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                  <text>Information
und

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United States Information Service

20. J u l i 1977

19

INHALT

DOKUMENTATION
US-Botschafter Young fordert wirtschaftliche Gerechtigkeit für alle
- Auszüge aus der Rede vor dem ECOSOC am 8. Juli 1977 -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die USA und die Neutronen-Gefechtsfeldwaffe

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Dokumentation

I

United States Information Service

20. Juli 1977

19

US-BOTSCHAFTER YOUNG FORDERT WIRTSCHAFTLICHE GERECHTIGKEIT FÜR ALLE
- Auszüge aus der Rede vor dem ECOSOC am 8. Juli 1977 -

Genf - (AD) - Der amerikanische Botschafter bei den Vereinten Nationen,
Andrew Young, hat am 8. Juli in Genf auf der Sitzung des UN-Wirtschaftsund Sozialrates (ECOSOC) in grundsätzlichen Ausführungen die Erreichung
der wirtschaftlichen Gerechtigkeit für Nationen und Menschen als ein
fundamentales Ziel bezeichnet.

Gleichzeitig sprach er sich mit Nachdruck

dafür aus, daß eine neue internationale Wirtschaftsordnung geschaffen werden
müsse.
Nachstehend Auszüge aus der Rede Youngs:
Auf dieser Sitzung des Wirtschafts- und Sozialrates wird das Hauptgewicht auf der wirtschaftlichen Entwicklung sowie auf der Oberprüfung der
Programme der Vereinten Nationen liegen, die jeden Aspekt des wirtschaftlichen Lebens von Nationen - von der industriellen Entwicklung bis zur Landwirtschaft - berühren; wir werden uns ferner mit der Frage befassen, wie sie
am besten koordiniert werden können. Aber ob wir uns nun mit der Umstrukturierung der wirtschaftlichen und sozialen Sektoren der Vereinten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Vereinten Nationen .... befassen oder die Probleme der Förderung der industriellen Entwicklung in den Entwicklungsländern oder die Notwendigkeit des
Verbots rechtswidriger Zahlungen im Rahmen kommerzieller Transaktionen
erörtern - unser Ziel ist das gleiche, nämlich, wie unsere Ressourcen als
Nationen und als Organisation am besten zusammengefaßt werden können,
danit die größte Anzahl von Menschen in einen dauerhaften Genuß dieser
Mittel gelangt. Wir sind in eine Ära eingetreten, in der wir die besten
Methoden und den besten Rahmen für eine Zusammenarbeit finden müssen, um
den gemeinsamen Bestrebungen und Hoffnungen aller Menschen gerecht zu werden.
Diese Suche ist ein laufender Prozeß, der unserer Ansicht nach den Vorstellungen aller Betroffenen entsprechen muß.

Die endgültigen Antworten auf

die Probleme, die wir alle zu lösen suchen, werden sicherlich nicht durch
einen einzigen Plan verwirklicht werden.

In gewisser Weise befinden wir uns

in einem fortlaufenden, niemals endenden Prozeß in Richtung auf Ziele, die
einander ständig angepaßt werden müssen - in einem Prozeß, der Beharrlichkeit
bei der Verfolgung gültiger Konzeptionen erfordert, der aber gleichzeitig die
Einbeziehung neuer Ideen sowie die Preisgabe und Revision solcher Vorstellungen zuläßt, die sich als praktisch undurchführbar oder unerreichbar
erweisen.

Das einzige unveränderliche Element in diesem Prozeß ist sein

fundamentales Ziel: die Erreichung wirtschaftlicher Gerechtigkeit für
Nationen und für Menschen.
Die Bestrebungen und Hoffnungen der Entwicklungsländer - der Dritten
Welt -, wirtschaftliche Gerechtigkeit zu erreichen symbolisieren sich in dem
Begriff "eint heue internationale Wirtschaftsordnung". Unsere Probleme mit
diesem speziellen Begriff "neue internationale Wirtschaftsordnung" ergaben
sich aus seiner Assoziierung mit den beiden von der Sechsten Sondersitzung
der Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedeten Resolutionen,
denen gegenüber wir gewisse ernsthafte Vorbehalte hatten und immer noch
haben. Die Art dieser Vorbehalte sollte jedoch richtig verstanden werden.
Sie wollten niemals sagen, daß wir die Gesamtheit dieser Dokumente in Frage
stellen, da sie eine Menge beinhalten, dem wir zustimmen können. Sie
- 2 -

�Sie bedeuten auch nicht, daß wir die weitgefaßte Konzeption ablehnen, eine
neue und gerechtere internationale Wirtschaftsordnung zu erreichen.

Genau

das Gegenteil ist der Fall.
Wir beabsichtigen, diesen Unterschied klarer als bisher herauszustellen,
wenn wir aufgefordert werden, bei der Bekräftigung des Zieles mitzuwirken,
eine neue internationale Wirtschaftsordnung zu verwirklichen. Wennimmer
dies möglich ist, werden wir dies so auslegen, daß damit das weitgefaßte, sich
ständig weiterentwickelnde Konzept gemeint ist, von dem ich gesprochen habe,
und auf dieser Grundlage werden wir es tatsächlich unterstützen. Andererseits werden wir uns nicht in der Lage sehen, hier mitzuwirken, wenn wir aufgefordert werden, die Bestimmungen der Resolutionen der Sechsten Vollversammlung als Ganzes zu unterstützen oder zu verwirklichen oder uns selbst
zu kritisieren, weil wir dies nicht tun. Wir nehmen unsere Vorbehalte ernst.
Wir haben kürzlich ein erfolgreiches Experiment in Form der Erörterung
internationaler Wirtschaftsprobleme in einem kleinen, aber doch repräsentativen Forum - der Konferenz für Internationale Zusammenarbeit - in Paris
abgeschlossen. Wir sind dabei zu Obereinkünften auf einer Reihe von Gebieten gelangt: die Notwendigkeit einer substantiellen und effektiven Steigerung der Entwicklungshilfe, die Notwendigkeit besonderer Bemühungen um die
ärmsten Länder, wie sich dies in dem Sonderaktionsprogramm ausdrückt, Programme zrr Beschleunigung der Erschließung sowohl neuer als auch konventioneller Energiequellen in den Entwicklungsländern, die Errichtung eines
Gemeinsamen Fonds und verstärkte Anstrengungen zur Unterstützung der Infrastruk
tur in Afrika. Auf anderen Gebieten haben wir keine Übereinkunft erlangt;
aber der wichtigste Gewinn, Herr Präsident, ergab sich auf dem Gebiet der
Verständigung. Wir haben nicht nur die jeweiligen Ansichten und Positionen
zu verstehen gelernt, sondern auch die Gründe dafür, die sich aus nationalen
Verhältnissen, der Tradition und der geistigen Einstellung herleiten.

Diese

- 3 -

�Diese Fragen liegen nunmehr wieder den Vereinten Nationen vor, wo wir
die 31. Sitzung der Vollversammlung zur Überprüfung der Ergebnisse von Paris
offengehalten haben.

Auch alle Fragen, die sich mit der Entwicklung der

Weltwirtschaft befassen, liegen den Vereinten Nationen erneut zur Erörterung
vor.

Wir begrüßen diese Tatsache nicht nur, weil wir die Weltorganisation

seit ihrer Gründung unterstützt haben, sondern auch weil es gerade die Vereinten Nationen sind, wo allen Erörterungen hinsichtlich des Wohlergehens von
Männern und Frauen als Einzelpersonen Rechnung getragen werden kann.

Eines der

Organe der Vereinten Nationen, in dem sich die Hoffnung auf Wandel am
stärksten widergespeigelt haben, ist die UNCTAD.

Ich möchte meine erste An-

sprache in Genf nicht halten, ohne diese Organisation zu erwähnen.

Meine

Regierung hat sich voll und ganz an der Arbeit der UNCTAD hinsichtlich der
Rohstoffe innerhalb des Rahmens des integrierten Programmes beteiligt.

Wir

hoffen auf den Abschluß einer Reihe von Rohstoffabkommen, wir unterstützen
die Schaffung eines gemeinsamen Fonds zur Finanzieruno dieser Abkommen eines gemeinsamen Fonds, der eine Schlüsselkomponente dafür sein wird,
sicherzustellen, daß die Produzenten solcher Rohstoffe stabilere Einnahmen
als Impuls für ihre geplante Entwicklung erwarten können.

Ich bin überzeugt,

daß die UNCTAD auch andere große Aufgaben lösen wird.
Meine Regierung ist ferner bestrebt, die Arbeit der regionalen Kommissionen
der Vereinten Nationen zu stärken.
Die Industrialisierung und der Transfer von Technologie können den größten
Beitrag zur Verwirklichung der menschlichen Möglichkeiten leisten.

Daher

stellen wir uns - wenn wir an den Transfer von Technologie denken - kein
verschnürtes Paket vor.

Die Grundlage für jeden derartigen Transfer ist

Ausbildung, damit die Modernisierung in einem Lande wirklich Fuß fassen
kann.

Daher denken wir an Ausbildung, an Austausch auf dem Gebiet der Aus-

bildung.

Wir denken an Forschung, wobei wir die Erfordernisse der Entwick-

lungsländer vor Augen haben - ein Gebiet, auf dem mein Land unter den Industrienationen führend ist.

Wir denken an Regierungen, die an dem Vorhaben mit-

arbeiten, um sicherzustellen, daß die Technologien auch wirklich für die Er-

- 4 -

�Erfordernisse des Landes eingesetzt werden, in dem sie benötigt werden.
Und wir denken natürlich an den wichtigen Beitrag der Wirtschaft.

Ich meine,

wir können darin übereinstimmen, daß private Firmen und ''nternehmen in Staatsbesitz, Firmen in marktwirtschaftlichen Ländern und in sozialistischen
Industrieländern, Industrien in der entwickelten und der sich entwickelnden
Welt gleichermaßen zu der Erweiterung der industriellen Kapazität überall
auf der Welt beitragen können und müssen.

Ich brauche wohl kaum das Faktum

zu wiederholen, daß Investitionen einen weit größeren Transfer von realen
Ressourcen bewirkt haben als die staatliche Entwicklungshilfe.
Was vielleicht noch häufiger vergessen wird, ist, wie internationale
Investitionen durch die Vermittlung industrieller Kenntnisse und Erfahrungen
auch zur Entwicklung der menschlichen Möglichkeiten beitragen können.
In Handel und Wirtschaft kommen Männer und Frauen - vielleicht mehr als
auf anderen Gebieten - auf der Grundlage ihrer Fähigkeiten voran; dies
gilt besonders dort, wo Industrien in einem Entwicklungsland angesiedelt werden. Die Zeit des aus einem anderen Lande kommenden Technikers und Managers
ist vorbei; neue Generationen and Technikern und Managern können in den
Entwicklungsländern ausgebildet werden, wenn der Bedarf besteht.
Das ist die Rolle, die durch Investitionen ausgefüllt werden kann. Die
Entwicklungsländer müssen selbst entscheiden, ob sie das wollen, und unter
welchen Bedingungen. Wichtig dabei ist, daß diese Bedingungen auf beiden
Seiten verstanden werden.
Bereits heute - und in völliger Übereinstimmung mit dem Ziel einer neuen
internationalen Wirtschaftsordnung - haben Entwicklungsländer auf allen
Kontinenten und mit allen möglichen Wirtschaftslehren begriffen, daß sie
Abkommen mit multinationalen Gesellschaften erreichen können, die ihren
eigenen Interessen, ihren entwicklungspolitischen Prioritäten und ihrer
nationalen Souveränität voll und ganz entsprechen.
Unter

- 5-

�Unter unserem System kann die amerikanische Regierung amerikanischen
Unternehmen nicht diktieren, wohin sie Technologie transferieren oder wo
sie sich an der Schaffung oder Neugestaltung von Industrien beteiligen sollen.
Zur Investition gehören frei ausgehandelte Verträge und die Achtung vor
den Rechten der Investoren; dazu gehören Gewinne für beide Seiten.

Die

Entscheidungen amerikanischer Firmen, Kapital oder Technologie zu
transferieren, liegt bei diesen Firmen selbst, hängt aber weitgehend von den
Bedingungen ab, die die Gastländer selbst schaffen.
Ich bin der Überzeugung, daß die Vereinten Nationen zur Klarstellung der
Verhältnisse beitragen können, unter denen beiderseits akzeptable Abmachungen
möglich sind.

Durch die Zentrale für transnationale Gesellschaften, durch

Studien der UNITAR, durch die Arbeit in der UNCTAD und in der Kommission
für transnationale Gesellschaften können wir lernen, in konstruktiver und
positiver Weise mit den realen Problemen umzugehen, die die Handelsbeziehungen zwischen Ländern berühren - vor allem die Beziehungen zwischen
multinationalen Gesellschaften und den Ländern, in denen sie tätig sind.
Auf der zweiten Sitzung der Kommission für transnationale Gesellschaften
im Jahre 1976 in Lima kamen wir überein, der Ausarbeitung eines Verhaltenskodex für transnationale Gesellschaften höchsten Vorrang einzuräumen. Wir
haben uns an der Arbeitsgruppe, die zur Ausarbeitung eines solchen Kodex
eingesetzt worden ist, voll und aktiv beteiligt. Wir sind uns darüber im
klaren, dal? noch Gebiete ernsthafter Meinungsverschiedenheiten bestehen,
aber wir hoffen trotzdem,daß in naher Zukunft ein bedeutsamer Fortschritt
bei der Ausarbeitung eines solchen Kodex erzeilt werden kann, der für alle
Beteiligten befriedigend ist.
In dem gleichen Geiste sollten wir auch mit der Entwicklung eines
realistischen und ausgewogenen Verhaltenskodex oder von Richtlinien für den
Transfer von Technologie fortfahren.

Lassen Sie mich, Herr Präsident, in

diesem Zusammenhang an die Tätigkeit der Ad hoc-Zwischenstaatlichen Arbeitsgruppe zur Untersuchung des Problems korrupter Geschäftspraktiken erinnern, die

�die auf der 61. Sitzung dieses Rates eingerichtet wurde.

Die Arbeitsgruppe

wird uns in dieser Sitzungsperiode einen Bericht vorlegen, der jenen Teil
ihres Auftrages erfüllt, der sie auffordert, "im Detail das Ausmaß und den
Inhalt" eines internationalen Abkommens zu erarbeiten, das sich mit ungesetzlichen Zahlungen befaßt.

Meine Regierung mißt diesen Bemühungen größte

Priorität bei.
Ich bin beeindruckt, daß wir uns auf diesem Gebiet - den Problemen ungesetzlicher Zahlungen, einschließlich der Bestechung - auf der Grundlage
fundamentaler Übereinstimmung bewegen. Wir sind uns alle einig, daß
Bestechung öffentlicher Bediensteter nationale Institutionen korrumpiert;
daß sie wirtschaftliche Entscheidungen verzerrt und damit den Entwicklungsprozeß
gefährdet; daß sie für den Verbraucher den Preis von Gütern und Dienstleistungen erhöht und sich auf die nationale Zahlungsbilanz auswirkt. Die
nationale Gesetzgebung fast aller hie&gt; im Rat vertretenen Länder verbietet die
Bestechung ihrer öffentlichen Bediensteten. Und in der Resolution Nr. 3514
der 30. Sitzung der Vollversammlung kamen wir über die Notwendigkeit der
internationalen Zusammenarbeit überein, um solche Praktiken zu verhüten und
zu beseitigen. Dementsprechend hoffen wir ernsthaft, daß der Rat bei der
Erörterung des Berichtes der Arbeitsgruppe die notwendigen Vorkehrungen für
den Abschluß der Verhandlungen über ein internationales Abkommen treffen
wird.
Die Arbeit an einem solchen Abkommen darf uns jedoch nicht von unseren
beständigen Bemühungen ablenken, einen allgemeinen Verhaltenskodex für
transnationale Gesellschaften aufzustellen.
Bemühungen als einander ergänzend.

Ich betrachte diese beiden

Ja, wenn wir uns selbst beweisen können,

daß es möglich ist, auf diesem begrenzten Gebiet, wo grundsätzliche Übereinstimmung herrscht, wirksam zu handeln, dann dürfte uns das bei unseren
Bemühungen um ein Abkommen über einige der weitergefaßten Probleme helfen.
Wir

- 7 -

�Wir sind uns darüber im klaren, daß es keine soziale Gerechtigkeit geben
kann, solange die Früchte der Expansion der Weltwirtschaft nicht gerecht
verteilt werden und den Zielen der wirtschaftlichen Entwicklung dienen.
Aber es kann auch keine dauerhafte wirtschaftliche Entwicklung ohne
soziale Gerechtigkeit geben.

Entwicklung muß mit Befreiung verbunden

sein - Befreiung von Armut, Abhängigkeit und Erniedrigung.

Eindrucksvolle

Wachstumsraten, die Erfüllung von Planzielen ist nicht genut.

Ja, die Fest-

legung auf solche numerischen Ziele kann, wenn sie übertrieben wird, sogar
das Gegenteil bewirken, da sie die Aufmerksamkeit von der Oberwindung der
Armut und dem krassen Unterschied zwischen arm und reich ablenken kann.
Die Schaffung einer neuen internationalen Wirtschaftsordnung bedeutet
nicht nur Gleichheit der Chancen für alle Staaten bei der Beteiligung an
den Früchten der anhaltenden Expansion der Weltwirtschaft, sondern auch
eine Gleichheit der Chancen für alle Menschen in diesen Staaten.
In der Zeitspanne von 1971 bis 1975 übertraf die Wachstumsrate in jenen
Entwicklungsländer, die 1970 ein Bruttosozialprodukt von über 200 Dollar
pro Kopf der Bevölkerung erreicht hatten, das in der internationalen
Entwicklungsstrategie für die Entwicklungsländer insgesamt aufgestellte
Ziel von sechs Prozent. Die Länder unter 200 Dollar erreichten im Durchschnitt nur 3,5 Prozent. Das Wachstum pro Kopf in den letzteren Ländern
betrug nur 0,9 Prozent pro Jahr, verglichen mit dem Ziel der internationalen
Entwicklungsstrategie von 3,5 Prozent pro Kopf für die Entwicklungsländer
insgesamt. Wie sich diese Entwicklungen auf die Menschen in diesen Ländern
praktisch ausgewirkt haben, wagen wir uns kaum auszudenken. Und diese Zahlen
sagen uns auch nichts über die Probleme der am wenigsten vom Glück begünstigten Menschen in diesen Ländern. Aber wir wissen, daß diese Menschen,
wenn sie sich an dem Aufbau der Gesellschaft beteiligen sollen, die wir alle
anstreben, eine ausreichende Ernährung brauchen, daß sie Unterkunft und
Gesundheitsfürsorge brauchen, daß sie Bildung und eine Chance brauchen, sich
echt am Wirtschaftsleben des Landes beteiligen zu können.
Wir alle,
-8 -

�Wir alle, meine Mitdelegierten aus Industrieländern und Entwicklungsländern, aus sozialistischen und Marktwirtschaftsländern, müssen uns
zusammenschließen, um diese grundlegenden menschlichen Ansprüche zu erfüllen.

Keine Gruppe von Ländern kann sich der Verantwortung für die

Beteiligung an dieser universalen Anstrengung verschließen.

Wenn

Industrieländer zu dem Entwicklungsprozeß in der Dritten Welt beitragen,
dann legen wir die Grundlage für einen höheren Allgemeinstand Her Prosperität
und Wirtschaftstätigkeit, der am Ende allen Nationen, einschließlich
der unsrigen, zugute kommen wird.
+ + +

�19

20. Juli 1977

DIE USA UND DIE NEUTRONEN-GEFECHTSFELDWAFFE

Washington - (AD) - Einen Tag, nachdem Präsident Jimmy Carter in einem
Schreiben an Senator John Stennis um die Genehmigung der erforderlichen
Geldmittel für die Produktion der Neutronen-Gefechtsfeldwaffe ersucht hatte,
hat der amerikanische Senat diesem Wunsche entsprochen. Gleichzeitig
hielten die Senatoren jedoch in einem Gesetzeszusatz dem Kongreß die
Möglichkeit offen, die Finanzierung zu einem späteren Zeitpunkt abzulehnen.
Die Frage der Waffe mit hochwirksamer Strahlung war eines der beherrschenden Themen der Pressekonferenz, die Carter am 12. Juli in der amerikanischen
Hauptstadt gegeben hatte. Wie zuvor in seinem Schreiben an den Vorsitzenden
des Militärausschusses des Senats, Stennis, machte der Präsident vor den
Journalisten deutlich, daß über die Produktion dieser Waffe und ihre
Indienststellung eine endgültige Entscheidung noch nicht getroffen worden
sei. Diese endgültige Entscheidung wolle er erst nach Erhalt einer Studie
des amerikanischen Verteidigungsministeriums Mitte August fällen. Gleichzeitig unterstrich der amerikanische Präsident, daß es sich hierbei auch nicht
um eine neue Konzeption oder eine neue Waffe handle; über die sogenannte
Neutronenbombe und ihre Entwicklung seien vielmehr schon seit 15 oder 20
Jahren Erörterungen geführt worden.
Wörtlich

�Wörtlich führte der Präsident auf seiner Pressekonferenz zu diesem
Thema aus:
"Die hochwirksame Strahlung der Neutronenwaffe ist schon seit 15
oder 20 Jahren erörtert und schon solange ist an ihrer Entwicklung gearbeitet worden.

Es handelt sich hierbei nicht um eine neue Konzeption

und auch nicht um eine neue Waffe.
Sie berührt unsere SALT- oder strategischen Rüstungsverhandlungen überhaupt nicht.

Sie ist streng als taktische Waffe gedacht.

Ich bin der

Auffassung, daß uns dies einige Flexibilität verleiht.
Ich habe bisher nicht entschieden, ob ich die Indienststellung der
Neutronenwaffe befürworten soll.

Ich glaube, ... daß die Zerstörung,

die aus der Explosion einer Neutronenwaffe herrühren würde, wesentlich
geringer ist als die Zerstörung durch eine entsprechende Waffe anderen
Typs.
Die Hauptfrage ist: Sollten die Neutronenwaffen oder andere Atomwaffen
jemals gegen feindliche Streitkräfte auf besetztem Gebiet unserer Verbündeten oder unserem Gebiet eingesetzt werden müssen, dann wäre die
Zerstörung bedeutend geringer.
Bevor ich eine endgültige Entscheidung über die Neutronenwaffe treffe,
muß mir eine umfassende Analyse der Auswirkungen vorliegen, und ich werde
diese Information dann dem Kongreß unterbreiten. Aber ich habe mich noch
nicht entschieden, ob ich die Neutronenwaffe genehmigen werde. Ich bin
jedoch der Meinung, daß sie eine unserer Optionen sein sollte."
Die neue Waffe ist im amerikanischen Kongreß umstritten.

Die Befür-

worter der Gefechtsfeldwaffe argumentieren, daß das begrenzte Zerstörungspotential die Abschreckung vor einem Angriff zu Lande stärkt.

Die tak-

tischen Atomwaffen, über die die NATO jetzt verfüge, so wird erklärt, hätten
- 2 -

�hätten eine so große Zerstörungskraft, daß die Gegner der Meinung sein
könnten, sie seien zu groß, um im stark bevölkerten Westeuropa überhaupt
eingesetzt zu werden. Die andere Seite würde nicht von Waffen abgeschreckt werden, so erklärte Senator Sam Nunn, Mitglied des Militärausschusses, die die NATO wahrscheinlich gar nicht einsetzen könne.
Dem hielt Senator Richard Clark, einer der führenden Gegner dieser
Waffe, entgegen, daß die massive Zerstörungskraft der gegenwärtigen taktischen
Atomwaffen erforderlich sei. Ein Atomkrieg müsse so deutlich ein Schritt
ins unbekannte Schreckliche sein, daß keiner diesen Schritt wagen werde.
Außerdem könne die Gefechtsfeldwaffe die Auffassung nähren, daß ein Atomkrieg in begrenztem, annehmbaren Rahmen geführt werden könne, was die
Möglichkeit eines solchen Krieges nur wahrscheinlicher mache.
- Carters Schreiben an Senator Stennis In seinem Schreiben an Senator John Stennis unterstreicht Präsident
Carter, daß der Neutronengefechtskopf im Sicherheitsinteresse der USA
liege. Ein Aggressor müsse sich der Ungev.ißheit gegenübersehen, ob die
NATO Kernwaffen gegen dessen vorgeschobenen Verbände einsetzen werde. Aus
diesem Grunde biete die neue Generation der Neutronenwaffen eine taktische
Option.
Das Schreiben Präsident Carters an Senator Stennis hat folgenden Wortlaut:
"In Beantwortung Ihres Schreibens vom 6. Juli 1977 möchte ich Sie auf
dem laufenden halten hinsichtlich meiner Vorstellungen zur Frage der hochwirksamen Strahlungswaffe (Enhanced Radiation - ER- Weapor.).
Ich habe

�Ich habe das Verteidigungsministerium ersucht, mir bis zum 15. August
1977 eine Studie über diese Waffen vorzulegen;

sie wird von einer Erklärung

über die Auswirkungen auf die RüstungskontroiIbemühungen begleitet sein.
Ich habe die Absicht, unmittelbar nach Erhalt dieser beiden Dokumente eine
endgültige Entscheidung über die Produktion zu treffen.

Sollte diese

Produktionsentscheidung positiv ausfallen, so werde ich dem Kongreß die
Erklärung über die Auswirkung auf die Rüstungskontrollbemühungen gleichzeitig
mit der Bekanntgabe meiner Entscheidung unterbreiten.
Inzwischen hat das Verteidigungsministerium für mich eine erste Beurteilung dieser Waffen vorbereitet.

Ich bin gegenwärtig der Ansicht, daß

die hochwirksame Strahlungswaffe, wie sie in dem Budget der amerikanischen
Behörde für Energieforschung und Entwicklung (ERDA) enthalten ist, im
Interesse der Sicherheit unseres Landes liegt.

Ich ersuche daher den

Kongreß dringend, die jetzt dafür angeforderten Mittel zu genehmigen.
Es ist hier nicht die Rede von irgendeiner neuen Waffenart, sondern
von der Modernisierung von Kernwaffen.

Solange es keine zufriedenstellenden

Abkommen über die Reduzierung von Kernwaffen gibt, müssen wir unsere
nukleare Gefechtskapazität, insbesondere hinsichtlich der Unterstützung der
NATO-Abschreckungsstrategie der flexiblen Antwort, beibehalten und
modernisieren.

Taktische Kernwaffen, einschließlich derer für den

Einsatz auf dem Gefechtsfeld, haben nachdrücklich dazu beigetragen, vor
einem Konflikt in Europa abzuschrecken.

Ich bin der Überzeugung, daß wir die

Optionen, die sie bieten, beibehalten und modernisieren müssen.

Diese

Waffen sind keine strategischen Waffen, und sie stehen in keiner Beziehung
zu SALT.
Man muß sich vor Augen halten, daß die NATO ein Verteidigungsbündnis ist,
das möglicherweise auf eigenem Territorium kämpfen muß. Ein Aggressor sollte
sich der Ungewißheit gegenübersehen, ob die NATO Kernwaffen gegen seine
vorgeschobenen Verbände einsetzen würde. Aus diesem Grunde bietet die
Kapazität einer umsichtigen Anwendung von Gewalt - die durch die hoch- 4 -

�hochwirksamen Strahlungswaffen gegeben sein mag - zumindest in diesem Sinne
eine entsprechende Option.

Ob diese Waffen bedeutsame destabilisierende

Aspekte mit sich bringenoder nicht, muß und wird in der Erklärung über
die Auswirkungen auf die Rüstungskontroilbemühungen geprüft werden.
Die hochwirksamen Strahlungswaffen würden also dazu bestimmt sein, die
Abschreckung zu fördern - wenn jedoch die Abschreckung fehlschlägt, zwei
Kritierien zu erfüllen:
- erstens, die Kapazität der NATO zu stärken, dem Aggressor bedeutsamen
militärischen Schaden zuzufügen;
- zweitens, Schäden und Verluste für Einzelpersonen, die sich nicht
im unmittelbaren Zielgebiet befinden - einschließlich befreundeter Truppen
und Zivilisten -, auf ein

Mindestmaß zu beschränken.

Die Entscheidung über den Einsatz von Kernwaffen jeder Art, einschließlich der hochwirksamen Strahlungswaffen, würde in meinen Händen bleiben,
nicht in den Händen örtlicher Gefechtsfeldkommandeure.

Eine Entscheidung,

die nukleare Schwelle zu überschreiten, wäre die schwerste Entscheidung,
die ein Präsident treffen müßte.

Ich kann Ihnen versichern, daß diese

Waffen eine solche Entscheidung nicht leichter machen würden.

Aber durch

eine Erhöhung der Abschreckung könnten diese Waffen es weniger wahrscheinlich machen, daß ich vor einer solchen Entscheidung stehen würde.
Ich hoffe, daß die obigen Informationen sich als nützlich bei den bevorstehenden Erörterungen über diese Waffen erweisen werden."

Der W-70

�Der W-70 MOP 3 - Gefechtskopf
Das amerikanische Verteidigungsministerium hat in einer Analyse für
den Außenpolitischen Ausschuß des Senats eine nähere Erläuterung des
Waffensystems gegeben, das unter der Bezeichnung W-70 MOD 3 für die LanceRakete vorgesehen ist.

In der Analyse des Verteidigungsministeriums

heißt es:
Die W-70 MOD 3 wird entwickelt, um die Forderung der Armee nach einem
Gefechtskopf mit niedriger Sprengwirkung und hochwirksamer Strahlung für
das Lance-Raketensystem zu erfüllen.
Die hochwirksame Strahlung wird durch Verschmelzungsreaktionen erreicht,
die Neutronen mit hoher Energie erzeugen.

Wenn diese Neutronen im

Zusammenhang mit relativ niedriger Spaltungs-Sprengwirkung erzeugt werden,
dann ist der Wirkungsbereich der Neutronen größer als der tödliche Wirkungsbereich der Druck- und Hitzewirkung.

Damit kann die eigentliche

Zerstörungskraft auf einen relativ kleinen Bereich begrenzt werden.

So ist

es möglich, größere Panzeransammlungen - zumindest temporär - auszuschalten,
ohne große Druck- und Hitzewellen zu erzeugen, die sich auf die Umgebung
auswirken würden.

Panzer werden heute so konstruiert, daß sie gegen

Druck- und Hitzewellen relativ unempfindlich sind, wenn eine Nuklearwaffe
nicht in unmittelbarer Nähe explodiert.

Dagegen können sie mit dem W-70

MOD 3 - Gefechtskopf gezielt außer Gefecht gesetzt werden, indem die
Besatzung der Strahlenwirkung erliegt.
Der Neutronen-Gefechtskopf ist für die Gefechtsfeld-Rakete vom Typ
Lance gedacht, die in den meisten NATO-Ländern die Raketen vom Typ Honest
John und Sergeant ablöst.

Die Lance-Rakete hat eine Reichweite von 130 km

und eine Treffsicherheit von 400 m im Umkreis.

Sie kann gegen feste wie

auch bewegliche Ziele - beispielsweise aufmarschierende Panzereinheiten eingesetzt werden.

Die Lance hat eine größere Überlebensfähigkeit als

ihre Vorgängerinnen und auch eine noch größere Treffsicherheit.
Das

�Das amerikanische Verteidigungsministerium kommt in seiner Analyse
zu dem Schluß, daß die Waffe Vorzüge aber auch Nachteile habe.
Das Pentagon weist darauf hin, daß die Sowjets versuchen würden, die
Entwicklung der Waffe mit hochwirksamer Strahlung propagandistisch
gegen die Vereinigten Staaten auszuschlachten, daß sie jedoch voraussichtlich ihr strategisches Konzept nicht ändern würden.

Hinsichtlich

der Rüstungskontrolle generell hat die W-70 MOD 3 nach Auffassung des
Verteidigungsministeriums keinen Einfluß, während sie sich leicht negativ
auf die laufenden Abrüstungsverhandlungen auswirken könnte.
"Eine Entscheidung, die nukleare Schwelle zu überschreiten", so heißt
es abschließend in der Analyse, "wäre die schwerste Entscheidung, die
ein Präsident treffen müßte. Diese Waffen würden diese Entscheidung
keinesfalls erleichtern. Aber durch eine Erhöhung der Abschreckung könnten
sie es weniger wahrscheinlich machen, daß der Präsident eine solche
Entscheidung treffen müßte."
+ + +

- 7 -

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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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              <text>Amerikadienst 20.07.1977</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Botschafter Young fordert wirtschaftliche Gerechtigkeit für alle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rede vor dem ECOSOC am 8. Juli 1977 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die USA und die Neutronen-Gefechtsfeldwaffe</text>
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