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                  <text>Information
und
Dokumentation

i

a

I

United States Information Service

22. Februar 1978

INHALT

WIRTSCHAFT
Sollen die Vereinigten Staaten den Dollar stützen?
- Von Harvard-Professor Dr. Hendrick S. Houthakker
HINTERGRUNDMATERIAL
US-Gesetz gegen Weiterverbreitung von Kernwaffen
- Präsident Carter erhält Vollmachten vom Kongreß William H. Webster - der neue Direktor des FBI
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Müllhalde im Weltraum
- Sicherungsaktion für SKYLAB Feuerwehr per Hubschrauber
- Neuartiges Vielzweck-Rettungsgerät -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
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�Wift/choft
United States Information Service

22. Februar 1978

SOLLEN DIE VEREINIGTEN STAATEN DEN DOLLAR STÜTZEN?
Von Harvard-Professor Dr. Hendrick S. Houthakker

Vor jetzt fast fünf Jahren mußten die Industriestaaten erkennen, daß das
Währungssystem von Bretton Woods praktisch zusammengebrochen war. Und so kamen
sie zu dem Entschluß, die Wechselkurse gleiten, oder wie der technische Ausdruck lautet, "floaten" zu lassen. Mit zum Floating gehörte, daß es jedem
Land praktisch freigestellt wurde, selbst zu entscheiden, wann es auf den Devisenmärkten intervenieren wollte. Seither haben alle wichtigen Währungen
ihre Schwankungen nach oben und nach unten erlebt.
Einige Länder, vor allem in Europa und Japan, haben immer wieder interveniert, jedoch meist um eine Aufwertung und nicht eine Abwertung zu verhindern. Andere Länder, an ihrer Spitze die Vereinigten Staaten, haben nur sporadisch interveniert, um auf "Unordnungen" auf dem Markt zu reagieren. Feste
Regeln hinsichtlich der Intervention sind nie aufgestellt worden.
Man ist sich seit langem darüber im klaren, daß ein internationales
Währungsregime ohne anerkannte Regeln leicht zu politischen Konflikten unter
den beteiligten Ländern führen könnte.

Diese Gefahr ist erst kürzlich

durch

den scharfen Anstieg des Wertes der europäischen und der japanischen Währungen
im Verhältnis zum Dollar in den letzten Monaten des Jahres 1977 akut gewor-

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�geworden.

Die derzeitigen Zahlungsbilanzüberschü'sse einiger europäischer Län-

der und Japans stärken deren Währungen, während das große und ständig wachsende Defizit der Vereinigten Staaten private Besitzer von Dollar veranlaßt hat,
in stärkere Währungen zu flüchten.

Abgesehen von einigen gelegentlichen Trans-

aktionen und einer kürzlichen Erhöhung des Diskontsatzes haben die Vereinigten Staaten generell an ihrer Politik festgehalten, die Kräfte des freien Marktes die Wechselkurse bestimmen zu lassen.

Das sich daraus ergebende Wertver-

hältnis der Währungen stellt eine ernste Bedrohung der Exporte einer Reihe von
Ländern dar, die mit höheren Exporten gerechnet hatten, um ihre Wirtschaftsrezession im eigenen Lande zu überwinden.
Diesen Ländern ist es nicht gelungen, die weitere Aufwertung ihrer Währungen durch eigene Intervention zu verhindern.

Praktisch war das einzige Resul-

tat, daß sie auf großen Mengen immer weniger wert werdenden Dollar
blieben.

sitzen

Es war daher nicht verwunderlich, daß diese Länder die Vereinigten

Staaten aufforderten, durch Rückgriff auf die Swap-Vereinbarungen oder Einsatz ihrer eigenen Reserven den Dollar zu stützen.

Obwohl die Carter-Admi-

nistration verständnisvolle Erklärungen abgegeben hat, steht keineswegs fest,
ob die Vereinigten Staaten bereit wären, ihre Politik zu ändern.

Die Haupt-

frage, die hier behandelt werden soll, ist die, ob eine solche Umkehr tatsächlich im allgemeinen Interesse läge.
Wenn die Vollbeschäftigung gesichert wäre, dann läge es im Interesse eines
jeden Landes, daß seine Währung im Verhältnis zu den Währungen anderer Länder
so hoch wie möglich bewertet wäre. Das würde jedes Land in die Lage versetzen,
für seine Exporte das größtmögliche Volumen an Importen zu erhalten, was wiederum das Realeinkommen der Bevölkerung maximieren würde. Wie hoch der Wechselkurs gehen kann, hängt von der Notwendigkeit des Gleichgewichts in der Zahlungsbilanz ab, oder genauer gesagt, von dem Wunsch des Landes, seine internationalen Reserven zu erhöhen oder zu vermindern.
In der realen Welt ist die Vollbeschäftigung jedoch nicht gesichert, und
in der Vergangenheit haben Länder immer wieder versucht, dieses Problem durch

- 2 -

�».

durch einen Exportüberschuß zu lösen.

Eine solche Politik erfordert einen

Wechselkurs, der niedriger liegt als es dem Gleichgewicht in der Zahlungsbilanz entsprechen würde, obwohl natürlich der gleiche Effekt auch durch Einfuhrbeschränkungen erreicht werden kann.

Ein Exportüberschuß zur Beseitigung

Arbeitslosigkeit im eigenen Lande ist gleichbedeutend mit dem Export dieser
Arbeitslosigkeit.

Diese Praxis, die während der Zeit der floatenden Wechsel-

kurse in den dreißiger Jahren weitverbreitet war, trug nicht zuletzt dazu bei,
daß die Weltwirtschaftskrise damals so schwere Formen annahm.

Diese Praxis

wurde durch das Währungsabkommen von Bretton Woods ausgeschlossen, scheint
aber in den letzten Jahren wieder an Popularität zu gewinnen.

Sowohl Japan

als auch die Bundesrepublik Deutschland zögern beispielsweise, die Binnennachfrage anzuregen, aus Angst, die Inflation wiederzubeleben, und haben stattdessen ihre Hoffnung für den Aufschwung auf die Steigerung der Exporte gesetzt.

Im Falle Japans wird diese Politik noch durch die Aufrechterhaltung

von Einfuhrquoten verstärkt.

Die Vereinigten Staaten dagegen haben die Rezession von 1974/75 weitgehend dadurch überwunden, daß sie eine gemäßigt anregende Binnenwirtschaftspolitik betrieben.

Die Importe der USA sind zum Wohle der anderen Industrie-

länder und der Entwicklungsländer stark angestiegen.

Die Exporte der USA hin-

gegen nahmen wegen der schwachen Nachfrage in den anderen Ländern nur geringfügig zu.

Das große amerikanische Handelsdefizit ist weitgehend eine Mani-

festation der mangelnden Übereinstimmung in den Politiken der Hauptindustrieländer.

Man sollte sich auch darüber im klaren sein, daß ohne das amerika-

nische Defizit die anderen Länder eine noch höhere Arbeitslosigkeit hätten als
jetzt.

Es liegt auf der Hand, daß die Industriestaaten insgesamt ihre Probleme
im eigenen Lande nicht dadurch lösen können, daß sie die Arbeitslosigkeit gegenseitig exportieren.

Als Gruppe sind sie Nettoimporteure von Erdöl, aber

die öl exportierenden Länder haben ihre Gesamtimporte nicht bis zu einem Punkt
gesteigert, an dem sie einen großen Zahlungsbilanzüberschuß auf den laufenden
Kosten vermeiden könnten.

Die Industrieländer müssen daher als Gruppe ein

- 3 -

�ein entsprechendes Defizit haben.

Unter den gegenwärtigen Umständen tendiert

dieses Defizit zu einer Konzentration in den Vereinigten Staaten, was zu
einer Schwächung des Dollar führt. Aber selbst wenn es das ölproblem nicht
gäbe, würde der Versuch einiger führender Industrieländer, ihre Wirtschaft
durch Nettoexporte anzuregen, zu einer ernsten Belastung des internationalen
Währungssystems führen.
Unter dem herrschenden Regime der floatenden Wechselkurse werden diese
Belastungen durch Bewegungen der Wechselkurse geregelt.

Die Überschußländer

finden ihre Exporte potentiell durch eine Aufwertung ihrer Währungen gefährdet, und für die Defizitländer gilt das umgekehrte.

Die Auswirkung dieser

Wechselkurskorrekturen tritt nicht unmittelbar ein und kann kurzfristig sogar umgekehrt sein.

Die Erfahrungen der Vergangenheit lassen jedoch erkennen,

daß die laufenden Konten auf Wechselkursbewegungen mit einer Verzögerung von
ein oder zwei Jahren reagieren.

In der Zwischenzeit geraten die Wechselkurse

wahrscheinlich in ein solches Durcheinander, daß es durch Interventionen vorstellbaren Ausmaßes nicht mehr bereinigt werden kann.

Ja, es ist sogar so,

daß die Intervention, wäre sie effektiv, in den notwendigen Anpassungsprozeß
eingreifen würde.
Obwohl die Wechselkursbewegungen wahrscheinlich in der Lage sein werden,
nach einem entsprechenden zeitlichen Verzug mit den nicht übereinstimmenden
Wirtschaftspolitiken fertig zu werden, ist dies kein wünschenswerter Weg zur
Wiederbelebung der Wirtschaften der Überschußländer. Ja, es ist so, daß die
Wechselkursbewegungen selbst den Weg zu einer besseren Lösung aufzeigen. Länder mit wertmäßig steigenden Währungen haben bereits ein beträchtliches Nachlassen des inflationären Druckes erfahren, weil die Importpreise zurückgehen.
Diese Länder können daher eine stärker stimulierende Fiskal- und Währungspolitik einführen, ohne fürchten zu müssen, die Inflation wieder anzuheizen.
Durch die Einführung einer solchen Politik tragen sie zur allgemeinen Expansion der Nachfrage und einem Abbau der Arbeitslosigkeit im eigenen Lande und
im Ausland bei. Dementsprechend wird ein Abbau des Handelsdefizits die Vereinigten Staaten in die Lage versetzen, eine weniger expansive Fiskal- und

�Währungspolitik zu betreiben, womit die Gefahr einer weiteren Inflation verringert wird.
Statt sich über die Bedrohung ihrer Exporte durch die Aufwertung zu beklagen, sollten die Überschußländer innerhalb ihrer eigenen Landesgrenzen nach
Mitteln und Wegen für den Wiederaufschwung ihrer Wirtschaft suchen.

Wenn sie

das nicht tun, dann wird der weltweite Anpassungsprozeß nur verlängert und
damit die Gefahr einer noch ernsteren wirtschaftlichen Schwäche hervorgerufen.
Jedes Land, ob groß oder klein, ist in erster Linie verpflichtet, im eigenen
Lande dafür zu sorgen, daß die Dinge richtig laufen, und es kann sich nicht
hauptsächlich auf die Auslandsnachfrage zur Lösung seiner Probleme verlassen.

Wenn man sich dieser Pflicht erst einmal bewußt ist, und die Widersprüche
in den derzeitigen Politiken beseitigt sind, dann dürfte es viel weniger Anlaß zur gegenseitigen Beschuldigungen geben.

Man könnte sicherlich beispiels-

weise einräumen, daß die amerikanischen ölimporte übertrieben hoch sind; aber
es ist ebenso eine Tatsache, daß die amerikanischen Exporte an Gütern und
Dienstleistungen im Jahre 1977 real um weniger als drei Prozent gestiegen sind.
Nur ein geringer Teil des jüngsten Anstiegs des amerikanischen Handelsdefizits
kann wachsenden ölimporten zugeschrieben werden.

Es steht außer Frage, daß

die Einführung von Maßnahmen zur Verringerung der Abhängigkeit Amerikas von
importierter Energie eine Sache größter Dringlichkeit ist, aber das kann nicht
anderen Ländern als Entschuldigungsgrund dafür dienen, daß diese keine verantwortungsbewußte Binnenwirtschaftspolitik betreiben.

Die Bedingungen für

die Einführung solcher Politiken sind jetzt günstig, vor allem in der Bundesrepublik Deutschland und in Japan.

Nur auf diesem Wege kann eine größere

Stabilität auf den Devisenmärkten erreicht werden.

So lange diese Länder zö-

gern, die Binnennachfrage anzuregen - und niemand möchte, daß dies über die
Grenzen der Klugheit hinaus geschieht - läge eine systematische Stützung des
Dollar durch die Vereinigten Staaten nicht im allgemeinen Interesse.

Sie würde

vielleicht eine temporäre Erleichterung der finanziellen Schwierigkeiten bei
der Verwendung des Dollar als Reservewährung verschaffen, aber sie würde auch
den notwendigen Wiederaufschwung der Weltwirtschaft in Frage stellen, und

- 5 -

�und das ist die weit wichtigere Überlegung.
In diesem Zusammenhang sind Beteuerungen, der Dollar sei zu hoch oder
der Yen und die DM seien zu niedrig, von geringer Bedeutung.

Es könnte durch-

aus sein, daß die gegenwärtigen Wechselkurse eine Überkorrektur des früheren
Ungleichgewichts darstellen, und daß in Zukunft wieder eine Gegenbewegung eintritt.

Zum Wohle oder Übel, die Industrieländer haben sich zu den floatenden

Wechselkursen entschlossen, und sie müssen lernen, weiterhin mit ihnen zu leben.

Das befriedigendste Ergebnis dieses Lernprozesses wäre die Einführung

von Politiken im eigenen Lande, die denen der anderen Länder nicht widersprechen, sondern sie stärken.

+ + + + +

�6

22. Februar 1978

US-GESETZ GEGEN WEITERVERBREITUNG VON KERNWAFFEN
Präsident Carter erhält Vollmachten vom Kongreß

WASHINGTON - (AD) - Der Amerikanische Kongreß erteilte Präsident
Carter die gesetzlichen Vollmachten, um seine Pläne durchzusetzen, die
die Vereinigten Staaten künftig aus allem heraushalten sollen, was zu
einer Ausweitung des Kernwaffenpotentials in der Welt führen könnte. Besonderes
Gewicht hat im Rahmen dieses Gesetzes die Hauptbarriere gegen die nukleare
Proliferation - nämlich die internationale Inspektion aller Aktivitäten
auf nukleartechnischem Gebiet in den Staaten, die keine Atomwaffen besitzen.
Es macht die Akzeptierung von Sicherungsmaßnahmen, die in der Praxis nukleare
Aktivitäten zur Unterstützung von Waffenprogrammen ausschließen, zur Vorbedingung für eine Fortsetzung kommerzielle1- Beziehungen zu den USA auf
nuklearem Gebiet. Das Gesetz, das schon im Herbst 1977 vom Repräsentantenhaus
gebilligt worden war, wurde am 7. Februar vom Senat mit 88 gegen 3 Stimmen
gebilligt.
Das Gesetz ist jedoch darauf ausgerichtet, die Rolle der Vereinigten
Staaten als eines zuverlässigen Lieferanten von Kernbrennstoff gegenüber
jenen Ländern, die ebenfalls für die Nonproliferation eintreten, zu bekräftigen

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D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�zu bekräftigen und durch Klarstellungen und eine Vereinfachung der
amerikanischen nuklearen Exportpolitik solche Lieferungen zu beschleunigen.
Außerdem sieht es ausdrücklich die Kooperation und Unterstützung seitens
der USA bei Entwicklungsländern vor, um diesen zu helfen, ihre eigenen
nicht-nuklearen Energiequellen sowie geeignete Technologien zu entwickeln,
damit sie ihren Energiebedarf decken können.
Die "Klauen" im Gesetz sind in dem Abschnitt zu finden, der Aktivitäten behandelt, die zur Einstellung amerikanischer Nuklearexporte in
Staaten ohne Atomwaffenbesitz führen. Solche Exporte würden dann grundsätzlich eingestellt, wenn der betreffende Staat

einen nuklearen Spreng-

satz zündet, eine Sicherungsvereinbarung aufhebt oder deren Gültigkeit
beendet. Auch jedes Land, das einem Staat ohne Atomwaffenbesitz hilft, die
direkte Kapazität zur Herstellung vom Atomwaffen zu erlaben oder anderweitig
in deren Besitz zu kommen, würde unter die Exportsperre fallen. Das gleiche
gälte für jeden Staat, der eine Wiederaufbereitungsanlage exportiert, welche
der staatsrechtlichen Kontrolle eines Landes unterläge, das nicht selbst
Atomwaffen besitzt.
Das Gesetz wurde sehr sorgfältig formuliert, um sicherzustellen, daß
mit seinem Inkrafttreten nicht irgendein Moratorium für amerikanische
Nuklearexporte eintritt. Es wird dort zur Einstellung von Exporten führen,
wo eine offenkundige Gesetzesverletzung vorliegt - z.B. mit der Detonation
eines nuklearen Sprengsatzes -, aber es erlaubt ausdrücklich, eine 18-MonatsFrist für Verhandlungen mit Empfängerländern einzuräumen, bis die Sicherungsklauseln in vollem Umfang angewandt werden müssen. Mit Ausnahme sehr weniger
Staaten akzeptieren bereits alle übrigen gegenwärtigen Empfänger bei allen
ihren nuklearen Aktivitäten Sicherungsmaßnahmen, wie sie die Internationale
Atomenergie-Organisation (IAEO) durchführt.
Ein ganz wichtiger Abschnitt des Gesetzes soll die Rolle der Vereinigten
Staaten als zuverlässiger Kernbrennstoff-Lieferant festschreiben. Das Gesetz
fordert von Präsident Carter, Gespräche mit anderen Nationen zur Errichtung
- 2 -

�Errichtung einer Internationalen Kernnbrennstoff-Behörde (INFA - International
Nuclear Fuel Authority) aufzunehmen, welche Nationen, die sich strikt an
die Regeln der Nicht-Weiterverbreitung halten, mit Kernbrennstoff versorgt,
falls sie plötzlich von ihren normalen Lieferungen abgeschnitten würden.
Das Gesetz sieht vor, daß die USA bis zur Errichtung dieser Behörde aufgrund
einer internationalen Verkaufsvereinbarung einer internationalen Vorratsstelle Kernbrennstoff in einer Menge überweisen, die bis zu 100 ReaktorBetriebsjahre ausmachen kann. Die genauen Bedingungen hierfür wird Präsident
Carter dem US-Kongreß innerhalb der nächsten sechs Monate unterbreiten.
Bei den Kernbrennstoffen handelt es sich übrigens um Uran, das zu
weniger als 20 Prozent mit dem Isotop Uran-235 angereichert ist, während
waffenfähiges Material Uran mit mehr als 20 Prozent Uran-235 erfordert.
Die herkömmlichen Leichtwasserreaktoren, die heute das Rückgrat der kommerziellen Atomkraftwerke bilden, arbeiten mit einem Brennstoff, der ca. 3
Prozent Uran-235 enthält.
Beim Spaltprozeß im Leichtwasserreaktor fällt auch Plutonium an, das
in reiner Form für Atomwaffen benutzt werden kann. Ehe aber daraus ein
Kernsprengsatz zu machen wäre, müßte es von anderen hochradioaktiven Stoffen,
die zusammen mit Plutonium entstehen, chemisch getrennt werden. Somit bedeutete der bisher übliche Einmal-Gebrauch von Kernbrennstoff in einem
Leichtwasserreaktor ohne Wiederaufbereitungsanlage an sich schon eine gewisse
Sicherheit. Das neue Gesetz gegen die Weiterverbreitung von Kernwaffen verbietet die Wiederaufarbeitung auch nicht. Es setzt die bestehende Politik
fort, die verlangt, daß vor einer Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoff
amerikanischer Herkunft die Zustimmung der Vereinigten Staaten eingeholt
werden muß. Außerdem enthält es Richtlinien, die gewährleisten, daß der
Wiederaufbereitung gewöhnlich nur unter Bedingungen zugestimmt wird, die
die Proliferationsgefahr nicht merklich erhöhen. Ein Beispiel für solche
Bedingungen wären wirksame multinationale Vereinbarungen.
In der Senatsdebatte

�In der Senatsdebatte über 'as Gesetz wurde betont, daß die amerikanische Maßnahme den "Londoner Lieferanten-Richtlinien" für Nuklearexporte
mit ihrer speziellen Liste sens.tiver Materialien und Technologien in
Verbindung mit Exportrestriktionen nicht zuwiderlaufe. Man sieht vielmehr
in der Politik der USA eine Ergänzung und Bestärkung der Vereinbarung der
Lieferländer, wobei allerdings von amerikanischer Seite die Dinge strenger
gehandhabt werden.
Die Befürworter des Gesetzes verwiesen auch darauf, daß die Exportkriterien nichts anderes seien als eine Fortsetzung der gegenwärtigen
Politik und somit von den Handelspartnern der USA nicht als lästig betrachtet werden könnten» Obgleich die EURATOM-Länder nicht alle Kriterien
erfüllen, sei für sie bis zum Abschluß von Verhandlungen eine Frist von
zwei Jahren eingeräumt worden, um den Gesetzesbedingungen Genüge zu tun.
Auch die amerikanische Nuklearexportindustrie wird unter dem neuen Gesetz
keine Beeinträchtigung erfahren, weil es sich hinsichtlich der Klärung
und beschleunigten Erteilung von Exportgenehmigungen nur als hilfreich
erweisen kann und die allgemeine Atmosphäre der Unsicherheit beseitigt.

+ + + + +

�United States Information Service

22. Februar 1978

WILLIAM H. WEBSTER - DER NEUE DIREKTOR DES FBI

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Bundesrichter William H. Webster
ist am 9. Februar 1978 vom US-Senat als neuer Direktor des FBI (Federal Bureau
of Investigation) - des amerikanischen Bundeskriminalamtes - bestätigt worden.
Webster wird der dritte Direktor dieser wichtigen Behörde sein, die im
Jahre 1924 in ihrer derzeitigen Form von J. Edgar Hoover aufgebaut und bis zu
seinem Tode, im Jahre 1972, geleitet wurde. Der zweite und derzeitige Direktor
des FBI, Clarence Kelly, wird am 15. Februar von seinem Amt zurücktreten.
Webster, dessen Amtszeit zehn Jahre beträgt, unterstehen im FBI über 8400
Vollzugsbeamte (Special Agents), deren Aufgabe die Ermittlungen bei Verstößen
gegen die Bundesgesetzgebung (nicht einzelstaatliche oder kommunale) ist.
Der erfahrene Jurist war 1971 von Präsident Nixon in das Bundesdistriktsgericht berufen worden und kam 1973 in das Appelationsgericht.

Er gilt in Fach-

kreisen als hervorragender Rechtsgelehrter von sehr ausgeglichenem Charakter und
"makellosem Ruf".
William H. Webster wurde am 6. März 1924 in St. Louis, Missouri, geboren.
Er hat das Amherst College besucht und seine juristischen Studien an der

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�Washington University abgeschlossen.
seinem Heimatstaat Missouri.

Von 1959 bis 1961 war er Anwalt in

Bis zu seiner Ernennung zum Bundesrichter des

Staates Missouri führte er eine private Anwaltspraxis.
Webster ist verheiratet und Vater zweier Töchter.

+ + + + +

�1
»

15"

Wi/zcn/choft
und Technik
United States Information Service

22. Februar 1978

MÜLLHALDE IM WELTRAUM
Sicherungsaktion für SKYLAB - Nukleare Stromquellen in bruchfester Hülle

- (AD) - Seit Mai 1973 kreist die amerikanische Raumstation SKYLAB
um die Erde. Sie wurde in den Jahren 1973/74 von drei Astronautenteams
28 bzw. 59 und 84 Tage lang als Wohn- und Arbeitsstätte benutzt, blieb
jedoch seitdem ihrem Schicksal überlassen. Ihre "aktive" Lebensdauer war
sowieso nur auf 6 bis 9 Monate angesetzt. Neuen Plänen der amerikanischen
Raumfahrtbehörde NASA zufolge sollen jedoch im Oktober 1979 Astronauten
des Raumtransporters noch einmal ein Rendezvous mit dem ehemaligen "Himmelslabor" versuchen, um über Fernsteuerung einen Raketenmotor am Andockstutzen
zu befestigen. Wenn dies gelingt, will man mit Hilfe dieses Triebwerks den
85 Tonnen schweren Koloss (Länge 35 m, Durchmesser 6,6 m) auf eine höhere
Umlaufbahn katapultieren, in der sein Verbleiben im Weltraum bis Mitte der achtzi
ger Jahre gesichert wäre und die Station eventuell noch für RaumtransporterExperimente zur Verfügung stünde.
Entgegen dem ursprünglichen Plan wurde der Zeitpunkt um fast ein Jahr
vorverlegt. Der Grund: SKYLAB nähert sich der Erde schneller, als aufgrund
der Bahnberechnungen nach dem Start zu erwarten war. Die Anomalie ist eine

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�eine Folge der ungewöhnlich starken Sonnenaktivität in den letzten Jahren.
Dadurch hat sich die Hochatmosphäre der Erde aufgebläht, so daß für das
"Himmelslabor" der Luftwiderstand eine größere Rolle spielte, als in den
ersten Berechnungen berücksichtigt werden mußte. Die Raumstation wurde
bereits leicht abgebremst und verlor dadurch ca. 40 km an Flughöhe, die nach
dem Start 435 km betrug.
Möglicherweise können aber die Raumtransporter-Astronauten gar nicht
mehr zu ihrem SKYLAB-Rendezvous, wenn nicht zuvor durch ein besonderes
Manöver das Flugverhalten des Himmelslabors geändert werden kann. Durch
Zünden der Steuerungsdüsen des SKYLAB wollen Ingenieure des Johnson-Raumflugzentrums in Houston (Texas) dem Flugkörper in den nächsten Monaten
einen zusätzlichen Bewegungsimpuls geben, der bewirkt, daß sich SKYLAB
im Orbit ständig langsam in Längsrichtung überschlägt. Auf diese Weise
würde das Absinken in die tieferen Luftschichten verzögert. Anderenfalls
wäre damit zu rechnen, daß SKYLAB in 14 - 18 Monaten in diese eintritt und
dabei in Hunderte von Teilen aufbricht. Die meisten würden in der Luft
verglühen. Aber einige große Bruchstücke könnten bis zur Erdoberfläche
gelangen und in einem 160 km breiten und ca. 4 000 km langen Korridor aufstürzen. Vier Fünftel der SKYLAB-Flugbahn führen allerdings über Meeresgebiete, so daß ein Trümmerabsturz auf Land wenig wahrscheinlich ist. Im
Gegensatz zu dem am 24. Januar 1978 in Kanada abgestürzten sowjetischen
Satelliten

Kosmos 954 befinden sich keinerlei nuklearen bzw. radioaktiven

Ausrüstungen an Bord.
Die Steuerungsdüsen können aber nur dann gezündet werden, wenn zuvor
einige recht heikle Manöver glücken: Zunächst muß der Funkkontakt wieder
hergestellt, die Batterien müssen auf "Laden" geschaltet werden. Ob letzteres
ausreichend geschieht, hängt davon ab, ob die Kollektorplatten nrt den Sonnenzellen, die Sonnenlicht in Strom umwandeln, noch genügend Leistung geben.
Viele Einzelfaktoren könnten dazu beitragen, daß der Versuch, die Steuerungsdüsen zu aktivieren, scheitert.
SKYLAB ist das
- 2 -

�SKYLAB ist das größte von 4 692 künstlichen Objekten, die zur Zeit
die Erde

umkreisen. Davon sind 928 Satelliten. Alles andere ist "Schrott"

- d.h. es handelt sich um Teile von zerbrochenen Satelliten oder Reste
von Trägerraketen. Seit 1957, dem Beginn des Raumfahrtzeitalters, sind
5 700 Objekte wieder in die Lufthülle eingetreten und verglüht. Einige
Hundert stürzten auf die Erde. In keinem Fall kamen Menschen zu Schaden
oder wurden Ansprüche auf Schadensersatz geltend gemacht. Das größte
Objekt amerikanischer Herkunft war eine Stufe der SKYLAB-Trä'gerrakete, die
im Januar 1975 in die Erdatmosphäre eintrat und in den Atlantik fiel.
Aufgrund des Vorfalls mit Kosmos 954 ist die Öffentlichkeit verständlicherweise besorgt wegen der Existenz von Erdsatelliten, die Energie
aus radioaktivem Material beziehen und eines Tages zur Erde fallen könnten.
In den Raumfahrtprogrammen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
wurden bisher sowohl aktive (wie bei Kosmos 954) als auch passive nukleare
Bordsysteme verwendet. Die erstgenannten sind Kleinreaktoren, die Energie
nach dem Prinzip der Kernspaltung produzieren, wobei auch Gammastrahlung
anfällt. Bei der zweiten Gruppe wird die Wärme des natürlichen Zerfalls
eines geeigneten Radioisotops direkt in elektrischen Strom umgewandelt
und so als Energiequelle genutzt. Man nennt diese passiven Systeme Radionuiklid-Generatoren (im Amerikanischen: radio-isotope thermal electric
generator, kurz RTG).
Das aktive System verwendeten die USA zum ersten und einzigen Mal im
Jahr 1965, als der in eine AGENA-Rakete eingebaute Kleinreaktor SNAP 10
gestartet wurde. Mit 11 kg Uran-235 beschickt, produzierte er 43 Tage lang
Betriebsstrom und schaltete sich automatisch ab, als ein Spannungsregler
ausfiel. Er wurde inzwischen auf eine sehr hohe Umlaufbahn gebracht, in der
er mindestens 4 000 Jahre verbleiben wird. Amerikanischen Beobachtungen
zufolge haben auch die Sowjets ihre Satelliten, die mit Reaktoren ausgerüstet
sind, in höhere Bahnen katapultiert - ein Manöver, das offenbar bei Kosmos
954 mißlang.
Die "passiven"
- 3 -

�Die "passiven" RTG-Systeme werden von den USA inzwischen routinemäßig
eingesetzt: Fünf solcher Stromquellen, die gegen das Ausdringen von Strahlung

sicher abgeschirmt sind, wurden von APOLLO-Astronauten auf dem

Mond installiert. Acht damit ausgerüstete Satelliten befinden sich auf
Erdumlaufbahnen (1 NIMBUS-Wettersatellit, 5 Navigationssatelliten der
US-Marine, 2 Nachrichtensatelliten). Seit einer Konstruktionsänderung,
die nach einem Fehlstart im Jahr 1964 vorgenommen wurde, sind alle diese
passiven Generatoren mit Graphit so ummantelt, daß die Hülle auch beim
Wiedereintritt und Absturz auf die Erde nicht zu Bruch geht. 1964 hatte
ein Navigationssatellit die Umlaufbahn nicht erreicht und verglühte. Als
jedoch 1968 ein mit zwei solchen Generatoren ausgerüsteter NIMBUS-Satell^'t
die Umlaufbahn nicht erreichte und vor der amerikanischen Westküste ins
Meer fiel, konnte man die RTG-Systeme bergen, und zwar unversehrt. Ein dritter
amerikanischer RT-Generator ging mit der Landefähre von Apollo 13 im Südpazifik unter, nachdem diese von dem verunglückten Raumschiff abgesprengt
worden war.
Alle amerikanischen RTG-Erdsatelliten befinden sich auf so hohen
Umlaufbahnen, daß sie erst zur Erde zurückkommen, wenn die radiofktive
Wärmequelle (Plutonium 238, Halbwertszeit 88 Jahre) längst erschöpft sein
wird. Auch Forschungssonden wie VIKING, PIONIER und VOYAGER, die zu den
Sonnenfernen Planeten wie Mars und Jupiter entsandt wurden und von denen
einige in die äußeren Bereiche des Sonnensystems vordringen werden, beziehen
ihren Betriebsstrom aus RTGs. Ebenso sollen der Orbiter für den Jupiter
(Starttermin 1982) und die Sonde zur Erforschung der Polgebiete der Sonne
(Start Anfang 1983) mit passiven nuklearen Stromquellen ausgerüstet werden.
Alle übrigen US-Satelliten arbeiten mit Sonnenenergie.

+ + + + +

- 4 -

�6

22. Februar 1978

FEUERWEHR PER HUBSCHRAUBER
Neuartiges Vielzweck-Rettungsgerät

- (AD) - Eine "fliegende Feuerwehrspritze" in Verbindung mit einem
Rettungsgerät, das, am Halteseil an einem Helikopter hängend, mit eigener
Kraft manövrieren kann, wird einem Bericht der Zeitschrift "Aviation
Week and Space Technology" zufolge von der Firma McDonnell Douglas entwickelt. Es soll Hilfeleistungen z.B. für Personen in Hochhausetagen
erleichtern und auch den Zugang zu anderen, von einer Katastrophe betroffenen
Objekten und Gebieten erleichtern, die von der Außenwelt abgeschnitten
sind.
Das im Werk St. Louis als Prototyp konstruierte Gerät ist eine mit
einem Gitter teilweise geschlossene Plattform mit ausklappbarem Steg. Sie ist
2,1 x 2,4 m groß, wiegt 900 kg und kann 4 - 6 Feuerwehrleute oder Sanitäter
aufnehmen. Bis zu 16 Verunglückte lassen sich auf ihr transportieren Sie
besitzt ein eigenes Antriebs- und Steuerungssystem - ein Flugzeugmotor erzeugt
die Kraft zur Aktivierung von vier verstellbaren Steuerungsdüsen, aivj an den
vier oberen Ecken angebracht sind. Ihre Orientierung wird vom Kommandostand
in der Plattform geregelt. Das Gerät kann bis zu 76 m weit in der Horizontalen

�1

Horizontalen manövrieren, während sich der Helicopter in einer Position
hält, die frei ist von Rauch, Hitze oder Turbulenzen. Der Führer des
Rettungskorbs steht in Funksprechverbindung mit dem Piloten im Helikopter,
der außerdem über einen Fernsehmonitor mitbeobachten kann, was am tinsatzort geschieht.

+ + + + +

•

2 -

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              <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sollen die Vereinigten Staaten den Dollar stützen?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Harvard-Professor Dr. Hendricks S. Houthakker -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Gesetz gegen Weiterverbreitung von Kernwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Carter erhält Vollmachten vom Kongreß -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;William H. Webster - der neue Direktor des FBI&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Müllhalde im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sicherungsaktion für SKYLAB -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Feuerwehr per Hubschrauber&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neuartiges Vielzweck-Rettungsgerät -&lt;/em&gt;</text>
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