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1
I

Dokumentation
United States Information Service

27. Juli 1977

20

CARTER STREBT REALISTISCHE BEZIEHUNGEN ZUR SOWJETUNION AN
- Rede des US-Präsidenten in Charleston am 21. Juli 1977 -

Charleston, South Carolina - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat in einer
Rede vor Parlamentariern aus den Südstaaten der USA in Charleston im Staate South
Carolina am 21. Juli seine Politik gegenüber der Sowjetunion erläutert. Wie
in Regierungskreisen verlautet, war diese Rede ebenso an die Führer der
Sowjetunion wie an die Zuhörerschaft in den Vereinigten Staaten gerichtet.
Er wolle, so betonte Carter, die Beziehungen Amerikas zur Sowjetunion auf
eine "mehr auf Gegenseitigkeit beruhende, realistischere und letztlich
produktivere Basis" stellen. Hier gehe es nicht um die Frage, einer "harter.
Politik" oder einer "weichen Politik", sondern um eine klare Einsicht, wie
die Sicherheit Amerikas am besten geschützt und eine "konstruktive und
friedliche Weltordnung" geschaffen werden könne.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, daß ich heute hier in einer der schönsten Städte Amerikas
mit Ihnen zusammentreffen und über die Probleme und Hoffnungen sprechen darf,
die wir als Südstaatler und als Amerikaner gemeinsam haben.
Ich

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex: 08-8543?

�1

Ich fühle mich Ihnen als einzelstaatliche Gesetzgeber besonders verbunden.

Ich war selbst vier Jahre lang Mitglied des Senats des Staates

Georgia, und ich möchte die einzelstaatliche Regierung nicht nur um der
Fähigkeiten jener willen preisen, die für sie arbeiten, sondern auch um
ihrer Nähe zu den Bürgern willen, die sie vertritt.

Unsere Südstaaten haben

eine stolze Tradition der örtlichen, unabhängigen Regierung, deren Erbe
Sie heute sind.
Aber wir im Süden haben vielleicht auch direkter als andere einige
der raschen Veränderungen der modernen Zeit verspürt. Unser

tägliches

Leben wird heute mehr und mehr von Ereignissen in anderen Städten, Entscheidungen in anderen Staaten, Spannungen in anderen Teilen der Welt
beeinflußt.

Als Amerikaner können wir einfach nicht daran vorbei sehen,

wie sehr unser Schicksal mit dem anderer Nationen verknüpft ist. Diese
Interdependenz erstreckt sich von der Gesundheit unserer Wirtschaft bis
zur Sicherheit unserer Energieversorgung.

Wir leben in einer neuen Welt,

und wir können es uns nicht leisten, in unserem Ausblick eng ,in unserem Weitblick begrenzt oder in unserer Zielsetzung selbstsüchtig zu sein.
Als ich mein Amt übernahm, stand unser Land in der ganzen Welt vor
einer Reihe von Problemen - im südlichen Afrika, im Nahen Osten, in unseren
Beziehungen zu unseren NATO-Verbündeten und in so schwierigen Fragen wie
Ausbreitung der Kernwaffen (nukleare Proliferation), Verhandlungen mit
unseren früheren Gegnern, Panamakanal-Vertrag, Menschenrechte und Armut
der Welt. Wir haben diese und andere schwierigen und kontroversen Probleme
von denen in der Vergangenheit einige umgangen oder verschwiegen wurden offen und öffentlich angesprochen. Wie ich auf meiner letzten Pressekonferenz erklärt habe, war eine Periode der Debatte, der Meinungsverschiedenheit und der Sondierung unausweichlich. Unser Ziel war es nicht, leichte
oder kurzlebige Abkommen zu erreichen, sondern Lösungen zu finden, die
sinnvoll und ausgewogen sind und Bestand haben.
Ein

*

�Ein Präsident ist gehalten, dem Volk Berichte und Zusammenfassungen
komplexer und wichtiger Fragen vorzulegen.

Heute möchte ich über einen

lebenswichtigen Aspekt unserer Außenpolitik sprechen - den Aspekt, der
die Chancen des Friedens für uns und unsere Kinder am direktesten beeinflussen
könnte.

Ich möchte Ihnen meine Auffassungen darüber darlegen, was wir in

unseren Beziehungen zur Sowjetunion bisher getan haben und was wir weiterhin tun werden, und Ihnen die Grundprinzipien unserer nationalen Politik
umreißen.
Jahrzehntelang drehten sich die zentralen Probleme unserer Außenpolitik um den Antagonismus zwischen zwei Zusammenschlüssen - der eine von den
Vereinigten Staaten geführt und der andere von der Sowjetunion.

Unsere

nationale Sicherheit wurde fast ausschließlich in Begriffen des militärischen Wettstreits mit der UdSSR definiert.
Dieser Wettstreit ist noch immer ein kritisches Moment, da es hier
um Fragen geht, die zum Krieg führen könnten.

So wichtig jedoch dieses

militärische Kräfteverhältnis auch sein mag, so kann es doch nicht das
einzige Problem sein, mit dem wir uns beschäftigen, und andere Weltprobleme,
um die wir uns ebenfalls beide Sorgen machen, völlig ausschließen.
Selbst wenn es uns gelingt, die Spannungen mit der UdSSR abzubauen,
könnten wir trotzdem eines Tages aufwachen und feststellen, daß Dutzende
anderer Länder in den Besitz von Kernwaffen gelangt sind. Oder wir
könnten uns darum bemühen, die Arsenale unserer beiden Länder zu begrenzen
und die Gefahr des Krieges zu verringern, nur um diese Anstrengungen
dadurch unnütz zu machen, daß wir unsere Rüstungsexporte in die ganze
Welt ohne Einschränkung fortsetzen. Als zwei Industriegiganten müssen wir
langfristig mit Energiekrisen rechnen. Was auch immer unsere politischen
Meinungsverschiedenheiten sein mögen, so sind wir doch beide gezwungen,
mit dem sparsamer Umgang der Weltenergievorräte und mit der Entwicklung von
Alternativen zu Erdöl und Erdgas zu beginnen. Trotz der tiefen und anhal-

- 3 -

�t

anhaltenden Meinungsverschiedenheiten in der Weltanschauung müssen wir
beide die neuen Verantwortungen übernehmen, die uns von der sich ändernden
Natur der internationalen Beziehungen auferlegt werden.
Auch andere Veränderungen haben die Verhältnisse auf der internationalen
Bühne verwandelt.

Europa und Japan haben sich aus den Trümmern des Krieges

erhoben und sind wirtschaftliche Großmächte geworden.

Die kommunistischen

Parteien und Regierungen sind zahlreicher und unterschiedlicher geworden.
Neu unabhängig gewordene Nationen sind zu einer Dritten Welt geworden.
Ihre Rolle in der Weltpolitik gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Und das

technologische Genie der Menschheit hat uns die Mittel in die Hand gegeben,
die Menschen der Welt enger zusammenzuführen, aber auch immer ausgeklügeltere
und weitrechende Vernichtungswaffen zu bauen.
Aber die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben erfahren, daß
unsere Länder und unsere Völker trotz ihrer großen Ressourcen nicht allmächtig sind. Wir haben erfahren, daß diese Welt, so sehr die Technologie
auch die Entfernungen hat schrumpfen lassen, trotzdem zu groß und zu vielfältig ist, als daß sie unter die Fittiche einer oder zweier Supermächte
geraten könnte. Und - was vielleicht noch wichtiger ist - wir haben unsererseits all dies nicht in einem Geiste wachsender Resignation, sondern in einem
Geiste wachsender Reife erfahren.
Ich erwähne diese bekannten Veränderungen, weil ich glaube, daß wir,
wenn wir das heutige sowjetisch-amerikanische Verhältnis verstehen wollen,
es in die richtige historische und gesamtweltpolitische Perspektive rücken
müssen.
Die ganze Geschichte der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen lehrt
uns, daß wir auf dem falschen Wege sind, wenn wir unsere langfristige
Politik auf die Stimmung des Augenblicks begründen, sei diese Stimmung
euphorisch oder düster.

Wir können uns alle an Zeiten erinnern, in denen

die Beziehungen besonders gefahrvoll und in denen sie besonders strahlend
- 4 -

*

�•

strahlend schienen.

Wir haben schon früher Höhen und Tiefen durchschritten.

Und wir können erkennen, daß unter dem Strich der Trend in den letzten
dreißig Jahren positiv verlaufen ist.
Die tiefgreifenden Unterschiede in den Überzeugungen unserer beiden
Regierungen hinsichtlich Freiheit und Macht und der inneren Gefühle von
Menschen werden wahrscheinlich so bleiben, und das gilt auch für andere
Elemente des Wettstreits zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.

Diese Konkurrenz ist real und in der Geschichte und den Werten

unserer jeweiligen Gesellschaft tief verwurzelt.

Aber es ist auch wahr,

daß unsere beiden Länder viele wichtige sich überschneidende Interessen
gemeinsam haben.

Unsere Aufgabe ist es, diese Interessen zu sondieren und

sie dazu benutzen, um die Gebiete der Zusammenarbeit auf der Basis der
Gleichheit und der gegenseitigen Achtung auszuweiten.
Wenn wir mit der Sowjetunion verhandeln, dann werden wir uns von einer
Vision einer freundlicheren, freieren und beglückenderen Welt leiten lassen.
Aber wir werden uns hinsichtlich der wahren Natur der Welt, wie sie
existiert, keinen Illusionen hingeben. Noch besteht keine Grundlage für
ein völliges gegenseitiges Vertrauen. Daher müssen die Abkommen, die wir
schließen, auf beiden Seiten im einsichtigen Eigeninteresse verankert sein.
Darum suchen wir nach Gebieten der Übereinstimmung auf denen sich unsere
tatsächlichen Interessen und die der Sowjetunion decken.
Wir erstreben, daß die Sowjets sich stärker an dem wachsenden Gefüge
internationaler Tätigkeiten beteiligen, das der Lösung menschlicher Probleme
dient - nicht nur weil sie echte Hilfe leisten können, sondern auch weil
wir beide uns stärker für die Schaffung einer konstruktiven und friedlichen
Weltordnung engagieren müßten.
Als ich

�•

Als ich mein Amt übernahm - gestern vor genau sechs Monaten -,waren
viele Amerikaner zunehmend desillusioniert über die Entspannung und
darüberhinaus über den ganzen Verlauf unserer Beziehungen zur Sowjetunion.
Die Ereignisse eines Jahrzehnts hatten die Achtung der Welt vor der
wesentlichen Rechtschaffenheit unserer Außenpolitik erschüttert.

Gleich-

zeitig aber fingen wir an, unser Selbstvertrauen und unsere Zielstrebigkeit
als Nation wiederzugewinnen.
In dieser Situation kam ich zu dem Schluß, daß es an der Zeit wäre für
eine ehrliche Diskussion über internationale Fragen mit dem amerikanischen
Volk.

Ich betrachtete es als dringend, die moralischen Grundlagen der

amerikanischen Außenpolitik wiederherzustellen.

Und ich betrachtete es

als wichtig, speziell das amerikanisch-sowjetische Verhältnis auf eine
mehr auf Gegenseitigkeit beruhende, realistischere und letztlich produktivere Basis für beide Nationen zu stellen.

Hier geht es nicht um die

Frage einer 'harten' Politik oder einer 'weichen' Politik, sondern um
die klare Einsicht, wie unsere Sicherheit am wirksamsten geschützt und
jene Art internationaler Ordnung geschaffen werden kann, die ich gerade
beschrieben habe.

Das ist unser Ziel.

Wir haben die Probleme der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen neu
durchdacht, und wir haben versucht, sie kühn und konstruktiv anzupacken
mit Vorschlägen, die auf konkrete Ergebnisse ausgerichtet waren:
- In den Gesprächen über strategische Rüstungsbegrenzungen (SALT)
haben wir einen umfassenden Vorschlag für echte Verringerungen, Begrenzungen
und ein Einfrieren neuer Technologien vorgelegt, der eine ausgewogene
strategische Stärke aufrechterhalten würde.
- Wir haben eine völlige Einstellung aller Kernversuche gefordert, und
diese Verhandlungen sind noch im Gange.

Ein Übereinkommen hier könnte ein

Meilenstein in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen sein.
- Wir
- 6 -

*

�- Wir arbeiten zusammen, um ein Verbot chemischer und biologischer
Kriegführung und die Vernichtung der Vorräte an solchen zerstörerischen
Materialen zu erreichen.
- Wir haben die Einschränkung der Verkäufe und der Weitergabe
konventioneller Waffen an andere Länder vorgeschlagen.
- Wir versuchen, der bedrohlichen Proliferation von Kernwaffen in
andere Länder Einhalt zu gebieten.
- Wir haben ernsthafte Verhandlungen über Rüstungsbegrenzungen im
Indischen Ozean in Angriff genommen.
- Wir haben die Sowjets eingeladen, mit uns den Vertrag von Tlatelolco
zu unterzeichnen, der die Verbringung von Kernwaffen in den südlichen Teil
der westlichen Hemisphäre verbieten würde.
- Wir haben regelmäßige Konsultationen mit sowjetischen Führern als
Ko-Vorsitzende der Genfer Konferenz eingeführt, um den Frieden im Nahen
Osten zu fördern.
- Wir und unsere Verbündeten verhandeln zusammen mit der Sowjetunion
und deren Verbündeten, um den Stand der Streitkräfte in Europa abzubauen.
- Wir haben das Abkommen über die Zusammenarbeit in Wissenschaft und
Technologie und ein ähnliches Abkommen über die Zusammenarbeit im Weltraum von 1972 erneuert.
- Wir suchen Mittel und Wege der Zusammenarbeit, um die Weltgesundheit
zu verbessern und den Hunger der Welt zu stillen.
In den

�«

In den Gesprächen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen, die
auf den Übereinkommen von Wladiwostok aufbauen und weiterbauen, müssen
wir einen stetigen Fortschritt auf unser langfristiges Ziel echter Verringerungen und strikter Begrenzungen hin machen und dabei das grundlegende strategische Gleichgewicht aufrechterhalten.

Wir haben Vorschläge

unterbreitet, die wesentliche Elemente der Rüstungskontrolle einschließen:
tiefgreifende Verringerungen in den Arsenalen beider Seiten, Einfrierung
von Dislozierung und Technologie und Zurückhaltung in bestimmten Elementen
der strategischen Position beider Seiten, die das gegenwärtig existierende
Gleichgewicht zu destabilisieren drohen.
Die Verhandlungen von Wladiwostok im Jahre 1974 ließen einige Fragen
ungelöst und setzten sie echt unterschiedlichen Interpretationen aus.

In

der Zwischenzeit haben neue technologische Entwicklungen neue Besorgnisse
geschaffen.
Die Sowjets sind über unsere Marschflugkörper (Cruise Missiles)
besorgt.

Wir sind um die Sicherheit unserer Abschreckung besorgt.

Unsere

Marschflugkörper sollen dazu dienen, die wachsende Bedrohung unserer Abschreckungskapazität zu kompensieren, die sich aus "&lt;em Ausbau der
sowjetischen strategischen Offensivwaffen ergibt.

Wenn diese Bedrohungen

unter Kontrolle gebracht werden können, dann sind wir bereit, unsere
eigenen strategischen Programme zu begrenzen.
Wenn jedoch kein Abkommen erreicht werden kann, dann darf kein Zweifel
daran bestehen, daß die Vereinigten Staaten tun können und werden, was getan
werden muß, um ihre Sicherheit zu schützen und dafür zu sorgen, daß ihre
strategische Position zureichend ist.
Unsere neuen Vorschläge gehen über jene hinaus, die vorher unterbreitet
wurden. Auf früheren Abkommen aufbauend, sind wir bemüht, die Zahl der
existierenden Kernwaffen wesentlich zu reduzieren.
Auf
- 8 -

*

�Auf zahlreichen Gebieten gehen wir tatsächlich zum ersten Mal an
den harten und komplizierten Kern seit langem bestehender Probleme heran.
Wir versuchen zum ersten Mal, Abkommen zu erreichen, die nicht durch den
nächsten technologischen Durchbruch auf den Kopf gestellt werden.
Kein einziger dieser Vorschläge bedeutet ein Opfer an Sicherheit.
Sie alle zielen darauf ab, die Sicherheit beider Seiten zu erhöhen. Unserer
Ansicht nach wird ein SALT-Abkommen, das nur den geringsten gemeinsamen
Nenner reflektiert, auf den man sich einigen kann, nur die Illusion eines
Fortschrittes hervorrufen und schließlich einen Rückschlag für den gesamten
RüstungskontroiIprozeß bedeuten. Wir vertreten die Ansicht, daß ein echter
Fortschritt bei den SALT-Verhandlungen nicht nur den Rüstungswettlauf
stabilisieren, sondern auch eine Basis für eine Verbesserung in den
politischen Beziehungen schaffen wird.
Wenn ich sage, daß diese Bemühungen auf einen Abbau der Spannungen
abzielen, dann spreche ich nicht nur von der militärischen Sicherheit.
Ich meine genauso die Besorgnis unserer Bürger, die aus dem Wissen herrührt, daß die Führer unserer beiden Länder über die Kapazität verfügen,
die menschliche Gesellschaft aufgrund von Mißverständnissen oder
Fehlern zu zerstören. Wenn wir diese Spannung durch die Reduzierung der
nuklearen Gefahr vermindern können, dann wird die Welt dadurch nicht nur
sicherer werden, sondern wir werden auch Kräfte freisetzen, mit denen wir
uns auf konstruktive Maßnahmen zur Schaffung eines besseren Lebens in dieser
Welt konzentrieren können.
Wir haben auf dem Wege zu diesen Zielen einige Fortschritte gemacht.
Aber um ehrlich zu sein: Wir hören auch einige negative Kommentare seitens
der Sowjets über SALT und über unsere mehr allgemeinen Beziehungen.

Wenn

diese Kommentare sich darauf gründen, daß unsere Motive mißverstanden
werden, dann werden wir unsere Bemühungen um eine Verdeutlichung dieser
Motive verdoppeln; wenn diese Kommentare jedoch als Propaganda gedacht
sind, um uns unter Druck zu setzen, dann sollte niemand Zweifel daran haben,
- 9 -

�haben, daß wir fest und standhaft bleiben werden.
Worauf es letztlich ankommt, ist, ob wir ein Verhältnis der Kooperation
schaffen können, das auf den nationalen Interessen beider Seiten fußt.

Wir

gestalten unsere Politik, um uns einer sich verändernden Welt anzupassen,
und wir hoffen, daß die Sowjets das gleiche tun werden.

Gemeinsam können

wir diesen Veränderungen eine positive Richtung geben.
Ein vermehrter Handel zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion

würdA uns beiden nützen.

Die gemeinsame amerikanisch-sowjetische

Handelskommission hat nach einer langen Pause ihre Treffen wieder aufgenommen.

Ich hoffe, daß Bedingungen geschaffen werden, die Schritte zu einem

erweiterten Handel möglich machen.
Im südlichen Afrika haben wir auf sowjetische und kubanische Zurückhaltung gedrängt. In der blockfreien Welt ist es nicht unser Ziel,
Uneinigkeit und Zwist zu säen oder die Welt erneut in zwei opponierende
ideologische Lager aufzuteilen, sondern den Kreis unabhängiger, wirtschaftlich selbständiger Nationen zu erweitern und Versuchen, neue Formen der
Unterwerfung zu schaffen, entgegenzuwirken.
Die gegenwärtige Haltung der sowjetischen Führung mag zum Teil auf
ihren offenbar vorhandenen - und falschen - Glauben zurückzuführen sein,
daß unser Eintreten für die Menschenrechte speziell auf sie abziele oder
einen Angriff auf ihre lebenswichtigen Interessen darstelle.
Es gibt bei unserem Eintreten für die Menschenrechte keine verborgenen
Motive.

Wir stehen zu dem, was wir zu diesem Thema schon früher gesagt

haben.

Unsere Politik ist genau das, als was sie erscheint: der positive

und aufrichtige Ausdruck unserer tiefsten Überzeugung als Volk. Sie richtet
sich nicht an irgendein bestimmtes Volk oder einen bestimmten Teil der
Welt, sondern an alle Länder gleichermaßen, einschließlich unseres eigenen.

- 10 -

�t

eigenen.

Und sie soll insbesondere nicht das Wettrüsten anheizen oder

uns den Kalten Krieg zurückbringen.
Im Gegenteil, ich bin der Überzeugung, daß eine Atmosphäre der
friedlichen Zusammenarbeit einer wachsenden Respektierung der Menschenrechte förderlicher ist als eine Atmosphäre der gefährlichen Gegnerschaft
oder einer kriegsähnlichen Konfrontation.

Die Erfahrungen unseres Jahr-

hunderts haben das immer wieder gezeigt.
Wir machen uns keine Illusionen, daß dieser Prozeß etwa rasch vor
sich gehen wird oder Veränderungen leicht erfolgen werden.

Aber wir sind

zuversichtlich, daß die Sache der persönlichen Freiheit und der menschlichen Würde gefördert wird, wenn wir diesen Kampf nicht aufgeben.
In den letzten sechs Monaten haben wir unsere Entschlossenheit deutlich
gemacht - einmal für die fundamentalen Überzeugungen Amerikas einzutreten
und zum anderen zu dauerhaften Lösungen der Meinungsverschiedenheiten
zwischen Ost und West zu gelangen.

Wenn wir diese Gelegenheit, Frieden

und Zusammenarbeit anstatt Gegnerschaft und Teilung zu betonen, vorübergehen lassen, dann hat das nicht an uns gelegen.
Wir müssen immer Realismus und Grundsatztreue miteinander verbinden.
Unsere Handlungen müssen getreu den entscheidenden Werten erfolgen, denen
unsere Gesellschaft sich verschrieben hat, denn unser Glaube an diese
Werte ist di^ Quelle unserer Zuversicht, daß diese Beziehung sich in einer
konstruktiveren Richtung entwickelt.
Ich kann nicht voraussehen, ob alle unsere Bemühungen erfolgreich sein
werden. Aber es gibt Dinge, die mich hoffen lassen, und abschließend
möchte ich sie kurz ansprechen.
Dieser

- 11 -

�&gt;

Dieser Ort, an dem ich jetzt stehe, ist eine der ältesten Städte der
Vereinigten Staaten.

Es ist eine schöne Stadt, auf deren Kultur und deren

Charme alle Amerikaner stolz sind - genauso, wie die sowjetischen Menschen
stolz sind auf so alte Städte wie Tiflis oder Nowgorod, an deren Erhaltung sie mit großer Liebe arbeiten und die sie mit neuem Leben erfüllen womit diese Städte weitaus mehr werden als bloße Überbleibsel einer ruhmreichen Vergangenheit.

Wenn es auch tiefgehende Differenzen hinsichtlich

unserer Werte und Vorstellungen gibt, so gehören doch wir Amerikaner und
die Russen der gleichen Kultur an, deren Ursprünge hunderte von Jahren
zurückreichen.
Jenseits aller Meinungsverschiedenheiten zwischen uns - und jenseits
aller kühler Kalkulationen des beiderseitigen Selbstinteresses, mit dem
unsere beiden Länder an den Konferenztisch treten - steht aber die unsichtbare menschliche Realität, die uns enger zusammenbringen muß.

Ich meine

die Sehnsucht nach dem Frieden, nach dem wahren Frieden, die in unser
aller Herzen ist.

Ich bin sicher, daß das Volk der Sowjetunion, das so

furchtbar im Krieg gelitten hat, diese Sehnsucht verspürt.
es sich einig mit dem Volk der Vereinigten Staaten.

Und hierin ist;

Wir alle sind aufge-

fordert, diese unausgesprochene Sehnsucht zu mehr zu machen als nur zu einem
Traum, und diese Verantwortung lastet c&gt;m meisten auf denen - wie auf
Staatspräsident Breschnew und mir -, die in ihren Händen die schreckliche,
durch den modernen Kriegsapparat übertragene Macht halten.
Breschnew hat kürzlich etwas sehr Interessantes gesagt.

"Es ist unsere

Überzeugung, unsere feste Überzeugung", so erklärte er, "daß der Realismus
in der Politik und der Wille zur Entspannung und zum Fortschritt letztlich
triumphieren werden und daß die Menschheit in der Lage sein wird, in das
21. Jahrhundert unter Bedingungen des Friedens einzutreten, die so stabil
sind wie niemals zuvor."

Ich sehe darin keine verborgenen Motive.

glaube an die Aufrichtigkeit dieser Worte.

Ich

Und ich teile die Hoffnungen und

die Überzeugung, die hierin zum Ausdruck kommen.

Trotz aller Schwierigkeiten,

trotz aller Konflikte glaube ich, daß unser Planet sich an das biblische Gebot halten muß, "den Dingen nachzufolgen, die dem Frieden dienen."
+ + +
-12-

\

�27. Juli 1977

20

DIE WAFFE MIT "HOCHWIRKSAMER NEUTRONENSTRAHLUNG"
- Eine schwere Entscheidung von unserem Washingtoner Korrespondenten

Washington - (AD) - Bei der jetzt so viel diskutierten Neutronenwaffe
geht es um einen relativ kompakten Sprengsatz, dessen Wirkung auf einem
thermonuklearen Verschmelzungsprozeß beruht, der durch einen Kernspaltungsvorgang in Gang kommt - im Grunde also um eine sehr kleine "H-Bombe",
in der eine noch kleinere "A-Bombe" als Zünder wirkt.

Man spricht in der

Öffentlichkeit von der sogenannten "Neutronenbombe", als militärische Waffe
handelt es sich jedoch um einen Gefechtskopf für Artilleriegeschosse oder
sechs Meter lange Raketen.

Von den Wissenschaftlern wird sie als eine

"hochwirksame Strahlungswaffe" bezeichnet, doch könnte man sie ebensogut wie ein Vertreter des amerikanischen Verteidigungsministeriums sagte - als
"Waffe mit reduziertem Sprengwirkungsradius" charakterisieren.

In jedem

Falle ist sie in den Mittelpunkt der Kontroverse gerückt.
Abgesehen von dem verständlichen Horror vor den Kernwaffen überhaupt
geht es bei der Kontroverse um die "hochwirksame Strahlungswaffe" im
besonderen im Grunde um zwei Behauptungen: Erstens, ihre den Berichten zufolge
außerordentliche Präzision als taktische Waffe mache es wahrscheinlicher, daß

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�daß man sie einsetzt,und damit vergrößere sich die Gefahr, daß ein
künftiger Konflikt zu einem Nuklearkrieg eskaliere.

Zweitens, ihre der-

zeitige Entwicklung und Dislozierung könne, nach Ansicht einiger Kritiker,
sich störend auf den Fortschritt bei den Verhandlungen über eine Reduzierung
und Begrenzung der Rüstungen auswirken.
Auf beide Behauptungen kann nach der festen Überzeugung amerikanischer
Regierungsvertreter mit einem klaren "Nein" geantwortet werden.
Was die mögliche Eskalation in einen Nuklearkrieg anbetrifft, so weisen
Vertreter des amerikanischen Verteidigungsministeriums darauf hin, daß es
zum ersten keinerlei Anhalt dafür gibt, daß die Entwicklung von "hochwirksamen Strahlungswaffen" irgendeine Auswirkung auf die sowjetische Doktrin
für den Beginn eines Nuklearkrieges hat.

Auch sei zum anderen nicht damit

zu rechnen, daß die Anwendung dieser Waffen mit ihrem begrenzten Wirkungsradius irgendwie mäßigend auf die sowjetische Reaktion wirken könnte.
Die Antwort der Sowjetunion, so argumentiert man auf Seiten des
amerikanischen Verteidigungsministeriums, würde - solange sie nicht selbst
über Sprengköpfe mit derart hochwirksamer Strahlung verfügt - vielmehr in einem
verheerenden Gegenschlag bestehen, wie ihn die amerikanische hochwirksame
Strahlungswaffe gerade verhindern soll. In jedem Fall könnte sich der
Präsident der Vereinigten Staaten vor die sehr schwierige Entscheidung
gestellt sehen, Kernwaffen als ein künftiges Verteidigungsmittel einzusetzen, gleichgültig ob hochwirksame Strahlungswaffen oder andere taktische
Waffen zur Verfügung stehen.
"Eine Entscheidung, die nukleare Schwelle zu überschreiten, wäre die
schwerste Entscheidung, die ein Präsident treffen müßte", so heißt es in
einer jüngst vom amerikanischen Verteidigungsministerium angestellten
Analyse.

"Diese Waffen", so fährt der Bericht fort, "würden diese Ent-

scheidung keinesfalls erleichtern.

Aber durch eine Erhöhung der Abschreckung

könnten sie es weniger wahrscheinlich machen, daß der Präsident eine solche
- 2 -

�solche Entscheidung treffen müßte."
Rein militärisch gesehen ist die Rolle der hochwirksamen Strahlungswaffe als Abschreckungsmittel klar: Es ist die wirksamste Verteidigung,
die man bisher kennt, gegen einen massierten Angriff mit gepanzerten Fahrzeugen - vor allem Kampfpanzer - eine Situation, die von der westlichen
Verteidigungsplanung bei jedem Angriff der Staaten des Warschauer Pakts
auf die NATO als die wahrscheinlichste angesehen wird.

Kampfpanzer sind

weitgehend gegen die Sprengwirkung, die Hitze und die radioaktiven Rückstände herkömmlicher Kernwaffen geschützt, bieten aber keinen Schutz gegen
die Durchdringungskraft der sich mit hoher Geschwindigkeit - fast Lichtgeschwindigkeit - fortbewegenden Neutronen.
Die Neutronen können alle bisher bekannten Panzerungen, einschließlich
aller Stahllegierungen,durchdringen.

Um einen Schutz gegen die Strahlung

zu gewährleisten, müßten Panzer mit einer über 30 cm dicken Bleischicht
oder einer über 60 cm dicken Eisenbetonschicht überzogen werden.

Was das

Argument gegen die "Strahlenwirkung" anbetrifft, so besteht kaum ein
Unterschied zur Wirkung chemischer Waffen oder der Strahlung von bisher
vorhandenen Kernwaffen.
Sicherlich ist die Frage berechtigt, warum solch furchtbare Waffen
konzipiert werden.

Alles Töten im Krieg ist unmoralisch, aber das Ziel eines

Krieges ist die Vernichtung oder Ausschaltung der gegnerischen Streitkräfte.

Die Strahlungswirkung des Neutronengefechtskopfes ist die gleiche

wie bei bisher bekannten Nukleargefechtsköpfen, sie kann nur gezielter
gegen einen Gegner eingesetzt werden und Verluste bei der Zivilbevölkerung
und bei eigenen Streitkräften in der Umgebung des Zielgebietes vermeiden.
Militärfachleute verweisen mit Nachdruck auf die defensive Natur
der hochwirksamen Strahlungswaffe - enhanced radiation weapon - oder ERWaffe, die wirksam gegen Truppen- und Panzerkonzentrationen eingesetzt
werden kann.

Wenn die Abschreckung versagen und der Verteidigungsfall ein- 3 -

�eintreten sollte, dann kann mit der EP-Waffe der gegnerische Vormarsch
militärisch wirksamer aufgehalten werden.

Ein ER-Gefechtskopf mit der

Wirkung von einer Kilotonne - 1 000 Tonnen des herkömmlichen Sprengstoffs
TNT - wäre genau so wirksam wie eine der bisherigen Nuklearwaffen mit
einer Wirkung von 10 Ki1o*onnen - deren Sprengwirkung, Hitzewirkung und
Strahlenwirkung sich auf ein Gebiet mit einem zehnmal größeren Radius
erstrecken würde.
Fachleute vermerken auch mit Erstaunen, daß immer von einer "neuen"
Waffe gesprochen wird.

Das Entwicklungsprogramm für die Neutronenwaffe war

nie ein Geheimnis und ist seit fast 20 Jahren im Gange.

Die ersten Entwürfe

für diese Waffe wurden bereits 1958 am Lawrence Livermore-Laboratorium in
Kalifornien abgeschlossen.
1963 durchgeführt.

Die erste Versuchsexplosion wurde im Jahre

Ursprünglich war der ER-Gefechtskopf für das Mitte der

sechziger Jahre in Angriff genommene Raketen-Abwehrsystem - ABM - vorgesehen.

Auf der Spartan-Rakete montiert, sollte er gegnerische Interkontinen-

talraketen noch außerhalb der Atmosphäre abfangen, wo Spreng- und Hitzewirkung nicht zum tragen kommt, wohl jedoch die Strahlungswirkung der Neutronen.

Damit sollte die Wirkung des gegnerischen Sprengkopfes - durch die

Abfangrakete zur Detonation gebracht - weit außerhalb des eigenen Bereichs
neutralisiert und Schaden vom eigenen Land abgehalten werden.

Als das

amerikanische ABM-System im Jahre 1975 eingerichtet war, wurde es als überholt erklärt und ein Jahr später abgebaut.
Amerikanische Verteidigungsfachleute haben sich aber auch schon seit
Dislozierung der ersten defensiven Nuklearwaffen in Europa in den fünfziger
Jahren Sorgen um die unerwünschten Zerstörungen bei einem etwaigen Einsatz
gemacht. Einige der taktischen Nuklearwaffen haben die doppelte Zerstörungskraft wie die auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfenen Atombomben.
Eine Verkleinerung der taktischen Nuklearwaffen bedeutete jedoch andererseits
eine Verminderung ihrer Wirkung gegen Panzer. Die ER-Waffe war hier die
Antwort auf dieses Problem.
über
- 4-

�über die Verwendung von ER-Waffen in der NATO wird in der Nuklearen
Planungsgruppe seit 1974 gesprochen.

Von Fachleuten im amerikanischen

Verteidigungsministerium wird diese Waffe als eine gerade für die NATO
geeignete Verteidigungswaffe betrachtet.

Auf die angeblich destabilisierende

Rolle der Neutronenwaffe angesprochen, entgegnete ein Vertreter des
Pentagon: "Diese Waffe wäre das letzte, was man in einem Erstschlag (Angriff)
einsetzen würde.

Jeder.der einen Krieg anfangen will, wird soviel Feuer-

kraft einsetzen und soviel Schaden anrichten wollen wie möglich.

Der Neu-

tronen-Gefechtskopf ist keine dafür geeignete Waffe."
Würde die Dislozierung der Neutronenwaffe wirklich zur Abschreckung
vor einer sowjetischen Invasion in Europa beitragen?
schiedliche Auffassungen.

Hier gibt es unter-

Die Befürworter sind der Meinung, daß die

Abschreckung unbedingt gestärkt werde.

Die ER-Waffe sei "einsetzbarer"

und damit für den Gegner plausibler - was zur Abschreckung beitrage.

Die

NATO müsse über ein breites Spektrum der Stärke verfügen, das im Rahmen der
Strategie der flexiblen Antwort - flexible response - gegen eine Agression
eingesetzt werden könne; und zwar in drei Stufen:

1. konventionelle Waffen,

2. Gefechtsfeldnuklearwaffen und 3. strategische Nuklearwaffen.
Die Kritiker der ER-Waffe erklären, der Gegner werde dadurch nicht mehr
abgeschreckt als durch die bisher vorhandenen taktischen Nuklearwaffen der
NATO, da die andere Seite die unerwünschten Zerstörungen nicht für wichtig
erachte. Das alles läuft auf die Frage hinaus, ob die Abschreckung von
Waffen ausgeht, die man tatsächlich einsetzen kann, oder von Waffen, deren
gewaltige Zerstörungskraft ihre Anwendung verhindert.
Die nächste Frage ist die, ob die ER-Waffe, da sie dem Gegner plausibler
ist als die gegenwärtigen Nuklearwaffen, die Möglichkeit einer Eskalation
zu einem uneingeschränkten Nuklearkrieg nicht vergrößert. Eine europäische
Zeitung schrieb, die Neutronenwaffe könnte eine sowjetische Offensive in
Europa zum Stehen bringen und damit verhindern, daß ein begrenzter Konflikt
sich zu einer nuklearen Katastrophe ausweitet. Gegener der Waffe hingegen
- 5 -

�hingegen behaupten, die nukleare Schwelle werde gesenkt und die Gefahr eines
Nuklearkrieges vergrößert, da der Entschluß zum Einsatz strategischer
Nuklearraketen erleichtert würde.
Präsident Carter glaubt nicht an eine "automatische" Eskalation.

Auf

seiner Pressekonferenz am 12. Juli 1977 erklärte er: "Niemand kann mit
Gewißheit sagen, daß der erste Einsatz von Nuklearwaffen... zu einer Eskalation
führen muß."
Was die mögliche negative Auswirkung der hochwirksamen Strahlungswaffen
auf die Verhandlungen über die Reduzierung und Begrenzung der Rüstungen
anbetrifft, so wird von offizieller Seite in Washington auf folgende zwei
Punkte hingewiesen: Erstens, die fraglichen hochwirksamen Strahlungswaffen
sind rein taktischer Natur - den Berichten nach haben sie eine Reichweite
von höchstens 120 Kilometer - und fallen daher nicht unter die Waffen, die
bei den Gesprächen über die Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT)
zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR zur Verhandlung stehen.
Zweitens, wenn auch derartige Waffen zu einem künftigen späteren Zeitpunkt
einmal zum Gegenstand der Verhandlungen über eine beiderseitige und ausgewogene Reduzierung der Streitkräfte in Mitteleuropa (MBFR) werden könnten,
so haben diese Gespräche doch im Verlauf von mehreren Jahren noch zu keinem
Abkommen geführt,und der vom Westen im Jahre 1975 gemachte Vorschlag,
1 000 nukleare Sprengköpfe aus Europa abzuziehen, wenn der Warschauer Pakt
dafür Truppen und Panzer zurückzöge, wurde abgelehnt.
In europäischen Zeitunge" ist zu lesen, daß die Neutronenwaffe und der
Marschflugkörper - Cruise Missile - ein sichtbarer Ausdruck der technologischen Führung der Vereinigten Staa^°ri seien und beide Waffen sich als gute
Werkzeuge erweisen könnten, die Sowjets an den Verhandlungstisch zu bringen.
Die "neue" Waffe ist auf jeden Fall weder neu noch ist sie unumstritten.
+ + +

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