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3
I

Information
und
Dokumentation

1

United States Information Service

4. Januar 1978

INHALT

INFORMATION

Carter nominiert G. William Miller zum Präsidenten des amerikanischen
Zentralbankrates

WIRTSCHAFT
US-Bundesbankmitglied zum Donarkurs
US-Wirtschaft geht mit verhaltenem Optimismus in das neue Jahr
Von unserem Korrespondenten Jon Schaffer

HINTERGRUNDMATERIAL
Neuer US-Verteidigungshaushalt mit realem Wachstum
- Amerika will NATO-Beitrag verstärken Von unserem Korrespondenten Hugh 0. Muir

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Information

I

United States Information Service

4. Januar 1978

CARTER NOMINIERT G. WILLIAM MILLER
ZUM PRÄSIDENTEN DES AMERIKANISCHEN ZENTRALBANKRATES

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat den amerikanischen Geschäftsmann G. William Miller zum neuen Präsidenten des amerikanischen Zentralbankrates (Bundesbankpräsidenten) nominiert.
Wenn der amerikanische Senat seine Nominierung bestätigt, wird der 52jährige Miller den bisherigen langjährigen Bundesbankpräsidenten Dr. Arthur
Burns, von seinem Posten ablösen.
Der 72jährige bisherige Chef der amerikanischen Notenbank, Dr. Burns,
der sowohl in der amerikanischen Geschäftswelt als auch in internationalen
Wirtschafts- und Finanzkreisen hohes Ansehen als Garant für eine verantwortungsbewußte Fiskalpolitik genießt, bezeichnete die von Carter getroffene
Wahl als "weise und gut" und würdigte die "moralische Integrität und Charakterfestigkeit" seines vorgesehenen Nachfolgers als wichtige Voraussetzungen
für die mit diesem verantwortungsvollen Amt gestellten Aufgaben.
Miller

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�I

Miller erklärte vor der Presse, er werde bemüht sein, die von Burns
eingeschlagene Politik fortzuführen und sie den sich wandelnden wirtschaftr
liehen Verhältnissen anzupassen.

Er glaube, daß es möglich sein werde, die,

Probleme der Inflation und der Arbeitslosigkeit gleichzeitig anzugehen.
Damit steht Miller der Position des amerikanischen Präsidenten etwas näher
als Burns.
G. William Miller ist Präsident der "Textron Inc.",eines Mischkonzerns,
der seinen Hauptsitz in Providence (Rhode Island) hat und 280 Betriebe und
Fabrikanlagen in den Vereinigten Staaten und im Ausland umfaßt.

"Textron"

beschäftigt 65 000 Personen und hatte im Jahre 1976 einen Umsatz von 2,6
Milliarden Dollar.
Gleichzeitig bekleidet Miller den Posten des Direktors der Landeszentral •"
bank von Boston und ist Vorsitzender der Nationalen Unternehmervereinigung.
Miller stammt aus Oklahoma.

Er wurde am 9, März 1925 in Sapulpa gebo-

ren, studierte an der Akademie der amerikanischen Küstenwache und diente als
Offizier im Pazifik und Fernost.
Im Jahre 1952 schloß er sein juristisches Studium an der Universität von
Kalifornien ab und arbeitete anschließend als Anwalt in New York.
Im Juni 1960 wurde Miller zum Präsidenten des "Textron"-Konzerns gewählt
und übernahm 1968 in diesem Konzern den Posten des Generaldirektors; im Jahre
1974 wählte man ihn zum Aufsichtsratsvorsitzenden.
Miller ist außerdem Ko-Vorsitzender im amerikanisch-sowjetischen Handelsund Wirtschaftsrat und im polnisch-amerikanischen Wirtschaftsrat und führte
seit 1977 den Vorsitz im Industrie-Beratungskomitee des Präsidialausschusses
für Chancengleichheit am Arbeitsplatz.
+ + + + +

- 2 -

�I

Wirt/choM

I

United States Information Service

4. Januar 1978

US-BUNDESBANKMITGLIED ZUM DOLLARKURS

Henry C. Wallich, Mitglied des Zentralrates der amerikanischen Bundesbank
(U.S. Federal Reserve System) und bekannter Wirtschaftler, hat in einer Rede
vor dem Amerikanischen Wirtschaftsverband
und dem Amerikanischen Finanzverband am
28. Dezember 1977 in New York zu der Kursentwicklung des US-Dollars Stellung genommen. Seine Ausführungen haben folgenden
Wortlaut:

Wenn wir an der Schwelle des neuen Jahres auf 1977 zurückblicken und
überlegen, wie es 1978 voraussichtlich weitergehen wird, erfüllt uns die Tatsache mit einiger Genugtuung, daß wir Fortschritte gemacht haben und daß die
Aussichten gut sind.

Im internationalen Vergleich schnitten die Vereinigten

Staaten 1977 gut ab, und sie dürften ihre Position 1978 halten.
hen wir uns vor ernste Aufgaben gestellt.

Dennoch se-

Im eigenen Land liegen die In-

flations- und Arbeitslosenraten trotz eines an sich ausreichenden Wirtschaftswachstums nach wie vor außerordentlich hoch.

Wichtige Anpassungen stehen

noch aus - so beispielsweise auf dem Energiesektor.

Was die Außenwirtschaft

angeht, sind wir mit einem sehr großen Defizit in der Bilanz der laufenden
Posten bei einem gleichzeitig erheblichen Verfall des Dollarkurses konfron-

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�konfrontiert. Das alles sind Probleme, derer wir eingedenk bleiben müssen,
wenn wir uns den Aktiva in der Jahresbilanz zuwenden.
Die amerikanische Wirtschaft operiert im Rahmen eines Wechselkurssystems, das auf dem internationalen Einverständnis basiert, daß das Niveau
und die Veränderungen der Wechselkurse von den beherrschenden wirtschaftlichen und finanziellen Faktoren bestimmt werden.

Nach meinem Dafürhalten

ist dies langfristig nicht lediglich eine Richtschnur für die Devisenmarktpolitik, sondern ein einfaches wirtschaftliches Gebot.

Unrealistische Wech-

selkurse lassen sich in einer Welt, in der die Ströme von Waren, Dienstleistungen und insbesondere Kapital glücklicherweise relativ frei sind und
ständig expandieren, langfristig nicht aufrechterhalten.
Sicherlich kann man Wechselkurse kurzfristig durch Faktoren anderer Art
als der der grundlegenden wirtschaftlichen Gegebenheiten beeinflussen. Unsicherheit, irrige Annahmen und destabilisierende Spekulationen sind dazu
angetan, von Zeit zu Zeit größere Ausschläge der Indices zu verursachen.

In

den letzten Monaten scheinen die Devisenmärkte eine solche Periode durchgemacht zu haben. Meiner Meinung nach haben bei den jüngsten Schwankungen auf
den Devisenmärkten vor allem irrige Annahmen eine Rolle gespielt.
Eine solche irrige Annahme scheint mir vor allem der offensichtlich
weit verbreitete Glaube zu sein, die Vereinigten Staaten würden hinsichtlich
der Bewertung des Dollars eine Politik der "stillschweigenden Duldung" praktizieren. Diese Folgerung scheinen viele Teilnehmer am Devisenmarkt aus der
Tatsache gezogen zu haben, daß Amerika auf den Devisenmärkten in der jüngsten
Zeit zwar zunehmend aber doch nur in geringem Umfang interveniert hat. Meiner
Ansicht nach sind alle Überlegungen falsch, die darauf hinauslaufen, die Vereinigten Staaten würden sich keinerlei Sorgen wegen der Bewertung ihrer eigenen
Währung machen oder es sogar gerne sehen, wenn der Dollar im Werte weiter ab"
sinkt, um daraus irgendwelche Vorteile im internationalen Handel ziehen zu
können. Die Vereinigten Staaten haben allen Grund, darauf zu achten, daß
ihre Währung so hoch bewertet wird, wie dies die grundlegenden wirtschaft- 2 -

�wirtschaftlichen Gegebenheiten rechtfertigen.

Erstens haben wir begriffen, daß jedes Absinken des Wechselkurses zur
Steigerung der Inflationsrate beiträgt - wie uns die 1971 erfolgte Abwertung
und die Wechselkursschwankungen der Folgezeit gelehrt haben.

Zuvor hatte

man geglaubt, der Dollarkurs hätte angesichts des verhältnismäßig geringen
Volumens unserer Außenwirtschaft kaum Einfluß auf das Preisgefüge auf dem
Binnenmarkt.

Inzwischen wissen wir aber aus Erfahrung, daß eine Abwertung

die Preise weit über die Aus- und Einfuhren hinausgehend beeinflussen kann.
Die Preise auf dem Binnenmarkt unterliegen ferner dem Einfluß des Wettbewerbsmechanismus.

Eine Abwertung des Dollars schwächt für eine ganze Reihe von

Produkten den Wettbewerb auf dem Binnenmarkt.

Hinzu kommt, daß der Anteil

der Außenwirtschaft am Bruttosozialprodukt seit 1971 von sechs auf zehn Prozent zugenommen hat.

Die amerikanische Wirtschaft ist heute eine offenere

Wirtschaft als damals.

Gerade deshalb wirken sich die Wechselkurse heute sehr

viel stärker auf die Preise auf dem Binnenmarkt aus.

Zweitens:

Der ölpreis ist ein weiterer wichtiger Faktor, der vom Wech-

selkurs des Dollars beeinflußt wird.

Einige OPEC-Sprecher haben erklärt,

ihre Preisentscheidungen würden von der weiteren Entwicklung des Dollarkurses
abhängen.

Das ist, wie ich weiß, kein stichhaltiges Argument, und die OPEC

würde durch eine Erhöhung des ölpreises ihre eigenen Interessen schädigen;
dennoch muß man sich darüber im klaren sein, daß der ölpreis von größter Wichtigkeit bleibt.

Drittens hängt die Brauchbarkeit des Dollars als Reserve-, Handels- und
Investitionswährung für die Vereinigten Staaten und die Welt davon ab, daß
der Dollar auch künftig als eine attraktive Anlagewährung angesehen wird. Gewiß ziehen die Vereinigten Staaten aus der internationalen Rolle des Dollars
gewisse Vorteile.

Sie erleichtert beispielsweise die Finanzierung großer De-

fizite in der Bilanz der laufenden Posten.

Darüber dürfen wir die Tatsache

nicht vergessen, daß eine Währung, auf die die Vermögenswerte anderer Länder
und privater Eigentümer lauten, mit den jeweils stärksten Währungen verglichen

- 3 -

�verglichen wird.

Die Investoren werden die Erträge von Dollarvermögen mit

den Erträgen vergleichen, die ihnen eine Anlage in anderen Währungen bieten
würde und dabei sicher die Unterschiede und Schwankungen in den Zinssätzen
und Wechselkursen mit ins Kalkül ziehen.

Sollte unter den Investoren das

Gefühl um sich greifen, die Anlage in Dollarwerten sei unattraktiv, wird
dies zwangsläufig eine Flucht aus dem Dollar in andere Währungen auslösen
und damit eine erhebliche Instabilität hervorrufen.
Schließlich beeinflußt der Wert des Dollars auch das Wirtschaftsklima
im Ausland.

Wenn der Wert einer so weit verbreiteten Währung wie des Dollars

unsicher erscheint, beeinträchtigt dies die Planung der Unternehmer wie der
privaten Haushalte und kann eine Verminderung der Investitionen und selbst
Veränderungen des Verbrauchergebarens im Ausland zur Folge haben.

Fällt der

Dollarkurs, schrumpfen die Erlöse der Exportindustrien und der mit amerikanischen Einfuhren im Wettbewerb liegenden Industrien im Ausland.
gilt für die Investitionen.

Das gleiche

Die Erholung der Weltwirtschaft, die nur schmerz-

lich langsam vorankommt, könnte durch ein weiteres Fallen des Dollarkurses
weiter verlangsamt werden - sofern das Ausland ein weiteres Absinken des
Dollarkurses nicht zu einer zusätzlichen Stimulierung der heimischen Wirtschaft zu nutzen vermag.
Amerikas Interesse an einem starken Dollar ist unleugbar. Dieses Interesse nach dem Ausmaß der amerikanischen Interventionen auf den Devisenmärkten
bemessen zu wollen, wäre falsch. Die Maßnahmen zur Stützung des Dollars waren
dem Grad der Beunruhigung der Devisenmärkte angepaßt. In dem Maße, in dem die
Kurse in den letzten Monaten schwankten, wurde unsere Stützung verstärkt oder
vermindert. Die Interventionen auf den Devisenmärkten dienen nicht dem Zweck,
die grundlegenden Markttendenzen zu beeinflussen - sie können dies gar nicht,
da die Markttendenzen auf den grundlegenden Wirtschaftsgegebenheiten beruhen.
Beweise dafür, daß Interventionen die Trends auf den Devisenmärkten
nicht verändern können, finden sich allenthalben.

Im Verlaufe des Jahres

1977 bezifferten sich die Dollaraufkäufe internationaler Notenbanken als In-

�Interventionsmaßnahme auf über 30 Milliarden Dollar.

Diese Interventionen

blieben zwar nicht ohne Auswirkung auf den Wert des Dollars, konnten aber
eine fünfprozentige Abwertung gegenüber anderen Hauptwährungen im Verlauf
des Jahres 1977 nicht verhindern.

Der Grund hierfür könnte darin liegen,

daß die grundlegenden wirtschaftlichen Fakten eine höhere Bewertung des
Dollars nicht zulassen.

Interventionen zeigen bleibende Wirkungen nur dann,

wenn die grundlegenden Wirtschaftsindikatoren angemessene Werte ausweisen
und der Markt dennoch keinen dementsprechenden Verlauf nimmt.

Der Grund

könnte jedoch auch in der psychologischen Verfassung des Marktes liegen,
die schon vielfach übertriebene Kursschwankungen auf den Devisenmärkten ausgelöst hat.

Die grundlegenden wirtschaftlichen Gegebenheiten manifestieren

sich auf den Devisenmärkten nicht zwangsläufig sofort und exakt.

Es ist deshalb notwendig, die grundlegenden Gegebenheiten des Dollars
zu überprüfen.

Das umfangreiche derzeitige Defizit der Vereinigten Staaten

in der Bilanz der laufenden Posten ist gegenwärtig der Hauptfaktor in der
Bewertung des Dollars auf dem Markt.

Da niemand ein Defizit in dieser Höhe

hatte, führte es zu einer veränderten Bewertung der Aussichten des Dollars
auf den Märkten.

Man sollte über dieses Defizit hinausblickend die Umstände berücksichtigen, die es hervorgebracht haben und die in Zukunft voraussichtlich neue
Defizite verursachen werden.

Eine wichtige Komponente des Defizits ist das

Volumen unserer öleinfuhren, die sich gegenwärtig auf rund 9,5 Millionen Barrel
pro Tag und wertmäßig auf etwa 45 Milliarden Dollar im Jahr beziffern.
ser Betrag für sich ist selbstverständlich
amerikanische "öldefizit".

Die-

kein korrekter Maßstab für das

Ein solcher läßt sich noch nicht einmal aus dem

Überschuß der öleinfuhren der Vereinigten Staaten über deren Ausfuhren nach
den OPEC-Ländern herauslesen, da wir große unsichtbare Nettoeinkünfte aus
den OPEC-Ländern beziehen, die sich nicht so einfach mit Zahlen belegen lassen.

Hinzu kommt, daß sich ein Defizit im bilateralen Handel mit einem

Lande bis zu einem gewissen Grad durch Überschüsse im bilateralen Handel mit
anderen Ländern ausgleichen läßt.

So ist z.B. der bescheidene Überschuß
- 5 -

�Überschuß der Vereinigten Staaten im Handel mit gewissen europäischen Ländern, die ihrerseits Waren nach den OPEC-Ländern ausführen, indirekt für
uns ein Mittel zur Abdeckung eines dementsprechenden Teils des öldefizits.
Dennoch sieht man zu Recht in einem ungehemmten Ölverbrauch und einer
hieraus resultierenden weiteren Zunahme der öleinfuhren eine schwere Belastung
unserer Handelsbilanz.

Die gegenwärtig im Kongreß anhängige Energiegesetz-

gebung und die vom Präsidenten vorgeschlagenen Maßnahmen sollen eine Verlangsamung der Aufwärtstendenz unserer öleinfuhren bringen.

Die Einsparung von

Energie und die Entwicklung zusätzlicher und als Ersatz geeigneter Energiequellen werden über Zahlungsbilanzerwägungen hinausgreifend in weiten Kreisen
als notwendige Voraussetzung zur Gewährleistung unserer nationalen Sicherheit
erachtet.
Eine weitere wichtige Komponente des derzeitigen Defizits der laufenden
Posten ist zyklischen Charakters. Die Vereinigten Staaten sind der übrigen
Welt hinsichtlich der Erholung von der Rezession der Jahre 1974/75 weit voraus.
Unsere Wirtschaft hat wieder Tritt gefaßt. Wir können damit rechnen, daß die
übrige Welt nachziehen wird. Niemand möchte, dessen bin ich sicher, daß die
Vereinigten Staaten ihr derzeitiges Defizit durch eine Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit im eigenen Lande abbauen. Dem eigentlichen Wesen dieses
Defizits ist deshalb nur durch konjunkturelle Anpassungen Rechnung zu tragen.
Es erhebt sich mit anderen Worten die Frage, wie groß wäre das Defizit, wenn
die Welt als Ganzes ein vernünftiges Maß der Vollbeschäftigung erreicht hätte.
Konjunkturelle Anpassungen müssen von der Überlegung ausgehen, wie die
Wirtschafts- und Preisentwicklung auf den Binnen- und Auslandsmärkten im Falle
der Vollbeschäftigung verlaufen wäre. Hierauf basierend lassen sich dann die
potentiellen Handelsvolumina abschätzen. Ein ökonometrisches Modell, das die
amerikanische Außenhandelsentwicklung in Beziehung zu derartigen Einkommensund Preisberechnungen setzt, läßt erkennen, daß das amerikanische Handelsdefizit von 30 Milliarden Dollar um 10 bis 20 Milliarden Dollar geringer ausgefallen wäre, bestünde in den wichtigsten Industriestaaten Vollbeschäftigung. Da_
- 6 -

�Da eine Rückkehr zur Vollbeschäftigung unseren Überschuß von 12 Milliarden
Dollar in der Dienstleistungsbilanz kaum verändern würde, wäre das Defizit
der laufenden Posten unter solchen Umständen um etwa 18 Millionen Dollar
niedriger.

Berechnungen wie diesen kommt jedoch insofern kein allzu großes Gewicht zu, weil wir nicht wissen, w ^ lange es dauern wird, ehe die Welt wieder zu höheren Beschäftigungsraten zurückkehrt.

Wer derartige tentative

Überlegungen anstrengt, sollte nicht übersehen, daß ein gewisses Defizit
für die Vereinigten Staaten so lange tragbar ist, wie die OPEC-Länder beträchtliche Überschüsse aufweisen

.Die Defizite, die jenen Überschüssen

entsprechen, müssen sich naturgemäß auf alle Länder der Erde verteilen. Da
die Vereinigten Staaten normalerweise ein Kapitalexportland sind, scheint
eine Beteiligung Amerikas am Gesamtdefizit aller nicht der OPEC angehörenden
Länder angebracht, solange andere Länder Schwierigkeiten mit der Finanzierung
größerer Defizite haben.

Berechnungen über ein konjunkturell angepaßtes amerikanischen Handelsdefizit bieten jedoch keine Antwort auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten
nicht an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt haben.

Eine Analyse der grundlegen-

den Wirtschaftsfakten muß deshalb auch die Wettbewerbsfähigkeit in Betracht
ziehen.

Was die Beantwortung dieser Frage angeht, können wir ausreichende Hinweise heranziehen.

Einige ergeben sich aus der Untersuchung der internatio-

nalen Exportmarktanteile

Der Anteil der Vereinigten Staaten an den Ausfuh-

ren der Länder der Gruppe der zehn wichtigsten Industriestaaten - ein Maßstab, der die Auswirkungen der jüngsten ungewöhnlichen Entwicklungen auf den
Rohöl- und anderen Rohstoffmärkten weitgehend ausklammert - schrumpfte im
Jahre 1976 und nahm auch &gt;n der ersten Jahreshälfte 1977 weiter, wenn auch
in geringerem Maße ab

Dieser Schrumpfungsprozeß folgte auf drei Jahre der

Steigerung des amerikanischen Anteils an den Exportmärkten und im Anschluß
an zwei Jahre, während derer sich die Wechselkurse auf neue Werte eingependelt
hatten.

Somit ist der amerikanische Anteil, der sich in der ersten Jahres-

�Jahreshälfte 1977 auf 20 Prozent belief, im wesentlichen unverändert gegenüber dem Stand von 1971, als er 20,1 Prozent betrug.

Hierbei ist ferner zu

berücksichtigen, daß die Volkswirtschaften vieler unserer traditionellen Abnehmerstaaten in diesem Zeitraum keineswegs unverhältnismäßig rasch expandiert haben.
Eine weitere Quelle der Sorge um unsere Wettbewerbsfähigkeit hat sich
offensichtlich erledigt.

Wirtschaftswissenschaftliche Forschungsarbeiten aus

den fünfziger Jahren und der ersten Hälfte der sechziger Jahre schienen darauf hinzudeuten, daß die Elastizität der Nachfrage nach amerikanischen Exportgütern als einer Funktion der Einkommensentwicklung im Ausland erheblich geringer sei als die Elastizität der Ausfuhr anderer Staaten als Funktion der
Einkommensentwicklung in den USA.

Jüngere Forschungsarbeiten von Mitarbei-

tern des amerikanischen Zentralbankensystems lassen jedoch erkennen, daß kein
statistisch erheblicher Unterschied zwischen der Elastizität in dem einen
und im anderen Falle besteht. Solange demnach die Wirtschaft der Vereinigten
Staaten und die Volkswirtschaften überall auf der Welt etwa im gleichen Ausmaß expandieren, sollten diesen Untersuchungen zufolge die amerikanischen Ausund Einfuhren etwa dieselben Wachstumsraten wie die der übrigen Welt aufweisen.
Schließlich ergeben sich Hinweise auf die Wettbewerbsfähigkeit auch aus
der Berechnung der "realen" Wechselkurse: der Wechselkurse unter Berücksichtigung internationaler Unterschiede in den Inflationsraten. Der reale Wechsel
kurs des Dollars wird solange gegenüber dem jeder anderen Währung oder Gruppe
von Währungen unverändert bleiben, wie die Schwankungen der nominellen Wechselkurse den unterschiedlichen Preisbewegungen entsprechen.
Wie bei allen Vergleichsrechnungen erhebt sich auch bei den realen Wechselkursen die Frage nach den verwandten Indices und nach dem gewählten Ausgangspunkt.

Im Falle mancher Länder, beispielsweise Japans, führen unter-

schiedliche Indices zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Im Falle der Ver-

einigten Staaten allerdings zeitigen die vier normalerweise angewandten In- 8 -

�Indices - Verbraucherpreis-, Großhandelspreis-, Exportwert- und Arbeitsstückkostenindices - alle in etwa das gleiche Ergebnis.

Ein Vergleich zwi-

schen dem Dollarwert seit Beginn des Floatens der Wechselkurse im März 1973
oder der Durchschnittskurse in der Zeit von März 1973 bis heute zeigt, daß
der reale Wechselkurs des Dollars außenhandelsgewichtet abgewertet wurde,
während die Wettbewerbsfähigkeit zugenommen hat.

Der reale Wechselkurs der

DM zeigt bei Anwendung der gleichen Berechnungsmethode während des gleichen
Zeitraums nur geringfügige Veränderungen.

Für den Yen lassen sich, wie schon

betont, sinnvolle Ergebnisse nur sehr viel schwerer herausdestillieren.

Hierbei sollte man nicht vergessen, daß geringe Veränderungen in den
realen Wechselkursen nicht zwangsläufig als Beweis für ein bestehendes Gleichgewicht zu werten sind.

Wenn echte statt rein monetäre Schocks Veränderungen

in den Zahlungsbilanzen hervorrufen, ist es angebracht, wenn die realen Wechselkurse reagieren und sich verändern; wenn aber Untersuchungen struktureller
Faktoren der Weltwirtschaft erkennen lassen, daß keine größeren Anpassungen
erforderlich sind, deuten Bewegungen der realen Kurse auf Veränderungen in
der Wettbewerbsfähigkeit hin - insbesondere dann, wenn die verschiedenen Indices in etwa die gleichen Ergebnisse aufweisen.

Ich möchte noch ein weiteres Element der Wettbewerbsfähigkeit des Dollars
anführen, das die Kapitalbilanz und nicht die Bilanz der laufenden Posten
betrifft.

Der Dollar ist als Kapitalanlage auch weiterhin wettbewerbsfähig.

Das hängt von den Zinssätzen und den zu erwartenden Wechselkursbewegungen ab.
Sie bestimmen zusammen die Ertragserwartungen des Dollars im Vergleich zu
denen anderer Währungen.

Der Dollar hat seine Position als führende Reserve-

und Anlagewährung in der Nachkriegszeit gefestigt, als die Zinssätze in den
Vereinigten Staaten niedrig und fast überall anderswo auf der Welt hoch lagen.
Inzwischen haben sich die Verhältnisse, was die starken Währungen angeht, in
das Gegenteil verkehrt:

Die Dollarzinsen sind heute beträchtlich höher als

die Zinssätze in der Schweiz, in Deutschland und sogar in Japan.

In
- 9 -

�In Zeiten turbulenter Märkte, in denen sich die Wechselkurse und die damit zusammenhängenden Kapitalanlagewerte rasch und beträchtlich verändern,
treten Zinsüberlegungen normalerweise in den Hintergrund.
Märkte aber beruhigen, gewinnen die Zinssätze an Bedeutung.

Sobald sich die
Heute spiegeln

die Unterschiede in den Zinssätzen dreier wichtiger Anlagewährungen - des
Dollars, der DM und des Schweizer Franken - die unterschiedlichen Inflationsraten in den drei genannten Länder eindeutig wider.

Die realen Zinssätze sind,

mit anderen Worten, in diesen drei Ländern in etwa gleich.
In diesem grundlegenden Sinne scheint der Dollar als Anlage seine Wettbewerbsfähigkeit nicht verloren zu haben.

Von dieser Annahme ausgehend kommt

man zu dem Schluß, daß die Finanzierung des Defizits der Bilanz der laufenden
Posten, die im Jahre 1977 fast ausschließlich über staatliche Kapitalbewegungen
in der Form von Interventionen auf dem Markt erfolgt ist, bei unveränderten
Wechselkursen auch vom privaten Kapital bewältigt werden könnte.
Ich möchte die Elemente der Stärke des Dollars, die meines Erachtens gegeben sind, wie folgt zusammenfassen:
Erstens gibt es eine ausgeprägte konjunkturelle Komponente des Defizits.
Wir wissen nicht, wie lange andere Länder brauchen werden, bis sie zur Vollbeschäftigung zurückkehren; das Licht am Ende des Tunnels ist aber in jedem
Falle bereits zu erkennen.
Zweitens verzeichnen wir eine bescheidene Verbesserung der amerikanischen
Wettbewerbsfähigkeit seit 1973, die sich am "realen" Wechselkurs des Dollars
ablesen läßt.

Sie spiegelt die einigermaßen gute, wenngleich keinesfalls

hervorragende Eindämmung der inflationistischen Entwicklung in den Vereinigten
Staaten wider.

Der Hauptbeitrag zur Stärke des Dollars in der Zukunft muß

aus einer Fortsetzung und Verbesserung unserer Leistungen auf diesem Gebiet
kommen.
Drittens
- 10 -

�Drittens deuten mehrere andere Indices auf hohe Wettbewerbsfähigkeit
amerikanischer Waren hin - insbesondere die Marktanteile und die Nachfrageelstizität.

Diese Wettbewerbsfähigkeit dürfte umso klarer hervortreten,

je mehr sich der Welthandel erholt.

Viertens bestehen bei den konkurrierenden Währungen erhebliche Unterschiede in den Zinssätzen.

Wenn sich die Devisenmärkte beruhigen, werden

diese deutlicher hervortreten als bisher.
Noch fehlt es an konkreten Beweisen für die Annahme, daß die üleinfuhren nicht weiter steigen werden.

Selbst strenge Gesetze, wie sie meiner

Auffassung nach schließlich doch verabschiedet werden dürften, können die
amerikanischen üleinfuhren in naher Zukunft nicht vermindern.

Sobald solche

Gesetze aber bestehen, werden sie dem Markt doch die Gewähr bieten, daß die
Stärke des Dollars nicht durch übermäßige üleinfuhren unterminiert wird und
daß die Aussichten auf eine verminderte Abhängigkeit der Vereinigten Staaten
von üleinfuhren in Zukunft steigen werden.

+ + + + +

- 11 -

�i

Wift/choft
United States Information Service

4. Januar 1978

US-WIRTSCHAFT GEHT MIT VERHALTENEM OPTIMISMUS IN DAS NEUE JAHR
Von unserem Korrespondenten Jon Schaffer

WASHINGTON - (AD) - Wie stets am Ende eines jeden Jahres so haben auch
dieses Mal führende Wirtschaftswissenschaftler, Banken-und Wirtschaftsorganisationen in den letzten Dezemberwochen ihre Prognosen für das neue Jahr
gestellt, wobei die übereinstimmende Meinung darauf hinausläuft, daß ein
umfassender Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft wohl kaum vor Ende 1978,
vielleicht sogar erst zum Ende dieses Jahrzehnts zu erwarten steht.

Allgemein wird mit einem anhaltenden Wirtschaftswachstum zumindest bis
Ende 1979 gerechnet, wobei allerdings die Wachstumsraten etwas niedriger als
im letzten Jahr liegen dürften.
wärtigen Stand stehen bleiben.

Die Inflationsrate wird etwa auf dem gegenDagegen kann auf dem Beschäftigungssektor mit

einem gewissen Rückgang der Arbeitslosigkeit gerechnet werden.

Wenn auch die endgültigen Statistiken für 1977 erst in einigen Monaten
vorliegen werden, so teilt man in der Wirtschaft die Auffassung der Regierung,
daß das Tempo des Wirtschaftswachstums

nach dem scharfen Anstieg in der

ersten Jahreshälfte im zweiten Halbjahr 1977 erheblich nachgelassen hat. Nach
allgemeinen Schätzungen dürfte das Bruttosozialprodukt der USA 1977 - nach

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�nach Ausschaltung inflationsbedingter Faktoren - um etwa 4,8 Prozent gestiegen sein, während die Verbraucherpreise zwischen 5,5 und 6,5 Prozent
angezogen haben.

Die Arbeitslosenquote liegt zur Zeit bei 7 Prozent.

Für 1978 wird ein Ansteigen des Bruttosozialprodukts zwischen 5 Prozent - die etwas optimistische Prognose des Vizepräsidenten der U.S. Steel
Company

Joseph Greer - und 3,6 Prozent - nach den etwas pessimistischeren

Berechnungen der Staatsuniversität von Michigan - erwartet.

Die Inflations-

rate dürfte zwischen 5,7 Prozent - Morgan Guaranty Trust - und 6,7 Prozent nach einer Umfrage des "Industry Week Magazine" bei maßgebenden Persönlichkeiten der Wirtschaft - liegen.

Dagegen weichen die Schätzungen über die

Entwicklung der Arbeitslosenquote im neuen Jahr mit 6,4 bis 6,8 Prozent nur
geringfügig voneinander ab.
Die abweichenden Prognosen sind zum Teil darauf zurückzuführen, daß
die einzelnen Wirtschaftsforschungsinstitute unterschiedliche Verfahren anwenden oder von unterschiedlichen Voraussetzungen ausgehen. So setzt Otto
Eckstein von der Data Resources Inc. bei seinen Voraussetzungen voraus, daß
ein Steuersenkungsprogramm in Höhe von 20 Milliarden Dollar verabschiedet wird,
ein den Vorschlägen Präsident Carters im allgemeinen entsprechendes Energieprogramm den Kongreß passiert und die Sozialversicherungsreform sowie weitere innenpolitische Maßnahmen in Kraft treten. Die Professoren Saul Hymans
und Harold Shapiro von der Staatsuniversität von Michigan rechnen zwar mit
einem Energieprogramm, erwarten aber keinerlei Änderungen bei den Regierungsausgaben und lediglich eine begrenzte Geldmengenzunahme. Und die auf der
Novemberkonferenz des Brookings Institute versammelten Wirtschaftler gingen
bei ihren Vorausschätzungen von der augenblicklichen Situation aus.
Eckstein vertritt die Ansicht, daß wenig geschehen ist, was in den
nächsten Jahren zu einem Abbau des harten Grundstocks der Inflationsrate
von gegenwärtig 5,5 bis 6 Prozent führen könnte. Zwar seien Produktivitätssteigerungen erzielt und die Arbeitskosten gesenkt worden. Aber die Lohnsteigerungsrate dürfte kaum unter 8 Prozent zurückfallen,und dazu komme noch
- 2 -

�noch die sich aus der Anhebung der Energiepreise um 15 Prozent ergebende
Erhöhung der Inflationsrate um circa ein Prozent.

Alles in allem seien also

die Aussichten für eine Senkung der Inflationsrate schlecht; allerdings sei
auch eine dramatische Beschleunigung der Inflation höchst unwahrscheinlich.
Sollte es der Regierung jedoch gelingen, so meinte Eckstein, die richtige
Mischung von Maßnahmen für einen Ausgleich des Haushalts durchzusetzen und
die Endverbrauchernachfrage real zu steigern, so könnte der Anstieg des Gesamtpreisniveaus zwischen heute und 1980 auf 5,5 Prozent begrenzt werden.
Der frühere Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats des Präsidenten, Professor Walter Heller, pflichtet in seiner Prognose für die National City
Bank of Minneapolis dieser Auffassung Ecksteins bei, bemerkt jedoch einschränkend, daß die Regierung bisher über einen behutsam geführten - aber
unwirksamen - Dialog mit den Gewerkschaften und den Unternehmern über das
"Kostenauftriebskarussell" nicht hinausgekommen ist. Daher bleibe die Aussicht auf ein Absinken der Inflationsrate unter sechs Prozent recht gering,
sofern nicht die Regierung zu "mutigeren" Maßnahmen greife, seien es Leitlinien oder Steuersenkungen, um so auf eine Mäßigung bei den Löhnen hinzuwirken.
Anlage- und Ausrüstungsinvestitionen werden von den Wirtschaftsanalytikern schon immer als wichtiger Frühindikator für eine künftige Zunahme der
Wirtschaftstätigkeit betrachtet.

Im Jahre 1977 dürften die Investitionen der

Wirtschaft um acht bis neun Prozent zugenommen haben.

Die Unsicherheit be-

züglich der Gewinnspannen wird jedoch 1978 nach Ansicht des Vizepräsidenten
der Chase Manhattan Bank, Robert Slighton, zur Zurückhaltung bei den Investitionen mahnen.

Aber auch bezüglich der künftigen Energiepreise, der Verfüg-

barkeit von Energie, der Steuerpolitik, der Umweltnormen sowie zahlreicher
anderer Fragen besteht in der Wirtschaft eine gewisse Unsicherheit.

So hat

eine Umfrage des "Industry Week Magazine" ergeben, daß die Planungen der
Wirtschaft für 1978 lediglich eine Zunahme der Investitionen um 3,9 Prozent
vorsehen.

Das Problem ist nicht, wie Heller hierzu erklärt, daß die Unter-

nehmen nicht über die erforderlichen Mittel verfügen.
- 3 -

Vielmehr zögere die

�die Wirtschaft, neue Kapazitäten zu schaffen, solange die vorhandenen Anlagen nicht voll ausgelastet sind.

Die durchschnittliche Kapazitätsaus-

lastung in der amerikanischen Industrie liegt gegenwärtig bei etwa 83 Prozent.
Die Staatsuniversität von Michigan ist dagegen anderer Ansicht.

Sie

sagt einen Anstieg der Anlageinvestitionen der Wirtschaft von sechs Prozent
für 1978 und von 6,5 resp. 7,1 Prozent in den Jahren 1979 und 1980 voraus,
sofern Steuersenkungen für die Wirtschaft und Steuerkredite für Investitionen
gewährt werden.

Nach ihrer Auffassung haben sich die Investitionsaufwendun-

gen der Wirtschaft in der gegenwärtigen Wiedererholungsperiode weniger stimulierend ausgewirkt als bei ähnlichen Aufschwungsphasen nach dem letzten Weltkrieg.

Ohne irgend welche Steuervergünstigungen würden die Anlageinvesti-

tionen der Wirtschaft 1978 nur um 4,8 Prozent zunehmen.

Da Steuersenkungen

zu einem Anstieg der Verbraucherausgaben und vor allem einer starken Zunahme
der Autokäufe führen würden, werde sich dies auch belebend auf die Investitionstätigkeit auswirken.
In den Prognosen wird ferner darauf hingewiesen, daß die Vereinigten
Staaten auch bei Steuersenkungen nicht mit einem so schnellen Wirtschaftswachstum rechnen können, daß die Arbeitslosigkeit in den nächsten Jahren
entscheidend abgebaut werden kann. Eckstein meint, wenn das von dem Präsidenten angestrebte Ziel einer Verringerung der Arbeitslosigkeit auf fünf
Prozent bis 1980 erreicht werden soll, dann müßten, um die hierfür erforderliche Nachfrage zu schaffen, das Bruttosozialprodukt um jährlich fünf Prozent und die realen Investitionen um jährlich fast zehn Prozent steigen.
Dies sei möglich, wenn der Anstieg von Preisen und Löhnen zwischen heute
und 1980 auf 5,5 resp. 6,6 Prozent herabgedrückt, die Geldpolitik gelokkert und die Zinsen gesenkt würden. Wahrscheinlicher ist jedoch nach Ansicht von Eckstein, daß an der Inflationsfront nur wenig Erfolge und bei
der Schließung der Kluft zwischen realem Wachstum und potentiellem Wachstum
nur begrenzter Erfolg erzielt wird. Die Steuersenkung, mit deren Verabschiedung 1978 zu rechnen sei, werde zu einer Steigerung des Wirtschaftswachstums
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�Wirtschaftswachstums im Jahre 1979 um lediglich vier Prozent führen und
erst 1980 werde das Wirtschaftswachstum in die Nähe des gesteckten Zieles
von fünf Prozent kommen und die Arbeitslosigkeit unter sechs Prozent
absinken.

Hymans und Shapiro rechnen trotz einer Steuersenkung für 1979 nur mit
einem Wirtschaftswachstum von 3,25 Prozent - und sollten die Steuern nicht
gesenkt werden, mit einem Wachstum von 2,4 Prozent.

Sie glauben auch nicht,

daß es gelingt, die Arbeitslosigkeit schon 1979 unter sechs Prozent herabzudrücken.

Slighton weist darauf hin, daß die Rekordwirtschaftstätigkeit in den
zwei Jahrzehnten vor dem Ansteigen der Energiepreise kein guter Vergleichsmaßstab für die Leistungen der Wirtschaft in den kommenden zehn Jahren ist.
Die Grenzen für ein mögliches Wachstum seien heute enger geworden.

Das Wirt-

schaftswachstum werde 1978 und in dem darauffolgenden Jahrzehnt voraussichtlich langsamer als in den Jahren von 1951 bis 1971 sein.

Die Vereinigten

Staaten würden sich jetzt immer stärker der wichtigen Impulse bewußt, die der
Außenhandel der US-Wirtschaft geben kann.

Die Aufrechterhaltung eines hohen

Wirtschaftswachstums in den USA sei auch wichtig für die Wiedergesundung der
übrigen Volkswirtschaften.

Die Wirtschaftsanalytiker sagen lediglich ein mäßiges Mengenwachstum
der US-Exporte voraus, wobei die Entwicklung der Ausfuhr den erwarteten
langsamen wirtschaftlichen Aufschwung bei den meisten amerikanischen Handelspartnern entsprechen werde.

Eckstein fügt hinzu, daß die steigenden Zins-

sätze in den USA die Möglichkeiten einiger der amerikanischen Handelspartner
für Zinssenkungen einengen werden,so daß die meisten Länder bei einer konservativen Wirtschaftspolitik bleiben würden.

Die Möglichkeit guter Ernten in den anderen Ländern im neuen Jahr und
die wachsende Neigung zu einer protektionistischen Politik könnten nach Ansicht verschiedener Wirtschaftsexperten zu einer Einschränkung des künftigen
- 5 -

�künftigen Wachstums für den Welthandel führen.

Wenn gleichzeitig das Alaska-

Öl jetzt zu fließen beginnt, werde auch der Anstieg der amerikanischen Erdöleinfuhren sich verlangsamen.
Unter Berücksichtigung aller dieser Voraussagen scheint nach Auffassung
der Wirtschaftsexperten festzustehen, daß der wirtschaftliche Aufschwung ohne
zusätzliche Anregungen, wie sie zum Beispiel von der von Präsident Carter
vorgeschlagenen wesentlichen Steuersenkung ausgehen könnten, sich 1978 nur
recht zögernd fortsetzen werde.
Zusammenfassend stellt der ehemalige Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats
des Präsidenten, Arthur Okun, fest, daß der Wirtschaftsaufschwung noch "über
beträchtliche Stärke und Lebensdauer" verfüge, wobei er jedoch von der Erwartung ausgeht, daß eine die Wirtschaft stimulierende Steuersenkung erfolgt.
Hymans und Shapiro sind vorsichtiger:

Wenn die amerikanischen Währungsbehör-

den nicht Mitte 1978 das Ruder herumwerfen und zu einer Politik des leichten
Geldes übergehen und wenn Kongreß und Carter-Administration nicht in der
zweiten Hälfte 1978 größere fiskalische Anreize gewähren, dann werde die
Wirtschaft, völlig unnötig, bis dicht an eine Rezession abrutschen.
Was besagen nun alle diese Prognosen letztlich? Nicht sehr viel, meint
John Kenneth Galbraith, denn keine enthalte Faktoren über die Wirtschaftsaussichten, die nicht auf frühere Erfahrungen zurückgehen. Die Entwicklung,
die die Wirtschaft nimmt, sei dagegen ein Prozeß einer ständigen Anpassung
an Dinge, die noch nie zuvor eingetreten sind.

+ + + + +

�1

4. Januar 1978

NEUER US-VERTEIDIGUNGSHAUSHALT MIT REALEM WACHSTUM
Amerika will NATO-Beitrag verstärken
Von unserem Korrespondenten Hugh 0. Muir

WASHINGTON - (AD) - Die Regierung Carter ist gegenwärtig dabei,
ihren ersten eigenen Verteidigungshaushalt auszuarbeiten, der dem Kongreß
am 23. Januar 1978 vorgelegt werden soll. Wie hierzu aus dem Verteidigunrsministerium verlautet, ist mit einem zwar geringen, aber doch
realem Wachstum der Militärausgaben im Haushaltjahr 1979 - 1. Oktober
1978 bis 30. September 1979 - zu rechnen.
Vertreter des Verteidigungsministeriums wiesen jüngst im Rückblick
auf das erste Jahr der Carter-Administration

auf die Tatsache hin, daß

die Verteidigungsausgaben in Prozent des Bruttosozialprodukts ausgedrückt
im Verlauf der letzten Jahre von rund zehn auf derzeit nur noch fünf bis
sechs Prozent zurückgegangen sind. Die Sowjetunion dagegen hielt die letzten
15 Jahre Verteidigungsaufwendungen in ihrem realen Dollarwert konstant
auf gleicher Höhe.
Der Militärhaushalt der USA für das laufende Finanzjahr wurde be*kanntlich noch von Präsident Ford eingebracht und von Präsident Carter

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�Präsident Carter lediglich revidiert. Die wichtigste Entscheidung der
Carter-Administration bezüglich des Haushaltvoranschlags Fords war nach
Auffassung hoher Beamter im Pentagon die Einstellung der Konstruktions~
Planung für weitere überschaubomber des Typs B-l. Im Kongreß stand zum
Jahresende 1977 noch immer ein Gesetz an, das den Bau einer fünften und
sechsten Maschine dieses Typs vorsah. Während der Senat zu verstehen
gegeben hatte, er wolle sich gegen den Bau dieser beiden Flugzeuge wenden,
schien das Repräsentantenhaus eher einer Zustimmung zum Bau zuzuneigen.
Das Verteidigungsministerium dagegen vertrat die Auffassung, die vier
sich gegenwärtig in der Flugerprobung befindlichen B-1-Flugzeuge würden
ausreichen, die erforderliche Weiterentwicklung auf dem Gebiet des überschal lflugs zu gewährleisten; die für die Verwirklichung des genannten
Gesetzes erforderlichen 450 Millionen Dollar für zwei weitere Flugzeuge
des Typs B-l lassen sich mithin ohne negative Folgen einsparen.
Amerikanische Regierungsvertreter sprachen von einer deutlichen
Schwerpunktverlagerung hinsichtlich der Zielsetzungen im Bereich der Verteidigungsanstrengungen im ersten Jahr der Carter-Administration: der
beträchtlichen Aufwertung der militärischen Rolle der NATO. Die ersten
Ergebnisse der auf Initiative der USA eingeleiteten neuen NATO-Planung
dürften schon 1978 sichtbar werden - vor allem auf den Gebieten der
Verstärkung der Panzerabwehr, der Anlage von Materialvorräten und der
Verbesserung des Ersatzwesens. Ob die steigenden amerikanischen Ausgaben
innerhalb der NATO der geplanten dreiprozentigen Anhebung entsprechen
werden, wird einmal vom Fortgang der Inflation und zum anderen von der
Haltung des Kongresses zu dem vorzulegenden Haushaltanschlag abhängen.
Schwierigkeiten bereitete es Präsident Carter und seiner Mannschaft bisher,
die Europäer davon zu überzeugen, daß sie ihrerseits ihre Industrie stärker
auf die militärischen Erfordernisse des Bündnisses ausrichten müssen.
Die NATO-Mitgliedstaaten werden sich aber künftig, so rechnet man in
Washington fest, auch auf dem industriellen Sektor gegenseitig mehr als
bisher unterstützen, statt sich, wie in der Vergangenheit so oft geschehen,
allein auf ihre eigenen nationalen Anstrengungen zu verlassen.
Unter den
- 2 -

�Unter den anstehenden Entscheidungen kommt der über die künftige
Zusammensetzung der Strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten
und der dami\ einhergehenden Zieldoktrin wohl das größte Gewicht zu insbesondere im Lichte des 1977 gefaßten Beschlusses, im Rahmen des
"Triade"-Verteidigungskonzepts eine Kombination aus B-52 und Marschflugkörpern zu entwickeln» Offen ist auch die Frage nach dem Fortgang der
Entwicklung des MX-Raketensystems - ob auf mobile Raketen oder festinstallierte Raketen wie die landgestützten interkontinentalen ballistischen
Raketen hin geplant werden soll» Die Entscheidung über die Basierung ist
für den Fortgang des Entwicklungs- und Dislozierungsprogramms der MX von
grundsätzlicher Bedeutung.
Wichtigste Überlegung aber ist und bleibt, daß die Sowjetunion ihre
Rüstung auch weiterhin stetig und über Jahre hinweg verstärken und über
Waffen und Ausrüstungen in steigenden Mengen verfügen wird - so zum
Beispiel über immer mehr Panzer» Bei der Gestaltung des amerikanischen
Militärhaushalts müssen sich deshalb, so argumentiert man in Washington,
alle Beteiligten ihrer Verantwortung bewußt sein, einen Haushalt zustandezubringen, der dieser quantitativen Herausforderung ebenso wie der Notwendigkeit der Aufrechterhaltung des amerikanischen Vorsprungs in qualitativer Hinsicht gebührend Rechnung trägt»

+ + + + +

- 3 -

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              <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter nominiert G. William Miller zum Präsidenten des amerikanischen Zentralbankrates&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Bundesbankmitglied zum Dollarkurs&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaft geht mit verhaltenem Optimismus in das neue Jahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Korrespondenten Jon Schaffer&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer US-Verteidigungshaushalt mit realem Wachstum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerika will NATO-Beitrag verstärken -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Korrespondenten Hugh O. Muir&lt;/em&gt;</text>
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