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Information
und
Dokumentation

1
I

United States Information Service

27

12. Oktober 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Rede Präsident Carters vor den Vereinten Nationen am 4. Oktober 1977
- Wortlaut -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Menschenrechte:
Earl N. Mittleman

Politisches Erbe Amerikas

Management und wirtschaftliche Entwicklung
- Ein Beitrag zum Nord-Süd-Dialog Von Edward Y. George

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Atommüll - in Meeresschluchten vergraben
- Ein Vorschlag amerikanischer Wissenschaftler
Neue Mittel gegen Viruskrankheiten

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�1

Dokumentation

I

United States Information Service

27

12. Oktober 1977

REDE PRÄSIDENT CARTER'S VOR DEN VEREINTEN NATIONEN
AM 4. OKTOBER 1977
- Wortlaut -

Vereinte Nationen, New York - AD - Präsident Carter hat am 4. Oktober
in einer Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen Aufgaben
und Ziele der amerikanischen Außenpolitik umrissen. Die Ansprache des
amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, verehrte Delegierte und Gäste:
Ich möchte zunächst Ihnen, Herr Präsident meine Glückwünsche zu
Ihrer Wahl zum Präsidenten der 32. Vollversammlung aussprechen. Es ist
meiner Regierung eine besondere Befriedigung, unter der Führung eines
Vertreters Jugoslawiens zu arbeiten, einer Nation, mit der sich die
Vereinigten Staaten enger und hochgeschätzter Beziehungen erfreuen.
Wir sagen unsere Mitarbeit zu, und wir werden in den jetzt
beginnenden Beratungen stark von Ihrer Erfahrung und Ihrer Fähigkeit

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�V

Fähigkeit abhängig sein.
Herr Präsident, ich möchte ferner erneut die große Hochschätzung
zum Ausdruck bringen, die wir für Generalsekretär Waldheim empfirden.
Wir profitieren weiterhin in großem Maße von den engen Konsultationen
mit ihm und setzen großes Vertrauen in seine Leitung dieser Organisation.
Vor 32 Jahren, im kalten Morgengrauen des Atomzeitalters, wurde
diese Organisation geschaffen. Ihr oberstes und vordringlichstes Ziel
war es, den Frieden für eine erschöpfte und verwüstete Welt zu sichern.
Die heutigen Verhältnisse scheinen in mancher Hinsicht recht
hoffnungsvoll zu sein.
Doch die Sicherung des Friedens will uns immer noch nicht gelingen.
Noch vor Ende dieses Jahrhunderts könnte eine Vielzahl von Nationen
Nuklearwaffen besitzen. Sollte dies geschehen, würde die Welt, die wir
unseren Kindern hinterlassen, unseren Hoffnungen auf Frieden Hohn sprechen.
- Das Ausmaß der nuklearen Rüstungen könnte sich um ein Zehntausendfaches erhöhen, und bei den hochentwickelten konventionellen Waffen könnte
durchaus die gleiche Situation eintreten. Die Versuchung, diese Waffen
einzusetzen, oder die Furcht, daß irgend ein anderer dies zuerst tun
werde, wird fast unwiderstehlich sein.
- Der sich ständig ausweitende Handel mit konventionellen Waffen
unterwandert den Welthandel und macht aus einer Kraft für den Frieden
einen Lieferanten für den Krieg.
- Gewalttätigkeit, Terrorismus, Mord, Kriege ohne Kriegserklärung dies alles droht, Zurückhaltung und Mäßigung, die zum beherrschenden
Kennzeichen unseres Zeitalters werden müssen, zu zerstören.
Wenn
- 2 -

.

�Wenn wir keinen internationalen Verhaltenskodex schaffen, unter
dem der Rückgriff auf Gewalt zur Verfolgung nationaler Interessen immer
unsinniger wird, werden wir die Träume der Welt von der Entwicklung der
Menschheit und der vollen Entfaltung der menschlichen Freiheiten vernichten.
Wir sind bereits zu einer globalen Völkergemeinschaft geworden aber nur in dem Sinne, daß wir vor gemeinsamen Problemen stehen und, im
Guten oder Bösen, eine gemeinsame Zukunft miteinander teilen. In dieser
Völkergemeinschaft liegt die Macht zur Lösung der Probleme der Welt - vor
allem die wirtschaftliche und die politische Macht - nicht länger mehr nur
in den Händen weniger Nationen. Die Macht ist heute weit gestreut unter
zahlreiche Länder mit unterschiedlicher Kultur, Geschichte und Bestrebung.
Die Frage lautet, ob wir es zulassen wollen, daß unsere Meinungsverschiedenheiten uns zerstören, oder ob wir zusammenarbeiten wollen, um
unsere gemeinsamen Hoffnungen auf Frieden zu realisieren.
Heute möchte ich über die großen Dimensionen des Friedens und die
Rolle sprechen, die die Vereinigten Staaten bei der Begrenzung und dem
Abbau aller Rüstungen, bei der Kontrolle der nuklearen Technologie, bei
der Beschränkung des Wettrüstens und bei der Beilegung von Konflikten
mit friedlichen Mitteln spielen wollen.
Die Kontrolle der nuklearen Rüstungen
Als erstmals Atomwaffen eingesetzt wurden, bezeichnete Churchill die
Macht des Atoms als "eine Erkenntnis, die bis jetzt der Menschheit
gnädigerweise vorenthalten worden ist". Seitdem haben wir gelernt, um mit
Dürrenmatts bedrückenden Worten zu sprechen, daß das "was einst gedacht
worden ist, niemals ungedacht bleiben kann".
Wenn wir die Sicherheit haben wollen, daß unsere Kinder ihr Leben
in einer Welt leben werden, die unsere Hoffnungen zufriedenstellt - oder
daß sie überhaupt eine Chance zu leben haben werden - dann müssen wir

- 3 -

�V

wir endlich diese gewaltige Kernkraft in den Griff bekommen und sie
ausschließlich nutzbringenden Zwecken zuführen.
Der Friede wird nicht gesichert sein, bevor die Waffen des Krieges
nicht endgültig niedergelegt sind. Während wir auf dieses Ziel hinarbeiten,
werden die Völker ausreichende Rüstungen zur Gewährleistung ihrer
Sicherheit haben wollen. Ziel der Vereinigten Staaten ist es, den Frieden
zu gewährleisten. Aus diesem Grunde werden unsere Rüstungen und unsere
Bündnisse weiterhin so stark bleiben, wie dies notwendig ist, um vor
einem Angriff abzuschrecken.
Die Sicherheit der weltweiten Völkergemeinschaft kann jedoch nicht
für immer auf einem Gleichgewicht des Schreckens beruhen. In der
Vergangenheit wurde der Krieg als letzter Schlichter von Streitigkeiten
zwischen Völkern akzeptiert.
Im Nuklearzeitalter können wir den Krieg nicht länger als die
Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln betrachten. Ein Atomkrieg
kann nicht an den veralteten Normen "Sieg" oder "Niederlage" gemessen
werden. Diese unbeugsame Realität legt den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion eine furchbare und ganz spezielle Verantwortung auf.
Die Vereinigten Staaten stehen in einem weiten Bereich mit anderen
Ländern in Verhandlungen. Bei den Gesprächen über eine Begrenzung der
strategischen Rüstungen stehen wir und die Sowjetunion einer bedeutsamen
Vereinbarung zur Begrenzung der Gesamtzahl von Waffen und zur Beschränkung bestimmter Waffenkategorien, an denen jeder von uns ein
besonderes Interesse hat, greifbar nahe. Wir können ferner mit dem
entscheidend wichtigen Prozeß beginnen um dem unentwegten Vormarsch
technologischer Entwicklungen Einhalt zu gebieten, der eine Kontrolle
der Nuklearwaffen immer mehr erschwert.
Wir

«

�Wir müssen über die Gegenwart hinausblicken und darauf hinarbeiten,
die großen Gefahren und Instabilitäten der Zukunft abzuwenden. Wenn die
Prinzipien der Selbstbeschränkung, der Gegenseitigkeit und der beiderseitigen Anpassung der Interessen beachtet werden, dann wird es den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion nicht nur gelingen, die Waffen
zu begrenzen, sondern sie werden auch eine Grundlage für bessere
Beziehungen auf anderen Gebieten schaffen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, im Einklang mit unseren
Sicherheitsinteressen bei der Begrenzung und Reduzierung unserer
Nuklearwaffen so weit wie möglich zu gehen. Wir sind, auf der Basis der
Gegenseitigkeit, jetzt willens, sie um lo Prozent, um 2o Prozent, ja selbst
um 5o Prozent zu verringern. Dann werden wir auf weitere Reduzierungen
hinarbeiten, für eine Welt, die wahrhaft frei von Nuklearwaffen ist.
Die Vereinigten Staaten sind sich auch der Gefahr einer weiteren
Erprobung von Sprengsätzen bewußt.
Gegenwärtig werden zwischen den Vereinigten Staaten, Großbritannien
und der Sowjetunion Verhand'ungen über ein umfassendes Verbot nuklearer
Explosionen geführt. Wie auf anderen Gebieten, wo lebenswichtige nationale
Sicherheitsinteressen auf dem Spiele stehen, müssen die Vereinbarungen
verifizierbar und fair sein. Sie müssen von allen Parteien so gesehen
werden, daß sie einem langfristigen Interesse dienen, das Zurückhaltung im
Augenblick rechtfertigt.
Das langfristige Interesse in diesem Fall besteht darin, einen weiteren
Weg zum nuklearen Wettrüsten zu versperren und damit der gesamten Welt zu
zeigen, daß die großen Nuklearmächte ihre Pflicht ernst nehmen, die Gefahr
einer nuklearen Katastrophe zu verringern.
Mein Land glaubt, daß es an der Zeit ist, allen Explosionen von
nuklearen Sprengsätzen ein Ende zu machen, gleichgültig wie sie angeblich
gerechtfertigt werden - den friedlichen und den militärischen Explosionen.
Wir begrüßen die Anstrengungen aller Länder, dieses gleiche Ziel zu
erreichen.

_

In

�In den letzten neun Monaten habe ich die besondere Bedeutung unterstrichen, die wir der Kontrolle der nuklearen Proliferation beimessen.
Ich fürchte jedoch, daß viele nicht verstehen, warum die Vereinigten
Staaten so fühlen, wie dies der Fall ist.
Warum ist es so wichtig, die Möglichkeit zu vermeiden, daß ein oder
zwei oder zehn weitere Länder sich ein oder zwei oder zehn eigene
Nuklearwaffen beschaffen können? Lassen Sie mich versuchen, dies zu
erklären, denn ich glaube zutiefst, daß dies eine der größten Aufgaben
ist, vor der wir im nächsten Vierteljahrhundert stehen werden.
Es ist eine Binsenwahrheit, daß Nuklearwaffen eine gewaltige
Abschreckung bilden. Sie sind eine Abschreckung, weil sie drohen. Sie
könnten für Terrorismus oder Erpressung wie auch für einen Krieg verwendet
werden. Aber sie drohen nicht nur dem angenommenen Feind, sie drohen
jedem Land, dem Kämpfenden und dem nicht Kämpfenden in gleicher Weise.
Das ist der Grund, warum uns dies alle angehen muß.
Lassen Sie mich offen sein. Das Vorhandensein von Nuklearwaffen in
den USA und der UdSSR und in Großbritannien, Frankreich und China ist
etwas, das wir nicht ungeschehen machen können, es sei denn durch den
mühsamen Prozeß von Verhandlungen. Aber das Vorhandensein dieser Waffen
besagt nun nicht, daß andere Nationen ihre eigenen Waffen entwickeln
müssen, genauso wenig, wie es einen Grund für diejenigen unter uns gibt,
die über solche Waffen verfügen, diese mit anderen zu teilen.
Vielmehr legt PS den Ländern, die über die Kapazitäten für den
Export von nukleanm Brennstoff und nuklearen Technologien verfügen, zwei
feierliche Verpflichtungen auf - die Verpflichtung, den legitimen
Energiebedarf zu decken und zweitens dabei sicherzustellen, daß nichts
von dem, was wir exportieren - direkt oder indirekt - zur Herstellung
nuklearer Sprengstoffe beiträgt. Aus diesem Grunde bemühen sich die

�die Lieferländer um eine gemeinsame Politik und aus diesem Grunde sind
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion , selbst während wir noch
darum ringen, in den SALT-Gesprächen gemeinsamen Boden zu finden, bereits
einer Vereinbarung wie auch einer Zusammenarbeit bei unseren Bemühungen
um eine Begrenzung der nuklearen Proliferation näher gekommen.
Ich meine, daß die Londoner Gruppe der Lieferländer, wie sie sich
jetzt konstituiert hat, ihre Arbeit abschließen muß, sodaß die Sicherheit
der Welt vor dem Druck des kommerziellen Wettbewerbs gewährleistet wird.
Wir haben gelernt, daß es nicht genügt, lediglich einige Anlagen zu
schützen oder einige Materialien. Es sind ganz umfassende Sicherheitsmaßnahmen notwendig.
Heute in zwei Wochen werden in unserem Land über 3o Liefer- und
Verbraucherländer zu einer internationalen Bewertung des Brennstoffzyklus
zusammenkommen, die wir im vergangenen Frühjahr vorgeschlagen hatten.
In den nächsten Jahren werden Experten in Bezug auf alle Aspekte des
nuklearen Brennstoffzyklus zusammenarbeiten.
Die Wissenschaftler und die verantwortlichen Politiker dieser Länder
stehen vor einer gewaltigen Aufgabe. Wir wissen, daß Kernkraftreaktoren
im Jahre 2ooo genug Plutonium herstellen können, um in jedem Jahr
zehntausende von Bomben zu bauen. Ich glaube, aufgrund meiner persönlichen
Kenntnisse in dieser Frage, daß es Wege zur Lösunr des Problems gibt,
vor dem wir stehen. Ich glaube, es gibt alternative Brennstoffzyklen, die
sicher auf weltweiter Basis gehandhabt werden können.
Ich hoffe deshalb, daß der internationale Zyklus der Brennstoffaufbereitung die Unterstützung und die Ermutigung jedes Landes finden wird.
Ich habe sagen hören, daß die Bemühungen um die Kontrolle der nuklearen
Proliferation nutzlos seien; daß der Geist bereits aus der Flasche heraus

- 7 -

�heraus sei. Ich glaube nicht, daß dies richtig ist. Wir dürfen nicht
vergessen, daß sich die Mitgliedschaft des Kernwaffenclubs in 25 Jahren
nicht erweitert hat. Durch echte Zusammenarbeit können wir sicherstellen,
daß dieser schreckliche Club nicht weiter wachsen wird.
Konventionelle Waffen
Ich habe in einiger Ausführlichkeit über die besonderen Probleme
der Kontrolle der Kernwaffen und der nuklearen Proliferation gesprochen.
Ich möchte mich jetzt dem Problem der Kontrolle der konventionellen
Waffen zuwenden, die potentiell oder unmittelbar alle Nationen berührt,
die hier in diesem Saale vertreten sind. Das ist keine Sache der Zukunft nicht einmal der nahen Zukunft -, sondern der unmittelbaren Gegenwart.
Die weltweiten Militärausgaben liegen heute in der Gegend von 3oo Milliarden
Dollar pro Jahr. Im vorigen Jahr haben die Nationen der Welt mehr als
60 mal soviel ausgegeben, um einen Soldaten auszurüsten als um ein Kind
auszubilden. Das meiste Geld haben die Industrieländer ausgegeben, aber die
Wachstumsrate der Militärausgaben in der Entwicklungswelt ist rascher.
Und während nur eine handvoll Staaten hochentwickelte Waffen herstellen,
steigt die Zahl der Länder, die sie kaufen wollen immer schneller.
Das konventionelle Wettrüsten verursacht und nährt die Bedrohung durch
größere und tödlichere Kriege. Es legt einer bereits in Schwierigkeiten
befindlichen Weltwirtschaft eine gewaltige Bürde auf.
Die Vereinigten Staaten ihrerseits haben jetzt damit begonnen, ihre
Waffenexporte zu verringern. Es ist unser Ziel, sowohl die Quantität als
auch die Tödlichkeit der Waffen zu verringern, aber wir können den Weg
nicht sehr lange allein gehen. Länder, deren Nachbarn in großen Mengen
Waffen kaufen, fühlen sich veranlaßt das gleiche zu tun. Lieferländer,
die Zurückhaltung in Waffenverkäufen praktizieren, finden gelegentlich
heraus, daß sie einfach wertvolle Handelsmärkte an andere Lieferanten
verlieren.
Wir

�Wir hoffen mit anderen Lieferanten zusammenarbeiten zu können, um
den Waffenfluß zurückzudä'mmen und das Tempo zu reduzieren, mit dem die
modernsten und hochentwickeltsten Waffentechnologien sich um die ganze
Welt ausbreiten. Wir erwarten nicht, daß diese Aufgabe leicht sein wird
oder sofortige Ergebnisse produzieren wird. Aber wir haben uns verpflichtet,
der Spirale zunehmender Waffenverkä'ufe Einhalt zu gebieten.
Wir hoffen, was ebenso wichtig ist, daß die Käuferländer einzeln und
über regionale Organisationen ihre Waffenimporte begrenzen werden. Wir sind
bereit, einigen Ländern die notwendigen Mittel für eine legitime Selbstverteidigung zur Verfügung zu stellen, aber wir sind ebenso daran
interessiert, mit jedem Land oder jeder Region zusammenzuarbeiten, um die
Notwendigkeit für zahlreichere, tödlichere und immer teuerere Waffen zu
verringern.
Der Regionale Konflikt
Vor 14 Jahren sprach einer meiner Vorgänger in diesem Räume unter
Bedingungen, die in bestimmter Weise den heutigen gleichen. Es war eine
Zeit, so sagte er, der verhältnismäßigen Ruhe und es herrschte eine
Atmosphäre steigender Hoffnung hinsichtlich der Aussichten für die Kontrolle
der Nuklearenergie. Der erste spezifische Schritt zur Begrenzung des
nuklearen Wettrüstens war getan worden - fast loo Nationen hatten einen
Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen unterzeichnet.
Aber die folgenden Jahre entsprachen nicht den optimistischen Aussichten,
die John F. Kennedy vor dieser Versammlung aufgeteigt hatte, denn es ist uns
als eine Gemeinschaft von Nationen nicht gelungen, die tiefsten Ursachen
des potentiellen Konflikts unter uns anzupacken.
Wenn wir die Prinzipien der Entspannung unter den großen Nuklearmächten
zu etablieren versuchen, dann sind wir der Überzeugung, daß diese Prinzipien
auch auf regionale Konflikte Anwendung finden müssen. Die Vereinigten
- 9 -

�Vereinigten Staaten sind der friedlichen Beilegung von Meinungsverschiedenheiten verpflichtet. Wir sind der Stärkung der friedensstiftenden
Fähigkeiten der Vereinten Nationen und regionaler Organisationen, wie der
Organisation für afrikanische Einheit und der Organisation Amerikanischer
Staaten, verpflichtet.
Die Vereinigten Staaten unterstützen die Anstrengungen Großbritanniens,
einen friedlichen und raschen Übergang zur Mehrheitsherrschaft und zur
Unabhängigkeit in Simbabwe herbeizuführen. Wir haben uns anderen Mitgliedern
des Sicherheitsrates in der vorigen Woche und dem Generalsekretär der
Vereinten Nationen in den Bemühungen angeschlossen, die Unabhängigkeit
und eine demokratische Herrschaft in Namibia zustande zu bringen. Wir
sind erfreut über den Stand der Zusammerarbeit, den wir mit den Führern
der Nationen in diesem Gebiet wie auch mit jenen Völkern erreicht haben,
die um die Unabhängigkeit ringen. Wir appellieren an Südafrika und andere
Nationen, die vorgeschlagen?

Lösung für die Probleme in Simbabwe zu

unterstützen und noch enger zusammenzuarbeiten, um für einen reibungslosen
und prompten Übergang in Namibia zu sorgen.
Es ist jedoch notwendig, daß alle anderen Nationen in ihren Aktionen
in Simbabwe und in Namibia Zurückhaltung üben, damit wir eine Herrschaft
der Mehrheit verwirklichen und eine Ausweitung des Krieges vermeiden
können, der über die südliche Hälfte des afrikanischen Kontinents
hereinbrechen könnte.
Von allen regionalen Konflikten auf der Welt birgt keiner größere
Gefahren in sich als der Nahe Osten. Der Krieg dort hat die Welt ar

den

Rand der nuklearen Konfrontation gebracht. Er hat die ganze Weltwirtschaft
zerrüttet und den Menschen in den Industriestaaten wie auch in den
Entwicklungsländern in gleicher Weise große Härten auferlegt. Daher ist ein
echter Friede - ein Friede, der in bindenden Verträgen niedergelegt ist unbedingt notwendig. Er wird im Interesse der Israelis und der Araber
liegen. Er liegt im Interesse des amerikanischen Volkes. Er liegt im

�im Interesse der gesamten Welt.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat mit den Resolutionen
242 und 338 die Grundlage für einen Frieden geschaffen, doch sind Verhandlungen in gutem Glauben zwischen allen Parteien notwendig, um diesem
Frieden Gehalt zu geben.
Solche Verhandlungen in gutem Glauben müssen durch die Erkenntnis
belebt werden, daß alle Nationen in diesem Gebiet - Israel und die
arabischen Länder - ein Recht auf eine Existenz in Frieden
Aufnahme

mit baldiger

eines wirtschaftlichen und ^lturellen Austausches sowie

normalen diplomatischen Beziehungen haben. Der Friede muß einen Prozeß
einschließen, durch den die bittere Feindschaft über Generationen hinweg Haß und Argwohn - überkommen werden können. Die Verhandlungen können
keinen Erfolg haben, wenn eine der Parteien die trügerische Ansicht hegt,
daß der Friede lediglich eine Pause bedeutet, in der man sich auf den
Krieg vorbereitet.
Verhandlungen in gutem Glaubem bedingen ferner, daß alle Seiten
die fundamentalen Rechte und Interessen jedes einzelnen akzeptieren.
Für Israel muß dies Grenzen bedeuten, die anerkannt und sicher sind.
Sicherheitsvereinbarungen sind entscheidend wichtig für ein Land, das in
jedem der letzten vier Jahrzehnte um sein überleben gekämpft hat. Die
Verpflichtung der Vereinigten Staaten für die Sicherheit Israels steht
außer Zweifel.
Was die Araber anbetrifft, so müssen die legitimen Rechte des
palästinensischen Volkes anerkannt werden. Das eine, was das amerikanische
Volk mit Israel verbindet, ist unsere gemeinsame Achtung vor den Menschenrechten und der Mut, mit dem Israel diese Rechte verteidigt hat. Es liegt
auf der Hand, daß ein echter und dauerhafter Friede auch die Rechte aller
Völker dieses Gebiets respektieren muß. Wie diese Rechte definiert und
- 11 -

�und verwirklicht werden, darüber zu entscheiden ist selbstverständlich
Aufgabe der direkt Beteiligten, nicht aber unsere Aufgabe, es zu diktieren.
Wir beabsichtigen nicht, den Nationen des Nahen Ostens eine Lösung
von außen aufzuzwingen.
Die Vereinigten Staaten sind mit den Außenministern Israels und der
arabischen Staaten, die um den Frieden bemüht sind, zusammengekommen.
Wir stehen in engem Kontakt mit der Sowjetunion, mit der wir die Verantwortung für die Wiederaufnahme der Genfer Konferenz teilen. Als Folge
dieser Konsultationen sind die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten
übereingekommen, die Wiederaufnahme der Genfer Konferenz vor Ende dieses
Jahres zu fordern. Wenn auch weiterhin eine Anzahl von Verfahrensfragen
bestehen bleibt, so glaube ich doch, daß man darauf eine Antwort finden
kann, wenn die Parteien weiterhin in gutem Willen handeln.
Die Großmächte haben eine besondere Verantwortung in den Gebieten
auf der Welt, wo sie konkurrierende Interessen haben, mit Zurückhaltung
vorzugehen, weil eine Verknüpfung dieser Interessen mit örtlichen
Rivalitäten und Konflikten zur ernsten Konfrontation führen kann. Im Gebiet
des Indischen Ozeans haben weder wir noch die Sowjetunion eine große
militärische Präsenz, auch besteht dort keine rasch anwachsende
Konkurrenz zwischen uns. Eine Zurückhaltung in diesem Gebiet könnte
durchaus mit einer von beiden Seiten unternommenen Anstrengung beginnen,
unsere Präsenz zu stabilisieren und eine Eskalation im militärischen
Wettstreit zu vermeiden. Dann könnten beide Seiten erwägen, wie unsere
militärischen Aktivitäten im Gebiet des Indischen Ozeans noch weiter
eingeschränkt werden könnten.
Die friedliche Beilegung der Differenzen ist natürlich wesentlich. :Die
Vereinigten Staaten sind gewillt, an diesem Prinzip festzuhalten, wie im
Falle der vor kurzem unterzeichneten Panama-Verträge. Diese Verträge

- 12 -

�Verträge können, sobald sie ratifiziert sind, die Beziehung zwischen den
Vereinigten Staaten und Panama in ein Verhältnis verwandeln, das die
Interessen beider Länder auf Dauer schützt und ihre Souveränität respektiert.
Wir haben seit Gründung der Vereinten Nationen große Herausforderungen überlebt und überwunden, aber wir können den Fortschritt selbst
in einer Welt immer größer werdender Mannigfaltigkeit beschleunigen. Die
Verpflichtung zur Stärkung der internationalen Institutionen ist von
lebenswichtiger Bedeutung, aber auch aus unserer nationalen Politik erwächst
Fortschritt. Wir können zusammenarbeiten und eine Gemeinschaft des Friedens
bilden, wenn wir jene von mir heute vorgeschlagenen Verpflichtungen
akzeptieren:
- Erstens, die Verpflichtung, die Drohung der Nuklearwaffen zu beseitigen, die Tendenz zu immer größeren Rüstungen zu wenden und bilaterale
sowie multilaterale Abkommen über eine Rüstungskontrolle abzuschließen, die
uns allen Sicherheit bringen können.
Um das Vertrauen der Nationen auf Nuklearwaffenarsenale abzubauen,
erkläre ich hiermit im Namen der Vereinigten Staaten, daß wir keine
Nuklearwaffen anwenden werden, außer zur Selbstverteidigung: das heißt,
nur im Falle eines tatsächlichen nuklearen oder konventionellen Angriffs
auf die Vereinigten Staaten, auf unsere Territorien oder unsere
Streitkräfte oder im Falle eines solchen Angriffs auf unsere Verbündeten.
Darüber hinaus hoffen wir, daß die Initiativen seitens der westlichen
Nationen zur Sicherung einer beiderseitigen und ausgewogenen Truppenreduzierung in Europa eine entsprechende Reaktion seitens der Staaten des
Warschauer Pakts finden werden.
- Zweitens, die Verpflichtung, in Spannungsgebieten Zurückhaltung
zu üben, über Streitfälle zu verhandeln und sie friedlich beizulegen und
die Fähigkeit der Vereinten Nationen und der regionalen Organisationen
zur Friedenserhaltung zu stärken.
- Und schließlich die Anstrengung aller Nationen, der des Ostens wie
der des Westens, des Nordens wie des Südens, die Hoffnungen.und

�und Erwartungen der Menschheit auf menschliche Entwicklung und
menschliche Freiheit zu erfüllen. Um diesen Grundforderungen zu entsprechen, bilden wir Regierungen und streben nach dem Frieden.
Um unseres Überlebens und unserer Prosperität willen müssen wir
gemeinsam diese Verpflichtungen erfüllen.
Eine solche Welt des Friedens ist für uns vorstellbar. Wir können
auf eine Welt ohne Armut und Not hinarbeiten. Wir können eine globale
Gemeinschaft aufbauen, die sich für diese Zielsetzungen und für die
Menschenwürde einsetzt.
Das Bild, das ich heute vor Ihnen entworfen habe, ist das, wie es sich
einem führenden Mann einer Nation darstellt. So reich und mächtig die
Vereinigten Staaten auch sein mögen - so sehr sie zu einer führenden Rolle
befähigt sein mögen - diese Macht ist in zunehmendem Maße relativ, und die
Führung bedarf in zunehmendem Maße der Beteiligung anderer.
•

Keine Nation hat ein Monopol auf Zukunftsvisionen, auf Kreativität
oder auf Ideen. Dies aus vielen Nationen zusammenzubringen, das ist unsere
gemeinsame Verantwortung und hohe Aufgabe. Denn nur auf diese Weise kann
die Idee einer friedlichen globalen Gemeinschaft sich entwickeln und
gedeihen.

+ + +

•

�12. Oktober 1977

27

DIE MENSCHENRECHTE: POLITISCHES ERBE AMERIKAS
Earl N. Mittleman

Wer mit der Entwicklung des politischen Gedankenguts Amerikas vertraut ist, der wird über das "absolute" Eintreten Präsident Carters
für die Menschenrechte nicht überrascht sein. Carter bestätigt nur einen
Grundgedanken, der das politische System der Vereinigten Staaten
motiviert. Die Verpflichtung Amerikas für die Menschenrechte, so erklärte
er, "ist ein Ausdruck der Werte, die das amerikanische Volk am
tiefsten bewegen."
Diese Werte fanden mit den ersten englischen Siedlungen in der
Neuen Welt Anfang des 17. Jahrhunderts ihre Heimat. Als jene ersten
kühnen Siedler am 14. Mai 16o7 in dem heutigen Jamestown landeten, brachten
sie ihre vererbten Freiheiten mit.
Die erste Charta (Stiftungsurkunde) von Virginia, die König James 1
als Grundlage für die Regierung der Siedlung gewährte, stellte ausdrücklich
fest, daß alle Bewohner "alle Freiheiten, Gerechtsame und Privilegien
in allen Unseren Dominions für alle Absichten und Zwecke haben und
genießen sollen, als ob sie in Unserem Reich England oder in irgendeinem

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�irgendeinem Unserer besagten Dominions geboren waren oder dort lebten."
Einige Jahre später faßte mit der Gründung der Massachusetts Bay
Colony die Herrschaft des Rechts festen Fuß in der Neuen Welt. Der General
Court, die regierende Körperschaft der Kolonie, verabschiedete im Jahre
1641 einen Kodex der bürgerlichen Freiheiten, der zum erstenmal auf dem
amerikanischen Kontinent die Herrschaft des Rechts über die Völker der
Regierenden einsetzte.
Die englischen Kolonisten in Amerika brachten jedoch die religiöse
Unduldsamkeit mit, die sie in Europa praktiziert hatten. Erst Mitte des
17. Jahrhunderts begann sich die religiöse Toleranz zu entfalten. Der
"Toleration Act", die Toleranzakte, die die römisch-katholische Kolonie
Maryland verabschiedete, war das erste Gesetz über die Religionsfreiheit,
das von einer legal eingesetzten gesetzgebenden Versammlung in Amerika
verabschiedet wurde. Die Akte sollte die Kolonie Maryland von dem Vorwurf
der Intoleranz gegenüber dem Protestantismus befreien.
Völlige religiöse Toleranz kam jedoch erst im Jahre 1663 mit der
Stiftungsurkunde der Kolonie Rhode Island, in der die volle Freiheit der
Religion niedergelegt wurde.
Während die Frage der Religionsfreiheit in Nordamerika ihre Lösung
fand, machte ein neues Problem den Kolonisten und schließlich sogar den
Vereinigten Staaten von Amerika zu schaffen: das Problem der Sklaverei.
Obwohl die Zahl der schwarzen Sklaven im 17. Jahrhundert relativ
klein war, gab es bereits Proteste gegen diese Einrichtung, vor allem
seitens der Quäker und der Mennoniten. Am 18. Februar 1688 veröffentlichte
eine Gruppe von Mennoniten in Germantown in Pennsylvania den ältesten
bekannten Protest gegen die Sklaverei in den amerikanischen Kolonien:
"Hier", so schrieben sie, "herrscht Freiheit des Gewissens, was recht

- 2 -

�recht und billig ist; hier sollte aber in gleicher Weise Freiheit des
Körpers herrschen... Aber Menschen hierher zu verbringen oder sie gegen
ihren Willen zu rauben und zu verkaufen, dagegen sind wir."
In der Zwischenzeit dehnten sich die amerikanischen Kolonien mit der
Ankunft von Siedlern aus Deutschland, Holland, Frankreich und den
skandinavischen Ländern immer weiter aus, und es entwickelte sich ein
neues amerikanisches Nationalgefühl. Die Kolonisten begannen sich als
Amerikaner zu fühlen, die sich selbst regieren. Als die britische Krone
versuchte, in

einigen Kolonien bestimmte verhaßte Steuern einzuführen,

die Handelstätigkeit zu beschränken, die landwirtschaftliche Expansion nach
Westen zu begrenzen und die Selbstverwaltung abzuschaffen, erhoben sich die
Kolonien dagegen. Am 4. Juli 1776 proklamierten die Vertreter der 13
Kolonien die

Unabhängigkeitserklärung, die die politischen Grundüber-

zeugungen der Amerikaner formulierte:
"Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: daß alle
Menschen gleich geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit bestimmten
unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß dazu Leben, Freiheit und
das Streben nach Glück gehören; daß zur Sicherung dieser Rechte Regierungen
unter den Menschen eingesetzt werden, die ihre rechtmäßige Macht aus der
Zustimmung der Regierten herleiten."
Mit dem siegreichen Ende des Befreiungskrieges, des Revolutionary War,
übernahmen die Vereinigten Staaten von Amerika ein riesiges Gebiet, das sich
von den ersten Kolonien an der Ostküste bis zum Mississippi erstreckte.
Noch kaum bevölkert bot dieses Gebiet gewaltige Siedlungsmöglichkeiten.
Die Vereinigten Staaten hatten jetzt zwei Möglichkeiten: sie konnten
dieses Gebiet als koloniales Lehen der Bundesregierung behandeln, oder sie
konnten den derzeitigen und künftigen Bewohnern die gleichen Rechte einräumen, wie den Bürgern der bestehenden 13 Staaten der Union. Die neue
Regierung wählte den letzteren Weg und erließ im Jahre 1787 die sogenannte
- 3 -

�sogenannte "Northwest Ordinance", einen Erlaß also, der den Siedlern der
Territorien

nicht nur die vollen Rechte als amerikanische Bürger ein-

räumte, sondern ihnen auch die Aufnahme in die Union nach Gründung eines
Staates (EinzelStaates) zusicherte. Allerdings wurde in dem genannten
Gebiet die Sklaverei als ungesetzlich erklärt.
Nach drei Jahren unvollkommener Regierung unter den Konföderationsartikeln erarbeiteten Vertreter der 13 Staaten die Verfassung der
Vereinigten Staaten, um eine festere Basis für die Bundesregierung und das
Verhältnis der Einzelstaaten zur Zentralregierung zu

schaffen.

Eine der größten Befürchtungen war jedoch, daß die Zentralregierung
zuviel Macht erhalten könnte. So wurden bald nach der Ratifizierung der
Verfassung die ersten zehn Zusatzartikel, die sogenannte "Bill of Rights",
verabschiedet und 1791 in Kraft gesetzt. Diese Zusatzartikel garantierten,
daß die Bundesregierung die Grundrechte des amerikanischen Bürgers nicht
schmälern kann.
Aber noch immer hing eine dunkle Wolke über der amerikanischen
Gesellschaft: die Sklaverei. Erst der Bürgerkrieg von 186o bis 1865, in
dem fast 800 000 Tote und Verwundete zu beklagen waren, brachte die endgültige Lösung dieses Problems. Nach dem Kriege sorgten die Zusatzartikel
13, 14 und 15 für die völlige Abschaffung der Sklaverei.
Das nächste Problem war das Wahlrecht für Frauen. Der Kampf darum
dauerte lang, aber schließlich regelte der 192o verabschiedete 19. Zusatzartikel der Verfassung auch diese Frage.
Die Weltwirtschaftskrise, die 1929 begann und Millionen von Amerikanern
Arbeitslosigkeit brachte, führte zu der Erkenntnis, daß es auch einen
wirtschaftlichen Aspekt der Menschenrechte gab. Im Rahmen des unter der
Bezeichnung "New Deal" bekannt gewordenen Wirtschafts- und Sozialprogramms

- 4 -

�Sozialprogramms von Präsident Franklin D. Roosevelt wurden in den dreißiger
Jahren die Gewerkschaften zu einem immer wichtigeren Faktor. Mit ihrer
Hilfe wurden Sozialversicherung, Arbeitslosenversicherung, der Achtstundentag und die 4o-Stundenwoche für die meisten Amerikaner Wirklichkeit. Und
nach dem Zweiten Weltkrieg erkannte die Regierung mit der Verabschiedung
des Vollbeschäftigungsgesetzes im Jahre 1946 ihre Verantwortung an, für
"nützliche Beschäftigungsrröglichkeiten ... für jene zu sorgen, die fähig
und willens sind, zu arbeiten und nach Arbeit zu suchen, und maximale
Beschäftigungs- und Produktionsverhältnisse und maximale Kaufkraft zu
schaffen."
Und schließlich kam in den fünfziger und sechziger Jahren die große
Bürgerrechtsbewegung, deren von ihr erfochtetenen Bürgerrechtsgesetze
die Menschenrechte für alle Amerikaner durchsetzten.
Die Erfahrung der totalitären Aggression in den dreißiger und vierziger
Jahren, vor allem im Zweiten Weltkrieg, brachten dem amerikanischen Volk die
Erkenntnis, daß die Menschenrechte eine internationale Angelegenheit
sind. Aus dieser Einsicht heraus waren die Vereinigten Staaten maßgeblich
an dem Entwurf der Charta der Vereinten Nationen 1945, der Universalen
Menschenrechtserklärung 1948 und schließlich des Korbes 3 der Schlußakte
von Helsinki 1975 beteiligt. Gerade im letzteren Dokument haben sich die
Länder Europas zur Stärkung der Menschenrechte für ihre Völker verpflichtet.

+ + +

- 5 -

�11 Li

I

United States Information Service

27

12. Oktober 1977

MANAGEMENT UND WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG
- Ein Beitrag zum Nord-Süd-Dialog Von Edward Y. George

"Die Rolle des Management in unserer Gesellschaft ist von entscheidender Bedeutung für den Fortschritt der Menschheit.

Sie trägt dazu bei, eine

zwingende Notwendigkeit unserer Zeit zu umreißen, nämlich die Notwendigkeit,
den Lebensstandard aller Völker durch wirksame Nutzung der menschlichen und
materiellen Ressourcen zu heben".

Diese Worte Präsident Kennedys, vor über

einem Jahrzehnt gesprochen, gelten auch heute noch.

Peter F. Drucker, einer

der führenden Betriebswirtschaftler Amerikas, unterstreicht ihre Bedeutung
erneut, wenn er jetzt darauf hinweist, daß das Management die Grundlage für
den Reichtum der heutigen Industriestaaten geschaffen hat.

Das Management

hat mit dazu beigetragen, daß sie sich aus einer Gesellschaft kleiner Familienbetriebe und Arbeitseinheiten zu einer Gesellschaft komplexer Institutionen von ungeahnter Produktivität entwickeln konnten.

Drucker geht aber

noch weiter und erklärt, das überleben unserer modernen Welt hängt in hohem
Maße von dem Erfolg der Manager ab.
Es ist immer wieder darüber diskutiert worden, ob das Management bereits
eine führende Kraft in der Gesellschaft war, noch bevor die wirtschaftlich Ent-

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Entwicklung Gestalt annahm,oder ob das Management als eine natürliche Folge
der wirtschaftlichen Entwicklung zu werten sei. Tatsache ist, daß das Management die Haupttriebskraft bildet und die wirtschaftliche Entwicklung als Folgewirkung zu betrachten ist.

Es ist richtig, daß wirtschaftliches Wachstum

von der Verfügbarkeit von Kapital, Rohstoffen und Arbeitskräften abhängig
ist.

Aber diese Faktoren kann man nicht in ein Vakuum stellen.

Nur in Or-

ganisationen, die von einem hervorragenden Management geleitet werden, können
sie sich produktiv entfalten.
In der gegenwärtigen Diskussion über die Ursachen der Unterentwicklung
wird immer wieder erklärt, daß es lediglich eines wachsenden Kapitalflusses
bedürfe, um eine rasche wirtschaftliche Entwicklung zu gewährleisten.

Diese

naive Ansicht ignoriert einfach die grundlegende Tatsache, daß wirtschaftliche
Entwicklung auf menschlicher Energie und nicht auf wirtschaftlichem Reichtum
beruht und daß es eine der Hauptaufgaben des Management ist, die menschlichen
Energien zu wecken und zu lenken.
Wirtschaftliche Entwicklung ist davon abhängig, daß in der Gesellschaft
qualifizierte Fachkräfte in ausreichender Zahl vorhanden sind. Aufgabe eines
vorausschauend planenden Management ist es daher, geeignete Arbeitskräfte anzuwerben, auszubilden und weiter zu fördern. Durch richtige Anleitung und
Motivierung sowie Einräumung geeigneter Möglichkeiten zur Selbstbestätigung
für diese Arbeitskräfte kann das Management sicherstellen, daß die Zahl der
qualifizierten Fachkräfte wächst.
Warum nun ist das Management, besonders für die Entwicklungsländer, von
so ausschlaggebender Wichtigkeit?

Und warum sind die Managementkonzeptionen

und Techniken, wie sie in den Vereinigten Staaten entwickelt und weiter verfeinert worden sind, in gleicher Weise auch auf die Entwicklungsländer anwendbar?
Einmal können die großen Unternehmen in den Vereinigten Staaten es sich
leisten, auf fast allen Gebieten hochspezialisierte Fachkräfte einzustellen,
- 2 -

�einzustellen, während die Unternehmen in den Entwicklungsländern diese Möglichkeit nicht haben, da solche einheimischen Fachkräfte rar sind.

Daher ist

es von entscheidender Bedeutung, daß das Management in den Entwicklungsländern selbst aus dem begrenzten einheimischen Reservoir geeigneter Arbeitskräfte sich seinen Stamm an Fachkräften heranzieht.

Zum anderen ist Management allgegenwärtig und universell.

Kein Unter-

nehmen, ob es sich nun um staatliche oder private Unternehmen handelt, kann
ohne wirksames Management überleben und über lange Zeiträume produktiv arbeiten.

Darüber hinaus sind Aufgaben und Funktionen der Manager überall auf

der Welt nahezu die gleichen.

Welcher Art sind nun Aufgaben und Funktionen des Management, daß es
für die Entwicklungsländer so begehrenswert ist?

Ein Manager, der Erfolg

haben will, darf nicht alles selbst machen wollen; er muß lediglich dafür
sorgen, daß das Richtige zum richtigen Zeitpunkt geschieht.

Ein Experte oder

Spezialist auf einem bestimmten Gebiet ist nicht unbedingt auch ein erfolgreicher Manager.

Um Erfolg zu haben, muß ein Manager andere Menschen moti-

vieren und so führen können, daß sie produktiv sind.

Er muß aufgrund seiner

Erfahrung und Persönlichkeit die unterschiedlichen persönlichen Kenntnisse
und Fähigkeiten der Menschen, die mit ihm zusammenarbeiten, zu einem Ganzen
zusammenschweißen können, das mehr ist als die Summe seiner einzelnen Teile.

Nach V.H. Vroom von der Carnegie Mellon-Universität ist es Aufgabe des
Managers, ständig Führung, Leistung, Produktivität und Gewinn im Auge zu
haben.

Die Effektivität des Managers wird an zwei Faktoren gemessen:

Fähigkeit der Arbeitsgruppe multipliziert mit ihrer Motivierung.

Die

Die vor

kurzem von Vroom und E.E. Lawler entwickelte Erwartungstheorie besagt unter
anderem, daß Befähigung und Funktionsvorstellung potentiell entscheidend für
die Leistung sind.

Vom Manager wird daher erwartet, daß er das Leistungs-

niveau seines Mitarbeiterstabes heben und diesen zu hohen Leistungen anspornen soll.
Was
- 3 -

�Was die Funktionen des Managers anbetrifft, so wird in der Betriebswirtschaftslehre allgemein anerkannt, daß hierunter Planung, Organisation,
Personalentscheidungen, Direktiven und Kontrolle fallen.

Diese Funktionen

werden in den meisten Handbüchern über Managementprinzipien eingehend erläutert.

Wichtiger ist, an dieser Stelle aufzuzeigen, wie ein Manager sol-

che Funktionen mit Erfolg ausüben kann.

In den letzten zehn Jahren bestand

in den Vereinigten Staaten eine starke Tendenz, das Management zu ermuntern,
das gerade entwickelte System des Management nach Zielsetzungen einzuführen.
Richtig angewandt kann ein Management nach Zielsetzungen aufgrund der vollen
Zusammenarbeit aller Managementebenen durch Definition klarer und quantitativ
meßbarer Ziele die Chancen für den Erfolg des Managers verbessern.

Ein

Management nach Zielsetzungen integriert und systematisiert nicht nur die
Managementfunktionen, sondern trägt auch dazu bei, daß die untergeordneten
Stellen infolge ihrer Einbeziehung genau wissen, was von ihnen erwartet wird
und was auf sie zukommt.
Obwohl viele heute zu der Auffassung neigen, daß Management eine Kunst
und Führerschaft, eine angeborene Fähigkeit sei, haben Untersuchungen über
das Management in den Vereinigten Staaten ergeben, daß Management und die damit zwangsläufig verbundene Führungsrolle Fähigkeiten sind, die erworben und
über gut durchdachte wissenschaftliche Ausbildungsprozesse erlernt werden
können.
Professor David C. McClelland von der Harvard-Universität tritt der allgemeinen Auffassung, daß kulturelle Werte zwangsläufig die Motivierung im
Kindesalter beeinflussen, entgegen und hat für die Vereinigten Staaten und
einige Entwicklungsländer ein Ausbildungsforschungsprogramm ausgearbeitet, das
bei Erwachsenen das Leistungsmotiv auf wirtschaftlichen Gebieten zu wecken
sucht. Seine vielversprechende Arbeit über die Theorie der Motivation basiert auf verschiedenen Thesen. Wenn jemand überzeugt sei, so sagt er unter
anderem, daß er ein Motiv entwickeln könne oder sollte, dann hätten Ausbildungsbemühungen mit dem Ziel einer Weiterentwicklung dieses Motives auch Erfolg. Wenn jemand eine neue Motivation mit Ereignissen in seinem täglichen

�täglichen Leben in Verbindung bringen könne, dann werde das Motiv in den
Tagesablauf Eingang finden.

Und wenn jemand glaube, daß das Motiv eine

Verbesserung bestehender kultureller Werte bedeute, dann werde es seine
Handlungen künftig stärker beeinflussen.
In den Entwicklungsländern bilden die staatlichen Organe wichtige
Reservoire für erfolgreiche Manager, einmal aus historischen und kulturellen
Gründen und zum anderen wegen der Anreize und Motivationen im Regierungsdienst. Zur Beschleunigung des Tempos ihrer wirtschaftlichen Entwicklung
haben die meisten Entwicklungsländer auf höchster Regierungsebene Kommissionen für die langfristige Planung eingesetzt. Als Prozeß der Willensbildung ist die langfristige Planung, soll sie erfolgreich sein, abhängig davon, daß qualifizierte Manager verfügbar sind und daß die wissenschaftlichen
Managementtechniken an die für die Durchführung der wirtschaftlichen Entwicklungspläne Verantwortlichen weitervermittelt werden.
Ein erfolgreiches Management ist ausschlaggebend für den Erfolg des
Entwicklungsprozesses. Amerikanische Konzeptionen, Praktiken und Ausbildungsverfahren haben dazu beigetragen, das Management zu einer Wissenschaft
zu machen, die weitervermittelt werden kann. Die Entwicklungsländer beginnen jetzt nach Jahren historischer Bindungen an andere Staaten auf die amerikanischen Managementtechniken und Ausbildungsverfahren zu blicken und sie
zu schätzen. In enger beiderseitiger Zusammenarbeit suchen sie diese Techniken angesichts des in ihnen schlummernden riesigen Potentials für den Erfolg der wirtschaftlichen Entwicklungsanstrengungen einzusetzen.

+ + + + +

- 5 -

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»

UUi//cn/choft
und Technik
United States Information Service

12. Oktober 1977

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ATOMMÜLL - IN MEERESSCHLUCHTEN VERGRABEN
Ein Vorschlag amerikanischer Wissenschaftler -

- (AD) - Naturvorgänge auf der Erde selbst könnten helfen, Atommüll
unschädlich zu machen. Dr. Karl Turekian von der Yale-Universität und
Dr. Peter Rona, Geophysiker bei der US-Behörde für Meeres- und Atmosphärenforschung (NOAA) »schlagen nach eingehenden Untersuchungen von Strömungen
und Sedimentation im Bereich des Mittelatlantikrückens vor, radioaktiv Abfälle in den Quertälern zur Zentralspalte des riesigen Unterwassergebirges
zu versenken.
Bei diesen Quertälern handelt es sich um Hunderte von Kilometern
lange tiefe Risse im Meeresboden, deren größter an der Basis 10 km breit
ist und mehr als 3000 m hohe Wände aufweist. Sedimente sammeln sich am Boden dieser Gräben sehr rasch an und kommen manchmal in regelrechten meterdecken Lawinen. Schon eine acht Zentimeter dicke Schicht würde nach Meinung der beiden Wissenschaftler genügen, radioaktives Material gegen die
Mehrzahl möglicher natürlicher Störungen wie z.B. Strömungen abzuschirmen.
In Kanistern versiegelter Atommüll, Plutonium eingeschlossen, könnte dort
über Tausende und Hunderttausende von Jahren ruhen und während dieser Zeit

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�Zeit zu unschädlichen Substanzen zerfallen.

Sollten die unter Sedimenten

begrabenen Kanister eines Tages leck werden, wären die darin befindlichen
Materialien durch chemische Prozesse in den Tiefsee-Sedimenten und im
Grundwasser wirksam abgeschirmt.

Organismen im Meer kämen, so Turekian

und Rona, nicht mit den radioaktiven Stoffen in Berührung.

Das östliche

Atlantikbecken ist nach ihrer Ansicht als gut geeigneter und sicherer Deponienplatz für Atommüll anzusehen.

+ + + + +

- 2 -

�i

Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service

27

12. Oktober 1977

NEUE MITTEL GEGEN VIRUSKRANKHEITEN

- (AD) - Eine gewisse Parallele zur Bedeutung der ersten Antibiotika
für die Bekämpfung bakterieller Infektionen sieht Prof. Thomas C. Merigan,
Leiter der Abteilung Infektionskrankheiten am Klinikum der Stanford-Universität (Kalifornien), in der Entwicklung neuer Substanzen, mit denen
Viruserkrankungen systematisch angegangen werden können, die sich bisher
einer erfolgreichen Therapie entzogen. Eine dieser Substanzen ist AdeninArabinosid - kurz Ara-A genannt - zur Behandlung der Herpes-Enzephalitis,
einer überaus heimtückischen und gefährlichen Form der Hirnhautentzündung.
Glücklicherweise tritt sie nur selten auf - unter 100 Millionen Einwohnern
kommen schätzungsweise 500 - 5000 Fälle vor. Genaue Zahlen gibt es darüber
wohl noch nirgends, weil eine gesicherte Diagnose die Entnahme einer Gewebeprobe vom Gehirn erfordert, um den Erreger - Herpesviren Typ I - zu identifizieren.
Die Klinik der Stanford-Universität war zusammen mit 14 weiteren großen
amerikanischen Klinikzentren an einem Versuch zur Erprobung und Beurteilung
von Ara-A beteiligt, den das Nationale Institut für Allergie und Infektionskrankheiten der Medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH) der USA ausgearbeitet und überwacht hatte.

Aus einem kürzlich veröffentlichten ersten

Postfach 300,
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Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�ersten Bericht geht hervor, daß unter Anwendung des neuen Präparats die
Sterblichkeitsrate bei Herpes-Enzephalitis von 70 auf 28 Prozent verringert und die Folgeschäden in der Form schwerster neurologischer Ausfälle
bei überwundener Erkrankung wesentlich eingeschränkt wurden.
Angesichts dieser Ergebnisse wird an der Stanford-Universität Ara-A
jetzt ebenso wie Interferon versuchsweise auch zur Bekämpfung anderer
Virusinfektionen angewandt.

Schon vor einem Jahr konnten Merigan und seine

Mitarbeiter über sehr bemerkenswerte Ergebnisse der Behandlung chronischer
Hepatitis, Typ B, mit Interferon berichten.

Bei etwa 10 Prozent der Patien-

ten, die sich mit akuter Hepatitis B in stationäre Behandlung begeben,
kommt es zu einer chronischen Infektion.

Das bedeutet, daß sie die Erre-

ger ständig im Blut haben und damit potentielle Krankheitsüberträger sind.
Prof. Merigan hofft, daß Substanzen wie Ara-A und Interferon als "erste
Generation" von neuen Substanzen zur Entwicklung von Medikamenten führt,
die den Ärzten wirksame neue Waffen zur Bekämpfung von Viruskrankheiten an
die Hand geben.
Zwar ist es der Wissenschaft bereits gelungen, einige Impfstoffe zur
Vorbeugung gegen ehemals weitverbreitete Infektionskrankheiten wie Polio,
Gelbfieber und Pocken, außerdem gegen die im Hinblick auf ihre Komplikationen lange Zeit unterschätzten Masern und Röteln zu entwickeln. Aber zahlreichen anderen Viruserkrankungen ist noch immer kaum bei zukommen. In
solchen Fällen können die Ärzte nicht viel mehr tun als - mehr oder weniger
erfolgreich - zu versuchen, die natürlichen Abwehrreaktionen des Körpers zu
unterstützen.
Eine wirksame Bekämpfung ist deshalb so schwierig, weil sich Viren
innerhalb der Zellen vermehren.

Wirkstoffe gegen die Erreger müssen in

die Zelle verfrachtet werden, um die Virusvermehrung zu unterbinden, ohne
jedoch die normalen Zellfunktionen zu stören.

Ara-A scheint ein solcher

Wirkstoff zu sein, der bei Enzephalitis allerdings nur im Fall einer speziellen Infektionsform der Herpes-Enzephalitis
- 2 -

erfolgreich ist.

Die Er-

�Erreger, Herpesviren Typ I, sind weit verbreitet; sie verursachen normalerweise nur leichte fiebrige Erkrankungen, die schnell überwunden werden.

Nur in Ausnahmefällen kommt es zu einer Enzephalitis - weshalb dies

so ist, weiß man noch nicht.

Es gibt keine gesicherten Unterlagen darüber,

ob es sich dann um den Ausbruch einer Krankheit handelt, die schon lange
im Körper schlummert, oder um eine primäre Infektion.

Die Symptome sind

anfangs von einer Enzephalitis, die durch andere Erreger verursacht ist,
kaum zu unterscheiden.

Bei Herpes-Enzephalitis werden jedoch die Gehirn-

zellen relativ rasch in großen Partien zerstört.

Lethargie, allgemeine

Desorientierung und Koma zeigen die Stadien an.
Ara-A ist, wie die Studie zeigte, am wirksamsten, wenn die Behandlung
nach gesicherter Diagnose so früh wie nur möglich einsetzt. Das Präparat
wird zehn Tage lang intravenös gegeben. Es handelt sich um eine synthetische
Verbindung, die auf Extrakte aus einem Schwamm zurückgeht, der in der Nähe
von Florida und der Bahama-Inseln im Atlantik wächst. Die natürliche Substanz wurde vor 20 Jahren von Wissenschaftlern entdeckt, die auf der Suche
nach Mitteln zur Krebsbekämpfung waren und zu diesem Zweck Bodenorganismen,
Pilze, Pflanzen aller Art und Meeresgewächse untersuchten. Bei Labortests
mit Krebszellen hatte Ara-A eine unerwartete Wirkung - es tötete Viren ab,
die sich zufällig im Krebspräparat befanden. Daraufhin bemühte sich eine
Wissenschaftlergruppe um die Herstellung einer synthetischen Form von Ara-A,
um den Mechanismus herauszufinden, nach dem die Substanz Viren angreift.
Der bisherige Höhepunkt dieser Arbeiten war der Großversuch der NIH in
Bethesda (Maryland), bei dem Ara-A nach ganz bestimmten Kriterien und unter
exakt eingehaltenen Bedingungen an 15 amerikanischen Kliniken, die über das
ganze Land verteilt waren, zur Behandlung von Enzephalitis an insgesamt 50
Patienten eingesetzt wurde. Durch Biopsien war die Diagnose von HerpesEnzephalitis bei 28 von ihnen gesichert. Ein Drittel der Angehörigen dieser Gruppe war jünger als 19 Jahre, fünf davon waren Kleinkinder. Aus noch
unbekannten Gründen erkranken Frauen und Mädchen häufiger an HerpesEnzephalitis als Männer oder Jungen.

Dr. George
- 3 -

�Dr. George Galasso von den Medizinischen Bundesforschungsanstalten
betont, daß es trotz der guten Resultate verfrüht sei, von einer Möglichkeit zur Heilung der Herpes-Enzephalitis zu sprechen.

Ungemein wichtig

für den Ausgang der Behandlung sei der Zeitpunkt ihres Beginns.

Dennoch

könne der Versuch als ein Durchbruch für die Therapie von Viruskrankheiten
angesehen werden, der der Medizin neue Wege eröffnet habe.

+ + + + +

- 4-

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