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                  <text>Dokumentation

I

United States Information Service

13. Juli 1977

18

AUSSENMINISTER VANCE ERLÄUTERT ASIENPOLITIK DER USA
- Rede des US-Außenministers am 29. Juni 1977 in New York

NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus R. Vance hat
in einer Rede vor der Asia Society am 29. Juni in New York die Asienpolitik
der Carter-Administration dargelegt.

Die Ausführungen des Außenministers

haben folgenden Wortlaut:
Es ist mir eine große Ehre, heute abend vor Ihnen sprechen zu dürfen.
Seit 20 Jahren hat die Asien-Gesellschaft Brücken der Verständigung zwischen
Asiaten und Amerikanern geschlagen. Ein Großteil dieses Verdienstes gebührt
dem Gründer der Gesellschaft, John D. Rockefeller III. Sein Interesse an den
Kulturen Asiens ist bleibend; die Beiträge der von ihm gegründeten Gesellschaft sind nicht zu zählen.
Heute abend möchte ich zu Ihnen über die Rolle Amerikas in Asien sprechen: ein Asien, das endlich den Frieden gefunden hat, aber auch ein Asien,
in dem noch manches im Ungewissen ist.
Ich

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�*

Ich möchte als erstes von dem Grundsatz ausgehen, daß die Aussichten
für die Erhaltung und Entwicklung effektiver Beziehungen zu den Ländern Ostasiens heute vielversprechender sind als zu irgendeinem Zeitpunkt seit Ende
des Zweiten Weltkrieges.

Die fundamentale Aufgabe unserer Administration

besteht darin, die positiven Entwicklungen der letzten Jahre - die Entstehung einer noch engeren Partnerschaft mit Japan, eine vielversprechende
"Öffnung" zu China, die zunehmende wirtschaftliche Prosperität im pazifischen
Becken, der wachsende Zusammenhalt der ASEAN-Gruppe - zu konsolidieren und
gegensätzliche Trends zu verhindern oder abzuschwächen, die das gegenwärtige
günstige regionale Verhältnis belasten könnten.

Von unserer Fähigkeit, diese

Aufgabe zu meistern, wird sehr viel abhängen, denn unser Interesse an Asien
ist bleibend und.wesentlich.
Ich hoffe, Ihnen folgende Erkenntnisse vermitteln zu können:
- Erstens, die Vereinigten Staaten sind und bleiben eine asiatische
und pazifische Macht.
- Zweitens, die Vereinigten Staaten werden weiterhin ihre Schlüssel rolle
spielen, wenn es gilt, zum Frieden und zur Stabilität in Asien und im Pazifik
beizutragen.
- Drittens, die Vereinigten Staaten streben mit den Ländern dieses Gebietes normale und freundschaftliche Beziehungen auf der Grundlage der Gegenseitigkeit und der gegenseitigen Achtung an.
- Viertens, die Vereinigten Staaten werden eine beiderseitige Ausweitung
von Handel und Investitionen über den Pazifik hinweg anstreben, aus der Erkenntnis der wachsenden Interdependenz der Volkswirtschaften der Vereinigten
Staaten und dieser Region heraus.
- Und fünftens, wir werden unseren Einfluß nutzen, um die menschlichen
Bedingungen der Völker Asiens zu verbessern.
Bei

�Bei all dem kann es keinen Zweifel an der anhaltenden Vitalität der
Beziehungen unseres Landes zu den Völkern Asiens und des Pazifik geben.
Den Menschen in Asien möchte ich heute abend ohne Einschränkung sagen,
daß unser Volk sein Selbstvertrauen im eigenen Lande wiedergefunden hat.
Und wir haben unser Interesse an Asien nicht aufgegeben. Wir sind und bleiben aufgrund unserer geographischen Lage, unserer Geschichte, unseres Handels
und unserer Interessen eine pazifische Nation. Rund ein Viertel unseres gesamten Handels wickeln wir heute mit Ostasien und dem Pazifik ab. Im vorigen
Jahr haben wir amerikanische Erzeugnisse im Werte von 22 Milliarden Dollar
an diese Region verkauft. In den letzten fünf Jahren haben wir mit dieser
Region mehr Handel getrieben als mit irgendeiner anderen Region der Welt,
einschließlich der Europäischen Gemeinschaft.
Von Frieden und Stabilität in Asien sprechen zu können, ist eine erfreuliche Wandlung. Dennoch bestehen weiterhin schwerwiegende Probleme. Unsere
Aufgabe ist es, bei der Konsolidierung des friedlichen Gleichgewichtszustands,
der sich in Asien herausgebildet hat, Hilfe zu leisten und das wirtschaftliche
Wachstum zu fördern, das seinen Völkern bessere Zukunftsaussichten verheißt.
Die Vereinigten Staaten werden frei und aufgeschlossen ihre Beziehungen
zu den Ländern Asiens weiter ausbauen.

Wir werden weiterhin eng mit Verbün-

deten und Freunden zusammenarbeiten, und wir hoffen, die Beziehungen zu denjenigen, die unsere Gegner gewesen sind, auf einer für beide Seiten positiven
Grundlage normalisieren zu können.
Die Vereinigten Staaten sind sich der Bedeutung bewußt, die ihr anhaltender Beitrag für die Sicherheit in Asien besitzt.

Wir werden eine starke

militärische Präsenz in diesem Gebiet beibehalten.
Diese Präsenz wird durch die Veränderungen der Technologien, durch die
Verbesserungen in den Sicherheitskapazitäten unserer Freunde und Verbündeten
und durch unsere Bemühungen um weitere Versöhnung und Förderung des Friedens
- 3 -

�Friedens beeinflußt werden.
Unter unseren Verbündeten und alten Freunden ist keiner wichtiger als
Japan.

Unser beiderseitiger Sicherheitsvortrag ist ein Eckpfeiler des Frie-

dens in Ostasien.

Japans demokratische Institutionen sind festverwurzelt.

Kein anderes Volk erfreut sich einer größeren politischen Freiheit.
vom Willen zum Frieden beseelt ist, steht außer jedem Zweifel.

Daß es

Vor 25 Jah-

ren stand Japan, obwohl es sich von den verheerenden Zerstörungen des Krieges
wieder erholt hatte, erst am Anfang

seines wirtschaftlichen Vormarsches.

Heute liegt sein per capita-Bruttosozialprodukt bei fast 5000 Dollar.

Im

Jahre 1953 waren es nur rund 700 Dollar - nach dem derzeitigen Geldwert berechnet - das heißt weniger als das in vielen Entwicklungsländern heute.
Das Wachstum Japans war ein unerläßlicher Faktor für den wirtschaftlichen
Fortschritt der weniger entwickelten Länder in diesem Gebiet.

Seine Hilfe

stellte einen bedeutenden Beitrag zum Wohlergehen dieser Länder dar, wir begrüßen die Zusage, daß es seine Hilfe und Unterstützung innerhalb der nächsten
fünf Jahre verdoppeln will.
Seine großen Leistungen und Errungenschaften haben Japan die entsprechenden Aufgaben und Verantwortungen gebracht. Seine Aktionen - genau wie die
unseren - müssen Auswirkungen haben, die weit über seine eigenen Grenzen hinausreichen. Ein erweiterter japanischer Markt für Fertigwaren anderer Länder
würde einen wichtigen Beitrag zu einem gesünderen weltwirtschaftlichen Gleichgewicht darstellen; dies gilt genauso für höhere Expansionsraten zur Stimulierung der Volkswirtschaften anderer Länder.
Die Vereinigten Staaten und Japan müssen in enger Konsultation vorgehen.
Vor allem müssen wir jedes zwischen uns auftretende Problem im Geiste wahrer
Freundschaft und Verständigung lösen.
Unsere Verbindungen mit Japan bleiben der Grundstein unserer Politik in
Asien. Aber wir sehen auch große Chancen für den Aufbau einer neuen Beziehung
- 4 -

�Beziehung zur Volksrepublik China.
Nach 25 Jahren der Konfrontation führen wir nun einen konstruktiven
Dialog mit der Volksrepublik China.
Bedeutende Unterschiede in der Kultur, den sozialen Systemen, der Ideologie und der Außenpolitik stehen immer noch trennend zwischen unseren beiden
Ländern.

Aber das chinesische und amerikanische Volk stehen nicht länger mehr

in Feindseligkeit, voll Mißverständnis und faktisch völlig getrennt einander gegenüber, wie dies zwei Jahrzehnte lang der Fall war.
Wir erachten freundschaftliche Beziehungen zu China für ein zentrales
Anliegen unserer Außenpolitik. Chinas Rolle für die Erhaltung des Weltfriedens ist von entscheidender Wichtigkeit. Ein konstruktives Verhältnis zu
China ist nicht nur in regionaler Hinsicht, sondern auch für das globale
Gleichgewicht von Bedeutung. Ein solches Verhältnis will niemand bedrohen.
Es wird nur dem Frieden dienen.
Daß sich ein Viertel der Menschheit an der Suche nach den Lösungen globaler Probleme beteiligt, ist wichtig.
Bei der Gestaltung unseres Verhältnisses zu den Chinesen werden wir mit
anderen kein Abkommen abschließen, das gegen die Volksrepublik China gerichtet
wäre.

Wir erkennen die starken Verpflichtungen Chinas zur Unabhängigkeit, Ein-

heit und Selbständigkeit an und achten sie.
Unsere Politik gegenüber China wird weiterhin von den Grundsätzen des
Kommuniques von Schanghai geleitet werden, und auf dieser Basis werden wir
auf eine volle Normalisierung der Beziehungen hinarbeiten.

Wir erkennen die

im Kommunique von Schanghai zum Ausdruck gebrachte Auffassung an, daß es nur
ein China gibt.

Wir legen ferner Wert auf eine friedliche Lösung der Formosa-

Frage durch die Chinesen selbst.

In
- 5 -

�In sieben Wochen werde ich Peking besuchen, um mit den Führern Chinas
zu sprechen.

Ein weiter Bereich weltpolitischer Fragen verlangt unsere Auf-

merksamkeit.

Und wir möchten Wege sondieren, um unser bilaterales Verhält-

nis zur Volksrepublik China weiter zu normalisieren.

Beiderseitige und

wechselseitige Anstrengungen in dieser Richtung sind wesentlich.
Wenn wir uns auf unseren Besuch in Peking vorbereiten, dann sind wir
uns darüber im klaren, daß es nicht leicht sein mag, einen Fortschritt zu
erzielen, und daß dieser nicht sofort auf der Hand liegen mag.

Aber diese

Administration hat sich dem Fortschritt verschrieben, und in diesem Geiste
gehen wir an die Gespräche in Peking heran.
Quer durch Asien haben wir mit vielen anderen Ländern enge und historische
Beziehungen, und wir wollen neue Wege suchen, um diese zu festigen.
Die Republik Korea hat die durch den Frieden auf der Halbinsel gebotenen
Möglichkeiten gut genutzt, um in zunehmendem Maße selbständig und autark zu
werden.

Der Lebensstandard der Bevölkerung hat sich in den letzten zehn Jah-

ren wesentlich verbessert.

Der Handel ist enorm gestiegen.

Die Landwirt-

schaft wurde revolutioniert.
Unsere Sicherheitsverpflichtung gegenüber der Republik Korea und unsere
Entschlossenheit, diese Verpflichtung einzuhalten, ist von entscheidender Bedeutung für die Erhaltung des Friedens in Nordostasien.
Südkoreas Wachstum und Stärke sind die Grundlage für die Entscheidung
Präsident Carters, einen zeitlich sorgfältig abgestimmten Abzug der amerikanischen Landstreitkräfte vorzunehmen.

Das wird in einer Weise geschehen, die

die Sicherheit Südkoreas nicht gefährden wird.

Wir werden ferner mit Zu-

stimmung des Kongresses bemüht sein, die Verteidigungskapazität Südkoreas zu
stärken.
Im übrigen ist festzustellen:

- Unsere

�- Unsere Landstreitkräfte stellen nur etwa fünf Prozent der gesamten
Landstreitkräfte dar, die zur Verteidigung Südkoreas verpflichtet sind.
- Der schrittweise Abzug dieser Truppen über einen Zeitraum von vier
bis fünf Jahren wird durch die wachsende Stärke und das wachsende Selbstvertrauen der südkoreanischen Streitkräfte ausgeglichen werden.
- Unsere See- und Luftstreitkräfte und andere Versorgungselemente werden bleiben.
- Wir arbeiten eng mit den Koreanern zusammen, um ihnen bei der Erhöhung ihrer eigenen Verteidigungskapazität zu helfen.
Die Vereinigten Staaten und die Republik Korea haben den gemeinsamen
starken Wunsch, einen dauerhaften Rahmen für die Aufrechterhaltung von Frieden und Stabilität auf der Halbinsel zu schaffen.
- Wir unterstützen die Aufnahme von Nord- und Südkorea in die Vereinten
Nationen ohne Präjudizierung der schließlichen Wiedervereinigung.
- Wir sind bereit, bessere Beziehungen zu Nordkorea herzustellen, vorausgesetzt, die Verbündeten Nordkoreas ergreifen Schritte zu einer Verbesserung
ihrer Beziehungen zu Südkorea.
- Wir haben Verhandlungen vorgeschlagen, um den gegenwärtig existierenden Waffenstillstand durch dauerhaftere Vereinbarungen abzulösen.
- Wir haben uns bereit erklärt, zu diesem Zweck mit Südkorea, Nordkorea
und der Volksrepublik China als den am unmittelbarsten interessierten Parteien
zusammenzutreffen und mit ihnen die Möglichkeiten für eine größere Konferenz
zu sondieren.

Wir werden in Verhandlungen über die Zukunft der Halbinsel nur

unter Beteiligung der Republik Korea eintreten.
Vor
- 7 -

�Vor zehn Jahren - als sogar in Indochina noch der Krieg tobte - haben
fünf südostasiatische Länder ein neues Instrument des Friedens geschaffen
- die Vereinigung der Südostasiatischen Nationen oder ASEAN.

Unsere Bezie-

hungen zu einem dieser Staaten, nämlich den Philippinen, haben ihre Wurzeln
in einer gemeinsamen Geschichte.

Die Stärke dieser Bindungen wird durch

unseren gegenseitigen Verteidigungspakt noch gefestigt.

Jedes der anderen

vier ASEAN-Mitglieder - Thailand, Indonesien, Malaysia und Singapur - ist
ein alter und geschätzter Freund.
Unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu den ASEAN-Ländern sind immer
wichtiger geworden.

Aus dem ASEAN-Gebiet beziehen wir ein Zehntel unseres

Rohöls und einen wesentlichen höheren Prozentsatz unseres Kautschuks, Zinns,
Kakaos und Bauxits sowie anderer wichtiger Rohstoffe.

Diese fünf Länder mit

einer Gesamtbevölkerung, die größer ist als die von ganz Südamerika, haben
im Jahre 1976 amerikanische Waren im Werte von 3,7 Milliarden Dollar gekauft.
Wir werden mit jedem der ASEAN-Länder enge bilaterale Beziehungen aufrechterhalten. Und wir begrüßen die Möglichkeit, über ihre Organisation
mit ihnen zu verhandeln, wenn das ihr Wunsch ist. Wir freuen uns ganz besonders, daß in ganz wenigen Monaten in Manila die ersten formellen Konsultationen zwischen den USA und ASEAN abgehalten werden. Diese Gespräche werden, so hoffen wir, die Grundlage für eine stärkere amerikanische Unterstützung der regionalen Anstrengungen in Südostasien bilden.
Die engen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten, Australien und
Neuseeland datieren weit hinter unser formelles Bündnis im ANZUS-Pakt zurück.

Erst vorige Woche begrüßte der Präsident den australischen Minister-

präsidenten Malcolm Fräser in Washington.

In ihren weitgefaßten Gesprächen

wurde der asiatischen Region besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Der Beitrag,

den Australien und Neuseeland zu dieser Region leisten, ist von lebenswichtiger Bedeutung, und wir werden uns mit ihnen in allen Fragen gemeinsamen
Interesses eng konsultieren.
Während
- 8 -

�Während wir mit traditionellen Freunden zusammenarbeiten, haben wir
damit begonnen, unsere Beziehungen zur Sozialistischen Republik Vietnam zu
normalisieren.
Unsere alten Freunde in Südostasien und im Pazifik sind über unsere
Gespräche mit den Vietnamesen voll auf dem laufenden gehalten worde. Sie
stimmen zu, daß durch die Herstellung normaler Beziehungen zwischen Vietnam
und den Vereinigten Staaten den Interessen aller gedient wäre.
Die Narben des Krieges sind noch auf beiden Seiten vorhanden.

Auf bei-

den Seiten herrscht noch ein Rest an Bitterkeit, der überwunden werden muß.
Aber es ist einiger Fortschritt zu verzeichnen:
- Zusammen mit den Vietnamesen haben wir ein System für die Identifizierung und Heimführung der sterblichen Überreste von Amerikanern entwickelt,
die im Kriege vermißt wurden.

Bald werden die sterblichen Überreste von

zwanzig weiteren amerikanischen Piloten aus dem Lande, in dem sie starben
- einige von ihnen schon vor zehn Jahren -, in das Land übergeführt werden,
dem sie ehrenhaft und treu dienten.
- Wir haben die Beschränkungen für Reisen nach Vietnam aufgehoben und
andere wichtige Schritte unternommen, um den Prozeß der Versöhnung zu fördern.
- Wir haben angeboten, das Handelsembargo aufzuheben, sobald wir diplomatische Beziehungen hergestellt haben.
- Und wir werden uns der Aufnahme Vietnams in die Vereinten Nationen
nicht länger widersetzen. Ich rechne damit, daß die vietnamesische Delegation in der nächsten Sitzungsperiode der Vollversammlung dort Sitz und
Stimme erhalten wird.
Diese
- 9 -

�Diese Schritte lassen erkennen, daß wir im Aufbau eines neuen Verhältnisses vorankommen wollen.

Wenn wir an die Lehren der Vergangenheit denken,

dann sollte keine Seite sich von diesen gefangennehmen lassen oder falsche
Schlußfolgerungen daraus ziehen.

Wir können keine Interpretation der Ver-

gangenheit akzeptieren, die uns unbegründete Belastungen auferlegt.
In der Zwischenzeit verlangt ein neuer Strom von Flüchtlingen aus Indochina die dringende humanitäre Unterstützung der Welt.
mit einer Rate von 1500 im Monat zu.

Einige wenige

Ihre Zahlen nehmen

Länder - darunter Thai-

land, Frankreich, Kanada, Australien und in jüngster Zeit auch Israel - haben viel getan, um diesen unglücklichen Menschen zu helfen.

Einige Länder

haben jedoch den Rücken gekehrt und überlassen eine steigende Zahl von
Flüchtlingen dem Untergang durch Ertrinken oder Krankheit.
Ich ersuche dringend darum, daß diesen Flüchtlingen Unterkunft und Hilfe
geboten wird, bis eine dauerhafte Regelung gefunden werden kann.
Wenn wir heute über den weiten Pazifik blicken, dann sehen wir ein Netz
von Beziehungen, das uns verbindet, und die anhaltende Rolle Amerikas für die
Sicherheit Asiens.

Der Frieden in dieser Region hängt auch von unseren Be-

mühungen ab, die Spannungen mit der Sowjetunion abzubauen.

Jeder Versuch,

das gegenwärtige allgemeine Gleichgewicht zu verändern, würde von allen andern in der Region mit Besorgnis betrachtet.
Der Frieden hat es den Vereinigten Staaten und Asien ermöglicht, das
Augenmerk auf das wirtschaftliche Wachstum zu richten, das ein so eindrucksvolles Merkmal des modernen Asiens ist.
Japans Wirtschaftswunder ist bekannt, aber die bemerkenswerte wirtschaftliche Entwicklung anderer Länder in Asien hat weniger Aufmerksamkeit gefunden.
Daß diese erfolgreiche Entwicklung ständig so weitergeht, versteht sich
- 10 -

�sich nicht von selbst.

Wir müssen eine Politik verfolgen, die die Gewähr

bietet, daß der wirtschaftliche Fortschritt sich nicht ins Gegenteil verkehrt und daß seine Segnungen breiter verteilt werden.
Die von Präsident Carter auf dem Wirtschaftsgipfel gegebenen festen
Zusagen sind für Asien genau so relevant wie für die anderen Teile der Welt.
- Wir werden weiterhin die Inflation bekämpfen.
- Wir werden weiterhin nach Mitteln und Wegen suchen, um neue Energiequellen zu entwickeln und die Gewähr für stabile und faire Energiepreise zu
geben.
- Wir werden allen protektionistisehen Tendenzen entgegenwirken und ein
liberales Handelssystem unterstützen.
- Wir werden den Abschluß von preisstabilisierenden Rohstoffabkommen
und die Anlage von Ausgleichsvorräten für ausgewählte Rohstoffe unterstützen,
die von Erzeugern und Verbrauchern finanziert und durch einen gemeinsamen
Fonds gestützt werden.
Außerdem wird unsere Politik in Asien auf die wirtschaftlichen Probleme
und Chancen in dieser Region ausgerichtet sein.

Die Rolle der asiatischen

Entwicklungsbank ist hier von besonderer Bedeutung.
Auf dem Gebiet der Entwicklungsprogramme haben die Vereinigten Staaten
in jüngster Zeit die Initiative ergriffen, indem sie zu einer konzertierten
internationalen Anstrengung aufforderten, um eine Agenda der menschlichen
Grunderfordernisse aufzustellen.
Eine solche Agenda muß in Asien und auch sonst in der sich entwickelnden
Welt die folgenden wesentlichen Elemente einschließen, die ich auf der
Ministertagung der OECD in Paris unlängst umrissen habe:
- Entwicklung
- 11 -

�- Entwicklung der ländlichen Gebiete der Dritten Welt, in denen die
große Mehrheit der ärmsten Menschen lebt;
- eine integrierte Strategie zur Steigerung der Lebensmittelerzeugung
und der besseren Ernährung in diesen Gebieten;
- stärkerer Nachdruck auf dem Sektor der Präventivmedizin, der Familienplanung und der Schwangerenfürsorge mit geringstem Kostenaufwand;
- erweiterte Programme für Volks- und höhere Schulausbildüng sowie
für die Berufsschulen; und
- erneute Anstrengungen, um auch Frauen in den Entwicklungsprozeß einzugliedern.
All diesen Anstrengungen sagen die Vereinigten Staaten ihre feste
Unterstützung zu.

Aber in vielen Ländern ist der rapide Bevölkerungszu-

wachs eine Bedrohung für die wirtschaftliche Entwicklung.

Wenn heute schon

der Druck des Bevölkerungszuwachses auf dem Lande für die natürliche Umweltverhältnisse in Ostasien eine Bedrohung darstellt, so wird sich die Bevölkerung einiger Länder Ostasiens der siebziger Jahre bis zum Ende des Jahrhunderts sogar verdoppeln.
Ich glaube, daß die Vereinigten Staaten den Ländern helfen müssen, mit
diesen schwierigen Problemen fertig zu werden.
Wir müssen uns genau so eindringlich mit anderen Aspekten der Menschenrechte befassen - dem Recht, unter der Herrschaft eines Gesetzes zu leben,
das gegen grausame, willkürliche und entwürdigende Behandlung Schutz bietet,
sich an der Regierung und ihren Entscheidungen beteiligen zu können, seiner
Meinung freien Ausdruck geben zu können und nach friedlichen Veränderungen
streben zu können.
Wir
- 12 -

�Wir wissen um kulturelle Unterschiede.

Unsere Tradition

betont die

Rechte und das Wohlergehen des Individuums; einige asiatische Traditionen
legen den Nachdruck mehr auf die Rechte und das Wohlergehen der Gruppe.
Wir stimmen der Entschlossenheit der asiatischen Länder voll und ganz zu,
sich ihre unter großen Opfern erworbene Fähigkeit zu bewahren, ihre eigene
Politik zu bestimmen und sich ihre eigenen Institutionen zu schaffen.
Wir sind aber auch fest davon überzeugt, daß es neue und größere
Chancen zur Verbesserung der menschlichen Verhältnisse in dem von mir soeben beschriebenen Asien gibt - einem Kontinent in Frieden, einer Heimat
von begabten und fähigen Menschen, die sicher in ihrer nationalen Unabhängigkeit sind.
Mit Wachsamkeit und Entschlossenheit, mit Freundschaft und Verständnis
ermutigen wir unsere asiatischen Freunde, diese Gelegenheit zu ergreifen,
um die Menschenrechte ihrer Völker zu fördern.
Dies zu tun wird keine Nation schwächer machen.
Im Gegenteil, eine tiefere Art von Stärke - eine Stärke, die sich aus
der vollen Beteiligung aller Menschen ergibt - wird auf lange Sicht das Ergebnis des Einsatzes für die Verbesserung der menschlichen Verhältnisse sein.
Die Länder in Asien, die diesen Kurs bereits eingeschlagen haben, werden
darum um so stärker sein, und wir werden imstande sein, noch enger mit ihnen
zusammenzuarbeiten.
Ich habe meine Rede heute abend damit begonnen, daß ich die Verheißung
des Friedens und des friedlichen Wandels, der das gesamte Gebiet zu erfassen
beginnt, aufs wärmste begrüßte.

Ich möchte sie beschließen, indem ich mit

Nachdruck meiner tiefen Hoffnung auf einen neuen Gemeinschaftssinn in Asien
und im Pazifik Ausdruck gebe.

Wir sind bestrebt:
- Auf
- 13 -

�- Auf den Beziehungen der gegenseitigen Achtung weiterzubauen;
- die bereits erreichte, jedoch noch zerbrechliche Stabilität zu konsolidieren;
- größere Freiheit und größere Achtung für die Menschenrechte zu erreichen; und
- die noch bestehenden Trennungen zu beseitigen.
Ich versichere, daß unsere Administration alle Anstrengungen auf dieses
Ziel hin unternehmen wird, und bitte unsere Freunde in Asien und das amerikanische Volk hierfür um Unterstützung.

+ + + + +

- 14 -

�1

1
I

3

Dokumentation
United States Information Service

13. Juli 1977

18

VANCE KÜNDIGT POSITIVE AFRIKA-POLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN AN
- Rede des US-Außenministers vor der NAACP am 1. Juli 1977 -

St. Louis, Missouri - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus
R. Vance hat am 1. Juli in St. Louis im Staate Missouri eine bejahende und
positive Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Afrika angekündigt. Vor
der Jahreshauptversammlung der bekannten Organisation für die Förderung der
Farbigen (NAACP - National Association for the Advancement of Colored
People) betonte Vance, daß die Carter-Administration ein aktives Interesse
an Afrika habe.
Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Dies ist eine besondere Gelegenheit für mich, mit Ihnen zusammenzutreffen und mit Ihnen über ein wichtiges Thema zu sprechen: die Beziehungen
Amerikas zu Afrika.

Bevor

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Bevor ich mich dem eigentlichen Thema zuwende, möchte ich noch ein
paar persönliche Bemerkungen über einen Mann machen, der diese Organisation
geführt und seit fast fünf Jahrzehnten seine Stimme für Gerechtigkeit und
Freiheit erhoben hat.
i

Ich spreche von Roy Wilkins - einem persönlichen Freund und einem Mann,
den ich in all diesen Jahren bewundert habe.
Roy Wilkins hat sein Werk noch nicht vollendet.

Es bleibt noch eine

wichtige Tagesordnung, die er mit aufgestellt hat - eine Tagesordnung
der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit.

Ich weiß, daß Präsident

Carter und andere in seiner Administration weiterhin die Unterstützung
von Roy Wilkins erbitten, von seiner Stärke inspiriert sein und nach dem
streben werden, was er für gerecht ansieht.
In seiner Führuna der NAACP hat Roy Wilkins niemals aus den Augen
verloren, welche Bedeutung Afrika für unsere Nation hatte.
Afrika bedeutet für die Vereinigten Staaten sehr viel.

Das ist eine

Tatsache, die immer mehr Amerikaner begreifen.
Sie in der NAACP haben diese Tatsache seit den ersten Tagen ihrer
Gründung vor fast 70 Jahren erkannt: indem Sie 1919 den ersten Panafrikanischen Kongreß abhielten und indem Sie in den Tagen des N^rshall-Plans
auch eine wirksame Unterstützung Afrikas, der Karibik und anderer Entwicklungsgebiete forderten.
Wir hoffen, daß wir in unserer neuen Administration bei der Ausarbeitung
unserer Afrika-Politik einen ähnlichen Weitblick entwickeln können.
Wir gehen von einer Grundvoraussetzung aus: Unsere Politik muß die
einmalige Identität Afrikas anerkennen. Wir sind weder auf dem richtigen
Weg, noch können wir etwas bewirken, wenn wir Afrika einfach als einen Teil
der Dritten Welt oder als einen Tummelplatz der Ost-West-Konkurrenz betrachten.
- 2 -

Die

�Die Wirklichkeit in Afrika ist unglaublich vielfältig.

Aber aus dieser

Vielfalt entspringt eine allgemeine Tatsache von großer Bedeutung.

Afrika

verfügt über ein gewaltiges Potential - an menschlichem Talent, an
Ressourcen, die auf ihre Entwicklung warten, an Energie, die es zu nutzen
gilt.
Wir können die Richtigkeit dieser Feststellung an unseren eigenen
nationalen Interessen messen. Denn das Potential Afrikas ist mit dem
unsrigen verknüpft.
- Erfolg oder Fehlschlag in der Suche nach rassischer Gerechtigkeit
und Rassenfrieden im südlichen Afrika werden tiefgreifende Auswirkungen
im amerikanischen Volke haben. Und unsere Beteiligung an dieser Suche
gründet sich auf die Werte unserer eigenen Gesellschaft.
- Die Rolle der afrikanischen Staaten in den Vereinten Nationen und
in anderen multilateralen Gremien ist unentbehrlich.

Ein Drittel der

Mitglieder der Vereinten Nationen sind afrikanische Staaten.
- Der mineralische und landwirtschaftliche Reichtum Afrikas sorgt
bereits für einen beträchtlichen Teil unserer Einfuhren an Gütern wie
Kupfer, Kobalt und Mangan für unsere Industrie und an Kakao und Kaffee
für unsere Haushalte.

Und Afrika liefert uns 38 Prozent unserer Rohölein-

fuhren.
- Unsere direkten Investitionen im Afrika südlich der Sahara haben
sich in den letzten 15 Jahren fast versechsfacht. Unser Handel beträgt
seit damals fast das Zwölffache« Und die Zusammensetzung unseres Handels
mit Afrika zeigt einen immer größeren Anteil Schwarzafrikas auf. Der
Handel mit Südafrika machte im Jahre 1960 rund 39 Prozent unseres Afrikahandels aus, heute ist unser Handel mit Nigeria allein wertmäßig doppelt
so groß wie der mit Südafrika.
- über

�- Ober diese politischen und wirtschaftlichen Bande hinaus, die unsere
Zukunft verknüpfen, gibt es auch gesellschaftliche und kulturelle Bindungen,
aus denen wir viel profitiert haben.

Wir erleben diese Bereicherung jeden

Tag - in unserer Literatur, unserer Kunst, unserer Musik und in unseren
gesellschaftlichen Werten.
Während der letzten Monate haben sich bei der Erörterung der spezifischen Afrika-Politik, von der ich heute sprechen will, einige allgemeine Punkte herauskristallisiert.

Sie definieren unsere generelle

Einstellung.
Erstens, die wirkungsvollste Politik gegenüber Afrika ist eine bejahende positive - Politik.

Sie darf keine Reaktion auf das sein, was andere

Mächte tun, noch auf Krisen, wenn diese auftreten.

Unsere Tagesordnung

des Fortschritts darf nicht von Schlagzeilen geprägt werden.
Eine negative, reaktive amerikanische Politik, die nur darauf aus wäre,
sich eir.er sowjetischen oder kubanischen Einmischung in Afrika zu widersetzen, wäre gefährlich und nichtig. Der beste Kurs für uns besteht darin,
zur Lösung der Probleme beizutragen, die Gelegenheiten für eine Einmischung
von außen schaffen.
Zweitens, unser Ziel muß es sein, ein blühendes und starkes Afrika zu
fördern, das mit sich selbst und mit der Welt in Frieden lebt. Der Erfolg
unserer Afrika-Politik wird mehr von unserer tatsächlichen Hilfe für die
afrikanische Entwicklung abhängen und von unserer Fähigkeit, den Afrikanern
zu helfen, ihre Streitfragen zu lösen, als von Manövern, die kurzfristige
diplomatische Vorteile einbringen.
Drittens, unsere Politik muß den afrikanischen Nationalismus anerkennen
und ermutigen.

Nachdem sie ihre Unabhängigkeit gewonnen haben, werden die

afrikanischen Nationen sie gegen Herausforderungen von jeder Seite verteidigen.

Wenn wir versuchen, afrikanischen Problemen amerikanische Lösun- 4 -

�Lösungen aufzuzwingen, dann könnten wir bald Zwietracht unter den
Afrikanern säen und ihre Fähigkeit untergraben, sich den Bemühungen anderer,
sie zu beherrschen, zu widersetzen.

Das werden wir nicht tun.

Viertens, unsere Politik muß unsere nationalen Werte widerspiegeln.
Unser tiefer Glaube an die Menschenrechte - politisch, wirtschaftlich und
gesellschaftlich - führt uns zu einer Politik, die der Förierung dieser
Menschenrechte in ganz Afrika dient.

Das bedeutet Sorge um den Einzelnen,

dessen Rechte bedroht werden - überall auf dem Kontinent.

Und es bedeutet,

daß wir uns nach Kräften bemühen, friedlich für die Förderung der rassischen
Gerechtigkeit im südlichen Afrika einzutreten.

Darin schließen wir uns den

vielen afrikanischen Ländern an, die, nachdem sie ihre Freiheit gewonnen
haben, entschlossen sind, daß ganz Afrika die Freiheit gewinnt.
Fünftens, unsere Bindungen mit Afrika sind nicht nur politischer Natur,
sondern auch kultureller und wirtschaftlicher Natur. Die letzteren sind
die dauerhaftesten.
Und schließlich woller wir den afrikanischen Staaten offen entgegentreten.

Wir sind bereit, über jede Frage, ob afrikanisch oder weltweit,

zu sprechen; unseren Dialog mit afrikanischen Nationen auszuweiten und mit
ihnen zusammenzuarbeiten, selbst wenn wir nicht einer Meinung sind.
Nur so können wir unsere Auffassungen ohne Groll geltend machen.
Unsere neuerlichen Beziehungen zur Volksrepublik Kongo, unsere Erfahrungen
auf der kürzlichen Konferenz über das südliche Afrika in Maputo und unsere
Arbeit mit afrikanischen Delegationen bei den Vereinten Nationen demonstrieren, daß diese Einstellung richtig ist.
Und letztlich wird unsere Afrika-Politik nach ihren Ergebnissen und
nicht nach den Absichten beurteilt werden.
Eines

- 5 -

�Eines der Hauptanliegen Afrikas ist, daß seine grundlegenden
menschlichen Ansprüche befriedigt werden.

Trotz seiner gewaltigen

Ressourcen ist es noch immer eines der am wenigsten entwickelten Gebiete
der Erde.

Von den 28 am wenigsten entwickelten Ländern der Welt sind

allein 18 afrikanische Staaten.
Wir sind bereit zu helfen.
über unsere zunehmenden Handels- und Investitionsbeziehungen zu afrikanischen Ländern hinaus sind wir gewillt, wirtschaftliche Unterstützung
zu leisten, die direkt das Leben derjenigen verbessert, die in größter
Not leben. Die praktische Verwirklichung dieses Prinzips ist nicht über
Nacht möglich. Aber es muß verwirklicht werden.
Unsere Wirtschaftshilfe für Afrika wird erhöht - von 271 Millionen
Dollar im Haushaltsjahr 1976 auf geplante 450 Millionen Dollar im Haushaltsjahr 1978. Wir hoffen, daß die Unterstützung seitens unserer europäischen Freunde ebenfalls steigen wird, und wir werden uns mit ihnen
konsultieren, wie wir alle die wirkungsvollsten Beiträge leisten können.
Um zu helfen, daß unsere Hilfe die Dörfer auf dem Lande erreicht,
werden wir den Nachdruck der Unterstützung auf die Entwicklung und Verbreitung geeigneter Technologien und Techniken legen. Ich denke dabei an
solches Gerät wie kleine landwirtschaftliche Maschinen, wie sie in Senegal,
Obervolta, Mali und sonstwo hergestellt werden, und an grundlegende
Methoden der landwirtschaftlichen Erweiterung, die sich in einem Lande
bewährt haben und in einem anderen Anwendung finden könnten. Wir werden
auch unsere Unterstützung für die landwirtschaftliche Forschung in Afrika
ausdehnen und uns darum bemühen, daß unsere eigene technische Hilfe den
afrikanischen Erfordernissen entspricht.
Ferner werden wir auf den Bedarf afrikanischer Staaten an modernen
Techniken eingehen, die sie in die Lage versetzen, mehr ihrer eigenen
natürlichen Hilfsquellen zu entwickeln und zu verarbeiten.
Unser
- 6 -

�Unser Amt für Internationale Entwicklung (AID) unter der Leitung von
Gouverneur Gilligan ist entschlossen, bei der Billigung von Hilfeprojekten so unbürokratisch wie möglich zu verfahren, um rasch und wirksam
handeln zu können.

Besondere Beachtung werden vor allem solche Projekte

finden, die rasch in die Wege geleitet werden können und nur ein geringes
Maß an fremder technischer Hilfe oder weniger aufwendige Ausrüstungen erfordern.
Männer und Frauen sind wichtiger als Maschinen.

Afrikas natürliche

Hilfsquellen werden von den Afrikanern selbst erschlossen und entwickelt
werden.

Während wir für die Afrikaner zusätzliche Möglichkeiten für ein

Studium in unserem Land schaffen, wird der Nachdruck doch auf Ausbildungsund Erziehungsprogrammen in Afrika selbst liegen.
Wir müssen auch bedenken, wie wichtig die Infrastruktur Afrikas ist.
Es ist ein gewaltiger Kontinent, und verbesserte Transport- und Verbindungswege sind für sein Gedeihen von wesentlicher Bedeutung.
Wenn ich hier diese Richtlinien für unsere Programme aufzeige, dann
bin ich mir bewußt, wie stark - aber verfehlt - die Versuchung sein kann,
fertige Pläne für die Entwicklung eines anderen Kontinents zu entwerfen.
Wir können nur effektiv arbeiten, wenn wir mit den afrikanischen
Regierungen in kooperativer Weise im Sinne ihrer Entwicklungsprioritäten
zusammenarbeiten.

Dementsprechend werden wir unseren Beitrag zum afri-

kanischen Entwicklungsfonds zu erhöhen suchen.

Und wir fordern vom Kon-

greß 200 Millionen Dollar für das Sahel-Projekt, das in Zusammenarbeit mit
dem Club du Sahel durchgeführt werden soll.
Die lange Dürre im Sahel hat sich verheerend auf die Wirtschaftsstrukturen in einigen der ärmsten Länder der Welt ausgewirkt.

Jetzt

arbeiten diese Länder zusammen, um auf dem Gebiet der Nahrungsmittel Produktion autark zu werden und die Fähigkeit zu entwickeln, künftig Dürreperioden gewachsen zu sein.
- 7 -

Im

�Im Club du Sahel entwickeln die afrikanischen Staaten gemeinsam Pläne
für diese Region.

Die Geberländer beteiligen sich an der Planung und be-

stimmen, wie jeder am wirksamsten Hilfe leisten kann.

Die für die Ver-

wirklichung ihrer Ziele notwendigen Hilfsquellen setzen sie dann entsprechend ein.

Bei diesem Prozeß zeigt sich uns, wie äußerst wichtig es

ist, die Koordinierung zwischen den afrikanischen Staaten zu fördern und
zu unterstützen, zusammen mit ihnen und anderen Geberländern zu planen und
sich auf regionale Probleme anstatt auf Einzelprojekte zu konzentrieren.
Denn es wird entscheidend wichtig sein, daß sinnvolle und wirksame Programme geplant und durchgeführt werden.
Amerika kann nur dann die afrikanische Entwicklung voll unterstützen,
wenn es auf Aufgaben der Art trifft, wie ich sie hier umrissen habe.
Ich hoffe, daß jeder amerikanische Bürger, der ein Interesse an Afrika
hat, es dem Kongreß und uns in der Exekutive klar zu verstehen geben wird,
daß er oder sie diese Aufgaben erfüllt sehen will.
Wenn wir uns mit der Realität der Ansprüche der Menschen in Afrika
befassen, dann müssen wir auch alles in unseren Kräften stehende für die
Sache von Recht und Gerechtigkeit für die Menschen in Afrika tun.
Wir werden fest und entschlossen für die Menschenrechte jedes einzelnen
eintreten. Unsere Sorge und unser Interesse ist nicht auf irgendeine bestimmte Region dieses Kontinents beschränkt.
Wir müssen Verständnis für die Unterschiedlichkeit und Vielfalt der
Gesellschafts- und Wertsysteme in Afrika haben.

Grobe Verletzungen der

Menschenwürde jedes Einzelnen sind nach afrikanischen Begriffen
wenig akzeptabel wie nach unseren eigenen.

genau so

Eines der bedeutsamsten Er-

eignisse in der modernen afrikanischen Geschichte - und in den internationalen
Bemühungen um die Förderung der Menschenrechte - war die jüngste Entscheidung der Commonwealth-Länder, die "massive Verletzung der Menschenrechte"
in Uganda zu verurteilen.

Viele afrikanische Staaten beteiligten sich ain
- 8 -

�an dieser Entscheidung.

Ihre Aktion verdient Anerkennung und Beifall.

Mißachtung der Menschenrechte aus welchem Grunde auch immer ist ein
Unrecht.

Besonders verletzend aber ist es auf der Grundlage der Rassen-

trennung.
Im südlichen Afrika haben sich die Probleme der Rasse, der Gerechtigkeit und der Selbstbestimmung zu einer Krise gesteigert.
- Der Konflikt in Rhodesien nimmt zu. Die Einfälle Rhodesiens in
benachbarte Länder haben eine bereits gefährliche Situation noch verschärft
und verdienen die Verurteilung, die ihnen zuteil geworden ist. Die Entscheidung zwischen einer Lösung durch Verhandlungen oder einer gewaltsamen
Lösung muß jetzt getroffen werden. Das gleiche gilt für Namibia. Das
Leben vieler Menschen - schwarzer und weißer - ist in Gefahr.
- Das Risiko einer verstärkten ausländischen Einmischung ist real.
- Gewalttätigkeiten in Südafrika nehmen zu.
guten Willens noch etwas mehr Zeit sein
zu einer Lösung zu gelangen.

Es mag dort für Leute

als in Rhodesien und Namibia, um

Aber es muß bald zu einem Fortschritt kommen

oder der gute Wille könnte verloren gehen.
- Die Krise in diesem Gebiet hat in den Vereinten Nationen eine Forderung nach energischeren Aktionen bewirkt und Appelle an unsere Verantwortlichkeit gemäß der Charta der Vereinten Nationen hervorgerufen.
Das ist die Realität, der wir gegenüberstehen.

Die Gefahren, unsere

Interessen und Werte und die Wünsche und Erwartungen der Afrikaner selbst
erfordern unser Engagement - und unsere entschlossenen und praktischen Anstrengungen.
Wir

- 9 -

�Wir können dem südlichen Afrika keine Lösungen aufzwingen.
können keinem der Beteiligten Bedingungen diktieren.

Wir

Unsere Einwirkungs-

möglichkeit ist begrenzt.
Aber wir gehören zu den wenigen Regierungen der Welt, die sowohl mit
weißen wie mit schwarzen Afrikanern offen sprechen können und trotzdem
fcuf beiden Seiten) ein gewisses Maß an Vertrauen genießen.

Wir würden

unsere Fähigkeit verlieren, von Nutzen sein zu können, wenn wir dieses Vertrauen verlieren.

Es ist daher von entscheidender Beduetung, daß unsere

Politik der Ermutigung der Gerechtigkeit für die Menschen aller Rassen im
südlichen Afrika von allen erkannt wird.
Nach sorgfältiger Überlegung hat sich unsere Administration entschlossen, aktiv für Lösungen aller drei Probleme im südlichen Afrika
einzutreten - Rhodesien, Namibia und die Lage in Südafrika selbst.

Diese

Probleme müssen zusammen in Angriff genommen werden, denn sie hängen
miteinander zusammen.
Manche Leute haben argumentiert, daß man die Apartheid-Politik in
Südafrika für den Augenblick außer acht lassen sollte, um sich auf einen
Fortschritt in Rhodesien und Namibia konzentrieren zu können. Eine
solche Politik wäre falsch und würde nicht funktionieren. Sie wäre blind
gegenüber der Realität, daß der Beginn des Fortschritts in Südafrika
selbst bald eintreten muß, wenn auf lange Sicht die Möglichkeit friedlicher
Lösungen bestehen soll. Sie könnte die Südafrikaner auf falsche Gedanken
hinsichtlich unserer wirklichen Anliegen bringen. Sie würde unsere Beziehungen zu unseren afrikanischen Freunden präjudizieren. Sie würde
damit nur unseren eigenen Überzeugungen schaden. Und sie würde jene
Menschen aller Rassen entmutigen, die für einen friedlichen Fortschritt
in Südafrika arbeiten.
Wir

- 10 -

�Wir sind der Überzeugung, daß wir unseren Einfluß bezüglich Rhodesiens
und Namibias in Südafrika auch geltend machen können, wenn wir gleichzeitig
unsere Besorgnis über die Apartheid zum Ausdruck bringen.

Diese Auf-

fassung entspringt der Überzeugung, daß ein Fortschritt auf allen drei
Gebieten ausdrücklich im Interesse der südafrikanischen Regierung liegt.
Wir sind der Überzeugung, daß Weiße ebenso wie Schwarze eine Zukunft
in Namibia, Simbabwe und in Südafrika haben müssen. Wir sind ferner der
Überzeugung, daß ihre Sicherheit im Fortschritt liegt.
wird nur zu größerer Unsicherheit führen.

Unzugä'nglichkeit

Wir werden jede positive Maßnahme Südafrikas zu jedem dieser drei
Probleme begrüßen und anerkennen. Aber es ist wirklich notwendig, daß
auf allen drei Gebieten ein Fortschritt erzielt wird.
Lassen Sie mich kurz auf unsere Einstellung zu jedem dieser drei
Probleme eingehen.
Wir unterstützen aktiv eine britische Initiative, um eine Lösung der
Rhodesienkrise auf dem Verhandlungswege herbeizuführen.

In den kommenden

Wochen werden wir ein Übereinkommen über eine Verfassung anstreben, die
freie Wahlen ermöglicht, die allen Parteien offenstehen und an denen sich
jeder, der das Wahlalter erreicht hat, in gleicher Weise beteiligen kann.
Aus diesen Wahlen würde die Regierung eines unabhängigen Simbabwe hervorgehen.

Unser Ziel ist es, dies im Jahre 1978 zu erreichen.

Diese Verfassung müßte eine einklagbare Menschenrechtserklärung
(Bill of Rights) und eine unabhängige Judikatur einschließen, damit die
Rechte aller Bürger, aller Rassen geschützt sind.
Völkern der benachbarten Länder,

Wir hoffen ferner, den

deren Leben durch die Krise im südlichen

Afrika gestört worden ist, größere Hilfe angedeihen zu lassen.
In

- 11 -

�In Namibia wird eine zur Unabhängigkeit führende Lösung durch die
Bemühungen der fünf westlichen Mitglieder des Sicherheitsrates mit
Südafrika, den Vereinten Nationen und anderen interessierten Parteien,
einschließlich der Südwestafrikanischen Volksorganisation (SWAPO), angestrebt.

Zu dieser Lösung müßten freie Wahlen unter Mitwirkung der Ver-

einten Nationen gehören, die Freilassung politischer Gefangener, die Aufhebung diskriminierender Gesetze und Bestimmungen und der Abzug der
Instrumente südafrikanischer Machtausübung nach Abhaltung der Wahlen und
der Erreichung der Unabhängigkeit.
Auf der Grundlage unserer bisher geführten Gespräche sind wir über die
Aussichten für ein unabhängiges Namibia ermutigt - ein Namibia, das den
ihm zustehenden Platz in der afrikanischen Gemeinschaft und in der Weltgemeinschaft einnehmen wird.
tät seitens Südafrikas,

Wir begrüßen die Anzeichen der Flexibili-

Wir sind befriedigt über das Vertrauen, das

viele afrikanische Regierungen in die Bemühungen der Vereinigten Staaten
und westlicher Mitglieder des Sicherheitsrates setzen.

Es bleiben jedoch

noch Meinungsverschiedenheiten, und der Fortschritt wird die Bereitschaft
aller Beteiligten erfordern, sich offen und entgegenkommend zu verhalten.
Wir werden in unseren Anstrengungen nicht nachlassen.
Während wir diese Anstrengungen für Frieden und Gerechtigkeit in
Namibia und Rhodesien unternehmen, haben wir der südafrikanischen
Regierung gegenüber auch unsere feste Überzeugung zum Ausdruck gebracht,
daß wir an die Vorteile einer fortschreitenden Umwandlung der südafrikanischen Gesellschaft glauben. Das würde ein Ende der Rassendiskriminierung und die Verfolgung eines neuen Kurses zur vollen politischen
Beteiligung aller Südafrikaner bedeuten.
Wie diese Regierungsform, durch die diese Beteiligung zum Ausdruck gebracht werden könnte, im einzelnen aussehen mag, ist eine Angelegenheit,
über die die Bevölkerung Südafrikas entscheiden muß.

Es gibt viele Wege,

auf denen die individuellen Rechte aller Bürger in Südafrika geschützt

- 12 -

�geschützt werden könnten.

Der Schlüssel für die Zukunft ist, daß süd-

afrikanische Bürger aller Rassen jetzt einen Dialog beginnen, wie diese
bessere Zukunft erreicht werden kann.
Die Politik der südafrikanischen Regierung, separate Homelands für
schwarzeSüdafrikaner zu errichten, wurde ohne Berücksichtigung der Wünsche
der Schwarzen selbst entwickelt. Aus diesem Grunde, und weil wir nicht
der Auffassung sind, daß dies eine faire oder tragbare Lösung für die
Probleme Südafrikas darstellt, sind wir gegen diese Politik. Wir haben
die Transkei nicht anerkannt, und wir werden auch Bophuthatswana nicht
anerkennen, wenn im Dezember wie vorgesehen dessen Unabhängigkeit proklamiert werden sollte.
Wir hoffen zutiefst, daß die südafrikanische Regierung bei den drei
von mir angeführten Problemen eine fortschrittliche Rolle spielen wird.
Wir werden solche Bemühungen begrüßen.

Wenn es keinen Fortschritt geben

sollte, dann werden unsere Beziehungen unausweichlich leiden.

Wir können

nicht für eine Regierung eintreten, die sich auf einem System rassischer
Beherrschung gründet, und gleichzeitig unseren eigenen Werten treu bleiben.
Unsere Politik gegenüber Südafrika wird durch Veränderungen in unserer
eigenen Gesellschaft beflügelt.

Die Tätigkeiten der NAACP sind Zeugnis der

Untrennbarkeit unserer außen- und innenpolitischen Ziele. Und es ist auch
völlig angebracht, daß Andrew Young, der im Kampf gegen die Spaltung im
eigenen Lande so viel getan hat, jetzt so viel zur Entwicklung und Durchsetzung unserer Außenpolitik beiträgt.
Ich habe manche Leute sagen hören, daß wir die weiße Regierung im südlichen Afrika unterstützen müßten - komme was mag-, da sie antikommunistisch
sei.

Dabei ist es so, daß die anhaltende Verweigerung rassischer Ge-

rechtigkeit im südlichen Afrika die Möglichkeiten einer Intervention von
außen förmlich einlädt.
So
- 13 -

�So sehen wir in ähnlicher Weise, wenn solche Krisen wie die
kürzliche Invasion Zaires auftreten, keinen Vorteil in einseitigen Reaktionen und einer Betonung der Auswirkungen auf das Ost-West-Verhältnis.
Wir ziehen es vor, mit afrikanischen Ländern - und mit unseren europäischen
Verbündeten - in positiven Anstrengungen zur Lösung solcher Streitfragen
zusammenzuarbeiten.

Wie Präsident Carter kürzlich gesagt hat, es ist am

besten, Feuer mit Wasser zu bekämpfen.
Die Geschichte der letzten fünfzehn Jahre zeigt, daß Bemühungen ausländischer Mächte, die afrikanischen Nationen zu beherrschen, fehlschlagen
werden.
Unsere große Aufgabe ist es, Mittel und Wege zu finden, um unterstützend
wirken zu können

ohne dadurch zum Interventionisten oder Eindringling

zu werden. Wir sehen es nicht als sinnvoll und nützlich an, uns in
regionale Streitfälle einzumischen.

Wir hoffen, daß diese Streitigkeiten

durch die diplomatischen Anstrengungen der Betroffenen selbst in einem
afrikanischen Rahmen beigelegt werden können.
Wir sind uns der afrikanischen Besorgnisse bewußt, daß wir manchmal
mehr an den Aktivitäten anderer ausländischer Mächte in Afrika interessiert
zu sein schienen als an Afrika selbst. Wir wissen, daß manche Kreise
argumentieren, wir seilten fast automatisch auf die Zunahme sowjetischer
Waffen und kubanischen Militärpersonals in Afrika entsprechend reagieren.
Wir können diese Zunahme nicht einfach ignorieren - und wir lehnen sie
nachdrücklich ab. Alle Seiten sollten sich darüber im klaren sein, daß
mit der Entsendung beträchtlicher Mengen an Waffen und militärischem
Personal nach Afrika durch ausländische Mächte die Gefahr wesentlich erhöht wird, daß Streitfälle auf militärische Weise statt durch Verhandlungen
durch afrikanische Staaten oder im Rahmen der Organisation für Afrikanische
Einheit (OAU) gelöst werden.
Diese
- 14 -

�Diese Gefahr ist besonders groß im Hörn Afrikas, wo es eine Eskalation
von Waffenlieferungen von außen gegeben hat.

Die gegenwärtigen Schwierig-

keiten in Äthiopien sowie die Spannungen zwischen den Nationen in diesem
Raum stellen sehr komplizierte diplomatische Aufgaben dar.
allen Regierungen dieses Gebietes in Freundschaft leben.
neuen Land Dschibuti eine Botschaft eingerichtet.

Wir wollen mit
Wir haben in dem

Die friedliche Entwick-

lung zur Unabhängigkeit dieses Landes stellt einen bemerkenswerten Schritt
zur Stabilität in einem sonst von Krisen erschütterten Gebiet dar.
Wir werden mit Wohlwollen Unterstützungsersuchen von Staaten prüfen,
die durch einen Aufbau fremder militärischer Ausrüstungen und fremder
Berater an ihren Grenzen bedroht werden - im Hörn Afrikas und anderswo.
Aber wir hoffen, daß ein derartiges lokales Wettrüsten und die sich daraus
ergebende Gefahr einer Ausweitung ausländischen Engagements begrenzt werden
können.
In Übereinstimmung mit der kürzlich vom Präsidenten verkündeten Politik
werden Waffenlieferungen ein Ausnahmeinstrument unserer Politik sein, das
nur nach eingehendster Prüfung und Überlegung eingesetzt werden wird.
Wir hoffen, daß alle Großmächte sich uns dabei anschließen werden,
den afrikanischen Nationalismus zu unterstützen statt ihn zu zerstückeln,
sowie dabei, die Anstrengungen auf wirtschaftliche Unterstützung statt auf
Waffenlieferungen zu konzentrieren.
Unsere Bemühungen sind darauf gerichtet, positive Beziehungen zu den
afrikanischen Ländern durch die Unterstützung ihrer politischen Unabhängigkeit und wirtschaftlichen Entwicklung sowie durch die Stärkung unserer
wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Bindungen herzustellen. Unsere
neuen und positiven Beziehungen zu Ländern wie Nigeria ermutigen uns bei
diesem Vorhaben. Unsere Anstrengungen, solche Beziehungen aufzubauen,
werden vielleicht keine Schlagzeilen machen. Aber diese im stillen verfolgte Strategie wird langfristigen Nutzen erbringen.
Unsere
- 15 -

�Unsere Beziehungen werden mit den Ländern am engsten sein, deren
Ansichten und Handlungen den unsrigen entsprechen.

Wir werden niemals

alte Freunde vergessen oder sie als selbstverständlich hinnehmen.

Ihre

kontinuierliche Freundschaft wird uns ein fundamentales Anliegen sein;
sie können sich auf unsere Unterstützung verlassen.

Wenn die territoriale

Integrität eines mit uns befreundeten Staates gefährdet ist, werden wir
weiterhin auf angemessene Unterstützungsersuchen reagieren.
Wir bestehen nicht darauf, daß es nur einen Weg zum wirtschaftlichen
Fortschritt oder nur eine Art gäbe, wie sich der politische Wille
eines Volkes ausdrückt.

Auf einem so vielfältigen Kontinent müssen wir

darauf vorbereitet sein, mit Völkern und Regierungen der unterschiedlichsten
und verschiedensten Anschauungen zusammenzuarbeiten.
Amerikanische Regierungsvertreter in Afrika kamen im Mai zusammen, um
ihre Unterlagen zu vergleichen und neue politische Vorstellungen zu erörtern. Sie stimmten darin überein, daß es fast überall auf dem
afrikanischen Kontinent eine neue Einstellung hinsichtlich Amerikas gibt ein Gefühl der Hoffnung, das Gefühl, daß wir zu unseren Idealen zurückgefunden haben.
Die Zukunft Afrikas wird durch afrikanische Hände gestaltet werden.
Unseren Interessen und Idealen wird dadurch gedient sein, daß M ir
unsere Unterstützung anbieten. Dies wird das Verständnis und die Zustimmung dieses Auditoriums sowie der Amerikaner überall im Lande erforderlich
machen.
+ + +

- 16 -

�1

Dokumentation

I

United States Information Service

13. Juli 1977

18

LIPSHUTZ: MENSCHENRECHTE KÖNNEN NICHT UNTERGEORDNET WERDEN
• Rechtsberater des Weißen Hauses stellt US-Standpunkt dar -

Washington - (AD) - Ein enger Mitarbeiter von Präsident Carter hat
am 7. Juli auf einem Essen der Auslandspresse vor der irrigen und gefährlichen Vorstellung gewarnt, die Menschenrechte könnten der "Entwicklung und
Sicherheit" untergeordnet werden.

Der Rechtsberater des Weißen Hauses,

Robert J. Lipshutz, ließ keinen Zweifel an der Entschlossenheit der CarterAdministration, Menschen in der ganzen Welt in ihrem Kampf um die Menschenrechte zu unterstützen.
Die Ausführungen von Lipshutz haben folgenden Wortlaut:
Präsident Carter hat seit seinem Amtsantritt klar und konsequent zum
Ausdruck gebracht, daß das Ziel der Verwirklichung der universalen Menschenrechte der Eckpfeiler der Außenpolitik der Vereinigten Staaten ist und bleibt.
Diese Administration wird nicht in ihrer Entschlossenheit nachlassen,
Menschen in der ganzen Welt in ihrem Kampf um die Verwirklichung dieses
Zieles der Wiederherstellung und Erhaltung menschlicher Werte zu unterstützen, für die die meisten Regierungen ein Lippenbekenntnis ablegen und
doch so wenige in der Praxis etwas tun.
Die

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Die Idee der Menschenrechte ist keine Sache, die bestimmten Gruppen an
isolierten Punkten der Menschheitsgeschichte vorbehalten wäre.

Im Gegen-

teil, es handelt sich hier um eine Idee, die sich als verbindender Faden
durch die ganze Geschichte des Menschen gezogen hat - selbst in dunkelsten
Zeiten.
Bevor sie ein räumlicher Ort oder gar ein Volk wurden, waren die Vereinigten Staaten von Amerika eine Idee: die Idee, daß Männer und Frauen
zusammen in einer Gesellschaft leben können, ohne ihre Rechte aufzugeben;
eine Idee, daß menschliche Wesen Einzelpersonen sind, und nicht nur Mitglieder politischer Gemeinschaften oder Bestandteile gesellschaftlicher
Einrichtungen; eine Idee, daß es eine Grenze für das Recht eines Staates
gibt, in die Rechte und Freiheiten seiner Bürger einzugreifen.

Dieses

Bewußtsein der Menschenrechte und der natürlichen Würde des Einzelmenschen
ist der eigentliche Kern der revolutionären Geburt unserer Nation vor 200
Jahren.

Die Idee der Freiheit ist das wichtigste Prinzip überhaupt, das

unserer Verfassung zugrunde liegt und unser Volk heute bewegt.
Und es gibt in der ganzen Welt Männer und Frauen, die diese Auffassungen
teilen und die zutiefst an die Menschenrechte glauben.
Aber viele Regierungen weigern sich, diese Rechte anzuerkennen, indem
sie behaupten, sie hätten besondere und außergewöhnliche soziale Erfordernisse, die vorrangige Aufmerksamkeit verlangten. Ihre Führer sind von den
gewaltigen Problemen völlig eingenommen, ihre Völker aus der Armut zu erheben oder unterschiedliche rassische, stammesmäßige oder religiöse Elemente
zusammenzuhalten oder das Analphabetentum auszurotten und die elementaren
technologischen Grundlagen zu erwerben. In vielen Fällen werden die Probleme
dieser Länder zur Grundlage, auf der ihre Regierungen eine beherrschende
Rolle des Staates begründen - eine so beherrschende Rolle, daß Freiheit und
Menschenrechte im Namen von Entwicklung und Sicherheit verschwinden.
Die Geschichte

- 2 -

�Die Geschichte lehrt jedoch, daß dies eine unbegründete und zerstörerische Fiktion ist.

Die Vereinigten Staaten stellen diese Fiktion

vor allem aufgrund der Achtung vor der Mann und Frau angeborenen Würde in
Frage.

Aber die Vereinigten Staaten stellen diese Fiktion auch um der

wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung willen in Frage.

Wir bieten die

zentrale Lehre, die uns die moderne Geschichte gezeigt hat: Freiheit ist der
Ansporn der wirtschaftlichen Entwicklung, nicht ihr Feind.

Nationen gedeihen

wirtschaftlich, wenn der Einfallsreichem, die schöpferische Kraft und die
Freiheit ihrer Bürger sich frei entfalten können, nicht wenn die Energien
der Bevölkerung in Ketten gelegt werden.
Jenen, die uns erklären wollen, sie seien zu arm oder zu unsicher, um
sich unsere Vorstellung von Menschenrechten leisten zu können, antworten wir,
daß Freiheit von Not und Freiheit von Unsicherheit am besten erreicht werden
können, wenn die bürgerlichen und politischen Rechte geachtet werden, und
daß die Förderung und Hochhaltung der Freiheit sowohl eine moralische Verpflichtung als auch eine Vorbedingung für ein besseres Leben sind.
Die Vereinigten Staaten wollen zwar niemandem ihr System aufzwingen, aber
sie müssen und werden ihre Auffassungen bekannt machen.

Die Sorge um die

Achtung der Menschenwürde ist mehr als nur ein einfacher Ausdruck amerikanischer Tradition.

Sie ist für das amerikanische Volk eine entscheidend

wichtige Sache, die heute Vorrang genießt, wie dies vom Präsidenten und
anderen führenden Vertretern der Regierung immer wieder zum Ausdruck gebracht
wird.

Es ist zu bemerken, daß auch der Kongreß der Vereinigten Staaten diese

Politik mit überwältigender Mehrheit unterstützt, wie aus Erklärungen und
verabschiedeten Gesetzen hervorgeht, die die weltweite Einhaltung der Menschen
rechte ermutigen.

Und vor allem ist die überwältigende Unterstützung der

Position unserer Nation durch das amerikanische Volk festzustellen.
Für

- 3 -

�Für jeden von Ihnen auf dem Gebiete des Journalismus besteht eine
besondere Aufgabe und eine einmalige Chance, die Völker der ganzen Welt
in diesem Bemühen um Anerkennung und Achtung der Rechte der Menschen zu
unterstützen.

Die Verantwortung hier muß Ihnen zu heilig sein, als daß Sie

Ihre Chancen und Ihre Verantwortung ignorieren könnten.

Menschenrechte

werden gewöhnlich mit kleinen Schritten zerstört, die im Dunkeln und im
Stillen geschehen - zerstörerische Schritte, die im einzelnen vielleicht so
geringfügig erscheinen mögen, daß es beinahe zu rechtfertigen wäre, nicht
dagegen aufzutreten*

Aber nur die Enthüllung - die haargenaue, unablässige

und vollständige Enthüllung - wird sich gegen diesen zerstörerischen Prozeß
durchsetzen.

Wenn jedoch die Scheinwerfer an sind, dann werden nur wenige

Menschen mit Gewissen still bleiben können.

Die Presse hat die Chance, der

Menschheit bei der Wahl zwischen Finsternis und Anstand, zwischen dem Schutz
derer, die die Menschenwürde verletzen, und dem Schutz der Menschenwürde
selbst zu helfen.

Ich appeliere an jeden von Ihnen, sich für diese noble

Aufgabe einzusetzen.

+ + +

�13. Juli 1977

18

ERDORIENTIERTES RAUMFAHRTPROGRAMM
NASA-Chef Dr. Robert A. Frosch erörtert Hauptaufgaben
für die Vorbereitung einer neuen Ära

- (AD) - Seine Freunde bezeichnen ihn als einen "Renaissance-Menschen".
Sie meinen damit die Vielseitigkeit von Dr. Robert Alan Frosch, der sich als
Wissenschaftler, Ingenieur, Organisator, engagierter Verfechter des Umweltschutzes und als Künstler einen Namen gemacht hat.

Seine Ernennung zum

neuen Leiter der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) durch Präsident
Carter wurde vom US-Senat am 16. Juni 1977 bestätigt.
Dr. Frosch ist Nachfolger von Dr. James C. Fletcher.

In der 19jährigen

Geschichte der NASA tritt damit zum zweiten Mal ein Physiker an die Spitze
der amerikanischen Weltraumbehörde.

Aber im Vergleich zu seinen vier Vor-

gängern ist Dr. Frosch der erste, der sich auch gründlich mit Ozeanographie
und Umweltproblemen befaßt hat - mit Gebieten also, für die Beobachtungen
aus dem Weltraum immer wichtiger werden.

Es war

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�Es war Zufall, daß die Bestätigung durch den Senat am Todestag
Wernher von Brauns erfolgte.

Dennoch sieht Dr. Frosch in dieser Tatsache

insofern eine symbolische Bedeutung, als nunmehr die bahnbrechenden Pioniertaten für die Raumfahrt und in der Raumfahrt durch eine neue Ära abgelöst
werden, in der die Anwendungstechniken zum Nutzen der verschiedensten
"erdorientierten" Fachgebiete eine immer größere Rolle spielen.

Die

gegenwärtigen Hauptaufgaben der NASA sind laut Dr. Frosch:
1) Anwendung raumfahrttechnischer Entwicklungen zur Lösung irdischer
Probleme;
2) Luftfahrtforschung;
3) Planeten- und Weltraumforschung im weitesten Sinne, die von Natur
aus alle wichtigen Wissensgebiete einschließt - Physik und Chemie, Geologie,
Chemie der Atmosphären, Biologie und Astronomie, dazu die verschiedensten
Untergebiete wie z. B. Thermodynamik;
4) Technologie.
Die Weltraumbehörde müsse sich, so erklärt Dr. Frosch, "zunächst einmal
um eine Konsolidierung ihrer Ressourcen bemühen und die Fortschritte bzw.
Leistungskapazitäten auf ihren vier Hauptarbeitsgebieten optimal nutzen.
Gleichzeitig muß dem Raumtransporter der Weg bereitet werden, der 1980
eine neue Ära der Aktivitäten im Weltraum einleitet".
In bezug auf Punkt 1 (Anwendung der Raumfahrttechnik) möchte Dr. Frosch
die erdorientierten Wissenschaften

"im Interesse einer besseren Nutzung

und eines besseren Verständnisses unseres Planeten Erde mitsamt der
irdischen Umwelt, der Klimata, von Land und Meer" gefördert wissen.

Fern-

erkundunossatelliten wie LANDSAT werden weiterentwickelt, neue Systeme
eingeführt werden, was den Geowissenschaften, der Landwirtschaft, der
Ozeanographie und nicht zuletzt dem Verständnis des Menschen für eine
richtige und verantwortungsbewußte Nutzung unserer Heimat Erde verheißungsvolle Aspekte eröffnet.
In diesem

�In diesem Zusammenhang ist die weitere Erforschung der Einflüsse der
Sonne auf die Erde, insbesondere das Studium der solaren Partikel ströme
und der Einwirkungen der Sonnenenergie auf die gesamte Atmosphäre bis in
deren unterste Bereiche, von größter Bedeutung.

Auf dem Sektor "Nach-

richtenwesen" sollten in größerem Umfang als bisher Satelliten eingesetzt
werden und dabei auch generell Raumfluggeräte zur Anwendung kommen, die
durch das Sammeln und übermitteln von Daten der Wissenschaft und Wirtschaft
weltweit gute Dienste leisten.
Gerade in diesem Bereich bringt Dr. Frosch reiche Erfahrungen mit:
Er war von 1973 - 1975 im Direktorium für das UmweHprogramm der Vereinten
Nationen und von 1975 - 1977 im Direktorium für das Fachgebiet "angewandte
Ozeanographie" des amerikanischen Meeresforschungsinstituts Woods Hole
(Massachusetts) tätig. Zweifellos wirkten die ersten Aufnahmen von der
Erde aus dem Weltraum als eine Art Katalysator für die weltweite Entwicklung
eines "Umweltbewußtseins" - der Erkenntnis nämlich, daß die Erde ein
einzigartiges und kostbares Gut für alle Menschen ist und unter den jetzigen
Gegebenheiten die internationalen Beziehungen und die internationale Zusammenarbeit verbessert werden müssen. Denn für die Probleme des menschlichen
Daseins und der Umwelt gibt es keine Ländergrenzen.
In der Luftfahrtforschung und Entwicklung könnte und sollte die NASA
nach Ansicht von Dr. Frosch vor allem hinsichtlich der Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit der Fluggeräte eine größere Rolle
als bisher spielen.

Eine Verringerung der Umweltbelastungen durch die

gesamte Luftfahrt erweist sich immer mehr als eine vordringliche Aufgabe,
für die Sichtlösungen gefunden werden müssen.
Technologie und Entwicklung sind vertraute Arbeitsgebiete für Dr. Frosch.
Als theoretischer Physiker und Direktor der Hudson-Laboratorien der
Columbia-Universität hatte er sich mit Technologien für Unterwasserforschung zu befassen.

Dann stand er zehn Jahre lang im Regierungsdienst -

- 3 -

�Regierungsdienst - erst als Direktor des Programms zur Registrierung
und Messung nuklearer Testexplosionen, das dem Amt für fortgeschrittene
Forschungsprojekte (ARPA) des US-Verteidigungsministeriums untersteht,
später als stellvertretender Direktor von ARPA.

Außerdem war der neue

NASA-Chef eine Zeitlang Unterstaatssekretär für Forschung und Entwicklung
im US-Marineministerium.

In allen diesen Positionen war Dr. Frosch mit

überaus komplexen Technologien konfrontiert - von satellitengestützten
Beobachtungs- und Nachrichtensystemen bis zum Einsatz und der Ausrüstung
voi Schiffen, U-Booten, Flugzeugen und Raumflugkörpern.
Einen wesentlichen Beitrag der NASA zum Sektor Technologie Forschung und Entwicklung hält Dr. rrosch für unerläßlich, ebenso zum
Transfer der dabei erzielten Ergebnisse in die private Wirtschaft, wie
dies bei den Nachrichtensatelliten schon längst geschehen ist.

Die

Systementwicklung im Zusammenhang mit dem Raumtransporter wird künftig
eine immer größere Rolle spielen.
In allen Befragungen vor Kongreßausschüssen setzte sich Dr. Frosch
für den Einsatz dieses ersten wiederverwendbaren Raumfluggeräts unter den
verschiedensten Aspekten ein. Er ist überzeugt, daß schon die ersten
praktischen Erfahrungen aus den im Jahr 1980 beginnenden Flügen "uns
völlig neue Ideen zur Konzipierung von Zukunftsprojekten geben werden".
Die wichtigsten Kriterien für solche Zukunftsprojekte seien ihr Nutzen
für den Menschen, ihreBedeutung in geistig-wissenschaftlicher Sicht und
der Kostenfaktor in Relation zu den wirtschaftlichen Möglichkeiten. Den
immer wieder geäußerten Zweifeln am Sinn und Nutzen der Raumfahrt angesichts der vielen akuten Alltagsprobleme, die einer Lösung bedürfen,
setzt Dr. Frosch entgegen, daß eine strikte Beschränkung auf das gerade
Aktuelle erfahrungsgemäß nicht zur Lösung der damit verbundenen Problemkomplexe auf weite Sicht führt. Um die heutigen weltweiten Probleme überhaupt
angehen zu können, brauche man sowohl Informationen und Erkenntnisse als auch
technisches Können auf breitester Basis. Und dazu vermag die Raumfahrt samt
ihrer Technik einen wesentlichen Beitrag zu leisten.
+ + +

- 4-

�1

Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service

18

13. Juli 1977

STROM AUS GEREINIGTER KOHLE

- (AD) - In Zusammenarbeit von Wissenschaftlern der US-Behörde für Energieforschung und Entwicklung (ERDA) und der Elektrizitätsgesellschaft
"Southern Company Services" wurde jetzt zum ersten Mal Strom aus einer
nach einem neuartigen Verfahren gereinigten Kohle erzeugt.

Für die Groß-

versuche steht das Mitchell-Kraftwerk in Putney (Georgia) zur Verfügung, wo
eine Kesselanlage mit einem Kohledurchsatz von 10 Tonnen pro Stunde umgebaut
wurde.

Diese ist im gegenwärtigen Stadium der Entwicklung für die Beob-

achtung des Prozeßablaufes wesentlich günstiger als die großen Kesselanlagen
von Heizkraftwerken, die eine Kapazität von ca. 300 Tonnen Kohle pro Stunde
haben.
Als Einsatzmaterial dient eine nach dem SRC-Verfahren gereinigte Kohle,
die ursprünglich einen sehr hohen Schwefelgehalt hatte. SRC ist die Abkürzung von "solvent refined coal" (Kohlereinigung im Lösungsverfahren),
die die Entfernung nahezu aller Aschebestandteile und des größten Teils des
in der Kohle enthaltenen Schwefels ermöglicht. Für die erste Demonstration
im kommerzieilen Maßstab, der Versuche im Laboratorium und mit einem kleinen
Kessel in einem Kraftwerk vorangegangen waren, dient jetzt eine Kesselanlage, die durch die Verbrennung pulverisierter Kohle eine Stromproduktionskapazität von 22,5 Megawatt erreicht.

Zwei Wochen lang wurden täglich

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�täglich 240 Tonnen SRC-Kohle verbrannt.

Die Emissionswerte für Schwefel-

und Stickstoffoxide lagen weit unter den vom Umweltbundesamt EPA festgesetzten Höchstgrenzen; die Meßdaten für die Staubemission sind noch nicht
vollends ausgewertet.
Besonders befriedigt äußerten sich die ERDA-Wissenschaftler hinsichtlich des Verhaltens des SRC-Brennstoffs, der in der ERDA-Versuchsanlage
in Fort Lewis (Bundesstaat Washington) aufbereitet worden war, beim
Pulverisieren und Verbrennen mit den Ausrüstungen im Mitchell-Kraftwerk.
Angesichts des niedrigen Schmelzpunktes der SRC-Kohle (er liegt bei ca.
205°C) hatte man Ablagerungen erwartet, die den fortlaufenden Betrieb
stören.

Durch einige Umbauten an den vorhandenen Ausrüstungen konnten die

Ingenieure jedoch sicherstellen, daß das Einsatzmaterial ständig in Bewegung gehalten und eine gleichmäßig hohe Leistung erzielt wurde.
Beim SRC-Prozeß werden mit einem aus Kohle gewonnenen aromatischen
Lösungsmittel die organischen Komponenten aus der Kohle herausgelöst.
Die Lösung wird filtriert, um Asche und unlösliches organisches Material
zu entfernen. Nach der Rückgewinnung des Lösungsmittels bleibt ein pechähnliches Material zurück. Es ist fast völlig frei von Aschebestandteilen
und enthält weitaus weniger Schwefel als die ursprüngliche Kohle. Alles
spricht dafür, daß es auch in konventionellen Kohlekraftwerken verwendet werden
könnte, wenn dafür gewisse Umbauten vorgenommen würden. Die Elektrizitätswirtschaft könnte dann die großen Vorkommen stark schwefelhaltiger Kohle in
den USA nutzen und gleichzeitig dafür sorgen, daß die Schadstoffemission auf
ein Mindestmaß reduziert wird.
+ + +

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