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I

Information
und
Dokumentation

1

United States Information Service

30

15. November 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Carter appelliert in der Energiefrage an das amerikanische Volk
- Wortlaut der Ansprache vom 8. November 1977 -

US-Verteidigungsminister erläutert Positionen der Carter-Administration
- Interview mit der amerikanischen Fernsehgesellschaft ABC -

Um Über/endung von
Belegexemplaren uiifd
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Dokumentation

I

United States Information Service

15. November 1977

30

CARTER APPELLIERT IN DER ENERGIEFRAGE AN DAS AMERIKANISCHE VOLK
- Wortlaut der Ansprache vom 8. Nov. 1977 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 8. November 1977 in
einer Rundfunk- und Fernsehansprache an das amerikanische Volk für sein
Energieprogramm geworben, das er dem Kongreß unterbreitet hat.

Carter warn-

te erneut nachdrücklich vor einer weiteren Steigerung der amerikanischen
Erdöl einfuhren, da diese nicht nur die Abhängigkeit der USA auf dem Energiesektor verstärkten, sondern auch Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten
gefährdeten.

Der Präsident erwähnte die Verschiebung seiner großen Auslands-

reise wegen der Debatte im Kongreß über sein Energieprogramm und wies darauf
hin, daß andere Länder diese Entwicklung mit großem Interesse verfolgten.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Vor über sechs Monaten - im April - habe ich zu Ihnen über die Notwendigkeit einer nationalen Politik zur Bewältigung unserer gegenwärtigen und
künftigen Energieprobleme gesprochen, und am nächsten Tag habe ich meine Vorschläge dem Kongreß unterbreitet.
Der

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�i

Der Kongreß hat die Dringlichkeit dieses Problems erkannt und hat einige
der komplexesten und schwierigsten Entscheidungen angepackt, die zu treffen
eine gesetzgebende Körperschaft je aufgerufen war.
In Zusammenarbeit mit dem Kongreß haben wir jetzt ein neues Energieministerium geschaffen, an dessen Spitze Minister Schlesinger steht.

Wir

sind damit jetzt in der Lage, die neue Energiegesetzgebung administrativ zu
verwirklichen, und die Behandlung des nationalen Energieplans im Kongreß hat
jetzt das Endstadium erreicht.
In der vorigen Woche hat der Senat seine Fassung des Gesetzeswerkes
an den Vermittlungsausschuß überwiesen, wo Mitglieder des Repräsentantenhauses und des Senats jetzt die Unterschiede in den jeweils verabschiedeten
Fassungen bereinigen werden.

Hier wird sich in den nächsten Wochen die

Stärke und der Mut unseres politischen Systems beweisen müssen.
Die Entscheidungen, vor denen die Mitglieder des Kongresses stehen,
sind nicht leicht. Wenn sie einen wirksamen und fairen Plan verabschieden
wollen, dann werden sie unsere Unterstützung und unser Verständnis brauchen
- Ihre Unterstützung, um den Forderungen einiger weniger nach Begünstigung
auf Kosten unser aller zu widerstehen, und Ihr Verständnis, daß es keinen
wirksamen Plan geben kann, ohne daß wir alle gewisse Opfer bringen.
Heute abend, an diesem entscheidenden Zeitpunkt, möchte ich erneut betonen, warum es so wichtig ist, daß wir über einen Energieplan verfügen, und
was wir als Nation aufs Spiel setzen, wenn wir uns scheuen und zögern, diese
Aufgabe zu bewältigen. Es ist von entscheidender Bedeutung, daß Sie sich
darüber im klaren sind, wie ernst diese Herausforderung ist.
Mit jedem Monat, der verstrichen ist, wurden unsere Energieprobleme
immer schlimmer.

In diesem Sommer haben wir mehr öl und Benzin verbraucht

als jemals zuvor in unserer Geschichte.
aus anderen Ländern.

Und immer mehr unseres Öls kommt

Allein seit April haben uns unsere ölimporte 23 Mil- 2 -

*

�Milliarden Dollar gekostet - d.h. ausländisches öl im Werte von 350 Dollar
für die typische amerikanische Familie.
Vor einigen Wochen hat mir in Detroit ein arbeitsloser Stahlarbeiter
etwas gesagt, was das zum Ausdruck bringen dürfte, was viele von Ihnen fühlen.

"Herr Präsident", so sagte er, "mir liegt nicht viel daran, über Ener-

gie und Außenpolitik zu sprechen.

Ich mache mir Sorgen, von was ich leben

soll ... Ich kann mir nicht viel Sorgen um andere Dinge machen, wenn ich
eine zehnjährige Tochter großziehen muß und keinen Arbeitsplatz habe.

Und

ich bin 56 Jahre alt."
Ich kann ihm gut nachfühlen, aber ich muß Ihnen die Wahrheit sagen, und
die Wahrheit ist, daß Sie nicht über Ihre wirtschaftlichen Probleme heute
oder in Zukunft reden können, wenn Sie nicht von Energie sprechen.
Lassen Sie mich versuchen, das Problem in seinem ganzen Umfang und seiner
ganzen Auswirkung darzustellen:

Unsere Farmer sind die größten Exporteure

landwirtschaftlicher Erzeugnisse, die die Welt je gekannt hat, aber wir brauchen gegenwärtig alle Nahrungsmittel und Fasern, die wir in zwei Jahren exportieren, um gerade die Erdöleinfuhren für ein Jahr bezahlen zu können - mit
rund 45 Milliarden Dollar.
Diese übermäßige Einfuhr von ausländischem öl ist ein gewaltiger und
rasch zunehmender Aderlaß für unsere Volkswirtschaft.

Sie schadet jeder

amerikanischen Familie.
Sie verursacht Arbeitslosigkeit.

Jede Zunahme der ölimportkosten um

5 Milliarden Dollar kostet uns etwa 200 000 amerikanische Arbeitsplätze.
kostet uns Investitionen in die Wirtschaft.

Gewaltige Beträge amerikanischer

Vermögen bleiben nicht mehr in den Vereinigten Staaten, um unsere Fabriken
zu bauen und uns ein besseres Leben zu ermöglichen.
Sie
- 3 -

Sie

�»

Sie macht es schwerer für uns, unseren Bundeshaushalt auszugleichen
und die für unsere Bevölkerung notwendigen Programme zu finanzieren.
bringt unseren Handel mit anderen Ländern ins Ungleichgewicht.

Sie

In diesem

Jahr werden sich, hauptsächlich wegen des Öls, unsere Einfuhren auf mindestens
25 Milliarden Dollar mehr belaufen als der Wert aller amerikanischen Güter,
die wir in Übersee verkaufen.
Sie treibt die internationalen Energiepreise in die Höhe, weil die übermäßige Einfuhr von öl durch die Vereinigten Staaten es den ausländischen Produzenten erleichtert, ihre Preise zu erhöhen.

Sie nährt einen starken in-

flationistischen Druck in unserer Wirtschaft.
•

Wenn dieser Trend anhält, dann könnte die übermäßige Abhängigkeit von
ausländischem öl selbst die Sicherheit unseres Landes in zunehmendem Maße
von unsicheren Energiequellen abhängig machen.
mehr ab, als nur von unseren Streitkräften.

Unsere Sicherheit hängt von

Sie hängt auch von der Stärke

unserer Wirtschaft, von unserem nationalen Willen und von der Fähigkeit der
Vereinigten Staaten ab, unsere Außenpolitik als freie und unabhängige Nation
zu betreiben.

Amerika ist draußen in der Welt nur so stark, wie es im eigenen

Lande ist.
-

Der Außenminister hat kürzlich erklärt, "Der gegenwärtige Mangel an
garantierten Energiequellen ist die sicherlich größte Bedrohung ... unserer
Sicherheit und der unserer Verbündeten."
Ich habe gestern nach sorgfältiger Überlegung die Verschiebung einer
großen Auslandsreise bis nach Weihnachten bekanntgegeben wegen der überragenden Bedeutung der Entwicklung eines wirksamen Energieplanes in diesem
Jahr.

Ich habe keinen Zweifel, daß ich die richtige Entscheidung getroffen

habe, denn die anderen Nationen der Welt - Verbündete und Gegner gleichermaßen - warten mit großem Interesse und großer Besorgnis auf unsere Energieentscheidung.
Warum
- 4 -

t

�Warum haben wir als der Welt größter Produzent von Kohle, öl und Erdgas dieses Problem mit der Energie, und warum ist es so schwer zu lösen?
Ein Problem besteht darin, daß der Preis aller Energie in die Höhe geht,
einmal weil sie immer knapper wird, und zum andern weil der ölpreis nicht
auf einem freien, vom Wettbewerb bestimmten Markt festgelegt wird.

Der Welt-

preis wird von einem ausländischen Kartell - den Regierungen der sogenannten
OPEC-Staaten - festgelegt.

Dieser Preis liegt heute fast fünfmal so hoch wie

im Jahre 1973.
Unser größtes Problem ist jedoch, daß wir einfach zu viel Energie verbrauchen - und verschwenden. Unsere Einfuhren haben sich während der letzten
zehn Jahre mehr als verdreifacht. Obwohl alle Länder mehr tun könnten, sind
wir doch die größten Sünder. Seit dem großen Preisanstieg im Jahre 1973 haben die Japaner ihre Ulimporte beschnitten; die Deutschen, die Franzosen, die
Briten und die Italiener - sie alle haben ihre öiimporte verringert. Wir indessen haben - obwohl wir über große eigene ölvorräte verfügen - unsere öleinfuhren um mehr als 40 Prozent gesteigert.
Dieses Problem kam ganz plötzlich auf uns zu.

Vor zehn Jahren, als das

ausländische öl noch sehr billig war, importierten wir nur 2,5 Millionen
Barrel öl am Tag - etwa 20 Prozent unseres Verbrauchs.
portierten wir etwa 30 Prozent.

Im Jahre 1972 im-

In diesem Jahr, wo das ausländische öl sehr

teuer ist, führen wir nahezu 9 Millionen Barrel öl pro Tag ein - fast die
Hälfte des gesamten Öls, das wir verbrauchen.

Wenn wir nicht rasch handeln,

werden die Importe weiter steigen, und alle soeben von mir beschriebenen Probleme werden sich noch vergrößern.
Wir müssen drei Dinge tun, wenn wir diese Gefahr vermeiden wollen:
Erstens, wir müssen den Verbrauch drosseln; zweitens, wir müssen von öl und
Gas zu anderen Energiequellen gelangen und drittens, wir müssen die Energieerzeugung in den Vereinigten Staaten fördern. Das sind die Ziele der neuen
Energiegesetzgebung.
Um
- 5 -

�Um Energie einzusparen, ergreift der Kongreß gegenwärtig Schritte, um
unsere Automobile, unsere Heime und Geräte leistungsfähiger zu machen und um
unsere Industrie zu ermutigen, sowohl Wärme als auch Elektrizität zu sparen.
Der Vermittlungsausschuß des Kongresses erörtert gegenwärtig Änderungen
mit dem Ziel, die Stromtarife so anzusetzen, daß Verschwendungen vermieden
und diejenigen belohnt werden, die weniger Energie verbrauchen, und daß zu
einem Energieverbrauch in jenen Tagesstunden übergegangen wird, in denen die
Nachfrage gering ist.
Eine weitere wichtige Frage, vor die sich der Kongreß gestellt sieht,
ist, wie der steigende Marktpreis für einheimisches öl die Kosten für seinen
Ersatz reflektieren soll, während gleichzeitig der amerikanische Verbraucher
sowie unsere Wirtschaft geschützt werden.
Wir müssen einer unangenehmen Tatsache hinsichtlich der Energiepreise
ins Auge sehen.

Sie steigen, ob wir ein Energieprogramm verabschieden oder

nicht, weil der Brennstoff knapper und teurer produziert wird.

Die Frage ist,

wer von den steigenden Preisen für jenes öl profitiert, das bereits erschlossen ist.

Unser Energieplan erfaßt und lenkt diese Profite an die Öffentlich-

keit zurück, wo sie die Wirtschaft fördern, mehr Energie sparen helfen und
neue Arbeitsplätze schaffen können.
Wir werden Forschungs- und Entwicklungsprojekte nutzen sowie steuerliche
Anreize, Strafen und die entsprechenden Ausführungsbestimmungen anwenden, um
die Verlagerung vom öl und vom Erdgas auf Kohle, Wind- und Sonnen- und geothermische Energie, auf Methan sowie auf andere Energiequellen zu beschleunigen.
Wir haben ferner Anreize für die Förderung der öl- und Erdgasproduktion
hier in unserem eigenen Lande vorgeschlagen, und der Kongreß prüft sie gegenwärtig.

Hier entsteht eine weitere größere Kontroverse.

�Es ist wichtig, daß wir neue öl- und Erdgasvorkommen sowie eine gesteigerte Produktion bei angemessenen Preisen für die Erzeuger fördern.
Wir haben vorgeschlagen, daß der Preis für neues Erdgas jedes Jahr dem
Durchschnittspreis für einheimisches öl angepaßt wird, das die gleiche Menge
an Energie produzieren würde.

Aufgrund dieser neuen Politik würde das Brutto-

einkommen der Erdgasproduzenten um durchschnittlich rund 2000 Dollar pro Jahr
höher liegen als bei dem gegenwärtigen Preisstand.
Die neuen ölpreise würden ferner in drei Jahren auf das derzeit in der
Welt gehaltene Niveau steigen und dann inflationsausgleichend erhöht werden.
Dieser Anreiz für eine neue öl Produktion würde der höchste in der ganzen Welt
sein.
Diese Vorschläge würden auch einen angemessenen Anreiz für die Erschliessung einheimischer Öl- und Erdgaslager und ihre Produktion bieten, aber einige
öl gesell Schäften wollen viel mehr, - zig Milliarden Dollar mehr.

Sie wollen

stark erhöhte Preise für "altes" öl und Erdgas - da; heißt für Energiequellen,
die bereits entdeckt und genutzt wurden.

Sie wollet eine sofortige und stän-

dige Aufhebung der Preisregulierung für Erdgas, was die Verbraucher von jetzt
bis zum Jahre 1985 siebzig Milliarden Dollar oder meh&gt; kosten würde.

Sie wol-

len für "neues" öl und Erdgas sogar noch höhere Preire als die von uns vorgeschlagenen; sie wollen die höheren Preise noch rascher, und sie fordern
niedrigere Steuern für ihre Gewinne.
Es sind dies sehr kontroverse Fragen, und die Debatten im Kongreß sind
heftig. Der politische Druck ist groß, weil viel auf «m Spiele steht. Wir
sollten die einzelnen und die Gesellschaften, die neueirdgas- und Ölvorkommen
entdecken und sie erschließen, belohnen, aber wir dürfei ihnen nicht riesige
Spekulationsgewinne (windfall profits) bei ihren schon Erschlossenen Quellen
auf Kosten des amerikanischen Volkes verschaffen.

Der

�Der Energieplan, den ich dem Kongreß im April dieses Jahres vorgelegt
habe, enthält drei Grundelemente, die gewährleisten, daß er wohl ausgewogen
ist.

Erstens, er ist fair sowohl den amerikanischen Verbrauchern wie den

Energieproduzenten gegenüber und bringt unserer Volkswirtschaft keinen Schaden.

Zweitens, er ist darauf abgestellt, unseren wichtigen Zielen für die

Energieeinsparung gerecht zu werden, eine Verlagerung auf reichlicher vorhandene und beständige Energiequellen zu fördern und die Energieerzeugung in den
Vereinigten Staaten zu steigern, und drittens er bewahrt unseren Bundeshaushalt vor unsinnigen finanziellen Belastungen.
Dies sind die drei Normen, nach denen das Gesetz in seiner abschließenden
Fassung zu beurteilen sein wird.

Ich werde die Energiegesetze nur unterzeich-

nen, wenn sie diesen Erfordernissen entsprechen.

Der Kongreß wird in den kom-

menden Wochen sein Urteil über diese entscheidend wichtigen Fragen fällen.
Ich werde mit ihm eng zusammenarbeiten.

Aber diese Entscheidungen betreffen

in einem hohen Maße auch Sie.
Es geht hier nicht um einen Kampf, wer der Stärkere ist, zwischen Präsident und Kongreß oder zwischen Repräsentantenhaus und Senat.

Worum es geht,

das ist die Stärke und der Wille unserer Nation - ob wir eine Gefahr erkennen
und einer bedrohlichen Herausforderung zusammen gewachsen sein können.
Ich bin überzeugt, daß wir über genug Energie verfügen können, um ein
anhaltendes Wachstum unserer Wirtschaft, eine Ausweitung der Produktion und ei
Vermehrung der Arbeitsplätze zu ermöglichen und die Sicherheit der Vereinigten
Staaten zu gewährleisten - wenn wir klug und umsichtig handeln.
Ich bin überzeugt, daß unser Land sich jeder Herausforderung gewachsen
zeigen kann, aber hier handelt es sich um eine außerordentlich schwierige,
weil die Gefahr nicht leicht zu erkennen - und die Lösung weder einfach noch
im politischen Sinne populär ist.
Ich

�Ich sagte vor sechs Monaten, daß niemand mit diesem Energieplan völlig
zufrieden sein werde.

Diese Voraussage hat sich als richtig erwiesen.

In

dieser komplexen Gesetzgebung gibt es den einen oder anderen Teil, gegen den
die eine oder andere Region oder Interessengruppe Einwände erheben kann.
Aber ein gemeinsames nationales Opfer zur Lösung dieses schwerwiegenden Problems sollte von jedem einzelnen mitgetragen werden - ein Beweis dafür, daß
der Plan fair ist. Viele Gruppen haben sich der Herausforderung gewachsen
gezeigt, aber unglücklicherweise gibt es immer noch einige, die ihren persönlichen Vorteil über das nationale Interesse stellen.
Es ist auch immer besonders schwierig, mit Aufgaben fertig zu werden,
die weit in die Zukunft reichen. Ein Präsident wird für vier Jahre gewählt,
ein Senator für sechs und unsere Vertreter im Kongreß für nur zwei Jahre. Es
ist immer leichter gewesen, bis zum nächsten Jahr oder bis zur nächsten Amtsperiode zu warten - um ein politisches Risiko zu vermeiden.
Aber Sie wählen ihre offiziellen Vertreter nicht nur,damit sie ein Amt
bekleiden. Der Kongreß steht vor sehr schwierigen Entscheidungen, und wir
haben eine gute Partnerschaft aufgebaut. Wir alle in der Regierung brauchen
Ihre Hilfe.
Dies ist eine Aufgabe, die Weitblick und Zusammenarbeit seitens aller
Amerikaner braucht. Ich hoffe, daß alle von Ihnen Maßnahmen treffen werden,
um unsere so kostbare Energie einzusparen, und daß Sie sich mit den von Ihnen
gewählten offiziellen Vertretern auf allen Regierungsebenen zusammentun werden, um diese Bewährungsprobe für das Urteilsvermögen und den Willen unserer
Nation zu bestehen.
Das sind sehr ernste Probleme,und das sind sehr ernste Worte. Aber
unser Energieplan spiegelt auch den Optimismus wider, den ich in bezug auf
unsere Fähigkeit hege, mit diesen Problemen fertig zu werden.

Die Geschichte

der Menschheit war stets die Geschichte einer Anpassung an sich ändernde Verhältnisse.

Die Geschichte unserer Nation ist die Geschichte, sich schweren

�schweren Aufgaben zu stellen und sie zu bewältigen.

Diese wichtige Gesetz-

gebung ist ein notwendiger erster Schritt auf einem langen Weg.
Dieser Energieplan ist eine gute Versicherung für die Zukunft, für die
wir heute relativ kleine Prämien zahlen und uns damit für die kommenden Jahre
schützen.

Wenn wir es versäumen, heute kühn zu handeln, dann werden wir uns

mit Gewißheit morgen Krisen größeren Ausmaßes gegenübersehen:

Energiever-

knappung, Umweltschäden, einer Regierungsbürokratie und Verordnungen, die
immer massiver werden,und überstürzten Sofortprogrammen.
Ich hoffe, daß in vielleicht hundert Jahren ein Übergang auf unerschöpfliche Energiequellen erfolgt sein wird und die Sorge unserer Nation um die
Energie vorüber sein wird.

Aber wir können diesen Übergang nur dann reibungs-

los vollziehen - für unser Land und für unsere Kinder und Enkel - wenn wir
jetzt sorgfältige Maßnahmen ergreifen, um uns selbst für die Zukunft vorzubereiten.
Während der kommenden Wochen wird sich die ganze Aufmerksamkeit auf den
Kongreß richten, aber wir werden unseren Mut und unseren Einsatzwillen weiterhin in den verschiedensten Formen und an unterschiedlichen Orten für die kommenden Monate und Jahre und Generationen unter Beweis stellen müssen.
Es fügt sich gut,
in New York, Anmerkung
erinnert, daß Sie, die
Regierung so mutig und
dern.

daß ich zu Ihnen an einem Wahltag (Bürgermeisterwahl
der Redaktion) spreche - an einem Tag, der uns daran
Bürger, die Herrscher dieser Nation sind - daß Ihre
tatkräftig und fair sein wird, wie Sie es von ihr for-

Es wird nicht das letzte Mal sein, daß ich mit schwierigen und umstrittenen Entscheidungen vor Sie trete und Sie um Ihre Hilfe bitte.

Denn es ist

meine Überzeugung, daß die Pflichten dieses Amtes von mir nichts geringeres
fordern.
Ich
- 10 -

�Ich bin jedoch zuversichtlich, daß wir die Weisheit und den Mut finden
werden, um die rechten Entscheidungen zu treffen - selbst wenn sie unangenehm
sein mögen -»damit wir zusammen die Größe unserer Nation bewahren.

- 11 -

�Dokumentation
United States Information Service

30

15. November 1977

US-VERTEIDIGUNGSMINISTER ERLÄUTERT POSITIONEN DER CARTER-ADMINISTRATION
- Interview mit der amerikanischen Fernsehgesellschaft ABC -

WASHINGTON - (AD) - Der Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten,
Harold Brown, hat in einem Interview mit der amerikanischen Fernsehgesellschaft ABC die Positionen der Carter-Administration zu den SALT-Verhandlungen,
zur Nonproliferation und zu dem Truppenabzug aus Südkorea dargelegt. Im
Rahmen der Serie "Issues and Answers" (Fragen und Antworten) führti Brown
am 6. November unter anderem aus:
Frage: Wir möchten heute mit Ihnen über die Aussichten auf ein neues
RUstungsbegrenzungsabkommen mit den Russen sprechen; allem voran aber hätte
ich gerne von Ihnen eine Antwort auf die Frage, die viele Mitglieder des
Kongresses beunruhigt: Ist die Sowjetunion dabei, die Vereinigten Staaten
in der militärischen Gesamtstärke zu überflügeln?
Antwort: Ich möchte sagen: Nein. Meines Erachtens befinden wir uns in
einer Situation, in der zwischen uns und den Sowjets in strategischer Hinsicht d.h. hinsichtlich der strategischen thermonuklearen Kapazitäten - im wesentlichen die Parität gegeben ist. Wir sind demnach in etwa gleich stark. Bezüglich

Postfach 300,
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Tal- n9991-ftQ39df&gt; T P I P Y - 0 8 - 8 5 4 3 9

�Bezüglich der nichtnuklearen Kapazitäten, was also die konventionellen Waffen
angeht, bestehen einige Umstände, Gegebenheiten und Kapazitäten, in denen
sie uns voraus sind,und andere, in denen wir ihnen voraus sind. Es besteht
eine Kombination aus geographischen und rüstungsmäßigen Umständen, die uns
in verschiedenen Bereichen - in einigen mehr als in anderen - begünstigen.
Alles in allem würde ich meinen, daß wir im wesentlichen in allen diesen
Dingen miteinander vergleichbar sind; in militärischer Hinsicht aber möchte
ich sagen, daß die Vereinigten Staaten erheblich voraus sind.
Frage: Sie sagen, wir haben in den strategischen Rüstungen in etwa ein
Verhältnis der Parität. Dies ist nach meinem Dafürhalten ein Punkt, auf den
sich sicherlich die Gegner eines neuen SALT-Vertrages konzentrieren werden,
dip argumentieren, wir würden den Russen so viel zugestehen, daß sie uns
innerhalb weniger Jahre beispielsweise hinsichtlich der InterkontinentalraketenStärke weit voraus sein werden; ein solcher Vorteil könnte es ihnen relativ
leicht machen, die Minuteman-Bunker auszuschalten. Ist das eine faire Beurteilung der uns drohenden Gefahr?
Antwort: Das ist, wie ich sagen darf, keine korrekte Einschätzung der
gegenwärtigen und künftigen Verhältnisse.
Erlauben Sie mir, diese Dinge in die rechte Perspektive zu rücken: Nach
meiner Auffassung werden mir die meisten Leute - vielleicht nicht alle, aber
doch die meisten - , die Einwendungen gegen den bisherigen Verlauf der Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen Waffen, SALT, erheben, beipflichten, daß wir uns nunmehr, im gegenwärtigen Zeitpunkt, hinsichtlich der
strategischen Kapazitäten mit der Sowjetunion in einem Verhältnis der Parität
befinden. Viele von ihnen machen sich ernste Sorgen wegen der künftigen Lage,
und manche von ihnen meinen, eine neue SALT-Vereinbarung würde die zahlenmäßige Überlegenheit der Sowjets festschreiben - eine militärische Überlegenheit einer politisch verwertbaren Form. Ich selber glaube nicht, daß dies der
Fall wäre. Ich meine vielmehr, wir sollten jetzt noch keine endgültigen Schlüsse
aus einem SALT-II-Abkommen ziehen, weil vorher noch viele Einzelheiten, wichtige

- 2 -

�wichtige Einzelheiten, geregelt werden müssen. Solange dies nicht der Fall
ist, möchte ich keine militärische Gesamtbeurteilung abgeben. Meiner Meinung
nach besteht, nach dem Fortgang der Verhandlungen zu urteilen, eine verhältnismäßig gute Chance, ein SALT-Abkomme*

zustandezubringen, das einer Reihe

von Kriterier Genüge leisten dürfte.
Ein solches Abkommen würde allem voran die Zahl der Waffen, der strategischen
Kernwaffenträger, gegenüber früher vermindern. Es brächte stärkere Verringerungen
seitens der Sowjetunion als seitens der Vereinigten Staaten. Es würde die Sowjetunion auf vielfache Weise zu Beschränkungen zwingen - nicht auf jede Weise,
wie wir es gern hätten, aber immerhin auf manchem wichtigen Gebiet. Es würde
auch uns in mancher Hinsicht einschränken, uns aber nicht abhalten, unseren
strategischen Erfordernissr- nachzukommen. Das besagt, es würde uns die Ausführung von Programmen gestatten, die unsere Erachtens notwendig sind, das
Verhältnis der Parität im großen und ganzen aufrechtzuerhalten. Dabei ist keineswegs sicher, ob wir diese Programme verwirklichen. Das hängt davon ab, was die
Regierung zu tun beabsichtigt und was der Kongreß billigt; die Möglichkeit
jedenfalls bleibt offen.
Ich halte es nicht für die richtige Methode der Beurteilung eines solchen
Abkommens , irgendeine

r

orm strategischer Nuklear-Kapazitäten herauszugreifen... ,

die Zahl der Gefechtsköpfe für Interkontinentalraketen beispielsweise, um zu
sagen, die Sowjets hätten einen beträchtlichen Vorsprung auf diesem Gebiet, den
sie übrigens mit oder ohne Abkommen hätten. Es muß vielmehr eine Gesamtbewertung
vorgenommen werden, um die Dinge, in denen wir ihnen voraus wären, und diejenigen,
in denen sie uns voraur wären, gegeneinander aufzuwiegen.
Frage: Herr Minister, ist es aber nicht dennoch wahr, daß die Sowjets mit
oder ohne Abkommen, um Ihre Worte zu gebrauchen, bis Mitte der achtziger Jahre
die Fähigkeit haben werden, unseren Vergeltungswaffen vom Typ Minuteman erheblichen Schaden zuzufügen? Ist man sich darin nicht generell einig?
Antwort: Ich halte es für sehr wahrscheinlich, daß die Sowjets zu irgendeinem Zeitpunkt um das Jahr 1985 herum die Fähigkeit besitzen werden, die

- 3 -

�die Minuteman-Bunker auf eine Art und Weise anzugreifen, daß wir um deren
Bestand fürchte.) müssen. Mit anderen Worten, das überdauern

der Minuteman-

stellungen wäre zweifelhaft; ihr überdauern im Falle eines Überraschungsangriffs aber wäre nicht mit dem überleben der Vereinigten Staater gleichzusetzen.
Unsere Abschreckung besteht aus einer Reihe unterschiedlicher Systeme, von
denen bodengest'ützte Raketen lediglich eines sind. Ein Überraschungsangriff,
der zwar die Minuteman-Raketen ausschalten würde, unsere Bomber aber und unsere
unterseebotgestützten Raketen unversehrt ließe - und das wäre der Fall und ihnen die Möglichkeit zu einem vernichtenden Vergeltungsschlag gegen die
Sowjetunion gäbe, wäre kein Krieg, den die Sowjetunion gewinnt; es wäre ein
Krieg, den beide Seiten verlieren.
Frage: Es war in jüngerer Zeit von neuen Stolpersteinen in den SALT-Verhandlungen die Rede, die die Aussichten auf den alsbaldigen Abschluß eines
Abkommens beeinträchtigen könnten. Gibt es Ihrer Ansicht nach etwas, was ernst
genug sein könnte, einen neuen SALT-Vertrag zu blockieren?
Antwort: Ich würde nicht sagen, daß es neue Stolpersteine gibt. Ich meine
vielmehr, es handelt sich um alte Stolpersteine, über die wir noch nicht hinweggekommen sind. Es wird meines Erachtens einige Zeit dauern, in den betreffenden
Fragen zu einer Einigung zu gelangen; ich glaube aber auch, daß man eine Beurteilung des Gesamtabkommens erst nach deren Regelung vornehmen sollte. Ich sehe
keine unüberwindlichen Hindernisse; es gehören aber immer zwei Seiten dazu, eine
Vereinbarung zu schließen.
Frage: Besteht die Gefahr, daß Sie in eine Ecke des Boxrings gedrängt
werden, in der Sie der Sowjetunion nur noch neue Konzessionen machen könnten, um
einen SALT-Vertrag zu bekommen, der dann seitens des Senats aber für so weich
angesehen werden würde, daß er seine Ratifizierung ablehnen würde?
Antwort: Hypothetisch ist diese Möglichkeit gegeben. Meiner Überzeugung nach
hat diese Administration nicht die Absicht, ein SALT-Abkommen zu schließen, das
die für uns notwendigen strategischen Kapazitäten nicht gewährleistet, und deshalb

�deshalb wird dies, davon bin ich überzeugt, nicht geschehen.
Frage: Herr Minister, die Sowjets überraschten die Vereinigten Staaten
diese Woche mit dem Vorschlag, ein vollkommenes Verbot von militärischen wie
friedlichen Nukleartests zu vereinbaren. Sehen Sie andererseits irgendwelche
Einwände gegen ein solches Verbot? Könnte es unser Nuklearprogramm

in irgend-

einer Weise behindern? In der Weise etwa, daß es eine weitere Erprobung der
Neutronenwaffe (Waffe mit hochwirksamer Strahlung) unmöglich machen könnte.
Antwort: Ich würde nicht sagen, wir wären überrascht gewesen. Wir haben
die Sowjets seit langem schon gedrängt, diese Position einzunehmen, und das
haben sie nunmehr getan.
Jedes Abkommen, das Nuklearexplosionen, also solche Tests mit Explosivstoffen, verbiete;., würde schon deshalb nicht-militärische ebenso wie militärische
Versuche einbeziehen, weil auch nicht-militärische Versuche militärische
Informationen und Vorteile abwerfen.
Ein solches Verbot würde in der Tat die Entwicklung neuer Kernwaffen auf
beiden Seiten behindern. Und das ist Teil seines Zwecks. Ein weiterer Teil wäre
es, die Weiterverbreitung auf andere Länder zu verhindern. Wir würden nukleare
Gefechtsköpfe für alle jenen Systeme behalten, die für die Wahrung unserer
Sicherheit absolut notwendig sind. Und es ist immer möglich,einen vorhandenen
Gefechtskopf, der für ein Waffensystem entwickelt wurde, einem anderen Waffensystem anzupassen, ohne unbedingt irgendwelche Nukleartests vornehmen zu müssen.
Im spezifischen Fall der Waffe mit hochwirksamer Strahlung haben wir bereits
eine Reihe von Tests durchgeführt, weshalb uns ein Verbot weiterer Nukleartests
nicht von der Produktion dieser Waffe abzuhalten brauchte.
Frage: Somit hätten Sie keine Einwendungen, wenn wir ein solches Verbot
mit der Sowjetunion ohne weitere Debatte vereinbaren würden - ist das richtig so?
Antwort: Auch das hängt wiederum von den Einzelheiten ab. Meiner Meinung

- 5 -

�Meiner Meinung nach gibt es hier eine wichtige Differenz, die bisher übergangen
wurde. Es bleiben einige Fragen offen: Wie lan^e soll eine solche Vereinbarung
gelten; auf wie lange soll ein Moratorium friedlicher Tests befristet sein;
sollen beide gleich lang in Kraft bleiben; sollen andere Länder in ein solches
Abkommen eingebunden werden, damit es nicht von innen her ausgehöhlt werden
kann?
Die ganze Frage der Inspektion, die ganze Frage der

automatisch arbeitenden

seismographischen Stationen usw. - auch hier gibt es also eine Menge Details.
Dennoch handelt es sich um einen großen Schritt in Richtung auf ein Abkommen.
Frage: Der Präsident legte gestern,um ein weiteres Ergebnis der Woche
aufzugreifen,mit dem Hinweis auf seine Besorgnisse hinsichtlich der nuklearen
Proliferation

sein Veto gegen ein Gesetz ein, das den Bau eines Brutreaktors

am Clinch River in Tennessee vorsieht. Das ist auch für Sie als Nuklearphysiker,
der selbst maßgeblich an der Entwicklung von Kernwaffen mitgearbeitet hat, Anlaß zu besonderer Sorge. Ich möchte Sie fragen, könnten die Vereinigten Staaten
mehr tun, die tatsächliche Weiterverbreitung von Kernwaffen zu begrenzen - und
ich denke dabei

an Südafrika, das offenkundig fähig ist, Kernwaffen zu entwickeln,

oder auch an Israel, das bereits ein kleines Arsenal von Kernwaffen besitzt?
Antwort: Wir geben uns in der Frage der Nonproliferation sehr viel Mühe,
genug Mühe jedenfalls, um uns bei einigen unserer Freunde gelegentlich recht
unpopulär zu machen. Wir halten es für sehr wichtig, andere Länder kernwaffenfrei zu halten - andere Länder zu entmutigen, selbst Kernwaffen zu erwerben -,
einfach deshalb, weil dies die Gefahren für die Welt noch vergrößern würde.
Da die Welt gleichzeitig mit einer kritischen Energieknappheit konfrontiert
ist - einer Knappheit, die, sofern wir nichts unternehmen, unsere Sicherheit
nicht minder unterminieren würde

ne eine Unterlegenheit auf dem Gebiet der

strategischen Waffen -, verstehen wir, warum einige Länder meinen, sie müßten
die Kernenergie weiter erproben. Ich selbst bin der Frage nach der Notwendigkeit

�Notwendigkeit von Plutoniumbrütern ziemlich sorgfältig nachgegangen - im
vergangenen Jahr, als ich der Studiengruppe zur Untersuchung dieser Frage
angehörte. Die Administration ist überzeugt, daß wir auch weiterhin Kernreaktoren bauen und weiterforschen können, ohne die Entwicklung von Anlagen zur
Wiederaufbereitung von Plutonium voranzutreiben. Es ist die Fähigkeit zur
Wiederaufbereitung von Plutonium, die im Bereich der Kernenergie die Gefahr
einer zunehmenden Proliferation

von Kernwaffen heraufbeschwört.

Frage: Haben wir, soweit Sie das beurteilen können, alles getan, um die
Israelis zu überreden, die Entwicklung von Kernwaffen einzustellen?
Antwort: Nun, ihr Nuklearprogramm ist Gegenstand von Spekulationen, und
ich werde diesen im gegenwärtigen Augenblick nicht noch neue hinzufügen.
Frage: Diese wurden jedoch vom CIA bestätigt.
Antwort: Das alles ist Gegenstand vieler Spekulationen, denen ich keine
weiteren hinzufügen möchte. Sicherlich sind wir nachhaltig und energisch bei den
Israelis vorstellig geworden, in dem Sinne, daß der Erwerb von Nuklearwaffen
durch sie kein Faktor zur Mehrung der Stabilität im Nahen Osten wäre;die Israelis
haben, wie Sie wissen, ihrerseits erklärt, daß sie nicht die ersten sein würden,
die Kernwaffen im Nahen Osten einbringen.
Frage: Zum gleichen Thema: Wenn nun aber andere Länder die vermutete Kapazität besitzen, was wäre dann die Antwort der Vereinigten Staaten, wenn sich
herausstellt, daß taktische Nuklearwaffen sowjetischer Bauart in den Nahen Osten
oder in Gebiete im Süden Afrikas

verbracht würden?

Antwort: Das wäre ein sehr destabilisierender Faktor, doch die Sowjets
waren meines Erachtens bisher,von einer einzigen bemerkenswerten Ausnahme abgesehen, hinsichtlich der Verbringung von Kernwaffen in einen neuen Teil der
Welt sehr zurückhaltend. Meiner Meinung nach wäre dies eine sehr ernste Angelegenheit, und wir sollten alles tun, was wir nur tun können, um Situationen zu

- 7 -

�Situationen zu vermeiden, in denen dies geschehen könnte.
Frage: Herr Minister, der Präsident beschuldigte Südkorea gestern der
Behinderung der Justi7 der Vereinigten Staaten dergestalt, daß es Tongsun Park
davon abhält, vor dem Kongreß über seine Rolle im Korea-Skandal auszusagen.
Werden sich die Enthüllungen über südkoreanische Bemühunger

Einfiuß

im Kongreß zu erkaufen, störend auf den Plan der Administration auswirken,
die meisten arerikanisehen Truppen aus Südkorea abzuziehen?
Antwort: Wie Sie wissen, haben wir gleichzeitig vor - haben wir einen Plan,
die amerikanischen Landstreitkräfte im Verlauf der nächsten vier oder fünf
Jahre aus Korea abzuziehen. Das ist unsere Entscheidung, und wir kommen mit
diesen Plänen weiter voran.
Gleichzeitig haben wir gemeinsam Mit den Koreanern eine Reihe von Maßnahmen
getroffen, die den Transfer militärischer Ausrüstungen, gewisse Ausbildungsmöglichkeiten usw. betreffen, die es ihnen nach unserem Dafürhalten gestatten
würden, ihre Kampfbereitschaft und ihre militärischen Kapazitäten innerhalb dieses
Zeitraums soweit auszubauen, daß sie auch weiterhin eine ausreichende Abschreckungskapazität bei Angriffen aus Nordkorea besitzen. Wir halten es für wichtig, diese
beiden Dinge zu tun, und es wäre sicherlich sehr bedauerlich, wenn der Tongsun
Park-Fall den Transfer der notwendigen militärischen Ausrüstungen nach Korea
behindern würde.
Sicherlich hat dieser Fall negative Auswirkungen im Kongreß.
Ich glaube, wir sollten mit den Transfer-Plänen vorankommen, führen wir ja
doch auch unsere Pläne bezüglich des Truppenabzugs weiter. Ich bin der festen
Meinung, daß sich die anderen Fragen zu gegebener Zeit regeln lassen werden.
Frage: Ich habe abschließend noch eine kurze Frage, Herr Minister. Sie
betrifft ein ganz anderes Thema. Haben wir aus der Sowjetunion irgendeine Antwort

�Antwort auf unseren Vorschlag über Verhandlungen zum Abschluß eines Vertrags
über Waffen im Weltraum erhalten? Ich spreche vom Problem der Killer-Satelliten.
Antwort: Es wurde ein spezifischer Vorschlag gemacht, demzufolge sich eine
Arbeitsgruppe mit der Frage von Waffen für den Angriff auf Satelliten und den
Möglichkeiten zu einem Verbot solcher Anti-Satelliten-Waffen befassen soll. Die
Sowjets haben ihr Interesse daran zum Ausdruck gebracht; eine spezifische Antwort
aber haben wir nicht. Es fand bisher auch keine Zusammenkunft zwecks einer bis
in Einzelheiten gehenden Diskussion dieser Frage statt.
Frage: Haben Sie eine ungefähre Vorstellung von der sowjetischen Einstellung
hierzu?
Antwort: Meine Vermutung geht dahin, daß die Sowjets zur Erörterung dieser
Frage bereit sind; dennoch ist es viel zu früh, etwas darüber aussagen zu wollen,
welchen Verlauf solche Verhandlungen nehmen würden.

- 9 -

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