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I

Information
und
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i

United States Information Service

22

10. August 1977

INHALT

DOKUMENTATION
USA zur Vorneverteidigung in Deutschland verpflichtet
- Stellungnahmen des Weißen Hauses, des Außenministeriums und des
Verteidigungsministeriums
Sonderbotschaft Präsident Carters zum Drogenproblem
WIRTSCHAFT
Keine Nervosität wegen des Dollar
Von Dr. Walter W. Heller
HINTERGRUNDMATERIAL
AWACS: Das fliegende Frühwarn- und Fliegerleitsystem
- Verkauf an den Iran umstritten WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Kontinuierliche Luft-Oberwachung mit Laser

Um Übersendung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�I
I a

Dokumentation
United States Information Service

10. August 1977

22

USA ZUR VORNEVERTEIDIGUNG IN DEUTSCHLAND VERPFLICHTET
Stellungnahmen des Weißen Hauses, des Außenministeriums
und des Verteidigungsministeriums -

Washington - (AD) - Die Vereinigten Staaten sind zu einer "Vorneverteidigung" Westeuropas verpflichtet, die auch den möglichen Einsatz von
taktischen und strategischen Kernwaffen vorsieht. Dieser Standpunkt wurde
am 3. August in Washington vom Weißen Haus, dem Außenministerium und von
Verteidigungsminister Harold Brown nachdrücklich bekräftigt.
Ausgelöst wurde diese Stellungnahme durch einen Artikel in der amerikanischen Zeitung "Herald Tribüne" vom 3. August 1977, in dem die Verfasser Evans und Novak behaupten, in einer strategischen Studie für den
Präsidenten (PRM-10) werde für den Verteidigungsfall der Verlust von einem
Drittel der Bundesrepublik Deutschland hingenommen.

Die amerikanische

Regierung, so die Verfasser des Artikels, wolle dann mit Hilfe des Drucks
der Weltöffentlichkeit, etwa der Vereinten Nationen oder anderer Organisationen, den Sowjetblock zur Aufgabe besetzten Territoriums bewegen.
"Der Gedanke,

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�«

"Der Gedanke, daß unsere Politik eine sowjetische Besetzung von NATOTerritorium dulden würde, ist schlicht und einfach falsch", so erklärte
der Sprecher des Weißen Hauses, Jody Powell.

Für eine Abschreckung vor

einem Angriff des Warschauer Paktes, so fuhr Powell fort, stütze sich
die amerikanische Regierung auf eine Doktrin der "flexiblen Antwort (flexibl
response) und der Vorneverteidigung, wozu konventionelle Waffen, Gefechtsfeldnuklearwaffen und strategische Nuklearwaffen sowie politische Optionen
gehören."
Auf entsprechende Fragen wies der Sprecher des Weißen Hauses darauf hin,
daß in Konsultation mit den westeuropäischen Verbündeten die"Vorneverteidigung Westeuropas" die Politik der Vereinigten Staaten sei.

Diese Poli-

tik, so versicherte er immer wieder, "ist insgesamt unverändert."
Die Regierung Carter, so betonte Powell, "hat sich verpflichtet, im
Zusammenwirken mit unseren Verbündeten die Kapazität aufrechtzuerhalten,
um jeden Angriff des Warschauer Paktes so rasch wie möglich aufhalten und
die Vorkriegsgrenzen wiederherstellen und damit das Territorium der
NATO aufrechterhalten zu können."
Die Streitkräfte der NATO hätten nach der Überzeugung der amerikanischen
Regierung die Fähigkeit, jedes bei einem ersten Angriff verlorene Gebiet
wiederzugewinnen. Powell wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß
Präsident Carter auf der Tagung des Nordatlantikrates auf Gipfel ebene in
London lang- und kurzfristige Vorschläge unterbreitet - und akzeptiert habe, um die Verteidigungsfähigkeit der NATO zu verbessern. Der Präsident
habe speziellen Nachdruck auf die Stärkung der konventionellen Streitkräfte
der NATO gelegt.
Besonders bohrende Fragen stellten Korrespondenten dem Sprecher des
Weißen Hauses im Zusammenhang mit dessen Formulierung "Wiederherstellung
der Grenzen", was so gedeutet werden könne, daß Washington bei einer
Invasion von Truppen des Warschauer Paktes mit Geländeverlusten rechne.

�rechne.

"Vom logischen Standpunkt", so erwiderte Powell, "bedeutet ein

Angriff auf kurze Sicht einen Geländeverlust,so laß also eine Notwendigkeit besteht, Boden wiederzugewinnen."

Wenn bei einem ersten Angriff

kein Gelände verloren gehe, dann habe seine Formulierung natürlich keine
Bedeutung.

Schon von der Definition her bedeute jedoch der Begriff

Invasion zumindest einen zeitweiligen Geländeverlust.

Die Frage sei

jedoch, ob die amerikanische Regierung eine "Pattsituation" akzeptieren
wolle, die dem Warschauer Pakt Gelände überlassen würde.

"Unsere Antwort

auf eine solche Situation wäre etwas anderes als Worte", so erklärte
Powell.
Der Stellvertretende Sprecher des amerikanischen Außenministeriums,
John Trattner, unterstrich ebenfalls, daß die "amerikanische Politik in
der Vorneverteidigung in ganz Westeuropa besteht." Ebenso wie der
Sprecher des Weißen Hauses hob Trattner hervor, daß sich an dieser seit
langem im Einvernehmen mit den NATO-Verbündeten ausgearbeiteten Politik
insgesamt nichts geändert habe.
Wie Trattner mitteilte, sind die von den Verfassern des Artikels in
der Herald Tribüne dem Sicherheitsberater Präsident Carters, Zbigniew
Brzezinski, zugeschriebenen Äußerungen "unvollständig, unrichtig und beziehen sich nur auf einen Aspekt der Gesamtverteidigungsstrategie, die
im Falle eines Angriffs auf Westeuropa angewandt würde."
Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown bezeichnete die
in dem Artikel dargelegte Verteidigungspolitik als "in völligem Gegensatz"
zu den amerikanischen Plänen stehend.

Er würde niemals einer Politik zu-

stimmen, "die von den Vereinigten Staaten verlangen würde, in Europa einen
Verlust oder eine Niederlage hinzunehmen."
Verteidigungsminister Brown gab vor dem Militärausschuß des amerikanischen Senats eine Stellungnahme ab, die wir in wesentlichen Auszügen
wiedergeben (inoffizielle Niederschrift mit geringfügigen Auslassungen, wo
- 3 -

�wo Worte akustisch unverständlich waren):
Senator Nunn: Herr Minister, ich habe in dieser Angelegenheit nichts
gehört oder gelesen bis in der Zeitung heute morgen... in dem Artikel von
Evans und Novak in der Presse heute morgen.

Ich möchte nicht von der

Annahme ausgehen, daß das seine Richtigkeit habe.

Aber es steht so

diametral und so völlig im Gegensatz zu Ihrer Erklärung, daß ich glaube,
Ihnen einige Fragen dazu stellen zu müssen.

Und ich möchte zitieren.

Und das ist ein Zitat aus dem Artikel, in dem Brzezinski wie folgt
zitiert wird: "Es ist unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen
nicht möglich, in den Vereinigten Staaten eine Unterstützung für die Beschaffung der konventionellen Streitkräfte zu erhalten, die notwendig
wären, um zu gewährleisten, daß die NATO die territoriale Integrität
aufrechterhalten könnte, wenn die Abschreckung versagen sollte.

Wir sollten

deshalb zu einer Strategie des 'Patt' übergehen, das heißt zu einer
Strategie des Zurückfallens, in der die Sowjets der Situation ausgesetzt
wären, sich den politischen Folgen ihrer Aggression stellen zu müssen."
Entspricht dies der Politik der Administration und des Verteidigungsministeriums hinsichtlich der konventionellen Verteidigungsposition der
NATO?
Brown:

Wie Sie bereits angedeutet haben, Herr Vorsitzender, ist dieser

Artikel weder richtig,noch stehen irgendwelche der Zitate im richtigen
Zusammenhang.

Das ist nicht die Politik der Administration.

die Politik des Verteidigungsministeriums.

Es ist nicht

Es ist völlig unvereinbar mit

unseren Plänen, wie sie in unserem Budget und in unseren Erörterungen mit
unseren NATO-Verbündeten zum Ausdruck kommen, die dahin gehen, die Beschaffung von militärischem Gerät für die NATO zu erhöhen, unsere Streitkräfte neu zu gliedern, unsere Fähigkeit zur Vorneverteidigung zu verbessern.

Die Strategie bleibt eine Strategie der Vorneverteidigung.

Die

Frage, was die Unterstützung des Kongresses oder der Parlamente anderer
Länder finden wird, bleibt abzuwarten.

Ich bin bisher über die Reaktionen

unseres Kongresses ermutigt.
Senator Nunn:

�Senator Nunn: ...Ich möchte nochmal aus dem Artikel zitieren, in dem
Brzezinski wie folgt zitiert wird: "Wir sind uns darüber einig, daß es
eine Lücke geben muß zwischen unserer erklärten Strategie und unseren tatsächlichen Fähigkeiten.
nicht bekanntgeben."

Wir können aus politischen Gründen unsere Strategie

Entspricht das Ihrem Verständnis von der Politik

der Administration?
Brown:

Ich habe erklärt, was unsere Strategie ist.

Was unsere Fähig-

keiten anbetrifft, so hängen sie davon ab, wie weit wir in der Lage

sind,

militärisches Gerät zu beschaffen, das darauf abzielt, daß wir unsere
Strategie ausfüllen können.
Senator Nunn: Senator Bartlett und ich haben darauf hingewiesen, daß
zwischen unserer Strategie in der NATO und unseren derzeitigen Fähigkeiten
zur Zeit eine Lücke besteht und daß diese Lücke schon seit einiger Zeit vorhanden ist. Das aber ist etwas ganz anderes, als wenn man sagt, daß wir
eine Politik verfolgen, die diese Lücke beibehält. Und ich darf wohl annehmen, daß Sie dieser Erklärung nicht zustimmen, wenn Sie sagen, daß
Ihre Erklärung dazu in diametralem Gegensatz steht. Ist das eine richtige
Annahme?
Brown:

Das ist sie in der Tat, und ich bin der Meinung, daß sich unsere

Politik voll in unserem Haushaltsvo»anschlag für den Kongreß und unserer
militärischen

Planung in der NATO widerspiegelt.

Senator Nunn:

Ich werde Ihnen ein anderes Zitat aus diesem speziellen

Artikel vorlesen ... (unhörbar) ... "Diese vier Optionen sind gemäß PRM-10
nicht 'geplant', um einen 'entschlossenen konventionellen Angriff des Warschauer Paktes zu stoppen

Wenn die Sowjets an ihrem Angriff festhalten,

ist eine konventionelle Niederlage der amerikanischen und der NATO-Streitkräfte in Mitteleuropa wahrscheinlich.'
nicht leichtfertig verworfen.

Doch werden diese Optionen gewiß

'Viele der nachteiligen politischen

Implikationen' der reduzierten Verteidigungsoptionen (wie beispielsweise eine
- 5 -

�eine unabhängige deutsche Wiederaufrüstung oder - umgekehrt - eine
europäische Anpassung an Moskau) 'könnten wahrscheinlich vermieden werden,
wenn die Vereinigten Staaten weiterhin die derzeitige Strategie öffentlich unterstützten.

Nachteilige Raktionen von Seiten Westeuropas

'könnten erheblich gedämpft werden....wenn die Vereinigten Staaten jede
Art von Erklärungen vermeiden würde, die einen Verlust von NATO-Territorium als akzeptabel erscheinen ließe.'" Gemäß dem Gewicht, das dies
hat, meine ich, daß wir die Frage stellen müssen

ist die Zielrichtung

dieser Serie allgemeiner Erklärungen und Zitate korrekt,insofern sie
für die Administration repräsentativ ist?
Brown:

Herr Vorsitzender, ich finde diese Passage noch schleier-

hafter und verwirrender... und nicht wegen der Art,wie Sie sie verlesen
haben, möchte ich hinzufügen... (Gelächter).
Senator Nunn:
Brown:

Nun, wenn man es als Zitat hat, ist es wichtig...

Sicherlich, ich meine aber, daß es sehr schwer ist zu sagen,

welche Zielrichtung das hat.

Die Verbündeten und wir einigen uns darüber,

welches unsere Strategie sein soll.

Für mich wäre es sehr schwer zu

sagen, daß im Falle eines massiven sowjetischen Angriffs... die Streitkräfte der NATO in der Lage wären, ihren Kampf gänzlich auf der anderen
Seite des Eisernen Vorhangs zu führen.
wenn das der Fall sein sollte.

Ich wäre vielmehr überrascht,

Natürlich besteht keinerlei Absicht zu

einer Aggression., (unhörbar)... keine Verwirrung deswegen.

Wir planen,

zur Führung eines harten konventionellen Krieges imstande zu sein.

Den

Ausgang des Krieges kann jedoch, wie ich meine, niemand voraussagen.
Und ich möchte sagen - wie ich es auch schon früher gesagt habe - daß im
Falle eines massiven Angriffs des Warschauer Pakts auf die NATO, es eine
sehr große... daß die Sowjets mit sehr großer Wahrscheinlichkeit mit der
Möglichkeit rechnen müßten, daß es zu einer Eskalation des Krieges kommt
und er in einem Nuklearkrieg endet... (unhörbar)
Senator Byrd:
- 6 -

�Senator Byrd:

Der Evans und Novak Artikel... würden Sie sagen, daß

er völlig oder daß er nur zum Teil unrichtig ist?
Brown:

In ihm werden einige Mitglieder des Nationalen Sicherheitsrates

richtig beim Namen genannt.

Er enthält falsche Daten, falsche Themen,

falsche Erklärungen... Ich bin jedoch sicher, daß einige Worte darin
richtig sind...
Senator Nunn: ... Das andere, was mich beunruhigt, ist die Tatsache,
daß es eine undichte Stelle im Nationalen Sicherheitsrat geben könnte...
(unhörbar)... Das hat tiefgreifende Auswirkungen... (unhörbar)... daß es
Leute gibt, die Zitate, wie diese, in Umlauf bringen, das ist, so scheint
mir, eine sehr ernste Angelegenheit für unsere nationale Sicherheit.
Brown:

Herr Vorsitzender, sicher hat es eine undichte Stelle gegeben.

Die Tatsache, daß das, was da herausgelangte, die Politik nicht richtig
widerspiegelt, macht es nur umso schlimmer.

Die undichte Stelle wird

darum um nichts weniger... (unhörbar).
Senator Helms: ... (unhörbar)... im Verlauf der Jahre... (unhörbar)...
wurden Presseberichte dementiert, um dann später bestätigt zu werden.
Ich hoffe, daß das diesmal nicht der Fall ist.
Brown: Ich habe keine allgemeinen Erklärungen abgegeben, Senator Helms,
aber es gab in der Tat zu diesem Thema zu den angegebenen Daten keine
Besprechungen. Es sind da einige offensichtliche Unrichtigkeiten
Senator Helms:
waren die Daten?

Das wäre meine erste Frage, Herr Minister, welches

Brown:

�Brown:

Die Daten für diese Besprechungen waren der 7. und 8. Juli...

und tatsächlich gingen die Besprechungen weit über die NATO hinaus...
(unhörbar)... ich glaube, es mag noch eine Besprechung am 11. Juli stattgefunden haben.

Eine Organisation wie den Senior Coordinating Council

gibt es nicht, die Anfangsbuchstaben sind richtig aber die Bezeichnung
ist falsch

(unhörbar)...

Senator Helms: Wissen Sie es wirklich als eine Tatsache, Herr Minister,
daß Brzezinski diese Erklärungen in der Tat nicht abgegeben hat?...
(unhörbar)...
Brown:

Ich habe über solche Besprechungen keine ins Einzelne gehende

Aufzeichnungen.

Daß die Themen zur Sprache kamen, erörtert wurden, das

habe ich, glaube ich, schon gesagt
Frage...(unhörbar)
Falls diese Politik
breitet würde, würden Sie sie dann ablehnen?
Brown:

dem Präsidenten unter-

Ich würde eine Politik nicht befürworten und auch nicht

unterstützen, die von den Vereinigten Staaten fordert, einen Verlust oder
eine Niederlage in Europa hinzunehmen.
Frage: So stimmen Sie mit den Implikationen der Erklärung von Senator
Nunn überein
? Ist das richtig?
Brown:

Ich glaube, es wäre erbärmlich.... Ich glaube, daß eine

Täuschung nicht nur eine erbärmliche Politik wäre, sondern, auch unannehmbar als eine Form der Regierungsführung.

+ + +

- 8-

(Ende der Auszüge)

�Dokumentation
United States Information Service

10. August 1977

22

SONDERBOTSCHAFT PRÄSIDENT CARTERS ZUM DROGENPROBLEM

Washington - (AD) - In einer Sonderbotschaft, die dem amerikanischen
Kongreß am 2. August 1977 zugeleitet wurde, zieht Präsident Carter eine
erste Bilanz der Ergebnisse im Kampf der Vereinigten ctaaten gegen Drogenmißbrauch und internationalen Rauschgifthandel seit seiner Amtsübernahme.
Der Präsident hebt das besondere Engagement seiner Regierung hervor, den
Drogenmißbrauch und die damit zusammenhängenden sozialen, wirtschaftlichen
und gesundheitlichen Probleme anzugehen und alles zu tun, damit die
Produktion von Rauschmitteln eingedämmt wird. Diplomatischen Initiativen
Amerikas in Mexiko, Burma, Thailand und neuderdings auch in Kolumbien
ist eine erhebliche Beschränkung des illegalen Drogenhandels zu verdanken.
Als eine Folge davon gibt es z. B. in vielen amerikanischen Städten kein
reines Heroin mehr; der Heroin-Gehalt der angebotenen Drogen beträgt nur
noch 4,9 Prozent.
Für Drogen, die wie Heroin oder Kokain außerhalb der USA aus Pflanzen
gewonnen werden, stellen laut Präsident Carter die auf diplomatischem Wege
erzielten Vereinbarungen über die Kontrolle von Anbau und Handel den
Schlüssel zu einer erfolgreichen Strategie dar.

Unter diesem Aspekt sind

jetzt einzelne Bundesbehörden wie Außenministerium, Bundesamt für Inter-

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�Internationale Entwicklung (AID), Nachrichtendienst und alle Verbindungsstellen zu internationalen Organisationen gehalten, noch wirksamere Maßnahmen in die Wege zu leiten und bestimmten Prioritäten und Richtlinien
zu folgen.

Der amerikanische Kongreß wird ersucht, Gesetze zu verab-

schieden, die die Verwirklichung der internationalen Konvention über
psychotrope Substanzen ermöglichen.

Durch die Ratifizierung des Vertrages

durch den amerikanischen Senat würden die internationalen Kontrollen über
die Herstellung von Präparaten verbessert, die in der Medizin ihren berechtigten Platz haben, bei mißbräuchlicher Verwendung jedoch viel Schaden anrichten können.
Nachfolgend Auszüge aus der Sonderbotschaft Präsident Carters:
"Drogenmißbrauch ist nach wie vor ein ernstes soziales Problem in
Amerika.

Hunderttausende von Menschen leiden unter ihrer Drogenabhängigkeit.

Vielerorts lebt man wegen der durch Rauschgift verursachten Kriminalität
noch immer gefährlich, und die immensen Profite, die der illegale Drogenhandel bringt, verhelfen dem organisierten Verbrechertum zu noch mehr Macht
und Einfluß. Unter jungen Amerikanern im Alter von 18 bis 24 Jahren sind
Drogen die vierthäufigste Todesursache. ...Die Kosten des Drogenmißbrauchs
in Amerika werden auf mehr als 15 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt.
Unter einigen Minderheitengruppen sind Rauschgiftsucht und die dadurch
verursachten Schäden unverhältnismäßig hoch.
Von Drogenabhängigkeit, die in den letzten Jahren als ein speziell
amerikanisches Problem betrachtet wurde, sind heute Menschen in aller Welt
betroffen. Es darf nicht länger unsere Hauptsorge sein, illegale Drogen
von den Vereinigten Staaten fernzuhalten, sondern wir müssen gemeinsam mit
anderen Nationen dieses weltweite Problem angehen, indem wir Drogenhändler
bekämpfen und unser Wissen und unsere Hilfsquellen mit den anderen teilen,
um Drogenabhängigkeit überall dort, wo sie auftritt, behandeln zu helfen.
Wir müssen realistische Ziele setzen, indem wir in unserem Lande jenen
Drogen die größte Aufmerksamkeit widmen, die die Gesundheit und unsere Mög- 2 -

�Möglichkeiten zur Eindämmung von Verbrechen am stärksten bedrohen. Da
Heroin, Barbiturate und andere Präparate mit sedativer oder hypnotischer
Wirkung für 90 Prozent der Todesfälle durch Drogenmißbrauch verantwortlich
sind, müssen wir uns mit ihnen in erster Linie befassen.
Mein Ziel ist es, in Amerika von Drogenmißbrauch jeglicher Form abzuschrecken - ebenso vom übermäßigen Alkohol- und Tabakgenuß - und den
Schaden auf ein Mindestmaß zu reduzieren, den der Mißbrauch von Drogen
verursacht. Um diese Ziele mit den verfügbaren Hilfsmitteln zu erreichen,
bedarf es wirksamer Maßnahmen und wirksamer Führung. Da die Anstrengungen
seitens der Bundesregierung derzeit auf mehr als 20 verschiedene, teilweise
miteinander konkurrierende Behörden verteilt sind, habe ich meinen Stab
angewiesen, Maßnahmen des Bundes zu koordinieren und eine umfassende
nationale Politik auszuarbeiten. Damit wird auch der seit langem bestehenden
Zersplitterung unserer internationalen Programme, der Unterschiede im
Rechtsvollzug auf dem Drogengebiet sowie in der Behandlung und Rehabilitation,
in der Vorbeugung und bei den über den Verordnungsweg durchgeführten Maßnahmen ein Ende gemacht. Ich werde mich auch in allen Fragen der gegen
den Drogenmißbrauch einzuschlagenden Politik, für die erneut ein Aktionsrat für Drogenmißbrauch zuständig sein soll, von Mitgliedern des Kabinetts
und Leitern wichtiger unabhängiger Behörden beraten lassen und mich um ihre
aktive Mitarbeit bemühen. Mein Stab wird die Funktionen der verschiedenen,
auf diesem Gebiet tätigen Behörden prüfen und mir Empfehlungen zu jedweden
geeigneten organisatorischen Veränderungen vorlegen.
Internationale Zusammenarbeit
Bei gewissen Drogen, die von außerhalb der Vereinigten Staaten angelegten
Pflanzenkulturen stammen, insbesondere bei Heroin und Kokain, sind diplomatische Vereinbarungen gegen Anbau und Handel unerläßlich. Die Türkei einst praktisch die einzige Quelle für das in die USA verbrachte Heroin ist heute als Folge einer solchen Vereinbarung vom illegalen Markt verschwunden. Die enormen Profite, die mit dem illegalen Rauschgifthandel er- 3 -

�erzielt werden, verzerren die Wirtschaft in vielen der kleineren Länder,
verschlimmern die Inflation und schmälern die Steuereinnahmen.

Sie

sind auch eine Wurzel der Korruption und nagen an politischer Stabilität.
Wir müssen eng mit anderen Regierungen zusammenarbeiten, um diese in ihren
Anstrengungen zu unterstützen, dem Anbau von Drogenpflanzen ein Ende zu
machen, und der in bitterer Armut lebenden bäuerlichen Bevölkerung, die
seit Generationen solche Stoffe wie Opium produzierte und verkaufte,
legitime andere Einkommensquellen zu erschließen.
Wir haben in den letzten paar Monaten bemerkenswerte Fortschritte erzielt.

Im Februar erörterte ich mit Präsident Lopez-Portillo von Mexiko

meine tiefe Besorgnis über den illegalen Anbau von Opiumpflanzen in seinem
Lande.

Unter seiner starken Führung wurde das Vernichtungsprogramm intensi-

viert und zeitigt jetzt dramatische Ergebnisse, wodurch die Heroinangebote
in vielen amerikanischen Städten stark zurückgeganger sind. Auch Präsident
Ne Win von Burma und Ministerpräsident Thanin von Thailand haben eine feste
Entschlossenheit gezeigt, den Anbau von Drogenpflanzen in ihrem Lande und
den Rauschgifthandel zu kontrollieren. Und in jüngster Zeit erhielt ich von
Präsident Lopez-Michelsen von Kolumbien bindende Zusagen, daß er beabsichtige, dem Problem des Rauschgifthandels höchste Priorität einzuräumen.
Wir sind dabei, eine Kommission aus Regierungsbeamten beider Länder zu
bilden, die intensivierte Bemühungen koordinieren soll, um mit den einflußreicheren internationalen Händlerringen für Kokain und Marihuana in unseren
beiden Ländern und mit den verheerenden wirtschaftlichen Folgen dieses
Handels fertig zu werden.
Dank dieser Anstrengungen und der Maßnahmen des US-Bundesamtes für
Drcgenüberwachung (Drug Enforcement Administration - DEA) ging in unserem
Lande während der letzten sechs Monate der Reinheitsgrad von Heroin euf
4,9 Prozent zurück - das ist der niedrigste Stand seit vier Jahren.
Aber wir können noch mehr tun:
1.
- 4 -

Ich weise

�1.

Ich weise den Außenminister an, das internationale Rauschmittel-

Kontrollprogramm mit noch mehr Nachdruck zu verfolgen und gegenüber anderen
Regierunnen erneut unseren festen Wunsch zu betonen, Produktion und Handel
mit illegalen Drogen zu beschneiden.
2. Um dies zu erreichen, weise ich den Administrator des US-Bundesamtes für Internationale Entwicklung (AID) an, in seine Entwicklungsprogramme
für Länder, in denen Drogenpflanzen illegal angebaut werden, Maßnahmen einzubeziehen, mit denen solche Kulturen durch die Arlage anderer Bepflanzungen
ersetzt und neue Einkommensquellen erschlossen werden. Ich erwarte vom
Außenminister, daß er weiterhin mit anderen Behörden und Ministerien,
beispielsweise mit dem Bundesamt für Drogenüberwachung, der Bundeszollbehörde, dem US-LanrS/irtschaftsministerium und dem Nationalen Institut für
Drogenmißbrauch Verbindung hält, um unter Einsatz der speziellen Sachkenntnisse der jeweiligen Benörde das internationale Kontrollprogramm für Suchtstoffe zu unterstützen.
3.

Ich gebe den Angehörigen des Nachrichtendienstes Anweisung, auf

die Sammlung und Analyse von Informationen, die mit dem internationalen
Rauschgifthandel in Zusammenhang stehen, besonderen Wert zu legen.
4. Ich setze mich besonders ein für die Unterstützung der Arbeit des
UN-Fonds zur Kontrolle von Drogenmißbrauch (UNFDAC), der UN-Sichtstoffkommission, des internationalen Gremiums für Suchtstoffkontrolle, der
Weltgesundheitsorganisation sowie anderer Institutionen, die innerhalb der
Vereinten Nationen tätig sind und deren Anstrengungen unterstützen, drogenproduzierenden Länder zu anderen Anbauprodukten zu verhelfen, Maßnahmen zur
Drogenkontrolle zu verbessern und Behandlungsmöglichkeiten zu schaffen.
5.

Die Vertreter der Vereinigten Staaten in den Kreditausschüssen der

Regionalen Entwicklungsbanken und anderen internationalen Finanzinstitutionen
weise ich an, ihre Stimme und ihren Einfluß geltend zu machen, um in
Ländern, die heute gefährliche Drogen produzieren, gut geplante Projekte zur
- 5 -

�zur Landentwicklung und zur Schaffung neuer Einkommensquellen in die Wege
zu leiten und sicherzustellen, daß die Hilfe nicht dazu benutzt wird,
den Anbau von Kulturen wie Schlafmohn und Kokasträuchern zu fördern.
6.

Wegen der Notwendigkeit der Verbesserung der internationalen

Kontrollen über gefährliche Drogen mit legitimer medizinischer Verwendung,
beispielsweise bei Barbituraten und Amphetaminen, richte ich den dringenden
Appell an den Kongreß, Gesetze zur Inkraftsetzung der Konvention über
psychotrope Substanzen zu verabschieden, und ich appelliere dringend an
den Senat, diesen Vertrag umgehend zu ratifizieren.
7.

In meinen Kontakten mit ausländischen Staatsmännern werde ich die

internationale Zusammenarbeit u n t r den Vollzugsbehörden zur Rauschgiftbekämpfung besonders hervorheben, damit Informationen und technische Möglichkeiten allen zugute kommen können.

Ich werde sie ermutigen, Vollzugsbeamte

zu entsenden, damit diese mit uns zusammenarbeiten, um das Durchschleusen
von Rauschgift durch andere Länder zu stoppen.

Diese Art der Zusammenarbeit

hat in Bangkok zwischen französischen, deutschen, britischen, niederländischen, amerikanischen und thailändischen Beamten bereits begonnen.
Ich werde außerdem den internationalen Austausch von Kenntnissen und
Sachverstand in der Behandlung des Komplexes nrogenmißbrauch fördern. Wir
werden besondere Anstrengungen unternehmen, um vor allem mit jenen Nationen,
die schwerwiegende Drogenprobleme haben und mit uns im Bemühen um die
Kontrolle der Rauschgiftquellen und die Verhinderung des Drogenmißbrauchs
zusammenarbeiten, unsere Erfahrungen austauschen. Unser Programm wird
Ausbildungs-, Forschungs- und technische Hilfsprojekte umfassen; zu
letzteren zählt auch die Entsendung amerikanischer Experten als Berater.
Vollzug
Wir müssen energisch unsere Gesetze gegen den Drogenhandel bzw. die
Drogenhändler zur Anwendung bringen, damit die Verlockung großer Profite
- 6 -

�Profite geringer wird als das Risiko des Gefaßtwerdens und der Wahrscheinlichkeit der Verurteilung. Aufgabe der Bundesregierung ist es, von
illegalem Import und dem Handel im großen Stil mit kontrollierten Substanzen abzuschrecken und nach Möglichkeit überhaupt zu verhindern.
Häufig kommen Großfinanziers des illegalen Drogenhandels mit den Drogen
selbst gar nicht in Berührung.

Durch die gemeinsamen Anstrengungen der

verschiedenen, mit diesem Aufgabenkomplex befaßten Behörden werden wir die
Finanzquellen dieser Händler aufs Korn nehmen, aus denen sie die Gelder
beziehen, mit denen das Einschmuggeln von Rauschgift in ein Land unterstützt wird.

Drogenhändler müssen begreifen, daß sie schnelle, sichere

und ernste Bestrafung riskieren. Und unsere Justiz und der Rechstvollzug
müssen entsprechende Mittel an der Hand haben, damit dies keine leere
Drohung bleibt, sondern sich als eine höchst reale Gefahr erweist.
Wir müssen unsere Hilfsquellen klug einsetze, notfalls das StrafSystem
ändern, um uns auf die gefährlichsten Aktionen (und Drogen) zu konzentrieren,
und wir müssen das Justizwesen verbessern.
Marihuana
Marihuana ist weiterhin ein emotionales und kontroverses Problem.

Nach

vier Jahrzehnten haben Bemühungen, seine Anwendung durch strenge Gesetze
zu entmutigen, noch immer keinen Erfolg zu verzeichnen. Mehr als
45 Millionen Amerikaner haben irgendwann einmal Marihuana probiert, und
schätzungsweise 11 Millionen nehmen es regelmäßig.
Strafen für den Besitz einer Droge sollten für den einzelnen nicht
zerstörender sein als die Gefahr, die sich aus dem Genuß der Droge ergibt.
Sofern sie aber schlimmer sind, sollte man sie ändern.

Nirgends kommt

dies deutlicher zum Ausdruck als in den Gesetzen gegen den privaten Besitz
von Marihuana, das für den persönlichen Gebrauch bestimmt ist. Wir können
und sollten auch weiterhin den Gebrauch von Marihuana entmutigen.

Aber

dies kann in einer Weise geschehen, die den Haschischraucher nicht als_
- 7 -

�als Kriminellen brandmarkt.

Bundesstaaten wie Oregon und Kalifornien,

die den Gebrauch von Marihuana nicht mehr strafrechtlich verfolgen, haben
keinen bemerkenswerten Anstieg des Haschischrauchens zu verzeichnen.
Schon vor fünf Jahren kam die Nationale Kommission für Marihuana und
Drogenmißbrauch zu dem Schluß, daß Marihuana entkriminalisiert werden
sollte.

Und ich glaube, es ist an der Zeit, diesen grundlegenden Empfeh-

lungen zu folgen.
Deshalb unterstütze ich Abänderungsanträge für Bundesgesetze, mit denen
für den Besitz von Marihuana bis zu einer Unze (28 Gramm) die strafrechtliche Verfolgung nach Bundesrecht aufgehoben wird.
sierung bedeutet keine Legalisierung.

Diese Entkriminali-

Sie bedeutet nur, daß die Strafen

nach Bundesrecht auf den Besitz reduziert würden und die betreffende Person
nur mit einer Geldbuße anstatt mit einer Strafe nach dem Kriminal recht
belegt würde. Für den Handel mit Marihuana würde jedoch das Bundesstrafrecht in Kraft bleiben; den einzelnen Bundesstaaten stünde es frei, bei
der Behandlung von Marihuana-Rauchern jeweils die Gesetze anzuwenden, die
sie für richtig halten.

+ + +

- 8-

�3
I

I

Wirt/chcift
United States Information Service

22

10. August 1977

KEINE NERVOSITÄT WEGEN DES DOLLAR
von Dr. Walter W. Heller

Dr. Walter Heller, Professor für
Wirtschaftswissenschaft an der Universität von Minnesota, war Vorsitzender der
Haushaltsarbeitsgruppe der Organisation
für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD), Mitglied des
Ausschusses für Internationale Wä'hrungsangelegenheiten des amerikanischen
Finanzministeriums, Präsident der amerikanischen Gesellschaft für Wirtschaftswissenschaft und Berater der Vereinten
Nationen.

Von 1961 bis 1964 war er

Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des
amerikanischen Präsidenten unter den
Präsidenten Kennedy und Johnson.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des "Wall Street Journal"
Copyright (c) 1977, Dow Jones and Company, Inc., alle Rechte vorbehalten
Es ist

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�Es ist heute große Mode, die Hände zu ringen und Schreckensrufe wegen
des "zusammenbrechenden Dollar" und des "gewaltigen amerikanischen Handelsdefizits" auszustoßen.

Ist das angebracht?

Und was sollten wir in dieser

Sache tun - oder nicht tun?
Ende Juli war der Dollar gegenüber seinem Höchststand im Januar (im
Vergleich zu den Währungen unserer zehn wichtigsten Handelspartner) um
fast drei Prozent gefallen.

Zwei Drittel dieses Verlustes traten im Juli

auf.
Bevor man zu dem Schluß kommt, daß dies die "Integritvt des Dollar"
gefährde, sollte man doch folgende Überlegungen anstellen:
- Der Dollar ist heute stärker als vor einem Jahr.
- Er ging von seinem Höchststand im Jahre 1977 hauptsächlich wegen
eines zehnprozentigen Anstiegs des Yen und eines vierprozentigen Anstiegs
der Deutschen Mark gegenüber dem Dollar zurück. Aber das war genau das
richtige. Es wird dazu beitragen, die gewaltigen Handelsüberschüsse abzubauen, die Japan und die Bundesrepublik Deutschland weiterhin zu verzeichnen haben.
- Der leichte Rückgang des Dollarwertes war keineswegs das Ergebnis
einer großen Bärenhatz beunruhigter privater Händler, sondern eine direkte
Reaktion auf die Einladung von Finanzminister Michael Blumenthal, den Yen
und die DM vor allem gegen den Dollar floaten zu lassen.
- Es besteht kein Anlaß zu glauben, daß die Abwärtsbewegung des Dollar
sich sehr weit fortsetzen würde oder daß irgend etwas in der Art einer
früheren "Währungskrise" bevorstehe.
- Obwohl

- 2 -

�- Obwohl die Schwächung des Dollar einen unangenehmen Beigeschmack hat,
so steht auf der anderen Seite der Medaille eine "Stärkung unserer Handelsposition".

Je weniger Yen, DM, Franken usw. man braucht, um einen Dollar

zu kaufen, desto billiger werden amerikanische Exporte für ausländische
Käufer.

Die daraus resultierende Aufwärtsbewegung der Exporte gibt unserer

Handelsbilanz und unserem Bruttosozialprodukt einen gewissen Aufschwung.
Da ein Dollar jetzt etwas weniger Yen, DM usw. kaufen kann, werden die
Importe ein wenig teurer.

Auch das hilft unserer Handelsbilanz.

Es

trägt auch ein bißchen zur Inflation bei, und jedes kleine bißchen tut weh.
Aber per saldo wird der leichte Abfall im Wert des Dollar der amerikanischen
Wirtschaft mehr nützen als schaden.
Aber wie sieht es mit der Auswirkung im Ausland aus?

Wird nicht der

Wertanstieg der DM und des Yen die Expansion der deutschen und der japanischen
Wirtschaft verlangsamen, indem die Exportnachfrage nach ihren Erzeugnissen
verringert wird?

D-\a. Antwort ist, Ja, aber nur wenn diese beiden Länder

keine ausgleichenden Schritte unternehmen - durch eine etwas expansivere
Fiskal- und Währungspolitik - um die Lücke auszufüllen.

Aha, wird man

sagen, dann exportieren wir also die Inflation in diese Länder?

Keineswegs!

Ihr Wiederaufschwung hängt so weit hinter den Erwartungen zurück, daß
sie beide einen großen Rückstand auf ihren Arbeits- und Produktionsmärkten
haben.

Die Organisation r ür "nrtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

(OECD) hat sich in ihrem Mittjahresbericht an die Mitgliedstaaten außer
den Vereinigten Staaten gewandt und die nachhinkenden Länder aufgefordert,
fiskalische und währungspolitische Anreize zu benutzen, um ihren "bescheidenen
und zögernden Wiederaufschwung" zu verstärken, und ihnen erklärt, daß
dies "ohne eine Verschlimmerung der Aussichten für die Inflation" getan
werden könne.
Das deutet auf eine vernünftige Doppel Strategie vor allem für die Bundesrepublik Deutschland und Japan hin: Erstens höhere Bewertung ihrer Währungen,
- 3 -

�Währungen, um ihre gewaltigen Überschüsse durch eine Erhöhung der Importpreise im Verhältnis zu den Exportpreisen abzubauen, und zweitens,
flankierende Maßnahmen zur Steigerung der Nachfrage im eigenen Lande, um
die höheren Importkosten aufzufangen und die Binnenproduktion zu steigern.
Aber wird die Erosion des Dollar nicht die OPEC-Potentaten in Versuchung führen, ihre "Kaufkraft" durch eine Erhöhung der öl preise zu
erhalten?

Vielleicht.

Aber es scheint doch ein wenig weit hergeholt

zu glauben, daß ein geringfügiges Nachgeben des Dollar, das dessen Wert
noch immer über dem vor einem Jahr erhält, ein entscheidender Grund - ja
selbst eine plausible Entschuldigung - für eine solche Maßnahme wäre.
Aber wie sieht es mit usnerer sich verschlechternden Handelsbilanz aus?
Hat der Londoner Economist recht, wenn er behauptet, daß "die frühere
Haltung der Carter-Administration, ihr Handelsdefizit einfach zu ignorieren,
richtig ist"?

Die Zahlen sind groß genug, daß man Bedenken bekommt.

Unser Warenhandelsdefizit im ersten Halbjahr 1977 belief sich auf einer
Jahresrate von 25 Milliarden Dollar, ein gewaltiger und unerwarteter Umschwung von einem Überschuß von 11 Milliarden Dollar im Jahre 1975 und
einem Defizit von sechs Milliarden Dollar im Jahre 1976.
Die übrige Welt begrüßt unser großes Handelsdefizit. Unsere rasch
ansteigenden Importe tragen dazu bei, ihren verzögerten Wirtschaftsaufschwung anzuheizen. Und wer könnte besser den Löwenanteil an dem internationalen Defizit tragen, das irgend jemand verkraften muß, - um den
jährlichen Überschuß der OPEC von 35 Milliarden Dollar auszugleichen, als
die Vereinigten Staaten - die stärkste Volkswirtschaft und der größte ölverbraucher der Welt.
Auf der binnenwirtschaftlichen Seite sind drei relevante Tatsachen
recht tröstlich:
- Erstens,

- 4 -

�- Erstens, es wird uns nicht schwerfallen das Defizit zu finanzieren.
Etwa zwei Fünftel davon werden durch Erträge aus unseren Auslandsinvestitionen und anderen Dienstleistungen abgedeckt.

Und solange die ameri-

kanische Wirtschaft stark und wettbewerbsfähig bleibt, wird der Rest des
Defizits auf laufenden Konten von vielleicht 15 Milliarden Dollar ohne
weiteres durch den Zustrom von ausländischen Investitionen finanziert, die
in Amerika eine sichere Anlage und gesunde Erträge suchen.
- Zweitens, wenn wir unsere Erdölimporte abziehen - die sich im ersten
Halbjahr 1977 auf eine Rate von 38 Milliarden Dollar beliefen - dann
könnten wir in diesem Zeitraum einen Handelsüberschuß mit einer Jahresrate
von 13 Milliarden Dollar aufweisen.
- Drittens, wenn der wirtschaftliche Aufschwung in den Vereinigten
Staaten nicht mit dem anderer Industriestaaten "außer Tritt" wäre, dann
würde ein Großteil unseres Handelsdefizits verschwinden. Hier ist tatsächlich der Fall eingetreten, daß "alle den falschen Tritt haben, außer
uns". Weil ihr Wiederaufschwung hinter dem unsrigen - und hinter ihren
eigenen Zielsetzungen auf der Londoner Gipfelkonferenz - zurückhängt,
kaufen andere Länder weniger von uns, als sie sollten, während wir in
einem raschen Tempo Importe von ihnen aufnehmen.
Während diese Überlegungen verdeutlichen, daß kein Anlaß besteht, irgendeinen Alarmknopf zu drücken, so liegt doch auf der Hand, daß wir unseren
Anteil an der Arbeit zu leisten haben.
Erstens und vordringlich müssen wir ein hartes Energieprogramm in
Gang bekommen, um den Energieverbrauch einzudämmen, die Produktion im
eigenen Lande anzukurbeln und unser Oldefizit abzubauen.

Solange wir das

nicht tun, wird unser extravaganter Ölverbrauch unser verwundbarster
Punkt in den Beziehungenzu unseren Handelspartnern bleiben.
Zweitens,

�Zweitens, wir müssen sie weiterhin an ihrem verwundbarsten Punkt,
nämlich dem stagnierenden Wiederaufschwung packen.

Um den Wiederauf-

schwung wieder in die Harmonie zu bekommen, dürfen wir, das hat die Erfahrung gezeigt, nicht unseren eigenen verlangsamen, sondern sie müssen
den ihrigen beschleunigen.

Nicht daß wir unseren Anteil an dem Zahlungs-

bilanzdefizit abschütteln sollten, den die Welt tragen muß, um den Überschuß der OPEC auf laufenden Konten in diesem Jahr von insgesamt
40 Milliarden Dollar auszugleichen, aber andere müssen anfangen, ihren
eigenen fairen Anteil zu tragen.
Das soll nicht heißen, daß der Teil unseres Handelsproblems, der
nichts mit öl zu tun hat, einfach als zyklisches Phänomen abgetan werden
könnte.

Unsere Nichtbrennstoff-Importe sind in den letzten zwei Jahren

real um 50 Prozent hochgeschnellt.

Dagegen stagnieren die Exporte

amerikanischer Hersteller seit über einem Jahr.
Es ist richtig, daß die amerikanischen Einfuhren sich traditionell
auf Verbrauchsgüter konzentrieren,und der Wiederaufschwung hat den
Verbrauch stark in die Höhe getrieben. Und da amerikanische Exporte sich
auf Kapitalgüter konzentrieren, ist es auch nicht überraschend, daß sie
unter der doppelten Dosis des langsamen Wachstums im Ausland und einer
weltweiten Stagnation in der Kapitalbildung leiden. Und so hat in der
Tat der Wirtschaftsbeirat (des Präsidenten) in seinen Aussagen vor dem
Haushaltsausschusses des Repräsentantenhauses Anfang Juli dargelegt, daß
mit Ausnahme von zwei außergewöhnlich hohen Quartalen im Jahre 1975 der
amerikanische Anteil am Weltexport von Fertigwaren "in den letzten drei
oder vier Jahren in etwa konstant geblieben ist".
Aber das Handelsministerium, das das Handelsdefizit regional und nach
Warengattungen genauer untersucht und das protektionistisehen Forderungen,
die aus spezifischen Importsteigerungen erwachsen, direkter ausgesetzt ist,
äußert sich etwas beunruhigter. Trotz klarer Hinweise, daß amerikanische
Löhne und Arbeitskosten in den letzten zehn oder zwölf Jahren weniger rasch
- 6 -

�rasch gestiegen sind

als die aller unserer großen Handelspartner, haben

sich einige Vertreter des Handelsministeriums laut Sorgen gemacht, daß
sich unser wachsendes Handelsdefizit in einem gewissen Verlust an
Wettbewerbsfähigkeit ausdrücken und protektionistische Gefühle stärken
könnte.
Das führt uns zu dem dritten großen Gebiet der Reaktion der amerikanischen
Politik auf Dollarschwäche und Handelsdefizite, nämlich die verdoppelten Anstrengungen, um die amerikanische Wirtschaft wettbewerbsfähig, expandierend
und offen zu erhalten. Das zeigt zusätzliche Maßnahmen der Wirtschaftspolitik auf, die wir tun dürfen und die wir nicht tun dürfen.
Wir dürfen nicht protektionistisch werden. Das würde nur die Kosten
und Preise im eigenen Lande in die Höhe treiben, zur Vergeltung im Ausland
einladen und die ganze Weltwirtschaft weniger leistungsfähig machen.
Wir dürfen nicht die Zinssätze in die Höhe treiben. Knapperes Geld
und höhere Zinssätze wären genau die falsche Reaktion auf unser Handelsdefizit und einen schwächeren Dollar. Es würde die Kapital ausgaben abschrekken, die uns helfen, die Kosten zu senken, die Produktivität zu steigern und
die Kapazität auszuweiten - all das, was unsere Außenhandelsposition stärkt.
Es würde die Expansion in den USA verlangsamen und damit die Attraktivität
für ausländische Investoren verringern. Und es würde andere Länder in die
Versuchung führen, ihre Zinssätze ebenfalls zu erhöhen. Ganz sicher brauchen
wir die unsrigen nicht in die Höhe zu treiben, um ausländisches Kapital
anzuziehen. Die amerikanische Wirtschaft als die sicherste und stärkste
wirtschaftliche Bastion der Welt zieht große Mengen ausländischer Mittel
in Bankkonten, Wertpapiermärkten und Immobilien an.
Wir müssen kostensenkende und kapazitätsausweitende Investitionen sowohl durch Steuerreform als auch durch monetär-fiskalische Maßnahmen stimulieren, die ein anhaltendes Wachstum und eine anhaltende Nachfrage gewährleisten, um die wachsende Produktion aufzunehmen.
- 7 -

Wie der Mittjahres-

�Mitjahresbericht der OECD aufzeigt, werden expansive fiskalisch-monetäre
Maßnahmen dazu beitragen, "einen Anreiz für kapital ausweitende Investitionen
zu bieten" und auch einen stärkeren Wiederaufschwung herbeiführen und
dabei mithelfen, die Arbeitskosten pro Einheit im Griff zu halten und die
Gewinnspannen zu erhöhen.
Wir müssen die Kosten-Preis-Inflation aggressiver bekämpfen.

Das

erfordert solche Maßnahmen wie Deregulierung, das Aufspüren von Engpässen,
den Aufbau von Ausgleichsvorräten, die Offenhaltung der Wirtschaft für
die belebende Brise der ausländischen Konkurrenz und eine sorgfältige
Bereinigung der eigenen inflationären Untaten und Vergehen der Regierung.
Aber darüber hinaus muß das Weiße Haus effektivere Wege suchen, um das Big
Business und Big Labor (die großen Gewerkschaften) von dem Lohn-PreisKarussill herunterzubekommen, das einen fünf- bis sechsprozentigen Unterbau
unter die amerikanische Inflationsrate schafft.

Ein schärferer Angriff

auf die Inflation von der Kosten- und Angebotsseite ist nicht nur für die
binnenwirtschaftlichen Ziele unseres Landes von lebenswichtiger Bedeutung,
sondern auch für seine internationalen wirtschaftlichen Ziele.
Zusammengefaßt steht es uns schlecht an, unsere kühle Haltung zu verlieren oder eine wohlwollende Selbstzufriedenheit zu praktizieren.
Sicherlich wäre es absolut unpassend, in einem Lande, das in dem wirtschaftlichen Wiederaufschwung der Welt führt und zu den führenden Ländern
bei der Bekämpfung der Inflation gehört, einem Land, das 11 Milliarden Dollar
im Jahr aus seinen Auslandsinvestitionen erlöst und gleichzeitig Oberschußmittel und nervöses Kapital aus allen Ecken der Welt anzieht, jetzt das
große Zittern um den Dollar und das Handelsdefizit zu bekommen und völlig
törichte protektionistische Maßnahmen zu ergreifen oder die Expansion auf
Kosten unserer Handelspartner einzudämmen.
+ + +

�10. August 1977

22

AWACS: DAS FLIEGENDE FRÜHWARN- UND FLIEGERLEITSYSTEM
- Verkauf an den Iran umstritten -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Kongreß und die Carter-Administration sind sich nicht einig über den Verkauf eines hochmodernen und -komplizierten Radarwarn- und Kontroll Systems an den Iran. Im Mittelpunkt dieser
Kontroverse steht AWACS: das fliegende Fr'ühwarn- und Fliegerleitsystem der
amerikanischen Luftstreitkräfte, das mit modernsten Radargeräten und Computern
ausgerüstet ist und Kampfziele von anderen Objekten zu trennen vermag, die
häufig auf den herkömmlichen Radarschirmen Verwirrung stiften. Neben dem Iran
erwägt auch die NATO die Anschaffung von etwa 20 AWACS, die zusammen mit der
britischen NIMROD ein effektives NATO-Frühwarnsystem bieten sollen.
Was ist nun AWACS?
Das Kernstück dieses Systems ist die E-3A, eine modifizierte Boeing 707,
die mit einer 10 Meter großen rotierenden Radarscheibe auf dem Flugzeugrumpf
versehen und mit zahlreichen komplizierten überwachungs-, Navigations- und
Datenverarbeitungsgeräten ausgerüstet ist.

Um diese Extrabelastung tragen zu

können, wurde die Maschine mit besonderen Strahltriebwerken ausgestattet., Nach

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�Nach den Angaben der amerikanischen Luftstreitkräfte besitzt sie aufgrund
ihrer Ausrüstung die Fähigkeit, "in niedrigen Höhen operierende gegnerische
Kräfte über jedem Terrain aufzuspüren und zu verfolgen und gleichzeitig befreundete Maschinen, die im selben Raum operieren, genau zu identifizieren."
Durch ihre große Beweglichkeit könne die E-3A bei militärischen Aktionen der
unterschiedlichsten Intensität eingesetzt werden.

In Friedenszeiten, so er-

klärten die US-Luftstreitkräfte weiter, könne AWACS eine entscheidende Rolle
bei der Aufrechterhaltung einer echten Abschreckung spielen, indem gegnerische
Flugzeuge und notfalls auch die Bewegung von Überwasserschiffen überwacht werden können.

Gleichzeitig werde die Ausbildung der eigenen taktischen und

Luftverteidigungsstreitkräfte gefördert.
Der Verkauf dieses Systems an den Iran ist nun im amerikanischen Kongreß
auf wachsenden Widerstand gestoßen, der in erster Linie von den Mitgliedern
ausgeht, die sich Sorge um die nationale Sicherheit sowie über die Rolle des
Kongresses in der Außenpolitik machen.
Die Regierung des Iran entschied sich für das fliegende Frühwarn- und
Fliegerleitsystem (AWACS) für den Ausbau des iranischen Verteidigungspotentials,
nachdem eine entsprechende Studie ergeben hatte, daß der Aufbau eines BodenRadarsystems zu kostspielig sein würde.
Seit Jahren hatte die iranische Regierung mit technischer Unterstützung
durch die USA an einem Plan für ein nationales Frühwarn- und Leitsystem gearbeitet, der sich auf ein ausgedehntes Netz von weitreichenden Boden-Radarstationen stützte. Um eine Radarüberwachung des gesamten Landes zu gewährleisten,
wäre dazu die Errichtung von hochgelegenen Radarstationen in unbewohnten und
praktisch unzugänglichen Gebieten des Iran notwendig gewesen.
Der Nachteil eines solchen Systems bestand nach einer vom amerikanischen
Außenministerium veröffentlichten Studie darin, daß sich aufgrund des zerklüfteten Berggeländes und der ungewöhnlichen Temperaturschwankungen im Gebiet
- 2 -

�Gebiet des persischen Golfes ernsthafte Stör- und Ablenkungsprobleme für
die Radarstrahlen ergaben.
Bei diesen Ablenkungen handelt es sich um eine durch bergiges Gelände
verursachte Streuung der Radarstrahlen und um die thermischen Effekte der
Luftströmungen im persischen Golf, die ebenfalls eine Verzerrung der Radarsignale bewirken«
Außer den ungewöhnlich hohen Kosten ergaben sich für das Boden-Radarsystem noch erhebliche technische Probleme und Schwierigkeiten für die Logistik.
Faktisch wären die Gesamtkosten nach Schätzungen der Regierung des Iran
durch die notwendige Erschließung der kaum bevölkerten Gebiete und den Bau
von Verbindungswegen zu den einzelnen Radarstationen für die zehnjährige
Entwicklungs- und Bauperiode mit mehr als 15 Milliarden Dollar anzusetzen
gewesen.
Ein weiterer erschwerender Faktor für die Durchführung des Projekts
war die Notwendigkeit, eine große Zahl ausgebildetes Personal verfügbar zu
machen - etwa 6500 an Radarstationen ausgebildete Techniker und mehr als
20 000 Mann ohne eigentliche technische Ausbildung wären notwendig gewesen
- wozu noch das Bodenpersonal der amerikanischen Kontraktfirmen gekommen
wäre.
Aus diesen Erwägungen steuerte die iranische Regierung ein kostenwirksameres Konzept für die Luftverteidigung des Landes an, das eine Kombination
von Boden-Radarstationen - die auch für die Leitung des Luftverkehrs notwendig sind - und von E-3A-Boeing-Flugzeugen - das fliegende Frühwarn- und
Fliegerleitsystem (AWACS) - darstellen würde. Dieses würde den für die
Luftverteidigung gestellten Ansprüchen gewachsen sein. Nach Auffassung des
amerikanischen Verteidigungsministeriums würden etwa 9 AWACS im Zusammenwirken mit etwa 20 Radar-Bodenstationen des derzeitigen Typs den im Iran ge- 3 -

�gestellten Anforderungen genügen.
Der Iran ersuchten daraufhin Präsident Ford um die Lieferung von 10
AWACS.

Die Entscheidung über dieses Ersuchen blieb bis zum Amtsantritt

Präsident Carters offen.

Die Administration Carters billigte dann den Ver-

kauf von sieben AWACS-Systemen, eine Zahl, die nach Ansicht des amerikanischen Außenministeriums gerade ausreichend wäre, um eine Reduzierung des
Bodenradarnetzes zu ermöglichen und dennoch ein wirksames Luftverteidigungssystem aufzubauen, das eine ausreichende Vorwarnzeit gewährleisten würde.
Die Kosten für die 7 AWACS mit Ersatzteilen und Wartungsdienst belaufen sich nach Angaben des amerikanischen Außenministeriums auf 1,2 Milliarden Dollar. Mit den dazugehörigen Radar-Bodenstationen und der Einrichtung
von 10 - 20 weiteren Radaranlagen würde sich das kombinierte Luftkontrollund Verteidigungssystem auf etwa 3 Milliarden Dollar belaufen. Bei diesem
Projekt ließe sich der Personal aufwand auf 3000 technische Spezialisten und
knapp 7000 Mann zusätzliches Personal reduzieren.
Der Leiter des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr (CIA), Admiral
Stansfield Turner, meldete jedoch Bedenken an

und wies auf die Risiken hin,

die entstehen könnten, wenn die an den Iran angrenzende Sowjetunion in den
Besitz der elektronischen Ausrüstung von AWACS gelangte..
Ein Ausschuß des Repräsentantenhauses befürwortete dann mit knapper Mehrheit eine Resolution, die den Verkauf des Frühwarnsystems blockiert hätte.
Präsident Carter vermied daraufhin eine Konfrontation mit dem Kongreß,

indem

er seinen Vorschlag für den Verkauf von AWACS an den Iran bis zum September
hinausschob.

Nach Mitteilung der amerikanischen Regierung will Präsident

Carter seinen Vorschlag - allerdings mit gewissen Änderungen und Auflagen für
den Iran - dem Kongreß gleich nach der Sommerpause erneut unterbreiten.

+ + + + +

- 4 -

�1

Wi/zen/chaft
und Technik

I

United States Information Service

10. August 1977

22

KONTINUIERLICHE LUFT-OBERWACHUNG MIT LASER

- (AD) - Chemiker am Massachusetts Institute of Technology (MIT)
in Boston haben ein zuverlässiges Verfahren zur kontinuierlichen Überwachung von Luftverunreinigung entwickelt, das selbst extrem niedrige
Konzentrationen erfaßt. Das neue System LOLA (Abkürzung für "Long Path
Laser Absorption" - Langstrecken-Laserabsorption) eignet sich besonders
gut für die Beobachtung der Ansammlung toxischer Substanzen in hermetisch
abgeschlossenen Räumen, beispielsweise in einem U-Boot oder in einem Raumschiff, sowie zur Registrierung von Schadstoff-Konzentrationen in Werkshallen oder auch in der nächsten Umgebung von Industriebetrieben. Es
meldet Verunreinigungen bereits bei Konzentrationen, die weit unter den
Werten liegen, die vom Ausschuß für Toxikologie der amerikanischen
Nationalen Akademie der Wissenschaften und vom Nationalen Forschungsrat
als gesundheitsschädlich ermittelt wurden.
Das System LOLA arbeitet nach folgendem Prinzip: Von einem geeigneten
Laser, beispielsweise einem Kohlendioxid-Laser, wird ein Lichtstrahl über
eine 10 m lange Strecke geschickt.

Bei jeder der 52 Irequenzen, die

der Laser erzeugen kann, wird sorgfältig gemessen, wieviel Lichtenergie
entlang des Weges durch die Luft absorbiert wurde.

Zusammen mit den be-

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�bekannten Absorptionsmerkmalen des Schmutzstoffes ergeben die Meßwerte
den jeweiligen Wert für dessen Konzentration.
LOLA hat eine Reihe wichtiger Vorteile gegenüber anderen Verfahren
der Luftüberwachung.

Es ist empfindlich, zuverlässig und schnell, und

die Ausrüstung hat nur wenig Gewicht.

Alle 5 bis 10 Minuten können ganz

Gruppen von Verunreinigungsstoffen durchgemessen werden, und Angaben über
bestimmte Verunreinigungen sind sogar zweimal pro Minute zu erzielen.
Wissenschaftler des MIT messen mit diesem Verfahren z. B. die Konzentrationen
von Vinylchlorid, für das, da es Krebs verursachen kann, der Ausschuß für
Toxikologie extrem niedrige Maximalkonzentration festgesetzt hat.

Bei der

Erprobung des LOLA-Verfahrens in Industriebetrieben zeigte sich, daß in
Werkshallen die Absorptionsstrecke auf 100 m verlängert werden kann, ohne daß
die Empfindlichkeit beeinträchtigt wird, um das Vorhandensein von Vinylchlorid in Konzentrationen auch unterhalb der Gefahrenschwelle anzuzeigen.
Luftverunreinigungen in U-Booten oder Raumschiffen können z. B. als Folge
biologischer Prozesse oder auch dadurch verursacht werden, daß durch
irgendwelche undichten Stellen an Leitungen oder Tanks Flüssigkeiten
aussickern und daß in Feststoffen gebundene Gase langsam freigesetzt
werden. Manche dieser Substanzen schaden normalerweise überhaupt nicht,
können aber in höherer Konzentration gefährlich werden. Ein Beispiel:
Bei dem 84-Tage-Flug der letzten SKYLAB-Gruppe, der im Februar 1974 zu Ende
ging, hatten sich im Holzkohlefilter an Bord 80 verschiedene Substanzen aus
der Kabinenluft angesammelt. Aber es gab während des Fluges keinerlei
Hinweise auf ihre Konzentration. Die Astronauten wären nicht gewarnt worden,
wenn ihnen die eine oder andere Substanz wegen Überschreitung eines "Schwellenwertes" gefährlich geworden wäre.

+ + +

�</text>
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