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                  <text>I

I
I

Information
und
Dokumentation
United States Information Service

Die weitreise Präsident Jimmy Carters
vom 29. Dezember 1977 bis 9. Januar 1979

Um Übcr/endung von
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11. Januar 1978
INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Carters vor seinem Abflug zur Weltreise
(29. Dezember 1977)
Erklärung Präsident Carters bei seiner Ankunft in Polen
(29. Dezember 1977)
Wortlaut des gemeinsamen amerikanisch-polnischen Kommuniques
(30. Dezember 1977)
Ankunftserklärung Präsident Carters in Teheran (31. Dezember 1977)
Erklärung Präsident Carters bei seiner Ankunft in Indien (1. Januar 1978)
Ansprache Präsident Carters vor dem indischen Parlament (2. Januar 1978)
Deklaration von Delhi (3. Januar 1978)
Erklärung Carters anläßlich der Unterzeichnung der Deklaration von Delhi
(3. Januar 1978)
Ankunftserklärung Präsident Carters in Saudi-Arabien (3. Januar 1978)
Erklärung Carters nach dem Treffen mit Präsident Sadat (4. Januar 1978)
Ankunftserklärung Präsident Carters auf dem Pariser Flughafen
(4. Januar 1978)
Ansprache Präsident Carters in Paris (4. Januar 1978)
Ansprache Präsident Carters in der Normandie (5. Januar 1978)
Erklärung Präsident Carters in Bayeux (5. Januar 1978)
Erklärung Präsident Carters vor dem Abflug aus Paris (6. Januar 1978)
Ankunftserklärung Präsident Carters in Brüssel (6. Januar 1978)
Erklärung Präsident Carters anläßlich des Besuches bei der EG
(6. Januar 1978)
Ansprache Präsident Carters vor dem Nordatlantikrat (6. Januar 1978)
Ausführungen Carters vor der Presse im NATO-Hauptquartier (6. Januar 1978)
Interview Präsident Carters zum Abschluß seiner Weltreise (6. Januar 1978)
Erklärung Carters nach seiner Rückkehr in die USA (6. Januar 1978)

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Dokumentation
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11. Januar 1978

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS VOR SEINEM ABFLUG ZUR WELTREISE

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat vor dem Abflug zu seiner
Weltreise am 29. Dezember 1977 vor dem Weißen Haus folgende Erklärung abgegeben:
Ich begebe mich heute auf eine Reise, die sowohl die Vielfalt der Welt
als auch die Fähigkeit und den Wunsch unserer Nation erkennen läßt, sich kreativ

und konstruktiv auf diese Vielfalt einzustellen.

Es ist eine sich rasch verändernde Welt, eine Welt in der die alten
ideologischen Etiketten weniger Bedeutung haben als je zuvor, in der der weltweite Wunsch nach Freiheit und nach einem besseren Leben stärker und auf vielfältigere Weise zum Ausdruck gebracht wird als je zuvor, eine Welt, in der politisches Erwachen, wirtschaftliche Unabhängigkeit und technologischer Fortschritt neue Anforderungen an die Außenpolitik unseres Volkes gestellt haben.
Die Vielzahl der Orte, die wir in den nächsten neun Tagen besuchen werden, ist symbolisch für die Breite und Mannigfaltigkeit des amerikanischen
Interesses an dieser neuen Welt.
In

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�In Frankreich und in Westeuropa werden wir die historischen Bindungen
und unsere gemeinsamen Werte unterstreichen, und wir werden Mittel und Wege
sondieren, um mit den gemeinsamen Problemen der demokratischen Industriestaaten fertig zu werden.
In Polen, dem Herkunftsland von Millionen von Amerikanern, werden wir
die Verbesserung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den
Völkern Osteuropas nähren.
Im Iran und in Saudiarabien werden wir über Schlüsselfragen der wirtschaftlichen Beziehungen sprechen und auf eine Fortsetzung des dramatischen
Fortschritts drängen, der bei der Herbeiführung des Friedens im Nahen Osten
erzielt wird.
In Indien, das die größte Demokratie der Erde ist, werden wir neue Wege
cjer Zusammenarbeit und der Kommunikation zwischen den Entwicklungsländern
der Welt und dem industrialisierten Norden suchen.
An all diesen Orten werden wir unsere Hingabe an den Frieden und unsere
Unterstützung der Gerechtigkeit und der Menschenrechte bekräftigen.
Es ist eine sich verändernde Welt, eine andere Welt, und ich glaube,
es ist auch ein anderes Amerika, dessen Botschaft wir bringen werden; ein
Amerika, das im Frieden mit anderen Nationen und auch im Frieden mit sich
selbst mehr Vertrauen hat und geeinter ist; ein Amerika, das bereit und in
der Lage ist, wo immer möglich zusammenzuarbeiten und wenn notwendig zu
konkurrieren.
Nach einer langen Periode des Zweifels und Umbruchs hier in unserem Lande
finden wir unseren Weg zurück zu den Werten, die uns zu einer großen Nation
gemacht haben, und in diesem neuen Geiste sind wir auch bestrebt, mit allen
Ländern und mit allen Völkern beim Aufbau jener Art von Welt und jener Art
von Weltgemeinschaft zusammenzuarbeiten, die den individuellen und gemein- 2 -

�gemeinsamen Anforderungen aller dienen.
Wir unternehmen diese Reise, um

nsere eigenen Auffassungen klar und

stolz zum Ausdruck zu bringen, aber a ch, um die Meinungen und Wünsche anderer kennen und begreifen zu lernen,

Wir werden versuchen, unser Land und

unser Volk gut zu repräsentieren, und ich bringe den guten Willen Amerikas
Liberall hin, wohin wir gehen werden.
Ich danke Ihnen.

�Dokumentation

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11. Januar 1978

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS BEI SEINER ANKUNFT IN POLEN

WARSCHAU - (AD) - Bei seiner Ankunft in Polen gab Präsident Carter am
29. Dezember 1977 abends auf dem Flughafen von Warschau folgende Erklärung
ab:
"Parteisekretär Gierek, hochverehrte Vertreter Polens und anderer Nationen, polnisches Volk!
Wir sind beglückt,in Ihrem großen Land zu sein. Als ich heute morgen
die Vereinigten Staaten verließ, sagte ich der Bevölkerung meines Landes,
daß sich in dieser Reise die Vielfalt einer sich rasch wandelnden Welt widerspiegele. Es ist eine Welt, in der alte ideologische Etiketten ihren Sinn
verloren haben und in der die Grundziele der Freundschaft, des Weltfriedens,
der Gerechtigkeit, der Menschenrechte und der individuellen Freiheit größere
Bedeutung gewonnen haben als je zuvor.
Ich bin stolz, diese Reise in Polen zu beginnen - einem Freund der Vereinigten Staaten seit den Tagen ihrer Gründung.

Polen ist das Herkunftsland

von über sechs Millionen Amerikanern, ein Partner in der gemeinsamen Anstrengung gegen Krieg und Entrechtung.
Die

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�Die Beziehungen zwischen Nord und Süd, zwischen Ost und West wechseln.
Aber die Bindungen zwischen Polen und den Vereinigten Staaten bestehen von
alters her und sind stark.
Nicht weit entfernt von meinem Heim im Staate Georgia wurde ein großer
Patriot unser beider Nationen, Casimir Pulaski, als Führer einer Kavallerieschwadron im amerikanischen Unabhängigkeitskampf tödlich verwundet.

Die Frau

meines Sohnes stammt aus dem Bezirk Pulaski in Georgia, der seinen Namen nach
diesem Helden aus Polen trägt.
Gleichfalls wegen seiner militärischen Fähigkeiten und seiner Tapferkeit erwarb sich Thaddeus Kosciusko die Achtung unseres ersten Präsidenten,
George Washington, während der Kriegszeit.

Und für sein Eintreten für Frei-

heit und Gerechtigkeit gewann er in Friedenszeiten die Bewunderung unseres
dritten Präsidenten, Thomas Jefferson.
Diese tapferen Männer kämpften Seite an Seite mit den Amerikanern in
jener Epoche, aus der drei der größten Dokumente im Kampfe für die Menschenrechte hervorgingen. Das eine war die amerikanische Unabhängigkeitserklärung.
Das zweite die Erklärung der Menschenrechte in Frankreich. Und das dritte
die polnische Verfassung vom 3. Mai 1791.
Die uns gemeinsame Erfahrung im Kampf hat uns aber auch die überragende
Bedeutung der Verhinderung des Krieges gelehrt, der Polen zweimal in diesem
Jahrhundert verheert hat. Am Ende des Zweiten Weltkrieges kam Herbert
Hoover, ein großer Amerikaner, nach Polen, um das Kriegsleid lindern zu helfen und an der Wiedererstehung eines unabhängigen Polen als Beobachter teilzunehmen.
Die Verhältnisse waren damals anders.und der Kampf war lang.

Aber Hoover

sagte damals - und ich zitiere: 'Wenn uns die Geschichte etwas lehrt, dann
ist es, daß aus der ununterdrückbaren Vitalität des polnischen Volkes Polen
erneut aus dieser Asche erstehen wird.' Seine Voraussagen haben sich bewahrheitet.

Ich
2 -

�Ich bin hierhergekommen, nicht nur um unsere eigenen Ansichten dem
polnischen Volk gegenüber zum Ausdruck zu bringen, sondern auch um Ihre
Meinung kennenzulernen und die von Ihnen für die Zukunft gehegten Wünsche
verstehen zu lernen.

Aufbauend auf den zwischen uns bestehenden historischen

Bindungen und in Anerkennung der neuen und sich verändernden Realitäten des
Lebens sehe ich mit Erwartung der Stärkung der amerikanisch-polnischen Freundschaft während meines Besuches hier in Warschau entgegen.
Wir danken Ihnen für das herzliche Willkommen, das uns heute nacht von
Parteisekretär Gierek und dem polnischen Volk bereitet wurde".

- 3 -

�Dokumentation

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11. Januar 1978

WORTLAUT DES GEMEINSAMEN AMERIKANISCH-POLNISCHEN KOMMUNIQUES

WARSCHAU - AD - Nach den amerikanisch-polnischen Gesprächen wurde am
Abend des 30. Dezember 1977 in Warschau ein gemeinsames Kommunique veröffentlicht, das folgenden Wortlaut hat:
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und Mrs. Carter
statteten auf Einladung der höchsten Stellen der Volksrepublik Polen vom
29. - 31. Dezember einen offiziellen Besuch ab. Der Präsident wurde von
Außenminister Cyrus R. Vance sowie dem Berater für Fragen der nationalen
Sicherheit, Zbigniew Brzezinski, begleitet.
Der Präsident legte am Grabmal des unbekannten Soldaten einen Kranz
sowie am Nike-Denkmal für die Helden Warschaus und am Denkmal für die Helden
des Gettos Blumen nieder. Er besichtigte ferner einige Stadtteile Warschaus
und machte sich mit deren Wiederaufbau und Entwicklung vertraut.
Während seines Besuches führte der Präsident Gespräche mit dem Ersten
Sekretär des Zentralkomitees der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei,
Edward Gierek.
An den

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�An den Plenarsitzungen, die vom Präsidenten und dem Ersten Sekretär
geleitet wurden, nahmen teil:
auf amerikanischer Seite: Außenminister Cyrus R. Vance, der Berater
des Präsidenten, Zbigniew Brzezinski, sowie weitere amerikanische Regierungsvertreter;
auf polnischer Seite: Der Vorsitzende des Staatsrates, Henryk Jablonski,
der Vorsitzende des Ministerrates, Piotr Jaroszewicz, sowie andere polnische
Regierungsvertreter.
Ferner führte Außenminister Cyrus R. Vance Gespräche mit Außenminister
Emil Wojtaszek.
Der Präsident und der Erste Sekretär brachten ihre Befriedigung über
die von ihnen geführten Gespräche sowie ihre Überzeugung zum Ausdruck, daß
weitere Besuche auf höchster Ebene sowie Besuche

anderer führender Per-

sönlichkeiten der beiden Länder den Interessen beider Länder sowie dem
Fortschritt der Entspannung und der internationalen Zusammenarbeit dienen.
Präsident Carter drückte dem Ersten Sekretär und Frau Gierek gegenüber
seine Dankbarkeit für die große Gastfreundschaft aus, die ihm, Mrs. Carter
sowie der gesamten Delegation in Polen zuteil wurde.
Präsident Carter lud den Ersten Sekretär zu einem Besuch der Vereinigten
Staaten ein. Die Einladung wurde gerne angenommen. Das Datum für diesen
Besuch wird auf diplomatischem Wege vereinbart werden.
+ + + + +

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�Dokumentation
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11. Januar 1978

ANKUNFTSERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS IN TEHERAN

TEHERAN - AD - Präsident Jimmy Carter hat bei seiner Ankunft in
Teheran am 31. Dezember 1977 folgende Erklärung abgegeben:
Kaiserliche Majestäten, hohe Würdenträger und Bürger des Iran:
Mein eigenes Land erlebte in diesem Jahr die hohe Ehre eines offiziellen
Besuches seiner Kaiserlichen Majestät, des Schahs, und der Schahanu, Kaiserin
Farah. Dies war eine schöne Geste der Freundschaft, und wir zogen auch großen
Nutzen aus den umfassenden Gesprächen zwischen dem Schah und mir über wichtige
Fragen für den Iran und die Vereinigten Staaten.
Ich bin stolz und erfreut, zum Ende dieses Jahres, meines ersten Jahres
im Amt, und, wie ich glaube, Ihres 37. Jahres als Führer dieses großen Landes,
in den Iran kommen und das neue Jahr mit unseren engen Freunden und Verbündeten beginnen zu dürfen.
In dieser Zeit des Endes und des Anfangs sehe ich den Konsultationen
mit dem Schah über zwei der Fragen, die unsere Gedanken in dem gerade abge-

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�abgelaufenen Jahr am meisten beherrscht haben

und die in dem kommenden

Jahr unser bestes Handeln erfordern werden, mit Interesse entgegen. Zunächst
einmal gilt es,Lösungen für die wirtschaftlichen Probleme der reichen und
der armen Länder der Welt zu finden. Keines dieser Probleme ist wichtiger
als das der Energie. Weder Erzeuger- noch Verbrauchernationen können überleben und gedeihen, wenn wir die begrenzten Vorräte der Welt an öl rücksichtslos erschöpfen. Und weder die eine noch die andere Gruppe von Nationen
kann das Problem ohne die Mitarbeit der jeweils anderen Gruppe lösen.
Gerade weil mein Land dieses Problem ernst nimmt, sind wir auch entschlossen, über einen umfassenden Energieplan zu verfügen, der darauf angelegt ist, Vergeudung zu beseitigen und alternative Energiequellen zu entwickeln. Wir arbeiten eng mit dem Iran zusammen.
Und gerade, weil ich die führende Rolle des Schahs auf diesem Gebiet
respektiere, bin ich zu ihm gekommen, um mich mit ihm zu konsultieren und
ihn um Rat zu fragen. Das zweite große Problem besteht darin, den von Unruhe
heimgesuchten Gebieten der Welt Frieden zu bringen und die steigende Flut
der Rüstungen und der Zwietracht zurückzudrängen. Der Schah und ich teilen
die Hoffnung, daß im Nahen Osten bald der Frieden einkehren wird

und daß,

so wie unser militärisches Bündnis unerschütterlich bleibt, wir in der Lage
sein mögen, den Stand der Spannungen und der Rüstungen in der ganzen Welt
abzubauen. Die Interessen unserer Länder sind auf den Interessen des einzelnen
aufgebaut. Und in all unseren - öffentlichen und privaten - Gesprächen unterstreichen wir die Garantie der vollsten wirtschaftlichen und politischen
Menschenrechte für unsere Bürger. Ich hege herzliche persönliche Gefühle für
die führenden Persönlichkeiten des Iran, und ich bringe dem Volke dieses
großen Landes die besten Neujahrsgrüße der Vereinigten Staaten. Ich danke
Ihren Majestäten für diesen herzlichen und gastfreundlichen Empfang.
+ + + + +

- 2 -

�Dokumentation

I

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11. Januar 1978

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS BEI SEINER ANKUNFT IN INDIEN

NEU DELHI - AD - Präsident Jimmy Carter gab bei seiner Ankunft auf dem
Flughafen von Neu Delhi am 1. Januar 1978 folgende Erklärung ab:
Herr und Frau Präsident Reddy, Herr Ministerpräsident Desai, verehrte
Mitglieder der führenden Gruppe in Indien, meine Herren Diplomaten und
Volk dieses großen Landes.
Es ist mir sicherlich eine große Freunde, mein eigenes Neujahr mit meiner
Ankunft hier in Indien zu beginnen, um neue Freunde zu gewinnen. Meine Mutter,
die dieses Land und sein Volk sehr tief liebt, hat mir von der Herzlichkeit
und Freundschaft des indischen Volkes erzählt.
Sie erfuhr sie in den Jahren, in denen sie hier Dienste leistete,und
erneut vor einigen Monaten in einer Zeit der Trauer, als sie mich e.ls Präsidenten und das Volk der Vereinigten Staaten bei der Bestattung Ihres
früheren Präsidenten vertrat.
Ich weiß, daß ich mich hier zu Hause fühlen werde aufgrund all der Dinge,
die die Vereinigten Staaten und Indien gemeinsam haben - der Bedeutung, die

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�die wir in unserer Geschichte und am heutigen Tage den grundlegenden
moralischen Werten beimessen - unserem gemeinsamen Glauben an die Demokratie
und ihre tägliche Praxis, unserer beiderseitigen Verpflichtung gegenüber
dem Weltfrieden und seinen wesentlichen Grundlagen, einer gerechteren
politischen und wirtschaftlichen Ordnung unter den großen und kleinen,
reichen und armen Nationen, unserem Anliegen der Hilfe für jene, die am
meisten in Not sind, ob sie unsere unmittelbaren Nachbarn sind

oder ob

sie weit weg von unserem eigenen Lande wohnen, der geographiscnen Größe
und der potentiellen und wirtschaftlichen Stärke unserer beiden Nationen,
und unserer Bereitschaft, gelegentlich, Herr Präsident, andere zu kritisieren aber noch mehr uns selbst zu kritisieren, aus der Erkenntnis heraus, daß
wir immer selbst die hervorragenden Leistungen, die unsere Völker erbracht
haben, noch verbessern können.
Ich freue mich sehr, von Ihnen, einem so hervorragenden Führer, begrüßt
zu werden. Und aufgrund unseres Briefwechsels im vergangenen Jahr betrachte
ich auch bereits Ministerpräsident Desai als einen persönlichen Freund. Ich
bin glücklich, Sie und ihn jetzt persönlich begrüßen zu können. Ich weiß,
daß er ein Mann großen Mutes, der Aufrichtigkeit und der Hingabe ist.
Wir werden mit den führenden Vertretern der indischen Regierung viel zu
besprechen haben. Unsere beiden Nationen wissen, daß eine interdepente Welt
jeden Tag und jedes Jahr unserer Amtszeit eine enge Zusammenarbeit und Konsultation unter den führenden Persönlichkeiten erfordert. Ich bin für diese
Gelegenheit, Ihr großes Land zu besuchen, und persönlich die größte Demokratie
der Erde kennenzulernen sicherlich sehr dankbar.
Lassen Sie mich, Herr Präsident, im Namen des amerikanischen Volkes sagen,
daß wir sehr glücklich sind, unsere Freundschaften zu erneuern, neue Freundschaften zu schließen, und Ihren herzlichen Willkommensgruß und auch Ihren
Wunsch zu erwidern, daß wir beide zusammen und die gesamte Welt ein gutes
neues Jahr und eine Welt in Frieden erleben mögen.
+ + + + +
- 2 -

�Dokumentation
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11. Januar 1978

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS VOR DEM INDISCHEN PARLAMENT

NEW DELHI - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 2. Januar 1978 vor dem
indischen Parlament eine vielbeachtete Ansprache gehalten, die folgenden Wortlaut hat:
Ich stehe hier vor Ihnen in diesem Haus, dem Sitz der großen gesetzgebenden Körperschaften der Erde, mit Gefühlen tiefer Freundschaft und Achtung.
Ich entbiete dem Volk der größten Demokratie, der Republik Indien, die
herzlichen Grüße und besten Wünsche des Volkes der zweitgrößten Demokratie
der Erde, der Vereinigten Staaten.
Vor nicht sehr langer Zeit mußten die Regierungen unserer beiden Völker
Perioden ernster Krisen durchstehen.

Auf verschiedene Weise waren die Werte,

für die so viele Menschen gelebt haben und gestorben sind, in Gefahr geraten;
auf verschiedene Weise haben, auf gegenüberliegenden Seiten des Erdballs,
diese Werte schließlich triumphiert.
Es wird manchmal argumentiert, der moderne Industriestaat - mit seinem
Materialismus, seiner zentralisierten Bürokratie und den technischen Kontroll•

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�Kontrollmechanismen, die ihren Machthabern zu Gebote stehen - müsse zwangsläufig die demokratischen Ideale aus dem Auge verlieren.
Die jüngsten Erfahrungen meines Landes haben dieses Argument auf die
Probe gestellt.

Das Ergebnis war eine Bestätigung der Freiheit und des Kon-

zepts der Selbstregierung.
Das gegenseitige Argument wird eher noch häufiger vorgebracht.

Es gibt

Leute, die sagen, die Demokratie sei eine Art Spielzeug für Reiche - die Armen wären nämlich viel zu sehr damit beschäftigt, ihr überleben sicherzustellen,
um sich um den Luxus der Freiheit und des Rechts auf die Wahl einer eigenen
Regierung zu kümmern.
Dieses Argument wird überall auf der Welt immer wieder vorgebracht meistens, wie ich festgestellt habe, von Personen mit vollen Bäuchen, die von
Positionen der Bevorrechtigung und Macht innerhalb ihrer eigenen Gesellschaften
aus sprechen.
Dieses Argument erinnert mich an eine Erklärung, die einer der großen
Präsidenten der Vereinigten Staaten abgegeben hat.
einmal:

Abraham Lincoln sagte

"Wenn immer ich jemand die Sklaverei befürworten höre, wünsche ich,

man möge sie an ihm selbst erproben."
Die Erfahrungen in Indien und Amerika sprechen eine klare Sprache.

Sie

besagen, daß es mehr als nur eine Form des Hungers gibt und daß sich weder
Reiche noch Arme satt fühlen, wenn sie nicht an Körper und Geist gleichermaßen ernährt werden.
Ist die Demokratie wichtig? Wird die menschliche Freiheit von allen
Völkern geschätzt? Indien hat seine positive Antwort auf diese Fragen mit
Donnerstimme erteilt - mit einer Stimme, die überall auf der Erde gehört wurde. Im März vergangenen Jahres geschah hier in diesem Lande insofern etwas
Bemerkenswertes, als nicht irgendeine besondere Partei in den Wahlen gewon- 2 -

�gewonnen oder verloren hat, sondern weil sich meines Erachtens die größte
Wählerschaft der Erde ihre eigene Führerschaft frei und klug an den Wahlurnen selbst erwählt hat.

In diesem Sinne war die Demokratie der eigent-

liche Sieger.

Gemeinsam sind wir uns darin einig, daß die politische Freiheit die
Lokomotive des Fortschritts ist.

Indien und Amerika teilen sich in ihre prak-

tischen Erfahrungen mit der Demokratie.

Wir in den Vereinigten Staaten sind

stolz darauf, daß wir die politische Einheit eines Volkes verwirklicht haben,
dessen Urväter aus allen Gebieten der Erde gekommen sind.

Unser System ist

bestrebt, die Rechte einer großen Zahl von Minoritäten zu beachten - darunter
übrigens auch eine zunehmende und leistungsstarke Gruppe von Familien aus
Indien.

Die Gefahr für die politische Einheit ist jedoch hier eher noch größer.
Was die Unterschiede in Sprache und Religion, in den politischen Ansichten
und unter rassischen und kulturellen Gruppen angeht, ist Indien dem europäischen
Kontinent vergleichbar, dessen Bevölkerung etwa gleich stark ist wie die Indiens.

Indien hat ein ganzes Mosaik von Volksgruppen zu einem einheitlichen
Staat zusammengeschmiedet, der vielen Gefährdungen seines Bestandes als Nation
und Demokratie standgehalten hat.

Das ist sicherlich eine der größten po-

litischen Leistungen dieses Jahrhunderts und aller Zeiten.

Indien und die Vereinigten Staaten sind sich in der Achtung vor dem
Recht der freien Rede einig, die Mahatma Gandhi den "Grundstein der 'Swaraj'"
- der Selbstregierung - genannt hat.

Das gleiche gilt für die akademische

Freiheit, die Organisationsfreiheit der Gewerkschaften und die Presse- und
Religionsfreiheit.

Alle diese Rechte werden durch internationale Vereinbarungen sanktioniert.

Es gibt wenige Staaten, die nicht wenigstens ein Lippenbekenntnis zu
- 3 -

�zu ihnen ablegen.

Und dennoch, um Gandhi einmal mehr zu zitieren, hat "kein

Prinzip nur im Abstrakten und ohne konkrete Anwendung echte Bedeutung."
In Indien wie in den Vereinigten Staaten finden diese Rechte konkrete Anwendung - und haben auch echte Bedeutung.

In Wahrung dieser Rechte haben

sich unsere beiden Länder für ähnliche politische Wege zur Erschließung ihrer Ressourcen und Verbesserung der Lebensverhältnisse ihrer Völker entschieden.
Der Unterschied zwischen unseren Ländern beschränkt sich in dieser Hinsicht auf das Ausmaß, in dem das Wirtschaftswachstum einerseits durch staatliche Unternehmen und andererseits durch die Privatwirtschaft vorangetrieben
wird.

Wichtiger aber als dieser Unterschied ist unser gemeinsamer Glaube,

daß die politischen Strukturen, innerhalb derer die Entwicklung stattfindet,
demokratischer Natur sein und die Menschenrechte jedes einzelnen Bürgers respektieren müssen.
Unsere beiden Länder stimmen auch darin überein, daß die menschlichen
Bedürfnisse von den Menschenrechten untrennbar sind - daß die bürgerlichen
und politischen Freiheiten an sich gut sind, aber doch jenen Menschen, für
die das physische überleben nicht Gegenstand täglicher Sorge bildet, sehr
viel mehr nützen und bedeuten.
Genug Nahrungsmittel zu haben, um leben und arbeiten zu können, ein
angemessenes Dach über dem Kopf zu haben und ausreichend gekleidet zu sein,
in einer gesunden Umwelt zu wohnen und im Krankheitsfälle versorgt zu werden,
zu lernen und unterrichtet zu werden - auch um diese Rechte müssen sich unsere
Regierungen kümmern. Dieser Forderung nachzukommen, setzt ein ordnungsgemäßes
wirtschaftliches Wachstum voraus. Wenn die Früchte des Wachstums aber jenen
zugute kommen sollen, die ihrer am dringendsten bedürfen, gewinnt die soziale
Gerechtigkeit entscheidende Bedeutung.
Indien ist dabei, diese historische Aufgabe erfolgreich zu lösen.
seine Wirtschaft vor großen Problemen steht, ist kein Geheimnis, und der
- 4 -

Daß

�der Westen weiß auch, wie ernst diese sind.

Weit weniger weiß man, wie erfolgreich die indische Sozial- und Wirtschaftspolitik ist.

In der Generationsspanne, die seit Erlangung seiner

Unabhängigkeit verstrichen ist, hat Indien hierin außerordentliche Erfolge
erzielt.

Indien ist heute eine große Industriemacht.
hört zu den zehn größten der Welt.

Seine Volkswirtschaft ge-

Das Land ist auf dem Verbrauchsgüter-

sektor und hinsichtlich einer großen Zahl von Eisen- und Stahlprodukten praktisch autonom.

Es hat in fast allen wichtigen Industriezweigen bemerkenswerte

Produktionssteigerungen zu verzeichnen - Produktionssteigerungen, die einer
hochtechnisierten Wirtschaft gemäß sind.

Diese Art von Wachstum macht den

Versuch doppelt wichtig, bestehende Handelsschranken abzubauen, den bilateralen Handel auszuweiten und einen größeren Anteil an der gemeinsamen Verantwortlichkeit für das Welthandelssystem zu übernehmen.

Am wichtigsten aber sind die Verbesserungen der allgemeinen Lebensverhältnisse, die auch dem kleinen Mann zugute kommen.

Seit Erlangung der Unab-

hängigkeit ist die Lebenserwartung in Indien um 20 Jahre gestiegen.
fährdung durch größere Epidemien hat sich verringert.

Die Ge-

Der Anteil derer an der

Gesamtbevölkerung, die lesen und schreiben können, hat sich verdoppelt.

Wäh-

rend in den ersten Jahren nach Erlangung der Unabhängigkeit nur jedes dritte
indische Kind zur Schule ging, werden heute 90 Prozent aller Kinder im Grundschulalter unterrichtet; die Zahl der Universitätsstudenten hat sich verneunfacht.

Ich erwähne diese Fortschritte deshalb, weil wir dazu neigen, sie über
der Beschäftigung mit aktuellen Problemen zu übersehen, die zu Recht einen
Großteil unserer Aufmerksamkeit beanspruchen.

Indiens Schwierigkeiten, die wir vielfach aus eigener Erfahrung kennen
und die typisch für die Probleme aller Entwicklungsländer sind, erinnern uns
- 5 -

�uns an die Aufgaben, die noch vor uns liegen.
Indiens Erfolge aber sind nicht weniger wichtig - schon weil sie die
Theorie entschieden widerlegen, daß sich Entwicklungsländer eine autoritäre
oder totalitäre Staatsform zulegen und die geistigen Schäden hinnehmen müssen,
die diese Art von Herrschaft mit sich bringt, wenn sie wirtschaftliche und soziale Fortschritte erzielen wollen.
Die Aufgaben, vor die sich Ihr Land gestellt sieht, sind gewaltig - wie
die Inder selbst als erste zu bestätigen bereit sind.

Wir alle wissen, daß

das Wohl und Wehe eines Landes von seinen eigenen Anstrengungen abhängt.
Wir wollen uns gemeinsam mit Ihnen für die Aufrechterhaltung und Verbesserung unserer wertvollen und reifen Partnerschaft der politischen und
wirtschaftlichen Zusammenarbeit einsetzen.
Es ist eine ernüchternde Tatsache, daß auf diesem Subkontinent mit einer
Bevölkerung von Hunderten von Millionen nur einige wenige amerikanische Geschäftsleute am täglichen Wirtschaftsleben teilnehmen. Wir müssen weitere
Bereiche ausfindig machen, auf denen wir zum gegenseitigen Vorteil und zum
Vorteil der ganzen Welt zusammenarbeiten können.
•

Auf dem Gebiet der Entwicklung hat mich der schöpferische Kurs, den Ihre
Regierung in der Erklärung zur Neuen Wirtschaftspolitik aufzeigte, sehr
beeindruckt. Sie haben Ihr Volk eindeutig auf die Aufgabe der Verbesserung
der Landwirtschaft und die Schaffung neuer Arbeitsplätze auf dem Agrarsektor
verpflichtet. Diese Politik durchläuft gegenwärtig die Phase ihrer praktischen
Verwirklichung und insbesondere den Test, ihre Früchte an die ärmsten Teile
der Bevölkerung auf dem Lande weiterzureichen. Die Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit der Verpflichtung auf diese Aufgabe gibt Anlaß zu Optimismus.
Der neue Kurs Ihrer Regierung entspricht genau unserer eigenen Auffassung,
die Befriedigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse müsse bei der Ent- 6 -

�Entwicklung Vorrang genießen. Wir möchten von Ihnen lernen und sind bereit,
überall dort mit Ihnen zusammenzuarbeiten, wo dies möglich ist.
Im Bereich der Landwirtschaft gibt es Bereiche vielversprechender Technologien, auf denen wir zusammenarbeiten können. Nach einem Jahrzehnt der
Getreideeinfuhren weist Indien heute einen Überschuß von nahezu 20 Millionen
Tonnen auf - dank der steigenden Produktivität Ihrer Landwirtschaft und einer
kompetenten Verwaltung.
Wir heißen das Getreidebevorratungsprogramm gut, das Ihr Land in Angriff
genommen hat, und wir sind gerne bereit, uns mit Ihnen in unsere Ressourcen
und Erfahrungen im Umgang mit den aus überschlissen resultierenden Lagerproblemen zu teilen. Unsere Länder müssen sich in die vorderste Front der Bemühungen einreihen, eine internationale Nahrungsmittelreserve aufzubauen,
die die Angst vor Hunger in der übrigen Welt besänftigen könnte.
Dabei sollten wir nicht übersehen, daß die Überschüsse von heute voraussichtlich ein zeitlich begrenztes Phänomen sind. Nach zuverlässigen
Schätzungen wird die Welt angesichts der raschen Bevölkerungszunahme schon
Mitte der achtziger Jahre von einer großen Nahrungsmittelknappheit bedroht
sein, wenn es uns nicht gelingt, die Produktionskapazität der Landwirtschaft
erheblich zu erweitern.
Die besten Aussichten zur Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft bestehen in Indien und anderen Entwicklungsländern. Es gilt, diese
Möglichkeiten zu nutzen - nicht nur, damit die Inder mehr zu essen haben,
sondern zu dem Zweck, daß Indien hierin auch in Zukunft autark bleiben und
vielleicht sogar Nahrungsmittel nach Ländern mit geringerem landwirtschaftlichen Potential exportieren kann.
Amerika und Indien haben auf dem Agrarsektor in enger Zusammenarbeit
denkwürdige Leistungen erzielt. Dennoch gibt es noch immer ein großes brachliegendes Potential, das in erweiterter Zusammenarbeit erschlossen werden
könnte.
T ,

�Ich hätte es gerne, wenn ein intensiveres Agrarforschungsprogramm zustande käme, das auf Produktivitätssteigerungen in Indien und Verbesserungen
der Entwicklungsmethoden abzielt, die auch in anderen Ländern angewandt werden können.

Dieses Programm könnte von den landwirtschaftlichen Hochschulen

unserer beiden Länder ausgehen, sollte sich aber auf den gesamten Bereich der
Agrarforschung erstrecken.

Ich meine ferner, wir sollten über die Forschung

hinausgreifend gemeinsame Entwicklungsprojekte aufstellen, in deren Rahmen
die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten erprobt und praktisch genutzt werden
könnten.

Ministerpräsident Desai und ich könnten unsere Regierungen anweisen,

ihr Augenmerk verstärkt auf diese Fragen zu lenken und in den nächsten Monaten spezifische Vorschläge zu unterbreiten.
Eines der Gebiete, in dem die internationale Zusammenarbeit am ehesten
Erfolg versprechend erscheint, sind Ostindien und Bangladesh, wo die Nahrungsmittelproduktion durch den Wechsel von Perioden der Trockenheit und Überschwemmung schwere Einbußen erleidet.
Millionen Menschen:

In diesem Gebiet leben mehrere Hundert

Bürger Indiens, Bangladeshs und Nepals und darüber hin-

aus auch Bürger der Weltgemeinschaft.

Dieser wiederum liegt sehr viel daran,

daß deren Bedürfnisse befriedigt werden.
Große Fortschritte wurden bereits auf dem Gebiet der Wasserwirtschaft
erzielt.

Wir sind zur Hilfe bereit, sollten die Staaten dieser Region eine

Untersuchung wünschen, um festzustellen, wie die Völkergemeinschaft in Zusammenarbeit mit den Ländern Südasiens den Menschen dieses Raumes helfen, damit
sie lernen, Wasser aus Flüssen und Bergen dazu zu verwenden, jenen Produktivitätsgrad zu erreichen, den dieser Landstrich und seine Bewohner den naturgegebenen Voraussetzungen nach an sich erzielen könnte.
Ein fortgesetztes wirtschaftliches Wachstum setzt sowohl eine ausreichende
Energiebasis als auch eine ertragsreiche Landwirtschaft voraus.

Die Energie-

versorgung ist in unseren beiden Ländern ein ernstes Problem, da wir beide Ol
in einem Ausmaß importieren, das die Gesundheit unserer Wirtschaft bedroht
und uns den Gefahren einer Unterbrechung der Zulieferungen aussetzt. Ameri-

�Amerikanische Firmen arbeiten gemeinsam mit indischen Unternehmen an der Erschließung der Ölvorkommen vor der Küste unweit von Bombay.
Wir arbeiten ferner seit längerem gemeinsam an der Entwicklung der Kernenergie - einem weiteren wichtigen Element der indischen Energieplanung.

Ich

hoffe, daß unsere Zusammenarbeit auf diesem Gebiete weitergehen wird.

Darüber hinaus sind wir bereit, mit Ihnen in der Entwicklung erneuerungsfähiger Energiequellen - insbesondere in der Frage der Nutzung der Sonnenenergie - zusammenzuarbeiten.
unsere

Die Kooperation auf diesem Gebiet könnte für

beiden Länder eine ganz beträchtliche Hilfe sein.

Indien hat keinen

Mangel an Sonnenschein; das Fehlen einer umfassenden, auf der Verwendung fossiler Brennstoffe basierenden Infrastruktur wird die Nutzung der Sonnenenergie
und damit verbundenen anderweitiger Energieformen erheblich leichter machen
als in meinem Land.

Das naturgegebene dezentralisierte Vorkommen von Sonnen-

energie läßt diese zum idealen Gegenstand der Bestrebungen Ihrer Regierung
werden, Dörfer und Gemeinden energieautark zu machen.

Eine ausreichende

Energieversorgung und die Anwendung geeigneter technischer Methoden bei der
Nutzung der vorhandenen Bodenschätze werden die Aussichten auf Produktivitätssteigerungen in der Landwirtschaft erheblich verbessern.

Die stumme Leere des Weltraums mag als weit abliegend von diesen Aufgaben
angesehen werden - dennoch können sich die komplizierten elektronischen Systeme
eines Raumsatelliten für Farmer überall auf der Erde als ebenso nützlich erweisen wie ein neuer Pflug.

Die indische und die amerikanische Regierung werden morgen in einem
diplomatischen Notenaustausch festlegen, daß die Vereinigten Staaten ihren
Landsat-Satelliten - einen Satelliten zur Aufspürung von Rohstoffvorkommen dahingehend programmieren werden, daß er Meßdaten direkt an eine Empfangsstation weitergeben wird.
Dieser

�Dieser Satellitendienst wird Indien mit umfassenden topographischen,
die Mineral vorkommen betreffenden Informationen und mit aktuellen Angaben
über die sich rasch verändernden Bedingungen hinsichtlich der Landwirtschaft,
des Wasserhaushalts und anderen natürlichen Hilfsquellen versorgen.

Aufgrund

der Bestimmungen der diesbezüglichen Vereinbarungen wird Indien seinen
Nachbarstaaten alle Informationen zugänglich machen, die diese betreffen.
Indien hat sich zudem Raum an Bord der amerikanischen Raumfähre reservieren lassen, um im Jahre 1981 unter Verwendung eines auf spezifisch indische Bedürfnisse programmierten Satelliten ein heimisches Kommunikationssatellitensystem aufzubauen.

Wir freuen uns, daß unsere Raumfahrttechnik

im Verein mit der weit fortgeschrittenen indischen Raumkommunikationstechnik
Gelegenheit erhält, der Sache des praktischen Fortschritts in Indien zu dienen.
Die zunehmende Zusammenarbeit auf wissenschaftlichem Gebiet sollte in
einem erweiterten Wissen beider Völker und Kulturen voneinander verwurzelt
sein. Der Wissenschaftsaustausch zwischen unseren beiden Ländern bereicherte
das Leben der Amerikaner, die an ihm teilgenommen haben; dasselbe gilt, wie
ich hoffe, für die beteiligten Inder. Ich wünsche, daß der Personen- und
Informationsaustausch zwischen unseren beiden Ländern in Zukunft intensiviert
und weiter ausgedehnt werden wird.
Wir Amerikaner wissen, wieviel wir in Kultur und Kunst dazuzulernen haben. Außer Indien haben uns auch das übrige Asien, Afrika und der Nahe Osten
in dieser Hinsicht vieles zu bieten. Ich hoffe, die Aussichten der Bürger
der Vereinigten Staaten, die unterschiedlichen Kulturen der Nationen in diesem Teil der Welt kennenzulernen, erheblich verbessern zu können.
Was die Weltpolitik angeht, so hat die Geschichte unseren beiden Ländern
verschiedene Rollen zugewiesen. Die Vereinigten Staaten sind eine der beiden
sogenannten Supermächte; Indien ist das größte der blockfreien Länder. Wir
respektieren beide die Auffassung des anderen von seinen jeweiligen interna- 10 -

�internationalen Verantwortung.

Die Werte, in die wir uns teilen, bilden

die Grundlage unserer Zusammenarbeit in dem Bestreben, die großen weltweiten
Probleme der wirtschaftlichen Gerechtigkeit, der Menschenrechte und der Verhinderung von Kriegen zu lösen.

Die Verwirklichung der Gerechtigkeit in der Welt und der Aufbau einer
neuen weltwirtschaftlichen Ordnung müssen auf eine Art und Weise erfolgen,
die konstruktive Entwicklungen statt fruchtloser Konfrontationen möglich
machen.

Jedes Land wird Schaden nehmen, wenn wir es zulassen, daß der Nord-

Süd-Dialog ergebnislos abgebrochen wird.

Weil Indien Entwicklungsland und Industriemacht zugleich ist, sind Sie
in der einzigartigen Position, eine konstruktive internationale Diskussion
über Fragen des Handels, der Energieversorgung, der Investitionen, der Zahlungsbilanzen und der Technologie sowie über andere Punkte in Gang zu setzen.
Ich begrüße es, wenn Sie diese Rolle spielen.

Ich weiß, daß wir gelegentlich in spezifischen Fragen und selbst bezüglich der generellen Einstellung zu größeren Problemen unterschiedlicher Auffassung sind.

Dennoch werden uns, wie ich hoffe und glaube, unsere gemein-

samen Interessen und die gemeinsame Verpflichtung auf demokratische Werte
helfen, in wichtigen weltweiten und auch bilateralen Fragen einer Einigung
näher zu kommen.

Keine unserer beiden Länder aber ist darauf aus, auf den Kurs des anderen einzuschwenken, es sei denn in der Verfolgung der Ziele des Friedens
und der Gerechtigkeit.

Wir können uns jedoch gegenseitig helfen,

Differen-

zen im Verhältnis zu anderen Ländern auszuräumen.

Unsere beiden Länder sind Teil einer demokratischen Welt, die Völker
auf allen Entwicklungsstufen einschließt:
Lanka und Costa Rica.

von Schweden und Japan bis Sri

Wir haben viele Probleme gemeinsam.

Wir teilen uns

in die Verpflichtung, die Menschenrechte durchzusetzen - nicht in der Weise,
- 11 -

�Weise, daß wir uns in die Angelegenheiten anderer Länder einmischen, und
auch nicht, indem wir anderen Ländern das Recht streitig machen, ihr eigenes politisches und wirtschaftliches System selbst zu bestimmen, sondern
indem wir die Wahrheit verfechten, wie wir sie sehen, und indem wir ein nachahmenswertes Beispiel dessen geben, was Demokratie bedeuten und bewerkstelligen kann.
Die Gefahr eines Krieges bedroht jedermann.

Die Vereinigten Staaten

sind bestrebt, an der Verminderung dieser Gefahr mitzuwirken:

in den SALT-

Verhandlungen mit der Sowjetunion, in den Gesprächen um das Zustandekommen
eines Vertrags über einen umfassenden Atomversuchsstopp und in unserer Politik der Zurückhaltung bezüglich der Liferungen konventioneller Waffen.
Wir sind ernsthaft bemüht, die Weiterverbreitung von Kernbrennstoffen
streng zu begrenzen.

Wir sind darauf bedacht, den Frieden in Afrika und im

Nahen Osten zu fördern.

Und wir haben Schritte unternommen, eine Rivalität

der Großmächte im Indischen Ozean zu verhindern.
Indien hat sich zur friedlichen Zusammenarbeit mit seinen Nachbarn verpflichtet, und Indien leistet einen wichtigen Beitrag zu fast allen Friedensstreitkräften der Vereinten Nationen.

Es ist gegenwärtig, wie schon mehr-

mals, Mitglied des UN-Sicherheitsrates, und es steht seit langem schon in
der vordersten Front des Kampfes gegen Kolonialismus und Apartheid.
Immer häufiger stellen wir fest, daß wir gemeinsam auf gemeinsame Ziele
hinarbeiten: Demokratie, Verbesserung des Loses der Menschen, soziale Gerechtigkeit und Frieden.
Das Motto meines Landes lautet "In God we Trust" - Wir vertrauen auf
Gott.

Indiens Motto heißt "Satymev Jayte" - Die Wahrheit allein obsiegt.

Meines Erachtens manifestiert sich die Gemeinsamkeit unserer grundlegenden
Wertvorstellungen darin, daß Ihr Motto das Unsere und unser Motto wohl auch
das Ihre sein könnte.

Unsere Völker teilen die gemeinsamen Zielsetzun- 12 -

�Zielsetzungen des Friedens in der Welt und der Besserung des Loses der
Menschen in unseren eigenen Gesellschaften.

Wir teilen uns darüber hinaus

in die Überzeugung, daß die Mittel zur Erreichung dieser Ziele mit den Prinzipien der Freiheit, der Menschenwürde und der sozialen Gerechtigkeit ebenso in Einklang stehen müssen wie diese Ziele selbst.

Diese Affinität der Auffassungen ist ein so starkes Bindeglied zwischen
zwei Nationen, wie es nur möglich ist.

Die Wertvorstellungen, die Indern und

Amerikanern gemeinsam sind, haben mein eigenes Leben tief berührt.

Ich kom-

me zu Ihnen als Führer meines Landes in der Hoffnung, daß mein Besuch eine
neue bedeutsame Phase in den sich ständig bessernden Beziehungen zwischen
unseren beiden Ländern einleiten wird.

In einem mehr persönlichen Sinne

aber - in einem Sinne, der mir sehr am Herzen liegt - komme ich als Pilger.

Heute morgen hatte ich die Ehre, einen Kranz am Denkmal Mahatma Gandhis
niederzulegen.

An diesem heiligen Ort, der so einfach und heiter ist, er-

innerte ich mich daran, wie Gandhis Lehren das Leben von Millionen Menschen
in meinem eigenen Land angerührt haben.

In meiner Jugend, die ich auf einer Farm in Georgia im Herzen des Südens
der Vereinigten Staaten verbracht habe, stand wie eine unsichtbare Mauer die
Rassentrennung zwischen mir und meinen schwarzen Spielgefährten, sobald wir
das Schulalter erreicht hatten.

Man konnte glauben, daß diese Mauer auf

ewig fortbestehen würde.

Es hatte aber nur den Anschein.

Sie zerbröckelte und stürzte zusammen.

Wenngleich ihre Trümmer noch nicht vollständig abgetragen sind, trennen ihre
Überbleibsel heute nicht mehr den einen vom anderen, und sie üben auch keinen
verderblichen Einfluß mehr auf das Leben von Menschen auf beiden Seiten aus.

Unter den vielen, die wegen des Übels rassischer Vorurteile auf die
Straße gingen, unter ihm litten und Zeugnis wider es ablegten war Dr. Martin
Luther King, Jr., ein Sohn Georgias und ein geistiger Schüler Mahatma Gandhis,
der Größte.

Der

- 13 -

�Der wichtigste Einfluß im Leben und Werk Kings war, abgesehen von seinem
religiösen Glauben, das Leben und Werk Gandhis.

Martin Luther King übernahm

Gandhis Konzept des Ahimsa und Satygraha - das Konzept der Gewaitlosigkeit und
der Kraft der Wahrheit - und brachte es im Süden Amerikas zur praktischen Anwendung.
Wie Gandhi hielt auch King die Wahrheit und die Liebe für die stärksten
Kräfte des Universums.

Wie Gandhi wußte auch er, daß einfache Menschen - nur

mit ihrem Mut und ihrem Glauben bewaffnet - fähig sind, Ungerechtigkeiten dadurch zu überwinden, daß sie an den göttlichen Funken im Herzen selbst von
Übeltätern appellierten.
Wie Gandhi haben wir alle erfahren, daß ein System der Unterdrückung
jenen, die an seiner Spitze stehen, ebenso zum Schaden gereicht wie jenen,
die sich unten an seiner Basis finden.

Für Martin Luther King wie für Mahatma

Gandhi war die Gewaitlosigkeit nicht lediglich eine Methode der Politik, sondern eine Lebensform und ein geistiger Weg zur Vereinigung mit dem Höchsten.
Diese Männer stellten eine Norm des Mutes und des Idealismus auf, die
wenige unter uns zu erfüllen vermögen, die uns allen aber Quelle der Inspiration und Anstoß zu Beharrlichkeit sein kann.

Die Bewegung der Gewaitlo-

sigkeit im Kampf für Rassengerechtigkeit in den Vereinigten Staaten - eine
Bewegung, die in hohem Maße von den Lehren und vom Beispiel Gandhis und anderer führender indischer Persönlichkeiten inspiriert wurde - hat mein eigenes Leben und das Leben von Millionen meiner Landsleute verändert und bereichert.
Sie werden mir sicherlich verzeihen, wenn ich hierüber in solcher Breite
spreche. Ich tue dies, weil ich Ihnen verständlich machen möchte, daß es mir
eine Herzens- und nicht lediglich eine Verstandesangelegenheit ist, wenn ich
von der Freundschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Indien spreche.
Ich spreche hiervon aber im tiefen und unmittelbaren Bewußtsein dessen, was
die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern in der Vergangenheit bedeutet

�bedeutet haben und was sie in Zukunft bedeuten können.
Für den Rest dieses Jahrhunderts bis in das nächste Jahrhundert hinein
werden sich die demokratischen Staaten der Erde einander in verstärktem Maße
zuwenden, wenn es darum geht, eine Antwort auf die dringendste gemeinsame
Frage zu finden: Wie können wir unsere politischen und geistigen Werte als
Grundlage für den Abbau der sozialen und wirtschaftlichen Belastungen benutzen,
denen wir zweifellos ausgesetzt sein werden.
Die Erfahrung der Demokratie ist wie die Erfahrung des Lebens selbst:
sich ständig verändernd, unendlich in ihrer Vielfalt, gelegentlich turbulent
und umso wertvoller deshalb, weil sie aus widrigen Umständen erwuchs.

Wir

teilen uns mit Ihnen in diese Erfahrung, und wir leiten Stärke aus ihr.
Welche Unterschiede auch immer zwischen meinem Lande und dem Ihren bestehen mögen, wir bewegen uns beide auf dem Weg der Demokratie auf das gemeinsame Ziel der Verbesserung des Loses der Menschen hin.
Ich weiß, daß ich im Namen aller Amerikaner spreche, wenn ich hier erkläre, wie dankbar ich dafür bin, daß wir diesen Weg gemeinsam gehen.

- 15 -

�Dokumentation

I

United States Information Service

11. Januar 1978

DEKLARATION VON DELHI

NEU DELHI - AD - Die von Presseamt des Weißen Hauses am 3. Januar 1978
veröffentlichte Deklaration von Delhi hat folgenden Wortlaut:
Indien und die Vereinigten Staaten von Anerika sind sich trotz Unterschieden in Geschichte und Kultur eins in der Anerkennung, daß die letztliche Sanktion der Macht und der öffentlichen Politik in der Achtung vor
der Würde und den Wohlergehen des Einzelnen beruht. Unbeschadet seiner Rasse,
seines Geschlechts, seiner Religion oder seines sozialen Status hat jedes
menschliche Wesen ein Recht auf Leben und bürgerliche Freiheit, auf Freiheit
von Not und - ohne Bedrohung und Zwang - auf Freiheit der Meinung und des
religiösen Kultus.
Wir teilen den unerschütterlichen Glauben an die demokratische Regierungsform, die allen Bürgern die fundamentale

Freiheit unter dem Gesetz garantiert,

sowie das Recht, ihre Vertreter zu wählen und über die eigene Zukunft selbst
zu bestimmen.
Gleichzeitig sind wir davon überzeugt, daß eine kooperative und stabile

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�stabile Weltordnung von den Recht eines jeden Volkes abhängig ist, seine
eigene Regierungsform zu wählen, sowie von den Recht jeder Nation auf ihren
eigenen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Weg.
•

Wir sind erfreut, daß der Prozeß der Entkolonialisierung das internationale Staatensystem demokratisiert und damit den meisten Nationen zum
erstemal die Chance gegeben hat, an den EntScheidungsprozessen in bazug
auf internationalen Frieden

und Zusammenarbeit teilzunehmen.

Die Ungleichheiten, die bezüglich der wirtschaftlichen Stärke

zwischen

den Nationen bestehen, müssen überbrückt und es muß eine gerechtere internationale Wirtschaftsordnung geschaffen werden, wenn wir den Weltfrieden
sichern wollen.
Wir sind uns bewußt, daß eine breitangelegte wirtschaftliche Entwicklung für einen modernen Staat wesentlich ist, sind uns aber auch bewußt,
daß ein solcher Fortschritt hohl ist, wenn jeine Früchte nicht die gesamte
Bevölkerung erreichen.
Die heutige Welt verfügt über das wissenschaftliche und technische
Vermögen, um die Lebensqualität zu bereichern und größere soziale Gerechtigkeit innerhalb der Nationen und unter ihnen zu schaffen. Wir appellieren
an die interdependente Gemeinschaft der Völker, zusammenzuarbeiten, um das
gemeinsame Erbe an Ressourcen und heiler Umwelt auf unserem Planeten zu
schützen und zu pflegen.
Wir erklären, daß Krieg kein akzeptables Mittel zur Lösung politischer
Streitfragen ist. Unsere Länder werden ihr Äußerstes tun, um Streitigkeiten
mit anderen in gütlicher Form zu regeln und im Rahmen der Vereinten Nationen
bei der Lösung von Streitfällen anderer mitzuhelfen.
Das Gespenst des Kriegs hat zu lange über der Welt gelastet. Bestehende
Kernwaffenarsenale müssen reduziert und schließlich gänzlich beseitigt werden,

- 2 -

�werden

und der Gefahr einer Proliferation der Kernwaffen muß Einhalt geboten

werden. Außerdem muß jede Anstrengung unternommen werden, um in immer
weiterem Maße die konventionellen Waffen zu reduzieren und die auf diese
Weise freigesetzten produktiven Kräfte für eine Verbesserung der Lage der
Menschheit umzuleiten. Wir verpflichten uns unsererseits, auf diese Ziele
hinzuarbeiten.
über die Bereiche der Politik und Wirtschaft hinaus bietet die Welt heute
Gelegenheiten für einen freieren und umfassenderen Austausch auf geistigem
und wissenschaftlichem Gebiet. Freiheit der Ideen und die Förderung von
kulturellem und künstlerischem Zusammenwirken in einer Welt, in der der Geist
ohne Furcht ist, kann eine Atmosphäre schaffen, in der Toleranz und Verständnis gedeihen können.
über die traditionellen Ideen des Staatswesens hinaus sind sich Inder
und Amerikaner der Verpflichtung gegenüber sich selbst und anderen bewußt,
daß der

Zweck niemals die Anwendung schlechter Mittel rechtfertigen kann.

Nationen sind wie Einzelmenschen für ihre Handlungen moralisch verantwortlich.

+ + + + +

- 3 -

�1

Dokumentation

I

United States Information Service

11. Januar 1978

ERKLÄRUNG CARTERS ANLÄSSLICH DER UNTERZEICHNUNG DER DEKLARATION VON DELHI

NEU DELHI - AD - Die von Präsident Carter anläßlich der Unterzeichnung
der Deklaration von Delhi am 3. Januar 1978 abgegebene Erklärung hat folgenden
Wortlaut:
Herzstück der Freundschaft zwischen Indien und den Vereinigten Staaten
ist unsere Entschlossenheit, daß die moralischen Werte unserer Völker das
Handeln unserer Staaten bestimmen mUssen.
Unsere beiden Nationen sind als bewußte Gestaltungen von Männern und
Frauen entstanden, die fest daran glaubten, daß geistige Grundsätze einen
politischen Ausdruck finden könnten. Gandhi und Nehru, Washington und Jefferson,
die Tausende, die mit ihnen zusammenarbeiteten,und die Millionen, die von
ihnen geführt wurden -sie alle waren entschlossen, der Welt ein leuchtendes
neues Beispiel zu geoen. Die Vereinigten Staaten gaben der Welt ein Beispiel
für eine neue Regierungsform mit einer neuen Beziehung zwischen Bürger und
Staat - einer Beziehung, in der der Staat dazu da ist, den Bürgern zu dienen,
und nicht die Bürger dazu da sind, dem Staat zu dienen.
Indien unternahm

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�•

Indien unternahm den Versuch, aus einer überwältigenden menschlichen
Vielfalt eine politische Einheit zu schaffen und es damit Menschen unterschiedlicher Kulturen, Sprachen und Religionen zu ermöglichen, in Unabhängigkeit und Freiheit zusammenzuarbeiten. Was Sie unternahmen,war ein
Versuch, dessen Erfolg die Welt heute aufs neue feiert.
Die von uns soeben unterzeichnete Deklaration bringt zu Papier, was seit
langem in unsere Herzen geschrieben war. Sie proklamiert unsere Überzeugung,
daß jeder Einzelne unabdingbare Rechte hat, sowie unser Eintreten für Gerechtigkeit zwischen den Nationenen und innerhalb der Gesellschaftsformen und unsere
entschlossene Überzeugung, daß Streitigkeiten ohne Gewalt gelöst werden müssen,
vor allem in diesem Zeitalter, in dem Kernwaffen mit totaler Zerstörung
drohen. Vor allem aber bekräftigen wir, daß Staaten wie Einzelmenschen eine
moralische Verantwortung für ihre Handlungen tragen.
Gestern sagte ich vor Ihrem Parlament, daß wir unbeschadet der Differenzen
zwischen unseren Nationen den Weg auf ein gemeinsames Ziel hin beschreiten,
das Ziel der menschlichen Entwicklung und der Menschenrechte. Wenn ich Indien
jetzt verlasse, so bin ich dankbar, zu wissen, daß wir mit dieser Deklaration
einen weiteren Schritt auf diesem Weg getan haben.

+ + + + +

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ANKUNFTSERKLRRUNG PRÄSIDENT CARTERS IN SAUDI-ARABIEN

RIAD - AD - Nach seiner Ankunft in der Hauptstadt Saudi-Arabiens,
Riad, gab Präsident Jimmy Carter am 3. Januar 1978 eine Erklärung ab,
die folgenden Wortlaut hat:
Friede sei mit Ihnen (in arabischer Sprache). Der Hauptzweck meiner
Reise und meines Besuches ist der Friede.
Das erste Treffen zwischen den Führern Saudi-Arabiens und der Vereinigten Staaten fand statt, als Präsident Franklin Roosevelt zu seiner Zusammenkunft mit König Abdul-Aziz (ibn-Saud) an den Golf von Suez reiste.
Diese Freundschaft ist inzwischen gewachsen und umfaßt nunmehr die
Millionen von Menschen in unseren beiden Ländern. Wir arbeiten jetzt zusammen, und wir planen gemeinsam für die Zukunft. Die Bindungen, die uns
zusammenhalten, sind stark und unzerstörbar.
Unser Aufenthalt hier ist zwar nur kurz, aber ich habe bereits viel
von Kronprinz Fahd, Prinz Saud und anderen Führern Saudi-Arabiens erfahren,
die mich kürzlich in meinem eigenen Lande besucht haben. Ich bin jetzt sehr

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�sehr froh, mit Eurer Majestät zu engen Konsultationen über Fragen von
großem beiderseitigen Interesse für unsere Völker zusammenzutreffen.
Wie Eure Majestät bereits gesagt haben, ist das wichtigste Thema,
das wir erörtern werden, das baldige Zustandekommen eines gerechten und
dauerhaften Friedens im Nahen Osten.
Ich erinnere mich des arabischen Willkommensgrußes "Ahlan wa Sahlan".
Er ist so schön und einfach und bedeutet nach meiner Erinnerung "Ihr
befindet Euch unter Euren eigenen Leuten, und Eure Schritte werden unbehindert sein".
Angesichts der Warmherzigkeit dieser Begrüßung fühle ich mich unter
meinen eigenen Leuten, und ich weiß, daß meine Schritte nicht behindert
sein werden, weil ich denselben Weg gehe wie Eure Majestät, König Khaled,
nämlich den Weg zu dem gemeinsamen Ziel einer noch größeren Freundschaft
zwischen unseren Völkern, zwischen unseren beiden Ländern, und zu einem
Frieden für alle Menschen dieser Welt. Eure Majestät, wir freuen uns, in
diesem großen Land zu sein. Ich danke Ihnen.

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ERKLÄRUNG CARTERS NACH DEM TREFFEN MIT PRÄSIDENT SADAT

ASSUAN - AD - Nach dem Zusammentreffen mit dem ägyptischen Präsidenten
Anwar el Sadat in Assuan gab Präsident Jimmy Carter am 4. Januar 1978
folgende Erklärung ab:
Präsident Sadat, Volk von Ägypten:
Es ist uns eine Ehre und eine Freunde, in diesem großen Lande sein zu
dürfen, das von einem so starken und mutigen Manne geführt wird.
Herr Präsident, Ihre kühne Initiative bei der Suche nach Frieden hat
die Bewunderung der ganzen Welt gefunden. Zu dem Wertvollsten, was ich besitze,
gehört die herzliche und persönliche Beziehung, die mich mit Präsident Sadat
verbindet, an der die Freundschaft und die gemeinsamen Zielsetzungen des
ägyptischen und des amerikanischen Volkes deutlich werden.
Die ägyptisch-israelische Firedensinitiative muß Erfolg haben, wobei
die heiligen und historischen Prinzipien derjenigen Nationen bewahrt bleiben
müssen, die in diesem Gebiet so sehr gelitten haben. Es gibt keinen vernünftigen

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�vernünftigen Grund, warum eine Anpassung nicht erreicht werden könnte.
Ich bin in meinen persönlichen Gesprächen sowohl mit den arabischen
wie mit den israelischen Führern tief beeindruckt worden von dem einmütigen
Wunsch nach Frieden. Meine heutige Anwesenheit hier ist ein direktes Ergebnis
der mutigen Initiative, die Präsident Sadat mit seiner kürzlichen Reise nach
Jerusalem ergriffen hat.
Wir sind der Ansicht, daß es bestimmte Prinzipien grundsätzlicher Art
gibt, die beachtet werden müssen, bevor ein gerechter und umfassender Friede
erreicht werden kann. Erstens: Ein wahrer Friede muß auf normalen Beziehungen
der Friedensparteien basieren. Ein Friede bedeutet mehr als nur die Einstellung
der Kampfhandlungen. Zweitens muß ein Rückzur Israels aus den im Jahre 1967
besetzten Gebieten stattfinden sowie ein Abkommen über sichere und anerkannte
Grenzen für alle Parteien im Zusammenhang normaler und friedlicher Beziehungen
und in Übereinstimmung mit den Resolutionen 242 und 338 der Vereinten Nationen
Zustandekommen. Und drittens: Es muß eine Lösung des Palästinenser-Problems
und all seiner Aspekte geben.
Das Problem muß das legitime Recht des palästinensischen Volkes in Rechnung
stellen und die Palästinenser in die Lage versetzen, an der Gestaltung ihrer
eigenen Zukunft teilzuhaben. Eine gewisse Flexibilität wird immer nötig sein,
um erfolgreiche Verhandlungen und eine Beilegung der sich widersprechenden
Ansichten zu garantieren.
.

Wir wissen, daß das Zeichen für Größe unter den führenden Staatsmännern
darin besteht, sorgfältig die Ansichten anderer sowie den größeren Nutzen in
Erwägung zu ziehen, der sich zwischen den Völkern aller Länder ergeben und aus
dem Streben nach Frieden resultieren kann.
•

Herr
meinsames
Jahr 1978
Ich danke

Präsident, unsere Gespräche am heutigen Vormittag haben unser geEintreten für die Grundsätze bekräftigt, die mit Gottes Hilfe das
zu einem Jahr des ständigen Friedens im Nahen Osten machen werden.
Ihnen.
+ + + + +

- 2 -

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ANKUNFTSERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS AUF DEM PARISER FLUGHAFEN

PARIS - (AD) - Bei seiner Ankunft auf dem Pariser Flughafen Orly am 4.
Januar 1978 gab Präsident Carter folgende Erklärung ab:
"Herr Präsident, hochgeschätzte Mitglieder der französischen Regierung,
Franzosen!
Ich bin glücklich hier in Paris, der Königin der Städte zu sein, und zum
zweitenmal zu Besuch nach Frankreich zu kommen.

Das geistige und intellek-

tuelle Erbe der Vereinigten Staaten ist nur von der Nation noch übertroffen
worden, deren Sprache ich jetzt spreche.
Ich hatte die Ehre mit Präsident Giscard schon einmal in Frankreich zusammenzutreffen und Ministerpräsident Barre im vorigen Jahr im Weißen Haus
willkommen heißen zu können. Ihr Rat und ihr Wissen - vor allem in internationalen, politischen und wirtschaftlichen Fragen, die unsere beiden Nationen
betreffen, ist sehr nützlich gewesen.
Wie Ihr Präsident sagte, ist das Verhältnis zwischen unseren Völkern
von besonderer und seltener Art, weil es weitgehend eine Allianz der Ideale

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�Ideale gewesen ist.

Vor zweihundert Jahren halfen sich führende Männer

in unseren beiden Nationen gegenseitig bei der Festlegung eines revolutionären Prinzips - daß die Bürger gewisse natürliche Rechte besitzen, die
höher stehen als die Machtansprüche eines jeden Staates.
In jenen Zeiten stellten die Erklärung der Menschenrechte und die Unabhängigkeitserklärung die Welt auf den Kopf, beide sind immer noch der
Grundstein unserer eigenen demokratischen Regierungssysteme und der Ursprung
für die Forderung nach Menschenrechten, wie sie heute in immer stärkerem
Maße in der ganzen Welt vernommen wird.
Aber in unserer Allianz steckt mehr als nur Ideale. Die Amerikaner
werden niemals die entscheidende Unterstützung vergessen, die uns durch
Lafayette und die französische Nation in jenen schmerzlichen und gefährlichen
Tagen der Geburt unserer Nation zuteil wurde.

Es war der gleiche Geist ge-

meinsamer Zielsetzung in dem die Amerikaner die Küsten der Normandie betraten und an die Marne zogen, um gemeinsam mit Frankreich Ihre und damit unsere eigene Freiheit zu schützen und zu bewahren.
Nun sind wir wiederum verbündet in der Suche nach Antworten auf schwierige Fragen, die uns beide betreffen.

Präsident Giscard d'Estaing und ich

werden darüber sprechen, wie man die Stabilität und das Wachstum der internationalen Wirtschaft sichert und für wirtschaftliche Gerechtigkeit innerhalb unserer eigenen Gesellschaftsformen und unter den Nationen der Welt eintritt, wie man die Verteidigung unserer westlichen Nationen aufrechterhält
und gleichzeitig ständig um den Frieden in Unruhegebieten, wie dem Nahen
Osten, bemüht ist, wie man die Beziehungen zur Sowjetunion und Osteuropa
ständig verbessert und den Stand aller Arten von Rüstung senkt.

Wir werden

uns auch mit anderen Fragen befassen, die kein Staat übergehen kann, vor
allem mit dem Weltenergieproblem und dem anhaltenden Kampf um die menschlichen Grundrechte, die unsere beiden Nationen vor zweihundert Jahren verkündet haben.
Die

�Die Statue im Hafen von New York, die unsere eigene Freiheit symbolisiert, kam, wie viele Ideen, die zuerst unsere eigenen Forderungen nach
Freiheit inspirierten, als ein Geschenk vom französischen Volk.
Die Art und Weise, wie wir an spezifische Fragen herangehen, mag nicht
immer die gleiche sein, aber unsere tiefe Achtung vor der Unabhängigkeit und
führenden Aufgabe Frankreichs und unsere Liebe zu ihrem Volk, sind seit über
zweihundert Jahren stark geblieben.

Ich hoffe und glaube, daß die Bande zwi

sehen Frankreich und den Vereinigten Staaten von Amerika in Zukunft noch
stärker werden.
Herr Präsident, wir sind glücklich hier in Ihrem großen Land bei Ihrem
großen Volk zu sein".

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS IN PARIS

PARIS - AD - Präsident Jimmy Carter hat in einer Ansprache am
4. Januar 1978 im Palais de Congres in Paris eine "neue Tagesordnung
flir die Demokratie" aufgestellt. Die Rede des Präsidenten hat folgenden
Wortlaut:
Herr Ministerpräsident, Herr Präsident Giscard, verehrte Vertreter
der Organisationen, die täglich an der Festigung der Freundschaft zwischen
unseren beiden Ländern arbeiten, meine Damen und Herren aus Frankreich und
meine amerikanischen Mitbürger, die heute abend hierher gekommen sind:
Heute nachmittag habe ich einen Kranz am Grabmal des Unbekannten
Soldaten niedergelegt, der an die Tapferkeit des französichen Volkes erinnert. Zu meiner Linken stand eine Gruppe von Männern aus dem gleichen
Regiment, das vor 200 Jahren mit George Washington in Yorktown focht.
Als unsere Demokratie geboren wurde, war Frankreich dabei.
Seit über 200 Jahren haben unsere beiden Nationen die gleichen Ideale

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�Ideale

und die gleiche Kultur gehabt.

Eine Überzeugung vor allen anderen war es, die uns zu dem gemacht
hat, was wir sind: Der Glaube, daß die Rechte des Einzelnen von Geburt her
höher stehen als die Ansprüche des Staates. Das ist die Botschaft, die das
amerikanische und das französische Volk vor zwei Jahrhunderten jeweils der
Welt gebracht haben. Das sind die Werte, auf deren Bestätigung durch uns
sich die Welt noch heute verläßt.
Demokratie war damals eine neue und unerprobte Konzeption. Heute
ist sie der Maßstab für unsere westliche Zivilisation. Die so sehr von der
französichen Philosophie inspirierte amerikanische Unabhängigkeitserklärung
spricht von den "unveräußerlichen Rechten" des Menschen auf"Leben, Freiheit
und das Streben nach Glück". Diese Rechte waren damals umstritten. Heute
sind sie der Maßstab, an dem die Glaubwürdigkeit von Regierungen gemessen
wird. Die Demokratie ist in der Tat eine so zwingende Idee, daß selbst ihre
Feinde heute versuchen, die Unterdrückung mit falschen demokratischen
Etiketten zu bemänteln.
Aber unsere demokratische Ordnung wird in Frage gestellt. Es gibt
heute Menschen, die bezweifeln, ob die demokratischen Werte den zeitgenössischen Umständen noch entsprechen. In den Entwicklungsländern werden
Stimmen laut, die fragen, ob die Vorstellungen von Redefreiheit, persönlicher Freiheit und freigewählter Regierung in dem Kampf um die Überwindung der Armut nicht beiseite geschoben werden sollten. In den Industrieländern werden Stimmen laut, die fragen, ob die Demokratie uns die Werkzeuge
für die Bewältigung des wahnsinnigen Tempos des Wandels in unserem modernen
Leben gibt. Wir haben Warnungen gehört, daß eine demokratische Gesellschaft
sich selbst nicht die Zurückhaltung und Selbstdisziplin auferlegen könne,
die für die Überwindung der bestehenden wirtschaftlichen Probleme notwendig
sind. Wir haben gehört, daß die ungleichartigen Elemente unserer Gesellschaft
in einem demokratischen System keinen Zusammenhalt finden könnten, überall
scheint der Eindruck zu entstehen, daß Regierungen etwas fernab Liegendes,

- 2 -

�liegendes, Unpersönliches, Inikompetentes seien. Viele Menschen bezweifeln,
daß ihre von ferne kommende, einsame Stimme bei einer Regierung Gehör finden
könne.
Das sind reale Probleme. Wir müssen ihre Existenz eingestehen. Aber
wir müssen auch die Last tragen, die eine demokratische Gesellschaft jenen
aufbürdet, die Teil von ihr sind. Wir müssen unseren unerschütterlichen
Glauben an die Werte unserer demokratischen Völker proklamieren - und
unsere Überzeugung, daß diese Werte noch immer gültig sind - für arm und
reich, in Nord und Süd, in Ost und West - heute noch genau so wie damals,
als unsere Vorväter die Unabhängigkeitserklärung unterzeichneten und die
Ihrigen die Menschenrechtserklärung proklamierten.
Wir verteidigen diese Werte, weil sie richtig sind und weil es keine
höhere Zielsetzung für den Staat gibt, als diese Rechte für seine Bürger zu
bewahren. Aber wir verteidigen sie auch aus dem Glauben heraus, daß zwischen
der Erhaltung unserer demokratischen Werte und der Bewältigung der Aufgaben
einer modernen Gesellschaft kein Widerspruch besteht.
Gerade wenn die Demokratie vor schwierigen Aufgaben steht, müssen ihre
Führer Festigkeit im Widerstand gegen die Versuchung zeigen, Lösungen mit
undemokratischen Mitteln zu finden.
Ich habe diese Woche in Indien von unserer Überzeugung gesprochen,
daß die Entwicklungsländer ihr volles wirtschaftliches und politisches
Potential nur erreichen können, wenn sie die bürgerlichen Freiheiten des
einzelnen Bürgers achten. Daran glauben wir. Die größte Demokratie der Welt
beweist, daß dieser Glaube richtig ist.
Wir kommen hier als Industriestaaten zusammen, um zu bekräftigen, daß
unser Vertrauen in eine demokratische Zukunft für die industrialisierten
Gesellschaftsformen genau so stark ist.
Demokratie bedeutet
- 3 -

�Demokratie bedeutet nicht nur Recht und Gerechtigkeit. Sie ist auch
das mit der menschlichen Natur am meisten in Einklang stehende System. Sie
ist die wirksamste Weise, eine Gesellschaft mit dem Ziel des Wohles aller
zu gestalten.
Wo der Staat alles beherrscht, besteht nur für die beschränkten
Talente des Bürokraten die Möglichkeit zu gedeihen.
Aber das pluralistische Wesen einer Demokratie bietet einem breiten
Bereich von Talenten die Chance zum Erfolg - in der Regierung, in den Geisteswissenschaften, in der Arbeiterschaft, auf dem Gebiet der Technologie, in
den Naturwissenschaften und auf dem freien Markt. Die Demokratie setzt die
schlummernde schöpferische Energie in jedem von uns frei.
Wir brauchen nur auf die letzten drei Jahrzehnte zurückzublicken, um
den einzigartigen Erfolg zu sehen.Diese Jahre waren eine außergewöhnliche
Zeit für Frankreich, für Westeuropa, für die Vereinigten Staaten und andere
demokratische Nationen.
Frankreich und seine Partner in Westeuropa erhoben sich aus den Trümmern
und dem Chaos des Zweiten Weltkrieges und bauten Wirtschafts- und Gesellschaftsformen auf, die blühender und produktiver als je zuvor sind, und sie
gewannen sehr rasch Führungspositionen in der Welt.
Noch nie wurden so viele neue Arbeitsplätze und so viel neuer Wohlstand geschaffen und eine so große Umwandlung im Leben der Menschen so wirksam
gestaltet - und das in solcher Freiheit.
Das alles ist kein Zufall. Nationen mit anderen politischen Systemen
ist dies

trotz ihrer großen Ressourcen an Menschen und Naturschätzen nicht

so gut gelungen.
Auch schützt uns die Demokratie gegen die Exzesse der Modernisierung.
Sie hilft uns ständig, die immer größer werdende Komplexität des menschlichen

�menschlichen Lebens auf ein menschliches Maß zurückzuführen. In einer
Zeit, in der der Computer eine totale staatliche Kontrolle möglicher werden
läßt als je zuvor - indem man Menschen wie Zahlen behandelt - ist die
Demokratie auf der Hut und schützt die Unverwechselbarkeit des einzelnen
Menschen.
Das ist auch ein Grund, warum der große Trend der Emigration in der
Welt von den Staaten, die ihren Völkern die Grundrechte verweigern, hin
zu den freien Nationen des Westens verläuft. Das ist der Grund, warum Indien
erneut bekräftigt hat, daß es sich zur Herrschaft des Volkes bekennt, und
warum Portugal, Spanien und Griechenland sich wieder dem Kreis der- demokratischen Nationen Europas angeschlossen haben.
Wir fürchten die Herausforderungen nicht, die unsere gewählte Regierungsform auf die Bewährung stellen.
Aber was wir heute brauchen, ist eine neue Tagesordnung für die Demokratie.
Erster Punkt dieser Tagesordnung ist es, die Wege zu weisen, auf denen
Regierung und gesellschaftliche Einrichtungen besser und rascher den höheren
Normen der Führung und den von unserem Volk geforderten Dienstleistungen entsprechen können.
Wir leben in einer Zeit der Bewährung. Die verschiedenartigen Vfrsuche
sind entsprechend den besonderen Traditionen und Erfordernissen eines jeden
Landes bereits im Gange.
In Westeuropa hat die erfolgreiche Verteilung der Früchte des wirtschaftlichen Wachstums auf alle Schichten der Gesellschaft einen Weg gezeigt,
um die wachsenden sozialen Probleme zu überwinden.
In Frankreich erfüllen Sie eine junge Verfassung mit Leben, indem Sie die

�Sie die Machtbefugnisse von Exekutive und Legislative in der Waage halten.
In einigen Ländern, wie der Bundesrepublik Deutschland und Skandinavien,
werden

ständig Versuche mit neuen Formen der Beziehungen zwischen Arbeit-

nehmern und Unternehmern unternommen.
Die Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft planen die Abhaltung
direkter Wahlen für ein Europäisches Parlament.
In meinem eigenen Land versuchen wir, die Einflußnahme der Regierung
aus Gebieten herauszuhalten, die besser dem privaten Unternehmertum oder dem
Einzelnen vorbehalten bleiben. In einigen Ländern liegt der Nachdruck auf einer
Verstärkung der Rolle

kommender Verwaltungen auf einer Dezentralisierung

der Macht und auf dem Einsatz freiwilliger

Organisationen zur Lösung be-

stimmter spezieller Probleme und Nöte.
Auf diese und andere Weise können wir erreichen, daß eine Regierung
rascher reagieren kann, verantwortungsbewußter wird, näher an das Volk herankommt und in der staatlichen und kommunalen Gemeinschaft ein neues Gefühl
des Vertrauens schafft. Wie Präsident Giscard d'Estaing in seinem Buch
"Französische Demokratie" schrieb: "Der Pluralismus der Macht garantiert die
Freiheit ... demokratischer Fortschritt führt nicht zu Unordnung sondern zu
einer besseren Ausgewogenheit der Ordnung in Freiheit und Verantwortlichkeit."
Als zweiter Punkt auf der neuen Tagesordnung für die Demokratie steht
die wirtschaftliche Herausforderung.
Wir müssen nicht nur wieder Wachstum erreichen, die Inflation unter
Kontrolle bringen und die Arbeitslosigkeit verringern.
Wir müssen auch den Beweis erbringen, daß unser demokratisches Wirtschaftssystem sich den an es gestellten Forderungen anpassen kann. Das heißt,
erneut unter Beweis stellen, daß wir die Disziplin besitzen, in die Zukunft
zu planen,ohne dabei unsere gegenwärtigen Interessen zu vernachlässigen, damit
- 6 -

�damit aus den konkurrierenden Gruppen im eigenen Lande nicht Chaos und
Zwietracht entsteht, sondern eine neue Harmonie im Bemühen um das gemeinsame
Wohl.
Das bedeutet Verstärkung unserer Anstrengungen, um sicherzustellen,
daß die Früchte des Wirtschaftswachstums allen Teilen der Gesellschaft
zugute kommen, damit jeder einzelne an den Segnungen des wirtschaftlichen
Fortschritts teilhaben kann.
Das bedeutet aber auch, unsere Ressourcen der menschlichen Entwicklung
zu nutzen - nicht nur für ein Wachstum um des Wachstums willen.
Unsere demokratischen Volkswirtschaften haben heute diese einzigartige
Stärke, um dieser Herausforderung gewachsen zu sein.
Wir verfügen über geschulte Arbeitskräfte. Wir verfügen über produktive
Anlagen und Ausrüstungen, ein effektives Management und über den Willen und
die Mittel, um eng miteinander zusammenzuarbeiten - innerhalb unserer Länder
und mit anderen Ländern.
Und mit dem freien Markt verfügen wir über ein Instrument, um die
Produktion dem menschlichen Bedarf anzupassen, das rascher und subtiler
reagiert und arbeitet als jeder Computer und besser auf die Erfordernisse
der Gesellschaft eingeht, als jedes staatliches Komitee.
Mein Land ist in der Lage und bereit, zusammen mit seinen Partnern auf
dieser Stärke weiter aufzubauen, um die Weltwirtschaft auf den Weg zum
Wachstum und zur steigenden Prosperität zu bringen.
Die Anstrengungen Amerikas werden darauf ausgerichtet sein, die Stärke
des Dollar aufrechtzuerhalten, Fortschritte im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und Inflation zu erzielen und Privatinvestitionen

anzuregen. .
In diesem Jahr

�In diesem Jahr werden wir die Steuern für Unternehmer und Verbraucher
wesentlich senken, und wir werden diese Schritte in erster Linie unternehmen, weil sie in unserem eigenen Interesse liegen, aber auch weil
wir uns über die Bedeutung eines anhaltenden, nicht-inflationären Aufschwungs
in den Vereinigten Staaten für die Volkswirtschaften der übrigen Welt im
klaren sind.
Wir arbeiten mit unseren Wirtschaftspartnern bei den Genfer Handelsverhandlungen zusammen, um rasch zu einem Abkommen zu gelanaen, das das
offene Handelssystem verbessern, den Handel ausweiten und neue Arbeitsplätze schaffen wird. Und dem französischen Beispiel folgend arbeiten wir
hart an einem umfassenden Energieprogramm, das unsere Einfuhren an ausländischem
öl verringern, die ungerechtfertigte Abhängigkeit abbauen und das Defizit in
unserer Handelsbilanz senken wird.
Frankreich und Amerika und die anderen demokratischen Industriestaaten
konmen aus der wirtschaftlichen Rezession der letzten Jahre heraus. Einige
von uns, wie die Vereinigten Staaten, können ihre Aufmerksamkeit sofort
dem nicht-inflationären Wachstum zuwenden. Andere müssen zunächst schmerzliche
Maßnahmen zur Senkung der Inflation ergreifen. In dem Maße, in dem mehr
Länder ein höheres Wachstum

anstreben können, werden unsere Volkswirtschaften

mehr Arbeitsplätze schaffen. Die Arbeitslosigkeit wird zurückgehen.
Das Vertrauen in ein stetiges

Wachstum wird die Forderungen nach Handels-

restriktionen verringern, die Anpassung an die Veränderungen innerhalb unserer
Gesellschaften erleichtern, uns bei einer rationelleren Nutzung der Energie
helfen und es den Ländern mit Zahlungsbilanzüberschüssen erleichtern, ihre
Märkte für Industrieländer und Entwicklungsländer zu öffnen.
Es bestehen heute noch viele weitere wirtschaftliche Erfordernisse. Die
wirtschaftlichen Institutionen, die uns in der Vergangenheit so gute Dienste
geleistet haben, müssen gestärkt werden.
Wir müssen

�Wir mUssen eine bessere Einsicht in die grundlegenden wirtschaftlichen
Kräfte gewinnen, damit wir das Problem der gleichzeitigen Inflation und
Arbeitslosigkeit lösen können»
Wir müssen sehr viel größere Anstrengungen auf den weiteren Fortschritt
in der Hochtechnologie richten, um all unseren Ländern zu helfen, daß sie auch
auf den Märkten von morgen konkurrenzfähig sind.
Wir müssen neue und produktive Industriezweige und Dienstleistungen aufbauen, damit wir die durch den verstärkten globalen Wettbewerb um Arbeitsplätze und Märkte hervorgerufenen Auswirkungen auf unsere Völker dämpfen
können.
Wir müssen das Problem der Jugendarbeitslosigkeit lösen. Denn wenn wir
das nicht tun, dann wird ein Teil einer ganzen Generation unserer demokratischen
Gesellschaft entfremdet werden.
Wir müssen Schritte ergreifen, um den Export unserer wirtschaftlichen
Schwierigkeiten in andere Länder, seien sie arm oder reich, zu verhindern.
Wir müssen die Werkzeuge der gemeinsamen Freiheit dazu benutzen, um die
Chancen und Möglichkeiten unseres Wirtschaftssystems zu stärken.
Wir können unsere Erfahrungen in der gesellschaftlichen Entwicklung
miteinander teilen - im Bildungswesen, im Gesundheitswesen, in den sozialen
Leistungen, in der Organisation und im Management von Landwirtschaft und
Industrie.
Im Mittelpunkt all dieser Anstrengungen steht die dauerhafte Zusammenarbeit
mit unseren Wirtschaftspartnern auf Wegen, wie sie Frankreich mit dem Wirtschaftsgipfel als erstes vorgeschlagen hat. Diese Zusammenarbeit muß die Individualität jedes einzelnen Landes berücksichtigen und gleichzeitig erkennen,
daß unser wirtschaftliches Wohlergehen zusammen steigen oder fallen wird.
Die dritte
- 9 -

�Die dritte Aufgabe auf der neuen Tagesordnung für die Demokratie ist
die Gewährleistung unserer gemeinsamen Sicherheit.
Ich komme heute nach Frankreich in der Erkenntnis, daß unsere beiden
Nationen eine grundlegende Verpflichtung zur Erhaltung unserer so schwer
gewonnenen Freiheit teilen. Wir sind in der Lage, zusammen mit unseren
Verbündeten, unsere Freiheit zu bewahren, weil wir militärisch stark sind.
Unser zentrales Sicherheitsproblem besteht heute darin, unseren Willen
zu bewahren, um die militärische Stärke beizubehalten, die wir brauchen,
während wir gleichzeitig jede Möglichkeit zum Aufbau eines besseren Friedens
suchen. Militärische Macht ohne Entspannung könnte zum Konflikt führen. Aber
Entspannung wäre ohne das NATO-Bündnis und die Unterstützung einer starken
Verteidigung durch das Volk unmöglich.
Frankreich und Amerika beweisen, daß die Völker eines demokratischen
Landes diese gemeinsamen Ziele der Stärke und des Friedens unterstützen
können und wollen.
Die Verpflichtung der amerikanischen Regierung und des amerikanischen
Volkes für die Sicherheit Europas ist absolut. Es kann keinen Zweifel daran
geben, daß wir in Europa die Streitkräfte aufrechterhalten werden, die notwendig sind, um diese Verpflichtung zu erfüllen. Wir sind auch dankbar, daß
Frankreich Streitkräfte aufrechterhält und verbessert, die für die Verteidigung von wesentlicher Bedeutung sind.
Aber wir sehen auch die Notwendigkeit,über die Konfrontation hinauszukommen, um die Differenzen zwischen Ost und West beizulegen und Fortschritte
in der Rüstungskontrolle und Abrüstung zu erreichen.
Wir sind entschlossen, eine ausgewogene und beiderseitige Begrenzung
der qualitativen und quantitativen Dislozierung von Kernwaffen und dann
wesentliche Verringerungen anzustreben, die letztlich zur Beseitigung der

- 10 -

�der Kernwaffen als einer potentiell destruktiven Kraft unter den Nationen
der Welt führen werden.
Wir sind entschlossen, ein baldiges Abkommen über ein umfassendes
Verbot der Erprobung nuklearer Sprengkörper - sowohl für militärische als
auch für sogenannte friedliche Zwecke - anzustreben.
Wir sind entschlossen, eine wesentliche Verringerung des internationalen
Handels an konventionellen Waffen anzustreben.
Wir werden mit anderen Nationen zusammenarbeiten, um die Vorteile zu
verwirklichen, die solche Abkommen bringen können.
Wenn auch die Einstellung Frankreichs und der Vereinigten Staaten zu
diesen Fragen manchmal unterschiedlich sein mag, so ist doch unser lAjnsch,
einen stabileren Frieden aufzubauen, ein und derselbe. Und in all diesen
Anstrengungen werden wir Sie und die anderen Verbündeten eng konsultieren
ur\r' eng iiit ihnen zusanmenarbeiter -unter Berücksichtigung der Unabhängigkeit
jeder Nation, aber auch in der Erkenntnis unserer gemeinsamen Interessen
und Verpflichtungen.
Der vierte Punkt auf der neuen Tagesordnung für die Demokratie ist
die Bemühung der Europäer, ihre eigene Zukunft zu gestalten. Das Ziel, das
sie sich selbst mit ihren Partnern in der Europäischen Gemeinschaft gesetzt haben, ist nicht mehr und nicht weniger als die Transformation und Verbesserung der Beziehungen unter Staaten mit alten Traditionen, einzigartiger
Geschichte und berechtigtem Stolz auf nationale Leistung.
Die Vereinigten Staaten werden dem, was Sie und Ihre Partner im Rahmen
der Neun für die Stärkung der europäischen Zusammenarbeit tun, uneingeschränkte
Unterstützung leisten - denn wir betrachten die europäische Stärke als etwas
Gutes und nicht als eine Bedrohung für uns. Die wahre Bedrohung all unserer
Interessen wäre wirtschaftliche Schwäche und Uneinigkeit.
Der fünfte und

�Der fünfte und letzte Punkt auf der neuen Tagesordnung für die
Demokratie ist die Zusammenarbeit unter uns allen bei der Anpassung an den
globalen Wandel.
Einige der Faktoren, die im Laufe der letzten zwei Generationen zu
unseren wirtschaftlichen Erfolgen geführt haben - Wissenschaft und Technologie, Bildung und Gesundheitswesen, der Willen und das Wissen des einzelnen
Mannes und der einzelnen Frau - haben auch das Verhältnis zwischen den
demokratischen Industriestaaten auf der einen Seite und der Entwicklungswelt auf der anderen Seite verändert.
Die europäischen Nationen müssen einzeln oder zusammen eine wachsende
Rolle über den Kontinent hinaus spielen, vor allem bei der Neuordnung der
Beziehungen zwischen Nord und Süd.
Es ist noch keine hundert Jahre her, daß die europäischen Mächte zusammenkamen, um den afrikanischen Kontinent unter sich aufzuteilen. Und heute hat
der Kolonialismus praktisch ein Ende gefunden.
Vor dem Zweiten Weltkrieg standen 80 Prozent der Welt und 75 Prozent der
Weltbevölkerung unter westlicher Macht. Und heute existieren über 100 neue
Staaten, von denen jeder Ansprüche und Forderungen geltend macht.
Noch vor wenigen Jahren fällte der Westen praktisch alle Entscheidungen
über die Weltwirtschaft.
Heute stehen wichtige Ressourcen auch unter der Kontrolle von Entwicklungsländern - wie die Energiekrise gezeigt hat. Die Räte, in denen
wirtschaftliche Entscheidungen fallen, können nicht länger auf einige wenige
Mitglieder betrenzt bleiben.
Auf dieser Reise habe ich

gesehen, wie sich die Entwicklungsländer

eine neue Rolle im weltwirtschaftlichen System, bei der Neuverteilung der

�der Macht auf der Welt, bei der

Lösung

neuer weltweiter Probleme und

bei der Übernahme neuer Rechte und Verantwortlichkeit schaffen.
Wir wissen seit langem, daß größere Gleichheit der einzelnen zu größerer
Prosperität 1n unseren Gesellschaften führen kann. Heute sehen wir, wie
größere Gleichheit unter den Nationen

die Gesundheit der Weltwirtschaft,

einschließlich unserer eigenen, fördern kann. Keine Nation, selbst keine
kleii.e Gruppe von Nationen kann heute ihr Schicksal mehr allein gestalten.
Bei seinem Vorschlag für die Nord-Süd-Konferenz sprach Präsident Giscard
d'Estaing von der Schaffung neuer Fernen für die Zusammenarbeit. Was er
damals gesagt hat,

ist heute zur Losung all unserer gemeinsamen Anstrengungen

geworden:
"Hier geht es nicht um den Sieg einiger Länder über andere, der dadurch
erreicht wird, daß man Vorteile aus temporären Machtverhältnissen zieht. Hier
geht es vielmehr um einen Sieg der Menschheit über sich selbst..."
Wenn wir in diesem Geiste handeln und unsere Anstrengungen gemeinsam
darauf ausrichten, die Probleme zu lösen, vor denen die Nationen der Welt
stehen, dann werden wir sicherlich jenen Sieg davontragen, von dem er sprach.
Wir werden unseren tiefen und unerschütterlichen Glauben an die Stärke der
Demokratie, mit den Zeiten zu wachsen und zu gedeihen, behaupten.
Vor sechs Tagen verließ ich die Vereinigten Staaten zu einer Reise, deren
ständiges Thema die universale Lebensfähigkeit der Demokratie war. In Polen,
im Iran, in Indien, in Saudi-Arabien, in Ägypten und jetzt in Frankreich
habe ich unterstrichen, daß es bei unserem modernen Kampf nicht nur darum geht,
den Frieden zu schaffen, sondern auch den einzelnen vor der Macht des Staates
zu schützen.
Morgen werde ich zusammen mit Präsident Giscard d'Estaing Paris verlassen,
um die Strände in der Normandie zu besuchen. Wenn die Namen Omaha, Utah, Juno
- 13 -

�Juno und Gold in der Erinnerung unserer beiden Völker immer fortleben
werden, dann darum, weil sie uns daran erinnern, unter welchen Kosten wir
unsere Freiheit erkauft, haben und welch kostbares Erbe uns zur Verteidigung hinterlassen wurde.
Diese Namen erinnern uns daran, daß Freiheit nicht mit einmaliger
Verteidigung gesichert ist, sondern immer wieder verteidigt werden muß.
Unsere Vorväter verteidigten sich gegen Fürsten und mit Revolution. Die
Generation meiner Eltern und meine eigene Generation griffen im Namen der
Freiheit zu den Waffen - und viele von ihnen blieben am Strand der Normandie
und auf den tausenden anderer Gedenkstätten der Freiheit in der ganzen Welt.
So wie wir immer bereit sein werden, so beten wir darum, daß ihr Opfer
im Kampf niemals wiederholt werden muß, und wir wissen, daß es nicht wieder
zu einem Kriege zu kommen braucht, solange wir unsere Hingabe an die Werte
freier Menschen - gestärkt und erneuert - an jede folgende Generation weiter
geben, die nach uns kommt. Ich danke Ihnen.

+ + + + +

14 -

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS IN DER NORMANDIE

NORMANDIE - AD - Präsident Jimmy Carter hat anläßlich eines Besuches
der Brückenköpfe der Alliierten Streitkräfte aus der Zeit der Invasion
in der Normandie im Zweiten Weltkrieg am 5. Januar 1978 folgende Ansprache
gehalten:
Herr Präsident Giscard,
Freunde aus Frankreich und den Vereinigten Staaten, die in der Geschichte
zusammengestanden haben, in der Gegenwart zusammenstehen und in der Zukunft
zusammenstehen werden:
Ich flog heute morgen in einem modernen Hubschrauber der hier in Europa
stationierten

amerikanischen Streitkräfte von Paris an diesen berühmt ge-

wordenen Strand; auf dem Weg hierher habe ich über die Vergangenheit nachgedacht, die uns heute eint.
Im Juni 1940

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Im Juni 1940 erklärte General de Gaulle, der Führer der französischen
Widerstandskräfte: "Die Flamme des französischen Widerstandes darf und wird
nicht erlöschen." Vier Jahre später, am 6. Juni 1944, landeten die Alliierten
Streitkräfte an den Stränden, die uns unter den Bezeichnungen Omaha, Utah,
Juno, Gold und Schwert bekannt sind, um den heldenhaften Kampf zur Befreiung Europas aufzunehmen.
An jenem Tage landete an den Küsten der Normandie eine Armada ohnegleichen: 176 000 tapfere Soldaten kamen aus England hierher, um einen
gewaltigen Angriff zu beginnen. Innerhalb von zwei Wochen wurde eine Streitmacht in Stärke von mehr als eineinhalb Millionen Mann in Frankreich und den
nördlich davon gelegenen Küstenstaaten an Land gebracht.
Hinter den Flaggen meines Landes und Frankreichs erblicke ich über
9 000 weiße Marmorkreuze, die zum Gedächtnis von Soldaten aufgerichtet
wurden, die damals hier und in der näheren Umgebung gefallen sind. Sie haben
unter großen Befehlshabern gedient: General Eisenhower, General Bradley und
General Theodore Roosevelt, Jr., der für seine Heldenhaftigkeit mit der
Medal of Honor ausgezeichnet wurde und später gemeinsam mit der zweiten
französischen Panzerdivision unter General Leclerc operierte.
Es war unweit von hier im Küstenabschnitt Omaha, wo die 1. und die
29. amerikanische Division landeten. Es war auch hier, wo der heftigste
Widerstand verzeichnet wurde: Von rund 2500 Soldaten, die an Land gegangen
waren, sind rund 2000 gefallen. An einem Punkt der Küste mußten amerikanische
Soldaten eine senkrecht aufsteigende Klippe im Granatenhagel der oben verschanzten Deutschen erklimmen.
Der Strand des Abschnitts Cmaha war von Hunderten toten alliierten
Soldaten übersät, und der Anblick war so beeindruckend, daß die deutsche
Führung eine Zeitlang annahm - solange, bis es zu spät für sie war -,
Deutschland habe gesiegt.
Von den Strandabschnitten
- 2 -

�Von den Strandabschnitten Juno, Gold und Schwert aber waren alliierte
Truppen siegreich herangerückt, die in der Folgezeit tief nach Europa
vorstießen, um hier die Freiheit wiederherzustellen.
Nahezu zwei Jahrhunderte davor waren Franzosen unter der Führung
von Lafayette, Graf d'Estaing und anderen mutigen Männern an Amerikas
Küsten gelandet, um den Amerikanern in dem Ringen um ihre Freiheit beizustehen. Rund 30 Jahre vor der Invasion in der Normandie hatten amerikanische
Soldaten im Ersten Weltkrieg beim Betreten europäischen Bodens ausgerufen:
"Lafayette, wir sind da."
Heute ruhen etwa 30 000 gefallene amerikanische Soldaten und Matrosen
aus dem Ersten Weltkrieg und rund 60 000 aus dem Zweiten Weltkrieg in
europäischer Erde. Die sterblichen Überreste weiterer 150 000 gefallener
Amerikaner, die ihr Leben für die Verteidigung der Freiheit in Europa
gegeben haben, wurden in ihre Heimat übergeführt, um dort begraben zu werden.
Wir stehen an der Seite unserer tapferen Verbündeten hier in Europa,
um dafür Sorge zu tragen, daß dessen Freiheit niemals wieder in eine solche
Gefahr gerät. Wir unterhalten gegenwärtig in Europa amerikanische Truppen,
Kampftruppen, in Stärke von etwa 200 000 Mann, um sicherzustellen, daß wir
nie wieder mit dieser Bedrohung konfrontiert werden.
General Donaldson erklärte mir, dies sei das erste Mal, daß sich zwei
Präsidenten gemeinsam an einer Gedächtnisstätte für jene einfinden, die ihr
Leben hingegeben haben. Ich sehe darin ein Symbol für die unzertrennbaren
Bande, die das amerikanische Volk und das heldenhafte Volk Frankreichs wie die Geschichte bezeugt - miteinander verknüpfen.
Wir sind stolz auf das, was wir gemeinsam vollbracht haben. Wir sind
gewiß, daß unsere Freundschaft ewig Bestand habe», .n'rd. Es ist für mich als
dem Präsidenten der Vereinigten

Staaten eine hohe Ehre, hierher zu kommen,

um meine Ehrerbietung den tapferen Männern und Frauen der Vergangenheit zu
bekunden, die uns die heute als so kostbar erachtete Freiheit erhalten haben.
+ + + + +

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS IN BAYEUX

BAYEUX - AD - Präsident Jimmy Carter gab anläßlich eines Empfanges
im Rathaus von Bayeux am 5. Januar 1978 folgende Erklärung ab:
Herr Präsident,
geehrter Herr Bürgermeister,
verehrte und überaus freundliche Bürger von Bayeux,
es ist für mich als Präsident der Vereinigten Staaten eine hohe Ehre
und ein großes Vorrecht, hierher zu kommen, um Sie der Freundschaft meines
Volkes zu versichern, das Frankreich wie das eigene Land liebt.
Von den Automobilen, die mir Präsident Giscard zur Benutzung während
meines Aufenthalts in Frankreich zur Verfügung gestellt hat, hat eines eine
Nummer 1776 - eine Zahl, die auf das Jahr der Unabhängigkeitserklärung unseres
Landes hinweist; ein anderes Fahrzeug trägt das Nummernschild 1789 - und
verweist mithin auf das Jahr der französischen Erklärung der Menschenrechte.
Unsere Zeit

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Unsere Zeit der Freiheit nahm ihren Anfang, als wir die Allianz der
Freiheit eingingen, die nunmehr über 200 Jahre besteht. Das Volk meines
Landes

erachtet es als ein kostbares Gut, den Männern und Frauen Ihres

großen Landes, Frankreich, brüderlich und schwesterlich verbunden zu sein.
Ich erinnere mich aus meinen jungen Jahren, als ich bei der amerikanischen Marine diente, an den 6. Juni 1944, als 5000 Schiffe von der englischen Küste aus nach der Normandie in See stachen. Rund 3000 dieser Schiffe
setzten im Zeitraum von zwei Wochen über eineinhalb Millionen Soldaten an
Land, die Ihnen und uns letztlich die Freiheit gebracht haben.
Ich bin heute morgen im Hubschrauber an Ihrer Stadt vorbei zur Küste
geflogen und hatte dabei Gelegenheit, das Gebiet kennenzulernen, in dem sich
in jenen entmutigenden Zeiten der Heldenmut der Alliierten bewährt hat. Ich
sah den Strandabschnitt Omaha, in dem am ersten Tag der Landung 2000 Amerkaner
ihr Leben verloren haben - eine Stätte der Tragödie und des Heldentums, aber
auch des Sieges.
Der Cmaha-Strand hat seine eigene, Bayeux eine andere, aber damit
zusammenhängende Bedeutung. In den dunklen Tagen der Besatzung haben Sie
nie von Ihrer Verpflichtung auf die bürgerlichen Freiheiten und die
Freiheit alr solche abgelassen, und ich bin sehr stolz, einen Ort besuchen
zu können, dessen Name den Amerikanern von heute deshalb so vertraut ist,
weil Br.yeux die erste von alliierten Truppen befreite Stadt war.
Auf den amerikanischen Friedhöfen in Europa liegen fast hunderttausend
Gefallene als Symbol unserer gemeinsamen Hingabebereitschaft an Prinzipien,
die uns seit mehr als zwei Jahrhunderten miteinander verbinden.
Gegenwärtig stehen in Euroap 200 000 amerikanische Soldaten, die den
Prinzipien der Unabhängigkeit und Freiheit mit nicht geringerer Hingabebereitschaft anhängen. Wir tragen in unseren Herzen ein ebenso tiefes politisches und gefühlsmäßiges Bewußtsein der Bindungen, die die Völker Frank-

- 2 -

�Frankreichs und der Vereinigten Staaten in der Vergangenheit miteinander
verbunden haben, die uns heute miteinander verbinden und die uns für immer
miteinander verbinden werden. Das ist für unsere beiden Länder ein kostbarer Besitz - ein Besitz, verwurzelt in den tiefsten Gefühlen und Verpflichtungen des amerikanischen Volkes.
Ich weiß für den Heroismus und die Hingabebereitschaft des Volkes von
Frankreich, die uns seit der Geburt unserer eigenen Nation viele Jahre hindurch Quelle der Inspiration waren, zu danken. Ich bin der festen Überzeugung,
daß die Welt um unsere militärische Stärke weiß, die von großer Wichtigkeit ist, daß sie aber auch um unser gemeinsames Einstehen für unwandelbare
Grundsätze weiß, die ebenso bindender Charakters und von ebenso großer
Bedeutung sind wie die militärische Stärke ... .
Ich danke Ihnen für den herzlichen Empfang, den Sie mir bereitet haben
und der mich mit großer Freude erfüllt.
Ich glaube, daß sich die Menschen in meinem eigenen Lande, die am
Fernsehschirm Zeuge dieser Feierstunde und der Teilnahme einer so großen
Zahl von Menschen werden oder den Nachrichten im Radio lauschen,ebenso wie
Sie hier in dem Bewußtsein der engen Bande

bestärkt fühlen werden, die die

Vereinigten Staaten und die große französische Republik miteinander verbinden. Ich danke Ihnen sehr.

+ + + + +

- 3 -

�Dokumentation

I

United States Information Service

11. Januar 1978

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS VOR DEM ABFLUG AUS PARIS

PARIS - AD - Bei seinem Abflug aus Paris gab Präsident Jimmy Carter
am 6. Januar 1978 folgende Erklärung ab:
Bei meiner Abreise aus diesem großen Lande Frankreich fällt es mir
schwer auszudrücken, wie tief meine Gefühle und die Gefühle beim amerikanischen Volk über die Gastfreundschaft waren, die Sie uns während dieses
leider nur allzu kurzen Besuches gewährt haben.
Die vielen Erinnerungen der historischen Allianz und die Gemeinsamkeit
des Erbes unseres Landes und Frankreichs, die gemeinsamen Demonstrationen
der Tapferkeit unserer Soldaten, die die Freiheit verteidigt haben, fanden
in der Tiefe der Gefühle ihren Ausdruck, die in uns allen wach geworden sind.
Dem persönlichen Empfang, den uns Präsident Giscard d'Estaing und seine
Gattin und die Minister der französischen Regierung bereitet haben, kamen,
obwohl das kaum möglich war, die spontanen und echten Freundschaftsbezeugungen
der Bevölkerung in der Normandie, in Bayeux, in den Straßen von Paris und
gestern abend in Versailles gleich.
Das offene Bekenntnis

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D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Das offene Bekenntnis zu der beiderseitigen Verpflichtung auf die
Ideale und Grundsätze unserer beiden Nationen war für uns, und wie ich
meine für die ganze Welt, eine Beruhigung.
Ich möchte noch einmal Ihrem großen Präsidenten und dem wunderbaren
französischen Volk meinen persönlichen Dank aussprechen.

+ + + + +

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ANKUNFTSERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS IN BRÜSSEL

BRÜSSEL - AD - Bei seiner Ankunft auf dem Flughafen in Brüssel
gab Präsident Jimmy Carter am 6. Januar 1978 folgende Erklärung ab:
Eure Majestäten, Volk der großen belgischen Nation,
Ich bin sehr glücklich, wieder in Ihrem großen Lande zu sein, um die
Freundschaft mit Ministerpräsident Tindemans

-u erneuern und um mit Eurer

Königlichen Majestät sowie mit Königin Fabiola zusammentreffen zu können.
Brüssel war die erste Stadt, die Vizepräsident Mondale auf seiner
Reise nach den Ländern unserer traditionellen Verbündeten besuchte. Und nun
ist Brüssel die letzte Station, bevor ich nach den Vereinigten Staaten
zurückkehre.
Ob nun die erste oder die letzte Station: Zweck und Ziel sind dieselben,
nämlich in Zeiten rascher Veränderungen unseren unerschütterlichen Glauben
an Verbündete wie Ihr großes Land und Volk zu bekräftigen.
Es war eine Reise

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Es war eine Reise voller Vielfalt, aber ich habe immer über einfache und
bleibende Themen gesprochen. Eines dieser Themen war die Forderung nach
politischen Freiheiten, nach den grundlegenden Menschenrechten. In dieser
Frage waren Belgien und die Vereinigten Staaten niemals unterschiedlicher
Meinung. Für diese Werte haben wir gemeinsam im Kriege gekämpft und im
Frieden immer zusammengearbeitet.
Das andere universelle Thema ist die Notwendigkeit, Konflikte ohne
Gewaltanwendung beizulegen, Frieden zu schließen, statt Kriege zu führen.
Während dieses Jahrhunderts hat Belgier einen hohen Preis dafür zahlen müssen,
daß es anderen Ländern nicht gelang, den Frieden zu bewahren. Nun ist Brüssel
die Heimstatt für Institutionen wie die Europäische Gemeinschaft geworden,
und die NATO repräsentiert unsere gemeinsame Hoffnung auf eine gesicherte,
friedliche und gedeihliche Zukunft.
Brüssel ist eine herrliche Stadt, wie meine Frau und ich sehr wohl wissen,
und es ist einer der enttäuschenden Aspekte dieses Besuches, daß er allzu
kurz ist. Die Herzlichkeit, die uns hier persönlich zuteil wurde, ist uns
jedoch ein Trost, und ich freue mich darauf, mehr von Ihrem Land und Ihrem
Volk zu sehen, wenn Rosalynn und ich hierher zurückkommen können.
Eure Majestät, ich danke Ihnen für das herzliche Willkommen. Wir wären
wirklich dankbar, hierher zu Ihnen und dem Volk Ihres Landes zurückkommen
zu dürfen.

+ + + + +

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS ANLÄSSLICH DES BESUCHES BEI DER EG

BRÜSSEL - AD - Präsident Jimmy Carter hat am 6. Januar 1978 anläßlich
seines Besuches im Hauptquartier der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel
folgende Erklärung abgegeben:
Ich freue mich, heute hier mit Ihnen zusammentreffen und die Gespräche
fortführen zu können, die zu einer Zeit begonnen haben, als meine Administration
erst einige Stunden alt war.
Noch ehe meine erste Woche im Amt zu Ende gegangen war, trat Vizepräsident
Mondale eine Reise zu unseren traditionellen Verbündeten an. Sein erster
Stopp war Brüssel, Sitz von internationalen Institutionen, die unsere gemeinsame Hoffnung auf eine sichere und gedeihliche Zukunft repräsentieren.
Als der erste amerikanische Präsident, der dem Sitz der Europäischen
Gemeinschaft einen Besuch abstattet, werte ich dieses Zusammentreffen als
Symbol für Amerikas bleibende Verpflichtung auf ein starkes und geeintes
Europa und die Europäische Gemeinschaft.
Es war mir ein

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Es war mir ein Vergnügen, führenden Persönlichkeiten der Gemeinschaft
mehrfach begegnet zu sein. Außer Präsident Jenkins, mit dem ich auf der
wirtschaftlichen Gipfelkonferenz in London und später in Washington zusammentraf, hatte ich auch Gelegenheit zu Gesprächen mit Premierminister Callaghan
und Ministerpräsident Tindemans

zu der Zeit, als sie die ihrem Land turnus-

gemäß zufallende Präsidentschaft im Rat wahrnahmen.
Auf meiner Reise hatte ich in den letzten neun Tagen, in denen ich
mehrere Kontinente und Kulturkreise durchmessen, Gespräche über verschiedene
politische und wirtschaftliche Systeme geführt urd Menschen denkbar großer
Vielfalt kennengelernt habe, einige konstante Themen Mal für Mal wiederholt.
Ich habe die Bedeutung demokratischer politischer Wertbegriffe und die
zu ihrer Verteidigung erforderlichen Maßnahmen herausgestellt, sowie auch
die wirtschaftlichen Aufgaben, die uns in unseren Beziehungen zu den Entwicklungsländern insgesamt konfrontieren, und die Notwendigkeit, mit unseren
eigenen Problemen fertig zu werden. Wir müssen unsere Herzen auch der Aufgabe
öffnen, die Friedensaussichten zu verbessern und gleichzeitig den rechten
Arm

unserer Verteidigung stark zu halten.
Ich habe diese Themen wiederholt vorgebracht, weil sie der Wiederholung

bedürfen und weil sie der Welt Werte vor Augen führen, die mein Volk hoch
achtet.
Ich bin stolz, diesen Themen heute ein weiteres hinzufügen zu können:
daß die Vereinigten Staaten ein starkes, geeintes Europa als eine gemeinsame
Kraft bei der Vertretung jener Werte ansehen, in die sich unsere Völker teilen.
Die USA werden ihr Teil tun, um mit Ihnen zusammenzuarbeiten.
Weil wir auf die grundlegende Stärke unserer Wirtschaft vertrauen, vertrauen wir auch auf die grundlegende Stärke des Dollar - in der Gegenwart und
in der Zukunft. Wir sind uns aber auch des Grades bewußt, bis zu dem unsere
Prosperität heute mehr denn je zuvor von der internationalen Zusammenarbeit

- 2 -

�Zusammenarbeit abhängt.
Wir sind bereit, mit der Europäischen Gemeinschaft auf einer großen
Zahl von Gebieten zusammenzuarbeiten, um
- das wirtschaftliche Wachstum der Länder in der Weise zu fördern, daß
wir die Inflation in Grenzen halten, die Arbeitslosigkeit verringern und die
Geldwertstabilität anstreben;
- einen raschen und erfolgreichen Abschluß der multilateralen Handelsverhandlungen zu erreichen und auf diese Weise den internationalen Handel
auszuweiten, in
zu

allen Ländern mehr Arbeitsplätze zu schaffen und uns allen

helfen;
- schöpferisch auf gegenseitig vorteilhafte Beziehungen zu den Entwick-

lungsländern hinzuarbeiten;
- gemeinsam der Nukleartechnologie einen Platz bei der Deckung unseres
Energiebedarfs zuzuweisen, ohne durch die drohende nukleare Proliferation
die Zukunft unserer Kinder zu gefährden; und
- geneinsam Lösungen für die iozialen und wirtschaftlichen Probleme
zu finden, vor die sich jede unserer Gesellschaften gestellt sieht.
Wie ich vor zwei Tagen in Paris erklärte, müssen wir das Instrumentarium
unserer gemeinsamen Freiheit dazu benutzen, die Wahl- und Aufstiegsmöglichkeiten
innerhalb unserer Wirtschaftssysteme zu vergrößern.
Wir können unsere Erfahrungen auf den Gebieten der gesellschaftlichen
Entwicklung, der Erziehung, der Gesundheitsfürsorge, der sozialen Dienste
und der Organisation und des Managements von Fabriken und landwirtschaftlichen
Betrieben miteinander teilen.
Als größte
- 3 -

�Als größte Handelsgruppierung der Welt hat die Gemeinschaft wie wir
ein deutliches Interesse an einem erfolgreichen Abschluß der multilateralen
Handelsverhandlungen. Diese schreiten so gut voran, wenngleich noch viel
zu tun bleibt.
Ich begrüße

die bisherigen Erfolge der Teilnehmerländer in den Be-

mühungen, das in» Mai vorigen Jahres in London gesteckte Ziel zu erreichen:
wesentliche Fortschritte bis Ende des Jahres 1977. Das bisher Erreichte
sollte die

Verhandlungsdelegationen in die Lage versetzen, die Gespräche

bis Ende dieses Jahres zum Abschluß zu bringen. Eile tut not, wenn diese
Verhandlungen den Zweck erfüllen sollen, das Welthandelssystem zu verbessern
und die protektionistischen Pressionen abzubauen.
Wir benötigen ein umfassendes Paket von Vereinbarungen, einschließlich
solcher über erhebliche Zollsenkungen und Verringerungen nichttarifärer
Handelsschranken sowie Bestimmungen über den Agrarhandel.
Wir wissen, daß sich jedes Land im Zusammenhang mit dem Übergang auf ein
freieres Handelssystem vor Probleme gestellt sehen wird. Sie sind jedoch
ein niedriger Preis für die Segnungen eines offeneren Handels und klein auch
im Vergleich zu den Gefahren des Protektionismus, die dann bestünden, wenn es
uns nicht gelingen sollte, solch umfassende Vereinbarungen zustande zu bringen.
•

Unsere Völker teilen sich auch die Sorge um die Entwicklung umfassender
Energieprogramme. Vor zwei Monaten habe ich meinen Besuch hier in Brüssel
verschoben, um alles mir Mögliche zu tun, damit ein Energieprogramm in den
Vereinigten Staaten Gesetzeskraft erlangt. Man Land darf nicht weiter so
viel Energie verschwenden; es muß stattdessen alternative Energiequellen entwickeln. Sobald ich wieder zu Hause bin, werde ich die Arbeit am Zustandekommen eines so entscheidenden Gesetzgebungswerkes erneut aufnehmen. Ich
bin zuversichtlich, daß die Vereinigten Staaten hinsichtlich einer verantwortungsbewußten Energiepolitik bald ein Beispiel geben werden.
Die Europäische Gemeinschaft

�Die Europäische Gemeinschaft und die Vereinigten Staaten teilen sich
ferner in das große Interesse am Ausbau der Beziehungen zu den Entwicklungsländern. Unsere diesbezügliche Zusammenarbeit hat

bereits konstruktive Er-

gebnisse gezeitigt. Wir müssen diese Zusammenarbeit fortsetzen, um jene
Länder noch stärker in die Weltwirtschaft zu integrieren.
Sie müssen in die Lage kommen, einen gerechteren Anteil am Nutzen und
an der Verantwortung für den weltweiten wirtschaftlichen Fortschritt zu nehmen
und eine angemessene Rolle in den weltweiten wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen zu spielen.
Wir in den Vereinigten Staaten begrüßen die Tatsache, daß die Europäische
Gemeinschaft auch außerhalb Westeuropas eine zunehmende politische und wirtschaftliche Rolle spielt. Diese Rolle der Gemeinschaft trägt erheblich zur
Erreichung der Ziele bei, in die wir uns teilen.
In jüngster Zeit habe ich mich besonders über die enge Zusammenarbeit
zwischen uns und über die Fähigkeit zu entschlossener Führung gefreut, die
Mitglieder der Gemeinschaft an den Tag legten: auf der Belgrader Konferenz
über Fragen der Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.
Schließlich freue ich mich, wenn ich unsere Verpflichtung auf die europäische Einheit betone, auf die Fortsetzung der engen und produktivpn Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft in
den kommenden Jahren.
Und ich kann dem, was Sie leisten, keinen angemesseneren Tribut zollen,
als zu zitieren, was der Vater der europäischen Einigung, Jean Monnet, einst
geäußert hat: "Sie bilden keine Koalition aus Staaten, Sie führen Völker zur
Einheit."

+ + + + +

- 5 -

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS VOR DEM NORDATLANTIKRAT

BRÜSSEL - AD - Präsident Jimmy Carter hat am 6. Januar 1978 in Brüssel
vor dem Nordatlantikrat eine Ansprache gehalten, die folgenden Wortlaut hat:
Herr Generalsekretär, General Haig, Mitglieder des Rates,
Ich bin glücklich, nach unseren erfolgreichen Gesprächen in London
im Mai vorigen Jahres erneut mit dem Nordatlantikrat zusammenzutreffen.
Ich komme mit Ihnen zum Abschluß einer Reise zusammen, die mich in
sieben Länder geführt hat und die mich vcm Anfang bis zum Ende an die Gründe
und Ursachen erinnert hat, deretwegen das Bündnis ins Leben gerufen wurde.
Auf jeder Station meiner Reise - in Ost und West - in Ländern, die sich
bemühten, ihre Armut zu überwinden, und in Ländern, die sich den Konsequenzen
des materiellen Wachstums anpassen, habe ich die Lebenskraft der Demokratie,
der Freiheit des Einzelnen und der Menschenrechte unterstrichen.
Wir in

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Wir in diesem Forum verstehen sehr wohl die Werte, um die es geht.
Ohne diese Werte hätte der Westen nichts zu bieten.
Und wir wissen ebenfalls - nur zu oft aus persönlicher Erfahrung - um den
Preis, den die Verteidigung dieser Freiheiten fordern kann.
Gestern habe ich mit Präsident Giscard d'Estaing die Strände der
Normandie besucht - genau so hätte ich Anzio, Verdun oder hier die Schlachtfelder in Flandern besuchen können.
Wenn diese Namen uns gleichzeitig mit Trauer und mit Stolz erfüllen,
dann deshalb, weil sie uns den Preis vor Augen führen, den wir für unsere
Freiheit bereits bezahlen mußten - einen Preis, von dem wir hoffen, daß wir
Ihn niemals mehr bezahlen müssen.
Niemand, der sich an diese Opfer erinnert, kann wünschen, daß sie noch
einmal erbracht werden müssen. Der historische Boden Europas trägt die
ständig sichtbaren Beweise für das Blutbad, das ein Krieg unausweichlich mit
sich bringt.
In Warschau habe ich tapfere Menschen erlebt, die einen großen Teil
der wunderbaren Stadt wiederaufgebaut haben, die der Krieg zerstört hat.
Aber was jetzt neu ist, unterstreicht nur, wieviel an Altem verlorenging.
Hier in Belgien, das nur zu oft das Schlachtfeld Europas war, weiß jede
Familie um Freunde, Heimstätten und Träume, die der Krieg vernichtet hat.

Das ist die Herausforderung, vor die sich unser Bündnis gestellt sieht:
unsere Werte ohne Furcht zu verteidigen, während wir gleichzeitig darauf
hinarbeiten, einen Krieg zu verhindern.
Wir wissen, daß
9

�Wir wissen, daß der Weg zu einem dauerhaften Frieden auf Verständigung,
ausgehandelten Abkommen und Schritten des guten Willens beruht. Die mutigen
Initiativen im Nahen Osten werfen einen Hoffnungsschimmer auf alle internationalen Anstrengungen.
Wir sind uns jedoch einig in der Oberzeugung, daß unsere Verteidigung
immer stark genug sein muß, um vor jedem Gedanken der Aggression abzuschrecken daß wir für den Kampf stets so bereit sein müssen, wie wir hoffen, ihn vermeiden zu können.
Als ich mit den führenden Staatsmännern des Bündnisses im Mai vorigen
Jahres zusammentraf, war ich beeindruckt von der Zielstrebigkeit der Verbündeten und von der gemeinsamen Entschlossenheit, die NATO auf die großen
Aufgaben des nächsten Jahrzehnts vorzubereiten.
Auf dieser Tagung kamen wir überein, vier wesentliche Anstrengungen einzuleiten:
- kurzfristige Maßnahmen, um die unmittelbaren militärischen Probleme
zu bewältigen;
- ein langfristiges Programm, das einen Überblick bietet über die Erfordernisse der NATO auf zehn spezifischen Gebieten;
- eine Ost-West-Studie, um ein besseres Verständnis für die Tendenzen in
Osteuropa und der Sowjetunion, eine Gesamtbeurteilung der Kräfte des Warschauer Paktes und der Auswirkungen auf das NATO-Bündnis zu gewinnen, und
- intensivierte Bemühungen, um die Zusammenarbeit bei der Verteidigungsbeschaffung zu verbessern.
Auf allen vier Gebieten haben wir bereits wesentliche Maßnahmen ergriffen.
Ich war von den Berichten über die kürzliche Tagung des Verteidigungsplanungs-

- 3 -

�Verteidigungsplanungsausschusses und des Nordatlantikrates angetan, und
ich sehe erwartungsvoll dem transatlantischen Dialog über den Rüstungshandel entgegen, den die Unabhängige Europäische Planungsgruppe vorgeschlagen hat.
Zusammen bringen wir das NATO-Bündnis auf einen Kurs, der unsere
gemeinsame Verpflichtung für den Frieden, für ein starkes und lebensfähiges

Bündnis und für die Bewältigung einer jeden Herausforderung unserer

Stärke und unseres Zusammenhaltes in den kommenden Jahren bekräftigen wird.
Die führenden Staatsmänner des Bündnisses werden die Gelegenheit haben,
in diesem Frühjahr die Ergebnisse unserer Anstrengungen auf einem Gipfeltreffen zu überprüfen.
Ich freue mich, meine Einladung an das Bündnis erneuern zu können,
dieses Treffen am 30. und 31. Mai in Washington abzuhalten.
Das Verteidigungsbudget, das ich dem Kongreß noch in diesem Monat unterbreiten werde, wird dem realen Zuwachs unserer Verteidigungsausgaben Rechnung
tragen und die Auswirkungen der Inflation mehr als ausgleichen.
Und was noch wichtiger ist, ein großer Teil dieser Anstrengungen wird
direkt unseren Zielen im Rahmen des langfristigen Verteidigungsprogrammes
entsprechen und die amerikanische Verpflichtung gegenüber dem Bündnis stärken.
Die Anzahl der amerikanischen Soldaten in Europa wird in den nächsten
eineinhalb Jahren um mehr als 8 000 Mann erhöht werden, und wir werden auch
unsere Verstärkungskapazität wesentlich erhöhen.
Wir haben diese Anstrengungen im Namen des Bündnisses gemacht. Wir hoffen,
daß das Bündnis insgesamt mit einem weitreichenden, realistischen und langfristigen Verteidigungsprogramm den Verbesserungen, die wir selbst jetzt in
Angriff nehmen, entsprechen oder sie gar noch übertreffen wird.
Wir werden uns auch

�Wir werden uns auch weiterhin der Doktrin, der Strategie und der Politik
des Bündnisses, einschließlich der Vorneverteidigung und der flexiblen
Antwort verschreiben.
Wir werden mit Ihnen zusammenarbeiten, um die Abschreckung über das
ganze Spektrum der Streitkräfte hinweg - die strategischen, die Gefechts-,
die nuklearen und konventionellen Verbände - aufrechtzuerhalten, sodaß
die Staaten des Warschauer Paktes wissen werden, daß wir alle

geeint

sind in der unbedingten Entschlossenheit zur Verteidigung aller Territorien
der NATO-Mitgliedsstaaten.
Der Wille und die Fähigkeit Amerikas, allen unseren NATO-Verpflichtungen
nachzukommen, die die feste Unterstützung des amerikanischen Volkes finden,
werden nicht erlahmen.
Es gibt aber auch noch andere Aufgaben und Verantwortlichkeiten, vor
die das Bündnis gestellt ist.
Wir haben bisher ein hervorragendes Beispiel für Konsultationen miteinander in Bezug auf einen weiten Bereich von Problemen gegeben. Dies kann und
sollte so fortgesetzt werden, und die Vereinigten Staaten werden ihre NATOVerbündeten in immer stärkerem Maße zu ihren Beratungen hinzuziehen.
In dem Maße, wie die SALT-II-Verhandlungen Fortschritte in Richtung auf
ein Abkommen machen, das - wie wir hoffen - bald Zustandekommen wird, werden
wir unsere Konsultationen mit Ihnen allen intensivieren - in der Erkenntnis,
daß die Beratung den Brennpunkt aller Überlegungen bildet.
Wenn wir über SALT-II hinausgehen, dann werden wir hier breitangelegte
Erörterungen über alle Sicherheitsfragen des Bündnisses führen.
Wir müssen gemeinsam an diese Fragen als Bündnis herangehen und jedes
Problem im Zusammenhang mit unseren Sicherheitserfordernissen insgesamt für

- 5 -

�für die Zeit des nächsten Jahrzehnts beurteilen.
Wir müssen sicherstellen, daß unsere Strategien hinsichtlich der Streitkrä'fteplanung und der Rüstungskontrolle dem gleichen Zweck dienen.
In dem Bemühen um eine Verminderung der Spannungen und um den Aufbau
eines stabileren Friedens sollte das Bündnis auch weiterhin den Gesprächen
über eine beiderseitige und ausgewogene Verminderung der Streitkräfte in
Wien (MBFR) hohe Priorität geben.
Wir glauben, daß unsere Verhandlungsvorschläge zu einer stabileren
militärischen Situation in Mitteleuropa mit verringerten Stärken der Streitkräfte auf beiden Seiten führen werden.
Wir im NATO-BUndnis

sind zur Flexibilität bereit in dem Bemühen um einen

Fortschritt in Richtung auf ein ausgewogenes Ergebnis, das unsere Interessen
schützt.
Aber ein ernsthaftes Interesse, die Verhandlungen zu einem Fortschritt zu
bringen, kann keine einseitige Angelegenheit sein. Wir erwarten von den Staaten
des Warschauer Paktes ein gleiches entschiedenes Eintreten und einen gleichen
Beitrag zu diesem Fortschritt.
Schließlich müssen wir als Verbündete auch weiterhin unsere Stärke auf
anderen Gebieten - den wirtschaftlichen, sozialen und moralischen - ausbauen.
Gerade dann, wenn die Herausforderungen an die Demokratie am größten sind,
müssen unsere Führer am nachdrücklichsten allen nichtdemokratischen Lösungen
widerstehen.
Ich bin in jeder Hinsicht davon überzeugt, daß die Staaten des Bündnisses
und die NATO selbst diesen Aufgaben mehr als gewachsen sein werden.
Ich kehre nach

�Ich kehre nach den Vereinigten Staaten zurück im Vertrauen auf die guten
Aussichten für

eine friedliche Welt, die die Menschenrechte respektiert.

Ich weiß, daß die Sicherheit unseres Bündnisses der Fels ist, auf dem diese
Hoffnung ruht.

+ + + + +

- 7 -

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

AUSFÜHRUNGEN CARTERS VOR DER PRESSE IM NATO-HAUPTQUARTIER

BRÜSSEL - AD - Die Ausführungen Präsident Carters vor der Presse im
NATO-Hauptquartier am 6. Januar 1978 haben folgenden Wortlaut:
Einführung Carters durch NATO-Generalsekretär Luns: "Meine Damen und
Herren, der Präsident!"
"Herr Generalsekretär Luns, das war eine der kürzesten Reden, die Sie
jemals gehalten haben, und ich möchte in fast genau so kurzer Form sagen,
daß das NATO-Bündnis für das amerikanische Volk etwas Kostbares ist. Unser
Engagement für dieses Bündnis findet nahezu einmütige Unterstützung in
unserem Lande.
Ich war zutiefst erfreut

über das wieder wach gewordene Eintreten und

die sichtbare Unterstützung der militärischen Stärke der NATO bei allen Mitgliedern des Bündnisses.
Ich habe einen detaillierten Bericht über den Fortschritt gegeben, den wir
in unseren Verhandlungen mit der Sowjetunion in einem weiten Bereich von Themen

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�Themen machen.
Wir möchten das Ost-West-Verhältnis begreifen und alle möglichen
Spannungen glätten. Unsere Verpflichtung gilt nicht dem Krieg, sie gilt
dem Frieden. Wir glauben, daß die beste Weise, den Frieden und jene Ideale
und bindenden Verpflichtungen

zu erhalten...,von der militärischen

Kapazität abhängig ist, über die wir verfügen. Ich verwies auf das Leid,
das durch unsere Truppen und jene unserer anderen Alliierten in früheren
Kriegen über Europa gekommen ist, und darauf, daß wir dies nie wieder
geschehen lassen dürfen und daß eine enge Unterstützung und ein ständiger
Einsatz für die gemeinsame Verteidigung der beste Weg ist, um weitere
Kriege zu vermeiden.
Ich gab den Botschaftern, dem Generalsekretär und den militärischen
Vertretern einen genauen Bericht über meinen bisherigen Besuch, einen Bericht
über den Fortschritt, der im Nahen Osten bereits erzielt wurde und weiter
erfolgen könnte. Wir sprachen über die wirtschaftliche Stärke unseres
eigenen Landes, die engen Bande, die uns miteinander verbinden - nicht nur
militärisch, sondern auch politisch und wirtschaftlich.
Wir hatten eine Sitzung mit Fragen und Antworten, bei der verschiedene
Botschafter mich auf besondere Punkte des Interesses für die Vereinigten
Staaten hinwiesen und ich auf ihre Äußerungen antwortete. Es war ein sehr
fruchtbarer Gedankenaustau seh,und in knapp zwei Stunden behandelten wir
diese Interessenbereiche, die für uns alle von Bedeutung waren.
Am Ende erklärte ich unseren Verbündeten, die dort vertreten waren, daß
wir nichts vor ihnen zu verbergen hätten. Sie sind Partner in jedem Sinn
des Wortes. Und wir haben unseren Verteidigungsminister, unseren Außerminister
und den Vizepräsidenten - nur wenige Stunden, nachdem ich Präsident geworden war - hierher gesandt,und jetzt bin ich selbst ins NATO-Hauptquartier
gekommen, um unsere Verbündeten wissen zu lassen, daß das Bündnis in der Tat
eng und vertraut und unbelastet ist, und daß sie sich, wenn in Zukunft je eine

- 2 -

�eine Frage über SALT-Verhandlungen, taktische Waffen, Haushaltspläne,
Stärke des Dollar auftauchen sollten - wenn notwendig - nur mit mir direkt
in Verbindung zu setzen brauchten,und sie werden eine sofortige Antwort
erhalten.
Ich denke, daß viele Besorgnisse ausgeräumt werden konnten, und ich
reise von hier ab mit einem starken Gefühl des Vertrauens und einem tiefen
Gefühl der Wertschätzung nicht nur der Stärke, die das Bündnis in der
Vergangenheit zeigte, und der Bindungen, die uns geistig, politisch und
moralisch zusammengehalten haben, sondern auch mit einem Gefühl der Gewißheit
in Bezug auf die Zukunft.

+ + + + +

- 3 -

�1

Dokumentation

I
11. Januar 1978

INTERVIEW PRÄSIDENT CARTERS ZUM ABSCHLUSS SEINER WELTREISE

AN BORD DER AIR FORCE ONE - (AD) - Präsident Jimmy Carter gab zum Abschluß seiner Weltreise am 6. Januar 1978 auf dem Heimflug nach Washington
an Bord seiner Maschine ein längeres Interview, in dem er eine erste umfassende Würdigung seiner Reise versuchte. Der Präsident stellte sich einem
ausgewählten Kreis amerikanischer Medienvertreter: Don Campbell, (Gennett),
Ted Knap, (Scripps-Howard), Phil Smith, (Newhouse), Helen Thomas, (UPI),
James Gerstenzang, (AP), und Bob Schieffer, (CBS).
Das Interview hat im wesentlichen folgenden Wortlaut:

FRAGE: Können Sie uns, Herr Präsident, zu Beginn sagen, wie Sie die
Reise beurteilen und was Sie glauben, erreicht zu haben?
ANTWORT:

Ich wollte das Bild einer Nation zeigen, die für das einsteht,

was recht und anständig und gut ist, die Konzeption der Demokratie in den Entwicklungsländern und in den Industriestaaten stärken und versuchen, einen
Fortschritt bei der Lösung des Streites im Nahen Osten zu erzielen.

Und eine

Sache, die überall zu Tage trat, war ein Ausdruck des Interesses oder der Be-

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�Besorgnis seitens der ausländischen Staatsmänner, wie wir die Energiesituation meistern werden.
Darüber hinaus wollte ich natürlich wenn möglich, die Freunschaft stärken, die in unterschiedlichem Maße bereits zwischen unserem eigenen U n d und
den von uns besuchten Ländern bestand.
Ich bin nie in Indien oder in den von uns besuchten Ländern des Nahen
Ostens gewesen.

Wie gesagt, das waren die vier oder fünf Dinge, an die ich

gedacht habe, und ich glaube, es ist uns ganz gut gelungen.

FRAGE:

Ich weiß, daß das die Dinge waren, die Sie tun wollten, aber

glauben Sie, daß Sie auch das erreicht haben, was Sie wollten?

Was glauben

Sie, haben Sie im einzelnen erreicht?
ANTWORT: Es besteht kein Zweifel, daß die Freundschaft zwischen uns
und Polen, zwischen uns und dem Iran, zwischen uns und Saudi-Arabien, zwischen
uns und Ägypten, zwischen uns und Frankreich und zwischen uns und Belgien gestärkt worden ist. Das haben wir erreicht.
Ich glaube, wir haben auch einigen Fortschritt im Nahen Osten erzielt.
Soweit ich sehen kann, trennen uns beispielsweise keine Meinungsverschiedenheiten von Sadat. Wir haben die gleichen Grundprinzipien bekräftigt, die wir
vor sechs oder acht Monaten den arabischen und israelischen Führern unterbreitet haben. In dieser Hinsicht war die Reise erfolgreich.
Ich habe auch zwei oder drei größere Reden gehalten, eine über die Demokratie und ihre Bedeutung für die Entwicklungsländer in der Welt und eine
über die Bedeutung der Demokratie für die Industrieländer der Welt unter sich
wandelnden Bedingungen. Es ist schwer zu sagen, ob die Reden einen Eindruck
hinterlassen haben oder nicht.
Wir
- 2 -

�Wir haben auch das Bild einer Nation dargestellt, die stark und sicher
und voll Selbstvertrauen ist, die jedoch ihre Stärke nicht unter Beweis zu
stellen braucht, indem sie andere Nationen übervorteilt, die nicht so stark
oder so sicher sind wie wir.
Die persönlichen Beziehungen, die sich zwischen mir und den ausländischen
Staatsmännern entwickelten, waren sehr befriedigend.
Ich möchte sagen, der gefühlsbetonteste Tag war gestern, der Besuch in
der Normandie und der Empfang durch die Bevölkerung in Bayeux und die Reaktion der französischen Bevölkerung an den Straßen von Paris, sowie die gewaltige Menschenmenge gestern abend vor dem Schloß von Versailles.

Ich war da-

von sehr tief bewegt.

FRAGE:

Einige male haben Sie, wie wir meinen, recht müde ausgesehen,

aber viele von uns waren völlig erschöpft.

Was ich gerne wissen möchte ist,

wie Sie das alles physisch durchgehalten haben und wie Sie die Zeitverschiebungen vertragen haben, ob Sie nicht rückblickend doch meinen, daß der Reiseablauf ein wenig zu hektisch war und ob Sie bei künftigen Auslandsreisen
nicht vielleicht doch Ihrem Stab sagen werden, bei der Planung einer Reise
die Dinge etwas langsamer anzugehen?
ANTWORT:
ich müde bin.

Ich möchte ganz offen sagen, heute ist der erste Tag an dem
Auf der übrigen Reise habe ich mich völlig ausgeruht und ent-

spannt und keineswegs gedrängt gefühlt.

Ich habe sogar mehr Schlaf pro

Nacht gehabt als ich normalerweise in Washington habe.
ich um 5, 5,30 oder 6 Uhr morgens auf.

Im allgemeinen stehe

Ich habe länger geschlafen als sonst.

Gestern abend ist es allerdings etwas spät geworden, vielleicht eine Stunde
später als vorgesehen.
war.

Heute war der erste Tag, an dem ich wirklich müde

Das war bei dem NATO-Treffen.
Ich
- 3 -

�Ich glaube eine

der Hauptü'berlegungen - und das können Sie ruhig

schreiben,wenn Sie wollen - ist, wie die übrige Begleitung und die Presse
von der Reise mitgenommen wurden.

Für mich wird immer gesorgt.

Wenn ich

irgendwo hinkomme, dann kann ich schon 20 Minuten nach einer großen Rede
zu Bett gehen und bis zum nächsten morgen schlafen.

Sie müssen Ihre Berichte

absetzen und am nächsten morgen wieder bereitstehen.

Ich glaube daß wir die-

sen Faktor in Zukunft berücksichtigen müssen.

FRAGE:

Glauben Sie, daß es ein paar Pannen gab - ich glaube das ist

das richtige Wort?
ANTWORT:

FRAGE:

Ja, die gab es.

Die Übersetzung in Polen, das eingeschaltete Mikrofon in Neu

Delhi - hat das für Sie irgendwelche Probleme im Umgang mit den führenden
Persönlichkeiten gebracht, oder wird das irgendein bleibendes Problem in
den Beziehungen mit diesen Ländern schaffen?
ANTWORT:

Beides war natürlich unbeabsichtigt.

meine, nachher eine sehr hübsche Erklärung abgegeben:

Gierek hat, wie ich
"In Polen", so sagte

er, "kritisieren wir Frauen oder Übersetzer nicht".
Das war das erste Mal, daß ich mit Gierek zusammengetroffen bin, und
wir hatten nachher eine sehr gute persönliche Beziehung. Er hat sich niemals
dazu geäußert, außer daß er lächelte und sagte "Nun, es war ein etwas veraltetes Polnisch und es hatte einen russischen Einschlag." Aber ich glaube
nicht, daß das irgendwelche bleibende Auswirkungen hatte.
Ich habe die Presseberichte über die Erklärungen der indischen Führer
gelesen nachdem wir abgereist waren, und ich glaube, vielleicht sagen zu
dürfen, ohne übertrieben optimistisch zu sein, daß es mir und Desai wohl geholfen hat. Ich war sehr unverblühmt hinsichtlich unseres Nonproliferations-

�Nonproliferationsprogramms, wie ich meine, und habe sehr offen und deutlich zum Ausdruck gebracht, daß der Kongreß mit meiner Billigung wahrscheinlich verschärfte Bestimmungen für Brennstofflieferungen in der Zukunft verabschieden werde.

Und ich wollte ihn mindestens schon 18 Monate vorher wis-

sen lassen, daß dies auch Indien betreffen würde.

Er und ich haben hinterher ohne Zorn und Eifer unsere Witze darüber gemacht.

Und nach unserer Abreise wurde in der Presse berichtet, daß es ein

sehr konstruktiver Besuch gewesen sei.

Ich glaube, es zeigte sich, daß Desai, wie ich bereits erwähnt habe,
hart auf dem indischen Standpunkt beharrte.

Wir versuchten eine Lösung

dieses potentiellen Konflikts zwischen den internationalen Sicherungen der
Produktion von Kernkraft und einer ausreichenden Brennstoffversorgung zu finden.

Eine Möglichkeit, die man prüfen kann, ist die, daß wir und die Sowjets

und die Briten einen Vertrag über ein umfassendes Versuchsverbot abschließen
und daß dies für Desai ein ausreichender neuer Faktor ist, um umfassende
Sicherungen zu akzeptieren, ohne daß er die Grundsätze der Autonomie und der
Unabhängigkeit zu verletzen braucht.

Ich bedaure jedoch, daß die Sache mit dem eingeschalteten Mikrofon
passiert ist.

Darüber will ich Sie nicht hinwegtäuschen.

Zwischen mir und

Desai war es immer eine Sache des Humors und der freundlichen Aufnahme.

Ich

glaube jeder, der ihn und mich aus der Nähe beobachtet hat, konnte erkennen,
daß ein echtes Gefühl der gegenseitigen Achtung bestand.

FRAGE:

ANTWORT:

Darf ich eine Frage anknüpfen?

Es war auf jeden Fall ein Fehler.

FRAGE:

�FRAGE:

Ja, es war wahrscheinlich ein Fehler, aber war es ein Fehler

wegen der Art und Weise wie die Presse reagiert hat oder war es ein Fehler
Ihrerseits?
ANTWORT:

Es war ein Fehler meinerseits.

Ich hätte sagen sollen, "ein

sehr offenes und sachliches Schreiben", und nicht "ein grobes und kaltes
Schreiben".

Aber über was ich mit Cy Vance gesprochen habe - es lag auf der

Hand, daß ich keine Abneigung gegen Desai hegte - war ein kaltes technisches
Thema, und es sollte den Indern unmissverständlich klar gemacht werden, damit
sie wissen, was sie nach 18 Monaten, nach der Verabschiedung des Gesetzes
zu erwarten haben.

FRAGE:

Herr Präsident, ich möchte nicht auf der Nah-Ost-Episode herum-

hacken,aber sie hat sicher die Reise in vielfacher Weise überschattet, denn
die Entwicklungen gingen weiter - aber es hat meine Neugier erregt, daß Sadat
erklärte, daß sie übereinstimmende Auffassungen hätten, und Sie selbst erklärten, sie schienen keine unterschiedlichen Meinungen zu haben - und Sadat
hat Meinungsverschiedenheiten mit Begin - wie stehen Sie damit zu Begin?
ANTWORT: Ich habe die Presseberichte nach meiner Erklärung in Assuan
gelesen, und Begin hat das gebilligt, was ich gesagt hatte. Es besteht ein
ziemlich gutes übereinkommen zwischen Begin und Sadat über Fragen hinsichtlich der Definition des Friedens.
Sadat hat mir, als er im April in Washington mit mir zusammentraf, das
gesagt und mir die drei Grundprinzipien dargelegt. Das eine war völliger
Friede zwischen Ägypten und Israel, offene Grenzen, diplomatische Anerkennung,
Austausch von Botschaftern, freier Handel, Austausch von Touristen und Studenten und kultureller Austausch. Und er erklärte mir, daß dies zu seinen Lebzeiten nie eintreten werde, was ich bezweifelte. Das hat er mir im April
gesagt.
Er

�Er erklärte mir an jenem Tag in Assuan, daß er völlig unrecht gehabt
habe, daß er in Israel nicht nur gut aufgenommen worden sei, sondern daß er
bei seiner Rückkehr nach Ägypten auch als Held gefeiert worden sei; daß die
israelischen Verhandlungsführer, als sie nach Kairo kamen, umarmt worden
seien und die Ägypter geweint hätten.

Und er sagte mir:

"Mein Volk war

mir weit voraus, und was Sie mir im April vorgeschlagen hatten und ich damals
nie für möglich hielt, hat sich bereits als möglich erwiesen."

Das ist ein

Aspekt.
Der Abzug der israelischen Streitkräfte vom Westufer des Jordan (West
Bank) mit geringfügigen Ausnahmen an der westlichen Grenze ist ein Prinzip»
das er bereits im Februar oder März offensichtlich verkündet hat. Ich halte
das noch immer für einen akzeptablen Vorschlag für die Araber, obwohl ich
nicht damit rechne, daß sie ihm öffentlich beipflichten, da er praktisch den
Erklärungen in Rabat zuwiderläuft. Sie sind offensichtlich in der Lage und
gewillt, für sich selbst zu sprechen. Aber darüber haben wir uns keine
Illusionen gemacht.
Die andere Frage, die Lösung des Palästinenser-Problems, kann, so meine
ich, durch eine Interimslösung im Sinne einer gemeinsamen Verwaltung beigelegt werden.

Ich möchte hier nichts Definitives sagen, aber es gibt Möglich-

keiten, die Israel, Jordanien, das Westufer, den Gaza-Streifen, die Palästinenser und vielleicht die Vereinten Nationen für

gewisse Zeitspannen ein-

schließen, speziell der Zeit vorausgreifende Formen, und dann das Recht der
Palästinenser, über ihre eigene Zukunft zu entscheiden, ob sie diese Art der
Administration fortsetzen oder sich Jordanien anschließen wollen - das alles
sind Grundsätze, die wir schon vor acht Monaten begonnen haben, sehr klar,
auch schriftlich, darzulegen.
Das Problem wird also im Detail liegen.

Aber was die Grundsatzerklärung

angeht, so sind mir keine Meinungsverschiedenheiten zwischen Begin und Sadat
bekannt.
FRAGE:
- 7 -

�FRAGE:
ANTWORT:

Bezeichnen Sie das als Selbstbestimmung?
Ich habe niemals geglaubt und glaube es auch heute nicht, daß

es für uns, für die Länder des Nahen Ostens oder für die Welt ratsam wäre, eine
unabhängige palästinensische Nation zu haben, die zwischen Israel und Jordanien
liegt.

Ich glaube, das wäre ein Ziel für die Subversion.

Ich glaube, dort

würde ein konzentrierter Einfluß durch einige der radikaleren Führer der Welt
geltend gemacht.

Und ich meine, daß ein palästinensisches Gebiet oder Heimat-

land zumindest in eine sehr starke Förderation oder Konföderation

mit Jorda-

nien eingebunden sein müßte.
Aber ich möchte hier sagen, daß das die Lösung wäre, die wir vorziehen.
Wenn Israel und Jordanien und die Palästinenser und Ägypter etwas anderes
ausarbeiten sollten, hätten wir nichts dagegen.

Aber das ist unser Standpunkt.

Wir haben es von Anfang meiner Administration an den Israelis und den Arabern
ganz klargemacht, daß das die Lösung ist, die wir vorziehen.

FRAGE: Ich frage mich, ob es während der letzten neun Tage irgendwelche
unerwarteten Verluste oder Gewinne gab?
ANTWORT:

Das ist schwer zu sagen.

tiver Analytiker.

Ich bin in diesem Fall kein objek-

Aber ich hatte den Eindruck, daß der Fortschritt, den wir

mit Indien machten, außerordentlich war.

FRAGE:
ANTWORT:

Auf welchem spezifischen Gebiet?
Es besteht kein Zweifel, daß unter Mrs. Gandhi die Ausrich-

tung Indiens - das geschichtlich unser Freund gewesen ist - von uns weg, wohl
auf die Sowjets zu lief.
Ich

�Ich hatte das Gefühl, daß Desai und seine Regierung auf eine völlig
neutrale oder blockfreie Position zurückgekehrt sind.

Es herrschte ein ech-

tes Gefühl der Vereinbarkeit und Freundschaft auf der Grundlage tiefer religiöser Überzeugungen, eine Verpflichtung zur Demokratie und zum Grundsatz
der Menschenrechte.

Das war für mich sehr ermutigend.

Es war mehr als ich erwartet hatte.

Ich möchte mich nicht selbst ana-

lysieren, aber die französischen Nachrichtenmedien haben erklärt, daß wir in
den letzten hundert Jahren niemals ein besseres Verhältnis zu Frankreich gehabt haben, als wir es heute haben.
sehr verbunden.

Ich fühle mich mit Giscard d'Estaing

Ich glaube, die überströmenden Gefühls- und Freunschaftsbe-

zeugungen der Franzosen uns gegenüber und die gewaltigen Massen, die sich in
den Straßen von Paris versammelt hatten, das war,wie Giscard d'Estaing sagte,
eine ganz seltene Angelegenheit.

Die Franzosen sind ausländischen Besuchern gegenüber fast genauso blase,
wie die Leute in Washington, da es sich um einen solchen Sammelpunkt von
diplomatischen Besuchern handelt.

Aber ich glaube, es handelte sich um einen

sehr guten Ausdruck der Freundschaft.

Wie ich schon früher gesagt habe, war der Ausdruck der Gemeinsamkeit
der geschichtlichen Erinnerungen am Strand in der Normandie (Omaha) gestern
etwas, was man sich nicht im voraus vorstellen kann und was man sich nicht
ausdenken kann.

Ich glaube das war ganz und gar echt.

Das sind einige der

Dinge, die mich beeindruckt haben.

Der Besuch meiner Frau Rosalynn und Dr. Brzezinskis bei Kardinal Wyszynski
zeigte, daß es in der polnischen Gesellschaft einen Pluralismus gibt, wie er
in einem osteuropäischen Land nicht häufig anerkannt wird.

Es liegt auf der Hand, daß was ihren Einfluß auf den Geist und die Herzen und die Zukunft des polnischen Volkes angeht, es eine Gemeinsamkeit zwischen einem großen religiösen Führer und dem politischen Führer gibt.
Privat
- 9 -

�Privat haben sie ihre Bewunderung füreinander zum Ausdruck gebracht.
Ich glaube, das ist eine gute und eine eigentlich erfreuliche Überraschung
bei den Nationen hinter dem Eisernen Vorhang.
Ich glaube der Vorhang wird gelüftet.
Schritt vorwärts.

Ich glaube, es ist ein guter

Wir haben heute eine weitere richtige Handlung vorgenom-

men, in dem wir Ungarn die Krone zurückgegeben haben.

Wir versuchen nicht,

einen Keil zwischen diese Nationen des Warschauer Pakts und die Sowjetunion
zu treiben.

Aber wir versuchen sie dazu zu bringen, uns als Freunde zu be-

trachten, die Frieden wollen, die das schreckliche Leiden anerkennen, das
sie erdulden mußten, und die eine Basis für die Freundschaft und den Handel
mit dem gegenseitigen Austausch aufbauen.
Wir unterzeichneten ein Nuklearabkommen mit den Persern, das Milliarden
von Dollar an Handel für die amerikanische Industrie bringen wird, viele
Arbeitsplätze für Amerikaner bringen wird und unsere Nonproliferationspolitik
in keiner Weise verletzen wird.
Es gab also einige Dinge, die wir wirklich nicht vorher auf die Tagesordnung gesetzt hatten, und die dann eintrafen.

Aber es fällt mir schwer,

das alles objektiv zu beurteilen.

FRAGE:

Wie sieht es mit irgendwelchen negativen Aspekten aus?

Wurden

Sie von irgend etwas überrascht, was nicht so gut lief, wie Sie es sich vorgestellt hatten?
ANTWORT:

Nein, ich kann mich an nichts derartiges erinnern, aber viel-

leicht Sie? ...

FRAGE:
Fragen:

Im Zusammenhang mit Ihren Äußerungen über Polen habe ich zwei

Die eine ist, warum haben Sie selbst Kardinal Wyszynski nicht auf- 10 -

�aufgesucht, und haben Sie sich in irgendeiner Weise bemüht, Herrn Gierek
vorzuschlagen, daß er Dissidenten-Journalisten zu ihrer Pressekonferenz
zulassen sollte?

ANTWORT:
sein solle.
troffen.
äußern.

Ja, wir haben vorher ersucht, daß die Pressekonferenz offen
Es war nun einmal sein Land,und er hat diese Entscheidung ge-

Ich habe die Entscheidung getroffen, mich dazu öffentlich zu
Wir haben, davon gehe ich aus, die Entscheidung getroffen, daß

meine Stellungnahme in den polnischen Zeitungen und an diesem Abend auch
im Fernsehen frei publiziert werden solle.

Wir haben Kardinal Wyszynski eingeladen,zu mir zu kommen und sich mit
mir zu treffen.

Aber er erklärte, daß es für einen Kardinal nicht angebracht

sei, zu mir zu kommen und mir seine Reverenz zu erweisen.

Wir hielten es

also, im letzten Moment möchte ich sagen, für eine gute Lösung für Rosalynn
und Dr. Brzezinski hinzugehen, die Kardinal Wyszynski ohnehin sehen wollten.

Ich schrieb ihm eine private Botschaft,und er schrieb mir eine kleine
Notiz und es war eine für beide Seiten nutzbringende Angelegenheit.

Aber

ich glaube, der Kontakt zu ihm durch Dr. Brzezinski und Rosalynn war ausreichend.

FRAGE:

Herr Präsident, können Sie vielleicht etwas genauer sagen -

aber vielleicht möchten Sie es nicht - was Sie meinen, wenn Sie davon sprechen,
daß die Palästinenser das Recht haben sollen, an ihrer eigenen Selbstbestimmung mitzuwirken?

ANTWORT:

Ich möchte hier wirklich nicht mehr ins Detail gehen, wie das

Verfahren im einzelnen aussehen soll.
in Jerusalem zusammentreffen,

Dajan und Kaamel werden am 15. Januar

Außenminister Vance wird auch dort sein.

wird seine guten Dienste anbieten.

Er

Ich selbst würde es vorziehen, daß die

- 11 -

�die Israelis und die Ägypter dieses Interimsverfahren mit einer abschließenden Volksabstimmung selbst aushandeln.
promiß zwischen ihnen zu finden.

Wir werden versuchen, einen Kom-

Ich meine, wenn es uns gelingt, eine Reihe

akzeptabler Grundsätze zu entwickeln, dann wäre es für König Hussein und vielleicht später auch für die Syrer sehr viel leichter, sich an den Gesprächen
zu beteiligen.

Ich habe nicht versucht, König Hussein zu überreden, sich

jetzt zu beteiligen.
Ich bin der Meinung,und er ist auch der Meinung, daß Sadat den arabischen
Standpunkt in ausreichendem Maße repräsentiert. Ich meine, daß Sadat in fast
einzigartiger Weise nicht nur das Vertrauen seines eigenen Volkes und der übrigen Welt hat, sondern in beträchtlichem Maße auch das Vertrauen der israelischen Bürger.
So sind wir derzeit alle der Auffassung, daß Hussein sich aus den direkten Verhandlungen heraushalten sollte, bis Sadat ausdrücklich um seine Beteiligung ersucht. Der Schah wird die Dinge unterstützen; die Saudis waren sehr
optimistisch hinsichtlich der Zukunft, und Hussein und wir sind völlig einer
Meinung.
Ich meine also, daß die gegenwärtige Situation ganz gut ist. Wie jedoch
die Abstimmung genau ablaufen soll

oder wann oder welche Optionen den Pa-

lästinensern angeboten werden könnten, möchte ich nicht sagen.

Ich weiß es

nicht.

FRAGE: Darf ich Sie auch fragen, ob Sie glauben, daß Sadats Position
gegenüber den harten Kritikern aus der arabischen Welt durch Ihren Besuch
verbessert wurde?
ANTWORT: Ich glaube nicht, daß ich gegen die Vertraulichkeit verstoße,
wenn ich sage, daß alle arabischen Führer, mit denen ich zusammenkam,erklärten, daß sie Sadat einstimmig unterstützen. Was Syrien denkt, kann ich nicht

�nicht genau sagen.

Ich habe nicht mit Assad gesprochen, aber die Einstellung

des Irak und Libyens und der radikalerer Araber liegt auf der Hand.
len nicht, daß Frieden herrscht.
kommt.

Sie wol-

Sie wollen nicht, daß es zu einer Lösung

Sie wollen nicht, daß die Genfer Konferenz zu einem Abschluß kommt.

Und viele von ihnen haben noch immer als einzige Zielsetzung die Zerstörung
Israels.
Ich glaube nicht, daß Assad oder König Hussein oder Sadat oder die Saudis
- also die,mit denen ich gesprochen habe - in irgendeiner Form so denken.
Ich glaube,sie alle sind absolut bereit, Israel jetzt als bleibendes Gebiet
im Nahen Osten zu akzeptieren und mit ihm in Frieden zu leben.

FRAGE:

Herr Präsident, bevor wir die Reise antraten haben Sie erklärt,

Sie würden über die Menschenrechte sprechen,und Sie haben, so glaube ich,
überall davon gesprochen.
ANTWORT:

FRAGE:

Ja.

Aber seit wir in Polen waren, wo Sie über Giereks Verpflichtung

Ihnen gegenüber hinsichtlich der Auswanderungsrechte gesprochen haben, erhielten wir, so glaube ich, von Ihnen keine näheren Informationen mehr, daß irgendeiner der Führer Ihnen irgendein
geben hätte.
Iran.

Antwort auf Ihren eigenen Standpunkt ge-

Gibt es da etwas Spezifisches?

Ich denke da vor allem an den

Hat es irgendwelche Konzessionen gegeben, von denen wir noch nichts

gehört haben?
Antwort:

Nein, offensichtlich streben wir ja keine Konzessionen in

den Menschenrechten in Belgien, Ägypten oder Frankreich an. Im Iran haben der
Schah und ich allumfassende Gespräche über die Menschenrechte geführt.
bin nicht geneigt, über das vertrauliche Gespräch zu reden.
- 13 -

Ich

Aber die Grund-

�Grundfrage im Iran ist das bestehende Gesetz, das die kommunistischen Parteien
verbietet und den Kommunismus verbietet - ein Gesetz, das den Gesetzen sehr
ähnlich ist, die wir in der Vergangenheit selbst sehr regoros durchgesetzt haben.

Hier liegt die Grundlage des Problems.
Aber dem Schah sind die Menschenrechte ein sehr tiefes Anliegen, und

ich habe die Menschenrechte auch in meiner Erklärung im Iran erwähnt.

Aber

wir haben im Iran auf vielfältige Weise - durch die Gewährung der Rechte für
Frauen, die Aufnahme ungleichartiger religiöser und rassischer Gruppen im Iran
- sehr schöne Fortschritte gemacht, so möchte ich sagen, die in etwa dem entsprechen, was wir in den letzten 20 Jahren in den USA geleistet haben ...

FRAGE:

War die Reise zum Teil symbolisch? ...

ANTWORT: ... Die Reise war symbolisch. Es ist ein sehr sicheres und beruhigendes Gefühl, etwas zu repräsentieren, das ich für die größte Nation der
Erde halte. Wir haben keine Schwäche, die es nach meiner Meinung nach von
mir verlangen würde, künstlich unsere Stärke unter Beweis zu stellen. Wir
haben nach meiner Auffassung keinen Bedarf, der es von mir verlangen würde,
jemand anderen zu übervorteilen, um unseren Bedarf zu decken. Wir hegen
kein Gefühl der Überlegenheit oder der Beherrschung über die anderen Nationen,
die wir besucht haben. Wir behandeln sie echt als Partner, als Volk mit dem
wir in der Zukunft noch enger befreundet sein möchten.
Es war also eine Reise, die symbolisch war für die Macht und den Einfluß
und den guten Willen der Vereinigten Staaten.

Ich habe überall, wo ich hin-

kam, versucht, die Konzeption der Moral und des Anstandes und der Güte und der
Freundschaft und der Menschenrechte zu unterstreichen.

Ich fühle mich also

unter keinerlei unbequemem Zwang, etwas beweisen zu müssen, was unsere Nation
nach meiner Meinung wirklich nicht repräsentiert.
Reise symbolisch.

In diesem Sinne war die

Sie symbolisierte,was Amerika ist und was Amerika sein

möchte ...
+ + + + +

�Dokumentation
United States Information Service

11. Januar 1978

ERKLÄRUNG CARTERS NACH SEINER RÜCKKEHR IN DIE USA

WASHINGTON - AD - Nach seiner Rückkehr in die USA gab Präsident Jimmy
Carter am 6. Januar 1978 abends (Ortszeit) auf dem Rasen vor dem Weißen
Haus folgende Erklärung ab:
Als ich vor eineinhalb Wochen hier an dieser Stelle stand, da sprach
ich im Hinblick auf meine Reise von einigen Dingen, die mir bedeutsam erschienen: von raschen Veränderungen, der Vielfalt unter den Völkern der
Welt, der Führungsrolle Amerikas, von Freiheit, Freundschaft und den Menschenrechten. Nachdem ich nun diese Länder besucht habe, ist mir der Sinn dessen,
was diese Worte wirklich bedeuten, viel klarer geworden.
Ich möchte hier jetzt nicht in Einzelheiten gehen, weil die Zeit dafür
zu kurz ist, aber mir stehen doch einige Dinge deutlich vor Augen, die meine
Gefühle deutlich machen, wo ich jetzt in mein von mir so geliebtes Land zurückkehre.
Da ist der Besuch in Warschau - die Länder des Warschauer Paktes liegen
auf der anderen Seite des Eisernen Vorhanges, der jetzt - und ich hoffe für

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�für immer - gelüftet wird.
Ich habe denen meine Reverenz erwiesen, die dort getötet wurden; es
gab vier Millionen Juden in Polen vor dem Krieg. Jetzt sind es weniger als
hunderttausend. Warschau hatte 1,2 Millionen Einwohner; 800 000 von ihnen
wurden getötet. Sechs Millionen Polen verloren ihr Leben. Rund 20 Millionen
Russen starben im Zweiten Weltkrieg.
Und ich habe jetzt auch ein viel klareres Gefühl, daß die kommunistischen
Länder, die wir manchmal als Gegner ansehen, den Krieg vermeiden und den
Frieden haben wollen, sn wie wir dies wollen. Und daß wir alle Anstrengungen
machen müssen, um nach gemeinsamen Dingen zu suchen, um einander zu verstehen
und gut miteinander auszukommen.
Indien mit seinen etwa 700 Millionen Menschen, die größte Demokratie
der Erde, hat einen tiefen Eindruck auf mich gemacht.
Ich besuchte das Grabmal Gandhis, wo sein Leichnam verbrannt wurde, und
dachte daran, wie dieser Mann ohne Armee, ohne Fernsehen, ohne politische
Organisation, ohne Haus

dieses Land umformen konnte, indem er von Dorf zu

Dorf ging, weil er ein unveränderliches Ideal vor Augen hatte und weil er
wollte, daß das indische Volk das Recht habe, seine Religion auszuüben unj
seine eigenen Führer zu wählen.
Und wir besuchten ein kleines Dorf, das dem glich, in dem meine Mutter
zwei Jahre lang gelebt hat, ein Dorf der Armut. Die Menschen, die dort leben,
verdienen in einen Jahr nicht so viel, wie der durchschnittliche amerikanische
Arbeiter in einer Woche verdient. Aber wir wurden dort mit offenen Armen aufgenommen, und es war selbst dort ein natürlicher Ausdruck der Freundschaft zu
spüren und ein Ausdruck des Dankes für das, wofür unser Land eintritt.
Ferner besuchte ich König Hussein und König Khaled und den Schah von
Persien und machte Zwischenstation in Assuan, wo ich mit einen echten Gefühl

- 2 -

�Gefühl

der Wertschätzung einen der tapfersten Männer auf dieser Erde,

Anwar Sadat, in die Arme schloß.
Dann reiste ich nach Frankreich, wo ich gestern wohl einen der schönsten
Tage meines Lebens erlebte: der Ausdruck der Freundschaft, die uns und
unserem Lande auf den Straßen von Paris entgegenschlug, die Menschen in dem
kleinen Ort Bayeux, der ersten Stadt, die befreit wurde, als die Kräfte der
Freiheit nach Europa zurückkehrten; und dann stand ich am Strande der Normandie,
wo in wenigen Stunden im Raum von Onaha Beach 2 000 Menschen ihr Leben gaben,
und ich sah eine große amerikanische Flagge und eine große Trikolore über
den Gräbern von mehr als 9 300 Amerikaner, die für die Freiheit Frankreichs
und Europas und für unsere eigenen Freiheit starben - dies alles war ein
großes Erlebnis für mich.
Ich habe viel gelernt. Wir wurden mit offenen Armen und mit Freundschaft
empfangen - selbst von den Nationen, die in der Vergangenheit uns gegenüber
etwas kühl waren - und ich konnte klar erkennen, was die Vereinigten Staaten
von Amerika für diese Völker bedeuten.
Wenn wir aufrichtig und bescheiden auftreten, erfüllt es sie mit Freude.
Wenn wir ehrlich sind, fühlen sie sich erleichtert. Wenn wir stark sind, werden
sie geschützt, und wenn wir die Hand der Freundschaft ausstrecken, dann wird
sie mit Freuden ergriffen.
Ich war stolz auf die Freundschaft, die uns zuteil wurde und auf die
Freundschaft, die wir gaben; aber zu jeder Zeit war ich noch stolzer auf das
Volk, das ich vertrete.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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              <text>Die Weltreise Präsident Jimmy Carters vom 29. Dezember 1977 bis 6. Januar 1978</text>
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              <text>&lt;strong&gt;&lt;span style="text-decoration: underline;"&gt;Die Weltreise Präsident Jimmy Carters vom 29. Dezember 1977 bis 6. Januar 1978&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Jimmy Carters vor seinem Abflug zur Weltreise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(29. Dezember 1977)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters bei seiner Ankunft in Polen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(29. Dezember 1977)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut des gemeinsamen amerikanisch-polnischen Kommuniques&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(30. Dezember 1977)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ankunftserklärung Präsident Carters in Teheran &lt;br /&gt;&lt;em&gt;(31. Dezember 1977)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters bei seiner Ankunft in Indien&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(1. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Carters vor dem indischen Parlament &lt;br /&gt;&lt;em&gt;(2. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deklaration von Delhi&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(3. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Carters anlässlich der Unterzeichnung der Deklaration von Delhi&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(3. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ankunftserklärung Präsident Carters in Saudi-Arabien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(3. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Carters nach dem Treffen mit Präsident Sadat&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(4. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ankunftserklärung Präsident Carters auf dem Pariser Flughafen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(4. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Carters in Paris&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(4. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Carters in der Normandie&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(5. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters in Bayeux&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(5. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters vor dem Abflug aus Paris&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(6. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ankunftserklärung Präsident Carters in Brüssel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(6. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters anlässlich des Besuches bei der EG&lt;br /&gt;(6. Januar 1978)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Carters vor dem Nordatlantikrat&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(6. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ausführungen Carters vor der Presse im NATO-Hauptquartier&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(6. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Interview Präsident Carters zum Abschluss seiner Weltreise&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(6. Januar 1978)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Carters nach seiner Rückkehr in die USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(6. Januar 1978)&lt;/em&gt;</text>
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