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                  <text>I

ai

i

und
Dokumentation
United States Information Service

16

15. Juni 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Vance umreißt amerikanische Ziele auf der KSZE-Folgekonferenz
- Wortlaut HINTERGRUNDMATERIAL
KSZE-Folgekonferenz zieht Bilanz über Fortschritt seit Helsinki
Von Candis C. Agnone
Nukleare Exportpolitik der Vereinigten Staaten
Energiebedürfnisse und Gefahr der Atomwaffen-Proliferation müssen
gegeneinander abgewogen werden
Von Dr. Joseph S. Nye Jr.
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Hormon aus der Bakterienfabrik
Vermehrungsfähiges Ratten-Gen für Insulinproduktion auf Bakterien
übertragen
Unbekannte Pflanzenrostpilze identifiziert

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�1

Dokumentation

I

United States Information Service

14. Juni 1977

16

VANCE UMREISST AMERIKANISCHE ZIELE
AUF DER KSZE-FOLGEKONFERENZ
- Wortlaut -

Washington - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance hat
am 6. Juni vor der Kommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
des amerikanischen Kongresses die Haltung und Ziele der Vereinigten Staaten
auf der bevorstehenden KSZE-Folgekonferenz in Belgrad erläutert.

Die von

dem Außenminister vor dem Ausschuß abgegebene Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, Mitglieder der Kommission für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa:
Sie alle haben den Bericht der Regierung über die Verwirklichung der
Schlußakte der Konferenz von Helsinki erhalten.

Heute möchte ich, wie dies

auch der Bericht getan hat, die fortbestehende Bedeutung der Bemühungen
hervorheben, die seinerzeit in Helsinki ihren Anfang nahmen.
Sie wissen alle, welches Interesse die Regierung daran nimmt, stabilere
und allseits fruchtbarere Beziehungen zwischen den Völkern in Ost und West

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�*

West zu fördern und zwar ungeachtet ihrer politischen und sozialen Vergangenheit und Zielsetzungen.

Die Konferenz über Sicherheit und Zusammen-

arbeit in Europa hat einen multilateralen Mechanismus geschaffen, über den
diese Ziele verfolgt werden können.
Bevor ich unsere Pläne für die bevorstehende Konferenz in Belgrad
erläutere, möchte ich Ihnen danken für die enge Zusammenarbeit, die
zwischen der Exekutive und der Legislative unserer Regierung

in den

vielen politischen, wirtschaftlichen und humanitären Fragen erreicht
worden ist, die in den Vereinbarungen von Helsinki anklingen.
Ich habe Ihnen, Herr Vorsitzender, vor drei Monaten schriftlich
mitgeteilt, daß "ich sehr großen Wert darauf lege, zwischen dem State
Department und der Kommission ein Verhältnis umfassender Zusammenarbeit
zu erreichen".

Ich glaube, daß solche Beziehungen erreicht worden sind.

Sie und Ihre Kollegen im Kongreß haben eine hilfreiche und konstruktive
Rolle gespielt. Wir rechnen mit einem persönlichen Beitrag Ihrerseits zu
der Arbeit der Belgrader Folgekonferenz.
Der Geist der Zusammenarbeit war ebenfalls maßgebend für unsere
Beziehungen zu unseren Verbündeten, während der Genfer Phase der KSZE wie
auch in Helsinki und auch bei unseren Vorbereitungen für den bevorstehenden
Überprüfungsprozeß.
Lassen Sie mich jetzt die Ziele umreißen, die wir auf unserer Konferenz
in Belgrad anstreben werden:
- Wir streben die volle Verwirklichung aller bindenden Zusagen an, die
in der Schlußakte von Helsinki niedergelegt sind.

Es gibt wohl keine, die

man gegenüber den anderen als bindender oder wichtiger bezeichnen könnte.
Alle drei sogenannten "Körbe" sind wichtig.
- Wir bemühen
- 2 -

«

�- Wir bemühen uns um weitere Verbesserungen der Beziehungen zwischen Ost
und West auf all den Gebieten, die in Helsinki zur Sprache kamen - den politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, kulturellen, Sicherheits- und
humanitären Fragen.
- Wir suchen auf allen diesen Gebieten gleichzeitig Fortschritte zu
erzielen; der freiere Fluß von Menschen und Ideen ist langfristig für die
Sicherheit und Zusammenarbeit beispielsweise genauso wichtig wie eine
Vorausbenachrichtigung über größere militärische Manöver; die humanitären
Zusagen in Helsinki sind ebenso wichtig wie zum Beispiel die Versprechungen,
auf dem Gebiet des Handels enger zusammenzuarbeiten.
- Es werden neue Vorschläge erörtert werden. Aber wir werden uns nicht
von einer Überprüfung der Frage ablenken lassen, in welchem Ausmaß die
spezifischen Vereinbarungen von Helsinki von allen Signatarstaaten verwirklicht worden sind.
Dies ist eine Tagesordnung mit hochgesteckten Zielen.

Es wird Meinungs-

verschiedenheiten bezüglich der Vereinbarungen und der Prioritäten geben;
darüber läßt sich in gutem Glauben und in der Hoffnung auf Annäherung bei
solchen Meinungsverschiedenheiten sprechen.
Aber diese Gespräche dürfen nicht als Ablenkung oder als Vorwand dafür
dienen, nichts zu unternehmen.

Die KSZE-Schlußakte ist von 35 Staats- und

Regierungschefs nach drei Jahren intensiver Verhandlungen gebilligt
worden.

Vereinbarungen von solchem Gewicht können nicht später gelockert

oder einfach übergangen werden.
In Belgrad werden wir an Ort und Stelle prüfen, wie wir am besten
wirksam und überzeugend unsere Ziele verfolgen können.

Wir werden die

öffentliche aber auch die Geheimdiplomatie nutzen, um in der Praxis ein
Maximum an Wirkung zu erzielen.
Wir werden
- 3 -

�Wir werden grandiose neue Vorschläge vermeiden, die wenig Aussicht
haben, angenommen zu werden.

Für Propagandaeffekte und bloße Rhetorik

ist kein Raum in unserer Strategie.
Wir werden unsere Ziele und unsere Ansichten klar und ohne Polemik
darlegen.
Es würde niemandem gedient sein, wenn solche ernsten und weitreichenden
Fragen anders als ernst und aufrichtig erörtert werden.
Der Bericht, den ich der Kommission im Auftrage des Präsidenten übergeben habe, gibt Ihnen einen detaillierten Überblick über das, was getan
worden ist, und das, was noch zu tun bleibt.
Lassen Sie mich vorweg sagen, daß kein Land vollkommen ist und daß wir
konstruktive Kritik an unserem Verhalten akzeptieren werden, genauso wie
wir dies von anderen erwarten.
Als ich im vergangenen April die Menschenrechtspolitik der Regierung
vor der Universität von Georgia umriß, erklärte ich: "Eine Entscheidung,
ob und wie in der Sache der Menschenrechte gehandelt werden soll, ist eine
Frage des informierten und sorgfältigen Urteils.

Eine mechanische Formel

führt keinesfalls automatisch zu einer Antwort."
Somit wird es also in unserer Hand liegen, für die Verwirklichung der
Verpflichtungen zu arbeiten, die in der Schlußakte von Helsinki niedergelegt sind - die Verpflichtungen, die sich mit unseren politischen, wirtschaftlichen und militärischen Beziehungen befassen wie auch die Verpflichtungen, die die Menschenrechte betreffen.
Die Achtung der Vereinbarungen,die auf der KSZE-Konferenz feierlich beschlossen worden sind, ist eine Sache, zu der sich unsere Regierung unerschütterlich bekennt in dem vollen Bewußtsein, daß das Streben nach Sicher-

�Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa eine Bewährungsprobe für unsere
Beharrlichkeit wie auch für unsere Ideale darstellt.

Ich bin zuver-

sichtlich, daß wir uns hierin gemeinsam als standhaft erweisen werden.

+ + +

- 5 -

�(KlUnited States Information Service

14. Juni 1977

16

KSZE-FOLGEKONFERENZ ZIEHT BILANZ ÜBER FORTSCHRITTE SEIT HELSINKI
Von Candis C. Agnone

WASHINGTON - (AD) - Nach Ansicht des amerikanischen Präsidenten Jimmy
Carter wird der Erfolg der in Belgrad tagenden KSZE-Folgekonferenz davon
abhängen, ob die dort geführten Gespräche zur Verwirklichung der grundlegenden Ziele der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit von Helsinki
beitragen werden oder nicht.

Diese Ziele sind echte Verminderung der

Spannungen zwischen den einzelnen Staaten, vermehrte Achtung der Menschenrechte und wirkliche Verbesserung in den Lebensverhältnissen der Völker in
Ost und West.
Welche Bedeutung der amerikanische Präsident den bevorstehenden Beratungen in Belgrad beimißt, zeigt sein am 6. Juni veröffentlichter Halbjahresbericht über die Verwirklichung der politischen, militärischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, humanitären und sonstigen Bestimmungen, die in
der KSZE-Schlußakte von Helsinki zusammengefaßt sind.

Die am 15. Juni in der

jugoslawischen Hauptstadt zusammengetretene Konferenz der Vertreter der 35
Signatarstaaten der Schlußakte, unter ihnen auch die Vereinigten Staaten,

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�Staaten, dient in erster Linie der Vorbereitung auf eine umfassendere Tagung, die voraussichtlich im Herbst dieses Jahres stattfinden soll.

In

den auf etwa 6 Wochen angesetzten Beratungen sollen Zeitpunkt, Tagesordnung und Verfahrensfragen dieser Konferenz festgelegt werden.
Bereits bei der Vorlage des Halbjahresberichtes hatte der amerikanische
Außenminister Cyrus Vance vor der Kommission des US-Kongresses für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa erneut die in der Vergangenheit schon so
oft bekräftigte Verpflichtung der Vereinigten Staaten unterstrichen, sich
für die Achtung und Förderung der Rechte des Einzelnen wie auch der Menschenrechte unter den Völkern ohne Rücksicht auf ihre politische oder soziale Herkunft oder Bestrebungen einzusetzen.

Und dies kann am besten über einen in-

ternationalen Mechanismus erreicht werden.
Der 93 Seiten umfassende Bericht stellt ganz allgemein fest, daß sich
die Politik der Warschauer Pakt-Staaten, was die Aktivitäten auf dem Gebiet
der Menschenrechte, den freien Fluß von Informationen sowie die menschlichen
Kontakte anbetrifft, trotz der in den Vereinbarungen von Helsinki gemachten
Zusagen nicht wesentlich geändert hat.

Auf der anderen Seite betont der Be-

richt, daß das Interesse des Westens an den Menschenrechten keine Einmischung
in die inneren Angelegenheiten der anderen Staaten bedeutet, sondern in der
Schlußakte von Helsinki sowie anderen auf höchster Ebene getroffenen internationalen Vereinbarungen fest begründet ist.
So hat denn auch der Leiter der amerikanischen Delegation in Belgrad,
Botschafter Albert Sherer

betont, daß die KSZE-Schlußakte eine moralische

und politische Verpflichtung darstellt, auch wenn es sich hier weder um
einen Vertrag noch um ein rechtlich bindendes Dokument handelt.

Er betrachte

Helsinki als einen lange währenden Prozeß, so betonte der Botschafter, und
solange dabei Fortschritte erzielt werden, solle man optimistisch und nicht
skeptisch sein.
Die
- 2 -

�Die Schlußakte von Helsinki enthält im ersten der drei Hauptteile allgemein als "Körbe" bezeichnet - eine Grundsatzerklärung, die die Prinzipien festlegt, nach denen die einzelnen Staaten die Beziehungen zueinander ausrichten sollen. Dies schließt auch ein feierliches Versprechen
ein, die Menschenrechte und die fundamentalen Freiheiten gemäß der Charta
der Vereinten Nationen und der allgemeinen Menschenrechtsdeklaration zu
achten. Ferner sind in diesem Abschnitt Bestimmungen über Maßnahmen zur
Stärkung des Vertrauens, über Sicherheit und Abrüstung enthalten.
Der zweite Abschnitt befaßt sich mit der Zusammenarbeit auf den Gebieten der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Technik und des Umweltschutzes,
wobei besonders Maßnahmen zur Ausweitung des Warenverkehrs und der industriellen Zusammenarbeit herausgestellt werden.
Der dritte Abschnitt schließlich führt die Bestimmungen für eine Zusammenarbeit auf humanitären und verwandten Gebieten an. So sollen der
freiere Verkehr von Personen, Ideen und Informationen, die Familienzusammenführung und Besuche, die Heirat von Angehörigen verschiedener Länder, der
Reiseverkehr, der Zugang zu Druckerzeugnissen und Filmmaterial sowie das
Abhören von Rundfunksendungen erleichtert und gefördert werden. Die Arbeitsbedingungen für Journalisten sollen verbessert und der Kulturaustausch
verstärkt werden.
Der Gedanke einer Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
geht, wie eine Studie des US-Kongresses zeigt, bereits auf die frühen fünfziger Jahre zurück. Damals hatte die Sowjetunion eine gesamteuropäische
Konferenz vorgeschlagen, die sich mit Sicherheitsfragen befassen und den
während des Zweiten Weltkrieges entstandenen osteuropäischen Grenzen ihre
Zustimmung geben sollte. Die westeuropäischen Länder und die Vereinigten
Staaten stimmten schließlich Ende der sechziger Jahre einer solchen Konferenz
zu, sofern der Themenkreis erweitert und auch den Abbau der Spannungen zwischen Ost- und Westeuropa einschließen würde. Der Westen bestand vor allem
auf "Korb 3", weil er eine strenge Kontrolle der individuellen Kontakte und
- 3 -

�und der Verbreitung von Informationen als den europäischen Sicherheitsinteressen abträglich erachtete.
Als die Schlußakte vor zwei Jahren in Helsinki unterzeichnet wurde,
herrschte in westlichen Kreisen vielfach die Ansicht vor, daß dieses Dokument in erster Linie der Sowjetunion Vorteile brächte, da es einer Anerkennung der sowjetischen Vorherrschaft in Osteuropa praktisch gleichkäme. Aber die von allen Signatarstaaten der Schlußakte gegebenen feierlichen Versprechen verpflichten diese auch, die Menschenrechte, die grundlegenden Freiheiten und den freieren Verkehr von Menschen und Ideen zu achten.

Und diese Verpflichtung hat sich auf die Entwicklung der Ost-West-

Beziehungen in den letzten Jahren mit am stärksten ausgewirkt.
Präsident Carter hat sein Bekenntnis zu den Menschenrechten als "absolut" bezeichnet. Die in der Schlußakte von Helsinki enthaltenen Vereinbarungen haben aktive Verfechter der Menschenrechte in den osteuropäischen
Ländern veranlaßt, die Verwirklichung der von ihren Regierungen unterzeichneten und die Menschenrechte betreffenden Bestimmungen zu fordern.
Die amerikanische Regierung vertritt die Auffassung, daß allen Bestimmungen der Schlußakte gleiches Gewicht zukommt. Die Kongreßstudie dagegen
betont, daß der Westen "Korb 3" als den wichtigsten betrachte, auf den das
Schwergewicht der Arbeit gelegt werden sollte. Das amerikanische Außenministerium und gleicherweise auch zahlreiche private Organisationen in den
Vereinigten Staaten haben ein starkes Interesse an der Verwirklichung aller
Bestimmungen der Schlußakte bekundet, zumal die Vereinbarungen bereits vor
zwei Jahren unterzeichnet worden sind. Besonders aktiv hat sich hier die
Kommission des US-Kongresses für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa ge
zeigt. Als unabhängige Kommission vom amerikanischen Kongreß ins Leben gerufen und allgemein unter dem Namen Helsinki-Kommission bekannt, setzt sie
sich aus Angehörigen des Kongresses sowie der Exekutive zusammen und hat
den Auftrag, den Fortschritt bei der Verwirklichung der Bestimmungen der
Schlußakte zu überprüfen und zu fördern. Die Kommission hat bereits eine
- 4 -

�eine Reihe öffentlicher Anhörungen durchgeführt, verschiedene Berichte
veröffentlicht und eine spezielle Studienmission nach Westeuropa entsandt,,
Die amerikanische Regierung hat in diesem Zusammenhang wiederholt die Auffassung der USA unterstrichen, daß die Achtung der Menschenrechte nicht vor
nationalen Grenzen halt machen darf und die Besorgnisse des Westens, soweit
sie Osteuropa betreffen, durch Helsinki legitimiert sind
Präsident Carter hat im März in seiner Ansprache vor den Vereinten
Nationen angekündigt, daß er den Kongreß um Zustimmung zu der Konvention
über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte sowie der Konvention
über bürgerliche und politische Rechte ersuchen werde
Im April erklärte
der amerikanische Präsident vor der Organisation der Amerikanischen Staaten
(OAS), daß er den US-Senat um Ratifizierung der Menschenrechtskonvention ersuchen wolle., Und auf der NATO-Ministerratstagung im Mai sagte Präsident
Carter in London: "Amerikas Sorge um die Menschenrechte spiegelt nicht den
Wunsch wider, unsere speziellen politischen oder sozialen Verhältnisse irgendeinem anderen Land aufzuzwingen. In ihr kommen vielmehr die zutiefst
empfundenen Werte des amerikanischen Volkes zum Ausdruck Oo„ Wir werden
weiterhin unserer Oberzeugung Ausdruck verleihen - nicht nur, weil wir uns
selbst treu bleiben müssen, sondern auch weil wir überzeugt sind, daß der
Aufbau einer besseren Welt darauf beruht, daß jede Nation die Werte klar
zum Ausdruck bringt, die ihrem Leben als Nation Sinn und Bedeutung geben."
Die offen bekundete Sorge der USA um die Menschenrechtsbestimmungen
der Vereinbarungen von Helsinki hat zu der Kritik der kommunistischen Signatarstaaten geführt, daß die anderen beiden "Körbe" ignoriert würden„ Doch
der Vorsitzende der Helsinki-Kommission, der Abgeordnete Dante Fascell, hat
in einem kürzlichen Interview darauf hingewiesen, daß Berichte über das
Schicksal von Menschen in den Medien stets großen Widerhall finden. So
sei beispielsweise die Verurteilung eines Menschen, nur weil er für sich
das Recht in Anspruch nehme, ein Land zu verlassen oder seine Familie zu
besuchen, für die Weltpresse weit interessanter als trockene Statistiken
über den Handel zwischen den Ländern. Der beste Weg, damit "Korb 3" nicht
- 5 -

�nicht mehr Mittelpunkt des Interesses der Weltpresse bilde, sei, die Unterdrückung der Menschenrechte einzustellen.

Gleichzeitig verwies Fascell

darauf, daß seine Kommission öffentliche Anhörungen zu allen drei "Körben"
durchgeführt hat.

So haben beispielsweise der frühere Handelsminister

Elliot Richardson, der Präsident von Radio Free Liberty und Radio Free
Europe, Sig Mickelson, und der Direktor des US-Informationsamtes, John E.
Reinhardt, und der stellvertretende Unterstaatssekretär für Europa im USAußenministerium, John Armitage, aber auch der jetzt in den USA lebende
sowjetische Vorkämpfer für die Menschenrechte, Wladimir Bukowski, und zahlreiche andere vor der Kommission ausgesagt.
Das große Interesse, das die amerikanische Öffentlichkeit der HelsinkiKonferenz entgegenbringt, wird allein schon durch die Tatsache dokumentiert,
daß das US-Außenministerium Zehntausende von Kopien der KSZE-Schlußakte verteilen ließ, um allen Anfragen nachzukommen.

Und das amerikanische Handels-

ministerium veröffentlichte einen Leitfaden für die US-Wirtschaft, der sich
eingehend mit den Auswirkungen der Vereinbarungen von Helsinki für Wirtschaft und Handel befaßt.
Wohl am treffendsten hat Botschafter Sherer die Bedeutung der bevorstehenden Gespräche charakterisiert, als er sagte, "über die in Helsinki
getroffenen Vereinbarungen werden die führenden Staatsmänner der Welt in
den kommenden Jahren wohl auf jeder internationalen Konferenz zu sprechen
haben." Sherer, der bereits in Helsinki mit am Verhandlungstisch saß und
die USA in Belgrad wieder vertritt, fügte hinzu: "Jeder ist an der Erhaltung des Friedens interessiert, und Helsinki ist ein guter Weg, damit zu beginnen."

+ + + + +

- 6 -

�14. Juni 1977

16

NUKLEARE EXPORTPOLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN
EnergiebedUrfnisse und Gefahr der Atomwaffen-Proliferation
müssen gegeneinander abgewogen werden
Von Dr. Joseph S. Nye Jr.
Stellvertretender Staatssekretär für Sicherheitshilfe im
US-Außenmi ni steri um

Dr. Nye ist Vorsitzender einer regierungsamtlichen Studiengruppe, die im Auftrag
Präsident Carters die amerikanische Politik hinsichtlich der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen und des Nuklearexports
untersucht. Die folgende Analyse der Fragen und Probleme, die sich im Zusammenhang mit dem Versuch ergeben, berechtigte
Bedürfnisse an neuen Energiequellen gegen
die Gefahren einer Ausweitung des Atomwaffenpotentials abzuwägen, basiert auf
der Stellungnahme Dr. Nyes vor dem amerikanischen Senatsausschuß für Regierungsangelegenheiten.
- (AD) - Präsident Carter hat deutlich gemacht, daß das Problem der nuklearen Proliferation eine der kritischsten und vielschichtigsten Fragen ist,

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�ist, der wir uns gegenübersehen.

Und so wies er die von mir geleitete inter-

ministerielle Gruppe an, eine äußerst umfassende Überprüfung unserer Politik
hinsichtlich der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen und des Nuklearexports vorzunehmen.

Als wir diese Überprüfung begannen, erkannten wir zwei

elementare Ziele - daß nämlich Atomkraft verfügbar sein sollte, um berechtigte Ansprüche auf Deckung des Energiebedarfs zu erfüllen, dies aber in
einer Weise geschehen müsse, die eine Ausweitung der Fähigkeiten zur Produktion nuklearer Sprengsätze vermeidet.

Die Ausweitung dieser Fähigkeiten auf

eine wachsende Zahl von Ländern kostete, was unsere gesamte Außenpolitik und
die Ziele unserer nationalen Sicherheit anbelangt, einen übermäßig hohen
Preis.

Sie würde das Risiko verstärken, daß Kernwaffen erneut in einem Krieg

eingesetzt werden.

Sie würde unsere Fähigkeit vermindern, internationale

Krisen unter Kontrolle zu bekommen, unser Volk neuen Gefahren aussetzen und
sich äußerst schädlich auf unsere Bündnisse auswirken.

In Anbetracht einer optimalen Strategie der Nichtweiterverbreitung von
Kernwaffen muß man zwei wichtige Elemente des Problems erkennen: Die Beweggründe einer Nation, in den Besitz von nuklearen Sprengsätzen zu kommen oder
sich darum nicht zu bemühen, und ihr diesbezügliches technisches Potential.
Beide Elemente sind von einschneidender Bedeutung. Und wir müssen sorgfältig
darauf achten, nicht eine Politik einzuschlagen, die sich nur mit dem einen
Element des Problems befaßt und ernste nachteilige Wirkungen auf das andere
Element hätte.
Was die Motivation angeht, so sollten wir mit unserer Politik Anreize
zur Erlangung eines nuklearen Waffenpotentials mindern. Beispielsweise reduzieren die Sicherheitsgarantien seitens der Vereinigten Staaten im Zusammenhang mit dem NATO-Bündnis und unserem bilateralen Sicherheitsabkommen mit
Japan die Anreize für die beteiligten Staaten, sich um eigene Kernwaffen zu
bemühen, obgleich bei ihnen die technischen Voraussetzungen für eine Atomrüstung gegeben sind. In der Tat meine ich, um nicht das Augenfällige zu
übersehen, daß die Sicherheitsgarantien, die unsere Bündnisbeziehungen beinhalten, zu den wichtigsten Instrumenten unserer Politik der Non-Prolifera- 2 -

�Non-Proliferation zählen. Ähnlich schafft der Atomwaffen-Sperrvertrag
(NPT) einen wichtigen Rahmen für die Beeinflussung von Motivationen. Allgemein gesehen verkörpert der Atomwaffen-Sperrvertrag einen internationalen Kodex, unter dem Staaten darin übereinstimmen, daß ihren Sicherheitsinteressen besser gedient sei,wenn die weitere Verbreitung der Fähigkeit
zur Kernwaffenproduktion vermieden wird. Konkret ausgedrückt gibt der Vertrag die Beruhigung, daß potentielle Gegner ihre nuklearen Aktivitäten auf
friedliche Ziele beschränken und daß im Fall einer Abzweigung für militärische Zwecke das mit dem Vertrag geschaffene Sicherheitssystem rechtzeitig warnen würde. Dies vermindert auch eine Motivation der Mitgliedstaaten des Atomwaffen-Sperrvertrags, sich für eigene Nuklearsprengkörper
zu entscheiden,, Aus diesem Grund - und weil es sich hier um einen unerläßlichen Rahmen für wirksame Anstrengungen um die Nichtweiterverbreitung
von Kernwaffen handelt -, streben wir auch weiterhin das Festhalten am
Atomwaffen-Sperrvertrag auf breitestmöglicher Basis an.
Der Atomwaffen-Sperrvertrag ist eine ausgeklügelte internationale
Übereinkunft, in der die Staaten einen ausdrücklich unterschiedlichen
Status auf militärischem Gebiet akzeptiert haben. Aber es ist eine zwingende Notwendigkeit, daß wir in unserer Nuklearpolitik hinsichtlich der
nuklearen Zusammenarbeit auf dem nichtmilitärischen Sektor keinerlei Unterschiede zwischen den zum Atomwaffen-Sperrvertrag stehenden Staaten machen.
Der Wesensgehalt des Vertrages ist ein Kompromiß, bei dem auf militärischem
Gebiet Diskriminierung - zwischen Atommächten und Mächten ohne eigene Atomwaffen - akzeptiert wird als Gegenleistung für den Nutzen, den man aus der
zivilen Kerntechnik zieht. Würden die Atommächte auch auf dem zivilen Sektor
Unterschiede machen, so zerstörten sie das eigentliche Gerüst des Atomwaffensperrvertrags und damit eine der wichtigsten Institutionen gegen die Weiterverbreitung von Kernwaffen.
Alles in allem müssen wir also ungemein hellhörig für die politischen
und militärischen Motivationen sein, die Länder veranlassen, sich nukleare
Sprengkörper zuzulegen.

Dies wird eine Absicherung der Glaubwürdigkeit be^
- 3 -

�bestehender Sicherheitsgarantien erforderlich machen, aber ebenso Fortschritte in der Erlangung sinnvoller und verifizierbarer Rüstungskontroi 1Vereinbarungen, welche die Stärke nuklearer Streitkräfte verringern und
Atomtests begrenzen oder verbieten, und nicht zuletzt eine Abwertung des
Prestiges, das dem Besitz von Kernwaffen anhaftet.
Das andere Element 'des Proliferationsproblems - die technische Fähigkeit - konfrontiert uns mit einem ganz anderen Komplex von Aufgaben sehr
viel größerer Aktualität.

Denn wenn Motivationen mit der Fähigkeit, nuk-

leare Sprengkörper zu produzieren, zusammenfallen, ist eine weitere Proliferation nahezu unausweichlich.

In dem Maße, in dem sich das nukleare Po-

tential ausweitet, insbesondere in bezug auf die sensitiven Anlagen zur Anreicherung und Wiederaufarbeitung, mit denen waffenfähiges Material produziert werden kann, wächst auch die Zahl der Staaten an der NuklearwaffenSchwelle.

In gewissem Sinne haben wir es hier mit einem unbeabsichtigten

Fortschritt auf dem Wege zur Bombe zu tun.

Wenn dann aber ein Staat plötz-

lich seine Motivation ändert - beispielsweise infolge eines Regierungswechsels oder einer überraschenden Aktion eines Nachbarstaates -, kann er sich
sehr schenll zu einer Atommacht entwickeln.

Deshalb müssen wir die nur na-

tionaler Kontrolle unterstehende weitere Verbreitung von Anlagen und Materialien, mit denen schnell oder auf einfache Weise eine Umstellung auf
die militärische Produktion möglich ist, zu verhindern suchen und gleichzeitig unseren Verpflichtungen aus dem Atomwaffen-Sperrvertrag nachkommen.
Wir brauchen eine Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen des AtomwaffenSperrvertrags und der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), um
zu gewährleisten, daß wir im Fall einer absichtlichen Abzweigung (für militärische Zwecke) der diplomatischen Aktivität so viel Zeit wie nur irgend
möglich verschaffen und helfen, einen solchen Mißbrauch zu entmutigen.
In der Vergangenheit, insbesondere vor 1974, konzentrierter» wir unsere
Anstrengungen im Sinne einer Non-Proliferation auf die Verstärkung des internationalen Kontroll Systems, um sicherzustellen, daß zivile Nuklearlieferungen
ausschließlich für friedliche Zwecke verwendet werden.
- 4 -

Dazu gehörte auch

�auch die Verschärfung des IAEA-Sicherheitssystems und die Verbesserung technischer Sicherungsmaßnahmen gegen die unberechtigte Verwendung nuklearer
Materialien und Einrichtungen.

Seit 1974 wissen wir, daß Sicherungsmaßnah-

men, wie wichtig sie auch sind, nicht immer ausreichen.

Deshalb schlugen

wir eine Politik ein, die die Lieferländer ermutigt, hinsichtlich der Weitergabe sensitiver Anlagen und Technologien, insbesondere solcher zur Anreicherung und Wiederaufarbeitung, Zurückhaltung zu üben, um die Ausbreitung von
waffenfähigem Material und der Anlagen, mit denen es produziert wird, zu verzögern.

Wir glauben, daß diese zweite Verfahrensweise der Selbstbeschränkung

notwendig ist, während die internationale Gemeinschaft Wege zur Formung der
Zukunft der Nuklearenergie unter Minderung der Risiken einer Proliferation
entwickelt.
Beide Wege - Sicherungen und Zurückhaltung - sind für unsere Anstrengungen noch immer von größter Bedeutung, jedoch sind jedem von Natur aus
Grenzen gesetzt. So könnte sich beispielsweise eine nur auf Sicherungsmaßnahmen gestützte Politik bei Wiederaufarbeitungsanlagen als unzureichend
erweisen. Die zentrale Idee der Sicherungsmaßnahmen ist eine angemessene
Warnung vor Abzweigungen, die für diplomatische Aktivitäten zur Lösung des
Problems genügend Zeit läßt. Aber gerade die Natur der PUREX-Aufarbeitungstechnologie bedeutet, daß die Funktion der Sicherungsmaßnahmen mit rechtzeitiger Warnung nahezu ausgelöscht würde. Selbst wenn die denkbar wirksamsten
Sicherungsmaßnahmen von Engeln durchgeführt würden, gäbe es am Ende des Prozesses einen Vorrat an reinem Plutonium. Die Gefahren sind unverkennbar,
wenn man die Möglichkeit in Erwägung zieht, daß eine Nation, die sensitive
Anlagen besitzt, sich plötzlich nicht mehr an eine Sicherungsvereinbarung
hielte. Innerhalb weniger Wochen könnte sie einen Sprengsatz herstellen
- das ist eine zu kurze Zeit für die Diplomatie, wirksam tätig zu werden.
Andererseits ist es wichtig, die Grenzen einer Politik des Nicht-Zulassens
zu erkennen. Ein Programm, das in erster Linie aus Verweigerungen besteht,
würde nicht nur ernste politische Verärgerungen hervorrufen, sondern es würde
auch eine Nation, die sich nukleare Sprengkörper zulegen möchte und die Fähigkeit mit eigenen Mitteln zu entwickeln gedenkt, nicht zwangsläufig davon

- 5 -

�davon abhalten können, dies zu tun.
Deshalb glauben wir, daß ein drittes Schlüsselelement für eine erfolgreiche, langfristige Atompolitik notwendig ist - ein Element, das auf dem
Prinzip der Anreize basiert, die in bilateralen und multilateralen Abkommen
gegeben sind.

Diese Anreize würden am Beginn des Kernbrennstoff-Zyklus unsere

Fähigkeit einschließen, die garantierte Versorgung mit nicht-sensitiven Kernbrennstoffen zeitgerecht, ausreichend, zuverlässig und wirtschaftlich durchzuführen, und am Ende des Brennstoffzyklus ausreichende Möglichkeiten für
die Lagerung verbrauchter Brennelemente und radioaktiver Abfälle zu gewährleisten.
Was die Frage garantierter BrennstoffVersorgung anbelangt, so muß unseres Erachtens ein erfolgreiches Programm den Zugang zu ausreichenden
Lieferungen von Natururan und Anreicherungsdiensten zu vernünftigen Preisen
sicherstellen.

In diesem Zusammenhang werden wir, wie Präsident Carter am

7. April ankündigte, in den Vereinigten Staaten die Produktionskapazität
für angereichertes Uran vergrößern.

Ein weiteres wichtiges Merkmal eines

solchen Programms wären parallel laufende Maßnahmen bei den nuklearen Exportländern, um zu verhindern, daß ein Reaktor-Exporteur kommerzielle Nachteile hinnehmen muß.

Und schließlich müssen wir sicherstellen können, daß

Exportlizenzen an jene Nationen, die sich bereitwillig an unsere Exportbedingungen halten, prompt und zuverlässig erteilt werden.
Die Analyse der Elemente eines attraktiven Garantieprogramms für die
Brennstoffversorgung brachte uns zu dem Schluß, daß eine streng bilaterale
Behandlung dieser Angelegenheit nicht ausreichen würde.

Deshalb glauben

wir, daß wir eine nach drei Seiten gesicherte Verfahrensweise auf der Basis
folgender Komponenten sondieren sollten:
- Bilaterale Verpflichtungen zur BrennstoffVersorgung, die als Unterbau für internationale Zusammenarbeit dienen müssen.

Jedoch sollten wich-

tige Brennstoffexporteure eine gleichlaufende Politik verfolgen, damit eine
- 6 -

�eine Handelskonkurrenz vermieden wird, die den gemeinsamen Interessen der
Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen schaden könnte.
- Multilaterale Maßnahmen, die darauf abgestellt sind, Garantien an
die Verbraucher zu bekräftigen, indem Brennstofflieferanten sowohl die
Lieferverträge wechselseitig stützen, als auch jenen Reaktorexporteuren den
Zugang zur Kernbrennstoffversorgung sicherstellen, die nicht über eine eigene
Brennstoffproduktion und eigene Rohstoffvorkommen verfügen.
- Internationale Maßnahmen wie etwa die Einrichtung einer "Internationalen Brennstoffbank" nach dem Modus der Internationalen Kernbrennstoffbehörde, wie sie in den dem US-Senat jetzt vorliegenden Gesetzesvorschlägen
vorgesehen ist. Sie könnte als Zusatzreserve für die anderen Lieferabmachungen dienen.
Wir sondieren alle diese Wege.
uns mit anderen Nationen beraten.

Wir werden sie weiter untersuchen und
Der wichtige Punkt ist jedoch, daß ein

wirksames und glaubwürdiges Brennstoff-Garantiesystem auf internationaler
Basis drei Merkmale aufweisen muß: Es muß danach trachten, jegliche Anreize
auszuschalten, die für die Einrichtung geschlossener Brennstoffzyklen bestehen.

Es darf Verbraucher nicht diskriminieren, die ihre NPT-Verpflich-

tungen erfüllen.

Und es darf nicht die Abhängigkeit der Importländer von

möglichen Willküraktionen der Exportländer erhöhen.
Die mit der Endphase des Brennstoffzyklus zusammenhängenden Probleme,
vor allem die Notwendigkeit, geeignete Lagerstätten für verbrauchte Brennelemente und radioaktiven Abfall bereitzustellen, sind nicht weniger vordringlich. Wir sondieren gegenwärtig ein breites Spektrum möglicher Lösungen, die wie im Fall der Brennstoffversorgungsgarantien den Druck mildern
würden, eigene Kapazitäten zur Wiederaufbereitung zu schaffen. Zu den gegenwärtig untersuchten Vorschlägen zählt u.a. die Möglichkeit, Lagerkapazitäten
für eine Zwischenlagerung verbrauchter Kernbrennstoffe aus dem Ausland sowie
Vorkehrungen für die Deponie verbrauchter Brennelemente auf internationaler
- 7 -

�internationaler Basis zu schaffen, wozu auch die Einrichtung regionaler
Zentren gehören würde.
Ich habe bisher unsere Politik im Hinblick auf die gegenwärtige Generation nukleartechnischer Anlagen erörtert.

Wenn wir weiter in die Zukunft

und auf die Nukleartechnologie der nächsten Generation blicken, ist unsere
Politik zwangsläufig eher vorläufiger Natur»

Aber wir haben sie eingeleitet,

indem wir zunächst einmal einige Grundannahmen überprüfen, die in diesem
Lande und in anderen Ländern während der letzten 25 Jahre weitgehend von
der Atomindustrie vertreten worden sind.

Unsere Politik basierte bisher

auf der Annahme, daß die Wiederaufbereitung in Angriff genommen würde, wenn
es genügend Leichtwasserreaktoren gebe, die jene Großanlagen rechtfertigten,
welche für einen wirtschaftlichen Betrieb notwendig sind, und daß Plutonium
bis zur Einführung der SchneiIbrut-Reaktoren im Brennstoffzyklus der Leichtwasserreaktoren eingesetzt werde. Andere Länder, die nicht wie wir über
fossile Brennstoffe und Natururanvorkommen verfügen, sind sogar noch stärker
der Idee verhaftet, daß die Wiederaufbereitung notwendig sei, um auf weite
Sicht Risiken infolge des Vorhandenseins von Atommüll zu reduzieren, und daß
man frühzeitig Plutonium-Vorräte für die Verwendung in Brutreaktoren anlegen müsse, um auf dem Energiesektor unabhängig zu werden.
Heute wissen wir, daß diese früheren Annahmen nochmals überprüft werden
müssen. Jetzt werden zu Recht Fragen hinsichtlich der Auswirkungen des Vorhandenseins von Plutonium aus Abtrennungsprozessen auf die Weiterverbreitung
von Kernwaffen und hinsichtlich der Möglichkeit gestellt, daß Terrorist
Plutonium für die Waffenherstellung in ihren Besitz bringen könnten. Weitere
Bedenken werden wegen der gesundheitlichen Gefahren durch Plutonium geäußert.
Es gibt stichhaltige Gründe, die frühere Annahme in Frage zu stellen, daß
die Einführung von Plutonium in den Brennstoffkreislauf von Leichtwasserreaktoren wirtschaftlich vorteilhaft sei; vielmehr dürfte es sich dabei
günstigstenfalls um einen geringen Vorteil handeln. Ein solches Recycling
führt nicht zur Unabhängigkeit* und es gibt andere mögliche Wege, um die
Uranvorräte zu strecken. Auch existieren Anzeichen dafür, daß die Entsor- 8 -

�Entsorgungsprobleme durch die Wiederaufbereitung verschlimmert anstatt gemildert werden. Die Frage ist, ob wir auf dem Plutonium-Weg schon zu weit
vorangeschritten sind oder ob noch Zeit dafür besteht, um die Dinge ein
zweites Mal zu prüfen. Wir sind der Meinung, daß wir tatsächlich Zeit haben, Alternativen für den Brennstoffzyklus zu untersuchen, welche die Proliferation und die Risiken für den technischen Schutz auf ein Mindestmaß
reduzieren. Dies war die Grundlage für die am 7. April bekanntgegebenen
Entscheidungen Präsident Carters, die Kommerzialisierung der Wiederaufarbeitung ganz auszusetzen und das amerikanische Brutreaktorprogramm umzugestalten. Ich sollte hier hervorheben, daß es nicht unsere Absicht ist, die
Uhr zurückzustellen oder irgendeiner Nation benötigte Energiequellen vorzuenthalten. Wir wollen vielmehr herausfinden, ob wir in der Lage sind, die
Zukunft der Kerntechnik so zu gestalten, daß sie unseren gesellschaftlichen
Zielen auf breiter Basis dient und wir gleichzeitig die Vorteile ihres
Energiepotentials wahrnehmen können.
Es gibt vieles, was die Vereinigten Staaten sofort tun könnten, um
die von mir erwähnten Voraussetzungen zu überprüfen. Längerfristig gesehen
müssen wir jedoch, wenn eine nochmalige Überprüfung des Plutonium-Brennstoffkreislaufs als wirtschaftliche Basis sinnvoll sein soll, andere Nationen in
das Wagnis einschalten. Dies ist das Ziel der Forderung Präsident Carters
nach einem internationalen Programm zum Studium von Kernbrennstoffzyklen.
Nach unserer Auffassung müßte diese Analyse sowohl die Reaktoren der gegenwärtigen Generation, einschließlich der Wege zur Gewährleistung einer zuverlässigen Brennstoffversorgung und zur Lösung der Entsorgungsprobleme, als
auch die Reaktoren der künftigen Generation und deren Brennstoffzyklen umfassen, wobei Zyklen mit nicht-sensitiven Kernbrennstoffen sowie institutionellen Maßnahmen zur Reduzierung der Risiken für eine Weiterverbreitung von
Atomwaffen besondere Aufmerksamkeit zu widmen wäre.
Spezielle technische Elemente dieses Vorschlags für multinationale Bemühungen wären Untersuchungen zur Verfügbarkeit von Uran und von Anreicherungskapazität, institutionelle Vorkehrungen in bezug auf garantierte Brenn- 9 -

�BrennstoffVersorgung, die Lagerung verbrauchter Brennelemente, einschließlich des Studiums der Technologie für langfristige Lagerung entweder mit
der Möglichkeit der Wiederaufbereitung oder der Endlagerung samt der Einrichtung internationaler oder multinationaler Lagerstätten, die Kapazitäten
für kürzerfristige Lagerung, ferner Verfahren zur besseren Nutzung des Urans
in den Brennelementen von Leichtwasserreaktoren, und Entwicklungslinien bei
fortgeschrittenen "konventionellen" Reaktortypen sowie bei Brutreaktoren einschließlich solcher Brüter, die nicht auf der Basis des Plutoniumzyklus arbeiten.
Ein weiterer Aspekt unserer Non-Proliferationspolitik auf weitere Sicht
betrifft nichtnukleare Technologien. Wir sind uns darüber im klaren, daß
Zusammenarbeit und Unterstützung in der Entwicklung nichtnuklearer Energiequellen, einschließlich der zugehörigen Technologien, ein wichtiges Element
in jeder Strategie gegen die Weiterverbreitung von Atomwaffen bildet» Deshalb sondieren wir, wie eine solche Kooperation am besten durchzuführen sei,
wobei wir die Notwendigkeit nicht aus den Augen verlieren, unsere Ziele der
Nichtweiterverbreitung mit den allgemeinen Wirtschafts- und Entwicklungszielen
jener Länder, denen wir Unterstützung leisten könnten, in Übereinstimmung zu
bringen.
Auch wird untersucht, welche Rolle die nichtnukleare Energietechnologie
möglicherweise dabei spielen könnte, die nukleare Technologie zu verzögern,
in ihrem Ausmaß zu verändern oder zu ersetzen. Wir sind besonders an jenen
Technologien interessiert, die im wesentlichen regenerierbare Energiequellen
erschließen.
Die Auswirkungen alternativer Technologien hängen letzten Endes von der
Lage jedes einzelnen Landes ab. Aber man kann kaum bezweifeln, daß eine beschleunigte Entwicklung und Nutzbarmachung nichtnuklearer Energietechnologien
die künftigen Anteile der Energiequellen an der GesamtenergieproduRtäon und
somit auch die Proliferationsrisiken in Ländern beeinflussen könnte, die zum
gegenwärtigen Zeitpunkt keine festen Verpflichtungen in bezug auf große Nuk- 10 -

�Nuklearprogramme haben.
Ich möchte kurz die neuen politischen Entscheidungen erläutern, die
Präsident Carter am 27. April verkündete.

Demnach wäre es erforderlich,

daß vor Erteilung einer Exportlizenz für nukleares Material oder nukleare
Anlagen die Nukleare Aufsichtskommission (NCC) von der Exekutive über deren
Meinung unterrichtet werden muß, daß die Erteilung der Exportgenehmigung
der gemeinsamen Verteidigung und der Sicherheit der Vereinigten Staaten
nicht schadet.

Bei ihrer Urteilsfindung wird die Exekutive folgende Richt-

linien beachten:
- wir werden auch künftig den Export von Anreicherungs- und Wiederaufarbeitungsanlagen aus den Vereinigten Staaten nicht zulassen;
- wir werden vermeiden, neue Verpflichtungen zur Ausfuhr größerer Mengen
von Plutonium mit Ausnahme von Mengen in der Größenordnung einiger Gramm für
Forschung und analytische Zwecke einzugehen;
- wir werden keine neuen Verpflichtungen für den Export größerer Mengen
von stark angereichertem Uran eingehen - ausgenommen solche Fälle, wo es sich
um ein besonders verheißungsvolles Projekt handelt und klar erwiesen ist,
daß von der Verwendung von niedrig angereichertem Brennstoff oder eines anderen, für die Waffenproduktion kaum brauchbaren Materials technisch nichts
erwartet werden kann;
- wir werden die Lieferung von hoch angereichertem Uran in Mengen von
mehr als 15 kg nur dann genehmigen, wenn der Präsident persönlich der Ausfuhr zugestimmt hat;
- wir werden uns bemühen, Projekte und Anlagen ausfindig zu machen,
die auf die Verwendung von niedrig angereichertem Uran anstelle hoch angereichertem Urans umgestellt werden können;
- wir
- 11 -

�- wir werden Schritte unternehmen, um die Vorräte an waffenfähigem
Uran im Ausland zu verringern.
Diese Maßnahmen bedeuten eine beachtliche Verschärfung der nuklearen
Exportpolitik der Vereinigten Staaten.
Schließlich möchte ich betonen, daß wir nicht in einer Welt leben,
in der die USA allein die Politik anderer Nationen diktieren können.

Es

liegt einfach nicht in unserer Macht, die Einhaltung einschneidender neuer
Bestimmungen zu erzwingen - und wenn wir darauf bestünden, könnte dies von
vielen unserer Nuklearpartner als Bruch unserer Lieferverpflichtungen angesehen werden.

Sie könnten sich entschließen, eigene Anlagen zu entwickeln.

So heißt es im Bericht über nukleare Proliferation und Sicherheitsmaßnahmen
des Amtes für Technologie-Bewertung u.a.: "Lösungen für das Proliferationsproblem

werden vornehmlich, wenn nicht sogar ausschließlich durch multila-

terale Aktionen gefunden werden müssen ... Das Ausmaß des Einflusses der
USA wird von Land zu Land variieren."

Oder wie Paul Warnke, der amerika-

nische Verhandlungsführer in Fragen der Rüstungskontrolle, Ihnen bereits
zum gleichen Punkt so treffend sagte, ist die wirksamste Non-Proliferationspolitik nicht unbedingt jene Politik, die die härtesten Restriktionen aufzubürden scheint.

+ + + + +

- 12 -

�UJi//cn/choft
imd Technik

I

United States Information Service

14. Juni 1977

16

HORMON AUS DER BAKTERIENFABRIK
Vermehrungsfähiges Ratten-Gen für Insulinproduktion
auf Bakterien übertragen

- (AD) - Einen Durchbruch in der molekular-genetischen Forschung melden Wissenschaftler der Universität Kalifornien aus San Francisco:

Wie Dr.

William J. Rutter vom Department für Biochemie und Biophysik berichtet, ist
es gelungen, eine Kopie des für die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse der Ratte "zuständigen" Gens in Bakterien vom Typ Escherichia Coli
(E. Coli) einzubringen, wo es sich weiter vermehrte.

Als nächstes werde

man versuchen, jene Teile des genetischen Materials bzw. jene Abschnitte
aus dem tierischen DNS-Molekül zu übertragen, die bei der Ratte die InsulinProduktion in Gang setzen und stoppen.

Der Forscher schätzt, daß dieses Ziel

in etwa zwei Jahren zu erreichen sei. Als letzter

und wichtigster Schritt

könne in etwa fünf Jahren die Einbringung von menschlichen Insulin-Genen in
geeignete Bakterienkulturen folgen, was die "Massenproduktion" von menschlichem Insulin für die Diabetes-Behandlung ermögliche.
Gene

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Gene als die Grundeinheiten für die Vererbung bestimmter Merkmale enthalten genaue chemische Anweisungen für die Produktion von Substanzen wie
etwa des Hormons Insulin aus Aminosäuren.

Jeder Eiweißkörper und jedes

Hormon, die der Körper aufbaut, werden hinsichtlich ihrer chemischen Zusammensetzung, ihrer Produktion und ihres Einsatzes von besonderen Instruktionen aus dem zugehörigen Gen gesteuert.

Jedes Gen, das Teil des gene-

tischen "Schlüsselmoleküls" DNS (Desoxyribonukleinsäure) im Zellkern ist,
setzt sich seinerseits aus Aminosäuren in ganz bestimmter Aufeinanderfolge
zusammen.
Die Technik des Herauslösens einer solchen Sequenz aus der komplizierten
Helix-Struktur des DNS-Moleküls und ihre Kombination mit genetischem Material
ganz anderer, artfremder Organismen wurde in letzter Zeit außerordentlich verfeinert.

Solche Neukombinationen, die mit Hilfe bestimmter "Vehikel" wie

z.B. der einfacheren ringförmigen DNS-Moleküle aus dem Zellplasma (Plasmide)
und unter Verwendung von Enzymen erfolgen, machen nun den Weg frei für die
Übertragung spezieller genetischer Merkmale von einem Organismus auf einen
völlig andersgearteten Organismus.
Im Fall der Experimente Dr. Rutters und seiner Mitarbeiter mußte zunächst
das Gen ausfindig gemacht werden, das die Insulinproduktion steuert. Dies
allein ist schon ein überaus mühsamer und schwieriger Prozeß. Im Laufe der
Untersuchungen gelang es auch, einen Teil des Insulin-Gens zu analysieren,
dessen Aufbau bis dahin nicht bekannt war. Die erfolgreiche Fortsetzung dieser Art berechtigt zu der Hoffnung, daß eines Tages die eigentlichen Ursachen
der Diabetes-Erkrankungen erkannt werden. Sie werden durch einen Defekt des
Organismus ausgelöst, das Hormon Insulin, welches den Stoffwechsel von Zucker
und anderer Kohlenhydrate steuert, entweder selbst zu produzieren oder für die
Stoffwechselreaktionen richtig zu nutzen.
Gegenwärtig gewinnt man das zur Diabetes-Behandlung erforderliche Hormon
aus Rinder- und Schweine-Insulin. Viele Diabetiker sind jedoch allergisch
gegen tierisches Insulin, so daß sich bei ihnen oft schwerwiegende Nebenwir- 2 -

�Nebenwirkungen entwickeln.
Diabetes überall
größer.

Auch nimmt die Häufigkeit der Erkrankungen an

in der Welt zu - der Bedarf an Insulin wird also immer

Eine "Synthese" des Hormons in ausreichender Menge und in der dem

Menschen am besten zuträglichen Form würde einen großen Fortschritt bedeuten.
Das Umkopieren und die Reproduktion des Ratteninsulins innerhalb der DNSMoleküle von E.Coli-Bakterien können als erste Schritte zu diesem Ziel betrachtet werden.
bis 4000 Gene.

Die als "Synthesefabrik" benutzten Bakterien haben 3000
Beim Menschen geht diese Zahl in die Zehntausende.

Die Mitteilung der Universität Kalifornien kommt zu einem Zeitpunkt,
da in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern leidenschaftliche Diskussionen über die Gen-Chirurgie und die Experimente der Neukombination von
genetischem Material im Gange sind. Sowohl im US-Kongreß als auch in den
Parlamenten verschiedener amerikanischer Bundesstaaten und auf kommunaler
Ebene wird die Frage erörtert, ob diese Forschungen überhaupt durchgeführt
werden sollen und dürfen, und wenn ja, unter welchen Bedingungen und nach
welchen Richtlinien.
Die Frage wurde vor vier Jahren zum ersten Mal in der Öffentlichkeit
gestellt, als einige Wissenschaftler, die in der molekular-genetischen Forschung tätig waren, sich für die Einstellung der Arbeiten auf bestimmten Gebieten der DNS-Forschung einsetzten. Das Moratorium sollte vor allem für
Versuche gelten, bei denen Gene tierischer Tumorviren mit Bakterien-Genen,
die im menschlichen Körper existieren können, kombiniert werden sollten.
Man fürchtete, daß durch Rekombination veränderte Bakterien auf irgendwelchen
Wegen aus den Laboratorien hinausgelangen und Infektionen auslösen könnten,
deren Art und Ausmaß gar nicht abschätzbar sei.
Die Mehrzahl der Wissenschaftler, die sich mit diesem Gebiet der genetischen Forschung befassen, halten zwar Epidemien durch rekombinierte Organismen für wenig wahrscheinlich.

Jedoch war die Öffentlichkeit alarmiert,

aus der nun Stimmen laut wurden, die forderten, "der Natur nicht ins Handwerk zu pfuschen".. Das freiwillige Moratorium von 1973 führte zwei Jahre
später zu der internationalen Konferenz in Asilomar (Kalifornien), auf der
- 3 -

�der sich die Teilnehmer auf bestimmte Auflagen für die Durchführung der
wissenschaftlichen Experimente einigten.

Die Richtlinien und strengen

Sicherheitsmaßnahmen, die im Anschluß daran von den Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (NIH) für die Vereinigten Staaten ausgearbeitet und im Juni 1976 bekanntgegeben wurden, erscheinen jedoch vielen als
nicht ausreichend: Sie gelten z.B. nur für Experimente, die mit staatlicher
Förderung durchgeführt werden, jedoch nicht für Forschungen von privater
Seite.
In diesem Jahr begannen im US-Kongreß Anhörungen zu Gesetzesvorlagen,
die die gesamte DNS-Forschung in den Vereinigten Staaten regeln werden.

Je-

doch konnten sich Senat und Repräsentantenhaus noch nicht darüber einigen,
ob die Entscheidungen in Händen einer 11-köpfigen Fachkommission oder beim
Bundesminister für das Gesundheits-, Bildungs- und Fürsorgewesen liegen
sollten.

Manche Wissenschaftler warnen eindringlich vor übereilten Maß-

nahmen.

Sie fordern gründliche Überlegungen und die Untersuchung des ge-

samten Komplexes "Rekombination" unter allen nur erdenklichen Aspekten
- nicht nur unter Berücksichtigung von Gesichtspunkten, die beispielsweise
für die Medizin interessant sein könnten.

+ + + + +

- 4 -

�1

Wi//en/chaft
und Technik

I

United States Information Service

16

14. Juni 1977

UNBEKANNTE PFLANZENROSTPILZE IDENTIFIZIERT

- (AD) - Dr. Joe F. Hennen, Botaniker von der Purdue-Universität
(Lafayette, Indiana), identifizierte bei Arbeiten in Brasilien mehr als 20
bisher unbekannte parasitäre Rostpilze, die u.a. die Kaffee-Ernte bedrohen.
Sie zählen zu den über 5 000 Arten solcher Parasiten, die es überall auf
der Erde gibt. Die meisten sind unschädlich für ihre Wirtspflanzen.
Befallen sie jedoch Kulturen, so besteht die Gefahr, daß die Produktion
der Kulturpflanzen aus dem Gleichgewicht gerät. Sie verlieren ihre
Blätter und sterben schließlich ab. Das Besprühen mit Chemikalien bringt
meist nur bis zu einem gewissen Grade Rostkrankheiten under Kontrolle.
Manchmal bleibt nichts anderes übrig, als den gesamten Pflanzenbestand des
Feldes zu vernichten.
Gewöhnlich zeigt sich die Krankheit in gelblichen und rötlichen
"Rostflecken" oder in einem schwärzlichen puderähnlichen Belag.

Der Rost

greift die Wirtspflanze an, indem der Parasit mit fadenähnlichen Fasern in
die Pflanzenzellen eindringt und ihnen Nährstoffe entzieht.

Es handelt sich

um überaus komplizierte Mikropilze, die in einem einzigen Zyklus vier oder
fünf verschiedenartige Sporen bilden und auf einer oder auch zwei bestimmten
Wirtspflanzen leben.
Dr. Hennen

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Dr. Hennen stellt gegenwärtig mit seinem brasilianischen Kollegen
Dr. Mario Figueiredo vom "Instituto Biologico" in Sao Paulo ein "Handbuch
zur Identifizierung tropischer Rostparasiten" zusammen.

Die erforder-

lichen Geldmittel stellt die US-Behörde für internationale Entwicklung
(AID) zur Verfügung.

Wie Hennen jetzt der amerikanischen Nationalen

Wirtschaftsstiftung (NSF) berichtete, sei eine der neuentdeckten Rostarten
die erste, die mit Sicherheit auf Palmen identifiziert worden sei.
Einige andere sind Parasiten bestimmter,

in Brasilien heimischer Baum-

arten.
•

"Die Entdeckungen zeigen", so Dr. Henne, "wie wenig wir noch von
Rostparasiten in den Tropen wissen".

In Zusammenarbeit mit brasilianischen

landwirtschaftlichen Stationen sollen sowohl die Varianten der etwa 2500
Rostparasiten als auch ihre Wirtspflanzen, soweit sie bisher in diesem
Teil Südamerikas bekannt geworden sind, erfaßt und die komplexen Phasen
der Lebenszyklen dieser Mikroorganismen untersucht werden.

Dies ist

schon deshalb besonders wichtig, weil in Brasilien und in anderen tropischen Ländern derzeit große Dschungel gebiete für die Anlagen von
Pflanzenkulturen gerodet werden.
In Brasilien konzentriert sich das Interesse gegenwärtig auf die erst
seit ein paar Jahren beobachteten Rostkrankheiten von Kaffeepflanzen.
Obgleich in Afrika und Asien schon seit langem bekannt, wurden sie erst
Anfang der siebziger Jahre in Südamerika eingeschleppt - möglicherweise
mit importierten Pflanzen.
+ + +

�</text>
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