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United States Information Service

25. Januar 1978

PRÄSIDENT JIMMY CARTER: BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
- 19. Januar 1978 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 19. Januar 1978 vor
beiden Häusern des amerikanischen Kongresses seine verfassungsmäßig vorgeschriebene Botschaft über die Lage der Nation - State of the Union Message unterbreitet.

Zusätzlich zu dem mündlich vorgetragenen Bericht, der über

alle Rundfunk- und Fernsehsender der Vereinigten Staaten übertragen wurde,
hat der Präsident dem Kongreß noch einen schriftlichen Bericht zugesandt.

Die Ansprache des Präsidenten vor dem Kongreß hat folgenden Wortlaut:

Herr Präsident, Mr. Speaker, Mitglieder des 95. Kongresses, meine
Damen und Herren,

Morgen wird es ein Jahr, daß ich von hier zum Weißen Haus ging, um
die Pflichten als Präsident der Vereinigten Staaten zu übernehmen:

Heute

abend kehre ich hierher zurück, um eine dieser Pflichten zu erfüllen: den
Kongreß - und die Nation - über die Lage der Nation zu unterrichten.

Militärisch, politisch, wirtschaftlich und geistig ist die Lage unserer
Nation gut.

Wir

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Wir sind ein großes Land, ein starkes Land, ein vitales und dynamisches
Land - und das werden wir auch bleiben.
Wir sind ein Volk mit Vertrauen, ein schwer arbeitendes Volk, ein anständiges und mitfühlendes Volk - und das werden wir bleiben.
Ich möchte heute abend mit Ihnen darüber sprechen, wo wir stehen und
wohin wir gehen müssen - was wir getan haben und was wir tun müssen - und
ich möchte Sie meiner besten Anstrengungen versichern und Sie darum bitten,
auch Ihre besten Anstrengungen zuzusagen.
Jede Generation von Amerikanern steht vor Verhältnissen, die sie sich
nicht selbst ausgesucht hat, an denen ihr Charakter gemessen und ihr Geist auf
die Probe gestellt wird.
Es gibt Notzeiten, in denen eine Nation und ihre Führer ihre ganze
Energie auf eine einzige dringende Aufgabe konzentrieren müssen.
Das war die Aufgabe, vor der Abraham Lincoln stand, als unser Land vom
Konflikt gespalten war.

Das war die Pflicht, vor der Franklin Roosevelt zwei-

mal stand, als er Amerika aus einer wirtschaftlichen Depression herausführte
und wiederum als er Amerika zum Sieg im Kriege führte.
Es gibt andere Zeiten, in denen es keine einzelne, alles überschattende
Krise gibt - in denen es jedoch um profunde nationale Interessen geht.
In solchen Zeiten kann das Risiko der Inaktivität ebenso groß sein.
Es wird dann zur Aufgabe der Führer, die gewaltigen und unermüdlichen Energien unseres Volkes aufzurufen, um für die Zukunft zu bauen.
Das war das, was Harry Truman in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg
tat, als er Europa und Japan half, sich wieder aufzubauen, und eine internationale Ordnung gewährleistete, die die Freiheit vor der Aggression geschützt hat.

Auc ^

- 2 -

�Auch heute leben wir in solchen Zeiten - und stehen vor solchen Pflichten.

Wir haben eine lange Periode der Unruhe und des Zweifels durchgemacht,
aber wir haben unseren moralischen Kurs wiedergefunden, und wir gehen mit
einem neuen Geist daran, der übrigen Welt gegenüber unsere besten Instinkte
und Anlagen zum Ausdruck zu bringen.

überall in unserem Lande existiert ein wachsendes Gefühl des Friedens
und der gemeinsamen Zielsetzung.

Dieses Gefühl der Einigkeit kann nicht in

Programmen, Gesetzen oder Dollar ausgedrückt werden.
die jedem einzelnen Amerikaner gehört.

Das ist eine Leistung,

Diese Einigkeit überragt alle un-

sere Anstrengungen hier in Washington und dient uns, die wir zum Dienste gewählt wurden, als richtungweisendes Licht.
Diese neue Atmosphäre verlangt

einen neuen Geist - eine Partnerschaft

zwischen jenen, die führen, und jenen, die wählen.

Die Grundlage dieser

Partnerschaft ist die Wahrheit, der Mut zu harten Entscheidungen, die Sorge
umeinander und der Gemeinnutz, der über Sonderinteressen geht, sowie ein
grundlegender Glaube und ein grundlegendes Vertrauen in die Klugheit und
Stärke des amerikanischen Volkes.

Zum ersten Mal seit einer Generation werden wir nicht mehr von einer
großen internationalen Krise oder von innenpolitischer Unruhe gejagt, und
wir haben jetzt eine seltene und kostbare Gelegenheit, uns den anhaltenden
Problemen zuzuwenden, die uns als Nation belasten und die im Laufe der Jahre
still und stetig immer schlimmer geworden sind.

Als Präsident mußte ich Sie - die Mitglieder des Kongresses und das
amerikanische Volk - ersuchen, mit einigen der schwierigsten Fragen unserer
Gesellschaft fertig zu werden.
Wir
- 3 -

�Wir müssen eine größtmögliche Anstrengung unternehmen - denn wenn wir
nicht auf das Beste abzielen, dann werden wir wahrscheinlich nur sehr wenig
erreichen.
Ich sehe keinen Nutzen für unser Land, wenn wir die Dinge vor uns herschieben, denn die Probleme werden nur noch schlimmer werden.
Wir brauchen Geduld und guten Willen, und wir brauchen die Erkenntnis,
daß es für die Rolle und die Funktion der Regierung eine Grenze gibt.

Die

Regierung kann nicht all unsere Probleme lösen, all unsere Ziele setzen oder
unsere Zukunftsvision definieren.

Die Regierung kann nicht die Armut besei-

tigen, für eine florierende Wirtschaft sorgen, die Inflation abbauen, unsere
Städte retten, das Analphabetentum beseitigen, für Energie sorgen oder Güte
verordnen.
Nur eine echte Partnerschaft zwischen Regierung und Volk kann, so hoffen
wir, diese Ziele erreichen.
Jene, die regieren, können gelegentlich eine Inspiration geben, und wir
können die Erfordernisse aufzeigen und Mittel beschaffen, aber wir können
nicht die Manager von allem und jedem sein.
Wir müssen von der Krisenbewältigung wegkommen und klare Ziele für die
Zukunft aufstellen, die es uns ermöglichen, zusammenzuarbeiten und nicht gegeneinander. Wir dürfen nie wieder eine wachsende Krise wie die Energieknappheit auf die leichte Schulter nehmen - eine Krise, in der weiterer Verzug nur zu härteren und schmerzlicheren Lösungen führen wird.
Wir geben jeden Tag über 120 Millionen Dollar für ausländisches öl
aus. Das verlangsamt unser wirtschaftliches Wachstum, senkt den Wert des
Dollar im Ausland und verschärft die Arbeitslosigkeit und Inflation in unserem Lande.
Wir
- 4 -

�Wir wissen, das wir etwas tun müssen.

Wir wissen, was wir tun müssen:

die Energieproduktion steigern, der Verschwendung Einhalt gebieten und mehr
jener Brennstoffe verwenden, die wir reichlich und auf lange Zeit zur Verfügung haben.

Wir müssen den anderen Menschen gegenüber fair sein und dürfen

die Wirtschaft und den Haushalt unseres Landes nicht in Unordnung bringen.

Das klingt einfach, aber ich bin mir über die Schwierigkeiten im klaren, die damit verbunden sind.
fällt, zu handeln.

Ich weiß, daß es dem Kongreß nicht leicht

Aber die Tatsache bleibt bestehen, daß wir hinsichtlich

der Energiegesetzgebung gegenüber dem amerikanischen Volk versagt haben.
Fünf Jahre, nachdem das ölembargo dieses Problem so dramatisierte, haben wir
noch immer kein nationales Energieprogramm.
stand nicht länger dulden.

Wir können diesen Schwebezu-

Er untergräbt unsere nationalen Interessen im

eigenen Lande wie im Ausland.

Wir müssen zu einem Erfolg kommen, und ich

bin überzeugt, daß wir zu einem Erfolg kommen werden.

Unsere Hauptaufgabe im eigenen Lande ist in diesem Jahr die Wirtschaft
der Nation, mit der Energie als einem zentralen Element.

Wir müssen den

Wiederaufschwung fortsetzen und Arbeitslosigkeit und Inflation weiter abbauen.
Das vorige Jahr war ein gutes Jahr für die Vereinigten Staaten.
haben unsere wirtschaftlichen Hauptziele für 1977 erreicht.
Millionen neue

Wir

Wir haben vier

Arbeitsplätze geschaffen - ein absoluter Rekord -, und die

Zahl der Arbeitslosen ging um über eine Million zurück.

Die Arbeitslosig-

keit ist auf ihrem niedrigsten Stand seit 1974, und seit dem Zweiten Weltkrieg ist noch nie ein so hoher Prozentsatz unseres Volkes in Arbeit gestanden.
Die Inflationsrate ist zurückgegangen.

In Unternehmensgewinnen und

Investitionen war ein gutes Wachstum zu verzeichnen - die Ursache für mehr
Arbeitsplätze für unsere Arbeiter -, und unser ganzes Volk erfreut sich
eines höheren Lebensstandards.

Das Einkommen der Arbeitnehmer hat nach Ab- 5 -

�Abzug von Steuern und Inflation einen gesunden Zuwachs gehabt.
In diesem Jahr wird unser Land die erste Zwei-Billionen-Dollar-Wirtschaft (zwei Millionen Millionen) in der Weltgeschichte haben.
Wir sind stolz auf den Fortschritt im ersten Jahr, aber wir müssen
noch mehr leisten.
Wir haben noch immer ernste Probleme, zu deren Lösung wir alle zusammenarbeiten müssen. Unser Handelsdefizit ist zu groß, die Inflationsrate ist
immer noch zu hoch, und es sind immer noch zu viele Amerikaner ohne Arbeit.
Ich habe keine einfachen Antworten auf diese Probleme. Aber wir haben
eine Wirtschaftspolitik entwickelt, die funktioniert, denn sie ist sensibel,
ausgewogen und fair. Sie beruht auf vier Prinzipien:
- Erstens, die Wirtschaft muß weiter expandieren, um die neuen Arbeitsplätze und das neue Einkommen zu schaffen, die unsere Bevölkerung brauchen.
Die Früchte des Wachstums müssen breit verteilt werden. Es müssen mehr Arbeitsplätze für jene bereitgestellt werden, an denen wir bisher vorbeigegangen sind, und das Steuersystem muß fairer und einfacher gestaltet werden.
- Zweitens, die Privatwirtschaft, nicht die Regierung muß die Expansion anführen.
- Drittens, wir müssen die Inflationsrate senken und sie niedrig halten.

Die Inflation verlangsamt das wirtschaftliche Wachstum, und sie trifft

die Armen und die älteren Menschen und andere, die von festen Einkommen leben,
am härtesten.
- Viertens, wir müssen unseren Beitrag zur Stärke der Weltwirtschaft
leisten.
Ich
- 6 -

�Ich werde noch diese Woche Vorschläge für eine Verbesserung unseres
Steuersystems bekanntgeben.
ten.

Wir können unsere Steuergesetze fairer gestal-

Wir können sie einfacher und leichter verständlich machen.

Und gleich-

zeitig können - und werden - wir die Steuerlast der amerikanischen Bürger
um 25 Milliarden Dollar senken.
Die Steuerreform und die Steuersenkung gehen Hand in Hand.

Nur mit

den längst überfälligen Reformen ist die volle Steuersenkung vertretbar.
Fast 17 Milliarden Dollar aus Einkommenssteuersenkungen werden den
einzelnen

zukommen.

Rund 96 Prozent der amerikanischen Steuerzahler werden sehen, daß ihre
Steuern sinken. Für eine typische vierköpfige Familie wird dies eine jährliche Einsparung von über 250 Dollar bedeuten - eine Steuersenkung um rund
20 Prozent. Eine weitere Senkung der Verbrauchssteuern um zwei Milliarden
Dollar wird eine weitere Entlastung bedeuten und die Inflationsrate direkt
senken.
Wir werden ferner der wirtschaftlichen Investitionstätigkeit

durch

wesentliche Kürzungen der Körperschaftssteuern und Verbesserungen in den Investitionssteuerabschreibungen starke zusätzliche Anreize geben.
Unsere Steuervorschläge werden die Chancen überall in unserem Lande
verbessern, aber vor allem zusätzliche Arbeitsplätze für die Benachteiligten
verdienen besondere Aufmerksamkeit.
Wir haben bereits Gesetze verabschiedet, um den gleichberechtigten Zugang zu den Wahlurnen, zu den Schulen, zu den Wohnungen und zu den Arbeitsplätzen zu gewährleisten.

Aber die Chance, einen Arbeitsplatz zu finden -

die Chance, ein anständiges Einkommen zu verdienen - ist ebenso ein grundlegendes Menschenrecht, das wir nicht außer acht lassen können und werden.
Von
- 7 -

�Von hoher Priorität für unsere Nation ist die endgültige Abschaffung
der Schranken, die die Chancen für Frauen, für Schwarze, für Menschen spanischer Abkunft und andere Minderheiten einschränken.

Wir haben schon viel

für die Erreichung dieses Zieles getan, aber es bleibt noch immer viel zu
tun.

Was wir von der Vergangenheit geerbt haben, darf uns nicht in Zukunft

Fesseln anlegen.
Ich ersuche um eine beträchtliche Erhöhung der Mittel für öffentliche
Arbeitsplätze

für junge Menschen, und ich empfehle auch, daß der Kongreß

die Programme für die Beschäftigung im öffentlichen Dienst in mehr als doppeltem Umfang wie vor einem Jahr fortsetzt. Wenn die Wohlfahrtsreform abgeschlossen ist, werden wir über eine Million zusätzlicher Arbeitsplätze
zur Verfügung haben, so daß jene von der Wohlfahrt Lebenden, die arbeitsfähig sind, auch arbeiten können.
Wir wissen jedoch, daß in unserer freien Wirtschaft die Privatwirtschaft noch immer die beste Quelle neuer Arbeitsplätze ist.

Ich schlage

deshalb ein neues Programm vor, um die Unternehmen zu ermutigen, junge und
vom Glück weniger begünstigte Amerikaner einzustellen.

Diese jungen Men-

schen brauchen nur eine Ausbildung - und eine Chance -, um ihren Platz in
unserem Wirtschaftssystem einzunehmen. Wollen wir ihnen die Chance geben,
die sie brauchen.

Ein wichtiger Schritt vorwärts wird die baldige Verab-

schiedung des weitgehend verbesserten Humphrey-Hawkins-Gesetzes sein.
Mein Haushalt für 1979 ist auf unsere nationalen Erfordernisse abgestimmt, aber er ist schlank und knapp.

Ich habe, wo immer möglich, Fett

herausgeschnitten.
Ich schlage eine Erhöhung von weniger als zwei Prozent nach Anpassung
an die Inflation vor - die geringste Steigerung des Bundeshaushaltes in vier
Jahren.

iü
-8-

�In letzter Zeit haben die Ausgaben des Bundes einen stetig wachsenden
Teil dessen verbraucht, was Amerikaner produzieren.

Unser neuer Haushalt

kehrt diese Tendenz um, und ich hoffe, später den Anteil der Regierung noch
weiter senken zu können.

In Zeiten hoher Beschäftigung und einer starken Wirtschaft sollte unser
Haushalt nicht durch eine defizitäre Ausgabenpolitik gekennzeichnet sein.
In dem Maße, in dem die Wirtschaft weiter an Stärke gewinnt und unsere Arbeitslosenrate weiter zurückgeht, werden die Einnahmen steigen.

Mit sorg-

fältiger Planung, leistungsfähigem Management und angemessener Zurückhaltung
in den Ausgaben, können wir rasch zu einem ausgewogenen Haushalt gelangen
- und wir werden dahin gelangen.

Im nächsten Jahr wird das Haushaltsdefizit nur wenig unter dem des laufenden Haushaltsjahres liegen - aber ein Drittel des Defizits ist auf die
notwendigen Steuersenkungen zurückzuführen, die ich vorgeschlagen habe.

In diesem Jahr ist die richtige Entscheidung, die Lasten des Steuerzahlers zu verringern und mehr Arbeitsplätze für unser Volk zu schaffen.

Das dritte Element unseres Programms ist ein erneuter Angriff auf die
Inflation.

Wir haben es am eigenen Leibe erfahren müssen, daß hohe Arbeits-

losigkeit die Inflation nicht verhindern oder heilen kann.

Die Regierung kann helfen, indem sie die Privatinvestitionen anregt
und eine verantwortungsbewußte Wirtschaftspolitik aufrechterhält.

Durch

einen neuen Prozeß der Überprüfung auf höchster Ebene werden wir beim Abbau
der Reglementierung durch die Regierung, die Kosten und Preise in die Höhe
treibt, Besseres leisten.

Aber um es noch einmal zu sagen:
tionsrate nicht senken.

Die Regierung allein kann die Infla-

Wenn man mit einer weiteren hohen Inflationsrate

rechnet, dann erhöhen Unternehmen ihre Preise, um ihre Gewinnspannen vor zu
- 9 -

�zu erwartenden Erhöhungen der Löhne und anderen Kosten zu schützen, während die Arbeiter höhere Löhne fordern, um sich gegen die zu erwartenden
Preiserhöhungen zu schützen.

Das ist wie die Eskalation im Wettrüsten,

und begreiflicherweise möchte niemand einseitig für sich allein abrüsten.
Kein Unternehmen und keine Arbeitnehmergruppe für sich allein vermag
diesen Prozeß aufzuhalten.

Hier handelt es sich um eine Aufgabe, an deren

Lösung wir alle mitarbeiten müssen.

Ich fordere deshalb die Regierung, die

Wirtschaft, die Gewerkschaften und andere Gruppen auf, sich an einem gemeinsamen freiwilligen Programm zur Eindämmung der Inflation zu beteiligen - und
zwar in der Weise, daß sie sich bei Lohn- und Preissteigerungen auf jedem
Sektor unserer Wirtschaft im Jahre 1978 mit Sätzen begnügen, die unter dem
Durchschnitt der beiden letzten Jahre liegen.
Ich halte nichts von Lohn- und Preiskontrollen.

Eine aufrichtige

Verpflichtung auf freiwillige Mäßigung stellt den Weg - vielleicht den einzigen Weg - zur Bekämpfung der Inflation ohne staatliche Eingriffe dar.
Der wirtschaftliche Erfolg im Inneren ist auch der Schlüssel zum Erfolg unserer Außenwirtschaftspolitik.

Ein wirksames Energieprogramm, eine

lebhafte Investitionstätigkeit und eine hohe Produktivität bei mäßigen Inflationsraten wird unsere Handelsbilanz verbessern und mithelfen, die Integrität des Dollar im Ausland zu gewährleisten.
In enger Zusammenarbeit mit unseren ausländischen Freunden können wir
die wirtschaftliche Gesundheit der Welt durch faire und ausgewogene Vereinbarungen bezüglich des Abbaus von Handelshindernissen fördern.
Trotz der unvermeidlichen Pressionen, die sich ergeben, wenn die Weltwirtschaft unter hoher Arbeitslosigkeit leidet, müssen wir uns dem Ruf nach
einem selbstzerstörerischen Protektionismus energisch widersetzen.

Ich bin

entschlossen, die amerikanische Industrie und ihre Arbeiter vor unfairen
oder gesetzwidrigen Handelspraktiken des Auslands zu schützen.
In

�In einer getrennten schriftlichen Botschaft an den Kongreß habe ich
weitere innenpolitische Initiativen umrissen, wie beispielsweise die Reform
des Sozial- und Wohlfahrtswesens, Verbraucherschutz, Bildungsnormen, Städtebau, Reform der Arbeitsgesetzgebung und des staatlichen Gesundheitswesens.
Ich möchte diese Dinge heute abend nicht wiederholen; es gibt jedoch mehrere
Punkte, die ich Ihnen doch hier direkt vortragen möchte.
In den letzten Jahren haben wir Amerikaner erleben müssen, wie sich
unsere Regierung immer weiter von uns entfernt.
Für manche Bürger wurde unser Land fast zum Ausland - so fremd und
so entlegen, daß wir mit ihm oft über geschulte Botschafter verkehren müssen, die verschiedentlich allzu mächtig und einflußreich geworden sind:
Rechtsanwälte, Buchhalter und Lobbyisten.

Das darf nicht so weitergehen.

Wir brauchen das, was Abraham Lincoln vorschwebte:

eine Regierung

für das Volk.
Wir haben Fortschritte in Richtung auf diese Art von Regierung gemacht. Sie haben mir die gewünschte Vollmacht erteilt, die Bundesbürokratie
zu reorganisieren; ich mache von ihr Gebrauch.
Wir haben bereits eine Reihe von Reorganisierungsplänen in Angriff
genommen, die in einem Zeitraum von drei Jahren verwirklicht werden.
Wir haben u.a. die Abschaffung von nahezu 500 Beraterausschüssen und
-gremien von Bundesbehörden vorgeschlagen.
Ich weiß, daß unser Volk des auf Bundesebene ausgetragenen Papierkrieges überdrüssig und müde ist. Wir sind dabei, das Dickicht unnötiger staatlicher Vorschriften, mit denen der Staat allzu oft in unser persönliches
Leben und Treiben eingreift, Zug um Zug zu durchforsten. Wir haben in knapp
einem Jahr den Publikumsverkehr der Bundesbehörden um 12 Prozent vermindert.
- 11 -

�vermindert.

Und wir sind mit der Durchforstung noch nicht am Ende.

Wir haben einen erfolgreichen Anfang in unserem Bemühen erzielt,
das Kauderwelsch von Bundesvorschriften in ein einfaches Englisch zu übertragen, das das Volk tatsächlich verstehen kann; dennoch bleibt auch hier
noch viel zu tun.
Wir haben Teile von elf Regierungsbehörden zusammengefaßt und daraus
das neue Energieministerium geschaffen.

Jetzt ist es an der Zeit, einen

weiteren wichtigen Schritt dergestalt zu tun, daß wir ein eigenes Erziehungsministerium errichten.
Aber selbst eine noch so gut organisierte Regierung wird nur so viel
leisten können wie die Menschen, die ihre Politik in der Praxis verwirklichen.
Aus diesem Grund halte ich eine Reform des Staatsdienstes für absolut
lebensnotwendig. Ein Reorganisationsplan, gemeinsam mit Angehörigen des
Regierungsdienstes erstellt, wird das Leistungsprinzip innerhalb eines
Apparates wieder herstellen, der sich in ein bürokratisches Labyrinth verwandelt hat. Er wird für größere Flexibilität in der Verwaltungsarbeit
und bessere Kompensation besserer Leistungen Sorge tragen, ohne die Sicherheit des Arbeitsplatzes zu gefährden.
Dann - und nur dann - können wir einen Staat haben, der leistungsfähig,
offen und des Verständnisses und der Achtung unseres Volkes wahrhaftig würdig ist.

Ich habe versprochen, daß wir einen solchen Staat haben werden.

Ich bin fest entschlossen, dieses Versprechen zu halten.
Für unsere Außenpolitik hat sich die Trennung unseres Volkes vom Staat
als eine Quelle der Schwäche und Irrtümer erwiesen. In einem demokratischen
System wie dem unseren müssen außenpolitische Entscheidungen so geartet
sein, daß sie dem Test öffentlicher Überprüfung und Debatten standzuhalten

�standzuhalten vermögen.

Wenn diese Administration einen Fehler begeht,

wird er auf der Seite von Freimütigkeit und Offenheit gegenüber dem amerikanischen Volk zu finden sein.

In unseren modernen Welt, in der der Tod von Millionen das Ergebnis
von wenigen entsetzlichen Sekunden der Zerstörung sein kann, ist der Weg
zu nationaler Stärke und Sicherheit identisch mit dem Weg zum Frieden.

Ich schätze mich glücklich, Ihnen heute abend berichten zu können,
daß wir eben deshalb, weil unsere Nation stark ist, mit der Welt in Frieden
leben.

Wir sind ein von Zuversicht erfülltes Volk.
Basis unserer Außenpolitik wiederhergestellt.

Wir haben die moralische

Das eigentliche Kernstück

unserer Identität als Nation ist unsere feste Verpflichtung auf die Menschenrechte.

Wir treten für die Menschenrechte ein, weil wir der Auffassung sind,
daß es Aufgabe des Staates ist, für das Wohlergehen seiner Bürger zu sorgen.
Das gilt für unsere Innenpolitik ebenso wie für unsere Außenpolitik.

Die

Welt muß wissen, daß die Vereinigten Staaten in ihrem Eintreten für die
Menschenrechte eine feste Haltung einnehmen.

Wir erwarten keine raschen oder leichten Ergebnisse;

schon ist aber

eine erhebliche Bewegung in Richtung auf größere Freiheit und Menschlichkeit in verschiedenen Teilen der Welt zu verzeichnen.

Tausende von politischen Gefangenen wurden freigelassen.

Die führen-

den Politiker der Welt - selbst unsere ideologischen Gegner - haben inzwischen eingesehen, daß ihre Einstellung zu den grundlegenden Menschenrechten
ihr Ansehen in der Völkergemeinschaft und ihre Beziehungen zu den Vereinigten
Staaten berührt.
Um
- 13 -

�Um den Interessen eines jeden einzelnen Amerikaners zu dienen, verfolgt unsere Außenpolitik drei Hauptziele:
Erstes

und wichtigstes Anliegen ist und bleibt die Sicherheit unse-

res Landes.
Die Sicherheit basiert auf unserem nationalen Willen und der Stärke
unserer Streitkräfte.

Wir haben den Willen, und wir sind militärisch sehr

stark.
Sicherheit erwächst auch aus der Stärke unserer Bündnisse.

Wir haben

unsere Verpflichtung zur Verteidigung Europas bekräftigt, und wir werden
diese Verpflichtung in diesem Jahr durch eine weitere Modernisierung und
Stärkung unserer dortigen militärischen Kapazitäten demonstrieren.
Die Sicherheit kann auch durch Vereinbarungen mit potentiellen Gegnern
gefördert werden, die die Bedrohung durch eine nukleare Katastrophe verringern und gleichzeitig unsere eigenen relativen strategischen Kapazitäten
unangetastet lassen.
Auf den Gebieten eines friedlichen Wettbewerbs mit der Sowjetunion
werden wir auch weiterhin mehr als nur unseren Mann stehen.
Gleichzeitig verhandeln wir mit stiller Zuversicht, ohne Haß und in
zeilstrebiger Entschlossenheit, um die Spannungen zwischen uns abzubauen
und ein höheres Maß an Stabilität und Sicherheit zu erreichen.
Die Gespräche über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen, SALT,
sind schwierig und ziehen sich lange hin.

Wir streben eine beiderseitige

Limitierung sowohl hinsichtlich der Qualität als auch der Quantität der
riesigen Arsenale beider Nationen an - und dann einen tatsächlichen Abbau
der strategischen Rüstungen als wichtigen Schritt auf das Ziel hin, eine
endgültige Abschaffung aller nuklearen Waffen überall auf der Welt zu er-

�Wenn diese Gespräche dieses Jahr zu einem Erfolg führen - und ich
bin zuversichtlich, daß dies der Fall sein wird - gelobe ich Ihnen, daß
das betreffende Abkommen die Stabilität des strategischen Gleichgewichts
der Welt und die Sicherheit der Vereinigten Staaten aufrechterhalten wird.

Seit 30 Jahren sind konzertierte aber erfolglose Anstrengungen unternommen worden, um die Erprobung atomarer Sprengkörper - für Waffenzwecke und für friedliche Nukleareinrichtungen - zu verbieten.
Wir arbeiten, zusammen mit Großbritannien und der Sowjetunion, hart
an einem Abkommen, das den Versuchen Einhalt gebieten und unsere nationale
Sicherheit gewährleisten sowie eine ausreichende Verifizierung der Einhaltung vorsehen wird.

Wir machen jetzt in der Erreichung dieses umfassenden Verbotes nuklearer Explosionen Fortschritte.
Wir arbeiten ferner mit allem Nachdruck daran, der Ausbreitung (Proliferation) von Kernwaffen in den Ländern der Erde Einhalt zu gebieten
und den tödlichen weltweiten Handel mit konventionellen Waffen zu verringern.

Unser Eintreten für den Frieden wird fragwürdig, wenn wir gleich-

zeitig der Hauptwaffenlieferant der Welt sind.

Wir haben uns daher ent-

schlossen, unsere Waffenlieferungen ins Ausland von Jahr zu Jahr zu verringern und mit anderen wichtigen Waffenexporteuren zusammenzuarbeiten, um
sie zu einer ähnlichen Zurückhaltung zu bewegen.

Jeder Amerikaner hat ein echtes Interesse an unserem zweiten wichtigen Ziel - einer Welt in Frieden.

Im Nuklearzeitalter ist jeder von uns

bedroht, wenn der Frieden nicht gesichert ist.

Wir versuchen, die Harmonie in jenen Teilen der Welt zu fördern, in
denen große Meinungsverschiedenheiten unter anderen Nationen den internationalen Frieden bedrohen.
- 15 -

Im
~~

�Im Nahen Osten bieten wir unsere guten Dienste an, um den Schwung
der gegenwärtigen Verhandlungen aufrechtzuerhalten und die Kommunikationslinien unter den führenden Persönlichkeiten im Nahen Osten offenzuhalten.
Die ganze Welt hat ein großes Interesse am Erfolg dieser Bemühungen.

Das

ist eine hervorragende Möglichkeit für die historische Beilegung eines alten Konflikts - eine Chance, wie sie zu unseren Lebzeiten nicht wiederkommen mag.
Unsere Rolle ist schwierig und manchmal undankbar und umstritten gewesen, aber sie war konstruktiv und notwendig - und wir werden sie weiterspielen.
Unser drittes außenpolitisches Hauptziel berührt das Leben jedes amerikanischen Bürgers jeden Tag:

Wachstum und Stabilität der Weltwirtschaft.

Das erfordert eine starke Wirtschaftstätigkeit der demokratischen Industrieländer und einen Fortschritt in der Beilegung der Weltenergiekrise.
Im Herbst vorigen Jahres ist es uns mit Hilfe anderer durch unsere rigorosen Anstrengungen gelungen, die Stabilität des ölpreises aufrechtzuerhalten.
Aber wie viele ausländische Staatsmänner unterstrichen haben, ist der größte
künftige Beitrag, den Amerika zur Weltwirtschaft leisten kann, ein wirksames
Energiesparprogramm hier im eigenen Lande.

Wir werden nicht zögern, die

nötigen Maßnahmen zu treffen, um die Integrität des Dollar zu schützen.
Wir versuchen, ein gerechteres internationales System zu entwickeln.
In diesem Geiste unterstützen wir den Kampf um die menschliche Entwicklung
in Asien, Afrika und Lateinamerika.
Und schließlich blickt die Welt auf uns, um zu sehen, wie wir in einem
der wichtigsten Punkte unserer Geschäftsordnung handeln werden:
der Panamakanal-Verträge.

Billigung

Die jetzt dem Senat vorliegenden Verträge sind

das Ergebnis der Arbeit von vier Administrationen - zwei demokratischen und
zwei republikanischen.

Sie garantieren, daß der Kanal immer für die unein- 16 -

�uneingeschränkte Benutzung durch die Schiffe der Welt offenstehen wird.
Unsere Schiffe haben das Recht, sich in Zeiten der Not oder eines Ernstfalles an die Spitze der wartenden Schiffe zu begeben und Priorität der
Durchfahrt zu verlangen.

Wir behalten das Recht, den Kanal, wenn notwendig,

mit unseren eigenen Streitkräften zu verteidigen, um seine Benutzbarkeit und
Neutralität zu garantieren.
Die Verträge bringen klare Vorteile für uns selbst, die Panamaer und
die anderen Benutzer des Kanals. Die Ratifizierung der Panamakanal-Verträge
wird der Welt unseren guten Glauben demonstrieren, der Ausbreitung feindlicher Ideologien in der westlichen Hemisphäre entgegenwirken und direkt
zum wirtschaftlichen Wohlergehen und der Sicherheit der Vereinigten Staaten
beitragen.
Es gab auf meiner klirzlichen Reise zwei Augenblicke, die mir bestätigten, welches letztlich die Ziele unserer Außenpolitik immer sein müssen.
Der eine Augenblick war in einem Dorf in Indien, wo ich mit Menschen zusammentraf, die so leidenschaftlich an ihren Rechten und Freiheiten hängen wie
wir - aber deren Kinder eine weit geringere Aussicht auf gute Gesundheit,
Bildung und menschliche Verwirklichung haben als ein in unserem Lande geborenes Kind.
Der andere Augenblick war in Warschau, der Hauptstadt einer Nation,
die zweimal in diesem Jahrhundert vom Kriege verwüstet wurde. Hier haben
Menschen eine Stadt wieder aufgebaut, die ihnen die Zerstörung des Krieges
weggenommen hatte. Aber das Neue hat nur unterstrichen, wie viel verlorengegangen ist.
Was ich an diesen beiden Orten gesehen habe, hat die Zielsetzung der
Politik unseres eigenen Landes herauskristallisiert:

Wirtschaftliche Ge-

rechtigkeit gewährleisten, die Menschenrechte fördern, Konflikte ohne Gewalt lösen, unseren unerschütterlichen Glauben an die Freiheit und Würde
des Menschen überall verkünden.
Wir
- 17 -

�Wir Amerikaner haben viel Arbeit gemeinsam zu leisten.
Wie gut wir letztlich diese Arbeit verrichten werden, wird von dem
Geist abhängen, in dem wir an sie herangehen.
Wir müssen nach neuen Antworten suchen, frei von den abgestandenen
Rezepten der Vergangenheit.
Man hat gesagt, daß unsere besten Jahre hinter uns lägen, aber ich
erkläre erneut, daß die besten Jahre Amerikas noch vor uns liegen.

Wir

sind aus bitteren Erfahrungen geläutert und stolz hervorgegangen, wieder
voller Vertrauen, bereit, uns erneut jeder Herausforderung zu stellen, und
erneut geeint.
Wenn wir heute abend hier zusammenkommen, dann sind unsere Gedanken
ernst.

Vorige Woche hat der Senat einen guten und aufrechten Mann, Lee

Metcalf aus Montana, verloren.
Heute weht die Flagge der Vereinigten Staaten auf diesem Kapitol
und auf allen amerikanischen Einrichtungen und Schiffen in der ganzen Welt
in Trauer um Senator Hubert Humphrey auf Halbmast.
Gerade weil er ein so gutes Beispiel der Lebensfreude und des Lebensdranges war, erinnert uns sein Tod nicht so sehr an unsere eigene Sterblichkeit, sondern an die Chancen und Möglichkeiten, die uns das Leben bietet.
Er hat immer mit einer besonderen amerikanischen Art des Vertrauens, der
Hoffnung, des Enthusiasmus in die Zukunft geblickt. Wir können ihn am
besten ehren, wenn wir seinem Beispiel folgen.
Unsere Aufgabe besteht nach den Worten von Senator Humphrey in "Versöhnung, Wiederaufbau und Wiedergeburt".
•

Versöhnung

�Versöhnung heißt, die private Ansprüche und Interessen in Einklang
mit einer höheren Zielsetzung zu bringen.
Wiederaufbau heißt Neugestaltung der alten Träume von Gerechtigkeit
und Freiheit, von Land und Gemeinschaft.
Wiedergeburt heißt Wiedergeburt unseres Glaubens an das gemeinsame
Gute.
Jeder von uns hier heute abend - und alle, die mir in ihren Wohnungen
zuhören - müssen sich erneut dem Dienste am gemeinsamen Guten verpflichten.
Wir sind eine Gemeinschaft, alle von uns, eine geliebte Gemeinschaft. Unsere Schicksale sind miteinander verbunden, unsere Zukunft greift ineinander, und wenn wir aus diesem Wissen und diesem Geist heraus zusammen handeln, können wir Berge versetzen.

- 19 -

�Dokumentation

I

United States Information Service

25. Januar 1978

DIE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK: RÜCKBLICK UND AUSBLICK
Von Cyrus Vance

Der amerikanische Außenminister Cyrus
Vance hat in einer Rede vor dem Weltpolitischen Rat (World Affairs Council)
in Los Angeles (Kalifornien) am 13. Januar 1978 grundsätzliche Ausführungen
zur Außenpolitik seines Landes gemacht.
Er gab dabei einen überblick über den
Stand der Außenpolitik der Carter-Administration nach einem Jahr. Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:

Ich begrüße diese Gelegenheit, mit den Mitgliedern des Weltpolitischen
Rates zusammenzutreffen. Nach einem Jahr im Amt möchte ich Sie mit einigen
Gedanken über den Kurs unserer Außenpolitik vertraut machen und damit, wie
diese unser aller Leben berühren kann.
Unser Land hat sich zu Lebzeiten einiger unserer älteren Mitbürger von
einer weitgehend landwirtschaftlich ausgerichteten Gesellschaft zur größten
Industriemacht der Welt verwandelt - zu einer Gesellschaft, in der wirtschaftliche, politische und soziale Mobilität zur akzeptierten Tagesordnung geworden
sind.
Die

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Die phantastischen Geschichten eines Horatio Alger und H.G. Wells sind
Wirklichkeit geworden.
Natürlich gibt es noch Armut in Amerika.
Mitbürger ausreichende Chancen.

Noch immer haben nicht alle

Noch immer gibt es Diskriminierung.

Aber Tag für Tag - und trotz einiger bedauerlicher Umwege - haben wir
uns bemerkenswert gut an den Weg gehalten, den unsere Gründerväter eingeschlagen haben - den Weg zu einer neuen Nation in einer neuen Welt, in der
jeder Bürger frei und gleich neben seinem Nachbarn steht und in der Lage ist,
das beste aus seinen oder ihren menschlichen Fähigkeiten zu machen.
Wenn ich nach dem amerikanischen Volk gefragt werde - wie dies von den
führenden Vertretern anderer Länder oft geschieht - dann sage ich, daß wir als
Volk heute wieder einen erneuten Glauben an unsere alten Träume haben, und Präsident Carter und ich glauben zutiefst daran.
Gerade aufgrund dessen, wer und was wir sind, müssen die grundlegenden
Interessen und die Ideale unseres Volkes in unserer Außenpolitik
gegenwärtig sein, oder sie wird keinen langen Bestand haben.
Wir müssen eine Verteidigung aufrechterhalten, die modern und stark genug ist, um uns und unsere Verbündeten zu schützen.
Wir müssen die amerikanischen Investitionen in Übersee und den ununterbrochenen Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen schützen.
Wir brauchen eine starke Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, damit
amerikanische Familien sich weiterhin ihres Lebensstandards erfreuen können.
Wir müssen unsere engen Beziehungen zu unseren Verbündeten aufrechterhalten, während wir gleichzeitig verbesserte Kontakte mit unserem Hauptkonkurrenten, der Sowjetunion, und mit den blockfreien Nationen anstreben.
All
- 2 -

�All dies und mehr kann erreicht werden - so wie wir unser nationales
Interesse verfolgen - während wir gleichzeitig die tieferen Ideale und Hoffnungen zum Ausdruck bringen, die uns zu unserem bemerkenswerten wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt hier im eigenen Lande geführt haben.
Unsere Stärke liegt nicht nur in unseren Idealen, sondern auch in den
praktischen Mitteln und Wegen, mit denen wir Probleme identifizieren und
systematisch an ihrer Lösung arbeiten.
Wir fahren am besten, wenn wir uns selbst treu bleiben.
Darum tat Amerika sein Bestes mit dem Marshall-Plan, darum dachten wir
an Lebensmittel für den Frieden und an das Friedenskorps.

Darum finde ich

eine so allgemeine öffentliche Unterstützung für den Nachdruck Präsident
Carters auf die Menschenrechte - einschließlich nicht nur der Rechte auf die
Unverletzlichkeit der Person und die politischen Rechte, sondern auch die
Rechte auf Nahrung, Kleidung, Unterkunft, Wohnung, Gesundheit und Bildung.
Darum haben wir, mit all den damit verbundenen Schwierigkeiten, einen
Kurs der Diplomatie im Nahen Osten eingeschlagen, der dazu beitragen mag, den
Menschen dieser Region Frieden zu bringen.
Darum versuchen wir zur Herbeiführung von Lösungen beizutragen - nicht
unseren Lösungen, sondern Lösungen durch freie Wahlen - in Rhodesien und in
Namibia, damit die Menschen dort ihre Chance auf menschliche Befreiung und
Entwicklung haben sollen.
Darum streben wir Rüstungskontrollvereinbarungen durch Verhandlungen
an und haben eine verantwortungsbewußte Politik der Zurückhaltung in der Lieferung von konventionellen Waffen eingeschlagen.
Darum haben wir im Jahr 1977 erste greifbare Schritte zur Erreichung
auch anderer Ziele eingeleitet:

der weiteren nuklearen Proliferation Einhalt
- 3 -

�Einhalt zu gebieten, Abkommen über die Kontrolle strategischer Waffen zu
erreichen - Abkommen, die die Sicherheit unserer Nation und der ganzen Welt
stärken werden - Abkommen mit unseren westlichen Industriepartnern über Politiken zu erzielen, die zu wirtschaftlichem Wiederaufschwung und Wachstum
führen, unsere Verpflichtung zur Normalisierung der Beziehungen mit der Volksrepublik China zu bekräftigen, den militärischen Wettstreit im Indischen
Ozean zu verringern, unsere Unterstützung der rassischen Gleichheit und der
vollen politischen Beteiligung aller Menschen in Südafrika zu bekräftigen.
Die Carter-Administration hat im Jahre 1977 eine verantwortliche und
bewußte Anstrengung unternommen, eine Außenpolitik aufzubauen, die auf amerikanischen Interessen und auf amerikanischen Werten und Idealen basiert.
Im Jahre 1978 wird es Maßnahmen, Entscheidungen und Optionen geben,
die wir hier in Amerika verwirklichen müssen - einige davon schwierig - und
die uns dabei helfen werden, festzulegen, wie eine solche Politik getragen
und weiter entwickelt werden kann.
Dazu gehört die Entscheidung des amerikanischen Senats über die Panamakanal-Verträge - Verträge, die den Gipfelpunkt einer 14jährigen Arbeit vier
amerikanischer Präsidenten beider großen politischen Parteien und ihrer Außenminister darstellen.
Das ist eine Entscheidung, auf die nicht nur die Augen aller Länder Lateinamerikas - die alle für die Verträge sind -, sondern auch anderer Länder
in der ganzen Welt gerichtet sind.
Durch diese Verträge können wir definitiv und endgültig unser Recht auf
die Benutzung des Kanals und seinen Schutz sichern.
Hier ist ein Ort, wo wir endgültig die abgenutzte Beschuldigung, daß wir
Amerikaner nur daran interessiert seien, die südliche Hemisphäre für unsere ei-

�eigenen wirtschaftliche Interessen zu sichern, Lügen strafen können.

Stellen Sie sich bitte einmal vor, daß ein anderes Land einen 32 km
breiten Streifen Land kontrollieren und verwalten würde, der entlang dem
Mississippi verläuft.

Wie lange glauben Sie, würden die Menschen dieses Lan-

des eine solche Situation bereitwillig akzeptieren?

Es ist eine Frage, die Verständnis und Weitblick erfordert.

Wenn wir die Verträge ratifizieren, können wir der Welt klarmachen, daß
Streitigkeiten auf friedlichem Wege - durch die Herrschaft des Rechts und durch
Verhandlungen - beigelegt werden können und sollten.

Und, was am wichtigsten ist, wir können den langfristigen Nutzen und die
Lebensfähigkeit des Kanals selbst für alle Benutzer, einschließlich unserer
selbst, gewährleisten und sichern.

Eine weitere Entscheidung, die wir treffen müssen, betrifft unsere wirtschaftlichen Beziehungen zur übrigen Welt.

Im Jahre 1978 werden wir uns auf den Abschluß der Tokio-Runde der Handel sverhandlungen mit anderen

importierenden und exportierenden Ländern zu-

bewegen.

Als Präsident Kennedy sich im Jahr 1961 für die Verabschiedung des
historischen Gesetzes über die Ausweitung des Handels einsetzte, das zu zehn
Jahren weltweiter wirtschaftlicher Expansion führte, wies er ganz richtig
darauf hin, daß "eine steigende Flut alle Boote flott macht".

Heute braucht die Welt dringend einen wirtschaftlichen Wiederaufschwung.
Andere große Länder leiden unter Inflationsraten und einer Arbeitslosigkeit,
die den unsrigen gleichen oder sogar noch höher liegen.

- 5 -

Die Tokio-Runde wird

�wird nicht aus sich selbst heraus sofort die weltweite wirtschaftliche Prosperität wieder herstellen.

Sie wird jedoch zu neuen Investitionen und ge-

winnbringendem Austausch anregen.

Wenn sie fehlschlägt und Opfer einer neuen

Woge des internationalen Protektionismus wird, dann können wir sicher sein,
daß viele der "Boote" auf Grund laufen und einige vielleicht sogar sinken.
Ich weiß, daß es sich hier für den amerikanischen Arbeiter oder Geschäftsmann oder Farmer, dessen Familienexistenz von der Produktion von Stahl,
Rundfunkgeräten, Farbfernseher, Mikrowellen-Geräten, Textilien, Schuhen, Automobilen, Computern, Zucker und vielen anderen Erzeugnissen abhängt, nicht um
eine abstrakte, theoretische Angelegenheit handelt.
Die sich verändernde Weltwirtschaft hat andere Länder in der Herstellung
dieser Produkte wettbewerbsfähig gemacht, und wir spüren das Ergebnis dieser
Entwicklung.

Die Carter-Administration weiß das und tut ihr bestes, um den

betroffenen amerikanischen Industriezweigen und Menschen zu helfen.
hört das im Dezember verkündete neue Stahlprogramm.

Dazu ge-

Dazu gehören unsere der-

zeitigen Gespräche mit Japan über den Abbau seiner Einfuhrschranken und die
Erhöhung seiner Wachstumsrate.
Aber wir und andere müssen uns auf eine Weise helfen, die die Welt nicht
in jene katastrophale Spirale des Protektionismus zurückwirft, die wir alle
während der Weltwirtschaftskrise erfahren haben.
In den dreißiger Jahren schloß unter dem wirtschaftlichen Druck ein Land
nach dem anderen seine Grenzen für ausländische Güter.
den Preis jeder Ware für jedermann überall.

Hohe Zölle

erhöhten

Und mit dem Fall in die weltweite

Krise schlössen wir unsere Banken und unsere Unternehmen und unsere Farmen.
Die großen Häfen unseres Landes waren, wie Sie noch gut wissen, öde und leer.
Eine neue Welle des Protektionismus würde die amerikanischen Geschäftsgewinne und zehn Millionen Arbeitsplätze, die von diesen Exporten abhängen,
in Gefahr bringen.

Am härtesten betroffen wäre dabei aber der amerikanische
- 6 -

�amerikanische Farmer, der es gerade jetzt schwer hat, ohne Verluste zu
wirtschaften.
Kalifornien ist ein Landwirtschaftsstaat.
Ich habe gerade erst erfahren, daß die in den Vereinigten Staaten bebaute Bodenfläche zur Produktion von Nahrungsmitteln, die wir an Japan
verkaufen, größer ist als die Gesamtanbaufläche in Japan. Würde Japan
beispielsweise im Rahmen eines Handelskrieges seine Grenzen für unsere
Nahrungsmittel und Fasererzeugnisse schließen, so würden die Farmen und
landwirtschaftlichen Gemeinden in diesem Staat und auch sonst in Amerika
schwer betroffen.
Wir müssen daher die notwendige Entscheidung treffen, um unserer Verpflichtung gegenüber beiden - der einheimischen Wirtschaft und der Weltwirtschaft - nachzukommen, die dem Wettbewerb offenstehen und die Produktivität belohnen. Dazu wird gehören, daß die unsere Produkte behindernden
Schranken in anderen Teilen der Welt aufgehoben werden. Dazu wird aber auch
gehören, daß wir die Tatsache akzeptieren, daß andere Länder, wenn sie von
uns kaufen sollen, auch an uns verkaufen können müssen.
Wir haben ferner Entscheidungen zu treffen - hinausgehend über die mit
den Panama-Verträgen und der Tokio-Runde zusammenhängenden - in Bezug auf
einen ganzen Bereich von Beziehungen zu der sogenannten Dritten Welt. Diese
Länder, von denen die meisten ihre Unabhängigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg
gewannen, sind in wachsendem Maße in unser tägliches Leben miteinbezogen.
Sie wissen, wie die Menge und die Kosten des Öls aus diesen Ländern unser
Land betreffen.
Wir beziehen außerdem über 50 Prozent des von uns benötigten Zinns,
Aluminiums und Mangans und beträchtliche Mengen an Blei, Wolfram und Kupfer
aus wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern.
Hinzukommt, daß

�Hinzukommt, daß die Entwicklungsländer einen bedeutenden Teil unserer
Exporte abnehmen. Zahlen aus jüngster Zeit zeigen, daß wir beispielsweise
Güter im Wert von 29 Milliarden Dollar an die nicht-ölproduzierenden Entwicklungsländer exportiert haben. Das ist das Dreifache der Zahlen von 1970
und das Dreifache unserer Exporte nach Japan und drei Milliarden Dollar
mehr als der Betrag unserer Gesamtexporte an die Industriestaaten Europas.
Diese Exporte aber bedeuten Arbeitsplätze für Amerikaner.
Gleichzeitig aber sind gerade in dieser Welt der Entwicklungsländer
viele der sogenannten "globalen Probleme" am offenkundigsten und bedrohlichsten.
Ineffizienz und Verschwendung in der Nutzung der Ressourcen unserer
Erde, Verschmutzung der Ozeane und der Atmosphäre; nukleare Proliferation,
ungezügeltes Wettrüsten - dies alles sind Probleme, die nicht nur diese
Länder, sondern auch die Sicherheit der Menschheit betreffen.
Die Mehrzahl der Länder der Dritten Welt haben nicht genügend Nahrungsmittel; vielen fehlen die Möglichkeiten, um genug für den Eigenbedarf zu
produzieren. Bei fast allen findet sich ein rapider Bevölkerungszuwachs.
Selbst die optimistischsten Zukunftsprojektionen verzeichnen einen Bevölkerungszuwachs um 75 Prozent bis zum Jahr 2000 in dieser Dritten Welt.
Was fast noch beängstigender ist, dieser Zuwachs scheint sich auf die bereits
stark überbevölkerten städtischen Ballungszentren zu konzentrieren. Versuchen
Sie sich einmal die in diesen Projektionen genannten Zahlen vorzustellen:
Mexico City mi"" einer 3evölkerung von 32 Millionen Menschen, Sao Paolo mit
26 Millionen; Calcutta, Bombay, Rio de Janeiro, Seoul, Peking und Schanghai
- eine jede mit 19 Millionen Einwohnern in 22 Jahren!
In den Jahren unmittelbar vor uns werden viele dieser führenden Nationen
der Dritten Welt in einem noch größeren Ausmaß Teil unseres täglichen Dialogs
sein, als sie das bereits heute sind.
Wir müssen

�Wir müssen entscheiden, wie sich unser Verhältnis zu ihnen gestalten
soll. Diese Länder sind überzeugt, daß sie nicht länger mehr "die Holzhauer
und Wasserträger" für die reichen westlichen Staaten sein sollten, und wir
verstehen das. Im vergangenen Jahr haben wir ihr Mißtrauen gegenüber den
Vereinigten Staaten abschwächen können und damit die Wahrscheinlichkeit
verringert, mit Versuchen neuer sich auf Rohstoffe und andere Handelsgüter
außer öl erstreckende Kartellbildungen und endlosen wirtschaftlichen und
politischen Feindseligkeiten konfrontiert zu werden.
Die Länder der Dritten Welt merken jetzt, daß wir sie als wichtig und
souveräne Nationen ansehen und daß wir uns mit ihren Hoffnungen und Bestrebungen identifizieren. Die Entwicklungsländer der Welt können konstruktive Partner der Vereinigten Staaten werden.
Machen Sie dabei aber keinen Fehler! Diese Länder sind keine Miniaturen
der Vereinigten Staaten in ihrer Frühzeit. Viele von ihnen werden Wege der
politischen und wirtschaftlichen Entwicklung einschlagen, die nicht unsere
Billigung finden. Aber eine Mehrzahl zumindest wird von uns Verständnis und
Unterstützung bei ihrem Bemühen um den Aufbau moderner Gesellschaftsformen
erwarten.
Werden wir gewillt sein, diese Länder an unserer Technologie teilhaben
zu lassen? Werden wir bereit sein, die Grundpreise für Rohstoffe stabilisieren zu helfen, auf denen viele ihrer Wirtschaften beruhen? Werden wir ihre
Produkte auf dem internationalen Markt fair behandeln? Werden wir gewillt
sein, ihre nationalen Pläne zur Wirtschaftsentwicklung zu unterstützen, auch
wenn sie nicht inmer unserem eigenen Geschmack entsprechen? Dies alles sind
komplizierte Fragen, und einige werfen schwierige Probleme auf. Aber diese
Administration ist sich voll darüber im klaren, daß wir unseren eigenen
Werten

nicht treu blieben, wenn wir uns dieser Probleme nicht voller Ver-

ständnis annähmen.
Ein unmittelbarer

�Ein unmittelbarer und greifbarer Prüfstein für unsere Absichten gegenüber der Dritten Welt liegt im südlichen Afrikas.Ich spreche von den drei
Hauptproblemen, Rhodesien, Namibia und der Situation in Südafrika selbst.
Wir können im südlichen Afrika keine Lösungen aufzwingen. Wir können keinem
der Beteiligten Bedingungen diktieren. Unsere Ansatzmöglichkeiten sind begrenzt.
Aber wir gehören zu den wenigen Regierungen in der Welt, die sowohl
mit weißen wie mit schwarzen Afrikanern offen und doch mit einem großen Maß
an Vertrauen sprechen können. Es ist daher entscheidend wichtig, daß unsere
Politik der Ermutigung, der Gerechtigkeit für die Menschen aller Rassen
im südlichen Afrika allen klar verständlich ist.
Nach sorgfältigen Überlegungen verfolgt diese Administration aktiv
Lösungen aller drei Probleme im südlichen Afrika. Diese Probleme müssen
zusammen angepackt werden, denn sie sind miteinander verknüpft.
Manche Leute haben argumentiert, daß die Apartheit in Südafrika vorläufig ignoriert werden sollte, um sich auf Fortschritte in Rhodesien und
Namibia konzentrieren zu können. Eine solche Politik wäre falsch und würde
nicht funktionieren. Sie wäre blind gegenüber der Realität, daß der Fortschritt
in Südafrika selbst bald beginnen muß, wenn es eine Möglichkeit der friedlichen Lösungen auf längere Sicht geben solle.
Wir würden die Südafrikaner nur hinsichtlich unserer wirklichen Besorgnisse täuschen. Es würde unsere Beziehungen zu unseren afrikat,; .chen
Freunden präjudizieren. Es wäre ein Bärendienst an unseren eigenen Überzeugungen.
Und es würde die Menschen aller Rassen entmutigen, die für einen friedlichen
Fortschritt in Südafrika arbeiten.
Wir glauben, daß wir Südafrika hinsichtlich Rhodesiens und Namibias
wirksam beeinflussen können, während wir gleichzeitig unsere Besorgnisse
hinsichtlich der Apartheitgeltend machen.
Wir glauben, daß
- 10 -

�Wir glauben, daß Weiße ebenso wie Schwarze eine Zukunft in Namibia,
Simbabwe und Südafrika haDen müssen. Und wir sind ebenso überzeugt, daß
ihre Sicherheit im Fortschritt liegt. Unzugänglichkeit wird nur zu größerer
Unsicherheit führen.
Wir begrüßen und anerkennen positive Maßnahnen Südafrikas bezüglich
jeder dieser drei Probleme. Aber wir brauchen unbedingt einen echten Fortschritt bei allen drei Problemen - und wir werden weiterhin die Unterstützung de? amerikanischen Volkes für eine Politik benötigen, die auf diesen
Fortschritt drängt und ihn ermutigt.
Eine weitere Entscheidung, vor der wir als Volk stehen, ist eine Entscheidung, die jetzt in unseren Gesprächen über die Begrenzung strategischer
Rüstungen - SALT - mit der Sowjetunion zum Ausdruck kcmmt.
Hier geht es um die Sicherheit. Wir sorgen für unsere Sicherheit auf
zwei Wegen:
- Durch die Aufrechterhaltung einer militärischen Einrichtung, die für
unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten sorgt; und
- durch Rüstungskontrolle.
Was wir nicht durch beiderseitige, gleiche Begrenzungen erreichen können,
gewährleisten wir durch unsere eigene Stärke.
Wir müssen daher SALT als einen Prozeß betrachten. Es ist ein Prozeß,
bei dem wir herausfinden, ob es uns möglich sein wird, uns über einige unserer
Sicherheitsprobleme mit der Sowjetunion zu einigen. Es ist auch ein Prozeß
in dem Sinne, daß wir versuchen, in jedem Stadium die strategischen Probleme
zu lösen, die wir lösen können, um dann zum nächsten Stadium und zur nächsten
Ebene der Probleme überzugehen.
Wir streben nicht
- 11 -

�Wir streben nicht nach einer Verringerung der Waffen um ihrer selbst
willen, sondern nur dann, wenn die Verringerungen der Sicherheit dienen. Aber
aus dem Rüstungsabbau kann sich neben der Stärkung unserer Sicherheit noch ein
weiteres

wichtiges Resultat ergeben: das Potential für uns und andere,

einschließlich der Länder der Entwicklungswelt, unsere Rüstungsausgaben
zu senken und neue Prioritäten aufzustellen.
Wenn wir den Mut und die Geduld haben, dies durchzuhalten, dann, so
bin ich überzeugt, können wir durch SALT und andere Verhandlungen die Schwelle
der internationalen Gefahr senken und neue Mittel für die Arbeit des Friedens
freimachen.
Aber wir müssen wirklich den Willen dazu aufbringen.
Denn schließlich sind es gerade unsere Beziehungen zur Sowjetunion,
bei denen es am stärksten um Fragen und Entscheidungen von Krieg und Frieden
geht.
Unsere Politik gegenüber der Sowjetunion beruht auf der realistischen
Beurteilung, daß es sich hier um ein ernsthaftes Kokurrenzverhältnis handelt
und daß die Ziele der Sowjets in der Welt von den unsrigen ganz verschieden
sind. Es ist ferner wichtig zu erkennen, daß es jedoch spezifische Fragen
gibt, bei denen unsere Interessen nicht gegensätzlich sind - nicht zuletzt
bei der Vermeidung eines Nuklearkrieges.
In der Sache des Friedens und unseres eigenen Interesses haben wir
die Sowjetunion in einer weitem Bereich konkreter Fragen angesprochen, zunächst einmal in der Absicht, den militärischen Wettbewerb zu stabilisieren
und den politischen Wettbewerb zu regeln. Das sind unsere ersten Ziele, denn
sie machen den Kern des Problems von Krieg und Frieden aus.
über diese Ziele hinaus streben wir nach einer Ausweitung der Gebiete
des gemeinsamen Interesses und gemeinsamen Handelns in einem Bereich inter-

- 12 -

�internationaler Fragen, einschließlich der Menschenrechte, der Zusammenarbeit in den Lebensfragen der Menschen überall wie etwa in der Bekämpfung
von Krankheit, der Ernährung, der Umweltverschmutzung und der Anwendung
von Wissenschaft und Technologie.
Der Fortschritt auf diesen Gebieten ist ungleichmäßig und mag lange
Zeit erfordern, aber aus unserer Erkenntnis, wie weit wir seit dem intensiven
und gefährlichen Geist des Kalten Krieges, der noch vor wenigen Jahrzehnten
herrschte, gekommen sind, gewinnen wir Geduld und eine langfristige Perspektive.
Die Alternative in diesem aktiven Dialog mit den Sowjets würde eine
Rückkehr zu den Spannungen und der gegenseitigen Isolation des Kalten Krieges
bedeuten. Viele von Ihnen und die führenden Vertreter dieser Administration
erinnern sich noch daran, wie es damals aussah. Wir können guten Gewissens
nicht empfehlen, daß wir das Land wieder in die Unruhe und die Ängste jener
Zeitspanne zurückführen.
Morgen reise ich nach Jerusalem, um an einem Ereignis mitzuwirken, das
wir alle noch vor wenigen Monaten für unmöglich gehalten hätten. Die
Außenminister Ägyptens und Israels werden sich an einen Konferenztisch setzen,
um detaillierte Friedensverhandlungen zwischen Israel und den arabischen
Staaten zu beginnen.
Nach drei Jahrzehnten der Entfremdung und der Feindseligkeit hat der
Prozeß der Versöhnung begonnen.
Ich bin sicher, daß Sie wie alle Amerikaner und alle Menschen in der
Welt ebenso wie ich von den dramatischen Ereignissen der zurückliegenden
Wochen bewegt worden sind.
Der plötzliche und spektakuläre Besuch Präsident Sadats in Jerusalem
hat unsere Phantasie begeistert. Es war ein visionärer und staatsmännischer

- 13 -

�staatsmännischer Akt.

Die Herzlichkeit seines Empfangs durch Ministerpräsident

Begin und das israelische Volk, die die bitteren Erinnerungen an vier Kriege
überwanden, welche jeder Familie Leid gebracht haben, war ein klarer Beweis
für den Wunsch nach Frieden.
Die Initiative Präsident Sadats und die Antwort von Ministerpräsident
Begin haben einen Verhandlungsprozeß in Gang gesetzt, der mit der Vorbereitungskonferenz in Kairo im Dezember begann und der auf Ministerebene in einem Militärausschuß in Kairo und einem politischen Ausschuß in Jerusalem fortgesetzt
werden wird.

Sowohl Ägypten als auch Israel haben unterstrichen, daß sie die

jetzt im Gang befindlichen Gespräche als die Grundlage für Verhandlungen unter
allen Beteiligten des arabisch-israelischen Konflikts betrachten, die nach
einem umfassenden Frieden im Nahen Osten streben.
Präsident Carter hat nach seinem Gespräch mit Präsident Sadat in der vorigen Woche die Aufgabe dargestellt, vor der der politische Nahost-Ausschuß
steht, der in Jerusalem zusammenkommt.
- Erstens, ein echter Frieden muß auf normalen Beziehungen unter den Beteiligten der Friedensregelungen ruhen. Frieden bedeutet mehr als nur die Einstellung von Feindseligkeiten.
- Zweitens, es muß zu einem Abzug Israels aus den 1967 besetzten Gebieten
und zu einem Abkommen über sichere und anerkannte Grenzen für alle Parteien
im Zusammenhang mit normalen und friedlichen Beziehungen und in Übereinstimmung
mit den Resolutionen 242 und 338 der Vereinten Nationen kommen.
- Drittens, das Palästinenserproblem muß in allen seinen Aspekten gelöst
werden. Die Lösung muß die legitimen Rechte des palästinensischen Volkes anerkennen und die Palästinenser in die Lage versetzen, an der Bestimmung ihrer
eigenen Zukunft mitzuwirken.
Ich
- 14 -

�Ich bin überzeugt, daß diese Grundsätze, wie sie der Präsident zum Ausdruck gebracht hat, für die Regierungen und Völker auf beiden Seiten des arabisch-israelischen Konflikts annehmbar sein dürften.
Um vom grundsätzlichen zu konkreten Ergebnissen zu gelangen, wird es
der Flexibilität und des Mutes und staatsmännischer Qualitäten bedürfen, die
die Führer Ägyptens und Israels bereits in so großem Maße an den Tag gelegt
haben.
Wir unsererseits halten uns bereit, den Arabern und Israelis bei der Erreichung ihres Friedens zu helfen.

Es ist in unserem eigenen nationalen Inter-

esse wichtig, daß wir das tun; unsere Werte und unser Volkscharakter verlangen,
daß wir die größtmöglichen Anstrengungen unternehmen, um zur Beilegung dieses
tragischen Konflikts beizutragen.
Wir werden uns an der Arbeit der Jerusalemer Konferenz aktiv beteiligen,
da uns die Parteien darum gebeten haben. Wenn es bei den Verhandlungen Schwierigkeiten geben sollte, so sind wir vielleicht in der Lage, nützliche Vorschläge zu machen, um die Kluft zwischen den Parteien zu überbrücken. Wir
werden jedoch keinen fertigen Plan für die Lösung von Fragen mitbringen, die
letztlich nur die Völker dieses Gebiets selbst beilegen können.
Von Jerusalem kann es kein Zurück mehr geben. Araber und Israelis würden einen diplomatischen Fehlschlag bitter bedauern, nachdem diese so lange
verfeindeten Nationen den Willen und die Fähigkeit gefunden haben, einander
mit gegenseitiger Achtung zu begegnen.
Aus dem, was ich heute gesagt habe, können Sie, so meine ich, schließen,
daß ich hinsichtlich unserer Außenpolitik und der Chancen für künftige Fortschritte in der Sache des Friedens grundsätzlich optimistisch bin.
Trotz unserer Probleme sind wir ein starkes und freies Land und ein Land,
das von Hoffnungen und Lebenskraft erfüllt ist.
Das
- 15 -

�Das Nuklearzeitalter dauert nun schon 33 Jahre, und die Welt hat sich
noch nicht in die Luft gesprengt, und es ist uns in diesen Jahren durch Diplomatie und internationale Führung gelungen, die Chancen zu verringern, daß dies
je geschehen wird.
Wir haben seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt, daß über 100 neue Länder
ihre Eigenstaatlichkeit erreicht haben.

Sie werden zu produktiven und sich

selbst tragenden Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft.
Die vor uns liegende Aufgabe wird, wie ich es sehe, darin bestehen, an
dem Kurs festzuhalten, den wir abgesteckt haben.

Wir leben in einer Zeit, in

der sich politische und wirtschaftliche Veränderungen so rasch vollziehen
- Peter Drucker hat es so geschickt als "Zeitalter der Diskontinuität" bezeichnet - daß man sich versucht fühlen könnte, sich auf unsere alte, nach innen
gerichtete Mentalität der Festung Amerika zurückzuziehen.
Wir sind uns jedoch heute selbst treu und halten an dem fest, was ein
200 Jahre altes Dokument als "anständigen Respekt vor den Meinungen der Menschheit" bezeichnet hat.

Im vorigen Jahr hat uns Präsident Carter dahin geführt,

die harten Entscheidungen zu treffen, die erneut gezeigt haben, daß unser Land
seinen Glauben an die Vervollkommnung des Menschen nicht verloren hat.
Wir verfügen über große Stärke.
Wenn sie richtig gelenkt wird, kann unsere Stärke eine katalytische und
lebendige Kraft sein, um Frieden, Chancen und materielles Wohlergehen für Millionen von Menschen in Amerika und in der Welt herbeizuführen.

Eurokommunismus
- 16 -

�Eurokommunismus
Bei einer anschließenden Diskussion wurde Außenminister Vance gefragt,
wie er die politische Rolle des Kommunismus in Westeuropa betrachte.

Er ent-

gegnete darauf:
"Eurokommunismus ist vielleicht ein Wort, das etwas irreführend ist.
Ich glaube, daß es in verschiedenen Ländern einige Unterschiede geben kann,
was die kommunistischen Parteien anbetrifft. Wir haben jedoch unsere Überzeugung klargemacht, daß es im Umgang mit unseren europäischen Verbündeten wichtig ist, daß wir eine Situation haben, in der wir es mit Menschen zu tun haben, die den gleichen Werten anhängen wie wir. Das soll nicht heißen, daß
die Wahl, wer ihre Länder repräsentieren soll, von irgend jemand anderem als
den Menschen dieser Länder getroffen werden sollte. Wir haben jedoch erklärt,
und wir sind der Überzeugung, daß es ein Anlaß der Besorgnis für uns als Nation wäre, wenn Kommunisten eine wichtige oder einflußreiche Rolle in den Tätigkeiten unserer westlichen Verbündeten spielen sollten.

+ + + + +

- 17 -

�1

Dokumentation

I

United States Information Service

25. Januar 1978

USA ÜBER EINFLUSS DES EUROKOMMUNISMUS BESORGT
Erklärung des State Department vom 12. Januar 1978 -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat am
12. Januar 1978 eine offizielle Erklärung veröffentlicht, in der auf
die erhöhte Besorgnis der USA über die Aussichten auf eine Beteiligung
der Kommunisten an der italienischen Regierung hingewiesen wird.
Die Erklärung wurde von John Trattner, einem der Sprecher des State
Department .herausgegeben, nachdem der amerikanische Botschafter in Rom,
Richard Gardner, zu Konsultationen mit Präsident Jimmy Carter, Außenminister Cyrus Vance, Verteidigungsminister Harold Brown sowie Vertretern des US-Kongresses nach Washington gerufen worden war.
Trattner unterstrich auf Fragen, daß die USA nicht die Absicht hätten,
sich in den innenpolitischen Prozeß anderer Völker einzumischen. Der Zeitpunkt der Erklärung sei vielmehr durch das Interesse seitens der Presse
bestimmt worden, die um eine amerikanische Reaktion auf die Vorgänge in
Rom ersucht habe. Die Erklärung sei aus dem Bemühen heraus erfolgt, "klar
und unmißverständlich" zu sein. Sie ziele, so fügte er auf Befragen hinzu,

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�hinzu, auf Westeuropa und die kommunistischen Parteien in Westeuropa ab,
und er wolle sie nicht auf die gesamte Welt ausdehnen.
Die Erklärung des State Department hat folgenden Wortlaut:
Der Besuch von Botschafter Gardner in Washington bot die Gelegenheit
für eine allgemeine politische Oberprüfung mit hohen Regierungsvertretern.
Es hat keine Änderung in der Haltung der Regierung zu den kommunistischen
Parteien Westeuropas, einschließlich der italienischen, gegeben, obwohl die
jüngsten Entwicklungen in Italien den Grad unserer Besorgnis erhöht haben.
Wie der Präsident und andere Mitglieder der Regierung bei einer Reihe von
Gelegenheiten öffentlich erklärt haben, sind unsere westeuropäischen Verbündeten souveräne Länder, und die Entscheidung, wie sie regiert werden,
liegt zurecht und korrekterweise allein bei ihren Bürgern. Gleichzeitig
sind wir der Meinung, daß wir gegenüber unseren Freunden und Verbündeten
die Verpflichtung haben, unsere Ansichten klar zum Ausdruck zu bringen.
Unsere führenden Regierungsvertreter haben wiederholt die amerikanische
Ansicht zur Frage der kommunistischen Beteiligung an westeuropäischen Regierungen geäußert. Unser Standpunkt ist klar: Wir befürworten eine derartige Beteiligung nicht und würden einen kommunistischen Einfluß in jedem
westeuropäischen Land gerne verringert sehen. Wie wir bereits in der Vergangenheit erklärt haben.glauben wir, daß der beste Weg zur Erreichung
dieser Ziele in den Bemühungen der demokratischen Parteien liegt, das Streben
und die Sehnsucht ihrer Völker nach einer tatkräftigen, gerechten und mitfühlenden Regierung zu erfüllen.
Die Vereinigten Staaten und Italien haben profunde demokratische Werte
und Interessen gemeinsam, und wir glauben nicht, daß die Kommunisten diese
Werte und Interessen teilen.
Wie der Präsident in der vergangenen Woche in Paris erklärt hat:
"Immer dann, wenn

�den Bau solcher zu finanzieren, die dann an die betreffende Firma verpachtet werden. Zweitens bieten die Staaten anlagebereiten Unternehmern
Kreditbürgschaften an, die ihnen die Beschaffung von Krediten für den
Erwerb von Grundstücken und die Errichtung von Fabrikanlagen erleichtern.
Drittens stellen manche Staaten für diese Zwecke auch selbst Kredite aus
Haushaltmitteln zur Verfügung. Und viertens haben mehrere Staaten eigene
Entwicklungskreditanstalten gegründet, die Geld bei Geschäftsbanken aufnehmen und in Form von Anlagekrediten an investitionswillige Unternehmen
vergeben.
über diese Finanzhilfen hinausgehend, gewähren die Einzelstaaten und
Gemeinden bei der Neuansiedelung von Industrien auch anderweitige Hilfe.Sie
- erteilen Rat bei der Standortwahl;
- helfen bei der Planung und Gestaltung neuer Werkanlagen;
- gewähren Steuernachlässe und Steuerstundungen;
- beteiligen sich an Erschließungskosten und gewähren neuangesiedelten
Unternehmern vergünstigte Tarife für Strom, Wasser, Abwasserbeseitigung und ähnliche Leistungen;
- unterstützen die Firmen bei der Beschaffung von Arbeitskräften und
deren Ausbildung und
- gewähren den Firmen Zugang zu den örtlichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen.
Ausländische Firmen oder Kapitalgeber, die sich für Investitionsmöglichkeiten in den Vereinigten Staaten interessieren und sich genauer über
die am jeweiligen Ort gebotenen Investitionshilfen informieren wollen, wenden
sich am besten an die Abteilung Wirtschaftsförderung (Economic Development
Division) des betreffenden Einzel Staates, an das Handelsministerium J_n

- 3 -

�in Washington oder an die amerikanische Botschaft in ihrem Land bzw. das
nächstliegende Konsulat.
Angesichts der starken Zunahme der ausländischen Direktinvestitionen
in den Vereinigten Staaten zeigen sich manche Amerikaner besorgt. Im
Kongreß wurden schon mehrfach Stimmen laut, die eine Registrierung, Überprüfung und Eindämmung ausländischer Investitionen forderten. Die Regierung hat sich allen solchen Wünschen entschieden widersetzt, und keine
der diesbezüglichen Gesetzesvorlagen hat bisher je Gesetzeskraft erlangt.
Der Kongreß verfügte lediglich, daß das Handels- und das Finanzministerium
Bericht über den Stand ausländischer Investitionen in den Vereinigten
Staaten zu erstatten und künftig Daten über Auslandsinvestitionen - und
zwar sowohl über ausländische Investitionen in den USA als auch über
amerikanische Investitionen im Ausland verfügbar zu halten.
Präsident Carter hat die positive Einstellung der amerikanischen
Regierung zu Kapitalanlagen von Ausländern in Amerika am 3. Juni 1977 in
einer Botschaft an die Teilnehmer eines Investitionsseminars im kanadischen
Toronto eindeutig unterstrichen. Dort heißt es:"Die Anwesenheit von Vertretern zahlreicher einzelstaatlicher Entwicklungsbehörden bezeugt nicht nur
unsere Bereitschaft, die Schaffung neuer Produktionsstätten in unserem Lande
zu erleichtern, sondern ist auch ein Ausdruck der Tatsache, daß Investitionen
ausländischer Kapitalgeber in den Vereinigten Staaten auch weiterhin sehr
erwünscht sind."

+ + + + +

�•1

I

3

Uli//cn/chofl
und'
United States Information Service

25. Januar 1978

STROM AUS GRUBENGAS
Versuchsprojekt in Pennsylvanien

- (AD) - Die Idee ist nicht neu, das methanhaltige, im Zechenbetrieb
jedoch so gefährliche Grubengas nicht einfach abzupumpen, sondern es zu
sammeln und wirtschaftlich zu nutzen. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen
galt dies in den USA bisher aber als zu kostspielig und technisch zu aufwendig. Ein Versuchsprojekt, das von der Westinghouse Electric Corporation
entwickelt wurde und mit finanzieller Unterstützung des US-Energieministeriums
auf der Zeche Ebensburg (US-Bundesstaat Pennsylvanien) der Bethlehem Mines
Corporation durchgeführt wird, soll nun dazu beitragen, brauchbare Lösungen
zu finden: Kohlegase werden gesammelt, verdichtet und für den Betrieb einer
750-kW-Gasturbine im Rahmen der innerbetrieblichen Stromerzeugung genutzt.
Eine Reihe amerikanischer Firmen stellt Spezialausrüstungen zur Verfügung;
staatliche und private Forschungsstellen beteiligen sich an den erforderlichen wissenschaftlich-technischen Analysen sowie an Rentabilitätsberechnungen.
Zum Schutz gegen Vergiftungen unter Tage und gegen Grubenexplosionen
müssen die Kohleschächte so mit Frischluft versorgt werden, daß die Methankonzentration unter 1% gehalten wird. Mit zunehmender Tiefe der Kohleschichten

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Kohleschichten sind dafür immer kompliziertere Ventilationssysteme erforderlich,

denn in großer Tiefe können die in der Kohle und im umgebenden

Gestein gesicherten Gase sogar 85 - 100% Methan enthalten,
Jahre vor Beginn des eigentlichen Abbaus werden deshalb tiefliegende
Flöze von der Oberfläche her angebohrt, um schon im voraus einen Abzug für
Kohlegase zu schaffen und so den späteren Aufwand für die Ventilation zu
verringern. An einem solchen Abzugsschacht der Zeche Ebensburg sollen die
austretenden Methangase zur Weiterverwertung gesammelt werden
Auf eine Tonne Kohle kommen unter Tage durchschnittlich 5,6 cbm Methan,
ein Nebenprodukt des Kohlebildungsprozesses, Ingenieure des US-Energieministeriums schätzen, daß von den in den amerikanischen Kohlevorkommen
gespeicherten Methanmengen etwa 8,5 Billionen cbm nutzbar zu machen wären,
wenn man geeignete Verfahren zur Gewinnung des Gases verfügbar hatte. Gegenwärtig gehen durch Grubenbelüftung, Vorausbelüftung noch nicht in den Abbau
einbezogener Flöze und das Aussickern von Gasen aus stillgelegten Strecken
täglich mehr als 7 Millionen cbm Methan verloren - eine Menge, mit der
800 000 Wohnhäuser beheizt werden könnten. Das methanhaltige Kohlegas ließe
sich ähnlich wie Erdgas verwenden und könnte dazu beitragen, die amerikanischen Erdgasreserven um etwa ein Jahrzehnt zu strecken.
Aufgrund bisheriger Erfahrungen in Westvirginia - die Equitable Gas
Company (Pittsburgh) fördert seit 1949 von vertikalen Bohrschächten geringe
Methanmengen aus kohleführenden Schichten, das US-Bergbauamt experimentiert
seit 1975 mit horizontalen Abzugkanälen, die von einem Ventilationsschacht
aus in noch unberührte Kohleschichten vorgetrieben wurden - erscheinen Flöze
außerhalb der jeweiligen Abbaustrecken sowie Regionen im Bereich aufgegebener
und mit Geröll aufgefüllter Einbruchstollen als die günstigsten Quellen für
Kohlemethan. Allerdings schwankt die Qualität des Gases enorm; die Konzentrationen reichen von fast 100% bis zu stark verdünntem Gas,
Das Projekt

�Das Projekt von Ebensburg (Gesamtkosten 482 000 Dollar, wovon das
US-Energieministerium 413 000 Dollar übernimmt) soll eine Art Katalysator
für Bemühungen der Privatwirtschaft und staatlicher Stellen sein, sich mit
den Problemen und den Möglichkeiten der Kohlemethan-Nutzung eingehender
zu befassen. Je nach Qualität und Menge ließe sich das geförderte Gas in
Leitungen einspeisen, noch am Förderort verflüssigen, als Energiequelle
für Heizung, die Erzeugung von Betriebsstrom oder das Trocknen von Kohle
(im Zechenbereich) und vielleicht auch für chemische Umwandlungsprozesse wie
etwa

die

Ammoniakproduktion verwenden. Langfristig strebt das US-Energie-

ministerium Demonstrationsprojekte für fortgeschrittene Technologien der
Förderung und Anwendung von Grubengas an, die z.B. von speziellen Schrägbohrverfahren bei der Gewinnung über neue Methoden der Reinigung und Anreicherung des Gases bis zu seiner Nutzung in Verbindung mit Brennstoffzellen, Stirling-Motoren und Gasturbinen reichen.
Obgleich zwei Drittel der amerikanischen Kohlevorkommen im Westen der
USA liegen, konzentrieren sich die Aktivitäten für die mögliche Nutzbarmachung von Kohlemethan zunächst auf die Appalachen-Region in den Oststaaten,
um den direkt angrenzenden Industriegebieten eine störungsfreie Erdgasversorgung zu sichern.

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I

Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service

25. Januar 1978

RÖNTGENAUFNAHME AM UNFALLORT
LIXISCOPE - neuartiges Kleingerä't für Medizin und Technik

- (AD) - Nicht größer als ein Fahrradscheinwerfer ist ein neuartiges
Kompakt-Röntgengerät, das mit einer kleinen radioaktiven Strahlenquelle
arbeitet und zu jedem beliebigen Einsatzort mitgenommen werden kann. Dieses
LIXISCOPE (Abkürzung für "Low Intensity X-Ray Imaging Scope" - Röntgenbildgerät mit niedriger Strahlungsintensität) wurde kürzlich auf einer Tagung
der Amerikanischen Gesellschaft für Nukleare Technik (American Nuclear
Society) in San Francisco vorgestellt. Mit ihm lassen sich viele Aufgaben
ebenso gut erledigen, für die bisher große, schwere Röntgenapparate benutzt
wurden, üfid'dles" mit einem Bruchteil der üblichen Strahlendosis.
Das Herzstück des LIXISCOFE ist ein Bildverstärker, wie er zuerst
in Nachtsichtgeräten verwendet wurde. Die Apparatur besteht aus zwei, über
einen U-förmigen Bügel miteinander verbundenen Teilen. An der einen Seite
befindet sich die Kapsel mit der Strahlenquelle, einem Radionuklid, auf der
anderen der Bildverstärker und ein kleiner Bildschirm. Mit dem Bügel wird das
Gerät an der Verdachtsstelle des zu untersuchenden Objekts - z.B. Arm oder
Bein mit Verdacht auf einen Knochenbruch - angelegt. Dann wird der Auslöser

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�Auslöser zur Durchleuchtung betätigt. Die Röntgenstrahlen, die das Objekt
durchdringen, werden von einem phosphoreszierenden Schirm auf der gegenüberliegenden Seite absorbiert und in sichtbares Licht umgewandelt. Das
Bild wird nun verstärkt und auf einen Betrachtungsschirm projiziert. Will
man die Aufnahme für die Auswertung oder spätere Vergleiche dokumentieren,
braucht nur eine Spezialkamera

an den Betrachtungsschirm angeschlossen

zu werden, mit der ein Sofortbild gemacht wird.
Röntgenärzte weisen darauf hin, daß vor allem bei der Untersuchung
von Knochenbrüchen die Dosisbelastung für den Patienten mit dem LIXISCOPE
weitaus geringer sei als bei den herkömmlichen Röntgenapparaten. Das
Gerät dürfte auch zur Anwendung in der zahnärztlichen Praxis sowie für
SpezialPrüfungen in der Industrie vielversprechend sein.
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Wi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service

25. Januar 1978

RADIOKRYPTON ZUR DIAGNOSE VON ATEMWEGSERKRANKUNGEN

- (AD) -Störungen der Lungenfunktion und atmungsbehindernde Veränderungen im Lungengewebe infolge Emphysem oder Ablagerung von Fremdpartikeln
lassen sich mit Hilfe eines Inhalationstests genauer und schonender diagnostizieren als durch Röntgenaufnahmen.Gemeinsam mit Wissenschaftlern des
amerikanischen Nuklearforschungszentrums "Argonne National Laboratory"
haben Ärzte einer Klinik in Hines (Illinois), die dem US-Versorgungsamt
für ehemaliges Militärpersonal angeschlossen ist, ein Verfahren entwickelt,
das in 10 - 20 Minuten eine exakte Darstellung der Lungen von vier Seiten
ermöglicht und im Vergleich zur Röntgenuntersuchung die Strahlenbelastung
für den Patienten auf die Hälfte oder ein Drittel der Strahlendosis verringert. Die aktive Substanz ist eine winzige Menge von radioaktivem
Kryptongas, das der Patient mit der normalen Luft einatmet.
Krypton ist chemisch völlig neutral. Das hier verwendete Radioisotop
hat eine Halbwertszeit von nur 13 Sekunden, verliert also seine Radioaktivität sehr schnell; in der Lunge bleibt nichts davon zurück. Die radioaktiven Kryptonatome, die während des Inhalationstests zerfallen, senden
Gammastrahlen aus. Diese "Lichtblitze" werden auf einem Beobachtungsschirm

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�Beobachtungsschirm sichtbar, auf dem sich ein Abbild der Lunge ergibt, das die
für die Atmung durchgängigen und die blockierten Bereiche bis in die kleinsten Einzelheiten anzeigt. Während der Untersuchung sitzt oder liegt der
Patient bequem und atmet normal ein und aus.
Vor allem Berufskrankheiten wie Silikose oder Staublunge infolge des
Einatmens von Fremdpartikeln in Kohlen- und Erzgruben oder in Betrieben der
Stein- und Tabakindustrie sollen mit Hilfe des Tests so früh wie nur möglich
erfaßt werden, um rechtzeitig wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.
Untersuchungen von Emphysem-Patienten mit dem Krypton-Inhalationstest werden
z.Zt. im Raum Chicago in größerem Umfang durchgeführt.

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