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                  <text>Information
und
pi-1 l'iiii'Mrr
United States Information Service

31

30. November 1977
INHALT

DOKUMENTATION
Warnke: Rüstungskontrolle liegt im Interesse beider Seiten
- Rede des US-Abrüstungsdirektors in Washington WIRTSCHAFT
Inflationsbekämpfung Grundvoraussetzung für den Wirtschaftsaufschwung
- Interview mit einem führenden Wirtschaftsberater

Präsident Carters

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Bruchfestes Glas zum Einkapseln von Atommüll
Eine neue Spur für die Entwicklung irdischer Lebensformen
- Methanbakterien als möglicherweise älteste Organismen identifiziert
INFORMATION
"Rehabilitation USA"
- Eine Ausstellung von therapeutischen und orthopädischen Hilfen für
Behinderte in Paris -

Unserer heutigen Ausgabe liegt ein Exemplar der von uns herausgegebenen
Broschüre: DIE USA, Fakten, Daten, Zahlen bei. Wir hoffen,
daß diese Broschüre Ihr Interesse finden wird.

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 3 0 0 ,
D 5 3 0 0 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Dokumentation
United States Information Service

31

30. November 1977

WARNKE: RÜSTUNGSKONTROLLE LIEGT IM INTERESSE BEIDER SEITEN
- Rede des US-Abr'üstungsdirektors in Washington -

WASHINGTON - (AD) - Der Direktor des amerikanischen Amtes für Abrüstung
und Rüstungskontrolle (ACDA), Paul Warnke, hat am 10. November 1977 vor der
Frauenvereinigung der Demokratischen Partei in Washington über den Stand der
Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT) und
über die Aussichten für weitere Abrüstungsmaßnahmen gesprochen.
Die Rede Warnkes hat folgenden Wortlaut:
Mir ist heute ein Thema gestellt worden, das, wie ich meine, beredt von
dem Nachdruck zeugt, den die Carter-Administration auf die Frage der Rüstungskontrolle legt.
Wie Sie wissen, hat diese Administration seit Januar dieses Jahres auf
diesem Gebiet rund zehn verschiedene Initiativen ergriffen. Dazu gehören an
vielleicht prominentester Stelle die Verhandlungen mit der Sowjetunion über
eine Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT).
Dazu kommen die Verhandlungen

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�*

Dazu kommen die Verhandlungen über ein vollständiges Verbot von Nuklearversuchen, die neben den SALT-Verhandlungen in Genf stattfinden. Und auf der
Konferenz des Abrüstungsausschusses (der Vereinten Nationen) in Genf haben wir
auch über die Frage der chemischen Waffen und der Strahlungswaffen gesprochen.
Außerdem finden Gespräche über eine Begrenzung der Rüstungen im Gebiet des
Indischen Ozeans statt, die wir mit der Sowjetunion führen. Als weitere künftige
Themen zeichnen sich ab: Erörterungen über Einschränkungen des Verkaufs konventioneller Waffen; Ausschaltung der Anti-Satellitenwaffen, die ernsthaft die
nationalen

technischen Mittel zu der für die Rüstungskontrolle so wesentlichen

Verifizierung gefährden könnten,und die von den Vereinigten Staaten getroffenen
Vorbereitungen für die Sondersitzung der Vereinten Nationen über Fragen der
Abrüstung, die im kommenden Frühjahr stattfinden wird. Wir sind außerdem noch
mit der überaus bedeutsamen Frage befaßt, wie sich eine Weiterverbreitung
(Proliferation) der Kernwaffen vermeiden läßt.
Am vergangenen Wochenende kehrte ich nach einem fünfwöchigen Aufenthalt in
Genf zurück, wo ich an den Erörterungen mit der Sowjetunion über eine Begrenzung
der strategischen Waffen und den Verhandlungen über ein umfassendes Nuklearversuchsverbot teilgenommen hatte. Ich glaube, daß die meisten Amerikaner und
die meisten Länder der internationalen Gemeinschaft sich bewußt sind, daß dies
der wirksamste Weg ist, um die Möglichkeiten zu einer Konfrontation zwischen
der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten zu verringern, die zu einem Krieg
führen könnte,

der die menschliche Gesellschaft in eine Katastrophe stürzen

wurde.
Ich muß jedoch dazu bemerken, daß diese Verhandlungen nicht frei von Kritik
geblieben sind. Von Zeit zu Zeit habe ich selbst in Genf ein schwaches Echo
davon vernommen, daß es manche Leute gibt, die mit unseren Bemühungen durchaus
nicht voll zufrieden sind. (Gelächter)
Es gibt da zwei grundsätzliche Einwände, die, wie es scheint, in krassem
Gegensatz zueinander stehen. Der eine besagt: "Warum geben wir den Russen

- 2 -

�Russen gegenüber immer nach, und können wir ihnen überhaupt trauen?" - und
der andere lautet: "Warum braucht Ihr so viel Zeit, und was werdet Ihr erreicht
haben, wenn Ihr fertig seid?"
Es wird Sie vielleicht nicht überraschen, wenn Sie hören, daß ich keine
der Kritiken für im wesentlichen richtig halte. Ich möchte jedoch au" sie
eingehen oder wenigstens versuchen, mich mit ihnen zu befassen.
Zuerst mit der Frage: "Warum geben wir den Russen gegenüber nach? Warum
machen wir allzuviel Konzessionen? Wie kann man ihnen trauen?"
Ich glaube, was die eine Richtung dieser Kritik anbetrifft, so leidet sie
darunter, daß sie das Wesen der Verhandlungen über Rüstungskontrollen nicht
richtig verstanden hat. Diese Verhandlungen sind ihrer ganzen Natur nach von
Verhandlungen jeder anderen Art, selbst von solchen internationalen Charakters,
durchaus verschieden. Es ist keine Variation eines Spieles um alles oder
nichts, als die es manchmal hingestellt wird. Auch all die Attribute kommerzieller
Verhandlungen passen nicht hinein.
Worum es dabei im wesentlichen geht, das ist die grundsätzliche Abschreckung
für die Nationen, die an den Gesprächen beteiligt sind. Und diese grundsätzliche
Abschreckung muß geschützt werden. Das aber heißt, daß keine Seite auf lange
Sicht den kürzeren ziehen darf.
Offensichtlich möchte jede Seite zu einem Abkommen gelangen, bei dem sie
selbst alle Vorteile hat und bei dem die andere Seite Einschränkungen hinnimmt,
die sie vorher nicht hatte. Aber das geht natürlich nicht. Denn wenn die eine
Seite übervorteilt werden sollte, dann würde man zu keinem lebensfähigen und
dauerhaften Abkommen über eine Rüstungskontrolle gelangen. Es gibt keine Möglichkeit für die eine oder andere Seite, spezifische Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen zu erlangen. Es gibt keinen Gerichtshof, vor dem man seinen Kontrakt
bringen und erklären könnte: "Ich habe diesen speziellen Pakt gewonnen und habe
nun das Recht, seine Früchte zu genießen." Stattdessen würde mar; feststellen,

- 3 -

�feststellen, daß die Seite, die übervorteilt wurde, das Abkommen in Ausübung
ihrer souveränen Rechte prompt verwerfen würde.
So steht also am Beginn das Faktum, daß man am Ende zu einem Abkommen über
die Rüstungskontrolle gelangen muß, das fair ist, das gültig ist und das auf
beiden Seiten die Gewähr für gleiche Sicherheit bietet. Das nun bedeutet notwendigerweise einen harten Verhandlungsprozeß, zugleich aber auch einen Prozeß
der Analyse, bei der abgewogen werden muß, welches die grundlegenden Interessen
der anderen Seite sind. Das aber führt zu einem langwierigen und komplexen
Verfahrensprozeß.
In Bezug auf die Gesamtfrage der Rüstungskontrolle ist es unumgänglich, sich
mit der Sowjetunion einzulassen. Es gibt nur zwei militärische Supermächte.
Wir müssen von der Grundlage ausgehen, uaß wir in letzter Analyse ein irgendwie
zusätzliches Abkommen mit der Sowjetunion

ausarbeiten können, mit dem sich ein

Weg finden läßt, um den Konkurrenzkampf, der weiterhin zwischen uns bestehen
wird, zu stabilisieren.
Ich glaube nicht, daß wir von der Grundlage ausgehen können, daß die
Rüstungskontroll Verhandlungen diesen Geist des Wettkampfes und das Bestehen von
Reibungsflächen zwischen den beide

Ländern ausschalten werden. Wir müssen nicht

Freunde sein, um zu Abkommen zu gelangen, die im Interesse beider Seiten liegen.
Ich bin zutiefst davon überzeugt, daß die Rüstungskontrolle im Interesse
beider Seiten liegt. Ich glaube, daß dies so ist, weil, selbst wenn wir von
einem anhaltenden Wettstreit um Einfluß in der Welt ausgehen, dieser Wettstreit
selbst militärisch nur in der einen oder anderen Weise zum Ausdruck kommen kann:
Entweder der militärische Wettstreit geht ohne Einschränkung weiter, oder wir
finden irgendeinen Weg, auf dem ein gewisses Maß größerer gesunder Vernunft und
größerer Sicherheit in unsere Beziehungen gelangt. Das aber liegt wie ich sage,
im gemeinsamen Interesse beider Seiten.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt

�Zum gegenwärtigen Zeitpunkt besteht

trotz einiger Kommentare, die Sie

in der Presse lesen, ein militärisches Gleichgewicht zwischen den beiden Seiten.
Es gibt keine militärische Überlegenheit auf Seiten der Sowjetunion. Ich kenne
keinen vernüftigen Menschen innerhalb oder außerhalb der Regierung, der darüber
anders denkt. In den meisten Fällen halten wir sogar einen qualitativen Vorsprung.
Aber es handelt sich nicht um einen solchen qualitativen Vorsprung, der uns
jene Art politischer Macht gäbe, die wir vielleicht gern

haben möchten, die

aber grundsätzlich unerreichbar ist, wenn man die Ressourcen bedenkt, die auf
Seiten der Sowjetunion vorhanden sind.
Wir haben damit die Wahl: Wir können entweder den militärischen Wettstreit
uneingeschränkt weiterführen oder wir können irgendeinen Weg finden, wie man
diesen Wettstreit durch wirksame Rüstungskontrollmaßnahmen zu zügeln vermag.
Ich glaube, daß niemand von uns bereit wäre, zuzusehen, wie die Sowjetunion
eine militärische Überlegenheit in einem Ausmaß erreicht, das vielleicht nicht
unbedingt zu einem Krieg führen muß, das aber sicherlich zu einer Art von Welt
führt, in der unsere Interessen keine Unterstützung finden würden.
Im wesentlichen sehe ich in den Verhandlungen über Rüstungskontrolle eine
Maßnahme, durch die wir die Sicherheit der Vereinigten Staaten am besten verteidigen können. Und ich glaube, daß wir mit den Sowjets zu Rande kommen können,
weil sie von derselben Anschauung ausgehen müssen. Man muß den Motiven der
Sowjetunion nicht unbedingt trauen, um überzeugt zu sein, daß sie in der Frage
der Rüstungskontrolle in gutem Glauben verhandelt. Man kann jedermann vertrauen,
daß er seine eigenen Interessen schützen wird. Und man kann jeder Nation vertrauen, daß sie die Schritte unternehmen wird, die ihre nationale Sicherheit
schützen werden.
Wir befinden uns gegenwärtig in einer Situation, in der wir - wie es Verteidigungsminister Harold Brown am vorigen Sonntag in dem Fernsehinterview
"Fragen und Antworten" bezeichnete - ein stabiles strategisches Gleichgewicht
haben. Wir meinen damit, daß zum gegenwärtigen Zeitpunkt - wie immer die
Umstände internationaler Reibungen, wie immer die Spannungen und wie immer auch

- 5 -

�auch die Provokationen sein mögen - keine Seite irgendeinen Anreiz dazu haben
könnte, einen "Erstschlag" zu führen. Keine Seite könnte sich für die Option
entscheiden, in einen Nuklearkrieg einzutreten.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügen wir über mehr als 9 000 einzelne
nukleare Gefechtsköpfe mit Zielrichtung Sowjetunion. Die Sowjets verfügen
auch nicht annähernd über diese Anzahl; sie besitzen nur etwa 4 500 Gefechtsköpfe. Aber auf jeden Fall ist das mehr als die verfügbaren Ziele. Und in jedem
Fall bedeutet dies, daß die angegriffene Seite in der Lage wäre, mit einem
vernichtenden Vergeltungsschlag zu antworten und das andere Land als Industriegesellschaft auszulöschen.
Das ist ein

düsteres Bild, aber es ist noch das beste, das wir erhoffen

können, wenn wir an Stabilität im Zeitalter der Kernwaffen denken. Und die
Anomalie besteht darin, daß unsere beiden Länder weiterhin ohne Zurückhaltung
mehr und mehr an Kernwaffen ansammeln und Tausende von Milliarden Dollar dafür
ausgeben. Das Beste, worauf wir hoffen können, ist, daß sich die Situation nicht
noch verschlimmert und daß nicht eines Tages eine Waffe entwickelt wird, die
das strategische Gleichgewicht destabilisiert.
Das ist natürlich ein mächtiger Anreiz für die Vereinigten Staaten, Verhandlungen zu führen. Und das ist auch ein mächtiger Anreiz für die Sowjetunion.
Und es gibt - soweit es mich betrifft - noch weitere Gründe, die auf Verhandlungen
in gutem Glauben auf dem Felde der Rüstungskontrolle hindeuten.
Für die Sowjetunion gibt es auch noch politische Gründe. Offensichtlich
ist es für sie wichtig, sich in verantwortungsbewußter Weise mit den Vereinigten
Staaten über Maßnahmen auseinandersetzen zu können, die die Sicherheit der Welt
betreffen. Und schließlich gibt es meiner Meinung nach reale militärische Gründe,
warum die Sowjetunion bereit ist, in gutem Glauben über die Rüstungskontrolle
zu verhandeln. Moskau ist sich darüber im klaren, daß wir auf keinen Fall willens
wären, den Sowjets militärische Überlegenheit zuzugestehen. Die Alternative

�Die Alternative ist also, daß sie sich mit Maßnahmen seitens der USA als
Antwort auf ihren militärischen Aufbau konfrontiert sehen würden. Darüber
hinaus müssen sich die Sowjets

dessen bewußt sein, daß wir auf technologischem

Gebiet tatsächlich führend sind.
Und dann gibt es noch, vom militärischen Standpunkt aus gesehen, den
gesamten Komplex der Nichtweiterverbreitung (Nonproliferation). Die Sowjetunion wie auch wir müssen mit der Gefahr rechnen, daß Kernwaffen in die Hand
von immer mehr Ländern oder gar sub-nationalen terroristischen Gruppen fallen.
Ich habe keinen Zweifel daran, daß - sollten Kernwaffen tatsächlich eine so
weite Verbreitung finden - dies das Risiko immei größer machen würde, daß eine
Atomwaffe wirklich einmal aus Zorn oder Verärgerung eingesetzt würde.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben unsere Beziehungen zur Sowjetunion und
der beiderseitige Besitz von Kernwaffen einen Sättigungsgrad erreicht, wo nur
Wahnsinn ihre Anwendung veranlassen könnte. Aber wir können uns nicht darauf
verlassen, daß weniger stabile Regierungen mit weniger Erfahrung auf diesem
Gebiet oder gar terroristische Gruppen ein vergleichbares Maß gesunder Zurückhaltung an den Tag legen.
In dieser Hinsicht glaube ich, daß die Verhandlungen über ein umfassendes
Versuchsverbot, die während der letzten fünf Wochen in Genf geführt wurden,
überaus wichtige Konsequenzen für das Proliferationsproblem haben werden. Sie
wissen sicher, daß diese Verhandlungen auf trilateraler Basis geführt werden.
Großbritannien ist zusammen mit der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten
darum bemüht, den Nuklearversuchen ein Ende zu machen.
Es hat einige ernsthafte Hindernisse gegeben, was erklärt, daß wir zwar
seit 20 Jahren nach einem vollständigen Versuchsverbot streben, daß wir dies
bisher jedoch nicht erreicht haben, und daß es schon 15 Jahre her ist, seit wir
einen begrenzten Versuchsstopp erlangten, der die Versuche in der Atmosphäre
beendete.
Eines der Hauptprobleme bildete
- 7 -

�Eines der Hauptprobleme bildete die Kontroverse zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion über die F r a ^ , wie weit sich ein solcher Vertrag
über ein Verbot nuklearer Versuche erstrecken sollte. Wir argumentierten, daß
ein solcher Vertrag, sollte er wahrhaft umfassend und wirksam sein und eine
maximale Wirkung in Bezug auf die Eindämmung jeder weiteren Proliferation
haben, alle nuklearen Versuche verbieten müsse, und nicht nur die sogenannten
Waffentests.
Die Sowjetunion schien jedoch besonders großen Wert auf die weitere Durchführung sogenannter friedlicher Kernexplosionen zu legen, also auf die Anwendung
nuklearer Sprengsätze für eine ganze Reihe von Zwecken, wie beispielsweise
zur besseren Erschließung von Erdgas - und Ölquellen,für die Bergbautechnik und
die Flußregulierung.
Wir hatten unsererseits in den letzten beiden Jahren den Standpunkt vertreten,
daß der mögliche wirtschaftliche Nutzen, wie groß er auch sein möge, weit hinter
den für beide Länder und für die Menschheit aus einer völligen Einstellung der
nuklearen Explosionen sich ergebenden Vorteile zurückstehen würde.
Nun, wir können der Sowjetunion wirklich keinen Vorwurf aus der von ihr
eingenommenen Position machen. Es ist noch gar nicht so lange her, daß wir in
den Vereinigten Staaten wahrhaft recht ehrgeizige Ziele durch den Einsatz von
nuklearen Sprengsätzen für friedliche Aufgaben ins Auge faßten. Beispielsweise
überlegten wir damals, daß damit vielleicht die Möglichkeit gegeben wäre, einen
neuen Panamakanal auszuschachten. Diese Zukunftsaussichten begannen sich dann
jedoch mehr und mehr zu verflüchtigen. Was den Panamakanal anbetrifft, so wurde
von manchen Leuten vorausgesagt, daß die sich damit ergebenden gewaltigen Erdbewegungen höchstwahrscheinlich nicht nur den neuen Kanal zuschütten, sondern
auch den alten außer Betrieb setzen könnten. Jedenfalls haben wir diese Pläne
fallengelasssen.
Die Sowjets haben weiter dar-n festgehalten, daß jedes umfassendes Versuchsverbot die friedlichen nuklearen Detonationen ausschließen müsse. Wir dagegen

�dagegen vertraten die Position, daß damit nicht nur die Möglichkeit gegeben
wäre, weitere militärische Vorteile zu erlangen, sondern auch der gewünschte
Effekt verloren gehe, andere Länder daran zu hindern, ihre eigene Kapazität
auf dem Gebiet nuklearer Sprengmittel zu entwickeln.
Sie erinnern sich, daß vor wenigen Jahren die indische Regierung einen
nuklearen Sprengsatz zur Detonation brachte, was sie dann prompt als eine
friedliche nukleare Explosion bezeichnete. Die Resultate sind selbstverständlich
von denen einer nuklearen Bombe kaum zu unterscheiden, weil es sich ja auch in
der Tat um eine nukleare Bombe handelt.
Wir sind überzeugt, daß es vom Standpunkt der Proliferation aus gesehen
für jedes Land sehr, sehr schwierig wäre, die Konsequenzen in Form einer internationalen Ächtung zu tragen, wenn es ein neues Mitglied des Nuklear-Clubs
werden sollte - sofern Großbritannien, die Sowjetunion und die Vereinigten
Staaten alle zusammen gänzlich auf alle weiteren nuklearen Detonationen verzichteten.
Ich bin erfreut^berichten zu können, daß die Rede, die Präsident Breschnew
in der vorigen Woche gehalten hat, in der Tat einen sehr bedeutsamen Schritt
seitens der Sowjetunion darstellt. Die sowjetische Verhandlungsdelegation in
Genf hat auch unverzüglich bekräftigt, daß Breschnew meinte, was er sagte, und
daß die Sowjetunion zu einem Moratorium für alle Kernexplosionen zu friedlichen
Zwecken bereit sei»

das mit dem Verbot nuklearer Waffentests zusammengehen

würde.
Es verbleiben noch eine Reihe sehr
werden müssen, aber ich bin hier weit,
zehn Tagen war. Ich glaube, daß es ein
Sowjets war. Ich glaube, daß damit das

schwerwiegender Probleme, die gelöst
weit optimistischer,als ich es noch vor
sehr konstruktiver Schritt seitens der
Problem schließlich gelöst werden wird.

Wie bereits angedeutet, gibt es noch Probleme, vor allem die Frage, ob
Frankreich und China überredet werden können, sich einem vollständigen Versuchs-

- 9 -

�Versuchsverbot anzuschließen. Natürlich würden wir das gern

sehen. Wir sind

der Meinung, daß der wichtigste Aspekt der Beendigung von Kernwaffenversuchen
und Nuklearexplosionen überhaupt darin besteht, daß die beiden Länder, die die
Hauptnuklearmächte sind, die den größten Teil der Versuche durchführen, einem
Abkommen beitreten, das ein Ende all dieser Versuche bringt.
Und selbstverständlich ist die Beteiligung von Großbritannien in dieser
Hinsicht von immenser Bedeutung, was die internationale

Unterstützung angeht,

und auch als Beweis, daß es sich hier nicht etwa um einen Kuhhandel zwischen
den Supermächten handelt.
Was also dieses Problem der Nonproliferation anbetrifft, so ist das eine
Sache, in der wir und die Führung der Sowjetunion gemeinsamen Boden finden können.
Hier liegt eine Übereinstimmung der Interessen vor, die einen ausdrücklichen
Anreiz für unsere Rüstungskontrollinitiativen schafft.
Hinsichtlich der SALT-Verhandlungen selbst wird häufig der Vorwurf laut,
daß wir den Russen nachgäben, daß wir Zugeständnisse machten, daß alles einseitig
sei, daß wir übervorteilt würden.
Ich habe mich immer bemüht, diesen Vorwürfen entgegenzutreten, indem wir
uns damit verteidigen, daß wir nicht übervorteilt werden. Wir müssen einsehen,
daß jedes Abkommen einander entsprechende Beschränkungen auf beiden Seiten enthalten wird. Die Dinge sind in Bewegung geraten, das steht außer Frage, aber
die Bewegung war nicht einseitig.
Ich möchte Sie auf die ersten Tage der Carter-Administration und an unsere
ersten Bemühungen auf dem Gebiet der strategischen Rüstungskontrolle verweisen.
Sie werden sich erinnern, daß Außenminister Vance im März dieses Jahres nach
Moskau ging. Wir hatten Alternativvorschläge mitgebracht. Einer davon war ein
sogenanntes umfassendes Paket, das einen ganz dramatischen Schritt vorwärts
zu einer wirksamen Kontrolle der strategischen Nuklearwaffen darstellte.
Es bestand aus einer
10 -

�Es bestand aus einer ganzen Reihe von Bestimmungen, die bedeutet hätten,
daß auch das qualitative Wettrüsten verlangsamt worden wäre, statt nur lediglich
neue numerische Begrenzungen für die Zahl der strategischen Nuklearwaffen auf
beiden Seiten festzulegen. Das Abkommen hätte auch bedeutsame Verringerungen
in der Gesamtzahl sogenannter Trägerwaffen für strategische Nuklearwaffen mit
sich gebracht. Es hätte eine Verringerung der Zahl der Träger bedeutet, die mit
Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV - eine Abkürzung von Multiple Independently
Targetable Re-entry Vehicles, d.h., mehrere unabhängig voneinander zielgeplante
Gefechtsköpfe auf einem Träger) ausgerüstet werden können, die genau gezielt
auf eine Reihe von Zielen gerichtet werden können. Es hätte cerner eine
Verringerung in der Einführung neuer Typen von Nuklearraketen bedeutet.
Die Sowjetunion war, wie wir herausfanden, der Meinung, daß dies zu weit und
zu schnell gehe. Die Sowjets waren ferner der Meinung, daß das über das von
Präsident Ford und Generalsekretär Breschnew im Jahre 1974 in Wladiwostock
Vereinbarte hinausgehe.
Da wir mit dieser Möglichkeit rechneten, hatten wir im März in Moskau einen
Alternativvorschlag bereit, und das war das sogenannte Aufschub-Paket. Es hätte
bedeutet, daß wir in einem Vertrag die Höchstgrenzen von Wladiwostock akzeptiert
hätten, die bei der Gesamtzahl der strategischen nuklearen Trägerwaffen 2 400
betrug, von denen 1 320 mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstet werden dürften.
Alle anderen Fragen sollten auf anschließende SALT-Verhandlungen verschoben
werden.
Auch das lehnte die Sowjetunion als nicht weit genug gehend ab.
Wo stehen wir heute, unc' wie sind wir dahin gelangt? In den Monaten seit
März hat sich ein SALT II-Vertrag abzuzeichnen begonnen, der, wie ich sagen
möchte,

zwischen den beiden Vorschlägen liegt, die wir im März unterbreiteten.

Er geht in einem Schritt nicht so weit wie unser umfassender Vorschlag vom
März. Er bedeutet jedoch vom Standpunkt der Rüstungskontrolle aus, vom Schutz

- 11 -

�Schutz der Unverwundbarkeit unserer Abschreckung aus, vom Standpunkt unserer
nationalen Sicherheit aus einen bedeutsamen Schritt vorwärts und ist viel besser
als unser "Aufschub-Paket" vom März.
Man kann also nicht sagen, daß es seit Moskau einen ständigen Rückzug gegeben hat, sondern ich würde sagen, einen strategischen Vormarsch. Jetzt sehen
wir ein SALT II-Abkommen im Entstehen begriffen, das uns praktisch in der wirksamen Rüstungskontrolle voranbringen wird. Es wird eine bedeutsame Verringerung
sowohl der Gesamtzahl der nuklearen Trägerwaffen als auch der Zahl jener Träger
bringen, die mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestattet sind.
Von diesem Standpunkt aus vermindert das Abkommen die Bedrohung unserer
eigenen landgestützten Interkontinentalraketen. Es vermindert das GegenkraftPotential. Es wird eine Verringerung der Zahl der Interkontinentalraketen mit
Mehrfachgefechtsköpfen

bedeuten, über die die Sowjetunion verfügt. Und es wird

bedeuten, daß wir hoffen dürfen, zumindest als Anfang den qualitativen Verbesserungen der Kernwaffen, die sich potentiell destabilisierend auswirken,
Einhalt zu gebieten.
Ich glaube, es besteht kein Zweifel, daß das Abkommen eine wesentliche Verbesserung gegenüber unserem Aufschub-Paket vom März dieses Jahres darstellt.
Nach meiner Meinung weist es auch den Weg zu einem noch wirksameren Rüstungskontroi labkommen.
Im wesentlichen arbeiten wir an einem Rahmen aus drei Stücken. Das erste
Stück wäre ein Grundvertrag mit Geltungsdauer bis 1985, der die zahlenmäßigen
Grenzen festlegen würde, die einige der Waffenprogramme einschränken, die destabilisierend zu werden drohen.
Ferner gäbe es ein Drotokoll auf drei Jahre, in dem einige der Waffensysteme,
die sich im Stadium der Entwicklung befinden und bei denen unsere Überlegungen
noch nicht bis zu einem Punkt fortgeschritten sind, an dem wir wüßten, wo unsere

-12-

�unsere besten Interessen für eine langfristige Lösung liegen würden, auf einer
mehr temporären Basis behandelt werden.
Es würde uns ferner in die Lage versetzen, mit all den Entwicklungen fortzufahren, die nach unserer Auffassung unerläßlich sind, um unsere Sicherheit
zu gewährleisten, falls die Rüstungskontrolle sich als Fehlschlag erweisen
sollte.
Eines der Probleme, das zum heutigen Zeitpunkt besteht, ist die Tatsache,
daß wir uns bemühen, einen Vertrag gegen Kritik zu verteidigen, der unvollständig bleibt. Und wir versuchen, ihn gegen ein Ideal zu verteidigen, das
nicht existiert.
Worum es derzeit geht, ist die Frage, ob dieser Vertrag so gut wie irgendein anderer hypothetischer, theoretischer Vertrag ist. Und die Antwort darauf
lautet natürlich: "Nein!". Ich könnte mir einen Vertrag erträumen, der besser
wäre. Ich glaube jedoch nicht, daß ich einen solchen Vertrag aushandeln noch
daß irgendjemand sonst dies zu diesem Zeitpunkt tun könnte.
Worauf es ankommt, ist, ob dieser entstehende Vertrag die Sicherheit der
Vereinigten Staaten fördert oder verringert. Und ich kann Ihnen ohne den leisesten
Zweifel sagen, daß der Vertrag, der ausgehandelt wird, eine sehr bedeutsame
Verbesserung für die Sicherheit der Vereinigten Staaten bedeuten wird.
Das ist der Punkt, an dem wir heute im wesentlichen stehen. Das führt selbstverständlich zu einer grundlegenden Erörterung des zweiten grundsätzlichen
kritischen Einwurfs, von dem ich zu Beginn meiner Ausführungen sprach, der Frage:
"Warum brauchen wir so lange?"
Ich glai'be, die Antwort ist wirklich ziemlich leicht. Wir brauchen so lange
Zeit, weil es sehr kompliziert ist, weil man es hier mit dem Wesentlichen der
Sicherheit der Länder zu tun hat, die an den Abrüstungsverhandlungen teilnehmen.
Es geht dabei auch
- 13 -

�Es geht dabei auch um eine Situation, in der eine beachtliche Asymmetrie
zwischen den Ausgangslagen der beiden wichtigsten Militärmächte besteht. Es
bestehen Unterschiede in der Art, wie sich ihre Streitkräfte entwickelt haben,
dem Nachdruck, den sie auf bestimmte Waffensysteme gegenüber anderen legen,
und vor allem auch Unterschiede, was ihre Beziehungen zu anderen Ländern
anbetrifft, sowie ganz offensichtliche geographische Unterschiede.
Um kurz auf einige dieser Asymmetrien einzugehen:
Wir haben einen Hauptnachdruck auf die Aufrechterhaltung einer sogenannten
strategischen nuklearen Triade gelegt. Wir haben unsere strategischen nuklearen
Streitkräfte in drei Teile gegliedert: Wir haben die interkontinentalen
ballistischen Raketen; wir haben die unterseebotgestützten ballistischen Raketen
und wir haben unsere strategischen Bomber. Es besteht eine relativ gleichmäßige
Aufteilung zwischen diesen drei Komponenten.
Die Sowjetunion andererseits hat den Hauptnachdruck auf die landgestützten
Interkontinentalraketen gelegt. Daher betreffen Einschränkungen, die in erster
Linie diese Interkontinentalraketen angehen, die Sowjetunion stärker als uns.
Andere bestehende Asymmetrien sind glücklicherweise für uns günstiger. Für
uns gibt es nur eine militärische Bedrohung von Bedeutung, und das ist die durch
die Sowjetunion. Die Sowjetunion hat dagegen eine lange und unsichere Ostgrenze
mit der chinesichen Volksrepublik. Sie hat dann ferner im Westen die osteuropäischen Staaten, die sich oft als widerspenstig, wenn nicht rebellisch
erweisen. Glücklicherweise haben wir keine derart schwierige Grenzsituation.
Andererseits ist die Sowjetunion Westeuropa räumlich näher als wir, und
daher ist ihr die Dislozierung ihrer Truppen

dort leichter möglich als uns.

Was die Zukunft anbetrifft, so bin ich durchaus der Hoffnung, daß wir innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne imstande sein werden, einen SALT H-Vertrag

- 14 -

�SALT II-Vertrag zum Abschluß zu bringe!,. Er wird, wie ich glaube, etwa auf
der allgemeinen Linie liegen, die ich hier aufwies. Er wird, wie ich schon
sagte, ein bedeutsamer Schritt nach vorn sein.
Ich hoffe auch, daß wir angesichts der neuen Position, die die Sowjetunion
in der Frage der friedlichen nuklearen Explosionen eingenommen hat, in der
Lage sein werden, zu einem umfassenden Vertrag über das Verbot von Nuklearversuchen zu gelangen.
Die beiden ergänzen sich aufs beste. Wenn es uns gelingt, in einem SALTAbkommen zu einem Verbot neuer Typen von Kernwaffen zu gelangen, dann gibt das
Bestehen eines umfassenden Kernversuchsverbotes ein weiteres Maß an Gewähr
dafür, daß diese Bestimmung eingehalten wird, weil es die Entwicklung neuer
Waffenarten unendlich erschweren würde.
Was nun die anderen Fragen
betrifft, die Verhandlungen über chemische
Waffen, über Strahlungswaffen, über den Transfer konventioneller Waffen oder
die Ausschaltung der Gefahr von Anti-Satelliten-Systemen, so denke ich, daß
sie sich nach einem erfolgreichen Abschluß der beiden Hauptverhandlungen ebenfalls erfolgreich lösen lassen werden.
Wieviel Zeit dazu notwendig sein wird, das vermag ich nicht zu sagen. Doch
dürften sich diese Verhandlungen sicherlich nicht allzulange hinziehen, nachdem
es uns nunmehr gelungen ist, die Haupthindernisse zu überwinden. Wir können nur
hoffen, daß die Sowjetunion weiterhin - so wie wir - davon überzeugt bleibt,
daß der Abschluß dieser Abkommen von grundlegender Bedeutung für die Sicherheit
beider Länder und von wesentlicher Bedeutung für den Weltfrieden ist und ein
Klima schaffen wird, in dem wir, wie zu hoffen ist, viele der anderen Differenzen,
die zwischen uns bestehen und die die Nöte der Welt vermehren, beseitigen können.
+ + + + +

- 15 -

�Wirt/choft

I

United States Information Service

31

30. November 1977

INFLATIONSBEKÄMPFUNG GRUNDVORAUSSETZUNG FÜR DEN WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG
• Interview mit einem führenden Wirtschaftsberater Präsident Carters -

Dr. Lyle Gramley, Mitglied des dreiköpfigen
Wirtschaftsbeirats des amerikanischen Präsidenten, hat in einem Exklusivinterview
mit dem Korrespondenten des Amerikanischen
Informationsdienstes (United States Information Service - USIS), Tom Eichler, die
Bekämpfung der Inflation als die wichtigste
Aufgabe bezeichnet, wenn ein wirtschaftlicher
Wiederaufschwung eintreten soll. Die Lösung
dieses Problems sei zwar schwer, aber der
Regierung bleibe nichts anderes übrig, als
sich mit aller Macht an diese Aufgabe zu
machen.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE: Dr. Gramley, die Presse und auch viele Wirtschaftswissenschaftler
sind dieser Tage ziemlich pessimistisch, was die Entwicklung der Inflation
anbetrifft. Halten Sie dieser Pessimismus für berechtigt?
ANTWORT:

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�ANTWORT: Das Problem der Inflation ist sicher sehr schwierig zu lösen.
Dieses Problem plagt unser Land schon seit über einem Jahrzehnt. Obwohl in
den letzten Jahren auch eine hohe Arbeitslosigkeit herrschte, hielt sich die
Inflationsrate bei 6 bis 6,5 Prozent. Ein übertriebener Optimismus, daß wir
dieses Inflationsproblem rasch in den Griff bekommen könnten, wäre nicht
gerechtfertigt. Ich glaube, daß, allgemein gesprochen, diese Auffassung heute
bei den Wirtschaftswissenschaftlern vorherrscht. Sie geben die Hoffnung nicht
auf, daß Mittel und Wege zur Lösung des Inflationsproblems gefunden werden
mögen, aber sie sind in der Beurteilung des Problems selbst recht realistisch.
FRAGE: Glauben Sie, daß es daran liegt, daß die Wirtschaftler noch nicht
recht wissen, wie sie das Problem anpacken sollen - daß die Wirtschaftswissenschaft noch nicht weit genug entwickelt ist, um Lösungsmöglichkeiten
für das Inflationsproblem anzubieten?
ANTWORT: Ich glaube, daß jeder Wirtschaftswissenschaftler für sich sagen
würde, daß er eine Lösung für das Inflationsproblem habe - die richtige
natürlich - aber leider neigen wir dazu, unterschiedliche Auffassungen zu
haben. Nach meiner Ansicht haben wir es hier mit einem außerordentlich komplexen Problem zu tun, für das es keine einfachen Lösungen gibt. Wenn ein
inflationärer Prozeß erst einmal in Gang gekommen ist und eine Zeit angehalten
hat, dann wird er sozusagen in die Struktur der Lohn- und Preiserhöhungen
eingebaut. Es handelt sich heute nicht mehr um die einfache Art von Inflation,
wie sie in den Lehrbüchern noch vor einer Generation behandelt wurde, als zuviel Geld im Umlauf war und es zu wenig Waren gab. Ein Teil des Problems ist
auf die Tatsache zurückzuführen, daß die Gewerkschaften, wenn sie auf die
Preisentwicklung zurückblicken, erklären: "Wir brauchen Lohnerhöhungen um 8
bis 8,5 Prozent, wenn wir einen Zuwachs des Realeinkommens erreichen wollen."
Da aber solche Lohnerhöhungen weit über die Zunahme der Produktivitätsrate
hinausgehen, bedeutet das Kostenerhöhungen von 6 bis 6,5 Prozent pro Jahr.
Die Unternehmen, die eine solche Kostensteigerung erleben, erklären ihrerseits: "Wir müssen sie weitergeben, wir können sie nicht auffangen, unsere
Gewinne gehen bereits zurück." Und sie geben die Kostensteigerungen weiter.

?

�weiter. Wir haben noch keinen Weg gefunden, um diesen Kreis zu durchbrechen.
Das Problem ist in den letzten Jahren noch durch von außen kommende Faktoren,
wie die Lebensmittel Verknappung oder die Ölpreiserhöhungen, vergrößert worden. Damit wurde im Jahre 1974 ein zweistelliger Preisauftrieb verursacht.
Wir konnten das

1975

überwinden, aber wir haben immer noch eine Grund-

inflationsrate von b bis 6,5 Prozent. Es geht also meiner Ansicht nach
nicht darum, daß die Wirtschaftswissenschaftler das Problem nicht verstünden,
sondern daß das Problem so schwierig ist, daß weder wir als Nation noch andere
Länder bisher einen praktischen Weg gefunden haben, um der Inflation Einhalt
zu gebieten.
FRAGE: Das Einkommen aus Arbeit macht etwa 75 Prozent des Nationaleinkommens in den Vereinigten Staaten aus. Manche Analytiker behaupten, das
zentrale Ziel der Anti-Inflationspolitik müsse sein, die Lohnerhöhungen
niedrig zu halten. Kann man das Problem so in den Griff bekommen?
ANTWORT: Man kann das Problem nicht nur von einer Seite anpacken. Man
kann den Gewerkschaften nicht allein alle Schuld an der Entwicklung geben.
Die Gewerkschaften sind Gefangene eines Problems, das vor zehn Jahren entstanden ist. Und man kann den Gewerkschaften nicht einfach sagen, ihr seid
die Ursache des

Problems, weil die Lohnraten zu rasch steigen. Sie werden

den Spieß umdrehen und zurecht argumentieren, daß einer der wichtigsten Gründe,
warum die Löhne so rasch steigen, darin besteht, daß die Preise steigen. Die
Politik der Regierung muß einen Weg finden, um die Lohnsteigerungen zu verringern, aber sie kann das nich' tun,

ohne

gleichzeitig sicherzustellen,

daß sich auch die Preiserhöhungen in einem gemäßigten Rahmen halten.
FRAGE: Viele Länder werden in den kommenden Jahren mit schweren Arbeitslosenproblemen zu kämpfen haben. Das dürfte darauf hindeuten, daß wahrscheinlich auf die Regierungen ein starker Druck ausgeübt wird, eine expansionistische Politik zu verfolgen. Wird das die Inflationsprobleme verschärfen?
ANTWORT:
- 3 -

�ANTWORT: Ich glaube nicht, daß sich daraus Probleme ergeben müssen,
denn man kann durchaus eine expansionistische Politik verfolgen, wenn man
dies auf eine kluge Weise tut, die den inflationistischen Druck nicht erhöht. Das Ziel der Carter-Administration für 1977 war eine Beschleunigung der
Wachstumsrate auf etwa 5,75 bis 6 Prozent für 1977 und eine Aufrechterhaltung
des Wachstums 1978 in einer Größenordnung von 5 Prozent. So wie wir einer
vollen Ausnutzung unserer Ressourcen näherkommen, wird unsere Wachstumsrate
weiter zurückgeschraubt werden müssen, aber gegenwärtig sind wir nicht in
Gefahr, durch die Aufrechterhaltung der Wachstumsrate unserer Wirtschaft für
1977 eine überschüssige Nachfrage zu schaffen.
FRAGE: Es wird immer wieder von der Notwendigkeit gesprochen, Maßnahmen
zum Abbau der strukturellen Unzulänglichkeiten der Arbeitsmärkte zu ergreifen,
damit die Arbeitslosigkeit durch andere Mittel gesenkt werden kanr

als nur

durch di( Stimulierung der Wirtschaft. Sehen Sie große Möglichkeiten für
einen Fortschritt in dieser Richtung?
ANTWORT: Ich glaube, wir sind uns alle einig, daß wir auf diesem Gebiet
mehr tun müssen als bisher. Leider waren frühere Bemühungen, das Funktionieren
der Arbeitsmärkte zu verbessern, nicht besonders erfolgreich. Wir haben in
unserem Land eine Menge Geld für Ausbildungsförderungsprogramme ausgegeben,
und wir hatten keinen merklichen Erfolg damit. Wir müssen bessere Mittel
und Wege finden, um dieses Problem zu lösen, und die Administration prüft
diese Angelegenheit derzeit sorgfältig.
FRAGE: Glauben Sie, daß die Vereinigten Staaten mit Hilfe von Indexierung
oder anderer Mittel mit einer stetigen Inflationsrate leben können?
ANTWORT:

Es wäre ein riskantes Spiel, wenn man zu der Entscheidung

käme, daß man mit 6 oder 7 oder 8 Prozent Inflation leben könnte - und dann in
institutionellen Vereinbarungen all die Dinge zu verankern, die es einem
nicht nur erlauben, sondern einen sogar zwingen könnten, mit der Inflation
zu leben. Damit würde man die inflationären Erwartungen nur noch schüren,

- 4 -

�schüren, denn man würde der Öffentlichkeit den Eindruck vermitteln, daß die
Regierung die Hoffnung aufgegeben habe. Das würde das Inflationsproblem nur
verschärfen. Man könnte natürlich rein akademisch sagen, daß Indexierung helfe
könnte, mit der Inflation zu leben. Aber in der realen Welt wäre es höchst
unklug, wenn die Regierung in diese Richtung ginge.
FRAGE: Was wäre eine tragbare Inflationsrate? Welches wäre ein vernünftiges langfristiges Ziel für die Regierung?
ANTWORT: Die Regierung muß natürlich eine möglichst niedrige Zahl anstreben. Man darf der Öffentlichkeit natürlich nicht sagen, daß man mit
6 Prozent oder mit 5 Prozent oder mit 4 Prozent zufrieden wäre. Wenn man sich
erst mit einer bestimmten Inflationsrate zufrieden gibt, dann weckt man
Erwartungen, und dann wird es fast unmöglich sein, unter diese Inflationsrate zu kommen. Und dann wird man in Zeiten, in denen politische Fehler
gemacht werden, oder eine neue Lebensmittelknappheit eintritt oder eine neue
öl Preiserhöhung kommt, dazu neigen, die Inflationsrate über die Minimalrate
hinaus zu beschleunigen, und dann wird man kaum je wieder herunterkommen.
Ich halte es für die einzig praktikable Lösung, daß sich die Regierung ein
Ziel von fast Null setzt und hart arbeitet, um diesem Ziel so nahe wie
möglich zu kommen.
FRAGE: Können Sie sich vorstellen, daß die Angebotsseite eine wichtige
Rolle bei der Bekämpfung der Inflation spielen könnte?
ANTWORT: Unbedingt! Das im April bekanntgegebene Anti-Inflationsprogramm
des Präsidenten enthielt Maßnahmen auf der Angebotsseite. Zu diesen Maßnahmen
zur Verstärkung des Angebots sollten Maßnahmen zur Erhöhung der Herstellungskapazität, vor allem in den Schlüsselindustrien, gehören, damit keinerlei
Engpässe und kein Preisdruck auftreten, wie das 1973 und 1974 geschah. Und
dazu gehören auch Maßnahmen zur Steigerung der Produktivität.
FRAGE: Nehmen wir einmal an, die Organisation öl exportierender Länder

�Länder (OPEC) erhöht die ölpreise in den nächsten Jahren erneut. Wie könnten
wir damit fertig werden?
ANTWORT: Wir können damit fertig werden, wenn wir unsere Abhängigkeit
von ausländischem öl verringern, und ich glaube, das wird uns gelingen. In
den nächsten fünf bis sieben Jahren wird die Fähigkeit der OPEC, die ölpreise im Verhältnis

zu den anderen Preisen anzuheben, stark eingeschränkt

sein. Die Energieeinsparungsmaßnahmen, die seit 1974 in den Vereinigten
Staaten und in anderen Ländern eingeführt worden sind, haben das Verhältnis
von Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt bereits beträchtlich verändert.
Ich glaube, es würde der OPEC im Augenblick schwerfallen, den ölpreis sehr
viel höher zu treiben.
.

•

•

.

FRAGE: Wenn man von Inflation spricht, dann kommt die Rede immer auf
Kontrollen - entweder formale Kontrollen oder mehr lockere Empfehlungen oder
zwanglose Ermahnungen. Was halten Sie von dieser Methode?
ANTWORT: Gesetzliche Kontrollen, wie sie in unserem Land von 1971 bis
Anfang 1974 praktiziert wurden, funktionieren nicht - das wissen wir. Womit
wir damals Schluß machten, war, den Preisdruck zu unterdrücken, der sich
dann über alles ergoß, als die Preiskontrollen aufgehoben wurden. Wir
machten auch Schluß mit der schweren Verzerrungen in der Verteilung der
Ressourcen. Wir hegen noch immer die Hoffnung, daß es möglich sein wird,
freiwillige Obereinkünfte zu erreichen, die zur Linderung des inflationistischen Drucks beitragen.Die Administration hat auf ganz formeller Basis
einen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Ausschuß ins Leben gerufen, der von Zeit zu
Zeit zusammenkommt, um Verfahren auszuarbeiten, die einer Mäßigung auf der
Preisseite und auf der Lohnseite dienen. Ob das auf die Dauer erfolgreich
sein wird, wissen wir nicht. Wir halten es jedoch für wichtig, es zu versuchen.
Die Gewerkschaftsführer sind sich darüber im klaren, daß ein zu rascher
Anstieg der Lohnraten ein Problem aufwirft. Die Unternehmer sind sich
darüber im klaren, daß ein zu rascher Preisanstieg ein Problem aufwirft. Wenn
- 6 -

�Wenn man erst die Probleme des jeweils anderen erkannt hat, dann bietet
sich auch eine Basis für vernünftige Verhandlungen.
FRAGE: Welche Auswirkungen werden Einfuhrquoten und "Marktregelungsabkommen" auf die Inflation in den Vereinigten Staaten haben?
ANTWORT: Die bisherige Entwicklung war etwas beunruhigend, da man
fürchten muß, Präzedenzfalle zu schaffen. Aber was sich in der Praxis in der
Schuhindustrie oder bei Fernsehempfängern abgespielt hat, wird für sich allein
keine wesentlichen Auswirkungen auf die Preise haben. Wenn wir jedoch in
Richtung auf einen Protektionismus viel weiter gehen, dann können wir mit
Vergeltungsmaßnahmen im Ausland rechnen. Ein wesentlicher Ruck zum Protektionismus wäre nicht nur im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Inflation
höchst unglücklich, sondern auch hinsichtlich einer effektiven Nutzung der
Ressourcen weltweit gesehen. Er wäre hinsichtlich der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit eine kostspielige Sache.
FRAGE: Ist das der Standpunkt der Carter-Administration?
ANTWORT: Ganz sicherlich. Diese Administration hat eine ganz klare
Meinung, daß wir einen freieren internationalen Handel wollen. Aber einem
freieren internationalen Handel näherzukommen, ist außerordentlich schwer,
wenn - wie dies gegenwärtig der Fall ist - die Weltwirtschaft weitgehend
unter einer Flaute leidet. Hier in den Vereinigten Staaten und in anderen
Ländern werden Forderungen nach Protektionismus laut. Wir müssen diesen
Forderungen mit aller Kraft widerstehen.
FRAGE: Trägt das gegenwärtige Wechselkurssystem zur Inflation bei?
ANTWORT: Ich glaube das eigentlich nicht. Man hat argumentiert, daß ein
flexibles Wechselkurssystem die Disziplin eines festen Wechselkurses für
die Währungs- und Fiskalpolitik aufhebe. Aber wenn ich an die früheren Jahre
der festen Wechselkurse zurückdenke, dann erinnere ich mich, daß eine ganze

- 7 -

�ganze Reihe von Ländern eine hohe Inflationsrate aufzuweisen hatte und
daß sie taten, was sie tun mußten, nämlich ihre Währungen abzuwerten. Ich
betrachte die hohen Steigerungsraten des Geldumlaufs und die aggressive
Fiskalpolitik Anfang der siebziger Jahre keineswegs einfach als eine Folge
des flexiblen Wechselkurssystems. Ich glaube, man hat manche Dinge falsch
beurteilt, und diese Fehlurteile werden jetzt berichtigt. Wie ich sehe, wird
heute auf der ganzen Welt eine sehr viel vorsichtigere und klügere Politik verfolgt.
FRAGE: Aus dem, was Sie gesagt haben, glaube ich, Ihre Auffassung zu
erkennen, daß ein Großteil des Kampfes gegen Inflation eine psychologische
Angelegenheit ist - Senkung der inflationären Erwartungen - und daß, solange
diese Erwartungen nicht gesenkt werden, die Inflationsrate nicht gesenkt
werden kann.
ANTWORT: Das ist wohl richtig, aber inflationäre Erwartungen werden
gesenkt, indem man eine angemessene Politik verfolgt. Es gibt zwei Dinge,
die wesentlich sind; beide würden zu einer Mäßigung der inflationären Erwartungen beitragen. Das eine ist die Aufrechterhaltung der richtigen Umwelt
der Währungs- und Fiskalpolitik. Das zweite ist der Ausbruch aus dem endlosen Kreis der Lohnerhöhungen, die zu Preiserhöhungen führen, die wiederum
die Löhne hochtreiben. Wir haben noch keine Methode dafür gefunden. Vielleicht
wird der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Ausschuß einen gangbaren Weg finden. Ich
hoffe das sehr, denn die Bewältigung des Inflationsproblems ist eine ganz
entscheidende Aufgabe, wenn diese Administration bis 1981 ihr Ziel der Vollbeschäftigung erreichen will. Wenn die Inflation wieder anfängt zu kochen,
dann haben wir das ganze Spiel verloren. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit lehren uns, daß man wirklich in Schwierigkeiten ist, wenn die Inflation
erst wieder in Fahrt kommt. Dann legt man die Saat für eine neue Rezession.

+ + + + +

- 8 -

�Uli//en/chaft
miü Technik
United States Information Service

31

30. November 1977

BRUCHFESTES GLAS ZUM EINKAPSELN VON ATOMMÜLL

(AD). - Neuartige Glasmassen für die sichere Verpackung von stark
radioaktiven Abfällen haben die Physikprofessoren Dr. Theodore Litovitz,
Dr. Peoro Macedo und Dr. Joseph Simmons von der Katholischen Universität
der amerikanischen Bundeshauptstadt Washington entwickelt. Die als Einschlußmaterial verwendeten Gläser in Stabform halten hohe Radioaktivität
für einen sehr langen Zeitraum zurück - man schätzt, für mindestens eine
Million Jahre. Die bisher zum Einkapseln radioaktiver Abfälle versuchsweise
verwendeten Gläser garantieren dies nur für ca. 1 000 Jahre.
Die Festigkeit der neuen Glasmassen entspricht etwa der des Stahls. Sie
sind poröser als gewöhnliches Glas, so daß sie die radioaktiven Stoffe gut
absorbieren können. Ist die Einschlußmasse mit nuklearen Abfällen gesättigt,
wird sie erhitzt. Dabei konzentrieren sich die radioaktiven Stoffe in der
Mitte des Glasstabs, der an der Außenseite eine Auflage aus reinem, nichtporösem Glas erhält.
Wie die drei

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Wie die drei Wissenschaftler erklären, können diese Glasstäbe sicher
in Salzbergwerken gelagert werden, wohingegen die bisher angewandten Methoden
zur Zwischen- oder Endlagerung nuklearer Abfälle in ehemaligen Salzbergwerken keine zufriedenstellende Lösung bedeuten. Außerdem sei es möglich, die
Glasstäbe, die noch eine schwache Strahlung abgeben, für praktische Zwecke
wie Abwasserbehandlung oder Konservierung von Nahrungsmitteln zu verwenden.
Dadurch würden teure und keineswegs immer sichere Präparate zur chemischen
Behandlung überflüssig.

+ + + + +

�1
I

Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service

31

30. November 1977

EINE NEUE SPUR FÜR DIE ENTWICKLUNG IRDISCHER LEBENSFORMEN
Amerikanische Wissenschaftler identifizieren Methanbakterien als
möglicherweise älteste Organismen

(AD). - Eine bestimmte Art von Mikroorganismen, die hauptsächlich von
Kohlendioxid und Wasserstoff leben und Methan als Stoffwechselprodukt abgeben, könnten möglicherweise die älteste Form von Leben auf der Erde
darstellen. Man hatte sie bisher den gewöhnlichen Bakterien zugerechnet,
was jedoch falsch ist. Zu dieser Ansicht kamen Dr. Carl R. Woese, Professor
der Genetik und Entwicklungsbiologie, und Dr. Ralph S. Wolfe, Professor
der Mikrobiologie, an der Universität von Illinois in Urbana nach mehrjährigen Forschungen, bei denen in den unwirtlichsten Gebieten der Erde,
in Eis-, Stein- und Sandwüsten, nach Anzeichen für Leben und Möglichkeiten
für das überleben von primitiven Organismen gesucht wurde. Die Arbeiten
wurden von der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) und der Weltraumbehörde NASA finanziert, die sich vor allem im Hinblick auf mögliche Lebensformen außerhalb der Erde, etwa auf anderen Planeten unseres Sonnensystems,
an dem Projekt beteiligte.
Die methanproduzierenden Mikroorganismen, die als "Methanobacteria
thermoantotrophica" bezeichnet werden, fand man nur an Orten, wo es kr:nen

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�keinen Sauerstoff gibt

beispielsweise in sehr großer Tiefe in den heißen

Quellen des Yellowstone-Parks, Manche scheinen bei Temperaturen zwischen
65 und 70 Grad Celsius am besten zu gedeihen. Es hat den Anschein, daß es
sich um Überbleibsel aus einer mehr als vier Milliarden Jahre zurückliegenden
Zeit in der Erdgeschichte handelt. Die Organismen geben brennbares Methangas als wichtigstes Stoffwechselprodukt ab und beziehen Energie und Nahrung
aus einfachen Substanzen wie Kohlendioxid und Wasserstoff - Gasen also, die
in der primitiven Atmosphäre der jungen Erde vor vier bis drei Milliarden
Jahren vorherrschend waren. Sauerstoff, den es in der Uratmosphäre nicht
gab, brauchen sie nicht, ebensowenig kompliziertere Verbindungen wie Zucker
und Aminosäuren, die die meisten anderen Organismen als Nahrung benötigen.
Nach Dr. Woese dürfte sich dieser Typ von Mikroorganismen schon während
der ersten Jahrmilliardr in der Frühgeschichte der Erde entwickelt haben.
Fossile Spuren gibt es von ihnen nicht, weil damals die Erdkruste noch nicht
erstarrt war, Nach Meinung der Wissenschaftler könnte die Entdeckung jedoch
Hinweise auf eine der bisher unbekannten Phasen der Evolution geben - eine
Phase, die der Entwicklung von Leben, wie wir es kennen, unmittelbar vorausging. Die Erkenntnisse darüber sind noch sehr lückenhaft.
Wie Dr. Woese erklärte, repräsentieren die jetzt analysierten Mikroorganismen eine Linie der Evolution, die von den zwei bisher bekannten Linien den "höheren Formen" tierischer und pflanzlicher Lebewesen und den "niederen
Formen" der Bakterien - völlig getrennt ist. Die traditionelle Zweiteilung
gründet sich letztlich auf die Hypothese, daß alles Leben auf der Erde auf
einen gemeinsamen Stamm, vermutlich eine einfache Zelle, zurückzuführen sei,
von der sich vor fast vier Milliarden Jahren die beiden Entwicklungslinien
abzweigten. Noch älter als diese"Stammzellen" dürften jedoch die Methanbakterien
sein.
Trotz des Fehlens fossiler Spuren für primitive Formen von Leben vermag
heute die Wissenschaft Evolutionslinien aufzuspüren, weil die lebende Zelle

- 2 -

�Zelle in ihren Genen gewisse f'erkmale 6er biologischen Vergangenheit enthält.
In der. letzten drei Jahrzehnten wurden verfahren entwickelt, mit denen solche
genetischen "Urtexte" teilweise entziffert werden können. Besonders aufschlufreich war bei den Methanbakterien die Zusammensetzung der Ribosomen-RNS
(RNS - inbonukleinsa'ure, Bestandteil aller selbständig existierenden und
re;roduktionsfähigen Systeme). Sie bildet die Hauptbausteine der Riboscmen,
jener', kugelförmigen Partikeln innerhalb der Zelle, welche die "Botschaften"
6er Gene aufnehmen und dementsprechend Proteine aufbauen. Ribosomen-RNS
gelten als sehr alte Komponenten, die noch Teile 6er primitiven Replikationssysteme enthalten. Deshalb eionen sie sich besonders gut für Vergleichsstudien.
Professor 'v'oese und seine Kitarbeiter stellten Im Ver'aui" ihrer Analysen
/ergleiche mit den Zeller. aller nur erdenklichen Mikroorganismen und "höherer"
Lebewesen an. Unter anderem wurde Ribosomen-RNS von Mrthanbakterien mit
Enzymen in kleine Einheiten aufgespalten und deren molekulare Sequenzen bestimmt.
Beim Vergleich mit den Sequenzen der KontrollOrganismen trat der große Unterschied zu deren Ribosomen-RNS besonders deutlich in Erscheinurg.
Wie Professor Woese erklärte, gibt diese Entdeckung Anlaß zu neuer Hoffnung,
6v.^ die Wissenschaft eines Tages die Entstehung von Leben auf der Erde in allen
Phasen verde erklären können. Auch sei man jetzt besser als zuvor in der Lage,
Lebensformen zu verstehen und aufzufinden, die sich außerhalb der Er - in
unserem Sonnensystem oder in noch weiter entfernten Bereichen entwi kelt haben
könnten.

+ + + + +

- 3 -

�m .lau
TPm

Information
United States Information Service

31

30. November 1977

"REHABILITATION USA"
Eine Ausstellung von therapeutischen und orthopädischen Hilfen
für Behinderte in Paris

Es gibt nach jüngsten Schätzungen auf der Welt rund 475 Millionen
Behinderte. Sie mit orthopädischen und anderen Hilfsmitteln zu versorgen,
die ihnen das Dasein erleichtern i'nc' zu einem möglichst "normaler" '.eben
verhelfen, wird heute in vielen Ländern und vor allem auch in den Vereinigten
Staaten als ein dringendes Problem angesehen.
In den Vereinigten Staaten befassen sich immer mehr gewerbliche und
industrielle Unternehmen mit der Entwicklung immer neuer und besserer Hilfsmittel für Behinderte. Einen Überblick über deren Leistungsfähigkeit zu geben,
ist. Zweck der Ausstellung "Rehabilitation USA", die vom 25- bis 2£ April 1978
im "U.S. Trade Center" in Paris gezeigt werden wird. Die Ausstellung, an der
sich nahezu 40 amerikanische Herstellerfirmen beteiligen, ist mit einem
Seminar verbunden, in dem sich Ärzte, der Fachhandel unc Interessenten über
die wichtigsten Neuerungen auf diesem Gebiet der Rehabilitation und Wiedereingliederung Behinderter in den Arbeitsprozeß informieren können.
Im Rahmen der Ausstellung werden u.a. Lehr- und Trainingshilfen für die

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�für die Sprechausbildung von Tauben, beschäftigungstherapeutische Geräte,
Prothesen und andere orthopädische Hilfen, Apparate für den Transport und
das Heben von bewegunsunfähigen Patienten sowie Neuheiten auf dem Gebiet der
physikalischen und krankengymnastischen Therapie gezeigt werden. Aus der
Fülle der neuen Produkte seien hier lediglich einige als besonders interessant
anzusehende Hilfsmittel herausgegriffen.
Eine echte Lebenshilfe für Blinde dürfte ein neues elektronisches Lesegerät von der Größe eines kleineren Kassettenrekorders werden, das mit Hilfe
eines Streichholzschachtel großen Sensors gedruckte Texte abtastet und in
Schwingungen umsetzt, die Blinde nach einiger Übung mühelos mit einem Finger
"erfühlen" und damit "lesen" können. Das Gerät vermag selbst handschriftliche
Texte zu erfassen, sofern sich der Schreiber einigermaßen an eine vorprogrammierte
Norm hält. Ein weites Betätigungsfeld eröffnet blinden Büroangestellten ein
neuer Sprech-Taschenrechner, der eingegebene Zahlen, Rechenbefehle und deren
Ergebnisse mit Sprechstimme ansagt. Das Gerät, das bequem in einer Hand Platz
findet, verfügt über ein Vokabularium von 24 Wörtern,die in jeder beliebigen
Sprache "einprogrammiert" werden können.
Für schwer Sehgeschädigte wurde ein Video-Lesegerät entwickelt, das Textzeilen bis zu 15mal vergrößert auf einem Bildschirm wiedergibt.
Für Taube wird man in Parir eine Art Fernschreib-Telefon zeigen, das an das
Telefonnetz angeschlossen wird und eingetippte Botschaften an das angewählte
Gegengerät weiterleitet, so daß ein schriftlicher Dialog möglich wird.
Breiten Raum wird in der Ausstellung die Abteilung Transportgeräte und hilfen einnehmen. Neben normalen Hand- und Motorroll stuhlen wird ein Krankenfahrstuhl mit zusätzlichen Gummi-Gleisketten angeboten, die durch einfachen
Hebelgriff "eingeschaltet" werden können und das Fahrzeug treppengängig machen.
Ein anderes Motorfahrzeug für Gehbehinderte ist ein Dreirad mit Rol1 stuhl Plattform, dessen Rückfront als Auffahrtsrampe heruntergeklappt werden kann;
der Versehrte gelangt über die Rampe in das Gefährt, stellt den Rollstuhl fest
und kann nunmehr "vollmotorisiert" weiterfahren, da alle Bedienungsorgane
- 2 -

�Bedienungsorgane des Dreirades in unmittelbarer Reichweite seiner Hände
angeordnet sind. Ein schwenkbarer
Kleinbusse oder Kastenwagen

elektrischer Roll stuhlheber zum Einbau in

hebt den Versehrten im Rollstuhl auf die Pritschen-

ebene und schwenk ihn direkt auf den Beifahrerplatz, von dem er gegebenenfalls selbst auf den Fahrersitz rutschen kann. Ein elektrisch betriebener
Gurt-Heber, von einer Eisenschiene über dem Bett herabhängend und mit einem
Steuergerät ausgestattet, ermöglicht es Gelähmten, sich ohne fremde Hilfe vom
Rollstuhl aus ins Bett heben zu lassen.
Weitere Auskünfte über die Ausstellung und das Seminar erteilt auf Anfrage
das U.S. Trade Center, 123 Avenue Charles de Gaulle, F 92200 Neuilly.

- 3 -

�</text>
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