dem strategischen Gleichgewicht zukommt, so kann der Nachdruck,
den wir darauf und auf mit ihm in Zusammenhang stehende Fragen gelegt haben,
kaum als "fehl am Platze" bezeichnet werden.
In ähnlicher Weise hat sich unser Augenmerk im vorigen
konzentriert. Auch das ist durchaus angebracht, denn Europa
sowjetische Bedrohung mit konventionellen Waffen am größten
Anwachsen der sowjetischen konventionellen Kapazität in den
- 4 -

Jahr auf Europa
liegt dort, wo die
ist. Hier hat das
letzen Jahren

�Jahren die am meisten beunruhigende Bedrohung des Gleichgewichts zwischen
der NATO und dem Warschauer Pakt geschaffen. Außerdem aber ist es das Gebiet,
in dem die Vereinigten Staaten ihrerseits ihren Beitrag während unseres
zehnjährigen Engagements in Südostasien reduzieren mußten. Als Antwort auf
die sowjetische Bedrohung mußten die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um unsere Streitkräfte in der
NATO zu verstärken. Aber ein derartiges Schwergewicht auf der einen Seite
geht nicht zu Lasten unserer anderen Verpflichtungen und Programme. Wir
erweitern zwar unsere militärischen Kapazitäten in Europa, aber wir reduzieren deshalb unsere Stärke an anderen Orten nicht.
Und schließlich stellt der Nahe Osten und der Persische Golf die
amerikanische Politik vor gewaltige Aufgaben. Es steht hier außerordentlich
viel auf dem Spiel. Jahrelang ist dies ein Gebiet voller Unruhe und Unbeständigkeit gewesen - und die ständigen Zusammenkünfte der Staatschefs und
Außenminister haben natürlich auch viel dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit
der Öffentlichkeit auf dieses Gebiet zu lenken.
Weil in diesem Gebiet die größten Ölquellen der Welt liegen, ist die
Sicherheit des Nahen Ostens und des Persischen Golfs von unserer eigenen
Sicherheit sowie der der NATO und unserer Verbündeten in Asien nicht zu
trennen. Japan, beispielsweise, importiert 80 Prozent seines Öls aus diesem
Gebiet. Wir werden die ölproduktion und seinen Transport an die Verbraucherstaaten schützen, ohne daß feindliche Mächte sich einmischen können. Wir
sind ferner verpflichtet, bei der Suche nach einem gerechten Frieden im Nahen
Osten mit angemessener Sicherheit für Israel mitzuhelfen.
Diese Dinge sind wichtig. Aber die Aufmerksamkeit, die wir dem
strategischen Gleichgewicht, der NATO und dem Nahen Osten haben zuteil werden
lassen, ist - zumindest

soweit es diese Administration betrifft - nicht auf

Kosten unserer Position in Asien gegangen.
Das bringt mich auf

�»

Das bringt mich auf meinen zweiten Punkt zurück - warum hat sich die
Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, wenn unsere Verteidigungsposition in
Asien Schlagzeilen machte.,

so sehr unseren Plänen für einen Abzug der

Landstreitkräfte aus Korea zugewandt und nicht auf das, was sonst noch in
dieser Region geschieht und was wir sonst dort noch tun?
Auch hier dürfte die Antwort auf der Hand liegen: Der geplante Abzug
der Landstreitkräfte ist etwas "Neues", während es die Konstanz unserer
Verpflichtung nicht ist.
Und wir entfernen ja sozusagen aus dem Zentrum des Schauplatzes ein
Element, das ein Viertel Jahrhundert lang einen prominenten Platz eingenommen
hat. Eine solche Veränderung kann verständlicherweise Unruhe in einem Gebiet
hervorrufen.
Lassen Sie mich Ihnen versichern, daß unser Abzugsprogramm sehr gründlich
sowohl in Washington als auch mit den Koreanern ausgearbeitet wurde. Es stellt
die Fortsetzung eines Prozesses dar, der im Jahre 1970 mit dem Abzug der einen
unserer beiden Divisionen in Korea begann. Das Programm hat die Unterstützung
des Chefs des Gemeinsamen Stabes und unserer Truppenkommandeure.
Wir können den Abzug unserer Landstreitkräfte planen, weil wir überzeugt sind, daß sich die Verhältnisse auf der koreanischen Halbinsel soweit
geändert haben, daß für die Vereinigten Staaten keine Notwendigkeit mehr
besteht, ihre Landstreitkräfte auf unbegrenzte Zeit in Korea zu belassen.
Südkorea hat sich zu einem modernen Staat von eindrucksvollen militärischen
und wirtschaftlichen Dimensionen gewandelt. Auch Nordkorea hat beeindruckende
militärische Kapazitäten entwickelt, aber der Süden ist weitaus dynamischer,
und seine wirtschaftliche Überlegenheit nimmt weiterhin zu. Im letzten Jahrzehnt hat Südkorea in wirtschaftlicher Hinsicht Nordkorea klar überholt was die Steigerung der Arbeitsproduktivität, die Übernahme moderner Technologie und den Aufbau einer internationalen finanziellen Macht anbetrifft. Südkoreas
Bruttosozialprodukt hat sich im letzten Jahrzehnt verdreifacht und hat eine

- 6 -

«

�eine Wachstumsrate, die 50 Prozent höher ist als die des Nordens, auch sein
Pro-Kopf-Einkommen hat das des Nordens weit hinter sich gelassen. Der Süden hat
die Grundindustrien - wie Stahl, Schiffbau, Elektronik, Petrochemie - aufgebaut, die für die Inganghaltung eines modernen Militärapparates von entscheidender Wichtigkeit sind. Seine Kreditwürdigkeit steht außer Zweifel,
und es hat einen weitaus besseren Zugang zu modernen Formen der Technologie
als der Norden. Das alles zeugt für die Stärke, den Unternehmungsgeist und die
Entschlossenheit des koreanischen Volkes.
Die Südkoreaner haben nicht nur diese wirtschaftlichen Großtaten vollbracht, sie haben auch einen unbedingten Einsatz für die Erhaltung ihrer
Unabhängigkeit und militärischen Sicherheit gezeigt. Dies ist für jeden
klar ersichtlich, der heute Südkorea besucht. Der Anteil ihrer Ressourcen,
die für die nationale Verteidigung zur Verfügung gestellt werden, hat sich
von rund vier Prozent zu Anfang der siebziger Jahre auf fast sieben Prozent
im Jahre 1977 erhöht, ein erheblich größerer prozentualer Anteil als wir
oder unsere europäischen Verbündeten ihn aufbringen. In absoluten Zahlen
wandte die Republik Korea im Jahre 1977 rund 2 Milliarden Dollar für die
Verteidigung auf - sechs mal so viel wie im Jahre 1970. In diesem Jahrzehnt
haben sie die Verantwortung für die entmilitarisierte Zone übernommen und
praktisch auch für die gesamte Vorneverteidigung ihrer Nation, sodaß die
noch dort befindliche amerikanische Division in Reserveposition gehalten wird.
Kurzum, die Koreaner sind fähig und willens, ihr Land zu verteidigen. Was
aber genau so wichtig ist, die Situation hat sich im Verlauf des letzten
Jahrzehnts im übrigen Asien ebenfalls in dramatischer Weise verändert. Das
nicht-kommunistische Asien hat sich in eindrucksvoller Weise weiterentwickelt;
die kommunistisehen Nationen sind gespalten und verfeindet:
Die wachsende militärische Kapazität der Sowjets und der Chinesen ist
weitgehend in kräftebindender und feindseliger Weise gegeneinander gerichtet.
Keines der beiden Länder hat eine besondere Fähigkeit gezeigt, die militärische
Macht zu einem bemerkenswerten politischen Vorteil und Gewinn in Asien ZJJ

- 7 -

�zu nutzen. Ihre ideologische Anziehungskraft für andere Nationen in Asien
ist geschwunden. Ihr Streit hat die Wahrscheinlichkeit drastisch reduziert,
daß wir einen Krieg in Asien entweder gegen China oder gar gegen beide die Sowjetunion und China - zu führen haben werden. Wir gehen bei unseren
Planungen für die Streitkräfte nicht mehr länger von der Annahme eines
möglichen Landkrieges gegen China in Asien aus.
- Zweitens, die Verbesserung der amerikanischen Beziehungen zur Volksrepublik China kennzeichnete das Ende unserer Konfrontation mit dem Lande
mit der größten Bevölkerungszahl der Welt. Wir sind der Oberzeugung, daß
die Fortsetzung effektiver Beziehungen zu China das Interesse dieses Landes
an der regionalen Stabilität stärken wird. Wir erwarten mit der Zeit eine
Normalisierung unserer diplomatischen Beziehungen zu China, um das bereits
erreichte noch weiter festigen zu können. Wir sind überzeugt, daß es andere
Probleme in der Welt gibt, bei denen wir zusammenarbeiten können.
- Drittens, Japans Wirtschaftswunder hat diesem Lande einen großen
regionalen und weltweiten Einfluß verschafft. Die amerikanisch-japanischen
Sicherheitsbeziehungen un&lt;i die enge Freundschaft unserer beiden Nationen,
sind von fundamentaler Bedeutung für unsere Position in Asien. Dies hat
beide Länder in die Lage versetzt, im Interesse von Frieden und Stabilität
zusammenzuarbeiten. Unser Schutzschirm hat es Japan ermöglicht, in zunehmendem
Maße eine konstruktive Rolle in diesem Gebiet zu spielen, während es im Rahmen
des Bündnisses bedeutsame, aber rein defensive Kapazitäten aufgebaut hat.
- Viertens, nach dem Zusammenbruch Südvietnams und Kambodschas gab es in
Südostasien große Befürchtungen einer unaufhaltsamen kommunistischen Woge.
Man dachte, daß der Elan der nordvietnamesischen Eroberer sich in irgend einer
Form in Siege der Insurgenten In Thailand und sonstwo umsetzen würde. Aber
was geschah? Vietnam, Laos und Kambodscha befinden sich in tiefer wirtschaftlicher
Not. Ja, es ist so, daß historische Feindseligkeiten und Nationalgefühle
rasch wieder aufgetaucht sind, was zu wiederholten ernsten Zusammenstößen zwischen
Vietnam und Kambodscha geführt hat. Die nicht-kommunistischen Nationen Südost-

- 8 -

�Südostasiens hingegen erfreuen sich einer Periode der wirtschaftlichen
Entwicklung und wir sind durch die wachsende Vitalität des Zusammenschlusses
südostasiatischer Nationen - ASEAN - ermutigt. Die nicht-kommunistischen
Länder Asiens haben auch einen gesunden und kontrollierten Nationalismus
und eine Entschlossenheit an den Tag gelegt, jedem Druck von außen zu
widerstehen.
Kurz gesagt, die Situation, die wir in Asien vorfinden, unterscheidet
sich wesentlich von der in Europa. In Europa liegen die Bindungen fest, mit
den sowjetischen Streitkräften und ihren Verbündeten auf der einen und den
Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten auf der anderen Seite. Das
militärische Kräfteverhältnis läßt sich leichter messen. Während in Europa
die militärische Kapazität der Sowjets gewaltig und auf einen Punkt gerichtet
ist, ist in Asien die Bedrohung der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
zwar ebenfalls real, aber diffuser. Freund und Feind sind nicht immer klar
auseinanderzuhalten. Das Wechselspiel der Mächte ist fließender. Dementsprechend sind unsere Verteidigungserfordernisse zwar weniger anspruchsvoll
als in Europa, aber in vielen Fällen aufgrund der politischen Faktoren
viel komplexer.
Die Situation in Asien ist für unsere Interessen heute günstiger als in
der Vergangenheit. Wir wollen dafür sorgen, daß diese Verhältnisse bestehen
bleiben. Wir unterhalten daher große Streitkräfte im Westpazifik. Dazu gehören
Bomber vom Typ B-52, Raketenunterseeboote, neun taktische Kampfstaffeln der
US-Luftwaffe, zwei Flugzeugträger, 20 Kreuzer und Zerstörer, zwei Drittel einer
Division des Marinekorps und ein Flugzeuggeschwader des Marinekorps.
Der Präsident hat beschlossen, daß die Vereinigten Staaten, mit Ausnahme
des geplanten Abzuges aus Korea, diesen gegenwärtigen Stand der Kampfverbände
in Asien aufrechterhalten werden. Wir vernachlässigen auch nicht die Möglichkeit, daß viele im Westen (der USA) stationierte Streitkräfte in einem Ernstfall ebenso in Asien disloziert werden könnten wie in Europa. Das ist der Grund,
warum wir gemischte, nichtstrategische Streitkräfte mit all der Flexibilität,
- 9 -

�Flexibilität, die solche Streitkräfte bieten, unterhalten.
In den nächsten fünf Jahren werden wir unsere Streitkräfte in dieser
Region auch durch die Einführung verschiedener moderner Waffensysteme stärken,
wie durch TRIDENT-Nuklearraketen für unsere Unterseeboote, Marschflugkörper
für unsere Bomber vom Typ B-52, Kampfflugzeuge vom Typ F-14 für unsere
Flugzeugträger, Flugzeuge vom Typ F-15 für unsere Luftwaffe, das Frühwarnund Leitsystem AWACS und andere Verbesserungen. Wir werden den Umfang unserer
Pazifikflotte aufrechterhalten und sie in dem Maße, wie es unser Schiffbauprogramm erlaubt, modernisieren und vergrößern.
Wir führen noch andere verteidigungsbezogene Maßnahmen durch, um zur
Erhaltung des Friedens und der Stabilität beizutragen. In Korea planen wir
den Abzug unserer Landstreitkräfte dadurch auszugleichen, daß wir Südkorea
durch die Lieferung des notwendigen Geräts für die koreanischen Streitkräfte
und die Ausweitung von Krediten zum Kauf zusätzlichen militärischen Geräts
dabei helfen, seine eigenen Streitkräfte zu verbessern. Wir haben Gesetzesvorlagen in diesem Sinne im Kongreß eingebracht, und ich werde übermorgen
zur Begründung dieser Gesetzesvorlagen aussagen. Wir werden ferner unsere
Luftstreitkräfte in Korea auf unbegrenzte Zeit aufrechterhalten und werden
sie zahlenmäßig noch vor Ende dieses Jahres verstärken.
Anderswo in dieser Region befinden wir uns in aktiven Verhandlungen mit
den Philippinen, in dem Versuch, ein befriedigendes Abkommen über unsere
Stützpunkte zur Stabilisierung und Stärkung unserer Präsenz dort auszuhandeln.
Wir haben ferner stetig daran gearbeitet, im Rahmen unseres gegenseitigen
Sicherheitsvertrages zu einer noch engeren Verteidigungszusammenarbeit zu
gelangen.
Warum, so mögen Sie fragen, sind diese Verbesserungen notwendig, vor allem,
wenn die Situation in Ostasien und im Pazifik so günstig ist, wie ich dies
gerade angedeutet habe?
Lassen Sie mich die
- 10 -

�Lassen Sie mich die Beantwortung dieser Frage mit der Feststellung
beginnen, daß die Situation

in Asien zwar heute günstig ist, daß es jedoch

keine Gewähr gibt, daß sie so bleiben wird - vor allem, wenn wir Asien
ignorieren, unsere dortige Kapazität verringern und unsere Aufmerksamkeit anderswo konzentrieren sollten.
Es gibt in Asien große Ungewißheiten, die den künftigen Frieden in
Asien und in Europa bedrohen könnten. Das Gleichgewicht, das sich in
Ostasien in diesem Jahrzehnt herausgebildet hat - in dem die Vereinigten
Staaten, die UdSSR, die Volksrepublik China und Japan die wichtigsten Rollen
spielen - ist nicht nur für Asien von Vorteil, sondern trägt auch zur
Aufrechterhaltung des Gleichgewichts in Europa bei.
Dieses Gleichgewicht braucht jedoch nicht notwendigerweise auf Dauer
zu bestehen. Die militärische Stärke der Sowjetunion in Asien und im Pazifik
wächst ständig. Es ist möglich, daß in den sino-sowjetischen Beziehungen
Änderungen von fundamentaler strategischer Bedeutung eintreten. Nordkorea
ist immer ein Element der Unsicherheit, das den Frieden auf der Halbinsel
stören und die Großmächte hineinziehen könnte. Die wirtschaftliche Entwicklung der weniger entwickelten nicht kommunistischen Länder in dieser
Region könnte zusammenbrechen. Vietnam könnte eine Politik gegen seine nichtkommunistischen Nachbarn einschlagen. Wenn wir nicht Asien geben, was Asiens
iat, wenn wir nicht die notwendigen Streitkräfte ebenso wie eine ausreichende
wirtschaftliche und politische Stärke in dieser Region aufrechterhalten, um
uns vor diesen Ungewißheiten zu schützen, dann könnte sich das günstige
politische Kräfteverhältnis, das wir heute in Asien vorfinden, rasch verschlechtern.
Unsere weitere militärische Präsenz in diesem Gebiet - zusammen mit unseren
gegenseitigen Verteidigungsverträgen mit unseren Hauptverbündeten in dieser
Region - bietet nicht nur einen Schutz vor künftigen Ungewißheiten, sondern
erhöht auch die Wahrscheinlichkeit eines anhaltenden Friedens in Asien ganz
wesentlich. Unsere militärische Präsenz erhöht die politischen Hemmungen
- 11 -

�Hemmungen potentieller Gegner und dient als Abschreckung. Sie bietet ferner
ein wichtiges psychologisches Element der Sicherheit für befreundete
Länder. So bringt unser enges Bündnis mit Japan Stetigkeit in die japanische
Diplomatie , trägt zu einer aufblühenden Demokratie in Japan bei und fördert
eine konstruktive japanische Rolle in Asien. In ähnlicher Weise sind die
Länder des ASEAN-Paktes der Überzeugung, daß unsere weitere militärische
Präsenz in dem Gebiet einen wichtigen stabilisierenden Faktor bildet.
Unsere militärische Präsenz zwingt auch unseren potentiellen Gegnern
bestimmte defensive Überlegungen auf. Die sowjetische Pazifikflotte muß immer
mit dem Gedanken an die Siebte Amerikanische Flotte operieren. Wenn wir einen
wesentlichen Teil der amerikanischen Pazifikflotte abziehen, - oder darauf
verzichten, unsere Streitkräfte in dem Maße zu verbessern, wie die sowjetischen Streitkräfte verbessert werden - dann würde das militärische und
politische Potential der sowjetischen Pazifikflotte beträchtlich erhöht.
Und schließlich sind wir, wie ich bereits vorhin gesagt habe, und was
das wichtigste ist, eine pazifische Macht - mit lebenswichtigen Interessen
und feierlichen Verpflichtungen in dieser Region. Unsere militärische
Präsenz und die geplante Verbesserung unserer Streitkräfte sollen dazu
dienen, unbedingt sicherzustellen, daß wir über die Kapazität verfügen, um
diese Interessen weiterhin zu schützen und unsere Verpflichtungen weiter
einhalten zu können. Wir können uns darum nicht herumdrücken, und wir können
unsere Verantwortung für die Aufrechterhaltung des Friedens in diesem Gebiet
nicht abschütteln. Aus diesen Gründen werden wir unsere Streitkräfte in Asien
noch einige Zeit dort brauchen. Das muß jeder begreifen. Der Präsident und
seine Administration begreifen es, und wir werden entsprechend handeln.

+ + + + +

�7

8. März 1978

USA FORDERN INTERNATIONALE BEGRENZUNG DER EXPORTSUBVENTIONEN
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten John J. Harter

WASHINGTON - (AD) - Die Regierung Carter tritt für die Einführung eines
internationalen Kodex zur Begrenzung staatlicher Exportförderungsmaßnahmen
ein. Ein solcher Kodex käme der gesamten Weltwirtschaft zugute, weil damit
die Gewähr geschaffen wäre, daß staatliche Zuwendungen zur Stärkung der Ausgangsposition gewisser Exporteure eingestellt würden, erklärten zwei amerikanische Regierungsvertreter am 23. Februar 1978 vor einem Kongreßausschuß.
Die Ausfuhrbeihilfen, mit denen die Europäische Gemeinschaft den Export
gewisser Agrarprodukte fördert, stellen ein nicht-tarifäres Handelshindernis
und eine Behinderung der amerikanischen Agrarausfuhren dar, wie Dale Hathaway,
Unterstaatssekretär für Internationale Angelegenheiten und Rohstoffprogramme
im amerikanischen Landwirtschaftsministerium dem Ausschuß darlegte. Unterstaatssekretär für Industrie- und Handelsfragen im US-Handelsministerium,
Frank A. Weil, berichtete dem Ausschuß, daß die amerikanischen Einfuhren in
den letzten Jahren einen in der gesamten Wirtschaftsgeschichte bisher einmaligen Umfang erreicht hätten, der es dringend erforderlich macht, der Ausfuhrförderung höchstmögliche Priorität zuzuerkennen.
Senator

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Senator Adlai Stevenson, Vorsitzender des Ausschusses, betonte in diesem
Zusammenhang, die Vereinigten Staaten müßten die Programme zur Stärkung der
amerikanischen Ausfuhren - darunter auch die Exportförderungsmaßnahmen der
Export-Import-Bank und der Gesellschaft zur Rohstoffkreditfinanzierung (Commod
ity Credit Cooporation) - stärker als!bisher bezuschussen.
"Dies sind sehr heikle Fragen," versicherte Unterstaatssekretär Weil,
"die sich auch auf die Außenpolitik auswirken.

Deshalb bedarf es, meiner Auf-

fassung nach .klarer Definitionen der einschlägigen Begriffe - die sich mit
großer Wahrscheinlichkeit aus der Tokio-Runde ergeben werden. "Wir sollten",
fuhr er fort, "nach meinem Dafürhalten bei der Anwendung der Bestimmungen des
US-Handelsgesetzes von 1974 eine aggressivere Haltung einnehmen.

Das Gesetz

ermächtigt den Präsidenten, Schutzzölle oder Antidumpingabgaben zu verhängen,
um heimische Produzenten vor dem unfairen Wettbewerb von staatlich subventionierten Exporteuren aus anderen Ländern zu schützen.

Wir sollten uns aber

davor hüten, zu ebenso unfairen Handelspraktiken überzugehen."
Ein Vertreter der amerikanischen Privatwirtschaft erklärte vor dem Ausschuß, die Regierung solle es als ihre Aufgabe ansehen, die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Exporteure zu stärken, "wobei jedoch Ausfuhrbeihilfen
nicht die richtige Antwort sind."
"Die amerikanischen Steuerzahler sind nicht gewillt, Unternehmen zu bezuschussen, damit sie ihre Produkte in Übersee zu Niedrigpreisen absetzen
oder höhere Gewinne einheimsen können," so erklärte Professor C. Michael Aho,
Wirtschaftswissenschaftler an der George Washington-Universität in Washington
D.C. "Staatliche Beihilfen sollten vielmehr zu dem Zweck gewährt werden, die
Arbeitsproduktivität zu steigern und die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen
Industrie zu stärken."
Unterstaatssekretär Weil stellte in einem Rückblick auf die Entwicklung
des amerikanischen Exports im Jahr 1977 folgende Fakten besonders heraus:
- Die

�- Die 4,6prozentige Zunahme der amerikanischen Ausfuhren im Jahre 1977
war die geringste seit 1971,und der Anteil der Vereinigten Staaten an den
Weltausfuhren insgesamt wie auch an den Ausfuhren an Fertigwaren ist weiter
stark rückläufig.
- Besonders starke Einbußen erlitten die amerikanischen Ausfuhren auf
ihren traditionellen Märkten wie Kanada, Japan und Lateinamerika, weil diese
zu den Einfuhrmärkten mit den niedrigsten Wachstumsraten zählten.
- Kapital guter bestreiten den Hauptanteil an den Ausfuhren der amerikanischen Fertigungsindustrie und damit auch an der amerikanischen Außenhandelsbilanz, so daß sich das Ausbleiben einer stärkeren Nachfragebelebung bei
Kapitalgütern im Ausland negativ auf die Steigerung der amerikanischen Ausfuhren auswirkte.
- Die Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer
Erzeugnisse wäre geeignet, den Anteil der USA am Weltexport von Gütern der
Fertigungsindustrie zu steigern oder zumindest zu stabilisieren.

+ + + + +

- 3 -

�8. März 1978

7

CARTERS REISE SOLL BEZIEHUNGEN ZU LATEINAMERIKA UND AFRIKA FESTIGEN
Von unserem Korrespondenten Alexander M. Sullivan

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter wird auf seiner Reise nach Südamerika und Afrika in der Zeit vom 28. März bis 3. April 1978 Venezuela,
Brasilien, Nigeria und Liberia besuchen.
Wie der Berater des Präsidenten für Fragen der nationalen Sicherheit,
Dr. Zbigniew Brzezinski, am 24. Februar in Washington erklärte, dient die
Reise Carters dem Bemühen der amerikanischen Politik "sich auf die neuen
Realitäten in der Außenpolitik einzustellen - nämlich das Auftreten neuer,
aus regionalen oder globalen Gründen wichtiger Mächte, deren Stimmen in den
internationalen Gremien neuen Einfluß gewonnen haben."
Präsident Carter wird auf seiner Reise zwei größere Reden halten.
Die eine bei seinem Aufenthalt in Caracas vor dem Kongreß Venezuelas wird
sich vor allem mit dem Verhältnis zur südlichen Hemisphäre befassen und
wahrscheinlich auch auf die besonderen Beziehungen zwischen Verbraucherund Erzeugerstaaten im Nord-Süd-Verhältnis eingehen.
Seine

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Seine zweite Rede wird Carter in Lagos in Nigeria halten.

Sie wird

die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Afrika und das Verhältnis
zwischen den afrikanischen Nationen und den Vereinigten Staaten zum Thema
haben.
Mit seinen Besuchen holt der Präsident jenen Abschnitt seiner schon im
vorigen Jahr geplanten und durchgeführten Reise nach, der gestrichen worden
war, weil Carter damals während der Beratungen des Kongresses über die Energiegesetzvorlage nicht von Washington abwesend sein konnte.
Wie Brzezinski weiter ausführte, wird der amerikanische Präsident mit
den Staatsmännern der genannten Länder internationale und regionale Probleme sowie bilaterale Angelegenheiten erörtern.
In Venezuela, das Brzezinski als ein "bedeutendes und demokratisches
Land" bezeichnete, das sowohl in regionalen und internationalen Fragen eine
"immer wichtigere Rolle" spiele, werde Carter auch über die Frage sprechen,
welche Möglichkeiten es für

eine Verbesserung der Förderung der Menschen-

rechte auf der gesamten westlichen Hemisphäre gebe.
Carter wird bei seinem Aufenthalt in Venezuela am 28. und 29. März mit
dem venezolanischen Präsidenten Carlos Andres Perez auch die Frage anschneiden, wie die Weiterverbreitung von nuklearem Waffenmaterial eingedämmt werden kann und die Probleme zwischen Erzeuger- und Verbraucherländern sowie
die internationale Energiesituation und die Frage des ölpreises erörtern.
Außerdem werden regionale und internationale Probleme und die Zusammenarbeit in der Karibik zur Sprache kommen. Es wird übrigens das dritte mal
sein, daß Carter mit Perez zusammentrifft.
Brzezinski wies in diesem Zusammenhang auf die aktive Rolle hin, die
Venezuela - eines der Gründungsmitglieder der Organisation Erdölexportierender Länder (OPECJ - bei den Bemühungen um eine Lösung des Belize-Problems
und dem Bestreben Boliviens, einen Zugang zum Meer zu erhalten, gespielt hat.
Anschließend
- 2 -

�Anschließend wird der amerikanische Präsident nach Brasilien reisen,
der einzigen südamerikanischen Nation, deren Soldaten Seite an Seite mit
amerikanischen Truppen während des Zweiten Weltkrieges gekämpft haben.

Carter

wird am 29. März Brasilia und am 30. und 31. März Rio de Janeiro besuchen.
Themen seiner Gespräche mit dem brasilianischen Präsidenten Ernesto Geisel,
mit dem er zum erstenmal zusammentreffen wird, werden die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffenmaterial, Energiefragen, handelspolitische Probleme und
die politischen Entwicklungen auf der westlichen Hemisphäre sowie die Frage
der Menschenrechte sein.
Auf seiner Afrikareise wird Präsident Carter zuerst nach Nigeria kommen und sowohl die Hauptstadt des Landes, Lagos }als auch die im Norden gelegene Stadt Kano, mit ihrer in ethnischer, religiöser und sozialer Hinsicht
sehr unterschiedlichen Bevölkerung besuchen.

Von nigerianischer Seite war

der dringende Wunsch geäußert worden, daß Carter beide Gebiete des Landes besuchen möchte.
Nigeria spielt nach den Worten Brzezinskis eine wichtige Rolle als Vermittler in regionalen afrikanischen Streitfällen, unter anderem auch im Konflikt zwischen Äthiopien und Somalia und den Spannungen im südlichen Afrika.
Brzezinski hob in diesem Zusammenhang die konstruktive Rolle hervor, die
Nigeria bei den anglo-amerikanischen Vorschlägen für dieses Gebiet gespielt
hat und verwies auf das große Ansehen, das das Land in der Organisation für
Afrikanische Einheit (OAU) genießt. Nigeria ist derzeit Mitglied des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen und gehört der OPEC an.
Mit dem nigerianischen Präsidenten, General Olusegun Obasanjo, wird
Carter über allgemeine Probleme der Weltwirtschaft, den öl preis und Fragen
im Zusammenhang mit der Seerechtskonferenz sprechen.
Ein weiteres wichtiges Thema wird der Konflikt zwischen Äthiopien und
Somalia sein und die Frage, wie er am besten gelöst werden und eine Einmischung
sowjetischer und kubanischer Truppen in afrikanische Angelegenheiten verhindert

- 3 -

�verhindert werden kann.

Washington, so erklärte Brzezinski, trete für eine

friedenstiftende Rolle der Organisation für Afrikanische Einheit ein.
Der amerikanische Präsident wird am 31. März in Lagos eintreffen, wo
ihm am 1. April ein offizieller Empfang bereitet werden wird.

Am 2. April

wird er nach Kano reisen und am 3. April nach Lagos zurückkehren, um von dort
nach Liberia weiterzufliegen.
In Liberia, das Brzezinski als einen der ältesten Freunde der USA in
Afrika bezeichnete - die Beziehungen gehen bis auf das Jahr 1882 zurück wird Carter die Gelegenheit eines kurzen Aufenthalts benutzen, um mit seinem
Präsidenten, William Tolbert, die bilateralen Beziehungen, Investitionsprobleme und Fragen der regionalen Sicherheit sowie der westafrikanischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu erörtern.

+ + + + +

�6. März 1978

7

WIRTSCHAFTSINTERESSEN IN DER ANTARKTIS
USA fordern internationales Statut zum Schutz des Ökosystems

- (AD) - Lange Zeit war die Antarktis die Domäne der Wissenschaftler,
deren Rechte auf Freizügigkeit in der gesamten Region der Antarktis-Vertrag
von 1959 garantiert. In zunehmendem Maße findet jetzt jedoch das Gebiet
wegen seines vermuteten Reichtums an Ressourcen auch wirtschaftliches Interesse. Dieses konzentriert sich derzeit primär auf Fischbestände und andere
Formen von Nahrungsreserven in den Randmeeren, insbesondere Kri11, während
Bodenschätze weniger im Vordergrund stehen.
Im Jahr 1979, zum 20. Jahrestag der Unterzeichnung des Antarktisvertrags in Washington, werden die Vereinigten Staaten Gastgeber für die
10. Konferenz der Konsultativmächte sein. Bis dahin befassen sich multinationale Gremien der Vertragspartner auf sechs bis sieben Konferenzen mit
speziellen Fragen, beispielsweise der Verbesserung der Nachrichtenverbindungen zum Weißen Kontinent, aber auch mit dem Arbeitspaket für die noch in
diesem Jahr abzuhaltende "Entscheidungs-Konferenz", auf der ein Statut zum
Schutz der antarktischen Lebenswelt und der Nahrungsreserven formuliert
werden soll. Es wird eine Konferenz auf diplomatischer Ebene sein, an der
nicht nur die Konsultativmächte, d.h. die Partnerstaaten des Antarktisvertrages, sondern auch andere Länder mit direkten Interessen an den Nah-

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Nahrungsreserven in der Antarktis sowie internationale Organisationen als
Beobachter teilnehmen.

Eine Vorstufe ist die gegenwärtig (vom 27. Februar

bis 16. März 1978) in Canberra (Australien) tagende Sonderkonferenz der
Konsultativmächte.
Der Standpunkt der Vereinigten Staaten im Fragenkomplex "Antarktis"
wurde kürzlich vor einem Unterausschuß des Außenpolitischen Ausschusses des
Senats von Patsy Mink, Unterstaatssekretärin im US-Außenministerium für Angelegenheiten der Meere und für internationale Umwelt- und Wissenschaftsfragen, dargelegt.

Den Ausführungen der Unterstaatssekretärin zufolge wird

die Antarktis-Politik der USA von zwei Erwägungen bestimmt:

1. Schutz der

Umwelt und Bewahrung des Ökosystems vor ungebührlicher Schädigung sind von
größter Bedeutung.

2. Falls die Ressourcen jemals ausgebeutet würden,

müßten diese klug genutzt und unter geeigneten Umweltschutzmaßnahmen entnommen werden.
Daß dieser Standpunkt von den anderen elf Vertragspartnern geteilt
wird, zeigen die Empfehlungen zur Frage der mineralischen Rohstoffe, die
auf der 8. und 9. Konsultativkonferenz angenommen wurden. Sie befürworten die rechtzeitige Schaffung eines internationalen Statut, das eine mögliche Nutzung der Ressourcen regelt, und ersuchen interessierte Länder
dringend, in der Zwischenzeit Zurückhaltung bei der kommerziellen Nutzung
zu üben.
Einer der Grundsätze, die in das Statut aufgenommen werden sollen,
betrifft das Ökosystem der antarktischen Meere angesichts der Möglichkeit,
daß dort Fischerei im großen Stil betrieben wird. Sie könnte nämlich das
gesamte Ökosystem gefährden. Die Meere um die Antarktis sind biologisch
sehr produktiv. Unkontrollierte Fangtätigkeit hat jedoch bereits die Walund Robbenbestände stark dezimiert. In den sechziger Jahren richtete sich
die Aufmerksamkeit sowohl der Wissenschaftler als auch der Fischereiexperten
auf den in großen Mengen vorkommenden Krill - kleine, garneeienartige Krebse
(Euphausia), von denen sich auch die Großwale ernähren. Eine Krillart,

- 2 -

�Krillart,Euphausia Superba, bildet an oder nahe der Wasseroberfläche
dichte Schwärme.

Dieser Umstand und der hohe Eiweißgehalt des Krills ma-

chen diese Krebsart zu einem begehrenswerten Objekt für kommerzielle Fangexpeditionen, um sie dem Konsum direkt zuzuführen oder Fischmehl daraus
herzustellen.

Auch bestimmte Fischarten sowie Tintenfisch scheinen ergie-

bige Fänge zu gewährleisten.
Als erste sondierten sowjetische und japanische Fangschiffe die antarktischen Meere. In letzter Zeit haben sich Expeditionsschiffe anderer
Länder zu ihnen gesellt, insbesondere der Bundesrepublik Deutschland, die
nicht Mitglied des Antarktisvertrages ist, und Polens. Auch Südkorea plant
für Ende 1978 eine Krill-Expedition. Die Schätzungen über die Krillmengen
- sie bewegen sich zwischen einigen 10 Millionen und weit über 100 Millionen Tonnen pro Jahr - machen im Verein mit freiem Fischfang in fernen Gewässern den kommerziellen Fang angesichts der Beschränkungen innerhalb der
200-Meilen-Zonen wahrscheinlich, und dies wohl eher früher als später.
Aber es gibt bisher wenig Erfahrungen mit dem Massenfang von Krill,
der in der Nahrungskette weit vornean steht und eine so zentrale Rolle im
Ökosystem der Meere spielt. Dieses ist in der Antarktis wegen der extremen
Umweltbedingungen besonders fein ausbalanciert und den Verhältnissen angepaßt, so daß unkontrollierter Krillfang oder die Ausbeutung anderer SystemKomponenten unvorhersehbare und vielleicht nicht wieder gutzumachende Auswirkungen haben könnten.
Angesichts dieses Sachverhalts sehen die Vertragspartner den angemessenen Schutz der antarktischen Lebenswelt als vordringlich an, was im Empfehlungen zum Ausdruck kommt, die auf der 9. Konsultativkonferenz (19. September bis 17. Oktober 1977 in London) verabschiedet wurden. Sie besagen u.a.,
daß
1. ein wirksames System für den Schutz der antarktischen Reserven, einschließlich Krill, in Kraft sein sollte, ehe Fänge im großen Stil aufgenommen

�2. ein Schutzstatut die ganze Skala der Lebenswelt in der Antarktis
und damit des gesamten antarktischen Ökosystems erfassen solle;
3. das Schutzstatut in eine internationale Konvention einzubinden
sei und Vorkehrungen getroffen werden müssen, daß an den Verhandlungen die
Konsultativmächte, andere Länder mit direkten Interessen an den betreffenden Ressourcen und zuständige internationale Organisationen teilnehmen.
Das Statut, das Teil des Vertrages würde, hätte feste Zielsetzungen und
würde die Verpflichtungen, Funktionen und den erforderlichen Apparat zu
deren Erfüllung umreißen.
Mit dem Schutzstatut sollen alle Spezies erfaßt werden, die noch nicht
in bestehende internationale Schutzabkommen (beispielsweise die Konventionen
über Walfang und über den Schutz der antarktischen Robben) aufgenommen sind.
Dadurch will man sicherstellen, daß jegliche Fangaktivität in der Antarktis
in Übereinstimmung mit vernünftigen Schutzprinzipien und Praktiken erfolgt.
Insbesondere soll jegliches überfischen von Antarktis-Gewässern verhindert
und gewährleistet werden, daß der Fang einer bestimmten Spezies die Population von ihr abhängiger oder verwandter Spezies nicht beeinträchtigt.
Das Ökosystem darf nicht durch Fangaktivitäten, welcher Art auch immer,
Schaden leiden.
Um dies zu erreichen, müßte das Schutzstatut Sorge tragen, daß grundlegende wissenschaftliche Daten über die Natur, die Wechselbeziehungen und
die Dynamik des marinen Ökosystems in der Antarktis gesammelt sowie die Bestände der Komponenten des antarktischen Nahrungsreservoirs quantitativ
bestimmt und der Umfang jeglicher Fänge aus diesen Beständen detailliert angegeben werden. Außerdem sind die schutzwürdigen Bestände zu identifizieren; für die Durchführung spezieller Schutzbestimmungen, einschließlich
einer Beschränkung von Fängen, müssen Vollzugsmaßnahmen entwickelt werden.
Das Schutzstatut soll reguläre und bleibende Funktionen haben, für deren
Durchführung ein wirksames organisatorisches System erforderlich ist.

Als

�Als wichtige Frage im Zusammenhang mit einer zufriedenstellenden Lösung des Problems sowohl der lebenden als auch der mineralischen Ressourcen
gilt die Behandlung der Rechtspositionen der Länder, die Hoheitsansprüche
stellen, und der Länder, die keine solchen Ansprüche stellen.

Wie die Fra-

ge der Souveränitätsrechte im allgemeinen behandelt wird, kommt im Antarktisvertrag bereits zum Ausdruck.

Aufgrund des Vertrages vertreten die USA den

Standpunkt, keinerlei Ansprüche auf Gebietshoheit in der Antarktis zu erheben
oder anzuerkennen.

Da der Vertrag die Frage der Ressourcen nicht erwähnt,

stellt sich angesichts möglicher Aktivitäten zur Inanspruchnahme von Ressourcen diese Frage jetzt in direkter Form.
Wie Patsy Mink vor dem Senatsausschuß betonte, sind die Vereinigten
Staaten zuversichtlich, daß Lösungen gefunden werden. In der amerikanischen
Antarktispolitik habe auch in Zukunft die gesicherte Beibehaltung des Systems
des Antarktisvertrags sowie die Bewahrung von Umwelt und Ökosystem in der
Antarktis Vorrang. Die USA konzentrieren sich ebenso wie ihre Partner im
Antarktisvertrag auf die Untersuchung von Fragen, die beispielsweise die
Festlegung von Standorten bzw. Gebieten betreffen, welche von besonderem
wissenschaftlichen Interesse, sind. Ihre Sorge gilt ferner Umweltproblemen
als Folge des zunehmenden Tourismus $wie Problemen, die sich aus der Exploration und dem Abbau von Mineral vorkommen ergeben könnten. Gleichzeitig
setzen die Wissenschaftler ihre Arbeit in der Antarktis im Geist der Zusammenarbeit fort, der bisher das Gütezeichen für den Antarktisvertrag gewesen
ist.

+ + + + +

- 5-

�fiifflan 11
I

3

Wi//en/choft
und Technik
United States Information Service

8. März 1978

PFLANZEN AUS WÜSTEN- UND REGENWALDZONEN
Neue Rohstoffquellen für Eiweiß und industrielle Rohstoffe

(AD) - Etwa 300 000 Pflanzenarten wurden bisher auf der Erde identifiziert. Knapp 2 000 davon gelten als Nutzpflanzen, von denen aber
nur etwa 50 in großem Umfang angebaut werden. So ist es nicht verwunderlich,
wenn Forscher bisher unbeachtete Pflanzen "entdecken", die die Nahrungsproduktion bereichern und der Industrie wertvolle Rohstoffe liefern
könnten.
Dazu gehört beispielsweise die Spargelbohne (auch Goa-Bohne genannt,
lateinische Bezeichnung Psophocarpus Tetragonolobus), die in Afrika, Südamerika und Sü'dostasien heimisch ist. Wie Dr. Christine Newell (Universität
Illinois) kürzlich auf der 144. Jahrestagung der AAAS (Amerikanische
Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften) vom 12. - 17. Februar 1978
in Washington berichtete, enthält sie reichlich Eiweiß und öl. Bei entsprechender Nutzung könnte sie sogar der Sojabohne Konkurrenz machen. Sie
würde dann auch besondere Bedeutung für die regenreichen Tropengebiete
erlangen, wo die Bevölkerung weitgehend auf Yamsbohne und Manickwurzel als
Eiweißquellen angewiesen ist. Gegenwärtig werden Verfahren entwickelt, die

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�die einen großflächigen Anbau der Spargelbohne und vereinfachtes Abernten
der rebenähnlichen Pflanzen sowie ihre kommerzielle Verwertung ermöglichen
sollen.
Keimplasma für die intensive Untersuchung von Wachstum und Nährwert
steht erst seit 1973 zur Verfügung. In der Zwischenzeit wurden außer in den
Vereinigten Staaten in Australien, Neuguinea, Bangladesch, Indien, Indonesien, Malaysia, Sri Lanka, Thailand, auf

den Philippinen, in Kolumbien,

Nigeria und Ghana Forschungsprogramme in Angriff genommen. In enger Zusammenarbeit mit zwei amerikanischen Stiftungen richtet z.Zt. die Universität
Florida ein Großprojekt für Anbau, Absatz und Verteilung von zwei Zuchtlinien der Spargelbohne ein, wofür in Kürze Saatgut in ausreichender Menge
zur Verfügung stehen wird.
Die Bohne wächst rasch und trägt reichlich. Ihre grünen Schoten, die
Blätter, die Kerne und die Wurzeln sind reich an Eiweiß und Vitaminen. Selbst
ihre Blüten, Stengel und Schößlinge sind genießbar. In der Volksmedizin
dient die Pflanze als wirksames Mittel zur Behandlung von Augen- und Ohrinfektionen. Aber trotz all dieser Qualitäten wurde sie bisher nur in PapuaNeuguinea und in Südostasien genutzt. Pflanzenbiologen bemühen sich jetzt
darum, Varianten mit speziellen, verbesserten Merkmalen zu züchten.
Für die industrielle Verwertung sind die Bohnenfrüchte des JajobaStrauches ("Simmondsia Californica", gelegentlich auch als Jojoba-Strauch
bezeichnet) interessant, der im Südwesten der USA und in Mexiko heimisch
ist. Die Sträucher und niedrigen Bäume wachsen auf leicht alkalischen Böden
an zerklüfteten Abhängen in der Sonora-Wüste in Arizona und in Südkalifornien.
Am besten gedeiht die Pflanze in Regionen, wo jährlich etwa 38 - 45 cm Regen
fallen. Sie verträgt starke Temperaturschwankungen (zwischen minus fünf und
plus 42 Grad Celcius) im Tag- und Nacht-Rhythmus oder im Wechsel der Jahreszeiten.
Die Forschung

�Die Forschung befaßt sich erst seit sechs Jahren mit ihr. Wie
Lemoyene

Hogan von der Universität Arizona auf der AAAS-Tagung erklärte,

könnte die Jajoba-Bohne wegen ihres Gehalts an Palmitinsäurecetylester
(C, 5H31C00-C,gH32» eine Verbindung mit Cetylalkohol) Ersatz für Walrat,
bzw. Walöl bieten. Dieses ungesättigte Wachs, aus den Kopfhöhlen des
Pottwals gewonnen, ist ein wertvoller Rohstoff für die Herstellung von
Hochdruck-Schmiermitteln, Poliermitteln, pharmazeutischen und kosmetischen Präparaten sowie für Produkte, die von der Textil- und Lederindustrie benötigt werden. Weil aber der Pottwal zu den gefährdeten und
somit schutzbedürftigen Tierarten zählt, wird Walöl bald nicht mehr zu
beschaffen sein. In Mexico und in den Vereinigten Staaten wurden im
vergangenen Jahr (1977) bereits 45,4 Tonnen Jajoba-Öl produziert. Inzwischen haben Wissenschaftler der Universität Kalifornien in Riverside,
ferner in der mexikanischen Provinz Sonora und an der Ben-Gurion-Universität (Israel) Forschungsprojekte mit Jajoba-Pflanzen aufgenommen.

Als "Industriepflanzen" ist möglicherweise auch der Guayule-Strauch
(Parthenium Argentatum) im Kommen, der, ähnlich wie der brasilianische
"Gummibaum" (Hevea Brasiliensis) Kautschukmilch liefert. Dr. Noel Vietmeyer von der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften (NAS)
berichtete über die Ergebnisse einer 18-monatigen Studie, die zeigte, daß
die Species angesichts ihrer Eigenschaften und Rohstoffkapazitat gut verwertbar wäre. In großen Kulturen angelegt, könnten die Pflanzen maschinell
bearbeitet werden.

Guayule-Sträucher sind Wildgewächse im US-Bundesstaat Texas und im
angrenzenden Mexiko. In der mexikanischen Chihuahua-Wüste und in anderen
Nordprovinzen Mexikos fanden Regierungsbeamte dicht_bestandene Flächen, die
insgesamt etwa 1 Million Hektar ausmachen. Obgleich

es sich laut Dr. Vietmeyer

um eine echte Wüstenpflanze handelt, sei der Bewuchs so gut, daß die Flächen
als kommerziell attraktive "Latex-Felder" betrachtet werden könnten. Auch
wenn monatelang oder gelegentlich sogar jahrelang kein Regen fällt, leiden
die Pflanzen nicht unter Trockenheit. Gibt es Wasser, werden Blätter, Stämme

- 3 -

�Stämme, Blüten und Wurzeln weiter ausgebildet. Ist es aber trocken und
kühl, schaltet die "innere Chemiefabrik" auf Latex um. Dann können Stämme
und Wurzeln der Sträucher bis zu einem Viertel ihres Gewichts aus
Kautschukmilch bestehen. Schon während des Krieges waren vereinzeilt
Experimente mit Guayule-Pflanzen als Quelle für Naturkautschuk unternommen,
später aber nicht weitergeführt worden, weil zu jener Zeit Naturkautschuk
vom brasilianischen Gummibaum (Hevea) billiger war.
In den letzten 25 - 30 Jahren hatte man sich daran gewöhnt, daß vor
allem in der chemischen Industrie pflanzliche Rohstoffe immer mehr durch
Erdöl und Erdölprodukte verdrängt wurden. Die einschneidenden ölpreiserhöhungen seit 1973 scheinen jedoch mancherorts Unternehmer zu veranlassen,
sich erneut auf pflanzliche Rohstoffe zu besinnen, deren kommerzielles
Potential sicherlich noch lange nicht ausgeschöpft ist.
Ein Schulbeispiel für die Vielseitigkeit einer Pflanze, die über Jahrtausende nur im fernen Osten bekannt war, ist die Sojabohne. Amerikanische
Seeleute brachten im vorigen Jahrhundert erstmals Soja-Samen mit. Was die
bescheidenen Kulturen ergaben, wurde an Schweine verfüttert. Um die Jahrhundertwende begannen sich landwirtschaftliche Versuchsstationen mit der
Sojabohne und ihrem möglichen Wert als "industrieller Rohstoff" zu befassen mit dem Erfolg, daß bis Mitte der sechziger Jahre die Soja-Jahresernte
in den Vereinigten Staaten auf 16,3 Millionen Tonnen, bis Mitte der
siebziger Jahre soqar auf 34 Millionen Tonnen anstieg. Die Farmer schätzen
die Sojabohne,weil sie Geld bringt und als Zwischenfr'rht den Boden düngt.
Die Chemiker entdeckten in ihr die vielseitigste Fe'dfrucht, die es gibt.
Die Zahl der Produkte, die sich daraus herstellen lassen, scheint nahezu
unbegrenzt zu sein. Fette, Lezithin, Eiweiß und Kohlehydrate sind die
Hauptbestandteile der Sojabohnen. Sojaöl, das 20 Prozent der Masse ausmacht, wird vor allem zu Kochfetten, Margarine und Salatöl verarbeitet. Es
dient ferner als Zusatz zu Farben, Lacken, Bodenbelägen, ölkleidung, Jalousien, Druckfarben, Kitt, Insektiziden, Desinfektionsmitteln und Seife.
Das nach Auspressen des Öls verbleibende Mehl ist nicht nur ein wertvoller
- 4 -

�wertvoller und allgemein üblicher Zusatz zu Vieh- und Geflügelfutter, sondern
wird auch zur Herstellung von Klebemitteln, Textilfasern, Imprägniermitteln,
wasserfestem Leim, Polierwachs, Zusatzstoffen für die Papier- und Kunststoff-Fabrikation verwendet. Die vielfältigsten Anwendungsmöglichkeiten
hat auch die Nahrungsmittelindustrie für Sojaprodukte entdeckt - als Zusatzmittel für Fertigsuppen, Saucen, Schoko-Getränke, Brot- und Backwaren,
Fleisch-, Milch- und Kaffee-Ersatz, Frühstücksflocken, Süßwaren und Aromastoffen bis zu Kindernahrung und Nudel Produkten. Es ist ihr gelungen, den
eigentümlichen Soja-Geschmack auszuschalten, der vielen Verbrauchern nicht
angenehm ist.

+ + + + +

- 5-

�Wi//en/chaft
und Technik

I

United States Information Service

8. März 1978

ÖL-KOHLE-SCHLAMM FÜR DEN KRAFTWERKSBETRIEB

(AD) - Die Verwendung einer Mischung aus pulverisierter Kohle und
ül soll dazu beitragen, den Erdöl- und Erdgasverbrauch durch Heizkraftwerke zu reduzieren. Auf der Basis von Kontrakten, die die amerikanische
Bundesenergiebehörde 1977 an Elektrizitätsgesellschaften in San Antonio
(Texas) und Westborough (Massachusetts) vergab, werden von der Bundesregierung für die Zeit von knapp dreieinhalb Jahren fast 40 Millionen
Dollar an Fördermitteln bereitgestellt, um geeignete Demonstrationsprojekte zu entwickeln. Die Unternehmen werden bestehende Kesselanlagen umbauen und in Verbindung mit neuen Anlagen zum Mischen von Kohlepulver und
öl und für den Transport des Schlammes im Betrieb erproben.
Die Kraftwerke, die bisher ausschließlich Erdgas (San Antonio) und
Erdöl (Westborough) verwendeten, haben sich außerdem verpflichtet, ÖlKohle-Schlamm sowohl mit verschiedenen Kohlesorten, z.B. Magerkohle aus
dem Bundesstaat Wyoming und Kohle aus den amerikanischen Oststaaten, als
auch mit Erdöl amerikanischer wie ausländischer Herkunft herzustellen und
auf seine Eignung im Heizkraftwerkbetrieb zu untersuchen. Inzwischen ließen
auch einige Industrieunternehmen Interesse an diesem Verfahren erkennen.
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�</text>
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