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                  <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service

26

28. September 1977
INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Carter erläutert seine Menschenrechtspolitik
\

Brown bekräftigt BUndnistreue der Vereinigten Staaten
- Rede des US-Verteidigungsministers vom 15. September 1977
Young: Vereinte Nationen müssen Nord-Süd-Dialog fortsetzen
- Erklärung des amerikanischen UN-Botschafters -

WIRTSCHAFT
Ansprache Carters vor dem IWF und der Weltbank
- Wortlaut HINTERGRUNDMATERIAL
Die Vereinten Nationen als Forum für den Nord-Süd-Dialog
- Interview mit US-Unterstaatssekretär Charles W. Maynes
Erdgas aus Alaska
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"ENTERPRISE" zum zweiten Mal im freien Flug
Meeresalgen als Methanquelle

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Dokumentation

I a

United States Information Service

28. September 1977

26

PRÄSIDENT CARTER ERLÄUTERT SEINE MENSCHENRECHTSPOLITIK

Präsident Jimmy Carter hat in einem mit
seinem Namen gezeichneten Artikel in der
amerikanischen Zeitung BALTIMORE SUN seine
Vorstellung von den Menschenrechten definiert. Der Artikel, der am 19. September
1977 auf der Kommentarseite des Blattes
erschien, wurde auf Ersuchen der Zeitung
geschrieben.

Bei genauem Hinsehen gibt es gar keinen "typischen Amerikaner".
Nach Herkommen, Religion, Hautfarbe, Dialekt, kulturellem Hintergrund
- ja selbst nach Geburtsland - sind wir so vielfältig wie die Menschheit selbst.
Aber wenn es etwas gibt, das uns alle vereint, dann ist es ein gemeinsamer
Glaube an bestimmte Grundrechte des Menschen.
In den acht Monaten,seit ich im Amt bin, habe ich versucht, die diesen
Rechten gebührende Achtung in das Gewebe unserer Außenpolitik hineinzuflechten.
Als Nebenerscheinung dieses notwendigerweise noch im Versuchsstadium steckenden Bemühens entspann sich eine Debatte über das Wesen der Menschenrechte und
wie sie am besten zu fördern seien, die unsere ganze Nation - ja die ganze Welt
ergriff.
Die

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Die Menschenrechte zu definieren, ist ein riskantes Unterfangen.

Es be-

steht die Gefahr, daß etwas wesentliches ausgelassen wird; aber ebenso besteht auch die Gefahr, daß Dinge mit einbezogen werden, die - so erwünscht
sie auch sein mögen - keinesfalls Rechte sind.

Die beste Definition, die

ich kenne - und gewiß die bündigste - ist der von Jefferson in der Unabhängigkeitserklärung benutzte Ausdruck:

Leben, Freiheit und das Streben nach

Glück.
Das fundamentalste dieser Rechte ist das Leben - das Recht auf Unverletzlichkeit der Person.

Das ist das Recht eines jeden Einzelnen, in Frie-

den und frei von jeder willkürlichen Hinrichtung, Folter oder Gefangennahme
zu leben.
Unter Menschen guten Willens, welcher politischen Ideologie sie auch
anhängen mögen, kann es keinen Streit über dieses Recht geben.
unverrückbare Grundlage des Sozial Vertrages, und ein

Es ist die

Regime, das dieses

Recht systematisch und wiederholt verletzt, büßt am Ende seine eigene Legitimität ein.
Jeffersons zweites "unabdingbares Recht" - das Recht auf Freiheit - umfaßt die bürgerlichen Freiheiten, wie sie in vielen großen und berühmten Dokumenten niedergelegt sind - angefangen von unserer eigenen "Bill of Rights"
(Bürgerrechte) bis zu dem ersten Teil der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen. Die wichtigste dieser Freiheiten ist die Gewissensfreiheit mit den dazugehörigen Freiheiten der Rede und der Presse.
Das dritte Recht ist das Streben nach Glück, und es ist ein Zeichen für
die Besonderheit des Genius von Jefferson, daß er es gerade in dieser Weise
ausdrückte und nicht die doch recht kalte Formulierung der damaligen Zeit
von dem "Streben nach Besitz" gebrauchte.
In unserer modernen Zeit würden die meisten von uns das Streben nach
Glück so verstehen, daß dazu das Recht auf einen Grundstandard der materiellen

�materiellen Existenz gehört - auf Nahrung, Wohnung, Gesundheitsfürsorge
und Bildung.

Im internationalen Recht findet dieses dritte Menschenrecht

- das weniger eine Freiheit als vielmehr eine Angelegenheit der sozialen
und wirtschaftlichen Gerechtigkeit ist - seinen Ausdruck in der zweiten
Hälfte der Allgemeinen Menschenrechtserklärung.
Wenn es schwierig ist, die Menschenrechte zu definieren, so ist es
noch schwieriger, Mittel und Wege zu finden, um sie zu fördern. Menschenrechte können nicht das einzige Ziel unserer Außenpolitik sein - nicht in
einer Welt, in der der Friede buchstäblich eine Sache des Überlebens ist.
Uns sind Grenzen gezogen durch die Tatsache, daß eine Entscheidung, die
uns auf das eine unserer Ziele hinführt, uns von einem anderen weiter hinwegbringen kann,und durch die Grenzen unserer Macht. In dieser unvollkommenen Welt werden die Ergebnisse unseres Handelns keineswegs immer eindeutig sein, selbst wenn das Motiv unseres Handelns es ist.
Durch öffentliche Diskussion und Einwirkung im Stillen ist einiger Fortschritt erzielt worden.

Aber wir können im Kampf für die Menschenrechte

keine raschen oder leichten Ergebnisse erwarten - in einem Kampf, der schon
seit vielen Jahrhunderten andauert.
Letztlich ist der beste Weg, wie wir die Sache der Menschenrechte in
anderen Ländern fördern können, alles zu tun, um sie im eigenen Lande zu fördern. Man kann die Menschenrechtssituation in totalitären Ländern mit der
in unserem eigenen Land nicht vergleichen. Eine systematische Zerstörung der
Freiheitsrechte durch einen allmächtigen Staat hat es in der amerikanischen
Geschichte niemals gegeben.
Dennoch ist es gut, sich daran zu erinnern, daß noch vor 15 Jahren amerikanischen Bürgern das Stimmrecht aufgrund ihrer Hautfarbe vorenthalten
wurde.

Und selbst heute noch ist die dritte der Freiheiten Jeffersons nur

unvollkommen verwirklicht, soweit es viele Amerikaner betrifft.
Der
- 3 -

�•

Der Kampf geht weiter hier in unserem eigenen Land. Und wenn dies
auch weiterhin für die Vereinigten Staaten gilt, deren demokratische Freiheiten eine Geschichte haben, die sich über zwei Jahrhunderte erstreckt, so
gilt es umso mehr für die ganze Welt, von der viele Teile diese Freiheiten
niemals gekannt haben.
•

Auf lange Sicht bin ich optimistisch. Veränderungen werden nicht rasch
kommen, aber sie werden mit Sicherheit kommen. Der Gang der Geschichte ist
langsam und oft verwirrend, aber solange wir uns selbst treu bleiben, ist
die Geschichte - was die Menschenrechte anbetrifft - auf unserer Seite.

•

+ + + + +

.

�1

1
I

Dokumentation
United States Information Service

28. September 1977

26

BROWN BEKRÄFTIGT BONDNISTREUE DER VEREINIGTEN STAATEN
Rede des US-Verteidigungsministers vom 15. September 1977

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown
bekräftigte in einer Rede am 15. September 1977 vor dem Verband der Rüstungsindustrie in den USA die Bündnistreue der Vereinigten Staaten und versicherte,
daß der Verteidigungshaushalt jährlich um drei Prozent erhöht werde.

Brown

nahm auch klar und eindeutig zu der in Europa umstrittenen Sicherheitsstudie
PRM-10 Stellung und hob den Unterschied zwischen Studie und politischer Entscheidung hervor.
Die Rede des Verteidigungsministers hat folgenden Wortlaut:
Ich nehme an, daß viele von Ihnen kürzlich eine Menge über eine Sache
gelesen haben, die PRM-10 genannt wurde.

Falls Sie nicht ganz sicher sind,

worauf ich mich beziehe: PRM-10 ist weder ein Kinderwagen (pram) noch ein Getränk.

PRM-10 ist die Abkürzung für Presidential Review Memorandum Nummer 10.

Es ist eine zwischenbehördliche Studie, die vom Präsidenten in Auftrag gegeben
wurde.

Ihr

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�Ihr offizieller Titel lautet:
Truppenstä'rkenanalyse."

"Umfassende vergleichende Lage - und

Ihr Thema sind die Ziele der nationalen Sicherheit,

Strategien und die Streitkräfte der Vereinigten Staaten.
Weil ich den Eindruck habe, daß mancherorts fälschlicherweise eine Studie
und eine politische Entscheidung für ein und dieselbe Sache gehalten werden,
möchte ich diese Gelegenheit benutzen, um darzulegen, warum es Studien wie
PRM-10 gibt, warum PRM-10 wohl so viele Kommentare ausgelöst hat und welches
Ziel diese Regierung auf dem Gebiete der nationalen Sicherheit tatsächlich
verfolgt.
.

Die Notwendigkeit für PRM-10
Ich kann verschiedene Gründe dafür anführen, warum PRM-10 in Auftrag
gegeben wurde.

Denken ist eine harte Arbeit.

Es ist eine besonders harte

Arbeit, wenn man die Umwelt analysieren, operative Ziele herausheben sowie
wirksame und erfolgreiche Programme zur Erreichung dieser Ziele ausarbeiten
muß.
Wenn diese Arbeit erst einmal getan ist, dann entsteht - vor allem in
großen Organisationen - die Tendenz.alles in einen konkreten Rahmen zu bringen.
Einzelne Stäbe verhalten sich defensiv zu den Programmen. Man widersetzt
sich einem Wandel.
Die Programme werden zum Selbstzweck. Deshalb sollten unsere Stäbe von
Zeit zu Zeit Abstand gewinnen von ihren Mikro-Analysen und ihren Mini-Schiachten, damit sie sich den größeren Fragen und den ihren Programmen zugrundeliegenden Voraussetzungen zuwenden können. Wir möchten, daß sie sich überlegen, was sich denn - wenn überhaupt - in der Umwelt geändert hat. Sie müssen sich fragen, ob unsere operativen Ziele auf die heutige Realität bezogen
sind. Sie müssen sehen, ob ihre Programme noch einen Sinn haben.
Wir

�Wir könnten nach einer solchen Überprüfung dann sehr wohl entscheiden,
daß keine Änderungen, keine Änderungen nach oben angebracht sind - oder gar
drastische Änderungen.

Aber solch eine gelegentliche Überprüfung ist meiner

Ansicht nach genau so wichtig wie von Zeit zu Zeit eine ärztliche Untersuchung,
obwohl ich nicht empfehlen würde, das jedes Jahr zu veranstalten.

Das Aus-

maß an Arbeit, die wachgerufenen Besorgnisse und das Unbehagen insgesamt sind
beträchtlich.

Darüber hinaus ist überhaupt nicht gesagt, daß die internatio-

nale Gemeinschaft und ihre verschiedenen Gebrechen sich so rasch verändern,
daß eine jährliche Überprüfung dieses Umfangs erforderlich wäre.

Aber für

eine neue Administration führt kein Weg an einer solchen Analyse vorbei, und
es gibt keinen Ersatz dafür.
Eine dieser wichtigen von Zeit zu Zeit stattfindenden Überprüfungen
war die PRM-10-Studie. Ein Teil dieser Studie - eine umfassende allgemeine
Lagebewertung - untersuchte die Weltlage im allgemeinen und die sich zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion entwickelnde Beziehung im besonderen. Der zweite Teil gab eine Einschätzung der Kapazitäten der derzeitigen
amerikanischen Verteidigungsposition unter verschiedenen Grundannahmen und
konstruierte eine Reihe von Verteidigungssituationen für die Vereinigten
Staaten zusammen mit einer ungefähren Einschätzung ihrer Kosten und des durch
sie Erreichbaren. Ein Vergleich dieser Optionen mit der programmierten Position gab uns eine Möglichkeit - aber nicht die einzige - ,um entscheidende
Grundvoraussetzungen ins Licht zu rücken und Fragen aufzuwerfen, wie weit sie
richtig und wertvoll seien.

Die Konsequenzen der PRM-10-Studie
Die Beachtung, die PRM-10 in der Öffentlichkeit gefunden hat, mag zu
einem guten Teil einfach daher rühren, daß man die Studien der PRM-10 Arbeitsstäbe mit der nationalen Sicherheitspolitik durcheinanderbrachte.

Wenn

Grundvoraussetzungen durch alternative militärische Ziele und Positionen
analysierend in Frage gestellt werden, so können diese Infragestellungen und
- 3 -

�und Alternativen allzu leicht irrtümlich für mehr gehalten werden,als sie
sind - nämlich Illustrationen dessen, was mit dem Aufbau der Streitkräfte geschehen könnte, wenn die Ziele und Grundvoraussetzungen der einen oder anderen Art verändert werden.
Ich bin überzeugt, daß die PRM-10-Studie ihren Aufwand an Zeit, Energie
und Mühe wert gewesen ist.

Alle an ihr Beteiligten haben eine Menge gelernt

- sowohl in bezug auf die Bürokratie als auch über die Substanz.

Eine neue

Administration gewann so ein besseres Verständnis für die Entscheidungen ihrer
Vorgänger.

Die wesentliche Kontinuität der amerikanischen nationalen Sicher-

heitspolitik wurde bekräftigt, wenngleich zweifellos Verbesserungen in dieser
Politik erfolgen werden in dem Maße,wie die Verhältnisse sich ändern und wir
uns weiterhin mit den yor uns liegenden komplexen Problemen auseinandersetzen
werden.
•

Nationale Sicherheitspolitik
Hier ist vielleicht der Punkt, an dem ich einhalten sollte. Aber, um
die Redensart einmal in einem modernen Sinne zu benutzen, ich muß noch weitersingen, um mir mein Abendessen zu verdienen. Bevor ich Ihnen also einen zusammenfassenden Überblick darüber gebe, wie diese Administration die Welt sieht,
was wir für unsere wichtigsten Probleme der nationalen Sicherheit halten und
wie wir sie anpacken wollen, möchte ich das eine unterstreichen: Verteidigungsprogramme sind - anders als PRM-10 - keine Studien.
Verteidigungsprogramme müssen spezifisch sein und müssen zwischen Alternativen wählen.

Sie sind notwendigerweise abhängig von der Zeit und beschränkt

durch die verfügbaren Mittel.
stellen.

Sie müssen eine ungewisse Zukunft in Rechnung

Infolgedessen werden Veränderungen in der Gesamtposition nahezu

immer schrittweise und Stück für Stück erfolgen.

Wo so gewaltige Dinge auf dem

Spiel stehen, muß Evolution - nicht Revolution - die Parole des Tages sein.
Auch wenn uns Hoffnungen beflügeln mögen, müssen uns doch am Ende die Realitäten und unsere langfristigen Ziele leiten.
Tendenzen

�Tendenzen und Ziele
Ich will zusammenfassend über einige dieser Realitäten sprechen, die
uns in unserer heutigen Welt leiten müssen:
- Erstens, die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion bleiben weiterhin gekennzeichnet durch Wettstreit und Zusammenarbeit, mit dem innewohnenden Risiko des Konflikts wie aber auch der Chance
zur Stabilisierung dieser Beziehungen.
- Zweitens, in vielen der nicht-militärischen Aspekte des Wettstreits
haben die Vereinigten Staaten gewaltige Vorteile gegenüber der Sowjetunion:
1n ihren industriellen, landwirtschaftlichen und technologischen Kapazitäten
und in ihrem diplomatischen Einfluß, in bezug auf die Energie und die Unternehmungskraft ihrer Bürger, in dem Anklang, den unser System - in seinem Verständnis und seiner Hilfsbereitschaft und seinem schlichten Anstand - findet,
und in der Unterstützung der Verbündeten und anderer Freunde, die wahrhaft
ähnliche Hoffnungen und Ziele wie wir verfolgen.
- Drittens, die Sowjetunion leidet unter größeren inneren Schwächen und
Mängeln wirtschaftlicher, politischer und sozialer Art. Ihr fehlt es an Verbündeten, die aufrichtig zu ihr halten, und sie hat Rückschläge in ihren Beziehungen zur Volksrepublik China, zu Indien und Teilen Afrikas erleben müssen.
Andererseits ist die UdSSR aufgrund eines geschlossenen Prozesses der politischen Entscheidungen imstande, ihre Anstrengungen auf einen engen Bereich
zu konzentrieren.

In einigen Fällen ist das für sie ein realer Vorteil.

- Viertens, viele internationale Tendenzen und Probleme entwickeln sich
weiterhin unabhängig von dem Wettstreit zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten; es wäre demnach ein Fehler, all unsere Aufmerksamkeit und
unsere Ressourcen ausschließlich auf diese Rivalität oder auf seine militärischen Komponenten zu konzentrieren.
- Fünftens

�- Fünftens, die Sowjetunion bleibt trotz der Wichtigkeit dieser anderen
Bewegungen und Tendenzen unser Hauptproblem für die nationale Sicherheit
- zwar nicht das einzige ,aber doch das größte.
Vor allem sollten wir uns über die eine Tatsache nicht täuschen:

Die

Sowjetunion ist dabei, eine militärische Macht zu gewinnen, die der der Vereinigten Staaten vergleichbar ist.
Wir müssen weiterhin mit den Sowjets um Abkommen über eine in angemessener Weise verifizierbaren Rüstungskontrolle und Abrüstung verhandeln, durch
die die internationale Stabilität verstärkt und das Wettrüsten begrenzt werden - sowohl auf nuklearem wie auf nicht-nuklearem Gebiet.

Wir sollten ver-

suchen, die Sowjetunion in einer Reihe globaler Aktivitäten mit einzubeziehen
- auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet, einschließlich des Handels mit
nichtstrategischen Gütern.

Wir sollten sie zur Zusammenarbeit bei der Lösung

regionaler Konflikte und bei der Reduzierung von Spannungsgebieten ermutigen,
die zu einer Konfrontation führen könnten.
Aber keine dieser Bemühungen darf uns dazu bewegen, das Eintreten Amerikas
für die Menschenrechte und die Freiheit herunterzuspielen.
Und sie sollten uns ganz gewiß nicht davon abhalten, der militärischen
Macht der Sowjets mit der gleichen Stärke entgegenzutreten und einem gegen
uns gerichteten sowjetischen Einfluß in so entscheidend wichtigen Gebieten
wie Westeuropa, Ostasien und dem Nahen Osten wirksam zu begegnen.
Hierzu wird im Verein mit unseren Verbündeten unser Hauptverteidigungsziel die Aufrechterhaltung eines ausgewogenen militärischen Gesamtstärkeverhältnisses mit der Sowjetunion sein, das zumindest so günstig für uns ist
wie das derzeit bestehende.
ist es, was wir wollen.

Abschreckung - nicht aber überwältigende Macht -

Dazu aber brauchen wir eine glaubwürdige Kampfkapazi-

tat.
- 6 -

Um
—

�Um diese Abschreckung zu sichern, wollen wir die Höhe der amerikanischen
Verteidigungsausgaben um jährlich real etwa drei Prozent erhöhen.

Unsere

NATO-Verbündeten haben sich ebenfalls verpflichtet, zu versuchen, dieses Ziel
zu erreichen.

Strategisehe Nuklearstreitkräfte
Obwohl ein strategischer Nuklearangriff die am wenigsten wahrscheinliche
Möglichkeit ist, der wir uns gegenübersehen, so ist doch die Aufrechterhaltung
eines ausgewogenen strategischen nuklearen Kräfteverhältnisses eine der lebenswichtigsten Verteidigungsaufgaben, vor der wir stehen.
Zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion besteht zur Zeit ein
strategisch-nukleares Gleichgewicht.
Situation nennen.

Manche Leute mögen es auch eine Patt-

Die strategische Abschreckung wirkt auf jeden Fall.

Diese Administration ist entschlossen, die strategische Abschreckung der
USA aufrechtzuerhalten. Wir würden vorziehen, es durch gerechte und verifizierbare Abkommen über eine Begrenzung und Reduzierung der Kernwaffen aufrechtzuerhalten. Wir werden es aber aufrechterhalten, welche Mittel und
Ressourcen auch immer dazu notwendig sein mögen. Niemand sollte auch nur die
geringsten Zweifel in dieser Hinsicht haben.
Ich unterstreiche diese Entschlossenheit aus zwei wesentlichen Gründen:
Der erste besteht ganz einfach darin, daß das strategische Kräfteverhältnis
nicht statisch ist; aufgrund der wesentlichen und anhaltenden Anstrengungen
der Sowjetunion ist es in höchstem Maße dynamisch. Der zweite Grund ist die
Tatsache, daß es eine komplexe und anspruchsvolle Aufgabe ist, mit dieser
dynamischen Entwicklung fertig zu werden; es gibt hier keine leichten, auf
einen Schlag zu erreichende Lösungen.

Die
- 7 -

�Die Vereinigten Staaten haben in diesem Wettbewerb nicht geschlafen.
Wir haben nicht auf unseren Händen gesessen.

Aber wir müssen alle erkennen,

daß die Sowjets eine ganze Anzahl großer, eindrucksvoller und kostspieliger
strategischer Programme in Arbeit haben, um ihre Offensivkapazität, ihre aktive Verteidigung und ihr passives Verteidigungssystem zu stärken.

Sie be-

gnügen sich nicht damit, ein Problem zu prüfen, sie arbeiten daran.
Um Ihnen nur einen Hinweis darauf zu geben, welche Anstrengungen - und
welcher Schwung - dahinter stehen:

Die Sowjets dislozieren gegenwärtig eine

vierte Generation von Interkontinentalraketen (ICBM) in einem Tempo von 100
bis 150 pro Jahr.

Diese Raketen sind, was ihre Treffsicherheit und ihre Trag-

kraft anbetrifft, fast übereinstimmend erstklassig.
Gleichzeitig entwickeln die Sowjets vier neue Interkontinentalraketen,
sie setzen die Arbeit an der SS-16, ihrer mobilen Interkontinentalrakete,fort,
ynd sie modernisieren vier weitere Raketen.

Warum die Sowjets die Verbesserung

ihrer strategischen Nuklearkapazität so nachdrücklich vorantreiben, kann niemand genau sagen.
Fest steht jedoch, daß wir ihre Anstrengungen nicht einfach außer acht
lassen oder davon ausgehen können, daß die Sowjets von Verteidigungsüberlegungen oder gar von Menschenfreundlichkeit motiviert seien.
Nach meiner eigenen Auffassung stehen wir seit vielen Jahren an einem
Punkt, wo ein voller thermonuklearer Schlagaustausch zwischen der Sowjetunion
und den Vereinigten Staaten für beide Seiten eine Katastrophe unvorstellbaren
Ausmaßes wäre.

Ich habe in den letzten acht Monaten nichts in Erfahrung bringen

können, was diesen Schluß geändert hätte.
Würden die beiden Supermächte Kernwaffen gegeneinander zur Anwendung
bringen - seien es taktische oder strategische - so würde das nach meiner Ansicht das äußerste Risiko heraufbeschwören, daß sich der Konflikt rasch zu
einem vollen thermonuklearen Krieg ausweitet, obwohl ich mit dieser Voraus-

�Voraussage nicht ganz so sicher sein kann wie mit meiner vorigen These.
Wenn aber die Abschreckung vor einem nuklearen Krieg das unser Verteidigung zutiefst zugrundeliegende Ziel ist - und das ist es sicherlich - dann
kommt es darauf an, was die politischen und militärischen Führer der Sowjets
glauben. Hier stehen wir vor einer weiteren Ungewißheit. Was uns als ausreichend erscheint, mag ihnen als etwas anderes erscheinen. Was uns abschrekken würde, mag sie nicht abschrecken. Was manche als Abschreckung für glaubwürdig halten, mögen sie als einen Bluff abtun. Große Vorsicht und sorgfältige Absicherung sind angesichts dieser Ungewißheiten entscheidend wichtig.
Grundsätzlich erfordern sie von uns, daß wir auf einer im wesentlichen Gleichwertigkeit der strategischen nuklearen Streitkräfte mit der Sowjetunion beharren. Angesichts dessen, was auf dem Spiel steht, können wir uns nicht mit
weniger zufrieden geben.
Unter einer im wesentlichen Gleichwertigkeit verstehen wir die Erreichung
der folgenden vier allgemeinen Bedingungen:
Erstens, daß die Sowjets ihre strategischen Nuklearstreitkräfte nicht
als nutzbare Instrumente für politische Machtausübung, diplomatischen Druck
oder militärische Überlegenheit ansehen.
Zweitens, daß die nukleare Stabilität, vor allem während einer Krise,
aufrechterhalten wird.
Drittens, daß alle Vorteile in bezug auf bestimmte Charakteristika der
Streitkräfte, die die Sowjets für sich verbuchen können, durch andere Vorteile für die Vereinigten Staaten ausgeglichen werden.
Viertens, daß die amerikanische Position in ihrer Kapazität den Streitkräften der Sowjetunion nicht faktisch unterlegen ist und auch nicht als
unterlegen angesehen wird.
Ich
- 9 -

�Ich darf hinzufügen, daß die Vereinigten Staaten weder den Wunsch noch
den Plan haben, eine die Bewaffnung des Gegners ausschaltende ErstschlagkapaZität gegen die Sowjetunion zu entwickeln.

Wir werden uns daher um eine sol-

che Kapazität auch nicht bemühen, vorausgesetzt, daß die Sowjets eine ähnliche
Zurückhaltung gegenüber den Vereinigten Staaten zeigen.
Die spezifischen Bedingungen für Gleichwertigkeit werden sich zweifellos mit der zeitlichen Entwicklung und dem Erfolg der SALT-Verhandlungen verändern.

Zu allen Zeiten aber sollten sie die Fähigkeit zur Durchführung fol-

gender Aufgaben einschließen:
Im Falle eines nuklearen Angriffs eine rechtzeitige Warnung und Einschätzung ermöglichen.
Einen mit voller Stärke geführten, genau koordinierten Überraschungsangriff durch die Sowjets aufzufangen und doch alle wesentlichen Aufgaben voll
auszuführen.
Zu diesen Aufgaben sollte die Fähigkeit gehören:
- Der UdSSR nach einem umfassenden sowjetischen Erstschlag einen nicht
ertragbaren Schaden zuzufügen;
- eine Reihe selektiver Optionen zu realisieren, um eine Eskalation unter Kontrolle zu bringen, den Schaden soweit wie möglich zu begrenzen und den
Kampf zu den günstigsten Bedingungen zu beenden;
- das Kommando und die Kontrolle beizubehalten, die zur Ausführung dieser Optionen aber auch zu vollen, umfassenden Gegenschlägen notwendig sind;
- eine gesicherte Streitmacht in Reserve zu halten für den möglichen Einsatz nach einem größeren nuklearen Schlagabtausch;
- eine
10 -

�- eine ausreichende Überwachung und Kontrolle des amerikanischen Luftraums zu ermöglichen; und
- die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für aktive strategische Verteidigung (einschließlich ABM) sicherzustellen, die ausreichend ist, um die
sowjetischen Verteidigungsprogramme richtig einzuschätzen und ihnen zweckmäßig zu begegnen.
Solange wir die Fähigkeit zur Durchführung dieser Aufgaben beibehalten,
dürfte das strategische nukleare Kräfteverhältnis stabil bleiben.

Ich werde

darauf achten, daß wir diese Kapazitäten behalten.

Allgemeine Streitkräfte
Es kann keinen Zweifel geben, daß wir in einer Zeit der strategischen
nuklearen Parität

mehr denn je um eine Reihe taktischer Ausgewogenheiten

besorgt sein müssen sowie um die Angemessenheit der konventionellen Kapazitäten der USA und der Verbündeten.

Durch strategische Parität ist keines-

wegs jegliche Gewaltanwendung gebannt; vielmehr wird durch sie eine mögliche
Anwendung der traditionelleren Formen von Gewalt für unsere Gegner eher verlockender.
Ob nun aus diesem oder irgendeinem anderen Grunde, jedenfalls hält der
Sowjetblock seine Kapazität für einen Großangriff auf Westeuropa bei und ist
weiterhin bestrebt, sie zu verbessern.

Ein solcher Angriff könnte mit nuklearen

oder nicht-nuklearen Mitteln geführt werden.

Er könnte nach einer längeren

Periode der Mobilisierung und Dislozierung durch den Warschauer Pakt erfolgen.
Aber wir können die Möglichkeit nicht ausschließen, daß die mächtigen Streitkräfte des Paktes, die in Osteuropa bereits aufgestellt sind, ohne Verstärkung
und nahezu ohne taktische Warnung mitten in einer Ost-West-Krise angreifen.

Die

�Die gegenwärtigen NATO-Richtlinien tragen der Bedeutung dieser Möglichkeiten Rechnung.

Der Nachdruck auf die flexible Antwort und die Notwendig-

keit für konventionelle wie taktische und strategische Nuklearstreitkräfte
ist weiterhin voll und ganz angebracht.

Alle Verbündeten sind sich jedoch

darin einig, daß Verbesserungen auf vier Gebieten unbedingt erforderlich sind:
- der konventionellen Kapazität der NATO
- der Vorneverteidigung des Bündnisses
- der Ausgangskampfkapazitat der Streitkräfte der NATO-Vorneverteidigung
und
- der raschen Verstärkungskapazität der Verbündeten.
Die Vereinigten Staaten haben seit langem die Verpflichtung, ihren Beitrag dazu zu leisten, daß die NATO über die Kapazität - die nukleare wie die
nicht-nukleare - verfügt, die Unabhängigkeit und territoriale Integrität Westeuropas zu wahren.

Spezifischer ausgedrückt, wir sind verpflichtet mitzu-

helfen, daß jeder Angriff mit einem Mindestmaß an Verlust alliierten Territoriums gestoppt wird und daß die Grenzen.wie sie vor einem solchen Krieg bestanden, wiederhergestellt werden.

Ich beabsichtige, dafür zu sorgen, daß

diese Verpflichtungen eingehalten werden.
Neben Europa gibt es eine Anzahl anderer Gebiete in der Welt, wo heikle
oder sogar potentiell explosive Situationen bestehen. Der Nahe Osten, der
Persische Golf und Korea sind drei Beispiele für Gebiete, in denen die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten lebenswichtige Interessen haben. Ein
Konflikt in einem dieser Gebiete könnte nicht nur die Entsenduna angemessener
amerikanischer Streitkräfte zur Unterstützung von Freunden und Verbündeten an
Ort und Stelle erforderlich machen; ein solcher Fall könnte sehr wohl einer
Krise oder einem Zusammenprall in Europa vorausgehen und diesen sogar auslösen.
Der erste Angriff könnte von feindlichen einheimischen Kräften geführt
werden. Sie könnten aber auch von leichten sowjetischen Expeditionsstreitkräften unterstützt werden, die aus der Luft oder über See von der UdSSR aus eingesetzt werden. In jedem Falle aber müssen wir weiterhin eine Verteidigungs- 12 -

�Verteidigungsposition beibehalten, die es uns erlaubt, bei einer relativ
kleinen wie auch bei einer größeren militärischen Auseinandersetzung wirksame und rechtzeitige Gegenmaßnahmen zu treffen.
Für eine solche Verteidigungsposition ist - über die für Europa programmierten Streitkräfte hinaus, folgendes erforderlich:
- Eine begrenzte Zahl relativ leichter Verbände für den Erdkampf (wie
beispielsweise die drei Divisionen des Marinekorps und einige leichte ArmeeDivisionen);
- Seestreitkräfte und taktische Luftstreitkräfte in mittlerer Stärke;
und
- mobile strategische Streitkräfte mit einem Radius und mit Gerät, durch
die unsere Abhängigkeit von überseeischen Aufmarsch- und Nachschubbasen so
klein wie möglich gehalten wird.
Damit ist die Liste unserer Verteidigungserfordernisse keineswegs abgeschlossen. Die Vereinigten Staaten sind eine seefahrende Nation. Anders als
die Sowjetunion sind wir auf den Zugang zu großen Luft- und Seegebieten angewiesen, um entscheidend wichtige Rohstoffe zu erhalten,und um anderer friedlicher Ziele willen, aber auch um unsere lebenswichtigen Interessen, unsere
Streitkräfte und die Verbündeten in Übersee in Kriegszeiten zu schützen.
Die Sowjets haben Luftstreitkräfte mit weitem Aktionsradius und eine
Flotte aufgebaut, die imstande sind, unsere Interessen zur See zu bedrohen.
Wir müssen die entsprechenden Luft- und Seestreitkräfte unterhalten, die erforderlich sind, um dieser Herausforderung gewachsen zu sein,und die amerikanische Macht an den Küsten ausbauen, wo und wie immer dies erforderlich ist.
In einer Welt voller Gefahren, in der schnelle und heftige Angriffe in
wachsendem Maße möglich sind, sind feierliche Verpflichtungen (so bindend :si_e
- 13 -

�sie auch sein mögen) und der Mechanismus der kollektiven Sicherheit zur Abschreckung und Verteidigung nicht ausreichend.

Wir und unsere Verbündeten

müssen auch Streitkräfte unterhalten, die modern, einsatzfähig und in kritischen Gebieten disloziert sind.

Ich wies bereits darauf hin, daß ein solches

Gebiet der Westliche Pazifik ist.
Der vorgesehene Abzug der 2. Division aus Korea ändert nichts an unserem
lebenswichtigen Interesse an der Stabilität Ostasiens und im Westlichen Pazifik.
Wir planen, die Kampfkraft der südkoreanischen Landstreitkräfte zu erhöhen.
Wir werden uns auch weiterhin jeder Aggression in Korea entgegenstellen.

Wir

werden die Interessen der Vereinigten Staaten schützen und alle VertragsVerpflichtungen in diesem Gebiet erfüllen.
Der Präsident hat feierlich versichert, daß die Vereinigten Staaten eine
Position der Stärke im Westlichen Pazifik einnehmen werden, wozu auch eine
weitere Bereitstellung der 2. Division für eine rasche Dislozierung in Asien
im Falle einer dort auftretenden Krise gehört.

Ich will dafür Sorge tragen,

daß auch dieser Verpflichtung nachgekommen wird.

Zusammenfassung
Wenn ich unsere Verteidigungsposition überblicke, so komme ich zu dem
Schluß, daß kein Gegner glauben sollte, er könnte uns einschüchtern oder
durch Androhung oder selektive Anwendung von Gewalt gegen die Vereinigten
Staaten oder gegen ihre Verbündeten zu etwas zwingen.

Niemand sollte so un-

besonnen sein, zu glauben, die Vereinigten Staaten könnten mit der Wahl zwischen Kapitulation oder Vernichtung konfrontiert werden.
Wir haben unsere Optionen,und wir werden sie behalten.

Wir werden un-

sere Streitkräfte ausbauen und verbessern,so wie es nötig ist.
nicht an Waffen unterlegen sein.

Wir werden

Man wird uns nicht einschüchtern können. Man
-14 -

�Man wird uns auch nicht zu etwas zwingen können.
Das ist in kürze der Standpunkt,den diese Administration einnimmt.
Das ist die Politik der Vereinigten Staaten, die der Präsident und ich
- mit Unterstützung des Volkes und des Kongresses - einzuhalten beabsichtigen.

Ich glaube, daß sie für diese schwierigen Zeiten die richtige ist.

Ich danke Ihnen!

- 15 -

�Dokumentation

I

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28. September 1977

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YOUNG: VEREINTE NATIONEN MÜSSEN NORD-SÜD-DIALOG FORTSETZEN
- Erklärung des amerikanischen UN-Botschafters -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei
den Vereinten Nationen, Botschafter Andrew Young, hat bei der Eröffnung der
viertägigen Abschlußsitzung der 31. Vollversammlung am 13.September 1977 in
New York gefordert, daß die Vereinten Nationen weitere Schritte zur Förderung
einer neuen und gerechten internationalen Ordnung unternehmen.

Die 31. Voll-

versammlung war nochmals einberufen worden, um die Ergebnisse der Konferenz
für Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit (CIEC) zu erörtern.
Die Erklärung von Botschafter Young hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär,
einer unserer Vorfahren, noch Sklave, hat einmal gesagt, daß derjenige,
der Freiheit und Gerechtigkeit ohne Kampf will, einem Manne gleicht, der ernten
will, ohne zu pflügen.
te.

Das wäre, als ob man Regen ohne Blitz und Donner woll-

Als ob man die Schönheit der Meere wollte ohne ihre donnernde Brandung.

Eine neue internationale Wirtschaftsordnung wird nicht ohne Kampf zu erreichen

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�erreichen sein.

Sie wird keine einfache Sache sein.

Aber dank der Klugheit

des Präsidenten der 31. Vollversammlung und der Ko-Vorsitzenden der Konferenz
über Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit ist es uns möglich, diesen
Kampf auf dem diplomatischen Parkett auszutragen.
Wir sind heute hier zusammengekommen, um weiter am Zustandekommen einer
neuen internationalen Wirtschaftsordnung zu arbeiten - einer Ordnung, die den
Ansprüchen und Anliegen aller Bürger dieser Welt dient und die die Beteiligung
aller an ihrer Entwicklung und Verbesserung fördert.

Die amerikanische Regie-

rung ist bereit, alles in ihrer Macht stehende zum Aufbau einer neuen Ordnung
beizutragen.
Ich glaube, daß hier in diesem Gremium ein Konsens besteht, daß diese
Sitzung den Anfang einer neuen Phase in einem anhaltenden internationalen Wirtschaftsdialog signalisieren soll - einen Dialog, in dem wir zur Sache kommen
und in die Arbeit zum Aufbau gerechterer und produktiverer wirtschaftlicher Beziehungen unter den Staaten eintreten.
•

Meine Regierung ist der Auffassung, daß die Konferenz über Internationale
Wirtschaftliche Zusammenarbeit (CIEC) in bedeutsamer Weise zu dem produktiven
Dialog über die Zusammenarbeit aller Länder in der Entwicklung beigetragen hat,
zu der wir uns auf der Siebten Sondersitzung der Vollversammlung der Vereinten
Nationen verpflichtet hatten. Die Konferenz hat nicht alles erreicht, was wir
uns erhofften. Aber sie stellte einen wichtigen Schritt nach vorn dar bei der
Schaffung eines internationalen Wirtschaftssystems, das auf Wachstum, Fairness
und Gerechtigkeit aufgebaut ist. Diese Tagung der Vollversammlung sollte einer
allgemeinen Beurteilung der Arbeit in Paris dienen und eine Anregung für erneute
Anstrengungen in den vielen Gremien bieten, in denen die Verhandlungen über ungelöste Fragen fortgesetzt werden können.
Die Konferenz über Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit hat den
Dialog auf verschiedene bedeutsame Weise vorangetrieben. Wir haben uns in zahlreichen Fragen geeinigt, wie aus dem Kommunique der Konferenz hervorgeht. Wir

�Wir haben ein besseres Verständnis für die internationale Energiesituation
gewonnen und waren uns über die Notwendigkeit der internationalen Zusammenarbeit in der Energieversorgung und -entwicklung einig.
geeinigt, über einen gemeinsamen Fonds zu verhandeln.

Wir haben uns darauf
Wir kamen überein, daß

der Fluß von Mitteln in die Entwicklungsländer wesentlich verstärkt werden
soll, was uns zur Unterstützung einer allgemeinen Kapitalerhöhung in der Weltbank und eines Sonderaktionsprogramms zur Unterstützung der ärmsten Länder
verpflichtet.

Wir erzielten Übereinstimmung über Ernährung und Landwirtschaft,

über die Wichtigkeit der Entwicklung der Infrastruktur, vor allem in Afrika,
und über viele Aspekte der Investition.
Sicherlich gab es auch Gebiete, auf denen die unterschiedlichen Auffassungen der zahlreichen Beteiligten nicht überbrückt werden konnten. So bedauern wir es beispielsweise, daß die Schuldenfrage nicht gelöst werden konnte
und keine Einigung über Maßnahmen zur Zusammenarbeit auf dem Energiesektor
zustande kam.
Wir sind überzeugt, daß bei gutem Willen auf allen Seiten
die schwierigsten Probleme

selbst für

praktische Lösungen gefunden werden können.

Auf

jeden Fall müssen wir in unserer Suche nach Lösungen flexibel und ausdauernd
sein.
Die Hauptbedeutung der Konferenz über Internationale Wirtschaftliche
Zusammenarbeit liegt in ihrer Rolle als fortlaufender Prozeß zum Aufbau einer
neuen und gerechteren internationalen Wirtschaftsordnung auf der Grundlage
eines weltweiten wirtschaftlichen und sozialen Wachstums und weltweiter Stabilität, größerer Gerechtigkeit bei der Verteilung des Einkommens, größerer
Sorge um die Menschenrechte und die Grundansprüche des Menschen und einer
stärkeren Beteiligung der Entwicklungsländer. Wie Außenminister Vance es
vor der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)
ausgedrückt hat:
"Die

�"Die Ära, in der wir uns gefragt haben, ob wir überhaupt zusammenarbeiten sollen, liegt hinter uns.

Wir sind in eine Zeit eingetreten, in der

wir die Mittel und Institutionen der Zusammenarbeit entwickeln müssen.
ist der Wendepunkt, den wir in der CIEC umrundet haben."

&gt;,rü9 is

Das
*s%

nsb^ew }&gt;Wß32i9v rio'ff.
In diesem Sinne stellte die Pariser Konferenz nach unserer Auffassung
einen sehr wesentlichen Fortschritt dar bei der Lösung einiger der grundlegenden Konflikte in der Haltung, die für den wirtschaftlichen Dialog in der
Vergangenheit oft so typisch waren.

Wir sind zu einem neuen Verständnis der

gemeinsamen Natur der Weltwirtschaftsprobleme gelangt,

und ich möchte hier

Außenminister Vance nochmals zitieren:
-ZI

MiB

2S

"Lösungen unserer Probleme hängen von der Erkenntnis ab, daß unsere Probleme mit denen der Dritten Welt verknüpft sind - und daß die Hoffnungen und
Wünsche unserer Bürger die gleichen sind wie die der Bürger der Dritten Welt."
Alle Nationen sollten ihre Verpflichtung erneuern, daß diese anhaltende
und lebenswichtige Anstrengung zur Förderung eines internationalen Systems,
das für alle Länder und Völker stärkeres Wachstum und größere Gerechtigkeit
bietet, zügig weitergeht.

Als Regierungen müssen wir in unserer Einstellung

flexibel sein und immer daran denken, daß eine neue internationale Wirtschaftsordnung nur durch einen wachsenden Konsens, durch einen Entwicklungsprozeß
erreicht werden kann, zu dem auch die ständige Bereitschaft gehört, neue Vorschläge aufzugreifen und, wenn notwendig, alte Vorschläge abzuändern oder aufzugeben.

Dabei müssen wir immer bestimmte Grundprinzipien im Auge behalten.

Bei der Aufzählung dieser Grundprinzipien möchte meine Delegation eindeutig klarstellen, daß unsere Zustimmung zu dem Konzept einer neuen internationalen Wirtschaftsordnung keine sprachliche Pflichtübung, sondern eine
Verpflichtung zum Wandel bedeutet. Ich kann mich bei der Aufzählung einiger
der Grundelemente kurz fassen:
9'rO"

- Gerechte

�- Gerechte Beteiligung der Entwicklungsländer am weltweiten Entscheidungsprozeß in der Wirtschaft;
- Gewährleistung einer größeren Stabilität in Preisen und Rohstoffversorgung durch individuelle Rohstoffabkommen, wo dies angebracht ist;
- Verpflichtung zur Beseitigung von Hunger durch eine verstärkte Lebensmittelproduktion in den Entwicklungsländern;
- Aufbau einer einheimischen wissenschaftlichen und technologischen Kapazität in den Entwicklungsländern durch kooperative und beiderseits nützliche
Anstrengungen;
- Erleichterung transnationaler Investitionen und Ausbreitung der Technologie unter anderem durch einen Konsens über Verhaltensnormen;
- verbesserter Zugang zu Märkten, vor allem in Entwicklungsländern, für
Fertigwaren aus Entwicklungsländern und für kapital suchende Entwicklungsländer innerhalb eines realistischen politischen und wirtschaftlichen Rahmens
in den Entwicklungsländern; und
Gewährleistung, daß die internationale wirtschaftliche Gerechtigkeit
auch in die Erfüllung grundlegender menschlicher Ansprüche übersetzt wird,
wobei im Auge behalten werden muß, daß das Wohlergehen im letzten der Maßstab
für den Erfolg eines wahrhaft gerechten Wirtschaftssystems ist.
Meine Regierung möchte keinen Zweifel daran lassen, daß sie bereit ist,
über all diese Fragen zu sprechen und über die Mittel und Wege zu ihrer Lösung - und zwar in Gremien, die Erfolg versprechen. Auf der anderen Seite
wollen wir auch keinen Zweifel daran lassen, daß unsere Zustimmung zu dem
Konzept einer neuen internationalen Wirtschaftsordnung nicht bedeutet, daß
wir daran glaubten, es bestehe in all ihren Elementen heute schon Übereinstimmung oder es gäbe einen fix und fertigen Plan für die Verwirklichung all je- 5 -

�jener Elemente, über die wir uns einig sind. Es müssen noch große Fragen
gelöst werden.
Aber wir spüren, daß es eine Erneuerung des politischen Willens gibt,
allseits akzeptable und nutzbringende Lösungen zu erreichen, und eine Bekräftigung des Realismus, der notwendig ist, wenn diese Lösungen sich in
der Tätigkeit der Weltwirtschaft niederschlagen sollen und nicht nur in Resolutionen und Dokumenten dieses Gremiums hier. Jedes Land mag seine Idealvorstellung von einer neuen internationalen Wirtschaftsordnung haben. Der
Prozeß ihrer Verwirklichung wird einen Kompromiß zwischen Elementen all dieser Idealvorstellungen erfordern. Aber wenn wir niemals die grundlegenden
Ziele unserer Anstrengungen aus dem Auge verlieren, dann kann die Arbeit
dieser wieder aufgenommenen Sitzung der Vollversammlung zu einem internationalen Konsens beitragen.

�Wift/choft
United States Information Service

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28. September 1977

ANSPRACHE CARTERS VOR DEM IWF UND DER WELTBANK
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat den Vertretern von 131 Nationen versichert, daß die Vereinigten Staaten der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) weiterhin erhöhte Mittel zur Verfügung stellen
wollen, um zur Lösung der wirtschaftlichen Probleme der Welt beizutragen.
Präsident Carter begrüßte am 26. September die Delegierten, die zur fünftägigen Jahrestagung des IWF und der Weltbank in Washington zusammengekommen
waren. Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, Sie hier in Washington zu Beginn Ihrer Jahrestagung
begrüßen zu dürfen.
Nachdem ich jetzt einige Monate Präsident bin, mit dem Kongreß zu tun hatte,
nachdem ich vor vielen schwierigen Fragen stand, ist es für mich ein Vergnügen,
mit einer Gruppe zusammenzutreffen, bei der es keine Uneinigkeit gibt, bei der
vollkommene Harmonie heirscht, und wo man die Antworten auf alle schwierigen
Fragen gefunden hat.
Diese Konferenz ist für uns alle wichtig, denn die Partnerschaft, die

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�die zwischen Nationen und Menschen besteht, wird hier in diesem Saal deutlich.
Diese Zusammenkünfte bieten eine Gelegenheit für die führenden Vertreter der
Finanzinstitute der Welt, öffentlich und in geschlossenem Kreis die Wirtschaftsprobleme und auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten unserer Länder zu erörtern.
Und durch die Weltbank und den IWF sind wir in der Lage, die Aufgaben für ein
gemeinsames Wohlergehen zu meistern.
Die beiden größten Aufgaben, vor denen wir stehen, sind die Wiederherstellung
und Aufrechterhaltung eines stetigen nicht-inflationären Wachstums der Weltwirtschaft und die Beschleunigung des Wachstums in den Entwicklungsländern der Welt
mit einer weiten und gerechten Verteilung der Gewinne aus diesem Wachstum unter
uns allen.
Die Gesundheit des internationalen Wirtschaftssystems hängt von der Gesundheit unserer einzelnen Volkswirtschaften ab.

So wie keiner von uns ohne ein

stabiles System weiterkommen kann, so wird das System nicht gesund sein, wenn
wir nicht im eigenen Lande verantwortungsbewußt handeln.
Ich freue mich, daß die amerikanische Wirtschaft gesund ist und wächst.
Unsere Inflationsrate ist zwar mit etwa sechs Prozent nach unserem Geschmack
noch immer zu hoch, aber sie schwächt sich ab und liegt unter der Rate der
meisten anderen Länder.
Wir werden in diesem Jahr das Wachstumsziel für unsere Wirtschaft mit etwa
sechs Prozent real erreichen, und wir werden auch im nächsten Jahr ein starkes
und nicht-inflationäres Wachstum zu verzeichnen haben.
Ich bin verpflichtet, als Präsident alle Maßnahmen zu treffen, die notwendig
sind, um zu gewährleisten, daß sich diese optimistischen Voraussagen verwirklichen
werden.

Wir werden hauptsächlich so handeln, weil es gut ist für unser eigenes

Land, aber auch weil es zur wirtschaftlichen Gesundheit der übrigen Welt beiträgt.
Unsere Arbeitslosenrate geht stetig zurück.

Wir haben hier wenig Zweifel,

�Zweifel, da das Gefühl der Verpflichtung für unser Land und die Stärke unseres
Wirtschaftssystems auch in der Zukunft vorhanden sein werden.

Ein starkes wirt-

schaftliches Wachstum in den Vereinigten Staaten und eine Verlangsamung des
Wachstums in anderen Ländern zusammen mit exzessiven amerikanischen öl einfuhren
haben in diesem Jahr zu einem Anstieg des amerikanischen Handelsdefizit geführt,
das selbst noch im letzten Monat angehalten hat.
Was die öleinfuhren anbetrifft, so habe ich dem Kongreß vorgeschlagen, nun
wirklich zum ersten Mal in der Geschichte unseres Landes ein umfassendes Energieprogramm zu verabschieden, das in den kommenden Jahren unsere Ulimporte wesentlich unter den heutigen Stand senken soll, und für die nächsten acht Jahre auf
weniger als die Hälfte der ursprünglichen Vorausberechnungen.
Wir wissen, daß es von entscheidender Bedeutung ist, daß der Kongreß starke
und wirksame Energiemaßnahmen beschließt.

Die Vereinigten Staaten brauchen ein

glaubhaftes Programm, um den Zuwachs des Ölverbrauchs zu begrenzen und damit
die öleinfuhren zu senken.
Ich rufe alle Nationen und vor allem die großen Industrieländer auf,
zusammen mit uns die Energieverschwendung zu verringern und mit uns eine Politik
des wirtschaftlichen Wachstums und der Stabilisierung zu verfolgen, die zu einer
expandierenden, nicht-inflationären Weltwirtschaft, einem zunehmenden internationalen Handel und einem verbesserten System von Handelsbilanzen in der Welt
führt.
Der Internationale Währungsfonds hat bereits eine entscheidend wichtige
Rolle gespielt, um das internationale Währungssystem flexible und funktionsfähig zu halten.

Ich bin besonders dankbar, für die einsichtige fiskalische

Disziplin, die IWF und Weltbank überall in der Welt mit ihren Anleihen fördern.
Das gegenwärtige System funktioniert gut.
Die

- 3 -

�Die Vereinigten Staaten haben die Änderungsbestimmungen der Satzung des
IWF ratifiziert, und hoffen, daß andere Nationen, andere Mitglieder, das gleiche
tun werden, um die Mittel des Fonds zu erhöhen und seine Fähigkeit zur Überwachung der Wechsel kurspolitik und zur Aufsicht über Finanzabkommen zu stärken.
Die neuen zusätzlichen Fazilitäten des IWF fügen der Kapazität des Fonds
ein wichtiges Element hinzu.

Dies wird von meinem Lande voll und ganz unter-

stützt.
•

Die Vereinigten Staaten werden sich ferner mit anderen zusammenschließen,
um eine ausreichende Erhöhung der Quoten des IWF während der 7. Sonderüberprüfung dieser Quoten zu erreichen.
Die Vereinigten Staaten bleiben fest einer Politik verpflichtet, die ohne
die negativen Folgen eines Protektionismus einen freieren und umfangreicheren
Handel fördern wird. Mein Land strebt zusammen mit anderen nach einem wesentlichen Fortschritt der laufenden multinationalen Handelsverhandlungen bis Ende
dieses Jahres.
Die Wiederherstellung der Gesundheit der Weltwirtschaft wird es uns ermöglichen, das zu erreichen, was nach unser aller Erkenntnis eine lebenswichtige
menschliche Verpflichtung ist, nämlich den armen Ländern in der Aufgabe der
menschlichen Entwicklung zu helfen. Wenn die rund eine Milliarde Menschen,
die heute in extremer Armut leben, ihre Chance haben sollen, dann muß jedes
Land wirksame Maßnahmen ergreifen, und die Vereinigten Staaten sind bereit,
sich einer solchen internationalen Kampagne anzuschließen.
Die jetzt von der Weltbank und dem IWF durchgeführte Studie über Weltentwicklungsprobleme dürfte einen Rahmen bieten, innerhalb dessen alle Nationen
ihre Anstrengungen für ein gemeinsames Entwicklungsprogramm verstärken können.
Natürlich

�Natürlich sind die Entwicklungsländer letztlich selbst für ihr eigenes
Wachstum verantwortlich.

Nur sie können die Fähigkeiten und die Ressourcen

mobilisieren, die für die Entwicklung notwendig sind.

Nur sie können gewähr-

leisten, daß die Vorteile des Wachstums, wenn es zustande kommt, im ganzen
Land spürbar werden und jenen zugute kommen, die es am meisten brauchen.
Aber die Industrieländer wie die Vereinigten Staaten müssen mehr Kapital
von außen stellen. Ich freue mich, Ihnen berichten zu können, daß der
amerikanische Kongreß in diesem Jahr mehr als doppelt so viel Geld für die
Weltbank und die regionalen Entwicklungsbanken bewilligt hat, als im vorigen
Jahr.
Ich hoffe, daß die Verhandlungen über eine große allgemeine Kapital auf Stockung es der Weltbank ermöglichen werden, ihr reales Kreditvolumen zu erhöhen.
All das braucht seine Zeit. Wir werden unsere Ziele nicht über Nacht
erreichen, und der Schlüssel ?.\i unserem Erfolg wird die Beharrlichkeit sein.
Wir werden viele Schwierigkeiten zu überwinden, viele komplizierte Fragen zu
beantworten, viele nationale Interessen, die zwischen Ländern stehen könnten,
zu überwinden und eine gemeinsame Verpflichtung zur gemeinsamen Verantwortung
zu übernehmen haben.
Die Vereinigten Staaten werden mi' Ihnen allen zusammenarbeiten. Wir
sind bereit, den Kurs zu wagen, und Sie werden sich auf uns verlassen können.

+ + + + +

- 5 -

�28. September 1977

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DIE VEREINTEN NATIONEN ALS FORUM FÜR DEN NORD-SÜD-DIALOG
- Interview mit US-Unterstaatssekretär Charles W. Maynes •

Charles William Maynes, Unterstaatssekretä'r
für internationale Organisationen im amerikanischen Außenministerium sieht eine immer
stärkere Rolle der Vereinten Nationen im
Nord-Süd-Dialog. In einem Interview mit
dem Korrespondenten des US-Informatonsdienstes
John Harter legt Maynes die Auffassungen der
amerikanischen Regierung dar.

FRAGE: Mr. Maynes, die Konferenz über Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit (CIEC) ist kürzlich zu Ende gegangen, nachdem sie sich anderthalb
Jahre einem umfassenden Dialog über wirtschaftliche Fragen zwischen Nord und
Süd gewidmet hat. Rechnen Sie damit, daß dieser Dialog in den Vereinten Nationen fortgesetzt wird?
ANTWORT:

Ich rechne ganz sicher damit, daß dies auf die eine oder andere

Art geschehen wird.

Das nochmalige Zusammentreten der 31. Vollversammlung

- die Sitzung vom 13. bis 16. September im Hauptquartier der Vereinten Nationen
in New York - ist nur für den Zweck angesetzt worden, die Ergebnisse der CIEC
zu erörtern.
Natürlich

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�Natürlich wird dieser Themenkreis, der Nord-Süd-Dialog, auf die anschliessende 32. Vollversammlung übergehen.

Man hat begriffen, daß ein vernünftiger

Dialog besser ist als ewige Wortgefechte.

Die Einzelfragen werden sicherlich

an die zuständigen Sonderorganisationen überwiesen werden, die sich bereits mit
solchen Problemen befassen.
So wird sich beispielsweise die Konferenz der Vereinten Nationen für
Handel und Entwicklung (UNCTAD) weiterhin mit Rohstoffragen befassen, das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) mit der Exportförderung für Entwicklungsländer und die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) mit
Krediten für die Entwicklungsländer.

FRAGE: Wird es ein Gebiet geben, mit dem sich die Vereinten Nationen
selbst zentral befassen werden?
ANTWORT: Ich bin der Auffassung, daß es weiterhin einer Art Gesamtforums
für den Nord-Süd-Dialog bedarf, um den konstruktiven Meinungsaustausch über all
diese Probleme und ihren Zusammenhang miteinander fortsetzen zu können, wie
er auf der CIEC stattfand. Hier gibt es viele Standpunkte. Manche Leute meinen,
der Wirtschafts- und Sozial rat der Vereinten Nationen (ECOSOC) sollte gestärkt
und zum Mittelpunkt solcher Diskussionen gemacht werden. Andere meinen, man
sollte für diesen Zweck einen Sonderausschuß der Vollversammlung einsetzen.
Und wieder andere treten für gelegentliche Sondersitzungen der Vollversammlung
selbst ein. Es ist noch eine ganze Reihe weiterer Vorschläge gemacht worden.
Im Augenblick gibt es noch keine festen Standpunkte, aber man ist weithin der Meinung, daß die Vereinten Nationen ein logisches Gremium seien, um
diesen Dialog in der einen oder anderen Form fortzusetzen. Die Vereinigten
Staaten würden sich sicherlich an einem solchen andauernden Dialog beteiligen,
und wir würden hoffen, daß ein solcher Dialog verantwortlicheund qualifizierte
Regierungsvertreter aus den Hauptstädten der Welt anziehen würde.
FRAGE:
- 2 -

�FRAGE:

Sind Sie der Meinung, daß die Vereinten Nationen insgesamt ihre

Aufmerksamkeit in Zukunft stärker als in der Vergangenheit internationalen
Wirtschaftsproblemen zuwenden werden?
ANTWORT:

Ja, ich bin dessen sicher.

Während der letzten Jahre sind

Probleme der Wirtschaft mehr und mehr an die Spitze der internationalen Tagesordnung gerückt, und dies hat auch in der Arbeit der Vollversamlung und anderer
UN-Gremien seinen Ausdruck gefunden.

Ich bin überzeugt, daß das so weiter-

gehen wird und daß man sich in verstärktem Maße der Vereinten Nationen als Instrument bedienen wird, um zu einem internationalen Konsensus hinsichtlich der
allgemeinen Ziele des Nord-Süd-Dialogs zu gelangen.
Man muß ferner daran denken, daß das System der Vereinten Nationen auf
einer anderen Ebene eine Anzahl von Sonderorganisationen umfaßt - die Weltbank, den Internationalen Währungsfonds (IWF), die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und die Weltgesundheitsorganisation, um Beispiele
zu nennen. Wir können erwarten, daß all diese Institutionen ihre eigenen speziellen Beiträge zur Entwicklung des Prozesses weiter intensivieren werden,
der für alle Nord-Süd-Probleme von so zentraler Bedeutung ist.
Diese beiden wirtschaftlichen Aufgaben für die Vereinten Nationen - der
schwierige und vertrackte aber wesentliche Prozeß, einen Gesamtrahmen und
Konsens für die Nord-Süd-Beziehungen zu schaffen,und die technische Arbeit
auf spezifischen, funktionalen Gebieten faktisch zu leisten - sind miteinander
verbunden.

Was auf jeweils dem einen Gebiet geschieht, wird sich darauf aus-

wirken, was auf dem anderen geschehen kann.

FRAGE: Ist es heute schwieriger in den Vereinten Nationen zu konkreten
Resultaten zu gelangen,als es dies früher war?
ANTWORT:

Nun, ja, es ist schwieriger - aber ich glaube, man sollte sehr

genau darauf achten, warum dies so ist.
- 3 -

Der Hauptgrund ist, daß die interna-

�internationale Szene in den vergangenen dreißig Jahren außergewöhnlichen Veränderungen unterworfen war.

Im Jahre 1950 betrug der Anteil der Vereinigten

Staaten an der Industrieproduktion der Welt 60 Prozent, heute etwa 30 Prozent.
Im gleichen Jahr entfielen von den gesamten militärischen Ausgaben in der Welt
50 Prozent auf die Vereinigten Staaten, heute ist diese Zahl auf 25 Prozent
heruntergegangen.

Im Jahre 1950 verfügten wir über mehr als 50 Prozent der

Weltwährungsreserven, heute sind es noch etwa 7 Prozent.

Das heißt nicht,

daß die Macht Amerikas abgenommen hat - im Gegenteil.
Vielmehr hat sich die Macht vieler anderer Länder im gleichen Zeitraum
vermehrt und in vielen Fällen sehr eindrucksvoll.

Das gilt nicht nur für un-

sere europäischen Verbündeten und Japan, sondern auch für eine ganze Reihe von
Entwicklungsländern, deren beachtliche Fortschritte sie in die Lage versetzten,
eine immer bedeutendere Rolle im Weltgeschehen zu übernehmen.
All dies hat bemerkenswerte Auswirkungen für die Vereinten Nationen und
andere internationale Organisationen, vor allem was die Fähigkeit der internationalen Gemeinschaft anbelangt, wirksame Aktionen in bestimmten Gebieten
zu unternehmen. Wenn - vor 25 Jahren - die Vereinigten Staaten eine Entscheidung trafen oder zu verstehen gaben, daß sie einen bestimmten Aktionskurs in
den Vereinten Nationen oder in einer der anderen bedeutenderen internationalen
Organisationen befürworteten, dann brachte dies allein schon die erforderliche
kritische Masse zusammen, die einen Fortschritt in einer solchen Richtung ermöglicht. Heute dagegen, bei dieser Art von Machtverteilung im internationalen
System, wie wir sie in den letzten drei bis fünf Jahren erlebt haben, braucht
man eine ganze Koalition von Ländern, um diese Art von kritischer Masse zu erlangen.

FRAGE: Was bedeutet dies in bezug auf die Vorteile und Nachteile der
Behandlung außenpolitischer Probleme im Rahmen der Vereinten Nationen?
ANTWORT:

Nun, einer der offenkundigen Vorteile besteht darin, daß die

�die Vereinten Nationen eine wertvolle Möglichkeit bieten, Koalititonen zur
Unterstützung bestimmter internationaler Schritte und Maßnahmen zu bilden,
die einen wirklichen Fortschritt möglich machen.

Welches sind die Nachteile?

Es ist ein sehr mühseliger, vertrackter Prozeß. Unterschiedliche Länder haben nicht die gleichen außenpolitischen Ziele - obwohl es eine größere Harmonie der Zielsetzungen gäbe, wenn wir alle unseren längerfristigen Interessen größere Bedeutung beimäßen.

Es ist nun aber mal eine Tatsache unseres

Lebens, daß die Außenpolitik der meisten Länder stark dem Einfluß kurzfristiger
Erwägungen unterliegt,und das macht den Prozeß einer Übereinkunft - der
Schaffung jener kritischen Masse, die die notwendige

Vorbedingung für kon-

struktive internationale Zusammenarbeit ist - sehr,sehr schwierig.

FRAGE:

Warum können angesichts solcher Schwierigkeiten die Regierungen

dann nicht die Vereinten Nationen einfach vergessen und sich mehr auf bilaterale Anstrengungen zur Lösung dieser internationalen Probleme konzentrieren?
ANTWORT: Trotz aller Schwierigkeiten ist die multilaterale Diplomatie
das beste - und manchmal auch das einzig wirksame - Mittel, sich mit einigen
der Fragen auseinanderzusetzen, die gegenwärtig an der Spitze der Tagesordnung
der Vereinten Nationen stehen. Diese Fragen, die Vorschläge zur Schaffung
einer neuen internationalen Wirtschaftsordnung, das südliche Afrika, der Nahe
Osten, haben zwei Charakteristika gemeinsam. Sie alle rufen mächtige politische Leidenschaften sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in anderen
Ländern hervor, und zweitens sie können einfach nicht auf zufriedenstellende
Weise durch bilaterale Abkommen zwischen irgendwelchen zwei Ländern geregelt
werden, weil die realen wirtschaftlichen und politischen Interessen einer großen
Anzahl von Ländern auf dem Spiele stehen.

FRAGE:

Viele Leute scheinen der Ansicht zu sein, daß die Formel: ein

Land - eine Stimme in der UN-Vollversammlung - insbesondere jetzt, da so viele
kleine und neue Staaten Mitglied der Vereinten Nationen sind - ernsthaft die
- 5 -

�die Wirksamkeit der Weltorganisation beeinträchtigt.

Sind Sie auch dieser

Ansicht?
ANTWORT:
übertreiben.

Ich glaube, daß manche Leute die Bedeutung dieses Problems
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß es Mißbräuche der Ab-

stimmungssysteme gegeben hat, nicht nur hinsichtlich der Formel: ein Land eine Stimme in der Vollversammlung, sondern auch hinsichtlich des Vetos im
Sicherheitsrat.

Das ist nun einmal eine Tatsache, mit der wir leben müssen,

wenn wir in den Vereinten Nationen arbeiten.
Aber das ist nicht wirklich "neu".

Schon in den späten vierziger Jahren und

Anfang der fünfziger Jahre - bevor die neuen Nationen in die Weltorganisation
aufgenommen wurden - entfielen etwa 40 Prozent der Stimmen in der Vollversammlung auf Lateinamerika - mit weniger als 10 Prozent der Weltbevölkerung und
einem sogar noch kleineren Anteil des wirtschaftlichen Reichtums.
Aber wenn Sie sich nun einmal die Abstimmungsmuster ansehen, die Art und
Weise, wie die einzelnen Länder ihre Haltung zu besonderen Fragen bei tatsächlichen Abstimmungen zum Ausdruck bringen, dann werden Sie finden, daß die
Haltung einzelner Länder bei den Vereinten Nationen weniger sprunghaft ist,
als manche Leute annehmen. Es ist praktisch möglich, daß eine Mehrheit von
Ländern in den Vereinten Nationen - Länder, die weniger als fünf Prozent ihres
Budgets beitragen oder auf die weniger als fünf Prozent der Weltbevölkerung
entfallen, die Arbeit der Vollversammlung beherrschen könnte.
Aber in der
Praxis ist das doch nicht so. Die Koalitionen, auf die der Hauptanteil der
Stimmen entfällt, stellen über 70 Prozent der Weltbevölkerung, einen Anteil des
wirtschaftlichen Reichtums, der zumindest ins Gewicht fällt, sowie einen beträchtlichen Teil der militärischen Macht der Welt dar.
Die eigentlichen Probleme der Vereinten Nationen sind also nicht kosmetischer Natur, sie reflektieren einfach große Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich wesentlicher Positionen zwischen den Ländern der Welt zu kritischen
politischen und wirtschaftlichen Fragen.

Ich möchte auch darauf hinweisen, daß

�daß es in der Vollversammlung eine immer stärkere Trendenz gibt, auf ein
Konsens-Verfahren zurückzugreifen, um die Arbeit der Vollversammlung zu erleichtern. Nur sehr wenige Fragen rufen jene Schärfe hervor, über die dann
in der Presse berichtet wird.

FRAGE: Sie stimmen also nicht mit denjenigen überein, die behaupten,
daß die Überlegungen, über die wir jetzt sprechen, die Vereinten Nationen
der Möglichkeit berauben, konstruktive Arbeit auf wirtschaftlichem Gebiet
zu leisten?
ANTWORT: Nein, das tue ich nicht. Es gibt Zeiten, in denen lange, polemische Reden eine nachteilige Wirkung auf den politischen Prozeß in den
Vereinten Nationen haben und das Zustandekommen eines Konsens erschweren.
Und man muß allerdings auch einräumen, daß das Verfahren: ein Staat - eine
Stimme in der Vollversammlung gelegentlich das Zustandekommen einer wirksamen Entscheidung in diesem Rahmen erschwert, vor allem was die wirtschaftlichen Probleme anbetrifft.
Schließlich müssen zu der "kritischen Masse" der Länder, die über wirtschaftliche Fragen entscheiden, auch eine angemessene Zahl der wichtigsten
Wirtschaftsmächte der Welt gehören, doch haben Diskussionen solcher Fragen
in der UN - und die Abstimmungen darüber in der Vollversammlung - diese fundamentale Realität oft nicht zum Ausdruck gebracht.
Andererseits bin ich über den beträchtlichen Fortschritt ermutigt, den
wir seit 1974 gemacht haben, als es so wenig sichtbare Ansatzpunkte für gemeinsame Ziele im Nord-Süd-Verhältnis gab, daß die Konfrontation komplett erschien.
Ich glaube beide Seiten haben wesentliche Fortschritte insofern gemacht, daß
sie anerkennen, wie wichtig es ist, diese Dinge in kooperativer Form zu
meistern.
FRAGE:
- 7 -

�FRAGE:

Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds haben Ver-

fahren entwickelt, um Entscheidungen zu treffen, die den relativen Beitrag
der Industrieländer zur Weltwirtschaft widerspiegeln.

Glauben Sie, daß ein

System dieser Art in Zukunft wahrscheinlich auch in anderen Institutionen
entwickelt werden wird?
ANTWORT:

Nun, ich glaube, die internationalen Finanzierungsinstitute

sind etwas sehr Spezielles.

Das heißt, wenige Banken werden nach demokratischen

Prinzipien geführt, selbst in Demokratien.

So ist es nicht überraschend, daß

die Weltbank und der IWF besondere Abstimmungsverfahren entwickelt haben und
auch besondere Formen, wie sie ihre Geschäfte wahrnehmen.

Denken Sie daran,

daß nach der Einrichtung des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche
Entwicklung (IFAD)

die öl exportierenden Länder auf einer besonderen Form der

Abstimmung - dem "weighted voting", d.h. gewichtete Abstimmung - für das Präsidium des Fonds bestanden.

Infolgedessen entfallen ein Drittel der Stimmen

auf die westlichen Industrieländer, ein Drittel auf die öl exportierenden Länder und ein Drittel auf die Entwicklungsländer.
Mit anderen Worten, sobald es ans Bezahlen geht, sind es nicht nur die
Industrieländer,die auf einer anderen Methode der Abstimmung bestehen als
"ein Staat - eine Stimme". Sobald ihre Beiträge finanziell ins Gewicht fielen, haben die öl exportierenden Länder den gleichen Weg eingeschlagen. Aber
ich meine, wir sollten einen klaren Unterschied machen zwischen Finanzierungsinstituten und anderen internationalen Institutionen, weil diejenigen, die die
Wirtschaftsentwicklung finanzieren, sich sehr von denen unterscheiden, die
über internationale politische oder wirtschaftliche Probleme diskutieren.
•

Wirtschaftliche Rolle der UN stärken
FRAGE: Herr Unterstaatssekretär,glauben Sie, daß die Aktivitäten der verschiedenen Gremien innerhalb der Organisation der Vereinten Nationen auf wirtschaftlichem Gebiet ausreichend koordiniert sind?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Nein.

Das ist zweifellos ein Gebiet, auf dem Verbesserungen

im System der Vereinten Nationen notwendig sind,

übrigens herrscht hier in

bezug auf die Bedeutung des Begriffs "Koordination" eine ziemliche Konfusion.
Er sollte nicht mit dem der "Duplikation" gleichgesetzt werden.

Ich meine,

es gibt nur wenige Beispiele dafür, daß zwei Organisationen versuchen, den
selben Brunnen anzubohren.

Aber dennoch muß die Koordination im Gesamtpro-

gramm des Entwicklungsprozesses verbessert werden.
In der Tat gibt es zur Zeit so viel Arbeit, die getan werden muß, um
aen Fortschritt der Entwicklungsländer zu beschleunigen, daß jede Institution
dazu tendiert, ihr eigenes Programm - aggressiv und unabhängig - zu entwickeln,
ohne dabei zu bedenken, ob die von ihr verausgabten Mittel nicht wirksamer mit einem höheren Ertrag - in anderen Programmen oder Aktivitäten verwendet
werden könnten. Und es ist sehr schwierig, die verschiedenen Programme und
Aktivitäten dieser Behörde zu koordinieren, wenn die zu leistenden Aufgaben
derart groß sind. Ich glaube wir dürfen - auf der Ebene der beitragleistenden
Regierungen - nicht allzu betroffen sein, wenn jene Art von Koordination, wie
wir sie gern auf der nationalen Ebene hätten, auf der internationalen Ebene
nicht besteht.
Trotzdem sind wir ständig darum bemüht, sicherzustellen, daß die Ressourcen insgesamt, die den Vereinten Nationen zur Verfügung stehen, die richtige
Mischung finden zwischen Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Wasserentwicklung,
Industriebeziehungen oder wie immer sonst das Problem gelagert sein mag, das
die wirtschaftliche Entwicklung in einem bestimmten Lande hemmt.

FRAGE;

Die anspruchsvollste Analyse und die damit verbundenen Vorschläge

für eine Verbesserung der Gesamtstruktur und der Funktion des UN-Systems auf
wirtschaftlichem Gebiet war wohl die 1975 von einer Expertengruppe erstellte
Studie, die von Richard N. Gardner, dem derzeitigen amerikanischen Botschafter
in Italien, vertreten wurde.

Erwarten Sie, daß diese Empfehlungen zu irgend-

welchen Resultaten führen werden?
ANTWORT:
- 9 -

�ANTWORT:
fehlungen

Wir sind tatsächlich der Meinung, daß der Bericht und die Emp-

einen sehr wertvollen Beitrag zum internationalen Verständnis des-

sen darstellten, was das System der Vereinten Nationen zur Unterstützung der
Entwicklungsländer zu tun vermag und was nicht.

In der Tat gibt es da den

Ad-hoc-Ausschuß der Vereinten Nationen unter dem Vorsitz von Botschafter
Dodzie aus Ghana, der mehrere Vorschläge entwickelt hat, die die wichtigsten
Vorschläge dieses früher erstellten Berichtes vervollkommnen sollen.

Einige

Punkte in dem Bericht stießen bei mehreren Ländern auf Widerstand,und einige
seiner Ziele werden derzeit auf eine andere Weise verfolgt, die für die Mitgliedstaaten genau so nützlich ist.
•
•

FRAGE:

Könnten Sie angeben, welche von den Vorschlägen Ihrer Ansicht

nach am nützlichsten sind und am meisten Aussicht haben.akzeptiert zu werden?
ANTWORT: Um die Positionen der Regierungen wird noch verhandelt, so
daß hier ein gewisses Maß an Flexibilität besteht, aber zu den in Betracht
gezogenen Ideen gehören die Vorschläge zur Eliminierung von einigen der Hilfsorganisationen des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen (ECOSOC),
zur Konsolidierung der Fonds, die den verschiedenen Organisationen des Systems
zur Verfügung stehen sowie zur Gliederung des ECOSOC in spezifischere Verantwortungs- und Tätigkeitsbereiche, damit die richtigen Leute in den Hauptstädten
gewonnen werden können, im Bemühen um die Sicherung sinnvoll miteinander in
Verbindung stehender Erörterungen und Entscheidungen. Verbesserungen in dieser Richtung könnten den ECOSOC auch instand setzen, als ein zentrales Forum
für den Nord-Süd-Dialog zu dienen in der von der Konferenz für Internationale
Wirtschaftliche Zusammenarbeit (CIEC) eingeschlagenen Richtung.

FRAGE: War es nicht eine der Hauptempfehlungen dieses früheren Berichtes,
den ECOSOC zu stärken?
•

•

ANTWORT:

�ANTWORT:

Das ist richtig.

Und eine der Möglichkeiten, wie man den

ECOSOC stärken könnte, bestünde darin, die Zahl der Hilfsorganisationen, die
dem ECOSOC Bericht erstatten, zu begrenzen.

Auch eine Reorganisation der

Tagesordnung und der Verfahren des ECOSOC zur Verbesserung ihrer Wirksamkeit
als Forum für die Diskussion und Verhandlung wäre sehr nützlich.

Das dabei

ins Auge gefaßte Ziel wäre es, die Fähigkeit des ECOSOC zur Koordinierung der
verschiedenen wirtschaftlichen und sozialen Programme der UN-Organisation zu
verbessern.
Ein anderer wichtiger Vorschlag des früheren Berichtes sah vor, einen
Generaldirektor für die Wirtschafts- und Sozialprogramme der Vereinten Nationen zu ernennen, dessen Aufgaben in der Gesamtkoordinierung der verschiedenen funktionalen Programme der Vereinten Nationen und ihrer Sonderorganisationen bestehen sollte. Eine Alternative zu diesem Vorschlag wäre die Schaffung des Postens eines Stellvertretenden Generalsekretärs, der Generalsekretär
Waldheim in der Gesamtgeschäftsführung unterstützen könnte, die zur Sicherung
einer wirksamen Durchführung dieser Programme notwendig ist und der als amtierender Generaldirektor im Hauptquartier fungieren könnte, wenn der Generalsekretär dort nicht anwesend ist, was wegen seiner diplomatischen Aufgaben
häufig der Fall ist.

FRAGE:

Wie paßt das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP)

in dieses Schema?
ANTWORT: Dieses Entwicklungsprogramm ist die eigentliche und zentrale
Quelle für die Finanzierung der technischen Hilfe durch die Organisation der
Vereinten Nationen, und als solche ist es der größte Agent für die Vermittlung
technischer Hilfe in der heutigen Welt. Es verausgabt ungefähr 400 Millionen
Dollar im Jahr und vermag damit eine zentrale koordinierende Rolle im System
der Vereinten Nationen zu spielen. Der Vertreter der UNDP im jeweiligen Gastland hat bei der Durchführung der Programme entscheidenden Einfluß auf die
Einberufung der verschiedenen Experten der Organisation der Vereinten Nationen
- 11 -

�Nationen - beispielsweise auf dem Gebiet der Landwirtschaft, der Erziehung
und des Gesundheitswesens und auf die Zusammenstellung des für die Durchführung
der Pläne der Regierungen der Gastländer erforderlichen Teams. Der Bericht
empfahl eine Höhereinstufung der Position dieses Vertreters in den Gastländern.

FRAGE:

Glauben Sie, daß die Vereinten Nationen in den kommenden Monaten

Fortschritte in der Verbesserung ihrer Fähigkeit machen werden, wirtschaftliche
und soziale Probleme in den Griff zu bekommen?
ANTWORT:

Ich meine, daß dies eine wesentliche Voraussetzung ist, wenn

die Vereinten Nationen in Zukunft eine konstruktive Rolle im Nord-Süd-Dialog
spielen sollen.

Ich meine auch, daß es für die Vereinten Nationen ein stän-

diges und zentrales Anliegen sein muß, in der Suche der Welt nach neuen Formen
kooperativer wirtschaftlicher Beziehungen zwischen Entwicklungsländern und
Industrieländern mitzuhelfen.
Eine der neuen Realitäten im internationalen Leben sind die wachsende
Rolle und der wachsende Einfluß der Entwicklungsländer, und die Vereinten Nationen als das Gremium, in dem sie alle vertreten sind, müssen ihren legitimen
Interessen und Anliegen hinsichtlich einer gerechteren und wirksameren internationalen Ordnung, die ihrem wirtschaftlichen Wachstum dienlich ist, Ausdruck verleihen. Ich meine, es liegt im Interesse der Vereinigten Staaten und
anderer Industriestaaten, alles in unseren Kräften stehende zu tun, um innerhalb und außerhalb der Vereinten Nationen mit den Entwicklungsländern zusammenzuarbeiten.

+ + + + +

- 12 -

�motcrio
United States Information Service

28. September 1977

26

ERDGAS AUS ALASKA

- (AD) - über den Bau einer Erdgasleitung von Alaska über Kanada in die
USA haben sich jetzt Kanada und die Vereinigten Staaten in einer Grundsatzerklärung geeinigt. Dies gaben Präsident Carter und Premierminister Trudeau
am 8. September 1977 bekannt. Mit dem Projekt sollen die Erdgasvorkommen
an der Prudhoe-Bucht in Alaska und im Gebiet des Mackenzie-Deltas in Kanada
erschlossen werden. Wie der amerikanische Energieminister Dr. James Schlesinger
vor Pressevertretern erklärte, werden beide Länder von dem Unternehmen profitieren. Es beeinträchtige in keiner Weise die Unabhängigkeit beider Nationen.
Denn diese Unabhängigkeit sei "das Fundament, auf dem unsere Energie-Beziehungen zu den Kanadiern aufgebaut sind".
Die Pipeline würde die USA in die Lage versetzen, Erdgas aus den riesigen Feldern in Alaska zur Nordroute der amerikanischen Mittelweststaaten unmittelbar südlich der kanadischen Grenze zu bringen. Eine später zu bauende
Abzweigung würde es Kanada erlauben, seine Erdgasvorkommen im Gebiet des
Mackenzie-Deltas für den eigenen Bedarf zu nutzen und Exportverpflichtungen
aus gegenwärtig bestehenden Verträgen nachzukommen.
Die Hauptleitung von Alaska bis zu den südlicheren amerikanischen Bundesstaaten hätte eine Länge von 5750 km.

Eine Querverbindung, die Erdgas aus

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�aus dem Mackenzie-Delta nach Dawson im kanadischen Yukon-Territorium bringen
und außerdem die Verbindung zu Whitehorse im Yukon-Territorium herstellen
soll, würde ca. 1100 km lang.

Die Kosten des Projekts werden auf 9,6 Mil-

liarden Dollar geschätzt, einschließlich der Kosten für eine 1916 km lange
Abzweigung innerhalb der USA, die Erdgas nach Kalifornien transportieren soll

+ + + + +

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- 2 -

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Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service

-

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28. September 1977

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"ENTERPRISE" ZUM ZWEITEN MAL IM FREIEN FLUG

EDWARDS AIR FORCE BASE, KAL. - (AD) - Mit dem Raumtransporter-Testgerät
ENTERPRISE wurde am 13. September 1977 der zweite freie Flug mit Landung ohne
eigene Motorkraft durchgeführt. Nach der Trennung vom Trägerflugzeug, einer
Boeing 747, in 7200 m Höhe führte die zweiköpfige Besatzung des Fluggeräts
in 5 Minuten 20 Sekunden zur vorgesehenen Landung auf einem ausgetrockneten
See im Bereich des Luftstützpunktes Edwards Air Force Base in Kalifornien zurück. Vor dem Ausklinken war die Fluggeschwindigkeit auf 500 km/Stunde gebracht worden. Die beiden Piloten im Cockpit der ENTERPRISE - Joe Engle, der
bereits die X-15 geflogen hatte, und Astronaut Richard Truly - führten nach
der Trennung zunächst eine scharfe Rechtswendung um 55 Grad aus, richteten
dann durch eine flachere Kurve die ENTERPRISE auf die Landebahn aus und setzten
das Gerät sicher auf.
"Während des gesamten Countdown und des Fluges klappte alles wie am
Schnürchen", meinte später der Flugleiter Donald K. Slayton, selbst ehemaliger
Astronaut. Das Programm kann zügig weitergehen. Drei weitere Flüge im gegenwärtigen Testabschnitt sind für den 27. September, 27. Oktober und 15. November
vorgesehen.
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�1

1
I

Wi//en/chaft
mul Technik
United States Information Service

28. September 1977

26

MEERESALGEN ALS METHANQUELLE

- (AD) - Wissenschaftler der Fa. General Electric in Philadelphia
(Pennsylvanien) haben eine Seetang-Farm entwickelt, die im Frühjahr 1978
vor der Küste von Kalifornien im Meer verankert werden soll. Man erwartet,
daß sie pro Jahr etwa 100 Tonnen Braunalgen (Kelp) produziert, die in einer
Anlage auf dem Festland durch bakterielle Zersetzung Methan liefern. Methan
ist der Hauptbestandteil von Erdgas. Bei den gegenwärtigen Erdgaspreisen
könnte nach Ansicht der Fachleute die Testfarm, die eine Ausdehnung von 0,1
Hektar hat, pro Jahr eine Gasausbeute im Wert von 600 000 Dollar erbringen.
Den größten Anteil an den 3 Millionen Dollar Investitionskosten stellte die
"American Gas Association" bereit. Dort ist man der Überzeugung, daß mit
der Umwandlung von "Biomasse" in Energie ein beachtlicher Beitrag zur Lösung der Weltenergiekrise geleistet werden könnte. Die praktische Durchführung des Projekts überläßt General Electric dem kalifornischen Unternehmen
"Global Marine Development".
Die Tangfarm sieht aus wie ein riesiger umgestülpter Regenschirm, aus
dessen Rippen die Riesenalgen (Macrocystis Pyrifera) wachsen. Sie zählen
zu den größten und am schnellsten wachsenden Pflanzen, die es auf der Erde
gibt. Sie werden bis zu 60 m lang und setzen pro Tag 50 - 60 cm an. In

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�&lt;-

In der Tangfarm sollen sie mehrmals pro Jahr geerntet, zerkleinert und zur
Küste gebracht werden, wo man dann Bakterien die Gasbildung überläßt. Riesenbraunalgen wurzeln in Wassertiefen von 18 m und mehr. In Kalifornien werden
die natürlichen Vorkommen schon seit geraumer Zeit industriell verwertet,
vor allem zur Gewinnung von Algin.
Wenn die Versuchsfarm in ihren Betriebs- und Ernteergebnissen den Erwartungen entspricht, sollen Anfang der achtziger Jahre Unterwasserfarmen
angelegt werden, die eine Ausdehnung von 200 - 400 Hektar haben. Sie könnten
eine billige Quelle zur Erzeugung von Methan im Wert von vielen Millionen
Dollar pro Jahr darstellen - eine Energiequelle, die außerdem die Umwelt
nicht belastet.

+ + + + +
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