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Information

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United States Information Service

8. Februar 1978

AMERIKANISCHE UNIVERSITÄT VERGIBT STIPENDIEN FÜR BOLOGNA
Europäische Studenten der Obersemester können sich bewerben - Englischkenntnisse erforderlich

BOLOGNA - (AD) - Die europäische Abteilung der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, The Bologna Center of The Johns Hopkins University,
hat die Vergabe von Stipendien für das Studienjahr 1978/79 angekündigt.
Bewerben können sich nicht-amerikanische Studenten der Obersemester, die
sich eingehender mit Fragen der internationalen Beziehungen und der Außenpolitik, des Völkerrechts, der europäischen Integration, der vergleichenden
Politik mit Schwerpunkt Westeuropa oder mit sowjetologischen und osteuropäischen Studien zu befassen wünschen. Die Studienbewerber sollten den
amerikanischen Grad eines Bachelor of Arts oder einen vergleichbaren europäischen akademischen Grad besitzen.
Das Bologna Center ist gegenwärtig dabei, sein Vorlesungsangebot auf
neue Gebiete auszuweiten: Wirtschaftstheorie, quantitative Methoden der
Wirtschaftsforschung, Fragen der Weltwirtschaft, der Nationalökonomie und
des Umfeldes und der EntScheidungsprozesse, die weltweite wirtschaftliche
und finanzpolitische Aktivitäten beeinflussen. Die Studenten am Bologna Center
können unter fast 50 Vorlesungsreihen auswählen.
Der Lehrkörper

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Der Lehrkörper des Center umfaßt 24 Mitglieder, die Zahl der Studenten
liegt bei rund 120. Der Unterricht wird, der amerikanischen Hochschulpraxis folgend, in kleinen Klassen erteilt. Da Vorlesungen und Seminare
in englischer Sprache gehalten werden, sind Englischkenntnisse erforderlich.
Absolventen eines einjährigen Studiums am Bologna Center erhalten ein
"Diploma in International Relations", Absolventen eines zweijährigen
Studienganges den Grad eines "Master of Arts in International

Affairs"

(M.A.I.A.), den die Johns-Hopkins-Universität verleiht. Es stehen ferner
mehrere Stipendien für ein anschließendes Studienjahr an der "John? Hopkins
School of Advanced Studies", dem Institut für fortgeschrittene internationale
Studien der Universität in Washington, D.C., zur Verfügung. Der erfolgreiche
Abschluß

dieses Anschlußstudiums berechtigt zur Führung des Grades eines

Master of Arts.
Studienbewerbungen, die bis spätestens 1. April 1978 vorliegen müssen,
sind zu richten an: The Registrar, The Bologna Center, 11 Via Belmeloro,
1-40126 Bologna, Italia.

+ + + + +

�Dokumentation
United States Information Service

8. Februar 1978

DER AMERIKANISCHE VERTEIDIGUNGSHAUSHALT
- Verteidigungsminister und Stabschef vor dem Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold
Brown und der Chef des Gemeinsamen Stabes der US-Streitkräfte, General
George Brown, haben am 2. Februar 1978 die Runde der Kongreßanhörungen
zum Verteidigungshaushalt 1979 eröffnet. Verteidigungsminister Brown
hat dem Kongreß seinen üblichen Jahresbericht für das Haushaltsjahr 1979
vorgelegt und dann vor dem Militärausschuß des Repräsentantenhauses erstmals begründet. Der Haushaltsvoranschlag Präsident Carters sieht Verteidiqungsausgaben in Höhe von rund 126 Milliarden Dollar vor. Umstritten
im Kongreß sind unter anderem, ob der neue Bomber vom Typ B-1 gebaut werden
soll oder nicht (der Präsident hat sich dagegen ausgesprochen), ob weitere
nuklear angetriebene große Flugzeugträger gebaut werden sollen, ob die
Entwicklung der neuen Rakete MX rascher oder langsamer vorangetrieben
werden soll, ob das Ziel von 11 Prozent weiblicher Soldaten ausreicht und
welche Anstrengungen auf dem Gebiet des Zivil Schutzes unternommen werden
sollen.
Verteidigungsminister

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�• 1

Verteidigungsminister Brown erklärte, es seien zwar große Anstrengungen
notwendig, jedoch bestehe kein Grund zur Panik. General Brown zeigte
vorsichtigen Optimismus hinsichtlich begrenzter Aufgaben, vertrat jedoch
die Auffassung, daß es weitgehender Verbesserungen bedürfe, um die Fähigkeit der Verteidigung Europas gegen einen großen konventionellen Angriff
sicherzustellen.
Die Ausführungen von Verteidigungsminister Brown vor dem Militärausschuß
des Repräsentantenhaus haben in wesentlichen Auszügen folgenden Wortlaut:

Internationale Entwicklungen und die Verteidigung
Der Verteidigungshaushalt wird, wie Sie wissen, durch eine Reihe von
Faktoren bestimmt; nicht zuletzt durch die internationalen Umstände. Bestimmte
Merkmale dieser Umstände und unser Verhältnis zu ihnen müssen besonders
berücksichtigt werden.
- Erstens, obwohl fast 33 Jahre seit Ende des Zweiten Weltkrieges vergangen sind, bleibt eine Reihe territorialer und anderer Fragen ungelöst vor allem in Afrika und im Nahen Osten. Es gibt keinen anerkannten und
stabilen Status quo, zu dem sich alle Nationen

- oder die großen Nationen

oder die meisten Nationen - bekennen würden.
- Zweitens, die

Vereinigten Staaten werden in zunehmendem Maße von

diesen Umständen abhängig - auf dem Gebiet des Handels, der Rohstoffe, der
Energie und in einem weiten Bereich politischer Beziehungen.
- Drittens, der internationale Konkurrenzkampf um die Macht wird weitgehend mit friedlichen Mitteln geführt, und die meisten internationalen
Fragen werden auf friedlichem Wege gelöst. Aber bei der Lösung internationaler
Streitigkeiten bleibt die Gewalt, sei es in Form organisierter militärischer
- 2 -

•

I

�militärischer Macht oder in Form von Terrorismus, auch weiterhin ein
wesentlicher Faktor. Militärische Macht hat im Frieden wie im Kriege einen
beträchtlichen Einfluß auf das internationale Verhalten von Freunden und
Gegnern.
- Viertens, die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion werden weiterhin sowohl durch Kokurrenzkampf als auch durch
Zusammenarbeit gekennzeichnet, mit dem begleitenden Risiko des Konflikts.
Es bieten sich jedoch Möglichkeiten, diese Beziehungen zu stabilisieren und
vielleicht günstiger zu gestalten - vor allem durch Abkommen über die
Rüstungskontrolle.
- Fünftens, wo der Konkurrenzkampf zwischen den beiden Supermächten
auf nichtmilitärischem Gebiet stattfindet, erfreuen sich die Vereinigten
Staaten weiterhin einer Reihe von Vorteilen: was die industrielle, landwirtschaftliche, technologische und diplomatische Stärke angeht; was die
Energie und den Unternehm^nsgeist der Büraer angeht; was die Anziehungskraft
unseres Systems, seine Aufgeschlossenheit und seinen geraden Anstand angeht
und was die Unterstützung von Verbündeten und anderen Freunden angeht, die i.i
echter Weise ähnliche Hoffnungen und Wünsche mit uns teilen.
- Sechstens, die Sowjetunion leidet im Gegensatz dazu unter großen
internen Schwierigkeiten - wirtschaftlicher, politischer und sozialer Art -,
und diese Schwierigkeiten werden mit dem bereits auftretenden Rückgang der
Geburtsraten, dem bevorstehden Rückgang der einheimischen Energieversorgung
und der Wachstumsraten der Wirtschaft wahrscheinlich noch größer werden. Die
Sowjets leiden ferner darunter, daß es ihnen an echt zugetar.en Verbündeten
mangelt, und sie haben einen Rückschlag in ihren Beziehungen zur Volksrepublik China, zu Indien und zu Teilen des Nahen Ostens erlitten. Trotz dieser
Schwierigkeiten und Rückschläge haben die Sowjets eine militärische Macht
erworben, die mit der der Vereinigten Staaten vergleichbar ist. Auf einigen
Gebieten sind sie voraus, auf anderen sind sie zurück. (Ein Vergleich der
militärischen Kapazität hängt auch von der geographischen örtlichkeit eines
- 3 -

�eines Konflikts ab.)
- Siebtens, obwohl viele Trends und Probleme sich weiterhin unabhängig
von den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
entwickeln - und unsere Aufmerksamkeit und unsere Mittel erfordern -.bleibt
die Sowjetunion das Hauptproblem unserer nationalen Sicherheit: nicht das
einzige, aber das größte Problem.
Wir verhandeln mit den Sowjets (und müssen weiterhin verhandeln) über
spezifische, gerechte und ausreichend verifizierbare Rüstungskontroll- und
Abrüstungsabkommen - Abkommen, die die internationale Stabilität stärken,
dem Wettrüsten Einhalt gebieten und die konventionellen wie die nuklearen
Rüstungen verringern. Wir müssen versuchen, die Sowjets in konstruktiver
Weise in eine Reihe internationaler Aktivitäten hineinzuziehen - auf sozialem
und wirtschaftlichem Gebiet, einschließlich des nichtstrategischen Handels.
Wir müssen sie zur Zusammenarbeit bei der Lösung internationaler Konflikte
und der Verringerung der Spannungsgebiete ermutigen, die zur Konfrontation
führen könnten. In dem Maße, in dem wir jegliche amerikanisch-sowjetische
Konkurrenz in nichtmilitärische Gebiete umleiten, werden wir besser daran
sein, vor allem im Hinblick auf unsere wirtschaftlichen, sozialen und
sonstigen Vorteile.
Keine dieser Anstrengungen zur Zusammenarbeit darf uns jedoch dazu
veranlassen,die amerikanischen Verpflichtungen gegenüber den Menschenrechten,
der nationalen Unabhängigkeit und demokratischen Institutionen - oder der
kollektiven Sicherheit mit unseren Freunden - hintan zu stellen. Und ganz
sicherlich dürfen sie uns nicht abhalten, zusammen mit unseren Verbündeten
ein Gegengewicht zur sowjetischen Militärmacht in so lebenswichtigen Gebieten
wie Europa zu schaffen.
Das Hauptziel unseres kollektiven Sicherheitssystems muß in der Aufrechterhaltung eines militärischen Gesamtkräfteverhältnisses mit der Sowjetunion lie
gen , das nicht weniger günstig ist als das gegenwärtig bestehende. Was wir

�Was wir anstreben, ist Abschreckung und Stabilität und keine anmaßende
militärische Macht. Wenn wir das haben und darauf vertrauen wollen, dann
müssen wir einer glaubwürdigen Kampfkraft sicher sein.
Die Kosten für eine solche Kapazität sind beträchtlich. In den letzten
15 Jahren haben die sowjetischen Verteidigungsausgaben ständig zugenommen.
Wir schätzen die reale Wachstumsrate durchschnittlich auf drei bis vier
Prozent im Jahr, was in etwa der Wachstumsrate des sowjetischen Bruttosozialproduktes entspricht. Während des größten Teils dieses Zeitraums (vom Haushaltsjahr 1964 bis zum Haushaltsjahr 1975) ist der amerikanische Grundverteidigungshaushalt (nach Abzug der Bezüge für Soldaten im Ruhestand und der zusätzlichen Kosten für den Krieg in Südostasien) real ständig zurückgegangen.
Als Folge scheinen die sowjetischen Verteidigungsanstrengungen jetzt die unsrigen
zu übertreffen. In welchem Umfang das der Fall ist, hängt von der Beurteilung und auch davon ab, ob man die beiden Programme in Rubel oder Dollar
vergleicht. Schätzungen zwischen 20 und 40 Prozent scheinen im Bereich des
Annehmbaren zu liegen.
Auf der anderen Seite haben wir das Glück, Verbündete zu besitzen, denen
es wirtschaftlich gut geht und die bereit und willens und in der Lage sind,
bei der Schaffung eines Gegengewichts gegen die sowjetischen Anstrengungen
zu helfen. Die Sowjets sind da nicht so glücklich dran,. Darüber hinaus haben
sie sich gezwungen gefühlt, bis zu 20 Prozent ihrer gesamten Verteidigungsanstrengungen nach dem Fernen Osten und gegen die Volksrepublik China zu
richten. Diese Überlegungen werden wir Dei der Beurteilung des angemessenen
Umfangs des amerikanischen Verteidigungsprogrammes einfließen lassen. Trotzdem,
wenn wir und unsere Verbündete mit den Sowjets Schritt halten und ein Gegengewicht zu ihrer militärischen Macht schaffen wollen, dann müssen wir unsere
eigenen Anstrengungen erhöhen.
Vor allem das zunehmend heikle konventionelle Kräfteverhältnis zwischen
der NATO und dem Warschauer Pakt in Europa ist eine Sache großer Besorgnis.
Aus diesem Grund haben wir und unsere NATO-Verbündeten im Mai 1977 die Notwendig- 5 -

�die Notwendigkeit eingesehen, den Stand unserer jeweiligen Verteidigungsausgaben real um rund drei Prozent im Jahr zu erhöhen. Aus diesem Grund
haben wir bereits mehrere große Initiativen in Angriff genommen, um mit
kurzfristigen Unzulänglichkeiten in der NATO fertig zu werden, langfristige
und koordinierte Verteidigungspläne aufzustellen und ein größeres Maß an
Zusammenarbeit im Bündnis in der gemeinsamen Verteidigung zu erreichen.
Wir alle, das hat man heute eingesehen, müssen unsere Reaktion auf den
militärischen Aufbau der Sowjets verstärken.
Der generelle Umfang der sowjetischen Verteidigungsanstrengung und die
anhaltende Unsicherheit in internationalen Beziehungen sind in einem beträchtlichen Ausmaß für die Größe und die Zusammensetzung des

amerika-

nischen Verteidigungshaushaltes verantwortlich. Aber wir versuchen nicht,
ein Spiegelbild der militärischen Kapazität der Sowjets zu schaffen. Wir
versuchen vielmehr,die nuklearen und konventionellen Streitkräfte aufrechtzuerhalten, die notwendig sind, um vor möglichen sowjetischen Militäraktionen
in Gebieten der Welt abzuschrecken oder sie, wenn notwendig, zu vereiteln,
die

für uns von lebenswichtiger Bedeutung sind.
Da sich aufgrund der jüngsten und auseinandergehenden Entwicklungen

der Verteidigungsausgaben der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gewisse
Mängel in unserer Position zu entwickeln drohen, brauchen wir erhöhte Mittel,
um diese Mängel zu beheben.

Die strategischen Nuklearstreitkräfte
Ein strategischer Nuklearangriff ist der am wenigsten wahrscheinliche
Ernstfall, von dem wir ausgehen. Aber es gibt keine lebenswichtigere Aufgabe,
als die Erhaltung des strategisch-nuklearen Kräfteverhältnisses zwischen
den Vereinigten

Staaten und der Sowjetunion. Nach meinem Urteil besteht zum

gegenwärtigen Zeitpunkt im großen und ganzer ein strategisch-nukleares Gleich-

�Gleichgewicht zwischen den beiden Supermächten. Weder das eine noch das
andere Land erfreut sich eines militärischen Vorteils; weder das eine noch
das andere ist in der Lage, seine nukleare Kapazität für politische Zwecke
auszunutzen. Die Lage ist die eines Patt. Die gegenseitige strategische
Abschreckung und das Gleichgewicht im großen und ganzen funktionieren.
Die Vereinigten Staaten waren in diesem Wettstreit nicht müßig. Wir haben
Programme in Arbeit, um jedes Element unserer Triade zu modernisieren. Wir
müssen jedoch alle erkennen, daß die Sowjets weiterhin eine Reihe großer,
eindrucksvoller und kostspieliger strategischer Programme finanzieren, um
ihre Offensivkapazitäten, ihre aktive Verteidigung und ihre passiven Verteidigungssysteme zu verstärken.
Warum die Sowjets die Verbesserung ihrer strategischen Nuklearkapazität
mit solchem Nachdruck vorantreiben, ist nicht sicher. Sicher ist jedoch,
daß wir ihre Anstrengungen nicht ignorieren und davon ausgehen können, daß
sie von Altruismus oder reiner Abschreckung motiviert seien.
Meine eigene Auffassung ist die, daß wir auf viele Jahre an dem Punkt
stehen, an dem ein voller thermonuklearer Schlagaustausch zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion für beide Seiten eine Katastrophe
unvorstellbaren Ausmaßes darstellen würde. Mir ist im letzten Jahr nichts
zu Ohren gekommen, was mich zu einem anderen Schluß geführt hätte. Ich bin
ferner der Überzeugung, daß jeder Einsatz von Kernwaffen - ob taktische oder
strategische - durch die beiden Supermächte gegeneinander ein hohes Risiko
- wenn auch nicht die absolute Gewißheit - der Ausweitung zu einem vollen
thermonukleraren Schlagaustausch in sich tragen würde.
Aber wenn die Abschreckung vor einem Nuklearkrieg unser fundamentalstes
Verteidigungsziel ist - und das ist es gewiß - ,dann zählt das, was sowjetische
Politiker und Militärs glauben. Und was das angeht, so stehen wir leider vor
einer neuen Ungewißheit. Was wir als für die Sicherheit zureichend betrachten,
mögen sie für völlig unzureichend halten. Was uns abschrecken würde, mag sie
- 7 -

�mag sie vielleicht nicht abschrecken. Was manche von uns als glaubwürdig
im Sinne der Abschreckung betrachten, könnten sie als Bluff abtun.
Angesichts dieser Ungewißheiten ist große Vorsicht und sorgfältige
Absicherung notwendig. Grundsätzlich verlangt dies von uns, daß wir auf
dem wesentlichen Gleichgewicht de: strategischen Nuklearstreitkräfte mit der
Sowjetunion bestehen. Bei all dem, was auf dem Spiele steht, genügt kein
geringerer Anspruch.

Die gemischten nichtstrategischen Streitkräfte
Es dürfte auf der Hand liegen, daß wir uns in einer Zeit der gegenseitigen
strategischen Abschreckung mehr denn je Sorgen über die regionalen Kräfteverhältnisse in einer Reihe von Gebieten und über die Zulänglichkeit der
konventionellen Kapazität der USA und ihrer Verbündeten machen müssen. Dieses
Problem entstand nicht durch die strategische Parität. Die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten sahen sich seit vielen Jahren dem Risiko eines sowjetischen
Nuklearangriffes ausgesetzt. Aber die nukleare Parität hat uns alle zu der
Einsicht gezwungen, daß der Einsatz traditionellerer Arten von Streitkräften
durch unsere Gegner für diese weniger risikoreich erscheinen könnte als
früher.

Europa
Ob aus diesem oder einem anderen Grunde erhält der Warschauer Pakt
auf jeden Fall se^ne Kapazität aufrecht, einen großen Angriff gegen Westeuropa führen zu können und verbessert sie sogar noch. Ein solcher Angriff
könnte nuklearer oder nicht-nuklearer Natur sein. Er könnte nach einigen Tagen
oder Wochen der Mobilisierung und der Dislozierung seitens des Warschauer

�Warschauer Paktes erfolgen, aber wir können die Möglichkeit nicht ausschließen,
daß die starken Kräfte des Warschauer Paktes, die bereits in Osteuropa
stationiert sind, ohne Verstärkung und nur mit geringer taktischer Vorwarnung inmitten einer größeren Ost-West-Krise angreifen würden.
Die Vereinigten Staaten werden ihren Teil dazu beitragen, um sicherzustellen, daß die NATO die Kapazität - sowohl auf konventionellem wie auch
auf nuklearem G°biet - hat, um die Unabhängigkeit
grität

und territoriale Inte-

Westeuropas zu wahren. Wir sind entschlossen, dabei mitzuhelfen, daß

jeder dieser möglichen Angriffe des Warschauer Paktes mit einem Minimum an
Verlusten alliierten Gebietes gestoppt wird

und die Vorkriegsgrenzen prompt

wiederhergestellt werden.
Unsere Politik steht in völliger Übereinstimmung mit den gegenwärtigen
NATO-Richtlinien mit ihrer Betonung der flexiblen Antwort sowie mit der
Notwendigkeit für taktische und strategische Nuklearstreitkräfte im Rahmen
des Bündnisses. Wir stimmen angesichts der Verstärkung der sowjetischen Truppen
in Osteuropa mit unseren Verbündeten darin überein, daß die NATO, einschließlich der Vereinigten Staaten, wesentliche Verbesserungen der konventionellen
Kapazität des Bündnisses vornehmet muß.
Dazu gehören:
- die dislozierten Streitkräfte der Vorneverteidigung in Europa und ihre
Bereitstellung;
- die Ausgangskampfkraft dieser Truppen für die Vorneverteidigung und vor
allem ihre Panzerabwehrkapazität; und
- eine rasche Verstärkungskapazität des Bündnisses.
Ich habe bereits eine Reihe amerikanischer Programme auf diesen Gebieten
ins Leben gerufen. Wir fördern die Einsatzbereitschaft der gemischten nichtstrategischen Streitkräfte der USA entscheidend und verstärken unsere Fähigkeit,
der NATO rasch Verstärkungen zur Verfügung zu stellen. Im Augenblick können
- 9 -

�könnten wir unsere 5 2/3 Divisionen und unsere 28 taktischen Luftstaffeln
innerhalb von zehn Tagen um mehr als eine Division und um 40 Staffeln verstärken.
Wir planen, bis 1980 im gleichen Zeitraum fünf Divisionen und 60 taktische
Luftstaffeln zusätzlich verlegen zu können.
Gemeinsam mit unseren Verbündeten bauen wir unsere Panzerabwehrkapazität
aus und erhöhen unsere Kriegsreservebestände. Während der nächsten fünf Jahre
wollen allein schon die USA ihre "aufgefüllten" Divisionen auf elf der
insgesamt 16 regulären Armeedi Visionen erhöhen, etwa 5 000 Panzer und
18 000 Lenkraketen zur Panzerbekämpfung für die Armee in Dienst stellen und
mehr als 2 000 taktische Flugzeuge für die Luftstreitkräfte beschaffen. Allein
im kommenden Jahr werden unsere Verbündeten ihre Kapazität in Mitteleuropa
um nahezu 2 000 Abschußrampen für Lenkraketen zur Panzerbekämpfung und um
14 000 Raketen zur Panzerbekämpfung erhöhen.
Im Dezember 1977 kamen die Verbündeten ferner überein, ihre Kriegsreservebestände zu verbessern, ihre Einsatzbereitschaft zu verstärken und ihre
Nachschubkapazität zu erhöhen. Diese Maßnahmen werden zusammen mit einer
größeren Panzerbekämpfungswirksamkeit die Kapazität der NATO gegenüber der
Möglichkeit eines kurzfristigen Angriffs seitens der Mächte des Warschauer
Paktes fördern.
Gleichzeitig arbeiten wir und unsere Verbündeter an einer größeren Integrität der NATO-Doktrin, der Taktik, der Verfahren und der Ausrüstung des
Bündnisses. Je mehr diese Ausrüstung, die Munition und die logistische Unterstützung interoperabel sind, desto wirksamer können die Streitkräfte der
Verbündeten einem koordinierten Angriff Einhalt gebieten. Standardisierte oder
interoperable Befehls- und Leitstellen, Nachrichtenverbindungen sowie austauschbare Munition sind insbesondere für diesen Zweck von entscheidender Bedeutung.

- Nationale Sicherheitspolitik -

�- Nationale Sicherheitspolitik Die Carter-Administration hat während der vergangenen zwölf Monate
entsprechend gehandelt. Wir haben die äußersten Anstrengungen gemacht, um
einerseits zu fairen und friedlichen Lösungen bei den derzeitigen internationalen Streitfällen zu gelangen und andererseits auf die sich über
längere Zeiträume erstreckenden Trends einzugehen, die den Weltfrieden und
die internationale Stabilität gefährden könnten.

- Westeuropa Die Sicherung der Stabilität in der lebenswichtigen europäischen Region
ist für diese Administration ein Ziel von höchster Priorität. Zu diesem
Zweck hat der Präsident sowohl kurzfristige wie auch längerlaufende Programme
vorgeschlagen, die die militärische Leistungsfähigkeit der NATO verbessern
sollen.
Er hat ferner auf eine verstärkte transatlantische Kooperation in der
Rüstung gedrungen durch eine von Europa, Kanada und den Vereinigten Staaten
vorzunehmende Analyse, wie die derzeitigen Entwicklungs-, Produktions- und
Beschaffungsverfahren verbessert werden könnten.
Die Aufgabe ist anspruchsvoll und schwierig. Aber wir sind entschlossen,
mit Nachdruck auf eine stärkere und rationellere Verteidigungsposition der
NATO mit größerer Interoperabilität und Standardisierung der Waffen hinzuwirken.

- Ostasien Wir sind überzeugt, daß wir am wirksamsten zum Frieden in Asien beitragen
11 -

�beitragen können, wenn wir die im Westpazifik in vorgeschobenen Positionen
dislozierten Streitkräfte beibehalten. Diese Streitkräfte führen zu einer
größeren politischen Zurückhaltung bei potentiellen Gegnern und bilden ein
wichtiges Element der Sicherheit für die befreundeten Nationen. Wir arbeiten
auch an einer Verbesserung der amerikanisch-japanischen Verteidigungszusammenarbeit und haben mit der japanischen Regierung über Mittel und Wege gesprochen, wie sich die Kosten für die Stationierung amerikanischer Streitkräfte in Japan verringern lassen.
Aktive und effektive Beziehungen zur Volksrepublik China sind nicht
nur deshalb wichtig, weil China ein strategisches Gegengewicht zur Sowjetunion darstellt, sondern weil derartige Beziehungen das Interesse der
chinesischen Volksrepublik an regionaler Stabilität stärken werden. Dementsprechend bleibt die Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und der
Volksrepublik China in Einklang mit den Grundsätzen des Kommuniques von
Schanghai ein Hauptziel dieser Administration.

- Der Nahe Osten
Präsident Carter hat mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß wir nicht die
Absicht haben, den Nationen ir Nahost eine Lösung von außen aufzuzwingen. Wir
werden jedoch alles in unserer Macht stehende tun, um den Parteien bei der
Aushandlung eines gerechten und dauerhaften Friedens zu helfen. Der Präsident
ist bereits mit den meisten Regierungschefs der Länder dieser Region zusammengetroffen, der Außenminister hat mit den Außenministern Israels und der arabischen
Nationen, die an dieser Suche nach Frieden beteiligt sind, vielstündige
Gespräche geführt. Wir haben mit der Sowjetunion in engem Kontakt gestanden,
da wir gemeinsam die Verantwortung tragen, die Genfer Konferenz zu angemessener
Zeit wieder einzuberufen.
- Afrika - 12 -

�- Afrika Wir waren bemüht, uns in Afrika mit den gerechten Wünschen und Hoffnungen
der Schwarzafrikaner zu identifizieren. Damit gaben wir den Vereinigten
Staaten und dem Westen ganz allgemein die Möglichkeit, eine kreativp Rolle
bei der Behandlung der Probiene zu spielen, denen sich die afrikanische
Gemeinschaft gegenübersieht.

- Lateinamerika Wir haben auf dem traditionellen Weg der Aufstellung eines neuen Mottos
zur Charakterisierung der Beziehungen der Vereinigten Staaten zu Lateinamerika
verzichtet. Stattdessen haben wir betont, daß wir die Vielfältigkeit der
lateinamerikanischen Nationen respektieren, während wir uns aber zugleich
bewußt sind, daß die Region als Ganzes - für die Vereinigten Staaten • von
besonderer Bedeutung ist, in bezug auf die Nachbarschaft sowie ;n bezug
auf die Tatsache, daß der größte Teil dieser Region ihren Kolonialstatus
in den gleichen fünfzig Jahren abgeschüttelt hat, in denen es die Vereinigten
Staaten getan haben - und zwar oft mit den Vereinigten Staaten als Modell sowie auf unsere lange Geschichte enger, wenn auch nicht immer fairer und
gerechter Beziehungen zueinander.
Die meisten lateinamerikanischen Staaten respektieren und begrüßen diesen
von uns eingeschlagenen Weg. Sie sehen darin den Verzicht auf die traditionelle
gönnerhafte Bevormundung durch die USA und den Beginn reiferer und normalerer
Beziehungen. Diese Beziehungen aber können nur dann zu einer volleren Entwicklung gelangen, wenn wir die Frage des Panamakanals lösen.

- Verteidigungspolitik - 13 -

�- Verteidigungspolitik Die amerikanische Verteidiungsposition wird im wesentlichen durch die
internationalen Gegebenheiten und die Ziele der nationalen Sicherheit bestimmt.
Diese Faktoren

zeigen unsere lebenswichtigen Interessen und die entscheiden-

den - informellen und formellen - Verpflichtungen auf, die wir eingegangen
sind. Sie ermöglichen uns die Abschätzung der großen Kräfte, die unseren
Programmen zur Erlangung der internationalen Sicherheit, des internationalen
Firedens und der Stabilität in der Welt potentiell feindlich gegenüberstehenden.
Sie spezifizieren die Haupttrends - sowohl in bezug auf die Kapazitäten wie die
Politiken anderer Staaten - mit denen sich die nationale Sicherheitspolitik
Amerikas befassen muß. Sie sagen uns, mit welchen dieser Nationen wir bei der
Verteilung der Lasten für die kollektive Sicherheit am ehesten rechnen können.
Sie bieten uns eine Leitlinie, was die allgemeine Größe der Verteidigungsaufgabe, vor der wir stehen, und die Funktionen anbetrifft, die unsere
Verteidigung bei der Erreichung der amerikanischen Zielsetzungen auszuüben
haben wird.
Von diesen Funktionen verdienen drei wegen ihrer Auswirkungen auf die
Verteidigungsplanung und -politik besonders hervorgehoben zu werden.
Die erste Funktion besteht darin, die Grundlage der Stärke und der Abschreckung zu schaffen, die so notwendig für die Wirksamkeit der anderen
Instrumente der Politik ist. Die zweite Funktion ist es, allen unseren Zielen
der nationalen Sicherheit besondere Unterstützung zukommen zu lassen. Als ein
Beispiel für diese zweite Funktion ist es unerläßlich, daß unsere Verteidigungspläne und unsere Verteidigungspolitik vereinbar sind mit unseren
Anstrengungen, die nationale Sicherheit durch Rüstungskontrolle aufrechtzuerhalten. In gleicher Weise ist es wichtig, daß wir unsere Verteidigungsposition und unsere Disloszierungen auf so allgemeine politische Erfordernisse
abstellen wie die Aufrechterhaltung einer machtvollen Präsenz zur See im
östlichen Mittelmeer - auch wenn diese Dislozierungen von "rein militärischen"
Gesichtspunkten her nicht optimal sein mögen, wem, man beispielsweise die
- 14 -

�die Position betrachtet, die erforderlich wäre, um einen allgemeinen Krieg
zu führen. Die dritte Funktion ist natürlich die Durchführung effektiver
und wirksamer militärischer Operationen zur Unterstützung unserer nationalen
Ziele. Sollten solche Operationen erforderlich werden, ist es von besonderer
Bedeutung, daß die militärische Macht die Politik unterstützt

und nicht

ihr Motor ist. Gleichzeitig sollten wir uns darüber im klaren sein, daß wir
nicht genau berechnen können, welche Macht erforderlich ist, um ein bestimmtes
Resultat unabhängig von dem Wissen über eine gegnerische Aktion zu erreichen.
Angesichts dieser Funktionen muß unsere Position so beweglich und
flexibel sein, daß wir den Anweisungen des Präsidenten folgen können. Das
Verteidigungsministerium darf nicht auf einen einzigen, starren Kriegsplan
festgelegt werden - es darf nicht nur spezifische Detailpläne für eine Schlacht,
einen Feldzug oder Krieg vor Augen haben.

- Darstellung von Macht Selbst wenn Europa oder der Nahe Osten das einzige Problem für unsere
konventionellen Streitkräfte wären, so brauchen wir doch die Möglichkeit oer
Darstellung von Macht für die Abschreckung. Für die Streitkräfteplanung
konzentrieren wir uns in erster Linie auf Mitteleuropa, aber die nördlichen
und südlichen Flanken der NATO sind ebenfalls in Gefahr. Beide Räume haben
Küstengebiete, die sich für amphibische Operationen und Operationen seegestützter Luftmacht anbieten. Die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, ihre
militärisch. Macht rasch auf die Flanken zu verlagern, sollte eine Beruhigung
für unsere dortigen Verbündeten sein und die Wahrscheinlichkeit verringern, daß
die Sowjets dort begrenzte Operationen durchführen, um einen besseren Zugang
zum Nordatlantik oder zum Mittelmeer oder eine Kontrolle dieser Räume zu
erlangen.
Die geographischen Bedingungen, die die Durchführung amphibischer Operationen
- 15 -

�Operationen und eine entsprechende Luftunterstützung gestatten, sind ebenfalls
für den Nahen Osten, den Persischen Golf und für Korea gegeben. Und so wie
sich die sowjetische Kapazität

zur Darstellung von Macht vergrößert,

ist

es wichtig, daß wir über die mobile Einsatzmacht zur See verfügen, um die
sowjetischen Schritte vorauszusehen und entsprechend reagieren sowie gegen
Stützpunkte vorgehen zu können, die sie vielleicht haben oder einrichten
möchten. Dieses letzte Erfordernis könnte sich in der Tat als von besonderer
Bedeutung für die Erlangung der Seeherrschaft erweisen.

Die Angemessenheit unserer Position
- Mitteleuropa Der Hauptprüfstein dafür, ob wir gegenwärtig die Bedingungen der Abschreckung erfüllen, ergibt sich aus einem hypothetischen Angriff des Warschauer Paktes in Mitteleuropa. Wenn wir vernünftig darauf vertrauen dürfen,
einen solchen Angriff aufhalten zu können, dann können wir logischerweise
davon ausgehen, daß wir über ausreichende Streitkräfte verfügen, um auch mit
anderen Ernstfällen fertig werden zu können, die weniger Anforderungen stellen.
Es gibt im wesentlichen mehrere Ebenen für einen Angriff seitens des
Warschauer Paktes, an denen wir die Angemessenheit unserer konventionellen
Kräfteposition messen können. Auf der ersten Ebene könnte der Pakt einen Teil
seiner vorne dislozierten Streitkräfte einsetzen; auf der zweiten Ebene könnten
alle dislozierten Kräfte des Paktes ins Spiel kommen; auf der dritten Ebene
könnte der Angriff aus der gesamten dislozierten Macht plus Verstärkungen aus
den westlichen Militärdistrikten der Sowjetunion bestehen. Eine weitere
Möglichkeit wäre ein Angriff, der auf der geringsten Streitkräfteebene beginnen,
aber von einer Mobilisierung und Dislozierung begleitet sein würde, dir solange eine Fortsetzung fände, bis die Gesamtmacht im Einsatz wäre.
Die dritte
- 16 -

�Die dritte Angriffsebene stellt die meisten Anforderungen in dem Sinne,
daß sie die Angemessenheit der vollen amerikanischen Streitkräftestruktur,
einschließlich unserer Verstärkungs- und Nachschubkapazität, auf die Probe
stellt.
Angriffe seitens der vorne dislozierten Streitkräfte des Paktes wären
jedoch auch bedeutsam, nicht nur wegen des sowjetischen Nachdrucks auf Überraschung

Jnd Blitzkrieg, sonder auch weil dadurch andere Aspekte der

NATO-Position - die Streitkräfte an Ort und Stelle

sowie der sehr frühen

Verstärkungen - auf die Probe gestellt würden.
Darüber hinaus dürfte auf der Hand liegen, daß unsere Fähigkeit, mit
größeren Angriffen fertig zu werden, irrelevant sein könnte, wenn die NATO
gegenüber einem Angriff der vorne dislozierten Streitkräfte des Paktes
verwundbar wäre. Wir könnten kaum eine Befriedigung darin finden, eine
massive lobilisierung durchgeführt zu haben und dann entdecken zu müssen, daß
Europa während dieses Prozesses verloren ging. Natürlich würden auch die
Sowjets mit kurz vorbereiteten Angriffen Risiken eingehen. D Ö S Befehls- und
Leitsystem wäre nicht voll eingerichtet, die Verstärkungen wären nicht sofort
verfügbar und die Koordinierung wäre nur gering. Daher ist ein Angriff des
Warschauer Paktes nur mit geringer oder überhaupt keiner Vorwarnzeit unwahrscheinlich.
1. Angriffe aus Dislozierungsräumen
Weder die Sowjets noch die anderen Mitglieder des Warschauer Paktes führen
in Osteuropa großanlegte Manöver durch. Nichtsdestoweniger laufen die
Schätzungen darauf hinaus, daß der Pakt nach einer kurzen Vorbereitungszeit
einen Angriff mit zwei "Fronten" durchführen könnte. Man nimmt an, daß wir
wahrscheinlich eine gewisse Vorwarnung vor einem solchen Angriff erhalten würden.
Nach einer
- 17 -

�Nach einer weiteren kurzen Zeitspanne könnte der Pakt eine weitere
"Front" aufbauen. Die NATO bekäme wahrscheinlich eine einigermaßen beträchtliche
Vorwarnung, wenn der Angriff erst nach Massierung der größeren Kräfte erfolgte.
Bei angemessener Vorwarnung könnte die NATO im Bereich Mitte über die
Streitkräfte verfügen, um diese Angriffe aufzuhalten. Allerdings gibt es in
der Position des Bündnisses genug verwundbare Stellen,so daß wir auf dieses
Ergebnis nicht unbedingt vertrauen können.
2. Angriffe mit Mobilisierung
Es ist vorstellbar, daß der Warschauer Pakt - mit mehr Zeit - alle
seine Streitkräfte in Osteuropa einsatzbereit machen und zusätzliche Divisionen aus den westlichen Militärdistrikten der Sowjetunion sowie weitere
Flugzeuge aus Reserve- und Ausbildungseinrichtungen heranführen könnte.
Allerdings wären zahlreiche Divisionen des Paktes wahrscheinlich nicht voll
einsatzbereit. Obwohl die NATO vermutlich mit einer beträchtlichen Vorwarnzeit bei der Vorbereitung eines solchen Angriffs rechnen könnte, wären die
Sowjets wahrscheinlich doch auf eine taktische Überraschung aus.
Die NATO verfügt über das Inventar an Land- und Luftstreitkräften, um
sogar einem solchen Angriff Einhalt zu gebieten - zumindest, wenn die meisten
dieser Mittel verfügbar sind. Das Bündnis hätte jedoch ernsthafte Probleme,
in einer so kurzen Zeit seine grundlegende militärische Macht zum Tragen zu
bringen, wegen:
- Mangels an direkter oder indirekter

Feuerkraft (in erster Linie

Panzerabwehrwaffen und schwerer Artillerie);
- Mangels an Vorräten von Gefechtsnachschub-wie Munition und Reservematerial an kriegsgerät - zur Aufrechterhaltung einer intensiven Kampfkraft
der NATO-Verbündeten;
-- Mangel an
- 18 -

�- Mangels an einsatzbereiten Reserveeinheiten der Verbündeten, so daß
es schwierig wäre, den militärischen Kraäften des Warschauer Paktes in den
ersten Tagen der Mobilisierung Gleichwertiges entgegenzusetzen, während man
auf die Ankunft der schweren amerikanischen Land- und taktischen Luftstreitkräfte wartet;
-- anhaltender Mängel in den Verstärkungsvorkehrungen der USA hinsichtlich
der Land- und taktischen Luftstreitkräfte - mit zu wenigen v'nrratslagern auf
Divisionsebene (PoMCUS) - zu geringer Munitions- und anderer Nachschubvorräten
und eines anhaltenden Mangels an Unte Stellplätzen und Schutzbunkern für
unsere dislozierten Flugzeuge.
Auf längere Sicht ist es notwendig, daß das Bündnis - zusätzlich zur
Verbesserung der Interoperabilität - auch seine Kapazität zur elektronischen
Kriegsführung steigert, die Luftverteidigung seines Operationsgebietes und
seiner Truppen durch das AWACS-System verbessert und die Rationalisierung
und Standardisierung seines Geräts und seiner Zielsetzungen erhöht.
Soweit es die Vereinigten Staaten selbst betrifft, so besteht das
Hauptproblem weniger in der Struktur der Streitkräfte als in ihrer Einsatzbereitschaft und Durchhaltefähigkeit - die derzeit vorgesehende Stärke von 16
aktiven Heeres-Divisionen und 26 Jagdgeschwadern der Luftwaffe sind angesichts
der Kapazitäten des Paktes und der Verbündeten für die Anfangsphase der Verteidigung ausreichend.
- Erhöhte Einsatz- und Alarmbereitschaft für die in Europa dislozierten
Streitkräfte im Verein mit größerer Reaktionsbereitschaft gegenüber den
entsprechenden Warn- und Einsatzsystemen für den Kriegsfall-C-3 - in Friedenszeiten bemannt und einsatzbereit.
- Kontinuierliche Ergänzung der vorgeplanten eingelagerten Divisionsausrüstungen (POMCUS) sowie zusätzliche weitere Divisionsausrüstungen und Anlage
größerer Bestände von Reservematerial für den Kriegsfall im Operationsgebiet.
- Verbesserungen
- 19 -

�- Verbesserungen des Nachschub- und Verstärkungssystems für die Landund Luftstreitkräfte, damit die vorgeplanten eingelagerten und zusätzlichen
Bestände rascher genutzt werden und voll ausgerüstete Streitkräfte im
Operationsgebiet disloziert werden können, und
- Verbesserung der Interoperabilität mit den Streitkräften der Verbündeten
durch Modifizierung des vorhandenen Geräts und der Verfahren.
...

- Die Flanken Kritische Situationen im Bereich Mitte der NATO könnten von Angriffen auf
eine oder beide Flanken der NATO begleitet werden. In der nördlichen Region
würde der Versuch der Sowjets, aus dem Raum von Murmansk hervorzubrechen, die
Unterstützung Islands und Norwegens durch die Verbündeten erforderlich machen.
In der südlichen Region würde eine taktische Luftunterstützung Griechenlands
und der Türkei notwendig sein, um ihre Verteidigung gegen Angriffe auf Thrakien
und Versuche, die Dardanellen in die Hand zu bekommen, zu unterstützen.
Die Vereinigten Staaten würden bei der Unterstützung Islands und Norwegens nicht die alleinige Last tragen, könnten jedoch einen bedeutenden
Beitrag zu ihrer Verteidigung durch See- und amphibische Streitkräfte und den
Einsatz von Jagd- und Kampfgeschwadern leisten. Die Sechste Amerikanische
Flotte und landgestützte taktische Einheiten der Luftwaffe stünden zur Luftunterstützung auf der südlichen Flanke zusätzlich zu ihren anderen Aufgaben
bereit, obwohl die Verwundbarkeit der Seestreitkräfte durch einen Überraschungsangriff im Raum des östlichen Mittelmeeres weiterhin ein Grund zu ständiger
Besorgnis bleibt.
Das heißt nicht, daß ich ganz allgemein mit der Lage an den beiden Flanken
zufrieden bin - ich bin es nicht! Ich bin jedoch auch weiterhin davon überzeugt,

�überzeugt, daß die Hauptprobleme eher aus der Schwäche der einheimischen
Verteidigungsstreitkräfte als aus der Stärke unserer direkten Einsatzstreitkräfte resultieren. Ganz eindeutig liegt der wirksamste Einsatz unserer
Hilfsmittel in der Mithilfe bei der Verstärkung der einheimischen Kapazitäten und bei einer Verbesserung ihrer Integration in die anderen Kapazitäten
der Verbündeten, und dies besonders im Süden.

+ + + + +

- 21 -

�United States Information Service

8. Februar 1978

PRÄSIDENT CARTERS WIRTSCHAFTSPROGRAMM NIMMT GESTALT AN
Amerika mobilisiert Privatwirtschaft für den Aufschwung
- Steuersenkungen sollen zu Investitionen anregen Von W. Michael Blumenthal, US-Finanzminister

Der nachstehende Artikel besteht aus Auszügen aus einer Rede, die Minister
Blumenthal am 26. Januar 1978 in New York
gehalten hat.
Die Botschaften, die der Präsident dem Kongreß in der vergangenen Woche
vorgelegt hat - Botschaft über die Lage der Nation, Wirtschaftsbericht, Haushaltsvorschlag und Steuerbotschaft -, geben als Ganzes genommen Auskunft
über seine Beurteilung der Wirtschaftslage, seine künftigen Zielsetzungen
und die Art und Weise, wie er sie zu erreichen trachtet.
Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, daß sich unsere Wirtschaft im Grunde
in guter Verfassung befindet und in die richtige Richtung weiter entwickelt.
Wir stimmen unsere Maßnahmen nicht auf eine Wirtschaft ab, die sich - zyklisch
gesehen - der Senilitat nähert oder von unheilbaren strukturellen Gebrechen
befallen ist.

Unser Patient ist gesund und lebenskräftig, und es gibt viele

Anzeichen, die auf eine blendende Zukunft hindeuten.
Unsere

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-'

�Unsere Wirtschaft bezeugt dies mit Tatsachen:

Im ersten Jahr der der-

zeitigenAdministration war ein reales Wachstum von 5,75 Prozent zu verzeichnen, wurden vier Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen - ein neuer Jahresrekord - und konnte die Arbeitslosenrate um nahezu 1,5 Prozent gesenkt werden.

Das sind unverkennbare Hinweise auf die im Grunde gegebene Gesundheit

und ein echtes wirtschaftliches Gleichgewicht.
Wir wollen unsere Wirtschaft gesund erhalten.

Es sollte sich hinsicht-

lich unserer diesbezüglichen Zielsetzungen niemand einer Täuschung hingeben.
Unserer Auffassung nach wächst die Wirtschaft in etwa dem richtigen Tempo:
schnell genug, um die zu hohe Arbeitslosenrate allmählich zu senken, aber
nicht so schnell, eine zu große Beschleunigung der Inflationsrate auszulösen.
Unserer Lagebeurteilung nach wird uns eine Rate des echten Wachstums
zwischen 4,5 und 5 Prozent gestatten, sicher durch gefährliche Wasser zu
steuern.

Es dürfte somit klar sein, daß wir nicht eine rezessive Wirtschaft

anzuregen versuchen, sondern darauf abzielen, ein Tempo des wirtschaftlichen
Fortschritts beizubehalten, das die übrige industrialisierte Welt mit Bewunderung verfolgt.
Dennoch zeichnen sich Kräfte ab, die geeignet scheinen, die Wirtschaft
vom Weg des Wachstums abzudrängen.

Die wichtigsten unter ihnen sind die be-

trächtliche Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge, die Erhöhung der Einkommenssteuer durch das inflationsbedingte Aufsteigen zahlreicher Steuerzahler in höhere Einkommensgruppen, der schrittweise Abbau der im vergangenen
Jahr eingeleiteten Regierungsprogramme zur Wirtschaftsförderung, ein anhaltendes Außenhandelsdefizit und beträchtliche Haushaltüberschüsse auf einzelstaatlicher und örtlicher Ebene. Wir haben ein Steuerprogramm entwickelt,
das diese Kräfte weitgehend kompensieren und ein fortgesetztes, ausgewogenes
Wachstum gestatten wird.
Der Nachdruck unseres Steuerprogramms liegt darauf, Ressourcen der Privatwirtschaft zu mobilisieren.

Wir beabsichtigen nicht, steuerliche oder
- 2 -

�oder anderweitige Einkommensminderungen durch immer größere Bundesausgaben
auszugleichen.
Auf der Ausgabenseite stellt Präsident Carters erster vollständig
eigener Haushaltvoranschlag einen der genügsamsten seit Menschengedenken
dar:

Die vorgeschlagene Erhöhung der Aufwendungen für das Haushaltjahr 1979

beziffert sich unter Berücksichtigung Inflatorischer Einflüsse auf weniger
als ein Prozent.

Die Bundesausgaben werden im nächsten Jahr einen kleineren

Prozentsatz des Bruttosozialproduktes als in diesem Jahr in Anspruch nehmen
- 22 Prozent statt zuletzt 22,6 Prozent - ,und sie werden sich prozentual in
naher Zukunft weiter vermindern.
Statt uns auf steigende Regierungsausgaben als Mittel zur Aufrechterhaltung der Wirtschaftstätigkeit zu stützen, wenden wir uns stärker dem
Privatsektor zu. Das ist das Kernstück der Wirtschaftsstrategie des Präsidenten und insbesondere der tiefere Grund für sein Steuerprogramm. Die
Steuersenkungen, die wir vorschlagen, würden die Privatausgaben um nahezu
25 Milliarden Dollar ansteigen lassen.
Dabei erhebt sich natürlich die Frage: Sind die Steuersenkungen groß
genug?

Oder sind sie zu hoch?

Die Antwort lautet:

Sie sind in etwa richtig.

Wir gingen in unseren Überlegungen zur Finanzpolitik der Administration
für 1979 nicht von Steuersenkungen in bestimmter Höhe aus, die als Richtwert
für unsere Reform- und Ausgabenplanung zu gelten hat. Ausgangspunkt war vielmehr eine sorgfältige Analyse der Stärken und Schwächen der Wirtschaft in
der Gegenwart und absehbarer Zukunft.

Auf der Basis dieser Analyse entwickel-

ten wir ein Programm, um die Stärken zu maximieren und die Schwächen zu kompensieren, wobei wir die grundlegende Lebenskraft unserer Volkswirtschaft und
die Ausgaben- und Einnahmenentwicklung als Folge der Regierungsmaßnahmen mit
ins Kalkül zogen.
Wir
- 3 -

�Wir haben die Frage nach der Angemessenheit unserer Finanzprogramme
unter einer Reihe von Gesichtspunkten überprüft.
Ausgleich für lähmende Kräfte zu schaffen?

Reichen sie aus, einen

Sind sie geeignet, eine hinrei-

chende wirtschaftliche Expansion zu gewährleisten?

Nehmen sie gebührend

Rücksicht auf strukturelle Probleme?
Unser Programm wird diesen Kriterien gerecht.

Ein Index hierfür ist

der Anteil an den Einkommen, der von Bundessteuern in Anspruch genommen
wird.

Die vorgeschlagene Senkung der Einkommenssteuer wird im Verein mit

den im letzten Jahr verfügten Steuersenkungen einen weitgehenden Ausgleich
für die stärkere Inanspruchnahme der Beschäftigten durch die Sozialversicherungssteuer und die Auswirkungen der Inflation auf die tatsächlichen
Steuersätze schaffen.
Unser Programm bietet die Garantie, daß die kombinierte Belastung der
Personal einkommen durch die Einkommen- und die Sozialversicherungssteuer im
Haushaltjahr 1979 nicht größer als im abgelaufenen Haushaltjahr sein wird.
Die von uns vorgeschlagene Senkung der Körperschaftssteuer bedeutet, daß
der Fiskus im Haushaltjahr 1979 einen geringeren Anteil an den Gewinnen
beanspruchen wird als im Haushaltjahr 1977.
Unser Programm ist nicht nur im makro-ökonomisehen Sinne vernünftig,
sondern auch geeignet, die wichtigsten strukturellen Probleme unserer Wirtschaft direkt einer Lösung entgegenzuführen.
Der Haushaltvoranschlag ist beispielsweise auf das schwer zu beseitigende Dilemma der strukturellen Arbeitslosigkeit zugeschnitten.

Die Stei-

gerung der Gesamtbeschäftigung und die Verringerung der Arbeitslosigkeit im
vergangenen Jahr waren sehr eindrucksvoll; sie kamen aber nicht allen Kategorien von Erwerbspersonen gleichermaßen zugute. So ging die Arbeitslosigkeit unter Minderheitenangehörigen und Jugendlichen weit weniger stark zurück
als bei Erwachsenen und Weißen insgesamt.
Der

�Der Haushalt sieht erhebliche Anreize zur Beschäftigung von Behinderten vor.

Wir werden über 700 000 sog. CETA-Arbeitsplätze (Arbeitsplätze ge-

mäß dem Beschäftigungs- und Schulungsrahmengesetz - Comprehensive Employment
and Training Act) erneut überprüfen, um sicherzustellen, daß dieses Gesetz
den wirklich Benachteiligten zugutekommt.

Als Beitrag zur Lösung des Pro-

blems der Jugendarbeitslosigkeit ist ein Betrag von über einer Milliarde
Dollar eingeplant.

Noch wichtiger ist vielleicht die Tatsache, daß der Haushalt eine neue,
auf 400 Millionen Dollar veranschlagte Initiative vorsieht, die verstärkt
zur Mitwirkung der Geschäftswelt bei der Durchführung örtlicher Beschäftigungsund Schulungsprogramme anregen soll.

Die Regierung ist sich dessen bewußt,

daß die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen die richtige Methode darstellt,
zu langfristigen Lösungen zu gelangen.

Ein weiteres, strukturell wie auch konjunkturell sehr wichtiges Problem
ist die geringe Kapitalbildungsrate.

Um die erforderlichen Produktionsmittel

für eine wachsende Zahl von Erwerbspersonen beschaffen und die Produktivität
wieder auf den alten Stand bringen zu können, wird es notwendig sein, einen
weit größeren Anteil der Umsatzerlöse auf die Schaffung von neuem produktiven
Kapital zu verwenden, als dies in den letzten Jahren der Fall war.

über 12

Prozent dieser Erlöse sollte für die langfristigen Kapital erfordern!'sse abgezweigt werden;

in den siebziger Jahren haben wir kaum 10 Prozent auf In-

vestitionen verwendet.

Wenn unsere Fabrikanlagen und Ausrüstungen durch Versäumnisse bei der
Modernisierung und Ersatzbeschaffung immer mehr veralten, wenn wir unsere
Produktionskapazitäten unter dem langfristig erforderlichen Niveau belassen
und wenn der

Produktivitätszuwachs weiter abflacht, kommen wir dem Punkt

gefährlich nahe, an dem die Risiken einer langfristigen wirtschaftlichen
Stagnation und erneuten Beschleunigung der inflationistischen Drücke einsetzen ...
Die
- 5 -

�Die Verlangsamung der Investitionstätigkeit steht in einem direkten
Zusammenhang mit den unzureichenden Erträgen aus den Kapitalaufwendungen
der Wirtschaft.

Die unter dem Gesichtspunkt der Inflationierung des Produk-

tionskapitals und der Kapitalgüter berichtigten Gewinne sind tatsächlich sehr
gering.

Im Dreijahreszeitraum von 1974 bis 1976 bezifferten sich die in-

flatorisch-berichtigten Gewinne nach Abzug von Steuern im Durchschnitt auf
knapp über drei Prozent des Bruttosozialproduktes - das entspricht der geringsten Rate für jeden DreiJahreszeitraum seit Ende des Zweiten Weltkrieges.
Der einzige Ausweg besteht darin, Investitionen in die Wirtschaft
attraktiver zu machen.

Das Steuerprogramm, das wir vorgeschlagen haben,

wird das bewerkstelligen.
Die vorgeschlagenen Einkommensteuersenkungen werden die Märkte für jene
Produkte schaffen, die in den neuen Werksanlagen hergestellt werden; die
Senkung der Körperschaftssteuersätze wird die Erträge nach Abzug von Steuern
auf die angestrebten Neuinvestitionen steigen lassen.
Die Festschreibung der Steuernachlässe auf Investitionen ermöglichen
es der Wirtschaft, in die Zukunft in der Gewißheit zu planen, daß die Steuerbestimmungen nicht von jetzt auf gleich wieder geändert werden. Die Ausdehnung der Gewährung von Steuergutschrifteh auf Investitionen auch auf Baulichkeiten wird der bisherigen Bevorzugung von Investitionen in den Maschinenpark auf Kosten der Erstellung neuer Werksanlagen ein Ende bereiten. Schließlich wird die vorgeschlagene Erhöhung des Anteils, bis zu dem Steuergutschriften auf Investitionen gegen die Ertragssteuerschuld aufgerechnet werden können, eine größere Zahl von Unternehmen als bisher in die Lage versetzen,
diese Anreize wirklich zu nutzen.
Die vorgeschlagenen Veränderungen in Höhe und Art der Besteuerung der
Wirtschaft werden, wie ich zuversichtlich hoffe, zu einer erheblichen Zunahme der Kapitalgüterinvestitionen führen.
Unsere

�Unsere grundlegende Strategie besteht darin, die Voraussetzungen zu
schaffen, daß Privatinvestitionen verstärkt zur Aufrechterhaltung des Wirtschaftswachstums beitragen.

Das ist der sichere Weg, neue Arbeitsplätze

auf Dauer zu schaffen, die Preisstabilität langfristig aufrechtzuerhalten
und unsere Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten zu verbessern.

Es wird zu Pressionen kommen, die Steuersenkungen noch weiter auszudehnen und somit im Haushaltjahr 1979 ein noch größeres Defizit hinzunehmen.
Wir beabsichtigen, uns jedem derartigen Druck zu widersetzen.

Wir beabsich-

tigen, das Defizit Jahr für Jahr zu verringern,und wollen damit sogleich mit
dem ersten ausschließlich von unserer Administration erstellten Haushaltvoranschlag beginnen.

Ein Haushaltdefizit in der Größenordnung von 60 Mil-

liarden Dollar ist groß genug.

Das für 1979 vorgesehene 60 Milliarden Dollardefizit löst in Wahrheit
keinen ernsthaften Druck auf die Löhne, Preise oder Zinssätze aus.

Schließ-

lich nehmen wir dieses Defizit nicht in einer Phase der Konjunkturüberhitzung
in Kauf; angesichts einer Arbeitslosenrate von 6,4 Prozent und eines Kapazitätsnutzungsgrades von etwa 83 Prozent ist ein Haushaltdefizit zur weiteren
Expansion der Privatwirtschaft vielmehr durchaus am Platze.

Die Haushaltdefizite werden nicht zur "Verdrängung" privater Kapitalgeber führen.

Diese Furcht, die schon vor Jahren bestand, hat sich bisher

nie bewahrheitet - größtenteils deshalb, weil unsere Geldmärkte den Kapitalbedarf der privaten ebenso wie den der staatlichen Kreditnehmer zu befriedigen vermochten.

Das Defizit des Bundeshaushaltes muß man in der richtigen Perspektive
sehen.

Das Gesamtdefizit des Staates wird beträchtlich unter der 60 Milliar-

den Dollar-Marke liegen:

Während nämlich die Bundesregierung ein hohes De-

fizit in Kauf nimmt, werden die Einzelstaaten und Gemeinden große HaushaltÜberschüsse verzeichnen.

Unsere Vorstellung von den fiskalischen Erforder-

- 7 -

�Erfordernissen der Gebietskörperschaften wird vielfach von der Notlage
einiger Großstädte überschattet.

Alles in allem aber weisen die einzel-

staatlichen und kommunalen Haushalte meist beträchtliche Überschüsse auf
- insgesamt 25 bis 30 Milliarden Dollar.
Tatsächlich läßt sich ein erheblicher Anteil am Defizit im Bundeshaushalt auf die Bundeszuweisungen an die nachgeordneten Gebietskörperschaften
zurückführen, stammt doch heute rund ein Viertel aller Ausgaben der Staaten
und Gemeinden aus Bundesmitteln, gegenüber nur 15 Prozent in den sechziger
Jahren.

Zieht man diese Tatsachen mit in Betracht, erscheint die Größe des

Defizits im Bundeshaushalt nicht mehr so alarmierend.
Längerfristig gesehen haben wir unser Ziel, den Haushalt auszugleichen,
sobald sich die Verhältnisse bessern, nicht aufgegeben.

Der Bundeshaushalt

für das Jahr 1979 vermeidet alle Verpflichtungen, die sich unkontrollierbar
vervielfältigen und eine rasche Erreichung eines ausgeglichenen Budgets verhindern könnten ...
Das oberste Ziel aber des umfassenden Regierungsprogramms für die Wirt'
Schaft ist es, langfristig für ein Wirtschaftsklima zu sorgen, in dem Zuversicht und Gewißheit vorherrschen. Das ist genau das, was erforderlich ist,
damit die Genesung der Wirtschaft in eine neue Phase eintreten kann, in der
die Wirtschaft nach umfangreichen privaten Investitionen sicher in die achtziger Jahre eintreten kann.
.

+ + + + +

�8. Februar 1978

5

SEERECHTSKONVENTION: PRÄZEDENZFALL FÜR BEREITSCHAFT ZU
INTERNATIONALER ZUSAMMENARBEIT

- (AD) - Informelle Gespräche von Delegierten einer Anzahl der 150
Staaten, die sich seit 1974 um eine Neuordnung des Seerechts bemühen, haben
nunmehr den Fortgang der Verhandlungen gesichert. Sie waren nach Abschluß
der letzten mehrwöchigen Sitzungsperiode am 20. Juli 1977 in New York mit
der Verabschiedung eines "Informellen zusammengefaßten Verhandlungstextes"
(ICNT) an einem Punkt angelangt, an dem die weitere Teilnahme der Vereinigten Staaten fraglich erschien. Denn der im letzten Augenblick dem ICNTEntwurf "aufgepfropfte", radikal geänderte Wortlaut für die Bestimmungen
über eine internationale Regelung des Meeresbergbaus war für die USA völlig
unannehmbar. Dies erklärte der Chefdelegierte der Vereinigten Staaten, Botschafter Elliot Richardson, kürzlich in einem Interview mit dem amerikanischen
Informationsdienst (USIS).
Vor allem dem Verhandlungsgeschick von Minister Jens Evensen aus Norwegen und von Konferenzpräsident Hamilton Shirley Amerasinghe, die in der
Zwischenzeit Gespräche in unterschiedlicher Gruppierung arrangierten, ist
die Überwindung des toten Punktes zu verdanken.

Man einigte sich auf eine

Vorkonferenz vom 6. - 17. Februar 1978 in New York, die der nächsten, am

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�am 28. März in Genf beginnenden Hauptsitzungsperiode vorausgehen und auf
der die wichtigsten Entwurfsparagraphen für den Meeresbergbau revidiert
werden sollen.

Von den sieben Schlüssel Problemen, für die man in Genf

Lösungen zu finden sucht - wobei es nach Ansicht Richardsons bemerkenswert
ist, daß von immerhin 400 Artikeln des Gesamtdokuments für den Entwurf nur
noch jene 30 strittig sind, die die sieben Schlüsselprobleme lösen könnten
- werden drei auf der Vorkonferenz behandelt: Meeresbergbau, ferner die
Bedenken der Länder mit ungünstiger geographischer Lage und ohne Zugang zum
Meer (kurz LLGDs genannt) und Verfahren zur Beilegung von Streitigkeiten
über den Zugang zu Fischgründen in den für Anliegerstaaten reservierten Wirtschaftszonen.

Punkt vier wird die Geschäftsordnung für die bevorstehende

Hauptkonferenz in Genf sein, die bis Mai dauern soll und möglicherweise
durch eine weitere dreiwöchige Sitzungsperiode später im Jahr ergänzt wird.
Auf der letzten Hauptkonferenz war man durch Kompromißvorschläge, die
in umfassenden, fairen und offenen Diskussionen erarbeitet wurden, zu erheblichen Verbesserungen auch für die Bestimmungen über den Meeresbergbau gelangt; sie wurden dann allerdings in letzter Minute über den Haufen geworfen. "Es wäre eine bittere Ironie", erklärte Botschafter Richardson am
18. Januar 1978 in einer Rede in Cincinnati, "wenn es der Konferenz nicht
gelänge, das schwierigste Problem zu lösen, dem sie sich gegenübersieht nämlich für den Meeresbergbau eine internationale Regelung zu finden ...
Aber die Elemente für einen fairen und vernünftigen Kompromiß sind für die
Konferenz noch in Reichweite. Es muß den lebenswichtigen Interessen der
Vertreter der widerstreitenden Meinungen in irgend einer Form Rechnung tragen. Er muß außerdem in Anerkennung der Tatsache Zustandekommen, daß die
Maximalziele keines Landes zu realisieren sind. Der Schlüssel dafür, die
notwendige Änderung in der Dynamik der Konferenz herbeizuführen, ist die
Bereitschaft, zuzugeben, daß Politik auf internationaler wie auf nationaler
Ebene noch immer die Kunst des Möglichen ist."
Daß die Suche nach einem Konsens über den Meeresbergbau eine höchst
kontroverse, komplexe und schwierige Sache sei, überrasche niemanden, be_ 2 -

�betonte Botschafter Richardson.

Denn im Gegensatz zu den übrigen Sachge-

bieten handle es sich hier um ein völlig neues Terrain, für das es im internationalen Recht weder institutionell noch rechtlich eine Parallele gebe.
Alle Teilnehmerstaaten seien sich darüber einig, daß die Meeresrohstoffe
Allgemeingut der gesamten Menschheit seien, daß ihre Ausbeutung zum Vorteil aller durch eine in angemessener Weise eingesetzte internationale Behörde dirigiert werden solle.

Uneinigkeit bestehe in drei Hauptfragen:

1) Art und Weise der Ausbeutung.

Hier stehen die Ansichten der durch

ihre Lage begünstigten Länder, die für einen unbegrenzten Zugang zu den Abbaugebieten durch qualifizierte Firmen und Staatsunternehmen plädieren, der
Meinung jener Staaten gegenüber, die es vorziehen, die gesamte Ausbeutung
dem internationalen Äquivalent eines Staatsmonopols zu überlassen.

2) Richtlinien und Regelung für eine Nutzung der Meeresressourcen.
Hier werden viele internationale Wirtschaftsfragen berührt - beispielsweise
die Frage, ob alle Meeresmineralien der Kontrolle durch die Behörde unterworfen sein

und ob die Befugnisse der Behörde auch die Preisgestaltung und

Marktregelung umfassen sollen.

Der strittigste Punkt dürfte sein, inwieweit

eine Förderung von Meeresmineralien begrenzt werden sollte.

Denn hier pral-

len die Interessen der Verbraucher, insbesondere von Kupfer und Nickel, und
die der landgebundenen Produzenten dieser Rohstoffe aufeinander, welchen
die restriktive Politik einer begrenzten Produktion aus dem Meer zustatten
käme.

3) Kontrolle der neu zu schaffenden internationalen Institutionen für
den Meeresbergbau.

Am meisten umstritten bei diesem Problem ist die Frage,

in welchem Umfang die internationale Behörde entweder nach dem Grundsatz
"eine Stimme pro Land"

oder aber unter Berücksichtigung von wesentlichen

Interessengebieten wie Produktion, Investitionen und Verbrauch der einzelnen
Länder weisungsgebunden sein solle.
Ungeachtet
- 3 -

�Ungeachtet der so unterschiedlichen Einzelinteressen der Teilnehmerstaaten wurde die Konferenz durch die Debatte über die Meeresrohstoffe inzwischen in zwei Gruppen gespalten:

Die eine bevorzugt ein "pluralistisches"

Ausbeutungssystem, eine liberale Ressourcen-Politik und die Einsetzung eines
Beratergremiums, das die Wege zur Produktion ebnet.
zu allen diesen Punkten gegensätzliche Meinungen.

Die zweite Gruppe hat
Dies aber bedeutet, daß

die Verheißung vom "gemeinsamen Erbe der Menschheit", das die Meeresrohstoffe darstellen, unerfüllt bleibt.

Würden sich nämlich die "Monopolisten"

durchsetzen, wären Investitionen auf dem Gebiet des Meeresbergbaus unattraktiv, und die Entwicklung der erforderlichen Technologien würde blockiert.
Deshalb sollten die wirtschaftlichen Realitäten anerkannt werden.

"Die "Plu-

ral isten" aber müßten sich damit abfinden, daß die Entwicklungsländer nicht
ein System akzeptieren können, das sie zwar am Ertrag des Meeresbergbaus,
nicht aber an seiner Entwicklung und Durchführung beteiligt.
mittlerweile eingesehen.

Man hat dies

Die Verhandlungen wurden dadurch auf ein Dual-

bzw. Parallel-System hin orientiert, das beide Formen der Ausbeutung umfaßt.
Um jetzt zu einer endgültigen Übereinkunft zu kommen, muß jede Seite zustimmen, daß die andere Hälfte des Dualsystems arbeitsfähig werden kann

und

daß beide Systeme nebeneinander solange in Gang gehalten werden, bis eine
Konferenz, die später einmal zur Überprüfung einberufen wird, anders entscheidet.

Damit ein solches Einverständnis realisierbar wird, müssen nach Meinung der Vereinigten Staaten zwei gegenseitig bindende Bedingungen erfüllt
werden:
1) Die wirtschaftliche Lebensfähigkeit der "pluralistischen" Seite
darf nicht durch die Behinderung von Investitionen, etwa aufgrund finanzieller Abmachungen mit unvernünftig hohen Belastungen, unmöglich vager
Formulierungen beim Aushandeln von Verträgen oder unbegrenzter Handlungsfreiheit der internationalen Behörde, unterlaufen werden. Jegliche Beschränkung der Förderung von Tiefseemineralien muß in der Rohstoffpolitik eindeutig dargelegt sein; sie darf keinesfalls durch eine Seitentür eingeschmuggelt
werden

-

2) Ebenso
_ 4 _

�2) Ebenso müßten der internationalen Behörde (dem "Unternehmen")
die praktischen Mittel an die Hand gegeben werden, um die Produktion in
Gang zu setzen, was nicht schon zu Beginn durch die Unfähigkeit erstickt
werden darf, Zugang zu Kapital oder Technologie zu bekommen.

Aus diesem

Grund boten die USA als Reaktion auf die Befürchtungen der Entwicklungsländer, daß das "Unternehmen" ohne Anlauffinanzierung für sein erstes Abbaufeld eine "taube Nuß" sein könnte, vor einiger Zeit ihre Unterstützung zu
einer solchen Finanzierung an.
Hinsichtlich der Rohstoffpolitik hatten die Industrieländer geglaubt,
ein großes Zugeständnis gemacht zu haben, als sie einer Beschränkung des
Tiefseebergbaues auf die Zuwachsrate des Weltmarktes für Nickel zustimmten,
um so die Wirtschaft von Erzeugerstaaten mit landgebundener Produktion vor
ungünstigen Auswirkungen der Tiefseeproduktion zu schützen.

Leider verfolg-

ten diese Staaten - entgegen der Vernunft, wie die Industrieländer glauben ihren eigenen Vorteil mit Vorrang und bestanden darauf, daß man ihnen ohne
Rücksicht auf wirtschaftliche Faktoren die Hälfte des Wachstums des Nickelmarktes garantiere.

Es gelang ihnen außerdem, sich der Unterstützung der

Kupferproduzenten mit landgebundener Förderung zu versichern, obgleich Kupfer
aus Tiefseefeldern den Weltkupfermarkt in absehbarer Zeit kaum beeinflussen
wird.

Legt man die gegenwärtigen Schätzungen für die Wachstumsrate des
Nickelmarktes zugrunde, wären die oberen Grenzen der Produktion aus der Tiefsee so niedrig, daß sowohl eine nutzbringende Erschließung als auch eine gerechte Beteiligung verhindert würden.

Das Ausmaß der Protektion, das die land-

gebundenen Produzenten suchen, geht in amerikanischer Sicht weit über das
notwendige hinaus und ist viel größer, als vernünftigerweise erwartet werden
sollte.

Wenn hier jede Seite weiterhin auf einer Extremlösung besteht, gibt

es keinen Ausweg.

Die Industrie-Importländer können und wollen keine Kontrolle

akzeptieren, die so hart und umfassend sind, daß sie die Produktion ersticken.
Was
- 5 -

�Was die USA angeht, so gilt hier als das zentrale und schwierigste
Problem, mit welchen Vollmachten die vorgeschlagene internationale Tiefsee-Behörde ausgestattet werden soll, um den Abbau von Tiefsee-Erzfeldern
jenseits nationaler Hoheitsgrenzen zu regeln.

Dies gilt beispielsweise

auch für den Technologie-Transfer zwischen den gegenwärtigen Förder-Konsortien und den Entwicklungsländern, für die Bedingungen, unter denen solche
Gemeinschaftsunternehmen durchzuführen wären, und für die Maximal Produktion
aus der Tiefsee zum Schutz der landgebundenen Förderung.
Mit "Mehrheits"- gegen "Minderheits"-Entscheidungen wird nach Meinung
Richardsons nichts gewonnen, wenn es um die Identifizierung und Ausbalancierung der wesentlichen Interessen aller Beteiligten geht - der Verbraucher,
der Produzenten, der Investoren, regionaler Gruppen und der Entwicklungsländer.

Einfaches Stimmenzählen wäre ein schlechtes Verfahrensvorbild für den

Aufbau der internationalen Institutionen, die künftig notwendig werden.
Für solche und manche anderen Fragen könnte die Vorkonferenz in New
York einige Antworten finden. Sie ist der erste wirkliche Test seit Juli
1977 für die Bereitschaft der Teilnehmerstaaten der Seerechtskonferenz, in
Fragen von großer Bedeutung Kompromißbereitschaft zu zeigen. Die Elemente
für ein faires Abkommen wären vorhanden. Und die meisten wissen auch, daß
ein erfolgreicher Abschluß der Hauptkonferenz deshalb so wichtig ist, weil
damit ein Präzedenzfall für zukunftsweisende konstruktive internationale Zusammenarbeit gesetzt würde.
Die Vereinigten Staaten werden, so versichert Botschafter Richardson,
ihr Teil beitragen und Kompromißbereitschaft zeigen, um ein gerechtes und
dauerhaftes Ergebnis zu erzielen. Aber sie werden auch andererseits nichts
akzeptieren, was nur beschwichtigendes Nachgeben zugunsten eines weltweiten
Systems bedeutete, das zu dem Interesse aller Länder, Innovationen und Effizienz zu ermutigen, in Widerspruch steht.
+ + + + +

�8. Februar 1978

5

AMERIKA ERPROBT NEUE METHODEN DER HAUSHALTPLANUNG
CBO und ZBB: Schlüssel zu größerer Effizienz

WASHINGTON - (AD) - Der Staatshaushalt ist heute in den Vereinigten
Staaten wie in anderen hochindustrialisierten Ländern ein wichtiges
Element zur Beeinflussung der Konjunktur. Haushaltdefizite oder -Überschüsse stimulieren oder bremsen die Wirtschaftstätigkeit. Nach der
Theorie des britischen Wirtschaftswissenschaftlers John Maynard Keynes,
der viele amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftsund Finanzexperten der Regierung anhängen, sind Defizite in Phasen der
rückläufigen Konjunktur dazu angetan, die Wirtschaftstätigkeit zu beschleunigen - allerdings auch die Inflationsrate zu erhöhen - während
Haushaltüberschüsse meist eine Verlangsamung der Inflation mit sich bringen,
dafür aber das Risiko steigender Arbeitslosigkeit und sogar eventuell eine
Flaute heraufbeschwören. Im übrigen dient die Haushaltpolitik dem Zweck,
nationale Prioritäten festzulegen.
Die US-Regierung hat im Hinblick auf die Bedeutung ihrer Ausgabengebahren
in jüngerer Zeit zwei neue Verfahren

zur Verbesserung der Haushaltplanung

und -aufstellung eingeführt. Beide Methoden entsprechen Management-Praktiken,

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�Management-Praktiken, wie sie in der Wirtschaft üblich sind.
Der erste Schritt erfolgte 1974 mit der Schaffung eines Haushaltbüros
des Kongresses (Congressional Budget Office - CBO), dessen Aufgabe es ist,
neutrale Einnahmenvorausschä'tzungen zu erstellen und die Auswirkungen
aller dem Kongreß

zugehenden

Haushaltanforderungen auf den

Gesamthaushalt und die Wirtschaft zu untersuchen. Auf der Basis dieser
Untersuchungen setzt der Kongreß für jedes Haushaltjahr einen Ausgabenrahmen fest - unter Einschluß eines Defizites oder Überschusses, je nachdem
wie dies nach der Mehrheitsauffassung beider Häuser den Interessen des
Landes dienlich ist. Die tatsächlichen Ausgabenbewilligungen werden anschließend Position für Position in den jeweiligen Ausschüssen unter
Berücksichtigung ihrer Auswirkungen auf den Gesamthaushalt festgesetzt
und dem Plenum des jeweiligen Hauses zur Beschlußfassung zugeleitet.
Die zweite einschneidende Veränderung in der Haushaltplanung wurde
im abgelaufenen Jahr von Präsident Carter eingeleitet. Es ist dies die
Methode des sogenannten Zerobase Budgeting (ZBB) - der Haushaltfestsetzung auf Nullbasis. Zerobase oudgeting wurde in der Amtszeit Carters
als Gouverneur des Staates Georgia erstmals in kleinerem Rahmen praktisch
erprobt. Im April 1977 wies der Präsident sämtliche Behördenleiter an,
sich bei der Ausarbeitung der Haushaltanforderungen für das Finanzjahr
1979 - die Zeit vom 1. Oktober 1978 bis 30. September 1979 - dieses
Verfahrens zu bedienen. Ziel dieser Form der Haushaltplanung ist es, die
in jüngerer Zeit stark gestiegenen Regierungsausgaben so niedrig wie
möglich zu halten und die Effizienz des Regierungsapparates zu steigern.
Die ZBB-Haushaltplanung erfordert drei getrennte Schritte. Alle
Ressortchefs aller Ebenen sind gehalten, die Ziele eines jeden in ihren
Zuständigkeitsbereich fallenden Programms festzulegen und Alernativen
für das Ausgabengebahren ihrer Behörden als sogenannte "Entscheidungspakete"
(decision packages) vorzulegen. Sie müssen mindestens drei - womöglich sogar
mehr - solche Entscheidungspakete zusammenstellen. Eines davon muß 20 Prozent

- 2 -

�20 Prozent unter dem derzeitigen Ausgabenniveau oder unter dem Mindestniveau liegen, das eine sinnvolle Fortführung der laufenden Programme
gerade noch zuläßt. Das zweite Paket muß spezifizieren, wieviel Personal,
Material und Geld erforderlich ist, um ein Programm im bisherigen Maßstab
und mit der bisherigen Zielsetzung durchzuführen. Ein drittes Paket soll
darlegen, was mit zusätzlichen Finanzmitteln - 10 Prozent oder mehr zusätzlich bewerkstelligt werden könnte.
Auf nächsthöherer Verwaltungsebene werden sämtliche "Entscheidungspakete" der nachgeordneten Stellen konsolidiert und nach der ihnen zukommenden Priorität klassifiziert. Die Oberbehörde trifft im Zuge der
Überprüfung der eingegangenen Pakete eine Auswahl unter den gegebenen
Optionen: sie M n n beispielsweise einen höheren Ausgabenplafond für ein
Programr und einen niedrigeren für andere vorschlagen. Dieses Verfahren
wird bis hinauf zu den Ministern bzw. den Leitern selbstständiger Bundesbehörden angewandt.
Die auf diese Weise erstellten "Entscheidungspakete" eines jeden
Bundesministeriums und jeder Bundesoberbehörde werden dann dem Amt für
Haushaltplanung und Management (Office of Budget and Management - 0MB) im
Präsidialamt zugeleitet, dessen Aufgabe es ist, sie in den endgültigen
Haushaltvoranschlag der Regierung zur Vorlage beim Kongreß einzuarbeiten.
Der Vorteil dieser Methode der Haushaltplanung besteht nach Auffassung
Präsident Carters darin, daß sie die Behörden in ihren Haushaltüberlegungen
zwingt, das Hauptaugenmerk auf die Zielsetzungen und die damit einhergehenden Erfordernisse zu richten: Programm- und Haushaltplanung gehen
ineinander auf. Die Haushaltsachbearbeiter der Behörden aller Ebenen werden
gezwungen, die Kosteneffizienz jedes Programm- und Verwaltungsschrittes
in Einzelheiten gehend zu überprüfen.
Das ZBB-System wird bereits in einem runden Dutzend der 50 Unionsstaaten
und von einer Reihe führender Wirtschaftsunternehmen seit mehreren Jahren
- 3 -

�Jahren mit Erfolg angewandt. Das Fazit aus den bisherigen Erfahrungen
lautet etwa: Auch wenn ZBB nicht unbedingt zu Kosteneinsparungen führt,
bietet es die Gewähr, daß durch Umverteilung von Haushaltsmitteln die
Lösung neuer Aufgaben ohne zusätzliche Anforderungen und ohne Erhöhung
des Personalbestands in Angriff genommen werden kann.
Ob das ZBB-System in der Form, in ier es gegenwärtig für die
amerikanische Haushaltplanung verwandt wird, die erhofften positiven
Ergebnisse zeitigen wird, wird sich erst nach einem längerem Erfahrungszeitraum mit Sicherheit sagen lassen. Soviel steht heute schon fest.
Es handelt sich um einen kühnen Versuch, moderne Management-Praktiken,
mit denen die Wirtschaft so erfolgreich operiert, auch auf die Finanzierung
der Aktivitäten des Staates auszudehnen.

+ + + + +

�8. Februar 1978

"HEISSER DRAHT" - JETZT DRAHTLOS ÜBER SATELLITEN

- (AD) - Für den "heißen Draht" Washington-Moskau, der 1963 als direkte Nachrichtenverbindung zwischen den Regierungschefs der Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion eingerichtet wurde, hat jetzt das Weltraumzeitalter begonnen. Den beiden Staaten stehen zwei unabhängig voneinander operierende Satellitensysteme zur Verfügung, über die am 16. Januar 1978 zum
ersten Mal Botschaften zwischen den beiden Hauptstädten ausgetauscht wurden.
Die neue drahtlose Verbindung, die offiziell die Bezeichnung "Direct
Communications Link - DCL" trägt, soll einen zuverlässigeren und weniger
störanfälligen Betrieb als die bestehenden Kabelverbindungen und die erst
kürzlich eingestellte Funkbrücke erlauben.

Sie beendet die Abhängigkeit

von den Einrichtungen von Drittländern sowie von der Zwischenschaltung zahlreicher Relaisstationen.

Darüber hinaus sind Unterbrechungen infolge atmo-

sphärischer Störungen nicht mehr zu befürchten.

Technische Zuverlässigkeit

ist ja ein Kernelement der gesamten Einrichtung, die in Zeiten verstärkten
internationaler Spannungen und in Krisensituationen den direkten privaten
Kontakt zwischen den Staatschefs der beiden Länder sicherstellen soll.
Entgegen weitverbreiteter Annahmen werden dabei nicht Telefongespräche
geführt, sondern fernschriftliche Botschaften ausgetauscht.

Sie haben den

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�den Vorteil, daß Sprachbarrieren überwunden, mögliche Hör- und Dolmetscherfehler vermieden werden und außerdem der Meinungsaustausch sofort schriftlich dokumentiert wird.

Fernschreibbotschaften über den "heißen" Satelliten-

funk von den USA nach der UdSSR sind in englischer Sprache unter Benutzung
des lateinischen Alphabets abgefaßt, Botschaften aus Moskau werden in russischer Sprache in kyrillischen Buchstaben übermittelt.

Alle Botschaften, ein-

schließlich der stündlich durchgeführten Übermittlungstests, werden verschlüsselt abgesetzt und an der Empfangsstelle entschlüsselt.
An Satellitensystemen wird auf sowjetischer Seite das MOLNIJA-Gerät,
auf amerikanischer Seite der kommerzielle INTELSAT-Satellit eingesetzt.
Beide Systeme (mit vier MOLNIJA-Gerä'ten auf stark elliptischen Bahnen und
einem INTELSAT-Gerät auf geostationärer Bahn, d.h. unveränderlichem "Standort") operieren gleichzeitig, so daß beim Ausfall eines Systems die Verbindung dennoch aufrechterhalten wird.

Für Sendungen über MOLNIJA-Geräte ist

in den Vereinigten Staaten eine Bodenstation der US-Armee in Fort Detrick
(Maryland), für INTELSAT-übermittlungen die Station Etam in Westvirginia
zuständig.

In der Sowjetunion stehen zwei MOLNIJA-Stationen in der Nähe

von Moskau sowie zwei von amerikanischen Technikern errichtete INTELSATBodenstationen in Moskau und Lwow für DCL zur Verfügung.
Das Zustandekommen der Satelliten-Funkbrücke ist ein Ergebnis der
ersten Phase der SALT-Verhandlungen.

+ + + + +•

- 2 -

�1

Uli//cn/chof(
und Technik

I

United States Information Service

8. Februar 1978

USA PLANEN 25 SATELLITENSTARTS IM JAHR 1978
- Weltraum und Erde Gegenstand der Untersuchungen -

(AD) - Von den 25 Satellitenstarts, die von der amerikanischen
Weltraumbehörde NASA für 1978 vorgesehen sind, gehen allein 15 auf
"fremde Rechnung". Bei ihnen handelt es sich um wissenschaftliche und
anwendungstechnische Projekte staatlicher und privater Organisationen
in den Vereinigten Staaten, ausländischer Institutionen, wie der Europäischen Weltraumbehörde ESA, sowie der Regierungen Großbritanniens,
Kanadas und Japans. Die NASA fungiert in einer Reihe von Fällen lediglich
als Dienstleistungsunternehmen.
Es zeugt von der wirtschaftlichen Bedeutung der mit Hilfe der Raumfahrt bereits erarbeiteten Anwendungstechniken, daß nur noch neun der 25
Flugkörper reine Forschungssatelliten sind. Die übrigen 16 sind bereits
routinemäßig eingesetzte, ständig weiter verbesserte Satelliten für die
Wetterbeobachtung (z.B. TIROS-N, NOAA-A), für die Messung von Umweltbedingungen (z.B. NIMBUS-G), die Fernerkundung der Erde (LANDSAT-C) und als
Nachrichtensatelliten für kommerzielle und militärische Zwecke.
- Sonden zur Venus -

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�Sonden zur Venus
Mit Spannung warten die Wissenschaftler darauf, was die beiden PIONIERVenus-Sonden melden werden, die nach dem Start im Mai und August 1977 im
Dezember 1978 am Planeten Venus eintreffen. PIONIER-Venus-A tritt in eine
Umlaufbahn über der dichten Wolkendecke ein, die den Planeten ständig umgibt und seine Oberfläche jeder Beobachtung im Bereich des sichtbaren
Lichts

entzieht. Mit Instrumenten zur Fernerkundung sondiert dieser

Orbiter Atmosphäre und Oberfläche der Venus, die von drei amerikanischen
Satelliten bisher nur im Vorbeiflug beobachtet und fotografiert wurde. Die
tiefen, dichten Wolkenschichten sind jedoch mit Radar zu durchdringen, so daß
PIONIER-Venus-A Gebirge und Krater auf der Venus-Oberfläche vermessen kann.
PIONIER-Venus-B beginnt bereits 20 Tage vor der Ankunft am Planeten
die erste der drei kleinen Sonden abzusetzen, die sechs Tage nach dem
Einschwenken des Orbiter in eine Umlaufbahn um die Venus in die Planetenatmosphäre eindringen. Sie sollen auf ihrem Weg nach unten die Lufthülle
des erdnächsten Planeten sondieren und, soweit möglich, "Wetterbeobachtungen"
vornehmen. Die Hauptsonde von PIONIER-Venus-B tritt nach dem Abbremsen
ebenfalls in die Atmosphäre ein. Sie hat zahlreiche Instrumente an Bord,
um Zusammensetzung, Aufbau, Dichte und Temperaturen der Venus-Lufthülle zu
messen. Keine der Sonden dürfte "überleben", d.h. den Hitze- und Druckbelastungen standhalten, um noch funktionsfähig zu sein, wenn sie die Oberfläche erreicht. Denn frühere Messungen haben ergeben, daß dort Temperaturen
von 470° C und mehr auftreten und der Druck 90mal höher ist als an der
Erdoberfläche.

- Wetter und Umwelt Von großer Bedeutung sowohl für die Meteorologie als auch für die Meeresforschung, die Schiffahrt und Hochseefischerei wird eine Beobachtungstechnik
sein, die mit dem im Mai zu startenden SEASAT-Gerät zum ersten Mal erprobt
- 2 -

�erprobt werden soll. Während andere Satelliten über tatsächliche Wetterentwicklungen - Wetterfronten, Wolkenfelder, Sturmzentren usw. - berichten,
mißt SEASAT mittels Radar die Dynamik der Wettervorgänge - Stärke des
Seegangs, Wellenhöhe und Strömungsbewegungen, Wirbel und Gezeiten. Er verfolgt den Weg von Eisbergen und ist in der Lage, ölteppiche zu lokalisieren.
Mit TIROS-N (Mai 1978), NIMBUS-G (August 1978) und NOAA-A (September
1978) werden verbesserte Ausführungen von Wetter- und Umweltbeobachtungssatelliten gestartet, die auf polaren Umlaufbahnen komplette Meßdaten vom
gesamten Erdball liefern.
Der kleine HCMM-Satellit der NASA (HCMM - Heat Capacity Mapping Mission
= Projekt zur Messung der Wärmekapazität) ist ein neuartiges Gerät, das mit
seinen Sensoren Oberflächentemperaturen an Land mit den Werten für das
Tagesmaximum und das Nachtminimum erfaßt. Aus dem Grad der Speicherung oder
Abgabe von Sonnenwärme beispielsweise bei Gestein an der Oberfläche, in
Böden und Wäldern hoffen die Wissenschaftler Anhaltspunkte dafür zu bekommen, um welche Arten von Gestein es sich handelt, inwieweit Temperaturwerte der Vegetation auf Pflanzenkrankheiten und Stress, d.h. Wassermangel,
zuviel oder zuwenig Mineralstoffe, auf Wasserzyklen und Bodenfeuchtigkeit
schließen lassen. Möglicherweise ergeben sich auch Hinweise, um bestimmte
Mineralvorkommen zu lokalisieren. Die Temperaturmessungen werden außerdem
zur exakten Ermittlung der Schneedecke und heißer Quellen, vielleicht auch
"thermischer" Verschmutzung von Flußläufen und Seen durch Kraftwerke und
andere Industriebetriebe benutzt.

- Weltraumastronomie Ebenfalls neu im Programm ist der Astronomie-Satellit IUE (International
Ultraviolet

Explorer - Internationaler Explorer-Satellit für Ultraviolett-

Beobachtungj, ein Gemeinschaftsprojekt von englischen Wissenschaftlern und
- 3 -

�und Industrieunternehmen, der Europäischen Weltraumbehörde ESA und der
NASA. Er beobachtet Objekte, die untraviolettes Licht erzeugen, reflektieren
oder unter seiner Einwirkung zur Energie-Emission angeregt werden.
Sterne wie z.B. die Sonne geben im allgemeinen Energie im Bereich des
ganzen

Spektrums der elektromagnetischen Wellen ab - von Radiowellen bis

zu Gammastrahlen . Aber einige junge, sehr heiße Sterne emittieren Energie
vor allem im Ultraviolett-Bereich und sind auf anderen Wellenlängen fast
"unsichtbar". Diese soll IUE ausfindig machen. Weitere Beobachtungsobjekte
sind die sog. Seyfert-Galaxien, die 1-10 Milliarden Sterne in ihrem Zentrum
haben, sowie Gase und Staub im interstellaren Raum, die Sternenlicht unter
UV-Einwirkung absorbieren und wieder abstrahlen.
Mit dem Observatorium HEAO-2, das im Oktober 1978 gestartet werden
soll, steht der Astronomie nach dem im August 1977 auf eine Erdumlaufbahn
gebrachten HEAO-1 (High Energy Astronomy Observatory - Observatorium für
den Bereich hoher Energien) ein weiteres Hochleistungsinstrument zur Verfügung, mit dem kosmische Quellen von Röntgen- und Gammastrahlen auch in
großer Entfernung aufgespürt und beobachtet werden können. HEAO-1 hat bereits
Objekte erfaßt, die nach Meinung der Forscher ein "schwarzes Loch" darstellen könnten - einen Stern extrem hoher Dichte, der weder Licht noch eine
andere Form von Energie abgibt, sondern eine so starke Massenanziehung hat,
daß er alle Materie und Strahlung aus seiner Umgebung an sich reißt.

- Sonnenwind und Erdwetter Unter die Kategorie "international" fällt der im Juli 1978 zu startende
Satellit ISEE III, dessen Vorläufer I und II seit dem 22. Oktober 1977 die
Erde in Höhen zwischen 240 km und 140 000 km umkreisen. ISEE III wird zehnmal
weiter, nämlich 1,5 Millionen km von der Erde entfernt,stationiert. Das ist
in einem Bereich zwischen Erde und Sonne, wo die Gravitationskräfte beider
Körper mit der Zentrifugalkraft des Satelliten so im Gleichgewicht stehen,

�stehen, daß er in seiner Bahn stabil gehalten wird. Die ISEE-Satelliten
(International Sun-Earth-Explorer) untersuchen ca. drei Jahre lang die
Art der Sonnenaktivität - z.B. starke Gaseruptionen und Sonnenwind mit den
damit abfließenden Partikel strömen - und deren Wirkung auf die Magnetosphäre
und im Magnetfeld der Erde sowie auf die Struktur der irdischen Lufthülle.
Falls es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen solarer magnetischer
Aktivität und dem Wetter auf der Erde gibt, müßten ihn die ISEE-Satelliten
durch ihre Meßergebnisse aufdecken können. Neben der NASA sind über die ESA
10 europäische Länder - Belgien, die Bundesrepublik, Dänemark, Großbritannien,
Frankreich, Italien, die Niederlande, Schweden, Schweiz und Spanien - an dem
Projekt beteiligt.

- Astronautentraining Für Flüge mit den Raumtransporter ab 1980 hat die NASA 35 Amerikaner
und Amerikanerinnen,zwischen 26 und 39 Jahren alt,ausgewählt, die im Juli
1978 am Johnson-Raumfahrtzentrum bei Houston (Texas) ihr Training beginnen.
Zum ersten Mal in der Geschichte der US-Raumfahrt wurden auch Frauen angenommen. Es sind:
Anna L. Fisher (28), von Beruf Ärztin
Dr. Shannon W. Lucid (35), Biochemikerin
Dr. Judith A. Resnik (28), Ingenieurin der Elektrotechnik
Sally K. Ride (26), Forschungsassistentin
Margaret R. Seddon (30), Fachärztin für Chirurgie, und
Kathryn D. Sullivan (26), Geologin.
Von den 35 Kandidaten werden 15 als Piloten, die übrigen 20 als
"Mission Specialists" ausgebildet, die bei den einzelnen Flügen für die
Durchführung, Überwachung und Koordinierung der wissenschaftlichen Experimente
verantwortlich sind. In einem fast ein Jahr dauernden Verfahren wurden sie aus

�sie aus 8 079 Bewerbern ausgewählt. In Houston arbeiten sie mit weiteren
27 Astronauten zusammen, die schon seit längerer Zeit im amerikanischen
Raumfahrtprogramm tätig sind. Von diesen sind 17 Piloten, 10 Wissenschaftler-Astronauten. Die meisten Piloten sind ehemalige Luftwaffen- und
Marineoffiziere, die als Testpiloten für Hochleistungsflugzeuge große
fliegerische Erfahrung sammeln konnten. Die "Spezialisten" vertreten
Disziplinen von der Biochemie und Medizin über Geologie, Astronomie, Physik,
Luftfahrt- und Raumfahrttechnik bis zur Elektronik, Bau- und Elektrotechnik.
Seit Beginn des amerikanischen Raumfahrtprogrammes im Jahr 1958 hat
die NASA insgesamt 108 Personen als Astronauten-Kandidaten ausgewählt. Die
ersten sieben wurden im April 1959 für das MERCURY-Projekt benannt.

+ + + + +

•

•

- 6 -

�I

Uli//cn/chof(
und Technik
United States Information Service

8. Februar 1978

MEHR GELD FÜR US-FORSCHUNG
Präsident Carter beantragt 28 Milliarden Dollar für 1979

(AD) - Rund 28 Milliarden Dollar, d.h. 11 Prozent mehr als im
laufenden

Haushaltsjahr, beabsichtigt die amerikanische Regierung im

Haushaltsjahr 1979 für Forschung und Entwicklung aufzuwenden. Wie Dr.
Frank Press, der Wissenschaftsberater des Präsidenten, erklärte, sind
davon allein 3,6 Milliarden Dollar für Grundlagenforschung vorgesehen für Projekte, von denen alle Wissenschaftsbereiche profitieren werden.
Das Gesamtprogramm sei darauf ausgerichtet, "die Führungsrolle Amerikas
in Wissenschaft und Technik zu erhalten".
Fast 975 Millionen Dollar, zehn Prozent mehr als 1978, sind für
die Nationale Wissenschaftsstiftung (National Science Foundation -NSF)
eingeplant, die durch Auftragsvergabe vor allem an Universitäten amerikanische

Forschungsvorhaben auf wichtigen Gebieten, insbesondere der

Ozeanographie, Astronomie, Mathematik, Physik, Computertechnik und
Computerwissenschaften,koordiniert und sich um die Verbesserung der
Ausbildungsprogramme in den wissenschaftlichen Fächern kümmert. Sie
fördert auch spezielle Untersuchungen, so die Erforschung von Möglichkeiten

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�Möglichkeiten zum Ersatz seltener Metalle durch andere Werkstoffe, die in
den Vorhaben anderer Institutionen nicht berücksichtigt sind, aber für
Wissenschaft und Industrie bedeutsam werden könnten.
Gemeinsam mit dem Geologischen Bundesamt der USA wurde von der NSF
1977 ein Erdbebenforschungsprogramm im Hinblick auf Vorwarnungen und Sicherheitsmaßnahmen in Angriff genommen, das jetzt erheblich erweitert werden
soll. Auch die Bauarbeiten an dem

großflächigen neuen Radioobservatorium

in Neu-Mexico können zügig weitergehen. Mit 27 Einzelelementen (mehrere
Antennen sind bereits in

Betrieb) wird diese Anlage nach ihrer Fertig-

stellung im Jahr 1981 der Astronomie ein "Instrument" an die Hand geben,
das Radiosignale aus bisher unzugänglichen Tiefen des Universums erfaßt und
völlig neue Einblicke in kosmische Vorgänge ermöglichen wird.

- Klimaforschung Ein Hauptprojekt ist die Klimaforschung, für die Präsident Carter
insgesamt 104 Millionen Dollar anforderte. Die Bundesbehörde für Meeresund Atmosphärenforschung (National Oceanic and Atmospheric Administration
- NOAA) koordiniert die zahlreichen Einzelstudien, die dazu beitragen sollen,
nicht nur Klimaveränderungen, sondern u.a. auch deren Auswirkungen auf die
Preise landwirtschaftlicher Produkte und auf den Energieverbrauch vorauszusagen. Man möchte außerdem gute theoretische Grundlagen für Aussage" über
mögliche Klimaveränderungen schaffen, die durch von Menschenhand verursachte Veränderungen an Land und Boden sowie durch die Belastung der Erdatmosphäre mit Abgasen und Schmutzstoffen aller Art entstehen könnten. Die
NSF wird im Rahmen dieser Untersuchungen Studien erweitern, die der Erforschung des Kohledioxid-Zyklus dienen.
Nach den Plänen der Regierung sollen zusätzlich zu den schon eingesetzten vier verschiedenen Typen von Wetter- und Atmosphärenforschungs-

- 2 -

�Atinosphärenforschungssatelliten zwei weitere Typen entwickelt werden:
1. ein Gerät, mit dessen Hilfe eine exakte Bilanz für die von der
Sonne eingestrahlte und von der Erde wieder an den Weltraum abgegebene
Energie ermittelt und dabei festgestellt werden kann, wieviel Energie in
der Atmosphäre und in den Weltmeeren gespeichert wird, und
2. ein Gerät, das chemische Wechselwirkungen zwischen Sonnenlicht,
Ozon in der Atmosphäre und durch zusätzliche menschliche Einwirkung in die
Lufthülle eingebrachten Belastungsstoffen ausfindig macht und mißt.
Außerdem soll die paläontologische Klimaforschung an Hand von Bohrkernen aus dem Meeresgrund und dem Polareis sowie der Untersuchung von
Baumringen erweitert werden.

- Universitätsinstitute werden modernisiert Für Forschung und Entwicklung im Bereich der Universitäten und Colleges
will die Administration neun Prozent mehr als im Vorjahr - alles in allem
3,6 Milliarden Dollar - bereitstellen. "Die Mittel sind dafür gedacht",
so Dr. Press, "die Innovationsforschung zu fördern,...die instrumentelle
Ausrüstung zu modernisieren und jungen Talenten mehr Arbeitsmöglichkeiten
zu geben."

- Raumfahrt Etwa 8,8 Prozent mehr als bisher soll das amerikanische Verteidioungsministerium für Forschung und Entwicklung erhalten, über acht Prozent mehr
als die Raunfahrtbehörde NASA (NASA-Budget 1978: 4,1 Milliarden Dollar). Vor

- 3 -

�Vor allem deren Arbeitsbereich Weltraumforschung, der die Erforschung
des Sonnensystems und weiter entfernter kosmischer Objekte und Systeme
mit unbemannten Geräten sowie Biologie und Medizin im Zusammenhang mit der
Raumfahrt umfaßt, dürfte von der Aufstockung profitieren: Der Etatposten
von bisher 405 Millionen Dollar soll um 27 Prozent erhöht werden.
Zu den neu aufgenommenen Projekten gehört beispielsweise ein Satellit,
der die Sonne über ihren Polen passiert, also die Ebene der Ekliptik
verlassen muß. Sowohl die beiden VIKING-Sonden in ihrer Umlaufbahn um den
Mars als auch die auf der Marsoberfläche gelandeten Geräte sollen, wenn
auch eingeschränkt, weiterbetrieben werden. Als wichtige Projekte gelten
außerdem die beiden PIONIER-Sonden, die ab Dezember 1978 den Planeten Venus
erforschen werden, sowie die beiden VOYAGER-Sonden, die zum Planeten Jupiter
unterwegs sind.
Das neue NASA-Budget soll u.a. den Bau von vier Orbitern als Teil des
Raumtransportersystems sichern, ebenso den Weiterbau der Startanlagen
in Vandenberg (Kalifornien) und in der Nähe des Kennedy-Raumfahrtzentrums
in Florida. Für Experimente, die an Bord des Orbiters in dem von der Europäischen Weltraumbehörde ESA entwickelten Raumlabor durchgeführt werden
sollen, sind entsprechende finanzielle Mittel reserviert.
•

•

- Kraftstrom aus Sonnenenergie Ein Projekt, für das Präsident Carter im Rahmen eines Drei-JahresProgramms 16 Millionen Dollar für 1979 beantragt hat, möchte eine Anzahl
von Mitgliedern des Kongresses höher eingestuft und mit 140 Millionen
gefördert sehen: Es handelt sich um die Entwicklung von Fotozellen-Generatoren, die in einer "rdumlaufbahn Sonnenlicht als Primärenergie nutzen und
damit Elektrizität produzieren. Mit diesem Strom werden an Bord der "Weltraum-Sonnenkraftwerke" Mikrowellen erzeugt, zur Erde gestrahlt, hier wieder

�wieder in Elektrizität zurückverwandelt und über ein Hochspannungsnetz
verteilt. Ausrüstungen und Ingenieur-Astronauten, die die riesigen, kilometergroßen

Kollektoren für Sonnenlicht und die übrigen Anlagen in der

Erdumlaufbahn zusammenbauen, würden mit dem Raumtransporter befördert, der
ab 1980 zur Verfügung stehen soll. Dr. Robert A. Frosch, der Leiter der
NASA, gab vor dem Ausschuß für Wissenschaft und Technik des amerikanischen
Repräsentantenhauses jedoch zu bedenken, daß zuvor in Versuchen noch viele
technische Probleme gelöst werden müßten, auch wenn auf dem Papier das
Projekt als durchführbar erscheine. Mit dem Zusammenbau großer Strukturen
im Weltraum habe man noch keine Erfahrung. Deshalb müssen möglicherweise
auftretende Schwierigkeiten unter allen nur erdenklichen Aspekten erforscht
und bis ins Detail bedacht werden. Die Untersuchungen werden gegenwärtig
von der NASA und Ingenieuren des Energieministeriums gemeinsam durchgeführt.
Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Luftfahrttechnik, für die
auf Regierungsseite ebenfalls die NASA zuständig ist, soll 16 Prozent mehr
Mittel als im laufenden Haushaltsjahr (1978: 231 Millionen Dollar) zur
Verfügung haben.

- Medizin und Biologie Die Gelder für Forschungsprogramme des Bundesministeriums für das
Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesen werden um vier Prozent aufgestockt,
wovon in erster Linie das Nationale Krebsforschungsinstitut sowie das
Nationale Institut für Herz-, Lungen- und Blutforschung profitieren werden.
Weitere Schwerpunkte der wissenschaftlichen Aufgaben sind Genetik, Immunologie, Virologie und Zellbiologie, spezielle Projekte aus Biologie und
Biomedizin, dazu Verhaltensforschung, Fertilität, Familienplanung und
Entwicklung des Kindes.
Die Forschungs- und
- 5 -

�Die Forschungs- und Entwicklungsprogramme des amerikanischen Landwirtschafts
ministeriums, die schon vor ein paar Jahren die 500-Millionen-DollarMarke überschritten haben, werden neuerdings durch Sonderprojekte ergänzt,
die außerhalb der Zuständigkeit des Ministeriums durchgeführt und von der
Regierung mit 30 Millionen Dollar finanziert werden. Sie werden aufgrund
ihrer Bedeutung für die Praxis ausgewählt - z.B. Studien, bei denen es um
Ertragssteigerungen, die Verbesserung der Widerstandsfähigkeit der Pflanzen
gegen Trockenheit und Seuchen

sowie um energiesparende Verfahren in der

Landwirtschaft geht.
Präsident Carter empfahl, die Mittel des Energieministeriums für
Forschung und Entwicklung nur ganz geringfünig (um ein Drittel Prozent)
zu erhöhen. Jedoch sollen Schwerpunktverlagerungen bei der Verwendung der
verfügbaren Mittel (im Vorjahr mehr als 3,5 Milliarden Dollar) vorgenommen
werden, wobei Demonstrationsprojekte zugunsten der Grundlagenforschung
einzuschränken seien. Für Stromerzeugung mit Sonnenenergie sollen 23 Prozent,
für die Fusionsforschung 18 Prozent, für Nutzbarmachung der Erdwärme 23
Prozent und für die reine Forschung auf dem Energiesektor 27 Prozent mehr
Mittel als bisher verfügbar gemacht werden. Die beim SchneiIbrutreaktorprogramm Clinch River eingesparten Gelder sollten für Studien auf anderen
Gebieten der Reaktortechnik eingesetzt werden, insbesondere für die Entwicklung neuer Reaktortypen und anderer

Kernorennstoffzyklen, welche

die Ausweitung der Kernwaffenpotentiale mehr erschweren, als es bei der
Anwendung des Plutonium-Zyklus der Fall wäre.

+ + + + +

�</text>
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