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                  <text>1

Information
und

I

RH

3

United States Information Service

21

3. August 1977

INHALT

WIRTSCHAFT
Blumenthal: US-Wirtschaft ist stark, gesund und expandierend
Burns unterstreicht Notwendigkeit für starken Dollar
Das amerikanische Handelsdefizit und der Dollar
von Dr. Robert Solomon, Brookings Institution
US-Wirtschaftsberater zeigt Ziele der amerikanischen Wirtschaftspolitik
auf
- Rede von Charles L. Schultze am 16. Juni in Bonn WISSENSCHAFT &amp; TECHNIK
Konsequenzen verstärkter Kohlendioxid-Emission
US-Wissenschaftler befürchten einschneidende Klimaveränderungen
Benzol als eine Leukämieursache
Neue Theorie zur Ursache des Mongolismus

Um Ubef/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Wift/chatt
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3. August 1977

21

BLUMENTHAL: US-WIRTSCHAFT IST STARK, GESUND UND EXPANDIEREND

Louisville, Kentucky - (AD) - Der amerikanische Finanzminister W.
Michael Blumenthal hat sich am 28. Juli vor der Handelskammer in Louisville
im Staate Kentucky optimistisch über die weitere Entwicklung der Wirtschaft der Vereinigten Staaten ausgesprochen, die er als stark, gesund und
expandierend bezeichnete.

Blumenthal, der zuvo:* die amerikanischen Gold-

reserven in Fort Knox besichtigt hatte, räumte ein, daß etwas gegen das
Handelsdefizit der USA getan werden müsse, und forderte vor allem erneut
einen sparsamen Umgang mit Energie, um die Erdöl einfuhren zu drosseln.
Der amerikanische Finanzminister führte im wesentlichen aus: "Ich
hoffe, Sie werden mir verzeihen, wenn ich noch ein bißchen geblendet bin.
Ich habe gerade eben die Goldvorrä'te der Nation in Fort Knox inspiziert.
Als erstes kann ich Ihnen versichern: Sie sind noch da. Wenn es Sie
tröstet, dann denken Sie daran, was sie für mich, den Mann der rechtlich
für die Sicherheit dieser Vorräte verantwortlich ist, bedeuten.
Zweitens,

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�Zweitens, sie sind prächtig und eindrucksvoll.

Aber ich konnte mir

nicht helfen, ich mußte immer iaran denken, daß dieser große Berg von Gold
ein Denkmal einer vergangenen Ära in der Währungspolitik und im wirtschaftlichen Denken ist.
Heute spielt dieses Gold überhaupt keine Rolle mehr in der amerikanischen
Binnenwährungspolitik - und praktisch alle Länder der Welt sind sich darin
einig, die Rolle des Goldes im internationalen Währungssystem abzubauen.
In den alten Tagen der Sachdeckung der Währung glaubten die Menschen,
die Stärke einer Währung hänge von den Goldvorräten oder anderen
Deckungsvorräten eines Landes ab.

Heute wissen wir jedoch, daß der Wert

unserer Währung im eigenen Lande und international nicht davon abhängt,
wieviel solcher Metalle wir in Vorrat haben, sondern von unserer grundlegenden wirtschaftlichen Leistung.

Das bedeutet, daß wir uns auf diese

grundlegenden Dinge konzentrieren müssen, um einen starken Dollar zu gewährleisten - und ein starker Dollar ist von wesentlicher Bedeutung nicht
nur für die Vereinigten Staaten, sondern auch für die übrige Welt.

Wenn

ich sage, daß wir uns auf grundlegende Dinge konzentrieren müssen, dann
meine ich, daß der Weg, um die Stärke unserer Währung zu garantieren, der
einzige Weg, um einen starken Dollar zu garantieren - sowohl im eigenen
Lande, wie auf den internationalen Kapitalmärkten - darin besteht, eine
vernünftige Wirtschaftspolitik zu verfolgen, die Inflation im Griff zu
behalten, ein wirksames Programm zur Einsparung von Energie einzuführen
und die Lebenskraft und die Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft zu
steigern.

Die Carter-Administration folgt diesem Weg, und ich bin glücklich,

Ihnen berichten zu können, daß die jüngsten Indikatoren einen anhaltenden
und willkommenen Fortschritt anzeigen.
- Unser Antiinflationsprogramm ist - wenn auch nicht so gut, wie wir
gerne möchten, und ein Hauptanliegen der Regierungspolitik - wesentlich
wirksamer als das der meisten unserer Handelspartner.
- Unsere

�I

- Unsere Wirtschaft wird voraussichtlich im zweiten Halbjahr dieses
Jahres mit einer vernünftigen Rate wachsen, und dieses Wachstum wird
im Jahre 1978 anhalten.
- Die Arbeitslosenrate wurde seit November vorigen Jahres um fast einen
Prozentpunkt gesenkt, und die Zahl der Beschäftigten hat stark zugenommen.
- Die industrielle Produktion hat weiterhin eine starke Zunahme zu
verzeichnen,und die Erträge steigen.

Die Aussichten für feste Geschäfts-

investitionen sind gut, und besonders gut für Investitionen im Wohnungsbau
und in Anlagen.
Natürlich machen wir uns Gedanken über das Anwachsen unseres Handelsdefizits in diesem Jahr, und vor allem über das besonders hohe Defizit
von 2,8 Milliarden Dollar, das wir im Juni dieses Jahres zu verzeichnen
hatten. Selbstverständlich können wir gegenüber solchen Zahlen nicht
indifferent sein, und wir verfolgen die Entwicklung weiterhin sehr sorgfältig.
Aus den Zahlen wird ersichtlich, daß eine Reihe von Faktoren eine Rolle
spielt.

Die bei weitem größte und gefährlichste Ursache unseres über-

quellenden Defizits ist die erhöhte Einfuhr von Energie.

Von den

1,3 Milliarden Dollar, die unsere Einfuhren im Juni gegenüber Mai höher
lagen, wurden allein 800 Millionen Dollar für Energieimporte ausgegeben.
Auf das Jahr umgerechnet, dürfte das Verhältnis etwa das gleiche sein.
Das unterstreicht die große Bedeutung des Energieprogramms und die Notwendigkeit für uns alle, Energie zu sparen und unsere Abhängigkeit von
ausländischem öl zu verringern. Das ist die wichtigste Einzelmaßnahme,
die wir treffen können, um mit unserem Handelsdefizit fertig zu werden.
Abgesehen

- 3 -

�1

Abgesehen von der Energie besteht ein weiterer Grund für die Zunahme
unseres Handelsdefizits ganz einfach in der Tatsache, daß die amerikanische Wirtschaft rascher gewachsen ist als die vieler anderer Länder.
Mehr Wachstum geht immer mit größeren Einfuhren einher. Unsere traditionellen Exportmärkte hinken in der Nachfrage nach unseren Erzeugnissen hinterher, aber das ist nur ein temporärer Zustand, der sich von selbst
korrigieren dürfte, wenn der wirtschaftliche Wiederaufschwung in
der übrigen Welt vorangeht.
Wir können gegenüber einem
bilanz nicht indifferent sein,
anderen Seite dürfen wir nicht
stark, gesund und expandierend

anhaltenden großen Defizit in der Handelsund wir werden es nicht sein. Auf der
vergessen, daß die amerikanische Wirtschaft
ist.

Diese Stärke unserer Wirtschaft ist nicht nur für uns wichtig, sondern
für die ganze Welt. Ich bin optimistisch hinsichtlich der wirtschaftlichen Aussichten unseres Landes, und ich habe keinen Zweifel, daß die
Amerikaner und alle Leute in der Welt Grund haben, auf die Gesundheit unserer
Wirtschaft zu vertrauen.
+ + +

- 4 -

�I

3
3

I

1

Ulirl/chofl
United States Information Service

3. August 1977

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BURNS UNTERSTREICHT NOTWENDIGKEIT FÜR STARKEN DOLLAR

Washington - (AD) - Der Präsident der amerikanischen Bundesbank,
Arthur Burns, hat sich erneut für die Wahrung eines starken Dollars auf
dem internationalen Devisenmarkt eingesetzt.
Vor dem Bankenausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses
erklärte er am 29. Juli, es sei "Pflicht der Regierung, alles zu tun, was
in ihren Kräften steht, um die Integrität des Dollars zu schützen."
Er fügte hinzu, er glaube nicht, daß in dieser Frage Meinungsverschiedenheiten zwischen der Bundesbank und dem Finanzministerium bestünden.
In Presseberichten war in der vergangenen Woche die Rede davon gewesen,
daß es Differenzen zwischen der Bundesbank und dem amerikanischen Finanzministerium

hinsichtlich der Notwendigkeit gegeben habe, die Währung von

Seiten der Regierung her zu schützen.

Das Finanzministerium hatte diese

Berichte schon zuvor mit der Erklärung zurückgewiesen, daß zwischen Burns
und der Regierung keine Meinungsverschiedenheiten über die Währungspolitik
bestünden.

Wörtlich hieß es in dieser Erklärung:

"Wir treten für ein

flexibles Wechselkurssystem ein, in dem der Wert des Dollars im
wesentlichen von der jeweiligen Wirtschafts- und Kapitalmarktlage bestimmt
wird. Dr. Burns hat die Notwendigkeit unterstrichen, die Integrität des

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�des Dollars aus internationalen wie auch aus binnenwirtschaftlichen Gründen
zu schützen.

Um das zu erreichen und den Wert unserer Währung - im Inland wie

im Ausland - zu wahren, müssen wir eine starke, nicht-inflatorische Wirtschaft aufrechterhalten;

dies war und bleibt das Kernstück unserer An-

strengungen."
Als Burns von Ausschußmitgliedern nach der Politik der Bundesbank hinsichtlich einer Intervention auf den Devisenmärkten befragt wurde, erwiderte
er: "Wir verfolgen die Politik,nur im Falle von Marktstörungen zu
intervenieren."

Und er fügte hinzu: "Es gibt hier wohl kaum zwei Leute,

die genau darin übereinstimmen, wie eine Marktstörung zu definieren sei und
woran man genau erkennt, wann eine solche vorliegt.

Ich muß aber sagen:

wenn ich sehe, wie der Dollarkurs gegenüber den Währungen von Ländern
absinkt, deren Volkswirtschaften erwiesenermaßen schwach sind, während der
Dollar im Grunde genommen stark ist, dann frage ich mich, ob dieser Markt
noch ein ungestörter Markt ist.

Bisher hat die Bundesbank nur in ganz

minimalem Ausmaß interveniert und bisher besteht meinerseits auch nicht
die Absicht, diese Politik zu ändern.

Darüber hinaus ist es seit je die

Politik der Bundesbank, auf diesem Gebiet keine Schritte zu unternehmen, es
sei denn, sie genießt hierin die volle Unterstützung des

Finanzministeriums.

Und wir werden von dieser seit langem verfolgten Politik nicht abweichen."
In seiner vorbereiteten Erklärung hatte Burns vor dem Ausschuß folgendes
ausgeführt:
"In den letzten Wochen hat der Dollar, der seit Anfang vergangenen Jahres
eine bemerkenswerte Stabilität gegenüber dem Durchschnitt der ausländischen
Währungen gezeigt hatte, eine begrenzte, doch augenfällige Abwertung erfahren.
Dies kann - und will - niemand in unserer Regierung auf die leichte Schulter
nehmen, weil erstens jede wesentliche Abwertung des Dollars gegenüber
ausländischen Währungen nachteilige Auswirkungen auf das Preisniveau im
eigenen Lande hätte und weil zweitens der Dollar eine wertbeständige
Anlage für den größten Teil der übrigen Welt darstellt. Die Tatsache, daß

�daß der Dollar sogar in Relation zu den Währungen von Ländern schwächer
gev/orden ist, die eine weitaus größere Inflation durchmachen als die
Vereinigten Staaten, ist ein Zei:hen dafür, daß die Psychologie dazu neigt,
die Grundtendenz des Marktes zeitweise vergrößert oder verzerrt zu sehen.
Ein gesunder Dollar ist für unsere Wirtschaft von entscheidender Bedeutung,
und jeder in der Regierung, der größere finanzielle Verantwortung trägt,
ist sich darüber völlig im klaren."
Auf diese Zusammenhänge hatte auch der amerikanische Finanzminister
W. Michael Blumenthal am 28. Juli in einer Ansprache vor der Handelskammer
in Louisville im Staate Kentucky hingewisen, als er erklärte:
"Ein starker Dollar ist von wesentlicher Bedeutung nicht nur für die
Vereinigten Staaten, sondern auch für die übrige Welt... Der Weg, um die
Stärke unserer Währung zu garantieren, der einzige Weg, um einen starken
Dollar zu garantieren - sowohl im eigenen Lande, wie auf den internationalen
Kapitalmärkten - besteht darin, eine vernünftige Wirtschaftspolitik zu
verfolgen, die Inflation im Griff zu behalten, ein wirksames Programm zur
Einsparung von Energie einzuführen und die Lebenskraft und die Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft zu steigern. Die Carter-Administration folgt
diesem Weg
".
+ + +

- 3 -

�Wirt/chaft
United States Information Service

3. August 1977

21

DAS AMERIKANISCHE HANDELSDEFIZIT UND DER DOLLAR
von Dr. Robert Solomon, Brookings Institution

Der heute an der bekannten Brookings
Institution in Washington tätige
amerikanische Wirtschaftsexperte Dr.
Robert Solomon war viele Jahre lang
der leitende Wirtschaftsberater der
amerikanischen Bundesbank (Federal
Reserve System). Ferner hatte er einen
hohen Beraterposten beim Wirtschaftsbeirat
des Präsidenten und gehörte dem
Ausschuß für die Reform des internationalen Währungssystems an.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des JOURNAL OF COMMERCE
Copyright (c) 1977 Twin Coast Newspaper, Inc.

Die Zunahme

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Die Zunahme des amerikanischen Handelsdefizits in diesem Jahr und der
jüngste Kursverfall des Dollars gegenüber einigen Währungen hat Anlaß
zur verwirrten, ja sogar hysterischen Reaktionen, aber bei anderen auch
zu vernünftigen Debatten gegeben.
Die Berichte über die Kurse wurden von Tag zu Tag verwirrender.
Wir haben von einem Tiefstand des Dollars, vor allem in Frankfurt, Tokio
und Zürich gelesen.

Es ist richtig, daß der Dollarwert der Mark, des Yen

und des Schweizer Franken gestiegen ist.
im Mai ist Ende voriger Woche

Verglichen mit dem Durchschnitt

(15./16. Juli) der Dollarwert der DM um

3,6 Prozent, des Yen um 4,6 Prozent und des Schweizer Franken um 4,4 Prozent
gestiegen.

Auf der anderen Seite hat der Dollarwert der Sonderziehungsrechte

(SDR) - ein Korb von 17 Währungen - nur um 0,8 Prozent zugenommen.

Tatsache

ist, daß die DM, der Yen und der Schweizer Franken in den letzten Wochen
gegenüber allen Währungen an Wert zugenommen haben.

Es hätte weniger Ver-

wirrung verursacht, wenn man über die Entwicklungen auf dem Devisenmarkt in
Form der Wertsteigerung von drei Währungen statt des Kursverfalls des Dollars
berichtet hätte.
Keine Wortspielerei
— t
Hier geht es nicht um Wortspielerei.

Es gibt vernünftige wirtschaftliche

Gründe für den Anstieg der Kurse der Bundesrepublik Deutschland, Japans und
der Schweiz. Alle drei Länder verzeichnen einen beträchtlichen Überschuß
in den laufenden Konten ihrer Zahlungsbilanz. In einer Zeit, da die ölimportierenden Länder als Gruppe ein beträchtliches Defizit auf ihren
laufenden Konten haben - das Gegenstück zu den OPEC-Überschüssen von rund
40 Milliarden Dollar im vorigen und in diesem Jahr - haben die anhaltenden
Überschüsse der Bundesrepublik Deutschland, Japans und der Schweiz den
anderen öl importierenden Ländern noch größere Defizite aufgezwungen.
Es war

�Es war die Sorge um diese Fehl Verteilung der Zahlungsbilanzpositionen,
die eine Reihe konservativer und angesehener Amtsträ'ger, darunter der Präsident der amerikanischen Bundesbank, B u m s , und der IWF-Direktor Witteveen,
veranlaßt hat, sich in den letzten Monaten dafür auszusprechen, daß es angebracht wäre, die Wechselkurse der Länder mit starken Zahlungsbilanzpositionen
höher zu bewerten.

Und erst vorige Woche (13.-15. Juli) hat Bundeskanzler

Helmut Schmidt in Washington erklärt, daß er über die Höherbewertung der DM
nicht besorgt sei.
Es ist daher schwer zu verstehen, warum die Kursbewegungen der letzten
Wochen als eine Dollarschwäche herausgestellt und vor allem, warum diese
Kursbewegungen so bedauert wurden.
Langsame Wachstumsrate
Was an der ganzen Diskussion über die Wechselkurse fehlt, ist die Erkenntnis, daß, wenn der Wechselkurs eines Landes höher bewertet wird, diese
Bewegung von Maßnahmen zur Steigerung der Binnennachfrage begleitet werden
muß. Eine Erhöhung der Wechselkurse führt generell dazu, Exporte zu entmutigen und Importe zu ermutigen. Aber diese Reaktionen werden nur auftreten
und sich in der Zahlungsbilanz niederschlagen, wenn die Binnennachfrage des
Landes steigt, um das Potential für höheren Verbrauch oder höhere Investitionen
oder höhere Regierungsausgaben aufzunehmen, das den verringerten Exportüberschuß ausgleichen muß. Eine Währungsaufwertung ohne ergänzende Binnenexpansion könnte einfach zu einer Verlangsamung der ohnehin schon zu langsamen
Wachstumsrate in der Bundesrepublik Deutschland, in Japan und in der Schweiz
führen. Diese langsame Wachstumsrate ist einer der Gründe für das vergrößerte amerikanische Handelsdefizit.
Das amerikanische Handelsdefizit stieg im Jahre 1976 allmählich, um
dann in den ersten Monaten dieses Jahres scharf anzusteigen.

In den vier

Monaten von Januar bis April 1977 belief sich das Defizit auf 10,6 Milliarden
Dollar, verglichen mit 2,8 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Mit den gegenwärtig verfügbaren Daten ist es schwierig, die verschiedenen Einflüsse auf
- 3 -

�auf die amerikanische Handelsposition auseinanderzuhalten.

Ein Faktor

war die scharfe Zunahme der ölimporte während der außergewöhnlich kalten
Wintermonate.

Die Zunahme unseres Defizits gegenüber den öl exportieren-

den Ländern machte rund 45 Prozent der Zunahme unseres Gesamthandelsdefizits in der Zeitspanne von Januar bis April aus - verglichen mit dem
gleichen Zeitraum im Jahre 1976. Seit April haben unsere ölimporte nachgelassen, und da nun das öl aus dem North Slope (Alaska) zu fließen beginnt,
dürften unsere Importe in der nächsten Zeit weniger rasch zunehmen.
Das vergrößerte Handelsdefizit läßt sich jedoch nur zum Teil durch
die höheren ölimporte erklären.

Andere Importe haben zusammen mit Pro-

duktion und Einkommen in den Vereinigten Staaten ebenfalls rasch zugenommen .
Es wird von Beschwerden aus Europa berichtet, daß das größere amerikanische Defizit anderen Ländern nicht helfe. Aber in den ersten vier
Monaten 1977 sind die amerikanischen Importe aus den Ländern der
Europäischen Gemeinschaft um fast 20 Prozent, aus Japan um 18 Prozent und
aus den Entwicklungsländern ohne öl um 33 Prozent gestiegen. Selbst wenn
die letztere Zahl einige bereits raffinierte ölprodukte einschließt, so
sind die Einfuhren aus diesen Ländern doch wesentlich angestiegen.
Daß die amerikanischen Exporte nicht so rasch wachsen konnten wie die
Importe, ist zum Teil auf die Tatsache zurückzuführen, daß die wirtschaftliche Expansion in Westeuropa und Japan erlahmt ist. In Europa ist die
industrielle Produktion in den letzten Monaten sogar zurückgegangen.
In Japan nahm der industrielle Ausstoß von Dezember bis April mit einer
Jahresrate von 5,5 Prozent zu - verglichen mit über sieben Prozent in den
Vereinigten Staaten. Die bisherige rasche Expansion des Bruttosozialprodukts in den Vereinigten Staaten in diesem Jahr hat eine große Aufstockung
von Lagerbeständen, einschließlich ohne Zweifel von importierten Materialien
und Erzeugnissen, n.it sich gebracht.
Verlust
- 4 -

�Verlust der Wettbewerbsfähigkeit
Nichtlandwirtschaftliche amerikanische Exporte sind bei unserem
verhältnismäßigen Vorteil bei Kapitalgütern besonders anfällig gegenüber einer Verlangsamung der wirtschaftlichen Expansion in anderen
Ländern.

Es ist daher ungewiß, wie weit das relativ langsame Wachstum

unserer Exporte das Ergebnis des langsameren Wachstums unserer Auslandsmärkte - im Unterschied zu einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit - ist.
Die Inflation in den Vereinigten Staaten ist geringer als in den meisten
anderen Ländern, aber nicht geringer als in der Bundesrepublik Deutschland,
in Japan und in der Schweiz.

Der amerikanische Anteil an den Gesamt-

importen in die Industrieländer Europas ging im ersten Quartal dieses
Jahres im Vergleich zum Vorjahr etwas zurück (von 8,1 Prozent auf 7,7 Prozent), aber bis jetzt kann noch niemand sagen, ob dies auf eine schwache
Nachfrage nach Kapitalgütern zurückzuführen ist
auf billigere Erzeugnisse von anderswo her.

oder auf ein Ausweichen

Im Falle Japans stieg der

Anteil amerikanischer Erzeugnisse an den Gesamtimporten geringfügig.

Das

Bild ist also noch nicht klar.
Was jedoch klar ist, ist die Tatsache, daß es wenig Sinn hat, sowohl die
Zunahme des amerikanischen Handelsdefizits als auch die Steigerung der
Kurse anderer Länder, vor allem der Bundesrepublik Deutschland und Japans,
zu bejammern.
Wenn es Grund gäbe, über die amerikanische Handeslbilanz besorgt zu
sein - und wie ich oben angedeutet habe, wäre dies ein voreiliger Schluß dann wäre das offensichtliche Heilmittel eine Änderung der Wechselkurse,
öleinsparung und eine niedrigere Inflationsrate, einmal ganz abgesehen vom
Zustand der Handelsbilanz unbedingt wünschenswert, würden zu einem Abbau des
Defizits beitragen.

Im übrigen ermöglicht das gegenwärtige internationale

Währungssystem eine reibungslose Anpassung der Wechselkurse.

Im Gegensatz

zu den sechziger Jahren und dem Beginn der siebziger Jahre kann eine
solche Anpassung der Wechselkurse ohne Trauma erfolgen.
- 5 -

Die Anpassung, die

�die in den letzten Wochen stattgefunden hat, ist nicht grqß. Wenn sie
den Kanzler der Bundesrepublik Deutschland nicht stört, dann braucht sie
auch die Amerikaner nicht zu stören.
+ + +

- 6-

�Ulifl/chofl
United States Information Service

21

3. August 1977

US-WIRTSCHAFTSBERATER ZEIGT ZIELE DER AMERIKANISCHEN
WIRTSCHAFTSPOLITIK AUF
- Rede von Charles L. Schultze am 16. Juni in Bonn -

Bonn - (AD) - Der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates des amerikanischen
Präsidenten, Charles L. Schultze, hat auf einer Veranstaltung in Bonn am
16. Juni 1977 einen umfassenden Überblick über die Probleme und Ziele
der Wirtschaft der Vereinigten Staaten gegeben.

Die vom Sozialwissen-

schaftlichen Forschungsinstitut der Konrad-Adenauer-Stiftung und der
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika gemeinsam veranstaltete
Tagung stand unter dem Thema: "Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten und
der Bundesrepublik Deutschland: Verantwortung und Herausforderung in
einer sich wandelnden Welt".
Die von Schultze gehaltene Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Seit fünf Jahren ungefähr wird die Weltwirtschaft von einer Reihe von
Schocks heimgesucht, die zunächst in der schlimmsten Inflation und unmittelbar darauf in der schlimmsten Rezession der Nachkriegszeit gipfelte.
Weltweite

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�Weltweite Verknappungen einzelner landwirtschaftlicher Produkte,
das Schwinden der amerikanischen Getreidereserven und ein Wandel in
der sowjetischen Agrarpolitik trieben die Nahrungsmittel preise in den
Jahren 1972 und 1973 schlagartig in die Höhe.

Ein gleichzeitiger Boom

in den Industriestaaten kollidierte mit ernsthaften Fehlkapazitäten in
der Rohstoffproduktion.

Dies führte zu spekulativen Aufstockungen der

Lagervorräte und einem scharfen Anstieg der Preise von Rohstoffen
jeglicher Art.

Hinzu kam noch, im Jahre 1974, die Vervierfachung des

ölpreises durch das OPEC-Kartell.

Für die OECD-Länder insgesamt, die

damals bereits unter einer heute zwar bescheiden anmutenden fünfprozentigen Inflationsrate zu leiden hatten, ergab sich aus alledem
zwischen 1973 und 1974 ein sprunghafter Anstieg der Preise um 14 Prozent.
In fast allen Ländern hatte die inflationistische Entwicklung in der
Zeit von 1973 bis 1974 eine ganz erhebliche Rezession zur Folge.
Finanz- und Währungsbehörden überall auf der Welt begannen die Inflation
mit einer Politik des begrenzten Geldvolumens und, das gilt zumindest
für einige Länder, mit einer restriktiven Haushaltspolitik zu bekämpfen.
Die Verbraucher reagierten auf die plötzliche Inflationierung nicht
durch ein beschleunigtes Ausgabengeberen

als ein Mittel, den Wettlauf mit

den Preisen zu gewinnen, sondern hielten sich bei allen Ausgaben stark
zurück: Die Sparquoten stiegen, und die Verbraucherausgaben sanken. Zudem
setzten die OPEC-Länder ihre 80 Milliarden Dollar Mehreinkünfte nicht in
vermehrte Einkäufe bei ihren öl künden um, sondern behielten 1974 Zahlungsbilanzüberschüsse von 70 Milliarden Dollar zurück.

So wurden den ölver-

brauchern 80 Milliarden Dollar an Kaufkraft entzogen.

Nur ein kleiner Teil

der sich hieraus in den Bereichen des Absatzes und der Beschäftigung in der
Verbrauchsgüterindustrie ergebenden Verluste wurde durch Verkäufe und
Lieferungen der Exportindustrien wettgemacht.

Somit erhielten gerade die

Kräfte, die rezessionsfordernd wirken, in allen industrialisierten Ländern
zusätzlichen Auftrieb.

Und schließlich sahen sich die Entwicklungsländer

gerade zu dem Zeitpunkt, als sich die Rezession in den Industriestaaten immer
mehr verschärfte, nicht nur mit höheren öl kosten, sondern auch mit beträchtlichen Markteinbußen ihrer Exportwirtschaft konfrontiert.
Im Verlauf
- 2 -

�Im Verlauf der Rezession ging die Produktion in sechs der sieben
großen Industriestaaten um zehn und mehr Prozent zurück.
losigkeit nahm sprunghaft zu.

Die Arbeits-

Und nach einer geringen zeitlichen Ver-

zögerung ließen in allen Industriestaaten auch die Investitionen in
neue Anlagen und Ausrüstungen stark nach.
Seit 1975 ist eine langsame Erholung und Anpassung der Weltwirtschaft
an diese traumatischen Geschehnisse zu beobachten. Die Erholung und die
Anpassung sind noch längst nicht abgeschlossen und werden, wie ich noch
zeigen werde, auch weiterhin durch die lebhaften Erinnerungen an die
Schocks der anfänglichen 70er Jahre behindert. Die Arbeitslosenzahl beträgt in den OECD-Ländern insgesamt noch immer über 15 Millionen und wird
sich - außer in den Vereinigten Staaten - in diesem Jahr voraussichtlich
nicht mehr einschneidend verringern. Die Inflationsrate lag im Jahre 1976
in diesen Ländern noch immer bei neun Prozent und war in einigen sogar noch
höher. Die Inflationsrate wird in der OECD insgesamt 1977 wohl geringer
ausfallen - aber nicht sehr viel geringer.
Während die Inflations- und Rezessionsschocks der Jahre von 1972 bis
1975 die meisten Industriestaaten mehr oder weniger gleich stark beeinträchtigten, ist das Tempo der inzwischen zu verzeichnenden Erholung oder
Anpassung sehr unterschiedlich.

In Italien, in Großbritannien und in

einigen kleineren OECD-Ländern hat die Inflation kaum nachgelassen.

Die

Notwendigkeit struktureller Anpassungen und Maßnahmen zur Begrenzung der
Inflation behindert dort die Ausweitung der Produktion und der Beschäftigung
ganz erheblich.

Der Preisaufschwung der ersten Phase hat sich in manchen

Ländern vollkommen, ja mehr als vollkommen, in den Löhnen niedergeschlagen,
und die hieraus resultierende Lohn-Preis- und Preis-Lohn-Spirale hat dort
ihren inflationistischen Schwung nahezu ungemäßigt beibehalten.

In Japan

und insbesondere in Deutschland dagegen gelang es, den einleitenden
inflatorisehen Auftrieb rascher zu dämpfen; dort sind die Möglichkeiten
für eine Expansion größer.

In beiden Ländern wird die Erholung jedoch

bis zum heutigen Tage nicht von einer Zunahme des eigenen Verbrauchs oder
der Investitionstätigkeit, sondern von den Ausfuhren beflügelt.
- 3 -

Beide

�Beide Länder haben beträchtliche Überschüsse in ihren Leistungsbilanzen
aufzuweisen - und das trotz des höheren Aufwands für öl.

Deshalb hat

die Expansion ihrer Wirtschaft geringere Auswirkungen hinsichtlich der
Beschleunigung der Erholung der Weltwirtschaft gezeitigt, als andernfalls zu erwarten wären.
In den Vereinigten Staaten hat sich der einleitende inflatorische Preisauftrieb teilweise überhaupt nicht in höheren Löhnen niedergeschlagen.
ergab sich mithin auch keine vollständige Preis-Lohn-Spirale.

Es

Unsere

Gesamtinflationsrate ging vielmehr zurück, als der von den Nahrungsmittel und ölpreisen ausgehende inflatorische Druck nachließ.

Gewisse Auswir-

kungen dieser Spirale sind dennoch auch heute noch spürbar: die Inflationsrate hielt sich in den letzten eineinhalb Jahren hartnäckig bei sechs bis
6,5 Prozent.

In dieser Hinsicht sind wir besser daran, als die meisten

anderen Länder, wenn auch schlechter, als Länder wie Deutschland und die
Schweiz.

Andererseits erwies sich die Erholung in den Bereichen der

Produktion und Beschäftigung in den USA als kräftiger als in vielen
anderen Ländern.

Und, was für die übrige Welt am wichtigsten ist: Diese

Erholung wurde nicht von einer Steigerung der Ausfuhren sondern einer
Zunahme der Binnennachfrage getragen und dürfte auch in naher Zukunft noch
von letzterer getragen werden.

Wir waren in der Tat die "Lokomotive"

für den wirtschaftlichen Aufschwung in den anderen Ländern.
Die Aussichten für eine weitere Erholung und Anpassung sind von
Land zu Land verschieden und lassen sich im begrenzten Rahmen einer solchen
Ansprache nicht katalogisieren und zusammenfassend darstellen. Es gibt
aber meines Erachtens ein gemeinsames Problem, vor das sich alle Länder gestellt sehen, und das geeignet scheint, die Ausweitung der Binnennachfrage
zu behindern. Die Traumata der letzten fünf Jahre haben Unsicherheit verbreitet und lassen vor allem im Denken der Investoren im Bereich der
Wirtschaft und auf den Geldmärkten die Wolken, die die Zukunft ohnehin
umhüllen, besonders undurchdringlich erscheinen.
Nach einer
- 4 -

�Nach einer generationslangen Periode wechselnder Phasen wirtschaftlichen
Wachstums und milder Rezession waren die Wirtschaftsplaner dahin gelangt,
sich auf eine Umwelt stabiler Expansion zu verlassen.

Der Ernst der

Rezession der Jahre 1974 und 1975 hat diesem Vertrauen einen schweren
Schlag versetzt.

Die Erfahrung mit zweistelligen Inflationsraten und deren

beharrlich spürbaren Nachwehen gab Anlaß zu der Befürchtung, daß die
Expansion in der Zukunft durch neue Preisschübe abgewürgt werden wird.
Die Ungewißheit über die künftige Entwicklung der Energiepreise war nur
dazu angetan, dieses Problem zu vertiefen.

Im Verein mit der aktuellen

Tatsache einer geringeren als normalen Ausnutzung der Kapazitäten hat das
Klima wachsender Unsicherheit in so gut wie allen Industriestaaten einen
Rückgang der Investitionstätigkeit bewirkt.
Eine der Hauptaufgaben der Regierungspolitik ist es, die Zuversicht
der Verbraucher und insbesondere auch die der Investoren wiederherzustellen, daß in Zukunft ein stabiles und anhaltendes wirtschaftliches
Wachstum möglich sein wird.

Worte allein vermögen dies nicht.

Es ist

dringend notwendig, daß die Regierungen ihre wirtschafts- und steuerpolitischen Zielsetzungen für die nächsten vier bis fünf Jahre in aller
Ausführlichkeit darlegen und auch klarstellen, wie sie aller Wahrscheinlichkeit nach reagieren werden, wenn sich die Ereignisse nicht wie geplant
entwickeln.

Das ist der erste Schritt zur Schaffung eines Klimas, das eine

zuversichtliche langfristige Investitionsplanung möglich macht.
Lassen Sie mich einige Zeit darauf verwenden, die wirtschaftlichen
Zielsetzungen und die Steuer- und haushaltpolitischen Pläne der Regierung
Carter für die nächsten vier Jahre und die ihnen zugrunde liegende
Strategie kurz zusammenzufassen.
Unsere langfristigen Ziele sind:
- Die Arbeitslosenrate durch allgemeine Maßnahmen zur Wirtschaftsbelebung und gezielte Arbeitsbeschaffungsprogramme bis 1981 auf 4,75 Prozent
zu senken;
- die
- 5 -

�- die Inflationsrate durch spezifische staatliche Maßnahmen und durch
die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Gewerkschaften zum Zwecke der Beseitigung der Preis-Lohn-Spirale zu verringern;
- den Ausgleich des Bundeshaushalts bis 1981 in einer Vollbeschäftigungswirtschaft zu erreichen; und
- den Anteil der Bundesausgaben am Bruttosozialprodukt etwas zu
vermindern.
Um diese Ziele verwirklichen zu können, müßte unsere Wirtschaft von
jetzt bis 1981 mit einer Durchschnittsrate von etwa 5,25 Prozent jährlich
wachsen.

Wir müßten bis dahin nahezu 10 Millionen neue Arbeitsplätze

schaffen.

Wir werden einige harte Entscheidungen treffen müssen, wenn wir

unsere Ziele im gesellschaftlichen Bereich verwirklichen und gleichzeitig
die Gesamtausgaben des Bundes innerhalb der von uns festgelegten Grenzen
halten wollen.

Und wir werden ständig wachsam bleiben müssen, "m erneuten

inflatorisehen Pressionen entgegenzuwirken, die uns drohen, sobald unsere
Wirtschaft zur Vollbeschäftigung zurückfindet.
Es ist natürlich, daß wir Ziel Vorstellungen für die Wirtschaft und
den Staatshaushalt in den kommenden Jahren entwickeln, besteht doch eine
enge Verflechtung zwischen beiden.
Die Rate der wirtschaftlichen Expansion bestimmt den Umfang des Haushalts.

Eine rasch wachsende Wirtschaft läßt die Ausgaben und Einkommen der

Verbraucher und die Investitionen und Profite der Unternehmen rascher
steigen.

Als Folge hiervon tendieren auch die Steuereinkünfte des Bundes

rascher nach oben.

Darüberhinaus bedeutet eine rasch wachsende Volks-

wirtschaft, daß mehr Arbeitsplätze geschaffen werden und daß die Bundesausgaben für die Arbeitslosenversicherung und für andere Maßnahmen zur
Einkommenssicherung sinken.

Umgekehrt kommt es zu einer Verminderung der

Steuereinkünfte und einem Druck auf die Ausgabenseite, sobald die Wirtschaft
langsamer wächst.

Die Haushaltspolitik
- 6 -

�Die Haushaltspolitik der Regierung wiederum beeinflußt das Tempo
des wirtschaftlichen Wachstums.

Steuersenkungen können die Verbraucher-

ausgaben stimulieren und auf diese Weise die Produktion und die Einkommen steigern helfen.

Steigende Bundesausgaben können - sofern sie

klug verwendet werden - mehr Menschen Arbeit und Brot geben und das Wachstum der privaten Wirtschaft fördern.

Steueranreize sind dann am Platze

und wünschenswert, wenn es zu einem größeren Nachlassen der Wirtschaftstätigkeit kommt; sie wirken jedoch inflationär, wenn sie in einer Periode
der Vollbeschäftigung und steigenden Produktion weitergewährt werden.
Unsere Aufgabe bei der Entwicklung der Wirtschafts- und Haushaltspolitik ist es, diese gegenseitige Verflechtung im Auge zu behalten.
Wenn die Privatwirtschaft in den nächsten Jahren stark genug expandiert,
werden die Bundeseinnahmen 1981 groß genug sein, den Haushalt selbst bei
Vollbeschäftigung auszugleichen.

Es ist in der Tat bei einem hohen

Stand der Produktion und der Beschäftigung und einem starken Wachstum
der Privatwirtschaft nicht nur möglich, sondern nötig, für einen Ausgleich
des Bundeshaushaltes Sorge zu tragen.

Ein Haushaltsdefizit würde unter

solchen Umständen die Wirtschaft im Übermaß anregen, die Inflation beschleunigen und eine Verengung der Geldmärkte hervorrufen.
der Verbraucher und der Geschäftswelt würde unterminiert.

Das Vertrauen
Aller Wahrschein-

lichkeit nach hätte eine erhebliche Verschärfung der Inflation schließlich
eine Rezession zur Folge.

Es bestehen alle Aussichten, daß sich das

amerikanische Volk einer langen Periode eines stabilen und anhaltenden Wirtschaftswachstums erfreuen kann - nach traumatischen vier Jahren der Inflation
und ernster Rückschläge.

Wir können es uns nicht leisten, diese Aus-

sichten zu verspielen, indem wir es versäumen, heute schon auf einen
Haushaltsausgleich hin zu planen, wie er für eine Vollbeschäftigungswirtschaft angemessen ist.
Sollte sich umgekehrt das Wachstum der Privatwirtschaft verlangsamen,
werden die Bundeseinkünfte hinter unserer Zielmarke zurückbleiben.

Unter

diesen Umständen wären Steuererhöhungen oder Ausgabenverminderungen _zum
- 7 -

�zum Zwecke des Haushaltsausgleichs bei geringerer Beschäftigung und
niedrigerem Einkommen lediglich dazu angetan, die Privatwirtschaft zu
schwächen.

Es wären in der Tat im Falle eines ernsteren Nachlassens

der Wirtschaftstätigkeit Steuersenkungen oder eine Erhöhung der Haushaltsausgaben für Zwecke der Arbeitsplatzbeschaffung angezeigt.

Unsere Ziele

für die wirtschaftliche Expansion in den nächsten Jahren sind vernünftig und
vorsichtig zugleich.

Sollte die Wirtschaft diese Ziele nicht erreichen,

würden wir gezwungen sein, unsere Haushaltspolitik dahingehend zu ändern,
daß sie eine Rückkehr zur Vollbeschäftigung fördert.
Wie können wir in praxi zu einer Haushalts- und zu einer Wirtschaftspolitik gelangen, die auf diese Beschränkungen Rücksicht nehmen?
Wir beginnen wohl am besten bei der Frage, ob die private Wirtschaft in
den vor uns liegenden Jahren wirklich so stark expandieren wird, daß wir
tatsächlich bis 1981 Vollbeschäftigung und Haushaltsausgleich bewerkstelligen können.
Wir können die Höhe der Einnahmen des Bundes im Jahre 1981 auf der
Basis der derzeitigen Gesetzgebung und der Annahme prognostizieren,
daß die Wirtschaft die gesetzten Produktions- und Beschäftigungsziele
erreicht.

Das Amt für Programm- und Haushaltsplanung erstellt laufend

Ausgabenvorausschätzungen für die Programme des Bundes unter Berücksichtigung aller Programmvorschläge der Regierung.

Ausgehend von der

Annahme, daß die Steuergesetze keine weiteren Veränderungen erfahren,
würden die Einnahmen des Bundes im Jahre 1981 die errechneten Ausgaben um
etwa 25 bis 40 Milliarden übersteigen - je nach Inflationsrate und sonstigen
Annahmen.

Diesen "Spielraum" könnten wir dazu benutzen, Steuersenkungen

vorzunehmen, höhere Aufwendungen auf Dringlichkeitsprogramme zu verwenden
oder eine Mischung aus beiden zu realisieren, und dennoch einen ausgeglichenen
Haushalt vorlegen.

Diese finanziellen Möglichkeiten würden sich noch in

dem Maße erweitern, in dem Leistungssteigerungen und Einsparungen an
bestehenden Programmen weitere Gelder freisetzen.
Wenn das
- 8 -

�Wenn das Ausmaß des Bundeshaushalts einer Vollbeschäftigungswirtschaft bekannt ist, können wir das Gesamtwachstum auf dem nichtstaatlichen
Sektor der Wirtschaft errechnen, das notwendig ist, ein hohes Beschäftigungsniveau zu halten.
Unsere Möglichkeiten zur Vorhersage reichen aber nicht aus, sehr
genaue Vorausberechnungen der Leistungen in den einzelnen Wirtschaftssektoren auf drei und vier Jahre hinaus zu erstellen,

über jene Sektoren,

von denen das dringend erforderliche Wirtschaftswachstum ausgehen muß,
können wir nur generelle Aussagen machen.
Es ist beispielsweise klar, daß die Verlangsamung des Bevölkerungswachstums und der absolute Rückgang der Jahrgänge im Schul alter eine
langsamere Wachstumsrate der Beschäftigung im Bereich jener Dienstleistungen und Versorgungseinrichtungen mit sich bringen werden, für die die
öffentliche Hand aufkommt.

Dort wird das Wachstum aller Wahrscheinlich-

keit nach durch den Widerstand der Bürger gegen höhere Steuern zur
Finanzierung neuer Dienstleistungen noch weiter verlangsamt werden.

Demzu-

folge können wir damit rechnen, daß von der öffentlichen Hand weniger
kräftige Impulse für die Wirtschaft ausgehen werden als in den letzten ein
bis zwei Jahrzehnten.
Ein

vermindertes Bevölkerungswachstum beeinflußt auch die künftige

Entwicklung im Wohnungsbau.

Die Rate der Familienneugründungen und die

Zunahme der Realeinkommen dürften jedoch hoch genug ausfallen, die steigende
Tendenz im Wohnungsbau aufrechtzuerhalten; eine eigentliche Quelle des
Wachstums aber wird der Wohnungsbau nicht mehr sein.
ti

Auch der Außenhandelssektor wird in den nächsten Jahren wahrscheinlich
keine ergiebige Quelle für neue Impulse sein.

Die Erholung der Wirtschaft

dürfte in den anderen Industriestaaten langsamer voranschreiten als in den
Vereinigten Staaten - ein Faktum, das der Ausweitung unserer Exporte Grenzen
setzen wird.

Unsere öl einfuhren werden zudem noch eine Zeitlang weiter- 9 -

�weitersteigen, bis das Energieprogramm die Nachfrage nach Brennstoffen
stärker drosseln wird.

Das beste, was wir realistischerweiser erwarten

können, ist ein sehr bescheidener realer Anstieg unserer Nettoausfuhren.
Die Verbraucherausgaben sind der größte Einzelposten unseres Bruttosozialprodukts.

Gegenwärtig sind die Verbraucher in Kaufstimmung.

Sie

haben aber die überwiegende Zeit während der letzten zehn Jahre hinsichtlich ihres Ausgabegebtrens

sehr große Zurückhaltung geübt - zum Teil

wegen ihrer Besorgnisse bezüglich der Auswirkungen der Inflation auf den
realen Wert ihrer angesammelten Ersparnisse, zum Teil auch wegen der Ungewißheit, die mit scharfen Fluktuationen der Wirtschaft einhergeht. In
diesem Zehnjahreszeitraum bezifferte sich die persönliche Sparrate im
Durchschnitt auf sieben Prozent, das ist ein Prozent mehr als in der
vorausgegangenen Dekade.
Sollte es uns in den nächsten Jahren gelingen, einen Weg des stabilen
Wachstums bei mäßiger Inflation zu gehen, würden die Verbraucher Zuversicht schöpfen und einen vergleichsweise höheren Anteil ihres Einkommens
auf den Erwerb von Waren und Dienstleistungen verwenden. Wir haben für
die nächsten vier Jahre eine durchschnittliche Sparrate von sechs bis
6,5 Prozent einkalkuliert - das sind weniger als im Durchschnitt des letzten
Jahrzehnts, aber mehr als in den letzten beiden Quartalen mit ihren sehr
niedrigen Sätzen. Das wichtigste ist, daß d1"'» Erreichung unserer wirtschaftlichen Wachstumsziele für die nächsten Jahre einen starken und fortgesetzten
Anstieg der Kapitalgüterinvestitionen der Wirtschaft erforderlich macht.
Diese Aufwendungen müßten von heute bis 1981 real um durchschnittlich neun
bis zehn Prozent im Jahr steigen. Eine derartige Steigerung würde auf
der Nachfrageseite den notwendigen Schub erzeugen, um zur Vollbeschäftigung
zu gelangen. Und sie würde, was ebenso wichtig ist, auch die
Ausweitung der Kapazitäten unserer Industrie gewährleisten, die notwendig ist,
Kapazitätsengpässe von morgen zu vermeiden.
Eine

- 10 -

�Eine Wachstumsrate der Kapitalgüteraufwendungen von neun bis zehn
Prozent während der nächsten vier oder fünf Jahre ist ein ehrgeiziges Ziel wenn auch nicht ohne Vorbild. In den Jahren von 1962 bis 1966 stiegen die
Kapitalgüterinvestitionen mit einer durchschnittlichen Jahresrate von über
zehn Prozent und führten die Wirtschaft aus einer Phase der Depression
in eine Phase hoher Beschäftigungs- und Produktionsziffern.
Die Wirtschaftsprognose gibt die Grundlage für unsere Haushaltsplanung für 1978 und die Zeit danach ab. Wir müssen uns in der Haushaltsplanung eine langfristige Perspektive zu eigen machen, weil Entscheidungen
von heute ernste Auswirkungen auf den Bundeshaushalt bis auf fünf Jahre
hinaus zeitigen. So fallen beispielsweise Entscheidungen von heute über
Verteidigungskäufe bei den Haushaltsausgaben in zwei bis fünf Jahren erst
am stärksten ins Gewicht. Entscheidungen über die geplante Wohlfahrtsreform,
die Finanzierung der Sozialversicherung oder eine Steuerreform werden nicht
ohne Rückwirkungen auf die Haushalte der 80er Jahre bleiben. In ähnlicher
Weise wird das Energieprogramm des Präsidenten den Haushalt auf Jahre
hinaus in den Ausgaben und Einkünften nachhaltig berühren.
Nur wenn wir die langfristige Einnahmen- und Ausgabenentwicklung in
Rechnung stellen, können wir Prioritäten setzen und eine kluge Wahl unter
den einzelnen Anforderungen an den Staatshaushalt treffen.

Wenn wir nicht

in die Zukunft planen und unsere Ausgabenentscheidungen nicht auf die von
den künftigen Einnahmen in einer Vollbeschäftigungswirtschaft bestimmten
Begrenzungen ausrichten, wird es uns sehr schwerfallen, den Trend zu immer
neuen Haushaltsdefiziten zu einem späteren Zeitpunt in das Gegenteil zu
verkehren.
Wenn wir jedoch unsere Wirtschafts- und Haushaltspolitik auf diese
spezifischen Ziele ausrichten, tragen wir implizite der äußerst wichtigen
Tatsache Rechnung, daß eine asymmetrische Beziehung zwischen einer Erhöhung
und einer Senkung des Gesamtetats besteht: Es ist politisch immer leichter,
zur Ankurbelung der Wirtschaft die Ausgaben zu erhöhen oder die Steuern

- 11 -

�Steuern zu senken, als die Steuer- und haushaltspolitischen Bremsen
anzuziehen.

Angesichts dieser Realität verschafft uns eine Haushalts-

strategie, wie wir sie verfolgen, das Höchstmaß an Flexibilität, dessen
wir bedürfen, um die Wirtschaft verantwortlich lenken zu können.
Wenn die Privatwirtschaft in den nächsten vier Jahren stark wächst,
wird es unerläßlich, daß wir für einen Ausgleich des Bundeshaushalts
sorgen, wollen wir einer vollständigen Erholung der Wirtschaft bis 1981
entgegengehen.

Anders zu handeln hieße, wie ich bereits gesagt habe, das

Risiko einer überhitzung der Konjunktur und einer Beschleunigung der Inflation zu laufen.

Wir sind von den schmerzlichen inflatorischen Er-

fahrungen der Jahre 1973 und 1974 bisher nur teilweise genesen und
können nicht zulassen, daß eine übermäßige Nachfrage gerade dann auftritt,
wenn sich die Wirtschaft der Vollbeschäftigung nähert.

Die eigentliche

Gefahr eines unausgeglichenen Haushalts bei gleichzeitiger Vollbeschäftigung ist nicht das resultierende Defizit als solches

sondern das

Risi'-.o, daß dieses Defizit die inflationistischen Kräfte beflügelt und in
der Folge eine Rezession auslöst.
Wir erhalten ui^ unsere Flexibilität aber auch in anderer Richtung.
Falls sich die Privatwirtschaft als schwächer erweisen sollte, als wir
annehmen, und somit die Erreichung unseres Ziels der Vollbeschäftigung
ab 1981 gefährdet wird, gestattet uns unsere Strategie, zusätzliche Anreize zu einem späteren Zeitpunkt zu bieten, um die Wirtschaft wieder in das
richtige Gleis zu lenken.

Wir müssen darauf vorbereitet sein, die Steuern

zu senken oder die Staatsausgaben zu erhöhen, sofern die Wirtschaft erheblich hinter den ihr gesetzten Zielen zurückbleiben sollte.
Wenn wir heute auf einen ausgeglichenen Haushalt im Jahre 1981 hinplanen und bis dahin mit einer starken Privatwirtschaft rechnen und sich
dann unsere Beurteilung der Stärke der Wirtschaft als falsch herausstellen
sollte, wird es relativ leicht sein, unseren Irrtum durch angemessene
stimulierende Maßnahmen wettzumachen.

Wenn wir jedoch heute schon ein

- 12 -

�ein großes Defizit für 1981 einplanen und damit von einer schwachen
Wirtschaftstätigkeit ausgehen und sich dann unsere Prognosen als falsch
erweisen sollten, fiele ein Kürzung der Ausgaben oder eine Erhöhung
der Steuern als Schritte zur Vermeidung einer Konjunkturüberhitzung
weit schwerer.

Kurz gesagt, die Festsetzung langfristiger Haushalts-

zielsetzungen, vie wir sie ins Auge gefaßt haben, ist als eine vernünftige
Art der Planung

in einer unsicheren Welt zu betrachten und nicht als eine

Übung in langfristiger Wirtschaftsprognostizierung.
Unsere langfristige Haushaltsstrategie hat noch andere wichtige
Implikationen in bezug auf die wirtschaftlichen Probleme, vor die wir
uns heute gestellt sehen. Das derzeitige Defizit im Bundeshaushalt
ist im Grunde nicht inflationistisch, weil es in eine Zeit einer erheblich
verminderten Wirtschaftstätigkeit fällt. Defizite von heute sind insofern
geeignet, die inflationären Erwartungen zu steigern, als sie von der
Öffentlichkeit als ein Zeichen dafür gewertet werden, daß der Staat bereit
sei, große Defizite auch für den Fall hinzunehmen, daß die Wirtschaft zur
Vollbeschäftigung zurückkehrt. Derartige Erwartungen könnten insbesondere
die Investitionstätigkeit beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, unsere
Pläne für einen ausgeglichenen Haushalt in einer gesundenden Volkswirtschaft rechtzeitig bekanntzumachen, um derartige Befürchtungen zu
zerstreuen.
Wir glauben mithin, daß eine Planungsstrategie für die Entscheidungen
von heute angemessen und klug ist, wenn ^'e es möglich macht, einen Haushaltsausgleich in einer auf vollen Touren laufenden Volkswirtschaft herbeizuführen. Es handelt sich nicht darum, den Haushaltsausgleich über
alles andere zustellen. Unsere Haushaltsstrategie reflektiert keineswegs
ein blindes Vertrauen in die Prognosen von einer starken Wirtschaft.
Sie ergibt sich vielmehr aus der nüchternen Anerkennung der wirtschaftlichen
und politischen Realitäten des Haushalt-Prozesses.

Unsere

- 13 -

�Unsere Strategie zur Rückkehr zu wirtschaftlicher Stärke in den
vor uns liegender Jahren läßt sich jedoch nicht in strenger Isolation
verwirklichen.

So wie das Ausmaß der Haushaltsdefizite und der Zustand

der Volkswirtschaft in einer bestimmten wechselseitigen Abhängigkeit
zueinander stehen, so hängt die Wirtschaftsexpansion in den Vereinigten
Staaten in einem gewissen Maße auch von den Verhältnissen im Ausland ab.
Das Wirtschaftswachstum anderer Länder wiederum hängt auch vom Wirtschaftswachstum in den USA ab.
Die Ereignisse der letzten Jahre haben die Interdependenz der Wirtschaftstätigkeit in den verschiedenen Ländern illustriert.

Die Länder

können ihre Wirtschaftspolitik heute nicht mehr jedes getrennt für sich
betreiben.

Diejenigen, ^ie wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen

haben, müssen deren Rückwirkungen auf andere Länder ebenso berücksichtigen
wie die Auswirkungen diesbezüglicher Entscheidungen des Auslands auf die
heimische Wirtschaft.

Die Regierung Carter nimmt diese Verantwortung sehr

ernst und hat sich auf eine Politik verpflichtet, die das wirtschaftliche
Wohlergehen nicht nur Amerikas, sondern auch der anderen Länder fördert.
+ + +

- 14 •

�1
I

Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service

3. August 1977

21

KONSEQUENZEN VERSTÄRKTER KOHLENDIOXID-EMISSION
US-Wissenschaftler befürchten einschneidende Klimaveränderungen

- (AD) - Die weitere Anreicherung der Erdatmosphäre mit Kohlendioxid
(C02) durch die Verwendung fossiler Brennstoffe könnte in den nächsten
200 Jahren zu Klimaänderungen auf der ganzen Erde mit erheblicher Verschiebung der landwirtschaftlichen Anbauzonen führen.

Zu diesem Schluß

kamen prominente amerikanische Wissenschaftler, die als Mitglieder des
"Nationalen Forschungsrates" eine zweieinhalbjährige Studie zum Thema
"Klimaentwicklung" durchführten und jetzt ihren Bericht der Nationalen
Akademie der Wissenschaften (NAS) vorlegten.
Es sei zu befürchten, so heißt es in dem Bericht, daß in etwa 200
Jahren infolge der höheren CO^-Konzentration in der Erdatmosphäre die
Durchschnittstemperaturen um ca. 6°C ansteigen, wobei die Erwärmung im
Bereich der Polgebiete sogar den dreifachen Wert erreichen könne. Die
COp-Anreicherung, für die in erster Linie die massive Verwendung fossiler
Brennstoffe mit zunehmender Industrialisierung verantwortlich sei, bewirke einen Gewächshauseffekt - d. h., daß von der Sonne Wärmeenergie
aufgenommen werde, gleichzeitig aber die Abstrahlung irdischer Wärmeenergie
in den Weltraum weitgehend blockiert sei.
Meeresspiegel

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Meeresspiegel
Der Temperaturanstieg hätte, wie die Verfasser des Berichts hervorheben, ernste Konsequenzen: So würden beispielsweise die oberen Meerwasserschichten um 5°C erwärmt, was zu einer Erhöhung des Meeresspiegels,
der Abgabe zusätzlicher Mengen von Kohlendioxid aus dem Meer an die Atmosphäre
und einer Verschiebung der Meereszonen mit hoher biologischer Aktivität zu
den Polen hin führe.

Das Leben im Meer würde unter der Bildung einer

"Glocke" verhältnismäßig warmen Wassers leiden, die über kälterem Tiefenwasser liege und die Zirkulationsvorgänge beeinträchtige oder verhindere,
welche für das Aufströmen nährstoffreichen Wassers an die Oberfläche notwendig sind.

Fischpopulationen von wirtschaftlicher Bedeutung würden ihre

Standorte verändern, was einen Zusammenbruch des bisherigen Systems der
Arbeitsbereiche für die Fischereiindustrie zur Folge habe.
Im Zuge einschneidender Klimaveränderungen müßte dem Bericht zufolge mit
sehr viel stärkerem Schneefall in der Antarktis und in Grönland gerechnet
werden. Die Eismassen in diesen Gebieten würden stark anwachsen. Die
daraus resultierenden enormen mechanischen Kräfte würden sich z.B. in der
Westantarktis so auswirken, daß riesige Eismassen abbrechen und ins Meer
gleiten, was in Verbindung mit der höheren Meerwassertemperatur innerhalb von
300 Jahren zu einem Ansteigen des Meeresspiegels um etwa 5 m führe. Das
sei gleichbedeutend mit einer Überflutung vieler großer Seehäfen in der
ganzen Welt.
Landwirtschaft
Die Auswirkungen auf die Landwirtschaft wären komplexer Natur.

Obgleich

mehr Kohlendioxid in der Luft die Photosynthese-Aktivität bei Pflanzen
steigern und damit den landwirtschaftlichen Ertrag erhöhen würde, werde
die allgemeine Produktivität durch höhere Temperaturen, geringeres Sauerstoffangebot für die Wurzeln im Boden und ausgedehntere Bewölkung über

- 2 -

�über Landflächen verringert.

Außerdem sei zu erwarten, daß sich die

produktiven Agrarzonen infolge des Temperaturanstiegs in höhere geographische Breiten verschieben.

Bei speilsweise würden die Hauptanbau-

gebiete für Mais und Sojabohnen im amerikanischen Mittelwesten nach Norden
hin verlagert, wo der Boden weniger fruchtbar ist und die Zufuhr großer
Mengen kostspieligen Düngers erfordert, wenn man gleich hohe Erträge
erzielen wolle.
Nach Ansicht der Verfasser des Berichts seien von klimatischen Umschichtungen und, innerhalb der einzelnen Klimaregionen, von Veränderungen
in bezug auf die Beziehungen zwischen Temperaturen, Wasserangebot,
Bewölkung und Strahlungsbilanz besonders schwerwiegende Auswirkungen für
die Landwirtschaft zu befürchten. Die gegenwärtige Agrarwirtschaft und
Agrartechnik basieren auf den Erfahrungen, die man über Jahre und Jahrzehnte hinsichtlich dieser Beziehungen gemacht hat. Einschneidende
Veränderungen bei den Parametern innerhalb der einzelnen Regionen könnten
neue Fruchtsorten und neue Technologien erforderlich machen, um mit neuen
Gegebenheiten überhaupt fertig zu werden.
Am stärksten würden sich Klimaänderungen in den ariden und semiariden
Regionen in der ganzen Welt bemerkbar machen.

Nach Meinung der Wissen-

schaftler würden sich im Südwesten der USA, in Nordmexiko, Nord- und Südwestafrika, Südasien, Nordwestindien, Australien, Nordchile, im südlichen
Peru und westlichen Argentinien die heute schon vorhandenen Trockenzonen,
die weder für Land- noch Weidewirtschaft geeignet sind, noch weiter ausdehnen.
Weltweites Forschungsprogramm dringendes Gebot
Der amerikanische Nationale Forschungsrat räumt ein, daß noch viele
Unsicherheiten bestehen und ein großer Teil der Schlußfolgerungen aus der
Studie auf unvollständigen Informationen beruht.

Deshalb seien zwei Dinge

dringend erforderlich: Zum ersten sollte ein weltweites umfassendes
- 3 -

�umfassendes Forschungsprogramm zur Untersuchung des Kohlenstoff-Zyklus,
der Klimaentwicklungen, künftiger Veränderungen der Bevölkerungszahlen,
des Energiebedarfs und der Mittel und Wege in Angriff genommen werden,
wie man die Auswirkungen von Klimaänderungen auf die Weltnahrungsproduktion mildern könne.

Zum zweiten sollte in den USA eine neu zu schaffende

Institution für die Interessen und Fähigkeiten der verschiedenen
wissenschaftlichen Disziplinen sowie der verschiedenen Regierungsbehörden,
die sich mit Klima und einschlägigen Problemen befassen, eine gemeinsame
Basis erarbeiten.

Es wird vorgeschlagen, daß die US-Regierung einen Klimarat

beruft, der die Arbeit und die Forschungsprojekte innerhalb der Vereinigten
Staaten auf den zahlreichen Gebieten koordiniert und die Verbindung zu
internationalen Maßnahmen und Forschungen herstellt.
Wenn sich der Verdacht auf Klimaänderungen durch die Ergebnisse
künftiger Untersuchungen weiter erhärtet, werden die Industriegesellschaften
nach Ansicht der Verfasser des NAS-Berichts in den nächsten paar Jahrzehnten
eine wichtige Entscheidung zu fällen haben - die Entscheidung nämlich, ob sie
sich weiterhin auf fossile Brennstoffe stützen oder aber so viel in Forschung
und Entwicklung investieren wollen, um alternative Energiequellen zu finden.
Die Entscheidung drängt. Denn, so mahnen die Wissenschaftler, "es braucht ein
ganzes Jahrtausend, bis die Auswirkungen von nur hundert Jahren des Gebrauchs
fossiler Brennstoffe überwunden sind".
(Anm. d. Redaktion: Der amerikanische Nationale Forschungsrat hat inzwischen
ein Gremium für Klimaforschung - "Climate Research Board" - geschaffen, das
sich mit dem gegenwärtigen Stand der Erforschung von Klimaveränderungen,
ihrer Ursachen und Auswirkungen befassen und die Bundesregierung bei der
Einrichtung wirksamer Forschungsprogramme unterstützen soll. Die Leitung
des Gremiums hat am 15. Juli 1977 Dr. Robert M. White vollberuflich übernommen, der seit 1970 der US-Bundesbehörde für Meeres- und Atmosphärenforschung - NOAA - vorstand.)
+ + +

- 4-

�1

Wi//en/chaft
und Ted

I

United States Information Service

3. August 1977

21

BENZOL ALS EINE LEUKÄMIEURSACHE
US-Umweltschutzbehörde geht dem Verdacht
in gründlichen Studien nach

- (AD) - Der Leiter der US-Umweltschutzbehörde EPA, Douglas M. Costle,
ließ Benzol auf die Liste gefährlicher atmosphärischer Verschmutzungsstoffe
setzen. Dieser Maßnahme liegen wissenschaftliche Berichte zugrunde, denenzufolge der Verdacht besteht, daß Personen, die den Dämpfen dieser
organischen Verbindung ausgesetzt waren, häufiger als andere an Leukämie
erkranken.
Erst nach gründlicher Überprüfung der gegenwärtig vorhandenen wissenschaftlichen Daten zu möglichen Gesundheitsrisiken durch Benzol in der
Umgebungsluft wird die EPA endgültig entscheiden, welche Quellen der
Emission von Benzoldämpfen zu kontrollieren seien und in welchem Umfang
die Kontrolle zu erfolgen habe.

Dabei wird die EPA mit der für Berufs-

krankheiten und Arbeitssicherheit zuständigen Behörde im US-Arbeitsministerv
um (Occupational Safety and Health Administration - OSHA) eng zusammenarbeiten.

Diese bemühte sich in jüngster Zeit bereits um eine Verringerung

der Benzol-Exposition von Arbeitern im Betrieb, nachdem wissenschaftliche
Berichte samt einer im April 1977 veröffentlichten Studie des "National In-

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Institute of Occupational Safety and Health Administration" erkennen
ließen, daß Arbeiter, die im Betrieb höheren Benzolkonzentrationen
ausgesetzt sind, häufiger als andere an Leukämie erkranken.
Benzol wird in den USA in großen Mengen produziert und in den verschiedensten chemischen und industriellen Prozessen verwendet.
ist es Bestandteil von Kraftstoffbenzin.

Außerdem

Von den fast 4 Millionen Tonnen,

die im Jahr 1976 hergestellt wurden, dürften bis zu 95 000 Tonnen in die
Atmosphäre gelangt sein.

Die Emissionen kommen aus Fabrikationsanlagen

der chemischen Industrie, Erdölraffinierien, großen Tanklagern und Abgabestellen für Benzin, Koksöfen und Kraftfahrzeugen.

Viele Menschen könnten, so

erklärte Douglas Costle, meßbaren Konzentrationen von Benzol auch auf
der Straße oder sonstwo in der Umgebungsluft ausgesetzt sein.

Zwar lägen

diese Konzentrationen wesentlich unter jenen an bestimmten Arbeitsplätzen.
Jedoch bestehe Grund zu der Annahme, daß auch sie ein Krebsrisiko darstellen
und deshalb auf einen möglichst niedrigen Maximalwert verringert werden
sollten.
Das Gesetz verlangt, daß 6 Monate nach der Aufnahme einer Substanz in die
Liste der gefährdenden Stoffe die EPA Vorschläge über höchstzulässige Benzolkonzentrationen bekanntgeben und anschließend öffentliche Anhörungen
dazu durchführen muß. Nach 12 Monaten sollen die endgültigen Maximalwerte
festgesetzt sein, sofern nicht aufgrund von Beweisführungen durch Vertreter
der Öffentlichkeit der EPA-Administrator zu dem Schluß kommt, daß es sich bei
der Substanz nicht um einen gefährlichen Stoff handelt.
Wie jedoch die Erfahrungen bei der Entwicklung und Durchsetzung der
Bestimmungen zur Kontrolle von Vinylchlorid-Emissionen gezeigt haben,
dürfte auch im Fall der Benzol-Überprüfung dieser Terminplan kaum einzuhalten sein. Erst nach Abschluß der Untersuchungen zu den möglichen
Gesundheitsrisiken und der Auswertung aller Studien kann verantwortlich
darüber entschieden werden, wo und in welchem Umfang die Kontrolle von

- 2 -

�von Benzolemissionen notwendig sein wird.

Für die Reduzierung der

Emission gewisser Fabrikationsanlagen der chemischen Industrie, Erdölraffinerien und Kokereien hat die EPA bereits eine vorsorgliche Überwachung vorgesehen, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind und
detaillierte Kontrollbestimmungen ausgearbeitet werden können.

Ähnliche

Verfahren im Zusammenhang mit der Emissionskontrolle bei Vinylchlorid,
Asbest, Berryllium und Quecksilber sind bereits abgeschlossen.
+ + +

- 3 -

�1

Wi//en/chaft
und Technik

I

United States Information Service

3. August 1977

21

NEUE THEORIE ZUR URSACHE DES MONGOLISMUS

- (AD) - Jahreszeitlich bedingte Schwankungen im weiblichen Hormonspiegel als Folge von Veränderungen in den östrogenbildenden Geweben
des endokrinen Drü'sensystems könnten für Mongolismus (Down's Syndrom)
verantwortlich sein.

Zu diesem Schluß kamen Dr. Dwight T. Janerich

(Gesundheitsministerium des Staates New York) und Dr. Herbert I. Jacobson
(Medical College in Albany, New York) auf Grund epidemiologischer und
klinischer Studien.

Nach ihren Beobachtungen spricht vieles dafür, daß

jahreszeitliche Schwankungen der Konzentrationen von Ovarialhormonen mit
der Häufigkeit der Geburt mongoloider Babies, bezogen auf den Zeitpunkt
der Empfängnis, in einem gewissen Zusammenhang stehen.
Die beiden Wissenschaftler sehen ihre Theorie dadurch erhärtet, daß
orale empfängnisverhütende Mittel (künstliche Hormone), die die Mutter
unmittelbar vor einer Schwangerschaft nahm, erwiesenermaßen Chromosomenanomalien in den Zellen des Fötus hervorrufen, was gewöhnlich zum Spontanabort führt. Auf ähnliche Weise könnte, so postulieren Dr. Janerich und
Dr. Jacobson in einem in der britischen medizinischen Zeitschrift "Lancet"
veröffentlichten Artikel, eine Veränderung des natürlichen weiblichen
Harmonspiegels die Chromosomenteilung beeinflussen. Ihre Studie zeigt, daß

Postfach 300,
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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�daß die Zahl der Geburt mongoloider Babies am niedrigsten liegt, wenn die
Empfä'npnis in den ersten Frühjahrsmonaten (März und April) und Anfang
Herbst (September und Oktober) erfolgte. In dieser Zeit ist auch der
Spiegel von Ovarialhormonen am niedrigsten.
Die beiden Wissenschaftler schlagen vor, ihre Theorie durch eingehende
Laboruntersuchungen und klinische Forschungen zu überprüfen und auszubauen. Denn wenn endokrine Faktoren eine so wichtige Rolle bei angeborenen Schäden wie Mongolismus spielen, müßte durch eine entsprechende
Zeitplanung für die Empfängnis das Risiko zu vermindern sein, ein
mongoloides Kind zur Welt zu bringen.
+ + +

- 2 -

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          <name>Creator</name>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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              <text>Amerikadienst 03.08.1977</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Blumenthal: US-Wirtschaft ist stark, gesund und expandierend&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Burns unterstreicht Notwendigkeit für starken Dollar&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanische Handelsdefizit und der Dollar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Dr. Robert Solomon, Brookings Institution&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaftsberater zeigt Ziele der amerikanischen Wirtschaftspolitik auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Charles L. Schultze am 16. Juni in Bonn -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Konsequenzen verstärkter Kohlendioxid-Emission&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Wissenschaftler befürchten einschneidende Klimaveränderungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Benzol als eine Leukämieursache&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Theorie zur Ursache des Mongolismus</text>
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